Ludwig Aurbacher Historia von den Lalenbürgern Aus dem Nachlaß vermehrt von Joseph Sarreiter Mit Gunst! »Im Possenspiel regt sich die alte Zeit Gutherzig, doch mit Ungezogenheit.«     Goethe.         Ihr seht den Splitter in unserm Aug', Und habt doch selbst einen Sparren. Ein Weiser sagt: Die Menschen all' Sind so ziemlich gleiche Narren. Und weil denn dies so der Weltlauf ist, So soll's uns ja nicht verdrießen; Sie mögen immerhin frank und frei Zur Brüderschaft uns erkiesen. Was sollen wir auch Apartes han? Sie würden uns drob nur schelten. Unsre Weisheit müßt' beim Narrenvolk Erst recht als Narrheit gelten. Aus dem Nachlaß. Prolog.           Es lag ein Städtlein im deutschen Land, Die Lalenburg mit Ehren genannt. Der Bürger Einfalt und Biederkeit Ward hoch berühmet weit und breit. Ein Mann, ein Mann, ein Wort, ein Wort – Der Spruch galt noch in diesem Ort. Die Alten waren tüchtig zu Rat, Und allzeit rüstig die Jungen zur That. Die Männer lebten in Friedsamkeit, Die Weiber in Zucht und Ehrbarkeit. Es sei nun gewesen Herr oder Knecht, Reich, vornehm, oder gemein und schlecht: Einer dem andern, mit Mund und Hand Zu freundnachbarlichen Diensten stand. Sie lebten – daß ich's in Kürze melde – In aller Eintracht, Lieb' und Selde . – Da kamen Boten aus fernem Land, Von ihrem Könige ausgesandt. »Wir forschen durch alle Ort' und End', Wo am besten stehe das Regiment: Wo Treu noch waltet und Biederkeit, Und Sitten-Einfalt und Friedsamkeit. Nun wies man uns zur Lalenburg hin, Und wir fanden's auch nach unserm Sinn. Vernehmet denn: Wir entbieten euch, Sämtlich zu folgen in unser Reich. Da sollt ihr als Königs Räte regieren, Und Land und Volk civilisieren. Das ist unsers Königs gnädigster Willen, Ihr werdet ihn wohl mit Freuden erfüllen.« – Die Werbung gefiel ihrem stoßen Mut, Auch gelüstet's ihnen nach Geld und Gut. Sie wanderten fort auf gutes Glück, Und ließen Weib und Kind zurück. Doch unterwegs da fällt ihnen ein, Ihr' Einfalt möcht' zu einfältig sein. Drum wollten sie erst das jus studieren, Um desto baß zu zivilisieren. Sie gingen nach * * * der Stadt, Wo man Weisheit feil in Säcken hat. Doch, war'n sie vorher schon groß bethört, So hat sie das Wissen nun ganz verkehrt. Also gelehrt und verkehrt im Sinn, Kamen sie nach Utopien hin. – Doch, wie sie's dort zu Land getrieben, Das haben sie, leider, nicht aufgeschrieben. Man weiß nur dies, daß ihr Regiment Gar bald in Schand' und Schmach geend't. Sie wurden alle mit Pack und Sack Hinweg gejagt, wie ein Lumpenpack. – Und als sie nun wieder zurückgekehrt, Da trieben sie's ärger noch, unverwehrt. Gänslein, die über das Meer geschwommen, Sind als Gänse wieder heimgekommen. Um alle die Streiche zu beschreiben, Wär' nicht Papier genug aufzutreiben. Kurz: Lalenburg ward ein und aus Ein einziges großes Narrenhaus. – Ein Schalk hat einiges aufgezeichnet, Was sich mit ihnen ferner ereignet. Drum mögt ihr in diesen Blättern lesen, Wie Thoren führen gemeines Wesen. Erstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger beschließen, ein Rathaus zu erbauen. Ein Bürger.               Vor allem werde erbaut ein Haus, Darin wir uns mögen beraten; Da streu'n wir hübsch viel Worte aus; Von Worten kommt's dann zu Thaten. Schalk (für sich). Aus leeren Phrasen, gar wohlbekannt, Aus Weil und aus Wenn und Aber, Erwächst auf dürrem, sandigen Land Nur schlechter Dippelhaber. Ein anderer Bürger. Es trage jeder das Seine bei, So wird das Rechte ermessen; Kein Mensch, er sei auch, wer er sei, Hat allen Witz gefressen. Schalk (für sich). Ein jeder zeigt sich, für sich allein, Noch leidlich ungebärdig, Doch, raten und handeln sie insgemein, So ist der Dummkopf fertig. Ein dritter Bürger. Ich sage »ja«, du sagest »nein«, Es saget nichts der dritte, So schleift sich ab gar rein und fein Die Wahrheit in der Mitte. Schalk (für sich). Zum Weinen ist das Zeug zu dumm, Zu ernsthaft, um zu lachen – Drum besser, man kümmre sich nicht darum, Und lass' die Narren machen. Zweites Abenteuer. Wie die Lalenbürger das Bauholz zu ihrem neuen Rathaus fällen, und die Hölzer mit großer Arbeit ab dem Berg bringen.       Der Baum war gefällt auf Berges Rücken, Sie wollen ihn nun zu Thale schicken: »Nun greifet die Sache wacker an, Es pack' und plack' sich Mann für Mann.