Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus Nebst Ergänzung aus Augustins de Zarate und Gareilasso's de la Vega Berichten. Von Francisco de Xerez Pizarro's Geheimschreiber Inhalt Vorwort. I. Die Colonie St. Sebastian und, Vasco Nuñez de Balboa. Gründung der Colonie Santa Maria del Antigua in Darien. Erste Nachricht von dem Südmeere. Zug nach dem Goldtempel. Entdeckung der Südsee. Rückkehr nach Santa Maria. Anklage und Hinrichtung des Vasco Nuñez. Die Eroberer Peru's, Francisco Pizarro und Diego de Almagro. Ihr Charakter. Der Zustand Peru's zur Zeit der Eroberung. II. Einleitung. Pizarro's erste Reise (1524). Hungersnoth. Niederlage durch die Wilden, Rückkehr. Diego de Almagro sucht Pizarro auf. Ihre Vereinigung und neue Zurüstungen zur Fortsetzung ihres Unternehmens. Sie entdecken Locamez. Pizarro landet in Peru. Geht nach Spanien und wird zum Statthalter von Peru ernannt. Abreise von Panama zur Eroberung Perus (1531). Landung in der Bay San Mateo. Ueberfall eines Ortes. Fortsetzung des Zugs an der Küste. Uebergang auf die Insel Puna. Kampf mit den Bewohnern. Ueberfahrt nach Tumbez. Ermordung einiger Spanier. Züchtigung der Eingebornen. Friedlicher Verkehr mit dem Caziken von Tumbez. Fortsetzung des Wegs bis zum Flusse Turicarami. Freiwillige Unterwerfung der Caziken. Züchtigung einiger Caziken im Gebirge und an der Küste. Gründung der Colonie San Miguel de Piura. Erste Nachricht von dem mächtigen Caziken Atabaliba. Pizarro bricht auf, um gegen ihn zu ziehen. Piura. Cara. Nachricht über Caxas und Cuzco. Der Ort Guacamba. Eine Gesandtschaft Atabaliba's. Pizarro setzt seinen Marsch fort. Der Ort Motur. Einiges über die Sitten und Gebräuche der Peruaner. Absendung eines Caziken als Gesandten an Atabaliba. Fortsetzung des Wegs. Ankunft der Gesandten Atabalida's; Pizarro's Unterredung mit denselben. Zurückkunft des von Pizarro abgeschickten indianischen Botschafters und Bericht desselben. Einzug in Caxamalca. Beschreibung dieser Stadt. Die Spanier besetzen einen Theil derselben und die Festung. Abgeordnete gehen in das Lager Atabaliba's. Unterhandlungen mit demselben. Er kommt mit seinem Kriegsvolk nach Caxamalca. Angriff der Spanier auf die Indianer und Niedermetzelung derselben. Atabaliba's Gefangenschaft. Verlust der Peruaner. Große Beute. Freilassung der Gefangenen. Einiges über das Kriegswesen der Indianer. Atabaliba's Wohnung im Lager. Atabaliba's Geschichte. Des Statthalters Unterredungen mit ihm und seine Anerbietungen. Vorkehrungen des Statthalters. Nachrichten aus St. Miguel. Ankunft frischer Mannschaft unter Diego de Almagro. Eintreibung des Goldes und Silbers. Hernando Pizarro's Zug nach Xauxa. Beschreibung des Wegs. Netzbrücken. Orte, durch welche die Spanier ziehen. Ankunft zu Pachalcami, wo sich der mit Gold angefüllte Tempel befinden sollte. Bemerkungen über den Götzen und seine Verehrung. Hernando Pizarro sucht den indianischen Heerführer Chilicuchima auf. Die Stadt Xauxa und der Feldherr Chilicuchima. Rückkehr nach Caxamalca. Die Stadt Cuzco. Einschmelzung und Vertheilung des Goldes und Silbers. Hohe Preise der Lebensbedürfnisse. Anklage und Hinrichtung Atabaliba's. Franco de Weix Shaedlo verkündet die Revolution. Sein Nachfolger. Heimkehr vieler Spanier. Ankunft großer Schätze in Spanien. (Fortsetzung nach Augustin de Zarate) Pizarro nimmt Cuzco in Besitz. Der Hauptmann Benalcazar erobert Quito. Ankunft Don Pedro's de Alvarado in Quito und Vergleich mit Diego de Almagro. Ermordung des indianischen Heerführers Quizquiz. Die Eroberung Chili's. Empörung der Indianer. Belagerung der Stadt Cuzco. Zwietracht der Spanier. Verluste derselben durch die List der Indianer. Diego's de Almagro Empörung zu Cuzco. Pizarro zieht gegen ihn. Vergebliche Unterhandlungen. Almagro wird bei Cuzco geschlagen und hingerichtet. Expedition nach Canela, Entdeckungen. Fahrt des Hauptmanns Orellana auf dem Amazonenstrome. Mühevolle Rückkehr des Expeditionscorps nach Quito. Verschwörung gegen Pizarro und dessen Ermordung. III. Der Name Peru. Umfang des Landes. Religion der Eingebornen in der frühesten Zeit. Gottheiten. Menschenopfer. Grausamkeit der Bewohner der Antis. Wohnungen, Nahrung und Kleidung der Indianer. Eheliche Verhältnisse. Giftmischerei und Zauberei. Die Incas; ihr Ursprung. Der erste Inca Manco Capac und seine Einrichtungen. Abzeichen der Incas. Ansehen und Ehrennamen der Incas und ihrer Nachkommen. Paläste, Gärten. Hofbedienung. Jagden. Leichenbestattung der Incas. Wehrhaftmachung der jungen Incas; Hofsprache. Beschreibung der Hauptstadt Cuzco; ihre Viertel, Plätze und Paläste. Die Festung. Religion der Peruaner unter den Incas. Der Sonnentempel; seine Einrichtung. Priester. Das Sonnenfest. Andere Feste. Die Sonnenjungfrauen. Häusliche Verhältnisse. Heurathen. Beschäftigung der Weiber. Öffentliche Mädchen. Erbrecht. Kindererziehung. Staatshaushaltung. Abgabenwesen. Sorge für die Armen und Reisenden. Behandlung eroberter Länder. Beamtenstand. Straßenbau und Posteinrichtung. Eintheilung des Reichs. Volkszählung. Rechtspflege. Gesetzgebung. Sittensprüche. Heerwesen. Flußübergänge. Brücken. Schifffahrt. Fischfang. Ackerbau. Viehzucht. Handwerke. Kunst und Wissenschaft. Sprache. Ersatz der Schrift und der Ziffer. Geschichtliche Überlieferung. Astronomie. (Solstitien und Äquinoctien. Sonnen- und Mondsfinsternisse.) Arzneiwissenschaft. Arithmetik. Geometrie. Musik. Poesie. Philosophie. Naturwissenschaftliches. Vorwort. Zur richtigen Beurtheilung des vorliegenden Versuchs, welcher dem Wunsche der Verlagshandlung und der Redaction, in die Sammlung der »Reisen und Länderbeschreibungen« auch ältere Berichte aufzunehmen, seine Entstehung verdankt, möchten einige Vorbemerkungen nöthig seyn. Eine eigene Bearbeitung des ganzen Stoffs nach den besten Quellen wäre vielleicht für den Verfasser am lohnendsten gewesen; eine solche schien aber nicht dem Titel dieser Sammlung zu entsprechen, und hätte doch auch, an und für sich betrachtet, weniger Werth gehabt als der sehr seltene älteste Originalbericht über die Eroberung Peru's, den wir hier zum erstenmal in wortgetreuer deutscher Uebertragung aus dem Spanischen mittheilen. Der Verfasser dieses Berichts, Francisco de Xerez, machte als Secretär Pizarro's den Eroberungszug bis nach Caxamalca mit und erzählt demnach als Augenzeuge. Da er aber auf Pizarro's Befehl nach Spanien ging, um seinen Bericht dem Kaiser Karl V vorzulegen, so endet seine Darstellung der Begebenheiten mit dem Tode Atabaliba's, des Beherrschers von Peru. Um nun die Erzählung der Eroberung Peru's nicht unvollständig zu lassen, wurde sie nach dem gediegenen und unparteiischen Berichte Augustins de Zarate, welcher um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts als Rechnungsführer längere Zeit in dem eroberten Lande angestellt war, bis zur Ermordung Pizarro's fortgesetzt. Beide Berichte beschäftigen sich übrigens hauptsächlich mit der Geschichte der Eroberung, ohne sich, wenn dieses nicht hie und da im Vorbeigehen geschieht, mit dem Zustande des Landes und den Sitten und Gebräuchen seiner Bewohner zu befassen. Da aber gerade die Nachrichten über die Culturstufe der Bevölkerung eines neuentdeckten Landes gewöhnlich am meisten ansprechen, so wurde eine Zusammenstellung der wesentlichsten und wichtigsten Bemerkungen, welche Garcilasso de la Vega mittheilt, versucht. Eine bessere Quelle dürfte nicht leicht zu finden seyn, denn Garcilasso stammte aus dem Geschlechte der Incas, lebte lange in Cuzco, der Hauptstadt Peru's, wo er im Jahr 1525 geboren wurde, machte viele Reisen in seinem Vaterlande und konnte also über den Zustand desselben am besten unterrichtet seyn. Außer diesen nöthigen Ergänzungen aus Augustins de Zarate und Garcilasso's de la Vega Werken mußten noch, da Francisco de Xerez seine Erzählung unmittelbar mit der Fahrt Pizarro's nach Peru beginnt, einige Worte über die Veranlassung der Entdeckung dieses Landes sowie über die Person des Entdeckers und seines Gefährten Diego de Almagro vorausgeschickt werden, wenn nicht manches in dem Originalberichte unklar bleiben sollte. Wir schließen dieses Vorwort mit der Bemerkung, daß die meisten spanischen und portugiesischen Originalberichte über die Länderentdeckungen vom Ende des fünfzehnten bis zur Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts, die wir größtentheils nur aus schlechten französischen Bearbeitungen kennen, in getreuen deutschen Übersetzungen mitgetheilt zu werden verdienen, um manchen seit langer Zeit in die Länder- und Völkerkunde eingeschlichenen Irrthum zu berichtigen. I. Veranlassung der Entdeckung und Eroberung Peru's. – Francisco Pizarro und Diego de Almagro. 1. Die Colonie St. Sebastian und, Vasco Nuñez de Balboa. Gründung der Colonie Santa Maria del Antigua in Darien. Kaum waren drei Jahrzehnte nach der Landung Cristoforo Colombo's auf der Insel Guanahani, dem zuerst (am 12. October 1492) entdeckten Punkte Amerika's, vorübergegangen, als man sich schon ein deutlicheres Bild von dem Umfange der neuen Welt zu entwerfen vermochte und an dieses Bild neue, immer großartiger sich gestaltende Plane zu knüpfen anfing. Die Ostküste der beiden großen Hälften dieses Erdtheiles war bereits, wenigstens theilweise, von spanischen, portugiesischen, englischen und französischen Seefahrern entdeckt und an vielen Punkten besucht, Colonien waren sowohl auf mehreren Inseln als auch auf dem Festlande angelegt, Hernando Cortes hatte Mexico erobert und Vasco Nuñez de Balboa zuerst den Theil des Weltmeeres, welcher die westliche Küste Amerika's bespült, gesehen. Die Entdeckung dieses Meeres, welches gewöhnlich noch mit dem ihm von den Spaniern beigelegten Namen Südsee bezeichnet wird, eröffnete weiteren Wagnissen einen unüberschaubaren Tummelplatz, und da sie auch die Auffindung und Eroberung Perus zur Folge hatte, so müssen hier zur Herstellung des nöthigen Zusammenhanges der Thatsachen einige Worte über Vasco Nuñez und seine Abenteuer vorangeschickt werden. Vasco Nuñez de Balboa, zu Xerez de los Caballeros in der Provinz Estremadura um das Jahr 1475 geboren, hatte bereits als Jüngling, um seinen leichtsinnig zerrütteten Vermögensumständen wieder aufzuhelfen, an der Reise des berühmten Seefahrers Rodrigo de Bastides nach Südamerika (1500 – 1502), auf welcher die Küstenstrecke vom Cabo de la Vela bis nach Puerto del Retrete unter dem zehnten Grade nördlicher Breite entdeckt und der Golf von Darien näher untersucht wurde, Theil genommen und nicht unbeträchtliche Schätze erworben. Auch diese vergeudete er auf Hispaniola, wo er sich als Pächter niederließ, und stürzte sich wieder so tief in Schulden, daß er seinen Gläubigern auf keine andere Weise zu entgehen wußte, als daß er sich in einem Fasse auf das Fahrzeug des Licentiaten Martin Fernandez de Enciso, welches nach der neu angelegten Pflanzstadt St. Sebastian auf der östlichen Spitze des Golfs von Darien mit einer Ladung Lebensmittel unter Segel ging (1510), bringen ließ. Da er in Folge der strengen Gesetze, die man auf Hispaniola zum Schutze der Gläubiger eingeführt hatte, der Todesstrafe verfallen war, so wagte er erst auf der hohen See aus seinem Verstecke hervorzukriechen und sich dem Enciso vorzustellen. Dieser, über den Betrug entrüstet, wollte ihn auf eine wüste Insel aussetzen, ließ sich aber doch endlich durch seine Bitten bewegen, ihn nach St. Sebastian mitzunehmen. Über diese von dem kühnen Abenteurer Alonzo de Ojeda im Jahr 1509 gegründete Colonie war unterdessen großes Unheil hereingebrochen. Mangel an Lebensmitteln und die beständigen Angriffe der Eingeborenen bewogen endlich den Befehlshaber Francisco Pizarro, dessen Name später durch die Eroberung Perus eine so große Berühmtheit erhielt, sich mit dem Reste der Mannschaft auf zwei Brigantinen einzuschiffen. Die eine derselben versank auf der hohen See mit allen darauf befindlichen Leuten, die andere von Pizarro geführte begegnete dem Schiffe Enciso's, welcher sie zwang mit nach St. Sebastian zurückzukehren. Beim Einlaufen in den Golf von Darien scheiterte das eine mit Lebensmitteln beladene Schiff, und als man endlich die Colonie erreichte, waren die Verschanzungen zerstört und die Wohnungen niedergebrannt. Ohne Obdach, ohne hinreichende Nahrung und in beständiger Furcht vor den vergifteten Pfeilen der Wilden verloren die unglücklichen Abenteurer bald den Muth und verzweifelten schon an der Möglichkeit ihrer Rettung aus diesem Elend, als Vasco Nuñez de Balboa hervortrat und sie durch die Nachricht frisch belebte, daß er schon früher mit Rodrigo de Bastides diesen Meerbusen besucht und an der Mündung eines großen Flusses ein schönes Dorf, wo Lebensmittel im Überfluß und die Pfeile der Bewohner nicht vergiftet gewesen, gesehen habe. Man setzte ohne Verzug über den Meerbusen, dessen Breite hier nur sechs Meilen betrug, und lief in den Fluß Darien ein, wo man alles so, wie es Vasco Nuñez beschrieben, aber auch die kriegerischen Bewohner schon in Schlachtordnung aufgestellt fand. Enciso, welchem jetzt nur die Wahl zwischen einem verzweifelten Kampfe und einer schmachvollen Heimkehr blieb, gelobte der heil. Jungfrau Maria del Antigua von Sevilla, wenn er durch ihren Beistand siege, die zu gründende Colonie nach ihr zu benennen, und ließ seine Leute schwören, lieber zu sterben als dem Feinde den Rücken zu wenden. Darauf griff er mit verzweifeltem Muthe die Indianer an, welche aber erst nach tapferer Gegenwehr die Flucht ergriffen und ihr Dorf preisgaben, wo man eine Menge Lebensmittel und eine ansehnliche Beute an Gold fand. Man erfüllte nun das Gelübde, nannte die neue Colonie Santa Maria del Antigua und erholte sich von den ausgestandenen Mühseligkeiten. Die Eintracht dauerte aber unter den habgierigen Abenteurer nur sehr kurze Zeit; der erste Befehl Enciso's, welcher allen seinen Leuten verbot auf eigene Rechnung Goldhandel mit den Eingeborenen zu treiben, brachte alle gegen ihn auf. Vasco Nuñez, welcher schlau dieses Mißvergnügen zu benützen wußte, rastete nicht eher, bis Enciso im Gefängniß lag und er seine Stelle einnahm. Enciso brachte es zwar später dahin, daß man ihn nach Spanien entließ, wo er Klage über seine unwürdige Behandlung führte und, wie wir sehen werden, später den Untergang seines Nebenbuhlers veranlaßte. 2. Erste Nachricht von dem Südmeere. Zug nach dem Goldtempel. Entdeckung der Südsee. Rückkehr nach Santa Maria. Vasco Nuñez, welcher übrigens sehr wohl wußte, daß reiche Goldsendungen nach Spanien jede Ungerechtigkeit und Schandthat zudeckten, war vor allem eifrig bemüht den Reichthum des Landes zu erforschen und auszubeuten. Auf einem seiner zu diesem Zwecke unternommenen Streifzüge in der Umgegend kam er auch zu dem Caziken Comagre, der ihn freundlich aufnahm und ihm ein Geschenk von viertausend Unzen Gold machte. Als bei der Vertheilung desselben an Ort und Stelle unter den Spaniern ein heftiger Streit entstand, trat der älteste Sohn des Caziken, staunend daß ein so schnödes Metall Ursache des Haders werden könne, hervor, schlug mit der Faust auf die Wage, daß das Gold auf dem Boden umherflog und rief unwillig: »Wie könnt ihr, Männer, dieses elende Gold so hoch achten, da ihr doch die schönsten Kunstwerke in grobe Klumpen umschmelzet? Ist übrigens euer Heißhunger nach diesem Metalle so groß, wagt ihr nur deßwegen eine so weite und gefährliche Reise und stört ihr aus keiner andern Ursache glückliche Völker aus ihrer Ruhe auf, so will ich euch ein Land zeigen, das so reich an Gold ist, daß es eure Habgierde sicher befriedigen wird. Wollt ihr aber dieses Land erobern, so muß eure Anzahl bei weitem größer seyn, denn es wohnen daselbst tapfere Leute, die ihr Besitzthum mit ihrem letzten Blutstropfen vertheidigen werden. Besonders wird euch der mächtige Tumanama, der Beherrscher der sechs Tagreisen von hier gelegenen Berge, wo man das Gold findet, hartnäckigen Widerstand leisten, und ehe ihr zu diesem gelangt, müßt ihr durch das Gebiet der grausamen Cariben, deren liebste Speise Menschenfleisch ist. Habt ihr dann diese Berge dort (wobei er mit dem Finger nach Süden hin deutete) überschritten, so werdet ihr an ein großes Meer kommen und auf demselben viele Schiffe, die nicht viel kleiner als die eurigen und mit Ruder und Segel versehen sind, erblicken.« Die Rede des jungen Caziken machte auf Vasco Nuñez einen ungewöhnlichen Eindruck; die Aussicht auf einen unerschöpflichen Goldvorrath beschäftigte in diesem Augenblicke seinen Geist wirklich weniger, als die überraschende Hindeutung auf ein großes Meer. Er schloß mit Recht, dieses könne kein anderes Meer seyn, als das so lange von Colombo vergebens gesuchte. Der Gedanke, eine Entdeckung zu machen, die diesem großen Manne nicht gelungen war, und dadurch alle seine begangenen Fehler in Vergessenheit zu begraben, ließ ihm jetzt keine Ruhe mehr und er setzte, um zur Erreichung seines Zieles nähere Erkundigungen einzuziehen, seine Streifereien in die Umgegend der Colonie fort. – Zuerst fiel er (im Jahr 1512) in das nahe liegende Gebiet des Caziken Dabayda ein, unter dessen Schätzen sich auch ein ganz mit Gold angefüllter Tempel befinden sollte. Dieser Zug war aber mit unendlichen Beschwerden verbunden, und die ganze Expedition war einigemal dem Untergange nahe. Sümpfe und Seen dehnten sich allenthalben, so weit der Blick reichte, aus, und beinahe die ganze Gegend stand fast fortwährend so tief unter Wasser, daß die Wohnungen der Eingeborenen aus den dicksten Bäumen eingerichtet und fast ganz unter dem Laube versteckt waren. Zu jedem Hause führten zwei Leitern, die eine bis zur Hälfte des Baumes, die andere von da bis zur Hausthüre. Sie waren aus Rohr gefertigt und so leicht, daß sie des Abends ohne Mühe auf den Baum gezogen werden konnten. Die Einwohner waren also des Nachts gegen die Angriffe der Tiger und anderer reißenden Thiere, deren es in diesem Lande eine Menge gab, vollkommen sicher. Die Vorräthe an Lebensmitteln waren ebenfalls in diesen Häusern aufgespeichert, das Getränk aber am Fuße des Baumes in irdenen Gefäßen. – Der Cazike Dabayda, welcher sich in seinem Palaste auf einem Baume befand, ließ bei der Annäherung der Spanier die Leitern aufziehen und erwiederte, als diese ihn aufforderten furchtlos herabzukommen, er habe den Fremdlingen weder ein Leid zugefügt noch Geschäfte mit ihnen abzumachen, sie möchten ihn also in Ruhe lassen. Als man aber Anstalten traf den Baum umzuhauen und er die Splitter davonfliegen sah, zog er es doch vor mit seinem Weibe und seinen beiden Söhnen herabzusteigen. Man verlangte Gold von ihm, erhielt aber die Antwort, daß er an dieser Stelle keines habe, weil er dessen zu seinem Unterhalte nicht bedürfe; trügen sie aber so großes Verlangen nach diesem Metalle, so wolle er ihnen eine hinreichende Menge aus einem nahen Gebirge holen und sein Weib und seine Söhne als Geiseln zurücklassen. Die Spanier gingen bereitwillig auf dieses Anerbieten ein und ließen ihn ziehen; als sie aber mehrere Tage auf seine Rückkehr vergebens gewartet hatten, sahen sie erst ein, daß sie von dem Wilden, dessen Weib und Söhne sich ebenfalls durchzuschleichen gewußt hatten, überlistet waren. Sie zogen darauf noch einige Zeit in der von den Einwohnern verlassenen Gegend umher und kehrten dann nach der Colonie zurück. So endete die Expedition nach dem Goldtempel. Die Caziken des ganzen Landes hatten sich unterdessen zur Vertilgung der Colonie, von welcher aus alles Unheil über sie kam, verschworen und ein großes Heer versammelt; Vasco Nuñez erspähte aber den rechten Augenblick, überfiel sie unversehens und richtete ein furchtbares Blutbad unter ihren Leuten an. Nachdem er sie auf diese Weise gezüchtigt und die Colonie wenigstens auf einige Zeit gesichert hatte, entschloß er sich endlich den vielversprechenden Zug nach Süden, über welchen er Tag und Nacht nachsann, zu unternehmen. Nachdem er die nöthigen Vorbereitungen getroffen und seine Mannschaft, welche aus hundert und sechzig gutbewaffneten Leuten bestand, durch die Aussicht auf großen Gewinn angefeuert hatte, schiffte er sich am 1 September 1513 mit dem jungen Caziken Comagre, der ihm als Führer dienen sollte, ein und begab sich zur See in das Land des Caziken Careta. mit welchem er ein Bündniß geschlossen hatte. Von hier aus nahm er seinen Weg nach den Bergen hin und kam in das Gebiet des Caziken Ronca, welcher sich bei der Annäherung der Spanier verbarg, aber endlich auf die gütliche Vorstellung des Vasco Nuñez aus seinem Schlupfwinkel hervorkam und sich die Freundschaft desselben durch reiche Geschenke an Gold erwarb. Mehr Muth zeigte im Gebirge, in welches die Abenteurer bereits eingerückt waren, der Cazike Quaraqua, erlitt aber eine furchtbare Niederlage und mußte die Schätze seines Landes preisgeben. Nach einem Marsche von fünfundzwanzig Tagen langte man endlich an dem Fuße des hohen Berges an, von wo aus das große Meer sichtbar seyn sollte. Als man beinahe den Gipfel des Berges erreicht hatte, befahl Vasco Nunez allen seinen Begleitern zurückzubleiben und ging allein voran, um zuerst den lang ersehnten Anblick zu genießen. Als er nun wirklich den unermeßlichen Ocean zu seinen Füßen sich ausdehnen sah, fiel er auf die Knie, erhob die Hände zum Himmel und dankte Gott für die ihm geworbene große Gnade. Seine Leute eilten auf dieses Zeichen freudetrunken herbei und wiederholten zum Erstaunen der Indianer das Dankgebet ihres Anführers auf dieselbe Weise. Sodann fällten sie einen schönen Baum, bildeten daraus ein Kreuz, richteten es an der Stelle, wo Vasco Nunez zuerst das Südmeer erblickt hatte, in der Mitte eines großen Steinhaufens auf, und schnitten in die Rinde der nächsten Bäume den Namen des Königs Ferdinand von Spanien. Noch an demselben Tage rückte Vasco Nuñez bis zum Gestade vor, ging, das Schwert in der einen und das Schild in der andern Hand, bis zum Gürtel in das Meer und sprach zu den am Ufer stehenden Spaniern und Indianern: »Ihr seyd Zeugen, daß ich für die Krone von Castilien Besitz von diesem Theile der Welt nehme; ich werde ihr mit diesem Schwert diese Erwerbung zu erhalten wissen.« Diese Besitznahme der Südsee und der an ihr liegenden Länder für Spanien fand am 26 Sept. 1513 statt. Nachdem Vasco Nunez einige Caziken, welche sich ihm feindlich entgegenstellten, gezüchtigt und unterworfen hatte, schiffte er sich mit seinen Leuten auf neun Canots ein, um die Küste des großen Golfs, an welchem er sich befand und dem er den Namen St. Miguel beilegte, näher in Augenschein zu nehmen. Kaum hatte er aber das Ufer verlassen, als ein furchtbarer Sturm sich erhob und ihn in die größte Gefahr brachte. Nur die Geschicklichkeit der Indianer, welche die Canots je zwei und zwei aneinander befestigten und sie zwischen vielen kleinen Inseln hindurch an den Ankerplatz eines größern Eilandes zu führen wußten, rettete die nichts anderes als ihren Untergang erwartenden Spanier. In der Nacht trat zwar besseres Wetter ein, aber am Morgen sah man außer den Felsen, worauf man sich gerettet hatte, nichts mehr von der durchaus überschwemmten Insel, und die Canots waren zum Theil durch den Sturm zertrümmert oder mit Sand und Steinen gefüllt; Lebensmittel und Gepäck hatten die Fluthen hinweggespült. Man fand in dieser Noth kein anderes Rettungsmittel als Baumrinden mit Kräutern vermischt zu kauen und damit die Lecke der nicht völlig unbrauchbar gewordenen Canols auszustopfen. Auf diesen zerbrechlichen Fahrzeugen steuerte man dem Lande zu und die Indianer schwammen voraus. Abgemattet und vom Hunger geplagt erreichten die Spanier glücklich die Küste, wurden aber hier von einer Menge bewaffneter Indianer unter ihrem Caziken Tomaco angegriffen. Ihre Wuth über diese Frechheit war gränzenlos, und sie richteten in kurzer Zeit ein solches Blutbad unter den Feinden an, daß der Cazike verzweiflungsvoll um Frieden bat und seinen Sohn mit einer Menge Lebensmittel und einem reichen Geschenke an Gold und Perlen zu Vasco Nuñez schickte. Bei dem Anblick so großer Schätze vergaß dieser sogleich allen Groll und wußte alsbald durch freundschaftliches Benehmen und einnehmende Behandlung völlig zu gewinnen. Die Perlen, zweihundert und vierzig an der Zahl, waren von ungewöhnlicher Größe, aber nur etwas matt, weil die Indianer die Muscheln ans Feuer brachten, um sie zu öffnen. Als Tomaco bemerkte, mit welcher Bewunderung die Spanier diese ihm so gleichgültigen Dinge betrachteten, ließ er ihnen in nicht mehr als vier Tagen an zwölf Mark Perlen fischen, und betheuerte ihnen, daß der Cazike einer fünf Meilen entfernten Insel deren noch weit größere besitze, und daß man an der ganzen Küste, welche sich sehr weit nach Süden hin erstrecke, Gold und andere Schätze in großem Ueberflusse finde, daß er ihnen aber rathe, zu dieser Fahrt eine Jahreszeit abzuwarten, in der das Meer weniger ungestüm sey. Vasco Nuñez, durch die glücklich überstandene Gefahr klüger gemacht, folgte diesem guten Rathe und kehrte nach der Colonie zurück. Um das Land näher kennen zu lernen, schlug er einen andern Weg ein, der ihn aber ebenfalls durch unwirthliche Berge und wilde Völkerstämme führte, auf welchem sich seine Leute gewöhnlich mit den Waffen in der Hand Bahn machen und unsägliche Mühseligkeiten erdulden mußten. Am 29 Januar 15l4 traf das kleine Häuflein glücklicher Abenteurer mit einer Beute von mehr als vierzig tausend Pesos Gold in Santa Maria ein. 3. Anklage und Hinrichtung des Vasco Nuñez. Die Eroberer Peru's, Francisco Pizarro und Diego de Almagro. Ihr Charakter. Vasco Nuñez schickte nun sogleich einen seiner Freunde nach Spanien, um dem Könige Nachricht von der wichtigen Entdeckung zu geben und ihm eine große Summe Gold und die schönsten Perlen zu überbringen. Der Hof erkannte die Verdienste Vasco's freudig an und hätte sie vielleicht auch belohnt, wenn nicht bereits zwei Monate früher, als die Kunde von dem schlimmen Betragen Vasco's durch die Klagen des von ihm vertriebenen Enciso nach Spanien gelangte, zur Rettung der Colonie Pedrarias de Avila, ein am Hofe sehr beliebter Edelmann, zum Statthalter von Darien ernannt und eiligst dorthin gesendet worden wäre. Bei ihm befand sich Enciso als Oberrichter. Als der Statthalter mit seiner Flotte, welche zweitausend Mann Kriegsvolk an Bord hatte, bei Santa Maria landete und von Seiten Vasco's Nuñez einen hartnäckigen Widerstand erwartete, war er nicht wenig überrascht, als dieser ihm alsbald entgegenkam und erklärte, daß er sich in allem den Befehlen des Königs unterwerfe. Nicht weniger war er erstaunt über die Einfachheit des berühmten Mannes, welcher in einem Wamse von Baumwolle, schlechten Beinkleidern und Schuhen aus Binsen einherging und in einer elenden, mit Baumblättern bedeckten Hütte wohnte. Aber grade diese schlichte Lebensart und sein gerades Benehmen hatten ihm sowohl die Liebe der Colonisten als auch der Indianer im höchsten Grade erworben, und es wäre ihm ein leichtes gewesen dem Statthalter die Landung und den Eintritt in seine glückliche Colonie zu verwehren. Pedrarias war nun zwar überaus froh, so leicht zum wirklichen Besitze der ihm übertragenen Stelle zu gelangen, sah aber mit unverkennbarem Neid die hohe Achtung, welche Vasco Nuñez genoß und beschloß seinen Untergang. Man klagte ihn des Hochverrathes und vieler anderer Verbrechen an und verurtheilte ihn zum Tode. So fiel das Haupt eines der tapfersten Männer, welche Spanien in der neuen Welt zählte, und der sicher Peru entdeckt und erobert und vielleicht auch glücklich gemacht hätte, im Jahr 1517. Noch unter Pedrarias bot der unglückliche Vasco Nuñez alle seine Kräfte auf, um seine Entdeckungen in der Südsee fortzusetzen und ersprießlich zu machen, brachte europäische Schiffe stückweise über das Gebirge von Darien, kreuzte zuerst auf dem Südmeere, besuchte die Perleninseln und segelte jenseits des Golfs San Miguel zwanzig Seemeilen weit an der Küste hin; aber ein anderer sollte die Früchte seiner Bemühungen ernten. Pedrarias, welcher die Wichtigkeit der Entdeckungen in der Südsee recht gut einsah und wohl auch gern von den übrigen Statthaltern der westindischen Colonien und somit von der spanischen Regierung selbst weniger abhängig seyn mochte, gab sich alle Mühe, die schlechte Lage der Colonie Santa Maria dem Hofe darzuthun, und erhielt auch endlich die Erlaubniß, sie an die Küste der Südsee zu versetzen. So entstand im Jahr 1518 Panama. Von hier aus schickte er mehrere Abenteurer auf Entdeckungen aus, keinen aber mit besonderem Erfolge, bis endlich drei entschlossene Männer, welche sich in Panama niedergelassen hatten, sich mit Ernst und größerer Umsicht zur Entdeckung und Eroberung des weiter südlich gelegenen Landes vereinigten und von Pedrarias die Erlaubniß dazu erhielten. Diese Männer waren Francisco Pizarro, Diego de Almagro und Hernando de Lucca. Sie schlossen und beschworen auf eine unter sie zu vertheilende Hostie einen Vertrag, nach welchem sie das Unternehmen in der Weise wagen wollten, daß Pizarro die Expedition anführen, Almagro die Bedürfnisse herbeischaffen und Hernando de Lucca bestimmte Geldzuschüsse leisten solle. Hernando de Lucca, ein reicher Priester, kommt bei dem ganzen Unternehmen nicht mehr in Betracht, und wir können uns daher auf die Mittheilung einiger Nachrichten über Herkunft und Charakter der beiden eigentlichen Entdecker und Eroberer beschränken. Francisco Pizarro, im Jahr 1475 zu Truxillo in der Provinz Estremadura geboren, war der natürliche Sohn eines spanischen Edelmannes und hütete in seiner Jugend auf den Gütern seines Vaters die Schweine. Irgend ein nicht näher bezeichnetes Vergehen bewog ihn das väterliche Haus, in welches er nicht mehr zurückzukehren wagte, zu verlassen und sich nach Amerika, welches damals alle Abenteurer unwiderstehlich anlockte, einzuschiffen. Er diente hier mit Auszeichnung unter Vasco Nuñez, machte den ersten Zug über das Gebirge, auf welchem die Südsee entdeckt wurde, mit, besuchte später die Perleninseln und einen großen Theil der nahen Küste und war also zum Anführer einer Entdeckungsexpedition vollkommen geeignet. – Diego de Almagro war von so niedriger Herkunft, daß man seine Familie nicht einmal kennt; seinen Namen führte er von dem spanischen Orte Almagro in der Provinz Cuenca, wo er um das Jahr 1463 geboren wurde. Er widmete sich dem Kriegsdienste und ging, um sein Glück zu machen, frühzeitig nach der neuen Welt, wo er sich bald durch seine Tapferkeit, Ausdauer in den größten Gefahren und Klugheit einen Namen erwarb und mit Pizarro bekannt wurde. Die späteren Schicksale dieser beiden Männer bilden zum Theil den Inhalt der vorliegenden Schrift, und wir theilen hier nur noch die gelungene Charakterschilderung derselben, welche den gleichzeitigen spanischen Historiker Augustin de Zarate zum Verfasser hat, mit. »Beide, sagt dieser seiner Unparteilichkeit wegen geachtete Schriftsteller, Historia del descobrimento y conquista de la Provincia del Peru, lib. IV. cap. 9. waren kühne, tapfere Männer von entschiedenem Charakter, von starkem Körperbau und geeignet die größten Mühseligkeiten zu ertragen, dabei gut und bereit jedem gefällig zu seyn, und wenn es auch zu ihrem eigenen Nachtheil geschehen mußte. In ihren Neigungen hatten sie große Aehnlichkeit miteinander, ganz besonders aber in ihrer Lebensweise; beide waren nicht verheurathet, obschon der von ihnen, welcher am jüngsten starb, fünfundsechzig Jahre alt wurde. Beide fanden großen Geschmack am Kriegführen, obschon sich der Präsident (Diego de Almagro), wenn keine Gelegenheit zum Kampfe vorhanden war, auch gern mit Handelsspeculationen beschäftigte. Beide begannen im vorgerückten Alter die Eroberung Peru's und erduldeten viele Mühseligkeiten, obschon der Marquese (Pizarro) deren weit mehr ertragen mußte als der Präsident, denn während der erstere meistens auf der Entdeckungsreise begriffen war, hielt sich der letztere zu Panama auf, um für die Bedürfnisse zu sorgen. Beide hatten einen hohen Sinn, der stets weiter strebte und fortwährend an großen Plänen arbeitete, dabei waren sie dem Mitleid sehr zugänglich und gegen ihre Leute sehr freundlich. Sie waren beide in der That gleich freigebig, obschon der Präsident in dieser Beziehung den Vorrang zu behaupten schien, denn er liebte es wenn man über seine Gaben sprach und sie rühmte, während der Marquese das Ausposaunen seiner Freigebigkeit verschmähte, indem er bei seinen Wohlthaten mehr die Bedürftigkeit des Empfängers als den Ruhm den er dadurch gewinnen konnte, im Auge hatte, wie am klarsten aus einem Beispiele hervorgehen mag. Einem Reiter war das Pferd gefallen; Pizarro ging in den Ballsaal, wo er diesen anzutreffen glaubte, und steckte eine Goldplatte, welche fünfhundert Pesos wog, in den Busen, um sie ihm mit eigener Hand zu geben. Er fand ihn noch nicht daselbst und ließ sich unterdessen auf eine Partie Ball ein, welche er, ohne sein Wamms auszuziehen, spielte, weil er die Goldplatte weder sehen lassen noch aus dem Busen ziehen wollte. Er spielte so über drei Stunden, bis der Reiter kam; er nahm nun diesen auf die Seite und gab ihm die Goldplatte mit dem Bemerken, daß er ihm gern dreimal so viel gegeben hätte, wenn er nicht die durch sein Ausbleiben verursachte Pein hätte ertragen müssen. Man könnte noch viele ähnliche Fälle, wo er seine Wohlthaten verheimlichte, anführen; wie er denn diese überhaupt fast immer mit eigener Hand spendete, um sie nicht bekannt werden zu lassen. Daher kam es denn auch, daß der Präsident stets als freigebiger galt, weil er es trefflich verstand seine Gaben in ein vortheilhaftes Licht zu stellen. Jedenfalls war aber ihre Freigebigkeit gleich, denn da nach ihrem Gesellschaftsvertrag alles Erworbene gemeinschaftliches Eigenthum war, so gab ja jeder von allem was der andere gab, sobald er es wußte, die Hälfte. Wie wenig geizig sie beide waren, beweist schon zur Genüge die Thatsache, daß sie, obschon ihr Erwerb während ihres Lebens das Besitzthum manches Königs weit überstieg, doch so arm starben, daß von ihrem Vermögen kaum die Bestattungskosten bestritten werden konnten. Beide hatten ein weit größeres Vergnügen daran, ihren Dienern und Leuten Gutes zu erweisen, sie zu erheben und zu bereichern und sie aus der Gefahr zu retten. Besonders ging der Marquese in dieser Beziehung fast etwas zu weit, wie folgender Vorfall darthun mag. Als er eines Tages über den Fluß, welcher den Namen La Baranca führt, setzte, wurde einer seiner indianischen Diener von dem Stamme der Yanaconas von dem reißenden Strome mit fortgerissen, der Marquese schwamm ihm sogleich nach, ergriff ihn an den Haaren und rettete ihn glücklich, aber nur mit großer Lebensgefahr, denn die Fluthen stürzten so wüthend dahin, daß nicht leicht einer der tapfersten Leute seines Heeres dieses Wagstück unternommen hätte. Als einige Hauptleute diese Verwegenheit tadelten, erwiederte er ihnen, sie wüßten nicht, wie sehr man auch einen Diener lieb gewinnen könne. Der Marquese regierte länger und ruhiger, Don Diego war ehrgeiziger und strebte stets nach Macht und Oberherrschaft; beide waren nicht eitel und hielten fest an ihren alten Gewohnheiten; die Art und Weise sich zu kleiden war bei ihnen stets dieselbe, in der Jugend wie im Alter, besonders sah man den Marquesen nie anders als in einem langen Rocke von schwarzem Tuche, der ihm bis auf die Knöchel herabreichte und über den Hüften geschlossen anlag, in weißen Stiefeln von starkem Leder, mit einem weißen Hute und einem Schwert und Dolch nach alter Art. Manchmal legte er an Festtagen auf das Zureden seiner Diener ein Kleid von Marderpelz an, welches ihm der Marquese del Valle (Hernando Cortez) aus Neuspanien geschickt hatte, warf es aber, sobald er aus der Messe kam, wieder ab und blieb im Unterkleide. Am Halse trug er gewöhnlich ein Tuch, um sich den Schweiß vom Gesichte zu trocknen, weil er zur Friedenszeit den größten Theil des Tages mit dem Kugel- oder Ballspiele hinbrachte. Beide Feldherren wußten mit der größten Geduld Mühseligkeiten und Hunger zu ertragen; besonders zeigte der Marquese in allem eine merkwürdige Ausdauer, sogar bei den erwähnten Spielen, so daß es ihm wenige junge Männer gleich thaten. Ueberhaupt fand er am Spiele größeres Gefallen als der Präsident, und beschäftigte sich oft ganze Tage mit dem Ballspiele, ohne sich darum zu bekümmern, wer der Mitspielende war; und mochte dieß nun ein Matrose oder ein Pächter seyn, so verlangte er von diesem doch nie andere Rücksichten als solche, die ihm als Statthalter gebührten. Nicht leicht war irgend ein Geschäft vermögend ihn vom Spiele abzurufen, besonders wenn er verlor; nur wenn ihm ein Aufstand der Indianer angezeigt wurde, eilte er davon, legte seine Rüstung an, ergriff Speer und Schild und eilte durch die Stadt an die Stelle, wo die Unruhen waren, mit solcher Hast, daß seine Leute die größte Mühe hatten ihm zu folgen. Beide Feldherren waren so tapfer und gewandt im Kriegführen gegen die Indianer, daß jeder von ihnen sich nicht scheute allein hundert indianische Kriegsleute anzugreifen. Beide zeigten auch in allen Angelegenheiten, sie mochten den Krieg oder die Verwaltung betreffen, viel Einsicht und ein richtiges Urtheil, was wirklich zu bewundern ist, da sie ohne alle gelehrte Bildung waren und nicht einmal lesen oder ihren Namen unterzeichnen konnten, was ihnen übrigens bei ihrer Geschäftsführung hinderlich und oft auch nachtheilig war. Obschon sie nun beide ihren vielen guten Eigenschaften und ihrem Benehmen nach als wahrhafte Edelleute betrachtet werden müssen, so hätte doch bei den Alten dieser Mangel an Bildung als Zeichen einer niedrigen Herkunft gegolten. Der Marquese hatte übrigens ein so großes Vertrauen auf seine Diener und Freunde, daß er unter alle Berichte und Ausfertigungen, sie mochten nun seine Statthalterschaft oder die Tribute der Indianer betreffen, nur zwei Zeichen setzte, zwischen welche sein Secretär Antonio Picado den Namen Francisco Pizarro schrieb. Beide waren so zugänglich und freundlich gegen ihre Leute und die Bürger, daß sie oft allein von Haus zu Haus gingen, um die Einwohner zu besuchen, und bei dem ersten besten der sie einlud speisten. Beide waren auch gleich enthaltsam und mäßig im Essen und Trinken und im Umgang mit dem andern Geschlechte, besonders mit den Spanierinnen, denn sie hielten dieß nicht für thunlich, ohne ihre Bürger, deren Weiber oder Töchter sie waren, beleidigen zu müssen. Im Umgange mit den Peruanerinnen war der Präsident zurückhaltender, denn es ist nicht bekannt, daß er mit einer oder der andern ein Kind erzeugt hätte; der Marquese hingegen lebte in sehr vertraulichem Umgange mit einer Schwester Atabaliba's, welche ihm einen Sohn, der den Namen Gonzalo führte und in seinem vierzehnten Jahre starb, und eine Tochter, welche Francisca hieß, gebar; mit einer andern Indianerin aus Cuzco erzeugte er ebenfalls einen Sohn, der den Namen Francisco erhielt. Der Präsident hatte zwar ebenfalls einen Sohn (welcher Diego hieß und den Marquese ermorden ließ), aber von einer Indianerin von Panama. Beide wurden für ihre Verdienste von Sr. Majestät belohnt, denn Don Francisco Pizarro erhielt den Titel Marquese, die Statthalterschaft von Neucastilien und den Santiago-Orden, Don Diego de Almagro die Statthalterschaft von Neutoledo und den Titel Präsident. Besonders hatte der Marquese eine solche Achtung und Ehrfurcht vor dem Namen Ihrer Majestäten, daß er in vielen Dingen, wo er ohne weiteres aus eigner Machtvollkommenheit hätte handeln können, sich zurückhielt, indem er sagte, Se. Majestät solle ihm nicht nachsagen, daß er zu weit gegangen sey. Öfter stand er bei der Einschmelzung des Goldes und Silbers von seinem Sitze auf, um kleine Stückchen, welche beim Zerschlagen des königlichen Antheils davonsprangen, aufzuheben, wobei er bemerkte, er würde das königliche Eigenthum mit dem Munde aufsammeln, wenn er nicht anders könne. Selbst in der Todesart hatten beide Männer gleiches Schicksal, denn der Präsident wurde von einem Bruder des Marquesen und der Marquese von dem Sohne des Präsidenten ermordet. Der Marquese war fortwährend eifrigst darauf bedacht, seine Eroberungen zu erweitern und das erworbene Land durch Anbau zu heben. In der Stadt Los Reyes (Lima) baute er sehr schöne Häuser und an dem an ihr vorüberströmenden Flusse zwei Mühlen. Zur Aufführung dieser Bauten benützte er jede freie Stunde und gab den Bauleuten alles an, wie er es zu haben wünschte. Auch verwandte er große Sorgfalt auf die Erbauung der Hauptkirche dieser Stadt, so wie der beiden Klöster des heil. Dominicus und von der Gnade, welchen er auch hinreichende Existenzmittel anwies.« 4. Der Zustand Peru's zur Zeit der Eroberung. So viel über die Herkunft und den Charakter der Eroberer Perus! Einige Worte über die Verhältnisse dieses Landes zur Zeit der Eroberung, welche diese so sehr erleichterten, werden hier an ihrer Stelle seyn. Vrgl. Garcilasso de la Vega, Commentarios reales de los Incas, Part. I. lib. IX. cap. 32-36. – Huayna Capac, der zwölfte Inca Perus, hatte mit Einwilligung des Thronerben Huascar einem seiner andern Söhne, dem von ihm besonders bevorzugten Atabaliba, das Land Quito, den nördlichsten Theil des Reiches Peru, vermacht. Beide Brüder lebten mehrere Jahre nach dem Tode ihres Vaters in dem besten Einverständnisse, bis es Huascar einfiel seinem Bruder, der ihm in jeder Beziehung überlegen war und den er deßhalb fürchtete, zu melden, er könne ihm das durch seinen Vater unkluger Weise von dem Reiche getrennte Land nur unter der Bedingung lassen, daß er verspreche nach keiner Richtung hin Eroberungen zu machen und ihm als Landesherrn huldige. Atabaliba, welcher nicht gern seine Unabhängigkeit aufgeben wollte, aber auch nicht so mächtig war um seinem Bruder offen entgegentreten zu können, nahm seine Zuflucht zur List und ließ diesem sagen, er habe ihn stets im Herzen als seinen Gebieter anerkannt und wolle dieß auch vor aller Welt thun; er möge ihm nur erlauben zur Zeit der Leichenfeierlichkeiten seines Vaters nach der Hauptstadt zu kommen um ihm zu huldigen, aber auch zur Erhöhung der Feierlichkeit die Häuptlinge seines Landes mit zubringen gestatten. Huascar, welcher nichts Arges ahnte, ertheilte ihm freudig diese Erlaubniß. Atabaliba bot nun seine Häuptlinge und besten Krieger auf und ließ sie in einzelnen kleinen Abtheilungen und in festlicher Kleidung, unter welcher sie aber ihre Waffen verborgen hatten, nach Cuzco ziehen. In der Nähe der Stadt vereinigten sie sich und bildeten ein Heer von dreißig tausend Mann. Huascar erwachte nun, aber zu spät, aus seiner Sorglosigkeit und sammelte ein Heer. Es kam zu einem hartnäckigen Treffen, in welchem Huascar geschlagen und gefangen wurde. Atabaliba war jetzt Gebieter des ganzen Reichs, nahm aber, um, was er durch List und Treulosigkeit gewonnen hatte nicht wieder zu verlieren, zu den abscheulichsten Mitteln seine Zuflucht. So ließ er alle Prinzen und Leute von königlichen Geblüte, wie auch die Feldherren und Statthalter Huascars unter allerlei Vorwänden nach Cuzco kommen und ihnen die Köpfe abschlagen, um so eine Empörung gegen ihn unmöglich zu machen. In Peru bestand nämlich seit uralten Zeiten ein immer streng beobachtetes Gesetz, in Folge dessen der Beherrscher dieses Lande ein rechtmäßiger Sohn eines Inca und seiner rechtmäßigen Gemahlin, nämlich seiner Schwester, oder ein Nachkomme eines solchen, rechtmäßigen Sohnes seyn mußte. Atabaliba war aber der Sohn einer Beischläferin; um sich also in seinem die alten Gewohnheiten streng beobachtenden Lande sicher zu stellen, suchte er alle Kronprätendenten aus dem Wege zu räumen. Uebrigens verschonte er nicht einmal die unrechtmäßigen Prinzen, weil ja vielleicht einer oder der andere derselben Lust bekommen könnte seinem bösen Beispiel zu folgen. Diese Hinrichtungen und Verfolgungen dauerten einige Jahre; Huascar selbst wurde verschont, um sich seiner in einem etwaigen dringenden Falle als Rettungsmittel zu bedienen. Während Atabaliba mit seinem Heere zu Caxamalca stand, um von hier aus seine Befehle zu ertheilen und durch seine Feldherren Chilicuchima und Quizquiz das ganze Reich vollständig unter seine Botmäßigkeit zu bringen, landeten die Spanier, rückten ungehindert durch das bestürzte und unvertheidigte Land bis nach Caxamalca vor, wo, wie wir sehen werden, Atabaliba für seine Grausamkeiten büßen mußte. Wäre damals Peru nicht durch diese innern Unruhen zerrüttet gewesen und hätte sich die ganze Bevölkerung auf Befehl des rechtmäßigen Beherrschers gegen die eindringenden Fremdlinge erhoben, so wäre Pizarro wahrscheinlich nicht so kühn in das ihm völlig unbekannte Innere des Landes vorgedrungen und gewiß nicht so schnell zum Ziele gelangt, als es gegen sein eigenes Erwarten wirklich der Fall war. II. Die Eroberung Peru's von Francisco de Ferez La conquista del Peru, llamada la nueva Castilla. Sevilla 1534. Fol. Salamanca 1547. Fol. Auch in A.G. Barcia's Historiadores primitivos de las Indias. Madrid 1749. Fol. im dritten Bande. – Eine wortgetreue italienische Uebersetzung lieferte Dom. de Gaztelu, Venet. 1535. 4., welche auch Ramusio in den dritten Band seiner Navigationi et viaggi aufnahm. Die französische Übersetzung von H. Ternaux-Compans (Paris 1837. 8.) ist an vielen Stellen ungenau. 1. Einleitung. Auf daß zum Ruhme Gottes, unsers höchsten Herrn, zur Ehre und zum Frommen der kaiserlichen katholischen Majestät sich Frohlocken unter den Gläubigen und Schrecken unter den Ungläubigen verbreite, auf daß endlich alle Menschen die göttliche Vorsehung, das Glück des Kaisers, die Klugheit, die Tapferkeit, die Kriegskunst, die mühseligen und gefahrvollen Schifffahrten und Kämpfe der Spanier, der Unterthanen des unüberwindlichen römischen Kaisers Karl, unseres angestammten Königs und Herrn, bewundern mögen, habe ich mir vorgenommen diesen Bericht niederzuschreiben und ihn Sr. Majestät zu übergeben. Auf diese Weise soll Jedermann kund werden, wie die Spanier diese Thaten vollbrachten und zwar, wie schon gesagt, zum Ruhme Gottes, weil sie, von seinem göttlichen Beistande unterstützt, so zahlreiche Heiden überwunden und zu unserm heiligen katholischen Glauben bekehrt haben, – zur Ehre unseres Kaisers, weil durch seine große Macht, durch sein gutes Glück und zu seiner Zeit so herrliche Dinge gelangen, – zum Frohlocken der Gläubigen, weil für sie so viele und so gewaltige Schlachten gewonnen, so viele Provinzen entdeckt und erobert wurden, weil dadurch ihren Königen, ihrem Vaterlande und ihnen selbst so große Reichthümer zuflossen, und endlich weil man sagen wird, daß die Christen den Ungläubigen Furcht und allen Menschen Bewunderung eingeflößt haben; denn wann sah man je bei den Alten oder bei den Neuern so glanzvolle Unternehmungen von so wenigen Leuten gegen eine so weit überlegene Menge, unter solchen Himmelsstrichen, an solchen Meeresenden und in so entfernten Gegenden vollbringen, um Länder, die man früher nie gesehen und von welchen man noch nie gehört hatte, zu erobern? Wer könnte sich in dieser Hinsicht dem spanischen Volke vergleichen? Gewiß weder die Juden noch die Griechen, noch die Römer, obschon von den letzteren mehr geschrieben ist als von allen übrigen Völkern; denn wenn die Römer so viele Provinzen unterjochten, so geschah dieses doch immer nur mit einer gleichen oder doch nicht viel geringeren Anzahl von Kriegsleuten, in bekannten und mit den gewöhnlichen Lebensmitteln versehenen Ländern und mit bezahlten Anführern und Heeren; die Anzahl der Spanier aber war immer nur gering, ihrer waren gewöhnlich nur zweihundert oder dreihundert, zuweilen auch nur hundert oder noch weniger, und nur ein einzigesmal war eine größere Menge beisammen, nämlich vor zwanzig Jahren, als der Hauptmann Pedrarias dreizehnhundert Mann befehligte. Alle diese Leute, welche zu verschiedenen Zeiten abreisten, thaten dieß weder für Bezahlung noch gezwungen, sondern sie gingen aus freiem Willen und auf ihre eigene Kosten; und doch eroberten sie zu unserer Zeit mehr Land, als vor ihnen bekannt war und als alle christlichen und heidnischen Fürsten besaßen; dabei hatten sie bei jenen Völkern, die weder Brod noch Wein kennen, keine anderen Lebensmittel als solche, die auch die Thiere genießen, und nur dadurch daß sie ihr Leben mit Kräutern, Wurzeln und Baumfrüchten fristeten, haben sie alle jene Eroberungen gemacht, die bereits jetzt aller Welt bekannt sind. Ich will deßhalb auch, um nicht weitläufig zu werden, hier nur die Geschichte der Eroberung Neucastiliens erzählen. 2. Pizarro's erste Reise (1524). Hungersnoth. Niederlage durch die Wilden, Rückkehr. Zu der Zeit, als bereits das Südmeer entdeckt und die Bevölkerung des Festlandes besiegt und zur Ruhe gebracht war, als bereits der Statthalter Pedrarias de Avila die Städte Panama und Nata so wie den Flecken Nombre de Dios angelegt hatte, wohnte in der Stadt Panama der Hauptmann Francisco Pizarro, der Sohn des Hauptmanns Gonzalo Pizarro, eines Ritters aus der Stadt Truxillo. Er besaß daselbst ein Haus, Güter und den ihm zukommenden Antheil an Indiern, denn er hatte stets zu den Vornehmsten des Landes gehört und sich bei der Eroberung und Bevölkerung desselben in den Dienstgeschäften Sr. Majestät ausgezeichnet. Er lebte hier ruhig und still, dachte aber fortwährend nach über die Ausführung seines herrlichen Vorhabens und wie er der königlichen Krone noch weitere ausgezeichnete Dienste leisten könne, und bat endlich Pedrarias um die Erlaubniß an der Küste der Südsee nach Osten hin Entdeckungen machen zu dürfen. Er verwendete darauf einen bedeutenden Theil seines Vermögens zur Erbauung eines großen Schiffes und zur Anschaffung der für seine Reise nöthigen Vorräthe und verließ am 14 November des Jahres 1524 Diese Zeitbestimmung scheint die richtige zu seyn; nach andern minder zuverlässigen Angaben fällt Pizarro's Abreise in das Jahr 1525. mit einer Schaar von 112 Spaniern, die noch einige Indianer zu ihrer Bedienung mitnahmen, die Stadt Panama. Schon beim Beginne der Fahrt hatten sie des Winters und der ungünstigen Witterung wegen viel Ungemach zu dulden; ich will aber, um nicht zu weitläufig zu werden, vieles, was ihnen begegnete, mit Stillschweigen übergehen und nur die merkwürdigen Thatsachen, die unmittelbar auf meinen Gegenstand Bezug haben, mittheilen. Siebenzig Tage nach ihrer Abreise von Panama gingen sie in einem Hafen, der später den Namen Puerto de la Hambre (Hungerhafen) erhielt, ans Land. Vorher waren sie schon in viele Häfen eingelaufen, hatten sie aber, da sie die Küste menschenleer fanden, wieder verlassen. In dem Hungerhafen blieb der Hauptmann mit achtzig Leuten, denn die übrigen waren bereits gestorben, und schickte, da die Lebensmittel aufgezehrt waren und auch diese Gegend keine darbot, das Schiff mit den Matrosen und einem Hauptmanne nach der Perleninsel, welche an der Gränze von Panama liegt, um sich dort damit zu versehen, in der festen Hoffnung, daß diese Zufuhr in zehn bis zwölf Tagen eintreffen würde. Das Glück war aber, wie immer oder doch meistens, ungünstig und das Schiff brauchte zu seiner Hin- und Herreise siebenundvierzig Tage. Während dieser Zeit fristeten der Hauptmann und seine Gefährten ihr Leben mit einer Seemuschel, welche sie am Strande mit vieler Mühe aufsammelten und mit sehr bittern Palmsprossen. Manche waren so elend, daß sie über dem Aufsuchen ihrer Nahrung erlagen; überhaupt starben, während das Schiff auf dem Wege war, über zwanzig Leute. Als dieses mit der Zufuhr von Mundvorrath ankam, erzählte der Hauptmann und die Matrosen, daß sie auf dem Hinwege aus Mangel an Lebensmitteln eine gegerbte Kuhhaut, welche sie von den Schläuchen der Schiffspumpe ablösten, kochten und unter sich vertheilten, gegessen hätten. Als sich die Mannschaft, die noch am Leben war, mit den Vorräthen, welche das Schiff mitbrachte und die in Mais und Schweinen bestand, wieder hergestellt hatte, setzte der Hauptmann seine Reise fort und kam an einen hochgelegenen festen und mit Palissaden umgebenen Ort, den sie mit Lebensmitteln reichlich versehen, aber von den Einwohnern verlassen fanden. Am folgenden Tage erschienen zahlreiche Krieger, und da sie sehr beherzt und gut bewaffnet waren, so wurden die Christen, welche der Hunger und die überstandenen Mühseligkeiten geschwächt hatten, geschlagen; der Hauptmann empfing sieben Wunden, von denen die geringste lebensgefährlich war; die Indier, welche ihn verwundet hatten, hielten ihn für todt und ließen ihn liegen. Außer ihm wurden siebenzehn Leute verwundet und fünf wurden getödtet. Als der Hauptmann diese Niederlage und kein Mittel sah wie er hier seine Wunden heilen und seine Mannschaft ergänzen könne, schiffte er sich ein und steuerte nach dem Gebiete von Panama zurück, wo er bei einem indischen Orte in der Nähe der Perleninsel, welcher Chuchama heißt, ans Land ging. Von hier aus schickte er das Schiff, weil es der vielen Würmer wegen, die sich in ihm eingenistet hatten, nicht mehr die See halten konnte, nach Panama und ließ den Pedrarias von allem, was ihm begegnet war, in Kenntniß setzen; er selbst blieb zurück, um für seine und seiner Gefährten Heilung zu sorgen. 3. Diego de Almagro sucht Pizarro auf. Ihre Vereinigung und neue Zurüstungen zur Fortsetzung ihres Unternehmens. Sie entdecken Locamez. Einige Tage vor der Ankunft des Fahrzeuges in Panama war der Hauptmann Diego de Almagro, welcher sich ebenfalls bei dem Unternehmen betheiligt hatte, mit einem andern Schiffe und mit siebenzig Leuten abgereist, um dem Hauptmanne Pizarro zu folgen und ihn aufzusuchen. Er kam bis zu dem Orte, wo Pizarro eine Niederlage erlitten hatte, und bestand ebenfalls einen Kampf mit den Indiern, in welchem er den Kürzeren zog; obschon er aber dabei ein Auge verlor und viele Christen verwundet wurden, so gelang es doch die Indier aus dem Orte zu vertreiben und ihn in Brand zu stecken. Sie schifften sich darauf wieder ein und folgten der Küste bis zu einem großen Flusse, welchem sie den Namen San Juan beilegten, weil sie ihn am Tage dieses Heiligen (24 Junius) erreichten. Sie bekamen daselbst einige Stücke Gold; da aber keine Spur des Hauptmanns Pizarro zu finden war, segelte Almagro nach Chuchama, wo er ihn antraf. Sie kamen überein, daß Almagro nach Panama gehen, zur Fortsetzung ihres Unternehmens Schiffe ausrüsten, mehr Mannschaft anwerben und zu diesen Zwecken den Rest ihres Vermögens verwenden solle, denn bereits schuldeten sie über zehntausend Castellanos. Der Werth dieser alten spanischen Goldmünze belief sich zur Zeit Francisco's de Xerez auf 4 fl. 47 kr. Zu Panama fanden sie von Seiten des Pedrarias und anderer großen Widerspruch, indem diese bemerkten, man solle eine Reise, von der die kaiserliche Majestät keinen Vortheil habe, nicht fortsetzen. Der Hauptmann Almagro, mit der Vollmacht seines Gefährten versehen, bewies indessen große Beharrlichkeit in dem, was sie beide einmal begonnen hatten, und bedeutete dem Statthalter Pedrarias, er mögt ihnen keine Hindernisse in den Weg legen, denn sie hofften, daß mit Gottes Hülfe Se. Majestät allerdings Vortheil von dieser Reise ziehen werde. Pedrarias war dadurch gezwungen seine Einwilligung zur Anwerbung von Mannschaft zu geben. Almagro verließ Panama mit 110 Mann und landete an dem Orte, wo sich Pizarro mit den andern fünfzig befand, die von den 110 die mit ihm abgesegelt, und den siebenzig welche Almagro, um ihn aufzusuchen, mitgenommen hatte, noch übrig waren. Der Tod hatte also bereits 130 hinweggerafft. Die beiden Hauptleute segelten nun mit ihren beiden Schiffen und 160 Mann wieder ab und folgten stets der Küste. Wo sie Wohnungen vermutheten, gingen sie mit drei Canots, die mit sechzig Ruderern bemannt waren, ans Land und versahen sich so mit Lebensmitteln. Auf diese Weise fuhren sie drei Jahre und erduldeten große Mühseligkeiten, Hunger und Kälte; der größte Theil von ihnen starb vor Hunger und nur fünfzig blieben am Leben; dabei hatten sie am Ende der drei Jahre noch kein gutes Land entdeckt, alles war Sumpf und unbewohnbarer, der Überschwemmung ausgesetzter Schlammboden. Das erste gute Land, welches sie entdeckten, lag jenseits des Flusses San Juan. Pizarro blieb hier mit dem geringen Reste der Mannschaft und schickte einen Hauptmann mit dem kleinsten Schiffe ab, um weiterhin an der Küste ein gutes Land aufzusuchen, Diego de Almagro aber sendete er mit dem andern Schiffe nach Panama, um frische Mannschaft zu holen, denn mit den wenigen Leuten, von denen fortwährend noch viele starben, konnten sie auf den beiden Schiffen zugleich nicht auf weitere Entdeckungen ausgehen. Das auf Entdeckungen ausgelaufene Fahrzeug kam nach siebenzig Tagen zum Flusse San Juan, wo sich Pizarro mit seinen Leuten aushielt, zurück und stattete Bericht ab über das was es ausgerichtet hatte. Es war bis zu dem Orte Cancebi, der an jener Küste liegt, vorgerückt, und die Schiffsmannschaft hatte schon, ehe sie diesen Ort erreichte, andere an Gold und Silber reiche Dörfer gefunden, deren Bewohner mehr Lebensart besaßen als alle übrigen Indianer, die ihr bis jetzt vorgekommen waren. Sie brachten sechs Leute mit, um sie die spanische Sprache erlernen zu lassen, so wie auch Gold, Silber und Zeuge. Der Hauptmann und seine Gefährten empfanden darüber so große Freude, daß sie alle erduldeten Mühseligkeiten und die Verluste, welche sie erlitten hatten, vergaßen und schon in dem Lande, welches so viel von sich versprach, zu seyn wünschten. Als Almagro mit dem mit Kriegsvolk und Pferden befrachteten Schiffe zurückkam, verließen beide Fahrzeuge mit den Hauptleuten und der ganzen Mannschaft den Fluß San Juan, um nach dem neuentdeckten Lande zu gehen. Da die Fahrt an jener Küste sehr mühevoll war, so verging darüber so viel Zeit, daß der Mundvorrath nicht ausreichte und man sich gezwungen sah die Mannschaft ans Land gehen zu lassen. Hier setzten sie ihren Weg fort und verschafften sich Lebensmittel, wo sie deren habhaft werden konnten. Die Schiffe gingen in der Bai San Mateo, bei einem Orte, den die Spanier Santiago nannten, und bei den Oertern von Tacamez, welche alle weiterhin an der Küste liegen, vor Anker. Die Christen bemerkten, daß diese Wohnplätze groß und von zahlreichen, kriegerischen Leuten bevölkert waren, und als neunzig Spanier eine Meile von einem derselben landeten, brachen sogleich mehr als zehntausend indische Krieger auf, um sie zu empfangen. Als die Indianer aber sahen, daß die Christen ihnen kein Leid zufügen oder an ihrem Eigenthum kränken wollten, sondern mit vieler Freundlichkeit den Frieden anboten, dachten sie nicht mehr daran sie zu bekämpfen, was anfänglich ihre Absicht gewesen war. In diesem Lande gab es eine Menge Lebensmittel und die Bevölkerung zeigte eine ziemlich gute Gesittung; die Oerter hatten ihre Straßen und Plätze; einer derselben zählte mehr als dreitausend Häuser, andere waren kleiner. 4. Pizarro landet in Peru. Geht nach Spanien und wird zum Statthalter von Peru ernannt. Abreise von Panama zur Eroberung Perus (1531). Landung in der Bay San Mateo. Ueberfall eines Ortes. Die Hauptleute und die andern Spanier sahen wohl ein, daß bei ihrer geringen Anzahl den Indianern kein Widerstand zu leisten und kein Vortheil aus diesem Lande zu ziehen sey; sie kamen also überein die Schiffe mit den Lebensmitteln, welche es in den erwähnten Oertern gab, zu beladen und nach einer Insel, welche die Hahneninsel (Isla del Gallo) heißt, zurückzusteuern, weil sie daselbst sicher bleiben konnten, während die Fahrzeuge nach Panama segelten, um dem Statthalter die Nachricht von der gemachten Entdeckung zu bringen und von ihm mehr Mannschaft zu verlangen, damit die Hauptleute ihr Unternehmen verfolgen und Besitz von dem Lande ergreifen könnten. Der Hauptmann Almagro ging mit den Schiffen ab. Von einigen Leuten war an den Statthalter geschrieben worden, er möge die Mannschaft nach Panama zurückkommen lassen, weil sie nach den Mühseligkeiten, die sie während der drei Jahre seitdem sie auf Entdeckungen ausgelaufen, erduldet hätten, keine weitem mehr zu ertragen vermöchten, worauf der Statthalter Nämlich Pedro de los Rios, welcher den Pedrarias 1526 ersetzt hatte. Er selbst wünschte wohl den Unternehmungen Pizarro's einen guten Erfolg, fürchtete aber, weil schon so viel Mannschaft umgekommen war, die Verantwortung. Deßhalb rief er später auch Pizarro selbst mit den übrigen Leuten zurück. den Bescheid gab, daß alle, welche nach Panama zurückzukehren wünschten, es thun könnten, daß aber die, welche bleiben wollten, um weitere Entdeckungen zu machen, dazu die Erlaubniß haben sollten. Es blieben auf diese Weise sechzehn Leute bei dem Hauptmann Pizarro, die ganze übrige Mannschaft ging auf den beiden Schiffen nach Panama. Pizarro hielt sich fünf Monate auf der erwähnten Insel Nach andern Berichten blieb Pizarro bis zur Wiederkehr des Schiffes nicht auf der Hahneninsel, sondern auf der Insel Gorgona, welche zehn Meilen weiter im Meere lag, weil er sich hier mit seinen wenigen Leuten für sicherer hielt und auch Ueberfluß an Trinkwasser fand. auf, bis eines der Schiffe zurückkam, welches er mit seinen Leuten bestieg und seine Entdeckungen hundert Meilen weiter, als sie vorher gekommen waren, fortsetzte. Sie fanden viele bewohnte Plätze und großen Reichthum und brachten noch mehr Proben von Gold, Silber und Stoffen mit, als sie vorher erhalten hatten und welche ihnen die Indianer ganz gern gaben. Der Hauptmann kehrte damit zurück, weil die Frist, welche ihm der Statthalter gesetzt hatte, zu Ende ging, und lief gerade am letzten Tage derselben in den Hafen von Panama ein. Xerez faßt sich hier sehr kurz. Pizarro landete auf dieser Reise auf der kleinen Insel Santa Clara im Busen von Guayaquil, nahe bei dem großen Eilande Punà, berührte Tumbez und Payta, umsegelte das Vorgebirge Aguja und kam bis zu einer Gegend, welche Motupe hieß und in der Mitte zwischen den jetzigen Städten San Miguel de Piura und Truxillo liegt. Das eigentliche Peru wurde also auf dieser Fahrt entdeckt. Die Spanier sahen jetzt auch zum erstenmal eine eigene Art von Schafen (wie sie sich ausdrücken), nämlich die Lamas. Vrgl. A. de Zarate, Historia del discubrimento y conquista del Peru, lib. l. cap. 2. Da nun die beiden Hauptleute so sehr heruntergekommen und eine so große Geldsumme schuldig waren, daß sie sich nicht mehr helfen konnten, ging Francisco Pizarro mit etwas mehr als tausend Castellanos, welche ihm seine Freunde vorschossen, nach Castilien und stattete Sr. Majestät über die ausgezeichneten und wichtigen Dienste, die er im Solde Sr. Majestät geleistet hatte, Bericht ab. Als Belohnung derselben erhielt er die Statthalterschaft und Gerichtsbarkeit in dem entdeckten Lande, den Orden des heil. Jacob, mehrere Ehrenämter, die Würde eines Großalguazil und andere Gunstbezeugungen. Auch erhielt er Geldunterstützung von Sr. Majestät, als einem Kaiser und Könige, der alle die in seinem Dienste stehen reichlich belohnt, wie er immer gethan hat, weßhalb auch viele bereitwillig ihr Hab und Gut im königlichen Dienste opferten, um im Südmeere und auf dem ganzen Ocean Länder und Provinzen zu entdecken, welche so weit von den Reichen Castiliens entlegen sind. – Nachdem der Statthalter und Adelantado (Gerichtsherr) Francisco Pizarro von Sr. Majestät entlassen worden war, segelte er aus dem Hafen von San Lucar mit einer Flotte ab und erreichte bei günstigem Winde und ohne einen widrigen Zufall den Hafen von Nombre de Dios, von wo er sich mit seiner Mannschaft nach der Stadt Panama begab, daselbst aber viel Widerspruch und Hindernisse fand, weil man ihn nicht ziehen lassen wollte, um das von ihm entdeckte Land zu colonisiren, wie ihm Se. Majestät befohlen hatte; durch die unerschütterliche Festigkeit aber, die er bei der Verfolgung seines Vorsatzes bewies, brachte er es endlich dahin, daß er (im Februar 1531) mit so viel Mannschaft als er zusammenbringen konnte, nämlich 180 Leuten und 37 Pferden auf drei Schiffen den Hafen von Panama verließ. Die Fahrt war so glücklich, daß sie nach dreizehn Tagen in der Bai San Mateo landeten, welche Gegend sie anfangs, als sie auf Entdeckungen ausliefen, erst nach mehr als zwei Jahren erreichen konnten. Mannschaft und Pferde wurden hier ausgeschifft und folgten der Küste, wo sie an allen Orten die Bevölkerung in vollem Aufstande fanden. Auf diesem Marsche kamen sie (am 14 April) an einen Ort, welcher Coaque heißt und den sie überfielen, damit er nicht in Aufruhr gerathen konnte, wie die andern Orte. Sie erbeuteten daselbst 15.000 Pesos an Gold und 1500 Mark Silber, Der Peso an Gold hatte einen Werth Von 4 fl. 47 kr. und die Mark Silber bestand damals aus 8 Unzen, die Unze zu 1 Thlr. Die Beute an Gold und Silber betrug also ungefähr 92,750 fl. so wie viele Smaragden, welche man damals noch nicht kannte und nicht für werthvolle Steine hielt, weßhalb sie die Spanier bei den Indianern gegen Zeuge und andere Dinge, welche sie ihnen, dafür gaben, austauschten. Sie erhaschten in diesem Orte auch den Caziken, welcher der Gebieter desselben war, nebst einigen seiner Leute, und fanden viele Stoffe verschiedener Art und so viele Lebensmittel, daß sie drei bis vier Jahre zum Unterhalte der Spanier ausreichen konnten. 5. Fortsetzung des Zugs an der Küste. Uebergang auf die Insel Puna. Kampf mit den Bewohnern. Von diesem Orte Coaque aus schickte der Statthalter die drei Schiffe nach der Stadt Panama und nach Nicaragua, um mehr Mannschaft und Pferde herbeizuholen, damit man endlich die Eroberung und Colonisirung des Landes beginnen könne; er selbst blieb mit der Mannschaft daselbst zurück und hielt einige Tage Rast, bis zwei der Schiffe von Panama mit 26 Reitern und 30 Fußgängern zurückkamen. Nach der Landung derselben ging der Statthalter mit der ganzen Mannschaft zu Fuß und zu Pferd weiter und brachte auf seinem Zuge längs der Küste, welche sehr bevölkert war, alle Orte unter die Botmäßigkeit Sr. Majestät, denn die Herren dieser Orte kamen ihm wie durch einstimmige Übereinkunft auf dem Wege zu seinem Empfange entgegen, ohne sich zur Wehr zu setzen; er nahm deßhalb alle, ohne ihnen Verdruß oder ein Leid zuzufügen, sehr liebreich an und ließ ihnen durch einige Mönche, die er zu diesem Zwecke mit sich führte, passende Reden halten, um sie zur Erkenntniß unseres heiligen katholischen Glaubens zu bringen. So rückte der Statthalter mit der spanischen Mannschaft immer weiter, bis zu einer Insel, welche la Pugna Punà, im Meerbusen von Guayaquil. hieß und welcher die Christen, den Namen Santiago beilegten; sie ist zwei Meilen vom festen Lande entfernt, und da sie gut bevölkert, reich und mit Lebensmitteln wohl versehen war, so setzte er auf den beiden Schiffen und auf Balkenfiößen, die den Indianern gehörten und auf denen die Pferde fortgebracht wurden, nach ihr über. Der Statthalter wurde auf der Insel von dem Caziken, welchem sie gehörte, mit großer Freude und vieler Zuvorkommenheit empfangen; man versah ihn auf dem Wege mit Lebensmitteln und spielte auf verschiedenen musikalischen Instrumenten, deren sich die Eingeborenen zu ihrer Belustigung bedienten. Die Insel hat fünfzehn Meilen im Umkreise, ist fruchtbar, gut bevölkert und zählt viele Orte, welche sieben Caziken gehören, die wieder alle unter einem Herrn stehen. Dieser schenkte dem Statthalter aus freiem Willen viel Gold und Silber und da der Winter herbeigekommen war, so beschloß der Statthalter seiner Mannschaft auf dieser Insel zu rasten; denn hätte man zu dieser Zeit und bei dem beständig fallenden Regen weiter gehen wollen, so wäre es ohne großen Verlust an Leuten nicht möglich gewesen. Die wenigen Kranken, welche man hatte, genaßen während dieses Winteraufenthaltes. – Es liegt nun aber in dem Charakter der Indianer, daß sie einem andern Volke weder gehorchen noch dienen, wenn sie nicht mit Gewalt dazu gezwungen werden, und obschon der Cazike mit dem Statthalter in friedlichem Verhältnisse stand und sich als Vasall Sr. Majestät erklärt hatte, so wurde doch dem Statthalter durch seine Dolmetscher hinterbracht, daß der Cazike seine Kriegsleute versammle und daß man schon viele Tage hindurch ohne Unterlaß zu den Waffen, welche die Indianer bereits besaßen, noch neue verfertige, wovon man sich übrigens auch durch den Augenschein überzeugen konnte, denn in demselben Ort, wo die Spanier lagen und wo der Cazike seinen Sitz hatte, fand man in dessen Wohnung und in vielen andern Häusern zahlreiche völlig schlagfertige Mannschaft, welche, sobald sich alles Kriegsvolk der Insel versammelt haben würde, in der Nacht über die Christen herzufallen gedachte. Als der Statthalter sich insgeheim von der Wahrheit des Gesagten überzeugt hatte, befahl er sogleich den Caziken, seine drei Sohne und die andern vornehmsten Einwohner, die man lebendig erhaschen konnte, festzunehmen. Ueber das andere Volk fielen die Spanier insgesammt unvermuthet her und tödteten an demselben Abend noch mehrere Leute; alle übrigen ergriffen die Flucht und verließen den Ort. Das Haus des Caziken wurde nebst mehreren andern geplündert und man fand darin Gold, Silber und viele Zeuge. Während der Nacht war man im Lager der Christen sehr auf der Hut und die ganze Mannschaft, in allem 70 Reiter und 100 Fußgänger, stand gerüstet. Schon vor Anbruch hörte man das Geschrei der Kriegsleute, und in kurzer Zeit sah man eine große Menge Indianer, alle bewaffnet, mit ihren Trommeln und andern Instrumenten, die sie mit in den Kampf nehmen, herannahen. Sie hatten sich in mehrere Haufen getheilt und so das Lager in die Mitte genommen. Als es nun heller Tag geworden war und sie auf das Lager losstürzten, gab der Statthalter Befehl sie tapfer zu empfangen. Bei dem ersten Angriffe wurden mehrere unserer Leute und Pferde verwundet; da aber unser Herr und Gott die, welche in seinem Dienste handeln, in der Noth begünstigt und unterstützt, so wurden die Indianer geschlagen und ergriffen die Flucht. Die Reiterei verfolgte die Flüchtigen und hieb nieder und verwundete so viel sie konnte, so daß eine große Anzahl Feinde den Tod fanden. Darauf kehrte sie in das Lager zurück, weil die Pferde ermüdet waren, denn die Verfolgung hatte vom Morgen bis zum Mittag gedauert. Am folgenden Tage theilte der Statthalter seine Mannschaft in mehrere Haufen, um den Feind auf der ganzen Insel aufzusuchen und ihn zu bekriegen. Darüber vergingen zwanzig Tage und die Eingeborenen wurden derb gezüchtigt. Zehn der Vornehmsten wurden nebst dem Caziken gefangen, von denen der letztere aussagte, daß sie ihn zur Anzettelung des Aufstandes verleitet hätten, daß er selbst nur Theil daran genommen hätte, weil er sie von ihrem Vorhaben nicht habe abbringen können. Der Statthalter hielt Gericht über sie und ließ theils sie verbrennen, theils ihnen die Köpfe abschlagen. Wegen des Aufstandes und des Verrathes, welchen der Cazike und die Indianer der Insel Santiago sich hatten zu Schulden kommen lassen, wurde der Krieg so lange gegen sie fortgesetzt, bis sie sich gezwungen sahen die Insel zu verlassen und nach dem festen Lande überzugehen. Da aber die Insel sehr bevölkert, fruchtbar und reich war und sie der Statthalter nicht völlig verderben wollte, so entschloß er sich den Caziken in Freiheit zu setzen, um die zerstreuten Bewohner zu sammeln und sie zur Wiederbevölkerung der Insel zu vermögen. Der Cazike, welchem man in dem Gefängnisse alle mögliche Achtung bewiesen hatte, war sehr erfreut darüber und wollte für die Zukunft gern Sr. Majestät dienstbar seyn. 6. Ueberfahrt nach Tumbez. Ermordung einiger Spanier. Züchtigung der Eingebornen. Friedlicher Verkehr mit dem Caziken von Tumbez. Da man nun aus dieser Insel keinen weiteren Vortheil ziehen konnte, so reiste der Statthalter mit einer Anzahl von Leuten und Pferden, welche die drei vor Anker liegenden Schiffe fassen konnten, nach dem Orte Tumbez, welcher zur Zeit noch Frieden hielt, ab; die übrige Mannschaft blieb unter den Befehlen eines Hauptmanns, bis die zurückkehrenden Schiffe sie abholen konnten. Um die Ueberfahrt in kürzerer Zeit zu bewirken, kamen auf Befehl des Statthalters Flöße von Tumbez, welche der Cazike schickte, und auf einem derselben gingen drei unserer Leute mit einigen Waaren voraus. Nach drei Tagen landeten auch die Schiffe an dem Gestade von Tumbez. Als der Statthalter ans Land stieg, fand er die Bevölkerung der Oerter in vollem Aufruhr, und von einigen Indianern, die man erhaschte, erfuhr man, daß die Leute mit den Waaren, welche sich auf den Flößen befanden, aufgegriffen und eingesteckt worden seyen. Sobald die Leute und Pferde am Land waren, ließ der Statthalter die Mannschaft, welche auf der Insel zurückgeblieben war, abholen. Er selbst legte sich mit den bei ihm befindlichen Leuten in dem Wohnorte des Caziken in zwei befestigte Häuser, von denen das eine einer Burg glich. Darauf gab er Befehl die Gegend zu durchstreifen und auf einem Flusse, welcher zwischen diesen Oertern hinfließt, aufwärts zu gehen, um über die Leute, welche auf den Flößen gefangen worden waren, Nachricht einzuziehen und zu versuchen ihrer habhaft zu werden, ehe die Indianer sie tödteten. So große Mühe sich aber auch die Spanier sogleich nach ihrer Landung gaben die Umgegend zu durchforschen, so konnten sie doch weder die drei Leute finden noch etwas von ihnen hören. Die ausgeschickte Mannschaft war mit allen Lebensmitteln, die man erhalten konnte, auf zwei Flößen vertheilt und nahm einige Indianer gefangen, welche der Statthalter als Boten zu dem Caziken und zu einigen Vornehmen schickte, um ihnen von Seite Sr. Majestät kund zu thun, daß sie friedlich zu ihm kommen und die drei Leute, ohne ihnen Böses oder Schaden zuzufügen, mitbringen möchten, er wolle sie alsdann, obschon sie bereits ihre Pflicht übertreten hätten, als Vasallen Sr. Majestät anerkennen; weigerten sie sich aber, so würde er mit Feuer und Schwert so lange gegen sie zu Felde ziehen, bis sie gänzlich vertilgt seyen. Es vergingen mehrere Tage und sie zeigten nicht nur keine Lust herbeizukommen, sondern betrugen sich sogar übermüthig, erbauten Befestigungen an dem andern Ufer des Flusses, welcher so sehr angewachsen war, daß man ihn nicht durchwaten konnte, und riefen den Spaniern zu sie möchten sich nur zu ihnen herüberwagen, ihre drei Gefährten hätten sie schon umgebracht. Nachdem die ganze Mannschaft, welche man auf der Insel zurückgelassen hatte, angelangt war, ließ der Statthalter ein großes Floß aus Baumstämmen erbauen und auf diesem, um den Uebergang besser bewirken zu können, einen Hauptmann mit vierzig Reitern und achtzig Fußgängern über den Fluß setzen, womit man den ganzen Tag, vom Morgen bis zum Abend, zubrachte. Dem Hauptmanne gab er den Auftrag die Feinde anzugreifen, weil sie Aufrührer seyen und die Spanier ermordet hätten; habe er sie aber nach Maaßgabe des begangenen Verbrechens hinlänglich gezüchtigt und sie bäten um Frieden, so solle er sie nach den Befehlen Sr. Majestät gnädig annehmen und im Namen derselben mit ihnen unterhandeln. Darauf brach der Hauptmann mit seinen Leuten auf und marschirte, nachdem er über den Fluß gegangen war, die ganze Nacht hindurch mit den Führern an der Spitze nach dem Orte, wo der Feind stand, griff am Morgen ihr Lager an, worin sie sich festgesetzt hatten, und setzte den ganzen Tag hindurch den Kampf fort, worin eine Menge Feinde verwundet und getödtet und alle, die man lebendig erhaschen konnte, gefangen wurden. Gegen Abend zogen sich die Spanier in einen Ort zurück und am Morgen des folgenden Tages zog die Mannschaft in einzelnen Haufen aus zur Verfolgung der Feinde, welche auf diese Weise gezüchtigt wurden. Als der Hauptmann einsah, daß der Schaden, welchen er ihnen zugefügt, hinreiche, schickte er Boten zu dem Caziken und ließ ihn zum Frieden auffordern. Der Cazike dieser Gegend, welchem den Namen Quilimassa führte, sandte mit den Boten einen seiner Vornehmen und antwortete durch denselben, daß er nur aus großer Furcht vor den Spaniern nicht gewagt habe zu kommen, und daß er, wenn er sich hätte überzeugen können, daß man ihn nicht habe umbringen wollen, sich friedlich genaht haben würde. Der Hauptmann erwiederte dem Boten, es würde seinem Herrn weder Leid noch Schaden zugefügt werden und er möge ohne alle Furcht kommen, der Statthalter würde ihn freundlich als Vasallen Sr. Majestät aufnehmen und ihm das Vergehen, dessen er sich schuldig gemacht habe, verzeihen. Nach dieser Versicherung erschien (freilich immer noch mit großer Bangigkeit) der Cazike nebst einigen Vornehmen. Der Hauptmann empfing ihn freudig mit dem Bemerken, daß man denen, welche sich friedlich näherten, keinen Schaden zufügen dürfe, obschon sie sich empört hätten, und weil er sich gestellt habe, so solle fürder kein Krieg mehr seyn und er könne das Volk in seine Wohnplätze zurückkehren lassen. Darauf ließ der Hauptmann die Lebensmittel, die sich vorfanden, auf die andere Seite des Flusses bringen und ging mit der Mannschaft an den Ort zurück, wo er den Statthalter verlassen hatte. Mit sich führte er den Caziken und die indianischen Vornehmen und stattete dem Statthalter Bericht ab über das was geschehen war. Dieser dankte Gott für die bewiesene Gnade, indem er ihnen den Sieg verliehen, ohne daß ein einziger Christ verwundet wurde, und befahl seinen Leuten der Ruhe zu pflegen. Den Caziken fragte er, warum er sich empört und die Christen ermordet habe, da er doch von ihm so gut behandelt worden sey, da er ihm ferner einen großen Theil der Mannschaft, die ihm der Cazike der Insel hinweggenommen, zurückgegeben und auch die Hauptleute, welche seinen Wohnort verbrannt hätten, ausgeliefert habe, um sie zur verdienten Strafe zu ziehen; man habe geglaubt, daß er diese Wohlthaten dankbar anerkennen und treu bleiben würde. Der Cazike antwortete: »Ich weiß wohl, daß einige meiner angesehensten Leute, welche die Flöße führten, drei Christen festnahmen und sie ermordeten; ich war zwar nicht dabei, fürchtete aber doch, daß man die Schuld auf mich werfen möge.