Friedrich Kind. Der Freischütz. Romantische Oper in drei Akten Musik von Karl Maria v. Weber. Op. 77. Personen (mit der Besetzung der ersten Aufführung, Berlin, 18. Juni 1821).         Ottokar , regierender Graf. (Bariton). Herr Rebenstein. Kuno , gräflicher Erbförster. (Baß.) Herr Wauer. Agathe , seine Tochter. (Sopran.) Mad. Carol. Seidler, geb. Wranitzky. Aennchen , eine junge Verwandte. (Sopran.)     Mlle. Joh. Eunicke. Kaspar , erster Jägerbursche. (Baß.) Herr Blume. Max , zweiter Jägerbursche. (Tenor.) Herr Stümer. Samiel , der schwarze Jäger. ? Ein Eremit . (Baß.) Herr Gern. Kilian , ein reicher Bauer. (Baß.) Herr Wiedemann. Eine Brautjungfer . (Sopran.) Mlle. Henr. Reinwald. Brautjungfern. – Jäger und Gefolge. – Landleute und Musikanten – Erscheinungen. Schauplatz: Böhmen. Zeit: 17. Jahrhundert. Erster Akt Zweiter Akt Dritter Akt Ouverture (C dur).   Adagio. – Molto vivace. Erster Akt. Platz vor einer Waldschenke. No. 1. Introduction. Chor. Landleute . Victoria! Victoria! der Meister soll leben, Der wacker dem Sternlein den Rest hat gegeben! Ihm gleichet kein Schütz von fern und von nah! Victoria! Victoria! Victoria! Marsch. Lied. Kilian . 1. Schau' der Herr mich an als König! Dünkt Ihm meine Macht zu wenig? Gleich zieh' Er den Hut, Mosje! Wird Er? frag' ich – He? he? he? Chor . Wird Er? frag' ich – He? he? he? Kilian . 2. Stern und Strauß trag' ich vor'm Leibe, Cantors Sepherl trägt die Scheibe; Hat er Augen nun, Mosje? Was traf Er denn? – He? he? he? Chor . Was traf Er denn? – He? he? he? Kilian . 3. Darf ich etwa Euer Gnaden 's nächste Mal zum Schießen laden? – Er gönnt Andern was, Mosje! Nun, Er kommt doch? – He? he? he? Chor . Nun, Er kommt doch? – He? he? he? No. 2. Terzett und Chor. Max . O diese Sonne, Furchtbar steigt sie mir empor! Kuno . Leid oder Wonne, Beides ruht in deinem Rohr! Max . Ach, ich muß verzagen, Daß der Schuß gelingt! Kuno . Dann mußt du entsagen. Kaspar . Nur ein keckes Wagen Ist's, was Glück erringt. Max . Agathen entsagen, Wie könnt' ich's ertragen! Doch mich verfolget Mißgeschick! – Chor . Seht, wie düster ist sein Blick! – Ahnung scheint ihn zu durchbeben – O laß Hoffnung dich beleben Und vertraue dem Geschick! Max . Weh' mir! mich verließ das Glück! Unsichtbare Mächte grollen, Bange Ahnung füllt die Brust! Kaspar . Mag Fortuna's Kugel rollen; Wer sich höh'rer Kraft bewußt, Trotzt dem Wechsel und Verlust! Kuno . So's des Himmels Mächte wollen, Dann – trag' männlich den Verlust! Chor . Nein! er trüg' nicht den Verlust! Kuno . Mein Sohn, nur Muth, Wer Gott vertraut, baut gut! Jetzt auf! In Bergen und Klüften Tobt morgen der freudige Krieg. Chor der Jäger . Das Wild in Fluren und Triften, Der Aar in Wolken und Lüften Ist unser und unser der Sieg! Chor der Landl . Laßt lustig die Hörner erschallen – Chor der Jäger . Wir lassen die Hörner erschallen – Alle (außer Max) . Wenn wiederum Abend ergraut, Soll Echo und Felsenwand hallen. Sa! hussa, dem Bräut'gam! der Braut! No. 3. Scene und Arie. Böhmischer