« Sie lupfen, schieben, stoßen und trollen, Sie treiben, walzen, schleifen und rollen; Sie ketschen, schürgen, winden und wenden, Sie tragen und ziehen zu allen Enden – – Auf halbem Weg ermüden die Leute, Da legen sie fein den Baum beiseite. Der rutscht und wargelt nun fort und fort, Und liegt bald behaglich an seinem Ort. »Wer hätt', beim Plunder! doch das gedacht, Daß sich das Ding so von selber macht?« Drittes Abenteuer. Wie der Schalk sich so gar schlecht zur Arbeit anstellt.         »Ich reihe mich nicht den vordern an, Ich bleib' bescheiden dahinten, Und will man mich doch zur Arbeit han, So werden sie mich schon finden. Und ist nun endlich die Frone vollbracht, Und ruft die Glocke zum Essen, So bin ich als der nächste bedacht, Die andern werden vergessen. Und stehen sie wieder auf vom Tisch, So bleib ich fürder noch sitzen, Und schmause noch brav und trinke frisch, Indessen die andern schwitzen.« Viertes Abenteuer. Wie die Lalenbürger den Schutt hinwegschaffen.         Sie reißen ein, sie bauen auf, Und tragen so den Schutt zu Hauf –     Da wird es denn ein Haufen. Das Ding zuletzt genieren thut; Man sinnet nach, und find't für gut,     Hinweg zu thun den Haufen. Es wird alsbald ein Loch gemacht, Der Schutt wird da wohl unterbracht –     Doch sieh! ein neuer Haufen! Wie helfen wir dem Übel ab? Je nun, wir machen ein frisches Grab!     O weh! der alte Haufen! Sie graben aus, sie werfen ein – Er wird nicht groß, er wird nicht klein,     Es ist derselbe Haufen! So bessern sie noch fort und fort, Und schreiten so von Ort zu Ort –     Es bleibt der alte Haufen! Fünftes Abenteuer. Wie die Lalenbürger ihr Rathaus aufgeführt, und die Fenster vergessen haben.                     Das Fundament wird eingelegt, Die Mauern sich bald erheben, Und über dem massiven Bau Sieht man das Dach schon schweben. »Das ist ein Bau, gleich Salomons!« Thut jeder sich hoch vermessen, Nur einen Fehler das Rathaus hätt', Die Fenster, die waren vergessen. Und weil kein Licht durch die Mauern scheint, So saßen sie nun im Dunkeln. »Hei! sprach der Schalk, wie wohlgethan! Im Dunkeln ist gut munkeln.« Sechstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger versuchen, das Licht in ihr Rathaus zu tragen.           »Doch säßen wir so im Dunkeln hier, Das wär uns zu Schaden und Schanden. Aufklärung thut uns vor allem Not, Und Licht ist ja g'nug vorhanden.« Sie bringen alsbald viel Schläuche herbei, Um das Licht auf den Gassen zu fassen; Sie fassen dasselbe gar wohlgemut, Doch tragen sie leicht an den Massen. Sie öffnen die Schläuche, es quillt der Dampf, Die Augen vor Neugier funkeln; Doch Licht? kein Licht zu ersehen war, Sie blieben, wie vorher, im Duukeln. Siebentes Abenteuer. Wie der Schalk den Lalenbürgern den Rat giebt, den Tag in ihr Rathaus zu bringen.         »Wenn euch die Dunkle nun irrt und engt, Und wenn ihr begehrt der Helle, Wohlan, so hebet das Dach nur ab, Und setzt es dann wieder zur Stelle.« »Es mag euch dies zum Exempel sein: Wie macht ihr's mit euren Kappen? So wie's euch eben bequem und genehm, So legt ihr und tragt ihr den Lappen.« Es ward der Rat gar wohl beliebt, – Der Schalk berückte die Tröpfe – Das Rathaus wurde nun licht und hell, Doch dunkel blieben die Köpfe. Achtes Abenteuer. Wie die Lalenbürger ihre Kirche zurechtsetzen wollen.         Und als nun das Rathaus fertig war, So stellt sich ein anderer Mißstand dar. »Die Kirche, sie schaut so schief und quer Auf unser fünfeckiges Rathaus her. Drum wendet und drehet sie dergestalt, Daß sie fein gerade Richtung halt'.« Sie spreiten ein Tuch auf dem Boden aus, Zu bezeichnen, wie weit zu rücken das Haus. Indes sie nun schaffen mit aller Kraft, Wird das Tuch vom Schalk hinweggerafft. »O weh! verschwunden ist jede Spur, Wir schoben's und hoben's über die Schnur.« Die Kirche, sie stehet, als wie vorher, Gegen das Rathaus schief und quer. Nun machen sie anderseits den Versuch, – Verschwunden ist bald auch hier das Tuch. »Wir greifen's mit viel zu viel Strenge an, Das Werk, es werde mit Umsicht gethan.« Sie drücken und rücken bis dato zur Stund, Doch die Kirche steht fest auf dem alten Grund. Neuntes Abenteuer. Wie die Lalenbürger einen Schultheiß wählen.                       »Wer säuberlich reimen und leimen kann, Der werd' unser Schultheiß, der ist unser Mann.