Johann Friedrich Löwen 1729 – 1771 Die Wut der Frauen Bänkelballade über eine wahre Begebenheit, die sich im Januar 1759 in Hamburg ereignete Ach! hört mit Furcht und Grauen ihr guten Männer an, wozu die Wut der Frauen euch alle reizen kann. Glaubt nicht, daß ihr auf Erden stets euren Himmel habt, wenn euch bei viel Beschwerden der Kuß der Schönen labt. Quält in dem Weltgetümmel den Mann des Ehstands Pflicht: so glaubt, der gute Himmel schloß seine Ehe nicht. So glaubt, er kaufte teuer den kurzen Zeitvertreib; so glaubt, ein Fegefeuer ward ihm sein liebes Weib. Dann kennt er ohne Zweifel die Hölle ganz genau: denn mehr als sieben Teufel quält eine böse Frau. In Eheprüfungsstunden hat mancher Hahnrei oft beim Trost, den er empfunden, auf Rache mit gehofft. Er dacht an seine Brüder und an der Ehe Lauf und setzte manchem wieder zwölfend'ge Hörner auf. Drum nehmt, geplagte Männer, Geduld und Tröstung wahr: zankt eure Frau im Jenner, zankt ihr im Februar. Hat sie im März von Ränken das starre Köpfchen voll, greift im April zu Schwänken und macht im Mai sie toll. So standhaft wechselt immer; merkt diesen treuen Rat: tut nie, was einstens schlimmer ein armer Ehmann tat. Er, der bei grauen Haaren ein rasches Mädchen nahm und nunmehr schnell erfahren, wie man zu Hörnern kam, – er glaubte, da zur Rache sein Alter ihn gelähmt, es sei sein schöner Drache durch Schmeicheln leicht gezähmt. Allein, wie grimmig flogen nicht oft dem armen Tropf, der schrecklich sich betrogen, die Schlüssel nach dem Kopf. Sie droht, er mußte fliegen und kommen, wenn sie rief, und unterm Stuhle kriechen, saß ihr das Kopfzeug schief. Zehn scharfe Nägel fuhren ihm öfters durch den Bart und hinterließen Spuren von ihrer Gegenwart. Einst, schrecklich ist's zu sagen! wollt er das erstemal zu widersprechen wagen, da seh er seine Qual. Mir, rief sie, mir zu wehren! und ich, ich schweige still? Dein Wunder sollst du hören, ein Wort ist gnug: »ich will« Schon flammten ihre Blicke; ein Wörtchen sprach er nur, als schnell in die Perücke Glas und Pantoffel fuhr. Er schwieg und lief verzaget fünf Treppen unters Dach; da hat er viel geklaget – du Muse, klag ihm nach. »Ach! ist ein Mann auf Erden wohl so geplagt als du? Erst muß ich Hahnrei werden, dann Prügel noch dazu?« Er dachte drauf mit Schmerzen an alle seine Not und fühlte Wut im Herzen und knirscht und rief den Tod. Der Tod, der ungebeten oft kömmt mit Ungestüm, kroch doch in diesen Nöten nicht unters Dach zu ihm. Und weil er nicht gekommen, so hat er wehmutsvoll gar den Entschluß genommen, den keiner nehmen soll. »Der, welcher sich erhenket, schloß er, fühlt kurze Pein. Mein Weib, wenn man's bedenket, wird stets mein Henker sein. Was acht ich denn der Qualen von einem Augenblick? da schon zu tausend Malen – komm her, geliebter Strick!« Es war der letzte Jenner, als sich der Geck erhing und für geplagte Männer die Märterkron empfing.