« »So schafft mir, entgegnete Pizarro, die Leute, welche es gethan haben, herbei und das Volk mag in seine Wohnorte zurückkehren.« Der Cazike ließ nun sein Volk und die Vornehmen herbeirufen, gab aber darauf den Bescheid, daß man der Mörder der Christen nicht habhaft werden könne, weil sie aus seinem Gebiete entwichen seyen. Der Statthalter hielt sich noch einige Tage hier auf, sah aber wohl ein, daß die des Mordes beschuldigten Indianer nicht aufzutreiben seyen; auch der Ort Tumbez selbst war verödet, obschon er immer noch wichtig genug schien, und zwar hauptsächlich einiger daselbst befindlichen Gebäude und zweier befestigten Häuser wegen, von denen das eine mit einem doppelten Erdwalle umgeben und mit Höfen, Gemächern und Thoren wohl eingerichtet war, so daß es bei den Indianern schon als eine vorzügliche Festung galt. Die Ursachen der Verödung waren nach der Angabe der Eingeborenen eine große Seuche, welche sie heimsuchte und der Krieg, den sie mit dem Caziken der Insel führten. Da nun in der ganzen Gegend außer den Unterthanen des Caziken weiter keine Indianer anzutreffen waren, so beschloß der Statthalter mit einem Theil des Fußvolks und der Reiterei aufzubrechen und eine andere besser bevölkerte Provinz aufzusuchen, um daselbst eine Colonie anzulegen. Er machte sich also, nachdem er bei den Leuten, die zur Bewachung des Gepäcks zurückblieben, einen Stellvertreter gelassen hatte, auf den Weg; Der Cazike hielt Friede und sammelte das Volk wieder in seinen Wohnorten. 7. Fortsetzung des Wegs bis zum Flusse Turicarami. Freiwillige Unterwerfung der Caziken. Züchtigung einiger Caziken im Gebirge und an der Küste. Gründung der Colonie San Miguel de Piura. Am ersten Tage der Abreise von Tumbez, welcher auf den 16 Mai 1532 fällt, kam der Statthalter an einen kleinen Ort und nach den drei folgenden Tagen an einen Ort, der zwischen Bergen lag. Der Cazike und Herr desselben erhielt den Namen Juan. Hier rastete er drei Tage und nach wieder drei Tagen erreichte er das Ufer eines Flusses, wo er eine zahlreiche Bevölkerung, eine Menge von Landeserzeugnissen und Heerden von Schafen (Lamas) fand. Die Straße war ganz von Menschenhänden angelegt, breit, gut gebaut und an einigen schwierigen Stellen gepflastert. Als an diesem Flusse, welcher den Namen Tuncarami Er heißt jetzt Rio de Piura oder Rio de Sechura. führt, angelangt war, schlug er in einem Orte, der Puetschio hieß, sein Lager auf. Fast alle Caziken, welche am Flusse abwärts wohnten, kamen friedlich zu dem Statthalter und die Bewohner des Ortes eilten ihm schon auf dem Wege zum Empfange entgegen. Er nahm sie alle mit vielem Wohlwollen auf und verkündete ihnen den ihm von Sr. Majestät gewordenen Auftrag, sie zur Erkenntniß des wahren Glaubens so wie zum Gehorsam gegen die Kirche und Se. Majestät hinzuführen. Nachdem ihnen die Anrede des Statthalters durch die Dolmetscher klar geworden war, erwiederten sie, daß sie seine Vasallen seyn wollten; er nahm sie als solche mit den erforderlichen Feierlichkeiten an und sie leisteten von jetzt an Dienste und lieferten Lebensmittel. Ehe man zu dem erwähnten Orte gelangt, ungefähr in der Entfernung eines Armbrustschusses, liegt ein großer Platz mit einer von einem Walle umgebenen Festung und vielen Gemächern im Innern; hier ließen sich die Spanier nieder, um den Einwohnern nicht zur Last zu fallen. Der Statthalter ließ auch unter Androhung schwerer Strafe verkünden, daß Niemand weder diesen, noch allen andern, die sich friedlich nahten, irgend einen Schaden an ihrem Leibe oder au ihrem Gute zufüge; daß man nicht mehr Lebensmittel nehme, als sie selbst freiwillig zum Unterhalte der Spanier lieferten und daß die Strafe an den Zuwiderhandelnden alsbald solle vollzogen werden, da die Eingeborenen jeden Tag so viel Lebensmittel und Futter für die Pferde herbeibrachten, als nöthig war und überhaupt alles thaten, was ihnen befohlen wurde. Da der Statthalter sah, daß das Ufer des Flusses fruchtbar und sehr bevölkert war, so ließ er die Umgegend untersuchen und nachforschen, ob sich ein Hafen an einer vortheilhaften Stelle finde; man entdeckte einen sehr guten Hafen an der Küste nicht weit von dem Ufer des Flusses, und Caziken, welche über eine zahlreiche Bevölkerung herrschten, und zwar an Orten, von wo man leicht zur Dienstleistung an den Fluß gelangen konnte. Er besuchte auch selbst alle Orte, und die Gegend schien ihm, nachdem er sich von ihrem Zustande überzeugt hatte, zur Anlegung einer spanischen Colonie geeignet. Um nun dem Willen Sr. Majestät nachzukommen und die Eingeborenen zur Bekehrung und zur Erkenntniß unseres heiligen katholischen Glaubens hinzuleiten, schickte er einen Boten nach Tumbez, um die Spanier, welche dort zurückgeblieben waren, herbeizurufen, damit die Colonie im Einverständniß mit den von Sr. Majestät dazu bestimmten Leuten an einer seinem Dienste und dem Wohl der Eingebornen am besten entsprechenden Stelle angelegt würde. Vor der Absendung des Boten überlegte er wohl, daß die Ankunft der Leute sich sehr verzögern würde, wenn dieser nicht ein Mann wäre, der dem Caziken und den Indianern von Tumbez hinlängliche Furcht einzuflößen wisse, um sie zur Förderung des Marsches der Mannschaft zu bewegen; er schickte deßhalb seinen Bruder, den Generalcapitän Hernando Pizarro. Unterdessen erfuhr der Statthalter, daß einige Caziken, welche in dem Gebirge wohnten, von einer friedlichen Annäherung nichts wissen wollten, obschon sie durch die Befehle Sr. Majestät dazu waren aufgefordert worden; er schickte also einen Hauptmann mit 25 Reitern und einer Anzahl Fußvolk ab, um sie zum Dienste Sr. Majestät zu zwingen. Der Hauptmann fand sie außerhalb ihrer Wohnorte und ließ sie auffordern sich ihm friedlich zu nähern; da sie aber mit den Waffen in der Hand anrückten, so machte der Hauptmann einen Angriff auf sie und verwundete und tödtete in kurzer Zeit so viele Indianer, daß die übrigen sich durch die Flucht retteten. Er ließ sie nun wiederholt auffordern sich friedlich zu nähern, wenn er sie nicht bis zu ihrer gänzlichen Ausrottung bekriegen solle. Sie kamen darauf friedlich herbei und er empfing sie. Nachdem auf diese Weise die ganze Provinz beruhigt war, kehrte er nach dem Orte, wo sich der Statthalter aufhielt, zurück und führte die Caziken mit sich. Der Statthalter empfing sie mit vieler Zuvorkommenheit und befahl ihnen in ihre Wohnorte zurückzukehren und ihr Volk wieder darin zu sammeln. Der Hauptmann berichtete, daß er in den Orten der Caziken des Gebirgs Minen seinen Silbers, welches die Anwohner ausbeuteten und von dem er Proben mitbrachte, angetroffen habe und daß diese Minen zwanzig Meilen von ihrem jetzigen Aufenthaltsorte entfernt seyen. Der Hauptmann, welcher zur Abholung der Mannschaft nach Tumbez geschickt worden war, kehrte mit derselben nach dreißig Tagen zurück; ein Theil derselben kam mit dem Gepäcke zur See in einem größeren Schiffe, einer Barke und auf Flößen. Diese Fahrzeuge waren von Panama mit Waaren angelangt, brachten aber keine Mannschaft, weil der Hauptmann Diego de Almagro in diesem Hafen eine Flotte ausrüstete, mit welcher er nach Tumbez segeln wollte, um daselbst auf eigene Hand eine Colonie anzulegen. Als der Statthalter die Ankunft der Schiffe erfuhr, ging er, um das Ausladen des Gepäcks zu beschleunigen und es stromaufwärts zu schaffen, mit einiger Mannschaft von dem Orte Puetschio an dem Flusse hinab. Als er an die Küste kam, wo ein Cazike, der Latschira hieß, wohnte, fand er eine Anzahl Christen, welche bereits ausgeschifft waren und sich beklagten, daß der Cazike sie schlecht behandelt habe und daß sie die vergangene Nacht aus Furcht nicht hätten schlafen können, weil sie die Indianer in großer Aufregung und mit ihren Anführern an der Spitze hin- und hergehen sahen. Der Statthalter zog Erkundigungen bei den Indianern des Landes ein und erfuhr, daß der Cazike von Latschira Die älteren spanischen Geschichtschreiber legten den Caziken oft den Namen ihres Landes so wie umgekehrt den Ländern die Namen ihrer Caziken bei; deßhalb heißt es hier abwechselnd bald der Cazike Latschira und bald der Cazike von Latschira. mit seinen Häuptlingen und ein anderer Cazike, welcher Almotache hieß, die Uebereinkunft getroffen hatten, die Christen gerade an dem Tage, an welchem er angekommen war, zu ermorden. Auf diese Nachricht hin ließ er den Caziken von Almotache und die indianischen Häuptlinge heimlich aufheben, er selbst nahm den Caziken von Latschira gefangen nebst einigen seiner Häuptlinge, welche das Verbrechen eingestanden. Der Statthalter befahl auf der Stelle Gerechtigkeit zu üben und den Caziken von Almotache sammt seinen Häuptlingen und einigen andern Indianern, so wie auch alle Häuptlinge von Latschira zu verbrennen. An dem Caziken von Latschira selbst wurde diese Strafe nicht vollzogen, weil keine so große Schuld auf ihn zu fallen und er von seinen Häuptlingen gezwungen zu seyn schien; auch wollte man nicht diese Oerter dadurch, daß man beide ohne Oberhaupt ließ, zu Grunde richten. Man bedeutete ihm aber, daß er sich fernerhin gut aufführen möge, weil man ihm bei dem ersten Vergehen nicht mehr verzeihen würde; daß er ferner sowohl seine Unterthanen als auch die des Almotache wieder sammeln und sie beherrschen solle, bis der Erbe der Herrschaft des Almotache, ein unmündiges Kind, das erforderliche Alter erreicht hätte, um selbst regieren zu können. Diese Züchtigung verbreitete übrigens in der ganzen Gegend einen solchen Schrecken, daß ein Bündiß, welches, wie man sagte, alle Bewohner des Landes geschlossen hatten, um über den Statthalter und die Spanier herzufallen, sich auflöste und fernerhin alle weit bereitwilliger und mit größerer Furcht als vorher Dienste leisteten. Nachdem diese Handlung der Gerechtigkeit vollbracht und die ganze von Tumbez gekommene Mannschaft nebst ihrem Gepäck beisammen war; nachdem ferner der ehrwürdige Vater Vicente de Valverde, ein Mönch aus dem Orden des heil. Dominicus, und die Beamten Sr. Majestät die Gegend und das Ufer untersucht hatten, so schuf und gründete der Statthalter (weil die Stelle alle Bedingungen und Eigenschaften eines von den Spaniern anzubauenden Landes in sich vereinigte und weil man auf die Erhaltung der Eingeborenen nach dem Willen Sr. Majestät besondere Rücksicht nehmen mußte) mit Uebereinstimmung der genannten Leute und nach den Befehlen und im Namen Sr. Majestät eine Stadt. Sie lag am Ufer des erwähnten Flusses, sechs Meilen von dem Hafen am Meere, in einem von einem Caziken beherrschten Gebiete, welches Tangarara hieß und erhielt den Namen San Miguel. Die von Pizarro im Jahr 1531 im Gebiete Tangarara (noch andern Targasola) gegründete Stadt San Miguel de Piura wurde später ihrer ungesunden Lage wegen verlassen und an ihren jetzigen Ort am Rande der Sandebene von Sechura verlegt. Um die Schiffe, welche von Panama gekommen waren, nicht durch Verlängerung ihres Aufenthalts Gefahren auszusetzen, ließ er im Einverständniß mit den Bevollmächtigten Sr. Majestät das Gold, welches die eben genannten Caziken und der Cazike von Tumbez als Geschenk gegeben hatten, einschmelzen, schied davon den fünften Theil, welcher Sr. Majestät gehört, und nahm den Rest, welcher der Gesellschaft zukam, von seinen Gefährten als Anlehen, das mit dem ersten Golde, welches man erhalten würde, zurückerstattet werden sollte. Mit dem geliehenen Golde beförderte er die Schiffe und bezahlte das Miethgeld; die Kaufleute setzten ihre Waaren ab und traten die Rückreise an. Seinem Gefährten, dem Hauptmanne Almagro, ließ er andeuten, wie wenig er durch sein Vorhaben, eine neue Stadt zu gründen, Gott und Sr. Majestät diene, indem dadurch alle seine Pläne vereitelt würden. Nachdem der Statthalter die Schiffe abgefördert hatte, vertheilte er unter die Leute, welche sich in der neuen Colonie niederließen, die Ländereien und Bauplätze. Da aber die Ansiedler ohne die Hülfe und Dienstleistung der Eingeborenen nicht bestehen und den Ort nicht anbauen konnten, die Eingeborenen aber bei ihren Dienstleistungen großen Nachtheil hätten leiden müssen, wenn die Caziken nicht unter den Augen von Leuten, die ihnen gebieten konnten, gewesen wären, und nur dann ihre gute Behandlung und ihre Sicherheit gewährleistet ist, wenn die Spanier mit den Indianern, welche die Regierung führen, in näherem Verhältnisse stehen, so übergab der Statthalter, weil es so dem Dienste Gottes und dem Wohl der Eingeborenen am angemessensten schien, in Uebereinstimmung mit dem Dominicanermönche und den Beamten den Ansiedlern des Otis die Caziken und die Indianer, und zwar sollten diese zur Erhaltung jener beitragen, die Christen aber diese nach dem Willen Sr. Majestät in unserem heiligen Glauben unterrichten, und dabei solle es verbleiben, bis man etwa Geeigneteres zum Dienste Gottes, zum Frommen des Königs, der Colonie und der Landeseingeborenen verfügen würde. Auch wurden Gerichtsvorsteher, Schöffen und andere öffentliche Beamten ernannt und diesen Verhaltungsbefehle, nach denen sie sich zu richten hatten, gegeben. 8. Erste Nachricht von dem mächtigen Caziken Atabaliba. Pizarro bricht auf, um gegen ihn zu ziehen. Piura. Cara. Der Statthalter vernahm unterdessen, daß man auf dem Wege nach Chincha und Cuzco hin viele große, fruchtbare Oerter antreffe und daß zehn oder fünfzehn Tagreisen von seinem Aufenthaltsorte ein gut bevölkertes Thal liege, das Caxamalca heiße und in welchem Atabaliba, gegenwärtig der Oberherr der Eingeborenen, dem alle gehorchten, wohne. Dieser war aus seinem Vaterlande, einer fernen Gegend, als Eroberer herangezogen, und als er in die Provinz Caxamalca kam, blieb er, weil er sie sehr reich und reizend fand, in derselben und machte von hier aus noch weitere Eroberungen. Weil nun dieser Herr sehr gefürchtet war, so zeigten sich die Anwohner des Flusses (Turicarami) im Dienste Sr. Majestät nicht so eifrig als es sich geziemte, sondern hielten mehr zu Atabaliba und erklärten, daß sie nur diesen und keinen andern als ihren Herrn anerkennten, daß ein kleiner Theil seines Kriegsvolkes hinreiche alle Christen zu vernichten und daß schon seine gewohnte Grausamkeit allenthalben Schrecken verbreite. Der Statthalter entschloß sich also aufzubrechen und Atabaliba aufzusuchen, um ihn Sr. Majestät dienstbar zu machen und die ihn zunächst umgebenden Provinzen zu unterwerfen; wenn der Oberherr besiegt sey, dachte er, so würde das übrige Land leicht zu unterwerfen seyn. Am 24. September 1532 machte er sich von San Miguel aus zur Aufsuchung Atabaliba's auf den Weg, und am ersten Tage seines Marsches setzten die Mannschaft auf zwei Floßen und die Pferde schwimmend über den Fluß. Die erste Nacht blieb er in einem Orte auf dem andern Ufer des Flusses. Nach drei Tagen erreichte er im Thale Piura die Festung eines Caziken, wo er einen Hauptmann mit einigen Spaniern antraf, den er dahin geschickt hatte, um mit dem Caziken zu unterhandeln, damit dieser den Caziken von San Miguel nicht beunruhige. Der Statthalter blieb hier zehn Tage, versah sich mit allem zu seiner Reise Nöthigen; er zählte die mitgebrachten Leute und es fanden sich 67 Reiter und 110 Fußgänger, darunter waren drei Büchsenschützen und einige Armbrustschützen. Da der Befehlshaber von San Miguel geschrieben hatte, daß dort nur sehr wenige Spanier geblieben seyen, so ließ er bekannt machen, daß er allen, welche wollten, gestatte, sich in der Stadt San Miguel anzusiedeln und daß er ihnen, wie den übrigen Ansiedlern welche sich bereits dort befänden, Indianer zu ihrer Unterstützung zutheilen würde; er selbst aber wolle mit denen, die bei ihm blieben, seyen es nun viele oder wenige, seine Eroberung fortsetzen. Fünf Reiter und vier Fußgänger kehrten zurück und die Zahl der Ansiedler belief sich nun auf 55, nebst zehn oder zwölf Spaniern, die sich, ohne eine feste Niederlassung zu suchen, freiwillig dort aufhielten; bei dem Statthalter blieben 62 Reiter und 102 Fußgänger. Darauf ließ er Leute und Pferde, denen es noch noth that, ausrüsten, bildete von neuem das Armbrustschützencorps, welches er auf zwanzig Mann brachte, und gab ihm einen Hauptmann, der für dasselbe zu sorgen hatte. Nachdem er so alle nöthigen Vorkehrungen getroffen hatte, brach er mit seiner Mannschaft auf und erreichte, nachdem er seinen Weg bis zum Mittag fortgesetzt hatte, einen großen mit einem Erdwalle umgebenen Platz, welcher einem Caziken, der Pabor hieß, gehörte. Der Statthalter machte hier mit seiner Mannschaft Rast und überzeugte sich, daß der Cazike früher ein mächtiger Herr, jetzt aber sehr heruntergekommen war, weil der ältere Cuzeo, Atabaliba's Vater, ihm zwanzig Oerter zerstört und die Einwohner ermordet hatte; er besaß übrigens bei all diesem Schaden noch eine bedeutende Anzahl von Unterthanen und hatte ein Bündniß mit seinem Bruder, der ein eben so mächtiger Herr als er war. Beide hielten Frieden und als Aufenthaltsort war ihnen San Miguel angewiesen. Die Stadt so wie auch der Ort Piura liegen in ebenen, sehr fruchtbaren Thälern. Der Statthalter zog hier Erkundigungen über die benachbarten Oerter und Caziken und über den Weg nach Caxamalca ein und erfuhr, daß zwei Tagreisen weiter ein großer Ort liege, der Caxas heiße, und daß darin eine Besatzung Atabaliba's stehe, welche auf die Ankunft der Christen, wenn sie diesen Weg einschlügen, vorbereitet seyen. Auf diese Nachricht schickte er heimlich einen Hauptmann mit Fußvolk und Reiterei nach Caxas, mit dem Befehl, die Leute Atabaliba's, wenn sich deren dort fänden, nicht gewaltsam zu behandeln, sondern zu versuchen ein friedliches Einverständniß mit ihnen anzuknüpfen und sie der Botmäßigkeit Sr. Majestät, nachdem sie ihnen deren Befehle kund gethan, zu unterwerfen. Der Hauptmann brach noch an demselben Tage auf; am folgenden Tage setzte auch der Statthalter seinen Weg fort und kam zu einem Orte, welcher Çaran hieß, wo er den Hauptmann, der nach Caxas gezogen war, erwartete. Der Cazike des Ortes schickte nach einer Festung, wo der Statthalter um Mittag angelangt war, als Lebensmittel Schafe (Lamas) und andere Dinge. Am andern Tage verließ Pizarro die Festung und kam in den Ort Çaran selbst, wo er bis zur Zurückkunft des erwähnten Hauptmanns von Caxas sein Lager aufschlagen ließ. Dieser schickte nach fünf Tagen einen Boten an den Statthalter, um ihn über den Erfolg seiner Bemühungen zu unterrichten. Der Statthalter erwiederte ihm sogleich, daß er ihn an seinem Rastplatze erwarte und daß er nach Vollbringung seines Auftrags sogleich zu ihm stoßen, auf dem Wege aber einen andern Ort, der in der Nähe der Stadt Caxas liege und Gicabamba heiße, besuchen und unterwerfen solle; zugleich that er ihm zu wissen, daß der Cazike von Çaran, welcher gute Oerter und ein fruchtbares Thal beherrsche, in der Gewalt der Ansiedler von San Miguel sey. Der Statthalter wartete acht Tage auf den Hauptmann, und während dieser Zeit setzten sich die Spanier in guten Stand und richteten ihre Pferde für den Marsch und die Eroberung her. 9. Nachricht über Caxas und Cuzco. Der Ort Guacamba. Eine Gesandtschaft Atabaliba's. Als der Hauptmann mit seinen Leuten angekommen war, berichtete er dem Statthalter alles was er an den erwähnten Orten gesehen, daß er zwei Tage und eine Nacht gebraucht, um nach Caxas zu gelangen, obschon man nur während der Essenszeit gerastet und hohe Berge überstiegen hatte, um die Stadt durch Ueberrumpelung zu nehmen, und daß er sie bei aller dieser Vorsicht und trotz der guten Führer nicht erreichen konnte, ohne den Spionen der Stadt zu begegnen. Von einigen derselben, welche man festnahm, erhielt man Nachricht über die Anzahl der Bevölkerung. Die Christen stellten sich darauf in Ordnung, setzten ihren Weg bis zur Stadt fort und bemerkten bei dem Einzug in dieselbe Spuren eines Lagers, worin Kriegsvolk gestanden zu haben schien. Die Stadt Caxas liegt in einem kleinen Thale zwischen Bergen; die Bevölkerung zeigte einige Bestürzung, der Hauptmann beruhigte sie aber und that ihnen kund, daß er von dem Statthalter gesendet sey, um sie als Unterthanen des Kaisers in Pflicht zu nehmen. Darauf erschien auch ein Beamter, welcher nach seinem Vorgeben in Atabaliba's Dienst stand und die Abgaben dieser Städte einzunehmen hatte. Bei diesem erkundigten sie sich über den Weg nach Caxamalca, über die Gesinnung Atabaliba's und wie dieser wohl die Christen empfangen würde, so wie auch über die Stadt Cuzco. Diese, erfuhren sie, liege noch dreißig Tagreisen weiter und habe eine Meile Bei Xeres heißt es ausdrücklich: »que tiene la cerca una legua de andadura«; legua ist aber wohl nur ein Schreib- oder Druckfehler, statt jornada (Tagreise), denn schon die alte gleichzeitige italienische Uebersetzung sagt: »che girava il suo muro, che la cingea, und giornata di cammino« im Umfange; der Palast des Caziken sey vier Armbrustschüsse lang, darin befinde sich ein Saal, in welchem der alte Cuzco gestorben sey, dessen Fußboden aus Silber bestehe und dessen Decke und Wände mit abwechselnd aneinandergefügten Gold- und Silberplatten getäfelt seyen. Alle diese Städte hätten Cuzco, dem Sohne des alten Cuzco, angehört, bis vor einem Jahre sich sein Bruder Atabaliba empört, das Land erobert, große Abgaben und Steuern aufgelegt und täglich schreckliche Grausamkeiten verübt habe, wie denn die Bewohner außer dem Tribut, welchen sie von ihrem Besitzthum und ihren Einkünften bezahlten, auch noch einen solchen von ihren Söhnen und Töchtern entrichten müßten. Man hörte ferner von dem Beamten, daß Atabaliba in dem erwähnten Lager gestanden habe und erst vor wenigen Tagen mit einem Theile seines Heeres aufgebrochen sey, daß sich in der Stadt Caxas ein großes, festes, mit Erdmauern umgebenes und mit Thoren versehenes Haus befinde, in welchem viele Weiber mit Spinnen und Kleiderweben für das Heer des Atabaliba beschäftigt seyen und dem sich außer den Thürstehern, welche sie bewachten, kein anderer Mann nahen dürfe. An dem Eingange der Stadt waren mehrere Indianer an den Füßen aufgehängt; man erfuhr jetzt, daß Atabaliba sie habe hinrichten lassen, weil einer von ihnen in das Haus der Weiber geschlichen war, um bei einer derselben zu schlafen; er sowohl als auch alle Thürsteher, welche um die Sache wußten, wurden gehängt. Nachdem der Hauptmann den Ort Caxas unterworfen hatte, begab er sich nach einem andern, der Guacamba Wahrscheinlich ein und derselbe Ort mit dem oben erwähnten Gicabamba, welches der Hauptmann besuchen sollte heißt und eine Tagreise von dem ersten entfernt liegt. Er ist größer als Caxas und hat bessere Gebäude; die ganze Festung ist schön aus Stein erbaut und die großen, fünf bis sechs Fuß breiten Steine sind so gut mit einander verbunden, daß keine Fuge zwischen ihnen zu seyn scheint; das terrassenförmige Dach besteht ebenfalls aus behauenen Steinen und zwei steinerne Treppen führen zwischen den beiden Flügeln des Gebäudes aufwärts. In der Mitte zwischen beiden Orten läuft ein kleiner Fluß, welchen die Einwohner benützen, und über ihn führen Brücken und wohlunterhaltene Wege. Durch beide Orte zieht auch eine von Menschenhänden angelegte Heerstraße, welche sich durch das ganze Land von Cuzco bis Quito, also weiter als dreihundert Meilen erstreckt. Sie ist eben, im Gebirge sehr gut gearbeitet und so breit daß sechs Reiter nebeneinander reiten können, ohne sich zu berühren. Neben der Straße ziehen sich von andern Orten hergeleitete Wassercanäle hin, damit die Wanderer sich erfrischen können. In der Entfernung einer Tagreise steht jedesmal ein Gebäude, welches einem Wirthshause gleicht und in welchem die Hin- und herreisenden ausruhen. Am Eingange in diese Straße in der Stadt Caxas steht am Anfange einer Brücke ein Haus, in welchem ein Wächter sitzt, der den Gehenden und Kommenden das Weggeld abnimmt; man bezahlt dieses in denselben Gegenständen, welche man mit sich führt. Niemand kann eine Last aus dem Orte fortschaffen, wenn er nicht auch eine dahin bringt. Dieser Gebrauch stammt aus alten Zeiten her, und Atabaliba hob ihn nur für das, was seine Garnisonsmannschaft fortbrachte, auf. Kein Reisender darf bei Todesstrafe mit einer Last auf einem andern Wege ein- oder ausgehen, als auf dem wo der Wächter seinen Sitz hat. – Der Hauptmann berichtete ferner, daß er an beiden Orten zwei Häuser angetroffen habe, welche mit Schuhen, Salzbroden, einem Mundvorrathe, welcher Fleischklöschen glich, und andern Dingen für die Bedürfnisse des Heeres Atabaliba's angefüllt war. Er bemerkte auch, daß in diesen Städten eine gute Ordnung herrsche und man sehr geregelt lebe. Mit dem Hauptmann kam ein indianischer Häuptling nebst mehreren andern Leuten, welcher den Auftrag hatte dem Statthalter ein Geschenk zu überbringen. Der Gesandte sagte dem Statthalter, daß ihn sein Gebieter Atabaliba von Caxamalca her geschickt habe, um das Geschenk zu überreichen, welches in einem aus Stein gearbeiteten Brunnen, welcher zwei Festungen vorstellte und aus dem man trinken konnte, und in zwei Lasten getrockneter abgehäuteter Gänse bestand, aus welchen Pulver bereitet werden sollte, um sich damit zu parfümiren, wie es bei den Vornehmen des Landes Sitte war. Der Gesandte meldete ferner, daß sein Gebieter sehr die Freundschaft des Statthalters zu erlangen wünsche und daß er ihn in friedlicher Gesinnung zu Caxamalca erwarte. Der Statthalter nahm das Geschenk an, behandelte den Ueberbringer sehr zuvorkommend und versicherte ihm, daß er sich sehr über seine Ankunft freue, weil er der Abgesandte Atabaliba's sey, welchen er nach den Nachrichten, die er von ihm gehört, bald zu sehen wünsche, und weil er vernommen, daß er mit seinen Feinden im Kriege liege, so habe er sich entschlossen ihn aufzusuchen, sein Freund und Bruder zu werden und ihn bei seinen Eroberungen mit den Christen, die er mit sich führe, zu unterstützen. Darauf befahl er dem Abgeordneten und seinen Begleitern zu essen und alles wessen sie bedürften zu geben, und sie überhaupt so zu behandeln, wie es den Geschäftsträgern eines so großen Fürsten gebühre. Nachdem sie ausgeruht hatten, ließ er sie wieder vor sich kommen und bemerkte ihnen, daß wenn sie abreisen oder noch einen Tag bleiben wollten, sie seine volle Einwilligung hätten. Der Abgesandte erwiederte, sie wünschten mit dem erhaltenen Bescheide zu ihrem Gebieter zurückzukehren; worauf der Statthalter zu ihm sprach: »Verkünde deinem Herrn was ich dir gesagt habe, und daß ich mich auf dem Wege an keinem Orte aufhalten würde, um desto eher bei ihm einzutreffen.« Zuletzt überreichte er ihm ein Hemd und andere aus Spanien mitgebrachte Gegenstände, um sie mit sich zu nehmen. 10. Pizarro setzt seinen Marsch fort. Der Ort Motur. Einiges über die Sitten und Gebräuche der Peruaner. Nach der Abreise des Gesandten blieb der Statthalter noch zwei Tage, weil die von Caxas gekommene Mannschaft von dem Marsche ermüdet war, und erstattete während dieser Zeit an die Colonisten der Stadt San Miguel Bericht über die Beschaffenheit des Landes so wie über die Nachrichten, welche er von Atabaliba vernommen hatte, und schickte ihnen die beiden Festungen und im Lande gefertigte wollene Zeuge, die von Caxas gekommen waren. – In Spanien wußte man später diese Zeuge nicht genug zu rühmen und zu schätzen, weil man sie eher für Seide denn für Wolle halten konnte, so wie auch der furchtbaren Arbeit und der aus Gold geschlagenen Figuren wegen, welche sehr kunstreich in das Zeug eingewirkt waren. – Nachdem der Statthalter die Boten nach der Stadt San Miguel befördert hatte, brach er auf und rückte drei Tage vorwärts, ohne einen Ort oder ein Wasser anzutreffen, mit Ausnahme einer geringen Quelle, aus der man sich nur sehr mühsam mit dem nöthigen Vorrath versehen konnte. Am Abend des dritten Tages erreichte man einen großen ummauerten Platz, in dem man aber keine Bewohner fand; man erfuhr übrigens, daß er dem Caziken, welcher Gebieter eines in einem nahen Thale liegenden Ortes sey, der Copiz heiße, angehöre und daß die Festung aus Mangel an Wasser verlassen sey. Am folgenden Tage brach der Statthalter beim Mondscheine auf, weil der nächste Ort eine große Tagreise weiter lag; um Mittag erreichte er ein mit einer Mauer umgebenes Haus mit sehr schönen Gemächern, aus welchem ihm einige Indianer zu seinem Empfange entgegenkamen; weil aber daselbst weder Wasser noch Mundvorrath anzutreffen war, ging er zwei Meilen weiter bis zu dem Orte des Caziken und ließ nach seiner Ankunft daselbst die ganze Mannschaft an einer Stelle beisammen ihr Lager nehmen. Er erfuhr hier von den indianischen Häuptlingen des Dorfes, welches Motur hieß, daß sich der Cazike zu Caxamalca befinde und dreihundert Kriegsleute ausgehoben habe; auch traf er daselbst einen von Atabaliba bestellten Befehlshaber. Er rastete hier vier Tage und während derselben besuchte er einen Theil der Besitzungen des Caziken, welche sich weithin in einem fruchtbaren Thale auszudehnen schienen. Alle Oerter von hier bis zur Stadt San Miguel sind in Thälern erbaut, und ebenso verhält es sich mit allen übrigen, von denen man Kenntniß erhielt und welche bis zu dem Berge in der Nähe von Caxamalca hin liegen. Auf diesem ganzen Wege hat die Bevölkerung eine und dieselbe Lebensweise; die Frauen tragen ein weites Kleid, welches bis zum Boden herabreicht, gerade wie es bei den Frauen Castiliens Sitte ist, die Männer aber kurze Hemden. Das ganze Volk ist schmutzig, ißt Fleisch und Fische völlig roh und nur den Mais gekocht oder geröstet. Ebenso abscheulich sind seine Opfer und seine Moscheen, Zur Zeit der Eroberung Peru's waren kaum dreißig Jahre seit der Vertreibung der Mauren aus Spanien verflossen, und die Spanier waren immer noch gewöhnt alle nichtchristlichen Völker als Moslems zu betrachten und ihre Tempel mit dem ihnen am geläufigsten Namen Moscheen zu benennen. welchen es große Verehrung zollt und darin stets das Beste seiner Habe darbringt. Diese Leute opfern jeden Monat ihre eigenen Angehörigen und Kinder, bestreichen mit dem Blute derselben die Gesichter der Götzen und die Thüren der Moscheen und sprengen davon auch auf die Gräber der Verstorbenen. Die zur Opferung Bestimmten weihen sich gern dem Tode, lachen, tanzen und singen und verlangen selbst, nachdem sie erst weidlich getrunken haben, daß man ihnen die Köpfe abschlage. Uebrigens werden auch Schafe geopfert. Die Moscheen unterscheiden sich dadurch von den übrigen Häusern, daß sie mit Mauern aus Steinen oder Erde umgeben, sehr gut gebaut und stets auf dem höchsten Punkte des Ortes errichtet sind. Zu Tumbez und an den übrigen Orten haben die Bewohner dieselbe Tracht und dieselben Opfer. Sie bestellen ihr Feld dicht an den Flüssen und vertheilen das Wasser in Canälen. Sie ernten viel Mais und andere Saatfrucht und Wurzeln, die ihnen zur Nahrung dienen. Es regnet nur sehr wenig in diesem Lande. Der Statthalter setzte seinen Weg zwei Tage lang durch sehr bevölkerte Thäler fort und nahm nach jedem Tagmarsche sein Nachtlager in einem befestigten, mit einer Erdmauer umgebenen Hause. Die Befehlshaber der einzelnen Orte sagten, daß der ältere Cuzco in diesen Häusern rastete, wann er auf der Reise war. Die Bevölkerung dieser Gegend benahm sich friedfertig. Am folgenden Tage kam man durch eine sandige, dürre Gegend, bis man wieder zu einem gut bevölkerten Thale gelangte, durch welches ein großer reißender Fluß strömt. Da dieser sehr angeschwollen war, so schlug man das Nachtlager am diesseitigen Ufer auf, und der Statthalter befahl einem Hauptmanne mit einigen des Schwimmens kundigen Leuten hinüberzuschwimmen und sich an einem der Wohnplätze des andern Ufers festzusetzen, damit die Eingeborenen nicht etwa den Uebergang streitig machten. Der Hauptmann Hernando Pizarro setzte über den Fluß; die Indianer eines am andern Ufer liegenden Ortes kamen ihm friedlich entgegen und er nahm seinen Aufenthalt in einer ummauerten Festung. Obschon einige Indianer sich ihm friedlich nahten, so bemerkte er doch bald, daß die Bewohner der Umgegend, im Aufstande begriffen, alle Orte verlassen und die Hausgeräthe fortgeschafft waren. Er erkundigte sich nach Atabaliba und fragte, ob dieser friedlich oder mit den Waffen in der Hand die Christen erwarte. Niemand wagte aber aus Furcht vor Atabaliba ihm die Wahrheit zu sagen, bis er einen Häuptling auf die Seite nahm und ihn auf die Folter legte, von welchem er dann erfuhr, daß Atabaliba sie mit einem Kriegsheere erwarte, welches aus drei Abtheilungen bestehe, von denen die eine am Fuße des Berges, die andere auf der Höhe und die letzte zu Caxamalca lagere. Der Häuptling versicherte auch selbst gehört zu haben, wie Atabaliba sich mit großem Uebermuthe rühmte alle Christen umbringen zu wollen. – Am Morgen des folgenden Tages setzte der Hauptmann den Statthalter von dem was er gehört hatte in Kenntniß, und dieser befahl sogleich an beiden Ufern Bäume zu fällen, um die Mannschaft und das Gepäck überzusetzen. Es wurden drei Floße erbaut, auf denen während des ganzen Tages die Truppen übersetzten; die Pferde mußten schwimmen. Während dieser ganzen Arbeit blieb der Statthalter anwesend, bis die gesammte Mannschaft das andere Ufer erreicht hatte. Nachdem er endlich selbst über den Fluß gegangen war, schlug er sein Lager in der Festung auf, wo sich der Hauptmann bereits befand und ließ einen Caziken zu sich kommen, von welchem er erfuhr, daß Atabaliba auf dem Wege nach Caxamalca zu Guamachuco mit einem großen Kriegsheere, das sich auf 50.000 Mann belaufe, stehe. Als er von dieser großen Truppenzahl hörte, glaubte er der Cazike irre sich in der Zählung. Er erkundigte sich also nach seiner Art und Weise zu zählen und erfuhr, daß diese Leute von eins zu zehn und von zehn zu hundert zählen, für tausend sagen sie zehnhundert und das Heer Atabaliba's bestand aus fünfmalzehn zehnhundert (50.000). Der Cazike, von welchem der Statthalter diese Auskunft erhielt, war der bedeutendste von allen an diesem Flusse; er erzählte, daß er sich zur Zeit als Atabaliba in sein Land kam aus Furcht verborgen gehalten habe, und dieser habe ihm, als er ihn an seinen Wohnplätzen nicht fand, von 5000 Indianern, die ihm unterthan gewesen seyen, 4000 getödtet und 600 Weiber und 600 Kinder hinweggenommen, um sie unter sein Kriegsvolk zu vertheilen. Der Cazike, sagte er ferner, welcher Herr des Ortes und der Festung, wo sie sich aufhielten sey, heiße Cinto und befinde sich bei Atabaliba. 11. Absendung eines Caziken als Gesandten an Atabaliba. Fortsetzung des Wegs. Der Statthalter blieb hier noch vier Tage mit seiner Mannschaft. Am Tage vor seinem Aufbruch hatte er eine Unterredung mit einem indianischen Häuptling der Provinz San Miguel und fragte ihn: ob er sich getraue als Spion nach Caxamalca zu gehen und über das was in jener Gegend vorginge Nachricht einzuziehen. Der Indianer erwiederte, daß er als Spion nicht hinzugehen wage, daß er aber als Gesandter zu Atabaliba sich verfügen und mit ihm sprechen wolle; er würde dann erfahren, ob sich Kriegsvolk im Gebirge befinde und welche Absichten Atabaliba habe. Der Statthalter gab ihm sonach den Auftrag, so wie ihm gut dünke zu thun und ihn, wenn sich, wie er vernommen, Kriegsvolk im Gebirge befinde, sogleich durch einen der ihn begleitenden Indianer davon zu benachrichtigen. Er solle ferner mit Atabaliba und seinen Leuten sprechen und ihnen erzählen, wie die friedlich gesinnten Caziken von ihm und den Christen gut behandelt würden und daß diese nur solche bekämpften, welche sich ihnen feindlich entgegenstellten. Er solle über alles was er gesehen die Wahrheit sagen und daß er, wenn Atabaliba sich redlich benehmen würde, sein Freund und Bruder werden, ihn begünstigen und mit ihm in den Krieg ziehen wolle. – Mit diesem Bescheide reiste der Indianer ab, der Statthalter aber setzte seinen Weg durch die Thäler weiter fort und erreichte jeden Tag einen Ort mit einem gleich einer Festung ummauerten Hause. Nach drei Tagen kam er an einen Ort, welcher am Fuße des Gebirgs liegt, und hier ging er rechts von dem Wege ab, welchem er bis jetzt gefolgt war, denn dieser lief durch die Thäler weiter fort bis nach Chincha, der andere aber führte gerade nach Caxamalca. Der Weg nach Chincha, an welchem stattliche Wohnorte lagen, war, wie man erfuhr, bis zum Flusse San Miguel als Heerstraße hergerichtet, und an ihm lief auf beiden Seiten eine Erdmauer hin. Er war so breit, daß zwei Wagen nebeneinander fahren konnten und reichte von Chincha bis nach Cuzco; an vielen Stellen war er an beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt, um ihn schattig zu machen. Cuzco der Aeltere hatte ihn angelegt und dieser reiste auf ihm, wenn er sein Land besuchte und nahm in den erwähnten ummauerten Häusern sein Nachtlager. Einige Spanier waren der Ansicht, daß der Statthalter besser thue, wenn er mit ihnen den Weg nach Chincha einschlage, denn auf dem anderen Wege müsse man, ehe man nach Caxamalca gelange, ein schwieriges Gebirge übersteigen, welches Atabaliba mit Kriegsvolk besetzt habe und wo man auf dem Durchzuge leicht Schaden leiden könne. Der Statthalter aber erwiederte, Atabaliba wisse bereits, daß er ihm, seit er vom Flusse San Miguel aufgebrochen, entgegengehe; wenn er nun einen andern Weg wähle, so würden die Indianer sagen, er wage nicht ihnen entgegenzukommen, und der Hochmuth, den sie jetzt schon hätten, würde sich noch steigern; aus dieser und aus vielen andern Ursachen hielte er es für besser von dem einmal eingeschlagenen Weg nicht abzuweichen, sondern Atabaliba aufzusuchen, wo er sich befände; sie sollten nur alle den Muth zeigen, welchen er von ihnen erwarte, und sich nicht durch die Nachrichten über die Menge Kriegsvolk, welche Atabaliba bei sich habe, schrecken lassen; seyen auch die Christen der Zahl nach weniger, so sey doch der Beistand unseres Herrn hinreichend die Feinde zu besiegen und diese zur Erkenntniß des heiligen katholischen Glaubens zu führen; er habe noch jeden Tag unsern Herrn bei andern weit größeren Gefahren als die gegenwärtige sey Wunder thun sehen, und außerdem kämen sie ja auch in der guten Absicht, diese Ungläubigen zur Erkenntniß der Wahrheit zu führen, ohne irgend einem andern ein Leid oder Schaden zuzufügen, als denen, welche sich ihrem Willen zu widersetzen oder sie mit den Waffen zu bekämpfen versuchten. Nachdem der Statthalter auf diese Weise seine Gründe dargelegt, erklärten alle, er möge nur den Weg, welchen er für den geeignetsten halte, einschlagen, sie würden ihm alle beherzt folgen, und wenn die Zeit zum Handeln gekommen sey, so solle er sehen, was jeder von ihnen zu leisten vermöge. – Nach der Ankunft am Fuße des Gebirges rasteten sie einen Tag, um die zum Uebergange nöthigen Vorkehrungen zu treffen. Nachdem der Statthalter mit sachverständigen Leuten Berathung gepflogen hatte, entschloß er sich eine Nachhut mit dem Gepäcke zurückzulassen und nahm nur 40 Reiter und 60 Fußgänger mit sich; die andern übergab er einem Hauptmanne mit dem Befehle, ihm stets in gleicher Entfernung nachzufolgen, und mit dem Bedeuten, daß er ihm stets würde Bescheid zukommen lassen, wie er sich zu verhalten habe. Nach dieser Verständigung fing der Statthalter an aufwärts zu steigen; die Reiter führten ihre Pferde an der Hand. Um Mittag kam man an eine ummauerte Festung auf einer Anhöhe in einem so schwierigen Passe, daß sich hier wenige Christen gegen ein großes Kriegsheer vertheidigen könnten, denn der Weg war so steil, daß man an manchen Stellen wie auf Leitern aufwärts klettern mußte, und man konnte an keinem andern Punkte das Gebirg übersteigen, als nur auf diesem einzigen Wege. Man zog durch den Paß, ohne daß ihn Jemand vertheidigte; die Festung ist durch eine Steinmauer eingeschlossen und liegt auf einer von Felsspitzen umgebenen Anhöhe; der Statthalter ruhte hier aus und nahm sein Mittagsmahl ein. Auf dieser Höhe war es so kalt, daß manche von den Pferden, welche schon die in den Thälern herrschende Hitze gewöhnt waren, sich erkälteten. Von hier ging der Statthalter weiter, um an einem anderen Orte zu übernachten, zuvor aber schickte er einen Boten an die Nachkommenden und ließ ihnen melden, daß sie völlig sicher durch den Paß ziehen könnten, daß sie sich aber eilen sollten, um die Nacht in der Festung zubringen zu können. Er selbst schlug sein Nachtlager an dem erwähnten weiteren Orte auf, in einem festen Hause, das mit einer aus gut behauenen und verbundenen Steinen erbauten, mit Thoren versehenen Mauer, gleich einer der besten Festungen in Spanien, umgeben war; und hätte man in diesem Lande spanische Bauleute und Werkzeuge verwendet, so würde die Einfassungsmauer nicht besser gerathen seyn. Die Einwohner des Ortes waren entflohen, mit Ausnahme einiger Weiber und weniger Indianer. Der Statthalter befahl einem Hauptmanne einige der letzteren aufzuheben, und dieser ergriff zwei der angesehensten; man fragte jeden derselben einzeln über die Beschaffenheit des Landes, wo Atabaliba stehe und ob er friedliche oder kriegerische Absichten hege? Der Hauptmann erfuhr von ihnen, daß sich Atabaliba seit drei Tagen zu Caxamalca befinde und viel Kriegsvolk bei sich habe; seine Absichten kennten sie zwar nicht, wohl aber hätten sie stets gehört, daß er mit den Christen Frieden zu halten wünsche; die Einwohnerschaft des Ortes, wo man sich eben befinde, stände übrigens auf der Seite Atabaliba's. Als die Sonne schon am Untergehen war, langte ein Mann von dem Gefolge des indianischen Häuptlings, welchen man als Botschafter abgesendet hatte, an und meldete, daß er aus der Gegend von Caxamalca als Bote zurückkomme, weil man dort zwei Gesandten Atabaliba's begegnet sey, welche ihm folgten und am andern Tage schon eintreffen würden, daß Atabaliba sich zu Caxamalca befinde und daß sein Gebieter nicht rasten wolle, bis er mit diesem gesprochen habe und die Antwort zurückbringen könne; auf dem Wege habe er übrigens nirgends Kriegsvolk angetroffen. Der Statthalter ließ sogleich den Hauptmann, welcher mit dem Gepäcke ihm nachfolgte, durch ein Schreiben alles dieses wissen, so wie auch, daß er am nächsten Tage nur eine kleine Strecke vorrücken würde, um ihn zu erwarten, und daß dann die ganze Mannschaft wieder zusammen weiterziehen solle. Am Morgen des folgenden Tages setzte er mit seinen Leuten den Weg fort, erstieg vollends das Gebirge und blieb auf der Hochebene, in der Nähe einiger Bäche, um die Nachkommenden zu erwarten. Die Spanier lagerten sich unter ihren baumwollenen Zelten, welche sie mit sich führten, und zündeten Feuer an, um sich gegen die große Kälte, welche man auf dem Gebirge empfand, zu schützen, denn in den Ebenen von ganz Castilien herrscht nirgends eine solche Kälte, wie auf dieser Höhe, welche eine zusammenhängende Fläche bildet und mit einer Pflanze, welche kurzem Pfriemengras Esparto corto; stipa tenacissima Lin. gleicht, durchaus bedeckt ist. Nur wenige Bäume stehen hie und da zerstreut, und das Wasser ist so frisch, daß man es nicht ungewärmt trinken kann. Man hatte erst kurze Zeit gerastet, als der Nachtrab ankam und von der andern Seite die Gesandten eintrafen, welche von Atabaliba geschickt waren und zehn Schafe (Lamas) mitbrachten. Nachdem sie sich dem Statthalter genähert und ihn begrüßt hatten, meldeten sie, daß Atabaliba diese Schafe den Christen sende und zu wissen wünsche, an welchem Tage sie zu Caxamalca einträfen, um ihnen Lebensmittel auf den Weg entgegenschicken zu können. Der Statthalter empfing sie wohlwollend und erwiederte ihnen, daß er sich über ihre Ankunft sehr freue, weil sie von seinem Bruder Atabaliba geschickt seyen, und daß er so schnell als möglich vorrücken werde. 12. Ankunft der Gesandten Atabalida's; Pizarro's Unterredung mit denselben. Nachdem sie gegessen und ausgeruht hatten, fragte sie der Statthalter nach den Angelegenheiten ihres Landes und nach den Kriegen, welche Atabaliba führe. Einer von ihnen erwiederte, daß sich Atabaliba seit fünf Tagen zu Caxamalca aufhalte, um den Statthalter zu erwarten, und daß nur wenige Kriegsleute um ihn versammelt seyen, weil er die übrigen in den Krieg gegen seinen Bruder Cuzco geschickt habe. Als nun der Statthalter sich näher über die einzelnen Ereignisse dieser Kriege erkundigte und auf welche Weise sein Gebieter seine Eroberungen begonnen habe, gab der Indianer folgenden Bescheid: »Mein Gebieter ist der Sohn Cuzco's des Aeltern, welcher bereits gestorben ist und alle diese Länder beherrschte. Dieser vermachte seinem Sohne Atabaliba die Herrschaft einer großen Provinz, welche jenseits Tomipunxa liegt und Quito heißt, seinem andern älteren Sohne aber alle übrigen Länder und die Oberherrschaft, und dieser nannte sich, weil er Thronfolger war, Cuzco, wie sein Vater. Nicht zufrieden mit dem ihm zugewiesenen Reiche, erklärte er seinem Bruder Atabaliba den Krieg; dieser schickte Gesandte und ließ ihn bitten, ihn im ruhigen Besitze des von seinem Vater erhaltenen Erbtheils zu lassen. Cuzco wollte nichts davon hören, sondern ermordete die Erben seines Bruders und den einen der beiden Brüder, welche bei der Gesandtschaft waren. Als Atabaliba dieses vernahm, brach er mit einem großen Kriegsheere gegen ihn auf und zog bis zur Provinz Tumipomba, welche zu der Herrschaft seines Bruders gehörte; und als die Bewohner Gegenwehr leisteten, steckte er den Hauptort der Provinz in Brand und ermordete die ganze Bevölkerung. Hier erhielt er die Nachricht, daß sein Bruder mit bewaffneter Hand in sein Gebiet eingefallen sey und rückte ihm entgegen. Als Cuzco die Kunde von seinem Anzuge erhielt, entfloh er schnell aus seinem Gebiete; Atabaliba aber setzte jetzt die Eroberungen in Cuzco's Herrschaft fort und kein Platz wagte sich zu vertheidigen, weil man die Strafe, die er über Tumipomba verhängt hatte, kannte. In allen Provinzen, welche er unterjochte, verstärkte er sein Heer, bis er Caxamalca erreichte und hier, weil ihm die Gegend fruchtbar schien, rastete, um alsdann die Eroberung der Besitzungen seines Bruders zu vollenden. Von hier aus schickte er einen Hauptmann mit 2000 Leuten gegen die Stadt, wo sein Bruder seinen Sitz hatte, da aber dieser über zahlreiches Kriegsvolk gebot, so machte er die 2000 Mann nieder. Atabaliba schickte deßhalb vor sechs Monaten eine größere Anzahl Truppen mit zwei Hauptleuten, und vor einigen Tagen lief von diesen Hauptleuten die Nachricht ein, daß sie das ganze Land Cuzco's bis zu seinem Aufenthaltsort erobert, ihn hier mit seinem Heere geschlagen, ihn selbst gefangen und viel Gold und Silber erbeutet hätten.« – »Ich bin sehr erfreut, erwiederte der Statthalter dem Gesandten, über das was du mir sagst, und daß dein Gebieter den Sieg davongetragen hat, weil sein Bruder, nicht zufrieden mit dem was er besaß, auch noch deinen Gebieter aus dem Lande, welches dieser als Erbtheil von seinem Vater erhalten hatte, vertreiben wollte. Allen Uebermüthigen ergeht es wie Cuzco, sie erlangen nicht nur das nicht wonach sie auf ungerechte Weise haschen, sondern verlieren noch dazu ihre eigene Habe und ihre Freiheit.« Da der Statthalter vermuthete, daß alles was der Indianer vorgebracht hatte, ihm von Atabaliba eingegeben worden sey, um den Christen Furcht einzujagen und ihnen einen Begriff von seiner Macht und seiner Geschicklichkeit beizubringen, so sprach er zu dem Gesandten: »Ich glaube wohl, daß alles was du vorgebracht hast, sich wirklich so verhält, denn Atabaliba ist ein mächtiger Herr und, wie ich vernehme, auch ein tapferer Krieger; allein du mußt wissen, daß mein Herr und Kaiser, welcher König von Spanien, von ganz Indien und vom festen Lande und Gebieter der ganzen Welt ist, viele Diener hat, die größere Herren sind als Atabaliba, und daß seine Hauptleute schon weit mächtigere Herrscher als Atabaliba, sein Bruder und sein Vater besiegt und gefangen haben. Dieser Kaiser schickte mich in diese Länder, um die Bewohner derselben zur Erkenntniß Gottes und unter seine Botmäßigkeit zu führen, und mit diesen wenigen Christen, welche ich mitbrachte, habe ich schon größere Herren als Atabaliba überwunden. Wenn dieser aber meine Freundschaft sucht und mich friedlich empfängt, wie auch andere Herrscher gethan haben, so werde ich sein aufrichtiger Freund seyn, ihm bei seinen Eroberungen Beistand leisten und seinen Thron befestigen, denn ich durchziehe diese Länder, bis ich das andere Meer entdecke. Will er aber Krieg haben, so will ich Krieg mit ihm führen, wie ich mit dem Caziken der Insel San Jago und von Tumbez und mit allen andern, welche den Kampf mit mir suchten, geführt habe; ich füge aber Niemand ein Leid zu und beginne mit Niemand Krieg, als wer es nicht anders will.« – Als die Botschafter diese Aeußerungen hörten und vernahmen, daß so wenig Spanier so große Thaten verrichtet hätten, standen sie eine Zeitlang so verblüfft da, daß sie kein Wort hervorbringen konnten. Bald darauf gaben sie zu verstehen, daß sie mit der erhaltenen Antwort zu ihrem Gebieter zurückzukehren wünschten, um ihm zu verkünden, daß die Christen alsbald ankämen, damit er ihnen Lebensmittel auf den Weg entgegenschicke. 13. Zurückkunft des von Pizarro abgeschickten indianischen Botschafters und Bericht desselben. Der Statthalter entließ sie und setzte am folgenden Tag seinen Weg immer noch durch das Gebirge fort und nahm sein Nachtlager in einigen Wohnungen, die er in einem Thale fand. Kurz nach seiner Ankunft traf der Häuptling, welchen Atabaliba zuerst als Botschafter mit dem Geschenke der beiden Festungen geschickt hatte, auf dem Wege von Caxas nach Çaran ein. Der Statthalter zeigte große Freude über sein Erscheinen und fragte ihn nach den Absichten Atabaliba's. Er erwiederte, diese seyen gut und er schicke ihn mit zehn Schafen, um sie den Christen zu überliefern. Dieser Gesandte drückte sich mit vieler Leichtigkeit aus und schien seinen Aeußerungen nach ein sehr gewandter Mann zu seyn. Als er seine Rede geendigt hatte, fragte der Statthalter die Dolmetscher was er gesprochen habe. Sie erklärten, daß er dasselbe wie der Botschafter am Tage vorher gesagt und ebenfalls mit vielem Wortgepränge die große Macht seines Gebieters, die bedeutende Stärke seines Heeres gerühmt und endlich betheuert und versichert habe, daß Atabaliba den Statthalter friedlich empfangen würde und ihn als seinen Freund und Bruder zu betrachten wünsche. Der Statthalter antwortete ihm mit wohlwollenden Redensarten, wie er auch bei dem andern gethan hatte. Der Gesandte hatte ein fürstliches Gefolge bei sich und fünf oder sechs Gefäße von feinem Gold, aus welchem er das mitgebrachte Chicha Ein aus Mais bereitetes gegohrenes Getränk. trank und den Spaniern zu trinken gab. Er äußerte auch, daß er in der Gesellschaft des Statthalters nach Caxamalca zurückzugehen wünsche. Am Morgen des nächsten Tages brach der Statthalter auf und zog, wie am vorhergehenden, stets durch das Gebirg, bis er zu einigen Atabaliba angehörenden Wohnungen gelangte, wo er einen Tag Rast machte. Am folgenden Tage traf der indianische Häuptling aus der Provinz San Miguel, welchen der Statthalter als Botschafter zu Atabaliba geschickt hatte, ein. Als er den Gesandten Atabaliba's, welcher gegenwärtig war, erblickte, stürzte er sich auf ihn, nahm ihn bei den Ohren und zog ihn tüchtig, bis der Statthalter ihm befahl ihn los zu lassen, denn wenn er ihnen nicht gewehrt hätte, so wäre zwischen beiden ein ernster Kampf entstanden. Er fragte nun den Häuptling, warum er den Gesandten seines Bruders Atabaliba auf diese Weise behandle, worauf dieser erwiederte: »Dieser Mann ist ein Taugenichts, ein Aufhetzer Atabaliba's, der nur hierher kommt, um sich als eine bedeutende Person zu gebärden und Lügen zu schwatzen, denn Atabaliba rüstet sich auf der Ebene vor Caxamalca zum Kampfe und hat zahlreiches Kriegsvolk um sich versammelt; die Stadt fand ich menschenleer, und als ich in das Lager kam, traf ich eine Menge Kriegsleute mit vielem Vieh und vielen Zelten an, und alle waren schlagfertig. Sie zeigten sogar Lust mich umzubringen; ich bemerkte ihnen aber, daß man, wenn sie mich umbrachten, auch ihre Gesandten umbringe und daß man diese nicht eher als bis ich zurückgekommen seyn würde loslasse, worauf sie mich gehen ließen; doch gaben sie mir keine Lebensmittel, Es war bei den Bewohnern Peru's Sitte den Abgesandten Lebensmittel zu verabreichen, es mußte also als eine große Beleidigung Pizarro's gelten, wenn man sie seinem Abgeordneten verweigerte. sondern ich mußte mir diese eintauschen. Ich bemerkte ihnen, daß ich Atabaliba zu sehen und ihm meine Aufträge auszurichten wünsche; sie gestatteten es aber nicht, indem sie vorgaben er halte die Fasten und könne Niemand sprechen. Einer seiner Oheime kam endlich herbei, um mit mir zu sprechen; ich sagte ihm, daß ich dein Botschafter sey und überhaupt alles was du mir auszurichten befohlen hast. Er fragte mich: »»Was sind die Christen für Leute und welche Waffen führen sie?«« – Ich erwiederte ihm, daß es tapfere, kriegerische Männer seyen, daß sie Pferde mit sich führten, welche schnell seyen wie der Wind, daß die darauf Sitzenden lange Speere führten, womit sie wen sie wollten niederstießen, weil sie mit zwei Sprüngen an ihm seyen, und daß die Pferde noch mehr Leute durch ihre Füße und ihre Mäuler tödteten. »Die Christen, welche zu Fuß gehen, sagte ich ihnen weiter, sind sehr gewandt, tragen an einem Arme eine hölzerne Scheibe, womit sie sich vertheidigen, starke mit Wolle gefütterte Wämser und sehr scharfe Schwerter, womit sie mit jedem Hiebe einen Menschen in der Mitte entzweispalten und einem Schafe den Kopf abschlagen. Damit durchschneiden sie alle Waffen, deren sich die Indianer bedienen; andere tragen Armbrüste, welche weithin reichen und womit sie auf jeden Schuß einen Menschen tödten, und wieder andere Donnerbüchsen, die feurige Kugeln schleudern, wodurch eine Menge Volk niedergeworfen wird.« – Dieß alles, erwiederten sie, habe nichts zu bedeuten, die Christen seyen nur in geringer Anzahl und die Pferde nicht bewaffnet; sie wollten diese schon mit ihren Spießen niederstechen.– Ich bemerkte ihnen, daß die Pferde eine harte Haut hatten, durch welche ihre Spieße nicht dringen könnten. Vor den Donnerbüchsen, meinten sie, dürften sie sich nicht fürchten, denn die Christen hätten deren nicht mehr als zwei. – Noch in dem Augenblicke, als ich abreisen wollte, bat ich sie mich Atabaliba sehen zu lassen, da ja doch auch seine Abgesandten vor dem Statthalter, der doch größer als er sey, erscheinen und mit ihm sprechen dürften. Sie gestatteten mir aber keine Unterredung mit ihm und ich kam deßhalb zurück. Ueberlege nun, ob ich nicht mit Recht diesen da tödten wollte, der, obschon er, wie man mir gesagt hat, ein Zwischenträger Atabaliba's ist, mit dir spricht und an deinem Tische speist, und mir, einem Häuptlinge, gestattete man nicht mit Atabaliba zu sprechen, noch gab man mir zu essen, und nur meinen guten Gründen habe ich es zu verdanken, daß man mich nicht ermordete.« Der Gesandte Atabaliba's war sehr erschrocken, als er den andern Indianer mit so großem Eifer sprechen sah und erwiederte: »Wenn sich keine Einwohner in der Stadt Caxamalca befanden, so hat dieß keine andere Ursache, als um die Wohnungen zur Aufnahme der Christen zu räumen, und Atabaliba steht nur deßhalb im Felde, weil er es seit dem Beginne des Krieges so gewöhnt ist; wenn man dir keine Unterredung mit Atabaliba gestattete, so geschah es aus keiner andern Ursache, als weil er fastete, wie es seine Gewohnheit ist; man ließ ihn dich nicht sehen, weil er an seinen Fasttagen ganz zurückgezogen lebt und zu dieser Zeit mit Niemand spricht. Keiner wagte deßhalb ihm zu melden, daß du angekommen seyst, denn wenn er es gewußt hätte, so hätte er dich vorgelassen und dir zu essen gegeben.« – Außer diesen Gründen führte er noch viele andere an und betheuerte fortwährend, daß Atabaliba die Christen in friedlichen Absichten erwarte. Wollte man alle Gespräche, welche zwischen diesem Indianer und dem Statthalter gewechselt wurden, ausführlich aufzeichnen, so würde eine große Schrift daraus werden; wir geben also der Kürze wegen nur den Hauptinhalt. Der Statthalter erwiederte dem Gesandten, er glaube, daß sich alles so verhalte wie er sage, weil er es nicht anders von seinem Bruder Atabaliba erwarten könne. Er verfehlte demnach nicht ihn fernerhin ebenso gut zu behandeln wie vorher, grollte dagegen seinem eigenen indianischen Botschafter und gab ihm zu verstehen, daß er über ihn ungehalten sey, weil er den Gesandten in seiner Gegenwart mißhandelt habe. Für sich jedoch war er vollkommen überzeugt, daß sein Indianer die Wahrheit gesprochen habe, denn er kannte schon hinlänglich das hinterlistige Benehmen der Indianer. 14. Einzug in Caxamalca. Beschreibung dieser Stadt. Die Spanier besetzen einen Theil derselben und die Festung. Am nächsten Tag setzte der Statthalter seinen Weg fort und schlug sein Nachtlager in einer mit Gras bedeckten Fläche auf, um am folgenden Nachmittage zu Caxamalca, wovon er, wie man ihm sagte, nicht mehr weit entfernt war, einzutreffen. Hier erschienen wirklich die Boten Atabaliba's mit Lebensmitteln für die Christen. Am folgenden Morgen erhob sich der Statthalter mit Tagesanbruch und rückte mit seiner Mannschaft in geschlossenen Reihen bis eine Meile von Caxamalca vor, wo er den Nachtrab erwartete und Fußvolk und Reiterei sich in schlagfertigen Zustand setzen ließ. Er richtete alles zum Einzüge in die Stadt her, theilte seine Leute in drei Haufen und setzte in dieser Ordnung seinen Weg fort, während er Atabaliba benachrichtigen ließ, er möge zu einer Unterredung mit ihm nach Caxamalca kommen. Als man vor der Stadt eintraf, sah man das Lager Atabaliba's eine Meile davon am Abhange eines Berges. – Der Statthalter rückte an einem Freitage zur Stunde der Vesper am 15. November des Jahres 1532 in Caxamalca ein. In der Mitte der Stadt ist ein großer mit Wohnhäusern besetzter und mit einer Erdmauer eingefaßter Platz; da der Statthalter nirgends einen Menschen fand, so ergriff er Besitz von dem Platz und schickte einen Boten zu Atabaliba mit der Nachricht von seiner Ankunft und mit dem Ersuchen, er möge zu einer Unterredung mit ihm herbeikommen und ihm zeigen, wo er seine Wohnung nehmen solle. Unterdessen ließ er die Stadt besichtigen, ob sich nicht irgend eine andere bessere und festere Stelle, um das Lager aufzuschlagen, finde, und befahl, daß Niemand sich aus dem Platz entfernen und die Reiterei nicht eher absteigen solle, als bis man wisse ob Atabaliba komme. Bei der Besichtigung fand man, daß nirgends bessere Wohnungen zu finden seyen. Diese Stadt, welche die bedeutendste dieses Thales ist, liegt auf dem Abhange eines Berges und nimmt einen Flächenraum von einer Meile ein. Zwei Flüsse strömen durch das nirgends unterbrochene Thal, welches auf der einen Seite von einer gutbevölkerten Gegend, auf der andern von Bergen umgeben ist. Die Stadt hat 2000 Einwohner Hier muß im Original ein Fehler seyn. und am Eingange, wo die beiden Flüsse vorüberströmen, kommt man über zwei Brücken. Der Platz ist größer als irgend einer in Spanien, ringsum eingefaßt und hat zwei Thore, welche in die Straßen der Stadt führen. Die Häuser reichen mehr als 200 Schritte weit, sind sehr gut gebaut und mit starken drei Klafter hohen Erdmauern umgeben. Die Dächer sind mit Stroh und Balken, welche sich auf die Mauern stützen, bedeckt. Unter diesen Häusern befinden sich einige Wohnungen, welche in acht Gemächer abgetheilt und weit besser eingerichtet sind als die übrigen. Die Mauern derselben bestehen aus gutbehauenen Steinen, die einzelnen Gemächer sind alle durch gemauerte Zwischenwände geschieden und jedes hat seine Thüre; in den Höfen befinden sich Becken, in welche das Wasser von außen her durch Röhren zum Gebrauche der Bewohner geleitet ist. – Auf der einen Seite nach dem Felde hin hängt mit dem Platze eine aus Steinen erbaute Festung zusammen, zu welcher man auf einer aus behauenen Steinen bestehenden Treppe hinaufsteigt; auch kann man von außen her auf der Seite nach dem Felde hin durch eine kleine verdeckte Thüre und eine enge Stiege hinaufkommen, ohne durch den ummauerten Platz gehen zu müssen. Ueber der Stadt nach dem Berge hin, gerade da wo die Häuser anfangen, erhebt sich eine andere Festung, welche auf einem größtentheils senkrechten Felsen steht; sie ist größer als die erste und von einer dreifachen Mauer umgeben; eine Wendeltreppe führt zu ihr hinauf. Man hatte solche Festungen vorher bei den Indianern noch nirgends gesehen. Zwischen dem Berge und dem großen Platze ist ein anderer ganz mit Häusern eingefaßter kleinerer, wo eine Menge Weiber zum Dienste Atabaliba's wohnten. Vor dem Eingange in die Stadt sieht man ein mit Erdmauern eingefaßtes und von einem mit Bäumen bepflanzten Hofe umgebenes Gebäude; die Eingeborenen nannten es das Sonnenhaus, wie sie denn überhaupt in jeder Stadt der Sonne Moscheen errichtet haben. Man findet an diesem Orte so wie allenthalben im ganzen Lande noch viele andere Moscheen; sie zollen denselben große Verehrung, und wenn sie hineingehen, lassen sie ihre Fußbekleidung an der Thüre. – Sobald man in das Gebirg eintritt, bemerkt man, daß die Bewohner aller Orte Vorzüge vor allen übrigen haben, durch deren Gebiet man bereits gekommen war, denn sie sind reinlich und verständig und die Frauen ehrbarer. Diese gürten ihre Kleider mit schön gearbeiteten Schnüren, welche auf dem Leibe geknüpft sind. Darüber tragen sie einen Ueberwurf, welcher von dem Haupte bis zur Mitte der Hüfte reicht und einem Damenmantel ähnlich ist. Die Männer tragen Hemden ohne Aermel und darüber Mäntel. Alle Frauen weben in ihren Wohnungen Wolle und Baumwolle und verfertigen daraus die nöthigen Kleidungsstücke und die Fußbekleidung für die Männer, welche Strümpfen gleicht. Nachdem der Statthalter lange Zeit mit den Spaniern auf dem Platze gestanden und auf die Ankunft Atabaliba's oder eines Bevollmächtigten desselben, der ihm Wohnung anweisen würde, gewartet hatte, und als er bemerkte, daß es bereits spät war, schickte er einen Hauptmann mit zwanzig Reitern zu Atabaliba, um ihn zu einer Zusammenkunft mit ihm einzuladen. Er befahl ihm sich ruhig zu benehmen und sich mit den Leuten in keinen Streit einzulassen, sie müßten ihn denn suchen, dagegen alle Mühe anzuwenden, um mit Atabaliba selbst zu sprechen und sodann mit der Antwort zurückzukehren. Als der Hauptmann die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, stieg der Statthalter auf die Spitze der Festung und gewahrte von da vor den Zelten auf dem Felde eine große Menge Kriegsvolk. Damit nun die Christen, welche ausgezogen waren, nicht zu Schaden kommen möchten und sich bei einem Angriffe zu ihrer Rettung einander besser unterstützen und sich vertheidigen könnten, schickte er ihnen einen andern Hauptmann, seinen Bruder, mit noch zwanzig Reitern nach und befahl ihm sich ebenfalls ruhig zu verhalten. Als es kurz darauf zu regnen und zu hageln anfing, ließ er seine Leute von den Gemächern des Palastes Besitz nehmen und legte den Artilleriehauptmann mit den Geschützen in die Festung. Während man diese Einrichtung traf, langte ein Bote Atabaliba's mit dem Bescheide an, der Statthalter möge seine Wohnung nehmen wo es ihm beliebe, nur solle er sich nicht in der Festung des Platzes lagern; Atabaliba selbst könne im Augenblicke nicht kommen, weil er faste. Der Statthalter erwiederte, er wolle dieß thun und er habe bereits seinen Bruder zu seinem Gebieter abgesendet, um ihn zu einer Unterredung einzuladen, weil er des vielen Guten wegen, was er von ihm gehört habe, sehr ihn zu sehen und kennen zu lernen wünsche. 15. Abgeordnete gehen in das Lager Atabaliba's. Unterhandlungen mit demselben. Der Bote entfernte sich mit dieser Antwort, und als es Nacht wurde, kam auch der Hauptmann Hernando Pizarro mit den Christen zurück. Sie begaben sich sogleich zu dem Statthalter und statteten ihren Bericht ab. Auf dem Wege hatten sie eine gefährliche mit Morast gefüllte Stelle gefunden, welche vorher aber gut und gangbar gewesen zu seyn schien, denn eine breite aus Steinen und Erde gebaute Straße lief von der Stadt bis zum Lager Atabaliba's; aber der Theil der Straße, welcher über die gefährliche Stelle führte, war absichtlich zerstört und sie mußten an einem andern Orte den Uebergang versuchen. Ehe sie zu dem Lager gelangten, setzten sie über zwei Flüsse und vor dem Lager selbst strömte ein Fluß, über welchen die Indianer auf einer Brücke gingen, so daß das Lager auf dieser Seite ganz mit Wasser umgeben war. Der zuerst ausgeschickte Hauptmann ließ seine Leute diesseits des Flusses, um die Eingeborenen nicht zu erschrecken, ging aber selbst nicht über die Brücke, weil er sein Pferd der Gefahr durchzubrechen nicht aussetzen wollte, sondern setzte sammt seinem Dolmetscher durch das Wasser. Er ritt durch eine Schaar Kriegsvolk, welches schlagfertig dastand, und kam dann zu der Wohnung Atabaliba's, wo er auf einem Platze 400 Indianer antraf, welche die Leibwache zu bilden schienen. Der Tyrann saß an der Thüre seiner Wohnung auf einem niedrigen Stuhle und vor ihm standen eine Menge Indianer und Weiber, welche ihn beinahe einschlossen. An der Stirne trug er eine zwei Hände breite Quaste von Wolle, welche wie carmoisinrothe Seide aussah; sie war an dem Kopfe mit Schnüren, die bis auf die Augen herabhingen, befestigt und gab ihm ein weit würdevolleres Aeußere, als er wirklich hatte. Als der Hauptmann nun bis zu ihm gekommen war, sagte er ihm durch seinen Sprecher oder Dolmetscher, daß er ein Hauptmann des Statthalters und von diesem zu ihm geschickt sey, um ihn in seinem Namen zu benachrichtigen, welch großes Verlangen er trage ihn zu sehen, und daß es ihn sehr freuen würde, wenn es ihm gefällig wäre ihn zu besuchen. Auf diese und andere Reden erwiederte Atabaliba nichts, er hob nicht einmal den Kopf auf, um den Hauptmann anzusehen, sondern ein Häuptling antwortete diesem auf das was er vorgebracht hatte. Während dieser Zeit erreichte der zweite Hauptmann den Ort, wo der erste seine Mannschaft zurückgelassen hatte, und fragte diese nach ihrem Anführer; er erhielt den Bescheid, daß dieser sich zu einer Unterredung mit Atabaliba begeben habe, worauf auch er seine Leute zurückließ, über den Fluß ging und an dem Orte, wo sich Atabaliba aufhielt, erschien. Der Hauptmann, welcher sich bei diesem befand, rief sogleich: »Hier ist ein Bruder des Statthalters; sprich mit ihm, denn er kommt, dich zu besuchen.« – Jetzt erst erhob der Cazike die Augen und sprach: »Maizabilica, ein Häuptling, der mir am Flusse Turicara dient, hat mir durch einen Boten sagen lassen, wie arg ihr die Caziken mißhandeltet und sie in Ketten legtet; auch hat er mir ein eisernes Halsband geschickt und gemeldet, daß er drei Christen und ein Pferd getödtet habe. Nichtsdestoweniger bin ich entschlossen, morgen frühe den Statthalter zu besuchen und der Freund der Christen zu werden, weil sie gut sind.« – Hernando Pizarro erwiederte: »Maizabilica ist ein Großsprecher und ein einziger Christ würde ihn und alle Indianer an jenem Fluß tödten; wie könnte er aber Christen oder ein Pferd umbringen, da diese Leute doch alle feige Memmen sind? Weder der Statthalter noch die Christen mißhandeln die Caziken, wenn diese nicht Krieg mit ihnen suchen; im Gegentheil erweisen sie denen, welche ihre Freunde zu seyn wünschen, alles Gute; mit denen aber, welche Krieg wünschen, wird er so lange geführt, bis sie vertilgt sind. Wenn du dich einmal überzeugt hast was die Christen, wenn sie dir im Kriege gegen deine Feinde Beistand leisten, vermögen, wirst du leicht einsehen, daß dich Maizabilica belogen hat.« – »Wohlan, nahm Atabaliba das Wort, ein Cazike hat mir den schuldigen Gehorsam versagt; mein Kriegsvolk soll mit euch ausziehen, um ihn zu bekämpfen.« – »Um einen Caziken, entgegnete Hernando Pizarro, ist es, wenn er auch noch so viele Krieger hat, nicht der Mühe werth deine Indianer ins Feld rücken zu lassen, zehn christliche Reiter reichen hin um ihn zu vertilgen.« – Atabaliba lachte und lud sie zu einem Trunke ein; die Hauptleute erwiederten, um nicht sein Getränk verschlucken zu müssen, daß sie fasteten; als er aber weiter in sie drang, nahmen sie seine Einladung an. Sogleich erschienen Frauen mit goldnen Gefäßen, welche mit Maischicha gefüllt waren. Als Atabaliba sie gewahrte, warf er ihnen einen Blick zu ohne ein Wort zu sagen, und sogleich entfernten sie sich und kamen mit andern größeren goldenen Gefäßen wieder, aus welchen sie die Spanier trinken ließen. Darauf verabschiedeten sich diese und Atabaliba blieb bei seinem Versprechen, daß er den Statthalter am folgenden Morgen besuchen werde. – Das Lager der Indianer war auf dem Abhange eines Hügels aufgeschlagen und die aus Baumwollenzeug verfertigten Zelte, in deren Mitte sich das des Atabaliba erhob, nahmen einen meilelangen Raum ein; das sämmtliche Kriegsvolk war vor den Zelten aufgestellt und die Waffen, nämlich Spieße von der Länge einer Reiterlanze, stacken in dem Boden. In dem Lager schienen über 30.000 Mann versammelt zu seyn. Als der Hauptmann von allem was geschehen war, Kenntniß erhalten hatte, befahl er, während der Nacht im Lager sorgfältig auf der Hut zu seyn, und gab seinem ersten Hauptmann den Auftrag, die Wachen zu untersuchen und während der ganzen Nacht Runden um das Lager gehen zu lassen, was auch geschah. Am Morgen des folgenden Tages, welcher ein Samstag war, erschien vor dem Statthalter ein Bote Atabaliba's und sprach in dessen Namen zu ihm: »Mein Gebieter läßt dich benachrichtigen, daß er dich zu besuchen und seine Mannschaft bewaffnet mitzubringen wünsche, weil du auch die deinige gestern bewaffnet geschickt habest, und daß du ihm einen Christen senden mögest, um ihn hierher zu geleiten.« – »Sage deinem Gebieter, erwiederte der Statthalter, daß er zur guten Stunde kommen möge und wie es ihm beliebe und daß ich ihn, wie er auch immer komme, als Freund und Bruder empfangen würde; daß ich ihm aber keinen Christen schicken könne, weil es bei uns nicht gebräuchlich sey, einen solchen von einem Herrn zu einem andern zu schicken.« – Der Bote entfernte sich mit diesem Bescheid. Kaum war er im Lager angekommen, als die Wachen schon das ganze Kriegsvolk ausrücken sahen. Nach kurzer Zeit langte ein zweiter Bote an und sprach zu dem Statthalter: »Atabaliba läßt dir sagen, daß er doch nicht sein Kriegsvolk, wohl aber weil er dieses zurücklasse, viele andere unbewaffnete Leute mitbringen wolle, weil er diese bei sich zu haben und in der Stadt unterzubringen wünsche, daß man ihm selbst aber ein Gebäude auf dem Platze zu seiner Wohnung überlassen möge, nämlich das Gebäude, welches man das Schlangenhaus nenne, weil sich darin eine steinerne Schlange befinde.« – Der Statthalter erwiederte, daß dieses alles nach seinem Wunsche geschehen solle und daß er nur recht bald kommen solle, weil er großes Verlangen habe ihn zu sehen. – Bald darauf bemerkte man, wie sich das Feld mit Leuten anfüllte und wie diese bei jedem Schritte vorwärts wieder stehen blieben, um die aus dem Lager nachkommenden zu erwarten. Das Vorrücken der Leute auf dem Wege dauerte bis gegen Abend und sie hielten sich stets in Haufen beisammen. Sobald sie über die schon erwähnte gefährliche Stelle gekommen waren, machten sie auf dem Felde in der Nähe des christlichen Lagers Halt, bis alles Volk das indianische Lager verlassen hatte. Der Statthalter befahl jetzt heimlich allen seinen Leuten, sich in ihren Wohnungen zu bewaffnen und die Pferde gesattelt und aufgezäumt zu halten; darauf theilte er sie in drei Schaaren und untersagte, daß irgend einer sich aus seiner Wohnung auf den Platz begebe. Den Artilleriehauptmann ließ er seine Geschütze auf den Sammelplatz der Feinde richten und befahl ihm, wenn es Zeit seyn würde, zu feuern. In die Straßen, welche zu dem Platze führten, legte er Mannschaft in Hinterhalt; er selbst aber behielt 20 Fußgänger bei sich in seiner Wohnung, um mit ihrer Hülfe sich der Person Atabaliba's zu bemächtigen, wenn dieser bei seinem Besuche Hinterlist zeigen sollte, was wirklich der Fall zu seyn schien, weil er eine so große Menge Leute mit sich brachte. Er trug ihnen auf, den Caziken lebendig fest zu nehmen, allen übrigen aber befahl er, selbst wenn sie die Feinde in den Platz einrücken sahen, ihren Standort nicht eher zu verlassen, als bis sie den Donner des Geschützes hörten. Er würde, sagte er ihnen ferner, Wachen ausstellen und, sobald man Hinterlist bemerke, den Befehl zum Angriffe geben; alsdann sollten bei dem Rufe »Santiago« die Fußgänger aus ihren Wohnungen hervorbrechen und die Reiter herbeisprengen. 