Das Donauweibchen Erster Theil. Ein romantisch-komisches Volksmährchen mit Gesang in drey Aufzügen, nach einer Sage der Vorzeit für die k. k. priv. Marinellische Schaubühne von Karl Friedrich Hensler. Die Musik ist von Herrn Ferdinand Kauer, Musikdirektor.   Wien . Bey Joseph Kamesina. 1798. Personen:         Ritter Albrecht von Waldsee Hartwig , Graf von Burgau Bertha , seine Tochter Fuchs , Albrechts Waffenknecht Kasper Larifari , Zechmeister zu Waldsee Minnewart , Meistersänger auf Hartwigs Burg Jungfrau Salome , Berthens Erzieherinn Ritter Hans von Biberach Elisabeth , seine Schwester Ritter Alwart von Kaufingen. Junker Bodo von Triesniz Fräulein Hedwig von Lindenhorst Bruno , Hartwigs Burgvogt Hulda , das Donauweibchen, als:     altes Mütterchen.     Gärtnermädchen.     verschleierte Dame.     junger Ritter.     Anfrau des Hartwigischen Geschlechts.     Eremitin.     Köhlermädchen.     Wallfahrerinn.     Müllermädchen.     schwäbische Zitterschlägerinn.     Nixenköniginn. Lilli , ein Kind von 4 Jahren Erlinde , Lindane , Hirmione , Elissa ,     Nixen von verschiedenen Gewässern Ein Geist Ritter. Reisige und Knechte. Burgleute. Erster Aufzug Zweiter Aufzug Dritter Aufzug Erster Aufzug Erster Auftritt. Waldgegend. Im Hintergrund fließt die Donau. Es ist volle Jagd. Introduction . Das Riedhorn erschallt, Durchstreifet den Wald,     Verfolget das Wild mit zernichtender Wuth. Auf, rastet nur nicht, Bis Beute verspricht     Der stürzende Bär sich wälzend im Blut. (sie gehen weiter, das Jagdgetöne verliert sich.) Zweiter Auftritt. Ritter Albrecht kommt, verfolgt von einem Bären. Er setzt sich wider ihn, der Ritter wirft die Jagdlanze weg, zieht seine Klinge. Der Bär stürzt sich in die Fluth. Nach einem heftigen Donnerschlag erscheint über dem Wasser Hulda mit Lilli auf den Fluthen schwebend. Mehrere Nixen, die mit Pfeilen nach Albrecht zielen. – Schrecklicher Accord. Nixen . (drohend) Halt ein! Hulda . Dahin ist jene frohe Stunde,     Die ich in deinem Arm genoß. Als ich dich wiegte Mund an Munde,     In wonnetrunkner Liebe Schoos. Die Folgen davon kennst du nicht,     Vergesse nicht der Liebe Pflicht. (entferntes Jagdgetöne. Alles verschwindet auf einmal in den Fluthen. Das Jagdgefolge nähert sich von beyden Seiten) Chor . Das Riedhorn erschallt, Im rauschenden Wald.     Schon sättigt den Muth,     Das strömende Blut. Dritter Auftritt. Ritter Albrecht stützt sich auf sein Schwert, und starrt gedankenlos in die Fluth. Fuchs . Käsperle . Mehrere seiner Reisigen umgeben ihn. Albrecht . Welch' eine sonderbare Begebenheit! Was hab ich gesehen? Fuchs . Herr Ritter! was ist euch wiederfahren? Albrecht . (wie aus einem Traum erwachend) Wo bin ich? Ihr hier? Sahet ihr nichts, gar nichts? Käsperle . (sieht sich um) Ich seh nichts, als Bäume und Wasser. – Hagel und Wetter! Was ist euch denn? Seht ihr doch aus, als wenn ihr den St. Veittanz getanzt hättet. Albrecht . Wie vermag ich, jene wunderbare Erscheinung zu fassen? Käsperle . Erscheinung? – Da hätt' ich jetzt ganz andere Erscheinungen, wenn ich ein Bräutigam wär. Fuchs . Wunderbar! Herr Ritter! was ist euch begegnet? Albrecht . O das kann ich, das werd' ich nie entdecken. Knechte! seht ihr dort die Schloßthürme von Burgau uns entgegen schimmern? Eilet hinüber, und meldet meine Ankunft auf Hartwigs Feste. Fuchs . Und ihr, Herr Ritter! Albrecht . Weile noch hier, um meine Sinne zu sammeln; Spudet Euch – Ritter Hartwig möchte um mich besorgt seyn, ich werde langsam nachkommen – Käsperle! du gehest voran. Käsperle . Recht so, Herr Ritter! Ich geh voran. – Ist doch nichts angenehmers in der Welt, als der Vorreiter bey einer Brautwerberey zu seyn. – (ab mit den Reisigen). Fuchs . Traun! Ist doch so ein wohltätiges Wesen, Mann und Weib zusammen zu bringen, wo sich die Nachwelt auf gute Menschen freuen kann. Lied .         Ein braver Mann ist hochgeehrt, Er ist des Ruhms der Edlen werth.     Denn, was sein grosses Herz nur thut,     Ist ihm und allen Menschen gut. Drum werde auch ein braver Mann, So glücklich, als man werden kann.     Das beßte Weib beglücke ihn, Mit reiner Unschuld Liebessinn. (ab) Vierter Auftritt. Ritter Albrecht allein, setzt sich auf einen Rasen. Hulda . Albrecht . Ist mir doch, als wenn ich an diesen Ort hingezaubert wäre. Wie sehnlichst wünschte ich, über das Geschehene Auflösung zu erfahren. (Ein Wirbelwind rauscht vorüber, er springt auf.) Was ist das? Welch ein unsichtbares Wesen umschwebt mich? (Man hört über dem Wasser eine sanfte Melodie.) Hulda . In meinem Schlosse ist's gar fein, Komm, Ritter! kehre bei mir ein.     Mein Schlößchen ist gar schön gebaut,     Du findest eine reiche Braut. Albrecht . Was hör ich? Der Gesang scheint vom jenseitigen Ufer zu kommen; sollte wohl meine Braut hier lustwandeln, und so einladend singen? Hulda . Du weißt es nicht, wie gut ich bin, Mein Herz hegt sanften Liebessinn.     Viel Freyer buhlen nah und fern,     Und möchten mich zum Weibchen gern. Albrecht . (sieht sich um.) Sonderbar! woher tönt dieser schmelzende Gesang? Hulda . Was helfen alle Freyer mir, Mein Liebessinn steht nur nach Dir.     Nur deine Braut wünscht' ich zu seyn,     Komm, lieber Ritter! komm herein. (Bei den letzten Worten theilt sich die Fluth. Hulda erscheint, breitet ihren weissen Schleier auf, und setzt Lilli darauf.) Albrecht . Was seh' ich? Bist du die himmlische Sängerin, deren Silbertöne mich so entzückten? Wer bist du? Hulda . Kennst du mich nicht mehr? – Albrecht! du ruhtest einst so sanft in meiner Hütte, als dich ein furchtbares Gewitter überfiel, und dunkle Nacht Schrecken und Tod um dich her verbreitete. O Albrecht! ich schützte dich dazumal in meinen Armen, wiegte dich ein in süssen Schlummer, und der wohlthätige Schlaf goß Ruhe über deine sinkenden Augen herab. Albrecht . Was hör ich – sollte vielleicht – ha! ein schrecklicher Gedanke! Wer bist du? Hulda . Deine Freundin! Albrecht . Meine Freundin! (Er will sich nähern, man hört Leute kommen, die Wellen stürzen zusammen, Hulda verschwindet mit Lilli.) Fünfter Auftritt. Albrecht . Käsperle , mit ihm Bruno . Käsperle . Nur mir nach – nur mir nach – hier am Ufer der Donau haben wir ihn verlassen. Bruno . Eure Knechte begegneten mir auf dem Weg, als ich eben abgesandt ward von Ritter Hartwig, Euch entgegen zu eilen. Albrecht . Käsperle! du erinnerst dich wohl noch des reitzenden Mädchens, das uns so freundlich in ihre Hütte führte, als wir vor 4 Jahren in diesem Gehölze von einem Gewitter überfallen wurden? Käsperle . Wohl erinnere ich mich. Traun! ein schmuckes Dirnel, dem ihr wohl auch zu tief möget in die Augen geschaut haben. Albrecht . (beiseite) Ha – gerne möchte ich länger harren, um Aufschluß dieser rätselhaften Erscheinung zu erlangen. Doch bald muß ich diesen Ort wieder besuchen, um den Vorhang von der geheimnißvollen Vergangenheit wegzuziehen. (laut) Bruno! ich folge euch. (ab) Sechster Auftritt. Käsperle . Hernach Lilli , als ein Bauernmädchen. Käsperle . Das ist ja ein verdammter Streich – was muß denn meinem Ritter begegnet seyn? Lilli . (stürzt Händeringend heraus, schaut sich überall um) Ach! – er ist nicht mehr hier – wo werd' ich ihn finden? Käsperle . (erschrickt und geht ihr auf die Seite) Nun – was ist denn das? Wohin willst du denn? du Bagatellerl von einem Mädel! Lilli . Zu meinem Vater. Käsperle . Zu deinem Vater? Wer ist denn dein Vater? Lilli . Ach – ein vornehmer Ritter? aber hihihi! (schluchzt und weint in die Schürze) er will nicht mehr mein Vater seyn – er hat mich und die Mutter verlassen. Käsperle . Pfui Teufel! das ist nicht schön – (schluchzt laut) Das – das weiß ich gewiß, wenn ich so ein liebes Kind hätt, ich – ich wollt herzlich gern sein Vater seyn. Lilli . (steht vor ihn hin, und lacht ihn auf einmal aus) Hahaha! – hahaha! Käsperle . Nun! was ist denn das – Worüber lachst du denn? – Lilli . Über dich – mein dicker Larifari – Käsperle . (erschrickt) Woher weißt du denn, daß ich Larifari heiß –? (Sie lacht noch mehr) . Käsperle . Auweh – auweh! noch so jung, und schon so närrisch – wie heißt denn dein Vater, den du suchst? Lilli . (ernsthaft) Albrecht von Waldsee! Käsperle . Al–Al–Albrecht von Waldsee? Nun beim Wetter! das ist keine üble Bescherung für einen Bräutigam, der auf die Brautschau ausreitet. Du wirst dich vielleicht irren, liebes Kind! denn in dem Artikel ist gar leicht ein Irrthum möglich. Lilli . Ach nein – ich irre mich nicht. Er soll ja so eben durch den Wald gezogen seyn, hat mir die Mutter gesagt. Käsperle . (beiseite) Das wär ja ein verdammter Streich, wenn etwa da ein Einspruch in die Verlobung geschähe. (laut) Deine Mutter kennt also einen jungen Ritter, der sich Albrecht von Waldsee nennt? Lilli . Bist ein wunderlicher Kauz – er soll ja mein Vater sein, so muß ihn ja doch wohl meine Mutter kennen. Käsperle . Da hast du freylich wieder recht. (beiseite) Wenn das ein natürliches Menschenkind ist, so will ich heut noch auf den Blocksberg reiten. (laut) Und weiß deine Mutter, wohin der junge Ritter gezogen ist. Lilli . Freylich – er zog aus, um sich ein Weib zu hohlen. (schelmisch) Aber siehst du – so sind die Männer – wirsts wohl auch nicht anders gemacht haben, du dicker Schelm du! (mit dem Finger drohend) Käsperle . (beiseite) Brav! das Kind muß einen prophetischen Geist haben, es redt so vernünftig, als wenn's schon 16 Jahr alt wär. Lilli . Ja – ja – hör nur, was mir die Mutter von den bösen Männern schon erzählt hat. Ariette .           Es wechseln die Männer so schnell wie der Wind, Sie lieben und herzen manch reitzendes Kind.     Bald hierhin, bald dorthin, bald fern und bald nah –     Und dann ist für Mädchen das Unglück auch da. Sie schmeicheln oft jener, und lieben doch die, Sie schwören gleich Treue, und halten sie nie.     Ach – fliehet, ihr Mädchen! die Männer geschwind,     Weil Männer nur Männer – und falsch dabey sind. (ab) Käsperle . (allein) Gut! die kann schon früh den Männern den Text lesen, wie wird's erst gehen, wenn sie tausend Wochen alt ist. Ich muß nur meinen Ritter aufsuchen. – Nun der wird sich wundern, wenn ich von der herumwandernden Kleinigkeit Nachricht bringe. (ab) Siebenter Auftritt. Gemach auf Ritter Hartwigs Feste. Ritter Hartwig , mit ihm Meister Minnewart . Hartwig . Noch kömmt er nicht – wenn dem jungen Manne nur kein Unheil begegnet ist. Minnewart . Seyd ohne Sorgen, edler Herr! solche junge, rasche Männer halten sich gerne im Forst oder in Herbergen auf. Hartwig . Nun, Meistersänger! – wenn die Sache mit meiner Tochter richtig wird, so kannst du dich bald zu einem Hochzeitliedlein bereit halten – Minnewart . Je nun, edler Herr! daran solls nicht fehlen. Muß doch so ein rechtes Freudenleben seyn in dem lieben Ehestand. Hartwig . Daß ich alter Knabe schon Verzicht thun muß auf dieses Freudenleben. Minnewart . Ey so schweigt doch von eurem Alter; hat man gesundes frisches Blut, so freyt sich's auch im Alter gut. Bin doch so alt wie ihr, und könnte mich wahrlich aus lauter Liebesfeuer noch entschliessen, ein Weiblein zu nehmen. Hartwig . Bist ein Narr! was soll ein Weib mit einem solchen Invaliden anfangen? Dich heben und legen, wenn du Gicht und Podagra hast. Minnewart . Das nicht! wollt ihr traun noch genug Vergnügen zu verschaffen wissen. Wer in der Jugend haushälterisch war, darf im Alter noch spendabel seyn. Lied .                 