Joseph Alois Gleich Die vier Heymonskinder Ein komisches Volksmährchen mit Gesang in vier Aufzügen. Bearbeitet von Gleich. Die Musik ist von Hrn. Kapellmeister Tuczek Aufgeführt auf dem k. k. priv. Theater in der Leopoldstadt. Wien 1809, bey Kupffer und Wimmer, Buchhändlern in der Herrengasse dem Landhause gegenüber. Personen.         König Carl . Clarisse von Gascogne. Herzog Heymon . Reinold , Ritsart , Adelhart , Writsart , seine Söhne. Malegys , Ritter und Zauberer, ihr Vetter. Ganelon , Feldherr des Königs. Ogier , ein Freund des Herzoge. Martin Rosenstängel , Reinolds Knappe. Berthold , ein Hufschmidt. Brigitte , seine Muhme. Thadädl , Lehrbub. Ein Herold . Ein Kampfrichter . 1ter und 2ter Großer des Reichs. Ritter, Damen, Reisige, Genien, Gnomen, Furien. Erster Aufzug I. Auftritt. Düsterer Wald, hinter Gesträuch eine verborgene Höhle. Ein heftiges Ungewitter tobt, der Sturm braust durch die Wipfel der Bäume – Adelhart , Ritsart , Writsart und Martin , von Irrlichtern geblendet, tappen in der finstern Gegend umher, und suchen einen Ausgang zu finden, dann Reinold . Introduction . Ritsar , Adelhart , Writsart . Himmel, welch ein Ungewitter, Fürchterlich tobt die Natur, Geht die Erde selbst in Splitter? Droht uns denn Verderben nur? Martin . Dießmal gilt es unser Leben, Ach, wer hilft aus dieser Noth? Ja vor lauter Angst und Beben Bin ich itzt schon mausetodt. Obige 3 . Gar kein Ausweg ist zu finden, Und das Wetter tobt stets mehr. Martin . Hier in diesen grausen Schlünden Wohnet selbst der Luzifer. Alle 4 . Nur durch Blitze wird es helle, Ach das Wetter haust so stark, Angst ergreift die bange Seele, Im Geheim erstarrt das Mark. Reinold . (der gleichfalls dazu kommt) Auf dieser Seite werden wir schwerlich einen Ausgang finden. Martin . Ja, hier trifft es ein, was mir meine Anel oft gesagt hat, daß die Welt mit Brettern verschlagen ist. Reinold . Kommt Brüder, wir müssen das Ende des Waldes erreichen. Wir wollen uns nach jener Gegend wenden. Wer einen Ausweg findet, kömmt wieder hieher; denn auf diesen Platz treffen wir wieder zusammen. Martin . Aber so seyd doch gescheidt. Ihr könnt Euch ja an dem nächsten Baume den Kopf einstoßen. – Bleiben wir lieber hier, wenn uns schon der Satan den Kragen umdrehen will, so ist es alles eins, ob er uns da oder dort erwischt. Reinold . Du bleibst auch hier, du nimmst dieses Horn, (giebt es ihm) sobald du etwas von Bedeutung bemerkest, so giebst du uns ein Zeichen, und wir eilen herbey. Martin . Das kann schon gar nicht seyn; denkt nur selbst, wen Euch eine Gefahr aufstoßen sollte, so wäre ja hernach kein Mensch bei Euch, der Euch vertheidigte. – Alle . Du mußt hier bleiben, oder fürchte unsern Zorn. (sie gehen ab) Martin . Itzt soll ich blasen, und mir ist vor lauter Angst schon der Athem ausgegangen. – Ich glaube nicht einmal, daß das Horn einen Ton von sich giebt. (er bläßt, die 4 Brüder kommen zurück) Adelhart . Was giebts! Martin . Habt Ihr was gehört? ich habe nur probirt, ob das Horn recht gestimmt ist. Adelhart . Das wage ja nicht wieder – ich rathe dirs, so wahr ich Heymon heiße. (gehen ab) . Martin . Nun, es ist schon recht – itzt muß ich nur die Gegend ein wenig auskundschaften – (er greift umher, und stößt an einen Baum) Holla, was ist das? – o weh, das ist ein Riese, er will mich zerreißen – itzt muß ich blasen, eh er mir den Hals umdreht, (er blaßt, die 4 Brüder kommen zurück) Ritsart . Siehst du was? Martin . Au weh, au weh! mir gehts grün und gelb vor den Augen – dort steht er – dort – Reinold . Wer? Martin . Seht Ihr denn den Riesen nicht? – er streckt schon seine hundert Klauen nach uns aus – ach, mich hat er schon – Reinold . Narr, siehst du nicht, daß es ein Baum ist? Martin . Schau wie man sich irren kann; dißmal hätte ich geschworen darauf, daß es ein Riese wäre. Reinold . Wagst du es noch einmal, unser zu spotten, so fährt mein Schwert durch dein Herz – du kennst mich. (gehen ab) Martin . Itzt darf ich mich nicht mehr rühren, sonst wird Ernst daraus. Sucht itzt, so lang ihr wollt, ich blase nicht mehr, (setzt sich und schnürt seinen Bündel auf) ich will jetzt meinen Vorrath aufzehren, trift mich ein Unglück, so hab ich doch das Maul zugestopft, und die Seele kann mir wenigstens nicht so geschwinde ausfahren. (Er kramt aus und ißt. Zwey kleine Gespenster schleichen herein, setzen sich zu ihm, und essen mit. Martin erblickt sie, rutscht sitzend rückwärts, und macht verschiedene komische Bewegungen, welche ihm alle von den Gespenstern nachgeahmt werden. Endlich springt ihm eines auf den Rücken, er schreit heftig, die 4 Ritter kommen zurück, die Gespenster springen davon) . Reinold . Schurke warum lärmst du so? Martin . Ihr habt leicht reden – wenn Ihr gesehen hättet, was sich für zwey konträre Kammerdiener zu meinen Speisen gesetzt haben, Euch würde gewiß kein Bissen mehr schmecken. Reinold . Der Bube spottet unser, dieß soll deine letzte Stunde seyn. (er zieht das Schwert – Donnerschlag)   II. Auftritt. Vorige . Malegys . Malegys (als Eremit gekleidet, kömmt aus der Höhle) . Wenn ich nicht irre, so sind Fremde in dieser Gegend? Martin . Sapperment, das ist ein kurioser alter Herr. Malegys . Seyd mir willkommen achtbare Ritter – welch ein Zufall führt Euch in diese Gegend? – Doch, es wäre unbillig von mir, bei diesem Unwetter Euch noch mit Gespräche zu belästigen; Ihr bedürft Ruhe und Erholung, kommt in meine Wohnung, unter sicherem Obdach soll Euch ein Becher Wein die Zunge lösen, und die Herzen vertrauter machen. Martin . Ich bitt Euch um alles in der Welt, gestrenge Herren, folgt ihm nicht, wie er Euch in seiner Gewalt hat, dreht er Euch den Hals um. Reinold . Wir nehmen dein Anerbiethen mit Dank an, denn wir bedürfen recht sehr der Erholung. Malegys . Kommt, meine Diener werden Euch durch den unterirdischen Gang leuchten, der in meine verborgene Wohnung führt. (zwey seiner Diener kommen mit Fakeln) Reinold (zu Martin) . Geh voran, und wag es ja nicht wieder, durch Widerspruch unsern Zorn zu reitzen. Martin . Ich geh, aber wenn Ihr daran Schuld seyd, daß der arme Martin Rosenstängel zu Grunde geht, so will ich Euch alle Nacht als Geist erscheinen, und einen nach dem andern zu Tode kitzeln. (er geht in die Höhle, die übrigen folgen – Malegys bleibt zurück) .   III. Auftritt. Malegys , Klarisse , dann Bewaffnete. (Es wird helle.) Malegys . Geht getrost in meine Höhle – ohne zu vermuthen habt Ihr in mir Euren Retter gefunden. – Wie? seh ich recht – Klarisse, allein in dieser Wildniß? Klarisse (kömmt ängstlich herein) . Sende mir deinen Beistand, gütiges Schicksal! Entflohen bin ich dem verhaßten Ganelon – o leitet meine Schritte, meinen Reinold zu finden. Malegys . Dieser Wunsch könnte Euch leicht gewährt werden, edle Klarisse. – Klarisse . Wie, Ihr kennt mich? – Ihr wißt – Malegys . Daß Euer Vormund Ganelon Euch zur Vermählung mit Graf Brisson zwingen will, daß Ihr ihm itzt auf der Reise entflohen seyd und Euren geliebten Reinold suchet. – Er ist in dieser Höhle. Klarisse . Ich eile in seine Arme. – Malegys (vertritt ihr den Weg) . Nicht so Klarisse – harret noch kurze Zeit, und Ihr werdet den Lohn Eurer Liebe ärndten. Klarisse . Warum wollt Ihr mich aber hindern? Malegys . Weil ich mit kaltem Blute überlege, und Euren guten Ruf verloren sehe, wenn Ihr selbst flüchtig werdet – dieser muß Euch stets heilig bleiben. Klarisse . Ach wenn Ihr wüßtet – Malegys . In kurzen werden Ganelons Leute Euch hier suchen – folgt Ihnen unter dem Vorwande Euch verirrt zu haben. Wenn Reinold selbst Euch befreit, so habt Ihr Eure Absicht erreicht, und zugleich Eures Rufes geschont. Klarisse . Wahr – aber wer bürgt mir dafür, daß – Malegys . Ich. – Klarisse . Wer seyd Ihr? Malegys (winkt, seine Kleidung fliegt weg, und er steht im glänzenden Silberharnische da) . Klarisse . Seh ich recht? – Malegys, Reinolds Vetter! Malegys . Und Euer Freund, der Euch von nun an seinen Beistand widmet. Klarisse . Ihr gebt mir neues Leben wieder. Malegys . Traut meinen Verheißungen, Klarisse, in wenigen Tagen sollt Ihr Euch ungestörter Freude überlassen. Duett .                 Malegys . Fasse Hoffnung und Vertrauen, Denn bald sollst du glücklich seyn; Klarisse . Ja auf dich will fest ich bauen Und mich süßer Hoffnung weihn. Malegys . Kehr zu Ganelon zurücke, Klarisse . Ach ich hasse seine Blicke; Beide . Doch die Noth gebiethet hier, Darum { folge / folg' ich } willig { mir. / dir. } Klarisse . Du verschaffst mir neue Wonne, Malegys . Ich geb dir mein Ritterwort; Klarisse . Ew'ger Dank sey dir zum Lohne, Malegys . Sieh man kömmt, eil hurtig fort. (Die Bewaffneten treten ein) . Ein Bewaffneter . Ich täuschte mich nicht, hier ist Klarisse – Ritter Ganelon war sehr bekümmert um Euch. Ich bitte Euch mir augenblicklich zu folgen. Malegys , Klarisse , (jedes beiseite) . Kummer hält { ihr / mein } Herz umwunden, Thränenvoll war stets { ihr / mein } Blick, Doch hier { hat sie / hab ich } Trost gefunden, Und gestärkt { kehrt sie / kehr ich } zurück. (Malegys geht in die Höhle, und Klarisse mit den Bewaffneten ab) .   IV. Auftritt. Ein unterirdisches Zaubergemach des Malegys. Es erscheint auf beiden Seiten ein mit Speisen bedeckter Tisch – der eine für 4 Personen gedeckt, der andere für eine. Der erste ist mit Armleuchtern beleuchtet. Zwey Gnomen mit Fackeln in den Händen treten ein. Martin folgt unter komischer Gebehrde, dann die übrigen. Malegys (mit geschlossenem Helme) . Laßt Euch durch nichts irre machen – nehmt Platz, und genießt, was ich Euch aus guten Herzen anbiete – (zu Martin) du hast dort deinen eigenen Platz. Martin . Ich danke, ich hab keinen Appetit – es ist schon so viel, als wenn ichs genossen hätte. Malegys . Du mußt meinen Antrag ehren, und genießen, oder gewärtige meine Strafe. Martin . Ich bin nicht gewohnt, in der Finstern zu essen. Malegys . Diese beyden werden dir leuchten. (die Gnomen stellen sich an die Tafel) Martin . (setzt sich voll komischer Furcht) Das weiß ich doch gewiß, daß noch kein Mensch auf der Welt solche Armleuchter gehabt hat. – (hier bleibt es dem Schauspieler überlassen, diese Szene durch komische Pantomime lebhaft zu machen – alle nehmen Platz) . Reinold . Wunderbar ist uns hier alles, und mancher würde gegen dich selbst Verdacht schöpfen, aber wir kennen keine Furcht, auch bürgt uns deine ehrliche Miene vor jeder Gefahr. – Wir wollen dir ohne jede Scheu unsere Schicksale erzählen. Malegys . Ich werde Euer Zutrauen zu vergelten suchen. Reinold . So wisse denn, wir sind die 4 unglücklichen Söhne des Herzogs Heymon von Dordogne, insgemein die 4 Heymonskinder genannt. – Unser Muth, unsere Thaten, die wir zum Besten des König Yon von Gaskogne gegen die Sarazenen übten, sind bekannt. Malegys . Welch ein Zufall brachte Euch hieher in den fürchterlichen Ardennerwald? Reinold . Ein sehr trauriger. Wir waren mit unsern Vater am Hofe des großen Karl; Turniere und Bankette wechselten, der Zufall wollte es, daß ich mit Ludwig, dem Neffen des Königs Schach spielte, er war nie unser Freund, das Spiel entzweyte uns, er zog sein Schwert gegen mich, ich war unbewaffnet, im Grimme warf ich das Schachbrett nach ihm, und er stürzte todt zur Erde. Adelhart . Die That würde sich noch haben rechtfertigen lassen, wenn nicht Karls Liebling, Ganelon, das Herz des Königs empört hätte. Reinold . Er ist unser Todfeind, und ich bin dadurch umso unglücklicher, da ich die schöne Prinzessin von Gaskogne, Klarissen liebe, die seit dem Tode ihres Vaters unter Ganelons Oberaufsicht steht. Ritsart . Wir mußten fliehen, und werden allenthalben verfolgt. Writsart . Unstet irren wir umher – ohne Schutz und Ruhe zu finden. Malegys . So sollt Ihr beydes bey mir gefunden haben. – Karls Fehde ist ungerecht; denn Reinold übte nur Nothwehre, ich stehe Euch mit meiner ganzen Macht bey – damit Ihr aber mehr Vertrauen zu mir gewinnet, so lernet auch mich genauer kennen. (öffnet den Helm, die Gnomen entfernen sich) . Reinold . Wärs möglich? – Malegys, unser Vetter! Martin . Element, das ist eine unerwartete Freude – tausendmal willkommen, Herr Vetter! Malegys . Mit meinem Muthe, und den weisen Künsten, die ich in meiner Jugend von der Fee Oriande lernte, will ich Euch Beystand leisten. – Ich verlasse mit Euch diese Gegend, und werde schon einen Ort finden, der Euch Sicherheit gewähren wird. Martin . Da müssen wir aber dazu trachten, denn Ritter Ganelon ist uns mit seinen Leuten gewiß auf der Spur – Malegys . Und wenn die Verfolger uns im Nacken wären, so soll Oriandens Zauberpferd, der berühmte