Johann Kaspar Riesbeck Neue Briefe, für und wider das Mönchswesen, mit unparteiischer Feder entworfen Band 2 Allerheiligster Vater. Bey dem großen Gedräng, großes Gedräng – s. Dictionaire Sachen »Gedränge« in welchem sich gegenwärtig die geistliche Leibwache Eurer Heiligkeit – ich will sagen, die Mönche, befindet; bey der gefährlichen Krisi, die in diesen unsern Tagen jener Gattung von Leuten, wenn sie nicht von einer mächtigen Hand unterstützt und gehalten werden, nichts geringeres, als den gänzlichen Umsturz drohet, nimmt alles, was auf der rechtglaubigen Erde lebt und schwebt, seine Zuflucht zu dem Schatten der Flügel Eurer Heiligkeit; Freunde und Feinde der Mönche. Jene rufen Sie, heiligster Vater, inbrünstig an, als den obersten Hirten der christkatholischen Heerde, zuzusehen, daß diese so nüzliche und geduldige Schaafe erhalten werden; diese wollen sich nicht zufrieden geben, bis der Stall der Kirche, der, ihrer Meinung nachm einer Reinigung so nöthig hat, gesäubert wird. Treten nun Eure Heiligkeit ins Mittel! Ihre Unfehlbarkeit kann, und muß, und wird entscheiden; zur Beschämung der Lästerer, und zur Beruhigung der Gutgesinnten! In diese gewißen Hoffnung küsse ich Eurer Heiligkeit mit heißer Andacht die Füße, und verharre Eurer Päbstlichen Heiligkeit devotester Sohn der Herausgeber. Vorbericht. Es wäre doch unbarmherzig, wenn Sie, theure Leser, an statt mir für die Mittheilung dieser neuen MönchsBriefe, wovon ich Ihnen hiemit das zweyte Bändgen übergebe, recht herzlich zu danken, saure Gesichter machen, und klagen wollten, man habe Ihnen nichts besonderes vorgesetzt. Ich meinte doch Wunder, wie gut ich meine Sache gemacht habe, und dächte, beyde Theile könnten so ziemlich mit mir zufrieden seyn. Die zween Freunde haben ihr Herz wahrhaftig ohne Rükhalt gegen einander ausgeleert. Sie sind freylich keine Gelehrte von Profeßion; und wenn sie es auch wären, so sind freundschaftliche Briefe nicht der Ort, wo man seine Kenntnisse auszukramen pflegt. Kurz, lieber Leser, damit sie es wissen, es hat mich große Gefahr gekostet, bis ich zu dieser Correspondenz gekommen bin. Ich fand sie nicht unwürdig, damit heraus zu rüken, und Sie sollten doch Bedenken tragen, mir ins Gesicht zu sagen, Sie verstünden es besser, als ich, mit was man Leute, die gern etwas von den Mönchen lesen, unterhalten müßte. Ich weiß, Sie werden mir noch Abbitte thun, wenn Sie dieses zweyte Bändgen durchgelesen haben. Bessern Sie sich; es wird sie nicht reuen. Leben Sie wohl. Der Herausgeber. XVI. Brief. O – – – ch. den 30. Oct. 1781. Seitdem ich die verzweifelten Bücher von den Mönchen, und allem dem, was dazu gehört, im Hause habe, habe ich keine leibliche Ruhe mehr. Bey Tag kümmert sich mein Herz über den Gedanken, was diese Händel noch für ein Ende nehmen werden. Ich fürchte – ich hoffe – ich weine – und drohe – in Gedanken – ich seufze zu Gott, daß er alles, nur das nicht, zulassen wolle, daß das gemeine Volk, wenn ihm zu Ohren kommt, was man würklich und alle Tage mehr, von Seiten der Gelehrten und der Fürsten wider die Mönche im Schild führt, Aergernis daran nehme, und Argwohn daraus schöpfe, als ob die Religion selbst dardurch beschädigt würde. Diese Gedanken verfolgen mich bis in die Nacht hinein. Es träumt mir davon, und wenn ich erwache, so bin ich um nichts gebeßert. Neue Besorgnisse kommen an die Stelle der alten. Wenn Ein Sturm vorbey ist, so zieht sich ein neues Ungewitter zusammen. Ich erschreke, so oft ich nur eine Zeitung zur Hand nehme, und allemal finde ich, leider! mehr neues, als mir lieb ist. Nachrichten, die nicht bedenklicher seyn könnten für Mönche und Klöster. Ich seze mich in die Stelle dieser geängstigten Leute, die den sie daniederschlagenden Donnerkeil alle Augenblike erwarten. Ich leide mit ihnen; ich weine Thränen der Wehmuth in ihrer Gemeinschaft – Plötzlich aber erhebt sich auch wieder ein Strahl der Hofnung in meinem bangen Herzen, so bald ich nur den Namen Joseph denke. Er, dem die allerheiligste Religion über alles ist, kann und wird durchaus nichts anders verfügen, als was seine Regierung glorreich, zu einem Segen für Deutschland, und zu einem Muster für alle Regenten bis ans Ende der Tage wachen kann. Gewiß, durch diese einzige Betrachtung finde ich mich, wenn ich überdenke, was für Stürme den Ordensgeistlichen drohen, was bald von dieser, bald von einer andern Seite her für Projekte wider sie geschmiedet werde, und wie plötzlich ein Unfall über sie kommen könne, wie ein Wetter, das sie dahin nimmt und aufreibt, ausserordentlich beruhigt. Unsern mit Recht angebeteten Joseph hat die Gnade des Himmels unserm Deutschland und Europa geschenkt. Wehe dem, der nicht Ja und Amen dazu spricht! Er, der zweyte Titus, findet seine Lust im Wohlthun. Ja, ich verlasse mich darauf, so lang Joseph II. lebt, so ist denen das Leben noch nicht abgesprochen, in deren Zellen so manches Gebet für das Wohl der Regenten der Erde gen Himmel geschikt wird. Ich kann Ihnen nicht helfen, lieber Freund, Sie müßen mich noch einmal anhören, wenn ich behaupte, daß, weil die Klöster eine Wohlthat für den Staat sind, erleuchtete Regenten, troz aller Einstreuung naseweiser und übereilter Plusmacher es noch nicht so bald zu einer Aufhebung oder allzustarken Verringerung derselben werden kommen lassen. Ich fand mich in dieser für mich so tröstlichen Meinung ausserordentlich durch eine Schrift bestärkt, die zwar schon vor 18. Jahren heraus gekommen, mir aber erst vor 3. Tagen durch einen benachbarten Beamten, mit dem ich mich über Finanz= und Cameralsachen fleißig und nie ohne wahren Nuzen und Vergnügen unterrede, als eine merkwürdige piece communicirt worden ist. Sie heißt: der vollkommene Cameraliste. Der Verfasser nennt sich Maria Machiavel. Sie soll, woran ich aber sehr zweifle, aus dem Italiänischenins Deutsche übersezt worden seyn. Er beweißt sehr einleuchtend, daß es die Wohlfahrt des Landes und der Unterthanen erfordere, daß sie mit starken Abgaben belegt werden. Ein paradoxer, und wohl gar fürchterlicher Satz! Sprechen Sie aber ja das Urtheil nicht früher aus, als bis Sie den Beweis hören. Offenbar ists, daß Ueberfluß und Reichthum die Menschen faul und nachläßig macht. Sezen Sie einmal den Fall, daß lauter reiche Leute in einem Land wären. Niemand würde mehr arbeiten, jedermann nur die Hände in den Schooß legen, und sein Gut in Ruhe verzehren wollen. Man würde zu den allernöthigsten Verrichtungen, zu denen ohnehin nur arme Leute gebraucht werden, niemand mehr bekommen können. Profeßionen und Handwerker, ja so gar der Ackerbau würden darniederliegen; und wenn das Ding so eine Weile fortwährte, so würde Noth und Mangel am Ende einreissen, daß nimmer zu wehren wäre. Diesem Uebelstand helfen starke Abgaben ab. Der Bürger und Bauer muß bezahlen; und, um bezahlen zu können, muß er arbeiten und seine Hände daran streken. Ich nehme Sie also bey Ihrem Wort, Freund. Sie sagen, Mönche und Klöster seyen auch mit einen Ursache von dem mindern Reichthum eines Landes. Reichthum und Ueberfluß macht die Menschen nachläßig. Also sind Mönche und Klöster in diesem Betracht die Beförderer der Glückseligkeit eines Landes. Meine Deduktion ist noch nicht zu Ende. Der Reichthum macht das Volk auch trozig. Das Sprüchwort wissen Sie: Gut macht Muth. Das kann man in Holland und England am deutlichsten sehen. In welche Unruhen und Ausschweifungen bricht der Pöbel in jenen Ländern nicht beständig aus! Welche Ausgelassenheit besizt er! Das ist nun nichts anders, als eine Quelle von unübersehlichen ewigen Beschwernissen und offenbarem Schaden des gemeinen Wesens. Wären die Bürger weniger reich, so würde ihnen der Kizel vergehen. Sie würden der Obrigkeit gehorsam seyn; der König von England dürfte sich sich manche Sottisen nicht gefallen lassen, die er nun alle Tage bey allen möglichen Gelegenheiten, z. E. wenn er ins Parlament, oder spazieren fährt, oder in der Opera, oder in der Comödie, wenn er das Unglük hat, um einer heillosen Ursache willen, der Canaille zu mißfallen, geduldig hinunter schluken muß, und nicht muchsen darf, wenn er nicht aus Uebel ärger machen will. Ich möchte nicht König in England seyn, nicht über ein reiches Volk herrschen! Je reicher, je stolzer und troziger! Da lobe ich mir katholische Staaten, in denen man zu leben hat, und wo das Volk dem Fürsten, und nicht der Fürst dem Volk gute Worte geben muß. Und das hat man den Mönchen zu danken. Sie helfen dazu, daß sich die Schäze einer Nation, bey der sie zu Hause sind, nicht zur Ungebühr vergrößern; sondern, weil das Geld mit mehr Gleichheit unter alle Einwohner vertheilt ist, diese fein in der Bottmäßigkeit und Demuth bleiben. Eine Stelle des angeführten Verfassers, der sich nur aus Spott für einen Enkel des Machiavels ausgibt, – denn er hat weit gesündere Grundsätze, als sein angeblicher Großvater – die sich ganz ungemein bey mir empfohlen hat, muß ich Ihnen doch hersetzen: den Unterthanen, sagt er, steht die Demuth viel besser an, als der Uebermuth; die Demuth aber wird durch die Armuth, oder höchstens durch ein mittelmäßiges Auskommen befördert. Wer hievon überzeugt seyn will, der sehe sich nur in den Ländern der Geistlichen um. Da sind die Leute mit ziemlichen Abgaben belegt; aber nichts kann demüthiger seyn, als sie; sie fallen vor ihren Landesherren auf die Knie, und glauben alles blindlings, was man ihnen zu glauben vorlegt. Glückliche Regenten, die vor Aufruhr und Meuterey sicher sind, und alle Nächte ruhig schlafen können, weil sie sich von ihren demüthigen Unterthanen schlechterdings nichts Böses versehen dürfen. Machen Sie mich nicht böse, daß Sie wider diese ganze auf so sichern und unumstößlichen Gründen ruhende Ausführung nur ein Wort sagen wollten. Dabey bleibts! Der Mangel macht hurtig und spornt den Fleiß und die Kräfte an. Man sehe sich nur um, ob der arme nicht emsiger und sinnreicher ist, als der Reiche. Der Mangel gibt jenem tausend Quellen an die Hand, welche der Reichthum und die Fülle niemal sucht und niemal finden würde. Das Land wird daher wohl gebaut; die Viehzucht vermehrt; der Handel kommt empor, und dieses alles ohne Zwang, ohne Kopfbrechen, ohne Verordnung, weil Mönche und Klöster das ihrige zur Erhaltung der Mittelmäßigkeit in Ansehung des Vermögens redlich betragen. Sollte man katholische Länder nicht auch in diesem Betracht vor den protestantischen glücklich preisen? Ich weiß wohl, daß ich Widerspruch genug über diesem meinem Satz würde dulden müßen, wenn er unter die Leute käme. Aber das schadet nichts. Sie Wahrheit sieget immer, und macht allemal Räsonnemens, die mehr spitzfindig, als gründlich sind, zu schanden. Ich halte mich nicht für so alleinklug, daß ich glaubte, das könne sonst niemand einfallen, was ich Ihnen hier in der Stille schreibe. Und so hoffe ich auch aus dieser Ursache, daß es doch den Feinden der Mönche mit ihren Projekten nicht, wenigstens nicht so bald, gelingen werde. Zwar hat mich die Zeitung vor 14. Tagen abermal nicht wenig erschreckt, die etwas für die Mönche überaus Fatales aus Frankreich berichtet. Dem General und den Aebten