16. Er kommt mit seinem Kriegsvolk nach Caxamalca. Angriff der Spanier auf die Indianer und Niedermetzelung derselben. Nach diesen Vorkehrungen und Befehlen erwartete der Statthalter die Ankunft Atabaliba's, ohne daß sich ein Christ auf dem Platze sehen ließ, die Wache ausgenommen, welche über das was bei dein Feinde vorging Bericht erstattete. Der Statthalter und der erste Hauptmann hielten eine Rundschau in den Wohnungen der Spanier, um zu untersuchen ob alles in Bereitschaft sey, um wenn es noth thue, hervorzubrechen. Sie ermahnten jeden, aus seinem Herzen eine Festung zu machen, weil man keine andere habe, und auf keinen andern Beistand hoffen dürfe als auf den Gottes, welcher alle, die sich seinem Dienste widmeten, auch in der größten Noth nicht verlasse. Kämen auch auf einen Christen 500 Indianer, so dürften sie doch nur den Muth zeigen, den tapfere Leute bei solchen Gelegenheiten bewahrten, und überzeugt seyn daß Gott für sie kämpfe; wenn die Zeit zum Angriffe gekommen sey, so sollten sie mit Nachdruck und Umsicht handeln und bei dem Hervorbrechen Acht haben, daß sich die Reiter nicht in einander verwirrten. Diese und ähnliche Worte richteten der Statthalter und der erste Hauptmann an die Christen, um ihren Muth anzufeuern, und diese hatten es jetzt schon bei weitem vorgezogen einen Angriff auf offenem Felde zu wagen, als in ihren Wohnungen zu bleiben. Jeder schien seinem Muthe nach hundert aufzuwiegen und die große Menge der Indianer flößte ihnen nur sehr wenig Furcht ein. Als der Statthalter bemerkte, daß die Sonne bereits am Untergehen war, ohne daß sich Atabaliba von der Stelle, wo er seine Leute wieder gesammelt hatte, bewegte und daß noch fortwährend Kriegsvolk aus dem Lager ausrückte, schickte er einen Spanier zu ihm mit dem Bedeuten, er möge in den Platz einziehen und ihn besuchen ehe es Nacht würde. Als der Bote vor Atabaliba erschien, begrüßte er ihn und gab ihm durch Zeichen zu verstehen, daß er zu dem Statthalter kommen möge. Atabaliba brach sogleich mit seinen Leuten auf und der Spanier eilte voraus, um den Statthalter von seiner Ankunft zu unterrichten und ihm zu bemerken, daß die Schaaren, welche den Vortrab bildeten, unter ihren Hemden Rüstungen, nämlich starke baumwollene Wämser, so wie auch mit Steinen gefüllte Säcke und Schleudern verborgen trügen, was keine gute Absicht anzudeuten schiene. Unmittelbar darauf fing der Vortrab an in den Platz einzurücken. Voraus zog eine Schaar Indianer in bunter, nach Art eines Schachbretts gewürfelter Kleidung, welche das Amt hatten, die Strohhalme von dem Boden aufzuheben und den Weg zu säubern; diesen folgten drei auf andere Weise gekleidete Schaaren, singend und tanzend; darauf kamen eine Menge Leute mit goldnen und silbernen Rüstungen, Schüsseln und Kronen und in der Mitte derselben Atabaliba auf einer mit vielfarbigen Papagaifedern gefütterten und mit Gold- und Silberplättchen ausgelegten Sänfte, welche zahlreiche Indianer auf ihren Schultern trugen; zwei andere Sänften und zwei Hängematten, worin sich die anderen Hauptpersonen befanden, folgten unmittelbar, und dann kam wieder eine Menge Volks in einzelnen Abtheilungen mit goldenen und silbernen Kronen. Sobald die ersten Reihen in dem Platz waren, gingen sie auf die Seite, um den nachrückenden Raum zu lassen, und als Atabaliba in der Mitte des Platzes angelangt war, ließ er alle stille stehen und seine Sänfte sowohl als auch die beiden andern aufrecht halten. Unterdessen zogen immer noch fortwährend Leute in den Platz und ein Hauptmann des Vortrabs erstieg die Festung, wo das Geschütz stand und hob zweimal seinen Spieß in die Höhe, als wolle er ein Zeichen geben. Als der Statthalter dieß bemerkte, fragte er den ehrwürdigen Vater, Bruder Vicente, ob er durch einen Dolmetscher mit Atabaliba zu sprechen wünsche? Dieser bejahte es, nahm ein Kreuz in die eine und seine Bibel in die andere Hand, drängte sich mitten durch das Volk bis zu Atabaliba und sprach zu diesem durch den Dolmetscher: »Ich bin ein Priester Gottes; ich unterrichte die Christen in der Lehre des Herrn und bin gekommen auch euch darin zu unterrichten. Was ich lehre, ist Gottes Wort und sieht in diesem Buche. Im Namen Gottes und im Namen der Christen bitte ich dich, ihr Freund zu seyn, denn so will es Gott und du wirst dich wohl dabei befinden. Geh also und sprich mit dem Statthalter, welcher dich erwartet.« Atabaliba verlangte, daß man ihm das Buch gebe um es zu betrachten; man reichte es ihm geschlossen; da es ihm nicht gelang, es zu öffnen, streckte der Mönch seinen Arm aus, um ihm behülflich zu seyn, Atabaliba gab ihm aber mit großem Mißfallen einen Schlag auf den Arm und wollte es nicht geöffnet haben. Als es ihm endlich nach fortgesetzter Anstrengung gelang es zu öffnen, zeigte er sich weder über die Buchstaben, noch über das Papier erstaunt, gleich den übrigen Indianern, sondern schleuderte es fünf bis sechs Schritte von sich und erwiederte auf die Anrede, welche ihm der Mönch durch den Dolmetscher gehalten hatte, mit großem Stolze: »Ich weiß recht gut, was ihr auf dem Wege verübt, wie ihr meine Caziken mißhandelt, und wie ihr die Wohnungen geplündert habt.« – »Die Christen, antwortete der Mönch, haben dieß nicht gethan, und einige Indianer, welche ohne Vorwissen des Statthalters Beute machten, hat dieser sogleich damit zurückgeschickt.« – »Wohlan, sprach darauf Atabaliba, ich werde nicht eher von dieser Stelle weichen, bis sie mir alles zurückgebracht haben.« Mit dieser Antwort ging der Mönch zu dem Statthalter zurück, während Atabaliba sich oben auf seine Sänfte stellte und seine Leute ermahnte sich bereit zu halten. Der Mönch erzählte dem Statthalter, was ihm mit Atabaliba begegnet sey und daß dieser die heilige Schrift auf den Boden geworfen habe. Der Statthalter zog nun sogleich ein Panzerhemd an, nahm sein Schwert und seinen Schild, stürmte mit den Spaniern, die er bei sich behalten hatte, muthig mitten durch die Indianer und erreichte nur mit vier Leuten, die allein ihm hatten folgen können, die Sänfte worauf Atabaliba saß. Er ergriff diesen furchtlos am Arm und schrie: »Santiago!« Augenblicklich ertönte der Donner des Geschützes, die Trompeten schmetterten und Fußvolk und Reiterei brachen hervor. Als die Indianer die Pferde daher traben sahen, ergriffen die meisten von denen welche sich auf dem Platze befanden die Flucht und flohen mit solchem Ungestüm, daß sie ein Stück der Umfangsmauer des Platzes durchbrachen und viele einer über den andern herstürzten. Die Reiter, welche über sie hinstürmten, verwundeten und tödteten eine Menge und setzten den Fliehenden nach. Das Fußvolk griff die auf dem Platze Zurückgebliebenen mit solchem Nachdruck an, daß in kurzer Zeit die meisten derselben über die Klinge gesprungen waren. Der Statthalter hielt immer noch den Arm Atabaliba's fest, denn er konnte diesen, weil die Sänfte zu hoch war, nicht herabziehen. Die Spanier richteten aber bald ein solches Gemetzel unter den Trägern an, daß die Sänfte zu Boden fiel, und wenn der Statthalter Atabaliba nicht geschützt hätte, so würde schon hier der Uebermüthige den verdienten Lohn für seine Grausamkeiten erhalten haben. Der Statthalter wurde bei der Vertheidigung Atabaliba's an der Hand leicht verwundet. Während dieses ganzen Vorgangs hatte kein Indianer gegen die Spanier die Waffen erhoben, denn sie waren dadurch daß der Statthalter plötzlich bis in ihre Mitte vordrang, durch das unvermuthete Donnern des Geschützes und durch das Traben der Pferde in solche Furcht gerathen, daß sie in ihrer großen Bestürzung weit eher an die Flucht und die Rettung ihres Lebens als an Kampf dachten. Die Träger der Sänfte Atabaliba's, welche insgesammt Leute von Bedeutung zu seyn schienen, fielen alle, eben so die welche sich in den andern Sänften und in den Hängematten befanden; auf einer der Sänften hatte der Leibdiener Atabaliba's, ein angesehener und von diesem sehr geachteter Herr, gesessen; die übrigen waren ebenfalls mächtige Herren und bildeten seinen Rath. Der Cazike und Gebieter von Caxamalca fiel auch, und außer ihm fanden viele andere Häuptlinge ihren Tod; man achtete aber ihrer großen Anzahl wegen nicht viel darauf, denn alle, welche sich bei der Leibwache Atabaliba's befanden, waren Leute von Rang. Wir enthalten uns jeder Bemerkung über das unmenschliche und treulose Benehmen der Spanier zu Caxamalca, denn selbst aus der Darstellung unseres Berichterstatters geht hervor, daß Pizarro begierig auf irgend eine Gelegenheit wartete, Atabaliba als Feind betrachten zu können; er hatte ganz wohl berechnet, daß er durch dessen Gefangennehmung leicht in den Besitz des Landes kommen werde. Der Ueberfluß an Gold und Silber, welchen die Eroberer allenthalben gewahrten, stachelte ihre Habsucht so sehr, daß jedes andere Gefühl schweigen mußte. 17. Atabaliba's Gefangenschaft. Verlust der Peruaner. Der Statthalter begab sich nun in seine Wohnung zurück und nahm Atabaliba, seinen Gefangenen, mit sich. Dieser war seiner Kleidung beraubt, denn die Spanier hatten ihm diese, als sie ihn von der Sänfte herabzuziehen versuchten, zerrissen, und es war wirklich eine erstaunenerregende Sache, einen so gewaltigen Herrn, der mit so großer Macht erschienen war, in so kurzer Zeit in Gefangenschaft gerathen zu sehen. Der Statthalter ließ sogleich einheimische Stoffe herbeischaffen und ihn bekleiden; er setzte sich darauf zu ihm um seine Verlegenheit und seinen Schmerz, sich so schnell seines Reiches beraubt zu sehen zu mildern. Unter andern Trostworten sprach er auch zu ihm: »Du darfst dir es nicht zur Schande anrechnen so bald gefangen und besiegt worden zu seyn, denn obschon die Zahl der Christen welche ich anführe gering ist, so habe ich doch mit ihnen größere Länder, als das deinige ist, erobert, und mächtigere Herrscher, als du bist, besiegt und der Botmäßigkeit des Kaisers unterworfen, dessen Dienstmann ich bin, der über Spanien und die ganze Welt gebietet, und auf dessen Befehl wir kommen diese Ländern zu erobern, damit ihr alle zur Erkenntniß Gottes und des heiligen katholischen Glaubens gelanget. Dieser guten Absicht wegen, die wir haben, gestattet Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde und aller vorhandenen Dinge, daß wir, so wenige wir auch sind, eine so große Menge Kriegsvolk besiegen, damit du ihn erkennen und das viehische und teuflische Leben welches du führest verlassen mögest. Wenn ihr einmal den Irrthum, in welchem ihr seither gelebt, eingesehen habt, so werdet ihr erst die Wohlthat, die euch dadurch, daß wir auf Befehl Seiner Majestät in dieses Land gekommen sind, zu Theil geworden ist, zu schätzen wissen, und du mußt es als ein besonderes Glück betrachten, daß ihr nicht durch ein so grausames Volk, wie ihr seyd, welches keine Gnade gibt, überwunden wurdet. Wir behandeln unsere besiegten Feinde mit Schonung und bekämpfen nur die welche uns angreifen, und obschon wir sie vernichten könnten, so thun wir es doch nicht, sondern verzeihen ihnen. Als ich den Caziken und Gebieter der Insel (Santiago) gefangen genommen hatte, schenkte ich ihm die Freiheit wieder mit der Mahnung, sich in Zukunft gut aufzuführen; ebenso verfuhr ich mit den Caziken und Gebietern von Tumbez und Chilimasa und andern, welche sich in meiner Gewalt befanden; ich verzieh ihnen, obschon sie den Tod verdient hatten. Wenn du in Gefangenschaft gerathen bist und deine Leute besiegt und getödtet wurden, so geschah es nur, weil du mit einem großen Kriegsheere gegen uns anrücktest, obschon wir dich ersuchen ließen friedlich zu kommen, und weil du das Buch, worin das Wort Gottes steht, zu Boden geschleudert hast. Unser Herr und Gott gab deßhalb auch zu, daß dein Stolz gedemüthigt wurde und daß kein Indianer einem Christen etwas anhaben konnte.« – Auf diese Rede des Statthalters erwiederte Atabaliba, er sey von seinen Hauptleuten, welche ihm gesagt hatten er solle nicht so viel von den Spaniern halten, betrogen worden; er habe friedlich kommen wollen, die Seinigen aber hätten ihn daran gehindert, alle übrigens welche ihm so gerathen, seyen umgekommen; er habe jetzt wohl die Güte und den Muth der Spanier gesehen und sich überzeugt, daß Maszabilica alles was er ihm über die Christen berichtet, gelogen habe. Als der Statthalter sah, daß es Nacht wurde und die auf der Verfolgung der Feinde Begriffenen noch nicht zurückkamen, ließ er zum Zeichen des Rückzuges das Geschütz abfeuern und die Trompeten blasen. Bald darauf rückten alle mit ihren Gefangenen, die sich auf mehr als dreitausend beliefen, in das Lager ein. Auf die Frage des Statthalters, ob sie alle wohlbehalten zurückkamen, erwiederte der erste Hauptmann, welcher an ihrer Spitze stand, daß nur ein Pferd eine unbedeutende Wunde erhalten habe. Der Statthalter rief nun voll Freude: »Ich danke inbrünstig Gott unserm Herrn und wir alle, meine Gefährten, sind ihm inbrünstigen Dank schuldig für daß große Wunder, welches er am heutigen Tage für uns gewirkt hat, denn wir dürfen in Wahrheit überzeugt seyn, daß wir ohne seinen besonderen Beistand nicht im Stande gewesen wären in dieses Land einzudringen und noch viel weniger den Sieg über einen so zahlreichen Feind davon zu tragen. Wolle uns Gott, nachdem er die Gnade gehabt hat uns so großen Lohn zu gewähren, auch in seiner Barmherzigkeit die Gnade verleihen, fernerhin ähnliche Thaten zu verrichten, auf daß wir uns sein heiliges Reich erwerben. Da ihr aber gewiß ermüdet seyd, meine Gefährten, so begebe sich jetzt jeder in seine Wohnung, um auszuruhen, laßt uns jedoch, obschon uns Gott den Sieg verliehen hat, fortwährend auf unserer Hut seyn. Unsere Feinde sind freilich geschlagen, aber sie sind hinterlistig und gewandt im Kampfe; ihr Gebieter ist, wie wir wissen, gefürchtet und ihres Gehorsams gewiß, und sie werden jede mögliche Tücke und List anwenden, um ihn unserer Gewalt zu entreißen. Achtet also in dieser und in den folgenden Nächten auf gute Wache und Runde, damit sie uns immer bereit finden.« Darauf entfernten sich alle, um zu essen; der Statthalter ließ Atabaliba an seinem Tisch Platz nehmen und ihn aufmerksam behandeln und eben so bedienen wie seine eigene Person. Darauf befahl er, ihm von seinen Weibern, die man ebenfalls gefangen hatte, so viele zu geben als er zu seinem Dienste verlange, und ihm ein gutes Bett in demselben Gemache, wo er selbst schlief, zu bereiten, ohne ihn zu fesseln oder außer der dienstthuenden Wache andere Vorkehrungen zu seiner Festhaltung zu treffen. Die Schlacht hatte nicht viel länger als eine halbe Stunde gedauert, denn die Sonne war bereits untergegangen als sie begann; und hätte die Nacht sie nicht unterbrochen, so wären von dreißigtausend Menschen, welche sich eingefunden hatten, nur wenige davongekommen. Nach der Schätzung mehrerer, welche schon im offenen Felde Kriegsvolk beisammen gesehen hatten, waren mehr als vierzigtausend Indianer anwesend. Auf dem Platze und auf dem Felde zählte man außer den Verwundeten zweitausend Todte. In diesem Treffen bemerkte man noch einen andern seltsamen Umstand; die Pferde nämlich, welche am Tage vorher sich wegen Erkältung nicht regen konnten, liefen an diesem Tage so schnell und muthig, als wenn sie nie an irgend einem Uebel gelitten hätten. 18. Große Beute. Freilassung der Gefangenen. Einiges über das Kriegswesen der Indianer. Atabaliba's Wohnung im Lager. Der erste Hauptmann wachte in der Nacht die Runde und untersuchte die Wachposten, welche er an den geeigneten Punkten aufgestellt hatte. Am Morgen des folgenden Tages schickte der Statthalter einen Hauptmann mit dreißig Reitern aus und befahl ihnen das Feld zu durchstreifen und die Waffen der Indianer zu zerbrechen; unterdessen ließ die im Lager gebliebene Mannschaft durch die gefangenen Indianer die Todten von dem Platze fortschaffen. Der Hauptmann mit den Reitern sammelte alles was er in dem Lager und in den Zelten Atabaliba's fand ein und kam vor Mittag mit seiner Beute an Männern, Frauen, Schafen, Gold, Silber und Zeugen in das Lager zurück. Bei der Beute befanden sich achtzigtausend Pesos Gold, siebentausend Mark Silber und vierzehn Smaragden. Das Gold und Silber bestand in ungeheuern Stücken, in großen und kleinen Schüsseln, Krügen, Töpfen, Kohlenbecken, großen Bechern und andern verschiedenen Gegenständen. Atabaliba bemerkte, daß all dieses Geschirr zu den für seine Bedienung bestimmten Geräthen gehört habe, und daß eine noch größere Menge derselben von seinen Indianern, als sie die Flucht ergriffen, müsse mitgenommen worden seyn. Der Statthalter befahl die Schafe, welche in so großer Menge vorhanden waren daß sie im Lager hinderten, alle loszulassen und jeden Tag nur so viele zu schlachten als man nöthig hätte; die in der vorhergehenden Nacht gefangenen Indianer ließ er auf den Platz führen und jeden Christen so viele auswählen, als er zu seiner Bedienung bedurfte. Die übrigen ließ er frei und befahl ihnen nach Hause zu gehen, denn sie waren aus verschiedenen Provinzen und Atabaliba hatte sie zum Kriegsdienste und zur Bedienung seines Heeres herbeigezogen. Manche waren der Ansicht, man solle alle Kriegsleute tödten oder ihnen die Hände abschneiden. Der Statthalter gab aber seine Einwilligung nicht und hielt es nicht für gut so grausam zu verfahren. Wenn auch, meinte er, die Macht Atabaliba's groß sey, wenn dieser auch eine bedeutende Anzahl Kriegsvolk zusammenbringen könne, so sey doch die Macht Gottes, unseres Herrn, unvergleichlich viel größer und er leiste in seiner unendlichen Güte den Seinen stets Beistand; sie dürften fest überzeugt seyn, daß der, welcher sie aus der Gefahr des vorhergehenden Tages befreit habe, sie auch in Zukunft nicht verlassen würde, besonders da sie als Christen die gute Absicht hätten, diese ungläubigen Barbaren zum Dienste Gottes und zur Erkenntniß des heiligen katholischen Glaubens zu bringen. Sie sollten also diesen nicht nachahmen und nicht gleich ihnen ihre Kriegsgefangenen schlachten; es sey schon an denen genug, welche in dem Treffen gefallen seyen, und er halte es nicht für wohlgethan, die übrigen, welche man wie Schafe in einen Pferch hereingetrieben habe, zu morden oder ihnen sonst einen Schaden zuzufügen. – Darauf wurden sie in Freiheit gesetzt. In der Stadt Caxamalca fand man gewisse Häuser, welche mit in Ballen zusammengeschnürten Zeugen bis unter die Dächer angefüllt waren; man sagte es seyen die Vorräthe für die Bedürfnisse des Heeres. Die Christen nahmen davon so viel ihnen behagte, und die Häuser blieben doch immer so voll, daß das Hinweggenommene keine Lücke gemacht zu haben schien. Die Zeuge gehörten zu den besten welche man bis jetzt in Indien gesehen hatte, und bestanden entweder, und zwar größtentheils, aus Wolle, oder aus Baumwolle von verschiedener, sehr haltbarer Farbe. – Ueber die vorgefundenen Waffen, deren sie sich im Kampfe bedienten, und über ihre Art und Weise Krieg zu führen, ist folgendes zu bemerken: den Vortrab bilden die Schleuderer, welche mit ihren Schleudern eigens dazu hergerichtete glatte, eiergroße Kieselsteine werfen; diese Schleuderer führen auch Schilde, welche sie aus dünnen aber sehr starken Brettern verfertigen, und tragen mit Baumwolle gefütterte Wämser. Nach diesen kommen andere mit Keulen und Streitäxten; die Keulen sind anderthalb Klafter lang und so dick wie die Lanze eines Infanteriehauptmanns. Der an dem oberen Ende befestigte Knopf besteht aus Metall, ist so dick wie eine Faust und mit fünf oder sechs spitzen Stacheln von der Größe eines Daumens besetzt. Sie führen diese Keulen mit beiden Händen. Ihre Streitäxte sind von derselben Länge und oft noch länger; die aus Metall bestehende Schneide ist handbreit, wie an einer Hellebarde. Manche Häuptlinge haben solche Streitäxte und Keulen von Gold und Silber. Dieser Abteilung folgt eine andere mit kleinen, Wurfspießen ähnlichen Lanzen, welche zum Schleudern eingerichtet sind. Der Nachtrab endlich besteht aus Pikeniren mit dreißig Fuß langen Piken; sie haben am linken Arm eine aus dichter Wolle bestehende Armschiene, an welcher die Pike widerliegt. Das Heer ist in Haufen mit eigenen Fahnen und Hauptleuten, welche den Befehl führen, eingetheilt und die Ordnung ungefähr gerade so groß wie bei den Türken. Manche tragen auch große Helme, welche den Kopf bis zu den Augen bedecken: sie bestehen zwar nur aus Holz und sind mit Baumwolle ausgefüttert, aus Eisen verfertigte können aber nicht stärker seyn. Das Kriegsvolk, aus welchem Atabaliba sein Heer gebildet hatte, bestand, da es fortwährend im Felde lag, durchaus aus sehr gewandten, krieggeübten, jungen und hochstämmigen Leuten, und tausend von ihnen waren hinreichend, jede Stadt dieses Landes, und wenn sie auch zwanzigtausend Einwohner zählte, zu erobern. Die Wohnung Atabaliba's, welche in der Mitte seines Lagers stand, war die schönste die man je bei den Indianern gesehen, und obgleich klein, hatte sie doch vier Abtheilungen, in der Mitte derselben einen Hof und in diesem ein Becken, in das durch eine Röhre Wasser fiel, welches so heiß war, daß man die Hand nicht darin leiden konnte. Es entspringt völlig siedend auf einem nahegelegenen Berge. Durch eine andere Röhre läuft kaltes Wasser in die erste und beides fällt vermischt durch eine Röhre in das Becken. Will man nur ein Wasser, so schließt man die Röhre des andern. Das Becken selbst ist groß und aus Steinen erbaut. Außerhalb des Hauses, an der einen Seite des Hofes befindet sich ein anderes Becken, welches nicht so gut gearbeitet ist als das erste, aber steinerne Stufen hat um hineinzusteigen, wenn man sich baden will. Der Ort, wo sich Atabaliba während des Tages aufhielt, war ein nach einem Garten hin gelegener Erker; daran stieß ein Gemach, worin er schlief, mit einem Fenster auf den Hof und das Becken; auch der Erker ging auf den Hof. Die Wände waren mit einem rothen Harze, besser und glänzender als Röthel, getüncht, und auch die Balken, welche die Bedachung des Hauses trugen, waren mit derselben Farbe angestrichen. Eine andere nach außen hin gerichtete Abtheilung besteht aus vier runden glockenförmigen, ineinandergehenden Gewölben mit einem schneeweißen Anstriche. Die beiden andern Abtheilungen waren für die Dienerschaft bestimmt. An der Vorderseite des Hauses strömte ein Fluß vorüber. 19. Atabaliba's Geschichte. Des Statthalters Unterredungen mit ihm und seine Anerbietungen. Dieß mag genügen über den Sieg, welchen die Christen in der Schlacht davon trugen, über die Gefangennehmung Atabaliba's, über die Einrichtung seines Lagers und seines Heeres; jetzt wollen wir über Atabaliba's Vater, über die Art und Weise wie er die Herrschaft an sich riß und über andere Einzelheiten seiner Macht und seines Landes näheres mittheilen, gerade wie es Atabaliba selbst dem Statthalter erzählte. – Der Vater Atabaliba's hieß Cuzco; er beherrschte die ganze Gegend und eine Landstrecke von mehr als dreihundert Meilen gehorchte ihm und bezahlte Tribut. Er stammte aus einer Provinz jenseits Quito; als er aber die Gegend, wo er sich später aufhielt, angenehm, fruchtbar und reich fand, ließ er sich daselbst nieder und legte einer großen Stadt, worin er seinen Sitz hatte, den Namen Cuzco bei. Er war so sehr gefürchtet und der Gehorsam den man ihm leistete, so groß, daß man ihn fast als einen Gott betrachtete und in vielen Städten sein Bildniß aufbewahrte. Er hatte hundert Söhne und Töchter, von denen die meisten noch am Leben sind. Er starb vor acht Jahren und hinterließ als Erben einen seiner Söhne, welcher denselben Namen wie er führte. Dieser war der Sohn seines rechtmäßigen Weibes, wie jenes Volk die erste und von ihrem Gemahle am meisten geliebte Frau nennt, und älter als Atabaliba. Diesen letzteren machte der alte Cuzco zum Beherrscher der Provinz Quito, welche er von dem übrigen Reiche trennte. Der Körper Cuzco's ist in der Provinz Quito, wo er starb, begraben, das Haupt aber brachte man in die Stadt Cuzco, wo es von einem großen Reichthum von Gold und Silber umgeben ist und ihm hohe Verehrung gezollt wird. Der Boden, die Wände und die Decke des Gemaches, worin es sich befindet, sind mit abwechselnd an einander gefügten goldenen und silbernen Platten getäfelt; wie man denn in dieser Stadt noch zwanzig andere Häuser findet, deren Wände von innen und von außen mit einer dünnen Goldplatte belegt sind. Außerdem sah man hier noch andere kostbare Gebäude, in denen Cuzco seinen Schatz aufbewahrte, welcher aus drei Gemächern bestand, die mit Stücken Gold, und aus fünf, die mit Silber und hunderttausend Goldtäfelchen, welche man in den Bergwerken ausgebeutet hatte, angefüllt waren. Jedes Täfelchen wog fünfzig Castellanos, und das Ganze war der Tribut der von ihm unterjochten Länder. Jenseits dieser Stadt liegt eine andere, welche Collao heißt und an welcher ein Fluß vorüberströmt, der eine große Menge Gold mit sich führt. Zehn Tagreisen von der Provinz Caxamalca, in einer anderen Provinz, welche den Namen Guaneso führt, strömt ein anderer Fluß, welcher eben so goldreich ist. – In allen Provinzen gibt es viele Gold- und Silberbergwerke. Das Silber gewinnen sie in dem Gebirge mit geringer Mühe und ein einziger Indianer gewinnt dessen in einem Tage fünf bis sechs Mark. Bei dem Bruche ist es mit Blei, Zinn und Schwefel vermischt und wird sodann erst gereinigt. Um es zu gewinnen, legt man Feuer in dem Berge an; dadurch entzündet sich der Schwefel und das Silber fällt in Stücken los. Die ergiebigsten Bergwerke sind in Quito und in Chinca. Von hier nach Cuzco braucht ein mit einer Last bepackter Indianer vierzig Tage; das Land ist gut bevölkert und Chinca, eine große Stadt, liegt auf der Hälfte des Weges. In der ganzen Gegend gibt es große Heerden von Schafen (Lamas), und viele derselben werden wild, weil es unmöglich ist alle Jungen aufzuziehen. Die Spanier, welche bei dem Statthalter stehen, schlachten deren jeden Tag hundert und fünfzig, bis jetzt ist jedoch keine Abnahme zu bemerken und es würde wohl in diesem Thale kein Mangel seyn, wenn auch die Spanier ein ganzes Jahr daselbst blieben. Sie sind übrigens im ganzen Lande das Hauptnahrungsmittel der Indianer. Atabaliba erzählte auch, daß nach dem Tode seines Vaters er und sein Bruder, jeder in dem Gebiete welches ihm sein Vater gegeben, sieben Jahre in Frieden neben einander gelebt hätten; vor ungefähr einem Jahre aber, oder etwas länger, habe sein Bruder Cuzco die Waffen gegen ihn erhoben und zwar in der Absicht ihm seine Herrschaft zu entreißen. Atabaliba schickte darauf einen Boten an ihn, um ihn zu bitten, doch keinen Krieg anzufangen und sich mit dem, was ihm sein Vater hinterlassen habe, zu begnügen. Da dieser aber keine Rücksicht darauf nahm, brach Atabaliba aus seinem Gebiete, welches Quito heißt, mit so viel Kriegsvolk als er zusammenbringen konnte, auf und kam nach Tomepomda, wo er seinem Bruder eine Schlacht lieferte; von dessen Heere mit seinen Leuten 1000 Mann tödtete und ihn zur Flucht zwang. Die Stadt Tomepomba, welche sich zur Wehr setzte, brannte er nieder und ermordete alle Bewohner derselben; auch alle übrigen Städte dieser Gegend wollte er zerstören, unterließ dieß aber, um seinen Bruder Cuzco zu verfolgen, welcher in sein Gebiet entflohen war. Atabaliba eroberte schnell das ganze Land, weil es das nämliche Loos, welches Tomepomba betroffen hatte, fürchtete. Vor sechs Monaten hatte er zwei seiner Hofleute, sehr tapfere, Männer, von denen der eine Quisquis und der andere Chaliachin hieß, mit 40.000 Mann gegen die Hauptstadt seines Bruders geschickt. Sie eroberten das ganze Land bis zu der Stadt wo Cuzco seinen Sitz hatte, nahmen diese mit Gewalt, ermordeten die sämmtlichen Einwohner, bemächtigten sich der Person Cuzco's und erbeuteten den ganzen Schatz seines Vaters. Sie thaten dieß sogleich Atabaliba zu wissen, und dieser befahl, ihm seinen Bruder gefesselt zu überschicken, und eben jetzt hatte er gerade die Nachricht erhalten, daß man in kurzem mit ihm und einem großen Schatz ankommen werde. Die Anführer blieben in der eroberten Stadt, um die Stadt und den Schatz welcher sich in derselben befand, zu bewachen, und behielten von den 40.000 Mann die sie mitgebracht hatten, eine Besatzung von 10.000 Mann bei sich; die übrigen 30.000 Mann gingen mit der gemachten Beute nach Hause, um auszuruhen. Atabaliba hatte also jetzt alles was sein Bruder Cuzco besessen hatte, in seiner Gewalt. Atabaliba und seine Feldherren wurden in Sänften getragen. Sie hatten seit dem Beginne des Krieges eine Menge Menschen getödtet und besonders hatte Atabaliba mit großer Grausamkeit gegen seine Feinde gewüthet. Die Caziken aller eroberten Städte führte er mit sich und ließ diese durch Statthalter verwalten, denn anders konnte er das Land nicht so ruhig und unterwürfig erhalten, wie er es wirklich erhielt. Auf diese Weise fürchtete man ihn sehr und leistete ihm unbedingten Gehorsam; sein Kriegsheer wurde von den Eingeborenen gut unterhalten und von ihm selbst sehr gut behandelt. Atabaliba hatte, ehe ihm das Unheil widerfuhr seine Freiheit zu verlieren, die Absicht in sein Land zurückzugehen, um auszuruhen und auf dem Heimwege noch alle übrigen Orte des ganzen Bezirkes, welcher sich zur Wehr gesetzt, zu veröden und sie mit andern Einwohnern von neuem zu bevölkern, und seine Feldherren sollten ihm deßhalb von dem in Cuzco gefangenen Volke 4000 verheirathete Leute schicken, um sie in Tomepomba anzusiedeln. Auch versprach Atabaliba seinen Bruder, welcher aus seiner Hauptstadt von den Feldherren ihm gefangen zugeschickt würde, dem Statthalter zu übergeben, damit dieser mit ihm verfahren könne wie ihm beliebe. Da Atabaliba befürchtete, die Spanier möchten ihn umbringen, so machte er dem Statthalter das Anerbieten, er wolle den Spaniern, welche ihn gefangen hielten, eine große Menge Gold und Silber geben. Der Statthalter fragte ihn, wie viel er geben wolle und in welcher Zeitfrist? Atabaliba erwiederte, er wolle einen 22 Fuß langen und 17 Fuß breiten Saal bis zu einem weißen Striche in der Hälfte der Höhe, welche nach seiner Angabe anderthalb Klafter betrug, mit Gold anfüllen und zwar solle das bis zu dem bestimmten Maaße anzuhäufende Gold in Krügen, Töpfen, Platten und andern Stücken bestehen. An Silber aber wolle er doppelt so viel geben als das ganze erwähnte Gemach fasse und alles solle in zwei Monaten vollständig beisammen seyn. Der Statthalter sagte ihm, er möge also nur Boten abschicken, und wenn er sein Versprechen halte, so würde er nichts zu befürchten haben. Atabaliba förderte sogleich Boten an die Feldherren, welche sich in Cuzco befanden, mit dem Befehle ab, ihm 2000 mit Gold und noch weit mehr mit Silber beladene Indianer, außer denen welche sich mit seinem gefangenen Bruder bereits auf dem Wege befanden, zu schicken. Der Statthalter fragte ihn auch, wie viel Zeit seine Boten brauchten, um die Stadt Cuzco zu erreichen. Atabaliba antwortete: wenn er etwas in Eile wolle melden lassen, so liefe von den Boten jeder nur eine Station, von Ort zu Ort, und die Nachricht käme in fünf Tagen an; wenn aber die Boten, welche er schicke, den ganzen Weg zurücklegten, so brächten sie, wenn es auch sehr schnelle Läufer seyen, fünfzehn Tage auf demselben zu. Der Statthalter fragte ihn ferner, warum er mehrere Indianer, welche die Christen, als sie die Umgegend recognoscirten, todt in seinem Lager gefunden, habe ermorden lassen. Atabaliba erwiederte, an dem Tage, wo der Statthalter seinen Bruder Hernando Pizarro in sein Lager geschickt um mit ihm zu sprechen, habe ein Christ sein Pferd gespornt; die Indianer nun, welche sie todt gefunden, seyen vor ihm zurückgewichen, und er habe deßhalb befohlen sie umzubringen. Atabaliba war ein Mann von dreißig Jahren und stattlichem Aussehen, gut gebaut und etwas dick, mit einem offenen, schönen, aber wilden Gesicht und mit blutdürstigen Augen. Er sprach mit vieler Würde, wie ein großer Herr und führte eine so lebhafte Unterhaltung, daß die Spanier, welche diese hörten, ihn für einen klugen Mann hielten. Er war auch bei seiner Grausamkeit munter; wenn er aber mit den Seinigen sprach, war er sehr hart und ließ seine Munterkeit nicht durchblicken. Unter andern sagte Atabaliba auch dem Statthalter, daß sich zehn Tagreisen von Caxamalca auf dem Wege nach Cuzco in einem Orte eine Moschee befinde, welche die Bewohner des Landes als ihren Haupttempel betrachteten und in welchem sie alle Gold und Silber als Opfer darbrachten; sein Vater habe große Ehrfurcht vor dem Tempel gehabt und diese sey auch auf ihn übergegangen. In dieser Moschee befanden sich nach der Angabe Atabaliba's große Reichthümer, denn obschon in jeder Stadt eine Moschee stand, wo die besonderen Ortsgötzen verehrt wurden, so befand sich doch in dieser Moschee der Hauptgötze aller. In der Moschee wohnte als Wächter ein großer Weiser, von dem die Indianer glaubten, daß er die Zukunft voraus wisse, weil er mit dem Götzen spreche und dieser sie ihm enthülle. Als der Statthalter, welcher schon früher etwas von dieser Moschee gehört hatte, solche Reden vernahm, gab er Atabaliba zu verstehen, daß alle diese Götzen Betrug seyen und daß der Teufel aus ihnen spreche, der sie verführe um sie zu verderben, wie er denn alle, die in diesem Glauben lebten und starben, ins Verderben gestürzt habe. Er sagte ihm ferner, daß es nur einen einzigen Gott gebe, der Himmel und Erde und alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge erschaffen habe, und an welchen die Christen glaubten; nur diesen dürfe man für den wahren Gott halten; man müsse dessen Gebote erfüllen und sich taufen lassen. Alle welche so handelten, würden seines Reiches theilhaftig, die andern aber verfielen den Strafen der Hölle, wo alle, die nicht zu dieser Erkenntniß gelangten und dem Teufel durch Darbringung von Gaben und Opfern und Erbauung von Moscheen dienten, in Ewigkeit brennen müßten. Alles dieß müsse von jetzt an für immer aufhören, denn deßhalb habe ihn der Kaiser, welcher der Christen so wie auch ihr König und Gebieter sey, geschickt, und weil sie seither ohne die Erkenntniß Gottes gelobt hatten, so habe dieser zugelassen, daß ihre so bedeutende Kriegsmacht, welche sie versammelt hätten, von so wenigen Christen vernichtet und er selbst gefangen worden sey. Er möge nur bedenken, welchen schlechten Beistand ihm seine Götter geleistet, und könne schon daraus ersehen, daß es Niemand anders sey als der Teufel, welcher sie irre führe. Darauf erwiederte Atabaliba, da weder er noch seine Vorfahren je Christen gesehen, so hätten sie dieses nicht gewußt und er habe deßhalb gelebt wie seine Väter. Er sey aber, fuhr er fort, von dem was ihm der Statthalter gesagt, überrascht und sehe sehr gut ein, daß der welcher aus seinem Götzen gesprochen, der wahre Gott nicht sey, weil er ihm so wenig geholfen habe. 20. Vorkehrungen des Statthalters. Nachrichten aus St. Miguel. Ankunft frischer Mannschaft unter Diego de Almagro. Als der Statthalter mit den Spaniern von den Anstrengungen des Marsches und der Schlacht ausgeruht hatte, schickte er alsbald Boten nach der Stadt S. Miguel, um die Ansiedler von dem Vorgefallenen in Kenntniß zu setzen, und um selbst zu erfahren wie es ihnen gehe, und ob noch keine Schiffe angekommen seyen, was man ihm sogleich melden möge. Darauf ließ er auf dem Platze von Caxamalca eine Kirche erbauen, um darin das allerheiligste Sacrament des Altars zu feiern, und befahl die Einfassungsmauer des Platzes, weil sie zu niedrig war, niederzureißen und durch eine höhere zu ersetzen. In vier Tagen war eine 2 Klafter hohe und 550 Schritte im Umfang messende Erdmauer vollendet. Außerdem traf der Statthalter noch andere Vorkehrungen zur Sicherung des Lagers; jeden Tag zog er Erkundigung ein, ob sich nicht irgendwo Kriegsvolk zusammenziehe, und bekümmerte sich überhaupt um alles was im Lande vorging. Als die Caziken der Provinz die Ankunft des Statthalters und die Gefangennehmung Atabaliba's erfuhren, kamen viele derselben friedlich herbei, um den Statthalter zu sehen. Manche dieser Caziken geboten über 30.000 Indianer und waren alle Atabaliba unterthan. Wenn sie vor ihm erschienen, begrüßten sie ihn sehr ehrerbietig, indem sie ihm die Füße und Hände küßten; er aber empfing sie ohne sie auch nur anzusehen, und man kann wirklich sein Erstaunen über seinen Ernst und über den unbedingten Gehorsam welchen ihm alle leisteten, nicht genugsam aussprechen. Jeden Tag kamen eine Menge Geschenke für ihn aus dem ganzen Lande an, und obschon er ein Gefangener war, so hatte er doch immer noch das Gefolge eines Königs und zeigte sich sehr heiter. Freilich behandelte ihn der Statthalter auch wirklich sehr gut, obschon er ihn einigemal wissen ließ, wie mehrere Indianer den Spaniern hinterbracht hätten, daß er in Guamachuco und an andern Orten Kriegsvolk zusammenziehen lasse. Atabaliba erwiederte ihm, daß sich in dem ganzen Lande Niemand ohne seine Erlaubniß zu erheben wagen würde, daß er übrigens, wenn wirklich Kriegsvolk anrücke, überzeugt seyn dürfe, daß dieses nur auf seinen Befehl anrücke, und er könne ja alsdann, da er in seiner Gewalt sey, mit ihm verfahren wie er wolle. Die Indianer hinterbrachten freilich viele Lügen, beunruhigten aber nichtsdestoweniger dadurch die Christen. Unter vielen andern Boten, welche zu Atabaliba kamen, erschien auch einer von denen welche seinen Bruder gefangen herbeiführen sollten, und meldete ihm, daß die Hauptleute, als sie seine Gefangennehmung erfuhren, Cuzco bereits ermordet hatten. Als der Statthalter dieses vernahm, zeigte er sich darüber sehr unwillig und rief, das sey eine Lüge; man hätte ihn nicht ermordet und man solle ihn sogleich lebendig herbeiführen, wo nicht, so würde er Atabaliba hinrichten lassen. Atabaliba versicherte indessen, seine Hauptleute hatten ihn wirklich ohne sein Vorwissen umgebracht. Der Statthalter erkundigte sich nun näher bei den Boten und erhielt auch von diesen die Bestätigung seiner Ermordung. Einige Tage nach diesen Ereignissen erschienen wieder Leute Atabaliba's, nebst einem seiner Brüder, welcher von Cuzco kam und mehrere Schwestern und Weiber Atabaliba's mit sich führte. Er brachte auch viele goldene Gefäße, Krüge, Töpfe und andere Stücke, nebst vielem Silber, und bemerkte, daß sich dessen noch mehr auf dem Wege befände, da aber die Reise sehr weit sey, so müßten die Indianer, welche es trügen, ausruhen und könnten nicht so schnell eintreffen; jeden Tag aber würde mehr von dem zurückgebliebenen Gold und Silber ankommen; und so trafen denn auch wirklich an manchen Tagen 20.000, an andern 30.000, an andern 50.000 und wieder an andern 60.000 Pesos Gold an Krügen und großen Töpfen, welche zwei bis drei Arroben Die Arrobe ist verschieden und hält 13 bis 17 Kannen. hielten, nebst großen silbernen Krügen, Töpfen und andern Gefäßen, ein. Der Statthalter befahl alles, so wie es ankam, in ein Haus worin Atabaliba seine Wachen hatte, zu bringen, bis es mit dem was noch ankommen sollte, das versprochene Maaß voll machen würde. Am 20. December desselben Jahres (1532) kamen einige Indianer als Boten von der Stadt Miguel, mit einem Briefe, in welchem der Statthalter benachrichtigt wurde, daß an jener Küste in einen Hafen, der Cancebi heiße und bei Quaque liege, sechs Schiffe mit 150 Spaniern und 84 Pferden eingelaufen seyen; die drei größeren Schiffe, an deren Bord sich der Hauptmann Diego de Almagro mit 120 Mann befände, kamen von Panama, die drei andern Caravellen mit 30 Mann von Nicaragua, und alle diese Leute seyen in der Absicht Dienst zu nehmen in seine Statthalterschaft gelandet. Nach der Ausschiffung der Mannschaft und der Pferde sey sogleich ein Fahrzeug, um den Aufenthaltsort des Statthalters zu erforschen, weiter gesegelt und sey bis Tumbez gekommen, der Cazike dieser Gegend habe ihm aber weder Nachrichten über den Statthalter mittheilen, noch den Brief abgeben wollen, welchen dieser zur Ablieferung an etwa einlaufende Schiffe zurückgelassen hatte, es sey also ohne irgend eine Kunde über den Statthalter zurückgekehrt; ein anderes Fahrzeug, welches nach dem ersten ausgelaufen, sey der Küste bis zum Hafen von S. Miguel gefolgt; der Schiffsführer habe sich hier ans Land und in die Stadt begeben, wo die Ankunft dieser Leute alle mit großer Freude erfüllte, sich aber sogleich wieder mit dem Briefe, welchen der Statthalter an die Colonisten dieses Orts geschrieben und worin er ihnen von dem Sieg, welchen Gott ihm und seiner Mannschaft verliehen, so wie von dem großen Reichthum des Landes Nachricht gegeben, auf den Rückweg gemacht. – Der Statthalter und alle seine Leute freuten sich sehr über die Ankunft dieser Schiffe. Er schickte sogleich Boten mit Briefen an den Hauptmann Diego de Almagro und an einige Personen die mit ihm gekommen waren, ab, worin er seine Freude über ihre Ankunft aussprach und sie bat, sogleich wieder von der Stadt S. Miguel, um dieser nicht lästig zu fallen, aufzubrechen und sich zu den benachbarten Caziken auf dem Wege nach Caxamalca, wo sie Ueberfluß an Lebensmitteln finden würden, zu begeben; er wolle unterdessen Gold einschmelzen lassen, um die Miethe der Schiffe zu bezahlen, damit diese alsbald heimsegeln könnten. 21. Eintreibung des Goldes und Silbers. Jeden Tag fanden sich Caziken bei dem Statthalter ein und unter diesen auch zwei, welche den Namen Räubercaziken führten, weil ihr Volk alle Leute anfiel, die durch ihr Land, welches auf dem Weg nach Cuzco lag, kamen. Als Atabaliba sich bereits sechzig Tage in der Gefangenschaft befand, erschien ein Cazike des Orts wo die oben erwähnte Moschee stand, und der Wächter derselben vor dem Statthalter, und als dieser Atabaliba fragte, wer diese Leute seyen, erhielt er zur Antwort, der eine sey der Herr des Ortes wo sich die Moschee befinde, der andere der Wächter derselben, und er sey über die Ankunft des letzteren sehr erfreut, denn er wolle ihm die Lügen, die er ihm vorgeschwatzt, vergelten. Er verlangte eine Kette um ihn zu fesseln, weil er ihm gerathen, mit den Christen Krieg anzufangen, und weil der Götze ihm verkündet habe, daß er sie alle umbringen würde; auch habe er seinem Vater Cuzco, als dieser dem Tode nahe war, gesagt, er würde an seiner Krankheit nicht sterben. Der Statthalter ließ eine Kette herbeibringen und Atabaliba legte sie ihm an mit dem Bedeuten, daß er sie nicht eher lösen werde, als bis er alles Gold der Moschee herbeigeschafft haben würde, welches er alsdann den Christen geben wolle, weil sein Götze ein Lügner sey. »Ich will jetzt sehen, fügte er noch hinzu, ob dir der, welchen du deinen Gott nennst, die Kette abstreifen wird.« – Der Statthalter und der Cazike, welcher mit dem Wächter gekommen war, schickten Boten ab, um sowohl das Gold der Moschee, als auch das was der Cazike besaß, zu holen, und diese versprachen in 50 Tagen wieder zurück zu seyn. Da unterdessen der Statthalter vernommen hatte, daß sich im Lande Kriegsvolk zusammenziehe, und daß sich dessen schon zu Guamachuco befinde, schickte er Hernando Pizarro mit 20 Reitern und einigem Fußvolk nach Guamachuco, welches drei Tagreisen von Caxamalca liegt, um zu erforschen, was dort vorgehe, und das an diesem Orte befindliche Gold und Silber herbeizuschaffen. Der Hauptmann Hernando Pizarro brach am Abend des Festes der heiligen drei Könige (6 Januar) im J. 1533 von Caxamalca auf. – vierzehn Tage darauf kamen einige Christen mit einer großen Menge Gold und Silber zu Caxamalca an; sie brachten mehr als 300 Lasten, welche in großen goldnen und silbernen Krügen, Töpfen und andern Gefäßen bestanden. Der Statthalter ließ alles zu dem bereits empfangenen in das Haus, wo Atabaliba seine Wachen hatte, bringen, indem er bemerkte, er wolle es in Gewahrsam nehmen, bis das Versprochene vollständig eingetroffen wäre, um es dann, wenn alles beisammen sey, auf einmal abzuliefern, und um es in desto besserem Gewahrsam zu halten, stellte er Christen davor, um es Tag und Nacht zu bewachen, und ließ, damit kein Betrug stattfinden könne, alles, so wie es in das Haus gebracht wurde, Stück für Stück zählen. Mit dem Golde und Silber langte auch ein Bruder Atabaliba's an und verkündete, daß in Xauxa noch eine weit größere Menge Gold zurückgeblieben sey, daß dieses sich aber jetzt bereits auf dem Wege befinde und von einem der Hauptleute Atabaliba's, welcher Chilicuchima heiße, begleitet werde. Hernando Pizarro schrieb dem Statthalter, daß er über den Zustand des Landes Erkundigung eingezogen, nirgends aber etwas von Zusammenziehung von Kriegsvolk gehört habe, auch wisse er sonst nichts Neues, als daß sich das Gold nebst einem Hauptmann zu Xauxa befinde; er möge ihn seine Befehle wissen lassen, und ob er weiter vorrücken solle, denn er möge nicht, ohne von ihm Bescheid erhalten zu haben, seinen jetzigen Aufenthaltsort verlassen. Der Statthalter erwiederte, er solle seinen Weg nach der Moschee nehmen, weil er den Wächter derselben gefangen halte und weil Atabaliba befohlen habe den ganzen Schatz herauszunehmen; er solle sich also beeilen, alles Gold das sich in der Moschee befinde, in seine Hände zu bekommen und ihm von jedem Orte aus alles was ihm auf dem Wege begegne zu schreiben. Alles geschah so wie ausgemacht. Als der Statthalter bemerkte, mit welcher Langsamkeit das Gold herbeigeschafft wurde, schickte er drei Christen ab, um die Ankunft des Goldes welches sich in Xauxa befand zu beschleunigen und die Stadt Cuzco zu besuchen. Einem derselben gab er Vollmacht, an seiner Stelle und im Namen Seiner Majestät in Gegenwart eines öffentlichen Schreibers, welcher ebenfalls mitging, von der Stadt Cuzco und ihren Umgebungen Besitz zu nehmen. Er schickte auch einen Bruder Atabaliba's mit und befahl ihnen den Eingeborenen kein Leid zuzufügen und ihnen weder Gold noch sonst etwas gegen ihren Willen zu nehmen. Sie sollten nichts anders thun als was der sie begleitende Häuptling verlange, damit sie nicht umgebracht würden; vor allem sollten sie dahin trachten, die Stadt Cuzco zu besuchen und über alles Bericht erstatten. Diese Leute reisten am 15. Februar des genannten Jahres (1533) von Caxamalca ab. Am Abend des Palmsonntags am 14 April desselben Jahres traf der Hauptmann Diego de Almagro mit einiger Mannschaft zu Caxamalca ein und ward von dem Statthalter und seinen Leuten wohl empfangen. – Ein Neger, welcher mit den nach Cuzco geschickten Christen abgereist war, kehrte am 28 April mit 107 Lasten Gold und 7 Lasten Silber zurück. Er kam von Xauxa, wo sie den Indianern welche das Gold brachten, begegnet waren, die andern Christen hatten ihren Weg nach Cuzco fortgesetzt. Er berichtete auch, daß Hernando Pizarro, welcher sich in Xauxa aufhalte um eine Zusammenkunft mit Chilicuchima abzuwarten, in kurzer Zeit eintreffen würde. Der Statthalter ließ das Gold zu dem andern bringen und alle Stücke zählen. Am 25 März kam der Hauptmann Hernando Pizarro mit allen Christen welche er mitgenommen hatte und mit dem Häuptling Chilicuchima in die Stadt Caxamalca zurück und wurde von dem Statthalter und seinen Leuten sehr freudig empfangen. Er brachte aus der Moschee 27 Lasten Gold und 2000 Mark Silber, und reichte dem Statthalter folgenden Bericht ein, welcher Miguel Eßtete, der ihn als Aufseher (Veedor) auf der Reise begleitete, zum Verfasser hat. 22. Hernando Pizarro's Zug nach Xauxa. Beschreibung des Wegs. Netzbrücken. »Am Tage der Erscheinung des Herrn, gewöhnlich das Fest der heiligen drei Könige genannt, Mittwoch den 5 (6 Januar) des Jahres 1533, brach der Hauptmann Hernando Pizarro mit 20 Reitern und einer Anzahl Flintenschützen von Caxamalca auf und nahm an demselben Tage sein Nachtlager in einigen einzeln stehenden Häusern fünf Meilen von der genannten Stadt. Am andern Tage hielt er an einem Orte, welcher Ychoca heißt, Mittag; er wurde hier gut empfangen, und man versah ihn und seine Leute mit allem was sie nöthig hatten. An diesem Tag übernachtete er in einem kleinen Orte, der den Namen Guancasanga führt und von der Stadt Guamachuco abhängig ist. Am andern Morgen erreichte er Guamachuco, eine große, in einem Thale zwischen Bergen gelegene Stadt von gutem Ansehen und mit schönen Häusern. Der Gebieter derselben hieß Guamanchoro und nahm den Hauptmann und seine Begleiter wohl auf. Hier traf ein Bruder Atabaliba's ein, welcher abgeschickt worden war um die Ankunft des Goldes von Cuzco zu beschleunigen. Von ihm erfuhr der Hauptmann, daß 20 Tagreisen hinter ihm der Häuptling Chilicuchima komme und die ganze Menge Goldes, welche Atabaliba verlangt habe, bringe. Da der Hauptmann bemerkte, wie sehr man mit der Herbeischaffung des Goldes zögerte, schickte er einen Boten an den Statthalter, um von ihm Verhaltungsbefehle zu verlangen und ihm zu sagen, daß er bis zur Ankunft der Antwort an Ort und Stelle bleiben würde. In dieser Stadt erkundigte er sich bei mehreren Indianern, ob Chilicuchima wirklich so weit herkäme, und als er einigen Häuptlingen hart zu Leibe ging, bekannten sie ihm daß Chilicuchima nur sieben Meilen von Guamachuco in dem Orte Andamarca mit einem Heere von 20.000 Mann stehe und heranrücke, um die Christen umzubringen und seinen Gebieter zu befreien; der, welcher dieß eingestand, versicherte, er habe am Tage vorher mit Chilicuchima gegessen. Ein anderer Gefährte dieses Häuptlings, welchen man auf die Seite nahm, machte dieselbe Aussage.« »Auf diese Nachricht entschloß sich der Hauptmann, Chilicuchima entgegenzugehen, ordnete seine Mannschaft und schlug den bezeichneten Weg ein. Am ersten Tage nahm er sein Nachtlager in einem kleinen Orte, welcher Tambo heißt und von Guamachuco abhängig ist. Hier zog er weitere Erkundigungen ein und alle Indianer, so viele er deren auch fragte, sagten dasselbe aus wie die ersten. In diesem Orte hielt er während der ganzen Nacht gute Wache und setzte am andern Morgen seinen Weg mit großer Vorsicht fort. Schon vor Mittag erreichte er den Ort Andamarca, fand aber daselbst weder den erwähnten Heerführer, noch irgend eine andere Nachricht von ihm als die, welche ihm zuerst der Bruder Atabaliba's mitgetheilt hatte, daß er sich nämlich mit vielem Gold in dem Orte, welcher Xanca (Xauxa) heiße, befinde und allmählich näher komme. Zu Andamarca erreichte ihn auch die Antwort des Herrn Statthalters, worin ihm dieser sagte: da er in Erfahrung gebracht habe, daß Chilicuchima mit dem Golde noch so weit entfernt sey, da er auch wisse, daß er den Oberpriester der Moschee von Pachacama in seiner Gewalt habe, und wie viel Gold ihm dieser versprochen habe, so solle er sich über den Weg, welcher dorthin führe, erkundigen und ihn, wenn er es für gut fände, einschlagen, um das dort befindliche Gold zu holen; unterdessen würde auch wohl das von Cuzco kommende eintreffen.« »Der Hauptmann zog also Erkundigung über den Weg und die Anzahl der Tagreisen bis zu der Moschee ein, und obschon die bei ihm befindliche Mannschaft schlecht mit Hufeisen und andern auf einem so weiten Weg nöthigen Dingen versehen war, so entschloß er sich doch in Betracht des Dienstes, welchen er Seiner Majestät dadurch leiste, daß er das Gold, ehe es Indianer fortschleppten, hole, und um das Land zu untersuchen, ob es sich zur Ansiedelung der Christen eigne, zu diesem Wagnisse; er machte sich also trotz der noch erhaltenen Nachricht, daß auf dem weiten Weg auch viele Flüsse, über welche nur Netzbrücken führten, und gefährliche Stellen sich fänden, am 14 Januar auf dem Weg und nahm einige Häuptlinge mit, die schon in jener Gegend gewesen waren. An demselben Tage kam er über zwei gefährliche Stellen und über zwei Flüsse und nahm sein Nachtlager in einem Orte, welcher Totopamba heißt und an dem Abhange eines Berges liegt. Die Indianer nahmen ihn wohl auf und gaben sowohl hinreichende Lebensmittel und alles was für die Nacht nöthig war, als auch Träger für das Gepäck. – Am folgenden Tag setzte er seinen Weg fort und übernachtete in einem andern kleinen Orte, welcher Corongo heißt. Auf der Mitte des Weges kam er durch einen mit Schnee angefüllten Engpaß und sah auf dem ganzen Wege eine große Menge Heerden mit ihren Hirten, welche sie bewachten und auf den Bergen wohnten, wie in Spanien. Die Bewohner dieses Ortes, der von Guamachoro abhängig ist, lieferten Lebensmittel, so wie auch sonst alles Nöthige und Träger für das Gepäck. Am andern Tag ging er weiter und nahm sein Nachtlager in einem andern kleinen Orte, welcher Siga heißt, wo man aber niemand fand, weil alle Einwohner aus Furcht entflohen waren. Diese Tagreise war sehr schlimm, denn man mußte an einem Abhange, wo der steile Weg stufenweise in das Gestein gehauen und für die Pferde sehr gefährlich war, herabsteigen. Am andern Tage um die Mittagszeit erreichte er einen großen Ort, welcher in einem Thale liegt. Auf der Hälfte des Weges kam man an einen großen reißenden Fluß, über welchen zwei Brücken neben einander führen, die auf folgende Weise aus Netzwerk gemacht sind. Man erbaut an dem Wasser starke, ziemlich hohe Pfeiler, spannt dann von einem Ufer des Flusses zum andern aus weidenähnlichen Binsen gefertigte Taue, die so dick wie eine Hüfte und auf beiden Seiten an große Steine festgebunden sind; der Zwischenraum von einem Taue zum andern hat ungefähr die Breite eines Wagens und beide sind quer durch starke, gut geflochtene Seile verbunden; unten daran hängen sie große Steine, um durch ihre Schwere die Brücke im Gleichgewicht zu halten. Die eine Brücke dient dem gemeinen Volke als Uebergang und an ihr steht ein Pförtner, welcher das Brückengeld erhebt; über die andere gehen nur die Gebieter des Landes und ihre Häuptlinge. Sie ist immer geschlossen; man öffnete sie aber dem Hauptmann und seinen Leuten; die Pferde kamen ohne alle Schwierigkeit hinüber. – In dem erwähnten Orte rastete der Hauptmann zwei Tage, weil die Mannschaft und Pferde von dem schlechten Weg ermüdet waren. Die Christen wurden hier sehr gut empfangen und mit Lebensmitteln und allem Nöthigen versehen. Der Herr dieses Ortes hieß Pumapaecha.« 23. Orte, durch welche die Spanier ziehen. Ankunft zu Pachalcami, wo sich der mit Gold angefüllte Tempel befinden sollte. »Am folgenden Tage brach der Hauptmann von diesem Orte auf und kam um die Mittagsstunde in einen andern kleineren Ort, wo man alles Nöthige erhielt. Bei diesem Orte ging er wieder über eine Netzbrücke, die der ersten völlig gleich war und nahm sein Nachtlager zwei Meilen weiter in einem andern Orte, dessen Bewohner die Christen friedlich aufnahmen, ihnen Lebensmittel lieferten und Träger für das Gepäck stellten. Diese Tagreise führte ihn durch ein Thal mir einer Menge von Maispflanzungen und kleinen Dörfern auf beiden Seiten des Weges. Am folgenden Tag verließ er diesen Ort und kam des Morgens an einen andern, wo man gleichfalls ihm und seinen Leuten bereitwillig jeden Dienst erwies. Ihr Nachtlager nahmen sie in einem anderen Orte, wo man sie ebenfalls sehr gut behandelte und wo die Indianer sie sogar mit einer Menge Schafe, mit Chicha und allem was sie brauchten, beschenkten. Die ganze Gegend ist sehr reich an Vieh und Mais und die Christen begegneten auf ihrem Wege vielen Heerden. – Am folgenden Tag verließ der Hauptmann diesen Ort, zog durch ein Thal und kam zur Mittagszeit in einen großen Ort, welcher den Namen Guarax führt und dessen Herr Pumacapllai hieß. Er ward von diesem und seinen Indianern gut mit Lebensmitteln und Leuten zum Tragen des Gepäcks versehen. Dieser Ort liegt in einer Ebene und dicht an ihm strömt ein Fluß vorüber; von hier aus sah man andere Orte mit zahlreichen Viehheerden und Maispflanzungen und allein als Lebensmittel für den Hauptmann und die bei ihm befindlichen Leute waren in einem Pferche 200 Stück Vieh zusammengetrieben. – Von hier aus brach der Hauptmann spät auf und übernachtete in einem andern Orte, der Sucaracoai heißt und wo sie sich ebenfalls eines guten Empfanges erfreuten. Der Herr dieses Ortes nannte sich Marcocana. Hier rastete der Hauptmann einen Tag, weil die Mannschaft und die Pferde der schlechten Straße wegen der Ruhe sehr bedurften. Man hielt an diesem Orte gute Wache, weil er groß war und Chilicuchima mit 55.000 Mann in der Umgegend stand. – Am andern Tage setzte er den Weg fort durch ein an Ackerfeldern und Heerden reiches Thal und übernachtete zwei Meilen weiter in einem kleinen Orte, der Pachicoto heißt. Hier verließ er die königliche Straße, welche nach Cuzco führt, und schlug die nach den Ebenen hin ein.« »Am folgenden Tage zog er von diesem Orte ab und nahm sein Nachtlager in einem andern, der Marcara heißt und dessen Gebieter sich Corcara nannte. Die Bewohner dieses Ortes sind Eigenthümer großer Heerden und halten dafür eigene Schäfer, welche sie zur bestimmten Jahreszeit auf die Weide treiben, gerade wie dieses in Castilien und Estremadura Sitte ist. Von diesem Orte aus laufen viele Wasser dem Meere zu und machen den Weg sehr schwierig; das Land nach dem Innern hin ist sehr kalt und voll Gewässer und Schnee, die Küste aber sehr heiß, und es regnet hier so wenig, daß es zur Ernährung der Saaten nicht hinreichen würde, wenn nicht das von dem Gebirge herabkommende Wasser den Boden tränkte, welcher Getreide und Baumfrüchte im Ueberfluß hervorbringt. Am folgenden Tage setzte er seinen Weg längs eines Flusses mitten durch Fruchtbäume und Ackerfelder fort, übernachtete an diesem Tage in einem kleinen Orte, welcher Guaracanga hieß, und am folgenden Tage in Parpunga, einem großen an der Seeküste liegenden Orte, mit einer festen Burg, welche von fünf geschlossenen Ringmauern umgeben und von außen und von innen mit vieler Mühe bemalt war. Die Thüren waren fast ganz nach spanischer Weise und sehr gut gearbeitet und an dem Hauptthore sah man zwei Tiger. Die Bewohner dieses Ortes ergriffen vor Furcht die Flucht, als sie einen vorher nie gesehenen Menschenschlag und die Pferde, welche sie besonders mit Staunen erfüllten, wahrnahmen. Der Hauptmann ließ sie durch den Dolmetscher, welchen er mit sich führte, anreden und beruhigen, worauf sie willig Dienst leisteten. Hier verließ er die Straße, welcher man seither gefolgt war, und schlug eine andere breitere ein, welche die Küstenorte gebaut hatten und die auf beiden Seiten mit einer Mauer eingefaßt war.« »In dem Orte Parpunga rastete der Hauptmann zwei Tage, um seine Leute ausruhen zu lassen und um Hufeisen zu erwarten. Als man von diesem Orte weiter zog, setzte man über einen Fluß, die Mannschaft auf Flößen und die Pferde schwimmend, und übernachtete in einem Orte, welcher Guamamayo hieß und in einer Schlucht am Meere liegt. Nicht weit davon setzte man schwimmend über einen Fluß, und zwar mit großer Mühe, denn er war sehr angeschwollen und reißend. An der Küste führen keine Brücken über die Flüsse, weil diese hier zu breit und weit ausgetreten sind. Der Herr dieses Ortes und seine Leute leisteten bereitwilligen Beistand bei der Uebersetzung des Gepäcks und lieferten hinreichende Lebensmittel und Träger. Von hier brach der Hauptmann mit seiner Mannschaft am 9 Januar auf und nahm sein Nachtlager in einem von Guamamayo abhängigen Orte, welcher drei Meilen weiter liegt. Der Weg dahin ist eben und mit einer Erdmauer eingefaßt und auf dem größten Theile desselben sieht man zahlreiche Aecker, Baumstücke und Getreidefelder. Das Nachtlager nahm man an diesem Tage in einem großen Ort an der Küste, welcher Guarva heißt. Er hat eine schöne Lage und große Wohnhäuser. Die Christen wurden von den Herren dieses Ortes und ihren Leuten gut bedient und erhielten alles, was sie an diesem Tage nöthig hatten. Am folgenden Tage brach der Hauptmann alsbald auf und übernachtete in einem Orte, welcher Llachu heißt, dem man aber den Namen Rebhühnerdorf beilegte, weil man in jedem Hause eine Menge Rebhühner, die in Käfigen saßen, bemerkte. Die Einwohner nahten sich friedlich und leisteten gute Dienste, der Cazike des Ortes ließ sich aber nicht sehen. Am folgenden Tag verließ der Hauptmann in aller Frühe diesen Ort, weil ihm gesagt worden war, daß er eine lange Tagreise vor sich habe, und traf um die Mittagszeit in einem großen Orte ein, der Guculacumbi heißt und fünf Meilen weiter liegt. Der Herr und die Bewohner dieses Ortes kamen freundschaftlich herbei und lieferten die für diesen Tag nöthigen Lebensmittel. Gegen Abend brach man wieder auf, um am nächsten Tage den Ort, wo die Moschee stand, zu erreichen, ging auf einer Furt über einen breiten Fluß und erreichte auf einer mit Erdmauern eingefaßten Straße anderthalb Meilen weiter einen Ort, wo man übernachtete. Am folgenden Tag setzte er seinen Weg stets durch Wäldchen und Dörfer fort und erreichte Pachalcami, den Ort, wo die Moschee stand. Auf der Hälfte des Weges liegt ein anderer großer Ort, wo der Hauptmann sein Mittagsmahl einnahm.« 24. Bemerkungen über den Götzen und seine Verehrung. »Der Herr von Pachalcami und seine Häuptlinge empfingen die Spanier sehr freundlich und zeigten viel guten Willen. Der Hauptmann lagerte sich sogleich mit seiner Mannschaft in einigen großen Gebäuden auf der einen Seite des Ortes und verkündete alsbald, daß er im Auftrag des Herrn Statthalters komme, um das Gold der Moschee, welches der Cazike dem Herrn Statthalter versprochen habe, abzuholen; sie möchten es also unverzüglich zusammenbringen und ihm geben, oder es selbst an den Ort schaffen, wo sich der Herr Statthalter befinde. Die Häuptlinge des Ortes und die Diener des Götzen unterredeten sich nun miteinander und versprachen es abzuliefern. Sie gingen aber mit Lügen um und wollten nur Zeit gewinnen. Endlich brachten sie etwas weniges und sagten, es finde sich nicht mehr vor. Der Hauptmann verstellte sich eben so wie sie und äußerte, er wünsche ihren Götzen zu sehen, und man möge ihn zu ihm führen, was denn auch geschah. Man führte ihn in ein wohlgebautes und schön bemaltes Haus; in diesem hatten sie in einem wohl verschlossenen, dunkeln und stinkenden Saale einen aus Holz gefertigten sehr schmutzigen Götzen. Diesen nannten sie ihren Gott, der alle erschaffen habe und erhalte, und der auch alle Lebensmittel hervorbringe. Zu seinen Füßen lagen einige aus Gold bestehende Gaben, die man ihm geopfert hatte. Sie hegen eine so hohe Ehrfurcht vor ihm, daß ihn nur seine Priester und Leute, die er, wie sie sagen, sich selbst wähle, bedienen dürfen; kein anderer wagt zu ihm einzutreten und kein anderer hält sich für würdig auch nur mit der Hand die Wände seiner Wohnung zu bewähren. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Teufel in diesem Götzen steckt, mit diesen seinen Spießgesellen spricht und ihnen teuflische Dinge sagt, die sie im ganzen Lande verbreiten. Alle halten ihn für ihren Gott und bringen ihm viele Opfer. 300 Meilen weit pilgern sie zu diesem Teufel mit Gold, Silber und Stoffen; die Ankommenden begeben sich zu dem Pförtner und eröffnen ihm die Gnade um die sie bitten; er geht nun hinein, spricht mit dem Götzen und verkündet dann, daß dieser sie ihnen gewähre. Bevor einer seiner Diener zu ihm eintritt, muß er wie sie sagen viele Tage fasten und darf mit keinem Weibe Gemeinschaft haben. In allen Straßen, an den Hauptthoren der Stadt und in der ganzen Umgegend des Tempels sieht man viele hölzerne Götzen, welche die Indianer nach derselben Weise wie ihren Hauptteufel anbeten. Man hat von vielen Herren des Landes die Versicherung erhalten, daß die ganze Bevölkerung der Küste von der Stadt Catamez an, mit welcher diese Statthalterschaft beginnt, dieser Moschee Gold und Silber opfere und jedes Jahr einen bestimmten Tribut bezahle. Es gab hier eigene Gebäude, worin von eigenen Hausmeistern der Tribut gesammelt wurde. Man fand darin einiges Gold und Anzeichen, daß man noch weit mehr fortgeschleppt hatte, wie denn auch viele Indianer aussagten, es sey auf Befehl des Teufels fortgebracht worden. Man könnte noch viele Dinge von der Abgötterei, welche sie mit diesem Götzen treiben, erzählen, ich will sie aber um nicht zu weitläufig zu werden übergehen und nur noch bemerken, daß unter den Indianern die Sage verbreitet ist, dieser Götze habe ihnen zu verstehen gegeben, daß er ihr Gott sey, daß er sie verderben könne, wenn sie ihn erzürnten und ihm nicht gut dienten und daß er alle Dinge der Welt in seiner Gewalt habe. Auch war wirklich die ganze Einwohnerschaft schon allein darüber, daß der Hauptmann zu dem Götzen hineingegangen war um ihn zu betrachten, in Bestürzung und Furcht, und glaubte fest, die Christen würden bei ihrem Abzüge unfehlbar alle vernichtet werden. Die Christen suchten den Indianern begreiflich zu machen in welchem großen Irrthume sie sich befanden und daß das was aus dem Götzen spreche, der Teufel sey welcher sie betrüge. Sie ermahnten sie, diesem ferner nicht zu glauben und nicht zu thun was er ihnen rathe, auch sprachen sie mit ihnen noch viel anderes über ihre Abgötterei. Der Hauptmann ließ den Saal, worin der Götze stand, niederreißen und diesen vor den Augen aller Indianer zertrümmern, unterrichtete diese in vielen Dingen unseres heiligen katholischen Glaubens und lehrte sie das Zeichen des Kreuzes als die beste Waffe um sich gegen den Teufel zu schützen.« »Xachacama (Pachalcami) ist ein bedeutender Ort; neben der Moschee steht auch ein schön gebauter Tempel der Sonne auf einem Hügel der von fünf Ringmauern umgeben ist; auch sieht man hier Häuser mit Terrassen wie in Spanien. Der Ort scheint nach den zerfallenen Gebäuden, die man in ihm findet, alt zu seyn, auch liegt der größte Theil der Ringmauern in Trümmern. Der erste Häuptling des Ortes heißt Taurichumbi. Die Häuptlinge der umliegenden Orte fanden sich hier ein um den Hauptmann zu sehen und ihn mit den Erzeugnissen ihres Gebietes so wie mit Gold und Silber zu beschenken; sie wunderten sich sehr, daß er die Verwegenheit gehabt habe zu dem Götzen einzudringen und ihn zu zertrümmern. Der Häuptling von Malaque welcher Lincoto hieß kam um Sr. Majestät zu huldigen und brachte ein Geschenk an Gold und Silber; der Häuptling von Poar, welcher den Namen Alincai führt, that deßgleichen; der Häuptling von Gualco, Guarilli genannt, brachte ebenfalls Gold und Silber; dasselbe thaten der Gebieter von Chincha, welcher wie er sagte Tamriambea hieß nebst zehn seiner Häuptlinge, ferner der Häuptling von Goarua Guaxchapaicho genannt, der Häuptling Colixa, welcher den Namen Aci führte, der Häuptling von Fallicaimarca, welcher Yspilo hieß und andere Häuptlinge der Umgegend, und ihre Geschenke an Gold und Silber betrugen mit dem was man aus der Moschee genommen hatte 90.000 Pesos. Mit allen diesen Caziken sprach der Hauptmann sehr freundlich, zeigte sich sehr erfreut über ihren Besuch, ermahnte sie im Namen Sr. Majestät sich stets auf diese Weise zu benehmen und entließ sie sehr zufrieden.« »Zu Xachacama erhielt Hernando Pizarro auch die Nachricht, daß Chilicuchima, der Feldherr Atabaliba's, noch vier Tagreisen weiter, stehe mit viel Kriegsvolk und dem Gold und daß er damit nicht weiter vorrücken wolle, sondern vielmehr sage, er wolle die Christen bekämpfen. Der Hauptmann schickte einen Boten an ihn um ihm Zutrauen einzuflößen und ihn zu mahnen mit dem Gold herbeizukommen, da er ja doch wisse, daß sein Gebieter gefangen sey und ihn schon viel Tage erwarte und daß auch der Herr Statthalter über sein Zögern ärgerlich werden würde: er ließ ihm auch noch vieles Andere sagen, um ihn zum Anrücken zu bewegen, denn er konnte ihm nicht entgegen gehen, weil der Weg für die Pferde zu schlecht war; er ließ ihn also bitten, einen Ort auf der Landstraße zur Zusammenkunft zu bestimmen, wo dann der welcher zuerst ankäme auf den andern warten solle. Chilicuchima ließ zurücksagen, daß er seinem Wunsche entsprechen und seinem Auftrage gemäß handeln wolle. Der Hauptmann brach also von dem Orte Xachacama auf, um sich mit Chilicuchima zu vereinigen und erreichte auf der ersten Tagreise den Ort Guarva, der in der Ebene dicht am Meere liegt; er verließ hier die Küste und nahm seinen Weg wieder nach dem Inneren des Landes.« 25. Hernando Pizarro sucht den indianischen Heerführer Chilicuchima auf. »Am 3 März verließ der Hauptmann Hernando Pizarro den Ort Guarva, ging den ganzen Tag an einem Flusse, dessen Ufer stark beholzt waren, aufwärts und nahm sein Nachtlager in einem an diesem Flusse gelegenen Orte, welcher von dem eben genannten Guarva abhängig ist und Guaranga heißt. Am folgenden Tag brach der Hauptmann von diesem Orte auf und übernachtete in Aillon, einem andern am Gebirge liegenden kleinen Orte, welcher von einem größeren, der Aratambo heißt und einen bedeutenden Reichthum an Heerden und Maispflanzungen besitzt, abhängig ist. – Am folgenden Tag den 5 März nahm er sein Nachtlager in einem von Caxatambo abhängigen Orte, welcher Chincha heißt. Auf diesem Wege muß man durch einen sehr steilen Gebirgspaß, in welchem die Pferde bis an den Gurt in Schnee versanken. Der erwähnte Ort hat viele Heerden und der Hauptmann blieb hier zwei Tage. Samstag den 7 März setzte er seinen Weg fort und blieb zu Caxatambo über Nacht, einem großen Orte der in einem tiefen Thale liegt und sehr reich an Heerden ist, wie man denn überhaupt auf diesem ganzen Wege viele Schäfereien antrifft. Der Herr dieses Ortes hieß Sachao und leistete den Spaniern bereitwillig gute Dienste. Von diesem Orte aus schlug man die Richtung Nach der großen Straße ein, auf welcher der erwähnte Chilicuchima heranrücken sollte; die Entfernung bis dahin betrug drei Tagreisen. Hier erkundigte sich der Hauptmann, ob Chilicuchima schon vorüber sey, um sich seinem Versprechen gemäß mit ihm zu vereinigen. Die Indianer erwiederten insgesammt, daß er schon vorüber sey und alles Gold bei sich habe; später erfuhr man aber, daß die Leute angewiesen waren so zu sagen, wenn der Hauptmann anrücke und daß Chilicuchima noch in Xauxo (?) stand und nicht daran dachte näher zu kommen. Obschon man wohl wußte, daß diese Indianer selten die Wahrheit sagen, so entschloß sich der Hauptmann trotz der damit verbundenen großen Mühe und Gefahr doch auf die königliche Heerstraße zu gehen, auf welcher Chilicuchima herankommen sollte, um sich zu überzeugen, ob dieser wirklich vorüber sey. Im entgegengesetzten Falle wollte er ihn aufsuchen, wo er sich auch aufhalten möge, sowohl um das Gold in seine Gewalt zu bekommen als auch das bei ihm befindliche Heer zu zerstreuen und ihn zum Frieden zu stimmen oder ihn, wenn er nicht darauf eingehe, fest zu nehmen.« »Der Hauptmann schlug also mit seiner Mannschaft den Weg nach einem großen Orte ein, welcher Pombo heißt und an der königlichen Heerstraße liegt. Am Montage den 9 März übernachtete er in Din, Andere Ausgaben so wie die alte italienische Uebersetzung haben Oyu. einem Orte mitten im Gebirge, dessen Cazike sich freundlich nahte und die Christen mit allen ihnen für diese Nacht nöthigen Bedürfnissen versah. – Am andern Morgen setzte der Hauptmann seinen Weg fort und übernachtete in einem kleinen Schäferdorfe an einem Süßwassersee, welcher drei Meilen im Umfange hat und in einer Ebene liegt, wo man eine Menge Schafe von mittlerer Größe wie die spanischen und mit sehr feiner Wolle antrifft. Um folgenden Mittwoch erreichte der Hauptmann mit seinen Leuten schon frühe den Ort Pombo, wo ihm die vornehmsten Einwohner und mehrere Häuptlinge Atabaliba's, die hier mit einigem Kriegsvolk standen, zu seinem Empfange entgegen kamen. Hier fand er in allem nur 150 Arroben Gold, welche Chilicuchima geschickt hatte. Dieser selbst war mit seiner Mannschaft in Xaura geblieben. Sobald der Hauptmann unter Obdach war, fragte er die Häuptlinge Atabaliba's, warum Chilicuchima das Gold geschickt habe und nicht wie er versprochen selbst komme. Sie erwiederten, er hege große Furcht vor den Christen und habe sich deßhalb nicht eingestellt; auch habe er noch viel Gold von Cuzco her erwartet und nicht gewagt mit so wenig zu kommen. Der Hauptmann schickte darauf von diesem Orte aus einen Boten zu Chilicuchima um ihn zu beruhigen und ihm sagen zu lassen, weil er nicht gekommen sey, so wolle er ihn aufsuchen, wo er sich befinde, er solle deßhalb aber keine Furcht haben. Man blieb nun noch einen Tag um die Pferde welche sehr ermüdet waren ausruhen zu lassen, damit sie im Nothfalle zum Kampfe tauglich seyen.« »Freitag am 14 März brach der Hauptmann mit dem Fußvolk und der Reiterei von Pombo auf um nach Xaura zu gehen und übernachtete an diesem Tage in einem Orte, welcher Xacamalca hieß und sechs Meilen von dem Orte, den man verlassen hatte, in der Ebene lag. In dieser Ebene befindet sich auch ein Süßwassersee, welcher dicht an dem erwähnten Orte beginnt, acht bis zehn Meilen im Umfange hat und ringsum mit Wohnplätzen besetzt ist; man sieht an seinen Ufern viele Heerden, auch ist er reich an Wasservögeln mancherlei Art und an kleinen Fischen. Der Vater Atabaliba's und er selbst hatten zu ihrem Vergnügen viele Flöße von Tumbez aus auf diesen See bringen lassen. Aus dem See entspringt ein Fluß, der nach dem Orte Pombo hin und durch einen Theil desselben strömt und sehr klar und tief ist. Man kann auch bei einer Brücke dicht bei dem Orte aussteigen; wer darüber geht, bezahlt Brückengeld, wie in Spanien. Man gewahrte an dem Flusse überall viele Heerden und gab ihm den Namen Guadiana, weil er diesem sehr ähnlich war.« »Samstag den 15 desselben Monats verließ der Hauptmann Xacamalca, befand sich um die Mittagszeit in einem drei Meilen weiter liegenden Gebäude, wo er gute Aufnahme und Speise fand, und übernachtete drei Meilen weiter in einem Orte, welcher Tarma heißt und auf dem Abhange eines Berges liegt. Hier gab man ihm ein gemaltes Haus, worin sich schöne Gemächer befanden, zur Wohnung; der Herr des Ortes behandelte ihn gut, reichte Lebensmittel und stellte Leute zum Fortbringen des Gepäcks. Am Sonntage verließ der Hauptmann diesen Ort schon sehr frühe, weil eine lange Tagreise vor ihm lag und ließ seine Mannschaft in guter Ordnung einherziehen, weil er fürchtete Chilicuchima, der ihm noch keinen Boten geschickt hatte, möge ihm einen Hinterhalt legen. Gegen Abend erreichte er einen Ort, der Yanaimalca hieß und dessen Einwohner ihm zum Empfange entgegenkamen. Hier erfuhr er, daß Chilicuchima sich nicht mehr in Xauxa befinde und schöpfte noch mehr Verdacht; weil er sich aber nur noch eine Meile von Xauxa befand, machte er sich sobald man abgespeist hatte, wieder auf den Weg. Als man im Angesichte der Stadt war, bemerkte man von einer Anhöhe herab viele Volkshaufen, konnte aber nicht unterscheiden, ob es Kriegsleute oder Einwohner des Ortes waren. Als der Hauptmann mit seiner Mannschaft auf dem großen Platze des genannten Ortes anlangte, sah man daß die Volkshaufen nur aus Bewohnern des Ortes bestanden, welche versammelt waren, um sich zu belustigen.« »Der Hauptmann fragte sogleich nach seiner Ankunft noch ehe er absaß nach Chilicuchima und erfuhr; daß er sich nach einem andern Orte begeben habe und am folgenden Tage wiederkommen werde. Er hatte sich unter dem Vorwande gewisser Geschäfte so lange entfernt bis er sich bei den Indianern, welche den Hauptmann begleiteten, über die Absichten der Spanier unterrichten konnte. Er sah wohl ein, daß er Unrecht gethan hatte sein gegebenes Versprechen nicht zu erfüllen, da ihm der Hauptmann der verabredeten Zusammenkunft wegen 80 Meilen weit entgegengegangen war. Er vermuthete deßhalb, der Hauptmann komme um ihn festzunehmen und umzubringen, und er hatte sich also aus Furcht vor den Christen und besonders vor den Reitern fortgemacht. Der Hauptmann hatte einen Sohn des ältern Cuzco bei sich; als dieser erfuhr, daß sich Chilicuchima entfernt habe, erbot er sich diesen aufzusuchen, wo er sich auch aufhalte und machte sich sogleich in einer Sänfte auf den Weg. Während der ganzen Nacht blieben die Pferde gesattelt und gezäumt und man bemerkte den Häuptlingen des Ortes, daß sich ja kein Indianer auf den Platz wagen solle, denn die Pferde seyen unmuthig und würden jeden tödten. Am folgenden Tag kam der Sohn Cuzco's und mit ihm Chilicuchima, beide in Sänften und mit guter Begleitung. Als der letztere auf dem Platze anlangte, stieg er aus, ließ seine Leute zurück und begab sich mit wenigen Begleitern in die Wohnung des Hauptmanns Hernando Pizarro um ihn zu besuchen und sich zu entschuldigen, daß er nicht gekommen, wie er versprochen habe und daß er nicht zu seinem Empfange erschienen sey. Er behauptete durch wichtige Geschäfte abgehalten worden zu seyn. Da der Hauptmann ihn nochmals fragte, warum er sein Versprechen gegeben habe und doch nicht mit ihm zusammengekommen sey, erwiederte er, sein Gebieter Atabaliba habe ihm sagen lassen, daß er an Ort und Stelle bleiben solle. Der Hauptmann sagte ihm darauf: sein Aerger über ihn sey vergessen, er solle aber jetzt die nöthigen Vorkehrungen treffen um mit ihm an den Ort zu gehen, wo sich der Statthalter befinde, welcher seinen Gebieter Atabaliba in der Gefangenschaft halte und ihn nicht eher loslasse bis er das versprochene Gold liefere; er wisse ferner daß er viel Gold unter seiner Obhut habe; er solle es also herbeibringen, mit ihm gemeinschaftlich den Weg machen und einer guten Behandlung versichert seyn. Chilicuchima antwortete: sein Gebieter habe ihm sagen lassen, er solle solange ihm kein anderer Befehl zukäme an Ort und Stelle bleiben; er wage also nicht fortzugehen, denn dieses Land sey erst kürzlich erobert worden und könne, wenn er sich entferne, leicht in Aufruhr gerathen.