Bayard, uns dennoch befreyen. – Euch zu Liebe verlasse ich diese Einöde, bis Karl sein Unrecht erkennt. Sogleich will ich durch Beschwörungen das Roß Bayard der Fesseln entledigen, die es bey Orianden gefangen halten. Martin . Mit Erlaubniß. (er will fort) Malegys . Wo willst du hin? Martin . Ich will nur nachschauen, ob die Feinde noch nicht da sind. Malegys . Ich bedarf deiner zur Beschwörung. Martin . Das ist ein verdammter Einfall, stellt Euch nur vor, es existirt ja in der Welt kein ungeschickterer Kerl als ich bin – Reinold . Schweig und gehorche. Martin . Schweig, und gehorche – Ihr habt leicht reden, wenn der Satanas hundert solchen Rittern den Kragen umdreht, so ists kein solcher Schaden, als wenn ein einziger solcher Rosenstängel, wie ich bin, zu Grunde geht. Malegys . (giebt ihm ein goldenes Gefäß) Du wirst mir überall folgen – Ihr aber Freunde haltet Euch ruhig, wenn die unterirdischen Geister erscheinen. Martin . Geister kommen? Geister? (setzt das Gefäß nieder) Der Martin kann nicht dableiben. Malegys . Warum nicht? Martin . Weil ich befürchte, die Geister könnten über mich erschrecken. Reinold . (reißt das Schwert aus der Scheide) . Zum letztenmale, du bist des Todes, wenn du nur ein Wort verliehrest. Martin . Nun – so kann ich ja still seyn – wegen mir macht, was Ihr wollt, ich red kein Wort mehr – (für sich) ich wollt, daß diese 4 Kinder der Luzifer holte, so könnte er sie in der Hölle zu Nachtwächtern gebrauchen. (Es erscheint eine Urne mit bläulichtem Feuer) . Malegys hat sich mit einer Zauberbinde umgürtet, und beginnt nun seine Beschwörung, wo er mit einem Stabe einen Kreis am Boden, und verschiedene Bewegungen in der Luft macht, – doch geschieht dieß allemal am Ende des Gesangs. Martin steht während dem Gesange mit einer Schaafsmiene, wann aber Malegys seine Beschwörung vornimmt, geht er ihm unter komischer Furcht nach. Malegys . Entsteiget Geister euren Grüften, Durchbraust das Meer, rauscht in den Lüften. Erscheint im raschen Fluge, hört Da Malegys euch nun beschwört.                             Dumpfer Donnerschlag und Sturmgeheul. – Fortsetzung der Beschwörung. Zersprenget Berg, und Felsenklippe, Hervor mit Stundenglas und Hippe, Im Schreckniße der Wetternacht Seyd eilig auf mein Wort bedacht.                                         Donnerschlag – Geister fahren aus dem Boden auf.                       Chor . Ertheil uns Meister die Befehle Und Folgsamkeit wird an der Stelle Von deinen Dienern dargebracht. Malegys . Zersprenget Bayards Ketten mir Schnell wie der Pfeil vom Bogen saust Der Adler durch die Lüfte braust, Erscheine uns das Zauberthier. (Die Geister versinken) Malegys . Sein Beystand wird Euch mächtig nützen Im schnellsten Flug kömmt nichts ihm gleich, Und wenn im Streite Schwerter blitzen, Kämpft es mit Zauberkraft für Euch. Zugleich: Malegys , Ritsart , Adelhard , Writsart . Ja Hilfe { soll durch mich Euch / wird durch ihn uns } werden Wie sehr freut mich { ihr / sein } Wiedersehn { Ich ändre / Er ändert } Noth nun und Beschwerden Wir werden uns als Sieger sehn. Martin . Wie wird mir Ärmsten Hilfe werden Ich möchte fast vor Angst vergehn. Mit mir dreht Himmel sich und Erden. Vor Zittern kann ich kaum mehr stehn. Rauschende Musik mit Trompeten und Pauken fällt ein – die hintere Kordine öfnet sich, man sieht eine bläulichte glänzende Wolkenkordine, in deren Einschnitt das große Bayard steht, von Geistern umgeben, welches muthig mit dem Kopfe sich bäumt. Alle vier Heymons-Kinder besteigen das Roß während dem Chore. Chor . Ein hohes Glück ist Euch beschieden Denn folgsam ist das Zauberroß Und jede Feindesmacht hinnieden Ist Euch ein eitles Spielwerk bloß.             (sie fliegen mit dem Pferde davon) Martin . Itzt was soll denn das heißen? meine Herren fliegen davon, und was soll denn ich itzt anfangen? – so laßt mich wenigstens an den Schweif anhängen. Ein Geist . Für dich ist ein eigenes Streitroß bestimmt. (unter hellem Geläute kömmt ein mit vielen Glocken behangenes Maulthier, welches immer ausschlägt, die Geister heben den Martin, der sich lange weigert, endlich darauf, und unter den heftigsten Sprüngen des Thiers geht die Kallopade fort, während Martin heftig schreit, und die Geister herumtanzen) .   V. Auftritt. (Zimmer beim Meister Berthold) Berthold (kömmt durch die Mittelthür in Hut und Mantel, den er ablegt) . Endlich habe ich den Weg aus der Stadt glücklich zurückgelegt. – Eisen in meine Werkstatt habe ich gut eingekauft, aber der verdammte Mahler, der mir für fünfzig Gulden so viele Bilder versetzt hat, will vom Zahlen noch nichts wissen. – Und was das Mühe kostet bis man sich durch das Kriegsvolk durchwindet, welches alles den entflohenen Heymonssöhnen auflauert. – Aber meine Sorge wird auch reichlich belohnt, wenn mein liebes Brigitterl nur einen freundlichen Blick mir zuwirft, – das Madel sitzt mir fester im Herzen drinnen, als das beste Hufeisen – aber ich will's auch auf den Händen tragen, wenn sie mein Weiberl wird.   VI. Auftritt. Berthold, Thadädl. Thadädl . (schleppt mehreres Gepäcke herein) So hilf mir der Meister nur, ich kann's ja nicht mehr ertragen. Berthold . Bist schon wieder zu faul? Thadädl . Der Meister hat mich für seinen Lehrbuben angenommen, aber nicht für einen Packesel. (wirft die Packette hin) Berthold . Wart ich will dir zeigen, wer ich bin. Thadädl . Ich weis es schon lang, daß der Meister ein Hufschmidt, und ein Knopf – ein gescheider Kopf ist. Berthold . Wenn ich nur meinen Ochsensehm hätte. Thadädl . Aber die Brigitterl wird schauen, wenn's den schönen Zeug auf ein Kleid kriegt. Berthold . (besänftigt) Die Brigitterl? nicht wahr, sie wird eine rechte Freude haben? – gelt Thadädl, das Madl hat mich recht gern? Thadädl . Das weis ich. Berthold . Du weist's? hats was zu dir gsagt? geh red Thadädl, woher weist dus denn? Thadädl . Ich will's nicht sagen – der Meister ist alleweil so grob mit mir. Berthold . Recht höflich, recht gut will ich mit dir seyn. Thadädl . Nun ich glaub halt, daß man die Leute gern hat, von denen man recht aufrichtig redet, und das hats erst die Tag zu mir gsagt – da hats gsagt. Berthold . Was denn? Thadädl . Daß der Meister ein alter Gimpel ist. Berthold . Was? o du Spitzbube! – das sollst du mir entgelten. Thadädl . Ich rath es dem Meister, schlag er mich nicht. Berthold . Wie? du willst mir noch drohen? – ist das der Dank, daß ich dich nach dem Tod deines Vaters zu mir genommen hab? du – unausgewachsene Rübe – du! Thadädl . Ich kann nicht dafür, daß ich nicht größer bin, daran ist der Meister schuld, warum giebt er mir so wenig zu essen, daß ich nicht recht aufgehen kann, kurz und gut, die Behandlung leid ich nicht, bei der Zeit schlagt man die Leut meines gleichen nicht mehr. Lied .                            Ich las mich nicht schlagen, potz sakerlot nein Ich will auch fürn Meister kein Lehrbub mehr seyn Vor Zeiten warn d' Meister mit dreyßg Jahrn noch dumm Itz schaun sich die Lehrbuben um d' Madel schon um Und macht er mich toll, so geh ich aus dem Haus Aus mir leicht noch mehr als ein Schmidtgsell heraus. Als Pag' trag ich Brieferln, fürn gnädigen Herrn (deutet mit der Hand) Den Pagen sieht d' Frau von Haus selber oft gern (tanzt ab) Berthold . Nein! was man itzt mit den Dienstleuten aussteht, daß ist nicht mehr zum aushalten, da soll ein Mensch den Unterschied in der Zeit sehen. Itzt wissen die Buben schon allerhand Schelmereyen, – und ich – dem Himmel sey Dank bin mit zwanzig Jahren noch so dumm gewesen, daß ich nicht einmal das ABC kennt habe – Still, ich hör wem kommen – Sie ist's – o Brigitterl, du bist der einzige Karfunkel meines Herzens.   VII. Auftritt. Berthold , Brigitte . Brigitte . (aus dem Nebenzimmer) Der Vetter ist schon wieder zurück gekommen? Berthold . Nicht wahr, ich bin dir zu lang ausgeblieben? Brigitte . Gar nicht, ich fürchte nur, er hat nicht alle Geschäfte in der Stadt schlichten können. Berthold . Wegen dir hab ich nach Hause getrachtet. Brigitte . Du mein Gott, das ist ja gar nicht nothwendig gewesen. Berthold . Wie besorgt das Madl ist. – Schau Brigitterl, und wenn ich tausend Gulden zu gewinnen gewust hätte, so hätte ich's nicht über mein Herz bringen können, heute auszubleiben – du weißt ja, was heute für ein Tag ist. Brigitte . Ich weiß nichts davon. Berthold . Dein Geburtstag – nein an den Tag muß ich bei dir seyn. Brigitte . (für sich) Das ist ein schlechtes Bindband für mich. Berthold . Vor zwanzig Jahren – Brigitterl! da hab ich dich auf den Armen getragen – nein – nein, das nicht – ich bin selbst noch ein so kleines Baunzerl gewesen. Brigitte . Warum nicht gar? der Vetter war ja dazumal schon alt – Ich weiß mich noch recht gut zu erinnern, wenn ich geweint habe, so hat mein Mutter auf den Herrn Vettern gedeutet, und hat gesagt, der Wauwau kommt. Berthold . Daß wir von was andern reden, – Kinderl, Schatzerl, ich hab dir ein Bindband gebracht – sperr Augen und Maul auf, aber falle mir nur nicht vor Freuden in eine Ohnmacht. (Er wickelt das Packet auf, und bringt ihr den Stof auf ein Kleid voll altväterischer großer Blumen) . Arie . Sieh, die schönen Blumen zeigen, Meine Liebe deutlich dir Denn sie blüht mit sanften Schweigen So wie dieses Veilchen hier, Rosenroth sind deine Wangen, Und ich bin die Tulipan, Ja mein sehnliches Verlangen Zeigt dir hier der Windling an. Stolz wie diese Sonnenblume Bin ich, wird dein Herzchen mein, Und ich werd zu meinem Ruhme Sanft wie Hiazinthen seyn. Denk, daß ich wie die Narzissen Immer nach dir schmachtend bin, Schazerl komm, ich muß dich küssen, Freudig eil ich zu dir hin. (Er hat während dem Gesange den ganzen Stof aufgerollt, voll Freude will er nun auf sie zu eilen, verwickelt sich aber in den Zeug, und fallt der Länge nach zu Boden) .   VIII. Auftritt. Vorige , Martin . Martin . (trat schon während den letzten Worten ein, und schlägt ein lautes Gelächter auf) Ha ha ha, itzt ist das ganze Treibhaus zusammen gestürzt. Berthold . Wer ist hier? was will er da? Martin . Nun ich denke, ich gehöre auch herein; denn ich heiße Martin Rosenstängel, und der darf in einen ordentlichen Garten nicht fehlen. (für sich) Element, und was das für ein Röserl dazu wäre – mir wird völlig kurios, wenn ichs nur anschaue. Berthold . Was hat er mit dem Mädel da zu reden? he da Gesellen. Martin . Itzt mach er keinen solchen Lärm, oder ich werde ihm gleich sagen, wer ich bin – Mein Maulthier hat ein Hufeisen verlohren, das soll er beschlagen, hurtig laß ers herein führen. Berthold . Da ins Zimmer? soll ichs nicht etwa auch ins Bett legen? Martin . Nun ich glaube, in dem Seinigen würde es nicht viel Unterschied machen – hurtig hurtig ich muß weiter. Berthold . Schon recht, so komm er nur mit. Martin . Kann nicht seyn, ich bin müde. (setzt sich) Berthold . Ein verdammter Kerl, Brigitterl komm, ich muß dir etwas notwendiges sagen. Brigitte . Das hat ja auch hernach Zeit, ich muß hier eher zusammenräumen. Martin . S Madel hat meiner Seel Feuer gefangen – es ist auch kein Wunder – (laut) Ich glaub gar der Kerl eifert? Berthold . Nun mit einen solchen Menschen wärs doch nicht der Mühe werth. Martin . Nicht wahr Schatzerl, das ist dein Großvater? Berthold . Zu was die Sticheleien? – ich bin ihr Bräutigam, und damit Punktum – er hergeloffener Kerl er. Terzett .                             