der Cistercienser=Mönche in diesem Königreich soll ein königlicher Befehl zugefertigt worden seyn: »unverzüglich derm königlichen Commißär, Herrn von Tolosan, ein Verzeichniß ihrer Einkünfte einzuhändigen. Alle diesem Orden zuständige Klöster sollen taxirt werden; und was kann die Absicht davon anders seyn, als die königlichen Einkünfte zu vermehren? Wenn doch die Fürsten der Erde, oder ihre Rathgeber einmal anfiengen, etwas anders zum Maßstab ihrer Handlungen zu machen. Als die Erhöhung der Intraden! Das unterstünde ich mich laut zu sagen. Die öffentlichen Nachrichten sagen ja auch; und der Herr von Tolosan, an den man das Verzeichniß der Einkünfte einschicken muß, wird es ohne Zweifel gar nicht verbergen wollen, daß er der Urheber dieses Projekts sey. Bisher hofte ich noch immer, Frankreich würde seine Hände in diesem Stück rein behalten. Aber siehe, ich hoffte vergeblich. Wie oft hat nicht schon die Geistlichkeit in diesem Reich ihre milde Hand gegen ihren König aufgethan! Wie oft sind schon die so genannten Dons gratuits bis zu Millionen hinangestiegen! Und nun greift man, dem allen ungeachtet, einem Orden ins Herz, der gewiß allemal das Seine ehrlich zu jener freywilligen Abgabe beygesteuert hat. Ich hätte geglaubt, Frankreich könnte sich an den großen Schätzen, die es von der aufgehobenen Gesellschaft Jesu erbeutet hat, begnügen! Freylich werden die FinanzMinisters sich bey dem so lang anhaltenden Seekrieg darauf legen müssen, immer mehrere Quellen zur Fortsezung desselben zu entdecken. Warum soll aber die Kirche darunter leiden? Warum sollen diejenigen ihre Haut hergeben, die das, was sie haben, bona fide \& iusto titulo haben? Das Herz bricht mir, wenn ich daran gedenke, und ich möchte an jenem Tage, wo man alle Rechnungen abhören wird, die Verantwortung mit denen nicht theilen, die in diesen unsern Tagen ihr gröstes Verdienst darinn suchen, die Güter der Kirche den Weltlichen zum Raub darzubringen. Wehrlose anzugreifen, und ihnen zu nehmen, was man für gut findet, ist keine Kunst. Aber einem jeden das Seine lassen, ihn bey demselben erhalten, und hauptsächlich die Diener der Religion, die doch durch ihr Gebet und Gottseligkeit in der Stille manches Gute vom Himmel herab auf den ganzen Staat bringen, bey dem schützen, was sie haben, das ist Pflicht, und bringt Seegen. Zählt Deutschland nicht Karl den Großen unter seine grösten und vortreflichsten Kaiser? Und eben so die Ottonen? Und sind nicht gerade diese Fürsten die grösten Beschüzer der Kirche, die wärmsten Freunde der Mönche, und der Geistlichen überhaupt gewesen? Warum will man doch in unsern Zeiten seine Größe darinn suchen, das Gegentheil von dem zu thun, was jene gethan haben? Es fehlt, ich weiß es wohl, niemal an ganz scheinbaren Vorwänden, wenn man Schritte macht, die Aufsehen verursachen. Oft sind sie auch gar zu gut gegründet, und hören auf Vorwände zu seyn. Diese Reflexion machte ich neulich, da ich die merkwürdige Nachricht las, daß Se. Majestät der Kaiser des Camaldulenser Kloster zu Mauerbach aufgehoben, die großen Einkünfte dieses Gotteshauses zu einem Findelhause, das Gebäude selbst aber zu einer Ritter=Caserne bestimmt habe. Klage, Ach und Weh wird nun in den Zellen dieser Väter ertönen. Was haben wir gethan, wird es heißen, womit haben wir ein so hartes Schicksal verdient? Ich würde würklich auch unter den Mitleidenden seyn, wenn nicht eben diese Nachricht zugleich die Ursache enthielte, die den gerechten und weisen Joseph zu diesem Schritt veranlaßt hat: Beständige Uneinigkeiten haben daselbst unter den Geistlichen geherrscht. Wie wahr ist es: concordia res parvae crescunt; discordia maximae dilabuntur ! wer kann nun Mitleiden mit ihnen haben? Sie haben ihr Unglück selber gebaut! Hätten sie ihren wichtigen Beruf immer vor Augen gehabt, ihren Pflichten vollkommene Genüge geleistet, ihre Zeit zum Studiren und zu gottesdienstlichen Verrichtungen pünktlich angewendet, so würde Zank und Zwietracht unterblieben, und jeder Versuch, ihnen zu schaden, gescheitert seyn; anstatt, daß jetzt Schadenfrohe über ihr trauriges Schicksal jauchzen, und ihre Augen an ihrem Sturz, der wie ein Wetter daher gekommen ist, weiden werden. Das sey fern, daß ich den geringsten widrigen Gedanken wider einen Fürsten, der sich durch seine theuren Regentenpflichten genöthiget sieht, auch über gottesdienstliche Personen etwas zu verhängen, das auffallend heraus kommt, in meiner Seele aufkommen lassen sollte. Wir dürfen überdieß nicht in die Kabinette der Großen hinein sehen. Manche Dinge sind Geheimnisse für uns um der uns unbekannten Triebfeder willen, die diese und jene Maschine in Bewegung sezen, worüber wir doch oft urtheilen, als ob wir die genauste und vollständigste Kenntnis davon hätten. Das, dünkt mich, ist etwan der Fall bey Mauerbach. Vielleicht stekt noch mehr dahinten, als nur die Uneinigkeiten der Geistlichen; und ich glaube, es ist noch Verschonen, daß man sich begnüget, diese Ursache anzugeben. Aber, lieber Freund, aus dem, was hier Joseph thut – bey einem einzelnen Kloster thut, – folgt noch lange nicht, was Sie, und die hierinn Ihres Sinnes sind, daraus zu folgern pflegen, nämlich, daß man gar mit allen Klöstern abbauen solle. Eine Schwalbe macht ja keinen Sommer. Wie viele Anstalten, die von unläugbarem ausgebreiteten Nutzen sind, müßte man in der Welt aufheben, wenn man um Eines Mißbrauchs willen, der hie und da einschleichen will, und Einsehen nothwendig macht, gleich zufahren, und das Garn auf dem Boden gehen lassen wollte! Lieber dem Mißbrauch im Einzelnen abgeholfen, und das Ganze erhalten; das faule Glied weggeschnitten, ne pars sincera trahatur . Duldet ja selbst der König von Preußen, den niemand der Anhänglichkeit an Mönche und Klöster beschuldigen wird, solche in seinen Staaten! Er weiß sie freylich in Schranken zu halten; aber er thut ihnen weiter keinen Eintrag. Hielte er sie für so schädlich, für so gefährlich, für den Staat, für seine Einkünfte, so würden sie schon längst nicht mehr vorhanden seyn. Möchte er doch unter den Römischkatholischen Nachahmer finden! – Virtus \& in hoste laudanda – Wer weiß, was noch geschieht, wenn es mit den Mönchen aufs höchste gekommen ist? Da es an dem war, daß der Jesuiterorden aufgehoben werden sollte, so legte er bey dem Pabst eine Fürbitte Fürbitte – davon ist nichts bekannt, es ist auch unglaubwürdig. Er hatte prinzipiell mehr Sympathie für Protestanten als für Katholiken und befahl, für den Staatsdienst nach Möglichkeit jene zu bevorzugen. In einem Brief an d'Alembert v. 04.12.1771 schreibt er zu diesem Thema: » ... Ich habe einen Abgesandten vom General der Jünger des Ignatius erhalten, der in mich dringt, mich öffentlich zum Beschützer dieses Ordens zu erklären. Meine Antwort war: ... daß so auch der Papst in seinen Sachen Herr und Meister bleibe, Reformen vorzunehmen, wie sie ihm gut dünkten, ohne daß sich Ketzer dareinmischen könnten.« In seinem Politischen Testament (1752) heißt es: » ... aber um zu verhindern, daß die Klöster durch ihr Zölibat die Hoffnungen der Familien begraben, ist es verboten, vor dem Alter der Großjährigkeit Mönch oder Nonne zu werden. ... Die Weltgeistlichen sind sehr wackere Leute, die Mönche neigen mehr zum Hause Österreich, deswegen lasse ich sie fünfundvierzig Prozent von ihren Einkünften an den Staat zahlen, damit sie doch zu etwas gut sind. ... Ich bin in gewisser Hinsicht der Papst der Lutheraner und das Kirchenhaupt der Reformierten, ich ernenne die Priester und verlange von ihnen nur gute Sitten und Milde ... » für denselben ein. Daß sie nichts gefruchtet hat, wer kann dafür? Vielleicht thut er eben das bey Pius VI. für die anderen Mönche. Und sollte das nicht Eindruck bey den Fürsten der Römischen Kirche machen? Sollte man ihm nicht seine Bitte gewähren, da er ein Prinz ist, der die Toleranz in seinen Staaten auf das höchste treibt, den Katholiken erst eine prächtige Kirche in Berlin zu bauen erlaubt hat; und da seine Katholischen, wie seine Protestantischen Unterthanen, sich seiner königlichen Gnade und Schutzes ohne Unterschied, ohne Ansehen der Person zu erfreuen haben? Sehen Sie, was die Mönche noch für gute Aussichten haben! Ich freue mich recht von Herzen für sie. Die Tage der Erquikung sind vielleicht näher, als man glaubt, und brechen ein, ehe die Noth recht angefangen hat. Ich bin begierig, was Sie mir antworten. Besinnen Sie sich wohl, ehe Sie die Feder ansetzen. Dißmal werde ich nicht so leicht abzufertigen seyn. Leben Sie wohl. XVII. Brief. Antwort auf den vorhergehenden. Nichts ist leichter, als Ihr Gebäude, auf das Sie sich so viel zu gute thun, mit Einemmal niederzureissen und dem Erdboden gleich zu machen. Das sage ich Ihnen unverholen im Anfang meiner Antwort, weil Sie Ihren Brief damit beschlossen. Sie würden sich dißmal nicht so bald abfertigen lassen. Bälder, als sonst, lieber Freund, so wenig ich Ihnen bisher schuldig geblieben bin: denn wenn ich nicht gewiß wäre, – ich sage es Ihnen redlich, – daß Sie keinen Spaß mit mir treiben wollten, so hielte ich Ihr leztes Schreiben gröstentheils für Satyre. Was hat Sie für ein Zauberlicht irre geführt, daß Sie mir mit dem Machiavel aufgezogen kommen? Der Kerl ist ein Spötter. Er würde vor Lachen bersten, wenn er wüßte, daß Sie seine Schwänke, womit er die Plusmacher an den Höfen, deren Hauptgeschäft ist, den Fürsten sammt den Unterthanen zu ruiniren, herumgeführt hat, für Ernst aufgenommen hätten. Die Mönche und die Geistlichkeit überhaupt wird es Ihnen gewiß nicht danken, daß Sie so rund heraus eingestehen, Armuth, oder wenigstens mittelmäßiges Auskommen der Unterthanen sey die Frucht der Mönche und Klöster, und diesen müßen also die Regenten katholischer Staaten verbunden seyn, weil durch jenes die bürgerliche Glückseeligkeit befördert werde, indem ein armes Volk bottmäßiger und demüthiger sey, als ein reiches. Ich denke, man könne den Schluß gerade umkehren. Je ärmer ein Volk ist, desto weniger hat es bey Aufruhren und Meutereyen zu verlieren. Davon könnte ich Ihnen Beweise genug aus der Geschichte geben. Wissen Sie nicht, daß sich die Anführer der Niederländer, die sich der Spanischen Oberherrschaft entzogen, Bettler nannten? Was war der berüchtigte Tomaso Aniello in Neapel, der im vorigen Jahrhundert eine so gefährliche Rebellion anstiftete, als ein armer Fischer? Und wer hängte sich an ihn, als die Grundsuppe dieser großen Stadt, nämlich eben so arme und noch ärmere Leute, als er selbst, die sich durch schwere Auflagen, denen der leichtfertige Finanzrath Machiavel ein so großes Gewicht zur Beförderung der Demuth, und folglich, seiner Meynung nach, auch zur Glückseeligkeit der Bürgereines Landes beylegt, zur Verzweiflung getrieben sahen? Sagen Sie mir nichts mehr von England, wo das Volk um seines Reichthums willen wild und trozig sey. Es ist doch die glückseeligste Provinz auf dem Erdboden, und das, seitdem es aufgehört hat, Römischkatholisch zu seyn, und Mönche zu haben. Die goldnen Zeiten dieses Reichs waren die Tage der Regierung der Elisabeth, die der Maria, dieser Verfolgerinn