Wilhelm Jordan. Durch's Ohr. Lustspiel Vorwort. Dies Stückchen ist im Winter 59/60 entstanden. Mit der Feder gezeugt in etwa acht Tagen, hat es fünf Jahre gebraucht um endlich das Lampenlicht der Bretterwelt zu erblicken. Welche Fata es bis dahin gehabt; bei welchen Bühnen es halbe und ganze Jahre als Handschrift geschlafen; aus welchen Gründen oder unter welchen Vorwänden es überall abgelehnt wurde, bis ich der weiteren Versendung und der dramatischen Production überdrüssig wurde: Das und Anderes über den Zustand der deutschen Schaubühne und seine Ursache, behalte ich mir vor, mitzutheilen, wann ich es für erlaubt halten werde, den Plan einer Gesamtausgabe meiner dramatischen Dichtungen aufzunehmen, die ich mit dieser Kleinigkeit zu beginnen gedachte. Erst der glänzende Erfolg in Mannheim (April 1865) hat auch andere Bühnen auf dies Lustspiel aufmerksam gemacht. Es hat sich seitdem in zehn andern Städten gleich günstiger Aufnahme zu erfreuen gehabt. Die besonders durchschlagenden Aufführungen in Schwerin , Breslau , Dresden und Prag bewirkten zugleich so erhebliche Nachfrage im Buchhandel, daß die erste, ursprünglich nur für den Bühnenverkehr bestimmte und nirgend angezeigte Auflage bald erschöpft war. Dennoch würde ich diese zweite jetzt wahrlich nicht erscheinen lassen, wenn ich mich nicht gebunden fühlte durch das öffentliche Versprechen im Buchhändlerbörsenblatt, die eingegangenen Bestellungen noch im Laufe dieses Sommers auszuführen. Denn wer in Deutschland kann und darf noch Sinn und Muße haben für Poesie, zumal für Poesie dieser leichten Gattung, in einem Augenblick, wo vom Erfolg der deutschen Waffen das Schicksal Europas für Jahrhunderte abhängt? Vielleicht schon zwischen Niederschrift und Druck dieser Zeilen fällt die erste Schlacht! Erst mit dem zu hoffenden Siege wird auch für unsre dramatische Poesie eine neue Aera beginnen. Wann wir siegen werden? – wohl Niemand ist so vermessen, das zu prophezeien. Aber den endlichen Sieg in eben diesem jetzt wirklich ausgebrochenen Kampfe zu prophezeien vermaß ich mich schon vor achtzehn Jahren . Damals hatte ich die Vision, welche seit 1854 am Schluß meines Demiurgos (3, 239) gedruckt steht: Ha! endlich, endlich weicht der Fluch, Des ewigen Bundes Stunde schlug. Dort seh' ich meinen König reiten Mit aller Stämme Heeresmacht – Da fließt der Rhein – Ha, welch ein Streiten! Sieg, Sieg! Gewonnen ist die Schlacht. Vom Dome tönt die Krönungsstunde, Der Kaiserzug zum Römer geht, Der Münster steht auf deutschem Grunde . . . Das will nun geschehen. – Frankfurt a. M. , 23. Juli 1870. Personen. Heinrich , Gutsbesitzer, und Robert , Advocat: Universitätsfreunde. Klara und Mathilde : Schwestern. Das Stück spielt in einer Stadt am Rhein. Erster Aufzug Zweiter Aufzug Dritter Aufzug Erster Aufzug. Vorzimmer eines Ballsaals. In der Mitte des Hintergrundes eine verhangene Balkonthüre.   Erster Auftritt. Ballmusik hinter der Scene. Verschiedene Masken gehn über die Bühne. Bevor die letzten vorüber sind treten in den Vordergrund Klara , gekleidet wie Klärchen in Egmont, Mathilde , reiche Rococotracht, stark gepudert, und Robert als Türke, blau, alle drei in Masken. Klara . Jetzt, blauer Türke, hast du dich verrathen: Wir sehn in dir den schlauen Advokaten Der neulich uns besucht, des Weinbergs wegen Den uns der böse Vetter streitig macht. Robert . Den Streit gedacht' ich gütlich beizulegen. Mathilde . Und wurdest abgeblitzt und ausgelacht. Robert . Ihr blitztet ab den Anwalt seines Kunden, Doch Gnade, schien es, hatt' ich selbst gefunden. Mathilde . Und wär's auch so, du hast dies bischen Gnade Durchaus verscherzt aus dieser Maskerade. Robert . Wodurch? Mathilde .               Du fragst auch noch? Klara .                                                       Du machst uns Beiden Zugleich die Cour. Mathilde .                     Bei Türken zwar und Heiden Mag das der Brauch sein, aber nicht bei Christen, Im Herzen zweier Fraun zugleich sich einzunisten. Robert . Von eurer Anmuth, holdes Schwesternpaar, Bekennt sich rettungslos mein Herz gefangen; Nur das, gesteh' ich, ward mir noch nicht klar: Von welcher dieser Zauber ausgegangen. Klara . Darüber, Türke, komm zuerst in's Reine. Mathilde . Denn wer uns Beide sucht, der findet Keine. (mit Klara ab.) Robert (die Maske abnehmend.) Holdseelige Klara, reizende Mathilde, Was ich von euch gesehn beim ersten Mal, Zusammen fließt es mir in einem Bilde Und tragen muß ich dieses Zweifels Qual, In die mein Ohr mich mehr und mehr verstrickt, Bis ich die Züge maskenlos erblickt: Das Auge leite dann des Herzens Wahl. (sich wieder maskirend ab.)   Zweiter Auftritt. Heinrich als Egmont gekleidet, die Maske abnehmend. Das Schicksal stellt mir wirklich eine Falle Besondrer Art auf diesem Maskenballe. Mein Oheim hat die wunderliche Grille Als todter Mann ein Weib für mich zu werben; Denn äußerst bündig setzt sein letzter Wille Mich unter der Bedingung ein zum Erben Daß ich der Gatte werde einer Dame Die mir zur Zeit noch völlig unbekannt ist, Ja, mehr, von der mir nicht einmal der Name Im Codicill, im Brief des Ohms genannt ist. In dieser Stadt, an vorgeschriebnem Orte Soll ich sie morgen um die Mittagsstund' An gleichfalls vorgeschriebnem Loosungsworte Erkennen und alsbald, je nach Befund, Entweder unsern Ehepact errichten, – Wo nicht, – auf Sonnenstein, das beste Gut, verzichten. Durch Deutschlands Breite reis' ich quer hindurch, Komm' heute an, besuche Lindenburg, Den reichsten Wollenhändler hier am Rhein, Des seel'gen Onkels Freund – Er hüllt sich ein In tiefes Schweigen, sagt, er wisse nichts Für meinen Fall, – doch schmunzelnden Gesichts Und dringend werd' ich von ihm eingeladen Zur letzten seiner Faschingsmaskeraden. Er nennt mir den Theaterschneider; Ich gehe hin, doch find' ich leider Nur einen Anzug der erträglich paßt; – So stell' ich denn den Grafen Egmont vor, – In Wahrheit aber bin ich ein Phantast, Ein tonberauschter halb verliebter Thor – Und wie verliebt? Es ist zu toll! Durch 's Ohr! Ein Klärchen , das ich mir zum Tanz erwähle Behext mein Herz – Womit? Mit ihrer Kehle! Mir geht's wie dem, der trinkt nach langem Fasten. Ein Gläschen Wein kann ihm den Kopf belasten. Gewöhnt an Scheunen, finstre Pferdeställe, Berauschte mich des Saales Kerzenhelle; Statt meiner Dünger und Kartoffelfuhren Erblick' ich hier des Tanzes bunte Touren; Gestalten seh' ich aus vergangnen Zeiten In reicher Tracht an mir vorüberschreiten: Da konnte wohl der holde Märchenglaube Der Jugend sich in meiner Brust erneu'n Und wie mit frischem Schmelz und Flügelstaube Die prosamüde Seele mir bestreun. Mit des Vergnügens langentbehrter Labe Erscheint Romantik, die verbannte Fee, Berührt mein Herz mit ihrem Zauberstabe Und glüht es reif zum Liebeswonneweh, In dem ich nun mit meinen Ohren schwimme: Ja wohl, ich bin verliebt in – eine Stimme! Sie kommt. Hinweg. Ich muß an morgen denken, Mein Herz auf die Verstandesbahn zu lenken; Denn hör' ich länger die Sirenentöne, So dünkt mir bald die unbekannte Schöne, Die mir des Onkels Testament vermacht, Auch unbesehn so häßlich wie die Nacht, So kostet mich dies Spiel des Unverstandes Am Ende noch dreitausend Morgen Landes. (Die Maske vornehmend ab.)   Dritter Auftritt. Klara , Mathilde , die Masken abnehmend. Klara . Mathilde, komm; hier sind wir ganz allein. Die Fenster des Altanes nach dem Rhein Sind ausgehoben und nur leicht verhangen Damit die Säle Luft von hier empfangen. Wer herkommt spürt den Zug und flieht mit Schaudern; So kann man hier in aller Ruhe plaudern. Mathilde . Vorsichtig, Klara; hier ist's wirklich kühl. Klara . Man kann doch athmen. Laß uns dem Gewühl Des Maskenschwarms von Zeit zu Zeit entrinnen; Das tolle Treiben bringt mich sonst von Sinnen. Gespenster, dünkt mir, spie der Erde Schooß, Zwar körperhaft, doch kalt und seelenlos, Wenn so die Larven unverändert starren Aus diese Schaar von Ottern und von Narren. Das Aug' ist satt vom Schau'n der bunten Trachten Und läßt das Ohr nach einem Worte schmachten, Das mehr als einen schaalen Witz enthält, Durch Sinn beschäftigt, durch den Ton gefällt. Mathilde . Der schlanke Herr im Egmontsanzug, dächt' ich, Bewies sich dir als solcher Worte mächtig. Klara . Ach man versteht sich kaum bei diesem Lärmen. Mathilde . Ihr schient mir doch schon ziemlich tief im Schwärmen. Klara . Er scheint ein Mann von Bildung und Verstand, Zumal für einen, den das platte Land Auf seinem Gut seit Jahren festgehalten. Er muß es selbst und ganz allein verwalten, Nur einmal wöchentlich läßt er die Zeitung holen, Drei Meilen weit – er wohnt ganz dicht an Polen. Mathilde . Schau, schau, wie viel er dir schon anvertraut. Es scheint, der Lärm war doch nicht allzu laut. Du Schelmin du! Ich hab dich im Verdacht, Daß du dich seinetwegen hergemacht. Du hoffst, er werde dich im Saal vermissen Und willst von ihm vermutlich mehr noch wissen. Klara . Was fällt dir ein! Mathilde .                         Je nun, warum denn nicht? Klara . Zu welchem Zweck? Du kennst ja meine Pflicht Nach jenem wunderlichen Testament Das mich zur Erbin Sonnensteins ernennt, Sobald ich mit dem Manne mich vermählt Den der Verstorbene mir ausgewählt. Er ist mir zwar noch völlig unbekannt; Allein ich wäre wirklich überspannt, Ihm unbesehens einen Korb zu reichen Und so für ihn mein Erbrecht selbst zu streichen. Du weißt es, morgen werden wir uns finden; Soll heute mir das Herz die Hände binden? Mathilde . Das würde mich von dir nicht sehr erstaunen; Ein Herz wie deins hat sonderbare Faunen. Ich glaube, daß ein mäßig hübscher Mann, Wofern er klug und klangvoll reden kann, Dein Herz, bei diesem Testamentsgebote, Gerade heut noch mehr denn sonst bedrohte; Denn Angenehmes reizt ganz unerklärlich Wo wir es selbst erkennen als gefährlich. Klara . Genug davon. – Wo blieb dein Muselmann, Der Advokat? Gefällt er dir? Mathilde .                                       