Ja, wer ein holdes Weib gewann,     Den lohnt der Liebe Zeitvertreib. Wenn nichts mehr freut den alten Mann,     So ist's ein liebes, schmuckes Weib. Das beste Mittel in der Welt, Das Leib und Seel' zusammen hält,     Das ist ein Weib – folgt meinem Rath,     Nehmt Weiber – es hilft in der That. Hat man auch Podagra und Gicht,     Macht's Weib, daß man doch tanzen muß. Wenn uns der Wurm im Kopfe sticht,     Erfreuet uns ein süßer Kuß. Denn Weiberrat und Weiberkur Thun Wunder in des Manns Natur,     Das glaubt mir alten Praktikus,     Der ich das Alles wissen muß. (ab) Achter Auftritt. Hartwig allein, hernach Minnewart . Hartwig . Jetzt hört nur den alten Krämpler, wie fest ihm noch die Weiblein am Herzen liegen. (Man hört auf dem Wartthurm den Burgwächter blasen) Horch – was ist das? Hufschlag? Der Thürmer giebt das Zeichen zur Eröffnung der Schloßbrücke. (Er eilt zum Fenster) Es ist Albrecht, der Waldseer Graf – Minnewart . (eilend) Er kommt, er kommt, edler Herr! bey meiner Seele! ein stattlicher Mann! Hartwig . Eile Minnewart! hohle meine Tochter! Sie soll ihn willkommen heissen. Entdecke ihr aber noch nicht die Ursache seines Hierseyns – ich will sie damit überraschen. Minnewart . Wenn nur die Überraschung von keinen bösen Folgen ist. Denn eine Maus, die den Speck erblickt, läßt nicht mehr ab, ihn zu erhaschen, bis sie in der Falle gefangen sitzt. (ab in das Seitengemach.) Neunter Auftritt. Vorige . Ritter Albrecht . Albrecht . Herzlich willkommen auf eurer Burg, edler Hartwig! – Hartwig . (mit einem Handschlag) Dank euch, edler Ritter! ihr liesset uns lange auf eure Ankunft warten, Albrecht! Albrecht . Müßt mir verzeihen – als wir durch den Forst zogen, stießen uns Bären auf, auf die wir Jagd machten. Hartwig . Daß ihr nur glücklich und wohlbehalten hier seyd. – Hier kommt meine Bertha. Zehnter Auftritt. Vorige . Bertha . Salome . Minnewart mit einem Humpen. Bruno , einige von den Burgreisigen . Minnewart . Nur herein! nur herein! Bey einem solchen Willkomm muß man den Humpen nicht vergessen. Qui bene bibit, bene dormit . Albrecht . Herzlich willkommen, schönes Fräulein! ich empfehle mich eurer Gunst. (Bertha verneigt sich stillschweigend) . Salome . (mit einem Knicks) Wir danken euch recht demüthig, edler Herr Ritter! (leise zu Berthen) Hübsch aufrecht das Köpfchen – so schaut doch diesem Herrn auch freundlich ins Angesicht. Hartwig . Nun – meine Tochter! wirst du unsern Gast nicht willkommen heissen? – Bertha . Seyd – seyd uns herzlich willkommen! Hartwig . Nun – wie gefällt euch meine Tochter? Albrecht . Ein liebes, unschuldiges Geschöpf! Hartwig . Macht, daß ihr einander gefallt, so hat's keine Noth – sie soll euer Weib werden, wenn sie es anders werden will. Albrecht . Ich dank' euch, edler Mann! Hartwig . Darfst nicht roth werden, meine Tochter! ich muß dir's nur sagen, Ritter Albrecht ist zu uns auf die Brautschau herüber geritten. Minnewart . Hier, holdes Fräulein! thut einmal Bescheid auf die Gesundheit euers Bräutigams. (reicht ihr den Pokal) Bertha . Welches Bräutigams? Minnewart . Sollt ihn schon kennen lernen! ich denke doch, daß ihr nicht im ledigen Stande sterben wollt. Ein altes Kraut hat kein Gedeihn, man muß fein jung und zeitig frey'n. Hartwig . Heda, alter Versifex ! wenn du mit deinen Verslein angerückt kommen willst, so sing uns lieber ein Hochzeitliedlein. Minnewart . Topp! das soll seyn! hab' schon eine neue Weise gemacht, die ich euch vorsingen will. – Ich trinke auf das Wohlseyn unseres holden Burgfräuleins, und ihres Bräutigams! (trinkt.) Alle . Es lebe Braut, und Bräutigam! Salome . (sich verneigend) Der liebe Gott seegne ihr Beylager, und laß es gedeihen. Lied mit Chor . Minnewart . Die Liebe macht das Leben süß,     Und froh der Saft der Reben. Sie zaubern uns in's Paradieß,     Und sind zur Lust gegeben. Chor .  {   {  Die Erde ist ein Himmelreich, Sind wir an Wein und Liebe reich. Wenn man sich sanft im Arme wiegt,     In liebetrunkner Freude – Wer ist denn wohl so hoch vergnügt,     Als junge Eheleute. Chor .  {   {  Die Ehe ist ein Himmelreich, Liebt Mann und Frau sich treu und gleich. Es leb' das traute Hochzeitpaar     Im heil'gen Eh'standsbunde. Bald führen wir sie zum Altar,     Und seegnen diese Stunde. Chor .  {   {  Und lieben sie sich treu und gleich, So ist die Eh' ein Himmelreich. (Alle ab, bis auf Jungfrau Salome) Eilfter Auftritt. Salome allein. Salome . (mit einem züchtigen Knicks) Ih – dem Himmel sey Lob und Dank für diese glückliche Bescheerung. (weint in die Schürze) Ach, du lieber Gott! daß unser eins nicht auch früher dazu geschaut hat – hätt' in meiner Jugend so manchen Anstand gehabt, aber nein! da war mir keiner recht – Zwölfter Auftritt. Käsperle . Salome . Käsperle . (eilend) Da wär ich jetzt – wenn ich nur gleich meinen Ritter sehen könnte – denn der kleine Wechselbalg will mir nicht aus dem Kopf. Salome . Du lieber Himmel! wie kommt denn dieser Dickling in unser Gemach? Was wollt ihr hier, guter Freund! Käsperle . Zu meinem Herrn will ich – zum Ritter Albrecht von Waldsee. Salome . Wer seid ihr, guter Freund? Käsperle . Ich bin sein Zechmeister. Salome . (jubelnd) Sein – sein Zechmeister? ih du mein Gott! sein Zechmeister? Käsperle . Richtig – sein Zechmeister bin ich. Salome . (weint) Hihihi! wenn ich an meinen seeligen Zechmeister denke; – Käsperle . Sagt mir nur, wo ich meinen Ritter finden kann. Salome . (ebenso) Ach – das war ein stattlicher Mann – der liebe Himmel verleih ihm eine fröhliche Urstände. Käsperle . Das wünsch ich ihm auch – aber sagt mir nur, wo mein Herr ist, ich habe ihm Sachen von Wichtigkeit zu hinterbringen. – (will fort) Salome . (freundlich) Ey so harret doch, guter Freund! Ritter Albrecht unterhält sich jetzt mit seiner Braut – (nimmt seine Hand, streichelt sie) und wir beyde, ha, ha, ha – können uns ja einstweilen auch unterhalten. Käsperle . (beiseite) Auweh! da wird eine schlechte Unterhaltung ausfallen. Salome . Wie nennt ihr euch denn, edler Herr! Käsperle . Ich heiß Kaspar Larifari – Salome . (freudig) La – La – Larifari – nennt ihr euch? Käsperle . Larifari heiß ich – Salome . Ey du mein Gott! Lari– Larifari? (lacht verschämt) Ha, ha, ha! Käsperle . (äft sie nach) Wie könnt ich denn darüber lachen – wenn man über alle Larifari in der Welt lachen wollt, so brächt man's ganze Jahr das Maul nicht zusammen. Salome . Und ihr seyd Zechmeister beym Ritter von Waldsee. Käsperle . Zechmeister beym Ritter von Waldsee. Salome . Hi–hi–hi! das hat etwas zu bedeuten – ich hatte einst auch eine Liebschaft mit einem Zechmeister – ja – ja – das hat etwas zu bedeuten. Käsperle . Ich glaub, das hat nichts zu bedeuten. Salome . Ja, ja – da liegt offenbar des Himmels Wille darunter verborgen. (züchtig verneigend) Ach – hab' mich auch lange vor dem Ehstandsjoch gefürchtet – aber jetzt – je nun, wie der Himmel will – Käsperle . Das weiß der Teufel, was die Alte mit mir haben will. Salome . Bring euch auch ein reines, unschuldiges, jungfräuliches Herz mit. Käsperle . (beiseite) Ich muß nur machen, daß ich die Alte vom Hals krieg. (laut) Ihr seyd also noch ledigen Standes? Salome . Ach freylich – ich bin noch eine ehrbare sittsame Jungfrau – und wenn ihr gekommen seyd, edler Herr! die Last des ledigen Standes von mir zu nehmen – Käsperle . Nun ja – eben deßwegen bin ich da – (lacht beiseite) Salome . So sey es in's Himmels Nahmen, ich ergebe mich dem Willen des Schicksals – Laßt mich nur jetzt gleich den ersten Willkommungskuß auf eure Lippen drücken – (Sie nimmt ihn am Kopf) Käsperle . (schreyt) He – he – So laßt mich aus! das ist ja ein verdammter Streich! Salome . Der Himmel wird mir diese Sünde verzeihen und vergeben – aber ich kann nicht anders, es muß einmal seyn. – (geht verschämend ab) Dreyzehnter Auftritt. Käsperle , allein. Käsperle . Nun, brav! ich und mein Herr sind in einer saubern Wäsch drinn. Er reitet auf die Brautschau, und unterwegs finden wir eine lebendige Kleinigkeit, die sich seine Tochter nennt. In mich verliebt sich eine alte Jungfrau, die mich mit ihrer Liebe bombardirt. Ja – wann's noch ein hübsch Weibchen wär – Lied .         Ein Weibel, das jung ist, vergnüget den Mann,     Sie thut ihm ja freundlich gar sehr, Denn schaut man das Weibel kaum freundlich nur an,     So reckt sie das Göschel schon her. Da küßt sie so innig, da wird ein'm so warm, Da fliegt man dem Weibel auch gleich in den Arm. Und hat man auch Grillen – sie jagt sie hinaus –     Sie weiß ja wohl, wie? und warum? Und bringt sie ein freundlich Gesichtel nach Haus,     Wirds einem so gut um und um. Man thut ihren Willen in jedem Betracht, Der Teufel halts aus, wenn ein Weibermund lacht. (ab) Vierzehnter Auftritt. Gemach. Mitten ein Tisch mit einem blühenden Rosenstock. Bertha mit Salome . Salome . (mit Berthen) Ach – liebes Fräulein! mit uns Beyden ist es leider gethan – es ist richtig, alles ist richtig . . . Bertha . Ihr erschrecket mich, Jungfer Salome! was ist denn geschehen? – Salome . Wenigstens 8 Tage lang werd' ich auch, wenn ich heurathe – um meine verlorne Freyheit Thränen vergiessen müssen. Bertha . Also nur 8 Tage muß man weinen, wenn man heurathet? Je nun! das kann ich ja auch thun, wenn es seyn muß. Hilf, Himmel! da kommt der fremde Ritter. Fünfzehnter Auftritt. Vorige . Ritter Albrecht . Albrecht . Störe ich vielleicht eure Unterredung durch meine Gegenwart, so komme ich ein andermal. Salome . (hält ihn zurück) Ey! ey! wozu ein andermal, wenn man ein gutes Werk gleich verrichten kann. (leise zu ihm) Werde euch wohl allein lassen müssen, hahaha – denn Liebesangelegenheiten lassen sich immer besser zwischen zwey abmachen, als wo die dritte Person Schildwache hält. (will fort) Bertha . (hält sie ängstlich am Rock zurück) Jungfer Salome! Salome . Nun – nun – schreyt ihr doch, als wenn man euch an's Leben wollt? Bertha . Ihr werdet mich doch nicht allein lassen? Salome . Ey, warum denn nicht? Solche Herren thun den Mägdlein nichts als alles Liebs und Guts. Bleibt ihr nur in's Himmels Namen hier. Bertha . (hält sie zurück) Nein! ihr müsset auch da bleiben, Jungfer Salome! Salome . Hahaha! Was wir doch für Kinder sind, wenn wir keine Erfahrung haben. Müßt euch daran gewöhnen, holdes Fräulein! es dürften wohl Augenblicke kommen, wo ihr die Jungfer Salome auf den Blocksberg wünschtet – ja, ja, auf den Blocksberg. (Bertha hält sie noch immer, sie entwischt ihr, und trippelt ab) Sechzehnter Auftritt. Albrecht . Bertha . Albrecht . Fürchtet ihr euch vor mir, holdes Fräulein? Bertha . (stotternd) Nein! ja – ja, ach nein! ich fürchte mich nicht. Albrecht . Seyd ihr mir gut, holde Bertha! Bertha . Ach ja – ich bin allen Menschen gut! Albrecht . (beiseite) Diese himmlische Unschuld! (laut) Wißt ihr auch die Ursache, warum ich auf eurer Burg bin? Bertha . Ja – ja – mein Vater hat mir schon etwas davon entdeckt – aber er hat auch gesagt – er würde mich nicht zwingen. Albrecht . Wie? mißfalle ich euch? Bertha . Ach nein! das gewiß nicht. Albrecht . So wollt ihr also mein Weib werden? (Man hört ein Gepolter, als wenn die Fensterscheiben zitterten. Donner. Beyde entsetzen sich) Bertha . O weh! was ist das? Albrecht . Welch ein sonderbares Getöse erfüllt dieses Gemach? (Nochmaliger Donner) Bertha . Der Burggeist! der Burggeist! (eilt Händeringend ab in das Seitengemach) Siebenzehnter Auftritt. Albrecht . Hulda als ein altes Mütterchen, an einem Stab einher wankend. Albrecht . Welch eine alte zusammengeschrumpfte Menschenfigur? Hulda . Ich grüße dich durch siebenmal und zweymal drey, lieber Edelritter! die Sonne steht in deinem Zeichen – dein Glück wird reifen und gedeihen. Albrecht . Was willst du mit dem allem sagen? Hulda . Daß du ein Glückskind bist. Albrecht . Noch weiß ich von keinem außerordentlichen Glück. Hulda . Wird schon kommen, wenn du vernünftig bist. Weiberglück – lieber Mann! Weiberglück! Die Weiber sind dir gut. Eine grosse Fürstin wird dir Macht und Reichtum mit ihrer Liebe schenken. Albrecht . Eine grosse Fürstin? Hulda . Gewiß und wahrhaftig! du hast eine Buhlschaft mit der Tochter dieses Schlosses? Lieber Edelritter! Habe sie immerhin – versäume aber darüber dein Glück nicht. Sieh, hier bringe ich dir ein Bildniß – du kannst es behalten. Albrecht . (betrachtet das Bild) Diese Züge sollte ich kennen. Und dieses Weib? Hulda . Wer sie ist, hast du gehört – wo sie wohnt? Du magst die halbe Welt durchreisen, so wirst du kein Schloß finden, welches an Pracht dem Schlosse der schönen Hulda gleicht. Albrecht . Du sprichst mit mir, wie mit einem Kind. Hulda . Ha, ha, ha! mehr als dreymal könntest du auch mein Sohn seyn. Albrecht . Das glaub' ich eben so gerne, als ich es nicht wünsche. Wer bist denn du, die du zur Gesandtschaft dieser schönen Fürstin auserkoren bist. Hulda . (weint) Eine unglückliche Mutter, die für ihr Kind einen Vater suchen muß. Albrecht . Für dein Kind einen Vater? Hulda . Ach, wenn du es sehen solltest, wie hold freundlich das Kind seinem Vater entgegen lächelt. – Erst viermal sah es die Bäume blühen. Albrecht . Und dieses Kindes Mutter wärest du? Und der Vater? Hulda . Ein holder Mann! Liebe schuff ihm Natur in das Herz – Liebe goß Wonne auf den Pfad seines Lebens – aber auch Liebe wird noch manche Stunde seiner Tage trüben; ach – wenn du es erblicken wirst, das holde Kind – die süsse Frucht meiner Liebe – Albrecht . (lachend) Traun! wäre doch begierig, von dir einen Sprößling zu erblicken. Hulda . Siehst du dort jenen blühenden Rosenstock – pflücke jenen keimenden Rosenknospen, der sich unter den übrigen schon aufgeblühten Blumen sittsam verbirgt. Albrecht . Wohlan! das will ich thun. (Er geht dahin, und bricht den Knospen ab. Sogleich verwandelt sich der Tisch in ein reizendes Schilfbett, worauf Lilli schläft.) Albrecht . Was seh' ich? Hulda . Meine Tochter! Albrecht . Wie? dieses reitzende, liebenswürdige Kind deine Tochter? Hulda . Wir sind hier, um dir, lieber Edelritter! ein Hochzeitsgeschenk zu überbringen. (ruft) Lilli! Lilli . (erwacht, und eilt zu ihrer Mutter – Sie hat eine goldene Spindel in der Hand) Mutter! hier bin ich. Hulda . Ritter! diese goldene Spindel übergeb' ich eurem Weibe zur Mitgift. – Diese Spindel ist ein Erbtheil meiner Urgroßmutter – ihre Wunderkraft wird euch und eure Nachkommen zu den Reichsten des Gaues machen. Albrecht . Wie kann ich meiner Wohlthäterin danken? Hulda . Wenn du ihr danken willst, so suche sie auf an dem Ufer der Donau – dort wirst du sie finden. Albrecht . An dem Ufer der Donau? – und die Wunderkraft dieser Spindel? Romanze .             