« 26. Die Stadt Xauxa und der Feldherr Chilicuchima. »Hernando Pizarro sprach noch lange mit ihm hin und her und blieb am Ende dabei, Chilicuchima solle während der Nacht die Sache überlegen und ihm am nächsten Morgen seinen Entschluß mittheilen. Der Hauptmann gab sich alle Mühe ihn durch gütliche Gründe zu überreden, um keinen Aufruhr in dem Lande zu erregen und die drei Spanier, welche nach der Stadt Cuzco gegangen waren, nicht in Gefahr zu bringen. Am andern Morgen erschien Chilicuchima in seiner Wohnung und erklärte, weil er einmal durchaus wünsche daß er mit ihm gehe, so könne er seinem Verlangen nicht widerstehen; er habe sich also entschlossen ihn zu begleiten und wolle einen anderen Heerführer mit dem Kriegsvolke, welches er befehlige, zurücklassen. – An diesem Tage bekam man an 30 Lasten geringhaltigen Goldes und beschloß in zwei Tagen abzureisen; während dieser Zeit kamen noch an 30 bis 40 Lasten Silber. Die Spanier waren unterdessen sehr auf ihrer Hut und die Pferde blieben Tag und Nacht gesattelt, denn der Heerführer Atabaliba's gebot über so zahlreiches Fußvolk, daß die Christen, wenn er während der Nacht über sie hergefallen wäre, sicher großen Verlust erlitten hätten.« »Der Ort Xauxa ist sehr groß und liegt in einem schönen Thal unter einem sehr gemäßigten Himmelsstriche; nahe dabei strömt ein starker Fluß. Die Umgegend ist fruchtbar und der Ort selbst nach spanischer Weise gebaut mit regelmäßigen Straßen; mehrere andere Orte in der Nähe sind von ihm abhängig. Die Bevölkerung des Ortes und der Umgegend war sehr zahlreich und obschon sich nach der Schätzung der Spanier jeden Tag an 100.000 Einwohner auf dem Hauptplatze versammelten, so waren doch die Märkte und Straßen so lebhaft, daß hier kein Mensch zu fehlen schien. Es gab hier Leute, welche das Amt hatten diese ganze Volksmasse zu zählen, um die zu bestimmen welche dem Heere Dienste leisten mußten, und andere waren beauftragt auf alles was in den Ort einging Acht zu haben. Chilicuchima hatte seine Geschäftsführer, welche das Kriegsvolk mit Lebensmitteln versehen mußten, viele Zimmerleute welche Holz bearbeiteten und gebärdete sich was die Bedienung und die Bewachung seiner Person betraf, sehr großartig. An seiner Wohnung standen drei bis vier Pförtner und er ahmte überhaupt in seiner Bedienung und in allem seinem Gebieter nach. Er war in der ganzen Gegend sehr gefürchtet, denn er war ein tapferer Mann und hatte auf Befehl seines Herrn eine Gebietstrecke von mehr als 600 Meilen erobert. Er hatte viele Schlachten auf offenem Felde und an gefährlichen Stellen geliefert und in allen den Sieg davongetragen, wie denn auch in diesem ganzen Lande nichts mehr zu erobern übrig war.« »Freitag den 20 März brach der Hauptmann Hernando Pizarro von Xauxa, auf, um mit Chilicuchima nach Caxamalca zurückzukehren. An demselben Tage erreichte er noch den Ort Pompo, wo die königliche Heerstraße von Cuzco mündet und blieb hier den Tag seiner Ankunft und den folgenden. Am Mittwoch verließen sie den genannten Ort Pompo, kamen durch eine ebene Gegend, wo sich viele Schäfereien befanden und nahmen ihr Nachtlager in mehreren großen Gebäuden. An diesem Tage schneite es stark. Am folgenden Tage übernachteten sie in einem Orte, der im Gebirge liegt und Tambo heißt. Dabei strömt ein tiefer Fluß, über welchen eine Brücke führt. Zu dem Flusse muß man aber auf einer sehr steilen steinernen Treppe hinabsteigen, und wenn hier von oben herab Widerstand geleistet worden wäre, so hätte man bedeutenden Schaden leiden können. Der Hauptmann wurde hier von dem Herrn des Ortes mit allem versehen was ihm und seiner Mannschaft nöthig war. Die Einwohner veranstalteten überdieß große Festlichkeiten sowohl aus Rücksicht für den Hauptmann Hernando Pizarro selbst als auch des mit ihm angekommenen Chilicuchima wegen, den man überall festlich zu empfangen gewohnt war. Am folgenden Tage nahmen sie ihr Nachtlager in einem andern Orte, der Tombucancha heißt und dessen erster Häuptling den Namen Tillima führte. Sie fanden hier eine gute Aufnahme und viel Volk stand zur Dienstleistung bereit; der Ort selbst war klein, aber die Bewohner der Umgegend hatten sich hier eingefunden um die Christen zu empfangen und zu sehen. In diesem Ort sah man viele kleine Schafe mit sehr guter der spanischen ähnlichen Wolle. Am folgenden Tage übernachteten sie nach einem Wege von fünf Meilen in einem andern Orte, welcher Guaneso heißt. Der größte Theil der dahin führenden Straße ist gepflastert oder mit Steinen überschüttet und mit Canälen zum Abzug des Wassers versehen. Diese Arbeit sagten sie habe man des Schnees wegen gemacht, welcher zu einer gewissen Jahreszeit in diesem Lande falle. Der Ort Guaneso ist groß und liegt in einem von steilen Bergen umgebenen Thale, welches drei Meilen im Umfange hat und auf der einen Seite, wo man von Caxamalca herkommt, nur einen sehr hohen und steilen Zugang hat. Der Hauptmann und die Christen fanden hier eine gute Aufnahme und während der beiden Tage ihres Aufenthaltes wurden viele Feste veranstaltet. Von diesem Orte sind mehrere andere umliegende abhängig und die Gegend ist reich an Heerden.« 27. Rückkehr nach Caxamalca. »Am letzten Tage des genannten Monats brach der Hauptmann mit seinen Leuten von diesem Orte auf und sie kamen an einen starken Fluß, über welchen eine Brücke aus dicken Balken gebaut war; an derselben standen Pförtner, welche das Amt hatten das Brückengeld einzunehmen, wie es in diesem Lande gebräuchlich ist. An diesem Tage nahm man das Nachtlager vier Meilen von dem zuletzt erwähnten Orte, und Chilicuchima besorgte alles was für diese Nacht nöthig war. Am Tage darauf den 1 April verließ man diesen Ort und übernachtete in einem andern, welcher Picosmarca hieß und auf dem Abhang eines steilen Berges lag. Der Cazike desselben nannte sich Parpay. Am folgenden Tage brach der Hauptmann von diesem Orte auf und übernachtete drei Meilen weiter in Guari, einem guten Orte, an welchem ein anderer großer Fluß, über den ebenfalls eine Brücke führt, vorbeiströmt. Dieser Ort ist sehr fest, weil er auf beiden Seiten von tiefen Schluchten umgeben ist. Hier, sagte Chilicuchima, habe er dem Heere Cuzco's, das ihn an dieser Stelle erwartete und sich zwei bis drei Tage vertheidigte, eine Schlacht geliefert; und als Cuzco's Mannschaft besiegt und auf der Flucht begriffen gewesen sey, habe sie die Brücke in Brand gesteckt, Chilicuchima aber sey mit seinen Kriegern hinübergeschwommen und habe viele von den Leuten Cuzco's getödtet. Am nächsten Tage verließ der Hauptmann diesen Ort und übernachtete in einem andern, welcher fünf Meilen weiter liegt und Guacango heißt. Am folgenden Tage nahm er sein Nachtlager zu Piscobamba, einem großen auf dem Abhange eines Berges erbauten Orte, dessen Cazike sich Tanguame nannte; bei diesem und seinen Indianern fand der Hauptmann mit seiner Mannschaft eine gute Aufnahme und Behandlung. Auf der Hälfte des Weges von diesem Orte nach Guacacamba strömt wieder ein tiefer Fluß, über welchen ebenfalls zwei Brücken neben einander führen; sie sind aus Netzwerk gemacht auf die Weise, wie schon weiter oben angegeben ist; man erbaut nämlich dicht am Wasser einen steinernen Pfeiler, spannt dann von einem Ufer des Flusses zum andern hüftendicke aus Weiden gefertigte Taue und verbindet diese quer durch starke, gut geflochtene Seile. Auf beiden Seiten macht man einen hohen Rand und befestigt unten daran große Steine um die Brücke im Gleichgewichte zu halten. Die Pferde kamen gut hinüber, obschon sie schwankte, was jeden der noch nicht darüber gegangen ist und zum erstenmal darüber geht, mit Furcht erfüllt; es ist aber durchaus keine Gefahr dabei, denn eine solche Brücke ist sehr stark. Auf allen diesen Brücken stehen Wächter wie in Spanien und überall ist die ganze Einrichtung so, wie schon weiter oben gesagt wurde.« »Am folgenden Tage brach der Hauptmann mit seinen Leuten von diesem Orte auf und nahm sein Nachtlager fünf Meilen weiter in mehreren einzelnen Gebäuden. Am andern Tage übernachtete er zu Agoa, einem von Piscobamba abhängigen Orte, welcher sehr gut ist, viele Maispflanzungen hat und zwischen Bergen liegt. Der Cazike und seine Indianer reichten was für die Nacht nöthig war und gaben am nächsten Morgen so viel Leute als man zum Dienste bedurfte. Am andern Tage blieb der Hauptmann mit seiner Mannschaft nach einem schwierigen Wege von vier Meilen in einem andern Ort, der Conchucho heißt und in einer Tiefe liegt. Eine halbe Meile ehe man dahin kommt, ist der sehr breite Weg stufenweise in den Felsen gehauen, und es gibt hier viele gefährliche aber auch, wenn man sich vertheidigen müßte, sehr feste Stellen. Von hier brach der Hauptmann mit seinen Leuten wieder auf und übernachtete in einem andern Orte, welcher Andamarca heißt und von wo er früher nach Pachacama gegangen war. Hier vereinigen sich die beiden königlichen Straßen welche nach Cuzco führen. Von dem Orte Pombo bis hierher hat man einen sehr schwierigen Weg von drei Meilen, welcher auf steinernen Stufen die Höhen hinauf- und hinabläuft; nach der Seite des Abhanges hin hat er eine Steinmauer, damit man nicht herabfalle, denn wenn man an einigen Stellen herabstürzte, würde man in Stücke zerschellen; für die Pferde ist die Mauer ein großes Glück, denn ohne sie würden sie herabgleiten. Auf der Hälfte des Weges ist eine aus Steinen und Balken gut erbaute Brücke zwischen zwei Felsen. Auf der einen Seite der Brücke sieht man mehrere gut gebaute Häuser und einen gepflasterten Hof, wo die Indianer wie sie sagten Schmausereien und Festlichkeiten anstellten, wenn die Gebieter des Landes dieses Weges kamen.« »Von hier aus hielt der Hauptmann Hernando Pizarro dieselben Tagreisen ein, die er von Caxamalca aus auf dem Herwege gemacht hatte, und zog mit Chilicuchima am 25 Mai 1533 in diese Stadt ein. Jetzt aber sah man etwas was man seit der Entdeckung Indiens noch nicht gesehen hatte und auch für die Spanier war es eine sehr merkwürdige Erscheinung, daß Chilicuchima als er durch das Thor des Platzes wo sein Gebieter gefangen gehalten wurde, ging, einem der bei ihm befindlichen Indianer eine mittelmäßige Last abnahm und diese sich selbst auflud. Viele Häuptlinge, die mit ihm gekommen waren, thaten dasselbe. So beladen begab er sich nebst den andern in das Gemach, worin sich sein Gebieter aufhielt. Sobald er diesen gewahrte, erhob er seine Hände zur Sonn« und dankte ihr, daß sie ihm vergönnt habe ihn wieder zu sehen; darauf näherte er sich ihm mit großer Ehrerbietung und mit vielen Thränen und küßte ihm das Gesicht, die Hände und die Füße. Dasselbe thaten die andern Häuptlinge, die mit ihm eingetreten waren. Atabaliba zeigte einen solchen Hochmuth, daß er Chilicuchima, obschon in seinem ganzen Reiche niemand war den er mehr achtete, nicht einmal ansah und ihn eben so wenig berücksichtigte als den elendesten Indianer der vor ihm erschien. – Daß man sich aber eine Last auflegte, ehe man zu Atabaliba eintrat, ist eine alte Gewohnheit, die allen Herren, die in diesem Lande regiert haben, gegenüber beobachtet wurde.« »Diesen Bericht habe ich Miguel von Estete, der ich den Zug des Hauptmanns Hernando Pizarro als Aufseher mitmachte, abgefaßt und zwar gerade so wie sich alles verlaufen hat.« Miguel Estete. 28. Die Stadt Cuzco. Einschmelzung und Vertheilung des Goldes und Silbers. Hohe Preise der Lebensbedürfnisse. Da der Statthalter einsah, daß die sechs Schiffe, welche im Hafen von San Miguel lagen sich nicht halten konnten, und wenn man ihre Abreise verzögerte, Schaden leiden würden, da ferner auch die Führer der Schiffe, die für ihn eingelaufen waren, ihn ersucht harten sie zu bezahlen und abzufördern, so versammelte er einen Rath um sie abzufördern und um an Seine Majestät über das bis jetzt Geschehene Bericht abzustatten. Auch wurde im Einverständnisse mit den Beamten Seiner Majestät beschlossen alles Gold einzuschmelzen, sowohl das was sich bereits in der Stadt befinde und von Atabaliba herbeigeschafft worden sey, als auch das was noch vor der Beendigung der Einschmelzung ankommen werde. Nach der Einschmelzung und Vertheilung desselben solle sich der Statthalter nicht länger hier verweilen, sondern nach dem Willen Seiner Majestät fortfahren Colonien anzulegen. – Im Jahre 1533 am 13 Mai wurde die Einschmelzung des Goldes bekannt gemacht und damit begonnen. Zehn Tage später kam in der Stadt Caxamalca einer der drei Christen, die man nach der Stadt Cuzco geschickt hatte, nämlich der welcher als Schreiber mitgegangen war, an und berichtete, wie man im Namen Seiner Majestät von der genannten Stadt Besitz genommen habe; auch gab er eine Beschreibung der Orte, welche auf dem Wege dahin liegen und sagte darin, daß man außer Cuzco 30 größere Orte und viele andere kleinere zähle. Die Stadt Cuzco, fuhr er fort, sey wirklich so groß als man angegeben habe und liege auf einem Bergabhange dicht an einer Ebene; die Straßen seyen sehr regelmäßig und gepflastert und während der acht Tage, welche sie dort zubrachten, hätten sie nicht alles was sie aufzuweisen habe, sehen können; ein Haus des Cuzco daselbst enthalte goldnes Getäfel; das Haus selbst sey sehr gut gebaut, viereckig und von einer Ecke zur andern 350 Schritte breit; von dem in dem Hause befindlichen Getäfel hätten sie 700 Plättchen genommen, von denen eines in das andere 500 Pesos wog; aus einem andern Hause hätten die Indianer eine Menge Gold von ungefähr 200.000 Pesos gebracht, man hätte es aber nicht angenommen, weil es zu geringhaltig war und auf den Peso nur sechs bis sieben Karat kamen; sie hätten keine anderen mit Gold getäfelten Häuser gefunden als diese zwei, weil die Indianer sie nicht die ganze Stadt sehen ließen; in der Stadt müsse aber nach dem was sie gesehen und dem Scheine nach, so wie den hier befindlichen vielen Beamten nach zu urtheilen ein großer Reichthum seyn; sie hätten daselbst auch den Häuptling Quizquiz getroffen, welcher die Stadt für Atabaliba mit einer Besatzung von 30.000 Mann bewache und vertheidige, weil sie an die Cariben und andere Stämme, welche Krieg gegen sie führten, gränze. Der Schreiber erzählte noch außerdem vieles Merkwürdige von dieser Stadt und von der guten Ordnung in derselben so wie auch daß der Häuptling, welcher mit den drei Spaniern nach Cuzco geschickt worden sey, mit den beiden andern auf dem Rückwege begriffen sey und von dorther 600 Gold- und Silberplatten so wie, auch eine Menge Gold und Silber, welches ihnen zu Xaura der dort von Chilicuchima zurückgelassene Häuptling gegeben habe, mitbrächten, so daß alles Gold das ankomme 168 Lasten ausmache; als Last rechne man eine Bahre (Paliguere), welche von vier Indianer getragen werde; Silber bringe man nur wenig, auch das Gold käme den Christen nur allmählich und langsam zu und sie würden sehr aufgehalten, weil man viele Indianer zum Fortbringen desselben nöthig habe und weil man es erst, so wie man vorrücke von Ort zu Ort sammle; er glaube indessen, daß sie in Monatsfrist zu Caxamalca eintreffen würden. Das erwähnte von Cuzco kommende Gold traf am 13 Junius des genannten Jahres zu Caxamalca ein. An Gold kamen 200 Lasten, an Silber 25 Lasten und das Gold schien ein Gewicht von mehr als 130 Centnern zu haben. Nach diesem trafen noch 60 Lasten geringhaltigen Goldes ein, welches größtentheils in schachtelholzdicken und zwei bis vier Hände breiten Platten bestand, die man von den Wänden der Häuser genommen hatte und in denen sich Löcher befanden, womit sie angenagelt zu seyn schienen. – Mit dem Einschmelzen und Vertheilen alles Goldes und Silbers kam man am Tage des h. Jakob zu Stande und nachdem man alles Gold und Silber auf einer Wage gewogen, die Rechnung aufgestellt und alles auf gut Gold reducirt hatte, fand man in allem 1,326,539 Pesos an gutem Gold. Der Seiner Majestät zukommende fünfte Theil betrug nach Abzug der Gebühren des Einschmelzens 262,259 Pesos an gutem Gold. An Silber fand man 51,610 Mark, wovon Seiner Majestät 10,121 Mark zukamen. Nachdem von allem der fünfte Theil und die Gebühren des Einschmelzens abgezogen waren, vertheilte der Statthalter das übrige unter die Eroberer, welche es gewonnen hatten. Von den Reitern erhielt jeder 8880 Pesos Gold und 362 Mark Silber, von den Fußgängern jeder 4,440 Pesos Gold und 181 Mark Silber. Einige erhielten mehr andere weniger, je nachdem es nach dem Dafürhalten des Statthalters jeder dem Ansehen seiner Person und den erduldeten Mühseligkeiten gemäß verdiente. Eine bestimmte Summe Goldes, welche der Statthalter vor der Vertheilung zurücklegte, gab er den Ansiedlern, welche sich in der Stadt Sant Miguel niedergelassen hatten, so wie auch der gesammten Mannschaft, welche mit dem Hauptmann Diego de Almagro eintrafen und allen Kaufleuten und Matrosen, welche nach der Beendigung des Krieges kamen, so daß jeder, welcher sich in diesem Lande befand, seinen Antheil bekam und man deßhalb das Einschmelzen des Goldes mit vollem Rechte ein allgemeines nennen konnte, weil es für alle war. Während dieses Einschmelzens ereignete sich auch noch die merkwürdige Thatsache, daß an einem Tage 80.000 Pesos eingeschmolzen wurden, wahrend man gewöhnlich an einem Tage nur 50 bis 60.000 Pesos einschmolz. Die erwähnte Einschmelzung wurde von den Indianern vorgenommen, unter denen es große Goldschmiede und Schmelzer gibt, welche mit neun Oefen arbeiten. Ich will nicht versäumen auch die Preise, welche man in diesem Lande für die Lebensmittel und andere Waaren bezahlte, anzugeben, obschon Manche es nicht glauben werden, weil sie so sehr übertrieben sind; ich kann aber die Richtigkeit meiner Angaben verbürgen, weil ich selbst zusah und selbst manches kaufte. Ein Pferd wurde für 2500 Pesos, ein anderes für 3300 verkauft. Der gewöhnliche Preis war 2500 Pesos, man fand aber nicht immer eins dafür. Eine Flasche Wein von drei Schoppen kostete 60 Pesos und ich selbst bezahlte zwei Schoppen mit 40 Pesos. Ein Paar Stiefeln kosteten 30 bis 40 Pesos, ein Paar Beinkleider eben so viel. Ein Mantel kostete 100 bis 120, ein Schwert 40 bis 50 Pesos, eine Knoblauchzehe einen halben Peso; und so waren nach Verhältniß auch die Preise aller übrigen Gegenstände beschaffen. Ein Buch Papier kostete 10 Pesos und ich selbst bezahlte für etwas weniges mehr als eine halbe Unze verdorbenen Safran 12 Pesos. Der Goldpeso gilt einen Castellano. – Ich könnte noch manches von den hohen Preisen, welche alle Gegenstande erreichten und von der Geringachtung des Goldes und Silbers erzählen. Die Sache kam so weit, daß wenn einer dem andern etwas schuldete, er ihm ein Stück Gold auf Gerathewohl ohne es zu wiegen gab; gab er ihm das Doppelte von dem was er schuldig war, so lag ihm nichts daran; die Schuldner gingen von einem mit Gold beladenen Indianer begleitet von Wohnung zu Wohnung und suchten ihre Gläubiger auf um sie zu bezahlen. So viel von der Einschmelzung und Vertheilung des Silbers und von dem Reichthum dieses Landes, wo das Gold und Silber eben so gering geachtet wird wie von den Indianern. – In einem der von Cuzco abhängigen Orte, welcher jetzt Atabaliba gehört, sollen zwei Hauser ganz aus Gold aufgebaut seyn und auch die Ziegeln, womit sie bedeckt sind, durchaus aus Gold bestehen. – Bei dem Golde, welches aus Cuzco kam, befanden sich mehrere aus gediegenem Golde verfertigte Halme mit ihren Aehren an der Spitze, gerade wie sie auf dem Felde wachsen.– Wollte man die mannichfaltigen aus Gold bestehenden Gegenstände, welche herbeigeschleppt wurden, aufzählen, so würde man damit nicht zu Ende kommen. Dabei war auch ein aus einem Stücke gearbeiteter Stuhl, welcher acht Arroben an Gold wog; ferner befanden sich dabei große Brunnen mit Röhren, aus denen das Wasser in ein Becken fiel, welches um dem Brunnen aus einem Stücke bestand; daran waren auf mancherlei Weise verfertigte Vögel und Leute, die Wasser aus dem Brunnen schöpften, angebracht, – alles aus Gold. Ebenso erfuhr man durch die Aussage Atabaliba's, Chilicuchima 's und vieler anderer, daß eben dieser Atabaliba zu Xauxa ganz aus Gold bestehende Schafe und Hirten, welche sie bewachten und zwar alle in natürlicher Größe, besaß. Er hatte diese Stücke von seinem Vater und versprach sie den Spaniern zu schenken. Ueberhaupt erzählte man erstaunliche Dinge von den Reichthümern Atabaliba's und seines Vaters. 29. Anklage und Hinrichtung Atabaliba's. Franco de Weix Shaedlo verkündet die Revolution. Wir kommen nun zu einer Thatsache, die nothwendig berichtet werden muß. Es erschien nämlich vor dem Herrn Statthalter ein Cazike, der Gebieter der Stadt Caxamalca und sprach zu diesem durch den Dolmetscher: »Ich thue dir zu wissen, daß Atabaliba, seitdem er gefangen ist, Boten nach seinem Lande Quito und nach allen andern Provinzen geschickt und eine Zusammenziehung von Kriegsvolk befohlen hat, um über dich und deine Leute herzufallen und euch alle zu ermorden. Das ganze Heer rückt unter einem großen Feldherrn, welcher Lluminabi heißt, heran; es ist schon sehr nahe und wird des Nachts eintreffen um das Lager anzugreifen und es von allen Seiten in Brand zu stecken. Der erste, welchen sie zu ermorden versuchen werden, wirst du seyn und dann wollen sie ihren Gebieter Atabaliba befreien. Von den Eingeborenen Quito's kommen 200.000 Kriegsleute, ferner 30.000 Cariben, welche Menschenfleisch essen und auch aus einer andern Provinz, welche Pazalta heißt und aus den übrigen Landestheilen kommt eine große Menge Kriegsvolk.« – Als der Statthalter diese Nachricht vernommen und dem Caziken sehr gedankt und viele Ehre erwiesen hatte, befahl er einem Notar alles zu Protokoll zu nehmen und sogleich eine Untersuchung anzustellen. Dieser zog einen Oheim Atabaliba's, einige Häuptlinge und mehrere Indianerinnen ein und fand daß der Cazike und Gebieter von Caxamalca in allem die Wahrheit gesagt hatte. – Der Statthalter stellte nun Atabaliba zur Rede und fragte ihn: »Welchen Verrath führst du gegen mich, im Schilde, da ich dich doch wie einen Bruder geehrt und mich auf dein Wort verlassen habe?« – Er warf ihm nun alles vor was er gehört und herausgebracht hatte, worauf Atabaliba erwiederte: »Treibst du deinen Scherz mit mir? Sagst du mir denn immer nur solche närrische Dinge? Was sind wir, ich und mein ganzes Volk gegen so tapfere Männer wie ihr seyd; und wir sollen euch zum Zorne reizen? Treibe keinen Scherz mit mir.« – Alles dieses sprach er ohne irgendeinen Schein von Bestürzung und lachend, um seine Treulosigkeit besser verbergen zu können. Uebrigens hatte er während seiner Gefangenschaft oft mit der lachenden Miene eines abgefeimten Menschen so arg gelogen, daß die Spanier, welche diese Lügen mit anhörten, erstaunt waren bei einem Wilden so viel Schlauheit zu finden. Der Statthalter ließ eine Kette herbeibringen und sie ihm um den Hals legen; darauf schickte er zwei Indianer als Spione fort um auszukundschaften, wo das Kriegsheer stehe, weil man ihm hinterbrachte, es sey nur noch sieben Meilen von Caxamalca entfernt. Sie sollten erspähen ob es in einer Gegend stünde, wo man es mit 100 Reitern angreifen könne. Man berichtete aber, daß es in einer gebirgigen Gegend stehe und sich allmählich heranziehe; er erfuhr ferner, daß Atabaliba, nachdem ihm die Kette angelegt worden war, sogleich Boten abgeschickt habe um einem [ **seinem ??] Feldherrn zu melden, daß er von dem Statthalter ermordet worden sey. Auf diese Nachricht habe sich der Feldherr mit einem [ **seinem ??] Heere zurückgezogen. Sogleich hinter diesem Boten habe aber Atabaliba andere mit dem Befehle an ihn abgesendet sogleich und ohne Verzug anzurücken, weil er noch am Leben sey und weil er ihn, wenn er länger zögere, todt finden werde; dabei gab er ihm Nachricht, wie, wo und zu welcher Stunde er das Lager angreifen solle. Als der Statthalter alles dieß erfahren hatte, ließ er in dem Lager alle möglichen Vorsichtsmaaßregeln anordnen und die ganze Reiterei die ganze Nacht hindurch Runde machen. In jeder Nacht wurde dreimal abgelöst. Während jeder Nachtwache machten 50 Reiter und bei der Morgenwache 150 Reiter die Runde. In allen diesen Nächten schliefen weder der Statthalter noch seine Hauptleute, indem sie die Runden untersuchten und überall nachsahen, wo es nöthig war. Selbst die abgelöste Wache, welche schlafen durfte, legte ihre Waffen nicht ab und die Pferde standen fortwährend gesattelt. Während man ununterbrochen diese Vorsichtsmaaßregeln im Lager beobachtete, kamen am Samstage bei Sonnenuntergang zwei von den Indianern, welche im Dienste der Spanier standen, an und meldeten dem Statthalter, daß das Kriegsheer, vor welchem sie die Flucht ergriffen hätten, nur noch drei Meilen entfernt sey und in dieser oder in der folgenden Nacht erscheinen werde, um das Lager der Christen anzugreifen, denn es rücke den von Atabaliba erhaltenen Befehlen zufolge in großer Eile vor. Der Statthalter verurtheilte nun sogleich im Einverständnisse mit den Beamten Seiner Majestät, den Hauptleuten und andern erfahrenen Personen den Atabaliba zum Tode und bestimmte in seinem Urtheile, daß er des vergangenen Verrathes wegen lebendig solle verbrannt werden, wenn er sich nicht zum Christenthum bekehre und zwar zur Sicherheit der Christen, zum Wohl des ganzen Landes und zur schnelleren Eroberung und Beruhigung desselben; denn wenn Atabaliba todt sey, würde sich alles Kriegsvolk zerstreuen und nicht den Muth haben anzugreifen und die von ihm gegebenen Befehle zu befolgen. Man holte ihn also herbei, um Standrecht über ihn zu halten. Als er auf dem Richtplatz ankam, verlangte er ein Christ zu werden und man meldete dieß sogleich dem Statthalter, der ihn zu taufen befahl. Der sehr ehrwürdige Vater, Bruder Vicenti di Valverde, taufte ihn und sprach ihm Muth ein. Der Statthalter befahl nun ihn nicht zu verbrennen, sondern ihn an einen Pfahl auf dem Platze zu hängen was auch geschah. Er blieb daran hängen bis zum Morgen des folgenden Tages, wo die Mönche und der Statthalter nebst den übrigen Spaniern ihn nach der Kirche brachten und ihn mit großer Feierlichkeit und mit aller möglichen Ehre, die man ihm erweisen konnte, begruben. So endete dieser Mann, der so viele Grausamkeiten verübt hatte; er starb mit vielem Muthe ohne Schmerz zu zeigen und empfahl seine Söhne dem Statthalter. Als man ihn fortbrachte, um ihn zu beerdigen, erhoben die Weiber und Diener seines Hauses ein großes Jammergeschrei. Er starb an einem Samstage in derselben Stunde, in welcher er besiegt und gefangen worden war. Manche behaupteten, er sey seiner Sünden wegen an demselben Tage und in derselben Stunde, in welcher er gefangen worden sey, gestorben. Ihm wurde auf diese Weise für die großen Verbrechen und Grausamkeiten, die er an seinen Unterthanen verübt hatte, vergolten; denn alle bezeugten einstimmig, er sey der blutdürstigste und grausamste Mann gewesen, den je die Menschen gesehen. Der geringsten Ursache wegen zerstörte er eine ganze Stadt und eines geringen Vergehens wegen, das sich ein einziger Bewohner derselben zu Schulden kommen ließ, mordete er 10.000 Leute. Durch seine Tyrannei hielt er das ganze Land in Unterwürfigkeit, war aber von allen im höchsten Grade verabscheut. Der Statthalter nahm sogleich einen andern Sohn des älteren Cuzko, welcher ebenfalls Atabaliba hieß und gegen die Christen freundlich gesinnt schien, und setzte ihn in Gegenwart der Caziken, der Gebieter der umliegenden Orte und vieler andern Indianer in die Herrschaft ein und befahl diesen allen, ihn als ihren Beherrscher anzuerkennen und ihm zu gehorchen wie sie früher Atabaliba gehorcht hätten, da er als rechtmäßiger Sohn des ältern Cuzco ihr angestammter Herrscher sey. Alle versprachen, ihn als ihren Herrscher zu betrachten und ihm zu gehorchen, wie der Statthalter befohlen. Ich muß hier auch noch einer auffallenden Thatsache erwähnen. Als Atabaliba 20 Tage vor diesen Ereignissen und ehe man noch etwas von dem Heere, welches er hatte zusammenziehen lassen, wußte, eines Nachts sehr munter mit einigen Spaniern schwatzte, erschien unvermuthet am Himmel in der Richtung von Cuzco ein Zeichen, welches einem feurigen Kometen glich und während des größten Theiles der Nacht sichtbar blieb. Als Atabaliba es wahrnahm, bemerkte er, daß in ganz kurzer Zeit in diesem Lande ein großer Fürst sterben würde. 30. Sein Nachfolger. Heimkehr vieler Spanier. Ankunft großer Schätze in Spanien. (Fortsetzung nach Augustin de Zarate) Nachdem der Statthalter den jüngeren Atabaliba wie erzählt wurde in die Herrschaft und Regierung des Landes eingesetzt hatte, sagte er ihm, daß er ihm jetzt die Befehle Seiner Majestät mittheilen und ihn mit den Pflichten, die er als Vasall derselben zu erfüllen habe, bekannt machen müsse. Atabaliba erwiederte: es sey durchaus nöthig, daß er sich erst vier Tage zurückziehe ohne mit irgend jemand zu sprechen; denn es sey bei ihnen Sitte, daß nach dem Tode des Fürsten dessen Nachfolger, wenn man ihn fürchten und ihm gehorchen solle, erst dieß thue, worauf denn alle sogleich den schuldigen Gehorsam leisteten. Er lebte also vier Tage völlig zurückgezogen. Darauf setzte der Statthalter beim Schalle der Trompeten mit ihm die Friedensbedingungen fest und überreichte ihm die königliche Fahne. Dieser erhob sie mit seinen eignen Händen im Namen des Kaisers, unseres Herrn, und erklärte sich dadurch zu dessen Vasallen. Darauf erkannten ihn sogleich alle anwesenden Häuptlinge und Caziken mit großer Unterthänigkeit als ihren Gebieter an, küßten ihm Hand und Wange und wandten dann ihr Gesicht nach der Sonne, um dieser mit gefalteten Händen dafür zu danken, daß sie ihnen einen rechtmäßigen Gebieter gegeben habe. So ward dieser Herr als Nachfolger in dem Reiche Atabaliba's anerkannt. Darauf legten sie ihm eine sehr kostbare Binde um das Haupt, welche ihm bis auf die Stirne herabfiel und beinahe die Augen bedeckte. Diese Binde vertritt bei ihnen die Stelle der Krone und wird von dem Gebieter des Landes, welcher zu Cuzco seinen Sitz hat, getragen; und so trug sie auch Atabaliba. Nachdem alle diese Angelegenheiten geordnet waren, kamen mehrere von den Spaniern, welche das Land erobert hatten, besonders solche, welche sich schon sehr lange Zeit daselbst befanden, so wie auch andere, die von Krankheit niedergedrückt oder verwundet weder länger dienen noch bleiben konnten, zu dem Statthalter und baten ihn inständig um die Erlaubniß, mit dem Gold und Silber, den Edelsteinen und andern werthvollen Dingen die als Antheil an der Beute ihnen zugefallen waren, in ihre Heimath zurückkehren zu dürfen. Die Erlaubniß wurde ihnen gegeben und einige kamen mit Hernando Pizarro, dem Bruder des Statthalters, zurück; später erhielten auch noch andere dieselbe Erlaubniß, da der Ruf der von den Heimkehrenden erworbenen Reichthümer jeden Tag neue Abenteurer herbeilockte. Der Statthalter gab den Spaniern, welche die Erlaubniß zur Heimkehr erhalten hatten, Schafe, Widder und Indianer, um ihr Gold, Silber und Zeug bis zur Stadt San Miguel zu bringen. Auf der Reise verloren mehrere an Gold und Silber den Betrag von mehr als 25000 Castellanos, weil die Widder und Schafe durchgingen und auch einige Indianer entflohen. – Alle erduldeten auf dem Wege von Cuzco bis zu dem Hafen, welcher an 200 Meilen beträgt, viel Hunger und Durst und Mühseligkeiten aus Mangel an Trägern ihrer Habe. Von San Miguel begaben sie sich zur See nach Panama und gingen von hier nach Nombre de Dios, wo sie sich einschifften. Der Allmächtige führte sie glücklich nach Sevilla, wo bis jetzt vier Schiffe ankamen, welche folgenden Reichthum an Gold und Silber mitbrachten. Im Jahre 1533 am 5 December lief das erste dieser Schiffe in den Hafen von Sevilla ein; auf ihm befand sich der Hauptmann Christoval de Mena, welcher 8000 Pesos Gold und 950 Mark Silber als sein Eigenthum mitbrachte, ferner Juan de Losa, ein ehrwürdiger Geistlicher von Sevilla, welcher 6000 Pesos Gold und 80 Mark Silber besaß. Außer diesen Summen hatte das Schiff noch 38,946 Pesos Gold an Bord. Im Jahr 1534 am 9 Januar lief das zweite Schiff Santa Maria del Campo genannt in den Fluß von Sevilla ein; mit ihm kam der Hauptmann Hernando Pizarro, der Bruder Francisco Pizarro's, des Statthalters und Generalcapitäns von Neucastilien. Auf dem Schiffe befanden sich für Seine Majestät 153.000 Pesos Gold und 5048 Mark Silber. Außer dem Antheile Seiner Majestät brachte das Schiff für die mit ihm gekommenen Privatleute 310.000 Pesos Gold und 13,500 Mark Silber. Die genannte Summe bestand in Stangen, Platten und Stücken Gold und Silber und war in großen Kisten verpackt. – Außer diesem Reichthum hatte dieses Schiff auch noch für Seine Majestät an Bord 38 goldne und 48 silberne Gefäße, darunter einen silbernen Adler, dessen Körper zwei Eimer Wasser faßte, zwei große Töpfe, einen goldnen und einen silbernen, in deren jedem eine in Stücke geschnittene Kuh Raum hatte, zwei Säcke voll Gold von denen jeder zwei Fanegen (200 Pfund) Getreide hielt, einen goldnen Götzen von der Größe eines vierjährigen Kindes und zwei kleine Trommeln. Die anderen Gefäße waren goldene und silberne Becken, von denen jedes zwei Arroben und mehr hielt. In demselben Schiffe befanden sich ferner noch für die mitgekommenen Privatleute 24 silberne und 4 goldene Becken. – Der Schatz wurde auf dem Damm ausgeladen und in die Handelskammer gebracht. Die Gefäße waren in großer Anzahl vorhanden und das übrige war in 27 Kisten verpackt, von denen je zwei auf einem mit einem paar Ochsen bespannten Wagen fortgebracht wurden. Im erwähnten Jahre am 3 Junius liefen die beiden andern Schiffe ein; das eine führte Francisco Rodriguez, das andere Francisco Pabon. Sie brachten für die an Bord befindlichen Privatleute 146.518 Pesos Gold und 30.511 Mark Silber. Die erwähnten Gefäße und Stücke von Gold und Silber nicht mitgerechnet, betrug das in diesen vier Schiffen befindliche Gold 703.580 Pesos, jeden Peso zu einem Castellano gerechnet. Ein Peso gilt gewöhnlich 4b0 Maravedi. Rechnet man also alles Gold, welches als Ladung der vier Schiffe angegeben wurde, ohne die Gefäße und andere Stücke mitzuzählen, zusammen, so erhält man die Summe von 318,861.000 Maravedi. Das gesammte Silber belief sich auf 49,008 Mark. Nimmt man auf die Mark 8 Unzen und rechnet sie zu 2210 Maravedi, so erhält man für alles Silber die Summe von 108,307,680 Maravedi. Das eine der beiden zuletzt angekommenen Schiffe, welches Francisco Rodriguez führte, gehörte Francisco de Xerez aus der Stadt Sevilla, welcher diesen Bericht auf Befehl des Statthalters Francisco Pizarro, als dessen Geheimschreiber er sich in der Provinz Neucastilien in der Stadt Caxamalca befand, verfaßte. Hier endet Francisco's de Xerez, Bericht; die Fortsetzung bis zum Tode Francisco Pizarro ist Augustins de Zarate Historia del descubrimiento y conquista de la Provincia del Peru, lib.II.Cap. 8 bis lib.IV.cap 8 entlehnt. 31. Pizarro nimmt Cuzco in Besitz. Der Hauptmann Benalcazar erobert Quito. Während Pizarro in Caxamalca Atabaliba gefangen nahm und die ihn begleitenden Indianer niedermetzeln ließ, hatte Ruminagui, der Befehlshaber des außerhalb der Stadt aufgestellten Nachtrabs, als er den Donner des Geschützes hörte und den Indianer, welchen er als Wache auf eine Anhöhe gestellt hatte um ihm, wenn es Zeit sey, das Zeichen zum Vorrücken zu geben, durch einen Christen herabstürzen sah, mit seinem 5000 Mann starken Heere die Flucht ergriffen und war unaufhaltsam bis in die Provinz Quito, welche mehr als 250 Meilen vom Schlachtfelde liegt, fortgeeilt. Hier warf er sich zum Beherrscher des Landes auf. bemächtigte sich der Kinder Atabaliba's und verweigerte als dieser sie ihm durch seinen Bruder Illescas abfordern ließ, die Freilassung derselben. Als später mehrere Häuptlinge den Leichnam Atabaliba's nach dessen letzten Willen nach Quito brachten um ihn in dem Grabe seines Vaters Guainacaba beizusetzen, wurden sie von Ruminagui ehrenvoll und freundlich empfangen, aber nach der feierlichen Leichenbestattung bei einem Gastmahle ermordet. Atabaliba's Bruder Illescas ließ er lebendig schinden, seine Haut über eine Trommel spannen und an derselben Trommel den abgeschnittenen Kopf befestigen. Nichts konnte den Spaniern erwünschter und vortheilhafter seyn als die Zwietracht unter den Indianern selbst, und sie durften hoffen, den Häuptlingen, welche sich hie und da mit einzelnen Abtheilungen des zerstreuten Heeres Atabaliba's festgesetzt hatten, bald die Lust zum Widerstände zu legen. Der bedeutendste und gewandteste dieser Anführer war der schon oben erwähnte Quisquis, welcher offenbar die Absicht hatte, die Spanier durch Märsche und Gegenmärsche in einzelnen Haufen zu trennen und auf diese Weise sie zu vertilgen. Pizarro brach also, nachdem er mit der Vertheilung des Goldes und Silbers zu Caxamalca zu Ende gekommen war, gegen ihn auf und schickte den Hauptmann Soto mit einiger Reiterei voraus. Dieser wurde in der Provinz Viscacinga von einer großen Anzahl Indianer mit solcher Wuth angegriffen, daß er kaum das Schlachtfeld behaupten konnte und einige Leute verlor. Die Indianer, welche sich beim Anbruche der Nacht auf das Gebirg zurückzogen und, weil das Wetter trüb und nebelig war, eine unter dem Befehle Don Diego's de Almagro angekommene Verstärkung nicht bemerkten, erneuerten am folgenden Morgen den Kampf, waren aber durch keine List zu verführen, in die ihnen der Reiterei wegen gefährliche Ebene herabzukommen. Nur durch eine ungewöhnliche Anstrengung gelang es endlich den Christen, die Indianer aus ihrer festen Stellung herauszuwerfen und eine bedeutende Anzahl derselben zu tödten. Als nach Beendigung des Kampfes Pizarro mit dem Hauptcorps auf dem Schlachtfeld ankam, fand sich ein Bruder Atabaliba's, Pauli Juca genannt, welchen man nach dessen Tod als Beherrscher des Landes anerkannt und mit der Stirnbinde geschmückt hatte, bei ihm ein, machte Friedensvorschläge und sagte ihm, daß sich in Cuzco eine große Menge Kriegsvolk versammelt habe und nur einen Befehl ins Feld zu rücken oder sich zu unterwerfen erwarte. Man brach also sogleich auf und als man sich nach einigen Tagreisen der Stadt näherte, sah man aus derselben dicke Rauchwolken aufsteigen. Der Statthalter welcher glaubte, die Indianer wollten Cuzco in Brand stecken, schickte, um dieß zu verhindern, in großer Eile einige Hauptleute mit Reiterei voraus. Diese wurden aber von den Indianern, welche einen Ausfall machten, so tapfer empfangen, daß sie sich schnell zurückziehen mußten, und erst als das ganze während dieser Zeit angekommene Truppencorps auf die Indianer losstürzte, wurden diese mit großem Verluste in die Stadt zurückgeworfen. Am folgenden Tage öffnete Cuzco die Thore und man fand hier eine nicht geringere Beute an Gold und Silber als in Caxamalca. Pizarro vertheilte diese unter die Spanier und stellte jedem derselben frei sich in dieser Stadt anzusiedeln; nur wenige aber machten von diesem Anerbieten Gebrauch, denn die meisten wünschten mit den erworbenen Schätzen in ihr Vaterland zurückzukehren und dort den Lohn ihrer Anstrengung und Mühseligkeiten in Ruhe zu genießen. Wahrend Pizarro mit diesen Anordnungen beschäftigt war, erfuhr er, daß der unermüdliche Quisquis das Land durchziehe und einen Angriff auf eine kleine Abtheilung Spanier, welche als Wache bei dem Gepäck und dem erbeuteten Schatze in Xauxa zurückgeblieben waren, gemacht habe. Er schickte sogleich den Hauptmann Soto und später auch seinen Bruder mit Reiterei gegen ihn ab; er entschlüpfte ihnen aber glücklich und schlug seinen Weg nach der Provinz Quito hin ein. Die Spanier in Xauxa hatten sich und das ihnen anvertraute Gut durch ihre unermüdliche Wachsamkeit und durch ihre kühne Entschlossenheit gerettet. Mit eben so gutem Erfolg wurde der Zug gegen den indianischen Häuptling Ruminagui, welcher sich in Quito der Herrschaft bemächtigt hatte, gekrönt. Der Hauptmann Benalcazar machte sich von der Colonie S. Miguel aus mit dem größten Theil der Spanier, welche, wie wir schon gehört haben, wahrend des Aufenthaltes Pizarro's in Caxamalca an der Küste gelandet waren auf den Weg und trieb das indianische Heer unter Ruminagui trotz aller Anstrengungen, welche dieser machte und trotz aller List die er anwandte, vor sich her bis nach Quito. Gegen die Reiterei welche die größte Furcht einflößte und der man nirgends Stand hielt, hatten die Indianer die Wege mit breiten Gräben durchschnitten, in diese spitze Pfähle eingegraben und das Ganze wieder mit Rasen bedeckt; an andern Stellen hatten sie Löcher von der Größe eines Pferdehufes in den Boden gegraben, um die Reiterei dadurch in Unordnung zu bringen. Die Spanier wichen aber vorsichtig den ihnen gelegten Schlingen aus und zogen siegreich in Quito ein. Ruminagui ergriff, nachdem er den Palast, worin sich die Kostbarkeiten der Incas befanden, in Brand gesteckt hatte, die Flucht und betrog so die Eroberer um den Lohn ihrer Anstrengung. Vor seinem Abzuge versammelte er seine zahlreichen Weiber und sprach zu ihnen »Bald werdet ihr das Vergnügen haben die Christen ankommen zu sehen; ihr könnt euch dann nach Herzenslust mit ihnen vergnügen.« Sie hielten dieß für Scherz und fingen an zu lachen, mußten aber alle ihre Unvorsichtigkeit mit dem Leben büßen. 32. Ankunft Don Pedro's de Alvarado in Quito und Vergleich mit Diego de Almagro. Ermordung des indianischen Heerführers Quizquiz. Während Pizarro und seine Hauptleute mit Glück die Unterwerfung des peruanischen Reiches fortsetzten, landete in Puerto Viejo ein anderer spanischer Abenteurer, Don Pedro de Alvarado, welcher schon bei der Eroberung Menco's große Tapferkeit bewiesen hatte und dafür mit der Statthalterschaft Guatimala belohnt worden dar. Die Nachrichten von den in Peru vorhandenen Gold- und Silbermassen hatten seine Habsucht rege gemacht und da er glaubte, Quito läge außer dem Bereiche des von dem Könige von Spanien dem Pizarro zugetheilten Landstriches, so machte er sich mit 500 Man Fußvolk und Reiterei, die er angeworben hatte, von Puerto Viejo aus auf den Weg um geradezu in östlicher Richtung auf Quito loszugehen. Bekanntlich ist dieser Landstrich einer der unwegsamsten Theile Peru's und man kann sich leicht eine Vorstellung von den Mühseligkeiten machen, welche Alvarado mit seinen Leuten zu erdulden hatte. Die ganze Gegend ist bergig und mit so dichtem Gesträuch bewachsen, daß man sich mit der Axt und dem Degen den Weg bahnen mußte. Dabei litt man nicht wenig durch Hunger und Durst und die meisten wären sicher verschmachtet, wenn man nicht in großen Röhren von der Dicke eines Mannsschenkels süßes trinkbares Wasser, welches sich während der Nacht durch den Thau in denselben sammelte, gefunden hätten; ein einziger Stengel lieferte gewöhnlich über eine Pinte. Der Hunger dagegen zwang sie mehrere ihrer Pferde abzuschlachten, um deren Fleisch unter die Mannschaft zu vertheilen. Zudem geriethen sie in die Nahe eines feuerspeienden Berges, der sie mit seiner Asche überdeckte. – Doch mehr als alle diese Beschwerlichkeiten setzte ihnen der Uebergang über die Berge von Quito zu, die ganz mit Schnee bedeckt waren und auf denen eine solche Kälte herrschte, daß 60 Mann erfroren. Als sie mehr in die Thäler herabstiegen, geriethen sie wieder in eine andere Gefahr und mußten jeden Augenblick fürchten von den durch den geschmolzenen Schnee angeschwollenen Bergströmen verschlungen zu werden. – Don Diego de Almagro, der in der Provinz Quito den Hauptmann Benalcazar zurückließ, hatte sich zu derselben Zeit auf den Rückmarsch nach Cuzco begeben, ohne etwas von dem Einrücken Don Pedro's erfahren zu haben. Don Diego stieß auf seinem Marsche auf ein bedeutendes Indianerheer; er schlug es trotz der tapfersten Gegenwehr und nahm einen der vornehmsten indianischen Häuptlinge gefangen. Von ihm erfuhr er, daß Don Pedro 15 Stunden vom Kampfplatz eine indianische Festung belagere. Don Diego setzte seinen Weg fort und stieß bei Liribamba auf Don Pedro. Es kam zwischen beiden, obschon sie sich zur Schlacht gerüstet hatten, zu einem Vertrage des Hauptinhalts, daß Don Diego de Almagro an Don Pedro de Alvarado 100.000 Pesos Gold, die letzterer zur Ausrüstung seiner Expedition verwendet hatte, zurückzahle und daß sich beide zu dem Statthalter Pizarro begeben sollten, damit durch ihn der Vertrag vollzogen und die bedungene Summe bezahlt würde. Sie erfuhren, daß Pizarro sich von Xauxa nach Pachacama begeben habe um sie daselbst zu empfangen und machten sich deßhalb nach dieser Stadt auf den Weg. Auf dem Marsche erfuhren sie durch den Caziken der Canares, daß Quisquis, ein Feldherr Atabaliba's, mit einem Heere von mehr als 12.000 Indianern heranrücke und alles sowohl Menschen als Vieh, das er unterwegs antreffe, mit fortschleppe. Nachdem die Spanier die Vorhut der Indianer erreicht und geschlagen und deren Anführer Sotaurco gefangen genommen hatten, eilte Alvarado dem Feldherrn Quisquis, der das Hauptcorps des indianischen Heeres anführte, entgegen. Sobald Quisquis die Spanier erblickte, zog er mit allen Frauen und allem zum Kampfe untauglichen Volke nach einer festen Stelle zurück und stellte Guaypalcon, einen Bruder Atabaliba's, mit dem ganzen Heere an einen unzugänglichen Ort. Don Almagro rückte am Abhange eines Berges vor um die Indianer anzugreifen, obschon seine Pferde vor Ermüdung die Reiter nicht tragen konnten, sondern am Zügel geführt werden mußten. Die Indianer schleuderten große Steine von dem Abhange herab, die im Fortrollen eine Masse anderer Steine mit sich fortrissen. Trotz dieser Schwierigkeiten griffen die Spanier den Guaypalcon an und nöthigten ihn, sich in das Gebirge, wo Quisquis stand, zurückzuziehen. Hier nahmen die Indianer eine hoch gelegene und so feste Stellung ein, daß die Spanier ohne großen Verlust befürchten zu müssen keinen Angriff wagen durften. Auf ihrem Rückzuge auf dem schwierigen Boden wurden sie von den Indianern verfolgt und hatten am ersten Tage mehrere Verwundete. Am folgenden Morgen fand man, daß die Indianer ihre Stellung aufgegeben hatten, um sich noch weiter ins Gebirge an einen festen Ort zurückzuziehen. Vorher hatten sie all ihr Gepäck verbrannt und die Spanier trafen in ihrem Lager 15.000 Schafe und über 4000 Indianer und Indianerinnen, welche Quisquis mit Gewalt auf seinem Marsche aufgehoben und fortgeschleppt hatte. Quisquis wandte sich nun nach Quito hin; in der Nähe dieser Stadt wurde seine Vorhut von Benalcazar angegriffen und vernichtet. Er kam durch diesen Verlust in eine schlimme Lage, seine Officiere riethen ihm zum Frieden mit Benalcazar, aber er wurde über diesen Vorschlag so sehr in Wuth versetzt, daß er jedem, der noch ein Wort vom Frieden spreche, mit dem Tode drohte. Da stiftete Guaypalcon eine Verschwörung an, trat mit mehreren andern Hauptleuten zu Quisquis und stellte ihm vor, daß sie in dem öden Lande vom Hunger aufgerieben werden müßten, und als er ihren Vorstellungen kein Gehör gab, stieß ihm Guaypalcon seine Lanze in die Brust, die übrigen Verschwörer schlugen ihn mit ihren Streitkolben zu Boden und hieben seinen Leichnam mit Aexten in Stücke, dann verabschiedeten sie das Heer und ließen jeden hingehen, wohin es ihm beliebte. Don Diego und Don Pedro wurden von dem Statthalter Pizarro zu Pachacama freundlich empfangen und Don Pedro ging, nachdem ihm die versprochene Summe ausbezahlt worden war, ruhig in seine Statthalterschaft Guatimala zurück. Pizarro beschäftigte sich jetzt eifrig damit, die Stadt de los Reyes (Lima) zu bevölkern, indem er die Colonie, die er früher zu Xauxa angelegt hatte, in diese Stadt übersiedelte. Während dieser Bemühungen erhielt er plötzlich die Nachricht, daß Don Diego de Almagro den Versuch gemacht habe, sich zum Herrn von Cuzco zu machen. Juan und Gonzalo Pizarro, die Brüder des Statthalters, leisteten aber Diego de Almagro und dem Hauptmann Soto, der dessen Partei ergriffen hatte, kräftigen Widerstand; es kam zwischen beiden Parteien täglich zu Streitigkeiten, aber Don Diego konnte seinen Plan nicht durchsetzen, weil ein großer Theil des Rathes der Sache des Statthalters und seiner Brüder treu blieb. Sobald Franzisco Pizarro die Nachricht von dem Beginnen Don Diegos erhalten hatte, eilte er nach Cuzco und stellte daselbst durch seine Gegenwart die Ruhe wieder her. Er verzieh Don Diego sein unsinniges Beginnen, erneuerte den alten Freundschaftsbund und schloß mit ihm aufs neue einen Gesellschaftsvertrag, in dessen Folge Don Diego de Almagro ausziehen sollte um weiter nach Süden hin Entdeckungen zu machen; fände er ein gutes Land, so würde man bei Seiner Majestät dem Kaiser darum nachsuchen, daß er als Statthalter desselben eingesetzt würde; träfe er dagegen eine Gegend, die der Besitznahme nicht werth sey, so wollten sie die Statthalterschaft Peru unter sich theilen. Beide, Francisco Pizarro und Diego de Almagro, beschworen diesen Bund und Diego rüstete sich sogleich zu dem Zuge nach Süden. 33. Die Eroberung Chili's. Empörung der Indianer. Belagerung der Stadt Cuzco. Er hatte in allem 560 Mann Fußvolk und Reiter bei sich und machte einen Marsch von 250 Meilen unter beständigen Eroberungen bis in die Provinz Chicoana. Von da aus zog er noch 150 Meilen weiter bis in das Land Chili. Hier machte er mit der Hälfte seiner Truppen Halt und beorderte die andere Hälfte unter Gomez de Alvarado zu fernern Eroberungen; dieser drang zwar noch 60 Meilen weiter vor, aber anhaltender Regen und die winterliche schlechte Jahreszeit bewogen ihn wieder zu Don Diego zurückzukehren. Die Spanier hatten auf diesem Marsch von Cuzco bis Chili unglaubliche Beschwerden zu ertragen; denn außer dem Hunger und Durst den sie leiden, und den beständigen Strapazen die sie ertragen mußten, hatten sie häufig mit den Indianern, die aus der Ferne mit großer Geschicklichkeit und Kraft ihre Pfeile gegen sie abschossen, zu kämpfen; diese Indianer hatten einen hohen Wuchs und waren in Bären- oder Seehundfelle gekleidet. Am meisten schadete jedoch den Spaniern die große Kälte, die sie beim Uebergange über einige Schneegebirge zu vernichten drohte. Ein Hauptmann und mehrere Soldaten fanden hier auf elende Weise den Tod. In der That ist die Kälte auf diesen Bergen so fürchterlich, daß Don Diego 5 bis 6 Monate später, als er von Chili nach Cuzco zurückkehrte, an mehreren Stellen die Leichen der auf seinem Hermarsche Erfrorenen aufrecht an die Felsen gelehnt fand. Sie hielten noch die Zügel der gleichfalls erfrorenen Pferde in den Händen; das Fleisch war so frisch, als wenn Menschen und Pferde erst vor wenigen Augenblicken vom Tode überrascht worden wären. Auch aß man auf dem Rückmarsch das Fleisch der erfrornen Pferde. – Dann kam man wieder in Gegenden und Einöden, in welchen kein Schnee lag und deßhalb Mangel an Wasser herrschte. Um ihm abzuhelfen füllte man Schläuche von Lamafellen mit Wasser und ließ dieselben von Lamas schleppen. Wir müssen hier im Vorbeigehen eine sonderbare Nachricht erwähnen, welche den Spaniern von den Einwohnern Chili's mitgetheilt wurde und die an die Geschichte der Amazonen erinnert. Die Indianer erzählten nämlich, daß 50 Meilen von ihrem Lande ein anderes zwischen zwei großen Flüssen liege, das nur von Frauen bewohnt werde, sie duldeten keine Männer unter sich außer zu gewissen Zeiten, um Kinder von ihnen zu empfangen. Brächten sie Söhne zur Welt, so schickten sie dieselben ihren Vätern zu, die Mädchen dagegen behielten sie bei sich um sie zu erziehen; sie würden von einer Königin, welche den Namen Gabaymilla (Goldhimmel) führe, regiert und stünden unter der Oberhoheit eines benachbarten Fürsten. Während die Spanier auf solche Weise ein neues ausgedehntes Reich eroberten, brach unter den Indianern in Cuzco und andern Städten eine Empörung aus, welche so stark und allgemein war daß die Spanier nothwendig der Vernichtung geweiht zu seyn schienen und es ihnen nur durch die größten Anstrengungen, durch feste Entschlossenheit und ungebeugten Muth gelang, die Indianer aufs neue zu unterwerfen. Schon zur Zeit als Don Diego de Almagro Cuzco verließ, um die Eroberung Chili's zu beginnen, hatte der Inca Mango mit dem Inca Paulo und seinem Bruder Villacma eine Verschwörung zur Ermordung aller Spanier angestiftet. Er selbst hatte es übernommen, Don Diego und dessen Kriegsgefährten zu überfallen und niederzumachen. Die Verschwörung wurde glücklicherweise entdeckt und der Inca Mango eine Zeit lang auf die Festung von Cuzco gefangen gesetzt. Doch ließ man ihn später wieder los in der Hoffnung durch ihn noch mehr Gold aus dem Lande ziehen zu können; man glaubte nämlich fest, er wisse wo die Schätze der Indianer verborgen seyen und behandelte ihn deßhalb mit einer gewissen Freundlichkeit, jedoch hielt man ihn beständig unter scharfer Aufsicht. Hernando Pizarro gestattete ihm sogar in das Land Yucaia zu gehen um daselbst einem gewissen Feste beizuwohnen, weil der Juca versprach, er werde freiwillig zurückkehren und ihm die Statue seines Vaters Guaynacaba in Lebensgröße und von gediegenem Gold mitbringen. Dieses Fest war aber nichts anders als die Verabredung des Ausbruches der Verschwörung, die er früher angezettelt hatte; er ließ sogleich einige Spanier, die in den Minen arbeiteten, so wie alle welche er auf den Landstraßen oder mit dem Feldbau beschäftigt antraf, ermorden; zugleich schickte er einen seiner Hauptleute mit beträchtlichen Streitkräften nach Cuzco. Die Festung wurde von ihnen unversehens angegriffen und genommen. Die Spanier hatten große Mühe, sie wieder in ihre Gewalt zu bringen, was ihnen erst nach einer Belagerung von sieben Tagen gelang. Juan Pizarro wurde dabei durch einen Steinwurf an den Kopf getödtet; er hatte an dem Tage, an welchem er fiel, wegen einer Verwundung am Kopfe keinen Helm aufsetzen können. Der Tod dieses tapfern Spaniers war ein großer Verlust für seine Landsleute, denn er war in der Kriegsführung gegen die Indianer sehr erfahren. – Der Inca Mango war indessen mit allen seinen Streitkräften herangerückt, um die Stadt Cuzco anzugreifen. Er hielt sie über acht Monate belagert und ließ sie an jedem Vollmondstage von verschiedenen Seiten stürmen. Doch Hernando Pizarro vertheidigte den Platz mit heldenmüthiger Tapferkeit, obschon er und seine Leute sich gezwungen sahen Tag und Nacht unter den Waffen zu bleiben. – Mit jedem Tage gestaltete sich ihre Lage mißlicher, denn die von Mango Capac angestiftete Verschwörung hatte einen fast allgemeinen Aufstand der Indianer zur Folge. Als Hernando Pizarro und die mit ihm eingeschlossenen Spanier diese Nachricht erhielten, zweifelten sie fast nicht mehr daß bereits auch der Statthalter und alle ihre übrigen Landsleute ermordet seyen, sie verteidigten sich daher wie Verzweifelte, die keine Hoffnung mehr auf menschliche Hülfe setzten. Ihre Zahl verminderte sich von Tag zu Tag in den häufigen Gefechten, die sie mit den Indianern zu bestehen hatten, einmal sogar wagte sich Gonzalo Pizarro mit 20 Reitern bis zum See Chinchero, der fünf Meilen von Cuzco liegt; hier wurde er von einer so großen Anzahl Indianer angegriffen, daß er trotz der tapfersten Gegenwehr in deren Hände gerathen wäre, wenn nicht Hernando Pizarro und Alonzo de Toro mit einem Theile der Reiterei ihm zu Hülfe geeilt wären und ihn befreit hätten. Sie machten ihm gerechte Vorwürfe über seine Tollkühnheit. 34. Zwietracht der Spanier. Verluste derselben durch die List der Indianer. Diego's de Almagro Empörung zu Cuzco. Die Spanier im indianischen Reiche statt fest zusammenzuhalten um die Empörer zu unterdrücken, betrachteten sich einander selbst mit dem größten Mißtrauen und es entstand bald zu ihrem größten Unheile sogar Zwietracht unter ihnen. Die Freunde und Verwandten des Don Diego de Almagro wußten es durch Bitten und Vorstellungen dahin zu bringen daß er, als die Kunde der Empörung nach Chili kam, sich entschloß auf Cuzco loszugehen in der doppelten Absicht, die empörten Indianer zum Gehorsam zurückzuführen und dann seinen früher gescheiterten Plan, sich zum Herrn von Cuzco zu machen, durchzuführen. Seine Freunde hatten ihm nämlich durch bestochene Indianer die falsche Nachricht überbringen lassen, der Statthalter Francisco Pizarro und die meisten Spanier in Peru seyen durch die Indianer ermordet worden. – Als Almagro bis auf sechs Stunden Entfernung von der Stadt Cuzco gekommen war, ließ er ohne Hernando Pizarro von seiner Ankunft Nachricht gegeben zu haben, dem Inca Vorschläge zu einer Uebereinkunft machen, indem er ihm Verzeihung des Vorgefallenen versprach, wenn er ein Freundschaftsbündniß mit ihm eingehen und ihn bei seinem Plane, sich zum Herrn von Cuzco zu machen, unterstützen wolle. – Der Inca ließ ihm hinterlistiger Weise eine Zusammenkunft vorschlagen; Almagro willigte ohne Argwohn ein, ließ einen Theil seiner Truppen unter Juan de Sayavedra zurück und zog mit den übrigen dem Inca entgegen. Dieser hatte jedoch seine Vorkehrungen so gut getroffen, daß er statt zu unterhandeln die Spanier unter Almagro unversehens mit aller Wuth angriff und ihnen einen bedeutenden Verlust beibrachte. – Hernando Pizarro hatte unterdessen die Ankunft Almagro's erfahren und zugleich vernommen daß Sayavedra in dem Orte Hurcos mit einem Theil der Truppen geblieben war, er zog deßhalb mit 170 gut bewaffneten Streitern gegen ihn aus. Sayavedra erhielt Kunde davon und stellte seine 300 Spanier beim Anrücken Hernando Pizarro's in Schlachtordnung. Im Augenblicke, in welchem der Kampf beginnen sollte, schickte Pizarro zu ihm und ließ ihn bitten, er möge sich zu einer persönlichen Zusammenkunft verstehen, damit man sich auf die eine oder die andere Weise verständige. Sayavedra nahm den Vorschlag an, sie sahen einander, und Pizarro soll ihm eine große Masse Gold angeboten haben, wenn er ihm die von ihm befehligten Truppen überlassen würde. Sayavedra nahm aber dieß Anerbieten als Ehrenmann nicht an. – Als Almagro nach dem Kampfe mit dem Inca Mango Sayavedra's Truppen an sich gezogen hatte, brach er mit allen seinen Leuten gegen Cuzco auf. Auf dem Wege ließ er vier Reiter durch einen Hinterhalt, den er ihnen legte, aufgreifen, indem er erfahren hatte daß sie ausgeschickt worden waren um ihn zu beobachten. Durch sie erfuhr er nun genau, was in Peru in Folge der Empörung der Indianer sich zugetragen hatte, insbesondere daß man 600 Spanier ermordet und einen großen Theil der Stadt Cuzco in Brand gesteckt hatte. Hernando Pizarro ließ Don Diego de Almagro wissen, er würde ihm gerne, wenn er es wünsche, einen Theil der Stadt zur Unterbringung seiner Leute überlassen; zugleich schickte er Boten an seinen Bruder Francisco Pizarro, um ihm Nachricht von den eingetretenen Ereignissen zu geben und wo möglich einen Vergleich zwischen Almagro und ihm zu Stande zu bringen; Francisco Pizarro befand sich damals zu Los Reyes. Einige Schriftsteller behaupten, Hernando Pizarro habe einstweilen einen Waffenstillstand mit Almagro abgeschlossen, damit man den Vergleich in Ruhe unterhandeln könne. Im Vertrauen auf diesen Waffenstillstand habe Pizarro seine Soldaten und die bewaffneten Einwohner Cuzco's entlassen, damit sie in ihren Wohnungen ausruhen möchten, denn sie hatten drei Tage und drei Nächte beständig unter den Waffen gestanden und waren dadurch fast gänzlich erschöpft. Auf diese Kunde habe Almagro die Stadt in der Nacht unter dem Schutze eines dichten Nebels angegriffen; Hernando und Gonzalo Pizarro seyen durch den Lärm aus dem Schlafe aufgeschreckt worden, hätten schnell zu den Waffen gegriffen und sich, da ihr Haus zuerst gestürmt worden sey, von ihren Dienern unterstützt so lange tapfer vertheidigt, bis die Feinde es an vier Ecken in Brand gesteckt und sie zur Uebergabe gezwungen hätten. – Am folgenden Morgen ließ sich Almagro ohne Verzug durch den Senat als Statthalter von Cuzco anerkennen und die beiden Pizarros ins Gefängniß werfen. Mehrere riethen Almagro seine Ruhe und seine Eroberung durch ihren Tod zu sichern; doch er verwarf diesen Vorschlag hauptsächlich auf die dringenden Bitten des Don Diego de Alvarado, der für sie gut stand. Zugleich gab Almagro dem Inca Paulo das Franzenband oder königliche Diadem, weil sein Bruder Manco Inca sich mit einer großen Anzahl von Indianern in die hohen Gebirge flüchtete, als er sah daß Almagro Herr von Cuzco war. Als Francisco Pizarro die Nachricht von dem Aufstande der Indianer empfing, hielt er die Gefahr für viel geringer als sie war und beging deßhalb den Fehler, seinen Brüdern nur allmählich einige Unterstützung zuzuschicken. So bestand das erste Hülfscorps, das er sandte, nur aus 15 Mann. Die Indianer fielen aus Schlupfwinkeln über diese wenigen Leute mit Uebermacht her und tödteten alle, was wahrscheinlich nicht stattgefunden haben würde, wenn Pizarro diese kleinen Abtheilungen vereint abgeschickt hätte. Bevor er um mancherlei Angelegenheiten zu ordnen nach S. Miguel ging, sendete er seinen Vetter Diego Pizarro mit 70 Reitern nach Cuzco ab; doch auch diese wurden in einem Engpasse 50 Meilen von Cuzco wie die frühern erschlagen; gleiches Loos hatte einer seiner Schwäger Gonzalo de Tapra, den er später mit 80 Reitern abschickte. Ebenso wurden die Hauptleute Morgovejo und Gaete mit den von ihnen gesammelten Truppen von den Indianern vernichtet. Von all diesen Abtheilungen rettete sich nicht ein einziger Mann, so daß die nachfolgenden nicht einmal etwas von der Vernichtung derer, welche vor ihnen abgegangen waren, erfahren hatten. Der feindliche Heerführer ließ die Spanier immer in ein enges tiefes Thal einrücken und ihnen dann durch eine große Anzahl von Indianern den Eingang und Ausgang abschneiden, andere Indianer wälzten sodann Steine und Felsstücke herab, so daß die Spanier ohne kämpfen zu können elend ihr Leben verloren. Auf diese Weise wurden an 300 spanische Reiter aufgerieben. Als der Statthalter Pizarro ganz und gar keine weiteren Nachrichten über die Verhältnisse Cuzco's erhielt und selbst nicht einmal wußte, wie es mit den von ihm abgesendeten Hülfstruppen stand, schickte er endlich noch eine Reiterabtheilung von 45 Mann ab, sie trafen auf zwei von jenen, die Gaete gefolgt waren und sich gerettet hatten; von ihnen erfuhren sie was vorgefallen war und konnten sich selbst nur mit Mühe retten, indem die Indianer bereits den Paß, in welchen sie eingerückt waren, besetzt hatten; die Spanier wurden von den Feinden unter beständigen Angriffen bis auf 20 Stunden Wegs verfolgt, kamen jedoch glücklich nach Los Reyes zurück. Zu gleicher Zeit langte auch der Hauptmann Diego de Aguero mit einigen andern an, die sich zu Pferde vor den Verfolgungen der Indianer, von denen sie in ihren Wohnsitzen angegriffen waren, geflüchtet hatten. – Pizarro schickte nun Pedro de Lerma gegen die Indianer, welche bis in die Nähe der Stadt Los Reyes mit großer Streitmacht vorgedrungen waren; Pedro de Lerma griff mit 80 Reitern und einer Anzahl indianischer Hülfstruppen den Inca an, kämpfte einen großen Theil des Tages mit ihm und zwang ihn endlich zum Rückzug in die hohen Gebirge nach einem festen Punkte, hier wurden die Indianer von den Spaniern eingeschlossen und in solcher Masse in Verwirrung auf einen Punkt zusammengedrängt, daß sie außer Stand waren zu kämpfen; wahrscheinlich wäre es den Spaniern an diesem Tage geglückt die Indianer völlig aufzureiben, hätte Pizarro nicht Befehl zum Rückmarsch gegeben. Als die Indianer sahen, daß die Spanier sie nicht weiter verfolgten dankten sie dem Himmel für die Rettung aus einer so großen Gefahr, stellten Gebet und Opfer an und setzten sich dann sogleich auf einem sehr hohen Berg, der ganz in der Nahe von Los Reyes liegt und nur durch den dazwischenfließenden Strom von ihm getrennt wird, fest. Von hier aus griffen sie die Stadt täglich an und mit jedem Tage vergrößerte sich ihre Unzahl so sehr, daß Pizarro sich des Gedankens kaum entschlagen konnte, Hernando Pizarro und die übrigen Spanier in Cuzco seyen umgekommen und die Empörung der Indianer so allgemein, daß auch Don Diego und die Seinen in Chili den Tod gefunden hätten. Aber trotz dem ließ er den Muth nicht sinken. Damit die Indianer nicht glauben sollten, er hielte seine Schiffe zur Flucht bereit, und damit die Spanier sich nicht mit der Hoffnung schmeicheln möchten, auf den Schiffen sich retten zu können, sendete er diese nach Panama, um seine Leute mit Gewalt zu kühnem Kampfe zu zwingen. Zugleich gab er dem Vicekönig von Neuspanien und allen Statthaltern Kunde von der Lage, in der er sich befand mit der Bitte, sie möchten ihm Hülfe senden; er stellte ihnen die große Gefahr, von der er bedroht war in Ausdrücken vor, die etwas weniger Festigkeit und Vertrauen als sonst zeigten. Jedoch gebrauchte er solche Worte nicht aus eigenem Willen, sondern auf den Antrieb einiger nicht sehr muthigen Leute, die ihm dazu riethen. Ferner schickte er seinem Stellvertreter zu Truxillo den Befehl, er solle diese Stadt räumen, alle Frauen und Kinder auf ein Fahrzeug, das er ihm sandte, einschiffen und dieselben in Sicherheit nach Terra firma bringen lassen, alle Männer aber sollten mit ihren Waffen und Pferden zu seiner Hülfe herbeieilen. Er gab diesen Befehl, weil er keinen Augenblick zweifelte, die Indianer würden Truxillo gleichfalls angreifen, und er nicht im Stande seyn es zu entsetzen; auch glaubte er mit vereinter Kraft den Indianern leichter die Spitze bieten zu können. Dem Befehl fügte er die Bemerkung bei, daß sie so geheim als möglich sich zu ihm auf den Weg machen sollten, damit die Indianer, wenn sie es erführen, nicht auf den Gedanken kämen sich zu theilen und gegen Truxillo zu ziehen. Während die Einwohner dieser Stadt sich zum Abzuge rüsteten, traf der Hauptmann Alonzo de Alvarado mit seinen Truppen, an deren Spitze er zur Entdeckung des Landes der Chachapayas ausgezogen war, daselbst ein; Pizarro hatte ihm nämlich den Befehl zukommen lassen, die Eroberung aufzugeben um ihm zu Hülfe zu eilen, Alvarado ließ einen Theil seiner Truppen zur Vertheidigung der Stadt Truxillo zurück, mit dem Reste machte er sich auf den Marsch um Pizarro in Los Reyes aufzusuchen. Als er daselbst angelangt war, setzte ihn Pizarro als Generallieutenant an die Stelle des Pedro de Lerma; dieser wurde hierüber erbittert und stiftete deßhalb später eine Empörung an. – Sobald Pizarro eine hinreichende Anzahl von Truppen um sich gesammelt hatte, war er darauf bedacht den am meisten bedrohten Orten Hülfe zu senden. Er schickte also den Hauptmann Alonso de Alvarado mit 300 Spaniern sowohl Reiterei als Fußvolk ab; sie raubten und plünderten auf dem Marsche alle Orte, durch die sie kamen, ohne großen Widerstand zu finden. Vier Stunden von Pachacamac jedoch hatten sie einen heftigen Kampf gegen die Indianer zu bestehen, die aber von ihnen geschlagen wurden. Darauf setzte Alonso seinen Marsch nach Cuzco fort. Seine Leute litten viel, als sie durch eine große Wüste zogen; mehr als 500 von den indianischen Hülfstruppen kamen vor Durst um, ja alles Fußvolk wäre verschmachtet, hätten die Reiter nicht aus weiter Ferne von Zeit zu Zeit Wasser herbeigebracht. In der Provinz Xauxa stieß Gomez de Tordoya mit 200 Mann zu Alonso, so daß sein Corps jetzt 500 Spanier stark war. Alonso de Alvarado gelangte unter beständigen Gefechten mit den Indianern bis zur Brücke bei Abancay, wo er die Gefangenschaft Gonzalo's und Hernando's Pizarro und die übrigen Vorfälle in Cuzco vernahm. Dieses bewog ihn zu dem Entschlusse nicht weiter vorzurücken, sondern neue Befehle vom Statthalter einzuholen. Als Don Diego de Almagro die Ankunft Alonso's erfuhr, rückte er ihm alsbald mit seiner Truppenmacht entgegen. Er war von dem Mißvergnügen Pedro's de Lerma unterrichtet und wußte, daß er mit mehr als 400 Streitern zu ihm überzugehen geneigt war. Alonso, der Verdacht gegen Pedro hegte, wollte ihn verhaften, doch dieser erhielt Kunde von seinem Vorhaben, entfloh in der Nacht und nahm die Unterschriften aller welche in die Verschwörung verwickelt waren, mit sich. Inzwischen näherte sich Almagro in der Nacht der Brücke, wo ihn die Verschwornen nach der Verabredung erwarteten; er und seine Leute wurden von ihnen als Freunde empfangen, ja ein Theil der Verschwörer war so eifrig und thätig gewesen, daß sie sogar die Lanzen Alvarado's und seiner Leute in den Fluß warfen. Alvarado wurde, als er den Befehl zum Angriff gab, von den Seinigen verlassen, er selbst wehrlos gefangen genommen und sein Lager geplündert. Dann zogen die Sieger nach Cuzco zurück in solchem Stolz und Uebermuth, daß sie laut sagten, die Pizarros hätten in Peru nichts mehr zu thun und sie möchten sich auf den Weg machen um die Manglaren unter der Aequinoctiallinie zu regieren. Die Siege, welche Alonzo de Alvarado auf seinem Marsche nach Cuzco über die Indianer bei Pachacamac und andern Orten erfochten, hatten den Inca und den Feldherrn Tyzolspangui gezwungen, die Belagerung der Stadt Los Reyes aufzugeben. Da Pizarro sich nun frei sah, verließ er diese Stadt mit mehr als 700 Mann um seinen Brüdern zu Cuzco zu Hülfe zu eilen und sie aus der Gewalt der Indianer zu retten, denn noch wußte er nicht, daß Diego de Almagro aus Chili nach Cuzco zurückgekehrt war und seine Brüder gefangen genommen hatte. In der Provinz Nasca 25 Meilen von Los Reyes erfuhr er alles was zu Cuzco sich ereignet hatte, er wurde von den schlimmen Nachrichten tief erschüttert und da er einsah daß seine Truppen zwar zum Kampfe gegen die Indianer, nicht aber zur Bekriegung der Spanier unter Almagro ausreichten, so gab er Befehl zum Rückzuge nach Los Reyes um daselbst neue Maaßregeln anzuordnen. Von hier schickte er den Licentiaten Espinosa an Almagro mit Vergleichungsvorschlägen ab, die jedoch kein Gehör fanden. Almagro rückte mit seinen Truppen aus Cuzco aus, wo er den Hauptmann Gabriel de Rojas als Befehlshaber zurückließ und ihm befahl, Alonso de Alvarado und Gonzalo Pizarro in strenger Haft zu halten; er selbst setzte seinen Marsch bis in die Provinz Chincha, die 20 Meilen von Los Reyes liegt, fort. 35. Pizarro zieht gegen ihn. Vergebliche Unterhandlungen. Sobald Pizarro in Los Reyes wieder eingetroffen war, ließ er die Trommel rühren, um neue Aushebungen zur Verstärkung seiner Truppen zu machen; er sagte es laut, daß sie zu seiner Vertheidigung gegen Don Diego de Almagro dienen sollten, der sich empört habe. In wenigen Tagen sammelte er über 700 Mann Fußvolk und Reiterei; unter den ersten, befand sich eine Anzahl Hackenbüchsenschützen, die ihm der Hauptmann Pedro de Bergaro aus Flandern zugeführt hätte; bisher war die Zahl dieser Schützen in Peru nicht groß genug gewesen um ganze Compagnien aus ihnen zusammenstellen zu können; Pizarro bildete jetzt deren zwei aus ihnen. Während Pizarro mit diesen neuen Rüstungen sich beschäftigte, war es Gonzalo Pizarro und Alonzo de Alvarado gelungen, sich ihre Freiheit zu verschaffen und mit mehr als 70 Mann zu dem Statthalter zu gelangen, sie führten zugleich Gabriel de Rojas, den Befehlshaber Diego's de Almagro in Cuzco, als Gefangenen mit sich. – Ihre Ankunft verursachte Pizarro eine außerordentliche Freude und diente seinen Truppen zur Ermuthigung. Als nun seinerseits Almagro die Kunde von der Flucht der Gefangenen und den großen Streitkräften Pizarro's vernahm, beschloß er zu versuchen ob nicht ein Übereinkommen zu Stande gebracht werden könne. Wirklich ließ Pizarro sich durch dessen Abgesandte bewegen die Entscheidung der Sache in die Hände zweier Mönche von dem Orden der Gnade zu legen. Diese schlichteten den Streit dahin, daß vor allem Hernando Pizarro in Freiheit gesetzt, Cuzco an den Statthalter zurückgegeben und dem Könige von Spanien über alle betreffenden Verhältnisse Bericht erstattet werden solle, damit dieser die ganze Sache definitiv entscheiden möchte. Dann schlugen sie eine Zusammenkunft zwischen dem Statthalter und Almagro vor um ihre Angelegenheiten zu verhandeln; sie sollte in dem Dorfe Mala zwischen beiden Herren stattfinden und jeder sollte von zwölf Reitern begleitet werden. Beide machten sich zu dieser Zusammenkunft auf den Weg, doch Gonzalo Pizarro, der weder auf den Waffenstillstand noch auf die Worte Almagro's Vertrauen setzte, zog seinen Bruder sogleich mit allen Truppen nach um sich heimlich in die Nähe von Mala aufzustellen und gab dem Hauptmann Castro den Befehl mit 90 Schützen sich an einer mit dichtem Schilfe bewachsenen Stelle am Wege, den Almagro kommen mußte, in Hinterhalt zu legen. Wenn er sähe, daß Almagro mit einer größern Zahl von Kriegsleuten als die Convention bestimme, heranzöge, so solle er seine Leute feuern lassen um ihm dadurch ein Zeichen zu geben, auf das er so schnell als möglich herbeieilen wolle. – Als Don Almagro Chiucha verließ, um sich in Begleitung von zwölf Reitern nach Mala zu begeben, ertheilte er Rodrigo Orgonos seinem Generallieutenant den Befehl stets auf der Hut zu seyn und alle Truppen bereit ;u halten, wenn allenfalls Pizarro feindliche Absichten gegen ihn im Schilde führe. Als Pizarro und Almagro einander sich näherten, umarmten sie sich feurig; kaum hatten sie aber einige Worte gewechselt, die mit ihren Angelegenheiten in gar keiner Berührung standen, als einer der Reiter, die den Almagro begleitet hatten, ihm die Worte ins Ohr sagte: »Ihr werdet gut thun euch zurückzuziehen, ich erinnere euch daran als treuer Diener.« Er hatte nämlich die Ankunft des Gonzalo Pizarro erfahren. Almagro darüber erschrocken ließ sogleich sein Pferd vorfuhren; einige von dem Gefolge Pizarro's suchten diesen, als sie sahen daß Almagro im Begriff stand sich zurückzuziehen, zu überreden, er möge seinen Gegner festnehmen lassen, weil dieß mit Hülfe der Schützen unter Castro leicht ausführbar wäre. Doch er gab dieß nicht zu; er hatte sein Wort gegeben und wollte es getreulich halten; ja er konnte sich nicht einmal überreden daß Almagro sich zurückziehen würde, ohne irgend eine Uebereinkunft bezüglich dessen weßhalb sie zusammengekommen waren, getroffen zu haben. – Almagro eilte indessen von dannen und hielt die Aussage des Reiters, der ihn gewarnt hatte, beim Anblicke der im Hinterhalt liegenden Schützen für eine unbezweifelte Wahrheit. Als er in seinem Lager angekommen war, beklagte er sich, Pizarro habe ihn gefangen nehmen wollen und alle Gründe, mit denen sich Pizarro zu rechtfertigen suchte, fanden bei ihm kein Gehör. Endlich willigte er in einen neuen Vertrag ein: er ließ Hernando Pizarro unter folgenden Bedingungen frei: der Statthalter solle Almagro ein Schiff stellen, damit er seine Vorstellungen nach Spanien an den König absenden und Antwort von diesem erhalten könne; beide sollten bis neue Befehle von Seiten Seiner Majestät einträfen mit einander in Frieden bleiben und nichts gegen einander unternehmen, Rodrigo Orgonos widersetzte sich der Freilassung Hernando Pizarro's aus allen Kräften; er war nämlich Zeuge der schlechten Behandlung gewesen, die Pizarro in seiner Gefangenschaft erfahren hatte und fürchtete deßhalb, er würde sich, sobald er in Freiheit sey, dafür zu rächen suchen; seine Ansicht war deßhalb, man solle Pizarro enthaupten. Diego de Alvarado rieth dagegen ihn frei zu geben. Sein Rath drang durch und Hernando Pizarro wurde in Freiheit gesetzt. Almagro gab ihm sogar seinen Sohn und einige Reiter als Bedeckung bis ins Lager seines Bruders mit. Doch kaum hatte Pizarro die Stadt Cuzco verlassen, als Almagro bereute ihn freigegeben zu haben und man glaubt, er hätte ihn sicher wieder ins Gefängniß zurückbringen lassen, wenn sich Pizarro nicht durch die größte Eile aus seinem Bereiche ins Lager seines Bruders gerettet hätte. So standen die Dinge, als Befehle von dem Könige von Spanien im Lager Pizarro's eintrafen: sie enthielten die Weisung, daß jeder der beiden Statthalter Pizarro und Almagro auf das Land sich beschränken sollte, das er entdeckt und erobert und in welchem er bereits zu der Zeit, in welcher ihnen dieser Befehl zukomme, eine Niederlassung gegründet habe; keiner sollte in dem Gebiete des andern etwas bis auf weitere königliche Entscheidung unternehmen. Pizarro schickte diese Befehle an Almagro mit der Bitte, er möge das Land, das er (Pizarro) entdeckt und in welchem er seine Colonien angelegt habe, räumen. Almagro gab hierauf zur Antwort: er sey bereit den Befehlen Seiner Majestät zu gehorchen und sich genau an den Ausdrücken derselben zu halten, durch welche bestimmt würde daß jeder im Besitz der Länder und Niederlassungen verbleiben solle, in welchen er sich zur Zeit der Mittheilung des Befehls befände; er bitte deßhalb Pizarro ihn diesem gemäß in Ruhe und in friedlichem Besitze des Landes, über welches er im Augenblick gebiete, zu lassen, bis es Seiner Majestät gefalle anders darüber zu verfügen. –Pizarro ließ ihm erwiedern: er habe zuerst die Stadt Cuzco und die umliegende Gegend erobert, er habe dieß Land zuerst entdeckt und Niederlassungen daselbst angelegt, Don Diego de Almagro habe ihm mit Arglist diese Besitzungen entrissen, er habe sie deßhalb dem Befehle des Königs gemäß zu räumen, thue er dieß nicht, so würde er ihn mit Gewalt daraus vertreiben. Da Diego de Almagro friedlichen Worten kein Gehör schenkte, so setzte sich Francisco Pizarro mit allen seinen Streitkräften gegen ihn in Bewegung. Almagro zog sich gegen Cuzco hin und verschanzte sich auf dem Berge Guantara; zugleich ließ er alle Verbindungen des ohnehin schwierigen Weges, der zu ihm führte, zerstören. Hernando Pizarro folgte ihm mit einigen Truppen und es gelang ihm in einer Nacht auf einem geheimen Wege den Berg zu ersteigen und sich einen Durchgang mit seinen Schützen zu erzwingen; er nahm auf dem Berge eine so vortheilhafte Stellung, daß Almagro zur Flucht sich genöthigt sah. Da er krank war, zog er voraus und übergab Rodrigo Orgoños das Commando über die Nachhut. Auf seinem Rückzüge nach Cuzco ließ er alle Brücken abbrechen, damit der Feind ihm nicht folgen könne. In Cuzco blieb Almagro über zwei Monate, hob neue Mannschaft aus, sammelte Munition, ließ Kanonen gießen und versäumte nichts, was er zu einem langen Kampfe für nothwendig hielt. 