Geht an. Klara . Sei ehrlich, Schwesterlein! – Mir kommt es vor, Als ob – als ob – Laß deinen Puls mich fühlen. Mathilde . Ach was, er ist ein unentschlossner Thor Der sitzen will und zwischen zweien Stühlen Sich nicht entscheiden kann – so bleibt er stehn. Klara . Ich meinerseits verzeih' ihm dies Vergehn; Du magst ihn zum – gesetzten Manne machen. Mathilde . Ja, liebe Klara, du, du hast gut lachen, Dir Glückskind wird ein Gut von großem Werth Und obendrein auch noch ein Mann bescheert. Klara . Die Hälfte wäre mehr in diesem Fall; Die andre zög' ich vor nach eigner Wahl. Mathilde (spitz, forschend.) Träfst du sie heut , auf diesem Maskenballe? (Trompetenstoß hinter der Scene.) Klara . Horch, schon zum Demaskiren das Signal. Wie schnell die Zeit vergeht! Wir müssen fort. Mathilde . Noch lange nicht. Klara .                                   Du gabst mir doch dein Wort, Sobald man demaskirt zurückzukehren In unsre Nummer Sechs im goldnen Pfau; Denn wenn wir morgen halb im Schlafe wären . . . Mathilde . Entsetzlich wär' es bei der Bräutgamsschau! Auch halt ich dir mein Wort. Die Hornfanfare Rief zur Quadrille die Zigeunerpaare. (Musik hinter der Scene.) Jetzt geht sie los – das ist die große Runde – Bis zwölf ist's fast noch eine volle Stunde. – Rasch, nimm die Maske vor, dein Egmont naht. Klara . Und dort erscheint dein Türkenadvokat. Mathilde . Dir höchst erwünscht, von mir dich zu befrein. Klara . Nein, du magst hier bei deinem Türken bleiben, Ich will mir schon im Saal die Zeit vertreiben. (ab.)   Vierter Auftritt. Mathilde , Robert . Mathilde . Du trägst bereits die Maske in der Hand? Robert . Für dich; du hast mich doch schon längst erkannt. Mathilde . Du thust verlegen, würdiger Muselmann? Robert . War's deine Schwester nicht die dort entrann? Mathilde . Nein, Ich entrann und meine Schwester blieb. Robert . Und wohin zielt der fabelhafte Hieb? Mathilde . Auf deine Kenntniß, Türke, von uns Beiden; Du kannst ja zwischen uns noch nicht entscheiden. Du wolltest erst uns Beide ruiniren Durch den Proceß; – dein Kunde muß verlieren, Da kommst du zum Vergleich und spielst den Zahmen! Nun kennst du aus den Acten unsre Namen, Doch welche hier Mathilde, Klara sei, Das weißt du nicht, auch scheint's dir einerlei. Als Eine nur der beiden Gegnerinnen Erkannte mich dein Ohr; doch dich besinnen Ob jetzt die Braune oder Blonde spricht Mit meinem Kehlenton – das kannst du nicht. Robert . Du sorgtest daß das Augenzeugniß fehle, Hast auch dein Haar versteckt im Pudermehle. Mathilde . Und Sinn für dich hat so der Widersinn Daß ich für dich auch meine Schwester bin. Robert . Ihr fangt euch dennoch an für mich zu trennen: Beim rechten Namen weiß ich dich zu nennen. Da deine Schwester sich in dieser Nacht Für Egmonts Klärchen ausgibt in der Tracht, Wird sie wohl schwerlich selber Klärchen sein Und Klara heißest du. Mathilde .                           Was bist du fein. Ja, solch ein Geist weiß Alles auszuspüren. Robert . Auf Maskenbällen will man irreführen . . . Mathilde . Auch sonst ist das ein Hauptgeschäft bei Vielen. Robert . Und was er ist, will Niemand gerne spielen . Mathilde . Und dennoch trägst du Turban, Sultansbart, Und bist ein Türk' auch in der Sinnesart! – Ich wüßte dir noch Bessres vorzuschlagen, Um klar dein Innerstes zur Schau zu tragen. Robert . So sprich. Mathilde .               Zur Linken trag' ein Bündel Stroh, Und rechts ein Bündel Heu. Robert .                                         Wie so, wie so? Mathilde . Dazwischen einen Kopf mit langen Ohren, Der jegliche Bewegungskraft verloren, Weil, wenn er Stroh begehrt, alsbald die Reue Gleich stark den Hals zurückzieht nach dem Heue. Robert . Merkwürdiger Geschmack des Gleichnißmanns! Das Gleichniß selbst ist sonst nicht eben neu. Mathilde . Du hörtest schon vom Esel Buridans? Robert . Ja wohl; – doch sprich, wer ist hier Stroh, wer Heu? Mathilde . Die Frage war – galant. Robert .                                           Das Gleichniß – artig. Doch nun genug; denn allzuscharf macht schartig Und – höchst erwünscht ist mir mit dir der Friede. Mathilde . Warum? Robert .                   Ich rücke vor im Unterschiede; Zerlegt ist mir die Doppelgängerin: Ich spür' in dir die Herzensfängerin. Mathilde . Das muß ich mir verbitten, lockrer Zeisig! Ich stelle dir doch wahrlich keine Ruthen. Robert . Thu nicht so spitz mit einemmal und eisig; Ich mein' es ganz im Ernst und ganz im Guten. Dein muntres Wesen und dein Witz besticht – Ich bitte, zeige mir auch dein Gesicht. Mathilde . Warum nicht gar! Wozu? Robert .                                             Ich möchte lesen In deinen Augen, ob du mir dein Wesen Gezeigt hast, oder nur dein Ideal . Denn wie man für ein Fest nach langer Wahl Sich putzt mit einem vortheilhaften Kleide Und es besetzt mit sudelndem Geschmeide, So kann man in erregten Augenblicken Sein Alltagsherz zuweilen festlich schmücken; Die frohe Laune wird zum Juwelier Und leiht dem Geist des Witzes blanke Zier; Ein Rausch wie Glück umgibt uns mit dem Schein Als ob man wäre , was man wünscht zu sein, Doch daß man eine Stunde lang entzücken kann, Beweist nicht, daß man dauerhaft beglücken kann. Mathilde . Du willst mich darauf an den Augen prüfen? Robert . Sie sind der Seele Feuerhieroglyphen; Doch ihre Geltung bleibt uns unbekannt Und unaussprechlich, wie der Consonant Dem der Vocal fehlt, bis wir Augenbrauen, Mund, Nase, Stirn zugleich mit ihnen schauen. Drum zeige mir dein Antlitz unverhüllt; Dein eigner Wunsch ist dann erst ganz erfüllt. Mathilde . Ei, welcher? Robert .                           Einfach vor mir dazustehn Vermagst du ganz erst wann ich dich gesehn . Vernimm es denn: Dich hat mein Herz erkoren, Doch es geschah visier nur durch die Ohren . Als Stimme bist du mir schon Du allein , Gestalt, Gesicht, hast du für mich von Zwein. O sei mir länger nicht ein – halbes Paar! Was zauderst du? Der Aufschub hat Gefahr; Sonst spielt die Phantasie mir einen Streich Und ich verliebe mich in Zwei zugleich. Sie stellt mir vor, bis ich zulegt drauf schwöre, Zu Klaras Witz und Munterkeit gehöre Der Kopf der auf Mathildens Nacken sitzt, Das Feuer, das aus ihren Augen blitzt. Mathilde . Besahst du doch Mathilden minder flüchtig? Nimm dich in Acht, ich werde eifersüchtig. Robert . Da siehst du selbst, der Zwiespalt ist gefährlich; Zum Glück ist mir dein Anschaun unentbehrlich. Wird mir von Jeder eine Hälfte theuer, So lieb' ich ein unmöglich Ungeheuer; Der Wahnsinnswunsch ergreift mich, von euch Beiden Die Hälften meines Traumbilds abzuschneiden. Mathilde . Entsetzlich wär's! Robert .                                   Verhüte diese Qual Und gib auch Leib dem Geiste meiner Wahl, Sonst bleibst du mir ein reizendes – Gespenst. Mathilde . Nein; sehen will ich, ob du mich erkennst Beim ersten Blick und vor dem ersten Worte, Wenn wir uns nächstens unmaskirt begegnen. Dann gib mir, stumm, dies Endchen Silberborte; Wenn Ich es bin, so will ich dem Verwegnen, Der einen Maskenscherz zum Faden spinnt Zur Leitung durch des Lebens Labyrinth, Vielleicht auch mir –, dies dreiste Spiel verzeih'n, – Wohl gar zum fernern Spiel sein Partner sein. – Ade, mein Antlitz darfst du heut nicht schauen; Doch – was du wecktest , hege selbst: – Vertrauen. (ab.) Robert . Ich glaub', ich bin ein wenig angebrannt Und malte mir den Teufel an die Wand. Ich leugn' es nicht, es reizt mich einigermaßen Mit diesem Schalk mein Leben zu verspaßen; Doch senk' ich mir in's tiefste Herz die Sonde, So spür ich's, daß ein ärgerliches Brummen Darin durchaus nicht Lust hat zu verstummen: Weshalb muß sie just Klara sein, die Blonde? – Wer sagt mir freilich sicher, daß sie's ist? Denn Puder deckt ihr Haar. – O Weiberlist! Allein ich merkt' es noch zu meinem Glücke. Das blonde Haar der Andern ist Perücke. Ganz unentschieden blieb ich, das ist wahr, Als ich zuerst gesehn das Schwesternpaar; Doch wenn ich nun erinnernd rückwärts denke, So spür' ich's doch, daß ich den Vorzug schenke Der Stirn Mathildens, hoch und unerschrocken, Den schwarzen Augen und den braunen Locken. – Hier liegt mein Geist und dort mein Sinn in Fesseln, Ich, ihr Compositum, ich lieg' in Nesseln. Im Ernst beginn' ich ungereimt zu sein; Ich bin decomponirt, entzweigerissen – Wie leim' ich mich um nicht – geleimt zu sein? – Ein Türke würde sich zu helfen wissen; – Wir dürfen höchstens auf der Maskerade Die Türken spielen. 's ist doch jammerschade! (ab.)   Fünfter Auftritt. Heinrich , Klara . Heinrich . O folge dreist, hier wird uns Niemand stören. Klara . Es thut mir innig wohl dir zuzuhören; Doch ungern dächt' ich morgen: dieses Alles War ein Erlebniß nur des Maskenballes; Vergiß was gestern durch die Seele zog Als einen Scherz gleich andern Fastnachtsscherzen. – Zu fallen bangt mir; denn wir fliegen hoch. Heinrich . Wir haben eben Flügel an den Herzen; Sie grüßten sich als Herzen gleicher Art Und schweben auf in seeliger Himmelfahrt. Klara . O laß uns nicht die Erde ganz versäumen; Wir träumen wunderschön, allein wir träumen. Die Wünsche steigen als erfüllte Pflichten Herab gleich Engeln auf der Jacobsleiter, – Erwachen wir, dann heißt es nur: Verzichten. Heinrich . Verstummst du schon? Klara .                                           Was sinnst du? Heinrich .                                                               Rede weiter, Du Zauberin voll sanfter Allgewalt, Du Himmelston in menschlicher Gestalt. O laß der Pflichten kalt verständige Enge. Entzücke mich durch reine Himmelsklänge. Nicht Worte sind es, was mich so bewegt: – Im Heiligthum, das deine Brust umhegt, Da hängt dein Herz als wunderbare Glocke Und wann du sprichst, so hört mein Ohr sie läuten Als ob sie mich hinein zur Andacht locke. Klara . In Wenig weißt du Viel hinein zu deuten. Heinrich . Ich lege nichts hinein, nur auszulegen Versteht mein Ohr was in der Stimme liegt. Hinweg, du kühles Rechnen und Erwägen, Wer wagt gewinnt! Ich wag's, der Würfel fliegt. Klara . Was hast du plötzlich? Heinrich .                                 