Walzer. Recitativ. Max . Nein, länger trag' ich nicht die Qualen, Die Angst, die jede Hoffnung raubt! Für welche Schuld soll ich bezahlen? Was weiht dem falschen Glück mein Haupt? – Arie. Durch die Wälder durch die Auen Zog ich leichten Sinus dahin, Alles, was ich konnt' erschauen, War des sichern Rohrs Gewinn. Abends bracht ich reiche Beute, Und, wie über eig'nes Glück (Drohend wohl dem Mörder) freute Sich Agathe's Liebesblick. Hat denn der Himmel mich verlassen? (Samiel im Hintergrunde.) Die Vorsicht ganz ihr Aug' gewandt? Soll das Verderben mich erfassen? Verfiel ich in des Zufalls Hand? (Samiel verschwindet.) Jetzt ist wohl ihr Fenster offen, Und sie horcht auf meinen Schritt, Läßt nicht ab vom treuen Hoffen. »Max bringt gute Zeichen mit!« Wenn sich rauschend Blätter regen, Wähnt sie wohl, es sei mein Fuß; Hüpft vor Freuden, winkt entgegen – Nur dem Laub' – den Liebesgruß. – Doch mich umgarnen finst're Mächte; (Samiel schreitet mit großen Schritten im Hintergrunde über die Bühne.) Mich faßt Verzweiflung, foltert Spott. O! dringt kein Strahl durch diese Nächte? Herrscht blind das Schicksal?! lebt kein Gott? No. 4. Lied. Kaspar . Hier im ird'schen Jammerthal War' doch nichts als Plack und Qual, Trüg' der Stock nicht Trauben; Darum bis zum letzten Hauch Setz' ich auf Gott Bacchus Bauch Meinen festen Glauben! Eins ist Eins und Drei sind Drei! Drum addirt noch zweierlei Zu dem Saft der Reben. Kartenspiel und Würfellust, Und ein Kind mit runder Brust Hilft zum ew'gen Leben! Ohne dies Trifolium Gibt's kein wahres Gaudium Seit dem ersten Uebel. Fläschchen sei mein ABC, Würfel, Karte, Katherle Meine Bilder-Fibel. No. 5. Arie. Kaspar . Schweig, schweig – damit dich Niemand warnt! Der Hölle Netz hat dich umgarnt, Nichts kann vom tiefen Fall dich retten! Umgebt ihn, ihr Geister mit Dunkel beschwingt! Schon trägt er knirschend eure Ketten! Triumph! die Rache, die Rache gelingt! Zweiter Akt. Vorsaal, mit zwei Seiteneingängen, im altertümlichen Forsthause. In der Mitte eine auf einen Altan führende, mit Vorhängen bedeckte Thüre . No. 6. Duett. Aennchen . Schelm, halt fest! Ich will dich's lehren! Spukerei'n kann man entbehren In solch altem Eulennest. Agathe . Laß das Ahnenbild in Ehren! Aennchen . Ei, dem alten Herrn Zoll' ich Achtung gern; Doch dem Knechte Sitte lehren, Kann Respect nicht wehren. – Agathe . Sprich, wen meinst du? welchen Knecht? Aennchen . Nun, den Nagel! Kannst du fragen? Sollt' er seinen Herrn nicht tragen. Ließ ihn fall'n, war das nicht schlecht? Agathe . Ja, gewiß, das war nicht recht. Aennchen (zugleich) . Gewiß, gewiß, das war recht schlecht. Agathe . Alles wird dir zum Feste, Alles beut dir Lachen und Scherz – O wie anders fühlt mein Herz! Aennchen . Grillen sind mir böse Gäste. Immer mit leichtem Sinn Tanzen durchs Leben hin, Das nur ist Hochgewinn – Sorgen und Gram muß man verjagen! Agathe (zugleich) . Wer bezwingt des Busens Schlagen? Wer der Liebe süßen Schmerz? Stets um dich, Geliebter, zagen Muß dies ahnungsvolle Herz! Nr. 