Gottlieb Konrad Pfeffel Biographie eines Pudels Einleitung In einem der großen Seen, welche unsere Sternseher im Monde bemerken, liegt eine Insel, die seit Jahrtausenden zum Elysium für die Schatten der Hunde, dieser treuen Gefährten der Menschen, bestimmt ist. Der ernste Dogge und das schmeichlerische Windspiel, der cholerische Pommer und der drollichte Pudel vereinigen sich hier in brüderlichen Gruppen, aus denen selbst das alberne Möpschen und der sybaritische Bologneser nicht ausgeschlossen sind, weil sie, wie der Domherr und der Stutzer, mit ihrer sublunarischen Hülle die angemaßten Privilegien ihrer Kaste zurücklassen. Einst war ein solches Kränzchen an dem blumichten Ufer des Sees versammelt, als der Schatten eines ihrer Brüder, von einer Silberwolke getragen, in einer nahen Korallenbucht anlangte. Der Ankömmling wurde mit emsiger Freude bewillkommt, und schwebend in den bunten Zirkel eingeführt. Als er sich von der süßen Ermattung der Überfahrt erholt hatte, sprach der Aldermann des Clubs zu ihm: Bruder, die Gesetze unserer Republik legen Dir die Pflicht auf, uns die Geschichte Deiner irdischen Pilgrimschaft zu erzählen; wir sind begierig, sie anzuhören. Meine Geschichte, antwortete der Schatten mit heiterer Miene, ist keine von den alltäglichen. Hätte ich, wie jetzt, die Gabe der Vernunft und der Sprache, oder wie so manche Gecken und Gauner der Unterwelt, meinen Biographen gehabt, so würde die Epopee meines Lebens mit didotischen Lettern auf Subskription gedruckt, und durch Pinsel und Grabstichel auf Sonnenfächern und in Almanachen verewigt worden sein. Doch mein Heldentum kam mich zu teuer zu stehen, und machte mir oft zu wenig Ehre, als daß ich mich hier, wo alle Täuschung aufhört, damit brüsten sollte. Wenn indessen meine Geschichte dem Zirkel meiner neuen Freunde eine angenehme Stunde machen kann, so werde ich es nicht bereuen, der Ritter eines Romans gewesen zu sein. Mit lüsterner Ungeduld lagerte sich die Gesellschaft um den Fremdling her, und er erzählte an der Seite des Dekans, was die folgenden Blätter enthalten: Erstes Kapitel Ich ward in dem freien Germanien unter der Regierung eines gekrönten Philosophen geboren, der die großen Soldaten und die kleinen Windspiele mit gleicher Leidenschaft liebte. Meine Mutter war die Favoritin eines ehrlichen Schusters, dessen Haus sie bewachte. Sie gehörte zum unvermischten Geschlecht der Pudel, und da auch ich ein echter Pudel geworden bin, so muß mein Vater wohl auch ein Pudel gewesen sein. Mehr weiß ich nicht von ihm zu sagen, und habe diese genealogische Lücke mit vielen Adamskindern, mit und ohne Ahnentafeln, gemein, deren Väter in den Kirchenbüchern weiß bleiben würden, wenn es nicht hergebrachte Sitte wäre, den Raum auf ein Geratewohl auszufüllen. Meine zierliche Gestalt und mein pechschwarzer Balg zogen die Blicke eines Grenadiers auf sich, der bei meinem Hausherrn im Quartier lag; er bot ihm einen meerschaumenen Pfeifenkopf für mich an, und diesem Pfeifenkopfe hatte ich es zu danken, daß ich nicht wie meine drei Brüder oder Schwestern gleich nach meiner Geburt ersäuft wurde. Als ich zum erstenmal meine Augen öffnete, fand ich mich an der vollen Zitze meiner Mutter, die mich freundlich anblickte, und mir das Gesicht leckte. Bisher glich mein Dasein einem dunkeln Traume; der Anblick und die Liebkosungen meiner Mutter erregten in mir das erste Gefühl der Freude. Da ich ihr einziger Säugling war, so mußte ich notwendig gedeihen, und meine Liebe zu meiner guten Amme wuchs so wie mein Bewußtsein mit jedem Tage. Als ich die vierte Woche meines Lebens zurückgelegt hatte, wurde ich entwöhnt, und gegen den meerschaumenen Pfeifenkopf in bester Form ausgewechselt. Lafleur, so hieß mein Patron, der vor zwanzig Jahren ohne Regimentspaß aus Frankreich verreist war, legte mir den Namen Joli bei, den ich, ohne Ruhm zu melden, täglich mehr rechtfertigte, und ließ mir in keinem Stücke etwas abgehen. Über seinem Kommißbrot und seinen Kartoffeln vergaß ich in kurzem die Muttermilch, und da der wohlhabende Schuster mich bisweilen zur Tafel zog, so mangelte es mir auch nicht an Gelegenheit, meine jungen Zähne an saftigen Knochen zu üben. So verstrichen mir die Flitterwochen meiner Kindheit, auf welche bald eine ernsthaftere Periode folgte. Man urteile, wie mir zu Mute war, als Herr Lafleur mich eines Tages beim Schopfe faßte, und mich aufrecht an eine Mauer stellte. Diese Positur war mir zu fremd und zu lästig, als daß ich nicht augenblicklich mein Gleichgewicht auf den Vorderfüßen gesucht hätte; allein mein Mentor wußte den Hang der Natur jedesmal durch ein Stäbchen zu hindern, womit er mir auf die Pfoten klopfte. Kurz, nach einem achttägigen Unterrichte konnte ich gerade wie ein Bolzen an der Wand stehen, und nun legte man mir einen Fliegenwedel in den Arm, und schmückte mein Haupt mit einer papiernen Grenadiermütze. Doch damit war meine pädagogische Laufbahn noch lange nicht geendigt. In Zeit von einem Jahre lernte ich unter manchem Seufzer und manchem Puffe mit demütiger Grazie aufwarten, ins Wasser gehen, das Verlorne suchen, die bedeckten Köpfe entblößen, und für den großen Friedrich sowohl als für Monsieur Lafleur über den Stock springen. So beschwerlich mir mein Noviziat wurde, so reichlich ward ich nach Vollendung meiner Studien für meine ausgestandenen Mühseligkeiten belohnet. Jeder Zuschauer, vor dem ich in den Wirtshäusern und Bierschenken meine Künste machen mußte, gab mir etwas zu naschen, und wenn mein Herr und Meister mich mit auf die Hauptwache brachte, nahmen die gutherzigen Soldaten den Bissen aus dem Munde, um mir ihn darzuwerfen. Mit einem Worte: Joli ward von jedermann geliebkost und das ganze Städtchen erscholl von seinem Lobe. Zweites Kapitel Beinahe ein Jahr erhielt ich meine Zelebrität; alsdann aber fing ich nach und nach an, in Vergessenheit zu geraten, weil ich der Neugier des Publikums keine frische Nahrung anbieten konnte. Um diesem Übel abzuhelfen, ging mein schlauer Mentor wirklich mit dem schauerlichen Projekt um, mir einige neue Kunststücke einzubläuen, als ein glücklicher Zufall ihn und mich dieser Arbeit überhob. Es war Jahrmarkt in unserm Städtchen, und Lafleur benutzte diese Gelegenheit, um