Eine Schicksalsfrage. Genügt auch dir dies holde Einverständnis Zum festen Bund für alle Lebenstage? Klara . O sei nicht vorschnell! Das ist Sinnverblendniß, Ist arger Leichtsinn, nicht mehr leichter Sinn. Du weißt ja gar nicht wer und was ich bin. Heinrich . Ich glaub' an dich auf deine Stimme hin Die mir das Herz wie Sonnenschein durchdrang Als deiner Lippen erster Laut erklang Und mächtig riß mich jedes weitre Wort Durch milde Anmuth, süßen Wohllaut fort. Ich fühlte mich von einem feinen Geist Rings wie mit Zauberlinien umkreist, Die näher mir und immer näher kamen Und mich in Seligkeit gefangen nahmen. Nun sag' ich's dreist, ich würde voll Vertrauen Mein Lebensglück auf deine Liebe bauen. Klara . Du wirbst um mich bevor du mein Gesicht Gesehen hast? Heinrich .                 Ich leiste drauf Verzicht. Ich weiß die Züge, die es haben muß . Der Geist erschafft die Form ; nichts als den Guß Des Menschenbildes übernimmt Natur ; Er zeichnet vor, sie fügt die Stoffe nur Nach seiner Wahl, nach seinem Plan und Riß Zum schönen Bau. Drum bin ich ganz gewiß, Daß auch mein Auge rasch und unbeirrt Beim ersten Blicke dich erkennen wird. Klara . Wir wollen sehn. Es könnte dennoch fehlen; Erst prüfen soll man und das Beste wählen. Heinrich . Ein Märchen ist des Menschen freie Wahl; Er will nur da, wo Stärkeres befahl . Das was da strebt und sucht in unsrer Brust Ist nur ein unbestimmter Drang nach Lust, Ein Wunsch, ein Sehnen, eines Glückes Traum; Doch lenkt dies Streben kein Gedankenzaum . Ein Sinnenreiz im rechten Augenblick – Und vorgezeichnet siehst du dein Geschick: Wie hoch sich auch die Hindernisse thürmen, Du mußt an's Ziel mit allen Kräften stürmen: Berechne, prüfe, – deine stolzen Pläne Zerstört ein Lächeln, eine Frauenthräne. Zum letzten Ausschlag ist ein Athemzug, Ein Blick, ein Ton, ein Händedruck genug. In allen großen wichtigen Entschlüssen Bewegt uns ein geheimnißvolles Müssen . So muß ich nun. O glaube mir. Schlag' ein. Erkenn' ich dich, so sei für immer mein. Klara (empfindlich) . Du selbst gestehst, es habe dein Verlangen Mit einem Sinnenreiz nur angefangen. Mich lehrt mein Stolz, mit meinem Selbst zu geizen, Ich folge nicht, wo nur die Sinne reizen. Heinrich . Es ward einmal in dieser bunten Welt Als Urgesetz der Liebe festgestellt Mit aufgeregten süß berauschten Sinnen Den edeln Tausch der Seelen zu beginnen. Das aber ist ein Irrthum, daß die Augen Zum ersten Botendienst am besten taugen. Nur allzuhäufig sind die schönsten Züge Doch weiter nichts als eine holde Lüge. Das Antlitz gilt als allgemeiner Paß; Das weiß der Eigner und im Spiegelglas Studirt er diesen Paß alltäglich, stündlich Und lernt dabei die Kunst der Fälschung gründlich. Er merkt sichs, welches Lächeln wohlgefiel, Er lernt für jeden Zweck das Mienenspiel. So wird ihm sein Gesicht ein Instrument Auf dem die Seele jede Taste kennt. Drum sind wir masken los in höherm Grade Maskirt als jemals auf der Maskerade. Das Ohr dagegen läßt das tiefste Wesen Der Seele dich mit deiner Seele lesen. Ob den Gedanken auch das Wort verhülle, Erheucheln läßt sich keine Wohllautsfülle; Bist du nicht selbst voll schöner Harmonie, Durch Kunst erlernt sie deine Kehle nie. Wie jegliches Atom der Saite schwingt Und deutlich offenbar wird wann sie klingt, So wird der ganze Mensch untrüglich wahr In seiner Stimme Klang uns offenbar. Und so bist du mir offenbar geworden; Ein mehr verwandtes Wesen find' ich nie. Mein Leben wird zu jubelnden Akkorden, Denn du gibst ihm die rechte Melodie. Klara . Halt ein, halt ein! Ich darf nicht länger lauschen, Es würde rettungslos mein Herz berauschen. Sei was du scheinst, ein wahrhaft edler Mann, Entlaß mich nun aus deinem Zauberbann. Erwirb mich ganz, nur wolle mich nicht rauben , Ein Abfall wär's von deinem Wunderglauben. Er droht auch meine Seele zu begleichen, Doch ich erwart' ein zweites Wunderzeichen: Geloben wir, uns nirgend nachzuspüren Und nur dem Himmel sei's anheimgestellt Zum zweiten Mal zusammen uns zu führen Als Bürgschaft, daß ihm unser Bund gefällt. Wenn wir uns wieder ungesucht begegnen Und ohne Augenkenntniß doch erkennen Dann – (stockt) Heinrich .     Dann? Klara .                     Dann will ich diese Stunde segnen . . . Heinrich . Und? Klara .               Wenn ich darf, mich nimmer von dir trennen. Heinrich . So gib mir irgend ein Erkennungszeichen Und nimm von mir dazu in Pfand den Ring. Klara . Ich will dir auch ein Ringlein überreichen, – Bewahr' es wohl, – du . . . Heinrich .                                   Was? Klara .                                                   Du – (sehr leise) lieber – Sonderling!           (will gehn.) Heinrich . O geh noch nicht! Sieh her!           (Zieht den Vorhang des Altans auf.)                                                       Daß diese Stunde Scharf eingeprägt auf tiefstem Seelengrunde Nicht Worte nur und Klänge hinterlasse, Nein, auch ein Bild in ihren Rahmen fasse, Schau hier hinaus zum offenen Altane. Zwar Winter ist's, die Berge drüben kahl; Doch sieh, dort schwimmt gleich einem Silberkahne Die Mondessichel hin. Ihr Zitterstrahl Trifft unter uns den eisbefreiten Rhein Und überbrückt ihn mit dem Wiederschein. Mir ist, als lockt mich diese Strahlenbrücke Mit dir hinüber zu dem schönsten Glücke. Und dort, dem Monde nah, zur rechten Hand, Da funkelt prachtvoll wie ein Diamant Des Himmels schönster Stern, der Sirius. Uns Beiden winkt er einen holden Gruß; Denn glaube mir, sein wechselnd Farbenspiel Hat unsre Augen hier zum letzten Ziel. Auch er mag droben wohl Planeten führen, Als Weltensonne reiches Leben schüren; Allein in all den unbegriffnen Weiten Die seine Strahlen zauberschnell durchgleiten, Hat doch sein Licht nichts Schöneres zu thun Als hier in unsern Augen auszuruhn; Denn reicher weit als alle Himmelskerzen Sind zwei beglückte kleine Menschenherzen. Klara . Du kannst für dich die Sterne reden lassen Und was du fühlst in schöne Worte gießen, – Was mich erfüllt, – ich weiß es nicht zu fassen – Ich danke dir! – So laß den Tag uns schließen. Heinrich . So lebe wohl. Klara .                             Leb wohl, wir müssen scheiden. Heinrich . Ein süßes Wörtchen noch, mein Ohr zu weiden! Klara . So sage dir ein altes schlichtes Lied Was mir unsäglich durch die Seele zieht.              Wann Zwei sich lieben            Von ganzem Herzen,            Die müssen ertragen            Der Trennung Schmerzen.              Wann Zwei sich lieben            Aus tiefster Seele,            Die müssen glauben            An Himmelsbefehle.              Wann Zwei sich lieben            Mit Gottesflammen,            Geschieht ein Wunder            Und bringt sie zusammen. (ab.) Heinrich .            Wann Zwei sich lieben            Mit Gottesflammen            Geschieht ein Wunder            Und bringt sie zusammen. Vorhang fällt. Zweiter Aufzug. Saal in einem Gasthofe. Mittelthür; zwei sich gegenüberstehende Seitenthüren, die zur Linken mit Nr. 6, die zur Rechten mit Nr. 7 bezeichnet. Vorn links ein Tisch mit Schreibzeug.   Erster Auftritt. Heinrich (in der Thüre Nr. 7) Ich habe sicher an die zwanzigmal Bei jedem Ton, beim Klappen ferner Thüren Hinaus gelauscht in diesen Mittelsaal. Auf Nummer Sechs noch immer nichts zu spüren.           (eintretend.) Die Räumlichkeit ist wirklich wie gemacht Zum tollen Plan, der mich hieher gebracht. Die beiden Zimmer liegen völlig einsam – Der Saal hier, Nummer Fünf, ist uns gemeinsam. Hier soll sich mir der Eheknoten knüpfen, Allein ich will, ich muß ihm nun entschlüpfen.           (setzt sich, träumerisch sinnend:)                Wann Zwei sich lieben                Mit Gottesflammen,                Geschieht ein Wunder                Und führt sie zusammen.           (springt auf.) Damit dies Wunder nicht zu spät geschehe Muß ich entfliehn der aufgedrungnen Ehe. Wo mag Freund Robert nur so lange weilen? Ich schrieb ihm doch, heut früh hieher zu eilen. Eilf Uhr vorbei und die Minuten fliehn, Kaum eine Stunde noch bis zum Termin. Ganz unentbehrlich ist für meinen Plan Der Freund . . . doch still, ich höre Jemand nah'n.   Zweiter Auftritt. Heinrich , Robert . Heinrich . Gottlob, du bist's. Robert .                                 Wie geht's, mein alter Heinz? Willkommen hier, verlorner Sohn des Rheins! Was führt dich her? Nicht unser Karneval, Denn der ist aus. Heinrich .                   Er spielt in meinem Fall, Der ziemlich närrisch ist, auch eine Rolle. Robert . Das Factum ist, von deiner Ackerscholle Hast du dich endlich einmal losgemacht. Was immer dich zu diesem Schritt gebracht Kommt im Erfolg der höchsten Weisheit gleich Und wär' es auch der ärgste Narrenstreich. Du, der vor Jahren allen jungen Damen Den Kopf verdreht als Schauspieldilettant Und doch ein boshaft scharfes Staatsexamen Zu gleicher Zeit mit Nummer Eins bestand, Du trocknest ein zum alten Junggesellen Und mußt dich zwischen Vieh- und Pferdeställen Auf einem Gute, das dich eben nährt, Doch dafür deine beste Kraft verzehrt, Nach solchem Anfang auf dem platten Lande Erbärmlich fühlen wie der Fisch im Sande. Heinrich . Noch immer besser als ein städtisch Amt Das mich zur Aktensklaverei verdammt. Ich bin mein eigner Herr. Robert .                                   Dein eigner Knecht. Heinrich . Der alte Streit. – Doch jetzt kein Wortgefecht. Jetzt laß dir sagen, was von meinen Hufen Trotz mancher Arbeit mich hieher gerufen. Der Fall ist etwas kraus und wunderlich. Gib acht und rathe mir. Robert .                               Ich höre. Sprich, Mein alter Heinz. Ich bin mit Rath und That Dir gern zu Dienst als Freund und Advocat. Heinrich . Mein Oheim starb. Robert .                                 So darf man gratuliren? Heinrich . Noch lange nicht. Robert . (lebhaft.)                 Wir müssen processiren? Heinrich . Das hälfe nichts. Des Alten letzter Wille Ist allzubündig, trotz der tollen Grille Daß er nicht mir sowohl, als mich vermacht; Denn einer Frau hat er mich zugedacht. Robert . Wer ist die Schöne? Heinrich .                               Name, Wohnort, Stand Sind mir zur Zeit noch völlig unbekannt, Sonst wüßt ich längst ob meines Ohms Vermögen Nicht seines Schützlings Fehler überwögen. Denn arg sein muß der Erbschaft Nebenlast; Wozu sonst diese Heimlichkeit und Hast? Robert . Das Beneficium des Inventars Erlaubt er doch? Heinrich .                   