38. Almagro wird bei Cuzco geschlagen und hingerichtet. Francisco Pizarro sendete endlich seinen Bruder Hernando mit dem Heere gegen Cuzco. Es wurde eine Bekanntmachung erlassen und darin gesagt, er rücke gegen Cuzco, um mehrern Einwohnern dieser Stadt Gerechtigkeit zu verschaffen; sie hätten sich bei dem Statthalter beklagt Almagro halte mit Gewalt ihre Güter und Häuser im Besitze, und er habe sich gegen alles Recht der Stadt Cuzco bemächtigt.– Als Pizarro vor Cuzco angekommen war, nahm, er seine Stellung auf dem nahe liegenden Berge. Bei Tagesanbruch sah er, daß Rodrigo Orgoños mit dem ganzen Heere des Almagro in Schlachtordnung sich aufgestellt hatte. Francisco de Chases, Juan Tello, Vasco de Guevara befehligten die Reiterei. An den Berg gelehnt standen einige Spanier mit einer großen Anzahl bewaffneter Indianer. Unterdessen hatte man alle Freunde und Anhänger Pizarro's, die sich in der Stadt befanden, in der Citadelle von Cuzco eingekerkert; die Gefängnisse in welche man sie warf, waren so enge, daß einige von ihnen darin erstickten. Nachdem Pizarro am folgenden Morgen eine Messe hatte lesen lassen, stieg er mit seinem Heere in guter, Ordnung in die Ebene herab gegen die Stadt, in der Absicht sich auf einer Höhe, von welcher die Citadelle beherrscht wurde, festzusetzen. Er und seine Leute glaubten Almagro würde, wenn er die bedeutenden Streitkräfte Pizarro's erblicke, keine Schlacht wagen, und sie hegten den aufrichtigen Wunsch es möge zu keinem Blutvergießen zwischen den Spaniern kommen.– Rodrigo Orgoños, der die große nach Cuzco fahrende Straße besetzt hielt, war anderer Gesinnung; er hatte diese Stellung eingenommen, weil er glaubte der Feind könne von einer andern Seite wegen eines daselbst befindlichen Sumpfes nicht in Cuzco eindringen und müsse nothwendig eine Schlacht annehmen. Sobald Pizarro die Absicht des Orgoños merkte, gab er das Zeichen zum Angriff. Die Schlacht begann mit dem Kampfe der Indianer gegen einander, die Reiterei Pizarro's suchte den Sumpf zu passiren, die Schützen, welche schnell vorrückten, gewannen ihnen den Vorsprung ab und gaben eine so heftige Salve auf eine feindliche Abtheilung, daß dieselbe zurückwich. Dagegen that die Artillerie Almagro's Pizarro's Leuten großen Schaden; als diese aber glücklich über den Sumpf und über einen kleinen Fluß gekommen waren, rückten sie in guter Ordnung und muthig auf den Feind los. Da Pizarro bemerkte, daß die Lanzenträger des Almagro ihre Lanzen hoch hielten, befahl er den Schützen gleichfalls ein wenig hoch zu schießen, und diese führten den Befehl so gut aus, daß sie durch zweimaliges Feuern mehr als fünfzig Lanzenspitzen wegschossen. Als Rodrigo Orgoños dieses sah, befahl er seinen Hauptleuten rasch vorzudringen und rückte dann selbst mit dem Kern der Truppen nach, nm persönlich den Pizarro anzugreifen, den man sehr leicht an der Spitze seiner Schwadron erkennen konnte. Dabei rief er laut aus: »Allmächtiger, was mir auch begegnen mag, ich werde meine Pflicht thun und den Tod suchen!« Er beging aber den Fehler seine Flanke bloßzugeben, Pizarro und Alonso de Alvarado benutzten dieses und richteten einen Theil ihrer Truppen gegen seine Flanke. Orgoños wurde durch einen Schuß aus einer Büchse am Kopfe verwundet, die Kugel war durch seinen Helm gedrungen; trotz dieser Verwundung thötete er mit seiner Lanze zwei Leute und versetzte mit seinem Degen einem Diener Pizarro's, den er wegen seiner guten Kleidung für diesen selbst hielt, einen Hieb in den Mund. Der Kampf wurde alsbald blutig, es kam zum Handgemenge und man schlug sich auf beiden Seiten mit großer Tapferkeit; endlich gelang es Pizarro die Feinde in die Flucht zu schlagen. Orgoños und mehrere andere Officiere wurden zusammengehauen und Almagro selbst, der wegen Krankheit an der Schlacht keinen Theil nahm, sondern ihr von einer Anhöhe aus zusah, gefangen.– Als die Indianer den Kampf zwischen den Spaniern beendet sahen, stellten sie ihn ebenfalls ein, um die Gefallenen auf der einen und andern Seite zu plündern; ihre Raubsucht war so groß, daß mehrere die noch lebten, aber ihrer Wunden wegen sich nicht vertheidigen konnten gleiches Los wie die Leichen erfuhren. Diese Schlacht fand am 27. April im Jahre 1538 statt. Nach der Schlacht that Pizarro alles, um die Hauptleute des Almagro, die sich durch die Flucht gerettet hatten, für seine Sache zu gewinnen; da ihm dieß jedoch nicht bei allen gelang, so verbannte er diejenigen, deren feindselige Stimmung er kannte, aus der Stadt Cuzco. Sehr große Mühe hatte er seine eigenen, Leute zufrieden zu stellen, jeder schlug nämlich seine geleisteten Dienste so hoch an, daß ihnen kaum die ganze Statthalterschaft Cuzco als hinlängliche Belohnung derselben erschien. Dieses Verhältniß bewog ihn das Heer zu trennen und nach verschiedenen Seiten abzusenden, um durch die einzelnen Abtheilungen in Gegenden, die man nur zum Theil kannte, neue Eroberungen und Entdeckungen zu machen. Er erlangte dadurch einen doppelten Vortheil: einmal belohnte er seine Freunde, und dann wurde er seiner Feinde los. Trotzdem bildeten sich auf Anstiften einiger Anhänger des gefangenen Almagro zu wiederholtenmalen Verschwörungen gegen Hernando Pizarro, welcher als Befehlshaber in Cuzco stand; sie hatten besonders zum Zweck Almagro zu befreien und brachten Pizarro zur Ueberzeugung, daß das Land niemals ruhig seyn würde, so lange Almagro noch am Leben sey. Er beschloß daher dessen Tod in der Hoffnung aller Welt die Gerechtigkeit dieser Maaßregel durch Auseinandersetzung seiner Verbrechen beweisen zu können; er wollte ihr nämlich zeigen, daß er der erste und Haupturheber aller Unordnungen sey, indem er zuerst den Krieg angefangen habe; er habe ferner die Herrschaft Cuzco sich angemaßt und mehrere Leute, die seinen Planen Widerstand geleistet, hinrichten lassen. All' dieser Verbrechen wegen verdammte er ihn zum Tode. Als ihm sein Urtheil vorgelesen wurde, suchte er auf all' nur mögliche Weise das Mitleid Pizarro's zu erwecken. Er stellte ihm vor, daß sein Bruder und er ihm gewissermaßen die Größe und Macht die sie erreicht hätten, verdankten; er habe den bedeutendsten Theil der Kosten für die Entdeckungsexpedition nach Peru, über welches sie nun herrschten, getragen; er erinnerte ihn zugleich, daß er ihn freiwillig aus der Gefangenschaft entlassen und dem Rathe seiner Hauptleute, ihn hinzurichten, kein Gehör geschenkt habe. Wenn auch Pizarro während seiner Gefangenschaft eine üble Behandlung erfahren, so sey dieß weder auf seinen Befehl noch mit seinem Wissen geschehen; er möge sein hohes Alter, das ihn bald ohnedieß ins Grab führen würde, berücksichtigen. Hernando Pizarro ließ sich nicht rühren; er gab ihm kurz zur Antwort: solche weinerliche Redensarten ziemten sich nicht für einen Mann von Verstand und Muth; er möge sich fassen, größere Seelenstärke zeigen und sich, da sein Tod einmal unabänderlich beschlossen sey, in den Willen Gottes fügen; er möge bei seinem Tode Standhaftigkeit beweisen, wie sich dieß für einen guten Christen und einen Mann von Ehre und Muth gezieme. Almagro entgegnete ihm hierauf: er dürfe darüber nicht erstaunen, daß er den Tod fürchte, denn er sey Mensch und Sünder, und Christus selbst habe den Tod gefürchtet. Nach diesen Worten wurde der Befehl Pizarro's an ihm vollzogen und ihm das Haupt abgeschlagen.– Nachdem Hernando Pizarro die Ruhe in Cuzco auf diese Weise für vollständig hergestellt hielt, begab er sich nach dem Lande Collao, um neue Eroberungen zu machen, kehrte aber bald darauf, indem er seinen Bruder Gonzalo zur Fortsetzung der Unternehmung an seiner Stelle ließ, nach Cuzco zurück, um seinen Bruder Francisco daselbst zu besuchen. Dieser war nämlich zu der Zeit, als Hernando gegen Cuzco zur Bekämpfung des Almagro heranzog, zurück nach Los Reyes gegangen, um daselbst mehrere Angelegenheiten dieser Stadt zu ordnen.– In Cuzco langte indessen die Nachricht an, daß Gonzalo bis in die Provinz Charcas vorgedrungen und von einem großen Indianerheere so enge eingeschlossen sey, daß er Gefahr laufe von ihm vernichtet oder gefangen genommen zu werden. Da verließ Hernando Cuzco wieder, um ihm mit seiner Reiterei zu Hülfe zu eilen, ja selbst Francisco machte sich auf den Weg und hatte bereits drei Tagemärsche zurückgelegt, als die Botschaft bei ihm eintraf, Gonzalo habe sich aus seiner gefährlichen Lage gerettet, die Indianer geschlagen und in die Flucht gejagt. Hernando und Gonzalo setzten hierauf unter fortwährenden Kämpfen mit den Indianern ihre Eroberungen fort, und es gelang ihnen endlich die Ruhe daselbst herzustellen, nachdem sie den Anführer der Indianer Tyzo gefangen genommen hatten. Siegreich kehrten sie hierauf nach Cuzco zurück, wo sie von ihrem Bruder mit großer Freude empfangen wurden. Dieser belohnte die Verdienste derer, welche dieser Eroberung beigewohnt hatten, auf jede Weise und schickte dann mehrere Hauptleute auf weitere Eroberungen aus. Hernando Pizarro schiffte sich nach Spanien ein, um dem Könige von allem was vorgefallen war Rechenschaft abzulegen, trotz der Warnung mehrerer, die ihm vorstellten daß man nicht wissen könne wie die Hinrichtung Almagro's am spanischen Hofe aufgenommen würde. Noch vor seiner Abreise rieth er seinem Bruder, denen welche früher im Dienste Almagro's gestanden, nicht zu trauen und nicht zu erlauben daß sie zusammenkamen, indem er behauptete daß, wenn sich deren sieben oder acht beisammenbefänden, sie ganz gewiß eine Verschwörung gegen ihn anstiften würden. 37. Expedition nach Canela, Entdeckungen. Fahrt des Hauptmanns Orellana auf dem Amazonenstrome. Während Hernando nach Spanien segelte und Francisco die Landesangelegenheiten in den neu eroberten Provinzen ordnete, unternahm Gonzalo einen Eroberungszug in das Land Canela, das östlich von Quito liegt und große Reichthümer versprach. Er verließ Quito mit 100 Mann Fußvolk, eben so viel Reitern und 4000 Indianern. Auf ihrem Marsche wurden sie eines Tages von einem schrecklichen Erdbeben, das von einem fürchterlichen Ungewitter und Hagel begleitet war, heimgesucht; die Erde öffnete sich an verschiedenen Stellen, so daß das ganze Heer in nicht geringe Angst versetzt wurde. Dann zogen sie über hohe Berge, auf denen eine so große Kälte herrschte, daß mehrere der sie begleitenden Indianer erfroren. Da das Heer Mangel an Lebensmitteln litt, so machte er in einem Lande, Zumaco genannt, welches sich am Abhange eines Vulcanes hinzieht halt. Die Truppen fanden hier Lebensmittel in Ueberfluß und konnten sich von den ausgestandenen Mühseligkeiten erholen. Sie blieben hier zwei Monate, es regnete während dieser Zeit ununterbrochen Tag und Nacht, so daß sie kaum ihre Kleider trocknen konnten. Pizarro ließ im Lande Zumaco den größten Theil seiner Truppen zurück und zog mit den kräftigsten und muthigsten seiner Leute auf dem Wege, dem ihm die Indianer zeigten, weiter. Nicht selten geschah es daß ihn diese, um ihn von ihrem Lande fern zu halten, falsch in Bezug auf geographische Lage berichteten. Trotz aller Schwierigkeiten aber gelangte er ins Land Coca, welches sich an einem großen Fluß hinzog. Er blieb hier anderthalb Monate um die Ankunft der Truppen, die er in Zumaco zurückgelassen hatte, zu erwarten. Sein Aufenthalt zu Coca war ein ganz friedlicher, denn der dortige Indianerhäuptling suchte ein Freundschaftsverhältniß mit Pizarro anzuknüpfen; es kam zu Stande und wurde gewissenhaft gehalten. Nachdem Pizarro alle seine Leute um sich gesammelt hatte, gab er Befehl zum Aufbruch; sie gingen längs dem Flusse weiter und kamen in eine Gegend wo er einen Wasserfall von mehr als 200 Klafter Höhe bildet. Sein Sturz verbreitet ein so betäubendes Geräusch, daß man es sechs Stunden weit hört. Nach einigen weiteren Tagemärschen fanden sie, daß sich das Wasser des Stromes zwischen sehr enge Felsen einpreßte; das Bett war kaum 20 Fuß breit, die Felsenwände die es einschlossen waren so hoch wie der Wasserfall und ungemein steil. Die Spanier hatten 50 Stunden an diesem Flusse zurückgelegt ohne einen geeigneten Uebergangsort außer der ebengenannten Stelle zu finden. Doch hier machten ihnen die Indianer den Uebergang streitig, bis sie endlich durch die Schützen in die Flucht gejagt wurden. Man schlug nun eine hölzerne Brücke und bewerkstelligte glücklich den Uebergang; darauf zog man durch dichte Waldungen bis in ein Land das den Namen Guema führte; es war flach und morastig und von Flüssen durchschnitten, bot aber keine andern Lebensmittel als einige wilde Früchte, mit denen man sich begnügen mußte. Endlich erreichte man ein anderes mittelmäßig bevölkertes Land und bekam hier einige Lebensmittel. Die Indianer dieser Gegend waren in Baumwollstoffe gekleidet; die der andern Landstrecken aber durch welche die Spanier gekommen waren, gingen nackt, sey es wegen der ständigen großen Hitze oder weil sie keine Stoffe zu Kleidern besaßen. Die Männer hatten nur einen Lappen aus Baumwolle vor die Schamtheile gebunden, welcher zwischen den Beinen durchging und mit Schnüren an einen Gürtel befestigt war. Eben solche Lappen trugen auch die Frauen. Gonzalo ließ hier eine Brigantine bauen, theils um auf ihr Lebensmittel herbeizuschaffen, theils um das Gepäck und die Kranken leichter fortzubringen. Ueberdieß war das Land so mit Wald bedeckt und so von Wasser überschwemmt, daß sie sich weder mit ihren Messern noch Aexten einen Weg bahnen konnten und gezwungen waren fast stets im Wasser zu waten. Nur mit großer Mühe wurde die Brigantine zu Stande gebracht, sie mußten Oefen erbauen um darin das Eisen, das sie bedurften, glühend zu machen. Sie verwendeten die Hufeisen der gefallenen Pferde, denn es stand ihnen kein anderes zu Gebot. Pizarro befahl allen seinen Leuten ohne Ausnahme an der Arbeit Theil zu nehmen und arbeitete selbst, um mit gutem Beispiele voranzugehen, mit der Axt und dem Hammer. Statt des Peches wandten sie Gummi an, das sie aus einigen Bäumen zogen, statt des Wergs die alten Mäntel der Indianer und die zerrissenen halbverfaulten Hemden der Spanier; jeder beeiferte sich das zu dem Baue beizutragen was er vermochte, so daß sie endlich das Schiff zu Stande brachten und auf ihm bequem ihr Gepäck fortschaffen konnten; außerdem verfertigten sie mehrere Canots, die der Brigantine folgten. – Nun ging der Marsch wieder weiter. Die Spanier mußten über große Sumpfstrecken, die sich zu beiden Seiten des Flusses ausdehnten, setzen. Dann kamen sie wieder in ungeheure Urwälder, durch welche sie kaum mit ihren Schwertern und Aexten sich einen Weg bahnen konnten. War es zu schwierig den Weg auf der einen Seite des Flusses fortzusetzen, so gingen sie auf das andere Ufer vermittelst der Brigantine über; dabei war ihr Marsch so eingerichtet, daß die welche auf dem Flusse in der Brigantine fuhren und die welche am Ufer marschirten, stets an derselben Stelle Halt machten um auszuruhen und stets beisammen zu bleiben. Sie hatten bereits 200 Meilen stromabwärts zurückgelegt und keine andere Nahrung als wilde Früchte und einige Wurzeln angetroffen. Pizarro gab daher seinem Hauptmann Francisco de Orellana Befehl mit 50 Mann auf der Brigantine vorauszufahren, um Lebensmittel aufzusuchen. Im Fall er solche fände, sollte er die Brigantine beladen und das Gepäcke an einer Stelle zurücklassen, wo sich, wie man erfahren hatte, 20 Meilen von ihrem jetzigen Standorte zwei große Flüsse vereinigten; zugleich gab Pizarro ihm die zwei Canots mit dem Befehl sie an einem Nebenflusse zurückzulassen, über den Pizarro mit seinen Leuten setzen mußte. Orellana schiffte sich mit seiner Mannschaft ein und wurde von dem Strome in kurzer Zeit bis zur bezeichneten Stelle, wo die Flüsse sich vereinigten, fortgetragen. Da er jedoch, an ihr keine Lebensmittel fand und die Schwierigkeit den Strom wieder hinaufzufahren erwog, weil er sehr reißend war und er vielleicht zu dem Rückwege, den er abwärts in drei Tagen gemacht, eine nicht zu bestimmende Zeit brauchte, faßte er den Entschluß sich dem Laufe des Stromes zu überlassen und dahin zu fahren, wohin ihn sein gut Glück führen würde. Außer der Schwierigkeit seiner Rückkehr lag diesem Schritte ein böser aufrührischer Wille zum Grunde; es geht dieß am augenscheinlichsten aus dem Umstande hervor, daß er sogar die beiden Canots mitnahm und über mehrere seiner Begleiter, die ihn die Vorschriften Pizarro's nicht zu übertreten baten, in großen Zorn gerieth. Unter denen welche ihm Vorstellungen machten, drang keiner mehr in ihn als Gaspar de Carbajal, ein Dominicanermönch, und die Folge davon war, daß ihn Orellana mit Worten und Thätlichkeiten mißhandelte. Orellana setzte seine Fahrt auf dem Flusse fort, mußte aber bisweilen am Ufer landen und gegen die ihm den Weg versperrenden Indianer manchen gefährlichen Kampf bestehen, denn diese griffen ihn häufig in ihren Canots auf dem Flusse selbst an, und da die Spanier auf der Brigantine aus Mangel an Raum im Kampfe gehindert waren, so blieb ihnen kein anderes Mittel, als ans Land zu gehen um die Feinde zu vertreiben. Nach einer langen Fahrt kamen sie endlich in eine Gegend, wo die Indianer sich friedlicher zeigten und ihnen bereitwillig jeden Dienst, der in ihrer Macht stand, leisteten. Orellana ließ hier eine zweite Barke bauen, weil sich alles was dazu erfordert wurde, daselbst vorfand. – In einer weiten stromabwärts gelegenen Gegend mußte er wieder einen Kampf gegen die Indianer bestehen; jedoch gelang es ihm auch diese zu schlagen. Von diesen Indianern erfuhr er, daß einige Tagreisen weiter sich ein Land befände, das nur von Weibern bewohnt werde; sie verstünden es trefflich Krieg zu führen und vertheidigten sich tapfer gegen ihre Nachbarn. – Dann setzte er seine Fahrt fort, bis er an der Mündung des Flusses am Meere anlangte; dieser Fluß war der Maranon oder Amazonenfluß; den erstern Namen erhielt er, weil der Seefahrer, der ihn zuerst vom Meere her entdeckt hatte, sich so nannte. Von der Mündung des Amazonenflusses segelte hierauf Orellana auf einem andern Schiffe nach Spanien; erstattete hier dem König von seiner Entdeckung Bericht, mit dem Vorgeben, er habe sie auf seine Kosten und auf eigene Gefahr gemacht; zugleich sagte er, es befinde sich an den Ufern des großen Flusses ein Land, in welchem nur Weiber wohnten, weßhalb man dieß Land gewöhnlich das Land der Amazonen und den Fluß den Amazonenfluß nannte. Er bat zugleich den König ihm die Statthalterschaft in diesem Lande und das Recht es erobern zu dürfen zu übertragen. Seine Bitte wurde ihm gewährt; er sammelte über 500 Mann, fast lauter ausgesuchte kräftige Leute, und schiffte sich mit ihnen zu Sevilla ein. Da seine Fahrt jedoch nicht glücklich war und großer Mangel an Lebensmitteln unter der Schiffsmannschaft eintrat, so zerstreute sich der größte Theil seiner Leute auf den canarischen Inseln, und er sah sich in kurzer Zeit fast gänzlich verlassen. Er starb auf der Reise und seine ganze Expedition löste sich in nichts auf. 38. Mühevolle Rückkehr des Expeditionscorps nach Quito. Pizarro war über den Verrath Orellana's sehr aufgebracht, denn abgesehen davon daß er ihn in große Verlegenheit setzte, erlitt er dadurch einen großen unbeschreiblichen Verlust; es befand sich nämlich auf der Brigantine eine Menge Gold und Silber und einige Edelsteine. – Als Pizarro an der Stelle, an welcher seinem Befehle gemäß Orellana die Canots zurücklassen sollte, ankam und sie nicht fand, sah er sich gezwungen mit vieler Mühe andere Canots bauen zu lassen, um mit seinen Leuten über den Nebenfluß setzen zu können. – Als sie den Ort, wo die Brigantine warten sollte, erreichten, erfuhren sie durch einen Spanier, der sich selbst durch Drohungen zum Verrathe an Pizarro nicht zwingen ließ, daß Orellana abgefahren sey, um auf eigene Hand Entdeckungen zu machen; er habe sich von der Schiffsmannschaft zum Anführer erwählen lassen und die ihm von Pizarro übertragene Stelle niedergelegt. – Pizarro gerieth jetzt in eine sehr schlimme Lage. Der Verlust der Brigantine erschwerte die Herbeischaffung der Lebensmittel unglaublich, und er besaß überdieß fast keine Gegenstände mehr, die als Anlockungs- und Tauschmittel für die Indianer dienten, wie Spiegel, Korallen und dergleichen Kleinigkeiten. Eine tiefe Niedergeschlagenheit bemächtigte sich seiner Mannschaft, und es blieb ihm nichts anderes übrig als den Rückweg nach Quito anzutreten, der mehr als 400 Meilen betrug. Der Weg war so schwierig, so mit Waldung und Gestrüppen versperrt und führte durch so öde Gegenden, daß sie fast die Hoffnung verloren jene Stadt wieder zu erreichen und fest glaubten sie würden in den zu übersteigenden Gebirgen durch Hunger umkommen. Wirklich fanden vierzig den Tod, ohne daß man ihnen Hülfe leisten konnte; unter dem Jammerrufe nach Lebensmitteln lehnten sie sich an die Bäume und fielen vom Hunger überwältigt todt zur Erde. Die Ueberlebenden empfahlen sich der Gnade Gottes und setzten so gut es ging ihren Weg fort. Es war nicht derselbe auf welchem sie gekommen waren, weil man auf diesem bei seiner schlechten Beschaffenheit keine Lebensmittel angetroffen hatte; sie schlugen deßhalb auf gut Glück einen andern ein, der jedoch nicht besser als der erste war. Sie sahen sich deßhalb gezwungen die Pferde, die noch übrig waren, zu tödten; zugleich verzehrten sie die Hunde welche sie bei sich hatten. Nach ungeheuren Leiden gelangten sie endlich in die Gegend von Quito; man hatte hier, noch ehe sie eintrafen, ihre Ankunft erfahren und die Einwohner von Quito beeiferten sich ihnen über 50 Meilen mit allem Nothwendigen, besonders Fleisch und Kleidern, entgegen zu eilen. Mit welcher Freude sie die letztern und mehr noch die Lebensmittel empfingen, bedarf keiner Beschreibung. Pizarro und seine Leute gingen fast völlig nackt, denn durch den beständigen Regen und die Beschwerden der Reise waren ihre Kleider gänzlich zerrissen und verfault; sie hatten nur noch Thierfelle, um sich damit vorn und hinten zu bedecken und einige verfaulte alte Stiefeln. Ihre Degen waren ohne Scheide und gänzlich vom Roste zerfressen. Am ganzen Leibe, an den Füßen, Hauben, Beinen waren sie von den Dornen und Gesträuchen, durch welche sie sich Bahn brechen mußten, zerrissen und geschunden, mit einem Worte ihr Aeußeres war so verändert, ihre Gesichter waren so bleich und abgemagert, daß man sie kaum wieder erkennen konnte. Sie erzählten, daß sie unter allen Dingen nichts mehr vermißt hatten als das Salz; auf einem Wege von 200 Meilen fanden sie auch nicht ein Körnchen. Als sie endlich in dem Gebiete von Quito angelangt waren und Hülfe erhalten hatten, küßten sie die Erde zum Zeichen der Freude, und dankten Gott daß er sie aus so großer Gefahr gerettet hatte. Sie stürzten mit solcher Eile und solchem Heißhunger über die Lebensmittel her, daß man sich gezwungen sah ihrer Gierde Einhalt zu thun und ihnen nur wenige Speise zu geben, bis sich ihr Magen wieder an die gewöhnlichen Lebensmittel gewöhnt hatte. – Als Pizarro und seine Hauptleute sahen, daß man nur für sie Kleider und Pferde mitgebracht hatte, so wollten sie keinen Gebrauch davon machen, um vollständige Gleichheit zu beobachten und die nämlichen Mühseligkeiten wie der geringste bis ans Ende zu ertragen; sie rückten des Morgens in Quito ein und eilten zuerst in die Messe, um Gott nochmals zu danken, daß er sie aus so vielen Leiden errettet hatte. 39. Verschwörung gegen Pizarro und dessen Ermordung. Als Hernando Pizarro den Präsidenten Don Diego de Almagro zu Cuzco hinrichten ließ, sendete man einen Sohn, den er mit einer Indianerin hatte und den man gleichfalls Don Diego de Almagro nannte, nach der Stadt Los Reyes, in welcher Francisco Pizarro wohnte. Dieser junge Mann hatte eine schöne Gestalt, besaß großen Muth und Gewandtheit, und verstand es mit Anmuth zu Pferde zu sitzen und zu reiten; zugleich war er im Lesen und Schreiben besser erfahren als sein Stand es zu verlangen schien. Juan de Herrada, ein Spanier und Feind Pizarro's, war ihm von seinem Vater zum Hofmeister beigegeben worden, und er folgte ihm nach Los Reyes. Hier wohnten sie in demselben Hause, das einigen Freunden und Anhängern Almagro's, die im Lande herumirrten, zum Versammlungsorte diente; Niemand wollte diese Flüchtigen aufnehmen oder mit ihnen in Verkehr treten. Als Juan de Herrada erfuhr, daß Hernando Pizarro nach Spanien abgesegelt und Gonzalo nach dem Lande Canela gezogen war, glaubte er der günstige Zeitpunkt sey jetzt gekommen den Tod Almagro's an Francisco Pizarro rächen zu können. Francisco hatte die Unklugheit begangen ihn nebst dem jungen Almagro aus dem Gefängnisse frei zu lassen. Sie und die übrigen Feinde Pizarro's sammelten Waffen und sannen auf einen Plan wie sie ihn am besten ermorden könnten. Pizarro hatte alle Mittel angewendet, um durch Milde und gute Behandlung ihre feindselige Gesinnung gegen ihn zu beschwichtigen, doch gelang ihm dieß nie in dem Grade wie er es wünschte. Er sah sich deßhalb gezwungen von Almagro die Indianer, welche als Anhänger seines Vaters galten, zu entfernen, weil er fürchtete sie möchten sich zu seinem Nachtheile an seine Person schmiegen und sich mit ihm verbinden. Diese und andere Maaßregeln fruchteten nichts, denn die Anhänger Almagro's hielten so fest zusammen, daß all' ihre Güter gleichsam ein Gemeingut bildeten und sie sich auf alle Weise, so viel es in ihren Kräften stand, unterstützten, so zwar, daß sie alles was sie im Spiel oder auf anderm Wege erwarben in die Hände Herrada's niederlegten, um ihre gemeinschaftlichen Ausgaben damit zu bestreiten. Ihre Zahl wuchs von Tag zu Tag, und sie versäumten nichts was zur Ausführung ihres Mordanschlags dienlich erschien. Pizarro wurde von mehreren Leuten von ihrem Vorhaben benachrichtigt, doch er war zu vertrauensvoll und lebte in zu großer Sicherheit. Weil er ein Mann von Ehre, gutem Glauben und freiem Gewissen war, so beurtheilte er andere nach sich und erwiederte auf die an ihn ergehenden Warnungen, man müsse jene Unglücklichen in Ruhe lassen, sie seyen durch die Schmach ihrer Niederlage, durch den öffentlichen Haß und das sie verfolgende Elend genug gestraft. – Almagro und die übrigen Verschwornen, durch die Nachsicht und die Milde Pizarro's ermuthigt, wurden täglich kühner, so daß oft die Hauptanführer dieser Partei, die man die Partei von Chili nannte, an ihm vorübergingen ohne ihn zu grüßen oder ihm sonst durch ein Zeichen die Achtung zu beweisen. Ja sie hatten sogar die Frechheit an dem vor der Wohnung Pizarro's stehenden Galgen drei Stränge zu befestigen, von denen der eine bis an dessen Haus, der andere bis an das Haus seines Lieutenants Juan Velasquez ging, und der dritte bis zur Wohnung seines Secretärs Antonio Picado reichte. Auch diesen Hohn entschuldigte Pizarro als einen Ausbruch des Kummers, den sie über ihre traurige Lage empfänden. Jetzt wurden die Verschwornen immer kühner, so daß sie fast öffentlich sich versammelten und einige ihrer Anhänger, die flüchtig im Lande umherirrten, aus einer Entfernung von mehr als 200 Meilen nach Los Reyes kamen. Obgleich ihr Plan, Pizarro zu ermorden, fest stand, so beschlossen sie doch ihn nicht eher auszuführen, bis sie Nachricht erhalten hätten, welches Urtheil man in Spanien gegen Hernando Pizarro, der daselbst nach seiner Ankunft wegen der Hinrichtung Almagro's ins Gefängniß geworfen worden war, fällen würde. Es war nämlich der Hauptmann Diego de Alvarado, eigens nach Spanien gegangen um ihn anzuklagen, und auf sein Betreiben war er eingekerkert worden. Als sie später hörten, daß der König von Spanien Vaca de Castro nach Peru geschickt habe um sich genaue Kenntniß von allen Vorgängen zu verschaffen, und sie fürchteten dieser möge die Hinrichtung Almagro's nicht mit der Strenge wie sie es wünschten verfolgen, so schoben sie die Ausführung ihres Vorhabens nicht länger auf. Die Häupter der Verschwörung kamen deßhalb in Los Reyes zusammen, nämlich Juan de Sayavedra, Alonso de Montemayor, Juan de Guzman, Manuel de Espinar, Diego Nañez de Mercado, Christoval Ponce de Leon, Juan de Herrada, Pero Lopez de Ayala und einige andere. – Alonso de Montemayor erhielt den Auftrag Vaca de Castro entgegenzugehen und ihn günstig für ihre, Partei zu stimmen. Er reiste im April 1541 ab, richtete seinen Auftrag bei Vaca de Castro aus und war noch nicht zu den Mitverschwornen zurückgekehrt, als der Schlag bereits geschehen war. Das Gerücht von der Verschwörung gegen das Leben Pizarro's wurde endlich so laut, daß ihn aufs neue einige Leute warnten. Er gab zur Antwort, die Köpfe der andern schützten den seinen, und sagte zu denen die ihm riethen sich von seiner Wache begleiten zu lassen, er wolle nicht daß man irgend einen Vorwand zum Verdacht gegen ihn habe ober daß man ihn anklagen solle, er ergriffe Vorsichtsmaaßregeln gegen die Richter, welche der König gesendet habe. – Eines Tages war Herrada sogar so verwegen bei Pizarro sich zu beklagen, es gehe das Gerücht, er wolle ihn und seine Freunde alle umbringen lassen. Pizarro versicherte ihn, daß er niemals eine solche Absicht gehabt habe, und als Herrada bei seiner Klage beharrte und sagte, die von Pizarro aufgehäuften Waffen deuteten auf ihre Vernichtung hin, so suchte dieser ihn mit liebevollen Worten zu beruhigen, indem er ihm bemerkte, die Waffen seyen nicht zum Gebrauche gegen sie angekauft worden. Er begleitete diese Versicherungen mit einem Geschenk, indem er selbst einige Orangen pflückte und sie Herrada gab; diese waren damals noch eine Seltenheit in Peru. Dann sagte er ihm leise ins Ohr, wenn er irgend etwas bedürfe, so möge er sich nur an ihn wenden, er würde gewiß seinen Wünschen willfahren. Herrada küßte ihm ehrerbietig die Hand und dankte ihm, dann empfahl er sich entzückt, daß Pizarro so sicher war und nicht den geringsten Argwohn zu haben schien. Sogleich eilte er in seine Wohnung, in welcher die übrigen Verschwornen versammelt waren, und sie beschlossen einstimmig Pizarro am nächstfolgenden Sonntag zu ermorden. Den Tag vorher am Samstag entdeckte einer der Verschwornen in der Beichte die ganze Sache dem Pfarrer der Hauptkirche; dieser ging noch den nämlichen Abend zu Pizarro's Secretär, Antonio Picado, und bat ihn, er möge seinem Herrn diese Entdeckung mittheilen. Der Secretär führte den Pfarrer in die Wohnung des Francisco Martin Pizarro, eines Bruders des Statthalters, bei welchem der letztere mit seinen Kindern an jenem verhängnißvollen Abend zu Nacht speiste. Als man ihm das Bekenntniß, welches der Pfarrer erhalten hatte, mittheilte, erhob er sich von der Tafel, um den genauen Bericht über die ganze Verschwörung von ihm zu vernehmen. Pizarro gerieth anfänglich in einige Unruhe, doch einen Augenblick später setzte er sich schon wieder zu Tische, indem er seinem Secretär bemerkte, er könne die Sache nicht glauben, weil Herrada erst vor wenigen Tagen ihn besucht und sich sehr demüthig in seinen Reden benommen habe; wahrscheinlich hätte der Mensch, der Nachricht von der Verschwörung gegeben, eine Bitte an ihn, deren Gewährung er auf diese Weise leichter zu erlangen hoffe. Trotzdem schickte er an seinen Lieutenant Juan Velasquez den Befehl, er möge sich zu ihm verfügen; doch dieser kam nicht weil er unwohl war. Pizarro begab sich deßhalb selbst in Begleitung seines Secretärs und einiger Diener, die eine Fackel als Leuchte trugen, am Abend zu Velasquez. Er fand ihn im Bette und erzählte ihm was vorginge. Auch er glaubte die Sache nicht und beruhigte Pizarro allmählich mit den Worten, er solle nichts fürchten, niemand würde solange er seinen Stab in den Händen hielte (dabei zeigte er auf seinen Commandostab) es wagen eine Empörung zu unternehmen. Und wirklich sollte seine Behauptung, jedoch in einem andern Sinne als er gedacht hatte, in Erfüllung gehen. All dieser Versicherungen ungeachtet fühlte sich Pizarro beunruhigt, so zwar daß er am Sonntag Morgen nicht auszugehen beschloß, um die Messe in der Kirche zu hören, sondern sie seiner Sicherheit wegen in seinem Hause lesen ließ. Velasquez und der Hauptmann Francisco de Chaves, die damals den ersten Rang nach Pizarro im Lande einnahmen, begaben sich mit mehreren andern aus der Kirche zu ihm und gingen dann nach abgestattetem Besuche größtentheils nach Hause. Nur Velasquez und Francisco de Chaves blieben zum Mittagessen. Sie hatten kaum die Tafel beendet als zwischen 1 und 2 Uhr, zu welcher Zeit die Stadt ganz still war und sich die Leute Pizarro's zum Essen begeben hatten, Herrada und zehn bis zwölf der Verschwornen aus seinem Hause, das über 300 Schritte von der Wohnung Pizarro's entfernt lag, hervorstürmten und mit bloßem Degen und dem Rufe: »Tod dem Tyrannen, der den von dem König gesendeten Richter ermorden ließ,« durch die Straßen eilten. Sie thaten das um die Bewohner der Stadt glauben zu machen, ihre Partei sey sehr bedeutend, da sie es wagten offen hervorzutreten; wirklich schüchterten sie auch die Bevölkerung durch diese List so sehr ein, daß niemand sich gegen sie erhob oder sich gegen sie zu erklären wagte. Ferner hatten sie berechnet, daß man selbst bei größter Eile nicht so schnell anlangen könne, um sie an der Ausführung ihres Vorhabens zu hindern und daß sie es vollbracht haben würden, wenn auch wirklich Hülfe ankäme. Als sie in die Wohnung Pizarro's eindrangen, blieb einer der Verschwornen mit entblößtem und blutigem Degen am Thore zurück und rief laut aus: »Der Tyrann ist todt, der Tyrann ist todt.« Dieser Ruf brachte die erwartete Wirkung hervor; denn als einige Einwohner, die Pizarro zu Hülfe eilten, diese Worte mit solcher Bestimmtheit aus dem Munde dieses Bösewichts vernahmen, zweifelten sie keinen Augenblick an deren Wahrheit und begaben sich in ihre Häuser zurück. – Indessen stürmte Herrada mit seinen Leuten eiligst die Treppe hinauf. Als Francisco Pizarro durch einige herbeieilende Indianer das Eindringen der Verschwornen vernommen, befahl er dem Francisco de Chaves schnell die Thüren des Vorsaales und des Saales zu schließen, während er forteilte um seine Waffen zu ergreifen. Chaves gerieth so sehr außer Fassung, daß er ohne die eine oder andere Thüre zu schließen nach der Treppe eilte und rief was der fürchterliche Lärm bedeute. Da versetzte ihm, ehe er sich's versah, einer der Verschwornen einen Hieb mit dem Degen. Als er fühlte daß er verwundet war, zog er erst selbst seinen Degen mit der Worten: »wie, man greift sogar seine Freunde an?« im nämlichen Augenblick wurde er von mehreren Stichen durchbohrt und stürzte sogleich todt nieder. – Nun drangen die Verschwornen mit Ungestüm in den Saal ein und 10 bis 12 Spanier die sich darin befanden, ergriffen eiligst die Flucht, indem sie durch die Fenster sprangen: Velasquez befand sich unter ihnen; er hielt seinen Commandostab mit dem Munde um sich seiner Hände beim Herabsteigen aus dem Fenster besser bedienen zu können, so daß seine Prophezeyung sich auf eine lächerliche Weise erfüllte. Der Statthalter, sein Bruder Martin, zwei andere Edelleute und zwei erwachsene Pagen hatten sich unterdessen bewaffnet. Als Pizarro seine Feinde so nahe sah, schnallte er nicht einmal seinen Panzer völlig zu sondern stürzte mit seinem Schwert und Schild bewaffnet gegen die Thüre, wo er sich mit denen, welche ihm ins Zimmer gefolgt waren, mit vielem Muthe eine ziemlich lange Zeit vertheidigte ohne daß die Verschwornen einzudringen vermochten. Pizarro rief während des Kampfes beständig: »Muth Bruder, die Verräther müssen vernichtet werde»!« Endlich gelang es den Verschwornen Martin Pizarro zu tödten, doch sogleich nahm einer der Pagen seine Stelle ein und das Gefecht entbrannte mit neuer Wuth. Als die Feinde sahen, daß sich Pizarro mit solcher Entschlossenheit wehrte, und fürchteten es könne Hülfe kommen und sie möchten dann von vorn und im Rücken her angegriffen werden, so beschlossen sie das Äußerste zu wagen. Sie schoben daher einen von ihnen, der am besten bewaffnet war, vor und dieser stürzte sich mit solchem Ungestüm in die Thüre, daß, während Pizarro um ihn zurückzudrängen alle Kraft aufbot, die andern Mittel fanden ins Zimmer einzudringen; sie stürzten nun alle mit solcher Wuth auf Pizarro los, daß er sich gegen die Anzahl der auf ihn fallenden Hiebe nicht zu schützen vermochte, indem er vom Kampfe ermattet kaum noch sein Schwert schwingen konnte. Endlich erreichten die Verschwornen ihr Ziel, einer von ihnen versetzte ihm einen Stoß in die Gurgel, so daß er sterbend zu Boden fiel; im Fallen verlangte er mit lauter Stimme die Beichte, und da er nichts mehr sprechen konnte, so machte er auf den Boden mit der Hand das Zeichen des Kreuzes und gab seinen Geist auf, wahrend er wiederholt dieses Kreuz küßte. Die beiden Pagen wurden ebenfalls ermordet, von den Verschwornen fielen vier und die übrigen waren alle mehr oder weniger verwundet. Als sich die Nachricht von dem Tode Pizarro's in der Stadt verbreitete, erklärten sich mehr als 200 Mann, die auf den Ausgang der Sache gewartet hatten, laut zu Gunsten Diego's de Almagro, indem sie dieß früher wegen der Ungewißheit des Ausganges nicht gewagt hatten. Nun eilten sie kühn nach allen Seiten, und entwaffneten und verhafteten jeden der es mit der Partei Pizarro's zu halten schien. Als die Verschwornen aus dem Hause Pizarro's heraustraten, ließ Herrada den Diego de Almagro eiligst zu Pferde steigen und durch die Stadt reiten. Er erließ eine Proclamation, Almagro sey allein rechtmäßiger Statthalter, einziger König von Peru. Das Haus Pizarro's so wie die seines Bruders und seines Secretärs Picado wurden geplündert. Dann berief mau den Rath der Stadt und zwang ihn Don Diego de Almagro als Statthalter anzuerkennen. Außerdem tödteten die Verschwornen noch einige Diener und Anhänger Pizarro's. Der Anblick des Jammers und das Geheul der Weiber und Kinder derer welche man ermordet hatte, war herzzerreißend. Einige Elende schleiften den Leichnam Pizarro's zur Kirche, und niemand wagte es ihn zu begraben, bis Juan de Barbatan, der zu Truxillo seinen Wohnsitz hatte und früher in seinen Diensten gewesen war, von seiner Frau und seinem Bruder unterstützt ihn so gut er konnte beerdigte, nachdem er dazu die Erlaubniß von Diego de Almagro erhalten hatte. Dieser Mann und seine Frau beeilten sich so sehr dem Ermordeten die letzten Ehren zu erweisen, daß sie sich kaum Zeit nahmen ihm den Mantel des Ordens von St. Jago umzuhängen und die Sporen anzuschnallen, wie dieß beim Begräbnisse der Ritter jenes Ordens gebräuchlich, war, denn sie hatten erfahren, daß Pizarro's Feinde herbeieilten um seiner Leiche den Kopf abzuschlagen und ihn an den Galgen zu heften. Barbatan allein versah alle Leichenceremonien und bestritt auch die Kosten der Beerdigung. Dann suchte er die Kinder des Ermordeten, die sich aus Angst in der Stadt versteckt hielten, auf und brachte sie in Sicherheit. – Man erblickt in diesem Ereignisse, sagt Augustin de Zarate, ein schlagendes Beispiel der Eitelkeit, der Unsicherheit der Dinge dieser Welt, oder wie man sagt der Unbeständigkeit des Glückes. – In kurzer Zeit hatte ein einfacher Edelmann, der keinen Rang besaß, ein ungeheures Land entdeckt, war zum Statthalter mächtiger Reiche mit großer Gewalt gemacht worden, hatte unermeßliche Reichthümer besessen und mehreren Leuten Güter und Einkünfte, verliehen, wie man vielleicht in der ganzen Geschichte bei den reichsten und mächtigsten Fürsten der Welt kein Beispiel findet. Mit Einem Schlage ist alles dahin; – er stirbt ohne Zeit zur Beichte zu haben, ohne sich zum Tode vorbereiten oder irgendwie seine Angelegenheiten ordnen zu können; er wird am hellen Tage von wenigen Leuten mitten in einer Stadt, deren Bewohner seine Diener, Verwandte, Fremde oder seine Soldaten waren, ermordet; er hatte allen so viel gegeben, daß sie bequem, ja reichlich leben konnten, und niemand kommt, um ihm in seiner Noth beizustehen; seine Diener und Hausgenossen fliehen und überlassen ihn seinem Schicksal. Kaum wird er armselig begraben. Seine ganze Größe, alle seine Reichthümer sind verschwunden und man fand nicht so viel für ihn, daß man die Wachskerzen bei seinem Begräbnisse bezahlen konnte; was aber vorzüglich in Staunen setzt und die geheimen Wege der Vorsehung bewundern läßt, ist daß er trotz aller ihm gegebenen Warnungen und bei so vielen Gründen zum Argwohn keine Vorsichtsmaaßregeln ergriff, die sein Leben gegen die Angriffe seiner Feinde gesichert haben würden.« – Er fiel am 26 Jun. 1541. Vaca de Castro, der wie schon erwähnt von dem König von Spanien nach Peru geschickt worden war, um die Ruhe wieder herzustellen, ergriff nach Pizarro's Tod, in dessen Würde er nach seinem mitgebrachten Patente sogleich eintrat, die strengsten Maßregeln und ließ Diego de Almagro und alle die an der Ermordung Pizarro's Theil genommen hatten, hinrichten ohne dadurch der Zwietracht ein Ende machen zu können. Die spanische Regierung fürchtete, wenn die Parteien sich noch länger bekämpften, den Verlust des eroberten Landes und schickte Blasco Nuñez Vela als Vicekönig nach Peru (1543). Dieser brachte es aber durch sein ebenso unkluges und hartes Benehmen dahin, daß die unzufriedenen Colonisten Gonzalo Pizarro, einen Bruder des ermordeten Statthalters, welcher über die schlechte Behandlung seiner Familie durch den spanischen Hof ärgerlich war, zu ihrem Herrn und Anführer ernannten. Es kam am 11 Januar 1546 bei Quito zu einer Schlacht, in welcher der Vicekönig besiegt und erschlagen wurde. Pizarro herrschte bereits über ganz Peru, als Pedro de la Gasca, der zum Präsidenten dieses Landes ernannt worden war, mit sehr ausgedehnten Vollmachten ankam. Er wußte sich durch Umsicht und Klugheit schnell einen so bedeutenden Anhang zu verschaffen, daß er Gonzalo Pizarro, der die Befehle der Regierung nicht achten wollte, offen gegenübertreten konnte. Dieser ward in dem entscheidenden Treffen bei Cuzco (9 April 1548) besiegt und gefangen. Nach seiner Hinrichtung, die Gasca zur Abschreckung anderer zur Empörung geneigter Abenteurer für nöthig hielt, trat allmählich in Peru ein ruhigerer Zustand ein. III. Das Land und seine Bewohner. Nach Garcilasso's de la Vega Primera Parte de los Commentario reales, que tratan de el origen de los Incas, de su idolatria leies y govierno en paz y en guerra. Lisboa 1609. Fol. und öfter, zuletzt Madrid 1800. 12. 1. Der Name Peru. Umfang des Landes. Es haben zwar schon wißbegierige Spanier die Reiche der neuen Welt, als Mexico, Peru und andere Gegenden dieses Erdtheils beschrieben, kein Bericht ist aber so erschöpfend als man verlangen darf. Dieß gilt besonders von den Schilderungen der Merkwürdigkeiten Peru's, über welche ich als Eingeborener der Stadt Cuzco, eines andern Roms in jenem Reiche, vollständigere und gründlichere Auskunft geben kann als alle Schriftsteller vor mir. Diese berühren zwar freilich viele und merkwürdige Dinge des erwähnten Reiches, fassen sich aber in ihrer Beschreibung so kurz, daß selbst mir die bekanntesten nicht recht verständlich sind. Deßhalb unterzog ich mich von der Liebe zu meinem Vaterlande angefeuert, der Abfassung dieses Werks, aus welchem man einen klaren und genauen Begriff von dem Zustande des Landes vor der Ankunft der Spanier, von den Sitten und der Religion seiner Bewohner, von ihrer Verwaltung im Frieden und im Kriege, so wie von ihren Königen erhalten wird. Eine allgemeine Benennung für das ganze Land hatten die Eingeborenen nicht, wohl aber eine besondere für jede Provinz; der Name Peru verdankt den Spaniern und einem Zufalle seinen Ursprung. Zu der Zeit nämlich als der Statthalter Nuñez de Balboa auf der Südsee Schiffe ausschickte um neue Länder zu entdecken, kam eines derselben weiter als die andern und zwar bis unter die Linie. Während es dicht am Gestade hinsegelte, bemerkte es einen Indianer, welcher an der Mündung eines der vielen Flüsse, welche an dieser Küste in das Meer fallen, fischte. Die Spanier setzten sogleich mit der möglichsten Vorsicht in einiger Entfernung von dem Indianer vier ihrer Leute ans Land. Sie wählten zu diesem Wagestücke gute Läufer und Schwimmer damit ihnen die Beute weder zu Land noch zu Wasser entgehen möge. Nach dieser Vorkehrung liefen sie mit dem Schiff so dicht vor dem Indianer vorüber, daß seine Augen darauf fallen mußten und er den ihm gelegten Hinterhalt nicht bemerken konnte. Als der Indianer das Schiff mit vollen Segeln, einen an dieser Küste so völlig fremden und nie gesehenen Gegenstand, gewahrte, war er vor Erstaunen starr, und während er überlegte, was das wohl seyn möge was an ihm vorüberlief und in tiefen Gedanken stand, ergriffen ihn die ausgeschickten Häscher, ehe er sie bemerkte und brachten ihn zur großen Freude der ganzen Mannschaft an Bord. Nachdem die Spanier die Furcht des Wilden, welche ihm ihre von der seinigen so ganz verschiedene Tracht und ihre Bärte einflößten, durch freundliche Behandlung einigermaßen verscheucht hatten, fragten sie ihn durch Zeichen und Worte, in welchem Lande sie sich befänden und wie es heiße. Der Indianer nahm zwar aus ihren Gesichtszügen und aus den Zeichen, die sie ihm wie einem Stummen vormachten ab, daß sie ihn etwas fragten, verstand aber nicht was sie ihn fragten. Da er nun fürchtete, man würde ihm, wenn er nicht antworte, ein Leid zufügen, erwiederte er auf eine Frage »Beru«, und auf eine andere »Pelu«, womit er sagen wollte: ich heiße Beru und wohne an dem Fluß, denn Pelu bedeutet in der Sprache jenes Küstenstrichs einen Fluß überhaupt. Die Spanier, welche meinten er habe sie verstanden und antworte auf ihre Fragen, schmolzen nach ihrer Gewohnheit, alle indianischen Namen zu verderben, beide Wörter zusammen und nannten von dieser Zeit (1516) an das Land Peru. Zu der Zeit als die Spanier dieses Reich zum erstenmale betraten, hatte es folgende Grenzen: gegen Norden stieß es an den Fluß Ancasmayu (Rio Esmeraldas), welcher Quiri von Pastu scheidet und fast unter der Linie hinströmt, der Name bedeutet in der Landessprache »blauer Fluß«. Die südliche Grenze bildete der Fluß Mauli, welcher, ehe er zu dem Küstenstriche Arauco gelangt, das Königreich Chile von Osten nach Westen durchströmt und mehr als vierzig Grade von der Linie nach Süden hin entfernt ist. Der Mauli mündet unter 34° 50' S. B., der Esmeraldas unter 5° 1' N. B. Die Entfernung zwischen diesen beiden Flüssen beträgt zu Land ungefähr 1300 Meilen, von denen 750 auf das eigentliche Peru, welches sich vom Flusse Ancasmayu bis nach Chichas, der letzten Provinz von Charcas, erstreckt und 550 auf das Königreich Chile, welches von da his zum Flusse Maule reicht, kommen. Oestlich wird Peru von einer weder Menschen noch Thieren und nicht einmal Vögeln zugänglichen mit Schnee bedeckten Bergkette begränzt, welche von Santa Marta (am mexicanischen Golfe) bis zur Magalhaensstraße hinzieht und bei den Indianern den Namen Ritisuyu (Schneegürtel) führt; westlich wird es in seiner ganzen Länge von dem Ocean bespült. Das Land ist von Osten nach Westen sehr schmal; seine größte Breite bei der Stadt Truxillo beträgt 120, seine geringste bei dem Hafen Arica 70 Meilen. 2. Religion der Eingebornen in der frühesten Zeit. Gottheiten. Menschenopfer. Grausamkeit der Bewohner der Antis. Um die Bewohner dieses Landes, ihre Sitten und Religionsgebräuche genauer kennen zu lernen, müssen wir zwei Zeiträume unterscheiden, nämlich einen ersten in welchem sie noch nicht von den Incas beherrscht wurden, und einen zweiten in dem sie unter diesen Königen standen. In dem ersten Zeitraum war ein Theil der Indianer etwas besser als zahmes Vieh, in dem andern aber ärger als die wildesten Thiere. Diesem Zustande entsprach auch ihre Religion. Als Götter gelten ihnen die gemeinsten und erbärmlichsten Dinge und die Zahl derselben war unermeßlich, da nicht nur jedes Volk, jede Provinz, jeder Ort, sondern sogar jedes Viertel, jede Straße, jedes Haus seine eigene Gottheit hatte. Nur diese Gottheit, glaubten sie, welche man ausschließend verehre, würde auch dem Verehrer allein in der Noth helfen, während die andern Gottheiten, die von andern verehrt würden, sich auch nur um diese bekümmerten. Auf diese Weise mußten sich die Götter bis ins Unendliche vermehren und alle Naturgegenstände unter ihre Zahl aufnehmen. Man verehrte alle Arten Kräuter Pflanzen, Blumen, Bäume, hohe Berge, Höhlen, tiefe Abgründe, Kiesel und andere farbige Steine, welche man an den Flüssen findet wie den Jaspis. In der Provinz, welche jetzt Porto viejo heißt, erwies man besonders dem Smaragd göttliche Ehre. An andern Orten wurden Thiere angebetet entweder wegen ihrer Unbändigkeit wie der Tiger, der Löwe und der Bär (vor denen man sich wenn man ihnen begegnete niederwarf, um sich ohne an Flucht oder Gegenwehr zu denken auffressen zu lassen), oder wegen ihrer Scheuheit wie der Affe und der Fuchs, oder wegen ihrer Treue und Anhänglichkeit wie der Hund, oder wegen ihrer Schnelligkeit wie der Luchs, oder wegen ihrer Größe wie der Vogel, welchen sie Condor nennen. Von diesem sowohl als auch von dem Adler leiten sogar manche Stamme ihre Herkunft ab. Andere Stämme verehrten den Falken wegen seines leichten Fluges und seiner Gewandtheit im Beutemachen, den Uhu wegen der Schönheit seiner Augen und seines Kopfes und die Fledermaus wegen der Schärfe ihrer Augen, welche auch in der Nacht sehen, was ihnen höchst merkwürdig ist. Auch die gräulichen grausamen Schlangen, welche man bei den Antis Die Antis oder Andes erstrecken sich von den Gränzen von Cuzco bis zu denen von Tarma und bestehen aus mehreren Stämmen. findet und die 25 bis 30 Fuß lang und dicker als der Schenkel eines Menschen sind, hielt man für Götter, und wo sich keine großen Schlangen aufhielten, wohl auch kleineres Gethier dieser Art, wie Eidechsen und Kröten. Überhaupt möchte im ganzen kein Thier anzutreffen seyn, sey es auch noch so abscheulich und schmutzig, welchem man nicht göttliche Ehre erwies und zwar einzig und allein um sich von jedem andern in der Gottesverehrung zu unterscheiden, keineswegs aber weil man von dieser oder jener Gottheit einen besondern Vortheil erwartete. Uebrigens gab es doch auch schon in dieser Zeit unter den Indianern viele Stämme, welche mit mehr Ueberlegung ihre Götter wählten und nur solche Gegenstände anbeteten, die ihnen Nutzen brachten. So verehrten manche die Wasserquellen und großen Flüsse, weil sie ihre Saaten fruchtbar machten; andere die Erde welche sie Mutter nannten, weil sie ihnen Nahrung spendete; andere die Luft, weil der Mensch, wie sie sagten, nur durch das Einathmen derselben leben könne, und wieder andere das Feuer weil es sie erwärmte und ihnen zur Bereitung ihrer Speisen diente. Manche Stämme erwiesen einem Hammel göttliche Ehre, weil dieses Thier in zahlreichen Heerden in ihrem Gebiete vorhanden war, andere der großen mit Schnee bedeckten Gebirgskette wegen ihrer Höhe, ihrer erstaunlichen Ausdehnung und der vielen Flüsse, welche von ihr herabkommen und das Land bewässern, andere dem Mais oder Sara (wie er in der Landessprache heißt), weil er ihnen als Brod diente, und wieder andere anderen Getreidearten und Hülsenfrüchten, die gerade in ihrer Gegend am besten gediehen. Die Bewohner der Küste verehrten außer diesen Gottheiten insgesammt auch das Meer, welches sie Mamacocha nannten, was in ihrer Sprache »Mutter Meer« heißt und wodurch angedeutet werden soll, daß es an ihnen Mutterstelle vertrete, weil es sie durch seine Fische erhält. Besonders große und allgemeine Verehrung zollte man dem Wallfische seiner Größe und Unförmlichkeit wegen. Außer diesen allgemeinen Gottheiten der Küste verehrte man in den einzelnen Provinzen auch noch die Fische, welche darin am häufigsten gefangen wurden. Nach der Sage der Eingeborenen lebt der erste Fisch einer jeden Gattung in der Oberwelt (wie sie den Himmel nennen); von ihm gehen alle Nachkommen derselben Gattung aus und er schickt zur bestimmten Zeit eine Menge seiner Kinder zur Nahrung der Völker. Faßt man alles über die Götterverehrung der Peruaner Gesagte zusammen, so geht daraus hervor, daß sie nicht nur die vier Elemente jedes für sich, sondern auch alles daraus zusammengesetzte, mochte es nun so schlecht und schmutzig seyn als es wollte, anbeteten. Uebrigens gibt es einige Stämme (wie die Chirihuaner und die Bewohner des Vorgebirges Pasau an der nördlichen und südlichen Gränze Peru's), welche durchaus keine Neigung verspüren irgend einen Gegenstand, sey er niedrig oder erhaben, des Vortheils wegen oder aus Furcht anzubeten; sie lebten damals und leben noch jetzt wie wilde Thiere und wie das Vieh, weil die Lehren und der Unterricht der Incas nicht bis zu ihnen gelangten. Mit der Rohheit der Götterverehrung der Peruaner stimmte die Abscheulichkeit und Grausamkeit ihrer Opfer überein, denn außer den gewöhnlichen Dingen, wie Thiere und Früchte, opferten sie auch Menschen jedes Alters und Geschlechts, welche sie in den Kriegen, die sie mit einander führten, gefangen nahmen. Manche Stämme trieben ihre Unmenschlichkeit so weit, daß sie nicht nur die gefangenen Feinde, sondern auch im Nothfall ihre eigenen Kinder opferten. Allen Opfern ohne Unterschied, Männern, Weibern, Jünglingen und Kindern schlitzten sie den Leib auf, schnitten Herz und Lunge heraus und besprengten mit dem Blute, ehe es kalt wurde, den Götzen, welcher das Opfer verlangte. Lunge und Herz beschauten die Wahrsager um zu sehen ob das Opfer angenehm war oder nicht; in beiden Fällen verbrannten sie Herz und Lunge zur Befriedigung des Götzen und verzehrten die übrigen Theile des Geopferten mit dem größten Behagen und Heißhunger und mit stets gleicher Lust und Munterkeit, und wenn es auch ihr eigenes Kind war. »Die Bewohner der Antis (Andes), erzählt Blas Valera, Der Bericht dieses spanischen Missionars ist nicht auf unsere Zeit gekommen und schon Garcilasso de la Vega standen nur noch einzelne Bruchstücke desselben zu Gebot. essen Menschenfleisch, sind wilder als Tiger, kennen weder Gott noch Gesetz und wissen nicht was Tugend ist; ebensowenig haben sie irgend ein Götzenbild oder was einem solchen ähnlich sieht, sondern beten nur den Teufel an, wenn er sich ihnen unter der Gestalt eines Thieres oder einer Schlange zeigt und mit ihnen spricht. Wenn sie im Kriege oder auf irgend eine andere Weise einen Gefangenen machen und erfahren daß er ein gemeiner armer Mann ist, so zerreißen sie ihn in Stücke und schenken diese ihren Freunden und Dienern, um sie zu verzehren oder auf der Fleischbank zu verkaufen. Ist es aber ein angesehener Mann, so versammeln sich die Vornehmsten mit ihren Weibern und Kindern, entblößen ihn wie wahre Diener des Teufels, binden ihn lebendig an einen Pfahl und schneiden ihn mit Messern und Scheermessern aus Feuerstein in Stücke, wobei sie nicht ganze Glieder auf einmal ablösen, sondern das Fleisch an den Theilen wo es am dicksten ist, wie an den Waden, Schenkeln, Hinterbacken und feisten Stellen der Arme, herausschneiden. Mit dem Blute besprengen sich Männer, Weiber oder Kinder und alle verzehren das Fleisch höchst gierig, ohne es vorher zu kochen oder zu braten oder auch nur zu kauen; sie würgen es in ganzen Stücken hinunter, und so sieht das unglückliche Schlachtopfer sich lebendig von andern auffressen und in ihrem Magen begraben. Die Weiber, noch unmenschlicher als die Männer, bestreichen die Warzen an ihren Brüsten mit dem Blute des Zerfleischten, damit es ihre Kinder mit der Milch einsaugen. Diess ganze Verfahren betrachten sie als ein Opfer und setzen es mit großer Lust und Freude so lange fort bis der Mensch völlig todt ist. Alsdann hören sie auch auf von seinem Fleische und von seinen Eingeweiden zu essen, denn nur bis dahin gilt das Fest und die Lust zur Ehre der höchsten Gottheit, und deßhalb schätzen sie auch nur bis dahin das Fleisch ganz besonders hoch und verzehren es als eine heilige Sache. Wenn der Unglückliche während seiner Marter ein Zeichen des Schmerzes im Gesichte oder am Körper verräth oder eine Wehklage oder einen Seufzer hören läßt, so zerschlagen sie die Knochen, wenn sie das Fleisch abgegessen haben, in Stücke und werfen sie sammt den Eingeweiden mit großer Verachtung auf das Feld oder in einen Fluß; zeigt er sich aber während der Qual muthig, unerschütterlich und trotzig, so trocknen sie, wenn sie das Fleisch nebst allen Eingeweiden verzehrt haben, die Knochen sammt den Sehnen an der Sonne, legen sie auf die Gipfel der Hügel, verehren sie als Götter und bringen ihnen Opfer. »Dieses sind die Götzen dieses grausamen wilden Volkes, welches aus dem mexicanischen Gebiete herkam, Panama und Darien bevölkerte und sich von da aus in den weiten Berggegenden, welche auf der einen Seite bis zum neuen Königreiche Granada und auf der andern bis nach Santa Marta reichen, ausbreitete.« Andere indianische Stämme waren bei ihren Opfern nicht so grausam, und obschon sie Menschenblut vergossen, so hatte dieß doch nie den Tod zur Folge, sondern sie ließen nur Blut aus den Armen und Beinen je nach der Wichtigkeit des Opfers, und bei den größten Feierlichkeiten ließ man es zwischen der Nasenwurzel und den Augenbrauen. Dieses Blutlassen war überhaupt bei den Indianern in Peru auch noch zur Zeit der Incas sehr gewöhnlich sowohl bei Opfern als auch bei Krankheiten, besonders bei heftigem Kopfschmerz. Auch noch andere Arten von Opfern waren bei den Indianern in den verschiedenen Provinzen üblich, im allgemeinen bestanden sie aber aus Thieren, als Hammeln, Schafen, Lämmern, Kaninchen, Krähen und andern Vögeln, Feldfrüchten, Pflanzen, wohlriechendem Holze und andern Erzeugnissen ihres Landes. Sie richteten sich darin ganz nach ihrer Ueberzeugung, daß dieses oder jenes der Gottheit wohlgefällig sey. Waren z.B. ihre Götter Vögel oder fleischfressende Thiere, so opferten sie ihnen was sie diese am liebsten und häufigsten fressen sahen. 3. Wohnungen, Nahrung und Kleidung der Indianer. Eheliche Verhältnisse. Giftmischerei und Zauberei. Bei der Errichtung ihrer Wohnorte und Häuser zeigten diese Menschen eine eben so große Rohheit als bei der Verehrung ihrer Götter und bei ihren Opfern. Selbst die Dörfer der Gebildetsten und Klügsten hatten weder freie Plätze, noch nach irgend einem Plane geregelte Straßen und Häuser, sondern glichen einem Viehparke. Andere legten der vielen Kriege wegen die sie mit einander führten, ihre Wohnorte gleich Festungen auf hohen Bergen und Felsen an, weil sie daselbst gegen ihre Feinde mehr gesichert waren; andere wohnten zerstreut in Höhlen auf den Ebenen, in den Thälern und in den Schluchten, je nachdem jeder irgend eine Stelle zur Erlangung seiner Nahrung und zu seinem Aufenthalte bequem fand; manche hielten sich auch in Löchern unter der Erde, in Felsspalten und in hohlen Bäumen auf, wie und wo sie gerade eine fertige Wohnung fanden, denn sie verstanden nicht eine solche selbst zu machen. Noch jetzt leben manche Stämme, wie die Bewohner des Vorgebirgs Pasau und die Chirihuaner, in dieser von ihren Vätern ererbten Rohheit. – An solchen Orten und Wohnplätzen herrschte immer der Keckste, welcher den Muth hatte den übrigen zu gebieten, und hatte er einmal die Obergewalt an sich gerissen, so behandelte er seine Unterthanen tyrannisch und grausam, benützte sie als Sklaven und mißbrauchte ihre Weiber und Töchter ganz nach seinem Behagen. Die einzelnen Stämme selbst bekriegten einander fortwährend, in manchen Provinzen schlachteten sie die Gefangenen und überzogen mit den Häuten derselben ihre Trommeln um ihren Feinden Furcht einzujagen, denn sie behaupten, diese ergriffen sobald sie die Häute ihrer Anverwandten ertönen hörten, die Flucht. Das ganze Leben dieser Häuptlinge oder kleinen Könige besteht nur in Raub, Plünderung, Mord und Brandstiftung. Findet sich unter ihnen einmal ein rechtschaffener, der seine Unterthanen gut behandelt, Frieden hält und die Gerechtigkeit handhabt, so verehren ihn die Indianer in ihrer Einfalt und weil sie sehen, daß er sich durch Güte und Edelmuth von dem Haufen der andern Tyrannen unterscheidet, als einen Gott. Die Bewohner mancher Gegenden hatten kein Oberhaupt das sie beherrschte, sie verstanden aber ebensowenig sich selbst zu regieren und ihre Angelegenheiten zu regeln, sondern lebten in aller Einfalt wie die Schafe ohne sich einander Gutes oder Böses zuzufügen, und dieß zwar mehr aus Dummheit und Mangel an Bosheit als in Folge bewußter Tugend. Die Weise mancher Indianerstämme sich zu kleiden und ihre Blöße zu bedecken war so dumm und schändlich, daß ihr Anzug zum Lachen zwang; bei andern war die Art zu essen so abscheulich und barbarisch, daß sie Staunen erregte; in vielen großen Bezirken fand man beide Rohheiten mit einander verbunden. – In diesen so fruchtbaren warmen Ländern pflanzte man wenig ober gar nichts, sondern nährte sich von Kräutern, Wurzeln, wildem Obste und andern Früchten, welche der Boden von selbst oder mit nur sehr geringer Beihilfe der Bewohner hervorbrachte; da jedoch alle durchaus nichts weiter als die Fristung ihres Lebens verlangten, so waren sie mit wenigem zufrieden. In manchen Gegenden liebten sie so sehr das Menschenfleisch und waren darnach so gierig, daß sie nicht warten konnten bis das Opfer, welches sie schlachteten, völlig todt war, sondern das Blut aus der ihm beigebrachten Wunde tranken; eben so saugten sie, wenn es in Stücke zerschnitten war, aus diesen das Blut aus und wuschen sich darin die Hände, damit nur kein Tropfen verloren ging. Man fand bei ihnen öffentliche Menschenfleisch-Schlächtereien und aus den Eingeweiden machten sie Würste, damit nur kein Stückchen Fleisch unbenutzt blieb. Diese Leidenschaft ging so weit, daß sie nicht einmal ihre eigenen Kinder, die sie mit fremden im Kriege erbeuteten Frauen erzeugt hatten, verschonten. Sie machten aus diesen Frauen ihre Beischläferinnen und mästeten die Kinder welche sie ihnen gebaren, bis zu ihrem zwölften oder dreizehnten Jahre, um sie alsdann zu speisen. Dasselbe Loos traf die Mütter sobald sie nicht mehr zum Kinderzeugen tauglich waren. Auf dieselbe Weise verfuhren sie mit den im Kriege gefangenen Männern. Sie schenkten ihnen das Leben, gaben ihnen Weiber aus dem Stamme der Sieger, mästeten die in diesen Ehen erzeugten Kinder wie ihre eigenen und verzehrten sie, wenn sie das erwähnte Alter erreicht hatten. Auch die Väter wurden wenn sie nicht mehr zeugungsfähig waren, geschlachtet. Gegen dieses Loos schützte weder Verwandtschaft, noch Zusammenleben und Umgang, was doch bei den wildesten Thieren verschiedener Gattung der Fall ist. Und was noch größeren Abscheu erregt, diese Wilden gingen sogar so weit, daß sie ihre Todten verzehrten und in ihren Magen begruben. Hatte jemand kaum die Seele ausgehaucht, so versammelte sich sogleich die ganze Verwandtschaft und aß den Verstorbenen gesotten oder gebraten, gesotten wenn er mager, gebraten wenn er dick war. Darauf setzten sie das ganze Geripp wieder zusammen und begruben es mit großem Wehklagen in eine Felsenspalte oder in einen hohlen Baum. Die Sitte Menschenfleisch zu essen war übrigens bei den Indianern der heißen Länder mehr gewöhnlich als bei denen, welche die kalten Gegenden bewohnten. In diesen kalten und unfruchtbaren Gegenden, wo der Boden nicht von selbst Früchte, Wurzeln und Kräuter hervorbrachte, pflanzten sie durch die Noth gezwungen auch Mais und andere Feldfrüchte, beobachteten aber dabei keine bestimmte Zeit. Mit der Jagd und dem Fischfang beschäftigten sie sich ebenfalls, waren aber darin gerade so roh und unwissend wie in den übrigen Dingen. Von dem Anzuge der Indianer der alten Zeit ist wenig oder nichts zu sagen, denn sie hatten wie die Thiere kein anderes Kleid als die Haut womit die Natur sie beschenkt hatte. Manche umgürteten aus Stolz oder Eitelkeit den Leib mit einem Streife groben Zeugs und glaubten sich so hinlänglich bekleidet. Als ich im Jahre 1560 nach Spanien kam, begegneten mir in einer Straße Cartagena's fünf Indianer, welche, obschon sie doch bereits viele Jahre mit den Spaniern in Verbindung standen, völlig nackt waren und nicht neben einander gingen, sondern einer hinter dem andern wie Kraniche. – Die Frauen gingen ebenfalls fast völlig nackt; die verheuratheten umgürteten jedoch den Leib mit einem schmalen Zeugstreifen, an welchem vorn ein ellenbreiter und eben so langer wollener Lappen herabhing; in den Ländern wo sie weder zu spinnen noch zu weben verstanden, verfertigten sie diese Schambedeckung aus Rinden oder Blättern von Bäumen. Die Mädchen trugen ebenfalls solche Lappen, aber mit einem besonderen Abzeichen, welches andeutete daß sie noch Jungfrauen seyen. Obschon ich noch manches über diesen Gegenstand mittheilen könnte, so will ich doch schweigen um nicht die Ohren ehrbarer Leute zu beleidigen. – In den kälteren Gegenden kleideten sie sich etwas anständiger, keineswegs aber der Schicklichkeit wegen, sondern um sich gegen die Kälte zu schützen. Sie hüllten sich in Thierhäute und in eine Art Mantel, welche sie aus wildem Hanfe und aus einer zarten, breiten und wohlriechenden Binse, die auf dem Felde wild wuchs, verfertigten. Andere Stämme waren noch etwas gesitteter und trugen schlecht gearbeitete Mäntel aus schlecht gesponnener und noch schlechter gewobener Wolle oder aus wildem Hanf, welchen sie Chahuar nannten. Sie waren am Halse befestigt und über den Hüften gegürtet. – So war der Anzug der Indianer vor der Herrschaft der Incas und in den Ländern, welche diese nicht erobert hatten, beschaffen. Noch jetzt sieht man in vielen von den Spaniern eroberten Gegenden, daß die Indianer, obschon sie mit den Spaniern in näherer Verbindung stehen und in den Häusern derselben leben, völlig nackt gehen; und wenn sie Kleider anziehen, so geschieht dieß mehr weil man sie darum plagt, als aus Geschmack und Ehrbarkeit. Auch die Frauen zeigen sich darin nicht besser und sittsamer und sind schlechte Spinnerinnen; die Spanier stellen ihnen deßhalb oft die Frage, ob sie sich darum nicht bekleiden um nicht spinnen zu müssen, oder ob sie nicht spinnen um sich nicht bekleiden zu müssen. Die ehelichen Verhältnisse dieser Völker waren nicht minder abscheulich. Bei vielen Stämmen begatteten sich beide Geschlechter wie die Thiere, gerade wo sie sich zufällig begegneten, ohne sich weiter um einander zu bekümmern; bei andern nahmen sich die Männer zwar Weiber, aber ganz nach ihrem Gutdünken und ohne alle Rücksicht auf Blutsverwandtschaft; sie heuratheten ohne Unterschied ihre Schwestern, Töchter und Mütter, und nur bei manchen galt für die letzteren eine Ausnahme. In manchen Gegenden war den Mädchen Unsittlichkeit und Unkeuschheit nicht nur gestattet, sondern gereichte ihnen sogar zum Ruhme, und die zügellosesten fanden sicher zuerst ihr Unterkommen, weil man sie als rüstig und bereitwillig zum Liebeswerk betrachtete; von den sittsamen sagte man sie seyen kalt und träge, und wurden deßhalb von keinem Manne gesucht. An andern Orten dagegen bewachten die Mütter ihre Töchter mit der größten Strenge; gaben sie endlich ihre Einwilligung zu der Heurath einer Tochter, so brachten sie diese aus ihrem Verschluß und führten sie der ganzen Verwandtschaft vor, um sie in Gegenwart derselben mit eigener Hand zu entjungfern und dadurch alle von ihrer sorgfältigen Bewachung zu überzeugen. Bei andern Stämmen schliefen die nächsten Anverwandten und Freunde des Bräutigams zuerst bei der Braut und übergaben sie erst nach dieser eigentlichen Vollziehung der Ehe ihrem Manne. Bei einigen Stämmen war auch die Sodomie nicht unbekannt, doch wurde sie nicht im allgemeinen sondern nur von einzelnen im geheimen getrieben. An manchen Orten jedoch verübte man dieses Laster in den Tempeln, weil man glaubte daß die Götter ein großes Wohlgefallen daran fänden, wodurch dann in der Gesinnung dieser Leute alles Schamgefühl so gänzlich vertilgt wurde, daß sie sich nicht scheuten diese Schändlichkeit öffentlich zu begehen. Bei diesem Volke gab es auch Männer und Weiber, welche das Giftmischen verstanden und das ausersehene Opfer, je nachdem es verlangt wurde, eines schnellen oder langsamen Todes sterben ließen. Auch wußten sie die Leute ihres Verstandes zu berauben, Gesicht und Körper durch weiße und schwarze Geschwüre zu entstellen und die Glieder zu lähmen. Zauberer und Zauberinnen waren ebenfalls nicht selten, doch gaben sich die Frauen mehr mit diesem Geschäfte ab als die Männer. Die meisten trieben es um durch Verbindung mit dem Teufel künftige Dinge vorauszusagen und sich dadurch bei dem Volke als Priester und Priesterinnen großes Ansehen zu erwerben. Andere Frauen übten ihre Kunst, um hauptsächlich Männer zu bezaubern, entweder aus Haß oder aus einer andern Leidenschaft, und ihre Zaubereien brachten dieselbe Wirkung hervor wie das Gift. – Ein freundschaftlicher Verkehr fand überhaupt nur selten oder gar nicht bei diesen Völkern statt; jeder Landestheil, jeder Stamm, ja häufig jeder Ort hatte seine eigene von den Nachbarsprachen verschiedene Sprache. Alle welche sich verstanden, betrachteten sich als Stammgenossen und Freunde, alle übrigen aber deren Sprache ihnen unverständlich war, behandelten sie als Fremde und Feinde. Auf diese Weise führten die einzelnen Stämme fortwährend mit einander den grimmigsten Krieg und fraßen einander auf wie die wilden Thiere verschiedener Gattung. 