mich vor den fremden Gästen an allen Ecken und Enden zu produzieren. Meine Talente fesselten die Aufmerksamkeit eines Marionettenspielers, der auf dem Marktplatze seine Bude aufgeschlagen hatte. Er machte einen Anschlag, mich seinem dramatischen Apparate beizugesellen, und kaufte mich von meinen bisherigen Gebieter um zween Dukaten. Noch am nämlichen Tage mußte ich seinem hölzernen Hanswurst zum Bucephal dienen, als er in seiner Begleitung mit der Trommel durch die Stadt zog, und den hohen Gönnern seines Theaters eine extralustige Haupt- und Staatsaktion ankündigte. In den Zwischenakten mußte ich meine Schwänke machen, und wurde beinahe eben so sehr beklatscht, als mein Nebenbuhler mit der roten Jacke und dem zugespitzten Hute. Nach einigen Tagen brachen wir unsern Musentempel ab, und verfügten uns in kleinen Märschen nach einem böhmischen Flecken, wo wir Halt machten. Hier erwartete mich eine klägliche Katastrophe. Mein neuer Patron ließ mich auf einmal alle meine Talente auskramen. Zuletzt hielt er mir einen Stock vor, und sprach: Heida, Joli, springe für den Kaiser! Ich, der ich nur gewohnt war, für den König zu springen, und gar nicht wußte, was ein Kaiser für ein Ding war, rührte mich nicht, und ließ mir den Befehl zum drittenmale wiederholen, ohne die mindeste Anstalt zu einer Kapriole zu machen. Diese Halsstarrigkeit setzte das ganze Parterre in Bewegung. Mein Prinzipal wurde als ein Feind des Staats von einem patriotischen Schuhflicker bei den Haaren von der Bühne gezogen, und ich würde ohne Zweifel ein Schlachtopfer meines politischen Irrtums geworden sein, wenn ich nicht in der allgemeinen Verwirrung ein Mittel gefunden hätte, durch eine Hintertüre zu entwischen. Ich hing noch zu wenig an meinem neuen Herrn, um mich in seine Herberge zu flüchten. Ich ergriff vielmehr die günstige Gelegenheit, mich in Freiheit zu setzen, und lief spornstreichs dem Felde zu, wo ich mich in einem Weizenacker versteckte, der mich vor allen Nachstellungen schützte. Drittes Kapitel Ich brachte die ganze Nacht in meinen Asyl zu, des folgenden Morgens nötigte mich der Hunger, es zu verlassen. Ich richtete meinen Zug nach einem Dorfe, das ich in der Ferne wahrnahm, und kehrte voller Zuversicht in der ersten besten Schenke ein, die am Wege lag. Wie groß war mein Erstaunen und meine Freude, als ich bei meinem Eintritt in die Stube meinen Pädagogen Lafleur erblickte, der bei einem Glase Bier hinter dem Tische saß, und dem Wirte die Geschichte seiner Desertion von den Preußen erzählte. Er erkannte mich eben so schnell, als ich ihn erkannte; ich sprang in seine offenen Arme, und leckte seine braunen Wangen; indes er mich bei meinem Namen nannte und an sein Herz drückte. Der Wirt und die Wirtin staunten uns wechselsweise an, und als sie mich mit gierigen Blicken ein Brot verschlingen sahen, das auf dem Tische lag, ward ich von ihnen und meinem Freunde um die Wette für meine lange Diät schadlos gehalten. Nach der Mahlzeit machten wir uns auf den Weg, und langten nach zween Tagen in Prag an, wo Lafleur seine Haut von neuem verkaufte. Er ermangelte nicht, meine alten Collegia mit mir zu wiederholen; und da er nun einen weißen Rock trug, so war sein erstes Geschäfte, mich für den Kaiser springen zu lehren. Dieser Name hatte sich meinem Gedächtnisse zu tief eingeprägt, als daß es viel Mühe gekostet hätte, mir das neue Manövre beizubringen. Meine Talente trugen ihm manchen Kreuzer ein, und ich würde der glücklichste Pudel von der Welt gewesen sein, wenn seine neidischen Kameraden mich nicht angefeindet und oft gar mißhandelt hätten. Lafleur sah es, und erwartete nur eine Gelegenheit, mich ihrem Grolle zu entziehen. Diese blieb nicht lange aus: ein Landjunker, der nach Prag gekommen war, um für seine Söhne einen Hofmeister zu suchen, aber keinen für die sechzig Gulden finden konnte, die er zu seinem Gehalte bestimmte, wollte ihnen wenigstens einen Gesellschafter mitbringen, und tat sich mächtig viel auf seine Spekulation zu Gute, als ich ihm von meinem Mentor um sechs Gulden erlassen wurde. Die gnädige Frau und die hochadeliche Familie machten große Augen, als sie statt eines Professors in partibus einen Pudel aus dem Wagen springen sahen; ich darf aber ohne Prahlerei sagen, daß wenigstens die kleinen Jungen mit dem Tausche herrlich zufrieden waren; zumal nachdem der gnädige Papa sein Verfahren durch einen praktischen Beweis meiner Verdienste legitimiert hatte. In wenig Tagen ward ich, meiner bürgerlichen Abkunft ungeachtet, wie das jüngste Kind des Hauses angesehen. Die Jünkerchen äzten mich von ihren Tellern, und betteten mir in ihrer Kammer. Mein Mäzen aber ließ mir ein stattliches mössingenes Halsband mit seinem Wappen und der Inschrift verfertigen: Ich, Joli, habe die Gnade, Seiner Hochfreiherrlichen Exzellenz, dem Herrn Baron von Rehbok, anzugehören. Viertes Kapitel Ein altes Sprichwort sagt: «Nichts ist schwerer zu ertragen, als gute Tage.» Der Müßiggang und das Wohlleben, das ich nun zween Monate bei meinem erleuchten Gönner genossen hatte, erzeugten in mir den mutwilligen Einfall, mit einem seiner Hühnerhunde schöne zu tun, und was noch schlimmer war, mich von dem Burgherrn bei dem klaren Scheine des lieben Mondes in einer meiner galanten Zusammenkünfte betreten zu lassen. Unmöglich läßt sich der Ingrimm des Junkers über meinen angeblichen Frevel beschreiben. Ha! Kanaille, rief er, indem er mich mit Füßen trat: du willst die Ehre meiner Diana beflecken; es würde ein sauberes Gezüchte zum Vorschein kommen, wenn ich dir nicht Einhalt täte. Holla, Nimrod! So hieß sein Hofjäger, sperre mir das Rabenaas bei Wasser und Brot ins Loch, bis ihm der Kitzel vergangen ist. Nimrod verrichtete den Auftrag mit so vieler Genauigkeit, daß ich einem Totengerippe ähnlich sah, als nach einer achttägigen Kasteiung die junge Herrschaft durch einen Fußfall meine Loslassung erflehete. Nun war mir freilich der Kitzel vergangen, und ich brauchte mehr als einen Monat, bis ich meine vorige Munterkeit wieder erlangte; was ich aber nicht wieder erlangen konnte, war die Gnade Seiner Exzellenz. Diese hatte ich auf immer verscherzt, und bemerkte nur allzuwohl, daß er mich bloß seiner Kinder wegen beibehielt. Ihre