« So ward's beschlossen im wohlweisen Rat, »Und wer sich bewirbt, erprob's durch die That.« Da melden sich gleich Poeten genug; Der eine ist närrisch, der andre nicht klug. Erster. Willst buttern, mußt du rühren viel; Drum rühren sei des Dichters – Zweck! Zweiter. Mir zittert und wackelt schier der Kopf, Packt mich das Schicksal bei dem – Kragen. Dritter. Das Lachen steht uns wenig an; Hanswurst, er werde abge–schafft. Vierter. Bin halt ein schlechter Leiermann, Der nur ein wenig klimpimpern – mag. Fünfter. Ich dicht' in Dithyramben nur, Und folg nicht eiteler Reime – Klang. Sechster. Hier bin ich und sitz ich; hier denk ich und schwitz ich, Daß das Wort sei spitzig, und der Gedanke witzig. Lalenbürger (allzumal). »Hört! wie der reimen und leimen kann! Der werd' unser Schultheiß, der ist unser Mann!« Schalk (für sich). Es stolpre der Vers, es keuche der Reim; Für ein bäurisches Ohr mag er gut genug sein. Zehntes Abenteuer. Wie die Frau Schultheißin in der Kirche pranget.                 »Da ich nun Schultheiß worden bin, So fass' denn auch ein'n hohen Sinn, Und iß nun baß und kleid' dich fein, Ich schaff's, Herzallerliebste mein!     Kein Ämbtle ohne Schlämple!« Die Frau laßt sich's nicht zweimal sagen, Sie kauft sich Pelz, sie kauft sich Kragen, Und Spitzen und Porten, und Ringlein und Rinken, Und thut sich bestens schmücken und schminken:     Kein Ämbtle ohne Schlämple. Und als nun drauf der Sonntag kam, Umschanzt sie sich mit dem besten Kram, Und weil sie sich putzet um und um, So kommt sie erst zum Evangelium:     Kein Ämbtle ohne Schlämple. Und sieh! all Volk erhebt sich just; Man mustert des Weibes Pracht und Gust; Die meint, es geschehe ihr zu Ehr', Und dankt – und denkt: was willt du mehr?     Kein Ämbtle ohne Schlämple! Die Männer lachen, die Weiber schelten: Ei seht die Docke! die will was gelten! Freilich, wo der Mann den Säckel hat, Da find't das Weib auch den Schlüssel zum Staat:     Kein Ämbtle ohne Schlämple! Elftes Abenteuer. Wie die Lalenbürger ihre Stadt anders benamsen.         Wir Schultheiß und Bürger von Lalenburg Thun allen kund und zu wissen andurch: Wir haben aus alten Schriften vernommen, Daß Unsre Ahnen aus Hellas gekommen, Aus Hellas – wie euch allen bekannt – Der Kunst und Wissenschaft Vaterland. Drum nannten sie auch den neuen Ort Die Lalenburg, nach griechischem Wort. Denn λαλειν – wie jeder Gelehrte weißt – Auf deutsch nichts anders als reden heißt. Nun aber gilt nur der als beredt, Der alle Dinge genau versteht. Von Wissen aber stammet Witz, Und Witz ist alles Wissens Spitz. Drum, weil Wir hausen im deutschen Land, So werd' Unser Ort auch deutsch genannt. Und Witzeburg heiß er nun fortan – Des sei vergewarnet jedermann. Geben zu Witzeburg, das ist wahr, Unsrer Regierung im ersten Jahr. Zwölftes Abenteuer. Wie die Lalenbürger, indes sie ratschlagen, ihre Füße verwechseln.           Sie sitzen am Boden, wohl bewehrt, Einwärts die Fuß sich zugekehrt     In der Runde. Sie schwätzen viel von Menschenrecht: »Kein Herr soll sein, und auch kein Knecht     In der Runde!« Und als sie nun gar sehr hantier'n, Auch ihre Füße sich verirr'n     In der Runde. »Es gilt das Mein, es gilt das Dein! Da hilft kein Ja, da hilft kein Nein     In der Runde!« Zuletzt der Streit sich erhitzen thut; Da prügeln sie sich gar wohlgemut     Durch die Runde. Dreizehntes Abenteuer. Von einem Handel zwischen dem Schultheißen und dem Schalk. Schalk.                 Ich hab' was zu melden, es thut mir sehr leid, Und nehmt's Ihr nicht übel, so macht's mir ein' Freud'. Schultheiß. Laß hören, Geselle! was bringest du an? Sollst immer mich finden als richtigen Mann! Schalk. 's hat, leider, erstochen die Eure mein' Kuh, Nun möcht' ich denn wissen: was sagt Ihr dazu? Schultheiß. Und hat denn erstochen die deine mein' Kuh, So fordr' ich die dein', und ein Kälblein dazu. Schalk. Mit Gunsten, Herr Schultheiß! Ihr habt Euch versprochen: Die Eurige hat die meine erstochen. Schultheiß. Ist so der Handel? Da siehe du zu, Ich bin nicht bestellt, zu hüten dein' Kuh. Schalk. Es bleibe beim Spruche! Die Kuh ist ein' Kuh; Drum fordr' ich die Eure, und ein Kälblein dazu. Dem Hingen ist billig, was dem Kunzen ist recht – Ich bin Euer Gnaden gehorsamster Knecht. Vierzehntes Abenteuer. Wie die Lalenbürger Gericht halten.         