217   Der wandelnde Prior Von F. J. Freiholz         In Ebrachs Klosterhallen Geht oft ein Geist umher, Im Grab zwar darf er liegen, Doch ruhen nimmermehr. Er war in Ebrach Prior, Doch hielt er nichts auf Pflicht, Drum darf er nimmer sterben, Bis zu dem Weltgericht. Sooft ein ander Schicksal Dem Kloster steht bevor, Steigt er zur Geisterstunde Aus seinem Sarg empor. Er geht durch alle Säle Bis hin zum Gotteshaus, Dort spricht er dann mit Beben Die Unglücksmäre aus. Und weithin in die Runde Hört jedermann den Geist, Der Kloster Ebrach Unglück Und Mißgeschick verheißt. Zweimal ist er erschienen, Kömmt er zum drittenmal, Dann droht dem alten Kloster Wohl gänzlicher Verfall. Und stürzen Ebrachs Mauern In Trümmer und in Graus, Dann darf er ruhig liegen In seinem Bretterhaus. Doch sterben darf er nimmer, Wenn alles auch zerbricht, Sein Geist darf nicht vom Leibe Ob der verletzten Pflicht.