336   Hans Warsch, der Hirt von Oggersheim (1) Abele, Theatrum Europ., p. 599. Merian, Top. Palut., p. 39. Antiquarius des Rheinstromes, S. 352. Geissel, Kaiserdom II., 220   Von A. F. Langbein               Im dreißigjährigen Kriegsgewühl Nahm sich die Pfalz am Rhein Ein span'scher Feldherr einst zum Ziel Und zog mit Scharen ein. Er ließ, um siegend vorzudringen, Das Städtchen Oggersheim umringen. Den Bürgern wurde kalt und heiß, Bis noch der Trost sich fand, Daß unentdeckt in ihrem Kreis Ein Fluchtweg offenstand. Da griffen sie geschwind zum Stabe Und flohen mit Weib und Kind und Habe. Hans Warsch, der Schafhirt, blieb im Ort Der Männer ganzer Rest; Denn Ehehaften hielten dort Den wackern Burschen fest. Sein Weib, ein ihm sehr liebes Wesen, War eines Kindleins erst genesen. »Sieh zu, was stehet dir bevor?« Ratschlagte Hans mit sich. »Das Volk umlagert Wall und Tor Und tobet fürchterlich. Doch nur getrost – wie sich's auch stelle, Er stammt denn noch nicht aus der Hölle. Tritt mannhaft ihm vors Angesicht, Und sprich ein tapfres Wort! Das wär' des Bürgermeisters Pflicht; Doch lief die Memme fort. So bist du leicht der Stadt mehr nütze Als jene ausgewichne Stütze.« Und zwischen Donnerbüchsen stand Er plötzlich auf dem Tor Schwang mutig mit der rechten Hand Ein weißes Tuch empor Und rief fast trotzig: »Hört, ihr Degen, Ich soll mit euch Verhandlung pflegen. Gelobt ihr Schutz und Sicherheit Uns allen redlich an, So wird euch ohne Widerstreit Das Tor flugs aufgetan. Doch wollet ihr die Stadt verheeren, So werden wir uns grimmig wehren.« Dem Feldherrn ward, was jener sprach Vom Dolmetsch treu erklärt; Er sann darob nicht lange nach, Er rief: »Es sei gewährt!« Und Hans, vertrauend diesem Worte, Eröffnete sogleich die Pforte. Wie staunten jetzt die Spanier Auf ihres Einzugs Bahn, Als sie das Städtchen um sich her Wie ausgestorben sahn! »Wo«, fragten sie, »wo sind die andern, Die sonst durch diese Gassen wandern?« »Sie flohn!« versetzte Hans. »Nur mir Hing eine Kett' am Fuß, Weil ich heut oder morgen hier Kindstaufe geben muß. Doch dürft ihr drum nicht feindlich schalten; Was ihr versprochen, müßt ihr halten!« »Ei«, rief der Feldherr, »ei, wie hat Der Schalk uns angeführt! Doch fruchten soll's der ganzen Stadt, Was seinem Mut gebührt.« – Drauf herrscht' er wie ein Freund gelinde Und stand Gevatter bei dem Kinde.