7. Ariette. Aennchen . Kommt ein schlanker Bursch gegangen, Blond von Locken oder braun, Blau von Aug' und roth von Wangen, Ei, nach dem kann man wohl schau'n. Zwar schlägt man das Aug' ans's Mieder Nach verschämter Mädchen Art; Doch verstohlen hebt man's wieder, Wenn's das Herrchen nicht gewahrt. Sollten ja sich Blicke finden, Nun, was hat das auch für Noth? Man wird drum nicht gleich erblinden, Wird man auch ein wenig roth. Blickchen hin und Blick herüber, Bis der Mund sich auch was traut! Er seufzt: Schönste! Sie spricht: Lieber! Bald heißt's Bräutigam und Braut. Immer näher, liebe Leutchen! Wollt ihr mich im Kranze seh'n? Gelt! das ist ein nettes Bräutchen, Und der Bursch nicht minder schön! Nr. 8. Scene und Arie. Agathe . Wie, nahte mir der Schlummer, Bevor ich ihn geseh'n? – Ja, Liebe pflegt mit Kummer Stets Hand in Hand zu geh'n! Ob Mond auf seinem Pfad wohl lacht? Welch' schöne Nacht! –     Leise, leise, fromme Weise!     Schwing' dich auf zum Sternenkreise.     Lied, erschalle! Feiernd walle     Mein Gebet zur Himmelshalle! – O wie hell die gold'nen Sterne, Mit wie reinem Glanz sie glüh'n! Nur dort in der Berge Ferne Scheint ein Wetter aufzuzieh'n. Dort am Wald auch schwebt ein Heer Düst'rer Wolken dumpf und schwer.     Zu dir wende ich die Hände,     Herr ohn' Anfang und ohn' Ende!     Vor Gefahren uns zu wahren,     Sende deiner Engel Schaaren! – Alles pflegt schon längst der Ruh'; Trauter Freund! wo weilest du? Ob mein Ohr auch eifrig lauscht, Nur der Tannen Wipfel rauscht, Nur das Birkenlaub im Hain Flüstert durch die hehre Stille; Nur die Nachtigall und Grille Scheint der Nachtluft sich zu freu'n. Doch wie? täuscht mich nicht mein Ohr? Dort klingt's wie Schritte – Dort aus der Tannen Mitte Kommt 'was hervor! – Er ist's! er ist's! Die Flagge der Liebe mag weh'n! Dein Mädchen wacht noch in der Nacht. – Er scheint mich noch nicht zu seh'n – Gott! täuscht das Licht des Monds mich nicht, So schmückt ein Blumenstrauß den Hut. – Gewiß, er hat den besten Schuß gethan! Das kündet Glück für morgen an! O süße Hoffnung! Neu belebter Muth! All' meine Pulse schlagen, Und das Herz wallt ungestüm, Süß entzückt, entgegen ihm! Konnt' ich das zu hoffen wagen? Ja, es wandte sich das Glück Zu dem theuren Freund zurück! Will sich morgen treu bewähren! Ist's nicht Täuschung, ist's nicht Wahn? – Himmel, nimm des Dankes Zähren Für dies Pfand der Hoffnung an! Nr. 9. Terzett. Agathe Wie? was? Entsetzen! Dort in der Schreckensschlucht? Aennchen . Der wilde Jäger soll dort hetzen, Und wer ihn hört, ergreift die Flucht. Max . Darf Furcht im Herz des Waidmanns hausen? Agathe . Doch sündigt der, der Gott versucht! Max . Ich bin vertraut mit jenem Grausen, Das Mitternacht im Walde webt, Wenn sturmbewegt die Eichen sausen Der Heher krächzt, die Eule schwebt – Agathe . Mir ist so bang! o bleibe! O eile, eile nicht so schnell. Aennchen (zugleich) . Ihr ist so bang! o bleibe! O eile, eile nicht so schnell. Max . Noch birgt sich nicht die Mondenscheibe, Noch strahlt