410   Die heilige Afra zu Augsburg Von Schöppner. – M. Velseri opp., p. 441. Adlzreiter, Ann., I., p. 116. Falkenstein, Bayr. Gesch., I., 64. – P. Braun, Geschichte v. d. Bekenntnisse der hl. Afra, Augsburg 1804. Dessen Geschichte der Kirche des hl. Ulrich und Afra zu Augsburg, Ebend. 1817. Chron. August. ap. Pistor. scriptor. rer. Germ. vett., III., 662, u. a.   1.             Nicht die Heiligen zu suchen, Die gerechten Gotteskinder, Stieg der Sohn vom Himmel nieder – Sondern die verlornen Sünder. Denn ob einem, der verirret, Wieder zu dem Hirt gekommen, Größer ist des Himmels Freude Als ob neunundneunzig Frommen. Da noch Romas Imperator Herrschte über deutsche Gauen, Blühte in Augustas Mauern Afra, schön und hold zu schauen. Doch im Heidentum erwachsen, Ungeweiht an Herz und Sinne Frönte sie, der Venus Sklavin, Unerlaubter Fleischesminne. Also ging die arme Heidin Auf des Lasters breitem Pfade, Doch der Hirt sucht seine Schafe Mit dem lauten Ruf der Gnade. Eines Tages klopft ein Fremdling Hehren Anblicks an die Pforte Und begehret von der Heidin Gastfreundschaft mit sanftem Worte. »Sei willkommen, teurer Fremdling, In dem Hause süßer Minne; Wolle Venus mich erhören, Daß ich deine Huld gewinne!« – »Nimmermehr«, versetzt Narzissus, »Komm' ich, Liebeslust zu suchen; Deine Werke muß ich hassen, Deiner Venus muß ich fluchen. Eines andern keusche Minne Läutre deines Herzens Triebe: Christi Minne, der am Kreuze Blutend starb den Tod der Liebe. Der dem wahnbetörten Sünder Licht und Gnade hat gegeben, Der von Toten auferstanden, Ist die Wahrheit und das Leben. Der als Richter einst die Bösen Von sich stößt zu ew'gem Leide Und die Seelen der Gerechten Lohnet mit des Himmels Freude.« Also mahnet ernsten Wortes Sankt Narzissus die Betörte, Daß sie von dem Heidenwahne Sich zum wahren Gott bekehrte. – Wie der frische Hauch des Morgens Leben taut auf welke Blüten, Also sank in Afras Seele Glaubenslicht und Gottesfrieden. Von der Gnade Kraft gestählet Brach sie alter Sünden Bande, Sühnte durch des Wandels Sitte Ihres Götzendienstes Schande.   2.             Da hört der Prätor Gajus Von Afras neuem Sinn Und sendet zornerglühend Die Häscher zu ihr hin. Und schmäht die Gottgeweihte Ob ihrer Tat und droht, Wo sie nicht Christus fluche, Ihr mit dem Feuertod. Des lacht die Heldengleiche Mit frohem Mut und spricht: »Du kannst den Leib besiegen, Doch meine Seele nicht! Du quälst die morsche Hülle In kurzer Flammenpein: So wird der Leib von Schlacken Der alten Sünde rein!« – Ob solcher Rede funkelt Des Römers Blick vor Wut, Er winkt – die Schergen zünden Des Scheiterhaufens Glut. Dort stand die Heldenjungfrau, Im Blick der Glorie Glanz, Um ihre Stirne blühte Der ew'ge Siegeskranz.