alles dessen, was sich nicht von Rom herschrieb, auf dem Thron folgte. Das Glück der Nation fieng wieder an zu wanken, da der Mönchische Jacob II. den man selbst in dem katholischen Frankreich darüber verspottete, daß er 3. schöne Königreiche einer Messe aufgeopfert hätte, zur Regierung kam. Aber das Blatt wendete sich zum Besten der Engländer durch die kühne Unternehmung Wilhelms III. und seit dieser Zeit ist es das um seines Reichthums und Wohlstands willen beneidenswürdigste Volk in Europa. Lassen Sie den König immer verdrießliche Dinge erfahren. Er ist doch Herr über freye und wohlhabende Unterthanen, und nicht über Sklaven und Bettler. Den Trotz ist man bald gewohnt. Man achtet ihn nicht mehr, und ist stolz darauf, Bürger zur egieren, die nicht so niederträchtig sind, ihren König für mehr, als einen Menschen zu halten. Ein Gewisser pflegte zu sagen, er habe, auf seinen Reisen, wenn er allemal wieder in ein anderes Land gekommen sey, ohne Mühe gleich sehen können, ob die Unterthanen einer glücklichen Regierung genießen; oder ob sie unter einem harten Joch schmachten. Wenn er einen Bauren auf der Strasse gefragt habe, wo der Weg hingehe, und dieser habe mit den demüthigsten Geberden, und mit entblößtem Haupt ihm den Weg stundenlang gewiesen, so habe er den richtigen Schluß gemacht, daß0 er in einem sehr verarmten Land reise. Habe aber der Bauer, ohne den Hut mit dem Finger zu berühren, ihm auf die Frage, welches der rechte Weg sey, kurzweg geantwortet, er solle der Nase nach reisen: so habe er das für den sichersten Beweis gehalten, daß er es mit dem Einwohner eines blühenden und beglückten Staats zu thun habe. So ist es! Hätten Sie mir doch nur auch die Stelle aus ihrem liegen Maria Machiavel angeführt, wo er sagt: In den Ländern der Geistlichen sey der Unterthan so demüthig, daß man so wohl in den Hauptstädten, als auf dem Lande, keinen Schritt thun könne, ohne von Bettlern angefochten zu werden! Traurige Demuth, die die bittere Armuth zur Grundlage hat! Das Wort ist zu gut, als daß es einen Gemüthszustand bezeichnen sollte, der im Grund nichts ist, als Niederträchtigkeit. Diesen Misbrauch mögen Sie bey den Philosophen verantworten, die Sie belehren werden, was für ein großer Unterschied zwischen der Demuth und Niederträchtigkeit sey. Wenn das eines von den vornehmsten Verdiensten der Mönche und Klöster ist – und darinnen bin ich mit Ihnen ganz einig – daß sie den Leuten zur Armuth helfen, so sind sie ja wahrlich nicht besser, als Julian der Abtrünnige, der mit der Schrift Spott trieb, den Christen alles nahm und sagte, es heiße ja in der Bibel: selig sind die Armen, denn das Himmelreich ist ihr. Selbst arm wollen die Mönche nicht seyn, wenn sie schon das Gelübde der Armuth gethan haben; sondern nur arm scheinen um desto bequemer von den Allmosen leben zu können. Vermuthlich glauben Sie also, ihrem Gelübde desto eher Genüge zu thun, wenn sie auch zu der Armuth anderer das ihrige beytragen. Genug von diesem Gegenstand! Die Sache ist zu klar, als das es der Mühe werth wäre, lange darüber zu disputiren. Wenn Sie behaupten, oder nur eingestehen, die Mönche und Klöster helfen ganze Länder arm machen; so gestehen Sie zugleich ein, daß man diese Nation unverzüglich von dem Erdboden vertilgen sollte. Für diese Folge müßen Sie haften, Sie mögen wollen, oder nicht;und dann sind wir bald einig. – – Mit Ihrer Erklärung, wessen Sie sich zu unserm Allerdurchlauchtigsten Kaiser un diesen bedenklichen Zeitläuften versehen, bin ich vollkommen zufrieden. Sie sind dißfalls ganz auf dem rechten Wege. Beruhigen Sie sich nun auch über die Begebenheit mit dem Camaldulenser Kloster in Mauerbach – Sie haben mir ja selbst in Ihrem Brief einen Fingerzeig gegeben, wie man davon denken, und sich bescheiden solle; und nichts besseres thun könne, als bey manchen Handlungen der Fürsten die Hand auf den Mund zu legen und seine Unwissenheit bekennen. Ungerecht und irreligiös kann nicht seyn, was der Kaiser Joseph thut, noch so auffallend ist: denn er ist der Beschützer der Kirche; und Menschenliebe und Gerechtigkeit sind die Hauptzüge in seinem majestätischen Bilde. Die Patres in jenem Kloster wird er gewiß versorgen, daß sie nichts zu klagen haben. – Und daß die großen Einkünfte desselben zu einem Findelhause sollen bestimmt werden, – was kann menschenfreundlicher seyn? Dem Kindermord vorbeugen, so manche unschuldige Schlachtopfer beym Leben erhalten, und dem Staat so viele brauchbare Mitglieder erziehen, die sonst vielleicht in Lastern, zum Verderben des menschlichen Geschlechts, ihre Tage zugebracht hätten, – sollte das nicht verdienen, eine vortrefliche Anwendung großer Einkünfte genannt zu werden? Aber das Gebäude selbst, ein bisher so heiliges Haus, zu einer RitterCaserne? Das ist nicht halb so arg, als man beym ersten Anblick meint. Was die Mönche im Geistlichen sind, das sind die Soldaten und Officiere im Leiblichen. Man muß beyde haben. Jene zur Beschützung der Kirche und Religion; diese zum Schutz des Staats. Es gibt bey weitem nicht so viele Kasernen, als Klöster. Was schadets, wenn von tausenden Eines, besonders, wenn man so wichtige Gründe dazu hat, wie in diesem Fall Joseph, eine andere Bestimmung bekommt, als Einwohner zu ernähren, die nichts thun, als Breviere beten, und horas singen? Kriegsgeräthe, Fahnen und Standarten, Paucken und Trommeln, Pfeiffen und Trompeten, werden nun über dem Portal der RitterCaserne eine eben so gute Figur machen, als ein Kreuz, oder das Bild eines heiligen über der Thüre des Klosters. Geben Sie sich hierüber zur Ruhe. Die Zeit wird lehren, daß manche Verfügungen, über die man jetzt in die bittersten Klagen ausbricht, gerecht, heilsam, und wohlthätig gewesen sind. Ich wünschte, daß ich eben so über das, was von dem Schicksal der CistercienserMönche in Frankreich in den öffentlichen Nachrichten gesagt wird, urtheilen könnte. Dieser Handel ist bedenklicher. Man ist geständig, daß es darauf angesehen sey, die Königlichen Einkünfte zu vermehren. Bekanntlich sind diese Mönche nicht von den Aermsten, und der FinanzMinister in Paris, dessen Wahlspruch ist und seyn muß; Bring her, bring her, wird sich nicht säumen, dem Herrn von Tolosan das ihm einzureichende Verzeichniß der Einkünfte dieser OrdensGeistlichen in Bälde abzufordern, um bey seinem Geschäft davon Gebrauch zumachen. Ich zweifle, ob Vorstellungen von Seiten der Mönche, oder gar des Pabstes selbst, etwas helfen werden. Sie sollen sich ja vorsehen, nicht zu heftig zu seyn, und lieber in der Güte hergeben, was man verlangt, und was sie entbehren können; als es auf Gewalt ankommen zu lassen. In jenem Fall könnte es noch erträglich ablaufen; da in diesem es leicht mit ihnen dahin kommen könnte, wohin es mit dem JesuiterOrden gekommen ist. Sie wissen ohnehin aus der Geschichte von Frankreich, was sich ehemal mit dem Orden der Tempelherren zugetragen hat. Wie mächtig war dieser, und wie bald war es um ihn geschehen! Wahr ists, wenn ihr Satz seine vollkommene Richtigkeit hätte, daß die Klöster ihre Güter bona fide \& iusto titulo besitzen, so wäre es nicht fein, die Hände daran zu legen. Aber an jenem zweifelt man eben heutiges Tages an den Höfen sehr stark; und es sollte vermuthlich den Mönchen eine Aufgabe seyn, darüber sie sich die Köpfe gewaltig zerbrechen würden, wenn man ihnen zumuthen wollte, rechtskräftige Deduktionen der Welt vorzulegen, auf was Weise sie zu diesen und jenen Besitzungen gekommen seyen. Und ich sehe nicht, wie man den Fürsten die Befugniß, dieses zu fordern, absprechen will. Mein Rath wäre demnach, die Cistercienser Mönche in Frankreich sollten gutwillig und ohne Rückhalt angeben und bekennen, was man von ihnen zu wissen begehrt; und da der Hof ganz gewiß nicht deßwegen nach den Einkünften dieser Herren fragt, um sie bloß zu wissen: so sollten sie sich voraus zu einem ansehnlichen Don gratuit , nach dem Muster der Französischen Geistlichkeit, die schon mehrmal darinn eine Probe ihrer tiefen Devotion gegen dem König abgelegt hat, verstehen, und ein kleineres Uebel einem größeren vorziehen. Sie zeihen mich unfehlbar einer heimlichen Schadenfreude über alle diese Unfälle, die so mit Macht über die guten Mönche hereinbrechen. Daß ich darüber betrübt wäre, könnte ich freylich nicht sagen; wüßte aber auch nicht, warum ich darüber betrübt seyn sollte. Daß es Ihnen Kummer macht, bedaure ich; am allermeisten aber, daß Sie sich mit so vergeblichen Hofnungen aufhalten mögen, daß die Umstände dieser Leute sich, ehe man sichs versehe, bessern können. Und warum? – Risum teneatis, amici – der König von Preußen werde sich ihrer annehmen, wie er sich bey Ganganelli der Jesuiten angenommen habe. Der Jesuiten angenommen – s. Fußnote im 16. Brief Er wird sie doch nicht gar in seine Staaten aufnehmen, wenn sie etwa aus den katholischen Provinzen sollten verbannt werden? – Nein, so weit treibt Friedrich die Toleranz nicht. Ich wollte Ihnen wohl sagen, was der Grund seiner Fürbitte für die Väter der Gesellschaft Jesu war. Nicht, als ob er sie so besonders liebgewonnen und hochgeachtet hätte; sie waren ja in den Augen ihrer Glaubensbrüder selbst keine liebens= und hochachtungswürdige Leute – Der König von Portugall und die Bourbonischen Höfe gaben ihnen ganz andere Namen – Sondern Friedrich wollte entweder etwas sonderbares thun – das war es auch würklich – oder es war ihm nicht gleichgültig, daß die katholischen Mächte die Schätze dieser Gesellschaft zur Hand bekamen, und ihre Reichthümer damit vermehrten; oder – doch ich will mir nicht herausnehmen, die die Ursachen von allem, was dieser, nach dem Zeugniß aller Unpartheischen, scharfsinnige und staatskundige König thut, auszuforschen – Genug! dafür stehe ich Ihnen, daß er ruhig zusehen würde, wenn der Pabst in einer einzigen Bulle aller Mönchsorden in der katholischen Welt aufhübe, und wenn alle Klöster in Zucht=Arbeits und Findelhäuser, und in Casernen umgeschaffen würden. Er duldet sie zwar in seinen Staaten, weil er theils, vermög der Friedensschlüsse und Verträge, sie dulden muß; theils aber auch, weil sie ihm zu gewißen Zeiten treflich zu statten kommen: Z. E. wenn bey den im deutschen Reich noch immer fortwährenden Religionsbeschwerden etwa Repressalien zu gebrauchen sind. Ausserdem aber dürfen Sie ja nicht glauben, daß er die Mönche, über die er zu gebieten hat, zu weit um sich greifen lasse. Dulcis mediocritas ist die goldene Regel, nach der er will, daß sie sich halten sollen; und an dem Satz, den Sie in Ihrem letzten Brief aufgestellt haben, daß die Mönche, weil sie das Volk am Reichwerden hindern, zur Demuth der Unterthanen, und also zu ihrer Glückseligkeit viel beytragen, würde er ungemein viel auszusetzen haben. Halten Sie mich doch aber ja bey Leibe für keinen Protestanten, weil ich so viel zum Vortheil des Königs von Preußen sage – Wo ich Gutes finde, mißkenne ichs nicht, und sollte ichs bey dem abscheulichsten Ketzer, und bey dem abgesagtesten Feind unserer Mutter, der katholischen Kirche, antreffen. Wo mir hingegen etwas mißfällt, da scheue ich mich auch keinen