Christoph August Tiedge 1752 – 1841 Das Gelübde der Tänzerin Auf dem Berge dort oben, da wehet der Wind, da sitzet Mariechen und wieget ihr Kind; sie wiegt es mit ihrer schneeweißen Hand, den Blick in die Ferne hinausgewandt. In die Ferne hinaus und schweift all ihr Sinn, ihr Lieber, ihr Treuer, der ging dahin. Sie hielt ihn nur wenige Stunden im Arm, nun ist ihr Geliebter der weinende Harm. In den Busen ihr fallen die Tränen hinein, da trinket ihr Kind sie säugend mit ein. Es schmeichelt der Mutter die kleine Hand. Ihr Blick ist hinaus in die Ferne gewandt. Ha! sausend wehet der Wind und kalt! Mariechen, dein Treuer ging aus in den Wald, die tanzenden Elfen empfingen ihn dort und rissen auf immer, auf immer ihn fort. Auf dem Berge, dort oben, da wehet der Wind, da sitzet Mariechen und wieget ihr Kind; sie wieget es mit ihrer schneeweißen Hand, den Blick in die Ferne hinausgewandt.