Berthold . Will er etwa raisoniren? Martin . Alter Dattel! schweige still, Berthold . Anders werd ich dich traktiren Martin . Gauner mach mir nicht zu viel. Brigitte . Wenn die zwey recht disputiren Giebt es mir ein lust'ges Spiel. Berthold . Fort du Bengel Brigitte . Ha ha ha Martin . Galgenschwengel Brigitte . Ha ha ha Berthold . Nein es ist nicht auszuhalten Gelt Brigitterl du bist mein. Martin . Mit dem Kerl ganz voll mit Falten Wirst du gar nicht glücklich seyn Brigitte . Närrisch ist es, wie die Alten Nun vor Ärger wüthend schrein. Zugleich: Martin , Berthold . Fort nur fort, mir aus dem Wege, Denn sonst setzt es tücht'ge Schläge, Dummrian, Pavian Ja vor Ärger meiner Treu Schlag ich dir den Kopf entzwey. Brigitte . Gehn sie sich nicht aus dem Wege, Setzt es sicher tüchtige Schläge Ha ha ha – ha ha ha Ja vor Ärger meiner Treu Kommt es noch zur Schlägerey. (Beide wollen sich beim Kopfe nehmen, werden aber durch die Eintretenden verhindert)   IX. Auftritt. Vorige . Ganelon , Klarissa , Ogier , mehrere Knechte. Ganelon . Was soll das hier? – hurtig, seht unsern Roßen nach, daß sie ordentlich beschlagen werden. Berthold (scheint gehen zu wollen, bleibt aber unschlüssig stehen.) Ganelon . Wir haben nur einige Stunden mehr an das Hoflager König Karls, dort sollt ihr gut aufgehoben seyn, Klarisse, während ich gegen die schelmischen Söhne Heymons zu Felde ziehe. Klarisse . Ach wenn ihr wüßtet, wie sehr jedes Eurer Worte mein Herz beängstiget. Ganelon . Ich weiß warum ihr seufzet, Euer Herz hängt an Reinold, dem Mörder Ludwigs – aber so wahr ich Ganelon, und der ärgste Feind von Heymons Familie bin, dieser Reinold, und seine Brüder sollen noch unter meinem Schwerte bluten. (er erblickt den Berthold) Nun was solls? Donnerwetter warum seht Ihr nicht zu meinen Roßen? Berthold . Ach edler Herr, ich möchte wohl, – aber – (deutet auf Martin) . Ganelon . Was giebts hier? – wer ist der Bursche? Berthold . Ich kenne ihn nicht, edler Herr – er kam zu mir, wie aus den Wolken gefallen, nur so viel hörte ich von ihm selbst, daß er sich Martin Rosenstängel nenne. Ogier . Wie? ist daß nicht der Knappe Reinolds? Ganelon . Dann Tod und Verderben über ihn. Martin . Itzt hört auf mit der Narrheit – ich, ich habe in meinem Leben keins von den Heymonskindern gesehen. – Sagt mir nur, was für Thiere sinds denn? habens Federn? Ogier . Er ists, ich kenne ihn. Ganelon (setzt ihm das Schwert an die Brust) . Wo sind die Söhne Heymons? Martin . Ich glaube halt in der Haut bis über die Ohren. – Kurz und gut, ich weiß nicht was ihr von mir wollt – ich weiß nichts von den Heymonskindern, und von ihren Vetter Malegys – ich bin auch gar nicht dabei gewesen, wie er Ihnen das Roß Bayard hergezaubert hat. – Itzt hab ichs sauber gemacht. Ganelon . Genug, nun ist alles erwiesen, Ogier, schleppt ihn fort, und knüpft ihn am nächsten Baume auf. Ogier . Nur fort Bursche, du sollst um zwey Klafter höher hängen, als die gewöhnlichen Schelme. (alle ab) Berthold nickte immer mit den Kopf, in boshafter Freude klatscht er in die Hände, macht die Pantomime des Hängen, fangt zu trillern an, und tanzt ihnen nach.   X. Auftritt. Eine waldige Gegend, in der Mitte eine hohe Eiche, von einer Gruppe Bäume umgeben. Malegys (tritt ein) Meine Freunde sind in Sicherheit, aber ihr Diener verlohr sich. – Wie? seh ich recht? Im Tumult schleppen ihn Ganelons Leute aus dem Hause dort? – Sie haben ihm den Tod bestimmt. Ich will euch auf eine Art daran hindern, die euch Witzigung, und mir Kurzweil verschaffen soll.   XI. Auftritt. Martin wird von Knechten herausgeschlept von Ogier angeführt. Martin . Aber so habt doch Mitleiden mit mir. Ogier . Du hast deines lüderlichen Streiches wegen den Tod verdient. Martin . Es ist ja aber eine Schande, wenn über einen Lumpen so viele sind. – Schaut Herr Ritter, es wird Euch auch wohl thun, wenn die Leute Mitleiden mit Euch haben, wenn Ihr einmal an den Galgen kömmt. Ogier . Schurke du – den Augenblick knüpft ihn dort an die Eiche. Martin (der hingeschleppt wird) . O Malegys, zeige nur dießmal deine Kunst, wenn du mehr als ein Zigeuner bist. (Donnerschlag, alle beben betroffen zurück. Martin verschwindet hinter der Eiche. Diese samt der Baumgruppe verwandelt sich in einen Tisch mit einem Sessel. Passende Musik. – Sechs Gnomen, schwarz gekleidet, und mit großen Knöpfelperücken, kommen hervor) . Chor . Iam fuit nunc Consilium Quis dicet statum morbium? Hypochondria et plasphemia Angina et tunc Colica Deinde hemeroida Quis iuvat, quis iuvat? Est frustra Sapientia! Martin als Kranker sitzt auf dem Sessel – er hat den Kopf eingebunden, und mit Küssen umwunden – gebehrdet sich mühselig unter komischen Grimassen, und schneidet fürchterliche Gesichter. Chor . Es sticht, es beißt, es drückt. Martin . Au weh, au weh, au weh! Chor . Es brennt, es gräult, es zwickt, Martin . Au weh, au weh, au weh. Chor . Vergebens ist die Arzenei, Martin . Ach, ach, ach, Chor . Mit diesem Kranken ists vorbei, Martin . Ach, ach, ach, Chor . Es bleibt der Tod der einz'ge Fall, Drum fort mit ihm nur ins Spital. Wie sie ihn aufheben wollen, geschieht ein Donnerschlag, die ganze Bühne verwandelt sich in ein Schneetheater, der Tisch in ein Wirthshaus mit Schnee bedeckt, über der Thüre ein Schild mit einem gemahlten Affen, die Worte: Herberge zum Affen . Alle Ritter und Knechte bleiben in ihrer bezauberten Attitüde. Viel Affen, Wirth und die Wirthin. – Einige andere, als Ritter und Ritterdamen, haben einen possirlichen Tanz. Martin schaut oben zum Fenster heraus, und lacht sie aus. Der Vorhang fällt. Ende des ersten Aufzugs . Zweyter Aufzug I. Auftritt. Prunksaal am Hoflager Karls . Karl sitzt auf seinen Thron, ringsum die Panirs des Reichs, Ritter und Edle . Auf beyden Seiten Kriegsknechte. Neben dem Thron Ganelon und Klarisse . Chor . Ew'ger Segen blühe Unserm Fürsten nur, Weit von ihm entfliehe Jedes Kummers Spur. Seine Macht gedeihe Immer mehr und mehr, Unzertrennlich reihe Glück um ihn sich her. Karl . Nehmt noch einmal meinen Dank für Eure Liebe und Treue, edle Ritter und Herren. Eure Wohlfarth soll so lange ich lebe, mein einziges Streben seyn. Ihr Ganelon, den ich seit jeher liebte, seyd mir noch einmal an meinem Hofe herzlich willkommen. Ganelon . Eure Huld entzückt mich gnädigster Herr, und nie werde ich aufhören, Euch Beweise zu geben, daß ich Euer Zutrauen, und Eure Gnade verdiene. Karl . Noch einmal sichere ich Euch mit meinem Fürstenworte den Schutz zu, den Ihr für Eure Anverwandte, die schöne Klarisse von Gaskogne verlanget. Ganelon . Ich danke Euch gnädigster Herr! Karl . Nun aber einen wichtigen Auftrag an Euch – Ganelon, Ihr wißt, wie sehr ich Ursache habe, mit Haymons Söhnen, den Rittern von Dordogne zu zörnen. Nehmt meine wackern Krieger, und sucht sie allenthalben auf, und bringt sie lebend oder todt zu mir zurück. Ganelon . Dafür geb' ich Euch mein ritterlich Wort. Lange sehne ich mich nach Rache, nun will ich sie vollwichtig üben. Ogier . Der alte Herzog Heymon harrt Eurer Befehle im Vorgemache. Karl . Man lasse ihn sogleich herein.   II. Auftritt. Vorige , Heymon . Heymon . Gnädigster Herr, Ihr ließt mich rufen, und ich erscheine alsogleich, Eurer Befehle gewärtig. Karl . Herzog, Ihr wißt die Verbrechen Eurer Söhne. – Heymon . Die That meines Sohnes Reinolds weiß ich, aber sein Verbrechen nicht. – Er erschlug Euren Neffen in der Nothwehr, da dieser bewaffnet den Wehrlosen anfiel. Karl . Ihr werdet immer der Vertheidiger Eurer Kinder seyn. Heymon . Nein gnädigster Herr, Ihr irrt Euch. Wenn meine Kinder eine That begiengen, entgegen Eurer Würde und den Gesetzen des Reichs, ich wär der erste, der sie dem Schwerte der Gerechtigkeit überlieferte, – aber so – Karl . Schweigt, und hört meinen Befehl. Es ist Eure Pflicht, wenn ich gegen einen meiner Feinde ziehe, als Vasalle mit Euren Mannen und Reisigen mir Heeresfolge zu leisten. Heymon . Eine Pflicht, der ich mich nie entschlagen werde. Karl . Eure Söhne sind meine Feinde geworden, gegen sie sende ich unter Ganelons Anführung meine bewaffneten Schaaren, und von Euch fordere ich, dem Zuge zu folgen. Heymon . Um Gotteswillen was verlangt Ihr? Karl . Gehorsam – wo nicht, so seyd Ihr Eurer Söhne Willen – mein Feind, und wegen Eurer Widersetzung gegen Eure beschwornen Pflichten, Eurer Güter und Eures Lebens verlustig. Heymon . Ich bin in Eurer Gewalt, nie brach ich meinen Schwur, am wenigsten den, den ich dem Reiche leistete – ich ziehe bewaffnet gegen meine Söhne – das Schicksal wird aber die schützen, die vom ungerechten Haße verfolgt werden. Karl . Ganelon – gedenkt, welch wichtige Sache ich Euch anvertraue. Ganelon . Die ich nach Kräften befördern werde. (Karl geht ab, das Gefolge begleitet ihn) .   III. Auftritt. Ganelon , Klarisse , Heymon . Ganelon . Mein sehnlichster Wunsch ist erfüllt – zittert ihr Verhaßten, nun sollt ihr bald das Rachschwert, das in meiner Hand flammt, in eurem Nacken fühlen. Heymon . Ganelon, Ihr seyd also der Befehlshaber jener Rotten, die gegen meine Söhne zu Felde ziehen? Ganelon . Mich schmerzt dieser Auftrag des Königs, aber – es ist meine Pflicht, zu gehorchen. Heymon . Verstellt Euch nicht, – Euer Auge zeigt mir die Freude deutlich, die in Eurem Herzen herrscht. Ihr waret immer der Feind unsers Hauses – was werden meine Söhne zu befahren haben, wenn sie in Eure Gewalt kommen? Ganelon . Was meine Pflicht mir gebietet, und was sie verdient haben, den Tod – Heymon . Unnatürlicher Bösewicht, der du dem Vater kalt das Todesurtheil seiner Kinder entgegen lächelst, – zittere, daß nicht auch dich die Strafe des Schicksals trift. – Kein Wort mehr zu dir Bösewicht, zu dem da oben nehme ich meine Zuflucht, er kennt meine Leiden, er kann den Kummer des gebeugten Vaters fühlen, der gezwungen wird, das Schwert gegen seine geliebten Kinder zu ziehen. Rette sie, und all das Unglück, das Ihrer harret, lasse mich alten Mann erdulden, ich werde freudig sterben, um sie dort ungetrennt wieder umarmen zu können – (ab) . Ganelon . Alter Thor – glaubst du mich zu erzürnen? – Nein, ein leichtes wäre es mir dich zu vernichten, aber dann wäre meine Rache nur unvollkommen, in deinen Kindern sollst du zehnfach sterben. Wie? Ihr noch hier Klarisse? Klarisse . Ich lernte in diesen Augenblick Euch genau kennen. Ganelon . Ich kann nicht anders handeln, da meine Pflicht es gebietet. Klarisse . Verbergt Euren Haß nicht hinter die Aegide des Gehorsams. Ganelon . Nehmt, wie Ihrs wollt, ich war von jeher der Todfeind des Hauses von Dordogne – und nur ein Thor läßt die Gelegenheit unbenützt, die ihm Rache an seine Feinde darbiethet. Euch Prinzessin geziemt es nicht, die Thaten der Männer zu beurtheilen. Geht, bereitet Euch vor, der mächtige Graf Grisson warb um Eure Hand. Sobald ich siegreich zurückkehre, werdet Ihr das Fest der Vermählung feiern. Klarisse . Ganelon, Ihr seyd gleich grausam gegen Eure Feinde, und gegen die, die Eurer Obsorge anvertraut sind, aber ihr kennt die Gefühle eines liebenden Herzens nicht, es trotzt jedem Hindernisse, und wenn tausend Gefahren es umstürmen, so weiß es eh zu sterben, eh seine Flamme sich ändert. Arie . Selbst der Erdball darf zersplittern Und zertrümmern die Natur Kann die Liebe nicht erschüttern Feste Treue kennt sie nur. Sie nur läßt uns Wonne finden Und beseeligt unser Herz. Leicht wie Nebelwolken schwinden Wenn sie lächelt, Gram und Schmerz. Ich verachte deine Tücke Die dein schwarzes Herz erdacht. Liebe nur führt mich zum Glücke Und vernichtet deine Macht. (ab) Ganelon . Mir trotzest du nicht stolze Dirne – kühn schreite ich meinen Planen entgegen – hier durch die Vermählung mit Großen eine mächtige Verbindung – dort der höchste Triumph der Rache, so will ich immer streben meine Macht zu vergrößern, und alles was meinen Planen entgegen strebt, mit Riesengewalt zu Boden würgen. (ab)   IV. Auftritt. Martin . Ein gut möblirtes Zimmer beim Meister Berthold, mit mehreren Gemählden in Lebensgröße – Eines davon stellt einen Gelehrten in einer groben Knöpfelperücke vor. Martin . (in einen Mantel gehüllt schleicht herein) Ins Haus wäre ich glücklich gekommen, – wie ich aber wieder hinaus kommen werde, das ist eine andere Frage – wenn ich nur mit dem hübschen Mädel zusammen kommen könnte. – Aber da soll ein Mensch sehen, was wir Männer für kuriose Leute sind, wir rennen uns nur um ein Bußerl die Füße halbentheil weg, und wissen doch, daß uns die Mädeln hint und vorn foppen – und daß das Verliebtseyn oft mehr Verdruß, als Freuden macht – ja nun, es geht uns halt mit der Liebe akkurat so, wie mit den Magentropfen – bitter sind sie, aber gut. Arie . Es ist um die Lieb' eine seltsame Sach, Zum Narren machts d' Männer oft schier, Und doch schleichet jeder dem Madel gern nach, Und treibt halt sein Spaßerl mit ihr. Sie sind auch so mollig, so rund, und so schön, Und lachens, wird ein so kurios. Den schelmischen Blick kann kein Mensch widerstehn, Und geb'ns ein a Bußerl – So ist halt der Teufel gleich los. Als Büberln schon sind wir den Madeln geneigt Das wachst mit uns ordentlich auf Und wann ein hübsch Gsichtel von weiten sich zeigt, Setzt jeder gleich d' Füßeln in Lauf. Es schleicht mancher Datel schon mühsam daher Doch sieht er ein Madel von fern So macht er ihr freundlich gleich sein Serviteur Er hört wie ein Fuhrmann Halt wenigstens s Schnalzen noch gern. (ab zur Seite)   V. Auftritt. Martin , Brigitte . Brigitte . Ich höre ja jemanden hier sprechen? (sie erblickt ihn, und stoßt einen lauten Schrey aus) . Martin . Ich bitte dich um alles in der Welt Madel – schrei nicht, denn wenn mich der Alte sieht, so kriegt einer von uns zweyen Schläge. Brigitte . Aber was will er denn da? Martin . Was kann ich anders wollen, als mit dir reden, und dir sagen, daß ich ein unglücklicher Mensch bin? Brigitte . Was fehlt ihm denn? Martin . Du hast mich total ruinirt – du hast in meinen Herzen ein Feuer angesteckt, daß es zu einem Aschenhaufen verbrennt ist, meinen Magen hat die Liebe zusammen geschnürt, daß ich nichts mehr essen und trinken kann – kurz um, ich habs in allen Gliedern, und wenn du mir nicht wenigstens mit ein baar hundert Bußerln zu Hilfe kommst, so geht mein Verstand kapores. Brigitte . Das ist ein närrischer Mensch. Martin . Nicht wahr, eine solche Liebeserklärung wirst du nicht bald hören? – Mach einen Gescheiden, Madel, und wenn ich dir auch nicht gefalle, so erbarme dich über einen fahrenden Junggesellen, und nimm mich wenigstens aus Mitleiden. Brigitte . Aber mein Gott wer ist er denn? Martin . Bis itzt bin ich nur ein Schildknapp, aber wenn ich noch ein zwanzig Jahrln mitmache, so kann ich vielleicht zu einen Ritter geschlagen werden. Brigitte . Nun die Aussicht wär nicht übel. Martin . Wenigstens kann man Alt dabei werden, also schlag ein, wir sind ein Paar. Brigitte . Wenn ich nur wüßte, was ich thun sollte. Martin . Schlüßen wir den Handel ab. Brigitte . Ist er aber auch ein guter Mensch? Martin . Wie ein Lamperl, ich hab einmal eine Geliebte gehabt – von der hab ich alle Tage meine richtigen Schläge kriegt, und Ich habe nicht Mau dazu gesagt. Brigitte . Aber der Alte wird ja seine Einwilligung nicht geben? Martin . Da liegt uns nichts dran, ich mach halt einen Ritter, und entführ dich.   