Augenblick, zu sagen, was ich auf dem herzen habe, und sollte es Patriarchen und Kardinäle angehen. Es ist noch nicht 2. Stunden, daß ich die Briefe aus dem Noviziat wieder durchgelesen habe. Die ganze Schrift ist ärgerlich; nicht, als ob ich den Verfasser tadeln wollte, der meines Erachtens wohl gethan hat, den Mönchen die Larve abzuziehen, und sie der Welt in ihrer abscheulichen Blöße darzustellen; sondern um ihres Innhalts willen, der, leider! nur allzuwahr ist. Glauben Sie sicher, ich wollte auch Beyträge dazu liefern, worüber manche, die meinen, ihre Klöster, und was darinnen vorgeht, seyen für jedermann die grösten und undurchdringlichsten Geheimnisse, erschreckenwürden. Nichts aber ist mir in jenen Briefen auffallender gewesen, als was der Verfasser von der Art, die Kulpa zu sagen, anführt. Der gesunde Menschenverstand empört sich dawider, und wenn man nun eine Seite gelesen hat, so kann man sich des heftigsten Unwillens nicht erwehren. Das sind Anstalten, um Dummköpfe und Hornvieh aus vernünftigen Menschen zumachen, und keine Leute, die das Salz der Erde seyn sollen. Gestehen Sie mir aufrichtig, kann etwas tolleres seyn, als dergleichen Dinge zu Verbrechen machen, über denen man sich auf das jämmerlichstevon einem Sittenmeister, der keinen Funken Verstand und Menschenliebe hat, abkanzeln lassen muß? Z. E. um eine Sylbe im Chor zu frühe oder zu spät anfangen, oder aufhören; ein Bildgen aus dem Brevier auf den Boden fallen lassen; mit dem Schuh ein Geräusch machen, daß es die Nächststehenden hören können; beym öffentlichen Lesen ein Wort wider den rechten Gebrauch lang oder kurz aussprechen; einen Brocken Brod auf den Boden fallen lassen; Streusand umschütten; oder gar zum Fenster hinaussehen. Das sind die Verbrechen, über deren Folgen einem armen Novizen, wenn er nur Einmal die traurige Erfahrung davon gemacht hat, die Haare zu Berge stehen müßen. Alsbald, wenn er sich des geringsten Frevels von dieser Art bewußt ist, ist er verbunden, sich vor dem Magister zu stellen, nieder zu knien, und sich der Länge nach auf das Angesicht auf den Boden zu legen. Nun wird das Gericht gehalten,und die pöpelhaftesten Schimpfwörter werden, wenn er sich auf die Donnerstimme des Magisters wieder von dem Boden erhoben hat, schaalenweise über den armen Sünder ausgegossen. Besehen Sie ein solches Verfahren, wo Sie wollen, Sie werden die baare Unvernunft darinn finden. Keine Dorfschulmeister kann seine Bauernjungen wegen ihrer Vergehungen unedler und niederträchtiger behandeln, als ein solcher KlosterPedant, der werth wäre, zu der Bedienung eines Schweinhirten herabgewürdiget zu werden, (für diese Gattung von Geschöpfen taugt ein solcher Ton besser, als für unsterbliche Seelen) anstatt die Aufsicht über das Betragen künftiger Ordensgeistlichen haben, und sie zur Ordnung, Reinlichkeit, und Pünktlichkeit in allem ihrem Thun und Lassen angewöhnen zu können. Diese Art, mit jungen Leuten umzugehen, läßt sich schlechterdings nicht entschuldigen. Edle Gemüther müßen darüber aufgebracht werden, man müßte dann eben so schlechte Begriffe von ihnen haben, als von ihrem SittenRichter; oder, wenn sie dergleichen Püffe geduldig aushalten oder auszuhalten scheinen, so freuen sie sich im Geist auf den Zeitpunkt, da sie dereinst die Befugniß bekommen, die ihnen untergebenen Novizen ihre schwere Hand nach eben dieser Methode empfinden zu lassen. Saubere Bildung jugendlicher Herzen! Danken Sie Gott nochmal und alle Tage mehr, daß Ihr guter Xaver vor einem solchen Tollhause das Kreuz macht, und danken Sie mirs, daß ich durch die Uebersendung der Briefe aus dem Noviziat an Sie, dazu geholfen habe, Ihnen und Ihrer lieben Frau die Augen zu öffnen. Ein solches Traktament wäre für seinen lebhaften Geist nicht gewesen. Er wäre vielleicht gar dem Magister in die Haare gekommen. Was für grimmige Auftritte auf eine solche Kulpa erfolgt wären, können Sie selbst erachten, wenn eine fast unerhörbare Bewegung mit dem Fuß, die sich ein Novize zur unrechten Zeit zu Schulden kommen läßt, für einen großen Frevel gelten muß. Ich wünschte Joseph mit dem Ohr an der Thüre, um die zeit, da ein unsinniger Magister einen solchen armen Verbrecher in der Arbeit hat! Was meinen Sie, würde der erleuchtete Menschenfreund sagen? Wie wenig würde ihn das Exempel reuen, das er an den CamaldulenserMönchen in Mauerbach statuirt hat! Wahrhaftig, lieber alle Klöster niedergerissen, oder in Zuchthäuser verwandelt, als dergleichen Unsinn länger geduldet! Setzen Sie noch zu diesem das Cilicium, das ein vortrefliches Mittel zur Abtödtung des Fleisches zu seyn scheinet, so, daß alle, die es je nur eine Stunde lang auf dem Leib getragen haben, vor allen Anfechtungen der bösen Lüste auf ewig sicher seyn sollten. Sie wissen aus den Briefen aus dem Noviziat, was es ist. Spitzige Eisen rings um den Leib herum, die, so bald man sich nur ein wenig rührt, einen Kützel verursachen, bey dem auch dem gröbsten TirolerBauren das Lachen vergehen würde. Ob es zur würklichen moralischen Besserung etwas, oder nichts beytrage, darüber wollen wir nun nicht mit einander streiten. Sie würden mich in die Ketzerrolle setzen, wenn ich die Frage verneinte. Aber daß es das Fleisch nicht abtödtet, sondern vielmehr gar den Versuchungen zur Unkeuschheit aufhilft, darüber lassen sie sich von dem ehrlichen Pfarrer in den Mönchsbriefen belehren, der es offenherzig eingesteht, daß er in den bösen Stündlein, da er sich jener Anfechtungen kaum mehr zu erwehren gewußt, zu dem Cilicium, als zu dem ohne Zweifel bewährtesten Mittel, seine Zuflucht genommen; aber denken Sie – aus [das] Uebel ärger gemacht habe. Wer will es Ketzern und Laien übel nehmen, wenn sie auf die Gedanken gerathen, eben um das Letztere seye es den Mönchen zu thun. Ihr Fleisch möchten sie ganz und gar nicht abtödten lassen; hingegen Reizungen zur Unkeuschheit seyen ihnen willkommen; und diese finden sie gerade in einer Sache, die die Welt bisher auf der einen Seite für das zuverläßigste Mittel, die Keuschheit zu erhalten, und auf der andern für den klarsten Beweis, daß diese Tugend in den Klöstern zu Hause sey, gehalten habe. Auf den Einwurf: daß gleichwohl das Cilicium etwas Peinigendes seye, und man daraus sehen könne, daß es in den Klöstern nicht so paradiesisch zugehe, sondern vielmehr eine äußerst strenge, und nur Leuten, die es in der Verläugnung der Sinnlichkeit recht weit gebracht haben, leidliche Zucht in denselben vorwalte, mag ich mich gar nicht einlassen. Die Mönche wissen sich durch andere Dinge, die der Sinnlichkeit schmeicheln, reichlich schadlos zu halten. Und auf das Schmerzhafte des Cilicium lassen Sie sich den rechtschaffenen Mann in den Mönchsbriefen antworten, der mit seinem eigenen Exempel beweißt, Exempel – Zwölfter Brief der Mönchsbriefe daß die schmerzhaftesten und beschwerlichsten Dinge endlich zur Gewohnheit werden, und würklich aufhören, das zu seyn, was sie im Anfang gewesen sind. Durfte jener Sagen: die Jesuiten seyen in der That und Wahrheit von der Gesellschaft Jesu; denn der Mittler seye in seinem Leben mit Zöllnern und Sündern, das ist, mit den grösten Verbrechern, umgegangen; in seinem Tode aber, da er zwischen zween Schächern gekreuziget worden, auch in der Gesellschaft schlimmer Leute gewesen; so werden mir die Mönche nicht übel nehmen, wenn ich den Satz, daß auch das Beschwerlichste und Schmerzhafteste endlich zur Gewohnheit werden könne, aus dem Beyspiel der Jauner und Spitzbuben erläutere. Man weiß, daß man bey diesen Leuten mehrmal mit der Folter nichts ausrichten kann. Von ihrer zarten Kindheit an werden sie von ihren theuren Eltern durch allerhand Operationen an Füßen und Händen, so an Schmerzen und Biegsamkeit gewöhnt, daß, wenn sie zu Jahren gekommen sind, und das löbliche Handwerk der ihrigen treiben, bey sich ereignenden Gelegenheiten aber der Justiz heimfallen, der Scharfrichter mit aller seiner Kunst zu foltern, an ihnen zu schanden wird. Das Cilicium ist noch lange keine Folter. Kann mans bei dieser zu einer Fühllosigkeit bringen, über die Obrigkeiten und Nachrichter erstaunen müßen; warum nicht auch bey jenem? So ists auch mit der Geißlung. Die guten Leute werden nicht so mörderisch zuhauen, besonders da keine Commißairs dabey sind, die die Anzahl und die Heftigkeit der Streiche urkundlich beobachten müßen. Und wenn es noch so ernstlich bey dieser execution zugienge, so wäre es erst nichts als Verdienst und Bezahlung für manches, wofür die Mönche hoffentlich, wenn sie ehrlich seyn wollen – das zu seyn wäre aber von den allermeisten zu viel gefordert – keine Belohnung erwarten werden. Mit nichts bin ich so sehr zufrieden, als mit den 3. Stücken, die zu einem braven Novitzen erfordert werden. Traun Sie mir aber nicht zu wohl. Sie werden mich doch verstehen? Es heißt: ein guter Novize müße seyn, wie ein Kind; wie ein Narr; und wie ein Stock im Winkel. Gut gesagt! Die Ehre aber, das alles zu seyn, überlasse ich den Mönchen von Herzen gerne. Es ist ihrem ganzen Charakter von innen und aussen vollkommen gemäß. Sie sind würklich wie die Kinder; nur nicht in dem Verstand, in dem es Christus, unser Herr, im Evangelo von allen Menschen fordert, das ist, gerade, aufrichtig, ohne Verstellung und Intriguen, demüthig, unschuldig. Eigenschaften, die man bey jedermann eher, als bey den Mönchen, antrift. Ihre Verstellung übrertrift alles, was man bey dem abgefeimtesten Hofmann suchen kann. In jenen Zeiten, da sie noch mehr Zutritt an den Höfen hatten, wußte man sich ihrer bey Gelegenheiten, wo es auf recht ausgesuchte Streiche ankam, meisterlich zu bedienen. An den verzweifeltsten Cabalen sind sie unerschöpflich. Im täglichen Umgang, die sie untereinander selbst, und mit andern Leuten haben, darf man nur, um hinter die wahre Gesinnung ihres Herzens zu kommen, allemal das Gegentheil von dem glauben, was sie sagen. Das ist ja Aufrichtigkeit. Daß sie demüthig wären, sollte man für bekannt annehmen dürfen. Ihre Kleidung, ihre Mienen, ihr ganzes Exterieur scheint Bürge dafür zu seyn. Leute, die das Gelübde der Armuth und des Gehorsams abgelegt, und auf alle weltliche Hoheit und Würde Verzicht gethan haben, die allem Gepränge von ganzem Herzen feind sind, die sich mit lauter Werken der Liebe und der Barmherzigkeit an den ärmsten, kränksten und von jedermann verlassenen Menschen beschäftigen, müßen ja demüthig seyn? Sie sollten, – Aber Sie wissen ja das Sprüchwort: Ein zerrissener Mantel deckt oft den grösten Stolz. Das ist der Fall bey den Mönchen. Sie sind stolz auf ihre Armuth, die noch dazu, wie ich Ihnen schon bewiesen habe, nur vorgeblich ist: stolz darauf, daß sie viel verläugnen, wie sie sagen, und ein kümmerliches Leben führen, da sie es doch weit besser haben, als andere Leute, die sich mit Sorgen der Nahrung und Berathung ihrer Familie schleppen müßen: stolz auf ihre Keuschheit, die doch oft, wie Sie aus den MönchsBriefen wissen, gar nicht weit her ist: stolz auf ihren ununterbrochenen Gottesdienst im Beten, Singen, und dergleichen; gerade, als ob niemand Gott diente, der seinen Hals in der Kirche nicht heischer