Liebkosungen entschädigten mich für die Abneigung ihres Vaters, und ich fing an, seine Launen mit stoischer Gleichgültigkeit zu ertragen, als ich zum zweitenmal ein Märtyrer meiner Weichherzigkeit wurde. An einem schönen Herbstmorgen begleitete ich meine jungen Herren auf einem Spaziergange in ein nahe gelegenes Wäldchen. Ein geheimer Instinkt führte mich zu einem Busche, in welchem ich eine lebendige Kreatur entdeckte. Dieser Anblick fesselte alle meine Sinne, und ich hörte nicht auf zu winseln und zu bellen, bis die kleinen Junker, die mir vergebens gepfiffen hatten, mit vorwitziger Ungeduld herbeiliefen. Sie fanden in dem Busche ein neugebornes Kind, das auf einem armseligen Strohkissen lag, und durch sein wehmütiges Ächzen sein Dasein bejammerte. Das Herz der Knaben war verwildert, aber nicht fühllos. Der ältere nahm das Kind auf seine Arme, und eilte, von seinem Bruder begleitet, mit seiner Beute triumphierend nach dem Schlosse. Die gnädigen Eltern saßen gerade beim Frühstück, als der Zug, bei dem ich nicht dahinten blieb, in den Familiensaal eintrat. Beede Knaben erzählten in froher Begeisterung, was ihnen begegnet war, und der jüngere ermangelte nicht, meiner, als des Urhebers dieses glücklichen Fundes, mit Ruhme zu erwähnen. Er hatte noch nicht ausgeredet, so schmiß der gnädige Papa seine lange Pfeife in eine Ecke und rief mit brüllender Stimme: Ihr Teufelsbraten, was habt Ihr getan? Meint Ihr denn, ich soll alle Bastarde des Gaues großfüttern? Habe ich nicht schon zween auf dem Brote, die in meinem Gebiete gefunden wurden? Ihr hättet den Balg sollen liegen lassen. Und du, verdammtes Biest, fuhr er fort, indem er mich mit dem Blicke des Zerberus andonnerte, warte, ich will dich für deinen Samariterdienst belohnen. Wie der zückende Blitz fiel er auf seinen Stutzer, und dieser Augenblick würde mein letzter gewesen sein, wenn nicht, eben da er anschlug, Nimrod mit einem Hasen die Türe geöffnet hätte. Ich ersah diesen glücklichen Moment, und flog wie ein Pfeil zum Loche hinaus. Fünftes Kapitel Ich setzte über Zäune und Gräben, und sah mich nicht eher um, als bis ich mich in einem Hohlwege befand, aus dem ich nichts mehr als die Spitze des Schloßturmes erblicken konnte. Hier legte ich mich an einer Quelle nieder, und kühlte meine lechzende Zunge mit einem Labetrunk. Von Müdigkeit, und noch mehr, von der ausgestandenen Todesangst erschöpft, sank ich in einen tiefen Schlaf, aus dem ich erst am hohen Mittage durch einen reisenden Handwerksburschen aufgeschreckt wurde, der sich bei der Quelle niederwarf, um seine dürftige Mahlzeit zu halten. Er zog ein Kreuzerbrot und ein Stück Käse aus der Tasche, und erregte dadurch meinen Appetit. Ich setzte mich auf meine Hinterkeulen, und bat mich so demütig bei ihm zu Gaste, daß er sich keinen Augenblick bedachte, seine kalte Küche mit mir zu teilen. Da jeder Weg mir recht war, der meine Flucht begünstigte so drang ich mich meinem neuen Wohltäter zum Reisegefährten auf. Denn ungeachtet die Geographie keinen Teil meiner gelehrten Erziehung ausgemacht hatte, so sah ich doch gar wohl ein, daß seine Marschroute mich immer weiter von der furchtbaren Burg meines Tyrannen entfernte. Unter Weges benutzte ich jeden Anlaß, um dem guten Kerl gefällig zu sein: der Wind warf ihm seinen Hut vom Kopfe, ich hob ihn wieder von der Erde auf, und präsentierte ihm denselben mit einem so guten Anstande, daß er von nun an ein Finanzprojekt auf meine Talente gründete. Zu diesem Ende drehete er so lange an dem Vorlegeschlosse meines Halsbandes, daß es ihm endlich gelang mich von diesem aristokratischen Schmucke zu befreien. Ich bezeugte ihm meinen Dank durch einen Purzelbaum, den selbst Monsieur Lafleur beklatscht haben würde, und konnte nicht aufhören, mich zu schütteln, und, gleich einem Missetäter, der vom Pranger befreit wird, die Angeln meines Nackens in Bewegung zu setzen. Mein Kompan warf das Halsband in eine Pfütze, doch nicht ohne zuvor die Inschrift gelesen und sich meinen Namen gemerkt zu haben. Ungefähr sechs Tage waren wir ganz traulich miteinander fortgepilgert, als wir ohne weiteres Abenteuer die Stadt Dresden erreichten. Es war Mittag: die Schornsteine rauchten, und aus dem Küchenfenster eines stattlichen Gasthofes duftete uns ein so süßer Geruch entgegen, daß wir beide zu gleicher Zeit einen mächtigen Hang verspürten, dieses Laboratorium des Wohllebens näher zu besichtigen. Wir wanderten gerades Wegs in die Küche, wo wir den Sohn des Wirts, einen rüstigen Jüngling von achtzehn Jahren, in voller Arbeit antrafen, einen ungeheuern Truthahn vom Spieße zu ziehen. Mein Gefährte bot mich, ohne weiters, dem jungen Menschen zum Verkauf an, und ließ mich, um seine Ware anzupreisen, einige meiner Kunststücke machen, die er mir unterwegs abgelauscht hatte. Der Handel war noch nicht geschlossen, als der Wirt in die Küche trat. Mein Spießgeselle vergaß den Hut vor ihm abzunehmen; mit der Behendigkeit eines Vogels schwang ich mich empor, und riß ihm den Deckel vom Kopfe. Dieser Zug meiner feinen Lebensart entschied mein Schicksal. Der Wirt erhandelte mich für einen harten Taler, gab meinem Begleiter noch ein Stück kalten Braten in den Kauf, und warf mir zum Willkomm die abgeschälten Überbleibsel einer Schöpsenkeule vor, die ich mir trefflich schmecken ließ. In wenig Tagen vergaß ich meine ausgestandenen Drangsale, und meine lockige Hülle, die mir während meiner Wanderschaft sehr weit geworden war, begonnte sich allmählich wieder auszufüllen. Ich bot all mein Genie auf, um mich bei meiner neuen Herrschaft in Gunst zu setzen, und war in wenig Wochen der Hahn im Korbe. Sechstes Kapitel Zum zweitenmal ließ ich mich durch mein Glück verblenden. Nicht zufrieden mit den Emolumenten der Küche, und mit den leckern Resten der Wirtstafel, geriet ich einst in die schwere Versuchung, einen prächtigen Karpfen vom Roste wegzufischen. Einige Augenblicke bekämpfte ich zwar diesen leichtfertigen Einfall; es war mir aber nicht möglich, meiner Lüsternheit zu widerstehen, und ich war im vollen Genusse der verbotnen Frucht begriffen, als mein Herr mich auf der Tat ertappte. Mit schäumender Wut ergriff er einen Bratspieß, und drosch damit so unbarmherzig auf mich