Sie sind versammelt zum Fraißgericht , Zu richten über ein Diebsgezücht. Vorsitzer. Was soll den Dieben geschehn? sagt an! Es rede und stimme Mann für Mann. Alter. Es war von jeher der Brauch und Schick: Dem Mörder das Beil, dem Diebe den Strick. Junger. Das erste Gesetz ist: Humanität! Ein Galgen ist längst eine Antiquität. Naiver. Wir könnten der Galgen gar wohl entbehren, Könnten wir uns nur der Diebe erwehren. Diskreter. Gebt ihnen nur Wohnung, und Futter dazu, So lassen sie euch wohl ferner in Ruh. Hausbackener. Da wäre der Schelm ja noch besser dran, Als der arme, ehrliche Arbeitsmann. Pietist. Ach, was sie gesündigt in dieser Zeit, Das büßen sie doch in der Ewigkeit. Gestrenger. Es werd' ein Exempel statuiert. Man knüpfe sie auf, wies ihnen gebührt! Schalk (für sich). Man knüpfe sie auf! Sie sollen hangen! Jedoch, mit Gunst! – erst müßt ihr sie fangen. Fünfzehntes Abenteuer. Wie ein Lalenbürger die Ehre der Stadt zu retten sucht.         Ein Gauch sitzt hier, ein Gauch sitzt dort, Und beide rufen in einem fort:     Kuckuck! Der Lalen-Vogel schreit gar sehr, Der fremde jedoch noch länger und mehr:     Kuckuck! »Da liegt des Landes Ehr' im Streit, Ich helfe dem Unsrigen allbereit.«     Kuckuck! Er steigt auf den Baum, und rufet zu, Bis der fremde sich endlich bequemt zur Ruh:     Kuckuck! Indem er so eifert, so hat indessen Ein Wolf sein Roß ihm aufgefressen:     Kuckuck! »Ehrwürdige Väter! ihr seht meine Not, Ich habe gehandelt als Patriot.«     Kuckuck! »»Wer immer von Uns viel Rühmens macht, Der werd' auch von Uns großmütig bedacht!««     Kuckuck! Sechzehntes Abenteuer. Wie die Lalenbürger eine Schule aufrichten.         »Zum Beten gehört ein Kirchenstuhl, Zum Raten ein Rathaus, zum Lernen ein' Schul'.« Das haben sie irgendwo gelesen, Ich glaub', es ist in Tripstrill gewesen. Der Schulbau ward sogleich betrieben, Und aus Nüremberg ein Meister verschrieben. Der hat einen Trichter mitgebracht, Von ihm selbst erfunden und gemacht: Ein überaus köstliches Instrument, Dadurch man lernet gar leicht und behend. Auch war er versehn mit Büchern zu Hauf, Und bot sie um wohlfeilen Preis zu Kauf. * * Universal-Geschichte, * * * Spott und Schandgedichte, Sodann für die Konversation Ein zehenbändiges Lexikon, Gar schöne Traktätlein obendrein: – Drin mocht' all Weisheit beschlossen sein. Das alles kam nun in die Stampf, Und ward gebrüht im eigenen Dampf. »Nun aber gilt's, den jungen Wichtern, Den Brei, den gelehrten, einzutrichtern.« »Durch den Mund gegossen, könnt' der Magen, Das abgeschmackte Zeug nicht vertragen.« »Durch die Ohren – da ging's zu einem hinein, Zum andern hinaus, ohn' alles Gedeihn.« »Man bohre ein Loch vorn an der Stirn, So kommt der Brei sogleich ins Hirn.« Das ließen aber die Mütter nicht zu, Und so hatten die Kinder vorm Lernen ein' Ruh'. Und also sind sie gar Thoren geblieben, Und haben's, wie ihre Väter, getrieben. Siebzehntes Abenteuer. Wie ein Lalenbürger ausgesandt wird, aber unterwegs sitzen bleibt.                   Ein Bote ward einst ausgesandt, Verstand zu holen aus fernen. Land. Er eilet rasch über Berg und Thal, Ohne zu ruhn ein einzig Mal. Da steht er plötzlich vor einem Fluß, Welchen er schwimmend durchsetzen muß. Doch der Bot' bemüht sich nicht gar sehr; Der Verstand ist schwach, der Wille noch mehr. »Der Regen nur hat ihn angeschwellt, Ich wart', bis das Wasser wieder fällt.« Der Fluß nimmt ab, er nimmt auch zu, Der Bot' er wartet in guter Ruh'. »Der Strom ist groß, die Quelle ist klein, Da muß was anders dahinten sein.« Der Fluß rinnt fort und immer fort, Der Bot' geduld't sich am selben Ort. »Das Wasser, ich kann's ja fließen sehn! Es muß doch endlich zu Ende gehn!« Der Bot' er harrt bis zu dieser Frist, Wenn er nicht zeithero verstorben ist. Achtzehntes Abenteuer. Wie die Lalenbürger einem Nußbaum aufhelfen wollen.             Ein alter, morscher Nußbaum stand, Gebeugten Stamms, an Baches Rand. Die Lalenbürger sinnen nach, Was wohl dem Baume fehlen mag. Der ein' meint dies, der andere das, Der dritt': »Es fehlt ihm das nötige Naß. Seht, wie er die welken Zweige streckt, Und wie mit Rüsseln nach Wasser leckt! Drum helfen wir gleich dem Übel ab, Und retten wir ihn vom frühen Grab. Denn alles und jedes zu Grunde geht, Wo nicht der Staat zu Hilfe steht.