schreyt, und ein Gebet aus seinem Brevier nach dem andern, ohne Andacht, ja ohne Sinnen und Gedanken, hermurmelt. Ist das Demuth, wenn diese Leute sich groß dabey dünken, daß sie eine Kutte tragen, da sie eine große Figur, ihrer Aussage nach in der Welt hätten machen können, wenn sie nicht ins Kloster gegangen wären? Ich kann Ihnen das mit einem Beyspiel erhärten. In einem Kapuzinerkloster in F. Hatte ich einsmals Verrichtungen. Ich ließ mir solches zeigen, und wurde von einem Pater herumgeführt, der einem gemästeten Ochsen ähnlicher sah, als einem Mönchen, der zu schmaler Kost verdammt ist. Er merkte mir seinen Verwunderung über sein unmönchisches Aussehen an, und, nachdem er mich mit heillosem Geschwätz von den Vorzügen des Kapuzinerordens lang genug hingehalten hatte, sagte er endlich: Ich würde wohl nicht errathen, was ich an ihm für einen Mann vor mir hätte. Einen Kapuziner, antwortete ich, wie ich aus seinem Habit und aus dem Ort seines Aufenthalts schließen müßte. Dadurch hielt er sich für beleidigt, welches mich seine Miene deutlich errathen ließ, so wenig ich mich offenbarlich durch diese meine Antwort versündigt hatte. Einen ehemaligen ObristLeutnant sehen Sie hier, daß Sie es wissen, versetzte er, den gewiße wichtige Ursachen, die sich jetzt nicht sagen lassen, zu dem Entschluß, den Degen mit der Kutte zu verwechseln, gebracht haben. Wundern Sie sich nicht, fuhr er fort, über diesen Schritt. Ich habe das Glück gehabt, einmal in der Person eines alten, unansehnlichen, zusammengerunzelten Kapuziners einen Erzbischoff von Toledo, KapuzinerOrdensGeneral, Kardinal und Grand von Spanien von der ersten Klasse zu sehen, dem der König selbst Ehrfurcht bezeugte. Ich darf mich also meines Entschlusses nicht schämen, und Sie, setzte er hinzu, werden sich nun hoffentlich in Zukunft ganz andere Begriffe von diesen Ordensgeistlichen machen, als Sie sich vielleicht bisher von ihnen gemacht haben. Das alles sagte er mir mit einem Ton, der mir zu verstehen gab, daß er keines Widerspruchs gewärtig wäre. Ich hieng auch würklich voller Devotion an seinen Lippen, und wenn ich hätte gewiß seyn können, daß er es nicht für Spott aufnähme, so würde ich ihm bezeugt haben, wie mir nichts so angenehm seyn sollte, als zu seiner Zeit in ihm, zur wohlverdienten Belohnung seiner Verläugnung wenigstens einen Churfürsten des deutschen Reichs und Erzkanzler durch Italien, verehren zu dürfen. Ich hätte mit diesem Wunsch freylich sehr wider das Costume bey den hohen DomCapiteln angestoßen, bey denen für die Kaputzen kein Heil ist; doch bey Komplimenten nimmt man die Sache nicht so genau, und es ist möglich, daß ich dem ungeachtet bey dem metamorphosirten hohen StaabsOfficier Ehre damit eingelegt hätte. So demüthig sind die Mönche! Machen Sie mir den Einwurf nicht, daß man von Einem nicht auf alle schließen müße. Der Hochmuth sitzt allen im Herzen, und sollte es auch nur aus dieser Ursache seyn, weil, nach der Lehre unserer Dogmatiker, ein jeder Priester, der Messe ließt, so hoch über einen König erhaben ist,als ein ErzEngel über die verächtlichste Mücke. Die Mönche nun dürfen ja auch Messen lesen. Sie sind also überzeugt, daß ich diesen Leuten nicht zu viel thue, wenn ich ihnen gerade soviel Hochmuth beymesse, als sie nach den Regeln ihres Ordens Demuth besitzen sollten. So ist es auch mit der Unschuld, die die Mönche mit Kindern gemein haben, oder von ihnen lernen sollen. Ich sage: die Mönche. Denn wenn ein Novize unschuldig seyn muß, so wird es ein Mönch eben so wohl seyn müßen. Daran fehlt es nun, wenn man sie, die lieben Mönche, fragt, um kein Haar. Unschuldigere Geschöpfe gibt es nicht auf Gottes Erdboden, als sie. Sie wissen weder von Schwachheits= noch von Bosheitssünden, und es wird viel seyn, wenn ihnen die Erbsünde noch anklebt. Die Sünden, die sie vor ihrem Eintritt ins Kloster begangen haben, sind alle weg, und abgebüßt, durch die unzählichen gute Werke, auf die ihnen der liebe Gott noch viel heraus schuldig ist. Wie wäre es auch möglich, daß sie Böses thun könnten, da eine jede Viertelstunde nicht anders, als göttlich von ihnen zugebracht, und durch eine frische Tugend bezeichnet wird? Ihr ganzes Leben ist englisch und seraphisch; der Teufel muß mit Schimpf und Spott abziehen, wenn er sich nur gelüsten läßt, eine Lanze mit ihnen zu brechen. Auch böse Lüste, die sonst auch von den frömmsten Menschenkindern unter der Sonne nicht ferne sind, dürfen sich nicht mehr bey ihnen anmelden. Ihr Leib wird durch Kasteyung, Wachen, Fasten, Geißeln, durch das Cilicium, zu einem Tempel der Gottseligkeit. Kein Glied ist an demselben, das sie anders brauchen, als wozu es von dem Schöpfer bestimmt und gegeben ist. Und ihre Seele ist nicht s geringeres, als ein Schauplatz der herrlichsten Tugenden: der Keuschheit, der Liebe, der Freundlichkeit, der Verträglichkeit, der Mäßigkeit, der Geduld, der Verläugnung alles Irdischen, eines ganz himmlischen Sinns. Nicht wahr, ein schönes Bild? Nur Schade, daß es auf jeden andern Erdebewohner besser paßt, als auf die Mönche. Ich habe Ihnen in einem meiner vorigen Briefe schon den Vorgeschmack von dem Beweis gegeben, daß es mit der kindlichen Unschuld der Mönche überaus bedenklich aussehe, und ich will hier, mit Ihrer gütigen Erlaubniß, darinn fortfahren. Sie wissen ja den alten lateinischen Vers, daß nichts so schlimm sey, das sich nicht von einem Mönchen und bösen Weibe erwarten lasse. Dieser Spruch ist zu einem Axiom worden, das man gar nicht mehr beweisen darf. Kein Mensch zweifelt daran, als die Mönche selbst, und ihre Freunde. Das sind aber nur solche, die sich [durch] den äuserlichen Schein blenden lassen, und entweder niemal Gelegenheit gehabt haben, der Sache auf den Grund zusehen; oder ihre Augen vor dem Licht, das gegenwärtig in so manchen ächten und zuverläßigen Urkunden, die der Welt dißfalls vorgelegt werden, so helle scheint, muthwillig verschließen. Es wäre zu weitläufig, nach der Reihe zu erzählen, wie himmelweit Mönche und Unschuld von einander unterschieden seyen. Niemand fordert eine engelreine Unsträflichkeit von ihnen. Diese ist nicht das Loos der Menschen, so lang sie noch auf der Erde wallen. Aber eben so wenig ist es der Beruf der Mönche, schlimmer, als andere Menschen zu seyn. Es ist ein Glück für manche Klöster, daß man keine Tagebücher darinnen hält; oder daß sie wenigstens, wenn sie auch gehalten werden, das Licht nicht sehen. Da würde man Anekdoten zu lesen bekommen, die der Menschheit nicht sonderlich zur Ehre gereichten. Was meynen Sie, daß das Gelübde der Keuschheit für tödtliche Streiche leiden müße, unter Leuten, deren Geschäft Müßiggang ist, und deren Nüchternheit bey Weltleuten Schwelgerey heißen würde. Unter sich selbst leben sie in einem unaufhörlichem Hader und Neid. Nirgends gibt's mehrere Rotten und Faktionen, als in den Klöstern. Wie das achte Gebot dabey zurecht komme, darüber sind sie unbekümmert; denn es liegt ihnen mehr an den Gesetzen der Kirche, als an den Geboten Gottes. Außer den Klöstern stellen Sie, besonders, wenn sie etwa zu einer fetten Mittagssuppe geladen werden, Lustigmacher und Possenreisser vor; und wenn die Gläser genug gerumort haben, so sind die Mönche die letzten, die an ihrer Vernunft und Sinnen Schaden leiden, weil sie vor andern im Ausleeren der Pokale geübt sind. Von ihren abergläubischen Alfanzereyen, von ihren geflissenen Bemühungen, jedermann, auf den sie Einfluß haben und behaupten können, in der Dummheit zu erhalten; von ihren Verläumdungen und Lästerungen aller derer, die sich ihnen entgegen setzen, und die Welt, die schon lang genug unter diesem schändlichen Joch Joch geseufzet hat, von einem solchen Unrath säubern wollen; von ihren Bemühungen, auch so gar Fürsten in den zu ihrem Untergang, oder wenigstens Verbesserung abzielenden Unternehmungen Einhalt zu thun, woran es in diesen Tagen keineswegs fehlt, will ich nichts sagen. Alles das ist zu klar, als daß man viele Worte davon zu machen nöthig hätte; so klar, daß die Mönche selbst in die Faust lachen würden, wenn es jemand einfiele, ihre Unschuld im Ernst zu behaupten; so sehr sie darauf dringen, vor der Welt für so unschuldig, als Kinder, gehalten zu werden. Ihre verborgene Greul will ich nicht aufdecken, und an dem bisher gesagten genug haben. Nur muß ich noch das anführen, wie leichtfertig manche mit der Beichte umgehen. Lesen Sie hievon die erst kürzlich herausgekommene kleine Schrift: die österliche Beichte. Eine solche Behandlung eines heiligen Sakraments ist der gerade Weg, die ganze Religion beym Pöbel zu zerstören, und bey denkenden Leuten lächerlich und verächtlich zu machen. Dumme werden je länger, je tiefer in die Unwissenheit und Fühllosigkeit hineingeführt; und Einsichtsvolle müßen wahrnehmen. Daß man sie bey Religionsübungen nur zum Besten haben will. Geben Sie achtung, ob es nicht noch hauptsächlich um der Mönche willen dahin kommt, daß sich die Katholiken zu den Protestanten schlagen, weil sie mit Händen greifen können, daß bey diesen weniger Aberglaube, und mehr Nachdenken; weniger Mißbrauch der Cärimonien und mehr Ernst in würklicher Ausübung der Religion; weniger Possen, und mehr moralisches Betragen als in der katholischen Kirche herrscht. Wäre das Unschuld, wenn sie zu einer solchen Veränderung Anlaß gäben? Man kann es den Fürsten nicht übel nehmen, wenn sie bey solchen Umständen zu MaßRegeln greifen, die dem Pabst mißfallen müßen. Und wenn sie es thun, so mögen die Mönche die Verantwortung auf sich nehmen, die ihnen aber schwer genug werden wird. Ich mag mich nicht auf Begebenheiten berufen, die ihre völlige Gewißheit noch nicht haben. Aber es sind noch nicht 3. Tage, daß mir eine Nachricht zu Ohren gekommen ist, was für einen Befehl Joseph allernächstens in alle seine Staaten ergehen lassen werde – Eine Verordnung, die weder Justiz, noch Policey, noch Staatssachen, noch Handlung, noch Kriegswesen; sondern die Religion unmittelbar angeht, und über die man am Römischen Hof weit mehr zittern wird, als in den Zeiten der Barbarey die Kaiser oder Könige vor dem Päbstlichen Bannstrahl. Ich meine nicht das, daß, wer in Zukunft Dispensation in Ehesachen haben wolle, solche nicht mehr in Rom, sondern bey den Bischöfen der Kaiserlichen Lande suchen solle. – Nun, Sie werdens bald hören; denn ich zweifle nicht an der Richtigkeit der Sache. Und die Quelle dieses Befehls kann unmöglich eine andere seyn, als der Wille des Kaisers, sein Volk nicht mehr der blinden Führung der Mönche zu überlassen, sondern seine wahre Erleuchtung durch die rechten Mittel zu bewerkstelligen. Das zweyte Stück, das nach der angeführten Stelle aus den NoviziatBriefen zu einem braven Novizen erfordert wird, ist das: Er soll seyn, wie ein Narr. Ich muß die Erläuterung davon ganz hersetzen. Sie lautet also: »Er muß glauben, er habe gar keinen Verstand; er könne nichts und wisse nichts; er soll nur alles das für wahr oder falsch, für gut oder bös halten, was ihm seine Oberer vorpredigt.