Hulda . Frau Gertrud war im ganzen Land,             Als fleiss'ge Spinnerin         Bey Alt und Jungen wohl bekannt,             Groß war stets ihr Gewinn. Sie drehte das Rädchen bey Tag und bey Nacht, Da ward nun manch Fädchen zur Leinwand gemacht.         Einst als sie gieng so ganz allein,             Die Kleinen an der Hand,         Kam eine Frau im Mondenschein,             Schneeweiß war ihr Gewand. Hier nimm diese Spindel, sie spinnet nur Gold, Die Gottheit bleibt immer den Fleissigen hold! (Sie übergibt ihm die Spindel) Albrecht . Diese Spindel spinnet? Lilli . Gold – Gold! lieber Ritter! laßt nur fleissig damit spinnen, und ihr werdet reich und hochgeehrt werden im ganzen Land. Albrecht . (zu Hulden) Unbegreifliches Wesen! wer bist du – wie nennst du dich? Hulda . (wandelt sich um) Hulda, deine Wohlthäterinn! (Käsperle öffnet die Thüre. Hulda und Lilli verschwinden.) Achtzehnter Auftritt. Albrecht . Käsperle , sich entsetzend. Käsperle . Alle Donnerwetter! was hat das zu bedeuten? Ist mir doch nicht anders gewesen, als wenn die Zimmerdecke über mir einfallen wollt (sieht den Ritter) Was – was ist denn mit meinem Herrn geschehen? – (nähert sich ihm) Mit Gunst – ge – gestrenger Herr! Albrecht . (wie aus einem Traum erwachend) Was war das? wo bin ich? Käsperle . Im Zimmer steht ihr, als wenn ihr angenagelt wäret. Albrecht . Hast du hier nichts, gar nichts gesehen, Käsperle? Käsperle . Gesehen hab ich nichts – aber gehört hab ich was, daß ich bald das Zähneklappern gekriegt, und mein Bauch so dünn worden wär wie eine leere Waidtasche – Albrecht . Wunderdinge gehen mit mir vor, die ich nicht begreifen kann. Käsperle . Was wollt ihr denn mit der Spindel da in der Hand? Albrecht . Diese goldene Spindel ist ein Hochzeitgeschenk – Käsperle . Ich bitt' euch, Herr Ritter! stellet eure Hochzeit ein, denn zwey Weiber auf einmal werdet ihr doch nicht nehmen wollen? Albrecht . Zwey Weiber auf einmal? Käsperle . Draussen im Wald ist mir ein kleines, liebes Kind begegnet, das nach euch gefragt hat. Albrecht . Ein Kind! (in stummes Nachdenken versunken) Käsperle . (beiseite) Aha! er merkt schon was! (laut) Und das Kind hat seinen Vater gesucht. Albrecht . Seinen Vater – sagst du? Käsperle . Und hat g'sagt, daß ein gewisser Ritter Albrecht von Waldsee sein Vater wär. Albrecht . Wie? was – Schurke! (packt ihn) Käsperle . He! so laßt mich aus – was weiß denn ich von euren Spitzbübereyen, die ihr in eurer Jugend getrieben habt. Albrecht . Und das Kind! Käsperle . Ein allerliebstes Dingerl! es sieht auch aus, als wenn's euch wie aus dem Gesicht geschnitten wär. – Albrecht . (nach einer kleinen Pause) An dem Ufer der Donau soll ich sie finden? – Hinaus zur Donau, um dieses verborgene Räthsel zu entziffern. Käsperle! du folgst mir! – (ab) . Käsperle . (nachäffend) Käsperle! du folgst mir. – Komm schon nach. (allein) Nun – da seht's jetzt – wer hätte das von meinem Herrn Ritter geglaubt (weinend) Ich, ich sag' halt immer, wenn man ein Weibel hat, soll man's allein gern haben – und nicht solche Spitzbübereyen unternehmen. (ab) Neunzehnter Auftritt. Das Ufer der Donau, auf einer Seite eine Mühle, nahe dabey ein Baum. Auf der Seite der Mühle liegen mehrere Kornsäcke. Nixenchor . (sie schwimmen umher) Traute Schwester uns so theuer! Dich verzehrt der Liebe Feuer. Hulda! denn aus deinem Schooß Reißt man deinen Liebling los. (Hulda schwebt auf den Wellen, sie umgeben Erlinde und die übrigen Nixen.) Auf, froh und munter, Rühret die Glieder, Taucht auf und unter, Schwimmt hin und wieder. (sie verbergen sich unter den Fluthen.) Zwanzigster Auftritt. Albrecht . Hulda unsichtbar. Albrecht . Nun wandle ich hin und her an dem Ufer der spiegelhellen Donau – warte so sehnlich auf die räthselhafte Erscheinung –, und nur die zauberischen Töne, die mein Ohr heute früh schon entzückten, ziehen mich mit magnetischer Kraft hieher. Hulda . (unsichtbar aus dem Wasser, klagend) Albrecht! Albrecht! Albrecht . Was hör' ich – (die Wellen bewegen sich, er geht dem Ufer näher) Welche Klagstimme nannte meinen Namen? Sollte ein Mensch im Wasser verunglückt sein? oder – Hulda . (erhebt sich in den Fluthen, streckt die Hände nach ihm aus) Holder Albrecht! Komm in meine Arme! Albrecht . (bebt zurück) Wen seh' ich? Hulda . Deine Hulda! (Er streckt seine Arme nach ihr aus, beginnt hinab zu glitschen, und hält sich mit einem Schrey noch an dem Ast eines Baumes.) Ein und zwanzigster Auftritt. Albrecht . Käsperle mit Bertha . Käsperle . Kommt nur mit mir, holdes Fräulein! werden ihn schon finden. (Wie diese kommen, verbirgt sich Hulda, und man hört ein dumpfes, donnerartiges Gemurmel, bis endlich das ganze Gewitter ausbricht.) Bertha . (zu Albrecht, der immer in die Fluth sieht) Um Gottes willen! Ritter Albrecht! was ist euch? Albrecht . Fräulein! seyd ihr schon lange hier? – Käsperle, sahest du nichts, gar nichts? Käsperle . Habt's schon wieder so eine verdammte Erscheinung gehabt – ich sieh' und hör nichts – Bertha . Ach – Albrecht! ich ahnde fürchterliche Dinge. Vielleicht war es ein Spiel von der Donaunixe. Albrecht . (staunend) Donaunixe? Bertha . Die Leute wissen gar viel von ihren Kunstgriffen zu erzählen, mit welchen sie die Leute an sich zu ziehen weiß. Albrecht . Ich verstehe euch nicht. (Ein lautes Gelächter aus den Fluthen) Käsperle . (wendet sich um) Nun! was sind denn das für Kindereyen? Albrecht . Was ist das? Bertha . Kommt in die Burg. Hörtet ihr nicht hell auflachen. Das ist die böse Nixe – man nennt sie nur das Donauweibchen. (Lachen) Käsperle . So haltet euer Maul, ihr Wasserkröten! oder ich werf' einen Hutvoll Kieselsteine nach euch. (sucht Steine zusammen) Bertha . (will ihn fortziehen) O kommt! kommt, lieber Albrecht! und versprecht mir, nie wieder allein an dem Ufer der Donau zu lustwandeln. Albrecht . Jetzt erst empfinde ich, daß ich hart gefallen bin – ich fühle heftige Hüften-Schmerzen – (voriges Gelächter) Bertha . Schon wieder? hörst du! O Albrecht! sollte dieses Hohnlächeln vielleicht ein trauriger Vorbothe unserer ehelichen Liebe seyn? Albrecht . Schwärmerin! aber auch trotz deiner Schwärmerey so liebenswürdig! (ab. Allgemeines Gelächter in der Fluth.) Käsperle . (allein) Wartet, ihr verdammtes Wassergesindel! ich will euch die Gurgeln zustopfen. (Er wirft Steine in das Wasser, sogleich erhebt sich ein fürchterlicher Sturm, Donner und Blitz. Die Nixen erscheinen auf den Wellen, und zielen mit Pfeilen nach ihm.) Chor .         In dem Wasser, in den Lüften, In der Erde finstern Grüften     Wohnen wir – drum hüte dich! Red' von Nixen nicht vermessen, Wirst du deine Pflicht vergessen,     Rächen wir uns fürchterlich. Käsperle . Das Beßte wird seyn, wenn sich der Larifari da aus dem Staube macht. (Er will sich davonschleichen.) Geisterchor .         Larifari! Larifari! (Ein Sack steht nach dem andern auf, und trippelt vor Käsperle hin, der ängstlich zurückweicht)         Harre hier an diesem Ort, Denn du kömmst von uns nicht fort. (Sie haben ihn in der Mitte, auf einmal lösen alle die Säcke bis an die Schultern, die Geister tanzen um ihn einen Kettentanz, er entschlüpft ihnen, retirirt sich auf den Baum, dieser verwandelt sich in ein Windmühlen-Rad, woran Käsperle unter lautem Geschrey herumgetrieben wird.) Allgemeiner Chor .     Ha, ha, ha! – ha, ha, ha! – In den Lüften um und um, Gehts mit ihm im Kraiß herum. Der Vorhang fällt. Zweiter Aufzug Erster Auftritt. Gemach auf Hartwigs Feste. Albrecht sitzt in einem Lehnstuhl. Minnewart neben ihm. Salome mit einer Kohlpfanne. Fuchs . Minnewart . Wird euch bald leichter werden, edler Herr Ritter. Meine Pflaster haben schon Wunder gewirkt. Salome . Aber so bitt' ich euch doch, gestrenger Herr! was ist euch denn widerfahren? Albrecht . Ein bloßer Zufall! Ich wollte an dem Donauufer eine Blume brechen – die lockere Erde wich unter meinen Füssen – Zweyter Auftritt. Vorige . Käsperle . Käsperle . (springt herein, ausser Atem) Auweh! auweh! das weiß der Teufel, was mit mir geschehen ist. (hält den Kopf) Ich weiß nicht, hab' ich meinen Kopf noch, oder hat mir ihn der Wind davongetragen. Minnewart . Woher kommt ihr so eilend, guter Freund! Käsperle . Von dem Meister Lucifer. Fuchs . Was ist euch begegnet, seht ihr doch aus, als wenn das wilde Heer sein Wesen mit euch getrieben hätte. Käsperle . Ja – das wilde Heer! die Teufelsnixen haben mich für einen Narren gehabt. Albrecht . (winkt ihm) Käsperle! Käsperle . So! jetzt soll ich nicht einmal davon reden? was hat denn hernach das Lachen und Ausspotten, und die verdammte Spazierfahrt auf der Windmühle zu bedeuten gehabt? Salome . (ihn am Kinn ergreifend) Ich freue mich nur, daß euch kein Unheil begegnet ist, mein edler Herr Zechmeister! Käsperle . Jetzt geh sie mit ihrer Kohlpfann, sie alter Backofen! Salome . Hilf gütiger Himmel! da hättet ihr können schön ankommen, edler Herr! wenn ihr etwa in die Donau gefallen wäret? Minnewart . Wenn euch das Wasserweibchen erwischt hätte, ihr wäret des gähen Todes gestorben. Die Donaunixe treibt ihr Wesen allenthalben. Albrecht . Eben recht! Meister Minnewart! ihr seid ein studierter und gelehrter Mann. Sagt mir doch, was denkt ihr von dem Spucke, den man sich hier in der Gegend von dem Donauweibchen erzählt? Minnewart . Es ist alles Wahrheit, edler Herr! gar viele Menschen haben die Tücke dieser Nixe erfahren – denn man weiß, daß sie große Neigung zur Vereinigung mit hübschen Männern tragen. Albrecht . Ihr erzählt mir da wunderbare Dinge. Minnewart . Ja – ja – edler Herr! Man muß sich vor ihnen in Acht nehmen. Sie stellen den Männern gar abscheulich nach. – Sie können sich in alle Gestalten umwandeln, und wenn man sich mit ihnen abgiebt, machen sie einen reich und mächtig – aber am Ende verliert man auch darüber seiner Seelen Heil. Albrecht . Fuchs! wunderbare Dinge gehen mit mir vor, die ich nicht zu begreifen vermag. Fuchs . Hütet euch vor dem Wasser, gestrenger Herr! die Nixen setzen einem gar gewaltig zu – meine selige Mutter – ja hört nur, was ich euch von einer solchen Nixenerscheinung erzählen will. Einst gieng ein junger Rittersmann     Lustwandeln an des Flusses Strand, Da sprach ein Mädchen sanft ihn an,     Und nahm ihn lächelnd an der Hand. Sie sang ihm süsse Liedlein vor, Der Ton bezauberte sein Ohr –     Ihr holdes Wesen reizte ihn,     Entzückte seinen Liebessinn. Und als er so mit Liebesgluth,     Sich schloß an ihre weiche Brust, So zog sie ihn – husch! in die Fluth,     Zu Wasser ward die Liebeslust. Was sonst geschah, das weiß man nicht, Nur so viel meldet die Geschicht,     Daß er nachher in einem Jahr     Des Satans Spießgeselle war. (ab) (Hulda erscheint denen übrigen unsichtbar, Ritter Albrecht schläft ein. Sie schleichen sich unter dem Gesang alle nach und nach weg) . Dritter Auftritt. Albrecht . Hulda verschleyert, hat eine aufgeblühte Rose in der Hand. Hulda . Wie sanft er schläft! Ein süsser Traum beschäftiget seine Phantasie mit meinem Bilde. – (sie hält ihm die Rose vor. Albrecht erwacht) Albrecht . Wo bin ich? wen seh' ich? (erschrickt) Warest du nicht eben das unnennbare Wesen, das ich vorhin in den Fluthen der Donau erblickte? Hulda . Fürchte dich nicht, holder Mann! ich komme deine Schmerzen zu lindern – Albrecht . Ha! wie ist mir auf einmal; ich fühle das kühlende Wohlthun dieser Wunderkraft – (steht auf) Hulda . Albrecht! Habe ich deine Schmerzen geheilt, so heile nun auch die meinige, deren Urheber du bist! fliehe mich nicht mehr – kehre mit mir in meine Wohnung zurück. Albrecht . Aber wo finde ich die Wohnung meiner Wohlthäterinn? Hulda . Unter den Fluthen der rauschenden Donau steht mein Schloß. In diesem Schloß ist die goldene Kammer, wo unser Brautlager steht, wenn du mich lieben willst. Albrecht . Müßte ich nicht meiner Bertha ungetreu werden, wenn ich – Hulda . Bertha wird dein Weib, aber ich liebe dich nicht weniger, als Bertha dich lieben kann. Mir überlaß dich und deine Liebe nur 3 Tage im Jahr – Ich mache dich reich, groß und glücklich – (sanft) Guter Albrecht! kann ich billiger fordern? willst du mich lieben? Albrecht . Ach! mein zertheiltes Herz will – aber das Heil meiner Seele? erkläre dich, Hulda! über diese Besorgnisse – Hulda . Ich liebe dich, Albrecht! die Liebe ist keine Räuberinn, und wir haben alle einen Schöpfer. Mann! ich habe Ansprüche auf die Hälfte deines Herzens. Albrecht . Ansprüche – sagst du? Hulda . Leb wohl – am Ufer der Donau seh ich dich wieder. Albrecht . Und du liebst mich? Hulda . Die Natur goß Liebe in unser Herz, und Harmonie unserer Seelen webte diese himmlische Leidenschaft zu dem schönsten Leitfaden unseres Erdenglückes. Arie .           