518   Mariahilf bei Passau Nach Procopii Mariale festiv. S. 9. Wunderhorn, I., 366. Gumppenbergs Marian. Atlas, teutsch von Wartenberg II., 21.           Es wohnt ein schönes Jungfräulein, Bekleidet mit Samt und Seiden, Ob Passau in ein Kirchel klein, Auf einer grünen Heiden; Dort auf dem Kapuzinerberg In Gnaden sie verbleibet, Mit Zeichen und mit Wunderwerk Ihr meiste Zeit vertreibet. Aus fremden Landen führt sie her Erzherzog Leopoldus, Ihr zu erzeigen alle Ehr', Das war sein größte Wollust. Den schönen Sitz hat ihr bereit', Ein edler Herr von Schwendi, Jetzt genießt er in der Seligkeit Ihr mütterliche Hände. Auf ihrem Haupt trägt sie ein Kron' Von Gold und Edelsteinen, Von Silber ist gemacht ihr Thron, Auf dem tut sie erscheinen. Jesus, der wahre Gottessohn, In ihren Armen wohnet; Die Seel', die ihm und ihr tut schön, Bleibt wohl nicht unbelohnet. An ihr ist nichts denn Heiligkeit Und majestätisch Leben, Ganz englisch ist ihr Reinigkeit, Demütig doch darneben. Ihr Ursprung ist sehr adelig, Von königlichem Stamme, Ich darf sie nennen öffentlich: Maria heißt ihr Name. Vor ihr die Engel neigen sich, Weil Gott sie selber ehret, Dienstwillig sie erzeigen sich, Sobald sie's nur begehret. Die Kaiser beugen ihre Knie, Die König sie schön grüßen, Fürsten und Herren rühmen sie Und fallen ihr zu Füßen. Es stehn vor ihrem Angesicht, Viel tapfre Edelknaben, Zu ihrem Dienst dahin gericht', Die Schild in Händen haben. Wie Engel stehen ihr so nah Der Ablaß und die Gnade, Die grüßen uns von ferne da Und hin zu ihr uns laden. Mit vielen zarten Blümelein Ist sie gar fein umstecket, Mit Nägeln und mit Röselein Wird ihr Altar bedecket. Davon das ganze Kirchel schier Überaus lieblich schmecket, Damit das Volk durch solche Zier Zur Andacht werd' erwecket. Oft Musikklang und Orgelspiel Tut man da bei ihr hören, Ämter und Litaneien viel Haltet man ihr zu Ehren. Ihr viel Personen immerdar Lichter und Ampeln brennen, Durch welche sie sich ganz und gar Zu ihrem Dienst bekennen. Dort sieht man durch die Sommerzeit Prozession und Fahnen, Die Prediger nach Gelegenheit Das Volk zur Buß' vermahnen. Sie reich und arm, Mann, Weib und Kind Loben und benedeien; Und so sie beichten ihre Sünd', Tut man's ihnen verzeihen. Allda sich in ein Klösterlein, Nicht weit von ihr gelegen, Viel arme Diener schließen ein, Allein von ihretwegen; Daß sie ohn' alle Hindernis Der Jungfrau mögen pflegen Und letztlich nach getaner Buß', Erwerben ihren Segen. Sie hat ein kleines Glöckelein, Gar wunderschön es klinget, Gleich wie ein kleines Waldvögelein In aller Früh es singet; Sobald es hört ein liebreichs Herz, Vor Freuden es aufspringet; Das Volk es locket hinaufwärts, Wann's in die Luft sich schwinget. Sie liegt mir an dem Herzen mein, Holdselig von Gebärden, Wollt' Gott, ich könnt' ihr Diener sein, Solang ich leb' auf Erden. Drum: Sofern ist in mir was Guts; Und auch sogar das Leben Bis auf den letzten Tropfen Bluts Will ich gern für sie geben. Den Bogen sie mit Liebespfeil, Die Herzen durchzuschießen, Gespannt zu halten alleweil, Läßt sie sich nicht verdrießen. Verbreitet ihres Sohnes Licht, Die Seelen zu gewinnen, Ihr große Macht darauf sich richt', Spart keinen Fleiß hierinnen. Wer nur ansieht ihr schön Gestalt, Der tut sich gleich verlieben, Als wär' an ihr Magnets Gewalt, So wird er angetrieben. Vieltausend Leut so manche Meil' Ihr zu Gefallen reisen, Zu kurz ist ihnen Zeit und Weil', Wann sie ihr Ehr' erweisen. Den sie nur freundlich blicket an, Den hat sie schon gewonnen, Ihr Anblick ihn bald fangen kann, Kommt nimmer gern von dannen. Nicht wenig tun bekennen das Von Bösen und von Frommen; Meinen, es zieh' sie weiß nicht was, So sind sie eingenommen. Geb' Gott, daß stets an diesem Ort, Sein Name werd' gepriesen, Daß ihm sogar mit keinem Wort Ein Unehr' werd' bewiesen. Das liebe Kindlein Jesus Christ, Der Mutter zu gefallen, Woll' helfen tun zu jeder Frist All, die zur Jungfrau wallen.