Am Fuß des Traualtars. Ich werde heute, hier, im goldnen Pfau, Begegnen der mir zugedachten Frau. Gefallen wir einander gegenseitig So macht uns Niemand das Vermögen streitig; Doch reichen wir nicht unsern Trauungsschein Dem Stadtgericht bis nächsten Mittwoch ein, So tritt ein Klauselparagraph in Kraft Und macht den Ausgang äußerst zweifelhaft. Robert . Gesetzt, die Hochzeit würde nicht vollzogen? Heinrich . Zwei Fälle sind im Testament erwogen: Gibt jeder Theil den andern willig frei Dann erbt ein jeder eine Lumperei, Fünftausend Thaler. Robert .                           Und die Erbschaftsmasse? Heinrich . Verfiele dann der Landesarmenkasse. Robert . Und wenn ihr euch nur einerseits mißfiel't? Heinrich . Wer dann mißfällt – gewinnt , und wer gefällt – verspielt . Robert . Es erbt sonach . . . Heinrich .                             Wer einen Korb erhält. Robert . Und wer den Korb ertheilt? Heinrich .                                           Der ist geprellt. Robert . Woran erkennt ihr euch? Heinrich .                                     An Zeit und Ort Und einem festgesetzten Losungswort. Robert . Wie lautet das? Heinrich .                       Ich darf es Niemand sagen Als in Erwiderung gewisser Fragen. Ein Brief des Oheims hat mir vorgeschrieben Im goldnen Pfau hieselbst auf Nummer sieben Bereit zu sein, Schlag zwölf, den ersten März. Robert . Am Aschermittwoch also. Heinrich .                                         Eben heute. Robert . Das ist ein Umstand, den ich dahin deute: Es sei ein ernster Plan, kein Fastnachtsscherz. Heinrich . So harr' ich denn der Ankunft jener Holden Die mein Herr Ohm so kräftig zu vergolden Nothwendig fand, um Jemand zu verführen Sich auf den Rücken dieses Kreuz zu schnüren. Das ist wohl klar, nur eine Sycorax Bedurfte der Bestechung des Geschmacks. Drum brüt' ich Pläne, wie ich selbst der Ehe Und mir die Erbschaft dennoch nicht entgehe. Robert . Querköpfig war sein Leben lang dein Ohm, Er mochte niemals schwimmen mit dem Strom. Kein Mittel schien ihm wunderlich genug, Doch seine Zwecke waren gut und klug. Das war gewiß nicht schlecht was ihm gefiel, Doch freilich war der Weg zu seinem Ziel Von allen Wegen allemal der krümmste, Drum denk' ich ist auch hier der Schein das Schlimmste. Und scheidend noch gefiel's dem alten Herrn Dir, seinem Liebling, einen süßen Kern In garstig bittrer Schaale zu verstecken: Versuch' es nur, er wird vortrefflich schmecken. Das Testament ist gegen die Gebräuche; Doch muß die Braut durchaus 'ne Vogelscheuche Deswegen sein? Ein lächerlicher Wahn! Du selber bist ja doch kein Kaliban Mit Eberzähnen, Borsten im Gesicht; Und müßte das die Unbekannte nicht Nach deiner Logik ebenfalls vermnthen? Drum rath' ich dir, versuch' es erst im Guten. Heinrich . Du räthst mir zu zur Heirath? Das ist neu. Bei deiner unbedingten Ehescheu . . . . Robert . Mein Freund, die Narrheit nur ist unbedingt . Mein Finger wäre wohl schon längst beringt, Wenn etwas hoch nicht meine Wünsche flögen Nach Geist und Schönheit, Anmuth und Vermögen. Seit Jahren schon such' ich umsonst herum; Die reichen fand ich garstig oder dumm, Die geistvoll schönen hatten keine Trümpfe Und wenn einmal, auch sicher – blaue Strümpfe. Die Wenigen, die mustermäßig schienen Telegraphirten mir durch stolze Mienen. Wenn dieser Mensch sich bis zu mir versteigt Wird ihm ein grobgeflochtner Korb gereicht Mit der Devise: »Nur ein Advocat?« – Schon fügt' ich mich dem stäten Cölibat – Da find ich plötzlich mehr als ich begehrte. Heinrich . Das heißt? Robert .                     Ich bin auf einer Doppelfährte. In einem Rechtsstreit, den ich mit Verdruß Nur führe, weil mein Mann verlieren muß, Versucht' ich mit den Gegnern den Vergleich. Zwei Damen sind es, Schwestern, ziemlich reich Von Hause schon; gewinnen obendrein Unzweifelhaft an zwanzig Morgen Wein Da drüben in des Rheingaus besten Lagen – Gerade mündig ward vor vierzehn Tagen Die Jüngere, und welche von den Beiden Die Jüngere sei, konnt' ich nicht unterscheiden. Sie wohnen allerliebst, zwei kleine Stunden Von unsrer Stadt, auf eigenem Besitz. Ich fuhr hinaus im Auftrag meines Kunden, Doch wenig half mir mein Juristenwitz. Sie wußten Beide sehr genau Bescheid Und sind vor mir nicht einen Fingerbreit Von ihrem klaren Recht zurückgewichen. So schieden wir denn freilich unverglichen Was den Proceß betrifft, – doch ohne Groll, Vielleicht auf beiden Seiten hoffnungsvoll. Denn wann ich von der Sache mich verlor Dann fand ich stets ein sehr geneigtes Ohr Und Blicke spielten, die mir's fast verbürgten, Hier hätt ich schwerlich einen Korb zu fürchten. Zum Zaudern zwang mich einzig der Dual Und meine Qual war lediglich die Wahl; Doch eben itzt verändert sich die Lage: Seit gestern zuckt das Zünglein an der Waage. Heinrich . Nun, ein Vertrauen ist des andern werth: Auch Ich bin von der Ehescheu bekehrt. Robert . An diesem Haken hängt dein Widerwille? Deß halb ist dir die Braut 'ne bittre Pille? Heinrich . Nie nehm' ich sie, die man mir zugedacht. Ich liebe. Robert .           Sprich seit wann? Heinrich .                                     Seit dieser Nacht. Robert . So plötzlich war es um dein Herz geschehn? Wie heißt sie denn? Wo hast du sie gesehn? Heinrich . Gesehen , Freund? – Ich bin darauf gefaßt Von dir verhöhnt zu werden als Phantast. Gesehen hab' ich freilich die Gestalt, Auch tief empfunden ihres Blicks Gewalt, Doch ihre Züge kennt mein Auge nicht, Denn eine Maske deckte ihr Gesicht. Robert . Auch du warst gestern auf der Maskerade Beim reichen Wollenhändler Lindenburg? Heinrich . Dort fand ich sie. Robert .                                 Dort fiel in Galopade Dein Herz und ging mit dem Verstande durch! Heinrich . Der Anzug stiftet manches Maskenpärchen Und ich, als Egmont, fand in ihr mein Klärchen. Robert (bei Seiten.) Wie sagt er? Klärchen? – Ei, dann ist's wohl gar. Mit einem Egmont ging sie! – Wunderbar! Das will ich aber doch für mich behalten; Wer weiß es wie die Dinge sich gestalten. Heinrich . Was mir wie Sonnenschein das Herz durchdrang War ihrer Stimme seelenvoller Klang. Bald sagt ich ihr, ich würde voll Vertrauen Mein Lebensglück auf ihre Liebe bauen. Hier meine Hand, wenn Sie dasselbe wagen Sind wir verlobt. Robert .                       Und ohne sprödes Zagen Ergriff sie die so rasch gebotne – Haube? Heinrich . Sie sprach: gefährlich ist Ihr Wunderglaube; Geloben wir uns nirgend nachzuspüren Und nur dem Himmel sei's anheimgestellt Zum zweitenmal zusammen uns zu führen Als Bürgschaft, daß ihm unser Bund gefällt. Wenn wir uns doch begegnen und erkennen, Dann soll uns keine Macht auf Erden trennen. Sie sprach's, und war verschwunden im Gewühl. Ich aber weiß, kein flüchtiges Gefühl, Mein Schicksal sagt mir: diese oder Keine Was mich auch treffen möge, wird die Meine. Robert . Heinz, bist du toll? Auf einem Maskenball Verliebt man sich wohl für den Karneval; Am Aschermittwoch, den wir heute haben, Kommt der Verstand, die Thorheit zu begraben. In Reue denkt man seiner schönen Sünden, Man fastet fromm und wird allmälig nüchtern. Heinrich . Ich liebe, Freund, und mit Verstandesgründen Versuchst du ganz umsonst mich einzuschüchtern. Robert . Mit dreißig Jahren ist man sonst vorbei Den Klippen jugendlicher Schwärmerei. Ein schöner Fuß, ein voller weißer Hals, Ein feurig Auge läßt uns allenfalls Ein wenig links vom rechten Steuerpfade Vor Anker gehn an einem Lustgestade, Doch hütet man sein Schiflein vor dem Strande, Dem Ehestande. Doch du, bisher ein kühler Hagestolz Den keine Schönheit zur Empfindung schmolz, Du wirst im Zweiunddreißigsten ein Thor Der wie ein Blinder sich verliebt durchs Ohr! Nachträglich wird der arme Narr Verstand Erbärmlich auf die Folterbank gespannt Und endlich macht er wirklich das Geständniß: Ja wohl, Ich war dabei und diese Ohrverblendniß Ist wahre Weisheit, hohe Selbsterkenntnis Heinrich . Ich sage dir . . . Robert .                             Du bist im Ernst verliebt? Heinrich . Wogegen es kein schlechtres Mittel gibt Als wohlgesetzte Predigten zu halten. Mein Schicksal ist's. Robert .                             So mag dein Schicksal walten. Doch gilt es nun, die Erbschaft dir zu retten Und dich von ihren Klauseln loszuketten. Dein Schicksal führt gewiß zur Zeit herbei Die holde Unbekannte Nummer Zwei; Das aber scheint mir äußerst zweifelhaft Ob's dir den Korb von Kummer Eins verschafft. Heinrich . Den will ich mir auf eigne Hand erzwingen. Robert . Ist leicht gesagt, doch wird es schwer gelingen. Heinrich . Du weißt, ich bin kein übler Komödiant. Robert . Was hilft das hier? Heinrich .                             Ich zeige mich als Fant, Als Taugenichts, als wahres Ungeheuer, Bis ihr der Bund mit mir das Fegefeuer Auf Erden scheint. – Was sie besonders haßt Erforsche Du; die Maske will ich wählen Vor welcher sie den stärksten Abscheu faßt. Robert . Sie könnte doch die Erbschaft überzählen Und dann so stark empfinden den Beruf Zu welchem die Natur das Weib erschuf, Daß sie sich sagt: ich will ihn dennoch nehmen, Ein Tiger ist's, allein ich werd' ihn zähmen. Komm, zeige mir des Onkels Testament; Ich, der Jurist der alle Schliche kennt, Ich finde doch vielleicht ein drehbar Wörtchen Und öffne dir ein sichres Hinterpförtchen. Heinrich . Komm, lies und hilf mir Witzeswaffen schmieden; Dann werde hier der Freiheitskampf entschieden. (beide ab durch Nr. 7.)   