los, daß, wenn sein Sohn mir nicht zu Hilfe geeilt wäre, ich meine Naschhaftigkeit mit meinem Leben gebüßt haben würde. Indessen wurde ich, zur innigen Freude eines im Hofe angeketteten Pommers, mit Schimpf und Schande zum Gasthofe hinausgepeitscht, und das sämtliche Gesinde bekam den strengsten Befehl, mich unter keinem Vorwande wieder über die Schwelle zu lassen. Mit schwerem Herzen und gesenktem Kopfe, wie ein reuiger Sünder, verließ ich eine Stadt, wo so mancher meiner Brüder meinen Wohlstand beneidet hatte, und beschloß, meine Schmach in einem einsamen Winkel zu verbergen. Der Zufall, oder vielmehr die unsichtbare Hand der Rache beförderte meinen Vorsatz. Sie führte mich in einem armseligen Dörfchen vor die Hütte eines Nagelschmidts, der mit seinem Weibe auf einer Bank saß, und sein Vesperbrot verzehrte. Indem ich nun vor ihn trat, und ohne Umschweif um eine Zehrung supplizierte, sagte der russigte Zyklope zu seiner Hälfte: Sieh einmal, Hanne, den vierschrötigen Pudel an. Der könnte uns, Gott straf mich, unsern seligen Spitz ersetzen. Hast recht, antwortete das Weib; allein er mag wohl schon seinen Herrn haben. Ei was! versetzte der Caspar, wir wollen ihn indessen immer behalten. Hiemit reichte er mir ein Stück von seinem Gerstenbrote zum Handgelde; die Frau holte einen Strick aus der Stube, und ehe ich michs versah, war ich in der Werkstätte angebunden. Sobald der Mann an die Arbeit zurückkehrte, stellte er mich in ein Rad, in welchem ich immer vorwärts gehen, und so den Blasebalg treiben mußte. Anfänglich wollte ich zwar protestieren; allein Meister Caspar versetzte mir mit dem Hammerstiel ein paar so derbe Hiebe, daß ich ohne weiters meinen Beruf erkannte, und vermöge meiner natürlichen Gelehrigkeit, unter dem Namen Mohr, meinen Vorgänger, den seligen Spitz, in kurzem noch übertraf. Nun führte ich im genauesten Verstande das Leben eines Galeerensklaven: vom Morgen bis auf den Abend trieb ich mein Rad, und um meine Kräfte zu ersetzen, wurde mir Habergrütze und Gerstenbrot aufgetischt. In meinen Feierstunden mußte ich einen sechsjährigen Buben meines Meisters auf mir reiten lassen, und wenn ich mein Mißvergnügen durch Plefzen oder Schnappen an den Tag legte, wurde ich mit Prügeln zum Gehorsam verwiesen. Sechs Wochen harrte ich in diesem Ofen der Trübsal aus; endlich aber ward meine Geduld erschöpft. An einem Sonntage, da das Ehepaar sich nach der Kirche begeben, und mich mit meinem kleinen Henker in die Stube gesperrt hatte, übermannte mich die Verzweiflung. Ich bahnte mir mit dem Kopfe einen Weg durch ein Fenster, das nach der Straße ging, und raffte den ganzen schwachen Überrest meiner Kräfte zusammen, um meinem Zuchthause zu entfliehen. Indessen wäre es meinem Zwingherrn leicht gewesen, mich einzufangen, wenn er meine Flucht hätte ahnen können. Ich hatte in meinem verwünschten Rade das Laufen verlernt, und erst nach einer Stunde erlangte ich den freien Gebrauch meiner Beine wieder, die mich in einem scharfen Trabe nach einem Meierhofe trugen, wo meine spektralische Gestalt hinreichte, um mir bei dem gutherzigen Pächter ein Mittagsmahl und ein Obdach auszuwürken. Siebentes Kapitel Am folgenden Morgen machte ich mich, mit neuer Kraft ausgerüstet, schleunig auf den Weg, weil ich mich noch immer fürchtete, von meinem nachjagenden Herrn ausgespürt zu werden. Ich vermied daher die Landstraße, und folgte einem Fußsteige, der mich endlich einem Dorfe zuführte, das an einem Bache lag. Am Eingange desselben erblickte ich eine hübsche junge Bäurin, die am Ufer des Baches kniete, und mit heiterer Miene einige Windeln wusch. Ein holdes Mädchen, von vier bis fünf Jahren, saß bei ihr im Grase; es hatte ein paar gebratne Kartoffeln in seinem Schürzchen, und eine in der Hand, die es eben zum Munde führte. Ich näherte mich dem Kinde mit der freundlichen Zutätigkeit eines Schmarotzers. Aber der Schrecken über meine Erscheinung, und die Furcht für sein Frühstück, preßten ihm dennoch einen lauten Schrei aus. Die Mutter drehte den Kopf und las meine friedfertige Gesinnung in meinen Augen. Fürchte dich nicht, Lieschen, sagte sie, er tut dir nichts; das arme Tier ist hungrig, gib ihm eine von deinen Kartoffeln. Lieschen gehorchte, und reichte mir eine, die ich ihm so sittig, als ich nur konnte, aus dem Händchen nahm, und an seiner Seite verzehrte. Nun war die Mutter mit ihrer Wäsche fertig, und hing sie in einer kleinen Entfernung an ein Seil auf, das sie an zween Obstbäumen befestigt hatte. Während dieser Arbeit wollte Lieschen das Geschäfte der Mutter nachahmen; es kroch näher an das Ufer, und bückte sich in das Wasser, um sein Schnupftuch zu waschen. Der Kopf wurde dem armen Kinde zu schwer, es stürzte in den Bach, ohne einen Laut von sich zu geben; ich sah es fallen, sprang ihm nach, und hielt es lange genug über dem Wasser, um der Mutter, die auf das Geräusche herbeiflog, Zeit zu lassen, mir die teure Beute abzunehmen. An dem mütterlichen Busen erholte es sich bald wieder, und als sie sich aufmachte, um es nach Hause zu tragen, sah sie sich nach mir um, und rief mir mit liebreicher Stimme zu: komm mit, lieber Pudel, so lange ich lebe, sollst du Brot bei mir haben. Es gibt eine Sprache, die alle Tiere verstehen; Mieke redete diese Sprache. Ich war mit mir selber zufrieden, und folgte ihr mit fröhlichen Schritten in ihre Wohnung. Während sie ihr Kind auskleidete, erzählte sie ihrem Manne meine Tat; dieses geschah mit einer Wärme, der das kalte Herz des Dreschers nicht widerstehen konnte; er warf mir einen Blick des Beifalls zu, und meine Adoption wurde genehmigt. Achtes Kapitel Ein ganzes Jahr lebte ich bei meiner guttätigen Bäurin, zwar nicht im Überflusse, aber in einer glücklichen Mittelmäßigkeit, und wenn mir bisweilen die Dresdner Fleischtöpfe in den Sinn kamen, durfte ich mich nur an meinen Bälgentreterdienst erinnern, um mein Schicksal zu preisen. Die erkenntliche Mieke warf mir oft ein Schinkenbein oder eine Speckschwarte zu, die ihr Mann dem Hofhunde bestimmt hatte, und so wie Lieschen heranwuchs, erneuerte sie bei ihr das Andenken der Wohltat, die sie mir verdankte. Ich hoffte bei diesen guten Seelen meine Tage zu endigen; allein das Verhängnis hatte es anders