827   Kaiser Adolfs Tod Von Laurian Mooris                   Es neigte sich der Tag; Ein nebeliges Grau Umfloß das Abendrot, Umschwamm der Lüfte Blau; Des Sturmes Fittich zog In flatternden Gestalten, Und immer mehr sah man Die Schwingen ihn entfalten. Dann Donner fürchterlich – Und Blitze kreuz und quer Durchzischten hell die Luft, Als ob es Morgen wär'. Die Vögel flogen wild, Sich bergend in den Rissen Des nahen Rosentals Vor Wind und Regengüssen. Drin saß Imagina Still betend am Altar, Verworr'n und aufgelöst Flog um den Hals das Haar. Die Blicke unverwandt Zur Mutter mit dem Kinde, Vergaß im heißen Flehn Sie Donner, Blitz und Winde. Und harrend des Gemahls Ward trüber stets ihr Blick, Gen Albrecht zog er heut Und ließ sie hier zurück. Das galt ein hartes Wort – Das Schwert in ihrer Rechten Wollt' sie zur Seite ihm Des Reiches Glück verfechten. Da nun der frühe Tag Zum Kampf den Kaiser trieb Und sie, auf sein Geheiß, Ihn hier erwartend blieb – Da hat ein langer Gram Den freien Blick umhüllet, Ein dunkles Ahnen ihr Das reine Herz erfüllet. Des Sturmes Wüten sank! Der Mond mit bleichem Licht Umgab das weite Land Mit freundlichem Gesicht. Da schwankt Imagina Heraus zum Kirchportale Und schaute in die Fern', Und lauschte in die Tale. Und durch die Föhren drang's Wie rascher Pferde Tritt, Und schnaufend näher kam's Wie von zu langem Ritt. Dann winseln hin und her Wie von verlass'nen Hunden, Die auf gerochner Spur Den Herrn noch nicht gefunden. Als sie zur Quelle kam, Die von dem Hügel floß, Schoß dicht an ihr vorbei Ein reiterloses Roß; Zwei Bracken ihm zur Seit' Mit kreischendem Gehetze, Zernagend in der Wut Des Sattels lang Gefetze. Ein greller Schrei entfuhr Der ahnungsvollen Brust, Und hin zur Erde sank Imag'na unbewußt. Es war des Kaisers Roß, Verfolgt von seinen Hunden, Die bei des Reiters Sturz Vom Schlachtgewühl verschwunden. Denn als nach langem Kampf Der tapfre Adolf fiel, Entfloh sein wildes Roß Wohl ohne End' und Ziel; Die Bracken hetzen drein, Das rasche Tier zu lähmen, Das ohne seinen Herrn Versucht' die Flucht zu nehmen. Und als zu neuer Qual Erwacht Imagina, Da stand das treue Paar Bang winselnd vor ihr da Und sprang wohl lockend hin Zum Weg, den es gekommen, Und klagend dann zurück – War sie nicht nachgekommen. Sie folgte! – Es lag still Besternt und lau die Luft, Als wär' die Erd' ein Sarg Der großen Weltengruft. Sie folgte – Gott, als läg' In diesem Sarg ein Leben, Das selbst der Himmel nicht Ihr könnte wiedergeben. Jetzt Trümmer argen Kampfs – Ein Rumpf dort – hier ein Bein, Dort Flehen um den Tod – Hier um das Leben Schrein. Die Hunde heulten bang, Den finstern Weg sich bahnend, Wie oft des Nachts sie's tun Den Tod des Nachbars ahnend. Dann standen sie verzagt, Sich nähernd allgemach, Wo an des Feindes Brust Der tote Kaiser lag. Da ihn zum letztenmal Durchfuhr ein krampfhaft Recken, Versuchten mit Gebell Sie froh ihn aufzuwecken. Er schlief den langen Schlaf, Noch in der Faust das Schwert, Das sich in mancher Schlacht So stark und treu bewährt. Imag'na starb vor Gram. Tot – mit den treuen Hunden – Hat man sie eines Tags Auf Adolfs Gruft gefunden.