Dritter Auftritt. Mathilde , Klara . Mathilde (aus Nr. 6 herausspähend.) Komm nur getrost, das Feld ist leer. Klara (heraustretend.) Mir ist so bang beklommen. Mathilde . Ich sagt' es dir, das Werk ist schwer; Doch du hast es unternommen. Nur nicht Bedenken hinterdrein, Jetzt muß es dir gelingen. Du glaubst zu lieben, du willst dich befreien, So suche den Korb zu erzwingen . Klara . Auch ohne die Erbschaft bin ich reich – Mathilde . Ja, wenn wir den Proceß gewinnen. Klara . Vielleicht befreit mich ein Vergleich . . . Mathilde . Kind, bist du denn ganz von Sinnen? Klara . Verzichten kann ich im schlimmsten Fall, Wenn frei nur meine Hand wird. Mathilde . Bekannte dein Egmont vom Maskenball Sich nicht als armer Landwirth? Klara . Er scheint ein Pegasus im Pflug. Mathilde . Du liebst die städtischen Sitten. Klara . So hoch geht sein Gedankenflug . . . Mathilde . Ihm selbst sind die Flügel beschnitten. Das eine Wunder kann geschehn, Das magst du gläubig erwarten . . . Klara . Gewiß, wir werden uns wiedersehn! Mathilde . Doch – im Gemüsegarten Dir selber ziehen dein Suppenkraut, Die Mägde beim Melken bewachen – Das scheint von fern idyllisch traut Und – würde dich elend machen. Den Glauben der Liebe halte fest, Doch das ist Aber glaube. Du brauchst ein weiches, warmes Nest Du bist eine zarte Taube. Klara . Und soll nun doch verkappt als Falk Erjagen eine Beute! Mathilde . Das zarteste Weib ist etwas Schalk; Beweise du das heute. Ich will von meinem Ueberfluß Dich kräftigst unterstützen. – Probiren wir gleich den ersten Gruß, Um Dich – vor Dir zu schützen. Klara . Vor mir? Mathilde .           Er, den man dir zugedacht, Ist doch ganz gewiß kein Tauber, Und bewährte nicht erst diese Nacht Sich deiner Stimme Zauber? Sprich barsch; sei heut kein sanftes Lamm; Denn Alles wäre verloren, Verliebte der Erbschaftsbräutigam Sich auch in dich durch die Ohren. Drum sprich mir nach. – Wir nehmen an (nachahmend) Er grüße verlegen und stocke – »Mein Herrrr, sind Sie mein künftiger Mann?« Klara . Mein Herr, sind Sie mein künftiger Mann? Mathilde . Das klingt wie 'ne silberne Glocke! Klara (etwas rauher.) Mein Herr, sind Sie mein künftiger Mann? Mathilde . Viel rauher, mit heiserer Kehle! Klara (möglichst schnarrend.) Mein Herr, sind Sie mein künftiger Mann? Mathilde . So geht's; die Tonart wähle. Klara . So krächzen soll ich? Welche Qual! Ich werde daran ersticken. Mathilde . Pst! – Hörtest du nichts? – Will doch einmal Da hinein durch's Schlüsselloch blicken. – Was seh' ich! Da sitzt der Advocat Der den Hang hat zu türkischen Sitten. Klara . Der mein Verlobter durch Legat? Mathilde (ausfahrend.) Das müßt' ich mir ernstlich verbitten. Klara . Ei sieh! Wie ziehst du die Stirn so kraus! Nun hab' ich dich, du Verstockte! Mathilde . Ich kratzte dir beide Augen aus Wenn den dein Reiz verlockte. Klara . Du willst ihn selbst? Mathilde (wieder lauschend an der Thür Nr. 7 ohne auf Klara zu hören, indem sie diese nach Nr. 6 schiebt.)                                       Er kommt, – geschwind! Klara . Du bleibst? Mathilde (mit Eifersucht.) Hast du was dagegen? Klara . Nicht das Mindeste, Schwester Sausewind! Nimm ihn – und meinen Segen. (ab.) Mathilde . Es ist heraus. – Die Regung schien mir flüchtig; Kaum aber dünkt mir möglich der Verlust, So werd' ich wild, und, wahrhaft eifersüchtig, Verrath' ich was ich selbst noch nicht gewußt. – Ihn nehmen? – Will ich denn?– Mir scheint, ich will. – Warum auch nicht? – Doch wenn das Codicill Des Testaments dem Advocaten gälte Und ich mich zwischen ihn und Klara stellte? – Je nun, mit Klärchen kann ich mich vergleichen; Sie muß ihm dann im Korb die Erbschaft reichen – Drei Fuß hoch macht' ich einen Freudensatz Erschiene leibhaft jetzt ihr Ohrenschatz. Wenn Er nur paßt in ihres Traumbilds Rahmen, So sagen seine Augen sicher Amen. Man kommt. – Ich bin gefaßt auf alle Fälle. Jetzt wachsam, während ich mich schreibend stelle. (setzt sich an den Schreibtisch.)   Vierter Auftritt. Mathilde , Robert , ein Papier in der Hand aus Nro. 6; thut als ob er lese und Mathilde nicht bemerke. Robert . Wahrhaftig, eine von den beiden Schwestern; Doch scheint sie nicht die Witzige von gestern. Mathilde . Er ist getäuscht. O Puder, habe Dank! Noch zieht er nicht die Silberborte blank. Robert . Auf alle Fälle hilft sich dieser Kopf noch: Als Orden bind' ich mir das Ding in's Knopfloch. (Thuts.) So reicht es ihr anstatt der Hand die Brust Und – ist sie's doch, – so hab' ich's doch gewußt. Mathilde . Der Pfifficus! Doch mich betrügt er nicht. Der Schwester gab ich eben Unterricht: Nun red' ich selber Baß, ihn einzuschüchtern Und vorderhand ein wenig zu ernüchtern! Robert . Es ist Mathilde. – Wie die Augen funkeln! Mein armes Herz! – denn Doppelgluth verbrennt es. Mathilde . Nur über Eines bin ich noch im Dunkeln: Ist Er der Bräutigam des Testamentes? Wir wollen sehn. Ich fühl' ihm auf den Zahn. Robert . Es ist die schöne Gegnerin von neulich! Mathilde . (erhebt sich; laut, mit verstellter Stimme) . Sieh da, sieh da! Es ist mir ganz erfreulich, Herr Advocat, daß Sie . . . Robert (f. s.) .                               Sie hegt den Wahn, Ich sei der Bräutigam. Mathilde .                             . . . daß Sie der Mann sind . . . Robert . So wären Sie die Dame, der man's ansinnt Dem Unbekannten ihre Hand zu reichen? Mathilde . Ich hoffe, daß wir diesmal uns vergleichen. Robert (b. S.) . Wenn ich nun lustig mit dem Strome schwämme, So wäre Heinz erlöst von Herzensnöthen. Doch dann geht ihr – und mir die Erbschaft flöten. Wie helf' ich mir heraus aus dieser Klemme? Mathilde . Mein Herr, Sie schweigen? Robert (auftragend) .                             Träum' ich wirklich nicht? Mathilde . Sie zaudern? Leisten Sie vielleicht Verzicht? Robert . Ich dürfte wirklich hoffen, daß Ihr Herz . . . Mathilde (laut auflachend) . Mein Herz? Warum nicht gar! Robert .                                           Sie treiben Scherz . . .? Mathilde . Nur keinen eitel übereilten Schluß! Als ob man wollen könnte, wo man muß! Ich war gefaßt auf einen alten Gecken, Selbst einen Krüppel nahm ich, schlimmsten Falles; Sie sehn doch just nicht aus um Spatzen zu erschrecken; Das ist mir lieb – das aber ist auch Alles. Robert . Sehr schmeichelhaft. (b. S.) Sie ist's; doch meine Silberborte Behalt' ich noch; denn Witz von dieser Sorte Ernüchtert mich. Mathilde .                   Viel Geld und ein Gemahl Ist mein Bedarf. Man ließ mir keine Wahl Und mit dem Tänzer, den man mir beschied, Will ich so gut es geht durch's Leben walzen. Robert (b. S.) . Die hat gesunden Heirathsappetit! Der meine wird mir dadurch sehr versalzen. Mathilde . Sie bleiben stumm? Robert .                                     Sie sind auf falscher Fährte. Ein Andrer ist's dem Sie das Loos bescheerte. Mathilde . Und dieser Andere? Robert .                                     Denkt ganz genau Wie Sie: er will das Geld – und nimmt die Frau. Er war gefaßt auf eine böse Sieben Und wird in Sie sich jedenfalls – verlieben. Mathilde (milder) . Und Sie sind nicht ein bischen eifersüchtig? Robert . Mein Traum war schön, doch leider allzuflüchtig. Mathilde (mit natürlicher Stimme) . Wann fing er an? Robert (Nachdem er sie einen Augenblick angestaunt) .                             Erst jüngst, mit unserm Streit. Mathilde . Und er entwich? Robert .                               Vor Ihrer – Deutlichkeit. Mathilde (zärtlich) Sie dürfen weiter träumen – wenn Sie wollen. Robert . Ein wenig unsanft ward ich aufgeweckt. Mathilde . Verstockter Mensch! Wir spielen ; – gleiche Rollen! Sie merken's nicht, daß ich Sie nur geneckt? Recognosciren wollten Sie; – ich auch, Ich klopfte nur noch schlauer auf den Strauch. Robert . Nicht Sie sind die Vermächtnißbraut? Mathilde .                                                           Behüte! Robert . Und hoffen darf ich doch auf Ihre . . . Mathilde . (rasch einfallend mit voriger verstellter tiefster Stimme) . Güte.           (schelmisch.) In Gnaden will ich Ihnen das gestatten, Empfind' ich auch von Liebe keinen Schatten; Die Schwester zu befrei'n vom Bräutigam Geb' ich mich hin als treues Opferlamm. Robert (ihre Hand ergreifend, feurig) . Und – ohne Mitleid führ' ich's zum Altare. Mathilde (sich losmachend.) Erst bringen wir das Hauptgeschäft in's Klare, Robert . Das Hauptgeschäft ist dies: Ich nehme Sie beim Worte: Erkennen Sie dies Streifchen Silberborte? Mathilde . Zu spät, Herr Diplomate, viel zu spät! Wer Nasen drehen will bekommt sie selbst gedreht. Ihr Ohr und Auge hat Sie bös geäfft! – Doch schweigen wir von uns und schreiten zum Geschäft. Robert . Ich bin bereit. – Wie steht's mit Ihrer Schwester? Mathilde . Der Werber ist Ihr Freund? Robert .                                                 Mein allerbester. Mathilde . Wie alt ist er? Robert .                           Genau in meinen Jahren. Mathilde . Ein Mann von Geist? Robert (besinnt sich einen Augenblick.) Er – hat schon viel erfahren. Mathilde . Im Punkt der Liebe . . .? Robert .                                           Völlig abgebrüht. Mathilde . Ein Practicus? Robert .                             Kein Funke von Gemüth. Mathilde . Doch viel Verstand? Robert .                                       Zu viel – für einen Narren. Mathilde . Hat er Geschmack? Robert .                                     In Rheinwein und Cigarren. Mathilde . Sinn für Kunst? Robert .                               Die hat er nie begriffen. Mathilde . Benehmen? Robert .                         Linkisch oder ungeschliffen. Mathilde . Gesundheit? Robert .                           Etwas leidend – an der Milz. Mathilde . Character? Robert .                       Unter uns, er ist ein Filz. Mathilde . Er liebt das Geld? Robert .                                   Und würd', um nur zu erben, Entschlossen um das ärgste Scheusal werben. Mathilde . Man kann den Busen freund nicht besser wählen; Er sollte nur noch silberne Löffel stehlen. Robert . Sie zweifeln? Mathilde (höchst ernsthaft.) Das ist's, was mich Wunder nimmt, Wie sehr Ihr Freund zu meiner Schwester stimmt. Er – Hypochonder, – sie – 'ne Nervenschwache, Er – Grobian – und sie ein keifender Drache; Er – Filz – und ihre Habsucht geht so weit Daß sie zu zwölf Procent auf Pfänder leih't Und, wann wir eine Soirée besuchen, Ein Frühstück spart durch eingesteckten Kuchen. Man sieht ihr das schon an der Nase an, Die gleicht dem Schnabel eines Pelikan; Man meint, sie wolle beißen wann sie lacht. Zur Furie fehlen ihr nur Schlangenlocken; Sie reitet jährlich zur Walpurgisnacht – Ich selber sah's, – zu Besen auf den Brocken. Robert (lachend) . Das nenn' ich einmal gründlich aufgeschnitten. Mathilde . Sie zweifeln? Ei, das muß ich mir verbitten. So wahr, als Sie gemalt nach der Natur, So wahr entwarf ich keine Karrikatur. Robert . Ich öffne mein Visir. Sie sind zu fein. Mathilde . Sie merken's endlich? Also – reinen Wein! Robert . Wozu Ver rath, wo wir uns gegenseitig Er rathen? Mathilde .         