beschlossen. Mieke starb in ihrem dritten Wochenbette, und ehe sechs Monate vergingen, legte sich ihr Witwer eine andere Gehülfin bei, deren erster Anblick mich schon nichts gutes ahnen ließ. Es war eine lange, hohläugige Figur, deren Miene der ganzen Welt den Krieg ankündigte, und deren Herz keine andere Leidenschaft kannte, als den Geiz. Kaum hatte sie festen Fuß im Hause gefaßt, so versäumte sie keine Gelegenheit, mich ihrem Manne als einen lästigen Faulenzer vorzumalen. Jeden Bissen, den Lieschen mir zusteckte, verfolgten ihre Blicke bis in meinen Magen, und sie ermangelte nie, der Tischgesellschaft zu demonstrieren, daß jede Brosame, die ich genösse, ein Diebstahl sei, der an den Hühnern und Tauben, ja selbst an der ungleich nützlichern Katze verübet würde. Dieser Maxime zufolge wurde mir mein Unterhalt täglich schmäler zugemessen; allein meine Liebe zu Lieschen ertrug den Mangel ohne Murren, und wenn ich mit dem frommen Mädchen das Grab ihrer Mutter besuchte, das sie beinahe jeden Morgen mit Blumen und Tränen schmückte, so kamen wir immer gestärkt, ja sogar fröhlich nach Hause. Eines Tages fiel es der boshaften Stiefmutter ein, ihr nachzuschleichen und uns über unserm stillen Totenopfer zu überraschen. Mit knirschenden Wut riß sie das Mädchen von dem Grabe hinweg, und als ich meine kleine Freundin verteidigen wollte, versetzte sie mir mit einer dichten Rute, die sie unter der Schürze hervorzog, ein paar so unglückliche Hiebe über die Augen, daß ich von ihr ablassen, und mich unter einen Leichenstein verkriechen mußte. Nun fielen die Streiche auf das arme Kind, das sie mit sich fortschleppte, und ich hörte das abscheuliche Weib die Worte ausstoßen: Hätte nur der verfluchte Hund dich ersaufen lassen, es wäre kein Schade um dich gewesen. Nichts als das Bild der leidenden Unschuld konnte mich bewegen, nach dem Bauerhofe zurückzukehren: Ich tat es, so bald mein Schmerz vertobt hatte, und ich die Augen wieder öffnen konnte; allein kaum ließ ich mich unter dem Torwege blicken, so sah ich auf ein Signal der Harpye, die an einem Fensterchen lauschte, ihren Mann, und die beiden Knechte mit Dreschflegeln und Mistgabeln bewaffnet, gegen mich anrücken. Lieschen lief ihrem Vater mit aufgehobenen Händen nach; allein er war taub bei ihrem Flehen. Ich winkte dem kleinen Engel noch ein wehmütiges Lebewohl zu, und rettete mich durch eben das Wasser, aus welchem ich sie gerettet hatte. Neuntes Kapitel Ich floh in einen dichten Wald, und verbarg mich in eine hohle Eiche, nicht vor meinen Verfolgern, diese hatte ich nicht mehr zu fürchten, sondern vor der ganzen Welt, der ich auf ewig entsagen wollte. Ich beschloß, in dieser Wildnis unabhängig und unbemerkt als ein Einsiedler zu leben; allein ich vergaß in meinem Plane den Artikel des Proviants, und mein Magen erinnerte mich noch vor dem Einbruche der Nacht so gebieterisch daran, daß ich genötigt ward, meine Klause zu verlassen, um diesen Gedächtnisfehler wieder gut zu machen. Ich drang immer tiefer ins Dickicht, und gelangte endlich auf einen kahlen Rasenplatz, der mir ein gar seltsames Schauspiel darbot. Dreißig bis vierzig Männer, Weiber und Kinder mit verbrannten Gesichtern und zerfetzten Kleidern von allen möglichen Editionen, waren um ein großes Feuer versammelt, an welchem gesotten, gebraten, gespielt und geschmaucht wurde. Ich legte in meinem Sinne Beschlag auf das Gerippe einer Gans, die ein altes Mütterchen mit einem Medusenkopfe an einem Spieße umdrehte, und näherte mich der hochansehnlichen Gesellschaft mit ehrerbietiger Schüchternheit. Je, zum Teufel! So hallte mir plötzlich eine hohle Stimme entgegen, den Pudel sollt ich kennen. Ja, bei meiner armen Seele, er ists: Joli, Joli! kommen wir hier wieder zusammen? Da es mir nicht schwer fiel, in der Person des Redners, selbst nach einer vierjährigen Trennung, meinen ehemaligen Marionettenprinzipal zu erkennen, so legte ich ohne Bedenken das Inkognito ab, und machte ihm alle die Liebkosungen, die ich fähig hielt, das Andenken meiner Hedschra bei ihm zu vertilgen, und mir seine Protektion zu erwerben. Meine Politik war überflüssig: der Histrio gab mir mein Bewillkommungskompliment mit Wucher zurück, und sprach zur Gesellschaft: Brüder, dieser Hund ist Goldes wert; er wird uns bei unsern Kreuzzügen die wichtigsten Dienste leisten. Er sprachs, und ergriff einen Hasen, der neben ihm lag, rief mich bei meinem Namen, und warf ihn, so weit er konnte, in eine Hecke. Mit der Schnelligkeit eines Falken, schoß ich darauf zu, brachte das Wildprett zurück, und legte es meinem Gebieter zu Füßen. Ein allgemeines Händeklatschen krönte meine Heldentat, und alle Zuschauer beeiferten sich um die Wette, mich ihrer Gastfreundschaft zu versichern. Über der Mahlzeit wurde eine Expedition auf den folgenden Tag verabredet, und da ich hörte, daß die Landjunker und die Bauern, die meines Hasses so würdig waren, dabei hauptsächlich in Betrachtung kamen, so kützelte sich meine Mißanthropie an dem Gedanken, daß ich doch endlich auch einmal die unbekannte Wollust der Rache schmecken würde. Die Unternehmung wurde glücklich ausgeführt. Indes das alte Mütterchen mit dem Medusenkopfe einem jungen Gänsehirten eine schöne, reiche Braut weissagte, machte ich Jagd auf die Herde, und brachte meinem Prinzipal, der hinter einem Baume lauerte, in fünf Minuten drei Prisen, die er in seinen Schnappsack steckte. Wenig Tage darauf wurde der Hühnerhof eines Burgherrn heimgesucht, und die Gesellschaft hatte meiner Geschicklichkeit ein paar Kapaunen und einen ausgemästeten Truthahn zu danken. Kurz, es verging beinahe keine Woche, da ich nicht mit neuen Lorbeern gekrönt in unser Standquartier zurückkam, und nicht nur von meinen Waffenbrüdern, sondern auch von unsern Damen mit Gunstbezeugungen überhäuft wurde. Man legte mir den Zunamen Cartusche bei; man hielt mir eine Maitresse, man rechnete mich bei der Tafel für eine Person, der nicht etwa die verschmäheten Reste des Schmauses, sondern die fettesten Bissen zu Teil wurden. Meine Verdienste strahlten auf meinen Herrn zurück, und als das Haupt unsrer Bande an einem nicht ganz natürlichen Steckflusse starb, ward er einmütig zu seinem Nachfolger erwählt. Mit einem Worte, nie hat ein