VI. Auftritt. Vorige , Thadädl . Thadädl . Itzt muß ich nur geschwinde die Bilder aufhängen, die der Mahler bei uns versetzt hat, (erblickt beide) sapperment was ist denn das? Hahaha, d' Jungfer Brigitterl, nimt gewiß eine Lektion, wie's mit dem Meister umgehen soll? Martin . Du Bube verrath mich nicht, ich kaufe dir einen Lebzeltenen Reiter dafür. Thadädl . Itzt hör er auf mit der Narrheit, unser einer ist nicht interessirt – Ich merk den Spaß schon, d' Jungfer schaut sich halt bei Zeiten um einen guten Freund um, damit Ihr die Zeit nicht lang wird, wenn der Meister nach der Stadt geht. Brigitte . Gelt du verrathest mich nicht? Thadädl . Werd ich doch wohl eher mit der Jungfer Brigitterl halten, die mir manchen Brocken Bratel zu steckt, als mit dem Meister, der mir nichts als eine Prügelsuppe giebt – ich habe meine närrische Freud', wann er recht papierlt wird. Martin . Nun, der Mann kann doch eine Freude von seinen Leuten haben. Thadädl . Wenn mich d' Jungfer zu was brauchen kann, sie darf nur schaffen – zum Beyspiel, auf die Paß stellen. Martin . Dazu bist du ja zu ungeschickt. Thadädl . Das heißt einen Menschen bei seiner Ehre aufgefordert, und ich will ihm zeigen, daß er sich in mir geirrt hat – (Geht mit gravitätischen Schritten ab) . Martin . Also mein liebes goldenes Brigitterl. Brigitte . Nun was soll ich thun? den Alten mag ich nicht, und den Gedanken könnte ich schon gar nicht ausstehen, ledig zu sterben. Martin . Recht so, da hütet sich auch ein jedes Madel davor – Also ich rede heute noch mit meinen Herrn, hernach praktizire ich dich wie eine geschwärzte Waar aus dem Hause. Thadädl . (läuft herein) Der Meister kommt. Brigitte . O weh – o weh. – Thadädl . Sein Gesicht glüht wie der Mondschein – und entweder hat ihm die Liebe oder Wein dämmisch gemacht, denn er wackelt daher, wie eine Ente. Martin . Was soll ich denn itzt anfangen? Thadädl . Fort kann er nicht mehr, denn er wird den Augenblick da seyn. Martin . Wenn er mich nur wo verstecken könnte, wart Schatzerl ich schlief hinter eines von den Bildern, so kann ich gleich hören was er sagt. (schleicht hinter das oben beschriebene Bild) Thadädl . (Klatscht vor Freuden in die Hand) O je der Meister ist der Gefoppte.   VII. Auftritt. Vorige , Berthold . Berthold . (taumelt bei den letzten Worten herein) Was hast gesagt, Spitzbube? (aufreibend) Warum bin ich der Gefoppte? Thadädl . Nun, möcht er mich etwa wieder schlagen? und ich habe halt doch recht – die Brigitterl hat zu ihm gesagt, daß sie erst über acht Tage heurathen will, und ich habs erlauscht, daß sie lieber heute schon eine Braut seyn möchte. Berthold . Ach das lasse ich mir gefallen, nun geh itzt Thadädl – geh, ich möcht itzt gern allein mit ihr seyn. Thadädl . Ich geh schon – hernach ist der Meister mit ihr richtig allein – ha ha ha – recht hab ich, der Meister ist der Gefoppte. (geht in die Hand klatschend ab) Brigitte . (für sich) Mir ist Angst und bang. Berthold . In welcher Verlegenheit der arme Narr ist – sie kann mich vor Liebe gar nicht anschauen – Schatzerl ist das wahr, was mir der Thadädl gesagt hat, daß du schon gern eine Braut seyn möchtest. Brigitte . Nun, warum sollt ichs den läugnen. Berthold . Ist das wahr? – itzt muß ich dich halsen (will zu ihr hin, taumelt aber über einen Stuhl, daß er sich kaum aufrecht halten kann) . Brigitte . Aber mein Gott, er hat ja schon wieder einen Rausch. Berthold . Nur einen verliebten – bei jedem Glasel hab ich an dich gedenkt, und deine Gesundheit getrunken – und so kann mir der Wein nicht schaden. Sapperment, Madel, du hast mir eine Freude gemacht, daß ich gerade glaube, das Herz springt mir aus dem Leibe. (Martin nieset, beide verneigen sich) Also morgen halten wir Hochzeit – aber ich möcht halt gerne heute schon was von dir – (Thadädl schleicht herein, und hört zu) . Brigitte . Was denn? Berthold . Ein kleines Drangeld – ein Bußerl. Brigitte . Vor der Hochzeit ist gar keine Rede davon. Berthold . Nun ich darfs nicht böse machen, aber hernach wollen wirs einbringen, den ganzen Tag wollen wir küssen. Martin (hustet sehr stark) . Berthold . Sapperment – itzt weiß ich nicht hab ich gehustet oder du? Thadädl . Das wird wohl der Meister gewesen seyn, denn es war eine völlige Eselhusten. Berthold . I du Spitzbube – wart dich will ich forttreiben. (Thadädl entspringt, Berthold haut immer in der Luft herum, während Brigitte und Martin sich küssen) . Berthold . Weißt was Brigitterl – ich hab itzt einen Einfall, daß uns die Zeit vergeht, wollen wir den Hochzeitstanz probiren, du weißt ich habe schon lang nicht getanzt, so bekommen doch meine Füße wieder eine Gelenkigkeit. Brigitte . Er kann aber nicht recht gerade stehen. Berthold . Das thut nichts, die Leute glauben, es sind die Figuren die ich in den Tanz hinein mache – komm her es wird schon gehen. (sie stellen sich zum Tanze, und beginnen einen Menuett) Terzett .                 Berthold . Wahrlich es ist eine Freud Beim Menuett. Brigitte . Voraus wenn man recht gescheid Und grade steht. Berthold . Eins und zwey, drey und vier Bloß am Tackt fehlt es mir. Beide . Nur die Füß steif, und den Kopf auch hübsch grad So geht es nach dem Tackt schön, in der That. (Das Bild, wo der Martin versteckt war, theilt sich, und Martin akkurat so gekleidet, wie das Gemählde war, tritt hervor, Berthold weicht erschrocken zurück, Martin tanzt mit Brigitten den Menuett fort) . Berthold . Wetter, was soll das seyn? Ach welch ein Streich. Martin , Brigitte . Wenn man recht tanzen kann, Besser gehts gleich. (Am Ende des Menuetts nimmt Martin die Perücke ab, und küst Brigitten) . Berthold . (erkennt ihn) Was? o du Gauner! he Gesellen, Gesellen. (Thadädl und die Gesellen stürzen herein mit Brigeln bewaffnet) . Berthold . Den Kerl schlagt mir auf der Stelle todt. Martin . (Von ihnen verfolgt lauft herum, er wirft den Berthold die Perücke an den Kopf und entspringt, die Gesellen erwischen den Berthold und prügeln ihn tüchtig durch, Thadädl steht im Vorgrunde, und lacht laut) Haut zu, haut zu! Berthold (entwischt ihnen, alle eilen ihm nach.)   VIII. Auftritt. (Eine mit Bäumen versetzte Gegend. Im Hintergrunde mit Moos und Strauchwerk bewachsene Felsen) . Ritsart , Adelhart , Writsart . (Sie kommen von verschiedenen Seiten.) Ritsart . Willkommen Brüder – willkommen – hier am Orte unserer Bestimmung. Adelhart . So nannte ihn Malegys, als er uns hieher bestellte, aber ich kann mir den Sinn seiner Worte nicht erklären. Writsart . Ewiger Zweifler – Malegys ist unser Freund, und Wohlthäter, er wird nichts unternehmen, was nicht zu unsern Besten zielet – doch stille, ich höre etwas durch die Blätter rauschen – Er ists – unser Freund Malegys.   IX. Auftritt. Vorige , Malegys . Malegys . (tritt ein, alle schütteln sich die Hände) . Ritsart . Wo ist unser Bruder Reinold? Malegys . Am Hoflager Karls. Ritsart . Wie? Malegys . Er konnte der Neigung seines Herzens nicht widerstehen, seine Klarisse zu sehen – undurchdringlicher Nebel umhüllt ihn, das Roß Bayard harrt seiner, mit Blitzesschnelle wird es ihn hieher bringen, wenn Gefahr ihm droht. Adelhart . Ich fürchte viel für den kühnen Wagling – er baut auf seinen Mut und Stärke, und übersieht so leicht die Gefahr, die ihm drohen könnte. Malegys . Sorgt Euch nicht, zu groß sind die Verheißungen die ich ihm bei seiner Rückkehr that. König Karl wird morgen ein großes Turnier geben – eine goldene Krone ist der Preis des Siegers – als geächtet darf Reinold nicht mitfechten, und doch wird er es durch meine Macht – Ich verhieß ihm noch mehr, morgen schon wird Klarisse seine Gattin – Ihr könnt Euch also vorstellen, daß Reinold seine Zurückkunft nicht versäumen wird. Ritsart . In der That Malegys, ohne Euch und Reinold würde es uns sehr übel gehen, aber was sollen wir in dieser Wildniß anfangen? Malegys . Allenthalben verfolgen uns Karls Krieger – sollen wir Ritter in den Wäldern gleich Räubern umherirren? nimmermehr, Karl lerne einsehen, daß ihr unter meinen mächtigen Schutz stehet, und daß es ihm nicht so leicht sey, freye unbescholtene Ritter seinen ungerechtem Grimme zu opfern. Ritsart . Wie willst du aber der drohenden Gefahr vorbeugen? Malegys . Seht diese kahlen Felsen – Jahrhunderte deckte graues Moos ihren Gipfel, nun soll es nicht mehr so seyn, blühen soll die Gegend umher im ewigen Frühlinge, und ein Schloß soll sich erheben, gebaut durch Geistes Macht, das jeder Gewalt der Feinde trotzet, und dessen stolze Thürme weit in die Thäler hinab die Macht ihrer Besitzer verkünden – Auf denn Ihr mächtigen Geister, vollendet den Bau, den ich in meinen Gedanken entwarf – Montalban heißet dieser Felsen – Montalban soll auch der Nahme des Schloßes seyn. (Ein dumpfer Donner rollt – mehrere Geister erscheinen, und beginnen den Felsen zu bearbeiten – Allmählich hebt sich, so lang die Bühne ist ein prächtiges Schloß aus dem Boden auf, dessen Thürme und Fenster transparent erleuchtet sind, und dessen ganzer äußerer Prospekt einen majestätischen Anblick darbietet) . Quartett (mit Chor) . Malegys . Liebe nur will ich Euch zeigen Und der ächten Freundschaft Spur. Die drey Brüder . O erkenn in unserm Schweigen Unsers Dankes Größe nur. Alle vier . Ewig, ewig dich (Euch) zu lieben Ist für mich die schönste Pflicht, Tief bleibt mir ins Herz geschrieben Was der Freundschaft Stimme spricht. Chor der arbeitenden Geister . Unverdrossen nur ihr Geister Unsre Macht wirkt schnell und groß Es gebiethet unser Meister Rasch zeigt sich das Felsenschloß. Die drey Brüder . Welch ein Anblick, welche Wonne! Sag was reichen wir zum Lohne? Malegys . Laßt uns immer Freunde seyn. Alle drey . Unser Herz ist ewig dein. Alle vier . Göttlich sind der Freundschaft Werke, Glücklich der, dem bald sie lacht Sie trotzt selbst des Unglücks Stärke Nichts besieget ihre Macht. Kommt zur Ruhe ohne Weilen Schutz reicht dieses Schloß uns dar, Sollten Feinde uns ereilen, Sind wir sicher vor Gefahr. Chor (zugleich) . Schnell sind unsre Zauberwerke Alles wird zu Stand gebracht Und des mächtigen Schloßes Stärke Weicht nur gleicher Zaubermacht. Geht zur Ruhe ohne Weilen Schutz reicht dieses Schloß Euch dar Sollten Feinde Euch ereilen Seid Ihr sicher vor Gefahr. (Der Bau des Schloßes ist vollendet – die Geister verschwinden, Malegys geht mit den Brüdern über den Berg in das Schloß. Ein kriegerischer pompöser Marsch fällt ein, und viele Bewaffnete mit ihren Fähnlein ziehen zugleich in die Burg ein, wo sodann die Zugbrücke auf gezogen wird – Pause).   