Ja groß und mächtig ist die Kraft     Der holden Göttinn Liebe, Die herrlich wirkt, und göttlich schafft     Durch unbekannte Triebe. Die Herz mit Herz durch Simpathie Vereint in sanfter Harmonie. Sie ist der Gottheit Hochgebott     Belohnt mit süsser Wonne. Und die Natur ist leer und todt     Ohn ihre Zaubersonne. Wohl allen, die ihr Strahl entzückt, Sie leben froh und hochbeglückt. (ab mit Albrecht) Vierter Auftritt. Gemach. Ritter Hartwig . Junker Bodo . Fräulein von Lindenhorst . Hans von Biberach . Ritter Kaufingen . Bertha . Minnewart . Elisabeth . Hartwig . Noch einmal seyd uns herzlich willkommen, werthen Gäste! Fräulein . Ihr habt also schon euer Jawort von euch gegeben zur Vermählung eurer Tochter? Hartwig . Alles ist schon abgethan – morgen geht's ins Himmels Namen zum Altar. Fräulein . (beiseite) Verdammte Nachricht! (laut) Fräulein! Ich wünsche euch Glück – Ritter Albrecht von Waldsee ist einer der liebenswürdigsten Ritter im Gau. Elisabeth . Werdet wahrlich Mühe haben, den Wildfang an euer häußliches Burgleben zu gewöhnen. Junker . Traun! das Fräulein hat Recht, Ritter Albrecht hat den Hof kennen gelernt, wo Turniere und Lustgelage abwechselten, und reitzende Dirnen um seine Liebe minnten. Fräulein . (spottend) Ach – ein einziger sanfter Blick von dem edlen, schönen Burgfräulein wird ihm all' das vergessen machen. (beiseite) Das Schaafgesicht! Hans . Topp! alter Nachbar! das freut mich, daß eure Tochter den Sohn eines so edlen Mannes, wie Albrechts Vater war, heurathet. Kaufingen . Und daß Albrecht gut und edel ist, dafür bürge ich mit meinem Leben – diente ich doch 3 Jahre neben ihm an des Kaisers Hofe. – Minnewart . Hört ihr, edles Fräulein! wie man euern Bräutigam schimpft. Traun! muß doch eine schöne Sache seyn um das heurathen. Hans . Und hast doch selbst nicht geheurathet, alter Graukopf! Minnewart . Ich war immer zu tief in die Reimkunst verliebt, und bei getheiltem Herzen frommt die Liebe nicht. Kaufingen . Du hast Recht, Alter! Niemand kann zweyen Herren dienen. Hans . Also heurathetest du nicht aus Weiberhaß – Minnewart . Gott bewahre! Ein frommes Weib, voll Ehr' und Zucht, ist unsers Schöpfers schönste Frucht. – Hört einmal, als ich noch zu Mailand war, lernte ich einen jungen Grafen kennen, der war ein lockerer Zeisig, und mochte die Weiber gar nicht leiden. Hans . Ey! – Minnewart . Dennoch war er der einzige und letzte Mann seines Stammes. Da wendete sich seine Frau Mutter einst an mich, und bat mich, ihren Sohn auf andere Gedanken zu bringen. Das hielt schwer, ihr liebe Herren. Hans . Ey – ey! der junge Wildfang muß ein rechter Weiberfeind gewesen seyn. Minnewart . Wohl war er das! In einem Athem erzählte er alle Untugenden der Weiber her. Aber nun fieng ich an, und sagte: Lieber Herr und Freund! Seht doch ja das weibliche Geschlecht mit andern Augen an. Hartwig . Recht so – Meister Minnewart! Minnewart . Ist es doch, sagte ich, als wären sie uns zum Trost und zur Erquickung erschaffen worden die lieben Geschöpfe. Sind ihre Arme nicht da, sagte ich, uns liebreich zu umfahen? Haben sie nicht so weiche, sametne Händchen, um unsere rauhen Hände ganz sanft zu drücken? Hans . Gut – gut – Alter! Minnewart . Haben sie nicht hellblinkende Augen, uns Zärtlichkeit zuzublicken. Wie ist doch alles an den guten Geschöpfen so anmuthig, so niedlich, so zuthätig – so einschwätzig – so mild und so fein – so liebäuglich und mundig – und so patschierlich – Alwart . Ha, ha, ha! – Seyd ein alter Kauz! Hartwig . Traun! wie schön du ihm alles gesagt hast. Minnewart . Er ging auch in sich, nahm ein Weib und lebte glücklich mit ihr. Hartwig . Wahrlich! den Wildfang habt ihr recht in die Ehe hinein geredt. Minnewart . Unglück für ihn, daß er sich erst mußte dazu bereden lassen. Was wär auch der Mann ohne Weib, das, was euch die Klinge wär ohne Handgriff – oder der Humpen ohne Wein. Hartwig . Hast Recht, Meistersänger! erinnerst uns da an etwas, das wir beinahe vergessen hätten. Kommt, werthen Gäste! folgt mir nach dem Prunksaal, dort will ich euch mit dem Becher willkommen heissen – dort soll Freude und Jubel tönen über das Glück unserer Kinder. – (Alle ab, bis auf Minnewart) Fünfter Auftritt. Minnewart . Fuchs . Minnewart . Traun! ist mir altem Gauch doch so wunderbar zu Muth, wenn ich mir das Glück der ehelichen Liebe denke. Fuchs . Auch hier nicht? – habt ihr meinen Ritter nicht gesehen, guter Freund! Minnewart . Nein! wird wohl seine Braut aufsuchen, das holde Burgfräulein. Fuchs . Zweifle sehr daran – Minnewart . Wie? ihr zweifelt daran? Ihr wißt vielleicht noch nicht, daß alles schon richtig ist. Fuchs . Wie doch die Männer so veränderlich sind – heute hier und morgen dort, und das liebe Weiblein lassen sie hernach zu Hause an der Langenweile nagen. Minnewart . Ja – ja – habt Recht, alter Fuchs! ist doch der Mann in seinem Liebesgewerbe ein wahres mobile perpetuum . Duett . Minnewart .         Man sagt sich heimlich in das Ohr,     Die Männer wechseln leicht. Sie kosen jeder Liebe vor,     Die bald der andern weicht. Ein jeder Mann, ich sag es frey,     Lauft immer um und um. Er gleicht aufs Haar, bei meiner Treu',     Dem mobile perpetuum .   Fuchs . Doch Weibertreue ist auch rar,     Das sag ich ohne Scheu. Sie ändern ab mit Tag und Jahr,     Und leben frank und frey. Es giebt der schönen Mägdlein viel,     Die laufen um und um, Drum ist der Mann im Liebesspiel     Ein mobile perpetuum .   Beide . Ja segle ich einst in den Port     Der Ehestandsküste ein, So bleibe ich auch immerfort     Bey meinem Weib allein, Beym Wechseln kommt nicht viel heraus,     Man treibt sich um und um, Als wie in einem Uhrenhaus     Das mobile perpetuum . (ab) Sechster Auftritt. Bertha . Hernach Hulda als Anfrau des Hartwigschen Geschlechts. Bertha . Er ist also mein – mein der liebenswürdige Mann, den ich mit Entzücken bald meinen Gatten nennen werde. – (Ein Windschauer rauscht vorüber) Gott! was ist das? Hulda . Fürchte dich nicht, holde Urenkelinn meines Stammes. Bertha . (zitternd) Wen seh ich? Hulda . Vor 400 Jahren bewohnte ich einst diese Burg – Bertha! du bist der einzige Sprößling meiner Nachkommenschaft – morgen sollst du als Gattinn von einem stattlichen Ritter in's Brautgemach geführt werden. Bertha . Und liebt mich dieser stattliche Ritter? Hulda . Unverbrüchlich und treu – du wirst auch froh und glücklich mit ihm leben – aber – (Pause) Bertha . Aber – Hulda . Entsetze dich nicht, holde Urenkelin! ehe du diesen liebenswürdigen Mann als Gatten umarmst, wirst du noch manche Drangsalen dulden müssen. Bertha . Wie das? redet – ich bitte euch – ich beschwöre euch bei eurer ewigen Ruhe. Hulda . Du wirst Mutter eines Kindes werden müssen, das keinen Vater hat. Nehme dich dieses Kindes an – erziehe es zur Menschenliebe und Tugend; und wenn dieses Kind zwölf Frühlinge erlebt hat, so bringe es zum Ufer der Donau, und dort wirst du des Kindes Mutter kennen lernen. Bertha . Zum Ufer der Donau? ihr sprecht so räthselhaft – Hulda . Dein Vater hat auf morgen deine Vermählung festgesetzt mit Albrecht von Waldsee? Bertha . Ja! Hulda . Morgen kann deine Vermählung noch nicht sein. Bertha . Und warum? Hulda . Daß ihr Menschen doch in eurem Warum so unersättlich seyd. Albrecht von Waldsee wird noch vor seiner Verlobung eine wichtige Reise unternehmen. Bertha . Was hör ich – Hulda . Bald aber wird er zurückkehren in deine Arme, und dann wird dein Glück blühen bis auf deine späte Nachkommenschaft. Nie mehr wird er sich von dir entfernen, bis – (Pause) Bertha . Nun – Hulda . Drei einzige Tage im Jahr – Bertha . Redet doch klärer – würdige Anfrau meiner Voreltern! Hulda . Du weißt genug, um nichts zu wissen. – Und nun, reiche mir deine Hand, schöne Urenkelinn! und schwöre mir, nichts zu entdecken, von dem, was du hörtest. Bertha . Wie kann ich – wie vermag ich dieß? Hulda . Ewige Verschwiegenheit ist der Probierstein deines Glückes – Verletzung deines Schwures der Anfang meiner Rache für dich und deine Nachkommen – Schwöre bei Allem, was dir auf Erden heilig ist – Bertha . Ich – ich schwöre – aber wer bist du, die du dich in die ehrwürdige Hülle einer meiner Voreltern verbirgst? Hulda . Die Nixe der Donau! (verschwindet) Siebenter Auftritt. Bertha . Käsperle . Hernach Salome . Bertha . Gott! (stürzt sinnlos zur Erde) Käsperle . Alle Wetter! was muß denn mit dem Burgfräulein geschehen seyn – (lauft angstvoll umher) Wenn nur mein Herr Ritter da wär – He! zu Hülfe! (er kniet hin, bittend mit Thränen) So bitt' ich euch doch ums Himmels Willen, edles Fräulein! erhohlt euch nur – (Salome öfnet die Thüre, ringt die Hände, und schleicht auf den Zehen hinter Käsperle hin) So wird euch doch der Teufel – Salome . (packt ihn auf dem Rücken) So! du Ungetreuer, Meineidiger! Käsperle . (bleibt kniend, hält den Hut vor das Gesicht, schreyt) Alle gute Geister loben Gott, den Herrn! – Salome . (mit unterstemmten Armen) Wie? schon vor der Hochzeit wirst du mir ungetreu, du gottloser, ehrvergeßner Mann du! Käsperle . (ebenso) Apage – Satanas! apage te! Salome . Und du unterstehst dich, vor deiner künftigen Burgfrau auf den Knien zu liegen, und sie zur Verführung zu reitzen? Käsperle . Apage – Satanas! apage te! Bertha . (sich erholend, steht auf) Gott! wo bin ich? – war es ein Traum oder Wirklichkeit? Salome! führe mich in den Garten, daß ich frische Luft einathme. Salome . Kommt nur mit mir, edles Fräulein! der gottlose Mensch soll euch nichts mehr anhaben. Aber was ist euch denn widerfahren? Bertha . Ach – ein fürchterliches Gelübde bindet meine Zunge – führe mich zu meinem Vater, daß ich seine Knie umfassen, von ihm vielleicht zum letztenmal seinen Seegen erflehen kann. (Beyde ab.) Käsperle . (schaut hinter dem Hut hervor) Donnerwetter! ich glaub gar, der Satanas hat sich in die Jungfer Salome verwandelt (steht auf) es war auch ihre natürliche Stimme – (Salome vor der Thüre) Auweh! sie kommt schon wieder – wenn ich mich nur verbergen könnt – ich schlüpf unter den Tisch – (verbirgt sich.) Achter Auftritt. Käsperle . Salome schnell herein eilend. Salome . Wart, du Dickwanst! jetzt will ich mit dir Abrechnung halten. (sieht sich um) Wo ist er denn – wohin mag er denn so schnell entflohen seyn? Käsperle . (guckt unter dem Tischteppich hervor) Das ist die Jungfer Salome leibhaftig. Salome . Weg mit dieser Vermummung! (sie reißt ihm den Teppich ab.) Hab' ich dich erwischt! du sauberer Patron! Käsperle . Ich weiß nicht, was die Jungfer von mir haben will – Laß Sie mich aus. (will fort, sie hält ihn zurück) Salome . (mit unterstemmten Armen) Was? unser ehrsames Burgfräulein zu verführen, mir untreu zu werden, du gottloser, ehrvergeßner Mensch du! – Käsperle . (beiseite) Der Teufel weiß, was die Alte an mich hinplaudert. (laut) Jetzt laß sie mich in Ruhe, oder – (Eine Leyer läßt sich hören. Lilli als Bauernknabe. Beyde in einer Ekstaße. Bei dem Ton der Leyer sehen sie einander freundlich an, fangen nach und nach an, zu trippeln) Lilli . Lirum! der Boden ist spiegelglatt,     Larum! zum Tanze herbey! Tanzet, bis ihr von dem Wirbeln matt,     Dreht euch eins, zweymal und drey. Friede im Hause, und Friede im Land!     