Pudel in höhern Ehren und in einem bessern Futter gestanden, als ich in den acht Monaten, die ich als Adjutant eines Zigeunerhauptmanns verlebte. Auch vergaß ich in meiner Herrlichkeit alle meine Freunde und Feinde, nur das einzige Lieschen konnte ich mir nicht aus dem Sinne schlagen, und es träumte mir oft, als ob ich dem lieben Kinde die Hand lecken wollte, aber mit einem mitleidig traurigen Blicke von ihr abgewiesen würde. Zehntes Kapitel Unsere Streifereien brachten endlich die Justiz gegen uns in Harnisch, und die benachbarten Herrschaften vereinigten sich in der Stille, um unsern Wald zu umzingeln, und ein allgemeines Treibjagen gegen uns anzustellen. Wie groß war unsere Bestürzung, als an einem schönen Morgen aus allen Ecken des Forstes Truppen und bewaffnete Bauern auf unser Standlager losstürmten. Die mutigsten unsrer Spießgesellen setzten sich zur Wehr, die übrigen suchten zu entwischen, und wurden größtenteils mit den Weibern und Kindern gefangen. So viel konnte ich mit flüchtigem Auge aus der Ferne bemerken; denn ich muß bekennen, daß ich bei der ersten Salve für rätlich fand, mich in das innere Gehölze zurückzuziehen. Ich hielt mich bereits für geborgen, als ein Bauer, der in mir vermutlich den rechten Arm des Generals erkannte, mir eine Ladung Hagel nachschickte, die verschiedene blutige Merkmale auf meinem Felle zurückließ. Zum Glück blieben meine vier Beine unversehrt und leisteten mir so treffliche Dienste, daß ich in wenig Minuten, ferne vom Schlachtgetümmel, eine Felsenhöhle erreichte, die wohl eher einem Wolfe zum Raubneste diente, und nun meine Bußzelle, wo nicht gar mein Grab werden sollte. Ich überließ mich den traurigsten Betrachtungen, und hatte volle Zeit, ihnen nachzuhängen, weil meine Wunden mich über acht Tage in einer so harten Gefangenschaft hielten, daß ich mich bloß von den Schwämmen, die in meiner Grotte wuchsen, und von den Schnecken nähren mußte, die an ihrem Eingange vorüberkrochen. Endlich konnte ich mein Siechbette verlassen, und mein Brot wieder in der weiten Welt suchen; allein es war, als ob das Brandmal der Ächtung mir auf der Stirne stünde. Ich schweifte sechs Wochen in der Irre herum, bot mich einem Leiermann, einem Kesselflicker, und einem Scherenschleifer zum Leibeigenen an, ohne mehr als einen augenblicklichen Unterhalt bei ihnen zu finden. Ich war so tief gesunken, daß ich mich in die Werkstätte meines Nagelschmidts zurückwünschte, und sie gewiß aufgesucht haben würde, wenn nicht meine Wanderungen mich ferne von den Ufern der Elbe bis an den Ursprung des Isters hinausgeschleudert hätten. Es blieb mir also nichts übrig, als mich dem Strome des Zufalls zu überlassen, der mich eines Tages vor ein prächtiges Kloster führte, an dessen Pforte ein Laienbruder die sogenannte Bettelsuppe austeilte. Ein ganzer Rudel von zerlumpten Gästen drängte sich hinzu, und ich wagte es, mich unter die Postulanten zu mischen. Ich bemerkte unter ihnen die Bettel mit dem Medusenkopfe, die mich immer vorzüglich begünstigt und sich kurz vor unserer Niederlage von der Gesellschaft verloren hatte; sie war es, die mir meine Leda, so hieß meine Maitresse, in die Arme führte, und den galanten Einfall hatte, mich für sie springen zu lehren. Nun hatte sie das Amt einer Sybille, mit dem einer Betschwester vertauscht, das sie durch einen ungeheuren Rosenkranz beurkundete, und als eine ehemalige Pfaffenköchin meisterhaft ausübte. Ich flehete sie demütig um Schutz an. Ei, willkomm lieber Joli, sagte sie, indem sie mich streichelte, und mir ein Stück Bettelbrot reichte. Die Umstehenden murrten über diese Entweihung des Klostergutes, und verklagten sie bei dem schwarzen Truchsesse. Ihr wißt nicht, ehrwürdiger Bruder, sagte sie zu diesem, was das für ein verständiger Pudel ist. Beschafft mir gleich eine Audienz bei seiner Hochwürden, Euere Gefälligkeit soll Euch nicht gereuen. Sie sprach in einem so zuversichtlichen Tone, daß der Halbmönch kein Bedenken trug, ihr zu willfahren. Er kam mit einem günstigen Bescheid zurück, und ich wurde mit dem Mütterchen vor den Abt geführt, der ein dicker, schwerhöriger Bonze war. Die alte Hexe küßte den Saum seiner Kutte, und überreichte mich ihm als einen Tribut ihrer frommen Ehrfurcht. Zu gleicher Zeit ließ sie mich meine Künste machen, die ihr alle bekannt waren, und mehr als einmal das Zwerchfell des infulierten Faultiers erschütterten. Zum Beschlusse hielt sie mir ihren Pilgerstab vor, und nachdem ich für den Kaiser gesprungen war, befahl sie mir auch, ich weiß nicht, ob aus Mutwillen, oder aus alter Gewohnheit, für Leda zu springen. Ich tat es mit bewunderungswürdiger Behendigkeit; der Prälat, der Vater Beda hieß, verstund das Weib unrecht, und glaubte, die Kapriole gelte Seiner Hochwürden. Nun war mein Glück gemacht; er nickte mir seinen gnädigen Beifall zu, beschenkte das Mütterchen mit einem Gulden und einem Amulette, und empfahl mich der Obsorge des Bruder Kochs, welcher nicht ermangelte, mir eine so reiche Portion vorzusetzen, daß ich, der ich Tages zuvor Gefahr lief, Hungers zu sterben, itzt beinahe an einer Indigestion zerplatzt wäre. Eilftes Kapitel Mein Glückswechsel hatte auch einen wohltätigen Einfluß auf meine Duenna. Seine Hochwürden befahlen, ihr wöchentlich einen Batzen und ein Roggenbrot zu reichen, und ich versäumte keine Gelegenheit, ihr meinen Dank durch die wärmsten Liebkosungen zu bezeugen. Mein Prälat ließ mich nicht von seiner Seite; Weizenbrot und Roßbiff waren meine gewöhnliche Nahrung, und der gutherzige Mann beklagte es oft, daß ich ihm nicht mit seinem Niersteiner Bescheid tun konnte. So oft wir fremde Gäste hatten, und dieses geschah beinahe täglich, mußte ich die Gesellschaft beim Nachtische mit meinen Gaukeleien belustigen, und die Szene jedesmal mit einem Luftsprunge für Vater Beda beschließen. So verstrich mir abermal ein Jährchen in Hülle und Fülle, und da ich meinen hohen Prinzipal täglich zu Chore begleitete, so setzte ich mich dadurch in einen Geruch der Heiligkeit, der meinem Glücke eine ewige Dauer zu versprechen schien; allein ich war bestimmt, ein Spielball seiner Laune zu sein. Am Namensfeste Sr. Hochwürden, das durch ein prächtiges Bankett gefeiert wurde, besuchte ihn auch