X. Auftritt. Ganelon mit Knechten , ein Herold , dann die Vorigen , Herzog Heymon , Reinold . Ganelon . In dieser Nähe müßen unsere Feinde seyn – wir wollen nicht rasten noch ruhen, bis wir sie gefunden haben (erblickt das Schloß) Ha, was ist das? wer mag dieses Schloß bewohnen? Herold fordere den Eigenthümer auf, ob er Kunde von den Söhnen Heymons habe. Ein Herold . (tritt vor, und stößt dreimal in die Trompete) . Malegys . (erscheint auf der Mauer) Was verlanget ihr? Herold . Im Ritter Ganelons Nahmen gebieten wir Euch unter Todesstrafe anzuzeigen, ob Ihr Kunde habt von Heymons flüchtigen Söhnen. Malegys . Gebt mir ein Wahrzeichen, daß ich Eurer Sendung glauben kann. Ganelon . Hier bedarf es keines; denn Ganelon selbst steht vor Euren Mauern. Malegys . So wisset denn, ich Malegys, Sohn des Herzogs von Beves, und Ritter, bedeute Euch hiemit, daß ich dieses Schloß zum Schutze der Söhne Heymons erbaut habe, und sie vertheidigen werde gegen jeden, der sie bedrängt; Euch aber Ganelon, der Ihr König Karln zur ungerechten Fehde verleitet, erkläre ich hiemit vor allen Rittern und Reisigen als einen Schurken, der die schrecklichste Züchtigung verdient. Ganelon . Mir das? (reißt sein Schwert aus der Scheide) Fluch und Verderben über Euch – auf – wer mich liebt eilt sogleich zum Sturme. (Trompeten ertönen im Innern der Burg. Ganelons Leute eilen zum Sturme – Malegys, Ritsart, Adelhart, Writsart und ihre Reisigen eilen die Mauern hinab – allgemeines Gefecht) .   XI. Auftritt. Vorige , Reinold . Reinold (stürzt bewaffnet herein) . Wie? meine Brüder in Gefahr? – o nun sollt Ihr meine Stärke fühlen. Verderben über euch ihr Lotterbuben. (Er schließt den Helm und haut ein. Das Gefecht wird heftiger, die Feinde werden vertrieben, Herzog Heymon eilt herein, gleichfalls mit geschlossenen Helm, von Reinold verfolgt) . Und wenn du zehen Leben hättest, so mußt du unter meinen Streichen fallen. Heymon (wirft den Helm weg) . Tödte mich. Reinold . Allmächtiger Gott, mein Vater! (er läßt das Schwert sinken, und bedeckt mit beiden Händen das Gesicht) . ( Malegys und seine Brüder mit ihren Reisigen kommen hinzu. Ganelon und seine Leute sind gefangen) . Malegys . Wir haben gesiegt, unsere Feinde sind gefangen. Reinold . Ich bedarf Ihrer nicht, lößt ihre Fessel – sie mögen frey von hinen ziehen – König Karl ist mir zu erhaben, um mich an seinen Lieblingen zu rächen, aber eben diese Lieblinge sind mir zu schlecht, um sie meiner Gefangenschaft würdig zu halten. (ihre Fessel werden gelößt) Ganelon . Ich danke dir meine Freiheit, aber ich werde sie nur zu deinem Verderben benützen: – Nun Herzog Heymon, Ihr werdet vermutlich hierbleiben? – Euer fein angelegter Plann ist glücklich gelungen. Ihr seyd bey Euren Söhnen, aber dafür wird Acht und Bann Euch treffen. Reinold . Wer sagt, daß Heymon bei seinen Söhnen sey? – Dieser Mann hier zog sein Schwert gegen uns, ich kenne in ihm meinen Vater nicht. Die 3 Brüder . Reinold, was sagst du? Heymon . O donnere nur auf mich Schicksal, bald werde ich deinen Streichen unterliegen. Reinold . Bewaffnet steht er in unserer Mitte – er ist unser Feind geworden. Heymon . Sohn, willst du mich durch Verzweiflung tödten? Ritsart . Bruder! Reinold . Zurück, wer nicht mein Feind seyn will, (zu Heymon) du hast dein Schwert zu meinem Verderben gezückt – die Bande der Natur sind aufgelößt, und Rache quilt in meiner Brust empor. (er zieht ihn in den Kreis der Krieger) Auf, auf, zum Kampfe! – Nicht Vater, nur Richter ist er mir, und als dieser darf er mir den Kampf nicht verweigern. Heymon . Nun denn, so sey dieß mein letzter Augenblick – Schicksal gieb mir den Tod, um nicht diesen höchsten Jammer zu überleben. (Beide kämpfen – Reinold schlägt ihm beim ersten Gange das Schwert aus der Hand) Reinold . Du bist mein Gefangener. (zu Ganelon) Sieh elender Bube – nicht freywillig ging er zu mir über, die Macht der Waffen hat ihn überwunden, und er kann daher nach dem Gesetze seiner Güter und seiner Ehre nicht verlustig seyn. – Ihr seyd mein Gefangener – kein Lösegeld kann Euch retten, denn Ihr seyd auf ewig gebunden an mich durch die Fesseln der heiligsten Liebe. – (er wirft seine Waffen weg und sinkt zu den Füssen seines Vaters) . Heymon (beugt sich zärtlich über ihn hinab) O mein Sohn, mein Reinold. Alle . Heil, Heil dem Überwinder, und seinem Gefangenen! (Alle drängen sich um den alten Heymon, und führen ihn unter einem kriegerischen Marsche nach dem Schloße, während Ganelon mit seinen Leuten sich auf der andern Seite wüthend entfernt) . Ende des zweyten Aufzugs Dritter Aufzug I. Auftritt. Ein großer Platz zum Turniere eingerichtet. Im Hintergrunde erhabene Sitze. Vor diesen sind die Wappen der Turnierenden Ritter aufgestellt. – Volk ist versammelt, und die Schranken sind mit Wachen besetzt. Wie aufgezogen wird, ist ein feierlicher Marsch. – Zwey Herolde eröffnen den Zug, diesen folgen die Kreiswärtel und Kampfrichter, dann Knechte mit Fähnlein. Nach diesen kommen 2 reichgekleidete Edelknaben, der 3te trägt eine goldene Krone auf dem Kissen, hinter ihm geht Karl, dann Klarisse mit Damen. – Nach diesen Ganelon gerüstet, und die turnierenden Ritter – den Schluß machen Reisige. Alle nehmen die ihnen nach der Rangordnung zukommenden Plätze. Die Krone, als der Siegespreiß wird Klarissen übergeben. Karl und Ganelon treten vor. Karl . Beruhiget Euch Ganelon, die unbedeutende Niederlage, die Ihr durch Heymons Söhne erlitten habt, soll nicht im geringsten weder meine Liebe, noch die Achtung mindern, die ich für Eure Tapferkeit habe. Schon ist Befehl an alle meine Vasallen ergangen. Mit Heeresmacht sollt Ihr diese Verhaßten überziehen, sobald das Turnier geendigt ist. Kommt, laßt uns nun mit ruhigen Herzen dem frohen Schauspiel beywohnen. Er besteigt den Thron – Ganelon geht zu den übrigen Rittern. Zwey Herolde treten vor, und geben durch einen Trompetenstoß das Zeichen zum allgemeinen Stillschweigen. Ein Herold . Wackere Ritter und Herren, aus den Hände der schönen Prinzessin von Gaskogne, Klarisse, erhält der Sieger jene goldene Krone, und da ihr Verlobter, Graf Grisson, auf der Reise hieher Todtes verblichen ist, auch ihre Hand, wenn er Ihr ebenbürtig, und von dem Fräulein freywillig zum ehelichen Gemahle erkiesen wird. Ganelon . Doch bleibt mir als Klarissens Vormund frey, mit jedem Ritter zu kämpfen; denn nur wenn er an Stärke und Gewandtheit mir gleich kommt, werde ich ihn für ihren Verlobten erkennen. Man gebe das Zeichen. Trompetenstoß – alle Ritter treten in die Schranken, und stellen sich nach ihrer Verneigung vor Karln und Klarissen an ihre Plätze. – Das Turnier beginnt – Ganelon kämpft mit dem ersten Ritter mit dem Schwerte; mit dem zweyten beginnt er den Kampf mit dem Beile, so überwindet er alle, und wird jedesmal mit Trompeten und Pauken als Sieger bewillkommet. Ganelon . Noch gelang es keinem der Ritter, mich zu besiegen – keiner ist noch würdig gewesen, Klarissens Hand zu erhalten. Ist noch einer unter Euch, der den Kampf beginnen will, so bin ich auf den dritten Trompetenstoß seiner gewärtig. (dreimaliger Trompetenstoß)   II. Auftritt. Vorige , Reinold , Malegys . Reinold ist in einen elenden rostigen Küras gehüllt – sein ganzes Aussehen trägt das Gepräge eines armen fahrenden Ritters. Malegys ist als alter Mann in einen schlechten Kittel gehüllt, er trägt eine Krüke. Reinold, der sich ganz entkräftet stellt, stützt sich auf ihn, beide wanken erbärmlich daher. Ganelon . Niemand meldet sich – für heute gnädigster Herr bleib ich Sieger. Reinold . Noch nicht, Herr Ritter – laßt doch auch mich Theil an dem Kampfe nehmen. Ganelon . Euch? – ha des drolligen Einfalls. Reinold . Spottet nicht vor der Zeit – wenngleich Krankheit und Wunden meinen Körper siech gemacht haben, so habe ich doch schon manchen wichtigen Strauß bestanden. Kampfrichter . Könnt Ihr Eure edle Herkunft beweisen? Reinold . Ich kann es – zwar hindert mich ein Gelübte, Stand und Nahmen zu sagen, aber auf mein bekreuztes Schwert beschwöre ich meine edle Geburt. Ganelon (zu Karln) . Des Sonderbaren willen, bitte ich Euch selbst gnädigster Herr, mir den Kampf zu erlauben. Man öffnet die Schranken. Reinold wankt matt hinein – alle umgeben ihn mit lautem Gelächter. Kampfrichter . Die Wahl der Waffen ist Euch überlassen. Reinold . Es wäre Schade um des Ritters schöne Rüstung, wenn sie durch Beil oder Schwerthiebe verdorben würde; wir wollen uns daher des Spasses Willen im Ringen üben. Ganelon . Ja wohl des Spasses Willen, seht Euch aber vor, daß ich Euch Eure Glieder nicht ganz zerdrücke. Malegys (der im Vorgrunde blieb) . Dein Spott soll dir noch theuer genug zu stehen kommen. Ganelon . Man gebe sogleich das Zeichen. Trompetenstoß – beide ringen. Anfangs scheint Reinold zu unterliegen, aber endlich bedient er sich seiner wahren Stärke, er faßt Ganelon an, dreht ihn in den Wirbel herum, und schlägt ihn mit der Faust an den Helm, daß er in die Arme der umstehenden Ritter sinkt. Reinold (reißt das Schwert aus der Scheide) . König Karl, ich habe gesiegt, die Krone die du zum Siegespreiß bestimmtest, bedarf ich nicht, aber diesen schönsten Edelstein an deinem Hofe soll mir keine Macht mehr entreissen. (Er führt Klarissen hervor) . Wenn ihr aber den Sieger kennen wollt, dieser Schild wird Euch seinen Nahmen sagen. (er nimmt den Malegys einen mit Flor umwundenen Schild ab, schleudert ihn in die Mitte des Platzes und entfernt sich mit Klarissen. Alle eilen betroffen herzu) . Karl . Wer ist der Freche? Mir seinen Schild. (er reißt den Flor ab, wo dann Reinolds Nahmen mit goldenen Buchstaben steht) . Ha, Reinold von Dordogne! Fluch und Verderben über ihn! auf, eilt ihm nach, entreißt ihm die Prinzessin, tödtet ihn. Malegys . Daran will ich Euch hindern. (er winkt mit seinem Stabe, und entfernt sich. Die Bühne wird dunkel, der Donner rollt, Blitze leuchten, der Regen strömmt herab) . Chor . Weh o weh die Elemente Toben nun mit Schreckensmacht Fort entfliehet nun behende Sonst wird Tod euch dargebracht Hülfe, Rettung, welch ein Streich Flieht, Verderben folget euch. Die Turnierschranken stürzen zusammen. Reinold erscheint mit Clarissen auf einem Wolkenwagen mit einer großen Schlange, die einen hellfunkelnden Stern auf dem Kopfe hat, in der Luft, und fliegt mit ihnen fort. – Alle entfernen sich in der größten Verwirrung.   III. Auftritt. Eine ländliche Gegend – seitwärts das Haus des Berthold mit einem Taubenkobl. Berthold und Thadädl . Berthold . Der Himmel mag wißen, wo denn die Brigitte hingekommen ist? Du mein Gott, hat sich der arme Narr etwa gar aus Desparazion, weil sie der fremde Kerl von mir hat abwendig machen wollen, ein Leid angethan? Brigitterl, goldene, silberne Brigitterl gieb doch eine Antwort, wenn dich dein zärtlicher Bräutigam ruft (mit weinerlicher Stimme) liebe Herzens-Brigitterl! Thadädl . Was hat den der Meister für einen Lärm? Berthold . Halts Maul Bub, ich kann vor Angst nicht reden, ich zittre am ganzen Leibe wie ein naßer Hund, o meine arme Brigitterl! Thadädl (verstellt) . Ja die arme Brigitterl! Berthold . Weist etwan was von ihr, so sag doch. Thadädl . Die arme Brigitterl! Berthold . Thadädl, so red doch, ich kenne mich vor Angst nicht mehr. Thadädl . (bricht in lautes Weinen aus) Die unglückselige Brigitterl. Berthold . Bub red, oder ich häng dich und mich auf. Thadädl . Aber recht g'schieht den Meister, warum ist er so rabiat g'wesen, als wenn das was Unrechtes wäre, wenn sich ein Madl, bey einem alten Mann, um einen Chapo umschaut, das ist schon so in der Regel – Mit Thränen in den Augen hats mirs geklagt. Berthold . Was dann? Thadädl . Daß s' der Meister heurathen will – Nein, nein, daß s' der Fremde hat heurathen wollen, und sie ist doch so unschuldig. Berthold . Was soll ich denn aber thun? Thadädl . Ihr recht schmeicheln, daß sie wieder gut wird. Berthold . Wie kann ich ihr denn schmeicheln, wenn ich nicht weis, wo sie ist? Thadädl . So karessir halt der Meister derweil mit mir. Berthold . Geh mir aus den Augen. Thadädl . Ist schon recht, wenn der Meister grob ist, so sag ichs gar nicht, wo's ist. Berthold . Weißt du's denn? o du lieber Thadädl, komm her, ich muß dich küssen. (küßt ihn) Thadädl . (Nimmt ihn ungestimm beim Kopf) . Berthold . He he, du druckst mir ja den Kopf zusammen. Thadädl . Aus lauter Liebe Meister. Berthold . So sag mir nur, wo's ist? Thadädl . Nun, wo wirds denn seyn – da droben sitzts im Taubenkobel. Berthold . Bub halt mich nicht für einen Narren. Thadädl . Nein, der Meister ist eh schon einer, – aber im Ernst sie sitzt droben, und da hats gesagt, da wills so lang droben sitzen, und weinen, bis der Meister hinauf kommt, und bittet sie um Verzeihung. Berthold . O du mein Gott, das will ich ja recht gerne thun, – schmeicheln will ich ihr, und Bußerln geben, so lang ich mich rühren kann. (geht ab) Thadädl . Da würde sie weiter keine Freude drüber haben. Wenn ich nur den Alten auf den Wege bringe, hernach ist uns allen geholfen. Berthold . (Kommt mit einer Laiter, und lehnt sie an den Kobel) Da droben sitzt also der arme Narr, und weint? eine jede Thräne möchte ich ihr wegküssen – und was das für ein guter Gedanken ist, sich in den Taubenkobel zu verstecken, sie weiß halt, daß sie so sanft, und so gut ist, wie eine Taube – Ich kann gar nicht an sie denken, ohne daß mir das Herz vor Freuden lacht. Lied . O mein Schatz wärst du ein Täuberl Wär als Täuber ich dein Mann, Und du hörtest liebes Weiberl Wie verliebt ich gurren kann. Speisen dir ins Nestchen tragen, Wär die größte Freude mir, Fröhlich mit den Flügeln schlagen Würd ich Schatzerl neben dir. Wenn wir kleine Täuberln kriegen, So ein ganzes Nestchen voll, Würd ich stets um euch her fliegen, Und mir wär so leicht und wohl. Füttern wollt ich Kind und Weiberl Bis sich keines rühren kann; O du liebes goldnes Täuberl Sieh mich für dein Tauber an. (Er steigt die Leiter hinauf) . Thadädl (winkt während dem den Eintretenden) .   