Liebt ihr Freund nicht anderweitig? Robert . Die Gegenantwort nehm' ich aus der Frage: Auch Ihre Schwester ist in dieser Lage. Mathilde (drohend.) Doch wenn Sie das dem Freunde hinterbrächten . . . Robert . So würden Sie mit gleicher Waffe fechten. Mathilde . Gar opferwillig sind verliebte Thoren. Robert . Die Erbschaft ginge Beiden dann verloren. Mathilde . Und das darf nicht geschehn. Robert .                                                   Dasselbe mein' ich. Mathilde . Wohlan, in diesem Punkte sind wir einig. Robert . Da doch nur Eines erben kann von Beiden . . . Mathilde . Das heißt, sofern sie unversöhnlich scheiden . . . . Robert . Ist kein Vergleich, ein Korb nur unser Ziel. Mathilde . Sie geben mir, ich Ihnen freies Spiel. Robert . Und daß die Karten in der Gegenhand . . . Mathilde . Auch falsche sind verschweigt der Secundant. Robert . Es gilt. Gerecht vertheilt sei Licht und Wind . . . Mathilde . Und Sieger bleibe wer den Korb gewinnt. Robert . Ich hole meinen bitter zum Turnier. Mathilde . Wir harren sein in stolzer Kampfbegier. Robert . Ein lustig Lanzenbrechen, wenn ich weiß, Mir selber winke doch der höchste Preis. Mathilde . Der höchste ist ein voller Korb; zum zweiten Könnt' ich ein leeres Körbchen zubereiten Im Fall der Türke von verwichner Nacht Nichts abgelegt vom Türken als die Tracht. Als Ganzes will ich, ohne Nebenschatten, Ganz, ganz allein die Seele meines Gatten; Ja, nun und nimmer denk' ich's einzuräumen Daß er mich halb sieht selbst in seinen Träumen. Robert (sehr ernsthaft) . Ja – das ist schlimm! Das kann ich nicht geloben. Mathilde (hitzig.) Nicht? – Dann ist hiemit Alles aufgehoben. Robert . Ja, sehn Sie, Theuerste . . . Mathilde .                                         Will nichts mehr wissen! Robert . Mein Herz war gestern scheinbar nur zerrissen. Mathilde . Benutzen Sie Ihr Herz wozu Sie wollen, Getrocknet hängen Sie es meinethalben Ans Dach zum Nest für Sparen oder Schwalben. Robert . Erst hören Sie mich an bevor Sie grollen; Denn bleibt es gleich mit meiner Pflicht beim Halben , Sie haben dennoch keinen Grund zum Schmollen: Du kannst und sollst mein ganzes Glück auf Erden Doch höchstens meine bessre – Hälfte werden.           (reicht ihr die Hand.) Indem ihm Mathilde versöhnt mit schalkhaft zärtlichem Lächeln die rechte Hand reicht, ihm aber erst mit dem Finger der Linken droht, dann einen neckischen Schlag gibt und in seine Arme sinkt, fällt der Vorhang . Dritter Aufzug. Ebendaselbst   Erster Auftritt. Mathilde . Die Kehle thut mir weh vom Unterricht, Geholfen aber hat er staunenswerth. Gewiß, ihr bester Freund erkennt sie nicht Am Ton der Stimme, den ich sie gelehrt. Der Mann ist wahrlich nur ein schaaler Wicht, Der so sie doch zu seiner Frau begehrt; Denn die Emancipirte spielt sie prächtig, Kännt' ich sie nicht, mir wär' es selbst verdächtig. Klara (hinter d. Scene.) Mein Herr, sind Sie vielleicht mein künftiger Mann? Mathilde . Sie repetirt noch ihre Redensarten; Doch nein, sie kommt.   Zweiter Auftritt. Mathilde , Klara . Klara .                                 Potz Bbbomben und Grrranaten, Genug charrrrmirt mit deinem Advocaten? Der Henker hole dieses lange Warten. Mathilde (klatscht.) Bravissima! Das ist der rechte Ton. Klara . Wo steckkkkt mein Brrräutigam? (Robert öffnet die Tür.) Mathilde .                                               Da kommt er schon. Klara (schüchtern.) O weh! So schnell! – Soll ich in Ohnmacht fallen? Mathilde . Warum nicht gar! Klara .                                   Vielleicht die Fäuste ballen Und fragen: Herrrrr, sind Sie mein künftiger Mann? Mathilde . Nein, setze dich und starr' ihn ruhig an. Klara . Mir sinkt der Muth. Mathilde .                           Den darfst du nicht verlieren. Klara . Mir wird so dumm. Mathilde .                           Ich werde dir souffliren.   Dritter Auftritt. Vorige , Robert , Heinrich , in recht philiströsem langem Rock, etwas ausgestopft, dicke Wolken blasend aus einer unvernünftig großen Zigarre. Die Damen vorerst noch gar nicht berücksichtigend, hält er Robert eine angemessen riesige Cigarrentasche mit eben so großen Zigarren hin. Er spricht in breiter, an's Gemeine streifender Mundart. Heinrich . So nimm, steck an und mache keine Faxen. Havannah – bessres Blatt ist nie gewachsen.           (macht eine linkisch familiäre Verbeugung.) Erlauben wohl. – Bin halb nur bei Verstand Bevor ich meinen Stengel angebrannt. Sind keine Stinkadores – achtes Kraut,           (gleichgültig, mit einem Ansatz zum Gähnen.) Doch – sagen Sie – wer ist nun meine Braut? Mathilde . (hat unterdeß Klaren ins Ohr geflüstert, was sie während des Folgenden oft wiederholt.) Klara . (tritt zu Heinrich, besieht prüfend seine Zigarren und nimmt sich eine.) Havannah? (herrisch commandirend)                   Feuer! Robert . (gibt ihr Feuer.) Klara (nachdem sie einige Züge gethan.)                             Scheinen wirklich ächt, – Nur etwas schwach. Heinrich (b. S. zu Robert.)                                 Sie schmaucht wie'n Ackerknecht. Robert (ebenso.) Nur nicht verblüfft. Klara (zu Heinrich.)                                 Was stieren Sie mich an? Sind Sie vielleicht mein künftiger Haustyrann? Gefall' ich Ihnen? Heinrich .                     Sie sind's? – Ganz passabel. Klara (b. S. zu Mathilde.) Nimm sie mir weg, sonst wird mir miserabel. Mathilde (laut.) Wollt ihr per Dampf mich vor die Thüre schicken?           (nimmt Klara die Cigarre weg und wirft sie fort) Hast heut schon sechs geraucht – ich muß ersticken. Heinrich . Nun rasch das – Dings, den Ehepact geschrieben. Robert . Ihr solltet doch zuerst Bekanntschaft machen. Heinrich . Wozu? Heirathen sollen wir, nicht lieben. Klara . Nur keinen Aufenthalt mit Nebensachen. Heinrich . (setzt sich recht breit und ungenirt in die Mitte.) Wohlan – wie nennen Sie mit einem Wort Der Ehe Fundament, den ärgsten Mord? Klara . (hat sich ihm vis-à-vis gesetzt. Mathilde und Robert stehen hinter den beiden Sesseln.) Mitgift – mit Gift . – Und man empfiehlt uns Beiden? . . Heinrich . Nachsicht . Klara .                       Wann soll sich unser Loos entscheiden? Heinrich . Nach Sicht . Klara .                         Nach Sicht ist welcher Wechsel fällig? Heinrich . Der Wechsel unsrer Trauungsringe. Klara . Die Loosung stimmt. Heinrich .                               Sie sind's. Klara .                                                     Noch eine Frage stell' ich. Heinrich . Drauf los. Klara .                       Dann kommt, was ich mir ausbedinge. Was sind Sie? Heinrich .                 Früher war ich Mälzenbräuer; Gepachtet hab' ich nun die Hundesteuer. Klara (sich vergessend.) O pfui! Mathilde (leise.) Gib acht! Heinrich .                           Das scheint Sie anzuekeln? Wer Geld verdienen will, der darf nicht mäkeln. Klara . Sie haben recht. Aus eben diesem Grunde Sehn Sie mich nun bereit zum Ehebunde. Heinrich . Romantik, Fräulein, hab' ich keine Spur. Klara . Sie sparen dadurch eine harte Kur; Denn wenn Sie mir mit Zärtlichkeiten kämen So könnte das ein böses Ende nehmen. Heinrich . Nur ohne Furcht! Ich liebe mein Behagen Und niemals werd' ich Sie mit Liebe plagen. Ein guter Wein, Havannahwohlgerüche, Vor Allem eine ausgesuchte Küche: Das componirt mein Ideal der Ehe. Klara . Indem ich diese Stücke zugestehe Beding' ich mir zwei Drittel von der Kasse. Heinrich . Wie, zwei? Klara .                         Wovon ich ein's verprasse Wie's mir beliebt. Ich brauche ziemlich viel Zum Whist, Piquet; ich liebe hohes Spiel. Zwar trägt das Lanzknecht mir 'nen hübschen Posten Im Winter ein, – die Herren sind galant – Doch deckt es lange nicht die Sommerkosten; In Baden, Homburg hat man schweren Stand; Auch geht was drauf in Hüten, Crinolinen. – Das zweite Drittel mag zum Haushalt dienen Wann wir, erschöpft von unsern Einzelreisen, Zusammen leben, das will sagen: speisen. Versichern hör' ich, daß die Langeweile Der Häuslichkeit am allerbesten heile Die Nervenreizbarkeit, den Ueberdruß Und wieder hungrig mache nach Genuß. Heinrich . Ich bin erstaunt! Mein Urtheil wird gerechter. Klara . Ihr Urtheil? Heinrich .               Ueber meines Ohm's Verstand. Klara . Was wundert Sie, Herr Hundesteuerpächter? Heinrich . Daß er für mich so ganz die Rechte fand. – Wenn überhaupt ein Mann von meinem Schlage Heirathen soll, obschon er gründlich haßt Das Ehejoch, so sind Sie ohne Frage Die Gattin, die für ihn am Besten paßt. Wir gehn ein Jedes seine eignen Wege . . . Klara . Keins kommt dem Andern jemals in's Gehege. Heinrich . Wir kennen keine uns verbotne Frucht. Klara . Entsagen feierlich der Eifersucht. Heinrich . Sehn uns im Jahr 'nen Monat nur, bei Tische. Klara . Damit die Langeweile uns erfrische. Heinrich . Man wird sich nie mit Unterhaltung quälen. Klara . Das hieße völlig unsern Zweck verfehlen. Heinrich . Den Zweck, uns auseinander stets zu sehnen. Klara . Wir sind uns pflichtgetreu indem wir gähnen. Heinrich . Mit einem Wort, wir geben uns den Eid . . . Klara . Auf volle Freiheit und Gleichgültigkeit. Heinrich . Wir werden ein modernes Musterpaar. Klara . Bestellen Sie nur schleunigst den Notar. Robert . Ich bin zu Dienst. (Klara und Heinrich stehen beide rasch auf, wenden sich zu Mathilde und Robert um und sehn sie verlegen fragend an. Mathilde und Robert zucken die Achseln.) Mathilde (leise zu Klara.)   Es scheint, er will dich doch. Klara (ebenso.) Verleiden will er mir sein Ehejoch. Heinrich (leise zu Robert.) Die läßt nicht los. (laut.) Ein Wort zuvor mit Dir. Robert (zu den Damen.) Wir holen nur gestämpeltes Papier. (mit Heinrich ab.) Klara . Ich bin schachmatt. Mathilde .                           Ja – Finte gegen Finte. Klara . Was meinst du jetzt? Mathilde .                             