eine alte Äbtissin aus der Nachbarschaft, und begleitete ihren Glückwunsch mit dem Geschenke eines kleinen niedlichen Windspiels, das selbst der große Friedrich nicht verschmähet hätte. Eine Galanterie von einer so ehrwürdigen Hand konnte meinem Prälaten nicht anders als höchst willkommen sein, da aber mein neuer Rival nichts gelernt hatte, als sich krümmen und schmiegen, so blieb ich noch eine Zeitlang am Brett, und hatte bloß die Kränkung, mit ihm die Leckerbissen teilen zu müssen, die bisher meine ausschließende Kompetenz gewesen waren. Nach und nach aber erfrechte sich der eingedrungene Speichellecker, mich von meinen Schüsseln zu verdrängen; hieraus entstunden mancherlei kleine Fehden, wobei ich zwar immer die Oberhand, aber auch immer unrecht behielt. Die Reliquien eines Fasans, die der unverschämte Günstling mir entreißen wollte, machten meiner Geduld ein Ende. Ich behauptete mein Seniorat mit so vielem Nachdrucke, daß Prinz Zephyr, so hieß mein Gegner, über dem Wortwechsel ein Ohr dahinten ließ, und mit gräßlichem Geheule sich unter die Kutte Sr. Hochwürden flüchtete. Nun war mir der Stab gebrochen; Beda zitterte vor Zorn, gab mir seines Zipperleins uneingedenk ein paar kräftige Tritte, und wälzte schon wirklich mein Todesurteil von den Lippen, als ein fahrender Poet, der ihm in Hexametern einen Zehrpfenning gefordert, und, weil er ihn heiliger Vater nannte, einen Platz an der Tafel erhalten hatte, Seine Heiligkeit ersuchte, mich ihm zu überlassen. Der rachgierige Prälat glaubte mich nicht härter bestrafen zu können, als wenn er mich dem Meistersänger schenkte, dessen hohle Backen und polyphemischer Appetit mir einen langsamen Hungertod prophezeiten. Er bewilligte dem Supplikanten seine Bitte, und kaum hatte dieser seinen Götterschmaus mit einem Gläschen Marasquino beschlossen, so mußte ich mein Exil antreten, und eine Freistätte verlassen, in welcher ich die ruhigsten Tage meines Lebens zugebracht hatte. Zwölftes Kapitel Mit schwermütigen Schritten schlich ich neben meinem neuen Gebieter her, der mich vergebens durch Pfeifen und Schnalzen aufzuheitern suchte. Gegen Abend langten wir in einer schwäbischen Reichsstadt an, wo wir ein Dachstübchen im Hause eines Buchdruckers bezogen, bei dem mein Patron das Amt eines Korrektors bekleidete. Theudulf, so hieß mein Barde, war ein geschworner Feind aller französischen Namen; er vertauschte daher den meinigen mit dem Namen Hektor, und proklamierte mich zum Wächter seines Castells. Er überließ mir eine seiner alten Stutzperücken zur Matratze, und da sein Abendschmaus in einer Pfeife Toback bestund, so bewirtete er mich mit einem petrifizierten Stücke Brots, das er aus seiner Tasche hervorholte. Diese Mahlzeit machte einen schrecklichen Kontrast mit der Tafel meines Prälaten, und gab mir einen traurigen Vorschmack von der Kost, die mich bei dem Priester des Apollo erwartete. In der Tat war sie noch weit elender, als bei meinem Zyklopen, und wenn Theudulf mich nicht wöchentlich zwei bis dreimal mit ins Bierhaus genommen hätte, wo er einer Akademie von Küstern und Buchdruckern präsidierte, die mir nicht selten eine Scheibe Mettwurst oder eine Butterbämme darreichten, so würde ich in wenig Wochen den Tod des Ugulino gestorben sein. Einst ward er auf eine Hochzeit gebeten, die er besungen hatte, und ließ mich aus Bescheidenheit zu Hause. Zwölf Stunden harrte ich auf seine Zurückkunft, und zwölf Stunden hatte ich zuvor schon gefastet. Endlich überwältigte mich der Hunger; ich sprang voll Verzweiflung auf den Tisch, und packte das erste beste Manuskript an, das mir unter die Zähne kam. Ich hatte bereits mehrere Bogen verschlungen, als Theudulf in die Stube trat. Der Becher des Hyminäus hatte sein Blut bereits erhitzt, und nun brachte mein Anblick den Vulkan zum völligen Ausbruche. Mit dem Grimme einer Löwin, der man ihre Jungen raubt, sprang er auf mich los, und indem er mich vom Tische herabschleuderte, rief er in einem Tone, den noch keine menschliche Kehle ausstieß: Ha, Bestie, was tust du? mein Nationaltrauerspiel... das Meisterstück meiner Muse!... Stirb, Ungeheuer, fuhr er fort, indem er sein Federmesser nach mir zückte; doch nein, dein schwarzes Blut soll meine Hand nicht besudeln, das Schwert der Gerechtigkeit muß deinen Frevel rächen. Hierauf durchblätterte er die Reste des Manuskripts: Zween Akten sind vernichtet, und du konntest es dulden, Melpomene, daß das Busenkind deines deutschen Sophokles in der Wiege erstickt ward? doch es war meine Schuld, ich selbst habe das Heiligtum den Hunden preis gegeben. Stillschweigend warf er nun seine Kleider von sich, und legte sich zu Bette, ich schmiegte mich in einen Winkel, fest entschlossen, meinem Schicksale nicht auszuweichen, noch ein Leben zu verteidigen, das mir nie so sehr als in meinem poetischen Hungerturme zur Last geworden war. Dreizehntes Kapitel Es war schon hoch am Tage, als mein Sophokles erwachte; kaum war er in seine Hülse gekrochen; so warf er einen stieren Blick auf die Rudera seiner Unsterblichkeit, knüpfte mir einen Strick um den Hals und stieg mit mir die vierzig Stufen hinunter, die unsere luftige Residenz von der Gasse trennten. Hier fragte er nach der Wohnung des Scharfrichters, die wir nach einem kurzen Zuge erreichten, den ich als meine letzte Wahlfart betrachtete. Da, Herr Freimann, sprach Theudulf im Hereintreten, bringe ich Euch einen tollen Hund, dem Ihr sein Recht antun werdet. Der Scharfrichter betrachtete mich mit kritischer Aufmerksamkeit, seine Miene flößte mir Vertrauen ein, ich legte mich mit freundlichen Blicken zu seinen Füßen, schwenkte meinen Schwanz gleich einer Friedensflagge, und leckte ihm die Schuhe. Der Hund ist nicht toll, Herr, sagte der Scharfrichter, dafür setze ich meinen Kopf zum Pfande. Theudulf . Freilich ist er toll, hat er mir nicht gestern eine unschätzbare Urkunde gefressen? Scharfrichter . Hättet Ihr ihm Brot zu fressen gegeben, so würde er vermutlich kein Papier gefressen haben; doch es ist mir leicht, Euch von der Wahrheit zu überführen. Hier nahm der Freimann sein Waschbecken von dem Tische, und setzte es mir vor. Ich trank es bis auf die Hälfte aus. Da sehr Ihr, daß ich recht hatte, ein toller Hund säuft