ihr Schimmer klar und hell; Doch bald wird sie den Schein verlieren – Aennchen . Willst du den Himmel observiren? Das wär' nun meine Sache nicht. Agathe . So kann dich meine Angst nicht rühren? Max . Mich ruft von hinnen – Wort und Pflicht Alle drei . Leb' wohl! Max . Doch hast du auch vergeben Den Vorwurf? den Verdacht? Agathe (zugleich) . Nichts fühlt mein Herz als Beben; Nimm meiner Warnung Acht. Aennchen (zugleich) . So ist das Jägerleben! Nicht Ruh' bei Tag und Nacht. Agathe . Weh' mir! ich muß dich lassen. Aennchen (zugleich) . Such', Beste, dich zu fassen! Max (zugleich) . Bald wird der Mond erblassen! Agathe . und Aennchen . Denk an Agathe's Wort! Max (zugleich) . Mein Schicksal reißt mich fort! Nr. 10. Finale. Wolfsschlucht . Stimmen unsichtbarer Geister . Milch des Mondes fiel auf's Kraut – Uhui! Spinnweb' ist mit Blut bethaut. – Uhui! Eh' noch wieder Abend graut – Uhui! Ist sie todt, die zarte Braut! – Uhui! Eh' noch wieder sinkt die Nacht, Ist das Opfer dargebracht – Uhui! Uhui! Uhui! Kaspar . Samiel! Samiel! erschein'! Bei des Zaub'rers Hirngebein'! Samiel! Samiel! erschein'! Samiel . Was rufst du? Kaspar .. Du weißt, daß meine Frist Schier abgelaufen ist – Samiel . Morgen! Kaspar . Verläng're sie noch einmal mir – Samiel . Nein! Kaspar . Ich bringe neue Opfer dir – Samiel . Welche? Kaspar . Mein Jagdgesell, er naht, – Er, der noch nie dein dunkles Reich betrat. Samiel . Was sein Begehr? Kaspar . Freikugeln sind's, auf die er Hoffnung baut – Samiel . Sechse treffen, sieben äffen! Kaspar . Die siebente sei dein! Aus seinem Rohr lenk sie nach seiner Braut; Dies wird ihn der Verzweiflung weih'n, Ihn und den Vater – Samiel . Noch hab' ich keinen Theil an ihr! Kaspar . Genügt er dir allein? Samiel . Das findet sich! Kaspar . Doch schenkst du Frist, und wieder auf drei Jahr Bring' ich ihn dir zur Beute dar? Samiel . Es sei! – Bei den Pforten der Hölle! Morgen – er, oder du! Melodramatische Scene. Kaspar . Trefflich bedient! – Gesegn' es. Samiel! Er hat mir warm gemacht! Aber wo bleibt Max? Sollt er wortbrüchig werden! – Samiel, hilf! – Recitativ. Max (auf der Felshöhe) . Ha! – Furchtbar gähnt Der düst're Abgrund! – welches Grau'n! Das Auge wähnt In einen Höllenpfuhl zu schau'n! Wie dort sich Wetterwolken ballen! Der Mond verliert von seinem Schein! Gespenst'ge Nebelbilder wallen! Belebt ist das Gestein, Und hier – husch! husch! Fliegt Nachtgevögel auf im Busch! Rothgraue, narb'ge Zweige strecken Nach mir die Riesenfaust! – Nein, ob das Herz auch graust, Ich muß! Ich trotze allen Schrecken! Kaspar . (Dank, Samiel! die Frist ist gewonnen.) – – Kommst du endlich, Kamerad? Ist das auch recht, mich allein zu lassen? Siehst du nicht, wie mir's sauer wird? Max . Ich schoß den Adler aus hoher Luft; Ich kann nicht rückwärts – mein Schicksal ruft – Weh' mir! Kaspar . So komm doch! die Zeit eilt – Max . Ich kann nicht hinab! Kaspar . Hasenherz! klimmst ja sonst wie eine Gemse! Max . Sieh dorthin! steh! Was dort sich weis't, Ist meiner Mutter