4. Die Incas; ihr Ursprung. Der erste Inca Manco Capac und seine Einrichtungen. Abzeichen der Incas. Erst durch die Incas (wie der alte peruanische Königstamm heißt) trat ein besserer Zustand ein und ihnen gebührt der Ruhm ihre Unterthanen auf eine höhere Culturstufe emporgehoben zu haben. Der Ursprung der Incas ist in Fabeln gehüllt und die Sage macht den ersten derselben zu einem Sohne der Sonne. Als nämlich die Sonne die Rohheit der Bewohner Peru's sah, fühlte sie Mitleiden und beschloß zwei ihrer Kinder auf die Erde zu senden, um das unglückliche Volk zu belehren und in den zu einem gesitteten Leben unentbehrlichen Künsten zu unterrichten. Sie setzte also einen Sohn und eine Tochter an den Sumpf Titicaca, welcher 80 Meilen von Cuzco liegt, und gab ihnen eine zwei Finger dicke und eine halbe Elle lange goldne Ruthe mit der Weisung, nach welcher Richtung sie wollten weiter zu gehen, überall wo sie sich zum Essen oder Schlafen niederließen die Ruthe in den Boden zu stecken und sich da, wo diese nach dem ersten Stoße ihren Augen entschwinde, sich anzusiedeln. Die Kinder thaten wie ihnen befohlen war, und nachdem sie einen weiten Weg nach Norden hin zurückgelegt und stets ihre Ruthe versucht hatten, kamen sie in dem Thale von Cuzco an einen Hügel, der Huanacauti heißt und südlich von der Stadt Cuzco liegt. Hier versank ihre Ruthe bei dem ersten Stoße in den Boden. Beide trennten sich nun, der Sohn ging nach Norden, die Schwester welche zugleich die Gemahlin des Sohnes war, nach Süden; allenthalben versammelten sie die in den Einöden und Schluchten zerstreuten Männer und Frauen um sich, verkündeten ihnen daß die Sonne sie vom Himmel gesendet habe um die Lehrer und Wohlthäter der Bewohner des ganzen Landes zu werden, sie ihrem thierischen Zustande zu entreißen und zu lehren, wie Menschen zu leben, sie in Gemeinden und Städte zu vereinigen und ihnen statt ihres seitherigen nur für das Vieh geeigneten Fraßes bessere, dem Menschen gebührende Nahrungsmittel zu zeigen. Die Wilden, überrascht durch die von der ihrigen völlig verschiedene Kleidung und den Schmuck womit die Sonne ihre Kinder versehen hatte, sowie auch erstaunt über die durchbohrten Ohren, welche jetzt noch eine Auszeichnung der Nachkommen der Incas sind, ließen sich durch das hehre Antlitz, die süßen Worte und die großen Versprechungen ihrer Wohlthäter leicht bewegen ihnen Glauben zu schenken, ihnen zu folgen und sie als ihre Gebieter anzuerkennen. Die Wilden verbreiteten die Nachricht von der Ankunft der Sonnenkinder und der von ihnen verheißenen Wohlthaten so schnell, daß sich bald eine hinreichende Menge von Männern und Frauen einfand, um die Stadt Cuzco zu gründen und zu bevölkern. Der erste Inca hieß Manco Capac, seine Schwester und Gemahlin Mama Oello Huaco. Manco Capac lehrte die Männer das Feld bearbeiten und bestellen, Getreide pflanzen, die Lebensmittel auf mancherlei Weise zubereiten, die nöthigen Werkzeuge verfertigen, Wagen bauen und die durch das Thal fließenden Bäche zur Bewässerung der Felder benutzen; die Coya (Gemahlin des Inca) unterrichtete die Frauen in den weiblichen Arbeiten, sie lehrte sie die Wolle spinnen und weben, Kleider für sich, ihre Männer und ihre Kinder verfertigen und überhaupt alles was zum Hauswesen gehört, besorgen. – Die Zeit in welche die Cultivirung der Peruaner fällt, läßt sich nicht mit Gewißheit bestimmen, doch waren die Incas als die Spanier das Land eroberten, sicher bereits über 400 Jahre im Besitze der Herrschaft. So versichert wenigstens der Inca Garcilaso de la Vega, welchen wir bis jetzt selbst sprechen ließen. Dieser Schriftsteller, welcher noch vieles durch die mündliche Ueberlieferung seiner Ahnen wußte, gibt auch ausführliche Nachrichten über die Incas bis zur Ankunft der Spanier in Peru; wir können sie aber nicht mittheilen, da wir keine Geschichte der Incas zu schreiben, sondern nur eine kurze Darstellung der Sitten und Gebräuche der Bewohner Peru's zu geben beabsichtigen. Was übrigens die Incas für die Cultur und das Wohl ihres Volkes thaten, soll an den geeigneten Stellen seine Würdigung finden. Eine Geschichte der häufigen Kriege dieses mächtigen Königsstamms gegen seine Nachbarn und seiner Eroberungen nach allen Richtungen hin kann ohnehin den Leser, welcher nur ein klares Bild des Landes und seiner Bewohner überhaupt verlangt, unmöglich ansprechen. Manco Capac, welchen man als den eigentlichen Begründer des peruanischen Reichs betrachten kann, ließ überall Städte und Dörfer anlegen und brachte die unterworfenen Wilden auf eine gewisse Stufe von Cultur, indem er ihnen den schändlichen Götzendienst untersagte, sie die Anbetung der Sonne lehrte, im Ackerbau und in vielen Gewerben unterrichtete und ihnen Gesetze und bessere Sitten gab. Um sie von ihrem Hauptlaster, der Unzucht, abzubringen, verbot er ihnen ferner in irgend einer Weise die den Frauen schuldige Achtung zu verletzen; befahl es sollte jeder nur eine Frau haben, die er, um die Vermischung der Familien zu verhüten, aus seiner Anverwandtschaft zu wählen habe; Niemand sollte sich vor dem zwanzigsten Jahre verheurathen, damit die häuslichen Angelegenheiten gut besorgt würden. – Er theilte das Gebiet der unterworfenen Stamme in Provinzen und setzte über jede einen Curaca (Statthalter); verordnete daß in jeder Gemeinde die jährliche Ernte in ein großes Vorrathshaus gebracht werden solle, um den Einzelnen ihren Bedarf auszutheilen, bis er im Stande seyn würde einem jeden Ländereien als Privatgut zu verleihen. – Dann führte er eine bessere Religion ein, gab die Stelle an, welche ihm zur Erbauung eines Tempels für die Sonne und zur Darbringung der Opfer am geeignetsten schien. Sie sollten die Sonne als ihren Gott betrachten, sie anbeten und ihr danken für das Gute, das sie ihnen durch ihr Licht gewähre, wobei er ihnen begreiflich machte, daß sie besonders die Gefilde befruchte und ihre Heerden vermehre. Dann belehrte er sie, daß sie der Sonne und dem Monde deßhalb eine besondere Anbetung schuldig seyen, weil beide ihnen zwei ihrer Kinder geschickt hätten, um sie aus ihrem wilden Zustande zu einem geordneten Leben zu führen. Er verordnete ferner, daß man, wenn eine hinlängliche Anzahl Frauen von königlichem Geblüte vorhanden sey, ein Haus bauen solle, um darin diese Frauen zum Dienste der Sonne einzuschließen. Mit diesen Einrichtungen brachte der Inca Manco Capac mehrere Jahre hin; endlich gewährte er seinen Unterthanen zum Lohne ihrer Treue und Liebe gegen ihn, und um sie noch mehr zur Erfüllung ihrer Pflichten und zur Ausübung des Guten anzufeuern, gewisse Vorrechte. Der Inca trug nämlich sein Haar nur fingerlang und in Abstufungen geschnitten, welche Sitte auch seine Nachfolger beibehielten. Die Messer, womit sie das Haar abschnitten, bestanden aus Feuerstein, denn von Scheren wußten sie nichts. Die Abkömmlinge der Incas, besonders die Frauen, durchbohrten sich die Ohren und richteten sie auf eine eigene Weise zu, indem sie das Untertheil derselben so weit ausdehnten, daß sie in die Oeffnung einen Ring von drei Zoll im Durchmesser stecken konnten. Die Incas trugen ferner auf dem Kopfe statt einer Mütze eine Art von Tresse oder Schnur, Llautu genannt. Sie war bunt, hatte die Dicke eines Fingers, reichte vier- bis fünfmal um den Kopf und glich einem Blumengewinde. Von den übrigen der königlichen Würde allein angehörenden Abzeichen werden wir später sprechen. – Das erste Vorrecht, welches der Inca seinen Unterthanen gab war, daß er allen die Tresse um den Kopf zu tragen erlaubte, nur durfte sie nicht mehrfarbig, sondern nur schwarz seyn; dann gestattete er ihnen eine noch größere Gunst, nämlich daß sie die Haare gleich ihm stufenweise, jedoch je nach ihrem Range kürzer oder länger schneiden durften. Der Zweck des Inca war dabei, jeden Stamm und jede Provinz zur Verhütung einer Verwirrung der von ihm gemachten Reichseintheilung unterscheiden zu können. Außerdem setzte er noch ein anderes Unterscheidungszeichen zwischen sich und seinen Unterthanen fest. Er befahl nämlich, daß die einen ihre Haare nach Art einer die Stirne und Schläfe freilassenden Kappe schneiden sollten, so daß diese auf beiden Seiten bis zu den Spitzen der Ohrläppchen herabhingen, während das Kopfhaar der andern nur bis zur Mitte der Ohren reichte und bei andern das Haar noch kürzer seyn durfte, jedoch nie so kurz als das des Inca. Einige Zeit später erlaubte er seinen Unterthanen auch sich die Ohren zu durchlöchern, mit der Bedingung jedoch, daß das Loch nicht halb so groß sey als das des Inca, und damit ein solcher Fall nicht einträte, gab er ihnen das Maaß des Loches. Ferner durften sie als Ohrgehänge nur bestimmte Gegenstände tragen, je nach der Verschiedenheit der Stämme und Provinzen; die einen, wie die Stämme Mayu und Cancu, ein Stück Holz, so groß wie ein Finger, die andern, wie die Poques, einen Büschel weißer Wolle, der aus beiden Ohrlappen einen Zoll dick hervortrat, und wieder andere ein Stück Binse. – Je mehr diese Merkmale der Auszeichnung denen des Königs glichen, als eine desto größere Gnade wurden sie betrachtet. Auch vertheilte der Inca diese Auszeichnungen nur nach dem Verdienste, und dabei gab er ihnen stets dadurch eine höhere Weihe, daß er bemerklich machte, er thue dieß alles auf besonderes Geheiß der Sonne, deren Sohn er war. Als der erste Inca hochbetagt sein Ende nahe fühlte, ließ er die vornehmsten Unterthanen aus seinem ganzen Reiche in der Hauptstadt Cuzco zusammenkommen und erklärte ihnen in voller Versammlung, die Stunde sey gekommen, wo er in den Himmel zu der Sonne zurückkehren müsse, um von seinen Beschwerden, auszuruhen; doch bevor er sie verlasse, wolle er seinen Gnaden und Gunstbezeugungen die Krone aufsetzen, indem er sie mit dem königlichen Titel beehre, damit sie selbst so wie ihre Nachkommen von aller Welt hochgeschätzt würden; sie sollten gleich ihm den Namen Inca führen sowie die königlichen Insignien tragen. Er hätte die feste Ueberzeugung, daß sie auf diese Weise dem König gewiß treu und freundschaftlich anhängen würden. Zuletzt schloß er seine Rede mit dem Verbote ihre Frauen und Töchter mit dem Titel Palla, der nur den Frauen von königlichem Geblüte zustehe, zu benennen, denn die Frauen seyen nicht im Stande wie die Männer die Waffen zu tragen und im Kriege zu dienen, und deßhalb dieses königlichen Titels nicht würdig. Von diesen Incas, die durch ein besonderes Vorrecht diese Würde erhalten haben, stammen nach ihrer Aussage diejenigen Incas ab welche diesen Namen noch zur Zeit der Eroberung Peru's durch die Spanier führten. 5. Ansehen und Ehrennamen der Incas und ihrer Nachkommen. Nur ein Merkmal der Auszeichnung behielt der König sich und seinen Nachkommen vor; es bestand in einer farbigen Binde, die aus einer Art Franzen bestand und über die Stirne von dem einen Schläfe bis zum andern reichte. – Als Zeichen der Dankbarkeit und der Hochachtung legten die Indianer ihrem Inca mehrere Beinamen bei, die beiden Hauptsächlichsten waren Capac und Huac-Chacuyac; der erstere bedeutet reich, aber nicht an Glücksgütern, sondern an Vorzügen des Geistes, nämlich an Mitleid, Milde, Zugänglichkeit, Freigebigkeit, Gerechtigkeit, an guten Werken gegen die Armen. Ferner bedeutet es noch mächtig und groß in den Waffen. Das zweite Wort heißt Freund und Wohlthäter der Armen. Das Wort Inca bedeutet soviel als Herr, König, Kaiser. Noch vor seinem Tode ertheilte der Inca seinen Kindern, die er um sich versammelt hatte, die trefflichsten Lehren, unter anderem schärfte er besonders seinem Nachfolger, seinem ältesten Sohne Sinchi-Roca, ein, seine Unterthanen durch Wohlthaten und Liebe und nicht durch Gewaltthätigkeiten zu regieren. Er hatte diesen Sohn außer mehrern andern Kindern mit der Königin Mama Oello Huaco, seiner rechtmäßigen Gattin und Schwester, erzeugt. Außer diesem besaß er eine Anzahl Kinder von seinen Beischläferinnen, die er unterhalten hatte, weil, wie er sagte, es dem Staate zum Heile gereichte, wenn mehrere Kinder der Sonne vorhanden wären. Die Söhne und Töchter, welche ihm die Königin Mama Oello Huaco geschenkt hatte, wurden miteinander verheurathet, um das Stammblut oder wie sie sagten das Geschlecht der Sonne rein zu erhalten; es wurden deßhalb auch die, welche sich rühmen konnten von diesem Blute ohne Beimischung abzustammen, hoch in Ehren und für göttlich gehalten; dagegen nannte man jedes andere Geschlecht menschlich, selbst das der vornehmsten Herren und Vasallen, die den Namen Curaca trugen. Der Inca Siuchi Roca heurathete seine älteste Schwester Mama Oello, und diese Sitte, daß der Bruder die Schwester zur Frau nahm, wurde stets gewissenhaft beobachtet. Der erste Inca Manco Capac wurde von seinen Unterthanen sehr betrauert. Sie balsamirten ihn ein, um ihn stets bei sich zu haben, beteten ihn an als den Sohn der Sonne und brachten ihm Schafe, Lämmer, Hammel, Kaninchen, Vögel, Getreide und Früchte als Opfer dar. – Außer den angeführten Titeln legte man dem Inca noch den Namen Intip-cutin, d.h. Sohn der Sonne, bei; der Sohn des Königs und alle seine männlichen Nachkommen heißen Auqui, Prinzen. Sie behielten diesen Namen bis zu ihrer Verheurathung, wo man sie dann mit dem Titel Inca beehrte. Die rechtmäßige Königin führte den Titel Coya, d. h. Königin oder Kaiserin; man gab ihr auch den Namen Mamanchic, d. h. unsere Mutter, weil sie gegen alle ihre Verwandten und Unterthanen die Mutterpflichten übte; auch ihre Töchter nannte man Coya. Die Beischläferinnen des Königs, die mit ihm verwandt waren, sowie alle anderen aus königlichem Blute stammenden Frauen hießen Palla, d. h. Frauen von königlichem Blute; fremde Beischläferinnen, sowie Frauen welche nicht aus dem königlichen Stamme waren, nannte man Mamacuna, d. h. Matrone oder noch genauer bezeichnet eine Frau, welche die Verbindlichkeit hat Mutterpflichten zu erfüllen. Die Töchter des Königs sowie alle übrigen Töchter seines Namens trugen den Namen Nusta, was ein Fräulein aus königlichem Blute bedeutet; jedoch mit dem Unterschiede daß man Nusta einfach die hieß, welche rechtmäßig von dem König abstammten, während man den unehelichen Töchtern des Königs noch den Namen der Provinz, wo ihre Mutter geboren war, beifügte, wie Colla Nusta, Huanca Nusta, Quito Nusta.– Sobald die Töchter verheurathet waren, nahmen sie den Titel Palla an. Nach der Behauptung der Indianer liegt kein einziger Fall vor, daß jemals ein Inca von königlichem Blute öffentlich bestraft worden wäre, weil er sich durch irgend ein Verbrechen einer bedeutenden Strafe schuldig gemacht hätte. Der einzige Grund, den man als Ursache dieser Erscheinung angibt, ist, daß die Lehre ihrer Väter, das Beispiel ihrer Vorfahren, die öffentliche Meinung, die sie als Söhne des Himmels betrachtete, welche zur Erde kamen um die Menschen zu unterrichten und ihnen wohlzuthun, sie stets in den Gränzen einer so großen Mäßigung hielten, daß sie ihrem Staate als ein vollkommenes Muster der Weisheit dienten. Die Indianer fügen bei, daß die Incas sich fast niemals täuschen, noch die nämlichen Fehler wie die übrigen Menschen begehen könnten, weil sie denselben Versuchungen nicht ausgesetzt seyen, indem die Liebe zu den Frauen, die Gier nach Reichthümern und die andern Leidenschaften des Herzens ihnen fremd blieben. Wenn der Inca nach Frauen sich sehne, so sey es ihm erlaubt jede ohne Ausnahme zu besitzen, und sey ein Mädchen auch noch so schön, so dürfte er sie nur von dem Vater verlangen, und dieser, weit entfernt sie ihm zu verweigern, bedanke sich noch demüthig bei ihm, daß er sich so weit herabgelassen habe sie zu seiner Beischläferin und Dienerin zu nehmen. Dasselbe behaupten sie bezüglich der Reichthümer; ihre Incas seyen niemals genöthigt gewesen sich das Gut anderer anzumaßen noch Zwietracht um Eigenthum hervorzurufen, denn an jedem Orte wo sie sich befänden, stünden alle Reichthümer, welche im Besitzthum der Sonne und der Incas ihrer Söhne seyen, ihnen zu Gebot, und die obersten Beamten und Verwalter der Städte seyen gehalten ihnen alles zu liefern was sie bedürften. Auch hätten die Incas ganz und gar keine Gelegenheiten im Zorn oder auch aus Rache irgend Jemanden zu morden, weil man so weit entfernt davon sey sie zu kränken, daß man ihnen den ersten Platz nach der höchsten Gottheit, d. h. nach der Sonne einräume und sie anbete. Wenn Jemand den Inca in Zorn bringe, so sey dieß eine Gotteslästerung, und man bestrafe dieß eben so strenge als wenn er die Sonne feindlich angegriffen hätte. Auch kann man versichern, daß niemals ein Indianer bestraft wurde, weil er einen Inca an seiner Person, an seinen Gütern oder an seiner Ehre verletzt hatte, weil Niemand es je wagen würde dieß zu thun und weil alle Landeseingebornen die Incas als Götter betrachteten. Das Reich der Incas war in vier Haupttheile getheilt, und in jedem dieser Theile hatte der erste Inca drei Räthe eingesetzt: einen für die Angelegenheiten des Kriegs, einen zweiten zur Handhabung der Gerechtigkeit und einen dritten für die Sicherheit des Besitzthums. – Jeder Rath hat seine untergeordneten Beamten, deren geringste die Decurionen (Zehnmänner) waren. Diese Beamten mußten von Stufe zu Stufe bis zu den höchsten Räthen über alles was im Lande vorging Rechenschaft geben. Außerdem hatte man vier Vicekönige in den vier Landestheilen, welche in den Ratsversammlungen ihres Gebietes den Vorsitz führten. Diese Vicekönige waren in ihren Provinzen unumschränkte Herren und nur über das was in ihrem Bezirke vorging, dem Inca Nachricht schuldig. Sie mußten übrigens rechtmäßige Incas und in den Geschäften des Kriegs und des Friedens wohl erfahren seyn. Auch konnten nur Incas in dem Staatsrath fetzen, und sie allein empfingen aus dem Munde des regierenden Inca die Befehle, welche sie stets befolgen mußten. Sie benachrichtigten von diesen Befehlen ihre Minister und diese theilten dieselben von Stufe zu Stufe den andern Beamten bis zu dem letzten mit. Außer der Binde, von der wir schon weiter oben gesprochen, trugen die spätern Incas auf dem Kopfe, als auszeichnenden Schmuck der ihnen allein zustand, die beiden längsten Federn von dem Flügel eines Vogels, den die Indianer Corequenque nennen und der von der Größe eines Falken ist. Diese Federn die schwarz und weiß gefleckt sind, dürfen nicht von demselben Flügel, sondern müssen die eine von dem rechten und die andere von dem linken seyn. Die Vögel halten sich in der Wüste Villcanuta, 32 Stunden von Cuzco, am Fuße der großen Schneegebirge an einem kleinen Sumpfe auf. Der Sage nach sah man stets nur zwei dieser Vögel auf einmal, ein Männchen und ein Weibchen; die Incas waren davon fest überzeugt und betrachteten sie als ein Sinnbild der ersten Incas, des Manco Capac und seiner Gemahlin. Ihnen zu Ehren schmückten sie sich mit diesen Federn, hielten sie für heilig, und schätzten sie so hoch daß niemand außer ihnen sie tragen durfte. Um diese Federn zu bekommen gehen die Indianer auf die Jagd und fangen die Vögel so sanft als nur immer möglich; haben sie ihnen diese Federn ausgerissen, so geben sie ihnen wieder die Freiheit; sie stellen diese Jagd jedesmal an wenn ein neuer Inca den Thron besteigt, denn der neue Herrschen trägt niemals den Schmuck seines Vorgängers, weder die Federn noch sonst ein Abzeichen desselben. 6. Paläste, Gärten. Hofbedienung. Jagden. Leichenbestattung der Incas. Die Paläste der Incas waren höchst ausgezeichnet durch Größe, Reichthum und Pracht; ja man kann behaupten daß ihre Schönheit so groß war, daß sie in manchen Stücken den Pomp der prachtvollsten Paläste, die je von allen Monarchen der Welt erbaut worden sind, übertrafen. Die Paläste, die Tempel, die Gärten der Incas waren über allen Begriff schön und die Steine an allen Gebäuden so vortrefflich gearbeitet und so kunstreich zusammengefügt, daß sie eine einzige Steinmasse zu bilden schienen. Der sie verbindende Mörtel war aus einer gewissen rothen fetten Thonerde bereitet, Lancac-Allpa genannt, und ein so vorzügliches Cement, daß er einmal in die Fugen gelegt, zwischen den Steinen kaum noch bemerkt wurde. Sie bedienten sich bei mehreren königlichen Gebäuden und bei einigen Tempeln der Sonne einer gewissen Mischung von Metallen, nämlich von geschmolzenem Golde, Silber und Blei zur Verzierung und Bekleidung, und dieß war ein Hauptgrund der Zerstörung dieser prachtvollen Denkmäler, denn die Spanier zertrümmerten sie gänzlich, weil sie Gold und Silber in den Wänden zu entdecken hofften. Das Getäfel in dem Tempel der Sonne war aus Goldplatten gefertigt, ebenso das der königlichen Gebäude. Außerdem verzierte man die Mauern mit Figuren von Männern, Frauen, Vögeln, Fischen und wilden Thieren, als Bären, Tigern, Löwen, Füchsen, Wölfen, Ziegen, welche in natürlicher Größe in eigens dafür angebrachte Nischen gestellt wurden. Ebenso bildeten sie Pflanzen, die an Mauern wachsen, so getreu nach, daß dieselben, an die Mauern befestigt, an ihnen gewachsen zu seyn schienen. Sie belebten diese Pflanzen mit Eidechsen, Schmetterlingen, Mäusen, großen und kleinen Schlangen, von denen die einen hinauf, die andern herab zu kriechen schienen. – Der Sitz des Inca, Tiana genannt, war von geschlagenem Golde, ohne Arm- und Rücklehne und in der Mitte ausgehöhlt, um desto bequemer zu sitzen; sie stellten ihn gewöhnlich auf eine große viereckige Unterlage, die ebenfalls aus Gold gefertigt war. – Es befand sich in dem ganzen Palaste kein Tafel- und Küchengerät, das nicht von demselben Metall oder wenigstens von Silber gewesen wäre, und jeder Palast des Königs war einzeln damit versehen, so daß man der Mühe überhoben war, es aus einem in den andern zu bringen. – So hatten sämmtliche Paläste, sowohl die an den großen Wegen, als die der Provinzen, Ueberfluß an allen Geräthen, die zum Dienste des Inca nöthig waren, wenn er sich aufs Land begeben wollte oder eine Besuchreise durch sein Reich unternahm. Es befanden sich in diesen Palästen auch mit Gold und Silber belegte Vorrathskammern, von den Indianern Pirva genannt, und zwar nicht zur Aufbewahrung von Getreide und dergleichen, sondern bloß um damit einen Beweis der Größe und Pracht der Incas zu liefern. In den Palästen fand man auch eine Menge neuer Kleider, denn der Inca zog dasselbe Kleid nie zweimal an, sondern schenkte jedes welches er einmal angelegt hatte, einem seiner Verwandten. Sein Bettzeug war aus einer kostbaren von dem Haare der wilden Ziege bereiteten Wolle gefertigt; diese Wolle war so fein und schön, daß man unter andern Kostbarkeiten die Philipp II. aus jenem Lande erhielt, auch solche Wolle schickte, um ihm ein Bett daraus zu machen. Die Matrazen kannten sie nicht und machten auch keinen Gebrauch davon, als sie sahen daß die Spanier sich derselben bedienten, indem sie sagten, es sey dieß ein Luxusartikel, der sich mit ihrer Lebensweise nicht gut vertrüge. In den Palästen war den ganzen Tag hindurch offene Tafel und man hielt daselbst stets eine Masse zubereiteter Fleischspeisen für die Incas die des Königs Tafel besuchen wollten und für alle Palastdiener, die sehr zahlreich waren, bereit. Die Hauptmahlzeit der Incas sowohl als auch des gesammten Volks fand des Morgens zwischen acht und neun Uhr statt. Vor Nacht nahmen sie noch ein leichtes Mahl und hielten überhaupt des Tages nur zwei Mahlzeiten; während derselben tranken sie nichts, brachten aber die Zwischenzeit bis zur Nacht mit Trinken zu. Dieß war jedoch nur bei den Reichen Sitte, denn die unvermögenden Leute waren so lange in allem außerordentlich sparsam, bis sie sich in glücklicheren Umständen befanden. Uebrigens gingen sie früh schlafen und standen früh auf, um ihre Geschäfte zu verrichten. An allen königlichen Gebäuden befanden sich Spaziergänge und Gärten, in welchen der Inca lustwandelte. Man pflanzte darin die schönsten Bäume, die lieblichsten Blumen und die wohlriechendsten Gewächse. Doch damit nicht zufrieden, verfertigte man eine Anzahl von Bäumen aus Gold mit ihren Blüthen, Blättern und Früchten; unter ihnen konnte man solche bemerken, die eben erst zu knospen anfingen, andere waren bis zur Hälfte gewachsen und wieder andere standen in ihrer ganzen Vollkommenheit da. Was übrigens noch wunderbarer ist, man sah natürlich dargestellte Maisfelder mit ihren Halmen. Blüthen und Aehren, deren Spitzen von Gold waren; die übrigen Theile bestanden aus Silber und das Ganze war zusammengelöthet. Man bemerkte gleiches bei andern Gewächsen, die sie durch Mischung und Löthung der edeln Metalle naturgetreu darzustellen wußten. – Man sah darin auch mehrere Gattungen von Thieren aus Gold und Silber, als Hasen, Ratten, Eidechsen, Schlangen, Schmetterlinge, Füchse und wilde Katzen (denn zahme gab es bei ihnen nicht). ferner alle Arten von Vögeln so trefflich nachgebildet, daß man von den einen hätte behaupten können, sie sängen auf Aesten sitzend, von andern, sie breiteten ihre Flügel aus um davon zu stiegen. Damhirsche, Löwen, Tiger und alle Arten von Thieren, alle naturgetreu nachgebildet, standen zur Verzierung und Belebung an den geeignetsten Stellen der Garten. Alle diese Gebäude hatten Bäder mit großen goldnen und silbernen Wannen, in welchen die Incas sich badeten; die Röhren aus denen das Wasser floß, waren von demselben Metalle. Außerdem schmückten sie alle Orte, an welchen sich warme Quellen befanden die man stets zu Bädern verwendete, mit herrlichen Geräthschaften aus Gold und Silber. Die Indianer verbargen alle diese Schätze, als sie den unersättlichen Durst der Spanier nach Gold und Silber sahen, so gut, daß man sie seit jener Zeit nicht wieder entdecken konnte. Es befanden sich in mehreren Palästen des Inca Säle, zweihundert Schritte lang und sechzig bis siebenzig Schutte breit, um darin während der Feste zu tanzen und sich zu vergnügen, wenn der Regen sie zwang einen bedeckten Raum zu suchen. Diese Säle sowie überhaupt alle nicht aus Steinen aufgeführten Gebäude waren auf merkwürdige Weise hergerichtet; die Mauern bestanden nämlich durchaus aus Holz oder großen Balken, die sie mit breiten aus Binsen geflochtenen Stricken aufeinander banden; denn sie verstanden die Kunst die Balken durch Zapfen und Nägel aneinanderzufügen nicht; zwischen die Balken selbst legten sie eine solche Masse klein gehackten Strohes, daß dadurch die Mauern der königlichen Häuser ein Klafter Breite erhielten. Sobald der König gestorben war, mauerten sie das Zimmer in dem er zu schlafen pflegte zu, und ließen darin alles Gold und Silber welches es enthielt zurück. Sie achteten diesen Ort für heilig und deßhalb sollte ihn niemand mehr betreten. Gleiches thaten sie in allen königlichen Gebäuden, wo der Inca wenn auch nur eine Nacht geschlafen hatte. Sie bauten dann für den Nachfolger ein neues Hauptgebäude. Der Inca wurde mit allen goldenen und silbernen Geschirren seiner Tafel und Küche bestattet, außerdem begruben sie mit ihm seine Kleider, seine reichsten Juwelen und das Hausgeräth aller seiner Paläste. Alle übrigen Reichthümer aber bewahrte man mit großer Sorgfalt für den Thronfolger. Dazu gehörten die in den königlichen Palästen als Zeichen ihrer Größe und Herrlichkeit befindlichen goldenen Wannen, die Bäume und Thiere aus Gold und Silber u. s. w. – In dem Palaste des Inca befanden sich dieselben Hofbeamten, wie an den Häfen anderer Könige bis zu den untersten Dienern herab, wie Stubenfeger, Holzträger, Küchenleute u. s. w. Der einzige Unterschied zwischen den Dienern des Inca und denen anderer Könige bestand darin, daß die ersteren nicht besonders und immer fest geknüpft an die Person des Inca, sondern Bewohner der drei oder vier Hauptstädte des Reichs waren, denn diese Städte waren gezwungen taugliche und treue Leute für den Hof zu liefern. Diese Hofbeamten wurden stets gewechselt, manche alle Tage, andere jede Woche und wieder andere jeden Monat. Es galt dieß für jene Städte statt eines Tributes und sie mußten für die Beamten welche von ihnen gesendet wurden, haften; wenn einer von ihnen sein Amt nachlässig versah, wurden alle Bewohner der Stadt, aus welcher der Schuldige war, mehr oder weniger nach der Größe seines Fehltritts bestraft, und wenn er die königliche Majestät auch nur im geringsten verletzte, so wurde die ganze Stadt zerstört. Bemerkt zu werden verdient, daß auch die niedrigsten Aemter im Palaste des Königs sehr ehrenvoll waren, weil die welche sie bekleideten, sich dem König nahen durften, und weil man ihnen nicht allein die Wohnung des Königs, sondern dessen Person anvertraute, was sie für das größte Glück hielten das ihnen widerfahren konnte. Da der König öffentlich immer nur auf seiner Sänfte erschien, so mußten ihm zwei Provinzen die Leute liefern, welche diese auf den Schultern trugen. Die Bewohner dieser beiden Provinzen, schön gewachsene und starke Leute, übten sich bis zu ihrem zwanzigsten Jahre eine Sänfte ohne Schwanken zu tragen. Fiel ein Träger hin, so wurde er auf der Stelle von dem Großträger öffentlich auf schimpfliche Weise bestraft; ja ein spanischer Geschichtschreiber berichtet sogar, jeder der hinfiel sey zum Tode verurtheilt worden. An der Sänfte befanden sich stets 25 Träger. Unter den Beweisen welche die Incas von ihrer Größe gaben, war die Jagd keiner der geringsten. Zu einer gewissen Zeit des Jahrs ließ der Inca ein allgemeines Treibjagen (in der Landessprache Chacu genannt) anstellen. Es war in dem ganzen Reiche strenge verboten irgend ein Wild zu tödten, ausgenommen Rebhühner, Tauben u. dgl. Vögel, die für die Tafel der Statthalter bestimmt waren, und auch von diesen durfte man nur sehr wenige fangen und mußte dazu besondere Erlaubniß besitzen. Jede andere Jagd war den Unterthanen durchaus verboten, weil man die Besorgniß hegte, daß ein so großes Vergnügen sie zum Müßiggang und zur Vernachlässigung ihrer häuslichen Angelegenheiten verleiten möchte. Wenn der Inca eine allgemeine Jagd in irgend einer dazu sich eignenden Provinz öffentlich hatte ansagen lassen, so gab er Befehl daß 20-30.000 Indianer, jenachdem er es für den bestimmten Umfang nothwendig hielt, sich aufs offene Feld begaben. Diese zerstreuten sich nach allen Seiten, bildeten einen Kreis von 20-30 Stunden und stießen ein so furchtbares Geschrei aus, daß sie alles Wild welchem sie nahe kamen aufscheuchten und nach den Stellen hintrieben, wo die Zusammenkunft der Jäger bestimmt war; die Reihen waren dabei so enge geschlossen daß auch nicht ein Thier entweichen konnte und sich das Wild ohne Widerstand fangen ließ. Bei diesen Jagden reinigten sie das Land zugleich von reißenden Thieren, wie Löwen, Bären, Füchsen, Luchsen u. s. w. die der Jagd große Nachtheile brachten. Man fing bei einer einzigen Jagd auf diese Weise bis an 40.000 Stück Wild, nämlich: Rehe, Damhirsche, Gemsen u. dgl., Rothwild mit großen rauhen Haaren; besonders aber schätzte man die wilden Ziegen, Vicuñas genannt, deren Haar ungemein fein und zart ist. Die Jäger fingen alle diese Thiere mit den Händen, und tödteten nur die ältesten unter ihnen; die Weibchen der Damhirsche, die Rehe, die Gemsen u. a., die weder nutzbare Haare noch nutzbare Wolle trugen, ließen sie wieder laufen; ebenso gaben sie den kräftigsten und schönsten Männchen die Freiheit wieder, damit die Gefilde durch sie bevölkert würden; die übrigen wurden getödtet und dann die ganze Jagdbeute vertheilt. Auch von den wilden Ziegen tödteten sie nur sehr wenige; sie ließen dieselben wieder los, nachdem sie ihnen die Haare abgeschnitten hatten, die der feinsten Wolle gleich kamen. Sie führten über all diese wilden Thiere Register nach den einzelnen Gattungen, so daß sie den Wildbestand stets genau kannten. Die Wolle und Haare des größeren Wildes, Huanacus genannt, wurden dem Volke überlassen, die Haare der wilden Ziegen aber dem König zugestellt, der sie dann unter die Prinzen von Geblüt vertheilte, denen allein das Recht zustand Gebrauch davon zu machen. Auch das Fleisch wurde unter das Volk vertheilt. In jeder Provinz fand alle vier Jahre eine solche allgemeine Jagd statt; damit sie aber jährlich möglich war, wurden die Provinzen in bestimmte Reihenfolge eingetheilt, und auf diese Weise konnte man jährlich eine Jagd in einem District anstellen, der drei Jahre davon frei gewesen war. Die Peruaner besaßen so wenig Vieh, daß sie fast kein Fleisch zu essen bekamen wenn die Statthalter ihnen nicht solches schenkten, oder wenn sie nicht einige Kaninchen schlachteten die sie in ihren Häusern zogen. Der Inca ließ um diesem allgemeinen Mangel abzuhelfen die Jagden anstellen; das Fleisch wurde wie schon erwähnt unter das Volk vertheilt, und so zugerichtet daß es sich bis zur nächsten Jagd hielt. Die Leichenceremonien, welche die Indianer wenn ein Inca gestorben war beobachteten, waren von langer Dauer und sehr feierlich; sie balsamirten, wie schon angeführt wurde, seinen Leichnam so künstlich ein, daß er zu leben schien und jeder Verwesung widerstand. Alle Eingeweide wurden in einem Tempel, in der Stadt Tampu, ungefähr 5 Stunden von Cuzco beigesetzt. Seine Diener und Weiber die er am meisten geliebt hatte, weihten sich dem Tode und ließen sich mit ihm lebendig begraben, indem sie sagten, es sey ihr heißester Wunsch dem König ihrem Herrn in der andern Welt zu dienen. Denn so viel Aberglaube auch unter den Indianern herrschte, so glaubten sie doch fest an die Unsterblichkeit der Seele. – Sobald der Leichnam des Königs einbalsamirt war, stellten sie ihn vor dem Bild der Sonne im Tempel zu Cuzco auf und brachten ihm verschiedene Opfer wie einem Gotte dar. Der erste Monat nach des Königs Tod wurde der Trauer geweiht, denn die Bewohner der Stadt beweinten ihren verstorbenen Gebieter Tag für Tag, versammelten sich auf dem öffentlichen Platze und trugen seine Insignien, sein Banner, seine Waffen, Kleider und alles was mit ihm ins Grab gelegt werden sollte, vor sich her. Unter ihre Thränen und Klagen mischten sie eine Darstellung der Siege die er gewonnen, seiner denkwürdigen Thaten und alles guten was er dem Lande erzeigt hatte. Nach Ablauf des ersten Trauermonates wiederholten sie die Trauer alle 14 Tage während des ersten Jahrs, zur Zeit der Conjunction des Mondes; die letzte Trauerfeier begingen sie am Ende des Jahrs mit allem nur möglichen Pompe und unendlichen Wehklagen. Zu diesem Zweck hatte man Männer und Weiber, die Weinenden genannt, welche in traurigem Tone die Thaten und Tugenden des Verstorbenen besangen. Alle Bewohner der Stadt Cuzco bis zu den niedrigsten herab nahmen Theil an der Trauer. Gleiches fand in allen Provinzen des Reiches statt, jeder Unterthan bewies alle nur möglichen Merkmale des Schmerzes, welchen er über den Tod seines Beherrschers empfand. Man hielt alle Orte wo der verstorbene König einmal geweilt hatte in hoher Ehre; besuchte diese, bewies ihnen auf alle mögliche Weise seine Achtung und machte dort die Gnaden und Wohlthaten, die man von dem Dahingeschiedenen empfangen hatte, namhaft. Von der Vermauerung aller Gemächer wo der König einmal geschlafen, haben wir schon gesprochen. 7. Wehrhaftmachung der jungen Incas; Hofsprache. Eine sehr merkwürdige Feierlichkeit bei den Indianern ist die sogenannte Wehrhaftmachung (Huaracu), oder wie wir sie mit einem mittelalterlichen Ausdruck benennen möchten, der Ritterschlag der jungen Incas. Die Absicht dabei war den jungen Prinzen von königl. Geblüte ein Zeichen zu verleihen, wodurch man sie zu dem Militär- und Civildienst für fähig erklärte. Der Tag an welchem der Ritterschlag statt fand, war für das niedere Volk ein hohes Fest. Auch war dieser Tag nicht weniger ehrenvoll für die welche man zur Prüfung, die alle welche den Ritterschlag verlangten zu bestehen hatten, bestimmte, als für die jungen und alten Incas selbst, denn jenachdem die edeln Jünglinge gut oder schlecht bestanden, gereichte das Resultat ihren Verwandten zur Ehre oder zur Schande. Am meisten richtete man sein Augenmerk auf die jungen Leute aus der Familie des Königs, besonders auf die rechtmäßigen Prinzen aus königlichem Geblüte. Alle zwei Jahre fand eine solche militärische Prüfung der jungen Incas allein statt, denn die anderen, so große Herren auch ihre Väter waren, wurden zu dieser Zeit nicht zugelassen. Der zu Prüfende mußte 15 Jahre alt seyn. Alle welche sich zur Prüfung meldeten, wurden in ein eigenes zu diesem Zweck in dem Stadtviertel, welches Collcampato hieß, errichtetes Gebäude geführt, um darin ihre Uebungen zu machen. In diesem Gebäude befanden sich mehrere alte Incas, ehrwürdige Greise, die wegen ihrer Erfahrung in Kriegs- und Friedensangelegenheiten als Lehrer dieser Neulinge und um sie in verschiedenen Dingen zu prüfen, gewählt wurden. Die Jünglinge mußten sechs Tage mit großer Strenge fasten; jeder erhielt des Tages nur eine Handvoll rohes Cara (Korn) und ein Glas Wasser ohne Salz oder Ucha, wie man den indianischen Pfeffer nennt. Es geschah dieß um zu erfahren, ob sie im Stande wären Hunger, Durst und die Mühseligkeiten des Kriegs zu ertragen. Dabei fasteten, wenn auch nicht so strenge, ihre Eltern und flehten zusammen die Sonne, von welcher sie alle abstammten, an, sie möge ihren Kindern Muth und Kraft verleihen, auf daß sie diese Prüfungen mit Ehren bestehen möchten. Befanden sich unter den Prüflingen solche die keinen starken Körperbau hatten oder den Hunger nicht ertragen konnten und Speise verlangten, so wurden sie auf der Stelle von den alten Lehrern als des Ranges, nach dem sie strebten, unwürdig ausgewiesen. Hatten sie die Fastenzeit muthig überstanden, so erhielten sie etwas mehr Speise als gewöhnlich, damit sie nicht zu schwach würden. Dann wurde die Gewandtheit und die Kraft ihres Körpers geprüft; sie mußten von dem heiligen Hügel Huanacauri bis zur Festung der Stadt, das heißt anderthalb Meilen weit laufen; am Ende dieser Laufbahn war eine kleine Fahne aufgesteckt, und wer zuerst daselbst ankam, wurde zum Anführer aller übrigen erwählt. Wer außer Athem kam und die Bahn nicht durchlaufen konnte, wurde abgewiesen und als untauglich erklärt. Die Väter und Verwandten standen längs der Rennbahn und sprachen ihren Söhnen Muth zu, indem sie ihnen die Schande und die Ehre vorstellten, die ihrer in dem einen oder andern Falle harre; sie ermahnten sie lieber todt niederzustürzen als den Lauf unvollendet zu lassen. Nach dieser Uebung trennte man sie am folgenden Tage in zwei gleich große Gruppen; die eine Hälfte mußte ein Fort vertheidigen, die andere es angreifen; am nächsten Tage wurden die Rollen gewechselt, die Angreifenden vom vorigen Tage wurden in die Festung gestellt, die Vertheidiger dagegen mußten die Veste nun ihrerseits angreifen. Sie hatten ferner eine Menge anderer körperlichen Uebungen zu bestehen, bis man beurtheilen konnte, ob sie in Zukunft so viel Muth und Kraft besitzen würden, als zur Eroberung oder Vertheidigung einer Veste erforderlich sey. Obgleich sie zu diesem Kampfe nur stumpfe Waffen erhielten, so handhabten sie dieselben doch so ernstlich, daß stets mehrere verwundet, bisweilen sogar getödtet wurden. Nach dieser Uebung folgte der Einzelkampf, in welcher die welche dem Alter nach sich am meisten gleich waren, gegeneinander stritten; außerdem mußten sie Proben im Springen, im Steinschleudern, Speerwerfen und Bogenschießen ablegen; kurz sie mußten ihre Geschicklichkeit in Handhabung jeder Waffe die man im Kriege trug, darthun. Ferner wurden sie zehn bis zwölf Nächte nacheinander auf Wache gestellt, und man rief sie zu ungewissen Stunden an, um zu sehen ob sie wachten und der Gewalt des Schlafs zu widerstehen vermochten. Wurde einer schlafend angetroffen, so machten ihm die Lehrer die strengsten Vorwürfe mit den Worten, er sey kein Mann, sondern ein Kind und mithin unwürdig mit einer Stelle im Heer bekleidet zu werden. Sie bestraften den der einen Fehler beging, nicht allein mit Worten, sondern auch mit Schlägen. Denn um die Standhaftigkeit der Jünglinge zu erproben, gaben sie ihnen häufig mit einer Gerte Hiebe auf die Schenkel und Arme, welche die Indianer nackt trugen. Wenn sie in den Mienen oder durch Zucken der Arme oder Beine Schmerz verriethen, wurden sie auf der Stelle fortgeschickt, mit dem Bedeuten daß der, welcher diese schwachen Gertenhiebe nicht zu ertragen vermöge, gewiß härtere Schläge wie die der Waffen nicht aushalten würde. Schon wer die Schläge nicht mit der ruhigsten Gleichgültigkeit ertrug, wurde für weibisch gehalten. – Bisweilen wurden sie auf einen öffentlichen Platz geführt, wo ein Fechtmeister bald mit einer Streitaxt (Macana) in der Hand, bald mit einer Lanze (Chuqui) auf sie losging und ihnen die Spitze der Lanze vor die Augen hielt, gleichsam als wollte er sie ihnen ausstechen, oder er that als wolle er ihnen einen Arm oder ein Bein abhauen. Waren sie so unglücklich das geringste Zeichen von Furcht zu verrathen, indem sie mit den Augen zuckten oder den Arm oder das Bein zurückzogen, so hatten sie nicht bestanden, und man sagte ihnen, es sey nicht möglich daß jemand der durch die Waffen seiner Freunde erschreckt würde, obgleich er sicher sey daß er von ihnen nicht berührt würde, nicht vor den Waffen der Feinde in Angst geriethe. – Ferner war es nothwendig daß sie alle Angriffswaffen, deren man sich im Kriege bediente, oder wenigstens die gewöhnlichsten zu fertigen verstanden, wie Bogen, Pfeile, Streitäxte, Speere, Lanzen und Schleudern. Der Schild (Huallcanca) war ihre einzige Vertheidigungswaffe. Außerdem mußten sie sich ihre Fußbekleidung oder ihre Schuhe aus Leder, Binsen oder Hanf verfertigen können. Diese Schuhe hießen Usata und glichen Sandalen. Während der Prüfungen, welche die jungen Incas vor ihrer Aufnahme unter die Wehrhaften zu bestehen hatten, verging kein Tag an welchem die Prüfungsbeamten sie nicht in einer Rede zur Tugend und zur Verrichtung guter Handlungen ermahnten. Sie erinnerten sie an die Würde ihres Geschlechtes, das von der Sonne seinen Ursprung habe, und an die herrlichen Thaten der Könige, ihrer Vorfahren, und anderer großen Männer die von ihnen abstammten. Sie stellten ihnen dann die hochherzigen Anstrengungen vor, die sie im Kampfe zur Vergrößerung des Reiches zu bestehen haben würden; die Geduld die sie bei den Mühseligkeiten beweisen müßten, um Proben ihres Muthes abzulegen; die Frömmigkeit, Sanftmuth und die Mildthätigkeit gegen Arme; die Unbestechlichkeit die nöthig sey, damit die Unschuld nicht unterdrückt würde; die Freigebigkeit die sie gegen alle Söhne der Sonne auszuüben hätten; kurz sie predigten ihnen die meisten Lehren der Moral und alles was Männer die sich der Abstammung von der Sonne rühmten, zu thun sich verpflichtet fühlen sollten. Dabei mußten sie auf dem nackten Boden schlafen und barfuß umhergehen. – Diese Prüfung mußte auch der erstgeborne rechtmäßige Thronfolger, wenn er das gehörige Alter erreicht hatte, bestehen und zwar mit gleicher Strenge wie die andern Jünglinge; der einzige Vorzug den er vor den übrigen genoß, war daß der welcher auf der Rennbahn die Fahne errungen hatte, sie zuerst dem Königssohne überreichte zum Zeichen daß sie ihm als dem Erben des Reiches gehöre; doch in allen übrigen Proben war er den geringsten Prüflingen nicht nur völlig gleichgestellt, sondern wurde von den Prüfern noch strenger als diese behandelt, weil es natürlich sey daß er als der einstige König die andern an Tugend und Würde übertreffen müsse; er dürfe keinem an Standhaftigkeit im Unglück und an Mäßigung im Glück nachstehen; er müsse der wachsamste und thätigste im ganzen Königreiche, besonders im Kriege seyn u. s. w. Alle diese Eigenschaften, sagten sie, gäben ihm mehr Recht auf die Krone, als seine Legitimität und seine Erstgeburt. Während der ganzen Prüfungszeit, die von einem Neumonde bis zum andern dauerte, war der Prinz in elende Lumpen gehüllt, in denen er zugleich so oft es nöthig war, öffentlich erschien. Man kleidete ihn auf solche Weise, damit er sich in seiner Stellung nie vergesse und niemals die Armen verachte, sich erinnernd daß er auch einmal so schlechte Kleidung wie sie getragen habe, und damit er sich ihrer väterlich annehme und sie liebe. – Nach der Prüfung wurden die Ehrenzeichen und der Name eines wahren Inca und Sohnes der Sonne allen verliehen, die sich derselben würdig gezeigt hatten; zu gleicher Zeit eilten die Schwestern und Mütter zu den Wehrhaftgemachten und zogen ihnen Schuhe aus Binsen an, zum Zeichen daß sie die strenge Prüfung für alle militärischen Würden bestanden hatten. Sobald diese Feierlichkeit beendet war, gaben sie dem König davon Nachricht, der sogleich von den ältesten seines Stammes begleitet sich an Ort und Stelle verfügte. Die jungen Krieger warfen sich vor ihm zur Erde und er hielt eine kurze Rede an sie, worin er ihnen auseinandersetzte, daß es nicht genüge die Ehrenzeichen und den Schmuck der Ritter vom königlichen Geblüt zu besitzen, sondern daß man von ihnen auch eine nützliche Anwendung machen und die Tugenden ausüben müsse, welche ihre Vorgänger ausgeübt hatten; insbesondere müßten sie gegen die Armen Gerechtigkeit üben, den Unglücklichen beistehen und durch ihre Handlungen beweisen daß sie Söhne der Sonne seyen. Nachdem der König seine Rede geendet hatte, näherten sich ihm die Geprüften einer nach dem andern, warfen sich vor ihm auf die Knie und empfingen von seiner Hand das erste und hauptsächlichste Zeichen der Ehre und der königlichen Würde. Der Inca durchbohrte ihnen nämlich die Ohren an der Stelle an welcher man die Ringe trägt mit großen Nadeln die er darin stecken ließ, damit sie allmählich das Loch bis zu einer fast unglaublichen Größe erweitern konnten. Der neue Ritter küßte als Zeichen der Dankbarkeit für die empfangene Gnade dem Inca die Hand. Dann ging er an ihm vorüber und warf sich vor einem andern Inca, welcher der Oheim oder der Bruder des Königs war und der den zweiten Rang nach diesem einnahm, nieder. Dieser zog dem Ritter zum Beweis, daß er die Prüfung bestanden habe, die Schuhe von Binsen aus, und gab ihm dafür schönere, aus Wolle verfertigte, wie der König und die übrigen Incas sie trugen. Sobald der Inca ihm diese Schuhe angezogen hatte, küßte er ihn auf die rechte Schulter und sprach zu ihm, um ihn zu tugendhaften Handlungen anzufeuern, die Worte: »der Sohn der Sonne, der so schöne Proben seiner Tugend abgelegt hat, ist der Anbetung (des Kusses) würdig.« Nun trat der neue Ritter in ein reich verziertes Gemach, in welchem die andern ältesten Incas ihm eine Schärpe übergaben, die sie nicht eher tragen durften, als wenn sie das männliche Alter erreicht hatten. Die Schärpe war aus einer Art Baumwollenzeug verfertigt und glich einer Decke mit drei Zipfeln; an zweien dieser Zipfel war eine fingerbreite Schnur angenäht, die als Gürtel diente, so daß ein Theil des Tuches die Schamglieder verhüllte, während der dritte Zipfel zwischen den Schenkeln durchgezogen und hinten an dem Gürtel befestigt wurde und also eine Art Hosen bildete, um wenn sie ihre Kleider ablegten anständig zu erscheinen. Es war diese Schärpe gleichfalls eines der großen Ehrenzeichen. Sie hieß Huara und von ihr führte die ganze Feierlichkeit den Namen Huaraca. Die Schuhe aber gab man mehr der Bequemlichkeit wegen, weil die Jünglinge ermüdet waren, und sie galten nicht als ein besonderes Zeichen der Würde. – Außer den genannten Ehrenzeichen bekränzten sie den neuen Ritter mit zwei Arten von Blumen: die eine Art hieß Cantut; sie waren sehr schön und es gab deren gelbe, rothe und schwarze; die andere Blume führte den Namen Chihuaghua, sie war roth und den Nelken ähnlich. Gewöhnliche Leute, ja selbst nicht einmal die Curacas (Statthalter), so vornehme Herren sie auch waren, durften diese Blumen tragen, indem dieses nur den Incas vom königlichen Stamme gestattet war. Außerdem schmückten sie das Haupt des Ritters mit einer gewissen Pflanze, dem Epheu ähnlich, die man Viñay Huayna, das heißt immer jung, nannte, weil sie lange Zeit grün bleibt, und diese Farbe selbst wenn sie auch vertrocknet ist, nicht verliert. Mit denselben Blumen und derselben Pflanze wurde das Haupt des Prinzen geschmückt, der keine weitere Auszeichnung erhielt, mit Ausnahme der Binde, die von einer Schläfe zur andern reichte und ungefähr vier Finger lang war. Das letzte Merkmal der Ehre das man dem Prinzen gab, war ein ellenlanger Speer und eine Streitaxt (Champi), deren Obertheil auf der einen Seite einem breiten Messer, auf der andern ungefähr einer Hellebarde glich. Wenn man ihm diese Waffen in die Hand gab, sprach man das Wort Aucacyuapac aus, das ungefähr bedeutete: »man gibt dir diese Waffen, damit du dich deren bedienest um die Tyrannen, die Verräther, die Grausamen, die Müßiggänger und die andern die Gesellschaft beunruhigenden Bösewichter zu züchtigen.« Der Strauß wohlriechender Blumen galt als Sinnbild der Milde, Sanftmuth und Frömmigkeit; so wie nämlich die Sonne, ihr Vater, die Blumen auf dem Felde den Menschen zum Vergnügen wachsen ließe, eben so solle der Prinz glänzende und tugendhafte Handlungen ausüben, damit jeder ihn in Wahrheit den Freund der Armen nennen könne und sein Ruhm in der Welt unsterblich sey. Wenn die Greise auf diese Art die neuen Ritter unterrichtet und dem jungen Prinzen in Gegenwart seines Vaters alle Lehren ertheilt hatten, warfen sich die Oheime, die Brüder und alle übrigen Personen aus königlichem Geblüte vor ihm auf die Knie und beteten ihn an, gleichsam als hätten sie ihn durch die stattgefundene Feierlichkeit zum rechtmäßigen Erben und Nachfolger des Reichs erklärt; sie überreichten ihm dann die rothe Binde (das Diadem) und die Ceremonien des Ritterschlages waren damit beendet. Die Incas sprachen außer der indianischen Landessprache eine ganz eigene, die sie allein unter sich redeten und die von den übrigen Indianern nicht verstanden wurde; den letztern war es sogar verboten diese Sprache zu erlernen, weil man sie für göttlich hielt. Als eigentliche Landes- und Hofsprache galt aber der Dialekt von Cuzco, welchen alle die am Hofe sich aufzuhalten gezwungen waren, verstehen mußten. Zur weitern Verbreitung dieser allgemeinen Landessprache hatten die Incas eine große Zahl von Lehrern angestellt, weil anfänglich jede der das Reich bildenden Provinzen ihre eigenthümliche Sprache oder ihren eigenen Dialekt hatte. Die Incas sahen den Nutzen einer solchen allgemeinen Sprache sehr wohl ein. Sie hatten auch Befehl erlassen daß die Erben oder Söhne der Häuptlinge am Hofe erzogen werden und so lange daselbst bleiben wußten, bis sie durch den Tod ihrer Väter zum Besitz, ihrer Länder gelangten. Der Grund dieses Gesetzes war daß sie sich daselbst ausbilden und die Lebensweise der Incas kennen lernen sollten. Sie wurden von diesen mit vieler Milde behandelt, damit sie ihnen in Liebe und Anhänglichkeit desto treuer in Zukunft dienten und sie die Erinnerung an die empfangenen Wohlthaten in ihrer Pflichterfüllung erhielten. Sie führten den Ehrennamen Mitmac (Gäste, Fremde), weil ihre Heimath in andern Provinzen war. Eine andere Absicht der Incas dabei war, ihrem Hof allen nur möglichen Glanz durch die Anwesenheit der jungen Häuptlinge aus so vielen Staaten und Provinzen ihres großen Reiches zu verleihen. Der Aufenthalt am Hof gab auch vielen Gelegenheit die allgemeine Landessprache zu erlernen; denn so oft die Leute dieser Junker an den Hof kamen, um ihre Herren zu bedienen, erlernten sie diese Sprache; die Diener wechselten wie oben angeführt wurde häufig, und wenn sie nun nach Hause in den Kreis ihrer Verwandten zurückkehrten, rühmten sie sich dieser Sprache und erweckten bei andern die Lust zu deren Erlernung. In der That war die Kenntniß dieser Sprache schon von großem Nutzen, weil sie mit den Statthaltern und Justizbeamten vermittelst derselben sich besser verständigen konnten. Doch die Incas hatten nicht allein die Absicht, ihrem Hof durch die Anwesenheit so vieler Prinzen Glanz zu verleihen, sondern sie glaubten auch durch dieses Mittel am besten ihre Herrschaft befestigen und Aufständen vorbeugen zu können; denn da das Reich so ausgedehnt war, daß manche sehr kriegerische Provinzen 600 Stunden von dem Hofe entfernt lagen, so befürchteten sie daß diese weite Entfernung und der wilde Sinn dieser Völkerschaften sie zur Abschüttelung ihres Joches verleiten möchte. Man beugte dieser Gefahr dadurch vor daß man die jungen Häuptlinge, selbst wenn der Inca seine Residenz verließ, am Hofe behielt, gleichsam als Bürgen der Ruhe Ihrer Provinzen. Diese verfehlten ihrerseits nicht ihren Vätern von allen Gnaden, die sie von dem Inca empfingen, Nachricht zu geben, besonders sendeten sie die Geschenke die ihnen der Inca mit seinen eigenen Kleidern machte, nach Haus, indem man ein solches Geschenk als die höchste Gunstbezeugung ansah. Durch alle diese Wohlthaten wurden die hohen Vasallen bewogen dem Inca treu zu bleiben. Vermöge dieser und ähnlicher Vorsichtsmaaßregeln, verbunden mit der genauesten Beobachtung der Gerechtigkeit, wußten die Incas in ihrem Reiche so große Ruhe zu erhalten, daß fast nie eine Bewegung oder gar ein Aufruhr ausbrach, solange sie das Scepter führten. 8. Beschreibung der Hauptstadt Cuzco; ihre Viertel, Plätze und Paläste. Die Festung. Die Hauptstadt des Reiches und Residenz der Incas war Cuzco. Der erste Inca, Manco Capac, gründete sie in dem gleichnamigen Thale, welches außer seiner günstigen Lage noch verschiedene andere Vortheile darbot; es war breit und von allen Seiten von hohen Bergen eingeschlossen, von denen vier Bäche zur Bewässerung desselben niederströmten; außerdem sprudelte in ihm eine Quelle, aus welcher Salz gewonnen wurde; dabei war es sehr fruchtbar und lag unter einem trefflichen Himmelsstriche, eher kühl als warm, jedoch nicht in solchem Grade daß die Bewohner gezwungen geworden wären sich durch künstliche Mittel zu erwärmen; sie brauchten kein Feuer, und es war schon hinreichend wenn sie sich nur in einem Zimmer das der freien Luft nicht preisgegeben war aufhielten; auch konnten sie im Sommer wie im Winter in derselben Kleidung ausgehen und unter denselben Decken des Nachts schlafen. Das Klima ist mithin das ganze Jahr hindurch gemäßigt, dabei aber so trocken, daß selbst das Fleisch nur sehr wenig der Fäulniß ausgesetzt ist. Wenn man zum Beispiel ein Stück Fleisch in ein Zimmer legt dessen Fenster geöffnet sind, so hält es sich wohl 100 Tage und wird dabei so dürr wie geräucherter Schinken. Auch ist jene Gegend ziemlich von Ungeziefer frei, man sieht daselbst zwar einige Muskitos, aber sie halten sich nur in der Sonne auf und ziehen sich nicht in die Wohnungen. Wespen und andere schädliche Insecten trifft man nicht an. Die ersten Häuser der Stadt Cuzco wurden am Fuße des Hügels Sacsahuaman, der zwischen dem östlichen und nördlichen Theile der Stadt liegt, erbaut. Die Nachfolger Manco Capac's gründeten später auf dem Gipfel dieses Berges die stolze Festung, die von den Spaniern, sobald sie dieselbe eingenommen hatten, zerstört wurde. Die Stadt bestand aus zwei Haupttheilen, die durch eine nach Osten sich hinziehende Straße, welche den Namen Antisuyu führte, getrennt wurden; der nördliche Theil hieß Hanam-Cuzco (Hoch-Cuzco), der südliche Hurin-Cuzco (Nieder-Cuzco) und das Hauptviertel der Stadt Collcampata. In diesem Stadtviertel hatte Manco Capac den königlichen Palast erbauen lassen, welchen später der Inca Paullu, Huyana Capac's Sohn, erweiterte und verschönerte. Nach Osten hin kam man in das Viertel Cantutpata oder Nelkenhalle, so genannt von dem Worte Cantut, eine Blume die der Nelke gleicht. Weiterhin gelangt man zu dem Viertel Pumacurcu (Löwenbalken), so genannt weil hier die Löwen, bevor man sie dem Inca zeigte und zu dessen Dienst verwendete, angebunden wurden um sie einigermaßen zu zähmen und an den Anblick der Menschen zu gewöhnen. An dieses Viertel schloß sich ein anderes großes Viertel, welches Tococachi (Fenstersalz) hieß – eine Benennung deren Bedeutung den Spaniern unbekannt blieb. In diesem Viertel wurde später das erste Franciscanerkloster erbaut. Beugte man von hier etwas nach Süden ab, so kam man in das Viertel Munaycenca (Naselieb). Auf dieses folgte nach Süden hin das sehr große Viertel Rimacpampa (Redeplatz), weil auf ihm die Incas ihre Befehle bekannt machen ließen. Von hier kam man in ein ebenfalls im südlichen Theile der Stadt gelegenes Viertel, Pumapchapan (Löwenschweif) genannt, weil es zwischen zwei sich an seinem Ende vereinigenden Bächen in eine lange einem Schweife ähnliche Spitze auslief, und man daselbst die Löwen und andere wilde Thiere fütterte. Es war das äußerste Viertel der Stadt und ziemlich weit von ihm lag nach Westen eine Vorstadt von mehr als 300 Wohnungen, welche Cayaucachi hieß und von den letzten Häusern der Stadt über 1000 Schritte entfernt war. Tausend Schritte weiter westlich von der Stadt fand man das Viertel Chaquillchaca, von wo aus die große Heerstraße nach Cuntisuyu führte. Ganz in der Nähe dieser Straße sind zwei unter der Erde angelegte Wasserleitungen, die der Stadt ein herrliches Wasser zuführen; dieß Werk ist sehr alt und der Ursprung der Quelle unbekannt. Die Indianer nennen diese Aquäducte Collquemachachuay (Silberschlangen) wegen der Aehnlichkeit ihres Wassers mit dem Silber und der schlangenförmigen Windung der Aquäducte selbst. Geht man in derselben Richtung nach Nordwesten hin, so kommt man zu einem andern Viertel, Pichu genannt, das ebenfalls außerhalb der Stadt liegt, und dann in das Viertel Quillipatu. Weiterhin nördlich von der Stadt auf derselben Umfangslinie liegt das große Viertel Carmenca, durch welches die große, nach Chinchayu führende Straße zieht. Von hier aus immer in derselben Entfernung kommt man nach Osten hin in das Viertel, welches Huacapuncu (Heiligthumsthor) heißt, weil man von hier aus in den Sonnentempel gelangte; es stößt an das Viertel Collcampata, mit dem wir die Beschreibung begonnen haben. Die Incas ordneten die Viertel der Stadt nach den vier Abteilungen ihres Reiches, die sie Tahuantinsuyu nannten. – Manco Capac erließ den Befehl, daß die Wilden, die er sich unterworfen hatte, ihre Wohnungen in Cuzco, den Gegenden aus welchen sie gekommen waren, entsprechend nehmen sollten, so daß die des Ostens im Osten der Stadt, die aus Westen im Westen und so auch die übrigen wohnten. Auf diese Weise lagen in merkwürdiger Regelmäßigkeit die Häuser der ersten Unterthanen alle nach innen in einem Kreise, und je nachdem man neue Völker unterjochte, mußten sie nach der Lage der Provinzen, aus welchen sie stammten, ihre Häuser an die Stadt Cuzco nach außen anbauen. Die Curacas ließen ebenfalls sich Wohnungen erbauen um sich, wenn sie an den Hof gingen, darin aufzuhalten; jeder beobachtete dabei die Bauart seiner Provinz und zwar so genau in allen Verhältnissen, daß man bei Betrachtung der Viertel, Plätze und Häuser so vieler Nationen den ganzen Bestand dieses großen Reiches wie in einem Spiegel oder auf einer Karte erblickte. Der Geschichtschreiber Pedro de Cieça sagt deßhalb auch: »Obgleich die Stadt Cuzco mit Fremden und Leuten von verschiedenen Völkerschaften, nämlich mit Indianern aus Chili und Pasto, mit Cañaren, Chachapoias, Guancas, Collas und vielen andern Stämmen bevölkert wurde, so war es doch leicht sie zu unterscheiden wegen der trefflichen Ordnung die von ihnen beobachtet wurde. Denn jeder Stamm schlug seine Wohnsitze an der Stelle auf, die ihm von den Statthaltern als ihr Viertel angewiesen wurde. Sie behielten auch ganz und gar die Lebensweise ihrer Voreltern bei und waren nach der Tracht ihres Landes gekleidet, so daß, wenn ihrer hunderttausend beisammen gewesen wären, man sie leicht an dem Abzeichen, welches sie an dem Kopfe trugen, hätte unterscheiden können. Dieses Abzeichen bestand in dem Haarschnitt, der bei jedem Stamme nach der Sitte seines Landes verschieden war. Man hat diesen keineswegs als eine Erfindung der Incas zu betrachten, sondern die Könige hatten diese Gewohnheit nur bestätigt, damit die Stämme, die von Pasto bis Chili auf einer Ausdehnung von 1300 Stunden wohnten, sich nicht vermischten. In diesen Fremdenvierteln wohnen keine Incas oder solche Leute die aus königlichem Geblüte stammten.« An das Viertel Huacapuncu schloß sich ein anderes an, dessen Namen mir entfallen ist, das man aber füglich das Schulviertel nennen konnte, denn hier befanden sich die von dem Inca Roca gestifteten Schulen. Die Indianer nannten diese Schulen Yacha Huaci (Lehrhäuser). In diesen Gebäuden waren öffentliche Lehrer angestellt, die sich in Amanta (Philosophen) und in Haravec (Dichter) theilten; sie standen in hoher Achtung und ertheilten insbesondere den Prinzen Unterricht. – Südlich von diesem Viertel folgten zwei andere, in denen zwei königliche Paläste standen; sie waren nach dem Hauptplatze Rimacpamba hin gerichtet, wo die Incas wohnten und nahmen dessen ganze Ausdehnung ein. Der östlich liegende Palast hieß Cozacora (Grasplatz) wegen des großen vor ihm liegenden Raumes, den die Incas hatten ebnen lassen. Hier gründete der Inca Roca einen seiner Paläste zu Gunsten der nahegelegenen Schulen, welche er oft besuchte um die Lehrer zu hören. Der andere königliche Palast westlich von Cozacora hieß Cassana (Ohnmachtmacher), durch welchen Namen man andeuten wollte, die Gebäulichkeiten dieses Palastes seyen so groß und schön, daß man sie nicht genau betrachten könne ohne vor Verwunderung in Ohnmacht zu fallen. – Der Hauptplatz der Stadt lag vor diesen Palästen und führte den Namen Haucaypata (Fest- und Vergnügungsplatz); er war 400 Fuß lang und 300 breit. Am südlichen Ende dieses Platzes standen zwei andere königliche Paläste. – In dem östlichen Theile des Viertels Amarucancha lag die Straße der Sonne und in der Mitte derselben das Haus der auserwählten, der Sonne geweihten Jungfrauen, welches den Namen Acllachuaci führte und von dem weiter unten die Rede seyn wird. Alle diese Stadtviertel und königlichen Paläste lagen östlich des kleinen Flusses, der mitten über den Hauptplatz der Stadt strömte. An den Seiten dieses Platzes hatten die Incas große bedeckte Gänge erbauen lassen, um in ihnen bei Regenwetter die hohen Feste an jedem Neumonde und zur Zeit der Sonnenwenden begehen zu können. Als die Indianer bei dem allgemeinen Aufstande gegen die Spanier die Stadt in Brand steckten, wurden die Hallen an den Vierteln Collcampata, Cassana und Amarucancha vom Feuer nicht ergriffen; in die Hallen der vier von den Spaniern bewohnten Viertel warfen sie aber eine solche Menge brennender Pfeile, daß die Flammen an zwanzig Orten zugleich aufschlugen. – Westlich von dem Bache oder kleinen Flusse lag ein Platz, den man Cusipata (Festhalle) nannte. Dieser und der jenseitige Platz bildeten zur Zeit der Incas nur einen einzigen großen Platz, indem der ganze Fluß an dieser Stelle mit einer Art Brücke aus dicken Balken bedeckt war. Später bauten die Spanier drei Bogendrücken darüber. Auf dieser Seite des Flusses hatten nach der Eroberung von Cuzco die vornehmsten spanischen Großen, die Generale und Beamten ihre Paläste und Wohnungen; es würde uns aber zu weit führen, wenn wir alle Paläste und Straßen dieser Seite aufzählen wollten. Ebenso übergehen wir die von den Spaniern in Cuzco errichteten Klöster und Hospitäler und führen bloß noch die Kathedrale an. Sie war zur Zeit der Incas eine Art Halle, ungemein schön und zu Festen bestimmt, wenn der Regen die Feier derselben unter freiem Himmel hinderte. Sie lag am Hauptplatze der Stadt. So prachtvoll und großartig auch die Paläste und öffentlichen Gebäude aufgeführt waren und deßhalb mit Recht Bewunderung erweckten, so war doch die Festung von Cuzco unstreitig das größte Meisterwerk der Indianer in der Baukunst. Wenn man sie betrachtete, fühlte man sich versucht zu glauben, sie sey eher durch Zauber oder von Dämonen als von Menschen zu Stande gebracht worden. Es befanden sich daselbst Steine von so riesenhafter Größe, daß man nicht begreifen kann, wie sie aus einer Entfernung von zehn bis fünfzehn Stunden auf steilen und fast ungangbaren Wegen herbeigebracht werden konnten. Man trifft daselbst eine Steinart, die nur in einer fünf Stunden von Cuzco entfernten Gegend zu finden ist und besonders einen Felsblock von den Indianern Saycussa (der müde, weil sie ihn nicht völlig hinaufbringen konnten, genannt), der von einem fünfzehn Stunden entlegenen Orte herbeigebracht worden war. Dabei mußten sie diese Felsblöcke über den Fluß Vucay herbeischaffen, der so breit wie der Guadalquivir bei Cordova ist. Zudem hatten sie kein Zugvieh und keine Wagen, so daß die Fortschaffung dieser schweren Massen nur durch Menschenkräfte geschehen konnte. Auch hatten sie kein Eisen und keinen Stahl um sie behauen und bearbeiten zu können; sie kannten weder Setzwage noch Winkelmaaß, noch Richtscheit, weder Kalk noch Mörtel, und doch sind alle Steine so gut zusammengefügt, daß man Mühe haben würde mit einer Messerspitze zwischen die Fugen einzudringen; endlich war ihnen der Gebrauch der Krahnen und anderer Maschinen unbekannt, die ihnen zur Hebung jener ungeheuren Steinmassen, deren Anblick Staunen erregt, hätten dienen können; sie zeigten Steine von unglaublicher Größe, unter andern einen der 38 Fuß lang, 18 breit und 2 Fuß dick war. Noch größere Steine befanden sich in der Festung Cuzco, und obgleich dieselben nicht nach dem Richtscheit sondern unregelmäßig gehauen waren, so paßten sie doch ohne allen Mörtel so gut zusammen, daß sie wie ineinander verwachsen schienen, diese Festung lag im Norden der Stadt auf dem hohen Hügel Sacsahuaman, der nach der Seite der Stadt hin sehr steil und uneinnehmbar ist. Sie war von drei halbmondförmigen Mauern umgeben, von denen jede 200 Klafter Länge hatte und sich an die eigentliche Stadtmauer anlehnte; sie bestanden ebenfalls aus ungeheuern Steinmassen, lagen eine hinter der andern, so daß eine über die andere hervorragte und jede hatte ein großes Thor, das ebenfalls durch einen großen Steinblock geschlossen wurde, den man wegnahm, so oft man aus der Festung heraus oder in sie hinein wollte; das erste Thor hieß Tiupunca (Sandthor), weil es auf einer Sandfläche lag; das zweite Acahuana Puncu, von Acahuana, dem Architekten, der es gebaut hatte; das dritte Viracocha Punca, nach dem Namen eines ihrer Götzen. Zwischen jeder Mauer war ein 25 bis 30 Schuh breiter Raum. War man durch diese drei großen Mauern hindurchgegangen, so gelangte man auf einen schmalen langen Platz, auf welchem drei Thürme im Dreieck standen. Der größte war der mittlere und hieß Moyoc Marca (die runde Beste), weil er rund war; hier befand sich ein Brunnen mit trefflichem Wasser, welches in unterirdischen Röhren der Festung zugeführt wurde; die Quelle dieses Wassers war allen unbekannt mit Ausnahme des Inca und seiner Reichsräthe, die den Ort durch Ueberlieferung wußten. Wenn die Könige die Festung besuchten, ruhten sie in diesem Thurme aus, in dem man eine große Pracht sah, denn die Wände waren mit Gold- und Silberplatten belegt und mit goldenen Figuren von Thieren, Pflanzen u. s. w. verziert; auch goldene und silberne Gefäße befanden sich zum Dienste des Königs darin, ganz so wie in den schon beschriebenen Palästen. Der zweite Thurm hieß Paucar Marca und der dritte Sacllac Marca. Beide waren viereckig und enthielten viele Zimmer für die Soldaten und die Wache. Die Soldaten, welche darin lagen, mußten aber aus der Kaste der Incas stammen, die Soldaten aus anderen Stämmen durften diese Thore nicht betreten, weil sie als Häuser der Sonne betrachtet wurden und man darin die Waffen und die Kriegsvorräthe aufbewahrte. Den Oberbefehl darin führte ein Hauptmann oder Gouverneur, der aus königlichem Geblüte seyn mußte, und die unter ihm stehenden Befehlshaber durften ebenfalls nur Incas seyn. Außerdem befanden sich noch Magazine darin, die reich mit allem was ein Heer bedarf, versehen waren. Unter den Thürmen lagen ebenfalls Zimmer, die mit sehr viel Umsicht angebracht waren und sowohl unter sich als mit den andern Thürmen durch unterirdische Gänge in Verbindung standen. Die Zimmer waren fast alle von gleicher Größe und bildeten eine Art von Labyrinth, aus welchem man sich nur mit Mühe herausfinden konnte. Selbst die welche die Windungen genau kannten, wagten sich nicht hinein ohne einen Garnknäuel, dessen Ende sie an der Thüre befestigten um sich nicht zu verirren. Die Zimmer und Gänge hatten flache Decken, denn die Indianer kannten die Kunst des Wölbens nicht; sie richteten starke Mauern auf und legten von der einen zur andern große Steine. Auf diese Weise schufen sie viele solcher unterirdischen Gänge. – Vier Incas bauten an dieser Festung; die Angabe des Planes schreibt man Huallpa Rimachi zu, die Incas Maricanchi, Acahuana und Calla Chunchay setzten das Werk fort und vollendeten es. – Zur Zeit des letztern brachte man vermöge einer wunderbaren Anstrengung, die jede menschliche Kraft zu übersteigen scheint, jenen furchtbaren Felsblock, den man den müden Stein nennt und der mitten auf einer Ebene vor der Festung liegt, herbei. Die Indianer erzählen von ihm die Sage, er sey aus so weiter Ferne bis zu dieser Stelle gebracht worden, daß er endlich müde geworden und Blut geweint habe, weil er, obschon bereits so nahe, doch nicht zu dem Bau der Festung verwendet werden konnte; dieser Stein ist nicht behauen sondern roh, wie man ihn ans dem Berge gebrochen hatte und bis über die Hälfte in den Boden eingesunken. Die Incas erklären diese Sage auf folgende Weise: es seyen nämlich zur Fortschaffung dieses Blockes mehr als 20.000 Indianer verwendet worden, welche ihn an starken Seilen fortschleiften; an dem Hügel hätte die eine Hälfte der Arbeiter, während die andere zog, von unten ihn gestützt; plötzlich hätten die Ziehenden den Stein nicht mehr halten können, er sey zurückgeschlagen und habe an 3 bis 4000 Indianer zerschmettert. – Die Spanier zerstörten die Festung und verwendeten die Steine zur Erbauung ihrer Wohnungen und Paläste in Cuzco. 