Wir sitzen in der Tinte. Klara . Was nun, Mathilde? Mathilde (mit parodirendem Pathos.)                                     Augen oder Ohr , Frei'n oder Nichtfrei'n , das ist hier die Frage. Klara . So sprich doch ernsthaft! Mathilde .                                   Lüge dir nichts vor Und prüf' es ehrlich: wohin neigt die Waage In deinem Herzen? Klingt das Schmeichelwort Der letzten Nacht in dir noch siegend fort Mit dem der Unbekannte dich bethörte? Verlöscht, was du gesehn , das nur Gehörte? Du mußt gestehn, er ist ein schmucker Junge, Sein Muttertheil Verstand besitzt er auch; Mit viel Gewandtheit braucht er seine Zunge Und plump war nur sein ausgestopfter Bauch. Er wußte seine Antwort wohl zu spitzen Und diente Schlag auf Schlag mit Gegenwitzen. Du läugnest schwerlich, daß er dir gefällt. Klara . Ich merkt' es bald, daß er sich nur verstellt Als er den Plumpen gab, doch, durch mein Spiel Zum Spott gereizt, fast aus der Rolle fiel. Es war ein Thorenstreich von beiden Seiten Mit solcher kindisch groben List zu streiten. Mathilde . Die Rollenwahl verdient das beste Lob, Ihr nahmt die Schminke nur zu dick und grob. Klara . Recht männlich edel scheint er von Gestalt Und sein Character, das erräth man bald, Ist ganz gewiß in seinem tiefsten Kern Vom Gegentheil des Wesens gar nicht fern, Das er gewählt, sich darin zu verstecken Als beste Maske, mich zurückzuschrecken. – Vergessen freilich kann ich nun und nie Was diese Nacht erst wahre Melodie In meines Lebens Wirrwarrklänge goß Und meinem Herzen eine Welt erschloß. Allein – gesetzt, es blieb' ein schöner Traum Und gab' allmälig andrer Liebe Raum: – Ist hier nicht alle Hoffnung abgeschnitten? Du siehst, er hätte gern den Korb erstritten: Was folgt daraus? Mathilde .                     Daß er die Braut erprobt Durch eine List. Klara .                         Ach nein, er ist verlobt. Mathilde . Ach nein? – Dies Ach, mein Fräulein, ist verdächtig; Das Ohr wird schwach, das Auge übermächtig. Was willst du, sprich? Noch deine Freiheit retten? Oder gefallen dir die drohenden Ketten? Heraus damit! – Du schweigst noch immer still? Klara . Ach, wüßt ich selbst nur deutlich was ich will! Mathilde . Im Irrthum bin ich schwerlich, wenn der Feind Nicht minder mir als wir zu schwanken scheint. Sie halten Kriegsrath, wohl des Rückzugs wegen; Komm, daß wir uns auf's Spioniren legen. (ab mit Klara.)   Fünfter Auftritt. Heinrich , Robert , Mathilde ab und zu in der Thüre lauschend. Heinrich . Im ersten Gang bekenn' ich mich geschlagen. Robert . Wir müssen eben einen zweiten wagen. Heinrich . Das geb' ich zu, mein Ohm, der alte Fuchs, Verstand sich trefflich auf Gesicht und Wuchs; Auch birgt ihr Köpfchen einen regen Geist, Nur ist sie mir doch etwas gar zu dreist. Robert . Ei, ei, mein Freund, es scheint mir, daß du schwenkst Und anders schon vom Plan des Onkels denkst. Heinrich . Nicht übel finden könnt' ich seine Wahl Wenn's besser stünd' im Punkte der Moral. Sie gab für mich doch etwas zu genau Die Rolle der emancipirten Frau. Robert . Was das betrifft . . .           (Mathilde lauschend in der Thür; er bemerkt sie.) Heinrich .                               So sprich. Was soll dein Zaudern? Robert (f. s.) . Soll ich nun dennoch aus der Schule plaudern? Heinrich . Entschuld'ge sie, ich bin darauf begierig. Robert . Und sehr , ich seh's. – Wohlan, es ist nicht schwierig Von solchen Frau'n ein Vorbild nachzuahmen. Heinrich . Dann wird ihr Um gang mehr als zweifelhaft. Robert . Ach, wer hat heute nicht von solchen Damen Ein Muster in der nächsten Nachbarschaft! Heinrich . Ein reines Herz ist blind für alles Böse. (Mathilde w. o.) Robert . Wenn Ich so schmollte . . . Heinrich .                                           Du? – Wem? Robert .                                                                   Der Souffleuse;           (Mathilde droht ihm mit dem Finger.) Denn sahst du das nicht? allemal von ihr Bei jeder neuen Wendung im Turnier Ward deiner Gegnerin das Stichwort zugeraunt; Doch macht das mich durchaus nicht mißgelaunt. Heinrich . Weshalb denn auch? Robert .                                     Je nun, der kleinste Schatten Ist störend an der Braut dem künftigen Gatten . Heinrich . Was soll das heißen? Robert .                                       Daß wir Sekundanten Hier auf Mensur uns unser Herz bekannten. Heinrich . Die Damen vom Proceß . . .? Robert .                                                   Sind diese Beiden. Heinrich . Du schwanktest noch – was half dir dich entscheiden? Robert (b. S.) Erzähl' ich's ihm? Es wäre kaum loyal. Heinrich . Heraus damit, was lenkte deine Wahl. (Mathilde w. o.) Robert (b. S.) Errathen lassen darf ich was ich weiß.           (laut.) Weshalb willst du den Korb um jeden Preis? Heinrich . Du kennst den Grund. Robert .                                       So wird dein Gegenpart Wohl Gründe haben von derselben Art. Kurz, – nur bei einer fand ich freies Spiel           (Mathilde macht eine eifersüchtig drohende Geberde.) Zum Glück bei der, die mir zumeist gefiel.           (Mathilde beruhigt zurück.) Heinrich (unangenehm überrascht.) So meinst du, meine – Braut – sei schon versagt? Robert . Mich wundert, daß dir das so schlecht behagt. Heinrich . Sie liebt 'nen Andern? Robert .                                         Dieses Hinderniß Für sie macht dir den Sieg, den Korb gewiß. Drum frisch zum zweiten Gang auf die Mensur.           (Mathilde w. o.) Sprich unverstellt; für eine Prüfung nur Gib dein Debut als plumper Flegel aus; Du bötest ihr nun ehrlich Hand und Haus, Da sie sich ganz nach deinem Wunsche zeigte. Ihr bleibt kein Ausweg mehr als offne Beichte, Du hast den Korb, hast mit dem Korb das Baare Und kannst hernach beliebig lange Jahre Gemächlich leben deinem Ohrenwahn ,           (Mathilde stutzt und schleicht hinter die Beiden.) Von Zeit zu Zeit auf Maskenbällen walzen Und dort versuchen – wie der Auerhahn Die Henne lockt mit blind verliebtem Balzen – Ob einen Wiederhall dein Lockruf weckt Und – deine Stimme – ihre Frau entdeckt. Wenn du dann einst als Hagestolz versauerst Und man mich fragt, weshalb du einsam trauerst, So sag' ich: Hört die schreckliche Geschichte: Ihm standen seine Ohren einst im Lichte; Betitelt ist das wundersame Märchen »Die Macht der Stimmen oder Egmonts Klärchen.« Mathilde (b. S.) Er ist's! Kein Zweifel mehr. Das nenn ich Glück! Das ist ein wahres Zufallsmeisterstück. (ab.) Heinrich . Dein Spott ist billig, doch dein Rath ist gut. Ich will ihm folgen. Robert (mit Ironie.)         Sei auf deiner Hut, Indem du wirbst nicht allzusehr zu schwärmen, Du könntest sonst wohl gar ihr Herz erwärmen. Du bist ein hübscher Mann, du blühst von Kraft – Die Weiber sind entsetzlich flatterhaft. Gesetzt, sie würde plötzlich umgestimmt: Wie, wenn sie dich nun doch beim Worte nimmt?           (geringschätzig.) So fern es liegt, es bleibt doch immer denkbar . (Mathilde tritt ein.) Heinrich (empfindlich.) Nur unbesorgt.           (ab.) Robert (für sich.) Ein Trotzkopf auch ist lenkbar. Die Kunst ist nur: errathen und sich schicken In die Methode seiner Nicken. Der geht nach rechts , so heftig er sich sperrt Wofern man nur (Geste) am linken Zügel zerrt. Nun wett' ich, er studirt schon, wie er wähle Das flötendste Register seiner Kehle. Mathilde . (Ist vergebens bemüht gewesen durch Winken seine Aufmerksamkeit zu gewinnen; zupft ihn am Rock; leise.) Ein Wort, mein Lieber. (sie sprechen leise.) Robert .                                 Das ist köstlich! Mathilde .                                                         Sacht! – Wo blieb sein Ballcostume von dieser Nacht? Robert . Hier nebenan. Mathilde . (sagt ihm etwas in's Ohr.) Robert .                         Er hat mir's lang und breit Erzählt. Mathilde .     Sie mir. Robert .                     Wohlan, ich bin bereit. Mathilde . Du hustest und ich niese zum Signal, Dann treten wir zugleich in diesen Saal.   Sechster Auftritt. Vorige , Heinrich , Klara gleichzeitig v. r. u. l. Mathilde zu Klara, nimmt ihren Arm und promenirt mit ihr, leise redend, um die Bühne. Ebenso Robert mit Heinrich. Mathilde . (mit Klara im Vordergrunde ankommend.) Er scheint mir deiner doch nicht werth zu sein. Versuche nun dein Heil mit ihm allein.           (ab.) Robert . (mit Heinrich im Vordergrund ankommend.) Ich glaube, Freund, du hast den Korb im Sack; Es scheint, du bist durchaus nicht ihr Geschmack.           (ab.)   Siebenter Auftritt. Heinrich , Klara . Heinrich (f. s.) So völlig sicher scheint mir das noch nicht. Sie soll mich sehn in meinem wahren Licht. Klara (f. s.) Was sag' ich nur? Mein Witz ist flügellahm; Mit ihm allein vergeh' ich fast vor Schaam. Heinrich . Mein werthes Fräulein . . . Klara (f. s.)                                         Fänd' ich nur ein Wort           (laut) Mein Herr . . . Heinrich .               Ich werfe meine Maske fort; Ich merk' es längst, Sie haben mich durchschaut. Klara (f. s.) Zum Herzen spricht auch dieser Stimme Laut. (Gespannt lauschend müssen von hier an Beide in ihrem Spiel das allmälige, anfangs noch zweifelnde Aufdämmern des »Wiedererkennens durchs Ohr« darstellen.) Heinrich . Nicht wahr, ich darf in Ihren holden Zügen Nun ebenfalls das Eingeständniß lesen, Wie schwer es Ihnen ward, mir vorzulügen Das schroffste Gegentheil von Ihrem Wesen? Klara . Verzeihn Sie mir? Heinrich .                         Wir tragen gleiche Schuld. Klara . Ich wußte nicht . . . Heinrich .                           In meiner Ungeduld Erschien mir das Vermächtniß allzuarg Blos weil man mir den Gegenstand verbarg . Klara (treuherzig.) Deshalb allein? Aus keinem andern Grunde? Heinrich . Die Frage, Fräulein, kommt aus Ihrem Munde So treu gemeint, – im bloßen Tone liegt Ein redlich Herz – ich fühle mich besiegt. Klara . Nicht wahr, ein andres Bild war Ihnen theuer Und machte mich für Sie zum Ungeheuer? Heinrich (b. S.) Die Wahrheit sagen will ich, doch dazwischen Zur Sicherheit ein wenig Dichtung mischen.           (laut.) Sie haben recht. Was Ihnen widerstrebte, Es war ein Bild, das ich aus Tönen webte. Klara . Aus Tönen? (halb für sich) das ist mehr denn wunderbar. Heinrich . Als ich vor Jahren in Venedig war, Besucht' ich dort im Lauf des Karneval Des Fürsten Lana großen Maskenball. Die Gäste waren unbedingt gehalten Aus ihres Volkes Dichtern die Gestalten Sich auszuwählen; da denn durchs Gewand Manch Pärchen gleicher Nation entstand. – Beim ersten Tanz schon sah in dieser Art Auch ich mit einer Deutschen mich gepaart. Ich stellte vor Max Piccolomini, Die Thekla sie. – Das war uns ein Genuß schon, rings umklungen Von einem Babel fremder Zungen, Zu lauschen auf der Heimath süßen Laut; Wir wurden nicht, wir fanden uns vertraut. Denn wie verschiedne doch verwandte Saiten Harmonisch eine Melodie begleiten, So weckte stets im Andern jedes Wort Zum Wiederhall den passenden Akkord, Und wie den Eisenstab des Telegraphen Ein Blitzstrom plötzlich füllt mit einer Kraft, Die regungslos bisher in ihm geschlafen, Doch nun, erwachend, hohe Wunder schafft, So schien es uns als ob durch Zauberei Ein Jedes plötzlich umgeschaffen sei, So war's ein neues Wesen das wir spürten Als unsre beiden Seelen sich berührten. Doch stärker noch, als der Gedankentausch Den Geist, beschlich das Ohr ein süßer Rausch. Unnennbar mächtig drang mir in die Seele Der wundersame Wohllaut ihrer Kehle. Ach, – ihn zu schildern muß das Wort erlahmen. Klara . Doch Sie verstehn die Kunst, ihn nachzuahmen. Heinrich . Sie meinen? Klara .                           Doch ich will nicht unterbrechen, Ich höre Sie nur gar zu gerne sprechen. Heinrich (durch Spiel und Ton zeigend daß er sie erkannt hat.) Und ich – ich glaube fast, daß Sie – vor Jahren, Mein Fräulein, einmal – in Venedig waren. Klara (sehr verwirrt.) Ich – in Venedig? – Gestern – Nein, den Ort Besucht' ich nie – doch – fahren Sie nur fort. Heinrich . So schwelgten wir, dem Tanzgewühl entgleitend Und im Gespräch in's fernste Zimmer schreitend, In jener höchsten, reinsten Lebenslust, Sich reicher, edler, als man je gewußt, Im schöpferischen Austausch der Gedanken Am wahlverwandten Geist empor zu ranken. Da scheint uns auch das Schwerste nicht verweigert, Denn jede Gabe fühlt man hoch gesteigert Vom Wunsch, des Andern Beifall zu erlangen. – Es ist ein seelig Geben und Empfangen. Klara . Wie Sie das Alles schön zu sagen wissen! Heinrich . Bin ich um Ihren Beifall doch beflissen. – Kein Leichtsinn dünkt es mir, kein leerer Wahn, Da, wo wir solche Eigenschaften finden, Getrost und rasch uns für die Lebensbahn Auch nur auf Ohrenbürgschaft zu verbinden. – Was meinen Sie? Klara .                         Es scheint mir doch gewagt. Heinrich . Genau, was damals Thekla mir gesagt. Klara . Sie hatten Lust zu diesem Wagestück? Heinrich . Ich sprach:         Bei Dir allein ist meines Lebens Glück,         Von Dir bekomm' ich doppelt mich zurück.         Bei Dir allein bin ich mir selber klar,         Bei Dir allein empfind' ich voll und wahr;         Bei Dir allein ist reiner Sonnenglanz,         Bei Dir allein ist meine Seele ganz .         Bei Dir allein durchströmt mich Götterstärke         Und Sicherheit zu jedem großen Werke.         Bei Dir allein, bei dir allein auf Erden         Kann ich mein Höchstes, kann ich seelig werden. Klara (b. S.) Betrügst du mich, mein Ohr? Ich möchte schwören Von ihm die Stimme dieser Nacht zu hören. Heinrich . So sprach ich damals. Nur von ferne rauschte Die Ballmusik und keine Seele lauschte. Da wir in einer Fensternische standen, So sahen wir mit silbernen Guirlanden Vom vollen Mond die leisen Athemwogen Der schlafenden Lagune weit umzogen. Ihr Auge schweifte träumend in die Ferne Zum eben aufgegangnen Morgensterne; Dann traf es mich. Des Meeres Wiederschein, Der Liebesstern warf seinen Glanz hinein; So war's erfüllt vom reinsten Himmelslicht – Mir war, als müßt' ich meine Hände falten – Da sprach sie, leise flüsternd, ein Gedicht . . . Klara . Das haben Sie doch ganz gewiß behalten? Heinrich .         Wann Zwei sich lieben         Von ganzem Herzen,         Die müssen ertragen         Der Trennung Schmerzen. Klara .         Wann Zwei sich lieben         Aus tiefster Seele,         Die müssen glauben         An Himmelsbefehle. Heinrich .         Wann Zwei sich lieben Klara .         Mit Gottesflammen Heinrich .         Geschieht ein Wunder Klara .         Und bringt sie zusammen. Heinrich . Mir scheint es, daß dies Wunder jetzt geschieht! Sie wissen's auch? Klara .                             Ein altbekanntes Lied. Doch weiter, weiter! Ihre Thekla meinte? Heinrich . Wenn ein Beschluß des Himmels uns vereinte So werde sich's gewiß noch einmal zeigen; Sie müsse Namen, Wohnort mir verschweigen, Sie wolle mich, ich solle sie nicht schauen; Zwei volle Jahre sollten wir vertrauen Daß eine Fügung uns zusammenbringe. Wir wechselten darauf Erkennungsringe . . . Klara (f. s.) Er ist's! Heinrich .                 Und gaben uns zuletzt das Wort Am Schluß des zweiten Jahres an diesem Ort Zur Zeit des Karneval uns einzufinden Um uns zu lösen – oder auch zu binden . Klara (b. S.) Er ist's, er ist's! – Ich muß mein Glück verstecken; Denn ich auch will ihn jetzt ein wenig necken.           (laut.) Wie's scheint passirt auf jeder Maskerade Was mir ein Wunder schien! – Es ist doch schade. Heinrich (f. s.) Sie merkt noch nichts! Klara (f. s.)                                           Jetzt hart, mein Herz, dann – Gnade.           (laut.) Sie haben sich bis heute nicht getroffen? Heinrich . Nein, nicht – bis heute – doch nun darf ich hoffen. Was meinen Sie? Klara .                         Sie fürchten ganz gewiß, Ich bleibe Ihres Glückes Hinderniß. Mathilde mag mich eine Thörin schelten, – Nur mein Gefühl soll mir als Richtschnur gelten. Ich wäre schlecht, wenn mich die Habsucht triebe Zum Bund mit Ihnen ohne meine Liebe. Heinrich (verblüfft.) Was sagen Sie? (f. s.) Was fällt ihr plötzlich ein? Klara . Sie denken doch von mir wohl gar zu klein. Ich wüßte nicht, was ihre Neigung hemmt. Heinrich (glühend.) So darf ich . . .? Klara .                                                 Geiz ist meiner Seele fremd. Ich fühle nur, daß Ihnen Dank gebührt Für die Erzählung die mich tief gerührt. Zum Zeichen, daß Sie mir mit Recht vertrauten, Daß Sie in mir mit wahren Herzenslauten Auch wahlverwandte Saiten angeschlagen, Bin ich bereit, freiwillig zu entsagen. Auch ohne diese Erbschaft kann ich leben . . .           (setzt sich an den Tisch und nimmt die Feder.) Heinrich . Was thun Sie? Klara .                               Schriftlich will ich's Ihnen geben. Heinrich . Was denn? Klara .                         Den Korb, den Sie so sehr ersehnen. Heinrich (enttäuscht,) Ich bin so frei, den – höflichst abzulehnen. Klara . Das hilft gewöhnlich nichts. – Nur keine Ziererei; Nicht Großmuth ist's – auch Ich bin nicht mehr frei. Heinrich . Was sagen Sie? Nicht frei? Klara .                                                   Mich bindet freilich Fast nur ein Wunsch – allein er ward mir heilig Durch Sie – durch Ihre rührende Geschichte. Heinrich (f. s.) Das fehlte noch! (laut) Nein, Fräulein, Ich verzichte. ( Robert hustet, Mathilde niest hinter der Scene.) Klara . Die Freundschaft holt sich draußen den Katarrh.           (wendet sich nach Nr. 6.) Heinrich . Hier thut's die Liebe! – O – ich Doppelnarr!           (wendet sich nach Nr. 7.)   Achter Auftritt. Vorige , Mathilde als Klärchen, Robert als Egmont, Masken vorhaltend, gleichzeitig von rechts und links. Klara (zu Mathilde.) Was fällt dir ein? Heinrich (zu Robert.)     Was sind das für Marotten? Klara . Verräthst du mich? Heinrich .                           Du willst mich noch verspotten? (Mathilde und Robert wehren sie mit einer Handbewegung ab und nehmen die Mitte. Beide sprechen das Folgende mit grell chargirter Sentimentalität.) Mathilde . Der Anzug stiftet manches Maskenpärchen. Robert . Ich bin dein Egmont. Mathilde .                                 Ich dein treues Klärchen. Robert . Mein süßes Klärchen, gib mir deine Hand. Mathilde . Wie pocht dein Puls mit meinem wahlverwandt! Robert . Wie klingt so wunderlieblich deine Stimme! Dich ewig hören ist mein einziger Wunsch. Mathilde . Mir ist als ob ich in Entzücken schwimme; Dein Wort berauscht mich wie Champagnerpunsch. Robert . Dein Mündchen ist ein wahrer Honigkrahn. Mathilde . Ich esse mit den Ohren Marzipan. Robert . Sei mein, ich liebe dich ganz unermeßlich! Mathilde . Allein gesetzt, ich wäre furchtbar häßlich? Robert . Natur ist nie so lügnerisch, daß Kröten So wunderhold wie Nachtigallen flöten. Die Tonart hat ein Engel nur im Hals. Mathilde . Gespräche freilich sind der Ehe Salz. Robert . Durch's Auge lieben – nichts ist abgeschmackter. Mathilde . Der Kehlkopf nur verräth uns den Character. Robert . So nimmst du mich? Mathilde .                               Wir sind in Eins zerflossen. Robert (d. Maske abnehmend.) Nun habt ihr wohl genug an unsern Possen? Heinrich (den Ring aus der Tasche ziehend.) An Ihren Finger also paßt der Ring? Sie haben meinen? Klara (ihm den seinigen gebend.) Und Sie – Sie sind – mein lieber Sonderling? Die Worte »mein lieber Sonderling« müssen genau ebenso gesprochen werden wie A. I., Auftritt 5 . Und Ihr Geschichtchen spielt nicht in Venedig? Heinrich . Und Ihre Hand, Ihr Herz sind dennoch ledig? Klara . Mein Herz? – nur allzuvoll! Heinrich .                                         Von wem? Klara .                                                               Sie fragen? Heinrich (indem er sie zärtlich an sich zieht.) Du sollst es mir in's Ohr ganz leise sagen, Daß es dem Ohr die Eifersucht benimmt; Denn von den Augen fühlt sich's überstimmt. Du bist so schön – ich mußte Dich verlassen Um – Dich wie jetzt für immer zu umfassen. Klara .             Wann Zwei sich lieben             Mit Gottesflammen             Geschieht ein Wunder             Und führt sie zusammen. Heinrich . Was meinst du, Robert, bin ich noch ein Thor? Robert . Das Glück der Liebe fandet ihr Alle .                                                         Durch 's Ohr.