451   Der Schäfflertanz zu München Von F. G. Pocci. – A. Baumgartner, Der Schäfflertanz in München, München 1830. Westenrieder, Beitr., VII., 281. Lipowsky, Urgesch., II., 185. J. H. Wolf, Geschichtsjahrbücher, V., 88. Förster, Panzer, Marggraff u. a. – J. H. Wolf (Geschichtsjahrbücher, V., 88) sagt, es fände sich eine Urkunde v. 1349, worin einem Schäffler Holzhammer der Dank des Bürgermeisteramts für seine Leistungen bei den öffentlichen Tänzen zur Ermutigung der durch die Pest entvölkerten Stadt ausgedrückt werde. Auch berichte die Salzburg. Chronik v. 1349, die Pest habe in diesem Jahr Salzburg, München und benachbarte Städte heimgesucht. Des gleichfalls in München noch üblichen Metzgersprungs gedenken ausführlich die obengenannten Schriften, insbesondere sind Schmeller (B. W., II., 661) und Panzer (S. 226 u. 359) nachzusehen.         Zu München, im Land Bayern, Ist eine schwere Zeit, Man hört kein Freudenwörtlein Und trauert weit und breit. Die Häuser sind geschlossen, Die Straßen öd und leer, Kein froher Sang erschallet, Und still ist's ringsumher. Geh nicht zu deinem Nachbar, Schließ dich ins Kämmerlein, Laß reichen dir mit Zangen Das Brot durchs Fenster ein. Und wär' dein Bruder draußen Und auch dein eigen Kind, Laß unberührt sie stehen, Und fliehe nur geschwind! Man betet in den Kirchen Man hält kein frohes Mahl, Die Pest ist's, die mit Grausen Durchzieht das Isartal. Die Reichen wie die Armen, Sie sterben alle hin, Es müssen Jung' und Alte Schnell aus dem Leben ziehn. Und wer will sie bestatten, Die so gestorben sind? – Kaum daß ein Totengräber Sich für die Leichen find't. Da solch ein gift'ger Odem Durch alle Straßen weht, Bedarfs wohl kühnen Mutes, Wenn man ins Freie geht. Da wagten denn die Schäffler – Die ersten – den Versuch Und dachten: »Gott wird helfen, Der Trauer war genug!« – Es kleideten sich festlich Mit roten Wämsen an, Es schmücken sich mit Kränzen Wohl an die dreißig Mann. Sie zogen durch die Straßen Mit Saitenspiel und Sang, Ein Schalksnarr an der Spitze, Oft ganze Tage lang. Und vor den Häusern hielten Sie einen lust'gen Tanz Und schwenkten Gläslein Weines Auf grün umwundnem Kranz. Da lockten sie die Bangen Bald an die Fenster vor, Zu treten wagten viele Herunter bis ans Tor. Wohl gar auch auf die Straßen, Zu schaun der Schäffler Tanz, So daß auch Angst und Sorge Verschwanden endlich ganz. Da hört' der Bayern Herzog, Ein edler frommer Mann, Auf was die Schar der Schäffler Zu Trost und Kurzweil sann. Er hieß sie zu sich bitten, Um ihren Tanz zu schaun, Und hatte Wohlgefallen An ihrem Gottvertraun. Da sprach er: »Hört, ihr Leute, Da ihr so wacker seid, Soll eurer Schäfflerreihen Bestehn für alle Zeit. Und alle sieben Jahre Soll sich der Tanz erneun Und alle guten Münchner Die Kurzweil hoch erfreun.« So tanzen denn die Schäffler Getreu, wie's damals war, Zu München auf den Straßen Noch alle sieben Jahr'. Das Schurzfell um die Lenden Samtkäpplein auf dem Haupt, Schwingen sie bunte Reife Und Kränze grünumlaubt. Sie ziehn nach alter Sitte Aus ihrer Herberg aus Und machen ihre Sprünge Auch vor des Königs Haus. In Ehren solln wir halten, Was alter Brauch uns bringt, Drum ist's, daß auch mein Liedlein Den Schäfflertanz besingt.