« Wenn der Unterricht der Obern bey einem Novizen gut anschlägt, so müßen tüchtige Leute gebildet werden. Leute, die den Mönchen so ähnlich sehen, als ein Ey dem andern. Mit Einem Wort: Mönche. Sonst wollen Leute, die das Handwerk verstehen, behaupten: Bey der Erziehung der Jugend müßte man darauf arbeiten, daß die Zöglinge ihren Verstand brauche lernen; das sie nichts um des bloßen Worts ihrer Lehrer willen für wahr, oder falsch halten, – nullius jurare in verba Magistri – (das hat aber nur ein Heyde gesagt, der den Mönchen ein Greul ist) daß sie mit eigenen Augen sehen, selbst urtheilen und nachdenken, sich nicht auf das Ansehen anderer verlassen, u. s. w. Aber die Mönche sind freylich eine ganz andere Klasse von Menschen, mit denen man bey ihrer Erziehung nicht nach dem gemeinen Schlag umgehen darf. Jenes ist nur für Weltleute, die mit ihrem Verstand und Wiz dereinst in die Hölle fahren, und von diesem Ort der Quaal aus die Mönche, die ohne Verstand in den Himmel gekommen sind, mit Jammern in dem Schooß Abrahams erblicken werden. – Ich muß gestehen, daß ich bey reiferer Ueberlegung in dem Satz: daß jeder Novize seyn soll, wie ein Narr, eine feine und tiefe Staatskunst erblike und bewundere. Ein so armseliges Geschöpf, als ein Novize ist, wenn man ihm schon, ehe er in das Kloster geht, weiß macht, daß himmlische Glückseeligkeit in jenen heiligen Mauren auf ihn warte, kann doch unmöglich einen so starken Magen mitbringen, daß er alle die Gerichte, die ihm von seinen Obern vorgesetzt werden, verdauen könnte. Er wird manchmal das Maul krümmen, und die Nase rümpfen, wenn ers unbeobachtet thun kann; Dinge für abgeschmackt und unvernünftig halten, die man ihm zu thun und zu glauben befielt; manches mit dem gesunden Menschenverstand nicht reimen können, was man ihm als große Weisheit vorpredigt. Was Raths, wenn der Novize nicht anbrüchig werden, und seinem Beruf getreu bleiben soll? Dafür ist durch die goldene Regel: Du must seyn, wie ein Narr, unvergleichlich gesorgt. Die authentische Erklärung hievon ist diese: So lang du noch in der Welt, das ist, noch nicht im Kloster warest, so warest du ein Narr, und hieltest dich für weise. Jetzt ist der glückliche Zeitpunkt da, da du aufhören sollest, ein Narr zu seyn, und anfangen, weise und verständig zu werwen [werden]. Der Weg zu dieser großen und wahren Glückseeligkeit ist kein anderer, als: deine bisherige Narrheit, in der du dich weise dünktest, zu erkennen, und überzeugt zu seyn, daß, so lang du nicht alles blindlings glaubst, was man die vorsagt; so lang du dir noch einen Funken gesunden Verstand zutrauest, deine Narrheit noch nicht geheilt sey; so bald du aber so erleuchtet wirst, daß du allem,was dir der Abbt, die OrdensRegel, und der Magister sagt, vollkommen Glauben beymissest, dich allem unterwirfst, wenn dir deine Vernunft auch noch so viele zweifel dawider beybringt; alsdann ist alle Narrheit weg, und aller Welt Weisheit ist nichts, als Thorheit gegen deiner Weisheit, die du nun allem, was nicht Mönch ist und heißt, getrost entgegensetzen und ruhig dabey seyn kannst, wenn dich die ganze Welt für einen Narren hält. Sie werden mich nun nimmer fragen, wie hierinn eine feine und tiefe Staatskunst stecke. Ein Mensch, der so zugestutzt ist, ist zu allem zu gebrauchen. Er ist taub gegen alles, was ihm andere Leute sagen, wenn es dem widerspricht, was er im Kloster gelernt hat. Den Abbt, oder den Provinzial, oder den General kostet es nur ein Wort, ihn zur Beobachtung eines Befehls zu bringen, wovon ein anderes Menschenkind, das die Stimme der Vernunft, und des Gewissens anzuhören gewöhnt ist, sich entsetzen würde. Lassen Sie sichs nun auch nimmer Wunder nehmen, wenn die Mönche jedermann, ausser sich selbst, für Narren halten. Sie haben Recht, daß sie so denken: denn sie müßen ja sonst nur ihre eigene Waare verrufen. Aber dagegen wollen wir Weltleute uns des nehmlichen Recht gegen die Mönche bedienen, und uns in diesem unserm Urtheil durch nichts irre machen lassen. In den Nachrichten von Klostersachen finde ich die Erzählung eines Fastnachtspiels, das während der Fastenzeit in dem C = = Kloster zu L. aufgeführt worden. Ich weiß nicht, ob es den Klugen, oder den Narren zum dienst geschah. Närrisch genug giengs dabey her; und je weniger Wiz oder Verstand ein Zuschauer besaß, desto mehr mußte er dabey befriediget werden. Die Patres werden sagen: Sie richten sich nach dem Geschmack der Leute; ihre Sache, da sie sich der Welt entzogen, seye es nicht, an solchen Possen eine Freude zu haben. Da sie aber auch mit Weltleuten ganz nothwendiger und gezwungener Weise Bekanntschaft und Umgang hätten, so müßten sie sich in die zeit schicken. Genug, ihre Weisheit ist gerettet, sie mögen thun und vornehmen, was sie wollen; und der Vorwurf der Narrheit fällt auf die zurück, die keine Kutten tragen; weil sich die Mönche durch die freywillige Narrheit als Novizen von aller Narrheit freygerichtet haben. Lassen Sie sich die Geduld nicht ausgehen, lieber Freund, ich bin mit den Erfordernißen zu einem braven Novizen noch nicht ganz fertig. Doch sind wir nun bald am Ende. Ein braver Novize muß seyn, wie ein Stock im Winkel. Zu deutsch: »Er muß geduldig überall verbleiben, wo man ihn immer hinstellt, und nicht im mindesten dawider murren, wie sein hölzernes Original. Er soll sich auch gar nicht bewegen, außer nach dem Willen und der Verordnung seines Obern.« Abermal höchst vernünftig! Gewiß, der Kopf, der diese 3. Regeln ausgeheckt hat, ist weit klüger, als die, die nach denselben gebildet werden sollen. Was kann passender seyn, als der Uebergang vom Narren zum Kloz? Es ist eine feine Steigerung bey diesen3. Stücken: Kind, Narr, Stock. Das Kind übertrift doch immer den Narren, und der Narr den Stock. Der Novize also, der diese 3. Klassen genau und pünktlich durchpaßirt, hat die sicherste Anwartschaft zu einem vollkommenen Mönchen. Verstehen Sie aber wohl – nur in gewißem Verstand. An Kindereyen, Narrheiten und klotzmäßigem Betragen ist unter den Mönchen kein Mangel. Aber daß sie durchaus Kinder, Narren und Klöze wären, das ist weit gefehlt. Sie sind keine Kinder. Wer mit ihnen fertig werden will, muß MannsVerstand haben, und auch dieser reicht nicht immer zu; sonst wären schon lang keine Mönche mehr auf der Welt. Sie sind auch keine Narren, und wissen ihren Mäusen, wie man in Schwaben sagt, wohl zu richten. Die Bequemlichkeit, die sie sich in ihren Klöstern verschaffen, beweißt wenigstens, daß, wenn sie in der Klugheit in vielen Dingen noch so weit zurücke sind, sie es doch in diesem Punkt mit den Gescheidesten und Verschlagensten aufnehmen können. Hölzern sieht es bey ihnen übrigens, was Geist und Herz betrift, genug, und darinn bleiben sie der Regel, die sie als Novizen gelernt haben, höchst getreu. Die Kultur ihres Verstandes mußte freylich, da sie ihr Magister zu Kindern und Narren gemacht hatte, ziemlich Noth leiden; dafür aber sind sie desto tüchtiger zu Stöcken im Winkel, die mit sich anfangen lassen, was man will; wohl gemerkt aber nur von ihren Obern. Von diesen müßen sie sich wohl, wenn sie auch nicht wollen, alles gefallen lassen. Aber andern möchte ich nicht rathen, sie für Stöcke und Klötze anzunehmen, wenn man nicht seine Glieder lahm bekommen, oder die Zähne, dafern es einen gelüsten sollte, in den Bengel zu beissen, einbüßen will. Nur noch Eins! Man sagt im Sprüchwort: Kinder und Narren sagen die Wahrheit. In diesem Stück sind die Mönche sehr, trotz der Klosterregul, von Kindern und Narren unterschieden, so sehr, daß neulich ein loser Vogel seine ganze Demonstration, daß der Teufel der Stifter der Mönchsorden sey, auf diesen einzigen Satz gründete: daß jenes Sprüchwort nicht auf alle Kinder und Narren applicabel sey. Nun bin ich mit meinem Commentar über die 3. Stücke, die zu einem braven Novizen, und folglich auch, Mönchen, erfordert werden, fertig. Er hätte weitläufiger seyn können, wenn ich nicht hätte fürchten müßen, Ihre Geduld zu mißbrauchen. Ich sehe nun freylich scharfen Widersprüchen aus Ihrer Feder entgegen – Wenn Sie nur nicht gar das Anathema über mich aussprechen! Doch ein jeder behält seine Vorstellungsart frey, hauptsächlich, wenn man seine Gedanken andern nicht als GlaubensArtikel aufdringt. Und davon sind wir Glieder der Katholischen Kirche, noch mehr, wie Laien, weit entfernt. Das überlassen wir dem Vater der Glaubigen zu Rom: der mag verkezern und verdammen; unsere Sache ist es nicht. Haben Sie nicht Lust, diesen meinen Brief Ihrem Xaver vorzulesen? Er bestärkt ihn etwa noch mehr in dem Vorsatz, der Kutte auf ewig abzusagen. In den Briefen aus dem Noviziat wird ihm gewiß nichts besser gefallen haben, als der Zuspruch eines Vaters an seinen Sohn, er sollte doch ins Kloster gehen: »die Patres seyen zwar stolze, unbeugsame Leute; aber ihre Kirche seye doch schön ausgemalt, und ihr Kirchenschatz sehr ansehnlich; und an des Prälaten Namenstag speise man vortreflich.« Das waren doch Gründe! Vergeben Sie mir meine Schwatzhaftigkeit. Ich bin etc. XVIII. Brief. Antwort auf den vorhergehenden. Was ich mit der Uebersendung der Predigt, die ich hier, als etwas nagelneues beylege, bey Ihnen für Ehre aufheben werde? – Nun das kann ich freylich jetzt noch nicht wissen. Aber redlich zu sagen, ich bin auch dißfalls unbesorgt. Werden Sie bekehrt, so habe ich meine gewiß gute Absicht erreicht. Geschieht es nicht: so können Sie mirs doch nicht übel deuten, daß ich zu Ihrer Besserung etwas beytragen wollte. Sie haben mich ja auch mit Schriften beehrt, an denen ich vieles, und alle Tage mehr, auszusetzen finde. Wir haben also einander nichts vorzuwerfen. Ihrem Urtheil will ich nicht vorgreifen. Wundern würde ich mich, wenn es günstig ausfallen sollte; das habe ich aber nicht zu erwarten. Den Reiz in der Schreibart,woran Sie durch das Lesen protestantischer Schriftsteller so viel Geschmack gefunden haben, werden Sie vergeblich suchen. Das ist ja aber auch nur ein außerwesentlicher Umstand. Und wem es um Wahrheit zu thun ist, dem gefällt sie in jedem Kleide. Es heißt auch hier: saepe est sub sordido palliolo sapientia . Ich habe die Predigt selbst gehört; und weil sie mir gefiel, mir solche schriftlich ausgebeten. Es gieng schwer her, diese Gefälligkeit zu erhalten. Der Redner, ein bescheidener Mönch, sagte mir endlich: ich möchte nur keinen üblen Gebrauch davon machen; Aufpasser auf ihn und seines gleichen gebe es gegenwärtig in der Welt genug: er wollte nicht gern unter diese Hornisse fallen; was er geprediget habe, dafür wolle er wohl haften – doch würde es ihm unangenehm seyn, mit jemand darüber in eine Controvers zu gerathen, wovon er nie kein Freund gewesen sey; ich möchte sie also nur für mich behalten, und ihm bald wieder zustellen; er wünschte mir bey nochmaliger Durchlesung derselben viele Auferbauung und Stärkung in meinem gutkatholischen Glauben; wozu allerdings auch das gehöre, daß man ehrerbietig von den Ordnungen der Kirche denke, und sich nicht jeden Wind der Lehre, den katholische und lutherische Freygeister aus allen Ecken der Welt in diesen letzten schlimmen Zeiten herbey blasen, von der uralten Wahrheit abwendig machen lasse. Ich dankte ihm für seinen