1231   Philippine Welser Von J. G. Seidt. – Größere Gedichte von Th. Hell u. K. Pichler. – Hormayr: Urania 1818 und Archiv f. Gesch. Stat. u. Lit. etc., Wien 1828, Nr. 81 ff.         Zu Augsburg hat ein Bürger Ein Töchterlein gar hold; Hat himmelblaue Äuglein Und Locken hell wie Gold. Die schöne Philippine ward Das Töchterlein geheißen, So wunderbarer Art. Es war von guten Sitten Und fromm und klug dabei; Man hätte drauf geschworen, Daß es von Ahnen sei; Hatt' einen Hals, wie Schnee so rein, Man sah's, wenn durch die Adern Ihm floß der rote Wein. Ein Herzog kam gezogen Zum Reichstag in das Land; Dem Dirnlein ward gewogen Der Herzog Ferdinand; Er war erst neunzehn Sommer alt, Da wuchs in seinem Herzen Die Liebe mit Gewalt. »Bist du mein liebes Mägdlein?« – Das Mägdlein sprach: »Bin dein!« Da segnet bald ein Priester Den Bund im stillen ein. Des Herzogs Vater zürnt' wohl sehr; Sechs Jahr ließ er sich bitten, Dann zürnt' er nimmermehr. Dann haust auf seinem Schlößlein Zu Ambras in Tirol Mit seiner Philippine Der Herzog recht und wohl; Da gab es Lieb' und Lust im Haus; Die heitern Minnesänger, Die zogen ein und aus. Da ward gar viel turnieret, Der Kunst gar treu gepflegt, Gar manche Tat vollführet, Gar mancher Keim gehegt; So ging es dreißig Jahr und eins, Da fand der Tod ein Ende Des treuen Herzvereins. Das Glück der Philippine Hat manchen Fant gekränkt, Drum heißt es, daß im Bade Die Neider sie ertränkt; Ich mein', da sorgt der Himmel für, Daß nicht so schlimm verderbe Der Schönheit edle Zier.