Reicht euch, ihr Beyden! zur Eintracht die Hand. (Sie tanzen ab) Neunter Auftritt. Garten mit einem Seitengebüsch. Fräulein Hedwig . Junker Bodo . Fräulein . Laßt mich allein – ich suche Einsamkeit – denn das lärmende Getümmel im Rittersaal vermehrt nur meinen Kummer. Bodo . Ihr seyd ja ganz außer euch, edles Fräulein! Fräulein . (beiseite) O ich träumte mir an der Seite dieses Mannes zukünftige Tage der Seeligkeit, und itzt (laut) Junker! mein Entschluß ist gefaßt – wollt ihr meinen Plan ausführen? Bodo . Fräulein! ich bin zu euren Diensten. Fräulein . Liebe für ihn wallt nicht mehr in meiner Brust – mein Herz glüht jetzt von Rache – Bodo! ein herrlicher Lohn wartet euer, wenn ihr mir behilflich seyd, das Glück dieser beyden Liebenden zu stören. Bodo . Ich verstehe euch – Fräulein . Die einfältige Burgdirne kann ich nicht in Albrechts Armen sehen. – Ihr müsset sie zu verführen suchen. Huldens Stimme . (aus dem Gebüsch) Unmöglich! Fräulein . Warum unmöglich? Bodo . Wer sprach von Unmöglichkeit? Fräulein . Ihr! Bodo . Ich? Zehnter Auftritt. Vorige . Hulda als Gärtnermädchen, mit einem Körbchen voll Blumen. Hulda . (zu dem Fräulein, mit einem ländlichen Knicks) Seyd ihr die Braut – edles Fräulein! da hab ich euch Blumen zu eurem Brautkranz gepflückt – da – nehmt! Bodo . Woher kommt auf einmal diese niedliche Mädchenfigur? Fräulein . Wer bist du? Hulda . Ich bin – ich bin – ja – wenn ich euch sagte, wer ich bin – aber man hat mir's verbothen – ha, ha, ha! aber warum seht ihr denn so mürrisch vor euch hin, edles Fräulein! Fräulein . Laß mich! Hulda . Gewiß ist euch euer Liebhaber ungetreu worden. Ach ja die Männer! aber seht, so ist's, wenn man sich mit ihnen abgiebt. Der Vater hat wohl Recht, wenn er immer sagt, die Mädchen sollen sich vor den Männern hüten wie vor dem, Gott sey bey uns!!! Bodo . Hattest du vielleicht eine Liebschaft mit einem Manne, der dir ungetreu wurde? Hulda . Ih der Himmel bewahr – da würd mirs der Vater geben. Der ist immer hinter einem her und schaut rechts und links, ob er nichts gewahr wird. Bodo . Auf diese Art wirst du aber keinen Mann bekommen. Hulda . (weint in die Schürze) Das, das ist's eben, was mich alle Tage so schmerzt. Da sagt er immer, daß die Mädchen mit dem Heiraten warten sollten, bis sie gescheid würden – und ich – ich hab leider noch gar lang hin, bis ich gescheid werde. Fräulein . Bist du des Gärtners Tochter auf dieser Burg? Hulda . (mit einem Knicks) Zu dienen, edles Fräulein! die bin ich. Bodo . Du hast uns doch nicht belauscht? Hulda . Belauscht? – ach ja – ich hab' freylich so etwas gehört, doch – nein – nein – ich rede kein Wort – aber (sich besinnend) das Burgfräulein müßt ihr doch nicht verführen, edler Herr! Bodo . (beiseite) Die Kröte! Hulda . (drohend mit dem Finger) Es könnte euch sonst schlimm ergehen – hört ihr? (Beyde lachen.) Fräulein . Da – da – (giebt ihr eine Münze) Entferne dich – wir können uns jetzt nicht mit dir unterhalten – hier hast du ein Silberstück für deine Blumen – geh! Hulda . Hier nehmt sie, und ich nehme euer Geld. (Das Fräulein setzt das Blumenkörbchen nebenbey aus einen Rasen.) Da seht – ach – die hübschen Blumen, sie haben das Schicksal mit dem Gesicht eines holden Mädchens – blühend wie der Frühling – und kommt der Winter – so welken sie dahin. – Arie .         Kinder des Frühlings! mit heiterem Sinn, Reicht euch im Körbchen die Gärtnerinn hin.     Wählet die schönsten der Blumen heraus,     Bindet die Rosen und Nelken zum Strauß. Schön wie die Rose blüht euer Gesicht Trauet der blendenden Farbe nur nicht.     Bald, wie die welkende Blumen verblühn,     Wird auch das Feuer der Wangen verglühn. (tanzt ab) Eilfter Auftritt. Hedwig . Bodo . Hernach Albrecht . Fräulein . (sieht in die Scene) Ha! wen seh ich dort unten lustwandeln – es ist meine Nebenbuhlerinn! – Bodo! verlieret keine Zeit – eilet und vollendet meinen Plan. Bodo . Ich will es versuchen – Holdes Fräulein! denn der Preiß ist zu groß, den ihr auf die Vollendung eures Planes setzet. (ab.) Fräulein . Ha! wenn ich ihn aus ihren Armen reissen könnte! – wenn ich ihn zurückzubringen vermöchte, den schönen Mann. Albrecht . Ihr so allein hier, edles Fräulein! Fräulein . Ja – Albrecht! ich – ich wollte – euch Blumen pflücken zu euerm bevorstehenden Hochzeitfeste – hier – so wie diese Rosen blühen, so blühe auch euer häusliches Glück – (statt der schönen Blumen liegen Disteln in dem Körbchen) Albrecht . Disteln statt Rosen? Fräulein! euer Gleichnis hat euch nicht gut gerathen – so müßte denn mein Weg sehr mit Dornen besäet werden. Fräulein . (beiseite) Was ist das? welche unsichtbare Zauberkraft umgiebt mich. (laut) Wen seh' ich denn dort in so traulichem Gespräch vertieft vorüberwandeln? Traun! wenn ich mich nicht irre, es ist Bodo von Triesnitz und eure Braut. Albrecht . (unruhig) Meine Braut? Unmöglich! Fräulein . Seht nur! er ist's – (ihm zulispelnd) Ihr dürft nicht so mürrisch aussehen. Bodo und Berthe kennen sich schon von Kindheit an als fromme Nachbars Kinder. Albrecht . (verbissen, beiseite) Tod und Teufel! Fräulein . (boshaft) Ihr müßt aber nichts arges denken, denn so wie ich glaube, waren Bodos Absichten auf Bertha immer ehrlich und gut. (Albrecht will fort) Wohin wollt ihr? Albrecht . Ich werde dem Junker sagen, daß er sich die Mühe erspart, meine Braut zu unterhalten. Fräulein . Pfui! wer wird so eifersüchtig seyn? Bertha bleibt euch gewiß, sie wird am besten wissen, ihm Bescheid zu geben – (hohnlächelnd) wenn sie anders will. Albrecht . (aufgebracht) Wenn sie will – Fräulein! wie meynt ihr das? wenn sie will – Fräulein . Je nun! wie man so etwas meynen kann. Es steht ja doch bey ihr, ihn abzufertigen, oder – Albrecht . Mein Schwert würde das noch besser können. Fräulein . Besser – aber auch höflicher? ich sage euch ja, (spottend) er hat sie eher gekannt, ehe sie an euch denken konnte. Albrecht . Und nun soll er vergessen, daß er sie eher gekannt hat, oder mein Schwert soll es ihn lehren, versteht ihr? (die Hand an die Klinge) Fräulein . Mein Gott! wie heftig – das frommt zu nichts. Ich muß euch verlassen – denn eure kochende Eifersucht könnte mich anstecken. (im Abgehen) Der Anfang ist gemacht – nun Schicksal und Zeit – helft mir meinen Plan vollführen. (ab) Zwölfter Auftritt. Ritter Albrecht . Bertha . Albrecht . Er kannte sie eher, als ich sie kennen lernte – Sagte sie nicht so? – O Weib! du hast ein schreckliches Feuer in meinem Busen angefacht – wie das kocht und brennt – jede Nerve meines Körpers spannt – mich zur Rache anflammt – (will fort) Bertha . (mit himmlischer Unschuld) Bist du hier, lieber Albrecht! wohin willst du? Albrecht . (windet sich los) Dahin, wo du gewesen bist. – Laß mich! Bertha . Albrecht! dein Gesicht glüht – deine Augen rollen fürchterlich – was willst du beginnen? – Albrecht . Deinen Jugendfreund will ich sprechen. Bertha . (hält ihn) Albrecht! was hast du? Ich lasse dich nicht, komm mit mir auf mein Gemach – ich will dir alles entdecken. Albrecht . (mit steigender Wuth) Mädchen! man hat mir auch etwas entdeckt. – War nicht Junker Bodo bey dir im Garten? Bertha . Ja, um seinen Zudringlichkeiten auszuweichen, floh' ich hieher. (flehend) Folge mir, guter Albrecht! überlaß dich deiner blinden Wuth nicht. Dreyzehnter Auftritt. Vorige . Hulda als Ritter, ebenso gekleidet wie Junker Bodo. Albrecht . (tritt ihm in den Weg) Eben recht, daß ihr kommt, Junker! hier ist Bertha, hier bin ich – Redet, habt ihr Rechte an das Fräulein? Hulda . Rechte? wie versteht ihr das? Albrecht . Ich wiederhole meine Frage. Habt ihr Rechte an das Fräulein? (drohend) Bertha . Albrecht! um Gotteswillen! mäßige dich. Albrecht . Antwort will ich haben. Hulda . Seyd ihr bei Sinnen, oder – Albrecht . (mit steigender Hitze) Antwort! Hulda . Welche Antwort könnt ihr auf eine so sonderbare Frage verlangen? Ihr seyd, wie ich höre, des Fräuleins Bräutigam, wie kann ich also Rechte haben, die ihr habt. Albrecht . Warum verfolgt ihr sie allenthalben? Was hattet ihr bey meiner Braut im Garten zu thun? Ihr habt mich beleidigt. Hulda . (spottend) Sonderbar! Albrecht . Ich fodre Genugthuung! Hulda . Wie ihr sie haben wollt. Bertha . Um Gottes Willen, Albrecht! was beginnst du? Albrecht . Wir haben Schwerter – heraus damit – Hulda . Sobald ihr wollt, nur jetzt nicht. Albrecht . (zieht die Klinge) Jetzt will ich – Hulda . Ich ziehe mein Schwert nie, wo ich Gast bin. Albrecht . Ich fordere dich vor die Klinge, – und nenne dich so lange einen Buben, (wirft ihm den Handschuh vor) bis du mir Genugthuung leistest. Bertha . Um Gottes Willen! zu Hülfe! zu Hülfe! Vater! Vater! (eilt Händeringend ab) (Albrecht geht ergrimmt auf Hulden los, sie kämpfen, Hulda schlägt Albrecht die Klinge aus der Hand – er hebt sie noch einmal auf, dringt ein – Hulda fällt.) Albrecht . Gott! was hab ich gethan! (Ein schröcklicher Donnerschlag. Ein schwarz geharnischter Ritter mit geschlossenem Visier erscheint) Ha! was seh ich. Geist . Enkel! auch im Grabe willst du durch unschuldigen Mord meine Ruhe stören? Albrecht! Blendwerk umgiebt deine Augen. Dieser vermeinte Ritter ist ein überirdisches Wesen, das sich in jene Hülle warf, um deine ungerechte Wuth zu unterdrücken. (Hulda verschwindet) Albrecht . Ehrwürdiger Geist! Wer bist du? (das Visier öfnet sich, unter demselben ein Todtenkopf.) Geist . Kennst du nicht die Rüstung mit diesem heiligen Kreuz, die ich trug, als ich nach Palästina zog – in dieser Rüstung liege ich begraben unter den Ruinen der Babilon – Albrecht! wenn du auf deine Feste zurückkehrest, so eile in den Ahnensaal, und präge dir tief die Gesichtszüge des alten Ritter Hans von Waldsee ein. Albrecht . Mein Urgroßvater! Geist . Störe meine Ruhe nicht mehr durch unschuldigen Mord, der meinen edlen Stamm brandmarken würde. Ich kehre wieder zurück an den Ort der Verwesung, wo Ruhe ist, und ewiger Friede wohnet. (Donnerschlag. Der geharnischte Mann zerfällt und zerfließt in einer blauen Flamme.) Vierzehnter Auftritt. Albrecht . Hartwig . Bertha . Hedwig . Kaufingen . Hans von Biberach . Bodo . Elisabeth eilen angstvoll herein. Hartwig . Albrecht – mein Sohn! – Bertha . Wo ist Junker Bodo von Triesniz? Bodo . (eilt von der andern Seite schnell herein) Was ist hier geschehen? welche Verwirrung auf allen Gesichtern? Albrecht . (fällt Bodo in den Arm) Bodo! wir sind getäuscht – ich bleibe euer Freund im Leben und Tod. Laßt uns all das, was geschah, vergessen und verschweigen. Hedwig . Verdammtes Schicksal! Bodo . Ich verstehe euch nicht. – Ihr bringt mich in Erstaunen. – Welcher besondere Zufall brachte euch hieher? Albrecht . Ihr sollt alles erfahren. Kommt, edle Männer! Lasset uns den heutigen Tag in Freundschaft endigen. Morgen führe ich dieses holde Fräulein zum Altar, und dann überströme Glück und Zufriedenheit die übrigen Tage unseres Lebens. Hartwig . Gott segne meine Tochter! Alle . Glück und Heil über das edle Brautpaar. (Alle ab) Fünfzehnter Auftritt. Minnewart , etwas berauscht, mit einem Humpen, hernach Hulda als Müllermädchen. Minnewart . (taumelnd, trillert ein Liedchen) Ohne Mägdlein, ohne Wein, kann man niemals fröhlich seyn. Ha, ha, ha! – (stammelnd) Wie ich immer sag', eine Hochzeit ohne Braut, und ein Minnesänger ohne Wein, das, das sind zwey so konträre Dinge, die – die sich in der ganzen Welt nicht zusammentreffen. Ja – ja – ja – das liebe Brautpaar soll leben, (trinkt) könnte jetzt auch schon Kinder und Enkel um mich herum gaukeln sehen, wenn ich früher dazu geschaut hätte, aber itzt ists zu spät, jetzt hälts der alte Minnewart mit dem Humpen, und träumt sich wenigstens durch seine Liedlein in den lieben Ehestand hinein. Lied .           Der Wein und die Liebe sind innigst vereint,     Es reicht eins dem andern die Hand. Drum sind auch Herr Bacchus und Venus gut Freund,     Sie knüpfen ein fröhliches Band. Und spürt man im Köpfchen die Kräfte vom Wein, Da wünscht man sogleich auch beweibet zu sein. Kaum hat man ein Räuschchen, so wird man verliebt,     Da wird ein' ums Herzchen: so! so! Wenn einem ein Weibchen ein Küßchen da giebt,     Da lebt man so lustig und froh. Ein Weibchen im Arm, und ein Humpen voll Wein, Da träumt man sich wahrlich in Himmel hinein. (will fort.) Hulda . (munter herbey hüpfend) Guten Abend, Meister Minnewart! Minnewart . Sieh da – eben recht. schön willkommen, hübsches Müllermädchen! wohin denn so eilend? Hulda . Ach – da schickt mich mein Vater herauf zu einem jungen Ritter, der sich bey unserem Burgherrn aufhalten soll – er nennt sich Albrecht von Waldsee; – kennt ihr ihn? Minnewart . Ob ich ihn kenne? er ist ja der Bräutigam von unserem Burgfräulein, morgen ist der Vermählungstag, – und da hab' ich heute schon gleichsam den Weg gebahnt zu einem segenreichen Ehestandsglück, und hab' auf das Wohlseyn des edlen Brautpaares dem Humpen da weidlich zugesprochen. Hulda . Könnt' ich ihn nicht sprechen, den fremden Ritter? Ich habe einen Auftrag an ihn von einer jungen Dame, die seiner harret. Minnewart . Von – von einer jungen Dame? Hulda . Ja, – und man sagt sogar, daß ihn die junge Dame gar viel angieng' – (weint) O die gottlosen Männer! wer auch alles glauben wollt, was sie an einen hinplaudern. Minnewart . Wer auch ein so liebvolles Geschöpfchen betrügen könnte. (kosend) Diese lieben Händchen, der runde Arm – die, die pechschwarzen Augen! (beiseite) Bliz und alle Hagel! wie mir auf einmal so wunderbar ums Herz wird. (umfaßt sie.) Hulda . Ey – ey – ey! schaut, wie ihr einen auch so fest halten möget. Jezt seht, ich hab' davon laufen wollen, aber ihr laßt mich nicht aus; schreyen will ich nicht, sonst meinten die Leute wunder, was ihr mir hättet anhaben wollen. Minnewart . Ach daß ich alter Knabe nicht mehr in den goldenen Jahren lebe, wo Liebe die Brust des Jünglings hebt, und er sich nicht schämen darf zu minnen um die Hand eines solchen Geschöpfes. Hulda . Was ist euch, alter Sänger! zittert doch eure Hand, als wenn euch der Humpen verjüngt hätte. Singet mir lieber ein Liedlein, und dann begleitet ihr mich zu dem Herrn Ritter – Minnewart . Begehre von mir, holde Dirne! was du willst. Singen will ich für dich, bis ich sterbe; und kann ich nicht mehr singen, so will ich krähen wie ein alter Haushahn, wenn der Tag beginnt. Aber dafür erhalte ich von dir ein Küßchen – Hulda . Wie? was habt ihr gesagt? ein – ein – sagt mir das doch noch einmal vor – das Wort klingt so süß – was wollt ihr von mir haben? Minnewart . Ein Küßchen, holdes Geschöpf! Hulda . Ein Küßchen? was ist das – ich verstehe euch nicht. (lacht beiseite) Minnewart . (verwundernd) Wie? ein Mädchen in deinen Jahren – und du sollst nicht wissen, was ein Kuß ist – (beiseite) das glaub der Teufel! Hulda . Sagt mirs doch, lieber Minnewart! ich will euch auch, so lang ich lebe, dafür dankbar seyn. Minnewart . (beiseite) O du liebe Einfalt! (laut) Ich – ich soll dirs sagen – so hör: Duett .           