IV. Auftritt. Vorige , Brigitte , Martin . Martin . Ist der Alte gefangen? Thadädl . Ja, nur geschwinde, wenn ihr fortkommen wollt – ich mache mich aber aus dem Staube, sonst tanzt der Meister den Kehraus auf meinem Buckel. (ab) Berthold . Brigitterl komm doch heraus. Martin . Schau schau, wie geschickt der Alte das Nest ausnehmen kann; nun wart du sollst dich verwundern, wie der Falk dein Täuberl davon führt. (nimmt die Leiter weg) Berthold . He sag ich, Thadädl was thust denn? Martin (nachspottend zu Brigitte) . O du liebes goldenes Täuberl, sieh mich für dein Tauber an. Berthold . Was muß ich sehn? Brigitterl! – Martin . Ja s Täuberl ist ausgeflogen. Schau guter Freund, da muß man recht gut Acht geben, denn es giebt allzu viel solche Taubendieb in der Welt. Berthold . O ihr gottloses Volk, ihr habt mich schändlich betrogen. Martin . Mach er sich nichts draus, es geht ja mehr Leuten so. Berthold . Wenn ich nur hinab könnte. Martin . Das hat gute Wege, bleib der Herr nur sitzen droben. Komm Schatzerl, wir wollen ihm unser Abschiedskompliment machen, und wann er bey unserer Hochzeit Beystand seyn will, so wollen wir ihn schon vom Taubenkobel wieder holen lassen. Terzett .                   Martin . So legt man den Alten Schlingen Brigitte . Wenn die Lieb zu sehr sie quält, Berthold . Ha ich möcht vor Gall zerspringen Fürchterlich bin ich geprellt. Martin . Komm mein Schatzerl, laß dich küssen, Brigitte . O wie bin ich dir so gut Berthold . Lumpenvolk Ihr sollt es büssen Siedend wallt in mir das Blut Brigitte . Lieber Martin – Berthold . –   –   Falscher Bengel Martin . Herzigs Weiberl – Berthold . –   –   –   – Galgenschwengel Zugleich: Beide . Ja ich werde dir allein Ewig nur ergeben seyn. Berthold . Augenzeuge muß ich seyn Welche Marter, welche Pein Beide . Adieu lieber Meister, wir gehen itzt fort Weit kann er uns sehen, den hoch ist der Ort An ihn will ich denken, seys früh oder spät, So bald es recht froh bey mein Schatzerl mir geht. (sie tanzen ab) Berthold (schreit immer dazwischen vor Ärger) . Ihr Bagage Ihr Gesinde Freut Euch, wenn ich Euch wo finde Geht zum Henker, Lumpen geht Daß er Euch den Hals umdreht. Er macht komische Bewegungen, herabzukommen und schreit um Hilfe.   V. Auftritt. Vorige , Ogier , Knechte . (Knechte schleppen den Martin und Brigitten herein.) Ogier . Holla – wer lärmt so? sieh da, Meister Berthold. Alle . (lachen) Berthold . Laßt mich nur herab edler Ritter, daß ich den Kerl mit den Zähnen zerreissen kann – (Knechte lehnen die Leiter an, er steigt herab) . Martin . Das ist einmal gar keine Art, Herr Ritter, daß ihr euch in Familienangelegenheiten mengt. Brigitte . Laßt mich aus – ich muß in die Hütte. Berthold . (lauft um eine große Stange) Wart Spitzbub, das soll dein letzter Augenblick seyn. Ogier . (hält ihn zurück) Gemach, Berthold – was gieng hier vor? Martin . Was wird es gewesen seyn, ein kleiner Hausspaß, und sonst nichts. Ogier . Genug der Zänkereyen – ich errathe alles – Ihr Berthold sollt Euch schämen – in Eurem Alter noch verliebt zu seyn. Brigitte . Das hab ich ihm schon lang gesagt – aber er will es nicht glauben. Martin . Es ist eine Schande und ein Spott, was der Alte treibt. Ogier . Du aber Martin bist in meiner Gewalt, es kostet mich nur ein Wort, und du hängst am nächsten Baum. Martin . (für sich) Ich wollte, er wäre vor eine halben Stunde daran gehängt, so hätte – er uns doch itzt nicht aufhalten können. Ogier . Nur das kann dich retten, wenn du mir gelobst, mich in die Burg deines Herrn zu führen. Martin . Das ist ein Schelmstreich, und dazu bin ich nicht zu haben. Ogier . Nein, ich will mit dem alten Herzog Heymon sprechen, und ihn zur Nachgiebigkeit gegen Karln ermahnen – als dessen Freund gestattet man mir keinen Zutritt – habe ich aber einmal mit ihm gesprochen, – so hoffe ich zu seinem Edelmuthe, daß er mich wieder frey wird abziehen lassen. Martin . Dafür gebe ich Euch meine Ritter-Parolle – Wenns so ist, so führe ich Euch in das Schloß – aber Herr Ritter, das Madl bleibt bei mir. Ogier . Komm, darüber wollen wir noch weiter sprechen. Martin . Leb wohl Brigitterl, wir sehen uns bald wieder. Nichts für ungut, Herr Meister, wir zwey bleiben die Alten. (mit Ogier ab) Berthold . (wirft ihm die Mütze nach) Geh zum Henker – nicht ruhen will ich, bis der Kerl an einen Galgen hängt, der höher ist, als der Taubenkobel, und du Madel sollst mir so lange bei Wasser und Brod bleiben, bis du einstehst, was du mit mir für ein Glück machst (er sieht Brigitten an, welche weint) hörst mich oder hörst mich nicht? Warum giebst du mir keine Antwort? Brigitte (schluchzt laut) . Berthold . Itzt hör mir auf zum weinen, du weißt daß ich das nicht leiden kann – (für sich) Sie erbarmt mir halt doch wieder – Nun schau Brigitterl, ich habs ja nur inn Zorn gesagt. Brigitte . Ich bin ihm so gut gewesen – so gut – so gut. Berthold . Daß du sogar mit einem andern davon gelofen bist? Brigitte . Da hab ich ihn nur auf die Probe stellen wollen, ob er mich wirklich gern hat – aber die Behandlung hab ich nicht verdient. Berthold . So hör nur auf ich will ja wieder gut seyn. Brigitte . Ich bin ein ehrliches Madel. Berthold . Es ist dir alles verziehen. Brigitte . Ich hab ihn so lieb gehabt – aber das stoßt mirs Herz ab – (schluchzt laut) . Berthold . Brigitterl hör auf, sonst wein ich mit dir. Brigitte . Behüt ihn Gott – denk er öfters an mich – ich – ich – stürz mich ins Wasser (sie weint) . Berthold (weint mit) . Brigitte (fängt hell laut zum lachen an) . Berthold . (schaut sie betroffen mit großen Augen an) Itzt weiß ich nicht, foppt mich's Madel, oder ists vor lauter Kränkung närrisch geworden – Brigitterl – wie geschieht dir den? Brigitte . Recht gut, das sieht er ja. Berthold . Du hättest also nicht im Ernst um mich geweint? Brigitte . Nun das könnte mir einfallen – wenn ein Madel so einen alten Mann schön thut, so geschiehts nur, um einen Spaß mit ihm zu haben – aber laß er nur Zeit, wenn er mein Mann werden sollte, hernach will ich erst einen rechten Tanz mit ihm anstellen.           Bin ich lustig, muß er lachen Seufz' ich, muß er traurig seyn, Will er zanken, Lärmen machen Kann ich leicht ihn überschrein. Ich rumore wie Gespenster Schlag in Stücke Tisch und Fenster Dann bin ich nur sanft und froh Wenn ich scherz mit dem Chapo. Will er sich darüber rächen Lad ich die Nachbarinnen ein Dieß wird ihm den Kopf schon brechen Wenn die Weiber alle schrein. Nur bei artigen und Jungen Mässigen wir gern die Zungen Doch ein Alter hat nur Noth Denn wir ärgern ihn zu todt (trillert und tanzt ins Haus ab) Berthold . (Hat immer sprechen wollen, itzt bricht er in höchsten Zorn aus) . Ey du Schlange, welche Galle Ja so sind die Weiber alle, Falsche Katzen Schmeicheln krazen Uns belügen Und betrügen O ihr Hexen Ihr Gespenster D' Weiber sind bei meiner Treu – Was? – rare Dingerln doch dabei. (ab)   VI. Auftritt. Ein Gemach im Schlosse Montalban. Ritsart , Herzog Heymon . Ritsart . In der That liebster Vater, mir wird bange – weder Reinold, noch Malegys kehren von Turnier zurück – Wenn Ihnen ein Unglück begegnet wäre? Heymon . Das befürchte ja nicht – Reinolds Muth, und die weisen Kenntniße unsers Freundes Malegys vereiteln jede Gefahr. Aber wie soll alles das enden? entfernt nicht jeder Schritt den wir zu unserer Rettung unternehmen, uns immer mehr von König Karl? Ritsart . Sein Zorn ist ungerecht. Heymon . So lasset uns dagegen in der Erfüllung unserer Pflichten gerechter seyn – Ich rathe auf Ergebung in seinen Willen, besser die Welt bemitleidet uns, als daß sie uns mit ihrem Tadel belegt. (Trompetenstoß) Was ist das?   VII. Auftritt. Vorige , Writsart , dann Reinold , Malegys , Klarisse . Writsart . Sie kommen, unser Bruder, und Ritter Malegys kommen. Heymon . Ich freue mich, und ich fürchte mich zugleich, daß er durch eine rasche That den Zorn des Königs vermehrt habe. Reinold (und die übrigen treten ein) . Willkommen Vater – Gott zum Gruße liebe Brüder. (alle bewillkommen sich) Wünscht mir Glück, ich habe mein schönstes Ziel erreicht. (er schlägt Klarissens Schleier zurück) Seht hier meine Geliebte, und so Gott will, heute noch mein Weib. Heymon . Klarisse – seyd mir herzlich gegrüßt. Sohn wie wars dir möglich, sie aus Ganelons Gewalt zu befreien? Reinold . Erkämpft hab ich mir diesen Preis des Turniers, mein ist sie, und keines Menschen Macht soll sie mir wieder entreissen. Klarisse . Dein bin ich Reinold, dein auf ewig; doch fordere ich noch einen Beweiß deiner innigen Liebe zu mir. Reinold . Welch ein Wagstück wäre wohl zu groß, daß ich nicht deinetwegen unternähme? Klarisse . Wie mein Vater im letzten Todeskampfe lag, legte er zitternd meine Hand in Ganelons Rechte, er ernannte ihn zu meinen Schützer, er forderte einen Eid von mir, nur dann das Fest meiner Vermählung zu feiern, wenn Ganelon Augenzeuge ist. Reinold . Er mißbrauchte die Rechte, die dein Vater ihm gab. Klarisse . Aber mein Eid bleibt mir immer heilig. – Lieben will ich dich, Reinold, mehr als meine Seele, aber deine Gattin kann ich nicht werden, bevor nicht mein Eid gelößt ist. Reinold . Klarisse, du verlangst eine Unmöglichkeit. Malegys . Ich ehre ihren edlen Sinn – verzage nicht Reinold, ich werde dir Beystand leisten. – Schon ist mein Plan entworfen. Ganelon selbst wird in die Veste kommen, und deiner Verlobung beywohnen.   VIII. Auftritt. Vorige , Adelhart , Ogier , Martin . Adelhart (führt den Ogier, der in einen Mantel gehüllt ist, herein) . Freunde unter uns herrscht Verrätherey. Alle . Wie? Ogier? Adelhart (auf Martin deutend) . Dieser Bube hier führte ihn verkleidet in die Veste. Das Burgverließ werde sein Lohn. Martin . Aber so laßt Euch doch nur sagen, ich bin ja an allen unschuldig – er hat mich dazu gezwungen, und er hat gesagt, daß er eine gute Absicht dabei hat. Ogier . So ist es auch. Als Karls Freund würdet Ihr mir nie Zutritt gestattet haben, aber Gott ist mein Zeuge, ich bin auch der Eurige. Zweysprache will ich mit Herzog Heymon. Heymon . Wackerer Kampfgenosse, besorgt nichts von uns. Wir waren stets zu sehr Freunde, als daß ich Euch nicht ungestörte Sicherheit zusichern sollte. Ich errathe Euer Gewerbe – immer wart Ihr gern der Bothe des Friedens. Ogier . Das möchte ich auch nun seyn – aussöhnen möchte ich Euch mit Karln. Reinold . Hier meine Hand dazu, wenn es ohne Beleidigung meiner Ehre geschehen kann. Ogier . Durch Trotz werdet ihr nichts erlangen, nur Nachgiebigkeit kann noch helfen, und ich bürge Euch dafür, sein Herz – Heymon . Ist gut – aber Ganelon verführt es. Ogier . Dieser hat am längsten sein Unwesen getrieben. Ich habe Beweise seiner bösen Thaten, die ihm Karls Gunst entziehen müssen. Würde nur in dem Augenblicke, da er sich von diesem falschen Freunde hintergangen sieht, ihm Eure Unterwerfung bekannt – o so würde er Euch gewiß mit Freude aufnehmen. Heymon . Ogier! Freund – Ogier . Komm mit mir vor Karls Thron. Reinold . Nimmermehr. Heymon . Widersprich nicht – mit meinem Ogier will ich mich für euch zu Karls Füssen werfen. Reinold . Und wenn Gefahr Euch drohte? – Ogier . Wenn Euch das Wort eines unbescholtenen Ritters genügt, so gebe ich Euch hier meinen Handschlag. Euer Vater erwirkt Euch Versöhnung, oder ich kehre als Gefangener mit ihm zu Euch zurück. Heymon . Freund, du giebst mir neues Leben wieder. – Lebt wohl meine Söhne, das Schicksal wird unsere Schritte leiten – mein Herz sagt mir, wir werden uns bald glücklich wieder sehen. (geht mit Ogier ab, Martin folgt) . Reinold . Meine Segenswünsche geleiten Euch. Malegys . Seyd unbekümmert, ich werde Euch Geiseln für Euern Vater verschaffen, – um die Karl sein halbes Königreich entbehren würde. Geh nur Reinold, veranstalte alles zu deiner Vermählung, du weißt, daß ich gewohnt bin, in jedem Punkte mein Wort zu erfüllen. Reinold . Beruhige dich Klarisse, bald soll frohe Wonne allen Kummer unsers Herzens vernichten. (geht ab. – Trompetenstoß) .   