9. Religion der Peruaner unter den Incas. Der Sonnentempel; seine Einrichtung. Priester. Das Sonnenfest. Gleichwie der Inca für göttlich und heilig gehalten und angebetet wurde, ebenso hielten die Indianer dessen Residenzstadt Cuzco für heilig. Man kann an vielen äußern Zeichen, die sie bei den unbedeutendsten mit der Stadt in Beziehung stehenden Dingen an den Tag legten, beurtheilen, wie groß ihre Ehrfurcht für dieselbe war. Wenn zwei Indianer, von denen der eine aus der Stadt kam und der andere dahin ging, sich auf einem Weg begegneten, so bewiesen sie sich mehr oder weniger Achtung, je nachdem sie entweder Eingeborene der Stadt oder bloß Bewohner derselben oder ihr näher oder ferner gelegen waren; gleiches beobachteten sie in Beziehung auf Pflanzen, Feldfrüchte und andere Dinge die aus der Stadt ausgeführt wurden; denn obgleich sie nicht besser waren als solche die anderswoher kamen, so maß man ihnen doch stets einen höhern Werth bei. – Die höchste Verehrung aber zollten sie dem Tempel der Sonne zu Cuzco, sie häuften in ihm eine unendliche Menge von Schätzen auf, indem stets jeder Inca seinen Vorgänger an kostbaren Geschenken zu überbieten suchte. – Die in ihm zusammengebrachten Reichthümer überstiegen allen menschlichen Glauben, so daß ein spanischer Schriftsteller sagt, er fürchte sich eine Beschreibung dieses Tempels zu liefern, obgleich alle Nachrichten, welche man darüber finde, vollkommen miteinander übereinstimmten. – Von der Größe des Tempels hat man keine genaue Kenntniß mehr, und die Beschreibung beschränkt sich deßhalb mehr auf dessen Einzelheiten. Der große Altar der Sonne stand gegen Osten, das Dach des Tempels war aus Holz zusammengefügt und mit Stroh bedeckt, denn die Ziegeln waren den Indianern unbekannt. Die vier Mauern waren von oben bis unten mit Gold bekleidet. Auf dem großen Altare erblickte man das Bild der Sonne aus massivem Golde gefertigt; sie hatte ein rundes mit Strahlen und Flammen umgebenes Antlitz, gerade so wie die Maler die Sonne darstellen, und war dabei so groß, daß sie beinahe von der einen Mauer bis zur andern reichte. Man sah nur diesen einen Götzen, denn die Indianer verehrten weder in diesem Tempel noch anderswo andere Götter; sie hatten nur einen einzigen Gott, die Sonne. Als die Spanier die Stadt eroberten, ging dieses Bild der Sonne durch die Spielsucht des spanischen Edelmanns Mancio Serra von Lequizano zu Grunde ; er setzte es nämlich in einer Nacht, weil seine Größe ihm hinderlich war, auf das Spiel und verlor so seinen Antheil an der Beute. Man kann schon hiernach beispielsweise die Schätze ermessen, welche die Eroberer in dem Tempel antrafen. Zu beiden Seiten der Sonne sah man die Leichname der verstorbenen Könige, alle nach der Ordnung ihres Alters nebeneinander gereiht und so künstlich einbalsamirt, daß sie zu leben schienen. Sie saßen auf goldenen Thronen, die auf goldenen Platten standen und schauten nach dem untern Theile des Tempels; nur der Inca Huayna Capac, das geliebteste der Kinder der Sonne, genoß vor den übrigen die Auszeichnung daß er gerade diesem glänzenden Himmelskörper gegenüber saß, weil er schon im Leben seiner hohen Tugenden wegen der Anbetung für würdig befunden worden war. Bei der Ankunft der Spanier wurden diese Leichname mit den meisten übrigen Schätzen so gut verborgen, daß man sie nie wieder alle auffinden konnte; nur fünf wurden im Jahre 1559 von dem Licentiaten Polo entdeckt, nämlich drei Könige und zwei Königinnen. – Der Sonnentempel hatte mehrere Thore, sie waren alle mit Goldplatten belegt, und außen lief um den ganzen Tempel an der Mauer ein Kranz von Gold eine Elle breit herum. Neben dem Tempel erblickte man einen kleinen als Eingang in den größeren dienenden mit vier Seitenhallen, an welchem oben eine Einfassung von feinem Golde ähnlich der ebengenannten angebracht war; um ihn herum standen fünf große Pavillons, die oben in Pyramidenform ausliefen. Der erste war zur Wohnung des Mondes, der Gemahlin der Sonne, bestimmt und lag dem Haupttempel am nächsten; die Wände und Thüren waren mit Silberplatten belegt um durch die weiße Farbe anzudeuten, es sey dieß die Wohnung des Mondes, dessen Gesicht im Innern auf einer großen Silberplatte ausgeprägt war; es glich dem Antlitze eines Weibes. Hier erfüllen die Indianer ihre Gelübde dem Monde, den sie für die Schwester und Gemahlin der Sonne sowie für die Mutter ihrer Incas hielten; sie nannten ihn deßhalb auch Mamaqullia (Mutter Mond), doch brachten sie ihm nicht wie der Sonne Opfer dar. Zu beiden Seiten des Bildes des Mondes erblickte man die Leichname der verstorbenen Königinnen nach ihrem Alter in einer Reihe stehend. Mama Oello, die Mutter des Huayna Capac, hatte allein das Gesicht gegen den Mond gekehrt; man gab ihr diesen Vorzug vor den übrigen, weil sie einen so tugendhaften Sohn geboren hatte. Der Wohnung der Mondes zunächst lag der Pavillon, welcher der Venus, den Pleiaden und den übrigen Sternen im allgemeinen geweiht war; man nannte die Venus Chasca (Langhaar), um damit anzudeuten daß dieser Stern lange und gekräuselte Haare habe; man verehrte ihn ganz besonders, denn man hielt ihn für den Pagen der Sonne, der, wie man sich ausdrückte, bald vor bald hinter ihr ginge. Auch den Pleiaden erwies man große Verehrung, wegen ihrer merkwürdigen Gruppirung und weil ihnen ein Stern dieser Gruppe so groß wie der andere vorkam. Alle übrigen Sterne betrachteten sie als Dienerinnen des Mondes; man wies ihnen deßhalb auch eine Wohnung neben ihrer Herrin an, damit sie dieselbe um so bequemer bedienen könnten, denn man glaubte die Sterne seyen am Himmel zum Dienste des Mondes und nicht der Sonne, weil man dieselben nur des Nachts und nicht am Tage erblickte. Dieses Gebäude war nebst seinem großen Portal, wie der Tempel des Mondes, gleichfalls mit Silber bedeckt. Sein Dach stellte den Himmel dar und daran prangten Sterne von verschiedener Größe. Das dritte Gebäude diesem zunächst war dem Blitz, dem Donner und dem Wetterstrahle geweiht, welche drei Erscheinungen man unter dem einzigen Ausdruck Illapa begriff. Man betrachtete sie nicht als Götter sondern als Diener der Sonne; ihre Wohnung war deßhalb auch mit Gold bekleidet; sie selbst aber hatte man weder in Statuen noch in Abbildungen dargestellt, weil sich die Indianer keine Personification jener Naturerscheinungen zu erdenken wußten. Sie hatten deßhalb auch weit mehr Furcht und Abscheu als Achtung vor ihnen. Traf der Blitzstrahl ein Haus, so durfte es Niemand mehr betreten und die Thüre ward vermauert; traf er das Feld, so wurde das getroffene Stück umzäunt, damit es nie wieder von einem Menschen berührt werden möge. Der vierte Pavillon war dem Regenbogen geheiligt, weil sie fanden daß er stets vor der Sonne herging; er zeichnete sich durch seinen Reichthum an Gold aus und der Regenbogen selbst war in seinen verschiedenen Farben auf Goldplatten so groß dargestellt, daß er eine Seite des Gebäudes fast ganz einnahm. Sie nannten den Regenbogen Cuycha und bewiesen ihm große Ehrfurcht. Wenn sie ihn am Himmel erscheinen sahen, machten sie auf der Stelle den Mund zu und hielten die Hand davor, weil sie glaubten daß, wenn sie denselben auch nur ein wenig öffneten, ihre Zähne verderben und faul würden. Das fünfte und letzte Gebäude war das des Oberpriesters und der übrigen Priester, die den Tempeldienst verrichteten und die alle von königlichem Geblüt seyn mußten. Von oben bis unten gleich den übrigen mit Gold verziert, diente es weder zum Essen noch zum Schlafen, sondern als Saal, um darin Audienz zu geben und über die anzustellenden Opfer sowie über die den Tempeldienst betreffenden Angelegenheiten sich zu berathen. Der oberste Priester hieß Villaellma (Wahrsager); er deutete die Anzeichen und Opfer, die Träume und sonstigen Erscheinungen dem Volke, und durch seinen Mund that die Sonne ihren Willen, ihre Befehle kund. Außer den fünf großen Pavillons befanden sich in dem Sonnentempel selbst noch mehrere Gemächer für die Priester und Tempeldiener, die nur aus der Kaste der Incas genommen wurden. Kein anderer Indianer, so vornehm er auch war, durfte sie betreten, ebensowenig Frauen, selbst nicht einmal die Gemahlinnen und Töchter der Könige. Die Priester verrichteten den Tempeldienst abwechselnd nach Wochen, die sie nach den Mondsvierteln zählten; während dieser Zeit berührten sie nicht ihre Weiber und verließen den Tempel weder bei Tag noch bei Nacht. Die Indianer welche im Tempel als Pförtner, Kehrer, Küchen- und Kellermeister, Kleiderbewahrer u. s. w. dienten, mußten von denselben Stämmen und aus denselben Städten seyn wie die welche im Palast des Königs den Dienst hatten: es waren nämlich gewisse Städte verpflichtet sowohl die Diener für den königlichen Palast, als auch für den Sonnentempel zu liefern; denn es verdient bemerkt zu werden, daß in beiden wegen der Beziehung, welche zwischen dem Vater und dem Sohne, d. h. zwischen der Sonne und dem Inca obwaltete, kein Unterschied des Dienstes herrschte, ausgenommen daß in dem Tempel keine Frauen dienten und in dem Palast nicht geopfert wurde. Die Orte an welchen man die Opfer darbrachte, waren der Feierlichkeit derselben entsprechend. Manche wurden auf gewissen Plätzen, andere an mehreren Stellen welche im Sonnentempel zu diesem oder jenem Feste bestimmt waren, verrichtet. Die allgemeinen Opfer am Hauptfest der Sonne, Raymi genannt, brachte man auf dem großen Platze der Stadt, die andern nicht so bedeutenden dagegen in dem Vorhof des Tempels, in welchem die Bewohner aller Provinzen und Leute aus allen Stämmen des Reiches zu tanzen und sich zu vergnügen pflegten. Jedoch durfte man diesen geweihten Ort nur barfuß betreten. Vier große Straßen führten aus der Stadt zum Tempel; auf ihnen mußte man vor dem Thore des Tempels die Schuhe ausziehen ehe man weiter gehen durfte. In dem Sonnentempel sprudelten an verschiedenen Stellen fünf Quellen aus goldenen Röhren in steinerne, goldene und silberne Becken, in welchen die Opfer je nach ihrer Wichtigkeit oder nach dem höhern Grade der Feierlichkeit abgewaschen wurden. Die Röhren welche das Wasser herbeileiteten, lagen unter dem Boden und waren mit Steinen übermauert. Mit dem Tempel war ein Garten verbunden, der ganz von Gold und Silber starrte und in dem sich eine Masse von Thieren, Figuren, Schlangen u. s. w. alle aus reinem Gold und Silber befanden, ganz so wie in den Palästen und Gärten der Incas. Bei allen Festen die man jährlich beging, opferte man dem Sonnengott eine ungeheure Masse Gold und Silber, eine Menge Goldschmiede arbeiteten beständig, um stets neue Verschönerungen für den Tempel hervorzubringen; sie fertigten fortwährend eine große Anzahl dem Tempeldienst geweihter Geschirre, als Töpfe, Vasen, Kohlenbecken, kurz alle Gerätschaften bis zur Gartenhacke und zum Rechen, so daß man den Tempel mit seiner Umgebung in Wahrheit Coricancha (Goldviertel) nennen konnte. Alle übrigen in den Provinzen befindlichen Tempel waren nach dem Muster des Hauptsonnentempels erbaut. Jeder Curaca beeiferte sich den Tempel seiner Provinz so viel als möglich durch Gold und Silber zu verschönern; auch waren alle, wie der zu Cuzco, mit Gold und Silberplatten bedeckt. Die nächsten Verwandten der Curacas waren Priester der Sonne; doch der Oberpriester in jeder Provinz mußte ein Inca aus königlichem Stamme seyn, damit überall der Gottesdienst dem in der Hauptstadt üblichen gleich bleibe. Unter den berühmtesten Tempeln die dem Sonnengott in Peru geweiht waren, zeichnete sich besonders noch der auf der Insel Fisticaca aus. Von hier gingen die beiden Kinder der Sonne dem ihnen ertheilten Befehl gemäß aus, als die Sonne sie zur Erde sendete. Die Insel liegt in einem tiefen See, welcher achtzig Stunden im Umfang hat und für heilig gehalten wurde. Man baute auf ihr einen prachtvollen Tempel; die Bewohner aller Provinzen wallfahrteten dahin und legten reiche Opfer an Gold, Silber, Edelsteinen u. dgl. am Altar der Gottheit nieder. Die Masse des daselbst aufgehäuften Goldes und Silbers soll so bedeutend gewesen seyn, daß man daraus einen großen Tempel von den Fundamenten bis zum Giebel hätte erbauen können. Bei Ankunft der Spanier warfen die Indianer alle diese Schätze in den See. Unter andern versenkten sie eine große Goldkette, welche Huayna Cassac hatte fertigen lassen. Als sich das Gerücht von dem Verlust dieses Schatzes unter den Spaniern verbreitete, verbanden sich zwölf spanische Kaufleute, um sie wo möglich wieder aus dem See herauszuschaffen; sie wendeten das Senkblei an und fanden daß er 25 Klafter tief war und einen sehr schlammigen Grund hatte. Sie ließen sich dadurch aber nicht abschrecken und beschlossen im Jahr 1557 den See abzuleiten. Nachdem sie einen bereits mehr als 50 Schritte langen Abflußcanal hatten graben lassen, stießen sie auf einen Felsen der jeder Anstrengung spottete, so daß man das Unternehmen mit großem Geldverlust aufzugeben gezwungen war. Nicht allein den Tempel aber hatten die Indianer mit außerordentlicher Pracht geschmückt, sondern sie verschönerten die Insel selbst auf alle nur mögliche Weise. Sie ebneten sie, reinigten sie von Felsen und Steinen, überschütteten sie mit fetter, fruchtbarer Erde und pflanzten darauf die verschiedenartigsten Gewächse, besonders Mais, dessen Körner, wenn sie reif waren, gesammelt und dem König als ein Heiligthum übersendet wurden. Der König trug einen Theil dieser Körner in den Tempel der Sonne und schickte den Rest den auserwählten Jungfrauen mit dem Befehl, dieselben durch das ganze Reich in die Tempel und Jungfrauenhäuser zu vertheilen; man säete sie in den Gärten derselben und vertheilte deren Ertrag unter alle Städte. Ueberall streute man sodann diese Körner auf den Speichern der Sonne, des Königs und in den öffentlichen Magazinen aus, weil man glaubte sie besäßen die Eigenschaft das Brod zu erhalten und den Kornvorrath vor Verderben zu bewahren. Wenn ein Indianer auch nur ein Körnchen erhielt, so warf er es auf seinen Speicher, in der festen Ueberzeugung daß er niemals Mangel an Brod haben würde. Das religiöse Hauptfest hieß Yntip Raymi, oder auch einfach Raymi, das hohe Fest der Sonne. Die Anführer des Heeres wohnten diesem Feste bei wenn sie nicht im Felde standen, eben so die Curacas; sie waren dazu zwar nicht gezwungen, sondern jeder beeilte sich freiwillig an den feierlichen Ceremonien und Festlichkeiten, zu denen Tausende herzuströmten, Theil zu nehmen. Konnten die Curacas wegen Alter oder Amtsgeschäften nicht selbst erscheinen, so schickten sie ihre Söhne und Brüder in Begleitung ihrer vornehmsten Verwandten. Der Juca selbst that dabei Dienst als oberster Priester und verrichtete die vorzüglichsten Ceremonien. Ihm folgten, in eben so prachtvollem als sonderbarem Schmuck, die Curacas; ein Theil derselben trug Kleider mit Gold- und Silberplättchen besetzt, und Mützen mit goldenen Kränzen umwunden; andere waren, wie man den Hercules darstellt, mit einer Löwenhaut bekleidet, deren Kopf als Waffenzeichen und als Symbol ihres eigenen Muthes, ihrer eignen Tapferkeit dienen sollte. Denn sie selbst rühmten sich von Löwen abzustammen. Nach ihnen folgten andere welche Engeln glichen; sie waren mit den Flügeln eines Vogels versehen, der den Namen Cuntur trägt und so groß und wüthend ist, daß bisweilen Spanier von ihm getödtet wurden. Die Flügel dieser Vögel sind schwarz und weiß, und so groß daß sie von einer Spitze zur andern an 15 Fuß messen. Wieder andere, Vuncas genannt, nahmen eigne, sonderbare Masken vor, welche die schrecklichsten Gesichter die man sich nur immer denken kann darstellten; wenn man ihre Sprünge und Bewegungen sah, hielt man sie für wahnsinnig; dabei machten sie mit verschiedenen Instrumenten, wie Flöten und Trommeln, eine wahrhaft höllische Musik und schlugen mit zerrissenen Häuten um sich. Andere Curacas folgten mit verschiedenen Symbolen und Trachten. Jeder Stamm trug die Waffen deren er sich im Krieg bediente, wie Bogen, Pfeile, Schleudern, Lanzen, Speere, Keulen und Streitäxte. Auch gingen manche mit, die Tafeln trugen auf welchen ihre Großthaten, die sie im Dienste der Sonne und der Incas verrichtet hatten, abgebildet waren. Wieder andere waren von einer Schaar von Dienern umgeben, die große Pauken schlugen und in Trompeten stießen; mit einem Worte jeder Stamm erschien dabei in seinem festlichen Anzug und in so großer Anzahl als nur immer möglich, indem einer den andern an Pracht und Glanz zu überbieten suchte. Dem Feste selbst ging ein strenges Fasten vorher; denn sie aßen drei Tage hindurch nichts als ein wenig Mais, ganz roh mit einigen Kräutern und tranken kein Wasser, sie wohnten während dieser Zeit ihren Frauen nicht bei, und nirgends in der Stadt wurde ein Feuer angezündet. Am Tage vor dem Fest der Sonne rüsteten die Incas die Opfer zu, setzten in der Nacht die Schafe und Lämmer, welche zum Opfer bestimmt waren, in Bereitschaft und brachten auch die Lebensmittel und Getränke die für die Sonne als Opfergaben bestimmt waren, zusammen; man vertheilte zur Herbeischaffung aller dieser Dinge die Befehle, wenn man sich ungefähr von der Zahl der Personen welche zu dem Feste gekommen waren unterrichtet hatte; denn von den Opfern bekamen nicht allein die Curacas, die Gesandten, ihre Anverwandten, Diener und Unterthanen, sondern im allgemeinen alle dem Feste beiwohnenden Stämme ihren Antheil. In derselben Nacht waren die heiligen Jungfrauen beschäftigt eine große Masse Teiges aus Mais (Canca) zu bereiten, aus welchem sie kleine Brode so groß wie Aepfel formten, die für die Incas und Vornehmsten bestimmt waren. Für das gemeine Volk wurden diese Brode von einer gewissen Anzahl anderer Frauen, aber aus eben so seinem Mehl wie die andern bereitet. Am Tage des Festes begab sich der Inca am frühen Morgen mit allen seinen Verwandten, die ihm je nach ihrem Rang folgten, auf den großen Platz der Stadt welcher Haucaypata heißt. Hier harren sie mit nackten Füßen bis die Sonne aufging, indem sie ihre Blicke aufmerksam nach Osten richteten; sobald sie dieselbe zum Vorschein kommen sahen, warfen sie sich auf die Knie um sie anzubeten; dann breiteten sie die Arme aus und sendeten mit der einen Hand Küsse in die Luft im heiligen Eifer, mit der lauten Erklärung daß sie die Sonne für ihren Vater und Gott hielten. Nun erhob sich der König, während die andern knieen blieben, nahm zwei große Gefäße (Aquilla) in die Hand, welche mit ihrem gewöhnlichen Getränk gefüllt waren, und reichte mit der Rechten der Sonne das eine Gefäß zum Trinken dar. Sie glaubten fest die Sonne tränke und lade den Inca mit seinen Verwandten ein, ihr Bescheid zu thun, denn es wurde bei den Peruanern als das höchste Zeichen der Gnade oder Freundschaft betrachtet, wenn einer dem andern zutrank. Nachdem der Inca die Sonne zum Trinken eingeladen hatte, schüttete er den Inhalt es Gefäßes in eine Art Becken das mit einer künstlichen, in den Tempel führenden Rohre versehen war, durch welche die Flüssigkeit verschwand. Dann trank er aus dem Gefäße welches er in der linken Hand hielt, und vertheilte den Rest an die Incas, von denen jeder einen kleinen goldenen oder silbernen Becher bei sich trug. Auf diese Weise leerten diese allmählich das Gefäß des Inca, dessen Inhalt wie sie sagten durch seine Hand oder die Hand der Sonne geheiligt war, und ihnen deren Vorzüge mitheilte. Alle aus königlichem Stamm erhielten von diesem Tranke, den Curacas dagegen gab man von dem Tranke, welchen die Frauen bereitet hatten und der nicht geheiligt war. Nach diesen Ceremonien begab sich der Inca mit allen aus königlichem Stamme in den Tempel, schon 200 Schritte von der Thüre zogen sie die Schuhe aus mit Ausnahme des Königs. Im Tempel warfen sich alle vor dem Sonnengott nieder und beteten ihn an. Die Curacas, die sich für unwürdig hielten den Tempel zu betreten, weil sie nicht von königlichem Geblüt waren, blieben auf dem großen Platz vor dem Tempel zurück. Sobald der Inca das große Trinkgefäß von Gold, mit welchem er die Ceremonie vor seinem Eintritt in den Tempel begonnen, mit eigner Hand dem Gott als Opfer dargebracht hatte, überreichten alle übrigen Incas ihre Trinkgefäße den Priestern um sie gleichfalls der Gottheit zu weihen; gleiches thaten die Curacas an der Pforte des Tempels. Außer diesen Gefäßen brachten sie noch herrliche Kunstgegenstände von Silber und Gold, wie Thiere, Eidechsen, Krebse, Schlangen, Füchse, Löwen, Vögel aller Art u. s. w. dar. – War dieses Opfer vorüber, so begab sich jeder an seinen Platz und man sah zu gleicher Zeit die Priester mit Schafen und Lämmern von verschiedenen Farben heranziehen. Unter den Schafen suchten sie ein völlig schwarzes zum Opfer aus, um aus dessen Eingeweiden die guten oder schlimmen Vorbedeutungen zu erforschen. Sie drehten dessen Kopf gegen Osten und schnitten ihm, indem es vier Männer festhielten, lebendig den Leib oder richtiger die linke Seite auf. Nun zogen sie das Herz, die Lunge und alle übrigen Eingeweide heraus, wobei sie sorgfältig Acht hatten, daß ja nichts zerrissen wurde. Man hielt es für eine gute Vorbedeutung wenn die Lunge, nachdem man sie herausgenommen hatte, sich noch bewegte; dann bliesen sie dieselbe auf und gaben genau Acht ob sie sich mehr oder weniger mit Luft anfüllte. Als ein böses Zeichen wurde es angesehen, wenn das Thier welches sie opfern wollten, sich auf die Beine stellte und den Händen derer welche es hielten entwich ebenso wenn beim Herausziehen der Lunge ein Theil zerriß und wenn das Herz Flecken hatte. Außerdem urtheilte man aus einer Menge anderer ähnlichen Erscheinungen. – Bei bösen Vorbedeutungen gaben sie das Fest zwar nicht auf, feierten es aber mit einer heimlichen Niedergeschlagenheit, weil sie glaubten ihr Vater, die Sonne, zürne auf sie und werde ihnen allerlei Plagen, Kriege, Mißwuchs, Krankheiten, Viehseuchen u. s. w. zuschicken Waren dagegen die Zeichen gut, so versprachen sie sich für die Zukunft viel Glück und eine allgemeine Heiterkeit herrschte unter ihnen. Nachdem das schwarze Schaf geopfert war, wurden die anderen Thiere geschlachtet; Blut und Herz wurden dem Sonnengotte dargebracht und verbrannt. Es mußte das Feuer, dessen sie sich dabei bedienten, von der Sonne selbst herkommen, und sie erlangten dasselbe durch eine große goldene Armspange (Chipana), auf welche sich eine Art kleiner Brennspiegel befand, mit dem sie einen Büschel Baumwolle anzündeten; mit diesem Büschel steckten sie dann den Scheiterhaufen an. Das Fleisch der geschlachteten Thiere wurde gebraten und an diesem Tage gegessen. Dann nahm man von dem Feuer und trug es in den Tempel und die Wohnung der heiligen Jungfrauen, wo es das ganze Jahr hindurch unterhalten wurde. – Es war ein sehr böses Zeichen wenn es erlosch. Schien am Tag des Festes die Sonne nicht, so daß es unmöglich war das heilige Feuer mit dem Brennspiegel anzuzünden, so nahm man zwei kleine Stücke von einem der Zimmetrinde ähnlichen Holze, Vyaca genannt, und rieb sie so lange aneinander, bis die dazwischen gelegte Baumwolle Feuer fing. – Außer dem Fleische wurde Brod (Zanca) an alle die dem Feste beiwohnten vertheilt. Nach dem Essen wurden verschiedene Getränke verabreicht. Der Inca, der bei dem Gastmahle auf seinem goldenen Stuhle saß, lud nun zuerst alle seine Verwandten, dann die Anführer des Heeres und die Statthalter und zuletzt alle Anwesenden zum Trinken ein. Zuerst wurde die Gesundheit der Sonne und des Königs getrunken, und dann tranken die Incas, die Feldherren und die Curacas dem Könige zu, wobei sie ihm stets ihren Becher darreichten und einen Kuß mit der Hand zuwarfen. Er nahm mit Milde und Herablassung den Becher an, setzte ihn an den Mund und that jedem, wenn auch wenig, Bescheid. Nachdem man auf diese Weise einander zugetrunken hatte, trat eine Truppe Possenreißer vor, die Tänze nach dem Tacte ihrer Gesänge aufführten; nach diesen erschienen andere in Masken, welche nach der Sitte ihres Landes mehrere Wappen und Devisen trugen. Während dieser ganzen Zeit tranken der Inca, seine Verwandten, die Feldherren und Statthalter wacker darauf los, bis es Nacht wurde. Das Fest Raymi dauerte neun Tage, während welcher jeder auf alle Weise sich zu vergnügen suchte. Nach neun Tagen kehrten die Curacas mit der Erlaubniß des Königs heim, und das Fest war hiermit beendet. 10. Andere Feste. Die Sonnenjungfrauen. Das zweite Hauptfest war die Wehrhaftmachung der Jugend, wovon schon die Rede war; das dritte führte den Namen Cusquicrayoni; es hatte nach der Aussaat statt, wenn der Mais zu sprossen anfing, und wurde ebenfalls mit Opfern, Gesängen, Tänzen und unmäßigem Trinken gefeiert; dabei flehte man die Sonne an, sie möge die Frucht vor Kälte bewahren und eine reiche Ernte gewähren. Das vierte und letzte Hauptfest, das der Inca mit seinem Hofe feierte, war das Fest Citna, eine Art Sühne, durch welche sie aus der Stadt und Umgegend alle Krankheiten, Plagen und Schwächen, von welchen die Sterblichen heimgesucht werden, zu verscheuchen suchten. Nach mehrtägigem Fasten vor dem Feste bereiteten sie in der Nacht das bereits genannte Brod Canca. – Von dem Teige, der zu Kugeln oder Klösen geformt und in Kesseln halb gar gekocht wurde, nahmen sie einen gewissen Theil und mischten das Blut junger Knaben darunter, das man diesen zwischen den Augenliedern und der Nase, dem gewöhnlichen Aderlaßplatze bei Krankheiten, abzapfte. Jeder rieb sich hierauf mit einem Stückchen von diesem Teige den Kopf, das Gesicht, den Magen, die Schultern, die Schenkel und Arme ein, um, wie sie sagten, sich zu reinigen, denn sie glaubten hierdurch von ihrem Leibe alle Krankheiten und Schwächen fern zu halten. Hierauf nahm der Aelteste des Hauses ein anderes Stück, rieb damit die Thüre nach der Straße ein und heftete es an dieselbe, zum Zeichen daß die Bewohner des Hauses gereinigt seyen. Dieselbe Ceremonie führte der Großpriester im Palaste und im Sonnentempel und andere Priester in den übrigen Tempeln und in der Wohnung der heiligen Jungfrauen aus. Dieß alles geschah in der Nacht vor dem Feste. Sobald am Morgen die Sonne aufging, flehten sie zu ihr, sie möge alle inneren und äußeren Uebel von ihnen entfernen; das Fasten hatte ein Ende und man aß nun das Brod, in welchem sich kein Blut befand. Nach dem Gebete zur Sonne sah man als Bote derselben aus der Festung einen Inca von königlichem Stamme Herabkommen; sein prächtiges Gewand war aufgeschürzt und er trug eine Lanze, die bis an den Griff mit schönen Federn und goldenen Ringen verziert war; in Zeiten des Kriegs flatterte eine Fahne an deren Spitze. Er schwenkte die Lanze, bis er auf dem Hauptplatze angelangt war. Hier traf er vier andere Incas und that ihnen kund, die Sonne befehle ihnen als ihren Stellvertretern und Boten aus der Stadt und Umgegend alle Krankheiten und alle Uebel die sie anträfen zu verjagen. Dann eilten sie nach den vier in die Stadt führenden Hauptstraßen. Wenn die Einwohner, Männer, Weiber, Jung und Alt, diese Boten vorübereilen sahen, stellten sie sich an ihre Häuser und erhoben ein großes Freudengeschrei; dabei schüttelten sie ihre Kleider, gleichsam als wollten sie den Staub herausschütteln, legten die Hand auf den Kopf, auf das Gesicht, die Arme und Schenkel, rieben alle Glieder wie beim Waschen und glaubten dadurch alle Uebel aus ihren Häusern zu verbannen. Die Boten liefen bis eine Viertelstunde vor die Stadt, wo sie die Lanzen an vier andere Incas abgaben, die wieder eine Viertelstunde weiter liefen, und so ging es fort bis auf fünf bis sechs Stunden Entfernung, wo die letzten Lanzenträger ihre Lanzen in den Boden pflanzten, als Beweis daß alle Uebel über die Gränze verbannt seyen. – In der folgenden Nacht zogen die Einwohner mit Fackeln, die wie Strohmatten geflochten waren und lange anhielten, durch die Stadt, indem sie dieselben an einem Faden durch die Straßen bis hinaus ins Freie schleiften, um dadurch anzudeuten, daß sie, mit den Fackeln die Uebel der Nacht vertilgten, wie sie mit den Lanzen die Uebel des Tags vernichtet hätten. Zuletzt warfen sie die brennenden Fackeln in den Fluß, in welchem sie sich Tags zuvor gebadet hatten, damit der Strom alle Uebel, die sie ausgetrieben, bis ins Meer fortschwemme. Begegnete Jemand am folgenden Tage einem Stück dieser Fackeln an dem Ufer des Flusses, so floh er wie vor der Pest von dannen, aus Furcht er möchte von den Uebeln, die man mit ihnen verjagt hatte, ergriffen werden. – Nach dieser Doppelsühne mit Eisen und Feuer begannen die Festlichkeiten, Schmausereien, Tänze, Trinkgelage und Gesänge, wobei man nichts unterließ was die Heiterkeit und die Lust in den Häusern und auf öffentlichen Platzen erhöhen konnte. – Außer diesen vier Hauptfesten gab es noch andere, die aber weniger bedeutend sind und deren Beschreibung uns auch zu weit führen würde. Wir haben mehrmals der geheiligten oder auserwählten Jungfrauen erwähnt, und es wird nicht überflüssig seyn hier Näheres über dieselben mitzutheilen. Diese Jungfrauen lebten von jedem Verkehr mit der Welt abgeschlossen in großen Häusern oder Klöstern. Das Haupt- oder Stammkloster stand in der Stadt Cuzco und nach dessen Muster waren alle übrigen in den Provinzen erbaut. Die Jungfrauen mußten das Gelübde ewiger Keuschheit ablegen und wurden als Frauen der Sonne betrachtet. Die welche in der Stadt Cuzco ihren Sitz hatten, mußten aus königlichem Geblüte entsprossen seyn. In dem Kloster der Hauptstadt befanden sich gewöhnlich 1500 solcher Jungfrauen, doch war ihre Zahl nicht beschränkt. Kein Mann oder sonst ein Weib durfte das heilige Haus, das ringsum von den Vierteln der Stadt völlig abgeschieden war, betreten. – Die Vorschriften welche diese Jungfrauen zu befolgen hatten, waren sehr streng: sie mußten stets eingeschlossen leben, durften nicht ausgehen, und keinen Mann und kein fremdes Weib sehen; sie hatten keinen weitern Umgang als miteinander selbst. Der Grund den man für diese strenge Regel anführte war, es dürften die Frauen der Sonne nicht gemein seyn und durch den Anblick anderer Menschen entheiligt werden; diese Vorschrift wurde auch so genau beobachtet, daß selbst der Inca von seinem Vorrechte, sie besuchen und sprechen zu dürfen, keinen Gebrauch machte. Nur die Königin (Coua) und ihre Töchter machten eine Ausnahme, indem sie in das Kloster gehen und mit den Jungfrauen sprechen durften. Wenn daher der König sich erkundigen wollte wie sie sich befanden oder ob sie etwas bedürften, so ließ er sie durch die Königin oder ihre Töchter fragen. Mitten durch das große Gebäude in welchem die heiligen Jungfrauen wohnten, führte ein schmaler ungefähr einen Schritt breiter Gang; rechts und links erblickte man die Zimmer, in welchen die zum Dienste der Jungfrauen bestimmten Weiber arbeiteten; jedes Zimmer hatte eine Thüre nach dem Gange, die von einer Pförtnerin sorgfältig bewacht wurde. Das Hauptthor des Hauses wurde nur der Königin und ihren Töchtern geöffnet, und es befanden sich an dieser Pforte nach der Straße zwanzig Pförtnerinnen, die alles was in die Zimmer gebracht werden sollte bis an deren Thüren lieferten; sie durften sich nicht weiter als bis zu diesen zweiten Thüren wagen; wer dagegen handelte, wurde mit dem Tode bestraft? Zum Dienste der heiligen Jungfrauen waren 500 junge Mädchen bestimmt, die ebenfalls rein und keusch seyn mußten, sie stammten von den Incas, aber nicht von königlichem Blute ab, denn sie waren keine Dienerinnen der Sonne, sondern nur Dienerinnen der heiligen Jungfrauen. Sowohl diesen als den Dienerinnen standen Matronen (Mamacunas) vor, von welchen sie in ihre Verrichtungen und Pflichten eingeweiht wurden. Die Hauptbeschäftigung der Sonnenjungfrauen bestand in Spinnen, Weben und Verfertigen der Kleider, welche der Inca und die Coyo trugen; auch die feinen Kleider, welche man der Sonne als Opfer darbrachte, wurden von ihnen gearbeitet. Außerdem mußten sie das heilige Brod (Canca) und den heiligen Trank (Aca) für das Fest Raymi, wie schon erwähnt, bereiten. – Alle Geschirre in diesem Hause waren von Gold und Silber wie im Tempel der Sonne; an ihm befand sich ein Garten, der gleichfalls mit Bäumen und Gewächsen von Gold prangte; es zierten ihn zugleich die verschiedensten Thiere ganz so wie den königlichen Palastgarten. Wenn eine der Jungfrauen das Gelübde der Keuschheit verletzte wurde sie lebendig begraben und ihr Geliebter gehängt. Doch damit war das Gesetz noch nicht zufrieden; um dieses große Verbrechen zu sühnen, sollten des Schuldigen Frau, Kinder, Anverwandte, Diener, ja sogar die Bewohner der Stadt, in welcher er lebte, dem Tode geweiht seyn. Die Stadt selbst sollte zerstört und die Stelle mit Steinen übersäet und in eine Einöde verwandelt werden als warnendes Zeichen, daß sie ein so verfluchenswertes Kind hervorgebracht habe; auch sollte man darauf bedacht seyn, daß diese Stelle wo möglich ferner weder von Menschen noch von Thieren betreten werde. Diese Strafe wurde übrigens nicht ein einzigesmal vollzogen, weil dieses Verbrechen niemals in dem Reiche vorgekommen war; so sehr achteten die Indianer ihre Gesetze besonders die religiösen. – In die Klöster welche sich in den Provinzen befanden, wurden Jungfrauen ohne Unterschied aufgenommen, selbst die Töchter der geringsten Bürger, wenn sie nur schön waren, denn Schönheit war eine Hauptbedingung der Aufnahme. Außer diesen dem Dienste der Sonne geweihten Jungfrauen gab es andere aus königlichem Stamme, denen ihre Wohnungen um Kloster dienten und die ebenfalls das Gelübde ewiger Keuschheit geschworen hatten. Sie gingen nur aus um ihre nächsten weiblichen Verwandten zu besuchen, wenn sie krank waren oder in Kindesnöthen lagen. Ihrer Keuschheit und ihres eingezogenen Lebenswandels wegen hielt man sie in hohen Ehren und legte ihnen den Titel Oello bei. Wenn eine solche Jungfrau ihre Gelübde verletzte, wurde sie lebendig verbrannt oder in eine Löwengrube geworfen. Auch Wittwen verheuratheten sich niemals wieder, wenn sie Kinder hatten. Außer der Sonne verehrten die Peruaner noch ein höheres Wesen, von ihnen Pachacamac (Weltseele) genannt. Dieses Wort war ihnen übrigens so hehr, daß sie es nicht leicht auszusprechen wagten, und wenn sie die Nothwendigkeit dazu zwang, so thaten sie es nur mit allen möglichen Zeichen der Hochachtung und Verehrung. Sie zogen dabei die Schultern ein, neigten sich, erhoben die Augen zum Himmel, senkten sie wieder zu Boden, legten die offenen Hände auf die rechte Schulter und warfen Küsse in die Luft. Fragte man sie wer dieser Pachacamac sey, so erwiederten sie, es sey der welcher die Welt erschaffen habe und sie erhalte; sie hätten ihn aber nie gesehen und ihm deßhalb keinen Tempel erbaut oder Opfer dargebracht. – Die Spanier wollen auch bei der Einnahme von Cuzco ein großes schönes Kreuz ans Marmor gefunden haben. – Den Teufel nannten die Peruaner Cupay, und bei seiner Erwähnung spieen sie zum Zeichen ihrer großen Verachtung auf den Boden. Bevor die verschiedenen Stämme aus welchen das Reich bestand, von den Incas unterworfen waren und diese religiöse Vorschriften erhielten, huldigten sie dem rohesten abscheulichsten Götzendienste. Beispielsweise heben wir nur zwei an den fernsten Gränzen des Reiches gelegene Stämme hervor, nämlich die Antis und Manta. Die Antis beteten Tiger und große Schlangen an, Amaru genannt, die so dick wie der Schenkel eines Mannes und 25–30 Fuß lang waren, ferner ein Kraut das den Namen Coca führte. Noch toller trieben es die Manta. Sie beteten das Meer und die Fische an, obgleich sie sich von den letztern nährten; ferner Löwen, Tiger, Schlangen, Insecten, Reptilien und vor allen einen Edelstein, der so groß wie ein Straußenei war. Bei hohen Festen wurde er öffentlich ausgesetzt und aus nah und fern strömten die Indianer herbei um ihn zu verehren und ihm verschiedene Opfer darzubringen. So z. B. brachten sie kleinere Edelsteine und die Priester gaben ihnen, dabei die erfreuliche Kunde, daß die Göttin Edelstein ihre Töchter mit Vergnügen aufnehme. Sie behielten dieselben jedoch für sich und predigten diese Lehre bloß um ihre Habsucht zu befriedigen. Die meisten dieser Edelsteine fielen in die Hände der Spanier; diese waren ungeschickt genug, sie auf einem Amboß zu zerschlagen in der Meinung sie seyen nicht ächt, wenn sie den Hammerschlägen nicht widerstünden. Der große Edelstein wurde von den Indianern so gut verborgen, daß sie weder durch Versprechungen noch Drohungen zu dessen Entdeckung bewegen werden konnten. Die Manta waren auch als Sodomiten bekannt. Wenn sie heuratheten, hatten die Verwandten und Freunde des Bräutigams das Recht der ersten Nacht. Sie erwürgten ihre Gefangenen und füllten deren Haut mit Asche um sie als Trophäen in ihren Tempeln und an öffentlichen Orten aufzuhängen. Die Weiber und Männer machten sich mit der Spitze von Kieselsteinen Schnitte ins Gesicht und verunstalteten ihren Kopf auf sonderbare Weise, indem die Eltern den Kindern gleich nach der Geburt zwei Brettchen auf die Stirne und an das Hinterhaupt banden und den Kopf jeden Tag bis zum fünften Jahre so sehr zusammendrückten, daß er völlig spitz wurde. Das Haar schnitten sie nur auf dem Scheitel ab, kämmten sich aber niemals, so daß sie wie Wildschweine aussahen. 11. Häusliche Verhältnisse. Heurathen. Beschäftigung der Weiber. Öffentliche Mädchen. Erbrecht. Kindererziehung. Nicht nur die religiösen Angelegenheiten aber ordneten die Incas, sondern auch die häuslichen Verhältnisse. Die Heurathen wurden in ihrem Reiche feierlich auf sonderbare Art geschlossen. Der König ließ nämlich jedes Jahr oder von zwei zu zwei Jahren zu derselben Zeit alle Mädchen und Jünglinge seines Stammes die heurathsfähig waren in der Stadt Cuzco zusammenkommen. Die Mädchen mußten achtzehn bis zwanzig Jahre alt seyn. Der Juca trat alsdann mitten unter sie, rief je einen Jüngling und ein Mädchen zu sich, nahm sie an der Hand, ließ beide sich gegenseitig das Versprechen der Treue geben und überlieferte sie dann den Händen ihrer Eltern. Die Neuvermählten gingen darauf in die Wohnung des Vaters des Bräutigams und es wurde drei bis vier Tage, ja noch länger die Hochzeit gefeiert. Die auf diese Weise verheuratheten Mädchen nannten sich rechtmäßige oder auch durch die Hand des Inca überlieferte Frauen. Wenn der Inca die Personen seines Stammes verheurathet hatte, verrichteten eigens dazu bestimmte Beamte dieselbe Ceremonie für die übrigen jungen Leute der Stadt, welche nach den Vierteln miteinander verheurathet wurden. Die Häuser, welche zu Wohnungen für die neuvermählten Incas bestimmt waren, mußten von den Indianern aus den Provinzen statt eines Tributes erbaut werden. Die Verwandten lieferten die Hausgeräthe und jeder brachte eine Aussteuer. – In den Provinzen waren die Curacas verpflichtet ganz in derselben Weise die Heurathen abzuschließen. Die Gemeinden mußten das Haus der Neuvermählten erbauen lassen und die nächsten Verwandten die Bedürfnisse für den Haushalt liefern. Die Leute aus einer Provinz oder einer Stadt konnten sich nicht in einer andern verheurathen, sondern es konnte dieß nur in ihrem Geburtsorte und in ihrer nächsten Verwandtschaft geschehen, damit ja keine Vermischung der Geschlechter und Stämme stattfände. Auch mußte jeder in seiner Provinz, Stadt, ja sogar in seinem Viertel wohnen. Der Kronprinz mußte stets seine älteste Schwester aus rechtmäßiger Ehe heurathen. Man hielt dieß Gesetz für unverletzbar und es gründete sich auf das Beispiel der Sonne und des ersten Inca, denn man erklärte, weil die Sonne ihre Schwester den Mond geheurathet habe und weil von beiden ihre ersten Kinder miteinander verehelicht worden waren, so sey es nothwendig dieselbe Ordnung bei der Person des Königs zu beobachten; auch erklärte man, das Blut der Sonne dürfe mit dem der Menschen nicht vermischt werden, das Reich gehöre dem Thronerben sowohl von Seiten seines Vaters als seiner Mutter, im andern Falle würde er das Reich verlieren müssen, denn man hielt strenge am Gesetz der Thronfolge. – Der älteste von den Söhnen des Königs war Thronerbe. Hatte er keine rechtmäßige Schwester, so heurathete er seine nächste Verwandte aus königlichem Stamme; waren keine männlichen Erben da, so konnte diese nächste Verwandte, wenn der König keine rechtmäßigen Töchter besaß, das Reich erben. Bekam der Prinz mit seiner ältesten Schwester keine Kinder, so heurathete er die zweite oder auch die dritte bis er Vater wurde. Seine Gemahlin hieß Coya (Königin, Kaiserin). Außer seiner rechtmäßigen Gattin hatte der König gewöhnlich mehrere Beischläferinnen, die zum Theil Fremde, zum Theil seine Verwandten im vierten Grade oder darüber waren. Die Kinder welche er mit den letzteren erzeugte, wurden als ehelich, alle übrigen als unehelich betrachtet, so daß er mithin drei verschiedene Arten von Kindern hatte, solche welche den Thron erbten, dann rechtmäßige und endlich Bastarde. Sobald eine Frau verheurathet war; kam sie die meiste Zeit nicht mehr aus dem Hause, indem sie sich mit Spinnen und Weben der Wolle und Baumwolle beschäftigte. Das Tuch diente zu ihrem und ihres Mannes Gebrauch; mit Nähen gab sie sich nur wenig ab, indem sowohl an den Manns- als Frauenkleidern fast keine Nath war; auch wurden die Kleider nicht geschnitten, sondern man machte sie aus Einem Stück. – Es gab bei ihnen weder Schneider noch Schuster noch Strumpfmacher, indem die Frauen die Kleider der Familie und der Mann die Fußbekleidung verfertigte; die Feldarbeiten wurden von den Männern und Weibern gemeinschaftlich verrichtet. Besonders große Freundinnen waren die Indianerinnen vom Spinnen, und so wenig müßig daß sie selbst auf Spaziergängen oder wenn sie einen Gang in der Stadt oder nach benachbarten Dörfern zu machen hatten, bei Visiten, kurz überall ihr Spinnzeug mitnahmen. Auf der Straße spannen jedoch nur Indianerinnen von niederer Herkunft; die Pallas, die von königlichem Geblüte waren, ließen sich wenn sie Besuche machten, das Spinnzeug durch ihre Dienerinnen nachtragen. Wenn die Damen zusammenkamen, spannen sowohl die besuchenden als jene welche man besuchte in Gesellschaft. Ihre Rocken wurden aus einer Art von Rohr oder Schilf gemacht und sie hefteten den Stoff, den sie zu Faden so breit als möglich spannen, an ihnen mit einer Spange fest. – Wenn eine Frau, die nicht zum Range der Pallas gehörte oder nicht an einen Curaca verheurathet war, einer Palla, das heißt einer Dame vom königlichen Geblüte, einen Besuch abstattete, so nahm sie keine Arbeit mit, sondern die Besuchende bat nach den vorgeschriebenen an Anbetung glänzenden Complimenten die Palla, sie möge ihr etwas zu arbeiten geben; sie mußte dieß thun um zu erkennen zu geben, daß sie die Palla nicht als ihresgleichen, sondern als unterthänige Dienerin besuche. Dann gab ihr die Palla als Zeichen hoher Herablassung etwas von ihrer eigenen Arbeit oder von der Arbeit ihrer Töchter. Noch verdient bemerkt zu werden auf welche Weise die Frauen niedern Standes ihre Kleider ausbesserten. Wenn sie sich ein Loch in ein Kleid rissen oder brannten, so bedienten sie sich einer aus einem Dorne gefertigten Nadel, denn eiserne waren ihnen unbekannt. In diese Nadel faßten sie einen Faden und stopften das Loch von einem Ende zum andern so fein und sauber, daß niemals ein Loch darin gewesen zu seyn schien, selbst wenn es handbreit war. Oeffentliche Mädchen wurden von den Incas geduldet um größere Uebel abzuwenden. Sie wohnten auf dem Felde, jede allein für sich in einer schlechten Hütte und durften die Stadt nicht betreten, weil man fürchtete die übrigen Frauen würden durch den Verkehr mit ihnen verdorben werden. Man nannte sie gemeinhin Pampayruna (Feldmädchen) und bezeichnete durch dieses Wort sowohl ihre Wohnung als auch ihre Lebensweise. Sie wurden von den Männern mit großer Verachtung behandelt, und es war ehrlichen Frauen verboten mit ihnen zu sprechen bei Strafe den nämlichen Namen als Zeichen der Schande tragen zu müssen; zugleich wurden sie öffentlich geschoren und wenn sie verheurathet waren von ihren Männern verstoßen. Das Erbrecht hatte bei den Indianern eine eigenthümliche Form. Wir haben bereits angeführt, daß dem Inca sein ältester Sohn den ihm seine rechtmäßige Gemahlin geboren, folgte; hatte er keinen solchen Sohn, so erbte der älteste von denen, welche rechtmäßig aus königlichem Blute entsprungen waren, den Thron; war der älteste gestorben, so kamen die andern Kinder an die Reihe, die keine Bastarde waren; im Fall sich aber keine rechtmäßige Nachkommenschaft vorfand, fiel das Reich an den nächsten rechtmäßig gebornen Verwandten. Dieß Gesetz war die Veranlassung, weßhalb Atabaliba alle aus königlichem Stamme Entprossenen, sowohl männlichen als weiblichen Geschlechts, umbringen ließ, denn er war ein Bastard und fürchtete man möchte ihm die usurpirte Herrschaft entreißen und sie einem rechtmäßigen Erben verleihen. – Damit aber eine große Anzahl rechtmäßiger Nachkommen vorhanden sey, heuratheten die aus dem königlichen Geblüte Stammenden stets ihre nächsten weiblichen Verwandten bis ins vierte Glied, mit Ausnahme der Schwester, welche der König heurathete. Zwölf Incas hatten bis zur Ankunft der Spanier geherrscht, und niemals war die Folge vom Vater auf den ältesten Sohn unterbrochen worden. Bei den Curacas, die über eine gewisse Anzahl von Unterthanen gesetzt waren, fand die Erbfolge in verschiedener Weise statt; denn in einigen Provinzen hatte bloß der älteste Sohn das Erbrecht, in andern wählten die Unterthanen den von den Kindern des verstorbenen Curaca zu ihrem Herrn, welchen sie wegen seiner Tugend und seines guten Charakters am meisten liebten; in andern Provinzen folgte zwar der älteste Sohn, wenn er jedoch starb, der zweite Bruder, dann der dritte und so fort. Starben alle Brüder, so fiel das Reich an den Sohn des ältesten Bruders, oder des zweiten, oder des dritten u.s.w. Die Incas stellten große Feste an, wenn sie ihr ältestes Kind entwöhnten, denn das Recht der Erstgeburt wurde außerordentlich hoch gehalten. Viel weniger Freude herrschte bei Entwöhnung der Töchter oder der jüngern Söhne. Diese Entwöhnung fand statt wenn die Kinder zwei Jahre alt waren, man schnitt ihnen zu gleicher Zeit die ersten Haare ab, mit denen sie zur Welt gekommen waren, denn vor dieser Zeit berührten sie ihr Haar nicht und legten den Kindern keinen Namen bei. Wenn diese Ceremonie statt fand, versammelten sich alle Anverwandten, und der welchen man zum Pathen gewählt hatte, schnitt dem Kinde die erste Haarlocke mit einer Art Messer von Feuerstein ab. Nach dem Pathen thaten alle übrigen Anwesenden der Reihe nach dasselbe. Sobald das Kind geschoren war, legten sie ihm einstimmig einen Namen bei und reichten ihm die herkömmlichen Geschenke, die theils in Kleidern, theils in Vieh, theils in Waffen verschiedener Art bestanden; einige gaben goldene und silberne Trinkgeschirre, die man jedoch nur königlichen Prinzen verehrte, denn niedere Volksclassen durften sich derselben ohne ausdrückliche Erlaubniß nicht bedienen. – Nach Ueberreichung der Geschenke begann das Fest; sie tranken über alles Maaß und tanzten und sangen bis in die Nacht; wenn nicht recht viel getrunken wurde, war das Fest nicht schön; es dauerte drei bis vier Tage, je nachdem das Kind eine große oder kleine Verwandtschaft hatte. Bei dem Kronprinzen fand dieselbe Ceremonie statt; man schnitt ihm gleichfalls die Haare ab, nur war das Fest natürlich großartiger und glänzender; die Curacas, die Gesandten, die Feldherren und andere Würdenträger wohnten diesem Feste, bei welchem der Oberpriester der Sonne die Pathenstelle vertrat und das zwanzig Tage dauerte, bei; man machte dem Prinzen große Geschenke in Gold, Silber, Edelsteinen, kurz mit dem was die Provinzen nur immer Kostbares besaßen. Zugleich wurde das Fest durch das ganze Reich gefeiert. Die Kindererziehung war im ganzen rauh und strenge und eine und dieselbe bei den Incas wie bei den niedrigsten Unterthanen. Sobald das Kind geboren war, wuschen sie es in kaltem Wasser und wickelten es in Windeln; dieß geschah jeden Morgen, nachdem man das Wasser die meiste Zeit im Freien hatte stehen lassen. Wenn die Mutter das Kind mit einem sehr großen Beweis ihrer Zärtlichkeit beglücken wollte, so nahm sie Wasser in den Mund und goß es über den ganzen Körper desselben aus, mit Ausnahme des Scheitels, den sie niemals berührte. Man ließ die Kinder so über drei Monate gewähren, ohne ihnen die Arme einzuwickeln, indem man behauptete das Einwickeln verweichliche sie. Die Mütter hielten die Kinder gewöhnlich in der Wiege, einer Art Bank mit vier Füßen, von denen einer kürzer als die übrigen war, um sie in eine schaukelnde Bewegung bringen zu können. – Das Bett, in welches man das Kind legte, war ein ziemlich grobes Stück Tuch, das man zu beiden Seiten der Wiege anband, damit es nicht herunterfallen konnte. – Die Mütter nahmen das Kind zu keiner Zeit, selbst nicht wenn sie es säugten, in die Arme, indem sie sagten es wolle dann, wenn es einmal daran gewöhnt sey, immer getragen seyn und nicht mehr in der Wiege bleiben. Wenn sie es aus der Wiege nahmen, machten sie ein Loch in die Erde, setzten es bis an die Brust hinein, legten, damit es weich lag, Lappen um es herum und gaben ihm mancherlei Dinge zum Spielen. Wollte die Mutter ihr Kind säugen, so legte sie sich über dasselbe, jedoch gab sie ihm nur dreimal des Tags, am Morgen, Mittag und Abend, die Brust; sie ließ es lieber schreien, als daß sie es daran gewöhnte den ganzen Tag über an der Brust zu hängen. Alle Weiber beobachteten dieß strenge und führten als Grund dafür an, daß die Kinder sonst schmutzig, zum Brechen geneigt und wenn sie groß wären zu Vielfraßen würden; auch zeige das Beispiel der Thiere das nämliche, indem sie ihre Jungen nur zu gewissen Zeiten des Tags säugten. – So vornehm eine Frau auch war, so stillte sie ihr Kind doch selbst; sie gab es niemals einer Amme, wenn sie nicht durch körperliche Umstände dazu gezwungen wurde; so lange sie das Kind säugte, wich sie ihrem Manne aus, weil wie sie sagten dessen Gesellschaft die Muttermilch verderbe und das Kind auszehren mache. – Hatte eine Mutter zur Ernährung des Kindes Milch genug, so gab sie ihm niemals vor der Entwöhnung zu essen, weil sie behauptete, jede andere Speise verderbe die Milch und schade der Gesundheit des Kindes. Wenn das Kind fortzurutschen anfing, so mußte es so gut es konnte die Brust kniend nehmen, ohne daß die Mutter es jemals auf ihrem Schooße litt; wollte es die andere Brust haben, so hielt sie ihm die Mutter hin, ohne es in ihre Arme zu nehmen. Wenn eine Frau niederkam, machte sie keine weiteren Umstände, als daß sie selbst das Kind mit kaltem Wasser wusch; dann ging sie wieder ihren Geschäften nach als wenn nichts vorgefallen wäre. Dabei leistete der Mutter bei der Niederkunft Niemand Hülfe, weß Standes sie auch war; ja wenn ihr irgend eine Frau beistehen wollte, so betrachtete man sie als eine Zauberin. 12. Staatshaushaltung. Abgabenwesen. Sorge für die Armen und Reisenden. Behandlung eroberter Länder. Die Staatshaushaltung der Peruaner war fast ebenso einfach als die Haushaltung des Privatmannes. Von Steuern im jetzigen Sinne des Wortes wußten sie nichts; der Haupttribut den sie zu entrichten hatten, bestand darin, daß sie die Ländereien der Sonne und des Inca bearbeiteten, die Ernte auf ihnen besorgten und in die königlichen Speicher oder Magazine brachten. Außerdem waren sie verpflichtet die Kleider, Waffen und Schuhe für das Heer und die Armen zu fertigen, welche Alter oder Krankheit zur Arbeit untauglich machte. Diese verschiedenen Tribute waren nach Provinzen vertheilt, so daß jede Provinz lieferte was sie besonders hervorbrachte; dabei bestand das Gesetz, daß kein Indianer aus seiner Provinz gehen durfte, um das anderswo zu kaufen was er zu liefern hatte. Die Incas hatten dieß Gesetz gegeben, um das Vagabundenleben zu verhindern. Die Armen und Schwachen hatten, damit ja Niemand als dem Inca nichttributpflichtig erscheinen möchte, einen höchst sonderbaren, die Reichthümer des Inca keineswegs vermehrenden Tribut zu entrichten, sie mußten nämlich zu gewissen Zeiten Hörner mit Läusen gefüllt liefern. Außer dem angeführten Grunde geschah dieß besonders deßhalb, damit die Armen sich von diesem Ungeziefer reinigten. Die Zehnmänner mußten besonders auf die richtige Zahlung dieses Tributes achten. Die Beamten dagegen sowie die Personen aus königlichem Stamme, die Priester, Minister und die Curacas, Feldherren waren ganz und gar tributfrei, solange sie ihre Stellen bekleideten. Auch alle im Felde stehenden Soldaten hatten nichts zu zahlen, ebensowenig alle jungen Leute, die noch nicht 25 Jahre alt waren, weil sie ihrem Vater bis zu diesem Alter dienten und nicht eher heurathen durften; selbst während des ersten Jahres nach ihrer Verheurathung genossen sie diese Vergünstigung. – Die alten Leute vom fünfzigsten Jahr an waren ebenfalls abgabenfrei, ebenso die Mädchen, verheuratheten Frauen und Wittwen; auch den Blinden, Krüppeln, Verwundeten und Kranken wurden keine Abgaben aufgelegt, die Stummen und Tauben jedoch waren nicht befreit, weil sie arbeiten konnten. Gold, Silber und Edelsteine, wovon die Incas eine ungeheure Masse besaßen, waren keine Gegenstände die man als Tribut entrichtete. Die Indianer waren nicht verpflichtet solche Geschenke zu machen, und die Incas hatten nicht die Gewohnheit sie von ihnen zu verlangen. Gold und Silber konnten sie weder im Kriege noch im Frieden gebrauchen, denn nichts wurde mit diesen Metallen gekauft, ebensowenig wurden die Soldaten damit bezahlt. Sie betrachteten diese Schätze als überflüssig, weil sie weder zum Essen noch zur Herbeischaffung von Lebensmitteln taugten. Wenn sie dem Gold und Silber und Edelsteinen Werth beilegten, so geschah dieß nur wegen ihres schönen Glanzes und weil man sich dieser Dinge zur Verschönerung der Tempel und Paläste bediente. Auch Quecksilberminen hatten die Incas entdeckt, doch gestatteten sie dessen Gebrauch nicht, weil sie es für schädlich hielten, und verboten deßhalb es aus der Erde zu ziehen. – Wenn die Indianer mithin ihrem Könige Gold oder Silber oder andere Kostbarkeiten brachten, so waren dieß nur Geschenke, denn es war allgemein Sitte, daß man seine Obern nicht ohne irgend ein Geschenk, und wäre es auch nur ein Körbchen mit getrocknetem Obst gewesen, besuchte. Außer Gold brachten die Curacas dem König mehrere sehr geschätzte Holzarten zur Erbauung von Palästen und andere Landesproducte als Geschenk dar; auch boten sie die besten Arbeiter an, die sie nur immer in einem Handwerke auffinden konnten, wie Goldschmiede, Maler, Maurer und Zimmerleute. Ferner machte man dem König wilde und zahme Thiere zum Geschenk, wie Tiger, Löwen, Bären, Affen, Papagayen, Strauße, Condore, die größten aller Vögel, Schlangen aller Art, ungeheure Krebse und schreckliche Eidechsen, die dreißig Schuh lang waren; kurz sie gaben dem König alles was das Land Merkwürdiges, Wildes und Schönes hervorbrachte. Nachdem wir im allgemeinen über die Steuern oder Tribute gesprochen, wollen wir die Hauptgesetze bezüglich der Vertheilung und Erhebung der Steuern anführen und dabei bemerken, daß diese sehr gering waren, so daß die Unterthanen fast nicht von ihnen belästigt wurden. – Das erste und Hauptgesetz verordnete, daß man die tributfreien Leute in keiner Weise mit Steuereintreibung behellige; daß keiner außer den eben angeführten Personen von Steuern frei sey. Kein Unterthan entrichtete etwas von seinem Eigenthum, sondern der Tribut bestand allein in Handarbeiten für den König oder den Staat. Der Reiche war hier dem Armen gleich gestellt, einer mußte so gut wie der andere Frohnden thun. Jeder mußte in seinem Geschäfte arbeiten und keiner durfte in das Handwerk des andern übergreifen, den Feldbau und den Kriegsdienst, den alle leisten mußten, ausgenommen. Ferner verordnete das Gesetz, daß alle Arbeiter, welche man zum Dienste des Inca verwendete, mit allen nöthigen Materialien versehen wurden; so gab man z. B. den Goldschmieden Gold, Silber, Kupfer, um sie zu verarbeiten. Außerdem mußten diese Arbeiter mit allem was sie bedurften, mit Lebensmitteln, Kleidern und selbst mit Arzneien versehen werden, wenn sie allenfalls im Dienste erkrankten; ebenso mußte für ihre Weiber und Kinder Sorge getragen werden. Dabei brauchten sich die Arbeiter bei der Arbeit nicht sehr anzustrengen, denn es wurde nicht darauf gesehen in welchem Zeitraum irgend eine Arbeit vollendet wurde. – Ein anderes Gesetz betraf die Erhebung des Tributs, welche auf folgende Weise geschah: zu einer gewissen Zeit des Jahrs versammelten sich in der Hauptstadt die Richter, die Einnehmer und die Oberrechnungsmeister jeder Provinz und stellten die Vertheilung der Tribute unter alle Landeseinwohner fest. Dann wurde diesen Finanzbeamten ein genaues Verzeichniß der Vorräthe vorgelegt, welche sich in dem öffentlichen Magazine befanden, nämlich an Lebensmitteln, Kleidern, Schuhen, Waffen, an Gold und Silber, an Edelsteinen und andern Schätzen. Eine gleiche Aufnahme wurde in jeder andern Stadt vorgenommen, und das Gesetz verordnete daß jeder Statthalter einer Provinz dieses Verzeichnis besitzen mußte, damit kein Unterschleif stattfinden konnte. Ferner stellte es fest, daß alles was der König von dem Tribut nicht brauchte, zum allgemeinen Besten verwendet werden mußte; der Inca vertheilte ohnehin schon das meiste unter die vornehmsten Beamten des Reichs, so daß er nur einen sehr geringen Theil für sich behielt. Außer den Magazinen, die sich in den Städten befanden und die besonders errichtet wurden um etwaiger Hungersnoth vorzubeugen, legte man andere längs der Heerstraße an, besonders für das Kriegsheer. Mit diesen Magazinen waren große Gebäude verbunden, die den Soldaten als Casernen dienten, indem man von dem Grundsatze ausging, die Bürger in den Städten, die ihre Abgaben entrichteten, dürften durchaus nicht mit Einquartierung belästigt werden. Ja es bestand sogar ein Gesetz, das den Soldaten bei Todesstrafe verbot etwas den Bürgern zu nehmen. Diese Gebäude, in welchen der Inca mit seinem ganzen Heere auf dem Marsche sein Quartier aufschlug, hießen Tambos, lagen immer eine Tagreise von einander und waren zugleich mit allem reichlich versehen, was das Heer bedurfte, so daß man eine Armee von 30.000 Mann vollständig ausrüsten und unterhalten konnte. Wenn die Einkünfte des Königs zur Führung des Kriegs nicht ausreichten, so nahm man zu den Revenuen der Sonne seine Zuflucht. Von Bettlern wußte man im Reiche der Incas nichts, denn es war für alle Unterthanen gesorgt; jeder hatte so viel als er zum Leben bedurfte. Die erste Bettlerin sah man im Jahre 1560. In diesem Jahre, erzählt man, sey eine alte Indianerin in Cuzco von Thüre zu Thüre gegangen und habe um Almosen gebeten. Und diese that es nicht sowohl aus Noth, sondern um, wie die Zigeunerinnen, die Wahrsagerin spielen zu können; die Landeseingebornen sollen vor diesem Weibe einen solchen Abscheu gehabt haben, daß sie dieselbe überall ausschimpften und vor ihr ausspieen, um zu zeigen, daß sie als ein Auswurf der Menschheit betrachtet werden müsse; und doch sprach sie nicht einmal ihre Landsleute, sondern nur Spanier um Almosen an. – Ebenso sorgten die Incas für die Bedürfnisse der Reisenden; sie ließen auf allen Heerstraßen Hospitäler anlegen, die mit allem Nothwendigen versehen waren. Hier reichte man den Vorüberkommenden Speise und versah sie mit allem was sie brauchten. Wurden sie auf der Reise zufällig krank, so pflegte man sie mit der größten Sorgfalt. Auch fand Jedermann die Unterstützung der Reisenden für billig, indem sie nicht zum Vergnügen oder ihrer eigenen Angelegenheiten wegen, sondern in öffentlichen Geschäften für den König oder die Curacas oder den Staat reisten. Wer unnöthigerweise eine Reise unternahm, wurde als Vagabund bestraft. Ein besonderes Gewicht legte man auf die gute Ordnung in den Haushaltungen. Es gab einige Richter zu diesem Zweck, die in die Häuser gingen und untersuchten ob Mann und Frau die gehörige Sorgfalt auf ihr Hauswesen und auf den Unterricht ihrer Kinder verwendeten; sie fällten ihr Urtheil je nach der größern oder geringern Reinlichkeit, die sie in dem Hause, an den Kleidern und Geräthen antrafen. Die reinlichsten und besten Haushalter wurden laut gelobt, die nachlässigen von ihnen mit Peitschenhieben auf die Schenkel oder Arme gezüchtigt, oder zu noch schwereren, vom Gesetz vorgeschriebenen Strafen verurtheilt. Hatte der Inca eine neue Provinz erobert und deren Bewohner tributpflichtig gemacht, hatte er ihnen Statthalter und Religionslehrer gegeben, so war er darauf bedacht alle Angelegenheiten dieses Landes zu ordnen. Zu diesem Ende befahl er, vermittelst der Knoten die man in einen Faden machte, die Weiden, Hügel, Berge, das ackerbare Land, die Metallminen, Salinen, Quellen, Flüsse, die Baumwolle tragenden Felder, die Obstbäume und das Vieh zu zählen. Alle diese Gegenstände wurden einzeln in Rechnung gebracht, d. h. man zählte zuerst die einer Provinz, dann die einer jeden Stadt und zuletzt die eines jeden Privatmannes; hatte man sich hierüber Licht verschafft, so wurde dem Inca ein genauer Bericht erstattet. Dann wurde die Aufnahme des Landes nach Quadraten gemacht und dabei die fruchtbaren Strecken von den unfruchtbaren unterschieden, um darnach den Ertrag derselben bemessen zu können; rings um die neue Provinz wurden Gränzen abgesteckt und den Bergen, Flüssen und Bezirken theils neue Namen gegeben, theils die alten vom Inca bestätigt. Dann wurde alles Land unter die Städte der Provinz vertheilt. Die Benützung der Gold- und Silberminen wurde den Curacas überlassen; doch nicht zur Anhäufung von Reichthümern, sondern bloß zum Schmuck der Kleider, zu Verschönerungen u. drgl.; ebenso durften sie Kupfer graben, das höher als Gold und Silber geschätzt wurde, weil es ihnen statt des Eisens diente und sie verschiedene Werkzeuge wie Messer, Streitäxte und Pfeilspitzen daraus verfertigten. Die Incas unternahmen nie einen Krieg ohne ihn vorher den Feinden zwei- oder dreimal erklärt zu haben; war eine Provinz unterworfen, so sendete der Inca den Hauptgötzen derselben nach Cuzco, um ihn im Tempel der Sonne aufzustellen, bis der Cazike und die übrigen Anhänger desselben sich von dem falschen Glauben an ihre Götter überzeugt und sich zur Anbetung der Sonne gewendet hatten. Sie stürzten die Götzen der eroberten Provinz nicht sogleich um, aus Furcht die Bewohner möchten durch die Beschimpfung ihrer Gottheiten aufgereizt und zum Aufstande hingerissen werden; dieser Götzendienst wurde erst dann aufgehoben, wenn dessen Anhänger in dem Dienst der Sonne gehörig unterrichtet waren und eine bessere Ueberzeugung gewonnen hatten. Man führte auch den ersten Caziken mit all seinen Kindern nach Cuzco, damit sie durch Unterredungen mit den tugendhaftesten und weisesten Männern die Gesetze, Sitten, Sprache, Religion und Ceremonien lernen möchten. Um überall die Einigkeit und den Frieden nach dem Kriege in dem eroberten Lande herzustellen, um Freundschaft zwischen den siegreichen und besiegten Kriegern zu stiften, gab man ihnen glänzende Feste, an welchen die ganze Bevölkerung Theil nahm. Auch machte man den Besiegten Geschenke mit Gold, Silber, Kleidern, schönen Federn und andern von ihnen hochgeschätzten Gegenständen. Die Jünglinge tanzten mit den Mädchen und die Aelteren stellten Waffenspiele und militärische Uebungen an. Solche politische, meistens auf Milde sich stützende Mittel wendeten die Incas zur Civilisirung der Unterthanen an; es gelang ihnen dadurch selbst die wildesten und rohesten Stämme allmählich unter das neue Joch zu beugen und dahin zu bringen, daß sie dem Inca mit solchem Eifer und mit solcher Anhänglichkeit gehorchten, daß fast niemals eine Provinz sich empörte. Um jeder Beschwerde und jedem Aufstande zuvorzukommen, ließ der Inca die alten Landesgesetze aufs neue publiciren und bestätigen, die jedoch ausgenommen welche mit dem Cultus des Reichs oder seinen Einrichtungen in directem Widerspruch standen. Wenn er es für gut hielt, verpflanzte er die Bewohner der unterworfenen Provinzen in neue Gebietstheile und gab ihnen Ländereien, Häuser, Knechte und Vieh, daß sie anständig leben konnten. An ihren frühern Wohnplatz schickte er Bürger aus Cuzco oder aus andern Städten, von deren Treue er überzeugt war; diese bildeten auf solche Weise eine Gränzsperre zum Schutz des Reiches und verbreiteten in ihren neuen Wohnsitzen ihre Gesetze, Gewohnheiten und Sprache. Wenn die Einwohner eines Landes sich freiwillig dem Inca unterwarfen, so erhob man die fähigsten Männer aus ihrer Mitte zu Militär- und Civilämtern, nicht anders als wenn sie alte Krieger und treue Unterthanen des Inca gewesen wären. 13. Beamtenstand. Straßenbau und Posteinrichtung. Eintheilung des Reichs. Volkszählung. Rechtspflege. Gesetzgebung. Sittensprüche. In dem Beamtenwesen herrschte eine strenge, zweckmäßige Unterordnung, besonders galt dieß von der Heereseintheilung, von der wir weiter unten sprechen werden. Gleiches fand statt bei den Hirten, welche die Heerden des Königs und des Landes hüteten. Ueber eine gewisse Anzahl von Schäfern war ein Aufseher gesetzt und über mehrere wieder ein Oberschäfer u. s. w., so daß die Schafe mit der größten Sorgfalt geweidet wurden und niemals eines abhanden kam. Freilich gab es keine Diebe im Lande und man hatte sie nur gegen reißende Thiere zu schützen. – Es gab ferner für alle Zweige der Verwaltung eine zweckmäßige Anzahl von Geschäftsführern, Unternehmern, Verwaltern, Visitatoren und Richter, die für alle Bedürfnisse des Reiches und des Volkes sorgen mußten. Der Hausvisitatoren haben wir bereits erwähnt. Befand sich jemand in Noth, so mußten ihm die Beamten sogleich Hülfe gewähren und dem Statthalter oder dem König selbst davon Nachricht geben. Besonders strenge sahen die Visitatoren darauf, daß die Kinder den Eltern gehorchten und die Töchter das Hauswesen gut mitbesorgen halfen. Durch das ganze Reich liefen Straßen die als wahre Wunderwerke betrachtet werden müssen, und über welche spanische Schriftsteller ihr Erstaunen nicht genug aussprechen können. Wir führen nur Ein Beispiel an. Als der Inca Guaynacava von Cuzco zur Eroberung von Quito auszog, machte er einen Weg von nicht weniger als fünfhundert Stunden über Berge, Thäler, Abgründe, die sich ihm überall als beinahe unübersteigliche Hindernisse entgegenstellten, weil noch keine Heerstraße angelegt war. Nachdem er glücklich diese Provinz erobert hatte, wollten ihm die Indianer einen Beweis der Hochachtung und des Dankes für seinen Sieg geben und bereiteten ihm zur Rückkehr einen bequemen Weg. Sie brachten dieses Werk mit ungeheuren Anstrengungen zu Stande; sprengten große Felsen, füllten Thäler und Abgründe von mehr als hundert Fuß Tiefe aus, und vollendeten so in kurzer Zeit eine fünfhundert Stunden lange Straße und zwar so eben und breit, daß man sie überall mit einer Carrosse leicht hätte befahren können. Als die Spanier in Peru einfielen, wurden diese Straßen größtentheils durch die Eingebornen zerstört, um das Vordringen der Feinde zu verhindern. Die erwähnte Straße führte nach Quito über die Gebirge. Die Indianer legten bald darauf eine zweite, durch die Ebenen nach dieser Provinz führende an; in allen Tiefen, die meistens eine Stunde breit waren, errichteten sie hohe Erdaufwürfe und machten die Straße, die vierzig Fuß breit war, so eben daß man weder auf- noch abwärts zu steigen brauchte; sie war gleichfalls 500 Stunden lang, zu beiden Seiten mit Schranken versehen und mit zwei Reihen von Obstbäumen und andern Bäumen bepflanzt. Auf den höchsten Bergen befanden sich zu beiden Seiten der Straße geebnete Plätze, zu welchen in die Felsen gehauene Treppen hinaufführten, damit die, welche den König auf seiner Sänfte trugen, leichter hinauf steigen konnten, wenn dieser sich an der Aussicht ergötzen wollte, die oft einen Gesichtskreis von 100 Stunden darbot. Auch eine Posteinrichtung war in dem Reiche eingeführt. Auf allen Straßen waren von einer Viertelstunde bis zur andern fünf bis sechs Chasqui (Boten oder Läufer) zur schnellen Besorgung der Neuigkeiten, Nachrichten oder königlichen Befehle aufgestellt. Diese Boten wohnten in kleinen Häuschen, um sich gegen die Witterung zu schützen; sie kamen der Reihe nach an das Ueberbringen der Botschaften und mußten ihre Blicke beständig auf die Straße richten um ja keinen heraneilenden Boten zu versäumen. So schnell als möglich mußten sie von ihm die zu besorgende Botschaft vernehmen, damit ja keine Zeit verloren ging. Ihre Stationshäuschen waren deßhalb immer auf einem Hügel angelegt, so daß sie sich bis auf eine Viertelstunde hin erblicken konnten. Die Entfernungen waren deßhalb nicht größer bestimmt, weil sie behaupteten ein Mensch könne nicht wohl, ohne stille zu stehen oder außer Athem zu kommen, weiter laufen. Die Boten nannten sie Chasqui, d. h. Auswechsler, indem diese die Nachrichten einander mündlich mittheilten oder die Worte austauschten; von schriftlicher Mittheilung konnte keine Rede seyn, weil den Indianern die Schrift unbekannt war; die Botschaften selbst waren in wenige leicht zu behaltende Worte gefaßt, damit deren Sinn nicht entstellt würde oder die Boten sie vergäßen. Der Läufer welcher die Botschaft brachte, fing schon in der Ferne laut zu rufen an, um den Boten der an die Reihe kam, aufmerksam zu machen. Er wiederholte das was er zu sagen hatte zwei oder dreimal, bis der welcher die Depesche weiter befördern sollte, sie gehörig und genau verstanden hatte, und so ging es fort bis zu dem Orte, wohin sie bestimmt war. Das ganze Reich war nach den vier Weltgegenden (Tavantinsuyv) in vier große Theile geschieden, der östliche hieß Antisuyv, der westliche Cuntisuyv, der nördliche Chinchasuyv und der südliche Collasuyv nach den vier Provinzen Anti, Cunti, Chincha und Colla. Die Hauptstadt Cuzco lag in der Mitte, und es verdient bemerkt zu werden, daß dieser Name »Nabel der Erde« bedeutet. Kamen neue Provinzen zu dem Reiche, so wurden sie einem der vier Haupttheile einverleibt. Um eine feste Ordnung im Staate zu begründen, hatten die Incas zu gleicher Zeit verordnet, daß von Zeit zu Zeit eine allgemeine Volkszählung, die sich sogar auf die Kinder erstreckte, vorgenommen wurde; die Bewohner jeder Stadt, selbst der kleinsten, wurden in ein öffentliches Register eingetragen und zwar decurienweise, d. h. je zehn und zehn Mann, über welche ein Decurio als Zehnmann die Aufsicht führte. Je fünf solcher Decurien hatten wieder ein eignes Oberhaupt, das mithin über fünfzig Mann zu gebieten hatte. Zwei Decurien von je fünfzig Leuten hatten einen Führer, fünfhundert Mann bildeten eine Compagnie unter einem Hauptmann, zwei Compagnien oder tausend Mann standen unter einem General. Diese Decurionen, Hauptleute und Generale hatten insbesondere zwei Obliegenheiten: die erste war genau darauf zu achten, daß für die Bedürfnisse der ihnen Untergebenen gesorgt wurde. Wenn es sich z. B. um die Herbeischaffung von Lebensmitteln oder um Unterstützung bei einem Unglücksfalle handelte, so mußten sie sich deßhalb an die obern Behörden wenden und die nöthigen Schritte thun, bis dem Uebelstande abgeholfen war. Zweitens war es ihre Pflicht als Ankläger aufzutreten, wenn irgend Jemand aus ihrer Abtheilung den geringsten Fehler beging; sie mußten die Klage bei dem nächsten Obern anzeigen und dieser ließ dann den Schuldigen bestrafen. – Je nach der Größe des Verbrechens mußte von verschiedenen stufenweise angeordneten Richtern das Urtheil gefällt werden. Der Gang der Gerechtigkeit war kurz, die Vollziehung der Strafe folgte unmittelbar nach dem Urteilsspruche, und eine Berufung an eine höhere Instanz fand nicht statt. Ebenso schnell wurden bürgerliche Rechtssachen entschieden; um jedes Hinausziehen derselben zu verhüten, und besonders um die Armen in ihrem Rechte zu schützen, war in jeder Stadt ein Richter angestellt, der unbedingte Gewalt hatte die Rechtshändel, welche die Bürger miteinander führten, zu schlichten. Handelte es sich um eine Streitigkeit zwischen zwei Provinzen, über die Feldmarken oder das Weiderecht, so sendete der Inca einen eigenen Bevollmächtigten, um den Streit zu beenden. Jeder Vorsteher, die hohen wie die niedern, wurden strenge bestraft, wenn sie nicht für die Bedürfnisse der ihnen Untergebenen bei der obern Behörde das Nöthige verlangten. Wenn er einen Schuldigen nicht noch am nämlichen Tage anzeigte, mußte er selbst, wenn es bekannt wurde, die doppelte Strafe erleiden: einmal weil er seine Pflicht nicht gethan und dann weil er sich an dem Verbrechen des Schuldigen dadurch, daß er diesen nicht angezeigt, betheiligt hatte. Die strenge Aufsicht, die von oben herab stufenweise stattfand, hatte die gute Wirkung, daß jeder sich beeiferte seine Pflicht zu thun. Dabei waren diese Gesetze so strenge, daß sogar die geringsten Verbrechen beinahe immer mit dem Tode bestraft wurden. Gelindere Strafen waren Auspeitschung und Verbannung. – Die Jünglinge wurden unter strenger Aufsicht gehalten und sogenannte Jugendstreiche gingen ihnen nicht ungestraft hin; doch nahm man stets auf ihr Alter Rücksicht. Ueberdieß waren die Väter für die Fehler und übeln Gewohnheiten ihrer Söhne verantwortlich; sie wurden gestraft, wenn sie diese in frühern Jahren nicht unterrichtet und erzogen hatten. Daher kam es, daß die Väter auf die Erziehung ihrer Söhne die größte Sorgfalt verwendeten und sie von jeder ihrer unwürdigen Handlung zurückhielten. Die Decurionen hatten ferner ihren Obern von Monat zu Monat über die Zahl der Gebornen und Gestorbenen Bericht abzustatten, so daß der Inca am Schlusse des Jahrs genau den Stand der Bevölkerung übersehen konnte. Gleiche Berichte wurden über den Stand des Heeres eingeliefert, so daß man genau wußte wer im Kriegsdienste gestorben war. Um zu verhindern daß die Statthalter, die Richter und alle übrigen Beamten die ihnen anvertraute Gewalt nicht mißbrauchten, sondern gewissenhaft ihre Pflicht erfüllten, waren Controleure und eigene Commissäre angestellt, die insgeheim die Provinzen durchreisten, um sich Kenntniß von den etwaigen Vergehen und Verbrechen der Staatsdiener zu verschaffen und darüber an die competente Behörde zu berichten, damit die unwürdigen ihrer Stellen entsetzt und gestraft wurden. Diese Commissäre waren eine Art geheimer Polizei und man nannte sie Tucuyricoc (die alles Sehenden). So waren alle Beamten sowohl am Hofe als in den Städten und Provinzen von oben herab genau überwacht, und sie wurden weit strenger als gewöhnliche Bürger, wenn sie ihre Amtspflicht verletzten, bestraft, besonders aber die Justizbeamten. Der Grund den sie als Ursache dieser Handlungsweise anführten war, daß ein ausdrücklich zur Ausübung der Gerechtigkeit angestellter Mann für ungerechte Handlungen um so größere Strafe verdiene, weil er dadurch die Sonne und den Inca beleidige, die ihn zu seinem Amte in der Meinung emporgehoben hatten, er sey besser und redlicher als andere Menschen. Wir führen nun noch einige merkwürdige Gesetze an. Keiner wurde wegen eines Vergehens zu einer Strafe an seinem Besitze verdammt oder wie unsere Gesetzgebung sich ausdrücken würde: niemand wurde zu einer Geldstrafe verurtheilt. Es fanden mithin keine Confiscationen statt, denn sie behaupteten, wenn man auch die Güter des Schuldigen einziehe, ihn selbst aber am Leben lasse, so würde dadurch das Verbrechen aus dem Staate nicht verbannt, sondern den Verbrechern nur Gelegenheit gegeben noch größere Verbrechen zu begehen. – Wenn ein Curaca sich empörte, so wurde er nach dem Gesetz bestraft, aber die Strafe nicht auf den Sohn ausgedehnt, der dem Vater im Amte zu folgen bestimmt war; im Gegentheil man verlieh ihm dieß Amt, indem man ihm den Fehler seines Vaters vorstellte und ihn ermahnte nicht auch in denselben zu verfallen. – Hatte ein Richter einen Urtheilsspruch gefällt, so konnte er ganz und gar die durch das Gesetz verhängte Strafe nicht erlassen, sondern mußte sie bei Todesstrafe pünktlich vollziehen lassen. – Die Strenge der Gesetze flößte den Unterthanen einen solchen Abscheu vor dem Laster ein, daß in dem großen Reiche die beste Ordnung herrschte und es trotz der Menge verschiedener Stämme einer einzigen großen Familie glich. Da man überdieß jedes Gesetz für göttlich hielt, so beobachtete man es auch mit Freuden, und man fand während des ganzen Jahres kaum einen einzigen, der einen strafbaren Fehler begangen hatte. Jeden, der ein Gesetz verletzte, hielt man für einen Gottesfrevler, so daß sich die Schuldigen häufig aus Gewissensbissen selbst beim Richter angaben. – Jeder Richter mußte von Monat zu Monat Rechenschaft über seine Urtheile ablegen, damit man daraus ersehen konnte, ob jeder seine Pflicht erfüllte. – Auch Gesetze gegen den Luxus waren eingeführt. Der Inca Pachacutec verordnete, daß nur die Prinzen und ihre Söhne Gold, Silber, Edelsteine und kostbare Federn oder Kleider aus der feinen Wolle der Vicunaziege tragen durften. – In Bezug auf das Essen gebot das Gesetz Mäßigkeit; bezüglich des Trinkens bestand keine Verordnung, jeder durfte sich so oft er wollte berauschen. – Einer der größten Gesetzgeber war der obengenannte Pachacutec; er erließ unter andern Gesetze gegen Hochverräther und Majestätsverbrecher, gegen Gotteslästerer, Mörder, untreue Vasallen, Ehebrecher, gegen die welche Mädchen aus dem Hause ihrer Eltern entführten oder ihnen Gewalt anthaten; ingleichen gegen Räuber, Sodomiter, Unzüchtige und so weiter. Es sind von ihm noch eine Reihe von Denksprüchen übrig, die wir unsern Lesern wegen ihrer Eigenthümlichkeit hier mittheilen wollen. »Ein Reich befindet sich in ruhigem Zustande und Ordnung herrscht in ihm, wenn die Unterthanen, Beamten und Statthalter ihrem Könige freiwillig und in Liebe gehorchen.« – »Der Neid ist ein Wurm, der die Eingeweide der Neidischen auffrißt und verzehrt.« – »Der leidet doppelt Pein, welcher einen andern beneidet und selbst beneidet wird.« – »Es ist besser von andern beneidet werden, wenn man rechtschaffen ist, als wenn man aus Bosheit Neid gegen andere hegt.« – »Man thut sich selbst Schaden, wenn man andere beneidet.« – »Der welcher Neid gegen Rechtschaffene in sich trägt, zieht von diesen nur Böses, gerade wie die Spinne, die wir aus den schönsten Blumen Gift ziehen sehen.« – »Betrunkenheit, Zorn und Thorheit gehen beinahe gleichen Schritt, doch die beiden erstern sind freiwillig und vorübergehend, während die Thorheit immer dauert.« – »Der Mensch verdammt sich selbst zum Tode, welcher jemanden mit kaltem Blute tödtet ohne einen Grund dafür zu haben oder ohne dazu beauftragt zu seyn.« – »Es ist nothwendig, daß der zum Tode verdammt werde, der seinesgleichen den Tod gegeben hat; ich bestätige deßhalb das Gesetz meiner Vorfahren, das die Todesstrafe über alle Mörder verhängt!« – »In einem gutgeordneten Staate darf man niemals Taugenichtse und Träge dulden, die statt sich ehrlich nähren zu wollen, nur von Raub und Diebstahl leben. Es ist deßhalb sehr billig, daß diese Diebe gehängt werden.« – »Die Ehebrecher, die das Bett anderer schänden und mithin den Frieden und die Ruhe der Familien stören, sollen als Räuber betrachtet und ohne Gnade zum Tode verdammt werden.« – »Ein edles und großes Herz zeigt sich in der Geduld, mit welcher es die Schläge des Schicksals erträgt.« – »Die Ungeduld ist ein Zeichen eines gemeinen Herzens, das keine Bildung, sondern nur böse Gewohnheiten besitzt.« – »Die Könige und Statthalter müssen Milde und Freigebigkeit gegen ihre Unterthanen üben, wenn sie den Gesetzen, die man ihnen gegeben hat, gehorchen; müssen aber jeden, der sie übertritt, bestrafen.« – »Schlechte Richter, von welchen die streitenden Parteien betrogen werden und die sich bestechen lassen, sind als Räuber zu betrachten.« – »Die Statthalter in den Provinzen müssen besonders auf zwei Dinge achten: erstens müssen sie pünktlich die Gesetze ihres Beherrschers befolgen und bewirken, daß die andern dasselbe thun; zweitens müssen sie einen guten Rath um sich haben, damit sie mit großer Gewissenhaftigkeit und Wachsamkeit für die allgemeinen und besondern Bedürfnisse ihrer Provinz sorgen können.« – »Ein Mensch, der nicht im Stande ist seine Familienangelegenheiten zu regeln, wird noch weniger im Stande seyn, die Angelegenheiten des Staates zu leiten; man darf ihn deßhalb andern nicht vorsetzen.« – »Ein Arzt der die Eigenschaften der Pflanzen nicht kennt oder, wenn er einige kennt, nicht auch die übrigen kennen zu lernen sucht, weiß ganz und gar nichts oder er weiß nur sehr wenig. Wenn er sich also die Würde nach der er strebt erwerben will, so muß er sich die Kenntniß aller Pflanzen, der heilsamen wie der schädlichen, verschaffen.« – »Der verdient daß man ihn aushöhnt, welcher die Kunst mit Knoten zu rechnen nicht versteht und sich dabei einbildet, er könne sich mit der Berechnung der Sterne befassen.« Der Inca Roca stellte unter andern folgende merkwürdige Grundsätze auf: man müsse nur die Vornehmen in den Wissenschaften unterrichten und nicht auch die Söhne niedrig geborner Leute, denn es stehe zu befürchten daß sie durch die zu hohen Kenntnisse übermüthig würden und dem Staate daraus Unheil erwachse. Es genüge um sie zu beschäftigen, daß jeder das Handwerk seines Vaters lerne. – Mit einem Mörder, Aufrührer, Dieb, Ehebrecher dürfte man kein Mitleid haben, sondern müsse ihn ohne Barmherzigkeit aufhängen. – Gewöhnlich führte dieser Inca die Worte im Mund: so oft er die Größe, das Licht und die Schönheit des Himmels betrachte, ziehe er daraus den Schluß daß nothwendig Pachacamac (Gott) ein sehr mächtiger König seyn müsse, weil er eine so schöne Wohnung habe. – Um zu zeigen wie hoch er tugendhafte Personen schätze, sagte er: »Wenn ich auf Erden irgend etwas anbeten müßte, so wäre es ohne Zweifel ein weiser rechtschaffener Mann, weil er an Würde alle Dinge der Welt übertrifft.« Um jedoch zu beweisen, daß man keine Menschen anbeten solle, fügte er hinzu: man dürfe den nicht anbeten, der unter Thronen geboren, der aus einem Kinde zum Manne werde, der nie in demselben Zustande verbleibe, der heute auf die Welt komme und morgen wieder scheide und der sich vom Tode nicht frei machen noch bewirken könne, daß er nach dem Tode noch einmal geboren werde. 