« Alsbald steigt einer dem Baum aufs Dach; Der Ast bricht – jener pflumpst in den Bach. Ein andrer folgt; es faßt ihn beim Schopf, Und schlägt ihm wurzelab den Kopf. Nun bringen sie drauf viel Äxte herbei, Und hauen dem Baum die Wurzel entzwei. Und sieh! Der Baum nun sinkt und trinkt, Bis er zuletzt vertrinkt und versinkt. Und also ist, der Staatskunst wegen, Der arme Nußbaum unterlegen. Neunzehntes Abenteuer. Wie ein Lalenbürger seinen Esel sucht, und ihn nicht findet.             Es weiden drei Esel wohl auf dem Plan, Der Bauer, er führet sie selber an; Der Morgen ist kühl, und fett die Weid' – Die Esel, sie han ihre große Freud'. Sie gampen und gumpen den Tag entlang, Da wird's doch dem Bauern zu heiß und bang. Er schnauft und lauft in die Kreuz und quer – Ach, Esel hüten macht große Beschwer! Als endlich verkommen des Tages Frist, Verfallt er zuletzt auf diese List: Er hocket selbselbst einem Esel auf, Und treibt mit dem Esel die Esel zu Hauf. So bringt er sie wohlbehalten gen Stall; Hier überzählt er in Ruh' sie noch all'; »Potz Sixt! es fehlt mir ein Stück auf der Bahn –? Wo hab ich Esel den Esel gelan? Und er lenket um, und er reitet fort, Und luget und lustert an jedem Ort, Und er reitet die ganze Nacht fürbaß, Den Esel zu suchen, auf dem er saß. Und als er am Morgen den Esel fund, So kehrt er freudig zurück zur Stund'; Indessen waren die andern entflohn – »Der Teufel hüt' Esel, und hab seinen Lohn.« Zwanzigstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger den Eschhey auf einer Bahre durch die Flur tragen lassen.       Es ist Uns jüngst zu Ohren gekommen, Und haben's mißfällig aufgenommen: Wie daß der Eschhey bei seiner Hut Der Flur nicht wenigen Schaden thut, Immaßen selber bei jedem Schritt Gar viele Halme niedertritt. Um diesem Unfug künftig zu wehren, Geliebt Uns folgendes vorzukehren: »So oft der Eschhey merkt in der Flur Ein's Wildes oder Menschen Spur, So werd' er, um selbe hinaus zu jagen – Auf einer Bahre hinein getragen Von Männern vier, mit leichtem Schritt, Daß keiner ja keinen Halm zertritt. – Also in pleno beschlossen hat Der aufgestellte Ersparungsrat.« Einundzwanzigstes Abenteuer. Wie der Schalk Gefahr läuft, närrisch zu werden, und wie er kuriert wird.           Sie wählten den Schalk in ihren Orden, Und ist so ein ehrsamer Ratsherr worden. Die Thorheit stecket, wie Schnupfen, an; Bald ward er, gleich andern, ein dummer Mann. Er hört nicht, er sieht nicht, er denket nur, Es hat sich verkehrt sein' ganze Natur. – Um sich zu zerstreu'n, wollt' er einst jagen, Wie er's oft gethan in frühern Tagen. Er langt die staubige Armbrost herfür, Die längst gehangen hinter der Thür. Sie war gespannt, das merkt' er nicht, Und rückt sie näher ans Gesicht. Und wie er den Schneller drückt', so sprang Ihm an die Nase der lose Strang. »O weh! was ist doch aus mir worden! Ich bin fürwahr in der Narren Orden! Ich seh' nicht, ich hör' nicht, ich denke nur, Es hat sich verkehrt mein' ganze Natur. Wie wollen wir denn für andre amtieren, Und können uns nicht selbselber regieren!« Der Nasenstüber, wohl angebracht, Hat so ihn wieder gescheit gemacht. Er nahm Urlaub noch zur selben Stund', Und blieb nun an Leib und Seele gesund. Zweiundzwanzigstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger den Wäscherinnen das Waschen verbieten wollen.         »Es soll kein Weib sich fürder verwegen, Die Wäsch' auf dem Marktplatz auszulegen.« Also lautet der Ratsbeschluß, Der macht den Weibern großen Verdruß. »Und wenn sie's verbieten, wir waschen doch! Die Waschfreiheit, sie lebe hoch!« Die erste, die wäscht, wird aufgepackt, Und ins Schergenstüble eingesackt. »Und wenn sie uns strafen, wir waschen doch! Die Waschfreiheit, sie lebe hoch!« Den andern, die zum Waschen gekommen, Wird die frische Wäsche weggenommen. »Und mögen sie's nehmen, wir waschen doch! Die Waschfreiheit, sie lebe hoch!« Zuletzt ward ihnen der Brunn' gesperrt; Da hat denn all' Waschen aufgehört. Doch weil die Stadt mußt Wasser han, So ward der Brunn' wieder aufgethan. Und also dauerte an diesem Ort Das Waschen und das Salbadern fort. Dreiundzwanzigstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger einen Acker mit Salz gesäet, daß es wachsen sollte.             