Minnewart . Ein Küßchen ist ein süsser Traum,     Bald ist der Traum vorbey. Hulda . Ein Traum? ach – das begreif' ich kaum,     Wie wunderbar! ey, ey! Minnewart . Kaum spricht das Herz: ich liebe dich,     Geschlossen ist der Bund. Hulda . Dann folget wohl ganz sicherlich     Ein Küßchen auf den Mund. Beide . Und folget ein Küßchen, dann ist man entzückt,     Ruft jubelnde das Leben ist schön. Ein Küßchen der Liebe beseelt und beglückt,     Laßt küssend durchs Leben uns gehn. (ab) Sechzehnter Auftritt. Gemach mit einem Fenster. Salome . Käsperle . Käsperle . Jetzt laßt mich aus, Jungfer Salome! ich muß meinen Herrn suchen. Salome . (hinter ihm hereintrippelnd) So wart nur, lieber Zechmeister! du eilst mir ja davon, daß dir keine Dirne von 16 Jahren nachlaufen kann. Käsperle . Ja das glaub' ich – wenn ihr 16 Jahr alt wäret, würde ich nicht so davon rennen. (Sie erhascht ihn) Salome . Hab' ich dich erwischt. (Dätschelt ihm die Hände, küßt sie.) Nun – wenn wollen wir denn die Sache richtig machen, wenn soll denn unsere Hochzeit seyn, he? Käsperle . (beiseite) O du alter Schatz du! (laut, – reißt aus) Ich – ich hab's der Jungfer schon g'sagt, ich darf und mag und kann gar nicht heurathen. Salome . (lauft ihm nach) Und warum denn nicht, mein Schatz! weißt du auch, daß ich eine tugendhafte, züchtige Jungfrau bin. Käsperle . Auweh! auweh! ich mag nichts von dem guten Bissen – der könnt' einem beym Hinunterschlucken im Hals stecken bleiben, man wüßt' nicht – wie? (laut) Mit einem Wort, Jungfer Salome! Ihr seyd mir zu jung. Salome . Du lieber Gott! man wird ja doch alle Tage älter. Käsperle . (beiseite) Das merk' ich an euch – (laut) aufrichtig zu sagen, ihr seid mir zu alt – Salome . (zärtlich) Ach – an deiner Seite werd' ich wieder jung werden, wie ein Kübitz. Käsperle . Nein – Sapperment! mit dem Jungwerden ists da vorbey. – Allerliebste Jungfer Salome! ich – ich will ihrs nur gestehen – es kann aus der Heurath gar nichts werden. Salome . Und die Ursache. Käsperle . (weinend) Ich – ich bin mondsüchtig. Salome . Mondsüchtig? Käsperle . Ja – ja – mondsüchtig! In der Nacht hab ich keine ruhige Minute – sobald ich im Bett lieg, so treibt michs heraus, und da wandle ich durch die ganze Nacht mit geschlossenen Augen im Mondschein herum. Salome . Armer Mensch! aber vielleicht könnte dir da noch geholfen werden. Käsperle . Da giebts kein Kräutl und kein Pulver in der Welt, das ich nicht schon probirt hab – ist alles umsonst – davon rennen muß ich, wenn der Mond scheint, und bindt man mich an den Bettstollen, ich nimm ihn mit und lauf davon. Salome . Hör, du – da fällt mir ein – ich hab' in meinem Kämmerlein einen köstlichen Spiritus , der in dergleichen Fällen schon Wunder gethan hat – willst du nicht mitkommen in mein Kämmerlein? Käsperle . (ihr nachäffend) Nein! er geht nicht mit ins Kämmerlein! – Salome . Du könntest aber doch den Spiritus probiren. Käsperle . Er probirt nichts von dem Spiritus . Salome . Vielleicht könntest du wieder gesund werden? Käsperle . Er bleibt schon mondsüchtig, so lang er lebt. Wenn aber die Jungfer Salome einen Spiritus hat, der alte Weiber wieder jung macht, den wollen wir appliciren . Salome . (nimmt ihn am Kopf) O du loser Vogel du! Mit uns bleibt's beim Alten! wir werden Eheleute! Käsperle . Sobald der Spiritus seine Wunder thut, und die Jungfer Salome wieder jung macht – (schlägt ein) topp! da bin ich dabey! Lied .               Kein Spiritus ist in der Welt wohl erdacht, Der Weiber, die alt sind, auch jung wieder macht.     Ja! wüßt' ich die Kunst – hu! da wär' ich so reich,     An Schätzen dem Sultan von Babylon gleich. Und hätt' ich ein Kräutl nur auf dieser Welt, Das Jugend und blühende Schönheit erhält,     Ich gäbe das Kräutl den Madeln gleich ein,     Denn d' Madeln, die wollen schön immerdar seyn. (ab) Siebenzehnter Auftritt. Ritter Albrecht allein. Alles ist versammelt im Rittersaal in frohem Jubel, aber mich fliehet Freude und Vergnügen – denn sonderbare Dinge, die ich noch nicht zu begreifen vermag, beängstigen meine Seele. (er öffnet das Fenster) Ha! wie sternenhell der Himmel ist, wie die Fluthen der Donau so sanft dahin rauschen, der Mond so golden ihre stillen Wellen beglänzt. Wo jetzt wohl Hulda weilen mag? (die vorige Melodie läßt sich auf einer Laute hören) Was hör' ich? durch diese himmlische Melodie werde ich heute schon zum zweytenmal entzückt. (sieht zum Fenster hinaus) Ich sehe nichts – Alles so still in der ganzen Natur – nur hier und dort eine Welle, die über den Kiesel spielt, und das allgemeine Schweigen der Schöpfung hemmt. Ja! ich will mich leise aus dem Burgpförtchen schleichen – es führt gerade an das Ufer der Donau. Vielleicht löse ich dort das Räthsel, das zu entziffern, menschliche Kräfte nicht vermögen. (ab) Achtzehnter Auftritt. Donaugegend. Am Ufer steht die Burgzinne des Grafen Hartwig. Der Himmel ist mit Sternen besäet, der Mond scheint. Käsperle mit einer Laterne. Käsperle . Alles sucht ihn in der ganzen Burg. Der Teufel weiß, wo er wieder steckt. Da er jetzt verliebt ist, so wird er wohl im Mondschein mit seiner Herzensgeliebten lustwandeln. Hab' deswegen eine Laterne mitgenommen. Einer leuchtet oben, der andere unten, da wird man doch beim Teufel ein paar Verliebte aufstöbern können. (ab) Neunzehnter Auftritt. Erlinde schwebt auf den Wellen, hernach Albrecht . Erlinde . Ach Schwestern! liebe Schwestern mein! Bald müßt ihr bey Erlinden sein.     Schon ist sie da, und wartet hier.     Ach, Schwestern! kommt doch bald zu ihr. Albrecht . Hulda! Hulda! ich höre ihre reizende Stimme. Erlinde . Ich bin nicht Hulda – wohl aber ihre Schwester Erlinde – (steigt aus den Wellen) Liebst du die schöne Hulda, edler Albrecht? Albrecht . Noch kann ich dir diese Frage nicht beantworten. – Ich liebe Ritter Hartwigs Tochter, und werde sie nach dem Willen meines Vaters ehelichen. Erlinde . Das soll dich nicht hindern, auch meine Schwester zu lieben. Albrecht . Wie? Sie wäre zufrieden, wenn ich sie neben meinem Weibe liebte? (man hört in der Ferne eine reitzende Harmonie) Erlinde . Sie kommen! Sie kommen! Fliehe, Albrecht! meine Schwestern dürfen dich hier nicht finden. Die Stunde ist da, wo wir unter dieser heiligen Ulme zusammen kommen. (Ein transparenter Ulmenbaum erscheint) Was wir mit einander zu sprechen haben, kannst du nicht hören, darf kein Mensch hören. (Die Harmonie kommt näher) Albrecht . Wenn ich mich aber verbürge? Erlinde . Albrecht! ehe ich dreymal sieben zähle – mußt du aus unserem Dunstkreiß entfernt seyn, oder du bist des Todes. (sie stürzt in das Wasser) Albrecht . Ich fliehe! (schnell ab) Zwanzigster Auftritt. Flämmchen hüpfen den Fluß auf und ab. Zwey blendend weiße Schwäne schwimmen in der Mitte des Stroms heran, den hüpfenden Flämmchen nach. Sie ziehen einen Muschelwagen, worinn Hulda sitzt, eine Krone über dem Schilfkranz, um den Wagen schwimmen Nixen. Sie steigen alle unter dem majestätischen Ritornell aus der Fluth. Die Nixen küssen sich, fassen sich bei den Händen und umtanzen unter einem fröhlichen Kettentanz die Ulme. Nixenchor .         Zum Nixentanz! zum Nixentanz!     Es bebt im Haar der grüne Kranz.     Hier tretten wir das Truttenkraut,     Und tanzen für die schöne Braut Wohl hin und her, ihr Schwestern fein! Das ist der Nixen Ringelreih'n! Das Donauschloß steht fest im Grund, Und fest ist unser Schwestern Bund. Käsperle (kommt herbeygerennt, erschrickt, und verbirgt sich hinter ein Gebüsch). Käsperle . Donnerwetter! was geht da vor? ich glaub' gar, da wird die Walpurgisnacht gefeyert. (ein stilles Accompagnement begleitet den Dialog) Hulda . Seyd mir willkommen unter dieser heiligen Ulme, Schwestern! Schön ist die Nacht, heiter und rein ist der Sternenhimmel, aber trübe sind die Blicke eurer Schwester Hulda. Käsperle . (für sich) Wenn ich nur näher dazu dürft – die Madeln gefallen mir nicht übel. Erlinde . Fragen wir hier unter diesem heiligen Baum das Orakel um seinen Willen. Hulda . Das wollen wir. Auf – Schwestern! entlediget euch eurer Kleider – wie sie es von uns verlangt die große Schutzgöttinn der Gewässer. (Sie nehmen einander ihre Schleyer ab, legen sie auf die Erde) Käsperle . O, Jekerl! jetzt geht's ans Ausg'schirren – wenn ich nur hundert Augen hätt – 's beßte ist, ich lösch meine Latern aus. (Er löscht sie aus, kommt einige Schritte näher; man hört auf einmal donnerartiges Gemurmel) Erlinde . Königinn! hier muß ein Mann in der Nähe seyn – ich wittere seinen Dunstkreiß. (Hulda und die übrigen werfen schnell ihre Schleyer um) Alle . Ein Mann! Ein Mann! Käsperle . (verbirgt sich) Es ist kein Mensch da! Hulda . Frevler! du wagst es, eine Nixenversammlung zu belauschen? Auf – Schwestern! werdet zu Ungeheuern, und verjagt den frechen Hörnerträger. – (Alle Nixen stürzen in die Fluth. Der Baum verschwindet. Käsperle eilt hervor mit Hirschgeweihen auf dem Kopf, er wird von Ungeheuern verfolgt, schreyt um Hülfe. – Endlich kommen alle Burgleute mit Fackeln. – Hartwig , Kaufingen , Bodo , Minnewart , Albrecht von der anderen Seite. Käsperle kämpft mit den Ungeheuern.) Alle . Was giebt es hier? – was ist geschehen? Albrecht . Unglücklicher! was ist dir begegnet? (Donnerschlag) Hulda . (mitten unter sie) Dieß sey die Strafe für seine Neugierde! (Er fliegt auf einem Ungeheuer davon) Alle . Das Donauweibchen! – (Sie bleiben alle bezaubert, in verschiedener Attitüde) Der Vorhang fällt. Dritter Aufzug Erster Auftritt. Waldgegend. Im Hintergrund die Donau. Hartwig . Alwart . Kaufingen . Bodo . Reisige . Albrecht . Jagdlied . Fuchs . Kaum weicht die Nacht Der Sonne Pracht,     So ziehen wir in Wald. Der Riede bellt,  }  Daß Berg und Feld  }  Chor wiederholt.     Vom Jagdgeschrey erschallt.  }  Der Hörner Ton Erklinget schon     Beym ersten Sonnenstral. Man jagt das Wild  }  Durch das Gefild,  }  Chor wiederholt.     Den Forst hinab ins Thal.  }  Von Beute schwer, Ziehn wir einher     Zurück mit Sing und Sang.         Es ladet ein  }          Zum guten Wein  }  Chor wiederholt.         Der frohe Becherklang.  }  (Alle ab) Zweyter Auftritt. Erlinde und die übrigen Nixen (aus den Wellen). Erlinde . Hörtet ihr den nahen Jagdgesang – wie sie vorüberzogen die stattlichen Jäger, und Albrecht von Waldsee, der schöne Bräutigam, wild durch das Dickicht des Forstes drang? Elissa . Laß uns harren – vielleicht daß ihn ein zur Fälle aufgestossenes Wild wieder zurückführt. Erlinde . Ich will meinen Schleyer ablegen, und ihn hier an diesem Gebüsch verwahren, vielleicht – (Sie hängt ihren Schleyer hin. Man hört nahe ein Riedhorn) Nixen . Laßt uns fliehen. – Man kömmt! Erlinde . Wir wollen sie belauschen. (ab in die Fluth.) Dritter Auftritt. Käsperle . Erlinde . Käsperle . (hat ein Jagdhorn an sich hängen, kommt blasend herein) Ich mag auch blasen, wie ich will, es läßt sich kein Mensch sehen und hören. Hab' deßwegen das Jagdhorn mitgenommen, damit ich doch wenigstens die Wölf' und Bären davon jagen kann, wenn mir etwa eine solche Bestie begegnen soll. (er erblickt den Schleyer) Donnerwetter! was hängt denn da? ein Schleyer? sicher ist das noch ein Überbleibsel von einem Burgfräulein, das die Bären aufgefressen haben. Ich muß doch – (will den Schleyer wegnehmen) Erlinde . (im Wasser) Laß den Schleyer hängen, oder – Käsperle . (bebt zurück) Was ist das für eine Stimme? (Sieht umher) Ich seh' keinen Menschen – (ruft) Wer da? – Wo? Erlinde . (rechts) Hier? Käsperle . (wendet sich rechts) Wo? wo? Erlinde . (links) Da! da! – Käsperle . (zitternd) Auweh! auweh! wenn ich jetzt nur gleich bey dem Jagdgefolge wäre – Ich – ich werd vor lauter Angst nicht blasen können. – (Er bläst mit zitternden Tönen. Das Echo antwortet) Ha, ha, ha! was ich doch für ein furchtsamer Haas bin – Es ist das Echo – (betrachtet den Schleyer) ich möcht' doch gern das Dings da als eine Beute nach Haus bringen. (Er greift darnach) Erlinde . (im Wasser) Hüte dich vor dem Diebstahl – oder – Käsperle . In dem Gebüsch muß Jemand versteckt seyn, ich laß mir's nicht nehmen; (sieht umher.) (Die Nixen lassen sich sehen und lachen) Käsperle . (bleibt in voller Verwunderung stehen) Die Madeln tauchen ja auf und unter wie die Tuckanteln – (stellt sich auf die Zehen) Jetzt hab' ich einen Kopf g'sehen – jetzt einen Arm – jetzt einen Fuß – und jetzt – pr! es wird mir ganz kurios – wenn sie den Schleyer haben wollen, so müssen sie heraus – (Er greift nach dem Schleier) Erlinde . Laß den Schleyer hängen, oder – Käsperle . Den laß ich nicht hängen. Geht's heraus, wenn ihr das Herz habt! (Sie lachen) Ja – lacht, wie ihr wollt – nachlaufen könnt ihr mir nicht, und 3 Schritt bleib ich vom Wasser entfernt – also der Schleyer ist mein! (Er holt ihn herab) Huldas Stimme . Unglücklicher! Was beginnst du! (Donnerschlag. Käsperle verwandelt sich in einen Bären. Die Nixen tauchen mit Hohngelächter unter das Wasser) Vierter Auftritt. Albrecht von Waldsee kommt mit seiner Jagdlanze zurück, erblickt den Bären, und will ihn erlegen. Albrecht . Was seh' ich? welch' eine wilde Bestie! (er legt auf den Bären an) Käsperles Stimme . Kennt ihr mich denn nicht, edler Herr Ritter! ich bin ja Kaspar Larifari, euer Zechmeister – Albrecht . (zurückbebend) Was hör ich? welche Zauberkraft umgiebt mich! Unglücklicher! durch welche feindliche Macht geriethest du zu dieser schrecklichen Umwandlung? Käsperle . Durch die Donaunixe! ich bitt' euch um alles in der Welt, rührt ja den Schleyer nicht an, oder die Nixe verwandelt euch in einen Pavian – Albrecht . Diesen Schleyer –? (Er nimmt ihn, der Bär verschwindet, und das Gebüsch verwandelt sich in eine offene Eremiten-Höhle. Man sieht Hulda mit Lilli, beide als Eremitinen gekleidet, neben einander sitzen, und Körbchen flechten) Fünfter Auftritt. Albrecht . Hulda . Lilli . Albrecht . Was seh' ich? welch' eine sonderbare Erscheinung! Hulda . (ihn anblickend) Was verlangst du hier, Fremdling! an einem Ort, den nicht leicht der Fußtritt eines Wanderers betritt – an einem Ort – ernsten Betrachtungen geweiht. Albrecht . Wer bist du? Hulda . Eine Eremitinn, die ferne von dem Getümmel der Welt ihr Erdenglück in stiller Einsamkeit sucht. Albrecht . Sonderbar! du scheinst mir noch in den Jahren blühender Jugend zu seyn, und so frühe kannst du schon die Menschen fliehen? Hulda . (kommt heraus) Junger Mann! unglückliche Liebe trieb mich an diesen Ort. – Ich beweine den Verlust eines Geliebten, meine Tochter den Verlust eines Vaters. Albrecht . Armes, unglückliches Mädchen! dein Geliebter verließ dich vielleicht? Hulda . Ach! wie gerne wollt ich ihm seine Untreue vergeben, wenn er sich nur entschlösse, daß ich ihn dreymal im Jahr sehen und umarmen dürfte. Albrecht . Dreymal im Jahr? (beiseite) Sprach nicht eben so die Donaunixe? (laut) Willst du mir nicht den Namen deines Geliebten entdecken? unglückliches Geschöpf! Hulda . Er nannte sich Albrecht von Waldsee. Albrecht . (entsetzend) Albrecht von Waldsee? unmöglich! Hulda . Erinnerst du dich nicht mehr jenes Köhlermädchens, das dich vor 4 Jahren so liebevoll in ihre Hütte aufnahm. Albrecht . (in höchster Verlegenheit) Ja – aber – Hulda . Dich täuscht meine Hülle, guter Albrecht! betrachte mich so – Sechster Auftritt. (Sie wandelt sich in ein reitzendes Köhlermädchen um, Lilli ebenso gekleidet, springt aus der Hütte.) Albrecht . (beiseite) Bey Gott! sie ists. (laut) Ich erinnere mich deiner mit frohem Herzen, liebes, schönes Mädchen! Hulda . Ha, ha, ha! hört doch, wie sich die jungen Herren ihre galanten Abentheuer in das Gedächtniß zurückschaffen können. Ja – ja – ich war eben das Köhlermädchen, dem ihr in jener Gewittervollen Nacht ewige Liebe geschworen habt. Albrecht . Und dieses liebenswürdige Kind? Hulda . Ist eure Tochter. Albrecht . Ich werde mich eurer annehmen. Morgen kehre ich zurück, und bringe euch Gold und Edelgesteine. Hulda . Morgen erst wollt ihr zurückkehren? Albrecht . Wie kann ich früher, da heute noch meine Vermählung mit Ritter Hartwigs Tochter gefeyert wird. Hulda . Ha, ha, ha – Vermählung – ohne Braut und Bräutigam. (lacht höhnisch) Albrecht . Wie meynst du das? Hulda . Edler Herr! ihr werdet mir doch erlauben, heute eurem Hochzeitfeste beywohnen zu dürfen? Albrecht . Nimmermehr! willst du durch deine Gegenwart meine und meines Weibes Ruhe stören? Hulda . Herr Ritter! ich verlange eine Bitte von euch. Albrecht . Welche Bitte? – Hulda . Mich drey Tage im Jahr zu lieben. Albrecht . Unmöglich wirst du mich zwingen können, mein Weib zu betrügen. Hulda . Ha, ha, ha! als wenn wir Weiber uns nicht früher oder später an den Wankelmuth der Männer gewöhnen müßten. Lied .         Die Liebe muß zanken,     Sonst hat's nicht Bestand; Und will sie auch wanken,     Reicht man sich die Hand. Denn immer zu scherzen,     Da wird sie nicht neu, Nie reizet die Herzen     Das stets Einerley! Veränderung würzet     Uns jeden Genuß. Die Liebe verkürzet     Bald Groll und bald Kuß. Es muß schon dem Magen,     Ist man nicht mehr frey, Im Eh'stand behagen     Das stets Einerlei. (ab) Albrecht . Jawohl! das ewige Einerley im Ehestand – aber wer will, wer kann das ändern? Vorwärts – zum Ufer der Donau – dort will ich Aufklärung dieser rätselhaften Geschichte suchen. (ab) Siebenter Auftritt. Gemach auf Hartwigs Feste. Bertha . Bruno . Bertha . (allein) Schön war das Beginnen meiner Liebe. Rosen glaubte ich zu pflücken auf der Flur des Lebens, aber schon verwunden mich Dornen im Lenze meiner Jugend. O Albrecht! daß ich dich nie gesehen hätte. Bruno . So eben kommt des Ritters Leibknappe aus dem Forst zurück. – Ritter Albrecht hat sich von dem Gefolge getrennt – wir glaubten ihn schon auf der Burg zu finden. Bertha . Guter Bruno! wie lange ist es nun, daß du von der Feste des Ritter von Waldsee entfernt bist? Bruno . Sieben Jahre, edles Fräulein! ich begleitete ihn ehedem zu allen Turnieren und Fehden, die er unternahm – Bertha . Und ist dir nicht bekannt, daß Ritter Albrecht schon eine frühere Liebe unterhielt, noch ehe er um meine Hand warb. Bruno . Was fällt euch ein, holdes Fräulein! welcher böse Dämon setzte euch diese Grillen in den Kopf? Bertha . Ritter Albrecht, der mir heute noch am Altar ewige Liebe schwören soll, betrügt mich – unterhält eine Liebschaft mit einer andern Geliebten, dieß beweiset das Bildniß, das er auf dem Herzen trägt, und das ich erblickte, als ich ihn heute früh im Schlaf belauschte. Bruno . Ohnmöglich, Fräulein! ihr werdet euch irren. – Bertha . Und dann – was hältst du von der Spuckerey des Wasserweibchens, seitdem sich Ritter Albrecht auf unserer Burg aufhält? Bruno . So wird ihn doch der Böse nicht gar bestrickt haben, daß er sich mit Unholden in ein Liebesverständniß einläßt. Bertha . O, daß mich ein fürchterlicher Schwur bindet, nicht zu entdecken ein Geheimniß, das sich so tief in meine Seele grub; (laut) Guter Mensch! suche ihn auszuspähen, aber vor meinem Vater mußt du ja alles geheim halten; der gute Greis würde mit Schrecken die Nachricht vernehmen, und Gram und Leiden würden seine ehrwürdigen grauen Haare mit Kummer färben (ab) . Bruno . Das will ich, edles Fräulein! euch glücklich zu sehen, ist der Wunsch, den ich mir von der Vorsicht erbitte. (ab) Achter Auftritt. Donaugegend. Ritter Albrecht . Hernach Hulda als Nixe. Albrecht . Unruhe treibt mich umher wie einen Wahnsinnigen. Nirgend habe ich bleibende Stätte – immer schwebt das Bild der schönen Hulda vor meinen Augen. – (Sie steigt aus den Wellen) Hulda . Sprichst du Wahrheit, lieber Albrecht? Albrecht . Wen seh' ich? Hulda! Hulda . Holder Albrecht! deine Hand zittert – fürchtest du Hinterlist von einem Weibe, das dich so zärtlich liebt. Albrecht . Vergieb mir meine Ängstlichkeit – aber – du bist kein Wesen meiner Art – du bist – Hulda . Ein Weib bin ich – kannst du mehr verlangen? Albrecht . Ich bin ein Mensch, und du? – Hulda . Fürchtest du den Druck von dieser Hand? es ist der Druck sanfter Zärtlichkeit, – fürchtest du den Kuß dieser Lippen? es ist der Kuß des liebevollsten Sehnens. Schreckt dich das Klopfen dieses Herzens? es ist das Klopfen der süssesten Empfindungen in einem weiblichen Busen. – Albrecht . Sanft und reitzend klingt der süsse Nahme Hulda – aber dieser Nahme – er ist – Hulda . Mein Nahme so gut als Albrecht, der deinige ist – diesen Nahmen gab mir die himmlische Weihe meiner Schöpfung. Bin ich weniger ein Geschöpf des ewigen Schöpfers unserer Aller? Bin ich weniger als du – eine Kreatur des erhabenen Wesens aller Geister? Albrecht . Aber dein Geschlecht? Hulda . Ich gehöre zum Geschlechte der Nixen. Albrecht . Das ist es, was mich – Hulda . Was dich ängstiget und schreckt! Ey, du kühner Mensch! fürchtest du, ich werde dich zerreissen und zerfleischen? Albrecht . Ach nein – Hulda! du bist ein besseres Wesen, als – Hulda . Als du eines bist? Willst du die Menschheit erniedrigen? Albrecht! Ich mache keine Ansprüche auf dein Erdenglück – ich überlasse dich den Armen deiner Bertha, von der du mit inniger Zärtlichkeit geliebt wirst. – So viele Tage des Jahres gehörst du deiner Gattin – nur drey Tage im Jahre sollst du mein seyn. – Albrecht . Drey Tage im Jahr? Hulda . O deine Bertha ist ein holdes, herrliches Mädchen, sie wird dich lieben rein und zärtlich – wird die Mutter meiner Tochter werden – die unerkannt dich als ihren Vater lieben wird. Albrecht . Mich – als ihren Vater? Hulda! ich sahe dich gestern zum erstenmal. Hulda . Albrecht! jenes arme Köhlermädchen – Albrecht . (entsetzt sich) Warest du? Ha! jetzt enträthselt sich die Vergangenheit meiner That – wenn aber mein Weib – Hulda . Sie erzieht das Kind als einen Findling, und du wirst dafür sorgen, ihr ja nicht den Vater desselben zu entdecken. Albrecht . Wenn sie aber zu erfahren sucht, wer des Kindes Vater ist? Hulda . Entdeckst du ihr das, so sind wir auf ewig geschieden, und all dein Glück würde von dir weichen. Deine Gattin würde eine grosse Thorheit begehen, und Unglück würde dich verfolgen, und so sehr ich dich liebe, so heftig würde ich dich hassen müssen. Albrecht . Laß allen Zweifel von deinem Munde wegküssen, schöne Hulda! ich werde der Probe der Verschwiegenheit nicht unterliegen, aber nun laß mich an deiner holden Seite – Hulda . Albrecht! – Noch steht der Vollmond nicht am Horizont! – bis dahin siehest du mich nicht wieder. (verschwindet.) Albrecht . (allein) Was ist das? sie liebt mich, und doch entwindet sie sich aus meiner Umarmung? – Ha! welche dunkle Zukunft harret meiner. (ab.) Neunter Auftritt. Kurze Waldgegend. Minnewart . Fuchs . Hernach Hulda als Wallfahrerinn mit Lilli . Minnewart . Schon durch das dichteste Gesträuch kreuzten wir, und noch führt uns das Schicksal nicht auf seinen Fußpfad. Fuchs . Traun! wie ich auch so lange ausbleiben könnte, wenn ich heute noch meine Braut zum Altar führen sollte. Hulda . Schön willkommen, ihr schmucken Herren! Seyd gewiß von dem Jagdgefolge zurückgeblieben, das den jungen Ritter von Waldsee in den Forst begleitete? Minnewart . Könntet fast Recht haben, eben deßwegen zogen wir aus, um diesen Ritter aufzusuchen. Hulda . Geht nur im Frieden von dannen. Bald befindet er sich in den Armen seiner liebenden Bertha. Fuchs . Traun! Seyd mir ein wunderbares Geschöpf! Kennt ihr denn unsern Ritter Albrecht? Hulda . Ob ich kenne? – freylich kenne ich ihn, hab' ja ein kostbares Pfand von ihm in die Wahrung bekommen – da seht – (zeigt auf Lilli) Minnewart . Wie? das Kind – Hulda . Gab er mir in die Versorgung – mit der Bedingung, ihm dasselbe zurückzuschicken, wenn er sich verloben würde. Minnewart . Ich erstaune – des Ritters völliges Ebenbild! Fuchs . Ich bringe ihm das Kind nicht – die Braut wird verdammt grosse Augen machen, wenn man ihr eine Stunde nach der Verlobung eine solche Bescheerung nach Hause bringt. Hulda . Hier, diese Pergamentrolle wird euch und mich rechtfertigen. Minnewart . Welch ein liebenswürdiges Kind! Lilli . Nimm mich mit, lieber Mann, ich will dir auch folgen und hübsch fleissig und gehorsam sein. Fuchs . Hohls der Teufel! mag das kleine Geschöpfchen angehören, wem es will – ja – du gehst mit uns. Minnewart . Wir bringen das Kind zu unserer Herrschaft – und will es diese nicht behalten – dann behalten wir's, ziehen's uns groß, und wenn's einmal groß ist – wird es schon unsere Menschenliebe belohnen. Canon von 3 Stimmen .         