14. Heerwesen. Flußübergänge. Brücken. Schifffahrt. Fischfang. Ackerbau. Viehzucht. Handwerke. Das Heerwesen war nach den nämlichen Grundsätzen wie die Civileinrichtung organisirt; auch hier ging man von der Grundzahl zehn aus und stieg so von Stufe zu Stufe bis zu tausend Mann empor, jede Abtheilung hatte ihren Heerführer wie bei unsern Regimentern; über tausend Mann war ein General gesetzt. – Die Waffen, welche die Indianer führten, haben wir bereits genannt. – Die Vorgesetzten dienten beim Heere wie beim Bürgerstande als Schützer und als Ankläger zugleich. – Jede Stadt hatte eine gewisse Zahl von Leuten für das Heer zu stellen; wer ohne Erlaubniß oder Abschied sich von demselben entfernte, wurde zum Tode verurtheilt; überhaupt war die Kriegszucht äußerst strenge. – Man sollte übrigens glauben in einem von vielen und großen Flüssen durchschnittenen Lande, dessen Bewohner von der Schiffbaukunst nichts verstanden, sey die Fortbewegung großer Menschenmassen nicht leicht möglich gewesen. Die Indianer fanden aber dennoch Mittel auf ganz eigenthümlich eingerichteten Brücken über breite reißende Ströme zu setzen. Es wächst nämlich bei ihnen eine Art großer Binsen, Ycha genannt, die sie zu diesem Zwecke benutzten. – Sie flochten aus diesen große Seile von der Dicke einer Mannshüfte und spannten zwei derselben von einem Ufer bis zum andern auf der Oberfläche des Wassers; auf diese beiden Seile legten sie dicht nebeneinander Bündel aus Rohr und Binsen, von der Dicke eines Ochsen, und befestigten diese so gut als möglich an einander selbst und an den Seilen. – Ueber diese Bündel wurden dann zwei andere Seile gelegt und so straff angezogen, daß das Ganze fest geschlossen war. Damit die bindenden Seile durchs Hinübergehen nicht zerrissen wurden, legte man eine zweite Reihe kleiner Rohr- und Strohbündel darüber, die man ebenfalls an die Seile befestigte. Solche Brücken waren gewöhnlich 14 Fuß breit und 150 Schritte lang. Da jedoch das Schilf und Stroh schnell dem Verderben ausgesetzt sind, so war man gezwungen alle sechs Monate diese sonderbaren Brücken neu einzurichten. Die Seile, auf denen die ganze Brücke ruhte, wurden an beiden Ufern dadurch befestigt, daß man sie tief in die Erde eingrub ohne sie an hölzerne oder steinerne Pfeiler anzubinden. Wahrscheinlich rührte dieses Verfahren daher, weil eine solche Brücke bald weiter oben bald weiter unten geschlagen wurde und sie auf diese Weise damit in sehr kurzer Zeit fertig wurden. Diese Brücken legte man jedoch nur auf den Hauptstraßen an, weil ihre Erbauung und Unterhaltung zu kostspielig war. – An andern Stellen wurde der Uebergang auf großen Flößen bewerkstelligt; denn die Kunst Kähne oder Schiffe zu bauen kannten die Indianer nicht. Der Hauptgrund lag wohl in der Beschaffenheit ihrer Holzarten, denn wenn in jenen Ländern auch große Bäume, die man zu Canots und dergleichen hätte verwenden können, wachsen, so waren dieselben wegen ihrer Schwere und Eisenhärte dazu untauglich. Sie bedienten sich daher zu Flößen eines Baumes, der nur so dick wie die Hüfte eines Mannes wird und dabei sehr leicht ist. Fünf bis sechs solcher Baumstämme fügten sie zusammen, der längste kam in die Mitte und so waren die nach der äußern Seite stets verhältnißmaßig kürzer und liefen in eine Spitze aus, um auf diese Weise das Wasser besser durchschneiden zu können. Um sie von dem einen Ufer nach dem andern zu bringen, hatte man an beiden Seiten Seile befestigt. Außer diesen Flößen oder fliegenden Brücken bedienten sie sich statt der Barken eines sonderbaren Verbindungsmittels. Sie nahmen nämlich einen Bündel Schilf von der Größe eines Ochsen, banden ihn so fest als möglich und gaben ihm von der Mitte aus nach dem Vordertheile eine Spitze, einer Art Schiffsschnabel ähnliche Gestalt; von dieser Spitze aus wurde der Bändel nach der entgegengesetzten Richtung oder nach dem Hintertheil hin immer breiter; die Oberfläche auf welche die Ladung gelegt wurde war flach. Zur Führung dieses sonderbaren Fahrzeugs bedurfte es nur eines Mannes, der sich auf das Hintertheil setzte und seine Hände und Beine als Ruder gebraucht. War der Strom reißend, so kam das Fahrzeug 100 bis 200 Schritte unter dem Orte der Abfahrt an. Wenn der Schiffer jemanden übersetzte, so mußte der Ueberfahrende sich längs auf das Fahrzeug hinlegen und seinen Kopf gegen den Fährmann stemmen, der ihm noch ganz besonders anrieth sich fest an den Seilen des Bündels zu halten ohne den Kopf zu erheben oder die Augen zu öffnen. Weil nämlich das Fahrzeug reißend schnell den Strom hinabglitt, so konnte der, welcher daran nicht gewohnt war in Schrecken gerathen, die Besinnung verlieren und in die Fluth stürzen. Ein anderes Mittel über reißende Ströme zu setzen bestand darin, daß sie einen großen Korb aus Binsen verfertigten und denselben an langen Seilen von einem Ufer zum andern zogen. Uebrigens gehörte zu dieser Ueberfahrtsweise große Geschicklichkeit, weil der Korb leicht umschlug. Es mußten deßhab gewisse Provinzen die Fährleute abrichten und an die Ueberfahrtsstellen schicken, damit diese Unglücksfälle so viel als möglich vermieden wurden. Uebrigens fand diese Ueberfahrt nur an abgelegenen wenig besuchten Uebergangspunkten statt. Mit diesen Flößen und den beiden andern Fahrzeugen wagten sich die Indianer sogar auf die offene See bis auf sechs Stunden Entfernung von der Küste; das Meer an der Küste von Peru ist nämlich sehr ruhig, so daß man es mit den kleinsten Schaluppen befahren kann. Mannsdicke, aber sehr leichte Schilfrohre dienten ihnen beim Fahren als Ruder, welche sie mit beiden Händen sehr geschickt zu führen wußten. Mit diesen Fahrzeugen gingen sie zugleich auf den Fischfang aus. Sie verstanden Fische von der Größe eines Mannes auf dieselbe Weise zu fangen wie man die Wallfische mit der Harpune wirft. Sie banden nämlich einen Haken an ein starkes Seil, das 20, 30 ja 40 Klafter lang war. Sobald der Fischer seine Beute mit dem Haken getroffen hatte, ließ er das Seil, welches er in der Hand hielt nach; der Fisch schwamm dann mit ungemeiner Schnelligkeit bis er seine Kraft allmählich verlor und der Fischer ihn auf sein Fahrzeug ziehen konnte. – Außerdem fischte man mit Netzen und Angeln doch ohne besondern Erfolg, weil die Netze zu klein waren und die Angeln nichts taugten, da man sie weder aus Eisen noch aus Stahl fertigen konnte. Segel wendete man bei den Fahrzeugen nicht an, weil diese nicht stark genug waren um sie tragen zu können. Der Ackerbau der Indianer befand sich in sehr glänzendem Zustand, denn sie wendeten alle nur mögliche Sorgfalt zur Vermehrung der Productionsfähigkeit des Bodens an. Sie besaßen Wasserbaumeister, die besonders auf die Bewässerung der Felder ihre ganze Aufmerksamkeit richteten. Diese mußten überall, wo das Land zum Ackerbau tauglich war, Canäle anlegen, was besonders in den heißen Gegenden von außerordentlichem Nutzen war. Ebenso wurden auch die Weiden, die den großes Heerden ihre Nahrung gaben, trefflich bewässert; damit aber die Bewässerung gleichmäßig und an allen Stellen stattfand, wurden die Felder und Weiden geebnet. Um Hügel und steinigen Boden leichter urbar zu machen, legten sie Terrassen an, indem sie von Stufe zu Stufe eine Mauer errichteten und die Zwischenräume mit Grund ausfüllten; die Felsen wurden mit Erde bedeckt, so daß auch die kleinste Stelle nicht unbenutzt blieb. Die Canäle waren oft 15 bis 20 Stunden lang, so sehr war man darauf bedacht den Aeckern die nöthige Feuchtigkeit zu verschaffen. War die Ebnung und Bewässerung vollendet, so wurde das ganze Land der Provinz in drei Theile getheilt; der erste Theil gehörte der Sonne, der zweite dem König und der dritte den Bewohnern. Der den letztern zukommende Theil war übrigens stets der größte, damit hinreichend Ackerland zum Bebauen für sie vorhanden und ihre Existenz gesichert war. Mehrte sich in einer Provinz die Bevölkerung, so wurde ihr so viel von der Domaine der Sonne oder des Inca angewiesen, als zu ihrem Unterhalte nothwendig schien. – Außer Mais pflanzten sie Getreide und andere Feldfrüchte, welche bei ihnen die Namen Papa, Oca und Añus führen. Trugen die Felder aus Mangel an Bewässerung schlecht, so wurden sie nur ein und zwei Jahre nacheinander bestellt und blieben dann brach liegen, während man andere bearbeitete; auf diese Weise hatte man stets tragbare Felder. – Bei der Bebauung der Felder wurde folgende Ordnung beobachtet. Zuerst wurden die Aecker der Sonne, der Waisen, Wittwen und der Personen, welche Alter oder Krankheit zur Arbeit untauglich machte, bestellt. Alle diese Personen setzte man in die Classe der Armen; in jeder Stadt, ja selbst in jedem Viertel derselben, wenn sie groß war, waren Beamte angestellt, die auf die sorgfältige Bebauung der Felder der Armen sehen mußten. Man nannte sie Llactacamayu (Stadtschöffen); sie stiegen zu den Zeiten wo die Feldarbeiten, die Beackerung, die Aussaat, die Ernte gethan werden mußten, in dunkler Nacht auf eigens zu diesem Zweck erbaute Thürme und riefen, nachdem sie mit einer Trompete ein Zeichen gegeben hatten, mit lauter Stimme: »Morgen beginnen die Feldarbeiten für die schwachen alten Leute; die dabei betheiligt sind, werden hiermit darauf aufmerksam gemacht, auf daß sie sich an Ort und Stelle einfinden.« – Wer zu diesen Arbeiten verpflichtet war und nicht kam, wurde strenge bestraft. Obschon jeder dabei gezwungen war auf eigene Kosten und nicht auf Kosten der Armen zu leben, verrichtete er diesen Dienst doch gerne, denn sie sagten, die Greise, Schwachen und Armen seyen ohnehin übel genug daran und es könnte daher nicht von ihnen verlangt werden, daß sie arbeiteten. Hatten die Armen kein Aussaatkorn, so gab man ihnen solches aus den öffentlichen Magazinen. Auch die Aecker der im Felde stehenden Soldaten mußten von andern bebaut werden und ihre Frauen wurden auf die Rolle der Wittwen gesetzt. Kam einer im Kriege um, so nahm man sich seiner Kinder ganz besonders an, und wenn sie erwachsen waren, wurden sie auf Staatskosten verheurathet. – Waren auf diese Weise die Aecker der Armen bestellt, so bauten sie ihre eigenen und zuletzt die Besitzungen des Curaca. Es wurde streng auf diese Ordnung im Feldbau gehalten; zur Zeit des Inca Huayna Capac wurde ein Statthalter, der die Ländereien einer Wittwe zurückgesetzt hatte, gehängt und der Galgen selbst auf dem Acker, den er vorgezogen hatte, errichtet. Ferner hatten die Incas das Gesetz erlassen, daß die Aecker ihrer Unterthanen vor den ihrigen bebaut werden sollten, indem man den Grundsatz aufstellte, der König könne von seinen Unterthanen nur gut bedient werden, wenn sich dieselben in guten Verhältnissen befänden, wenn dagegen Armuth unter ihnen herrsche, so seyen sie im Krieg und Frieden nicht zu gebrauchen. Die Domänen der Sonne und des Inca bebauten sie mit sehr großer Freude; sie zogen alsdann ihre Feiertagskleider, ihren Schmuck an und zierten ihren Kopf mit schönen Federn. Ebenso stimmten sie Freudengesänge an wenn sie in den Krieg zogen. Denn alles geschah für Gott (die Sonne) und den König. In der Hauptstadt Cuzco in der Nahe des Hügels, auf welchem die Festung lag, befand sich ein großer freier Raum, Collcampata genannt, welchen man unter die hauptsächlichsten Reichthümer der Sonne zählte, weil er der erste Gegenstand war, welcher im ganzen Reiche der Sonne geweiht wurde. – Es war niemanden außer Personen aus königlichem Stamme erlaubt dieses Feld zu bebauen, so daß diese Arbeit nur die Incas und Pallas verrichten durften. Ueber dieses Vorrecht entzückt unterzogen sie sich mit hoher Freude dieser Mühe und stellten an dem Tage, an welchem sie das Feld umackerten, ein großes Fest an. Während der Arbeit vergaßen sie alle Sorgen und sangen sich einander zur Wette um zu zeigen, mit welcher Wonne sie diese Pflicht erfüllten. Die Gesänge welche sie zu Ehren der Sonne und des Königs anstimmten, waren alle auf die Bedeutung des Worts Haylli (Triumph) gedichtet, und es bildete bei diesen Gesängen, in denen die beliebtesten Kriegs- und Liebesweisen eingeflochten waren, das Wort Haylli in den Strophen stets den Endreim und sie wiederholten ihn so oft als sie es zur Erhaltung der Melodie für nöthig hielten. Ihre Melodien waren so anmuthig, daß die Spanier sie auffaßten und auf den Kirchengesang mit Orgelbegleitung anwendeten. Statt des Pfluges, der ihnen unbekannt war, bedienten sie sich gewöhnlich eines Stückes Holz, das ein Arm lang, nach vorne platt und nach hinten rund war: seine Breite betrug vier Finger und es hatte am einen Ende eine gute Spitze um es in den Boden einsenken zu können; an der Mitte dieses Holzes waren zwei Stützen angebracht, auf welche man mit dem Fuße trat, so daß das Holz bis an sie in den Boden einging. Auf diese Weise zogen sie Furchen und warfen so große Schollen auf die Seite, daß, wenn man es nicht selbst sah, man es für unmöglich gehalten haben würde, mit einem so unvollkommenen Werkzeuge eine solche Wirkung hervorzubringen. Die Weiber unterstützten die Männer gewöhnlich in der Feldarbeit und rauften insbesondere das Unkraut aus. Die schon erwähnte Vertheilung der Ländereien geschah auf folgende Weise an die Unterthanen: jeder Indianer erhielt ein Tapu (Stück), das so groß war daß es zur Ernährung eines verheuratheten Mannes, wenn er keine Kinder hatte, ausreichte. Für jeden Sohn, den er bekam, empfing er ein weiteres Tapu, für jedes Mädchen ein halbes; der Vater mußte dem Sohn, wenn er sich verheurathete, dieses Tapu dem Gesetze gemäß ausliefern. Wenn die Töchter sich verheuratheten, bekamen sie kein Land mit, denn ihre Männer besaßen dessen genug um sie ernähren zu können; auch trug man weiter keine Sorge für die Töchter, sobald sie einmal verheurathet waren. Konnte der Vater einen Theil der ihm verliehenen Aecker entbehren, so gab er sie der Gemeinde zurück, denn man konnte sie nicht verkaufen. Wie den gewöhnlichen Unterthanen, so waren auch dem Adel, nämlich den Curacas, ihre Ländereien in größerer oder geringerer Ausdehnung je nach der Zahl ihrer Weiber, Kinder, Beischläferinnen, Diener und Mägde zugetheilt. Gleiches geschah in Betracht der Incas, nur mit dem Unterschiede daß ihr Antheil beträchtlicher war und daß man ihnen die besten Ländereien gab. – Die Aecker wurden, um sie fruchtbarer zu machen, mit den Excrementen der Menschen gedüngt; sie sammelten den Koth mit unglaublicher Sorgfalt, trockneten ihn und streuten ihn zu feinem Pulver verrieben auf die Aecker aus. – In gewissen Gegenden, besonders an der Meeresküste von Arequepa bis Tarapuca, wandte man zum Düngen nichts anders als den Mist gewisser Vögel, Meersperlinge genannt, an, die in ungeheuren Schaaren sich auf den nahen unbewohnten Inseln aufhalten. Sie überziehen den Boden dieser Inseln mit einer solchen Masse weißen Mistes, daß man aus der Ferne Schneeberge zu erblicken glaubt. Man suchte diese Vögel mit so großer Sorgfalt zu erhalten, daß es jedermann bei Todesstrafe verboten war einen zu tödten, oder die Insel zu der Zeit in welcher sie ihre Eier legten zu betreten, aus Furcht man möchte sie aus den Nestern aufscheuchen und von den Inseln verjagen. – Der Inca wies diese Inseln den Provinzen, die deren Dünger nöthig hatten zu diesem Zwecke an. Der Dünger wurde dann genau unter die Städte und Gemeinden der Provinz vertheilt; wenn ein Nachbar den andern um einen Theil desselben betrog, so wurde er mit dem Tode bestraft. Ebenso wurde der welcher die Marksteine der Aecker versetzte, als Dieb erklärt und aufgeknüpft. – In andern Seegegenden wie in den Provinzen Acica, Aliquipa, Villacori, Malla und Chillca düngte mau das Feld mit Sardellenköpfen, die man in großer Menge über die Aecker ausstreute; das Meer wirft nämlich an jener Küste lebende Sardellen in so bedeutender Anzahl aus, daß man damit eine Flotte beladen könnte. Zur Bewässerung der Felder war ebenfalls eine bestimmte Ordnung eingeführt: jeder erhielt nach der Reihe so viel Wasser als er nöthig hatte, so daß selbst nicht in trockenen Jahren jemals Streit über das Wasser entstehen konnte. Man hatte nämlich berechnet, wie viel Wasser jeder zur Bewässerung seiner Ländereien brauchte und es wurde deßhalb jedem gestattet dieses in festbestimmten Stunden zu benutzen. Der Reiche hatte hierin vor dem Armen nicht den geringsten Vorzug. Versäumte einer die Bewässerung zur gehörigen Zeit, so wurde er derb gestraft; er erhielt nämlich öffentlich drei oder vier Steinschläge auf die Schultern oder man peitschte ihn mit einem Rohre durch und nannte ihn einen Metzquitullu (Weichknochen, Taugenichts), mit welcher Benennung ein großer Schimpf verbunden war. – Zur Aufbewahrung des Mais und sonstiger Feldfrüchte waren große Magazine oder Speicher angelegt, die man aus Thon mit Stroh gemischt oft in großartigem Style erbaute. Ein Hauptreichthum der Indianer bestand in ihren Viehheerden; alles Vieh war so zu sagen Staatseigenthum, denn es wurde auf Kosten des Inca unterhalten. Um die Heerde besser zählen zu können, trennte man die einzelnen Stücke derselben nach der Verschiedenheit der Farben von einander; jede Art hatte ihre eigene Benennung und man nannte die gefleckten Thiere im allgemeinen Murumuru. – Wurde ein Lamm geboren das eine andere Farbe als das Mutterschaf hatte, so theilte man es sogleich der Heerde zu, die dessen Farbe trug. Auf diese Weise konnte man sie vermittelst der Knoten und Fäden, die dieselbe Farbe wie die Heerden hatten, leicht zählen. Als Lastthiere gebrauchte man eine Art Thiere (Lamas), welche die Spanier Hämmel nannten, die aber den Kamelen gleichen, nur hatten sie keine Höcker. – Von den Incas war übrigens befohlen, daß sie nur zu nothwendigen Arbeiten, wie beim Baue von Städten und Festungen verwendet werden sollten. Was die Gewerbe der Peruaner betrifft, so waren diese wenigstens zum Theil ebenfalls sehr ausgebildet; denn wenn auch der gemeine Mann mit Beihülfe seiner Frau sich die nöthigsten Bedürfnisse, Kleider, Schuhe und so weiter selbst verfertigte, so gab es doch eine Anzahl von Zünften, die sich der höhern Gewerbthätigkeit widmeten; es gab unter andern Gold- und Silberschmiede, die sehr gewandt gewesen seyn müssen, wenn man nach den Verzierungen im Sonnentempel, in den Palästen und öffentlichen Gebäuden urtheilen darf; ferner gab es Musiker, Maler, Töpfer, Zimmerleute, Steinmetze, Maurer, Schiffer, Weber und so weiter. So verfertigten die Weber drei verschiedene Arten Tücher, von welchen die beste Qualität aus feinster Ziegenwolle dem Brabanter feinen Tuch gleich gekommen seyn soll. Jeder durfte nur ein einziges Gewerbe treiben und sich nicht mit dem Handwerk eines andern befassen; auch hatte jedes Gewerbe oder jede Zunft Vorsteher oder Geschworne, die das Recht und den Vortheil der Zunft in jeder Hinsicht wahren mußten. Ihren Gewerben besonders nachtheilig war der Mangel an Eisen; doch verdienen ihre Leistungen gerade deßhalb um so größere Bewunderung. Man fand zwar in mehreren Bergwerken Eisen, von ihnen Quillay genannt, besaß aber nicht die Kenntniß es aus dem Erze zu gewinnen; auch fehlte es ihnen an den zur Betreibung der Eisenminen nöthigen Werkzeugen; die meisten verfertigten sie aus harten gelblichen und grünlichen Steinen, die sie durch Aneinanderreihen glätteten und sehr hoch schätzten. Ebenso verstanden sie nicht Hämmer zu fertigen und Stiele in dieselben zu machen. Statt ihrer hatten sie gewisse aus einer Mischung von Kupfer und Messing gefertigte Werkzeuge; sie waren viereckig, einige füllten die ganze Hand aus und dienten als stärkstes Mittel zum Daraufschlagen; andere waren von mittlerer Größe und wieder andere von noch kleinerem Umfang; andere endlich waren lang und diese gebrauchten sie besonders dann wenn sie etwas concav arbeiten wollten. Sie hielten diese Metallklötze wie Steine in der Hand und schlugen mit ihnen auf die Gegenstande los, welche sie in Arbeit hatten. Sie konnten auch weder Feilen noch Grabstichel, ja sogar nicht einmal Schmiedblasebälge verfertigen. Wollten sie Metall schmelzen, so verrichteten sie ihren Zweck nur mit Hülfe ihres eigenen Athems, den sie durch kupferne Röhren von verschiedener Lauge bliesen. Diese Röhren liefen an dem einen Ende spitz zu, damit der Wind sich desto heftiger herauspreßte. Wollten sie eine Schmelzung vornehmen, so blieben mehrere zehn bis zwölf Tage nacheinander beisammen um das Feuer herum, das sie mit den Blasrohren anfachten. Zangen oder Haltwerkzeuge kannten sie ebenfalls nicht, um Gegenstände leicht aus dem Feuer nehmen zu können. Sie wendeten zu dem Ende einen Stab von Kupfer an, mit dem sie das heiße Metall auf einen Haufen angefeuchteter Erde warfen und es auf derselben so lange liegen ließen bis man es mit der Hand angreifen konnte. Da sie übrigens die Schädlichkeit der Dämpfe beim Schmelzen der Metalle alsbald gewahr wurden, so nahmen sie diese Operation stets im Freien auf großen Plätzen der Stadt und niemals in ihren Häusern vor. – Die Zimmerleute waren mit noch unvollkommneren Werkzeugen als die Schmiede versehen; sie hatten nichts als Axt und Hobel, die von Kupfer waren. Von Säge, Meißel und den übrigen Zimmermannswerkzeugen wußten sie nichts und verstanden daher weder Kasten noch Thüren zu fertigen. Wenn sie das Holz gefällt hatten, machten sie es durch Schaben rein und verwendeten es so zu Gebäuden. Zur Befestigung des Zimmerholzes gebrauchten sie weder Nägel noch Klammern, sondern banden es mit aus Binsen gefertigten Stricken zusammen. Ebenso hatten die Maurer zum Behauen der Steine keine anderen Werkzeuge als gewisse schwarze Kiesel (Hibouana), mit welchen sie den Stein mehr brachen als bearbeiteten. Zum Heben oder Herablassen von Steinmassen hatten sie weder Krahnen noch sonstige Maschinen, sondern nur die Kraft ihrer Arme. Trotzdem errichteten sie so gewaltige Bauten, daß man daran nicht glauben würde, wenn es der Augenschein nicht bewiese. – Statt Scheere und Nadeln hatten sie lange Dornen und die Arbeit, die sie damit fertigten, war keine Schneiderarbeit, sondern nur Flickwerk zu nennen. 15. Kunst und Wissenschaft. Sprache. Ersatz der Schrift und der Ziffer. Geschichtliche Überlieferung. Astronomie. (Solstitien und Äquinoctien. Sonnen- und Mondsfinsternisse.) Nachdem wir über die Verfassung, Gesetzgebung und die bürgerlichen und häuslichen Verhältnisse gesprochen haben, wollen wir jetzt auch das Wichtigste und Ansprechendste über den Zustand der Künste und Wissenschaften bei ihnen mittheilen. Wir beginnen mit der Sprache. Schon früher wurde angeführt, daß es eine zweifache Sprache gab, nämlich die allgemeine oder Hofsprache und eine geheime oder die Sprache der Incas, deren Erlernung jedem andern strenge verboten war. – Die Hofsprache die sich von den verschiedenen Provincialdialekten unterschied, mußte jeder Unterthan lernen. Es waren zu diesem Zweck aus der Zahl der Incas gewählte Lehrer angestellt, mit dem Auftrage die Unterthanen in der allgemeinen Sprache zu unterrichten, überhaupt zu deren Verbreitung thätig zu seyn. Durch zwei Gründe wurden die Könige hauptsächlich zu dieser Anordnung veranlaßt: erstens weil es unmöglich gewesen wäre eine so große Anzahl von Dolmetschern zu halten als man bedurft hätte, um den vielen verschiedenen Stämmen auf ihre Anfragen und Gesuche Antworten zu ertheilen; zweitens wollte man durch die Einheit der Sprache die Nationen einander näher bringen und durch deren Verbreitung im Auslande selbst fremden Völkern bessere Gesinnung gegen das Reich einpflanzen; weil nämlich die Gränzbewohner des Reiches von den fremden anliegenden Völkern nicht verstanden wurden, geriethen die letztern mit ihnen oft in grausame Kriege; es glückte aber den Bemühungen der Incas durch die Verbreitung der allgemeinen Sprache bei mehreren fremden Nationen in der That, sie aus Feinden zu Freunden und treuen Bundesgenossen umzuschaffen. Man nannte diese allgemeine Sprache auch die Sprache von Cuzco, weil sie von hier aus nach allen Provinzen allmählich verbreitet wurde. Bei Aemtern, Anstellungen wurde besonders darauf gesehen, daß man diese Sprache konnte. Als die Spanier das Reich der Incas erobert hatten, verschwand diese allgemeine Sprache fast ganz und die Provincialsprachen erhielten bei weitem wieder das Uebergewicht. Sie hatte nach dem Zeugnisse spanischer Sprachkenner viel Aehnlichkeit mit dem Lateinischen, Griechischen und Hebräischen, übrigens fehlten ihrem Alphabet die Buchstaben B, D, F, G, I und X. Die Schreibkunst sowie das Rechnen mit Ziffern war den Indianern unbekannt, sie hatten aber ein Mittel ersonnen, durch welches sie beides bis zu einem gewissen Grade ersetzten. Sie rechneten und schrieben nämlich mir Quipus (Knoten), d. h. sie deuteten mittelst einer gewissen Anzahl von Knoten, die in Fäden geknüpft wurden, die mannichfaltigsten Dinge an. Diese Fäden waren von verschiedenen Farben, manche hatten nur eine Farbe, andere waren zweifarbig, wieder andere dreifarbig u. s. w. Jede Farbe, sowohl die einfache als die gemischte, hatte ihre besondere Bedeutung. Die Fäden waren drei- oder vierfach zusammengedreht, ungefähr so dick wie eine mittelmäßige Schnur, und nach der Ordnung an eine zweite Schnur längs in der Weise befestigt, daß sie eine Franze bildeten. – Gelb bedeutete z. B. Gold, weiß Silber, roth Kriegsleute u. s. w. – Wollten sie Begriffe, die durch die Sinne nicht wahrgenommen werden können, bezeichnen, so setzten sie jeden Gegenstand nach seinem Range, indem sie mit dem wichtigsten den Anfang machten. Gesetzt es hätte sich darum gehandelt den Werth des Getreides und der andern Feldfrüchte auszudrücken, so kam die den Weizen bezeichnende Schnur zuerst, dann jene des Roggens, der Erbsen, Bohnen, Hirse und so fort. – Ebenso setzten sie, wenn sie eine Uebersicht von Waffen aufzustellen hatten, die werthvollsten voran, wie die Lanzen, die Pfeile, Bogen, Wurfspieße, Streitkolben, Aexte, Schleuderer u. s. w. Wollten sie eine Zählung der Unterthanen veranstalten, so fingen sie mit den Einwohnern jeder Stadt an, dann kamen die jeder Provinz und so fort, und zwar auf folgende Weise: auf den ersten Faden setzten sie die Greise welche 60 Jahre oder darüber alt waren, auf den zweiten die von 50 Jahren an, auf den dritten die von 40 an und so die übrigen, indem sie stets von zehn zu zehn Jahren bis auf die Säuglinge herabstiegen. Ueber das weibliche Geschlecht führten sie dieselbe Rechnung. – In einigen Fäden befanden sich andere kleine sehr feine Fäden von der nämlichen Farbe, die Ausnahmen von den allgemeinen Regeln zu seyn scheinen; so z. B. bedeuteten kleine Fäden, die an der Schnur der verheuratheten Männer oder Weiber von einem bestimmten Alter hingen, daß sich so und so viele Wittwen oder Wittwer von diesem Alter vorfanden. Diese Franzen waren eine Art Annalen, von denen jedoch alle an einandergereihten immer nur ein Jahr umfaßten. – Bei den Zählungen beobachtete man auf den Schnüren stets das Decimalsystem, nämlich man zählte zehn, oder hundert, oder tausend, oder zehntausend an einer Schnur; selten ging die Rechnung über hunderttausend, weil jede Stadt ihre eigene Rechnung und jede Hauptstadt die ihrer Provinz hatte. Es ist übrigens damit nicht gesagt, daß sie nicht über hunderttausend hätten zählen müssen oder können, indem ihre Sprache für alle Ausdrücke der Arithmetik geeignet war. – Jede dieser Zahlen, die sie nach den Knoten an den Fäden zählten, war von der andern getrennt, und alle hingen an einer Querschnur herunter. Die größte Zahl, d. h. zehntausend, hing an der Querschnur am höchsten, tausend niedriger und so die andern abwärts. Die Knoten eines jeden Fadens und jeder Zahl waren vollkommen gleich. – Es gab eigene Leute, denen die Bewachung dieser Quipus oblag; man nannte sie Quipucamayu (Rechnungsführer); es wurden dazu nur die rechtschaffensten Männer genommen, die sich lange Jahre hindurch durch ihr gutes Benehmen ausgezeichnet hatten. Die Zahl dieser Rechnungsführer war nach dem Verhältniß der Einwohner einer Stadt oder Provinz bestimmt; war auch eine Stadt noch so klein, so hatte sie deren dennoch vier, und so stieg die Zahl bis auf zwanzig und dreißig. Obwohl jeder dieselbe Rechnung zu führen hatte, so war es doch der Wille des Inca, daß in jeder Stadt mehrere dieß Amt versahen, damit ja kein Unterschleif stattfinden möchte. – Sie zählten auf diese Weise alle Tribute die der Inca empfing; jedes Haus war in den Quipus nach der Gattung und Größe des zu entrichtenden Tributes angegeben. Auf dieselbe Weise wurden die Verzeichnisse der Kriegsleute, der Umgekommenen, der jährlich Gebornen und Gestorbenen geführt. Die Geburts- und Sterbelisten wurden nach Monaten aufgestellt. Man begriff in diesen Knoten überhaupt alle Dinge die eine Zählung zuließen, so daß man darin sogar die Anzahl der Schlachten und Gefechte, der Gesandtschaften der Incas sowie auch die der königlichen Erlasse anmerkte. Man konnte durch die Knoten aber, wie sich von selbst versteht, nicht den Inhalt der Gesandtschaft oder die ausdrücklichen Worte eines Erlasses oder andere historische Ereignisse bezeichnen, da die Knoten zur Darstellung von Worten oder Buchstaben nicht geeignet waren. Um diesem Mangel abzuhelfen, hatten sie gewisse Zeichen, an welchen sie merkwürdige Thaten, Gesandtschaften, Kriegs- und Friedenserklärungen erkannten. Die Quipucamayus lernten deren Sinn verstehen und theilten ihn einander vom Vater auf Sohn durch Tradition mit; doch dieß geschah besonders nur in der Stadt oder in der Provinz, in welcher sich diese Dinge zugetragen hatten; es erhielt sich natürlich die Tradition daselbst leichter, weil jeder stolz auf die Kenntniß der Geschichte seiner Stadt oder Provinz war. – Sie bedienten sich auch noch eines andern Mittels, um merkwürdige Thaten der Nachwelt zu bewahren. Ihre Amautas (Weisen) brachten sie in die Form von Erzählungen und Sagen, damit die Väter diese ihren Kindern leichter mittheilen konnten; so gelangten sie wirklich von einem Zeitalter zum andern, und es gab Niemand dem sie nicht bekannt gewesen wären. Sie hüllten übrigens ihre Geschichte stets in ein fabelhaftes und allegorisches Gewand oder behandelten sie dichterisch, was ihren Haravicus (Dichtern) oblag. Diese brachten die merkwürdigsten Ereignisse, Gesandtschaften, die Antworten des Königs und ähnliches in kurze leicht behaltbare Verse. Gewöhnlich sangen sie diese bei ihren Siegesfesten, bei ihren religiösen Feierlichkeiten, bei der Krönung des Inca und bei den Ceremonien der Wehrhaftmachung der männlichen Jugend. Daß übrigens trotzdem ihre Geschichte höchst unvollständig und unsicher seyn mußte, bedarf keiner Erklärung; ohne Schrift ist die Unsterblichkeit selbst der größten Thaten niemals gesichert. – Wenn die Curacas die Geschichte ihrer Vorfahren kennen lernen oder wissen wollten was sich in einer Provinz merkwürdiges zugetragen, so begaben sie sich zu den Quipucamayus, die mittelst der von ihnen bewahrten Knoten darüber Auskunft ertheilten. Diese Geschichtsmänner setzten eine Ehre darein dieß in vollstem Maaße zu können, und studirten deßhalb unablässig die Knoten und die ihnen überlieferten Sagen; sie waren von jedem Tribut und jedem andern Dienste frei, damit sie hinreichend Muße hätten sich in ihrer Wissenschaft stets größere Vollkommenheit zu erwerben. Auch brachten sie es darin so weit, daß sie an den Knoten außer den Zahlen und Ereignissen auch zugleich alle ihre Gesetze, Verordnungen und Gebräuche erkannten. So wußten sie z.B. durch die Farbe des Fadens und die Anzahl der Knoten was dieses, oder jenes Gesetz verbot, welche Strafe es denen die es verletzten auferlegte, welche Opfer der Sonne gebracht werden mußten, welche Verordnungen zu Gunsten der Wittwen, Fremden und Armen lauteten. Die einzelnen Zweige der Wissenschaft, wie Geometrie, Arithmetik, Geographie, Astronomie, Medicin und selbst Philosophie waren den Indianern nicht ganz fremd, besonders war der Priesterstand und die Adelsclasse bis zu einem gewissen Grade unterrichtet. Zum Beweise wollen wir über die genannten Wissenschaften einiges Nähere anführen. Von Naturgeschichte hatten sie nach dem Zeugnisse gleichzeitiger spanischer Schriftsteller keine Begriffe; sie hielten sich einzig und allein an die Naturerscheinungen, ohne im Stande zu seyn sich dieselben zu erklären. In der Astronomie hatten sie schon einige wenn auch unvollkommene Kenntnisse; die Sonne, der Mond, die Planeten mußten natürlich ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen und sie zum Nachdenken anspornen; denn es mußte ihnen nothwendig auffallen, daß die Sonne sich ihnen bald näherte und sich bald wieder von ihnen entfernte, daß die Tage bald länger, bald kürzer waren u. s. w. Ebenso mußten sie die verschiedenen Mondphasen bemerken, da der Mond bald voll, bald im Wachsen, bald im Abnehmen erschien oder in der Conjunction stand. Die zuletzt angeführte Phase oder die des Neumondes nannten sie den Tod des Mondes, weil sie ihn dreimal 24 Stunden nicht zu Gesicht bekamen. Ferner erregten die verschiedenen Bewegungen der Venus, die bald vor, bald hinter der Sonne erschien, ihre Aufmerksamkeit. All' diese Erscheinungen leiteten sie zu Beobachtungen, die jedoch über sinnliche Anschauungen nicht hinausgingen. – Sie erstaunten über jede Naturerscheinung, ohne sich die Mühe zu geben nach deren Ursachen zu forschen, und wußten also keinen Grund für den Wechsel des Mondes oder die schnellere und langsamere Bewegung der Planeten anzugeben. Sie kannten nur die drei genannten Himmelskörper, die Sonne, den Mond und die Venus; sie allein waren im Stande durch ihren Glanz und ihre Schönheit ihre Bewunderung zu erwecken; die übrigen Sterne oder Sternbilder beobachteten sie nicht. Die Sonne nannten sie Inti, den Mond Quilla, die Venus Chasca, d. h. die reichlockige, wegen ihrer Strahlen. Auch die Pleiaden bewunderten sie, und alle zusammen, die Sonne, den Mond, die Venus und die Pleiaden bezeichneten sie mit dem Worte Coyllur (Sterne). Der Inca und die Gelehrten zählten die Jahre (Huata) nach den Sonnenläufen, das gemeine Volk nach den Ernten, alle jedoch kannten im allgemeinen die Frühlings- und Wintersonnenwende vermittelst einer merkwürdigen Einrichtung. Es befanden sich nämlich zu Cuzco 16 Thürme, acht im Osten und acht im Westen; je vier standen in einer Reihe; die beiden mittleren waren kleiner als die andern und hatten drei Stockwerke; zwischen den Thürmen waren Zwischenräume von acht, zehn und zwanzig Fuß. Die Seitenthürme waren bedeutend höher. Der Raum nun, der sich zwischen den beiden kleinen Thürmen befand, diente zur Erkennung der Zeit der Sonnenwenden; ging nämlich die Sonne bei ihrem Auf- und Niedergange durch diesen Raum, so war dieß das Zeichen daß jene Zeit eingetreten war. Um ja keinen Irrthum beim Feststellen der Sonnenwenden zu begehen, begab sich der Inca selbst auf einen geeigneten Standpunkt und beobachtete genau, ob die Sonne zwischen den beiden kleinen Thürmen auf- und unterging; gleiche Beobachtungen wurden von den gelehrtesten Indianern gemacht. Jedoch verstanden sie es nicht die Sonnenwende auf einen Tag im Jahre festzustellen, weil sie die Monate nach den Mondläufen zählten. Ihr Jahr bestand aus zwölf Mondmonaten, und sie wußten es nicht mit dem Sonnenjahre in Einklang zu bringen, das eilf Tage länger war; bemerkten übrigens diesen Unterschied und richteten sich bei der Bestellung des Feldes nach dem Sonnenjahr. Auch die Tag- und Nachtgleichen waren ihnen bekannt und sie stellten an diesen Tagen große Feste an. Zur Zeit der Frühlingstag- und Nachtgleiche ernteten sie den Mais unter großen Festlichkeiten; bei der Herbsttag- und Nachtgleiche feierten sie eines ihrer vier höchsten Sonnenfeste, Citua Raynu genannt. Zur Bestimmung der Aequinoctien hatte man reich verzierte, künstlich gearbeitete Säulen in der Mitte des Platzes vor dem Sonnentempel aufgestellt. Die Priester versammelten sich beim Herannahen des Aequinoctiums jeden Tag und beobachteten genau den Schatten dieser Säulen. Die Stelle an welcher sie aufgerichtet waren, bildete einen Kreis, und man zog von dem Mittelpunkte desselben aus eine Linie von Osten nach Westen. Lange Erfahrung hatte ihnen den Punkt für die Richtung dieser Linie angegeben, und sie beurtheilten nach dem Schatten welchen die Säule warf, die Entfernung oder Annäherung des Äequinoctiums. Wenn man nach dem Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergange rings um die Säule Schatten, zur Mittagszeit aber keinen auf allen Seiten sah, so nahm man diesen Tag für die Tag- und Nachtgleiche. Man verzierte sodann die Säulen mit Blumen und wohlriechenden Kräutern und setzte einen Stuhl oder Thron auf deren Spitze, weil man behauptete die Sonne lasse sich an diesem Tage mit all ihrem Glanze auf der Säule nieder und stehe senkrecht über ihr stille. Zu gleicher Zeit betete man die Sonne an, brachte Opfer und Geschenke dar und überall herrschte Frohsinn und Vergnügen. Es verdient noch bemerkt zu werden, daß in dem Maaße als die Incas neue Provinzen eroberten, die Amautas oder Gelehrten die Erfahrung machten, daß je mehr sie sich der Aequinoctiallinie oder dem Aequator näherten, die Säulen stets kürzere Schatten werfen. Daher kam es auch daß die Säulen in der Stadt Quito und die welche sich in deren Nähe an der Meeresküste befanden am meisten geehrt wurden, weil hier die Sonne senkrecht am Mittag über ihnen stand und ganz und gar kein Schatten sichtbar war; auch glaubten sie die Sonne ziehe diese Sitze allen übrigen vor, weil sie wie sie sagten sich senkrecht auf sie setzen könne, während sie bei den andern sich auf die Seite lehnen müsse. Sie zählten, wie schon angeführt, die Monate des Jahres nach den Mondläufen von einem Neumond zum andern und nannten sie Quilla; die Monate hatten keine eigenen Namen, ebenso wenig die Mondphasen; vom zunehmenden Lichte an wurde der halbe Monat gezählt, und die Mondsviertel gaben die Wochen an; doch hatte man keine Namen, um die Wochentage zu unterscheiden. Die Monds- und Sonnenfinsternisse staunten sie mit Verwunderung an, vermochten sich aber deren Entstehung nicht zu erklären. Wenn die Sonne sich verfinsterte, glaubten sie, sie sey über einen von ihnen begangenen Fehler erzürnt, weil ihr Angesicht gleich dem Gesichte eines Zornigen entstellt erschiene und schlossen daraus, daß ihnen irgendwo ein großes Unglück bevorstehe. Gleiches vermutheten sie beim Eintritt einer Mondsfinsterniß. Wenn er sich verdunkelte, waren sie der Meinung, er sey krank und würde, wenn dieser sein Zustand nicht bald aufhöre, unfehlbar sterben und vom Himmel fallen; alles würde alsdann zu Grunde gehen und das Ende der Welt da seyn. Sie hatten deßhalb eine solche Furcht, daß sie, sobald er sich zu verfinstern anfing, einen schrecklichen Lärm mit Trompeten, Hörnern, Cymbeln und Trommeln erhoben und ihre Hunde anbanden und sie fürchterlich durchprügelten in der Ueberzeugung, daß der Mond, dem sie eine große Liebe zu diesen Thieren zuschrieben, aus Mitleid über ihr Geheul aus der durch die Krankheit verursachten Betäubung erwachen würde. So närrisch auch dieser Glaube war, so wurde er doch noch von den Einbildungen, die sie sich von den Flecken des Mondes machten, übertroffen. So erzählten sie zum Beispiel: der Fuchs habe sich einstmals in den Mond wegen seiner großen Schönheit verliebt und sey an den Himmel gestiegen um sich mit ihm zu verbinden; er habe den Mond so heftig an sich gedrückt und so feurig geküßt, daß er hiervon die verschiedenen Flecken bekommen habe. Wenn der Mond krank war, so mußten die Kinder und jungen Knaben ihn mit Thränen in den Augen anrufen, ein großes Geschrei erheben, ihn Mama Quilla (Mutter Mond) nennen und ihn bitten, er möge doch ja nicht sterben, damit nicht ein allgemeines Verderben hereinbreche. Die Männer und Weiber begleiteten dieses Geschrei der Jugend mit verwirrten Tönen und erhoben alle zusammen einen solchen Lärm, daß man sich unmöglich einen Begriff davon machen kann. – Je nachdem die Finsterniß groß oder klein war, beurtheilten sie die Krankheit; wenn er allmählich sein Licht wieder bekam, sagten sie, er fange an sich besser zu befinden; Pachacamac, der die Welt beseele, habe ihn geheilt und gebiete ihm ausdrücklich nicht zu sterben. Hatte er seinen gewöhnlichen Glanz wieder erlangt, so jubelten sie über seine Genesung und dankten ihm demuthsvoll daß er nicht herabgefallen sey. Den Tag nannten sie Punchav, die Nacht Tuta und den Morgen Pacari; außerdem hatten sie verschiedene Namen, um die verschiedenen Tages- und Nachtzeiten anzuzeigen, wie die Morgenröthe, Mitternacht, Mittag und so weiter. Große Verehrung erwiesen sie dem Regenbogen wegen der Schönheit seiner von der Sonne herkommenden Farben, und der Inca wählte ihn auch deßwegen zu seiner Devise. Eine andere närrische Einbildung der Indianer war, daß die schwarzen Flecken, die man in der Milchstraße erblickt, die Gestalt eines Schafes, das sein Junges säugte, darstellten. So sehr sie sich auch beeiferten es den Spaniern zu zeigen, so war es doch unmöglich etwas derartiges zu unterscheiden, obgleich sie ernst behaupteten, hier sehe man das Schaf, dort das Lamm ganz genau. Auch die Kometen beobachteten sie und glaubten daß durch diese der Tod ihrer Könige oder die Vernichtung des Reiches und der Provinzen voraus angezeigt würde. Ihre meisten Voraussagungen gründeten sich auf Träume und Opfer; die Traumdeutungen waren so schrecklich, daß spanische Schriftsteller sagten, sie fürchteten sich dieselben mitzutheilen, weil schwache Seelen nothwendig darüber außer sich kommen würden. – Wenn die Sonne unterging und sich an der Westküste von Peru ins Meer zu stürzen schien, sagten sie, sie steige in dasselbe um ihre Hitze in dem Wasser zu kühlen und schlüpfe dann wie ein guter Taucher unter der Erde durch, um am nächsten Morgen im Osten wieder zum Vorschein zu kommen. Von dem Monde und den Sternen behaupteten sie dieses nicht. So weit von der Astronomie. 16. Arzneiwissenschaft. Arithmetik. Geometrie. Musik. Poesie. Philosophie. Wir wenden uns jetzt zu der Medicin. Sie bestand hauptsächlich im Purgiren und Aderlassen; Purgiren hielten sie für nützlich und nothwendig, und Blut wurde an den Armen, Schenkeln oder andern Theilen des Körpers gelassen, ohne daß sie wußten in welchen Krankheiten ein Aderlaß dienlich seyn konnte oder die Lage der Adern kannten. Sie begnügten sich damit eine Ader zu öffnen, welche der Stelle des Uebels am nächsten lag. Wenn sie zum Beispiel von heftigen Kopfschmerzen geplagt wurden ließen sie zwischen den beiden Augenbrauen zur Ader. Ihre Lanzette bestand in einem spitzigen Kiesel, den sie zwischen ein gespaltenes Stäbchen Holz befestigten und dessen Stich weniger Schmerz als unsere Lanzette verursachte. Arzneien hatten sie zwar auch, aber sie bedienten sich derselben auf gut Glück, ohne die Beschaffenheit derselben oder die Art der Krankheit zu kennen oder sonst einen Begriff von Physiologie oder Pathologie zu haben. Wenn sie fühlten, daß ihr Körper mit Übeln Stoffen gefüllt war, nahmen sie, selbst wenn sie eher gesund als krank waren, zum Purgiren ein; sie hatten dabei ein Universalmittel, nämlich eine gewisse weiße, den Rüben ähnliche Wurzel. Die Gabe betrug gewöhnlich zwei Unzen. Nachdem man sie zu Pulver zerrieben hatte, nahm man sie auf einmal mit Wasser oder in einem andern gewöhnlichen Getränke ein. Gleich nach dem Einnehmen legte man sich in die Sonne, auf daß die Arznei desto besser wirken konnte. Man fühlte sich eine Stunde nach dem Verschlucken dieser Arznei am ganzen Körper so angegriffen, daß man sich nicht aufrecht erhalten konnte; es trat heftiges Kopf- und Herzweh ein und in allen Nerven, in den Armen, Beinen, im ganzen Körper schienen Ameisen zu wühlen, worauf alsbald ein heftiger Schauder und Frost sich einstellte. Nun fing das Mittel an nach oben und unten zu wirken und machte die welche es genommen so schwach, daß sie jeden Augenblick den Geist aufzugeben schienen. Man verlor während der Operation allen Appetit, aber Würmer und sonstige üble Stoffe, die sich im Körper befanden, wurden wirklich abgetrieben. Hatte die Arznei ihre Wirkung gethan, so verspürte man einen entsetzlichen Hunger, man aß und trank tüchtig und die Gesundheit war wieder hergestellt. Die Purgationen und Aderlässe fanden auf Anrathen der erfahrensten Personen, besonders gewisser alter Weiber statt; auch folgte man dem Rathe der Botaniker, welche die Eigenschaften der Pflanzen kannten und andern Unterricht darin ertheilten. Diese galten als die besten Aerzte und befaßten sich nur mit der Heilung der Könige und Incas, wohl auch der Curacas und ihrer Verwandten. Leute niedern Standes curirten sich gegenseitig mit Hausmitteln, die der Sohn vom Vater kennen lernte. Geschah es daß ein Kind, das noch an der Mutter trank, krank wurde, so gaben sie ihm Urin zu trinken oder wuschen es des Morgens darin und wickelten es dann in die Windeln. Lösten sie die neugebornen Kinder von der Nabelschnur, so ließen sie ein fingerlanges Stück stehen; dieses Stück wurde, wenn es später abfiel, mit größter Sorgfalt aufbewahrt um es dem Kinde im Falle einer Krankheit zum Saugen zu geben. Um seinen Krankheitszustand besser zu erkennen, zogen sie ihm die Zunge aus dem Mund; sah sie weiß aus, so hielten sie dieß für ein Zeichen von Unwohlseyn, und dann gaben sie ihm das Nabelschnurstück; jedoch mußte es sein eigenes seyn, indem ein anderes, wie sie sagten, keine Wirkung hervorbrachte. Den Puls zu fühlen verstanden sie nicht. Alles was sie vom Fieber wußten, beschränkte sich auf die starke Hitze des Körpers. Aderlassen und Purgiren wendeten sie stets vor dem Ausbruch der Krankheit an; waren sie wirklich erkrankt, so beschränkte sich ihr Heilverfahren auf einfache Diät, indem sie das übrige der Natur überließen und keine Arznei nahmen. Von Klystiren und Salben wußten sie ebenfalls nichts, Umschläge machten sie nur selten und bereiteten sie aus ganz gewöhnlichen Dingen. Die Kälte beim Wechselfieber nannten sie Chucchu (Zittern), die Hitze Rupa (Brennen). Außerdem wendeten sie gewisse Pflanzen als Heilmittel an: so das Harz eines gewissen Baumes, Mulli genannt, zur Heilung von Wunden; die Wirkungen dieses Harzes sollen wahrhaft wunderbar gewesen seyn. Das Kraut Chillca machte man auf einer Pfanne heiß und legte es auf, um erfrorene Glieder zu heilen. – Ferner bedienten sie sich einer gewissen dem Hundszahn ähnlichen Wurzel, um die Zähne und das Zahnfleisch zu stärken und zwar auf folgende Weise: sie rösteten die Wurzel am Feuer, rissen dieselbe glühend heiß mit den Zähnen auseinander, legten sie zwischen das Zahnfleisch und ließen sie bis zur Erkaltung liegen. Sie nahmen diese Operation gewöhnlich vor wenn sie sich des Abends zu Bette legten, am andern Morgen sah ihr Zahnfleisch wie gekocht aus. Diese Wurzel brannte so sehr, daß sie große Schmerzen auszustehen hatten und sie zwei bis drei Tage nur Flüssigkeiten genießen konnten. War das verbrannte Zahnfleisch abgefallen, so bildete sich darunter ein schönes frisches. Auf diese Weise erneuern sie dasselbe von Zeit zu Zeit. Die Tabakspflanze, (Sayri) diente ihnen ebenfalls zu verschiedenen Zwecken; sie schnupften sie um das Gehirn zu reinigen; außerdem hatte sie noch manche gute Eigenschaft, wie wir jetzt noch sehen, und sie nannten sie deßhalb auch die heilige Pflanze. Eine andere Pflanze, Mareellu genannt, wurde zur Heilung der Augen gebraucht und ihre Wirkung soll ans Wunderbare gränzen; sie wächst an dem Rande der Bäche, wird nur einen Fuß hoch und hat an jedem Stengel nur ein einziges rundes Blatt. Auch wurde sie von den Indianern gegessen und ihr Geschmack soll sehr angenehm seyn. Sie machten, wenn sie dieselbe anwenden wollten, daraus auf folgende Weise eine Art Pflaster. Man kaute sie, legte sie kurz vor dem Schlafengehen auf das kranke Auge und band den Umschlag mit einem Tuch fest; sie vertrieb alsbald den Schmerz, so heftig er auch war, und hob überhaupt das Augenübel sehr schnell. Garcilasso de la Vega führt mehrere wunderbare Curen an, die er selbst damit machte. Das Auge eines jungen Menschen war so schlimm, daß es ihm aus der Augenhöhle heraushing, dabei war es heftig entzündet und eine Geschwulst fiel bis auf die Wange herab, so daß man das Weiße des Auges von der Pupille nicht zu unterscheiden vermochte. Schon in der ersten Nacht, in welcher Garcilasso ihm das Kraut auflegte, trat das Auge in die Höhle zurück und nach der zweiten Nacht war es völlig geheilt. Er traf diesen Menschen später in Spanien wieder und erhielt von demselben die Versicherung, daß er mit dem geheilten Auge besser als mit dem andern sehe. – Ein anderer Spanier stand nach Garcilasso's Versicherung auf dem Punkte das Auge zu verlieren und heilte es innerhalb zweier Nächte mit demselben Kraute. – Ueberhaupt bedienten sich die Indianer bei ihren Curen nur einfacher, keiner zusammengesetzten Arzneimittel. Dabei vernachlässigten sie es nicht die Mittel hauptsächlich kennen zu lernen, durch welche die Gesundheit erhalten wird. Von Geometrie verstanden sie etwas, weil sie deren zur Vermessung der Felder und zur Vertheilung derselben bedurften; übrigens war diese Geometrie eine rein praktische und sie gebrauchten dabei das Winkelmaaß, die Knoten (Quipus) und kleine Steinchen; die beiden letzten dienten ihnen zum Zählen. In der Geographie hatten sie ziemliche Kenntnisse, sie verstanden die Pläne ihrer Städte, so wie Modelle oder Panoramas ihrer Provinzen zu verfertigen. Garcilasso erzählt, er habe ein Panorama der Stadt Cuzco mit einem Theile der Umgebung und den vier Hauptstraßen gesehen. Das ganze Werk war aus Erde Steinen und kleinen Stäbchen zusammengesetzt; die Plätze, die Häuserquadrate, die Straßen und selbst die drei Flüsse welche die Stadt durchschnitten, waren darauf mit bewunderungswürdiger Genauigkeit dargestellt. Man erblickte die umliegenden Berge und Hügel, die Ebenen, Flüsse, Bäche und alles so naturgetreu, wie es der beste Kosmograph nur immer liefern kann. Ihre Arithmetik verdiente Bewunderung; mit den Fäden und Knoten führten sie die vier Species aus, addirten, subtrahirten multiplicirten und dividirten damit. Auf diese Weise berechneten sie die Tribute und Abgaben; sie wußten genau was jede Stadt zu liefern hatte und machten die Vertheilung vermittelst Steinchen oder Maiskörner, ohne sich in ihrer Berechnung zu irren. Es war dieß um so eher möglich als für die verschiedensten Zweige der Staatsverwaltung, für die Angelegenheiten des Kriegs und Friedens, für die Heerden, für die Anzahl der Bewohner eigene Rechnungsbeamte angestellt waren. Dabei wurde die Berechnung jedes Gegenstandes getrennt geführt, und die an der Querschnur befestigten Fäden dienten ihnen als einzelne Rechnungshefte. In der Musik waren sie nicht sehr bewandert, jedoch verstanden sie einige Accorde. Sie hatten eine Art Hirtenpfeife aus vier Schilfröhren, jede von höherem Tone als die andere bestehend; die vier Töne waren Discant, Tenor, Baß und Contrebaß. Doch dabei wußten sie weder etwas von der Tonleiter noch vom eigentlichen Tonmaaße. Leute von vornehmer Herkunft erlernten solche Instrumente, um in dem Musikcorps des Königs mitzuspielen. So unausgebildet übrigens auch ihre Musik und ihr Gesang war, so hatten sie doch große Mühe sich diese Fertigkeit anzueignen. Die Flöten welche sie spielten, hatten vier oder fünf Töne, doch waren sie nicht im Stande sie zusammenzustimmen oder ein Concert damit auszuführen. Sie spielten auf diesen Flöten Arien, die man auf den Kummer oder die Freuden, die ihnen durch ihre Geliebten bereitet wurden, dichtete. Jedes Lied hatte seine eigenthümliche Melodie und sie konnten keine zwei verschiedene Lieder in derselben Tonart spielen; oft brachten sie ihren Geliebten Ständchen, sie stimmten alsdann ihre Flöten in dem Tone der am meisten als Ausdruck ihres Gefühls von ihren Geliebten verstanden werden konnte, entweder heiter oder traurig, je nachdem sie bei ihnen eine günstige oder ungünstige Aufnahme gefunden hatten. Hätte der Liebhaber dagegen zwei verschiedene Gesänge nach derselben Melodie gespielt, so würde der eine den andern unverständlich gemacht haben, seine Geliebte hätte ihn nicht begriffen und er seinen eigentlichen Zweck verfehlt. – Ihre Kriegs- und Waffengesänge spielten sie nicht auf der Flöte, denn diese war nur ihren Geliebten geweiht; sie sangen diese Kriegs- und Waffenlieder bei hohen Festen, bei ihren Siegen und Triumphen. Uebrigens hatten die Indianer viele Anlage für Musik, so daß sie dieselbe in kurzer Zeit von den Spaniern erlernten. Ihre Amautas oder Philosophen, wenn man sie so nennen darf, waren sehr gewandt in der Zusammenstellung von Lustspielen und Tragödien, die von ihnen bei Gelegenheit hoher Feste vor dem König und dem Hofe dargestellt wurden. Die Darsteller mußten Leute von vornehmem Herkommen oder Söhne der Curacas seyn. In ihren Tragödien entfalteten sie Größe und Pracht sie stellten darin ihre Waffenthaten, die Triumphe ihrer Könige und die Thaten anderer berühmter Männer dar. In den Lustspielen behandelten sie dagegen das Landleben, den täglichen Verkehr und andere Stoffe aus dem häuslichen Leben; der Witz darin war übrigens nicht schlüpfrig noch zweideutig, indem man stets nur ernste, ehrbare und gediegene Gegenstände wählte. Die welche am besten ihre Rolle spielten und ihre Verse auf die anmuthigste Weise vortrugen, wurden mit Edelsteinen und andern Kostbarkeiten beschenkt. Ihre Verse waren theils lang, theils kurz; sie beobachteten darin ein gewisses Sylbenmaaß und der gewöhnliche Inhalt derselben war die Liebe; doch brachten sie auch die Thaten ihrer Könige, der Incas und der ausgezeichnetsten Curacas in Verse; sie unterrichteten ihre Nachfolger in denselben, damit, wie wir schon früher bemerkt haben, die Tugenden im Gedächtniß blieben und andere zur Nacheiferung, anfeuerten. Die Verse waren so kurz, daß man sie leicht behalten konnte, sie glichen am meisten dem spanischen Redondillas. So fing zum Beispiel ein Liebesgedicht mit folgenden Versen an: Caylla Llapi Pununqui Chaupituta Samusac Beim Gesange Schläfst du ein, Um Mitternacht Werd' ich da seyn. Am meisten zeichneten sich die Incas als Dichter aus; sie dichteten nicht allein Liebeslieder, sondern sie setzten ihre Gedanken auch in Verse, wenn sie über verschiedene Naturerscheinungen, über den Donner, Blitz, Wetterstrahl, Hagel, Schnee und Regen philosophirten. Meistens kleideten sie diese Erscheinungen in folgende Mythe ein: Der Schöpfer aller Dinge, sagten sie, habe die Tochter eines Königs in den Himmel versetzt: sie halte in der Hand einen mit Wasser gefüllten Krug, um dasselbe, so oft es noth thue, auf die Erde herabzugießen. Zu gewissen Zeiten zerschlage ihr Bruder diesen Krug, und durch diesen betäubenden Schlag entstünden Blitz, Donner und Wetterstrahl. Sie schließen diese schrecklichen Erscheinungen deßhalb einem Manne zu, weil der Mann stets von wilderem Charakter als das Weib ist; die andern Erscheinungen, wie Hagel, Schnee und Regen rührten dagegen nach ihrer Meinung von einem Weibe her, weil dieses eine sanftere Gemüthsart besitze. Wir geben hier den indianischen Text dieser Mythe mit lateinischer und deutscher Übersetzung. Cumac Nusta Torallay quim Puyñuy quita Paquir cayan Hina màntara Cunuñanun Ylla pàntac Camri Nùsta Unuy quita Para mùnqui May ñimpiri Chichi mùnqui Riti mùnqui Pacha rùrac Pachacamac Viracocha Cay hinàpac Churasunqui Comasumqui Pulchra Nympha, Frater tuus Urnam tuam Nunc infringit, Cujus ictus Tonat, fulget Fulminatqu; Sed tu Nympha Tuam limpham Fundens pluis Interdumque Grandinem seu Nivem mittis. Mundi factor Pachacamac Viracocha Ad hoc munus Te suffecit Ac praefecit. Schönes Mädchen, Hier dein Bruder Hat dein Krüglein Nun zerbrochen, Seinem Schlage Folgen Wetter Blitz und Donner; Doch du Mädchen Gießest regnend Wasser nieder, Und zuweilen Schickest Schnee du Uns und Hagel; Weltenschöpfer Pachacamac Viracocha Hat dazu dich Ausersehen Und bestellet. Die Incas verlegten sich vor allem andern Wissen auf die Moralphilosophie. Ihr Studium beschränkte sich nicht allein darauf, auf welche Weise sich die Unterthanen einander behandeln, sondern auch wie sie dem König gehorchen, ihm dienen und ihn anbeten sollten. Zugleich lehrten sie, welche Pflichten der Obere gegen den Untergebenen, der König gegen seine Unterthanen im allgemeinen und besondern zu beobachten habe, wie der König die Curacas regieren und ihre guten Dienste anerkennen solle. Dabei befolgten die Incas die Moraltheorie so genau, daß sie es in der Praxis derselben zu hoher Vollkommenheit brachten. Von andern abstracten Speculationen wußten sie nichts, indem sie bloß den Regeln eines Naturlebens und den Naturgesetzen folgten. 17. Naturwissenschaftliches. Zum Schlusse wollen wir nun auch Einiges über die Botanik, die Zoologie und Mineralogie der Indianer anführen. Unter Pflanzen und Gewächsen, die ihnen als Nahrung oder zu sonstigen Zwecken dienten, stand der Mais (Arrez) oben an; es gab zwei Arten desselben, eine harte und eine zarte. Er wurde auf sehr einfache Weise gemahlen, indem die Weiber ihn auf eine große Steinplatte trugen und die Männer ihn mit dicken Steinen zerrieben; diese Steine waren halbmondförmig und länglich. Aus dem Mehle machten sie Brod; da ihnen jedoch die ganze Bereitung zu viel Mühe verursachte, so aßen sie ihn gewöhnlich roh oder kochten ihn, jedoch selten zur Suppe, Api genannt, die sie als guten Leckerbissen betrachteten. Wollte man das Mehl von der Kleie sondern, so legte man es auf ein sauberes Baumwollentuch und beutelte es hin und her, so daß das Mehl in der feinen Wolle sitzen blieb, die Kleie dagegen von ihr abfiel. Dann sammelten sie das Mehl in der Mitte des Tuches und legten es nochmals und so oft auf, bis es die erwünschte Feinheit erlangte. Siebe waren ihnen unbekannt. Sie machten aus dem Maismehl drei verschiedene, Arten Brod: Caucu für die Opfer, Humint für die Feste und Tauta gewöhnliches Brod. Außerdem bereiteten die Indianer aus dem Maismehl ihr gewöhnliches Getränk, indem sie dieses in Wasser einweichten. Ebenso verstanden sie aus ihm einen guten Essig zu ziehen. Ans den vor der Reife abgeschnittenen Maisstengeln gewannen sie auch einen vorzüglichen Honig, und getrocknet wurden sie gleich den Blättern als gutes Viehfutter benutzt. Indianer die dem Trunke mehr ergeben waren weichten Çara oder gerösteten Mais in Wasser bis er zu keimen anfing, zermalmten, und kochten ihn dann mit einigen andern Ingredienzien; die Mischung wurde darauf, nachdem sie durchgegohren hatte, bis zum Gebrauche aufbewahrt. Dieses Getränk, Minna? [?] und Sora genannt, war so stark, daß man sogleich von ihm berauscht wurde. Es wurde deßhalb von den Incas verboten. – Den zweiten Rang unter den Getreidearten nahm der Quinu? [?] eine Art Hirse, ein. Er wurde besonders in den Gegenden gepflanzt, in welchen der Mais nicht gut fortkam. Außerdem baute man eine Gattung von Bohnen, die sich von den gewöhnlichen nur darin unterschieden, daß sie etwas größer waren. Sie bereiteten diese Bohnen (Purutu) auf verschiedene Weise zu. Ebenso hatte man Erbsen (Tarvi), die etwas größer und weißer als die gewöhnlichen waren. Es gab auch noch andere Arten Erbsen, die jedoch nicht eßbar waren, sondern nur zum Spielen dienten Mehrere Pflanzen, die von den Indianern gegessen wurden, besonders in den Provinzen wo der Mais nicht gedieh, wuchsen unter dem Boden. Das vorzüglichste dieser Gewächse hieß Papa und vertrat die Stelle des Brodes. Der Papa wurde gekocht oder zerröstet gegessen oder zu Brühen verwendet, nachdem man ihn in der Kälte hatte ausfrieren und an der Sonne trocknen lassen; denn nur auf solche Weise konnte er aufbewahrt werden. Auch wurde dieser Papa, der sehr zart war, roh gegessen; der Geschmack war süßlich. Der Anus glich dem Papa, nur fiel sein Geschmack etwas ins Bittere und er war deßhalb ungekocht nicht genießbar. Die Indianer behaupteten, er entziehe die Zeugungskraft, weßhalb sie auch bei dessen Genuß kleine Ruthen in der Hand hielten, damit er ihnen nicht schaden sollte. Ferner hatten die Indianer mehrere Arten Kartoffeln, Apichu genannt, von verschiedener Farbe, rothe, weiße, gelbe und schwarze; ferner Kürbisse (Calallu), eine Art Mandeln (Inchic), welche roh gegessen Kopfweh verursachten, aber sehr schmackhaft und süß wie Honig waren. Man machte Kuchen und gutes Oel daraus, das man auch bei verschiedenen Krankheiten als Heilmittel anwandte. Ein anderes Gewächs, Cuchuchu genannt, das nur in kalten Gegenden gedieh, wurde roh gegessen; es war sehr zart und leicht zu verdauen. Diese Pflanze und die Inchic waren Leckerbissen, die nur von den Reichern genossen wurden. – Eine ganz vorzügliche Frucht war die Cacham, welche der Gurke glich; sie war wie diese der Verdauung nicht zuträglich und besonders den Fieberkranken schädlich; Es gab deren drei Gattungen von verschiedener Größe; die mittlere einem Herz ähnliche war die beste; sie wuchs in kleinen Waldungen. – Ferner hatte man verschiedene Baumfrüchte, wie die Savintu. Diese Savintu sind rund und so groß wie ein mittelmäßiger Apfel, ihre Schale ist sehr zart und ihre Körner so groß wie Traubenkerne. Es gab deren die von außen gelb und im Innern roth und von so verschiedenem Geschmacke waren, daß sie einen ganz süß schmeckten und die andern wegen ihrer Säure nicht genossen werden konnten. Es gab auch deren von anderer Farbe. Ferner hatte man Früchte, die man Pacay und andere die man Palta hieß. Die letztern waren Birnen, dreimal so groß wie die spanischen. Rucma hieß eine Art Orangen. Ebenso hatten sie eine Art Pflaumen (Ussun); sie waren roth und sehr süß. Von den Fruchten des Baumes Mulli, die gleich Trauben aufeinander hingen und dem getrockneten Koriander glichen, bereiteten sie ebenfalls einen Trank; die Blätter dieses Baumes sind klein und stets grün. Wenn man die Frucht kostet, so ist sie auswendig süß, inwendig herb und bitter, man kochte sie deßhalb in Wasser und drückte sie mit den Händen bis sie allen süßen Saft abgegeben hatte; der Saft wurde dann im Verlauf von drei oder vier Tagen abgeklärt und das Getränk war fertig. Es soll sehr wohlschmeckend und besonders gegen Kolik und Blasenbeschwerden sehr heilsam gewesen seyn. Mischte man es mit dem Maisgebräue, so war es noch besser und schmackhafter. Kochte man den Saft ganz ein, so gab es guten Honig; setzte man ihn dagegen mit einigen Ingredienzien in die Sonne, so bildete sich guter Essig. Die Blätter dieses Baumes wurden zu Bädern angewendet und sollen sehr gute Dienste gegen die Galle und die Augenschwüre geleistet haben; sein Holz dagegen wurde zu Zahnstochern verarbeitet oder zu Kohlen verbrannt, die ganz vorzüglich waren und so lange anhielten bis sie sich gänzlich in Asche verwandelt hatten. Das gewöhnlichste und beliebteste Getränke aber wurde aus einer Art Pfeffer (Uchu) fabricirt. Die Indianer tranken es so gern daß sie dasselbe in reichem Maaße genossen, selbst wenn sie nichts als rohe Wurzeln und rohe Kräuter zu essen hatten; es war deßhalb auch bei ihren strengsten Fasten verboten, auf daß sie sich freiwillig eines Genusses enthielten, an welchem sie mit aller Leidenschaft hingen. Es gibt drei Arten dieses Pfeffers, die gewöhnlichste ist dick, länglich und ohne Spitzen; er wurde zugleich mit dem Fleische gegessen, so lange er noch nicht reif war und noch nicht seine volle rothe Falbe angenommen hatte. Die zweite Art war gelblich und die dritte schwarz. – Außerdem fand man Pfeffer von der Größe des kleinen Fingers; ihn schätzte man am höchsten und er wurde deßhalb auch gewöhnlich in den Palästen des Königs und der Incas gebraucht; ferner gab es noch ganz kleinen Pfeffer, der wie die Kirsche an einem Stiele hing und dieser ähnlich war. – Aus einem andern Baume, Chuchan genannt, bereitete man mehrere Arten Hanf, der theils zu Thauen theils zu Geweben verwendet wurde; aus den Wurzeln des Baumes zog man eine Seife, mit welcher sich die Frauen den Kopf wuschen. Sie soll außerdem Kopfschmerzen so wie die Flecken im Gesicht vertreiben und das Wachsen der Haare befördert haben. Merkwürdig ist die Art und Weise, wie mit dieser Wurzel die Weiber ihre Haare schwarz färbten. Sie trugen nämlich das Haar sehr lang, so daß es über die Schultern fiel oder banden es mit einer Schnur einfach auf den Kopf. Wurden ihre Haare weiß oder fielen sie ihnen aus, so kochten sie die Wurzel des Chuchan In einem Kessel und hingen mit vorgebeugtem Kopf die Haare in die siedende Flüssigkeit; in dieser peinlichen Stellung blieben sie zwei bis drei Stunden und ihre Haare waren dann schwarz und glänzend wie das Gefieder der Raben. Den ersten Rang unter den Früchten nahmen die ein, welche ein gewisser Baum, von den Spaniern Platane genannt, trug; er glich der Palme, seine Blätter waren sehr breit und grün, standen aufrecht und aus ihrer Mitte wuchs eine traubenartige Frucht hervor, bisweilen mit 300 Beeren; die Trauben waren ungefähr eine Viertel Elle lang und drei Finger dick. Wenn sie zu reifen anfingen, wurden sie abgepflückt, damit sie den sehr schmächtigen Baum durch ihr Gewicht nicht zu Boden drückten, in gewisse Gefäße gebracht und mit einem Kraute zugedeckt das sie völlig reif machte. Das Mark ist so zart und süß, daß es an der Sonne getrocknet als eine sehr seine Confiture gelten kann. Außerdem machte man auch die Frucht mit Honig ein. Der Baum selbst wird nur zwei Ellen hoch, und die Früchte welche an ihm selbst reifen, schmecken am vorzüglichsten. – Unerwähnt dürfen wir auch das Kraut Cuca nicht lassen. Der Cuca ist eine Staude von der Größe des Weinstocks, hat sehr wenig Aeste aber viele außerordentlich feine Blätter, die ungefähr einen halben Zoll lang und einen Zoll breit sind. Obgleich ihr Geruch nicht sehr angenehm st, so kann man ihn doch auch nicht widerlich nennen. Die Indianer schätzen diese Blätter höher als Gold, Silber und Edelsteine und zogen deßhalb auch die Staude mit der größten Sorgfalt. Sie werden an der Sonne getrocknet und gekaut, aber nicht verschluckt. Der Cuca schützt den Körper vor verschiedenen Krankheiten und er wird deßhalb in der Medicin auf verschiedene Weise angewendet. Zu Pulver gestoßen hat er die specifische Eigenschaft daß er den Brand der Wunden verhindert, schwache Knochen stärkt, den Körper erwärmt und alte Wunden, in denen sich Würmer zu bilden anfangen, heilt. Da er solche äußere Uebel heilt, so hebt er wahrscheinlich ebenso gut auch innere. Auch gegen Zahnweh und zur Stärkung der Zähne wurden diese Blätter, die dreimal während des Jahres abgepflückt und als bedeutender Handelsartikel in Körben nach allen Gegenden versendet wurden, angewendet. – Von der Tabakspflanze haben wir schon gesprochen. Als die Spanier Peru erobert hatten, brachten sie viele europäische Gewächse dahin, die bis zu dieser Zeit dort unbekannt gewesen waren. So brachte eine spanische Dame, Maria de Escobar, zuerst das Korn; Francesco Caravantes von Toledo den Weinstock nach Peru. Obgleich der Wein, den man daselbst machte, von vorzüglicher Güte war, so zogen die Indianer ihm doch ihr altes Getränk vor. – Antonio Ribera pflanzte daselbst im Jahr 1560 die ersten Oliven, Feigen, Granaten, Orangen und Melonen. Er legte einen großen Garten an und ließ denselben von 100 Negern und 30 Hunden bewachen, damit ja niemand einen Olivensetzling sich verschaffen und ihn anderswo anpflanzen könnte. Trotzdem wußte man wahrscheinlich einen Neger zu gewinnen, der einen Zweig lieferte und dadurch die größere Verbreitung dieses Baumes beförderte. – Ebenso pflanzte man daselbst mit vielem Glück das Zuckerrohr und die verschiedenen europäischen Küchengewächse an, als Rüben, Cichorie, Lattig, Zwiebeln, Spinat, Artischoken, Spargel, Petersilie und so weiter; ferner Wicken, Bohnen, Linsen, Anis, Senf, Paradieskörner, Reis, deßgleichen viele Blumen, wie Rosen, Jasmin. Alle diese Pflanzen und noch viele andere gediehen in dem herrlichen Klima aufs beste und verbreiteten in den Gegenden, wo man sie angebaut hatte, reichlichen Ueberfluß; so trug unter andern das Korn zweihundert siebenzigfach! So erzählen die Spanier von Rüben, die so dick geworden seyn sollen, daß sie nur von mehreren Pferden fortgezogen werden konnten. Sie waren dabei so dick, daß ein Mann sie nicht umfassen konnte. So wie die Botanik durch die Entdeckung Amerika's bereichert wurde, ebenso erhielt die Zoologie durch sie einen bedeutenden Zuwachs. Es kann nicht unsere Absicht seyn, alle Thiere die man im Reiche der Incas auffand, hier anzuführen; wir wollen nur die erwähnen, welche von den damaligen gleichzeitigen spanischen Autoren, die das peruanische Reich beschrieben, besonders hervorgehoben werden. Vor allem können sie die trefflichen Eigenschaften des Lama nicht genug rühmen; es wurde besonders als Lastthier gebraucht und trug als gewöhnliche Last ungefähr zwei Centner auf einem Tagmarsch von drei Meilen, denn es kann keine große Anstrengung ertragen und geht ziemlich langsam; bringt man es mit Gewalt aus seinem gewöhnlichen Schritt, so ermüdet es sogleich und läßt sich fallen, ohne daß man es auf irgend eine Weise wieder auf die Beine bringen kann; es bleibt dann nichts anders übrig als es sogleich abzuschlachten. Von der Ziegengattung, welche die Indianer Vicuna nannten und die ihnen ungemein feine Wolle lieferte, war schon früher die Rede. Außerdem waren in Peru eine Art Hirsche, Taruca genannt, einheimisch, etwas kleiner als die europäischen Hirsche; ferner Luchse, Füchse, verschiedene Katzenarten, unter andern eine Namens Anas; Kaninchen von mannichfacher Farbe sowohl zahme als wilde, sie hießen Coy; eine andere Kaninchenart hatte den Namen Vizcacha. Unter den wilden Thieren wird besonders der Löwe (Puma) genannt, der aber weder so groß noch so wild ist als der afrikanische. Ferner gab es Bären (Veumari), die sich besonders auf den hohen Bergen aufhielten; Tiger (Acturuncu) traf man nur in den Andes, ebenso die großen Schlangen, Amaru genannt: Es gab auch kleinere Schlangen und sehr gefährliche Vipern; ferner eine Art Büffel und Affen, große und kleine, geschwänzte und ungeschwänzte in großer Menge. Hausvögel hatten die Indianer nicht mit Ausnahme einer Gattung von kleinen Gänsen. Von den übrigen vielen Vögelgattungen die man entdeckte, führen die damaligen Spanier besonders verschiedene Arten Adler an, die jedoch nicht so groß wie die spanischen waren; mehrere Arten Falken, und eine Gattung der letztern hieß Nebli. Als besonders schrecklich werden die Condore von ihnen geschildert, die mit ausgespannten Flügeln sechzehn Fuß maßen. Ferner sind zu nennen eine Art Kolibri, von den Indianern Quenti genannt, die so klein sind, daß man sie im Fluge für Schmetterlinge oder Bienen hielt; eine Art wilder Hühner (Suyuntu), Rebhühner (Yutu), Tauben (Urpi), Turteltauben (Cocohuay), Schwalben, Strauße (Suri) und so weiter. – Besondere Aufmerksamkeit erregten die vielen Gattungen schöner Papagayen. – Auch neue Gattungen von Fischen traf man an, die aber von den Entdeckern so wenig genau bezeichnet werden, daß man nichts Näheres darüber mitzutheilen vermag. Die Spanier fanden endlich in dem indianischen Reiche eine große Menge von Edelsteinen und Perlen. Zur Zeit der Incas wurden keine andern Edelsteine entdeckt als Smaragden und Türkisen; außerdem gab es eine Anzahl schöner Krystalle, deren Bearbeitung und Behandlung die Indianer aber nicht verstanden. Die Smaragden kamen aus den Bergen der Provinz Manta; alle Bemühungen der Spanier, die Fundgruben zu entdecken, blieben fruchtlos; doch wurde eine solche Menge nach Spanien gebracht, daß sie daselbst beinahe in Unwerth geriethen; auch waren sie nicht so schön wie die von Porto Viejo, doch häufig von bedeutender Größe. Garcilasso de la Vega sah deren in Cuzco, die so groß wie kleine Nüsse, rund und in der Mitte durchlöchert waren. Die Indianer schätzten die Smaragden höher als die Türkisen. Von Perlen machten die Indianer, obgleich sie ihnen bekannt waren, keinen Gebrauch; denn da die Incas, denen das Wohl ihrer Unterthanen mehr als die Vermehrung ihrer Schätze am Herzen lag, sahen, mit welchen Mühen deren Zutageförderung aus dem Meer verknüpft, war, verboten sie das Perlenfischen ganz und gar. Später, zur Zeit der Spanier, förderte man eine solche Menge zu Tage, daß sie nach der Aussage spanischer Schriftsteller so gewöhnlich waren, daß sie nur noch von Negersklaven getragen wurden. Man fischte sie an verschiedenen Stellen, hauptsächlich aber an der Landenge Panama, wo die Perleninseln liegen, und an dem Rio de la Hacha (in Columbia). Hier wurden die Muscheln von geschickten Tauchern, die oft eine halbe Viertelstunde unter Wasser geblieben seyn sollen, mit großer Anstrengung von den Felsen abgelöst. Im Jahre 1564 brachte man eine solche Menge Perlen nach Spanien, daß sie zu Sevilla haufenweise verkauft wurden. Eine der merkwürdigsten Perlen war die, welche Don Diego de Temes aus Panama brachte und dem König Philipp II von Spanien anbot. Sie hatte eine birnenförmige Gestalt mit langem Stiele und war so groß wie das dickste Taubenei. Sie wurde auf 14.400 Ducaten geschätzt, doch der Juwelier des Königs behauptete sie sey 14.000, 30.000, 50.000 und 100.000 Ducaten werth, um anzuzeigen daß man ihren Werth nicht bestimmen könne, weil sie ihres gleichen in der Welt nicht habe. Sie wurde deßhalb auch Peregrina (die Fremde) genannt. Auch reiste man nach Sevilla, um diese Merkwürdigkeit zu betrachten. Ein Negerknabe hatte sie gefischt, und die Muschel, in der sie sich befand, war so klein, daß man kaum eine Perle von 100 Realen Werth darin zu finden hoffte und im Begriff war sie wieder ins Meer zu werfen. Der Neger erhielt für diesen glücklichen Fang seine Freiheit und sein Herr wurde zu einer Beamtenstelle befördert. – Man bearbeitete die Perlen nicht weiter, als daß man sie durchlöcherte, und ließ sie gewöhnlich so wie man sie aus den Muscheln zog. Man konnte sie deßhalb nicht gut bearbeiten, weil sie von Natur aus mit dünnen Schuppen oder Blättchen, wie die Zwiebeln mit Häutchen, überdeckt sind. Man fand runde, weniger runde, längliche und platte Perlen, die birnenförmigen wurden am höchsten geschätzt. Eine so geformte Perle oder auch eine runde hatte den doppelten Werth, wenn man eine gleiche auffand, weil man sie dann zu Ohrgehängen verwenden konnte. Es verdient hier noch bemerkt zu werden, daß die Perlen mit der Zeit ihren Glanz verlieren und trüb werden; man hebt dann die erste Hülse ab, unter der man ihren ursprünglichen Glanz wieder findet. Doch verliert die Perle hierdurch an Größe und mithin bedeutend an Werth. Davon ist jedoch die beste Sorte ausgenommen, indem sich diese nicht trübt. Außer den Perlen brachte man eine ungeheure Menge Gold und Silber aus dem Reiche der Incas nach Spanien, und zwar zog man jährlich zwölf bis dreizehn Millionen Ducaten Gold aus den peruanischen Minen. Man traf es in ganz Peru an, jedoch in der einen Provinz mehr als in der andern. Selbst auf der Erdoberfläche lag es zu Tag, man fand es in Flüssen, in Bächen, in Spalten, die von Regenströmen in den Boden gerissen waren. Man wusch es aus dem Sande, der wegen seines reichen Inhalts den Namen Goldstaub erhielt. Auch fand man es gediegen in Stücken von zwei bis drei, ja einige behaupten bis zu zwanzig Pfunden. Diese Stücke waren theils rund, theils platt, theils länglich. Sein Gehalt wechselte zwischen achtzehn und zwanzig Karat; das aus den Minen von Callawaya hatte sogar vierundzwanzig Karat. – Das Gold wurde mit geringern Kosten als das Silber gewonnen; die Reinigung des letztern war schwieriger. In den verschiedenen Provinzen Peru's fand sich eine große Anzahl von Silberminen; sie wurden jedoch bei weitem von denen über troffen, die man 1546 zu Potosi entdeckte. Der Berg, in welchem sie liegen, hat die Gestalt eines Kegels oder Zuckerhutes, mißt am Fuße eine Stunde und in der Höhe eine Viertelstunde im Umfang. Der Gipfel ist rund und bietet eine schöne Aussicht dar. Diese Minen gehörten anfänglich dem Gonzalo Pizarro. Die Masse Silber, das aus ihnen gewonnen wurde, ist zu bekannt als daß wir weiter etwas darüber anzuführen für nöthig halten, und bemerken nur daß der Silberwerth in Peru in kurzer Zeit auf das Drittel und Viertel heruntersank. – Auch das Quecksilber war den Indianern nicht unbekannt, es wurde jedoch dessen Ausbeutung von den Incas ganz und gar verboten, weil man bemerkte daß es die Gesundheit derer, welche mit ihm umgingen, gefährdete. Die Indianer hatten deßhalb auch einen solchen Abscheu vor demselben, daß sie selbst dessen Namen aus ihrer Sprache verbannten. Dagegen gestatteten die Incas das Graben des in den Quecksilberminen befindlichen Zinobers, weil man sehr leidenschaftlich an der rothen Farbe hing. Der Gebrauch dieses Zinobers war jedoch den gemeinen Leuten verboten, weil die Incas fürchteten ihre Unterthanen möchten durch das zu häufige Verweilen in den feuchten Quecksilberhöhlen ihrer Gesundheit schaden; nur Frauen von königlichem Geblüte durften sich damit schmücken; jedoch huldigten nur junge und schöne Frauen dieser Mode, bei ältern hielt man es für unschicklich und lächerlich. – Sie legten dieses Roth nicht wie unsere Damen auf die Wangen, sondern zogen damit von den Augenwinkeln bis zu ben Schläfen mit einem Pinsel einen Streifen von der Breite eines Strohhalms. Die Indianer verstanden anfangs nicht das Silber zu reinigen und zu schmelzen, denn es verflüchtigte sich über der Flamme statt in Fluß zu gerathen, ohne daß sie sich den Grund davon zu erklären vermochten. Nach mehreren Versuchen kamen sie endlich auf den Gedanken das Silber mit Blei zu mischen, und erreichten so ihren Zweck. Die Mischung fand in gewissem Verhältniß statt, und das Silber wurde dann in tragbaren Oefen geschmolzen. – Zu welchen Zwecken die Indianer das Gold und Silber verwendeten, haben wir bereits bemerkt; es diente nur zur Verzierung oder zur Fertigung von Gegenständen, welche das Ansehen und die Pracht der Inca zu erhöhen bestimmt waren. Wir haben früher erwähnt, wie mehrere spanische Kaufleute einen See abgraben wollten, um die in ihn versenkten Schätze, unter andern die große goldene Kette welche der Inca Huayna Capac hatte fertigen lassen, zu gewinnen. Die Geschichte der Entstehung dieser berühmten Kette ist zu eigen und merkwürdig, als daß wir sie unfern Lesern vorenthalten sollten. – Jede Provinz des indianischen Reichs hatte ihre eigenthümlichen Tänze, die stets von ihnen beibehalten winden. Wenn die Incas tanzten, machten sie keine Sprünge wie die übrigen Tänzer, sondern ihr Tanz war ernst und anständig. Es wurden nur Männer zu den Tänzen zugelassen, und einer derselben bestand hauptsächlich darin, daß sie sich einander die Hände gaben und so eine Kette bildeten. Es nahmen, je nach dem geringern oder höhern Grade des Festes bisweilen dreihundert Personen an diesem Tanze Theil, doch mußten sich die tanzenden Personen aus Ehrerbietung stets in einer gewissen Entfernung vom König halten. Der erste der den Tanz anführte, schritt voran, und die andern folgten ihm, so daß sie immer weiter vorwärts tanzten, bis sie zu der Stelle, an welcher sich der Inca befand, gelangt waren. Einer nach dem andern stimmte nun einen Gesang an, der mit dem Tanze gleiche Cadenz hatte und ein Lob auf den Inca, dessen Vorgänger und ähnliches enthielt. – Diese Art des Tanzes brachte den Inca Huayna Capac auf den Gedanken, es müsse hehrer und ernster aussehen, wenn man beim Tanze eine Kette in der Hand hielte, und er befahl deßhalb die so berühmte Kette, von der wir reden, zu fertigen. Sie reichte von dem einen Ende des großen Platzes zu Cuzco, wo bekanntlich die Hauptfeste der Indianer gefeiert wurden, bis zum andern. – Obgleich die Kette für den Tanz nicht so groß hätte seyn dürfen, so bestellte sie der Inca doch so, um seine reiche Pracht desto anschaulicher zu machen. Der Platz, Haucaypata genannt, war von Norden nach Süden ungefähr zweihundert Schritte lang und von Osten nach Westen hundertfünfzig Schritte breit. Die ganze Kette maß mithin dreihundertfünfzig Schritte oder siebenhundert Fuß, und war so dick wie eine Faust!