Sie haben an allem Überfluß, Nur eins fehlt ihnen, zu großem Verdruß,     Das Salz. Kein Salz! der Casus ist vertrackt! Das Schmalz sogar schmeckt abgeschmackt     Ohne Salz. Gleich wird eine Grube aufgethan; Doch war's nur Sand, was sie funden han,     Kein Salz. Drum haben sie Schnee gesammelt mit Fleiß, Doch es floß zu Wasser, es fror zu Eis     Ihr Salz. »Es wächst doch alles, was Körnlein hat! Drum laßt uns bestellen ein' volle Saat     Von Salz.« Und es sproßt und grünt zu aller Freud' – »O kommt und seht, wie schön es gedeiht,     Das Salz!« Doch als sie Frucht nun wollten schneiden, Da brannt es und stach – 's war nicht zu erleiden –     Das Salz. »Das sind ja nur Nesseln und Disteln und Doren! O weh! uns bleibt auf ewig verloren     All' Salz!« Vierundzwanzigstes Abenteuer. Eine merkliche Geschichte, so sich mit einem Krebs zugetragen.         Ein Krebs war in die Stadt gekommen; Das fremde Tier wird gut aufgenommen. Sie schaun, was dies für ein Wunder wär'; Zumeist fällt auf die Doppelscher'. »Das ist ja ein excellenter Schneider! Der macht uns wohlfeil und gut die Kleider.« Ein lündisch Tuch wird herbeigeschafft, Daß der Krebs erprobe die Meisterschaft. Und wie er kriecht, die Kreuz und die quer, Zerschneid't man das Tuch mit scharfer Scher. Es fallen da weg gar seltsame Lappen, Sie wären wohl gut zu Narrenkappen. – Ein Schneider, den sie als Meister preisen, Der will den Gesellen zurechte weisen. Sein Finger naht sich der Doppelscher; Da packt ihn der Krebs, und zwickt ihn sehr. »Das verdammte Vieh! so thut es doch ab, Und werft es sogleich ins Wassergrab.« Sie tragen den Krebs dem Flusse zu; Da lebt er fortan in guter Ruh. *           * * Wer immer nur fein Projekte macht, Der ist bei Dummen gar wohl beacht't. Fünfundzwanzigstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger einen Ochsen auf die Mauer ziehen, daß er das Gras dort abfresse. Aus dem Nachlaß.         Das Gras wuchs mannshoch auf den Mauern, Es thät die guten Leute dauern, Daß, was einen Ochsen könnte nähren, Die Ungeziefer all' verzehren. Das wär' ja gegen die Staatsökonomie, So was leid't eine Regierung nie. So ward denn, nachdem man's gut erwogen, Ein Ochs am Strick hinaufgezogen, Auf daß er sich aufs allerbeste Vom üppigreichen Grase mäste. »Ei sieh! schon streckt er die Zunge 'raus; Aha! er schmeckt schon den guten Schmaus! Prosit! wie wird er sich baß erlaben An den feisten, lichtdurchwürzten Gaben!« Doch, weh! eh's noch die Zinne erstreckt, Ist schon das arme Tier verreckt. »Je nun! was macht's? Welch Opfer wär', Wenn's Staatszweck heischt, zu groß und schwer?« Sechsundzwanzigstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger Rat halten, auf welche Weise sie einen Mühlstein zu Thal bringen möchten. Aus dem Nachlaß. Schultheiß.             Nun wollen wir sinnen allzumal, Wie der Mühlstein komme sicher zu Thal. Zimmermann. Er mag, wie der Baum, sich selber trollen, Und frank und frei den Berg hinab rollen. Maurer. Doch daß er sich nicht im See versenke, Thut Not, daß ihn einer klüglich lenke. Schultheiß. Wie aber soll der sich stellen und rühren, Auf daß er die Masse möge regieren? Schneider. Er stell' sich voran! Steinmetz.                                 Die gewaltige Wucht – Wer hielte sie auf bei der schwindelnden Flucht? Schuster. er folge ihr nach! Müller.                             Die entfesselte Last Wer holte sie ein bei der eiligen Hast? Schalk. In der Mitte , da ist der beste Stand, Da kann man regieren mit Fuß und Hand. Und wie man spannt einen Ochsen ans Joch, So wird der Schneider gerammelt ins Loch. Alsbald ist der Stein davon geloffen, Und Stein und Bein sind im See versoffen. Siebenundzwanzigstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger einen Schatz aus dem Brunnen heben wollen. Aus dem Nachlaß.         »Nun laßt uns den Schatz aus dem Brunnen heben, Und setzen wir dran gar Leib und Leben! Es helfe zusammen Mann für Mann, Daß der Hort uns ja nicht entgehen kann.« Man legt einen Balken über den Rand, Es hängt sich der erst' dran bederhand. Der andere rutscht aufs allerbest', Und hält an des ersten Füßen sich fest. So hangen sie da, wie Klett' an Klette, Es war eine wunderseltsame Kette. Schon ist der unterst' an seinem Platz, Schon greift er wohlgemut nach dem Schatz. Da ruft's von oben: Um länger zu bammeln, Muß ich vorerst noch mir Kräfte sammeln! Er spuckt in die Hände, – es thut einen Ruck, Sie purzeln hinunter Stuck für Stuck. – Dran möget ihr ein Exempel sehn; Es ist zu eurer Warnung geschehn: All' Mühen von unten battet nicht, Wenn's droben zu oberst an Halt gebricht. Achtundzwanzigstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger dem Kaiser entgegenreiten. Aus dem Nachlaß.         