Wer Nothbedrängte gern erquickt,     Dem müden Wandrer Ruh verleiht; Den Dulder, den man unterdrückt,     Mit Trost und Hilfe gern erfreut, Der ist's, der selbst den Feind versöhnt, Den Ehrennahmen. Mensch! verdient.   Alle drei .       Die schönste Gabe der Natur,     Und wenn sie auch im Bettler wohnt, Ein edles Herz erhebt uns nur;     Und der auf hohem Glücke thront, Ist weiter nichts, als groß und reich, Doch nicht dem edlen Manne gleich. (ab) Zehnter Auftritt. Gemach auf der Feste. In dem Zimmer steht ein Wandkasten. Käsperle . Hernach Salome . Käsperle . Das weiß der Teufel, wo mein Ritter so lange bleibt. So wird ihn doch das verdammte Donauweibel nicht in ihr Wasser-Logis gezogen haben? Salome . Bist du endlich da, du Landläufer du! Der Burgherr verlangt seinen Sohn von dir, du sollst ihm Rechenschaft geben, wohin er gekommen ist. Käsperle . Was weiß ich von meinem Herrn. Es wär' ja kein Wunder, wenn ihm ein Unheil begegnet wäre, die Nixen treiben ja ihr Wesen ganz erschrecklich mit unser einem. Salome . All dein Geschwätz frommt zu nichts. Wir wollen wissen, wo du den Ritter hingebracht hast. Unsere Knechte haben ihn im ganzen Forst gesucht, und nirgends gefunden. Man hat sogar Verdacht, daß du ihn vielleicht könntest getödtet haben. Käsperle . (erschrickt) Wer – ich meinen Herrn umgebracht? Salome . Hilf Himmel! wie du erschrickst! – ja – ja – du hast kein gutes Gewissen – hier, hier in deinem Gesicht steht mit Blut der Nahme Mörder geschrieben. Käsperle . In meinem Gesicht? das wär' ja ein verdammter Streich! Salome . (beiseite) Ach – ich weiß nicht, warum ich so mitleidig gegen dich bin. (laut) Wenn – wenn ich freilich wüßte, von Herzen möcht' ich dich retten. – Käsperle . (bittend) Ach – thu sie das – liebe Jungfer Salome! mach' sie, daß ich mit Ehren aus der Burg komme. Salome . Wenn er sich in dem Augenblick entschließt, sich eh'lich mit mir zu verbinden, so – Käsperle . Pfui Teufel! da laß ich mich lieber zwicken, und braten, so komm ich doch auf einmal aus der Welt. Salome . Willst du dich nicht entschliessen? Käsperle . Nein – Sapperment! Eh ich einen solchen Ehstands-Partikel ins Haus nehm, stirbt der Kaspar Larifari den Tod eines Helden. Salome . Wenn ich mich aber deiner erbarme? Käsperle . Nichts – sag' ich, gestorben muß es seyn. Salome . Und du willst dich nicht von mir retten lassen? Käsperle . (weinend) Herzlich gern, Jungfer Salome! aber heurathen kann ich sie nicht. Salome . Ich versprech dir auch goldene Tage – (sie verfolgt ihn) Reich mir deine Hand! Käsperle . (weinend) Alles in der Welt – aber heurathen kann ich sie nicht. – (beiseite) Das ist ja ein verdammter Streich, wenn ich nur wüßte, wohin ich mich retiriren soll. Salome . Komm in meine Arme! – (sie treibt ihn zu den Wandkasten) Käsperle . Wenn ich nur hier – (er öffnet den Wandschrank. Donnerschlag. – Lilli als Ungeheuer mit einer Keule. – Beyde zitternd Schritt vor Schritt ab, Lilli ihnen nach) Eilfter Auftritt. Minnewart . Fuchs . Trompetenschall. Minnewart . Hört ihr – nun geht es zur Trauung! Kaum daß der Ritter in die Burg ritt, machte der Vater Anstalt zur Vermählung – traun! wird heute noch baß lustig und froh zugehen, unserem lieben Burgfräulein zu Ehren. Fuchs . Wie aber mein Ritter aufschauen wird, wenn wir ihm den kleinen Findling überbringen werden. Minnewart . Hab ihn deswegen in die Wahrung gegeben, bis die Trauung vorüber ist. Fuchs . Das arme Fräulein! Minnewart . Je nun! zu geschehenen Sachen muß man das Beste reden. Thut doch manch lieb Weiblein ein Auge zu, um nicht immer mit Beyden die Verirrungen ihres Mannes zu begucken. Werdet einst auch in dieser Schule gewesen seyn, guter Alter! wie ihr noch jünger waret. Fuchs . War's – war's – aber jetzt – traun! bin meinem Weibe so treu, wie ein Geizhals seinem Goldkasten; – doch, guter Alter! sagt mir euer frohes Aussehen, daß ihr das Liebeln auch nicht bis zu euren grauen Haaren gespart habt. Minnewart . War euch in meiner Jugend ein munterer Knabe – sang und sprang den ganzen lieben Tag – und schielte mitunter fleissig nach den Töchtern des Landes – hört nur. Romanze von 2 Stimmen .         Minnewart . Als ich ein kleiner Knabe war Quoll in mir frisches Blut. Fuchs . Ich lachte, scherzte immerdar, Mir war so wohl zu Muth. Beyde . Ich spielte, sprang husch, hopsasa, Und sang dabey mein. Tralala! Minnewart . Kaum war ich 17 Jahre alt, Blieb' ich nicht gern allein. Fuchs . Da giengs hinaus in Feld und Wald Husch über Stock und Stein. Beyde . Und kam ein Mägdlein mir zu nah Sang ich ihr gleich mein: Tralala! Minnewart . Jetzt weil ich nicht mehr singen kann, (Die Jugend ist verblüht!) Fuchs . So kräh' ich wie ein Wetterhahn, Und klimpere mein Lied. Beyde . Und brumm' – kommt mir ein Weib zu nah, So gut ich kann, mein Tralala. (Beyde ab) Zwölfter Auftritt. Rittersaal. Der Hochzeitszug beginnt. Albrecht mit seiner Braut . Alle übrigen Hochzeitgäste . Reisige . Chor .       Beginnt den frohen Hochzeittanz, Und krönt mit dem geweihten Kranz     Die hochbeglückte Braut! Am Tag der Freude nur geweiht, Der ihr der Liebe Glück verleiht,     Dem Jüngling angetraut! Bruno . Edle Herren! draußen vor dem Saal steht ein gar feines Mägdlein, wohl angethan und mit einer goldenen Gnadenkette geziert. Sie hat eine Laute im Arm und nennt sich eine reisende Sängerinn. Sie fragt an, ob es ihr nicht vergönnt sey, sich vor der Gesellschaft hören zu lassen. Hartwig . Laßt sie hereinkommen. Wir wollen hören, was sie kann. (Die Türe wird geöffnet, Hulda tritt ein, als schwäbische Zitterschlägerinn. Sie neigt sich züchtig, stimmt ihre Zitter) Dreizehnter Auftritt. Vorige . Hulda . Hulda . Schönen guten Tag, ihr schönen Herren und Damen! Hartwig . Beym Ritter Georg! Sie ist schön! Albrecht . (beiseite) Gott! wen seh ich – es ist Hulda! Hartwig . Woher des Weges, schöne Maid? Hulda . Jetzt komme ich geradenwegs von dem Hofe des Pfalzgrafen Hugo, und habe mich dort wohl befunden. Fräulein Hedwig . Ganz gut! wo ist dein Vaterland? Hulda . Im schönen Neckarthal ist die Wohnung meines Vaters – ja – ja – da bin ich zu Haus. Junker . Also eine Schwäbinn! ich hätt's doch gleich an der Rundheit des Mädchens merken sollen. Bertha . Ziehst du schon lange in der Welt herum? Hulda . Seit einem Jahre reise ich umher, mir etwas zu verdienen, um eine Klause stiften zu können, und dann will ich eine Einsiedlerin werden. Kaufingen . Laß das bleiben. Nimm dir dafür einen Mann, und geniesse das Leben in Freuden. Hulda . Das wird nicht geschehen. (Mit einem Seitenblick auf Albrecht) Man hat nur seine liebe Noth mit den Männern, (Sie lachen alle. Albrecht in größter Verlegenheit) sie wollen ihren Weibern nicht treu bleiben. Hartwig . Nun, so laß deine Kunst hören, schöne Maid! Hulda . Gleich – gleich, edler Herr! wills versuchen, ob ichs noch kann. (sie spielt und singt.) Ballade .             Ein Graf ritt aus auf Mädchenschau, Zu kiesen eine feine Frau.     Hier zogen schöne Hände     Ins Liebesnetz behände – Dort lacht ein schöner Rosenmund, Hier lockt die Wange voll und rund,     Welch Liebchen hold, welch Liebchen fein,     Wähl' ich zur Allerliebsten mein? (Unter dem Ritornell tanzt sie)         Was frommt dem Mann ein Purpurmund? Was frommt die Wange voll und rund?     Das schmeichelt nur den Sinnen.     Durchsucht das Herz von innen – Nur Edelmuth und Biedersinn Lockt uns mit Macht zur Liebe hin.     Ein gutes Herz wiegt alles auf,     Wenn ihr das findet, schließt den Kauf! (Wie das Ende der Ballade ist, klimpert eine Saite ab. – Allgemeine Stille. – Sie heftet ihren Blick unverrückt nach Albrecht.) Hartwig . Eine liebliche Stimme! Hast deine Kunst wohl gelernt, verdienst eine Belohnung. Vierzehnter Auftritt. Vorige . Minnewart . Fuchs mit Lilli . Salome . Käsperle . Minnewart . Edle, gestrenge Herren! da bringen wir euch ein Kind zum Hochzeitgeschenk – ( Alle in allgemeinen Staunen ). Fuchs . Hier diese Pergamentrolle wird euch Aufklärung gewähren. Hartwig . (liest) Dies Kind gehört edlen Eltern, die sich mit der Zeit melden werden. – Albrecht! Bertha! erziehet es zur Gottesfurcht und Tugend, und gebt ihm den Nahmen Lilli. (Sie sehen alle einander an) Albrecht . (beiseite) Gott! ich ahnde – Lilli . (zu Albrecht und Bertha) Sey mein Vater, lieber Ritter! und du sey meine Mutter. Bertha . Wir erziehen das Kind, lieber Albrecht! Käsperle . (beiseite) Das ist ein Weib ohne gleichen, die weiß sich in die Welt zu schicken. (Hulda hat indessen jede Miene Albrechts ausgespähet, und bleibt immer in dieser Stellung.) Junker . Nun? wie ists denn mit dir? Hast du die Sprache verloren? Alwart . Mädchen! bist du stumm geworden? Bertha . Albrecht! und du sprichst kein Wort? Sie heftet ihre Blicke auf dich – frage sie doch – Hulda . (lacht aus vollem Halse) Ha, ha, ha! Rathet einmal, ihr schmucke Herren und Damen! was der Graf gethan hat – Minnewart . Keine Foppereien! Werft die unverschämte Dirne hinaus, die sich untersteht, eine edle Gesellschaft zu beleidigen. – (sie wollen sie umringen) Albrecht . Haltet ein – ich nehme mich des Mädchens an. Hulda . Ritter Albrecht! einen Becher Wein möcht ich von euch verlangen. Albrecht . Minnewart! einen Becher Wein für die Sängerinn! Hulda . Nicht so! aus eurer Hand will ich den Becher empfangen, euer und eurer Braut Wohlseyn zu trinken. (zitternd reicht ihr Albrecht den Becher. Hulda empfängt denselben und neigt sich dankend. Sie tritt ihm gegenüber.) Mächtig und groß – reich und hochgeehrt wird Albrecht der Waldseer-Graf glücklich leben mit seiner Ehgemahlin Bertha, der edlen Burgauerinn – bis – (lacht) ha ha ha.! (Pause. Entfernter Donner.) Alle . Bis – Hulda . (nähert sich Berthen) Schöne Braut! der Mond wechselt am Horizont – erlaubt mir, an eurem Hochzeittage den ersten Tanz mit eurem Verlobten zu machen. Alle Ja – ja! Das sey ihr vergönnt! Beginnet den Tanz! (Hulda tritt vor.) Final-Musik Hulda . Es werde Albrecht hochberühmt und reich, An Macht und Ehre sey ihm keiner gleich.   Chor . Es werde Albrecht hochberühmt und reich, An Macht und Ehre sey ihm keiner gleich. (Unter dem Chor trinkt Hulda, sie wirft den Becher weg, in lichten Flammen zischet der Wein aus und sprudelt in Feuerfunken über den Boden. Donnerschlag. Alle in einer Schreckensgruppe. Die Ritter ziehen die Schwerdter.) Alle . Was ist geschehen! Wir sind verloren! Hulda .       (Sie nähert sich Berthen und nimmt ihr den Brautkranz vom Kopf.) Durch meine Macht sollt ihr verblendet seyn. Die Erde beb' – die Mauern stürzen ein. Denn anderswo wird diese Nacht Der Liebe Opfer dargebracht! (Sie versinkt mit Albrecht. Dunkle Finsterniß umgiebt den Saal, Blitze durchkreuzen sich, und der Donner rollt schrecklich. Alles geht angstvoll umher.) Chor .       Der Donner rollt, die Erde zittert, Die Feste wankt, vom Sturm erschüttert – Die Blitze kreuzen durch die Luft, Hinaus aus dieser düstern Kluft. (Sie wollen fort. Man hört den Ton einer Leyer, die vorige lärmende Musik zerfließt in eine schmelzende Harmonie, anfangs voller Chor, der immer mehr und mehr abnimmt, weil alle nach und nach von unwiderstehlichem Taumel hin und herwanken. Wie Lilli kommt, bleibt alles unverrückt stehen. Alle unter einander.) Chor .       Diese Töne himmlisch rein Laden uns zur Ruhe ein.   Lilli .       (mit der Leyer)       Donner und Orkane schweigen,     Meiner Leyer Zauberton Huldiget der Nixenweyhe     Hier an meiner Mutter Thron. (Sie winkt, es erfolgt ein Donnerschlag. Nach diesem eine reizende Harmonie von blasenden Instrumenten. Die Bühne verwandelt sich in eine transparente Nixen-Grotte. – Albrecht liegt vor Hulden auf den Knien, die übrigen Nixen auf Stuffen erhöht halten Kränze über die beiden Liebenden.) Nixenchor .     Heil dir, du schönste der Bräute,     Jauchzet aus trunkener Brust! Liebe gewähre euch Freude,     Segen mit himmlischer Lust! (Alles im Vordergrund bleibt bezaubert stehen.) Der Vorhang fällt. Ende des ersten Teiles .