442   Gründung des Klosters Wessobrunn Von F. G. v. Pocci. – Andr. Presb. bei Freyberg, Samml. II., 393. Arnpekh, II., c. 33. Hund, Metr., III., 485. Brunner, Ann., p. 179. Falkenstein, Bayer. Gesch., II., 511. Leutner, Hist. Wessof., p. 9. Zimmermann, Geistl. Kal., I., 205               Herr Tassilo besteigt das Roß, Zu reiten in den Wald, Will jagen dort mit seinem Troß, Dieweil das Hörnlein schallt. Er ziehet durch den grünen Hag Und über Wiesen hin Und pirschet froh den ganzen Tag; Die Tierlein alle fliehn. Das Rößlein schnaubet müd und matt Und mäßigt seinen Trab, Herr Tassilo, des Jagens satt, Steigt von dem Sattel ab. »Knecht Wesso, laß den Gäulen Luft, Laß weiden sie im Tau; Will rasten hier in Waldesduft Und schaun ins Himmelsblau.« Die Sonne senket ihren Lauf, Es nahet sich die Nacht, Dort steigt der Mond am Himmel auf Und zeiget seine Pracht. Herr Tassilo ruht mit dem Knecht Auf grünem, samtnem Moos, Und wahrlich schlummert er nicht schlecht In dunkler Waldung Schoß; Ein schöner Traum erquicket ihn, Er sieht der Englein viel Auf Himmelsleitern her und hin Bewegen sich im Spiel. Er sieht sie ziehn an einen Quell Und schöpfen wohl daraus, Das Wasser ist so rein und hell, Die Englein trinken draus. »O gebt ein Tröpflein nur auch mir, Mich dürstet allzusehr, Kredenzet Himmelslabung hier, O höret mein Begehr'.« So träumt' Herr Tassil' und erwacht: »Knecht Wesso, sahst du's nicht? Ich hatte in der heut'gen Nacht Ein wunderbar Gesicht. Und flöss' der Quell, den ich gesehn, Auch in dem fernsten Land, Ich wollte gerne zu ihm gehn Zum Trunk aus hohler Hand.« Da rauscht es plötzlich aus dem Stein Und sprudelt durch das Moos: »Fürwahr, ein Bächlein muß es sein, Das gestern noch nicht floß! Welch heil'ger Morgentrunk; wohlan, Knecht Wesso, schöpfe nun! Du schöpfst daraus der erste Mann: Der Quell sei ›Wessobrunn‹.« Der Knecht, er schöpft' – der Herzog trank, Labt sich, als sei es Wein, Und spricht: »Hier bau' ich Gott zum Dank Ein frommes Klösterlein.« Gelobt, getan; bald füget Stein An Stein zum Baue man, Die Mönche ruft das Glöckelein, Und das war wohlgetan.