Um den Kaiser zu empfahn, Machen sie sich wohl auf die Bahn,     Halb geritten, halb gegangen. Hoch auf Rossen, vom nächsten Zaun, Weiß und grau und rot und braun,     Halb geritten, halb gegangen. Hei! das ist ein lustig Ziehn, Sonder Fahr und sonder Mühn.     Halb geritten, halb gegangen. Frisch voran und drauf und dran, Rasch geschwenkt und umgelenkt!     Halb geritten, halb gegangen! Herr oder Knecht, wer's immer sei, Komm herbei zu der Kompaney     Halb geritten, halb gegangen. Fahr' durch die Welt, all' Ehren wert, Jeder auf seinem Steckenpferd,     Halb geritten, halb gegangen! Neunundzwanzigstes Abenteuer. Wie sie dem Kaiser salutieren. Aus dem Nachlaß.                   »Nun wollen wir ohne Unterfangen In Reih' und Glied den Kaiser empfangen. Doch mögen wir noch die Zeit benutzen, Im Teich uns zu waschen und zu putzen Denn Akkuratesse und Propertät, Darin des Soldaten Wesen besteht.« Indessen sie noch im Bade weilen, Sieht man den Kaiser herbei schon eilen. »Zu'n Waffen!« rufen sie allzumal, Daß wiederschallen so Berg und Thal. Doch weil kein' Zeit mehr, sich anzukleiden, So muß man sich schon mit dem Mantel bescheiden. Man stellet sich auf, man reihet sich an; Der Schultheiß, er macht den Flügelmann. »Nun, liebe Mannen, so habt denn acht! Es werd' mir genau alles nachgemacht!« – Er naht. – Da sticht den Schultheiß was: Ihn juckt's – ein Schnack sitzt ihm auf der Nas. – Er klappt ... Und die Reihen auf und ab, Wie ein Peloton, erschallt's: klipp, klapp! Der Kaiser lüpfet hoch den Hut, Und sich gar freundlich bedanken thut. Drauf nehmen sie zwischen die Bein das G'wehr, Und reiten gemut vor dem Kaiser her. Dreißigstes Abenteuer. Wie der Kaiser den Lalenbürgern Audienz giebt. Aus dem Nachlaß. Schultheiß.                         Wir haben uns die Freiheit genommen – Kaiser. Ihr guten Leute, seid mir willkommen! Ihr seid wohl der Schultheiß lobesan? Schultheiß. Verlaubt! ich heiße Hans Schnudrian. Kaiser. Die Gegend umher mir wohlgefällt. Schultheiß. Wir haben sie extra für euch bestellt. Kaiser. Das Wetter ist schon, doch etwas zu warm – Schultheiß. Ja heiß ist's; ich schwitze, daß Gott erbarm. Kaiser. Doch wehet ein sanfter, ein kühler Wind – Schultheiß. Ja, der Wind ist kühl, die Luft ist lind. Kaiser. Eure Stadt die steht wohl von alters her? Schultheiß. Wohl möglich! wir alle denken's nicht mehr. Kaiser. Wie groß ist wohl der Einwohner Zahl? Schultheiß. Der Läuse und Mäuse giebt's nach der Wahl. Kaiser. Die Viehzucht ist stark . . . wie viel habt ihr Rinder? Schultheiß. An die tausend, mit Einschluß der Weiber und Kinder. Kaiser. Ihr habt ja ein schönes Rathaus erricht't? Schultheiß. Das Haus wär fest, doch fehlt es an Licht. Kaiser. Habt ihr auch einen Galgen hier? Schultheiß. Ja, und ein eigenes Diebesrevier. Kaiser. Also fremde Diebe hänget ihr nicht? Schultheiß. Wir haben den Galgen für uns erricht't. Kaiser. Wie viel wohl hänget ihr Dieb' im Jahr? Schultheiß. Das Stehlen ist wohlfeil, das Hängen rar. (Lange Pause.) Des Kaisers Narr (nimmt das Wort). Man saget und singet um und um: Die Lalenbürger, sie seien dumm. Schultheiß (hitzig). Das ist erfunden und verlogen! Kaiser (abbrechend). Wir sind euch allen in Gnaden gewogen. Einunddreißigstes Abenteuer. Wie der Schalk dem Narren einen Possen spielt. Aus dem Nachlaß. Narr.         »Ich möchte hier gern ein Stücklein sehn.« Schalk. »Das kann wohl sonder Müh' geschehn.« Es läd't ihn abends der Schalk ins Haus, Und zieht ihm dienstlich die Stiefel aus. Schalk. »Willst etwa bequeme Pantuffel han?« Narr. »Ei ja! das wäre gar wohl gethan!« Bald bringt ihm der Schalk Pantuffel dar, Sie passen dem Narren auf ein Haar. Der Schalk, der hatte mit gutem Bedacht Pantuffel aus den Stiefeln gemacht. So konnt' denn morgens der Narr ohne Mühn Die Schafte statt der Stiefel anziehn. Narr. »Potz Sapperlot! was ist denn das? Schalk. »Mit Gunst! ein Lalenburger Spaß.« Zweiunddreißigstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger dem Kaiser ein Bankett zurichten. Aus dem Nachlaß.         »Und soll ich denn euer Gast nun sein, So sei's, doch ohne Beschwer der Gemein'!« »Bekümmert euch nicht! Ein Kloß, ein Braten Und ein Glas Wein sind ja leicht zu entraten.« Zuerst wird aufgetragen der Kloß, Ich sag' es frei, wie'n Turmknopf groß. Und was der Herr selbst mag entbehren, Schultheiß und löblicher Rat verzehren. Dann kommt die zweite, die bess're Tracht, Ein gebrat'ner Ochs in aller Pracht. Und was der Herr nicht selbst kann essen, Schultheiß und löblicher Rat auffressen. Inzwischen wird köstlicher Wein kredenzt, Ein reiner Wein, nicht mit Wasser geschwenzt. Der Kaiser nippet ein Gläslein voll, Die Väter saufen sich voll und toll. So schmausen sie denn in guter Ruh', Die andern, die sehen gemütlich zu. Doch hatten sie alle die Gnade zumalen, Zu Ehren des Kaisers mitzuzahlen. Wie groß die Kosten genau gewesen, Kann man in der Kammerrechnung lesen: »Ein Malter Mehl, ein Ochs gebraten, Ein Fuder Wein – thut hundert Dukaten.« Dreiunddreißigstes Abenteuer. Wie die Lalenbürger dem Kaiser ihren Bürgerlust zeigen. Aus dem Nachlaß.     »Wollet nun mit Gunst und Gust Schauen unsern Bürgerlust – Auf der Wiese, weit und breit, Hier in Massen, dort zerstreut,                                   Vieh und Leute. Sehet hier des Städtleins Macht! Welch ein Wohlstand! welche Pracht! Bürger, alle steuerbar, Rinder, fett und blank fürwahr!                                   Vieh und Leute. Sitte, Recht, und Kunst und Witz, Ohne Geld, was sind sie nütz? Nur wer zahlt und wer was zahlt, Wahren Wert für uns behalt:                                   Vieh und Leute.« Und man kaufet und verkauft, Und man spielet, zehrt und sauft, Sich erfreuend allerbest Bei dem heitern Volkesfest,                                   Vieh und Leute. Als der Herr sich umgeschaut, Hat er sich dran sehr erbaut, Vivat! schallt's; es brummt das Vieh – »Traun! so'n Fest sah'n wir noch nie,                                   Vieh und Leute!« Epilog. Aus dem Nachlaß.                 Nun hört, wie Lalenburg, die Stadt, Ein klägliches End' genommen hat. – Es mehrten sich in unendlicher Zahl Die Läuse und Mäuse und Ratzen zumal. Sie thäten allen Vorrat verzehren, Man konnte sich ihrer nimmer erwehren. Die Bürger, sie waren drum und dran Mit Sack und Pack die Stadt zu verlan. – Da kam eins Tags ein fremder Mann, Der bot ihnen Schutz und Hilfe an. Ein Maushund – anderswo Katz genannt, In Lalenburg aber noch unbekannt – Ward als eine Seltenheit produziert, Und dessen Geschicklichkeit approbiert. Er fing die Mäuse wohl haufenweis; Drum kauften sie ihn um teuren Preis. Auch that er sofort sein Schuldigkeit, Doch kam er mit aller Arbeit nicht weit. – Da wurde ein Plenum angesagt, Und jeder um seinen Rat gefragt. Der meinte: Man geb ihm nichts zu essen, So wird er vor Hunger die Mäus auffressen. Der andre: Mit nichten! Man füll' ihm den Magen, So wird er desto lieber jagen. Der dritte: Man stelle ihn nur zum Speck, Dann sind die Ratzen bald alle weg. Der vierte: Man hänge ihm Schellen an, Auf daß er die Mäuse verschrecken kann. Der fünfte: Er kennt sich bei uns nicht aus, Drum führt ihn am Strick von Haus zu Haus. So redeten sie umeinander fort; Zulegt der Schultheiß nahm das Wort: Wir müssen des Übels Grund nachspüren, Das wird uns zum rechten Mittel führen Wo haben die Ratzen ihr Gemunkel? In Kellern. Da aber ist es dunkel. Soll der Maushund nun seine Beute fahn, So muß er wohl Licht und Helle han. Drum woll'n wir ihm ein' Kienbrand anbinden, Da wird er leicht seine Wege finden. – Der Maushund fühlt kaum das Feuer am Schwanz, So rennet er fort in wildem Tanz. Er dringet und springet von Dach zu Dach, Und pustert und knustert von Fach zu Fach. Bald brennen die Dächer bedeckt mit Stroh, Bald brennen all Häuser lichterloh. Die ganze Stadt ward der Flammen Raub, Bald lag sie verödet in Schutt und Staub. »Nun sind doch die Ratzen alle verbrunnen; Doch wir Gottlob sind glücklich entrunnen.« Die Bürger zerstreueten sich durchs Land, Wie die Juden, und nahmen überhand. So ist denn die Thorheit nicht all verdorben, Und der Thoren Geschlecht nicht ausgestorben. Die Streiche sie blühen noch fort und fort, In Schilda und manch' anderm Ort: Wie wir es bereits gemeldet haben In unsrer Geschichte der sieben Schwaben .