IX. Auftritt. Vorige , Martin , dann ein Herold . Martin . Herr, laßt alles zu den Waffen greifen, in gedrängten Schaaren ziehen die Feinde heran – ein Herold, der mit verhängten Zügel heransprengte, verlangt Einlaß. Malegys . Man öffne ihm sogleich das Thor. Martin (ab) . Malegys . Seyd unbekümmert Freunde, dieses Schloß erobern sie nicht, und wenn sie Jahre lang davor liegen. Wir bedürfen keiner Waffen gegen sie, aber einen Scherz will ich mit den Helden üben, der ihnen und uns zur Kurzweil dienen soll – sie sollen einsehen, daß meine Macht nicht mit Gewalt der Waffen besiegt werden kann. Herold (tritt ein) . Im Nahmen Ganelons, und der 6 Mächtigen Pairs des Reichs, welche mit ihren Kriegern vor Eure Mauern rücken, fordere ich Euch auf, sogleich Eure Veste, und Euch selbst zu übergeben, wo nicht, so soll kein Stein des Schlosses auf dem andern bleiben, und schreckliche Strafe wird Euer Loos seyn. Malegys . Sage dem Ritter Ganelon und den Pairs, daß keine Memmen hier hausen, die man schrecken kann, wenn aber sie wahren Muth besitzen, so sollen sie sich sammeln vor den Mauern der Burg, wo ein einzelner Ritter sie zum Zweykampfe auffordern wird. – Dieß melde, und verliehre kein Wort mehr, wenn du nicht ins Burgverließ wandern willst. Herold (ab) . Malegys . Freunde, auf den Mauern der Burg mögt Ihr Zeuge seyn, welche Geiseln ich Euch für Euren Vater verschaffe. (ab) Adelhart . Was mag er vorhaben? Ritsart . Gleichviel, wenn es nur zu unserm Besten ist. Klarisse . Ich zweifle nicht daran; denn ich baue ganz auf seine Freundschaft. Writsart . Laßt uns vom Schicksal das beste hoffen. Rein sind unsre Herzen, und so kann sie auch keine Gefahr beugen. Quartett . Klarisse , Ritsart , Adelhart , Writsart . Nur der Bösewicht erbleichet Trifft ihn auch der kleinste Schmerz, Daß der Rächer ihn erreichet, Dieß erfüllt mit Angst sein Herz. Wer der Tugend stets ergeben, Zittert niemal vor Gefahr, Selbst der Erdball dürfte beben, Reicht doch Tugend Muth uns dar. (ab)   X. Auftritt. Das Äußere der Burg, mit einem grossen Thore vor dem ein offenes Fallgüter ist – die Mauren sind mit Kriegern besetzt, bei denen auch die Heymonssöhne erscheinen. Unter einem kriegerischen Marsche zieht Ganelon mit seinen Kriegern herein. Dann Malegys . Ganelon . Unerträglich ist die Kühnheit dieser Verruchten – Malegys fordert uns zum Kampfe auf. – Wir dürfen keine Mittel scheuen, ihn in unsere Gewalt zu bekommen; denn ist dieser unser, dann fallen auch Heymons Söhne. Wir wollen daher den Kampf annehmen, aber eh es ihm gelingt, sich seiner Zauberkraft zu bedienen, ihn überfallen und fesseln. Alle . Ja das wollen wir. (Trompeten in der Burg.) Ha, er kömmt, haltet Euch bereitet. Malegys (kömmt allein aus der Burg, er trägt eine Laute in der Hand – Martin trägt ihm Helm, Schwert und Schild nach) Malegys . Willkommen edle Ritter und Herren – seyd Ihr zum Kampfe bereitet? Ganelon . Wir sind es – wählt Euch euren Gegner aus den Ersten des Reichs. Malegys . Ihr seht, ich baue ganz auf Euren Biedersinn, und trete ohne Bedeckung in Eure Mitte. – Das Glück des Kampfes ist ungewiß, leicht kann ich unterliegen, laßt mich daher von dieser treuen Freundin hier (auf die Laute deutend) in Euren Beiseyn Abschied nehmen, und meinen Schwannengesang anstimmen. Ganelon . Es sey, aber fördert Euch. Malegys . Töne liebe Laute töne, Schaff mir nochmal Heiterkeit, Denn eh ich von dir mich trenne Sey dieß Liedchen dir geweiht. Ja, Musik hebt Herz und Sinn, Macht den Geist so froh und leicht, Selbst beym Wein und holder Minn' Wird von ihr uns Lust gereicht. Chor . Ja Musik u. s. w. Malegys . O wie wird das Herz so selig Durch der Töne raschen Lauf, Ja, es muntert uns so fröhlich Selbst zum lust'gen Tanze auf. Chor . Ja, es muntert u. s. w. Die Musik geht sehr lustig, alle machen unwillkürliche Bewegungen des Tanzes. Sechs kleine Mädchen, als Amoretten gekleidet, kommen aus dem Schloße – sie tanzen um die Ritter her, und nehmen ihnen die Waffen ab.                 Chor der Mädchen . Waffen könnt ihr schon entbehren, Hier vergießet man kein Blut, Stetten Frohsinn müßt ihr ehren, Immer lach euch froher Muth. Alle Krieger . Wir können nicht mehr widerstehen, Da frohe Musik uns umschallt, Und sollt ich ins Unglück auch gehen Es zieht mich zum Tanz mit Gewalt. Die Mädchen tanzen winkend in die Burg, die 6 Pairs folgen, das Güter fallt hinter ihnen zu. Ganelon (der immer seine Wuth bezeigte) . Ha! Verderben über Euch alle. Die Musik wird rauschender, obiger Chor wiederholt, und alle Krieger springen komisch herum. – Martin tanzt mit, und erwischt endlich den Ganelon beim Kopfe, den er mit Gewalt herumdreht, bis alle zu Boden sinken. Ende des dritten Aufzugs . Vierter Aufzug Das Theater stellt das Innere von Ganelons Zelt vor. I. Auftritt. Ganelon , Malegys . Ganelon sitzt an einem Tische, und schläft, neben ihn liegt Helm und Schwert. Die Musik geht in ein sanftes addagio über. Malegys (seinen Zauberstab in der Hand tritt langsam ein, und betrachtet ihn) . Melodram . Er schläft, aber seine Seele brüttet neue Plane der Bosheit. – Zu früh triumphirst du Bösewicht – dein Ziel ist bald abgelaufen – Hervor ihr gaukelnden Träume, verwirrt seine Sinne – täuscht seinen ermatteten Geist, daß er Wirklichkeit zu sehen wähne – und den Pfad betrette, den ich ihm vorgezeichnet habe. Arie .         Meine Macht soll stets mir nützen Bosheit straf ich fürchterlich, Die Verfolgten unterstützen Ist die gröste Lust für mich. So wird Dank mir stets zum Lohne Ich vertilg des Lasters Joch Wenn ich einst hier nicht mehr wohne Lebt mein Angedenken doch. (Während dem Gesange steigen mehrere Genien aus dem Boden aus, sie sind in Silber gekleidet, und mit Flügeln – in den Händen tragen sie Sinnbilder angenehmer, und fürchterlicher Träume.) Chor von sanften unsichtbaren Stimmen, verbunden mit dem Gesange der Genien.       Im Gebiete grauer Träume Wird das Täuschendste selbst wahr Und der Zukunft düstre Räume Stellen sich verwirklicht dar. (Reinolds und Klarissens Gestalt erscheinen in der Ferne, und schweben vor Ganelon vorüber) Ganelon . Ha seh ich recht? – Reinold! der Tod werde dein Loos – (er steht mit geschlossenen Augen auf, und ergreift sein Schwert) Klarissen will ich dir entreissen, bluten sollst du unter meiner Hand – Steh Luftbild – ich folge dir, und wenn es bis in den Abgrund der Hölle wäre! Chor der Geister, welche erscheinen, und Malegys.           Schreitte Böswicht immer weiter, Wenn du noch so sehr dich mühst, Bleibt ein Traumbild doch dein Leiter Bis du wachend wahr es siehst. (Die Geister schreiten vor ihm her, Ganelon folgt mit immer geschlossenen Augen – die Musik verliehrt sich stufenweise – in immer schwächeren Akkorden) .   II. Auftritt. (Eine ländliche Gegend – seitwärts ein Felsen.) Brigitte , Thadädl . Brigitte . Schau lieber Thadädl, mir ist leid um dich – aber ich kann dich nicht mit mir nehmen – ich geh itzt selbst in die weite Welt, und weiß nicht wo ich einen Unterstand finde. Thadädl . Ich werde schon noch ein Plätzl finden, die Welt ist ja groß genug für einen Menschen wie ich bin. Brigitte . Du hättest immer noch bei den Vettern bleiben können, dir ist es nicht so übel gegangen wie mir – aber mich hat er peinigen wollen, heute noch sein Weib zu werden, und eh ich das erleben will, bin ich ihm davon gelofen. Thadädl . Und auf mich haben heute noch tüchtige Schläge gewartet, weil ich ihn in den Taubenkobel hinauf gefoppet habe – und eh ich das erleben will, bin ich ihm halt auch davon gelofen. Brigitte . Wenn ich nur in der Gegend auswüste – ich habe mich da mitten im Walde verirrt – du lieber Himmel, wenn ich etwa über Nacht da bleiben müßte. Thadädl . Weis die Jungfer was, ich werde dort auf den Baum hinauf krachseln, vielleicht kann ich einen Weg durch das Gebüsch finden, ich werd's ihr schon sagen, wann ich was sehe. (geht ab) . Brigitte . Wenn ich nur den Weg zu meinen Martin wüßte – aber der hat mich auch gewiß schon lange wieder vergessen – er wird wohl auch keine Ausnahme von den andern Mannsbildern seyn; – Aber geh es itzt, wies geht, ich schau, daß ich nach der Stadt komme, dort höre ich, sollen die Madeln in einer kurzen Zeit ihr Glück machen, und gnädige Frauen werden, – das will ich auch probiren, und ich weiß gewiß, daß ich mich recht in den gnädigen Stand hinein schicken werde. Arie .       Wenn man mich Ihro Gnaden nennt, Ich hör es Augenblicks Und macht man mir ein Kompliment Dank ich nur mit ein Knix Um d' Kinder schau ich mich nicht um, Dafür ist das Gesind Ich spiel, und reit, und fahr herum Wo ich Vergnügen find. Den Mann schau ich nur selten an, Es wär, ich brauchte Geld Dafür liebkos ich den Galan So wills die Modewelt. Doch wird ein hübscher Bub mein Mann Stell ich das Foppen ein Und wenn ich ihn gut leiden kann So lieb ich ihn allein. Thadädl . (eilt herein) Jungfer Brigitterl! – ich hab einen Ausweg gefunden, – dort hintern Hügel ist ein Fußsteig. Brigitte . Das ist brav, wir wollen uns gleich auf den Weg machen.   III. Auftritt. Vorige , Berthold . Berthold (schleicht herein, er drückt seine Freude aus, sie gefunden zu haben, und bleibt im Hintergrunde) . Thadädl . Eh muß ich noch meinen Zorn an dem Meister auslassen, er kanns zwar nicht hören, aber mir geschieht leichter, wenn ich ihn recht aus mache (in die Szene redend) itzt kann er schauen, wo er einen Lehrbuben findet, der sich wieder prügeln laßt, er Grobian. Brigitte . So komm nur. Thadädl . Gleich – ich habs ihm noch nicht recht gesagt – hat er mich verstanden, er Saufaus, er alter Gimpel. Berthold . (War herangeschlichen, und nimmt ihn beim Ohr) Wart ich will dir eine Wegzehrung mit geben. Thadädl . Hat denn der Meister was gehört? es ist ja nicht so übel gemeint gewesen. Berthold . Von mir wirds auch nicht so übel gemeint seyn, wenn ich dich an der Stelle todschlage. Thadädl . Gieb sich der Meister keine Mühe, die Bewegung möchte ihm schaden. Berthold . An der Stelle geh mir aus den Augen Bub, und laß dich nicht mehr vor mir sehen. Thadädl . Da darf sich der Meister gar nicht fürchten, mir wär leid, wenn ich kein besserer Ort fände, als bei einem solchen Mann, der hint und vorn nichts kennt, als sein Weinkrügel – (er stellt sich ihm keck unter die Augen) hat mich der Herr verstanden? Berthold . Und sie saubers Musterl, sie will sogar ihren leiblichen Vettern davon laufen? einsperren will ich sie, und ihr gar nicht mehr die Gnad anthun, in sie verliebt zu seyn. (er zerrt sie mit Gewalt fort) .   IV. Auftritt. Vorige , Martin . Martin . Wer lärmt den hier so? – Potztausend sapperment, wirst loslassen verdammter Kerl, oder ich haue dich zusammen wie einen Frosch. Brigitte . O lieber Martin – er will mich einsperren. Martin . So? und warum denn? – ich werde gleich den Schiedsrichter machen. (stellt sich in Positur) Also heraus mit der Sprache – ich bin Euer Richter. Berthold . Sie ist mir Dankbarkeit schuldig. Martin . Ja da hat der Berthold recht – Madel den Mann mußt nicht vor den Kopf stossen (ihn auf die Achsel schlagend) denn er ist ein Kreutz-braver Mann. Berthold . Ich weiß nicht, hält mich der Kerl zum Narren, oder wo das hinaus will? – Ich hab sie sogar heurathen wollen. Martin . Da kann ich ihm auch nicht unrecht geben. Brigitte . Ich habe ihn aber nicht mögen, weil – weil ich mich in ihn verliebt habe. Martin . Ja, itzt muß ich dem Madel zulegen, denn das heißt den Richter auf seiner schwachen Seite angegriffen. Berthold . Sie ist mir davon geloffen. Martin . Das war gefehlt. Brigitte . Ich hab ihn aufsuchen wollen. Martin . Ach, hernach ists recht gewesen – Kurz um, Meister Berthold, er sieht, das Madel will ihn nicht, mach er einen Gescheidten, und laß er mirs, so kann er doch wenigstens seine Freude daran haben, wenns uns gut geht. Berthold . Ich wollte, daß er beim Henker wäre, er hat mir das Madel rebellisch gemacht. Thadädl . Gieb sich der Meister gutwillig darein – mit ihm wär ihr ja so nicht geholfen gewesen. Martin . Damit er aber sieht, daß ich ehrlich mit ihm handle, da sind silberne Würfel. Thadädl . Nun seyd so gut, und würfelts ums Madel, wie bei einem Krügelspiel. Martin . Es gilt, wer den ersten Pasch macht, dem gehört das Madel – und dem andern die silbernen Würfel. Thadädl . Weiß der Meister was, wir errichten eine Madellotterie – es darf keinen dabei bang seyn – es kriegt jeder einen Treffer. Berthold . Es gilt – nur her da, wir wollen gleich sehen, wer die Braut nach Hause führt. Quartett . Berthold . Hurtig laßet uns anfangen. Martin . Ey ich brenn schon vor Verlangen. Alle 4 . Das ist doch bei meiner Treu Eine neue Würflerey. Berthold . (wirft) Zweymal fünfe – einmal vier Martin . Fort, itzt ist die Reih an mir. Berthold . Ey du wirst sie nicht bekommen Thadädl , Brigitte . Stille, stille, laßt ihn gehn Martin . Hurtig itzt zusammgenommen Thadädl . Brigitte . Nur Geduld, wir werden sehn. Martin . (wirft) Dreimal sechs Berthold . –   –   –   Was soll das seyn Martin . Juhe! 