Geist! So lag sie im Sarg, so lag sie im Grab! – Sie fleht mit warnendem Blick, Sie winkt mir zurück! Kaspar . (Hilf, Samiel!) – Alberne Fratzen! Hahaha! Sieh noch einmal hin, damit du die Folgen deiner feigen Thorheit erkennst. – Max . Agathe! – Sie springt in den Fluß! Hinab! ich muß! Kaspar . (Ich denke wohl auch!) Max . Hier bin ich, was hab' ich zu thun? Melodram. (Der Kugelsegen.) Kaspar . Schütze, der im Dunkeln wacht! Samiel! Samiel! hab' Acht! Steh mir bei in dieser Nacht, Bis der Zauber ist vollbracht! Salbe mir so Kraut als Blei, Segn' es sieben, neun und drei, Daß die Kugel tüchtig sei! Samiel! Samiel! herbei! (Die Masse in der Gießkelle gährt und zischt und verbreitet grünlichen Schein. Eine Wolke deckt den Mondstreifen, so daß die Bühne nur noch vom Heerdfeuer, den Augen der Eule und dem faulen Holz des Baumes beleuchtet ist. Kaspar läßt die Kugel aus der Form fallen und ruft: Eins ! Hier wie später antwortet das Echo auf seinen immer ängstlicher werdenden Ruf. – Waldvögel umflattern das Feuer. – Zwei ! – Ein schwarzer Eber jagt wild durch's Gebüsch. – Drei ! – Sturm erhebt sich und beugt und bricht die Baumwipfel. – Vier ! – Rasseln, Peitschengeknall und Pferdegetrappel. Vier feurige, funkenwerfende Räder rollen über die Bühne. – Fünf ! – Hundegebell und Wiehern in der Luft. Die wilde Jagd zieht in der Höhe vorüber.) Chor des wilden Heeres, (unsichtbar.) Durch Berg und Thal, durch Schlund und Schacht, Durch Thau und Wolken, Sturm und Nacht! Durch Höhle, Sumpf und Erdenkluft, Durch Feuer, Erde, See und Luft! Joho! Joho! Wau! Wau! Kaspar . Wehe! das wilde Heer! Sechs! – Wehe! Echo . Sechs! –Wehe! (Der ganze Himmel wird schwarze Nacht. Die Gewitter treffen furchtbar zusammen, Flammen schlagen aus der Erde; Irrlichter tanzen auf den Bergen.) Kaspar . Samiel! Samiel! hilf! Sieben – Samiel! Max . Samiel! (Beide zu Boden geschleudert.) Samiel . Hier bin ich! (Es schlägt Eins.) Dritter Akt. Nr. 11. Entre-Akt. Agathens Stübchen im Forsthause . Nr. 12. Cavatine. Agathe . Und ob die Wolke sie verhülle, Die Sonne bleibt am Himmelszelt! Es waltet dort ein heil'ger Wille; Nicht blindem Zufall dient die Welt! Das Auge, ewig rein und klar, Nimmt aller Wesen liebend wahr! Für mich wird auch der Vater sorgen, Dem kindlich Herz und Sinn vertraut! Und wär dies auch der letzte Morgen, Rief mich sein Vaterwort als Braut: Sein Auge, ewig rein und klar, Nimmt meiner auch mit Liebe wahr. No. 13. Romance und Arie. Aennchen . Einst träumte meiner sel'gen Base: Die Kammerthüre öffne sich, Und – kreideweis ward ihre Nase, Denn näher, furchtbar näher schlich Ein Ungeheuer, mit Augen, wie Feuer, Mit klirrender Kette – es nahte dem Bette, In welchem sie schlief – (Ich meine die Base mit kreidiger Nase), Und stöhnte, ach! so hohl – und ächzte, ach! so tief! – Sie kreuzte sich, rief Nach manchem Angst- und Stoßgebet: »Susanne! Margaret!