wohlgemeynten Wunsch und für seine freundliche Willfährigkeit, steckte die Predigt in den Sack, und beurlaubte mich bald hernach, weil ich sie in der Schnelle abschreiben, und, meinem Versprechen zu folge, recht bald an den gehörigen Ort wieder zurück geben wollte. Hier ist sie nun, und wird hoffentlich unter uns zween bleiben. Ich muß Ihnen frey sagen, daß ich empfindlich darüber werden müßte, wenn Sie solche in Gesellschaften, in denen nach dem Ton der gegenwärtigen Zeit die Mönche allemal zuerst herhalten müßen, feil tragen, und den Spöttern preiß geben wollten. Predigt über den Text Büchlein Judith im Kap. XVI. Vers 20. und 21. Vae genti insurgenti super genus meum: Dominus enim omnipotens vindicabit in eis, in die judicii visitabit illos. Dabit enim ignem \& vermes in carnes eorum, ut urantur et sentiant, usque in sempiternum. Zu Deutsch: Weh dem Volk, das aufsteht wider mein Geschlecht. Dann der Herr wird an ihnen rächen. Am Tag des Gerichts wird er sie besuchen. Dann er wird Feuer und Würm geben in ihr Fleisch, daß sie gebrannt werden und spüren, biß in Ewigkeit. Liebes ChristenVolk. Ich hab mich schon lang besonnen, was ich euch auf den heutigen Feyertag predigen woll. Könnt viel sagen, was mir aufm Herzen ligt, und das Maul siedheiß davon überlaufen lassen, daß ihr zusammen fahren müßtet. Will euch aber dißmal noch verschonen, hoff, ihr werdet euch bessern, und die heiligen Feyertäge der Kirchen zu Ehren anderst feyren, als unterdessen. Nicht, die Alten ins Wirthshaus zu den Charten sitzen, und Weib und Kinder, Hosen und Wamms verspielen: das Weib daheim mit andern Ehebrechern buhlen und den Mann auslachen, wenn sie wieder ind Kindbett kommt: Nicht, das junge Volk zusammenlaufen, tanzen, springen, und wenns vorbey ist, huren und buben, daß die Geistlichen darob, und ob solchen ungeschliffenen Beichtkindern schwarzblütig werden möchten. Thut das nimmer, sonst bin ich nothgezwungen, schärfest zu predigen und euch nicht nur allein ins Fegfeuer, sondern gar in die Höll zu verdammen. Wann ihr darfür den Rosenkranz abbetten möget, so würden euch die Leichtfertigkeiten vergehen. Jetzt auf einen andern Apropos! Das Geschmeiß der Ketzer wird all Tag ärger. Wie aus der Büchß der Pandora, so fliegt alle Meß aus den Buchläden ein Schwarm von Büchern in die Welt hinaus, die alle den Mönchen, uns Leuten, die man doch in der christkatholischen Welt nicht entbehren kann, den förchtigen Garaus machen wollen. Gott lob, es ist noch nicht um die Zeit, daß Euer Geschwäz die erwünschliche Würkung hat. Es wird doch auch noch Erbärmd bey denen vorwalten, die Euch zu befehlen haben, ihr saubere Gesellen. Schamt euch in euer Herz, daß ihr so mit den Dienern der Kirchen umgehen mögt, und sie nicht besser traktiren, als die Hunde. Wann die Mönche nicht wären, so würde eures Gebeins nicht mehr da seyn. Doch ich verlaufe mich zu arg in meinem Eingang. Es ist Zeit, daß ich auf die Erklär= und Abtheilung meines Texts komme. Spitzet eure Ohren, und höret zu, wann ich euch eine wunderrare Predigt halte, und wortdeutlich zu bedenken gebe: Die scharpfe Straff, die die aufstützigen Calumnianten der Gotteshäuser und der Mönchen bälder, als bald drucken wird. Das ist I. eine wohlverdiente Straff, II. eine scharpfe Straff, und III. eine unabbittliche Straff. Ehe und bevor ich Euch alles das so klar mach, als das klare Wasser, möcht ich freylich wünschen, daß ich den honigtriefenden Mund des heiligen Kirchenvaters Krisostomus hät, wie wollt ich die JudasBrüder, die so gar unter den Catholischen, wie die Blindschleichen, und wie die falschen Katzen, sich befinden, schamroth machen! Keiner von denen unverschämten Verächtern sollt mir entwischen: oder wär ich so begabt, wie der deutsche Temosthenes zu Wien, ihr werdet mirs doch an dem Maul ansehen, daß ich von den lobwürdigsten Pater Abraham von Sancta Clara meyn, wie wollt ich ihnen den Rost herunter thun. Oft und dick hab ich mir schon gewünscht, daß ich all die Lästermäuler, die Pfeilschützen wider unsere heilige Orden, die schieferichte Schmierer der MönchsPasquillen in meiner Zell bey einander hätt, keiner sollt mir ohne blaue Augen davon kommen. Ich wollte diesen gewissenlosen und zimmerklugen Ehrabschneidern den Balg ausklopfen, daß sies gern hätten. Doch mit nichten! Allermaßen sich daß für mich nicht schicken thäte. Lieber will ich sie durch die kernhafte Beweißthümer, wider die der helle Tag nichts einwenden wird, in die Pfann hauen. Also zum ersten Stuck meiner Predigt, daß die Straff so die aufstützigen Calumnianten der Gotteshäusern und Mönchen bälder, als bald drucken wird, eine wohlverdiente Straff ist. Gott selber wird sie diesen Hohlhippern andiktirn, wie die fürtrefliche Princeß Judith in meinem Text sagt: Weh dem Volk, das aufsteht, wider mein Geschlecht. Niemand kann das Weh über einen Menschen aussprechen, als Gott der Herr selber. Und was er den Menschen für Strafen anthut, das ist alles wohlverdient. Daran kann niemand, als nur ein Erzketzer zweifeln. Und weil das just unsere Feinde nicht glauben wollen, so kann ich ihnen nicht helfen; und ob sie auch schon mitten im Schooß unserer Mutter der Kirche drinnen sind, ich muß sie Ketzer heißen. Sie meynen zwar, es werd kein Hahn darnach krähen, was man den Mönchen, und verstehts wohl, die sind eben das Geschlecht Gottes, für Unbild anthut. Aber gscheide Leute meynen nicht. Sie meynen zwar, wir Mönche habens wohl verdient, daß man so viel gefährliche Anschläg wider uns macht, und uns entweder in Weltgeistliche, oder gar in Layen überstalten will. Männiglich will uns beschmitzen, und sich an uns reiben, als ob wir Tagdieb wären, und das Brod mit Sünd fräßen; da wir doch so viel beten und singen, so viel Frost und Hitz ausstehn, unsern Leib so casteyen, so viel fasten, so viel gute Werk thun, so viel an dem Seelenschnitt arbeiten. Ach, wann keine Münch mehr wären, wie giengs der katholischen Welt, alles gieng zu Grund und Boden. Wir hebens noch, daß der Himmel nicht einfällt, und alle die Sünder, die, wie die Heuschrecken, die Erd überschwemmen, nicht niederschlägt. Aber wart't nur, ihr Lügenmäuler, die wohlverdiente Straf wird euch treffen, daß ihr uns Mönchen so viel aufschultert, das verlogen ist. Sie hat den Holefernes auch troffen, der wunder gemeynt hat, wie wohls die Juden verdient haben, daß er so mit ihnen umgesprungen ist. Aber umkehrt ist auch so. holofernes und sein Heer habens verdient, daß ihm der Kopf abgehauen worden und das Heer um seinen Anführer kommen ist. So wird's auch mit unsern Feinden gehen. Schreyet nicht so laut, ihr ihr Widersacher, ihr Holofernes der Kirch, der Mönchen und Gotteshäuser. Ihr meynet, ihr habt uns schon im Sack. Aber das Widerspiel wird sich zeigen, eh ihr nungucket. Die derbeste Unbild, die ihr uns drohet, wird auf euren Kopf kommen, und ihr werdt nicht darwieder muchsen därfen. Dann, daß ihrs wißt: wir seynd das Gschlecht Gottes, so gut, als die Juden zu Bethuljah; Gott wird sein Ziel erzwecken, aber ihr nicht. Wann ihr uns schon spinnen feind sind, so schadt das nichts. Gott ist euch auch spinnenfeind, weil ihr seinem Gschlecht spinnenfeind sind, und er wird euch zeichnen, daß ihr gezeichnet sind. Das ist eine wohlverdiente Straf. Die Trüb= und Drangsaalen, die ihr uns anthut, seynd unverdient, das wissen wir am besten. Aber ihr machet aneinander fort, man mag euch warnen, wie man will. Wir seynd in unsern Zellen anfangen nimmer sicher, man will uns naustreiben, wie man die Kinder Israel aus Egypten naustrieben hat. Kinder Israel ... – hier verwechselt der Gotteskämpfer etwas: Die Juden sind aus Ägypten geflohen, sie wurden nicht vertrieben. Daß Gott erbarm! Wir unschuldigen Leut! so unschuldig, als die Kindlein in der Wiegen. Aber just deßwegen wird die Plag, die euch feindselige Köpf verschlagen wird, gar wohl verdient seyn. Was thun wir denn? Nichts: und doch thut man uns so viel. Ich hab vor 8. Tagen einen liederlichen Kerl von Politicus sagen hören, daß man uns Mönchen grad darum nimmer dulden sollt, weil wir nichts thun, nehmlichen, als dem lieben Gott den Tag abstehlen, essen und trinken, rumlaufen, betteln, und mit aberglaubischem Geschäft umgehen. Ich hätt dem ungehobelten Pursch den Grind abschaben mögen. Ja freylich, Nichts thun, daß ist, nichts böses thun wir, aber lauter gutes. Solche Sachen müßen wir uns in den Bart sagen lassen. O tempera, o mores . Wir sind die rechte Geduldspiegel, wie die Judith und ihr Volk. Mittagshell kann mans erwahren, daß uns Unrecht geschieht. Unsere Klöster will man uns nehmen, und uns draus jagen, daß wir verhungern und verdursten müßen. Eitel Armseligkeit soll unser Speiß seyn. Ists nicht genug, daß der Schmalhans unser Küchenmeister all Mittag und Nacht ist, daß wir so viel fasten; daß wir betteln müßen, wann wir nicht mit billendem Magen uns auf unser elendes Stroh hinlegen wollen. Und doch ist des feindseligen Wesens kein End und kein Ort. Nun wir sollen zwar unsere Feinde lieben. Ist wahr. Das hat die liebe Judith auch gewußt. Doch hat sie sich auch drauf verlassen, daß Gott die Straf, die wohlverdiente Straf über die Feind nicht sparen werd. Und so verlaß ich mich darauf, und weiß gewiß, ich werd nicht zu schanden. Aber, geltet, liebe Zuhörer, ich mach euch die Zeit zu lang. Jetzt bin ich erst mit dem ersten Theil fertig. Wems zu lang ist, der kann gehen. Gescheide Leut werden mir gern noch lang zuhören. Ich hab euch noch viel zu sagen, das ihr nicht wisset, und das euch freuen wird, wenn ichs euch sag. Ich muß jetzt im zweyten Theil euch lehren, daß die Straf, so die aufstützige Calumnianten der Gotteshäuser und der München bälder als bald drucken wird, ein scharpfe Straf seyn werd. Die München seynd keine so liederliche Leut, als viel Narren meynen, das höret ausm Text. Er wird Feuer und Würm geben in ihr Fleisch, daß sie brennt werden und spüren bis in Ewigkeit. In was für Fleisch soll Feuer und Würm kommen? Geltet, in der München Fleisch? Meynet ihr? das hättet ihr gern, ihr Gaudieb. Aber es ist anderst gemeynt. Die Mönchen essen nicht viel Fleisch, manche gar keins. Also können keine Würm und kein Feuer drein kommen. Wider diesen sonnenhellen Beweißthum müßen all unsre Feind erstummen. Aber der Calumnianten ihr Fleisch, das muß erfahren, wie das Feuer brennt, und wie die Würm beißen und nagen. O schröckliche Straf, o scharpfe Straf. Probirets nur mit eurem Finger, oder mit eurer Nas, ihr giftige Schreiber, wanns wieder die München geht, ihr nasweise Philosophi, wann ihr Nonnen, all Klöster und Gotteshäuser, all Messen und Wallfahrten, all Fest= und Feyertäg, all Marianische Bittgäng und Tagzeiten, all Gottesheilige und Fronaltär, all Kirchen und Christenlehr aus der Welt hinaus philosophiren wollt. Probirts mit euren nasweisen Fingern, und hebet sie mir samt der Nas nur zwo Stunden ins Feuer, was gilts, es wird euch brennen, daß euch gesalzene Thränen über die Backen laufen werden. Aber, wann das Feuer in euer ganz Fleisch kommt, daß ihr braten müßt; wenn die Würm hinten drein kommen, wies im Text lautet, und euch Haut