nicht. Theudulf . Er ist toll, sage ich, und soll sterben. Scharfrichter . Ihr mögt selber toll sein, was soll ich das arme unschuldige Tier tot schlagen? Doch, setzte er nach einer kurzen Pause lachend hinzu, wenn ich es ja tun soll, so bezahlet mir vor allen Dingen sechs Batzen; dieses ist die Taxe! Theudulf, der keine sechs Batzen in seinem Vermögen hatte, ergriff die Türe, und brummte im Hinausgehen, dafür mögt Ihr das Rabenaas selbst behalten. Ich fühlte gar keinen Beruf, ihn zu begleiten, sondern erhob mich auf meine Hinterbeine und machte meinem Retter die liebreichsten Dankbezeugungen. Er befreiete mich von meinem Stricke, und setzte mir die Reste seines Frühstücks vor, die mir um so willkommener waren, da ich seit meiner papiernen Mahlzeit keinen Bissen genossen hatte. Ich war noch damit beschäftigt, als ein grauer Invalide in die Stube trat. Herr Doktor, sprach er zum Scharfrichter, man sagte mir, daß Ihr ein guter Mann seid, der den armen Leuten gerne hilft; ich habe im Kriege den Gebrauch einer Hand und mein rechtes Auge verloren. Nun fängt seit einigen Wochen das linke auch an dunkel zu werden, und ich fürchte ebenfalls darum zu kommen, möchtet Ihr mir nicht etwas geben, das mich alten, verlassenen Mann vor diesem Unglücke verwahren kann. Bisher hatte ich über meinem Schmause keine Notiz von dem Patienten genommen; nun war ich fertig, und das erste, was mir an ihm auffiel, war seine Stimme. Ich trat ihm näher, und erkannte mit einem unbeschreiblichen Gefühle meinen Mentor Lafleur, ohngeachtet Alter und Elend ihn für jedes andere Auge unkenntlich gemacht hätten. Mit lautem Jubel sprang ich an ihm hinauf, küßte seine eingefallenen Wangen, und hörte nicht auf, ihn zu liebkosen, bis er auch mit seinem halben Auge seinen getreuen Joli erkannte. Der Scharfrichter, der bisher ein stummer Zuschauer der Szene war, feierte sie mit einer Träne, schenkte dem alten Krieger ein Gläschen Augenwasser und obendrein ein Almosen. Dieser blieb unbeweglich vor ihm stehen, und ich schmiegte mich fester an seine dürren Beine. Ich verstehe Euch, sagte der Freimann; Ihr wünschet Euern alten Freund wieder zu besitzen, Ihr sollt ihn haben; ich fürchte ohnehin, daß Ihr bald einen Führer brauchen werdet. Vierzehntes Kapitel Mit einem Vergnügen, für das selbst meine neue Sprache keinen Ausdruck hat, begleitete ich meinen grauen Pflegevater durch die Straßen der Stadt, wo er sich vor den Häusern und von den Vorbeigehenden seinen kümmerlichen Unterhalt erbettelte. Er teilte mit mir jeden Bissen Brot, jedes Überbleibsel von Zugemüse, womit die Hand des Mitleids die hölzerne Schüssel füllte, die ich ihm nachtrug. Nur um seinetwillen kränkte mich der Mangel, den wir bisweilen leiden mußten, und die Härte der Reichen, die uns von ihrer Türe scheuchten. Die Liebe des guten Alten gegen mich wuchs mit jedem Tage; das Unglück hatte sein Herz mürbe gemacht, und es jener gesetzten Frömmigkeit geöffnet, die den Dulder mit dem Schicksal aussöhnt, und ihm den Mut gibt, bis ans Ende auszuharren. Nach einigen Monaten traf die Prophezeiung des Freimanns ein: Lafleur kam gänzlich um sein Gesicht, und ich wurde sein Führer. An einer dünnen Schnur, wozu hätte er eines Strickes bedurft? schritt ich langsam vor ihm her, und schützte seinen Fuß vor den Steinen, und seinen Körper vor den Stößen der noch fühllosern Menschen. Eine Strecke von fünf bis sechs Meilen war der Schauplatz unserer Wanderungen. Die Almosen fielen nun etwas reichlicher, und wenn die Quelle versiegen wollte, so holte ich einige meiner Kunststücke hervor, welche oft mehr als der Anblick eines leidenden Bruders auf die Gemüter wirkten. Unsre Pilgrimschaft führte uns einst auf die Kirchmesse eines Landstädtchens, wo eine ergiebige Ernte zu hoffen war, ich übertraf mich selbst in meinen Exerzitien, und der vergnügte Lafleur war würklich beschäftigt, eine Hand voll Kupfermünze, die sie ihm einbrachten, aus dem Hute in die Tasche zu stecken, als ein wohlgekleideter Junge, der sich überall vorandrängte, und besonders mit mir zufrieden schien, mich durch Vorhaltung einer Semmel von ihm wegzulocken suchte. Ich wandte meinen Kopf weg, und sah meinen hülflosen Meister an, um jenen zur Wohltätigkeit gegen ihn zu bewegen, allein der Bube hatte sich in den Kopf gesetzt, mich entweder in seine Gewalt zu bekommen, oder doch den armen Blinden zu necken. Er trat mir näher, und schnitt mit einer Schere meine Leitschnur entzwei, die er anfaßte, um mich wegzuführen. Länger konnte ich meinen Zorn nicht ersticken: ich fiel dem kleinen Bösewicht an die Beine, und riß ihm ein Stück Fleisch aus der Wade. Nun entstand ein allgemeiner Auflauf, der Junge schrie wie ein Mordbrenner, und wurde fortgetragen. Ich blieb neben meinem Freunde stehen, und sei es Furcht oder Beifall, niemand machte Miene, mich zu bestrafen. Allein, in wenig Minuten sah ich zween Stadtknechte in scheckichten Röcken heraneilen. Es waren die Diener der Rache des regierenden Bürgermeisters, dessen einziges Söhnchen der kleine Satan war, den ich gebissen hatte. Beide Trabanten waren mit Flinten bewaffnet, und der vorderste hatte sich auf wenige Schritte genähert. Ich hätte fliehen können; allein ich schmiegte mich nur fester an meinen Meister. Dieser, der aus den Reden der Umstehenden die Gefahr vernahm, die mir drohete, beugte sich über mich hin, und flehte um mein Leben, allein umsonst: der Sklave drückte los, und eben die Kugel, die mir durch den Kopf fuhr, durchbohrte meinem alten Freunde die Brust. Legt ihn in mein Grab, waren seine letzten Worte, und zugleich die ersten, die ich mit meinen neuen Sinnen hörte. Unsere Schatten wollten sich küssen, als jeder durch eine unwiderstehliche Kraft hinweggerückt wurde. Im Auffliegen rief der Geist meines Freundes mir zu: wir werden uns wiederfinden. Beschluß Ja, das werdet ihr, rief mit einmütiger Stimme die ganze Gesellschaft, welche die Geschichte des neuen Gastes mit stummer Rührung angehört hatte. Nun wiederholten sie ihm mit verdoppelter Wärme ihre brüderlichen Grüsse, und der Aldermann des Klubs, es war Argus, der Hund des Ulysses, schüttelte ihm mit sympathetischer Treuherzigkeit die Pfoten, und sprach: Bravo, Bruder, wir werden Freunde werden.