« Und sie kamen mit Licht, Und – denke nur! – und – (Erschrick mir nur nicht!) Und – (graus't mir doch!) – und – Der Geist war: – Nero, der Kettenhund! Du zürnest mir? Doch kannst du wähnen, Ich fühle nicht mit dir? – Nur ziemen einer Braut nicht Thränen! Arie. Trübe Augen, Liebchen, taugen Einem holden Bräutchen nicht, Daß durch Blicke sie erquicke, Und beglücke, und bestricke, Alles um sich her entzücke, Das ist ihre schönste Pflicht! – Laß in öden Mauern Büßerinnen trauern, Dir winkt ros'ger Hoffnung Licht! Schon entzündet sind die Kerzen Zum Verein getreuer Herzen – Holde Freundin, zage nicht! Nr. 14. Volkslied der Brautjungfern. Brautjungfer . 1. Wir winden dir den Jungfernkranz Mit veilchenblauer Seide, Wir führen dich zu Spiel und Tanz, Zu Glück und Liebesfreude! Alle . Schöner grüner Jungfernkranz! Veilchenblaue Seide 2. Lavendel, Myrth' und Thymian, Das wächst in meinem Garten; Wie lang bleibt doch der Freiersmann? Ich kann es kaum erwarten.     Schöner grüner Jungfernkranz! u. s. w. 3. Sie hat gesponnen sieben Jahr' Den goldnen Flachs am Rocken, Das Tüchlein ist wie Spinnweb' klar, Und grün der Kranz der Locken.     Schöner grüner Jungfernkranz! u. s. w. 4. Und als der schmucke Freier kam, War'n sieben Jahr verronnen. Und weil er die Herzliebste nahm, Hat sie den Kranz gewonnen.     Schöner grüner Jungfernkranz! u. s. w. Verwandlung. Romantisch-schöne Gegend mit den fürstlichen Jagdzelten . Nr. 15. Chor der Jäger. Was gleicht wohl auf Erden dem Jägervergnügen? Wem sprudelt der Becher des Lebens so reich? Beim Klange der Hörner im Grünen zu liegen, Den Hirsch zu verfolgen durch Dickicht und Teich: Ist fürstliche Freude, ist männlich Verlangen, Erstarket die Glieder und würzet das Mahl; Wenn Wälder und Felsen uns hallend umfangen, Tönt freier und freud'ger der volle Pokal! Joho, trallala! Diana ist kundig die Nacht zu erhellen, Wie labend am Tage ihr Dunkel uns kühlt. Den blutigen Wolf und den Eber zu fällen, Der gierig die grünenden Saaten durchwühlet. Ist fürstliche Freude u. s. w. Nr. 16. Finale. Einige . Schaut! o schaut! er traf die eigne Braut! Andere . Der Jäger stürzte vom Baum. Noch Andere . Wir wagen's kaum, nur hinzuschau'n. O furchtbar Schicksal, o Grau'n! Chor . Uns're Herzen beben, zagen! Wär' die Schreckenstat gescheh'n? Kaum will es das Auge wagen, Wer das Opfer sei, zu seh'n. Agathe . Wo bin ich? War's Traum nur, daß ich sank? Aennchen . O fasse dich! Max und Kuno . Sie lebt! Einige . Den Heil'gen Preis und Dank – Sie hat die Augen offen! – Andere . Hier, dieser ist getroffen, Der roth im Blute liegt – Kaspar . Ich sah den Klausner bei ihr stehn; Der Himmel siegt, – es ist um mich geschehen! Agathe . Ich athme noch! der Schreck nur warf mich nieder. Ich athme noch die liebliche Luft – – Kuno . Sie athmet frei! Max . Sie lächelt wieder! Agathe . O Max! ich lebe noch! – Max (zugleich) . Die süße Stimme ruft! Agathe, du lebest noch! Kaspar (Samiel hinter ihm) . Du, Samiel, schon hier? So hielt'st du dein Versprechen mir? Nimm deinen Raub, ich trotze dem Verderben! Dem Himmel Fluch! – Fluch dir! (stirbt. Samiel verschwindet.) Einige . Ha! das