's Madel ghört schon mein Alle 4 . Wenn auch Zorn und Ärger quälen Ist geschehen doch die Sach Besser ist es, sich verstellen Denn der Gscheidte, heißts, giebt nach.   V. Auftritt. (Starker Akkord. Aus einem Felsen kommen Zwergen und Zwerginnen hochzeitlich geschmückt, mit einen karakteristischen Tanze hervor) . Chor (zu Berthold) . Wir kommen zur Hochzeit, und laden ihn ein Er soll oben an als der Brautvater seyn Komm nur alter Datel, und mach dir nichts draus, Und führ mit uns lustig das Brautpaar nach Haus. (Sie umgeben Martin und Brigitten) . Alle . Schon hebet zum Tanze das Füßerl sich auf, Nur frisch Musikanten, spielt lustig darauf. Es muß um ein Hochzeit was spaßigs wohl seyn, Drum tanzen so viel in den Ehstand hinein. Alle tanzen ab, Berthold und Thadädl wallen unter komischen Sprüngen hinten drein.   VI. Auftritt. Prunksaal im Schlosse Montalban. – Aus den Nebengemächern tönt rauschende Musik. Die gefangenen Ritter treten ein. 1ter Ritter . Was werden wir hier zu erwarten haben? alles athmet Fröhlichkeit, als ob kein Feind vor den Mauern läge, und über unser Schicksal läßt man uns gänzlich in Ungewißheit. 2ter Ritter . Es wird uns nichts anders bevorstehen, als Gefängniß, oder ungeheures Lösegeld. 1ter Ritter . Stille, man kömmt, nun wird unser trauriges Schicksal entschieden.   VII. Auftritt. Vorige , Reinold , Ritsart , Writsart , Adelhard , Malegys , Klarisse , Damen , Gefolg . Die Flügelthüre öffnet sich, Reinold und Klarisse treten ein, diesen folgen 6 Damen als Amazonen gekleidet – eben so viele Jünglinge zum Fackeltanz. Dann die übrigen Ritter. Lauter Jubel: Lange lebe das Brautpaar! Reinold . Nehmt meinen Dank für Eure Theilnahme. – Willkommen edle Herren, willkommen in Montalban. 1ter Ritter . Es ist unedel Reinold, daß Ihr unserer Lage spottet, da doch nicht die Gewalt der Waffen, sondern eitles Zauberwerk uns hieherbrachte. Malegys . Verzeiht mir diesen Schwank, edle Männer – aber ich wünschte so sehnlich Euch bei mir zu Gaste zu haben, und auf eine gewöhnliche Einladung wäret Ihr sicher nicht gekommen. Reinold . Ihr irrt Euch, edle Herren, wenn Ihr uns arge Absicht zutraut, oder Euch gefangen wähnt. Als Geisel für meinen Vater hätte ich Euch behalten können, aber das sey ferne von mir. Man gebe ihnen sogleich ihre Waffen wieder. (Reisige bringen ihre Waffen) 2ter Ritter . Wie Reinold, wärs möglich? Reinold . Ihr seyd frey, sonder aller Gefährte – wollt Ihr mir aber gefällig seyn, so verherrlichet heute durch Eure Gegenwart den Tag des Wiedersehens, und morgen das Fest meiner Verlobung. 1ter Ritter . Reinold, wie sehr haben wir Euch verkannt. Reinold . Bei Gott, das habt Ihr – das hat auch König Karl. – 2ter Ritter . Euch mit ihm auszusöhnen, schwören wir Euch bei unserer Ritterehre. Reinold . Habt Dank, meine Freunde, und zum Beweise, daß das Stückchen Eurer Gefangennehmung Euch mehr ergötzte, als verdroß, überlaßt Euch ungestörter Freude. (er winkt) Die Ritter und Damen stellen sich auf die Seite – der Fackeltanz beginnt.   VIII. Auftritt. Vorige , Ganelon . In den Fackeltanz fällt rauschende Musik ein – alle treten erstaunt zurück. Gnomen treten mit Tambourins tanzend ein, tragen eine Hängematte auf Stangen, die sie niederstellen, und herumtanzen.             Ritter und Damen . Ha was werden wir da sehen? Welch ein Anblick stellt sich dar? Malegys . Was ich sagte, ist geschehen Weil mein Wort mir heilig war. Chor . Weil sein Wort ihm heilig war. Malegys . Öffnet nur die Matte, Freunde! Und was keiner noch vermeinte Stellet sich ihm sicher dar. Sie öffnen die Matte, und Ganelon liegt schlafend in Fesseln – er springt auf und eilt verwirrt umher – alle lachen ihn aus. Ganelon . Fluch und Verderben über euch! Alle . Ganelon! – das ist recht schön Unsern Todfeind hier zu sehn. Ganelon . Schreckliche Rache soll Euch treffen. Malegys . Kränkt Euch nicht, Herr Ritter, es war ein lustiger Schwank, den ich mit Euch vorhatte. Ganelon . Schändlich bin ich in Eure Gewalt gerathen. Reinold . Das seyd Ihr nicht; denn von diesem Augenblicke an seyd Ihr frey. – Wir bedurften Euer nur als Augenzeugen meiner Verlobung mit Klarissen. Ganelon . Nimmermehr. Reinold . Euer Widerspruch frommt nichts. – Mein ist sie vor Gott und der Welt. Ganelon (wüthend) . So will ich dieses Bindniß verhindern. (er streckt sein Schwert zwischen beyde) . Seyd so lange getrennt, bis mein Schwur erfüllt ist. Bey der Leiche von Klarissens Vater, bei dem letzten Augenblicke des Sterbenden schwöre ich, daß sie nie seiner Umarmung sich freuen soll, bis nicht Reinold mich im Zweykampfe sonder Zauberei und Gefährde überwunden haben wird – bis dahin erkläre ich sie in Beysein aller Ritter als Reinolds Witwe – so er aber dagegen handelt, oder den Kampf mir versagt, schelte ich ihn eine ehrlose Memme. (wirft den Handschuh hin) Reinold (hebt ihn auf) . Hartherziger, schändlicher Mann! dein Wunsch sey erfüllt – hinaus, hinaus ins Freie; denn nur der Tod des einen kann die Ruhe des andern gründen. Ganelon (streckt ihm die Hand dar) . Ihr erscheint? Reinold (schüttelt sie) . Ich erscheine. Ganelon . Meine Rache erwartet mit Sehnsucht ihr Opfer. (er stürzt fort) Klarisse . O mein Reinold! Reinold . Bald sehen wir uns wieder. Malegys (gürtet sich sein Schwert ab) . Im rechtlichen Kampfe darf meine Macht dir nicht nützen – aber nimm dieses Schwert zum Siege, und zum Andenken meiner Freundschaft. Keine Zauberkraft beherrscht es, aber siegreich führte ich es in den Kämpfen meiner früheren Jahre – Flamberg hieß ich es, weil es stets fürchterlich im Antlitze der Feinde flammte – in deiner Faust wird es seinen Ruhm nicht verliehren. Reinold . (schließt seinen Arm um Klarissen und Malegys) . Leb wohl Klarisse – Liebe und Freundschaft sollen mich mit unüberwindlichem Muthe beseelen. (mit Malegys ab)   IX. Auftritt. Zelt wie im 1ten Auftritt. – König Karl tritt ein, ihm folgen Heymon und Ogier . Karl durchblättert Schriften, und setzt sich gedankenvoll nieder. – Ogier und Heymon bleiben am Eingange stehen. Karl . Es ist bey Gott schmerzhaft, sich so hintergangen zu sehen – Ganelon, Ganelon – du hast mein Zutrauen schändlich mißbraucht – zwar machen dich diese Thaten nicht zur Strafe der Gesetze geeignet, aber meine Liebe zu dir ist aus diesem Herzen verbannt – Ogier! Ogier . Gnädigster Herr! Karl . Ich danke Euch für die Bekanntmachung dieser Unternehmungen, obschon mein Herz dabei leidet; denn ich habe dadurch einen Freund verlohren, in dem ich eine feste Stütze zu haben glaubte. Ogier . Sein Verlust wäre so leicht zu ersetzen. Karl . Ich verstehe Euch, aber nein, nein, ich kann nicht! – ich habe zu viel in meinem Neffen verlohren. Heymon (sinkt aus seine Kniee) . Verzeihung gnädigster König. Karl . Steht auf – gerne würde ich Euch die Hand zur Versöhnung bieten, wenn nicht Ludwigs Blut an der Eurigen klebte. Heymon . Nein, sie ist rein von diesem Blute – lange schon hegte Euer Neffe Groll gegen meine Söhne, durch Ganelon dazu verleitet, wie Euch diese Schriften erklären. – Es war Nothwehr, die Reinolden zum Mörder machte, und diese verdient keine Straffe. Karl . Aber doch umsomehr seine Widersetzlichkeit? Heymon . Ist nicht Selbsterhaltung die heiligste Pflicht des Menschen? Habt Ihr nicht meine Söhne vertrieben, alles Schutzes beraubt? Was blieb ihnen übrig, als in ihren inneren Kräften Schutz gegen Eure Härte zu suchen? Würden sie wohl minder schuldlos seyn, wenn ein Mann wie Ogier sich ihrer annimmt? Ogier . Bei Gott, kein Wort wäre mir über meine Lippen gekommen. Karl . Könnt Ihr auch ihre letzte That beschönigen? Namen sie nicht die Ersten meines Reichs durch Malegys Zauberkunst gefangen? schmachten nicht diese Edlen, denen sie Achtung schuldig sind, in ihrem Gefängnisse? Nein, bei Gott! diese Frevelthat kann nicht ungeahndet bleiben. (Tumult von außen) Was soll das?   X. Auftritt. Vorige . Die Ritter . Karl . Wie? seh ich recht? Ihr seyd frey? 1ter Ritter . Wir waren nie gefangen, gnädigster Herr, wir sind vielmehr die Freunde der Söhne Heymons geworden; bei Gott, wir alle bezeugen, daß sie edle Mannen sind. Karl . Wollt Ihr denn alle mein Herz bestürmen? Heymon . Seht mich noch einmal zu Euren Füssen – verzeiht meinen Söhnen, und sie werden unerschütterliche Stützen Eures Reiches werden.   XI. Auftritt. Vorige . Ganelon . Ganelon (sieht den König) . Wie? Ihr seyd hier gnädigster Herr? Karl . Zwar nicht als Euer Richter, aber auch nicht mehr als Euer Freund – diese Briefe zeigen wider Euch – Ihr wart der Verführer meines Neffen, und verleitetet ihn zu einem Haße, der die Quelle seines Todes war. Geht, meidet mein Antlitz. Ganelon . Nun denn, so hat sich das Schicksal gegen mich verschworen! nur ich allein stehe noch da, beseelt von unbezwingbarer Wuth. – Zittere Heymon, du und deine Söhne sollen dennoch mein Opfer werden. – Ha die Trompete tönt – euer Todesurtheil schallt durch die Lüfte – auf, auf! um mich in euren Blute zu baden. (er stürzt wüthend fort) Karl . Kommt, ich will Augenzeuge des Kampfes seyn, und dann mein Urtheil nach Recht und Billigkeit fällen. (Er geht fort von Ogier und Heymon begleitet.– die Ritter bleiben zurück.) Feierlicher Chor . Schicksal lenk des Edlen Waffen Stärke seine Brust mit Muth, Übelthäter zu bestrafen Fließe nur des Bößwichts Blut, Bauet auf des Schicksals Stärke, Strafe folgt der Bosheit Werke. Und in dringendster Gefahr Reicht sie Schutz der Tugend dar. (alle ab)   XII. Auftritt. Das Äußere der Burg voll hoher Thürme, und Warten, kriegerischer Marsch – Reinold gerüstet, dann Ritsart, Adelhart, Writsart, Klarisse, Malegys, und Gefolge kommen aus der Burg, und bleiben auf dem Berge stehen – nur Reinold und die Knechte gehen herab – Von der andern Seite kommen Karl, Heymon, Ogier, Ganelon, die Ritter und Knechte – alle schließen einen Kreis. Reinold . Man ordne alles zum gesetzmäßigen Kampfe. Ganelon . Hinweg mit jeder Zeremonie, wie in offener Feldschlacht wollen wir beginnen, ich sehne mich nach dem Augenblicke, wo ich mein Schwert in dein Herz senken werde. Reinold . Man gebe sogleich das Zeichen. (Trompetenstoß – Ein fürchterlicher Kampf beginnt, unter voller Musik des Orchesters – wo endlich Reinold den Ganelon zu Boden schlägt.) Ganelon . Ha! weh mir! mein Fluch bleibt Euch zurück. (stirbt) . Alle . Heil, Heil dem Sieger (Trompeten und Pauken – Reinolds Freunde eilen vom Berge herab, und stürzen in seine Arme) . Karl . Wenn ihr meine Bedingniße erfüllt, so sey Euch meine Huld und Gnade gewährt; ihr entsagt jedem ferneren Vortheile durch Zaubermacht, und dem Roße Bayard. – Ihr bleibt mir und dem Reiche ergeben mit unerschütterlicher Treue, und zerstört sogleich dieses Schloß, das gegen meinen Willen entstand. Reinold (unschlüssig) . Malegys! Malegys . Euer Wohl war stets meine Absicht. (umarmt sie) Lebt wohl, ich kehre wieder in meine Wohnung zurück, bis neue Gefahren Euch umgeben. – Aber keines Menschen Macht vermag diese Mauern zu erschüttern. – Auf denn, Ihr mächtigen Bewohner der Elemente – verheert Euer Werk – und erbauet dafür ein Andenken von den Schicksalen der vier Heymonssöhne, und ihres edlen Roßes Bayard. (ab) Heftiger Sturm – Blitze leuchten, der Donner rollt, aus den Felsen strömmen Wassergüße hervor, unter prasselnden Getöse stürzt das ganze Schloß in Trümmer, und aus den Ruinen steigt kolosalisch die Bildsäule des Roßes Bayard empor, auf dem alle vier Heymonssöhne, jeder ein Fähnlein mit seinen Nahmen in der Hand, reiten. Die Sturmmusik geht in den rauschenden Schluß-Chor über. Schluß-Chor . Schnell vernichtet sind die Bande Der bisher'gen Zaubermacht Und es ist im ganzen Lande Ruhe nun zu Stand gebracht Treue nur soll stets uns leiten Treue gegen Fürst und Thron Und selbst für die spätsten Zeiten Bleibt ein Denkmahl unser Lohn. (Alle schließen eine passende Gruppe um Karln) . Ende des letzten Aufzugs .