war sein Gebet im Sterben! Kuno u. Chor . Er war von je ein Bösewicht, Ihn traf des Himmels Strafgericht! Er hat dem Himmel selbst geflucht! Vernahmt ihr's nicht? Er rief den Bösen! – Ottokar . Fort, stürzt das Scheusal in die Wolfsschlucht! Nur du kannst dieses Räthsel lösen! Wohl schwere Unthat ist gescheh'n! Weh' dir, wirst du nicht Alles treu gesteh'n! Max . Herr! unwerth bin ich eurer Gnade; Des Todten Trug verlockte mich, Daß – aus Verzweiflung ich vom Pfade Der Frömmigkeit und Tugend wich. Vier Kugeln, die ich heut' verschoß – Freikugeln sind's, die ich mit Jenem goß. Ottokar . So eile, mein Gebiet zu meiden Und kehre nimmer in dies Land! Vom Himmel muß die Hölle scheiden – Nie! nie empfängst du diese reine Hand. Max .. Ich darf's nicht wagen, mich zu beklagen; Denn schwach war ich, obwohl kein Bösewicht Kuno . Er war sonst stets getreu der Pflicht – Agathe . O reißt ihn nicht aus meinen Armen. Die Jäger . Er ist so brav, voll Kraft und Muth – Landleute . O, er war immer brav und gut! Aennchen und Chor . Gnäd'ger Herr! o habt Erbarmen! Ottokar . Nein! Agathe ist für ihn zu rein! Hinweg aus meinem Blick! Dein harrt der Kerker, kehrst du je zurück! Eremit . Wer legt auf ihn so strengen Bann? Ein Fehltritt, ist er solcher Büßung werth? Ottokar . Bist du es, heil'ger Mann, Den weit und breit die Gegend ehrt? Sei mir gegrüßt, Gesegneter des Herrn! Dir bin auch ich gehorsam gern; Sprich du sein Urtheil; deinen Willen Will treulich ich erfüllen. Eremit . Leicht kann des Frommen Herz auch wanken Und überschreiten Recht und Pflicht. Wenn Lieb' und Furcht der Tugend Schranken, Verzweiflung alle Dämme bricht. Ist's recht, auf einer Kugel Lauf Zwei edler Herzen Glück zu setzen? Und unterliegen sie den Netzen! Womit sie Leidenschaft umflicht, Wer hüb den ersten Stein wohl auf? Wer griff in seinen Busen nicht? Drum finde nie der Probeschuß mehr Statt! Ihm, Herr, der schwer gesündigt hat, Doch sonst stets rein und bieder war, Vergönnt dafür ein Probejahr, Und bleibt er dann, wie ich ihn stets erfand, So werde sein Agathe's Hand! Ottokar . Dein Wort genüget mir, Ein Höh'rer spricht aus dir! Alle . Heil unserm Fürst! Er widerstrebet nicht Dem, was der fromme Klausner spricht. Ottokar . Bewährst du dich, wie dich der Greis erfand, Dann knüpf' ich selber euer Band. Max . Die Zukunft soll mein Herz bewähren! Stets heilig sei mir Recht und Pflicht! Agathe . O les't den Dank in diesen Zähren; Das schwache Wort genügt ihm nicht! Ottokar und Eremit . Der über Sternen ist voll Gnade; Drum ehrt es Fürsten, zu verzeih'n! Kuno . Weicht nimmer von der Tugend Pfade, Um eures Glückes werth zu sein! Aennchen (zugleich) . O dann, geliebte Freundin, schmücke Ich dich auf's Neu' zum Traualtar! Eremit . Doch jetzt erhebt noch eure Blicke Zu dem, der Schutz der Unschuld war! Schlußchor . Ja! laßt uns zum Himmel die Blicke erheben, Und fest auf die Lenkung des Ewigen bau'n! Wer rein ist von Herzen, und schuldlos von Leben, Darf kindlich der Milde des Vaters vertrau'n!