und Bein abnagen, denn wird das Lachen gar aus seyn, und ihr werdet wünschen, wann wir nur die unschuldigen München ungeschoren gelassen hätten. O scharpfe Straf, die ihr euch nicht eingebildet hättet. Aber so ists, wann man drauf hineinhaußt, und nichts glauben will, als was die Ketzer und Freygeister sagen. Ich bitt euch jetzt, lasset ab, bevor die scharpfe Straf kommt: sie wird gewiß kommen, so gewiß es in meinem Text steht, daß sie auf die Münchsfeind kommen werd. Lasset die guten München in Ruh. Glaubets, daß sie gottsförchtige, unschuldige, heilige Leut seynd. Sie erretten euch ja durch ihr Gebet und heilige Messen aus den brasselnden Fegflammen. Seyd nicht so heikel, wann sie zu euch in die Häuser kommen. Gebet ihnen fein erklekliche Allmosen, wann sie bey euch terminiren, vermachet den Gotteshäusern auch etwas auf euren Todbettern, damit ihr desto bälder aus dem reinigenden Feuerkerker erlößt werdet. Lüget nimmer über sie: lasset ihre Güter unbetastet: Kauffet ihnen ihre heilsame Mittel wider den Teufel, alle Hexen und Unholde ab: Nehmet ein Exempel an ihrem auferbaulichen Leben und Wandel, an ihrer Kasteyung des Leibs, an ihrer Engelreinen Keuschheit; Habet Mitleiden mit ihnen, wann man sie verlästert und verfolget: zwacket ihnen nichts diebisch ab, auf daß es euch nicht einmal auf der Seel brenn. Richtets ihr, die ihr meinen Ermahnungen und Warnungen zuhöret, den andern aus, daß sie sich darnach richten. Die karge Zeit mahnt mich daran, daß ich hurtig machen soll. Ich mags doch nicht gar zu lang machen, ihr möchtets sonst vergessen. Höret also nur voll geduldig zu; es soll bald aus seyn. Dritter Theil. Die Straff, so die aufstützigen Calumnianten der Gotteshäuser und der München und Nonnen bälder als bald drucken wird, ist auch eine unabbittliche Straff. Ho, ihr denket, es wird nicht so arg seyn, es wird gnädig ablauffen, mit der Straff: es ist nicht so ernst. Wir wollen uns halt schon helffen. Geltet, ich hab eure leichtfertigen Gedanken haarklein verrathen. Ihr lachet in die Faust, wann ihrs den München noch so arg machet. Ihr erdemüthiget euch nicht, ihr wollet eure Sünden nicht abhalsen durch Reu und Buß: ihr wollet, wenn das Feuer und die Würm anfangen kommen, das Haberstroh eures Gebets in dem Strudel, in dem ihr seyd, als einen Nothhelfer brauchen. Aber gebet acht, was ihr für einen Bock schiessen werdet. Die München und Nonnen werden euch brav auslachen, wann euer schüchternes Hasenherz ganz und gar erdattert seyn wird. Ihr meinet, wenn ihr schlimme Gesellengewesen seyd, so därfet ihr nur das Maul wischen, und hinter der Thür Abschied nehmen, und euren Trapp straks fortlauffen, ohne daß man euch ein Haar krümmen thät. Aber gmach. Die Gnad und Erbarmniß geht derley dreustige Sündenböck, als ihr seyd, nichts an. Die Straff, die euch bälder, als bald drucken wird, die scharpfe Straff, die zu eurer Erstaunung über euch kommen wird; die förchtige Eräugniß, die auf das Geheiß des grechten Richters über euch ausbrechen wird, ist eine unabbittliche Straff. Ich sags mit Fleißabermal, auf daß ihr nicht meynet, es sey vexirt. Sie wird euch so lang drucken, biß ihr den Leib ausgeistert, in welchem eine so gottlose Seel gehaußt hat. Da wird's zu spat seyn, wann ihr euch an Gott henken wollt. Euer Stutz wider die München, und wider die Gottesheilige wird unter den Strengheiten der Straff aus dampfen. In eurem Sinn sind ihr thurnhoch gewesen, wann ihr jene gute Leut mit euren Lästerzungen abgekämmt habt. Aber um dieselbe Zeit wird euer Herz grundtief seyn, und nimmer aufhüpfen, wann ihr vor eure höllische Boßheiten unvergleichlich büßen müßt. Ich sags euch noch einmal: unvermeidentlich müßt ihr büßen: die Straff wird euch, wann ihr schon betet und schreyet: Verschon mir, verschon mir, auf dem Fuß nachlauffen, und wann ihr all eure gute Werk zusammenziffert, so werdet ihr keins herausbringen: lauter böse Werk, die nicht schlimmer seyn könnten. Eure Augen werden erblinden, und eure Mäuler erstummen, weil ihr mit den Augen scheel darzu geguckt habt, wanns den München gut gegangen ist, und weil ihr mit den Mäulern sie verlästert habt. Ihr habt glaubt, ihr habt Fug dazu, alles mit den unschuldigen Leuten anzufangen, was euch in euer tückisches Herz komm: ihr habet einen Freybrief zu allen Unthaten, grad wie in alten Zeiten die Juden es auch nach dem Gezeugnuß der Evangelien mit unserm Herrn Gott gemacht, da sie nicht geruht haben, biß er an den Creuzgalgen kommen ist, und sich viel drauf einbildt haben. Aber ihr werdets erfahren, zu eurem Schrecken, wann ihr dem Bußgeist nicht Platz gebet, daß es euch geht, wie jenen Schälken, die mit dem unschuldigen Christ so gottlos umgesprungen seynd. Und jetzt will ich ein End machen. Wann das nichts hilft, so hilft mehr auch nichts. Ich hab euch herzrührend alles gsagt, was ich gewußt hab,. Ich habs euch staffelweiß bewiesen, und alles ausgeknotet. Die Worten, die ich euch predigt hab, werden euch verdammen, wann ihr euch nicht bessert. Ich hab euch das Gewissengschärpft, und zeigt, daß euer Gscheidheit Narrheit ist. Dem Gegenwurf meiner Predigt hab ich gnüge thun. Verstreuet die Worten nicht, die ihr jetzt ghört habt, sie sollten euch immer in Ohren sausen, daß ihr euren Boßheiten den Korb geben, und ihr euch nur auf gute Ueb= und Handlungen, und Tugendakten legen thätet. Euer SeelenHeil ist mir so ans Herz gwachsen, daß ich nicht davor schlaffen kann. Anstatt eurer Gassenhauer thut fleißig Bittseufzer zu dem heiligen Joseph, daß die erfrostete Lieb gegen die München in euch wieder auflodere, und ihr nimmer Grißgramm gegen ihnen sehen, sondern süß lächeln möget, wenn euch ein Münch oder Nonne unters Gsicht kommt; so könnet ihr wohlgemuthet seyn, und dürfet euch nimmer vor der Straff förchten. Amen. XIX. Brief. Antwort auf den vorhergehenden. Es ist mir ordentlich bange dabey, was ich Ihnen auf Ihr letztes Schreiben antworten soll. Spreche ich vom Herzen weg, so kann es unmöglich ohne Aeußerungen abgehen, mit denen Sie nicht wenig unzufrieden seyn möchten. Verberge ich meine wahren Gesinnungen, so ist das meiner ganzen Gedenkungsart zuwider, und Sie würden es vielleicht selbst für einen Beweis der Abnahme meiner Freundschaft ansehen, das mir um so weher thun müßte, je größer das Unrecht wäre, das Sie mir dadurch zufügten. Ich erkenne es würklich für ein zuverläßiges Zeichen Ihres Vertrauens, das Sie in mich setzen, daß Sie mir die Predigt mittheilen wollten, von der Sie, wie Sie selbst bezeugen, voraus sahen, daß sie wohl das Signal zu einem neuen Streit zwischen uns beeden abgeben möchte. Um zu zeigen, daß ich dieses Ihres gütigen Vertrauens zu meiner Aufrichtigkeit und Bescheidenheit nicht ganz unwürdig sey, eile ich, mich offenherzig gegen Ihnen darüber zu erklären. Voraus versichere ich heilig, daß ich Ihre Anweisung, solchen für mich zu behalten, auf das strengste beobachtet habe; nicht zwar ganz aus dem Grund, den Sie mir angeben, sondern theils, weil Sie es so haben wollten; theils, weil es würklich meine Sache nicht ist, entweder selbst über dergleichen Dinge zu spotten, oder andern damit eine lustige und heitere Stunde zu machen. Sollte also die Predigt über kurz oder lang bekannt werden – das ist doch nichts unmögliches – so halten Sie wenigstens mich für unschuldig und unfähig, eine solche Treulosigkeit zu begehen. Nun aber bediene ich mich der Erlaubniß, meine Gedanken eben so frey, darüber zu sagen, als ob ich die Arbeit eines Protestantischen Geistlichen vor mir, und zu beurtheilen hätte. Wenn ich schon kein Theologe von Profeßion, und nur ein Laie bin, so lasse ich mir doch die Befugniß hierzu keineswegs absprechen. Das nehme ich mir nicht heraus, wie ein Kunstverständiger zu urtheilen; es ist aber auch nicht nöthig, einer zu seyn, um überhaupt urtheilen zu können. Sehen Sie also, wie Sie voraus gewonnen Spiel bey mir haben, wenn Ihnen mein Urtheil mißfällt. Sie können sich immer dahinter verschanzen, es sey nur der Tadel eines Laien, und nicht eines Theologen, vom Handwerk; und die Arbeit dieses Mönchen kann vielleicht in Ihren Augen nur desto mehr dabey gewinnen, je weniger Beyfall sie bey mir erhalten hat. Da haben Sie vollkommen Recht, daß man in dieser Predigt keine reizende Schreibart antreffe. Nein, nicht einmal eine erträgliche. Sie ist ganz in dem Geschmak der katholischen Redner vom vorigen Jahrhundert, und einiger in dem jezigen, z. E. des WiesenPaters zu Ißmaning und des Wohlehrwürdigen und Seeleifrigen Pfarrers zu Brinnhausen, auch des zu Sangersdorf, von denen ich vor weniger Zeit Homilien gelesen habe, über die man, wenn schon ihre Zuhörer wacker darüber gelacht haben, die bittersten Thränen weinen möchte. Ihr locus communis , daß es auf die Gedanken, und nicht auf den Ausdruck in einer Predigt ankomme, paßt meines Erachtens nicht ganz hieher. Dieser muß doch wenigstens genießbar seyn, und man muß daraus sehen können, daß der Redner nicht aus dem Pöbel ist. Aber jeder Bauer, der nicht ganz im Gehirn verwahrloßt ist, muß solchen Jargon zusammensetzen können, den wenigstens ich nicht ohne Eckel gelesen habe. Es ist ein Unterschied unter einem vortreflichen, und unter einem pöbelhaften Stil. Jener ist für den kleinsten Theil der Zuhörer, das gestehe ich ein; aber dieser taugt gar nirgends hin, als auf die Jahrmärkte und in die Wirthshäuser, in solche Gesellschaften, wo sich die Grundsuppe der Menschen lustig macht. Ich glaube, die Mönche haltens für ein beträchtliches Stück der Orthodoxie, sich rauh und ungeschliffen auszudrücken. Wenn sie das vor 10 – 20. Jahren geglaubt haben, so möcht es noch hingehen. Aber Sie wissen ja selbst, daß in verschiedenen katholischen Staaten Deutschlands sich der Geschmack seit einiger Zeit hierinn sehr geändert hat. Ich habe Meisterstücke der Beredsamkeit aus Bayern gelesen; diese sollte der Verfasser der Predigt vor sich genommen haben. Gute Schreibart macht einen noch nicht zum Ketzer, so wenig einer deßwegen ein gut katholischer Christ ist, wenn er nicht 2. Zeilen vernünftig zu Papier bringen kann. Es ist wahr, unter einem groben Kittel ist oft Weisheit, wie das lateinische Sprüchwort heißt; aber bey weitem nicht alle grobe Kittel bedecken Weisheit, das werden Sie selbst ohne Schwierigkeit eingestehn. Es fehlt aber den guten Mönchen an einer Hauptsache. Wer nicht denken gelernt, und nie gute Bücher zu Gesicht bekommen hat, von dem läßt sich auch nichts anders erwarten, als was ich in dieser Predigt angetroffen habe. Wenn Sie mir nicht geschrieben hätten, daß Sie solche selbst angehört haben, so ließe ich mich nichts von dem Gedanken abbringen: ein Schurke habe, um sich die zeit zu vertreiben, eine Sammlung der schlechtesten katholischen Schriftsteller vor sich genommen, sich, so viel möglich, auf eine Weile in ihre Gedenkungsart hineingesetzt, elenden Gedanken ein noch elenderes Kleid angelegt, und diesen Strohmann alsdann gescheiden Leuten, um den Mönchen abermal ein tüchtiges anzuhängen, zum Spott dargestellt. Aber Sie, mein Freund, haben aus lauter Wollust, daß den Mönchsfeinden wieder eine, Ihrer Meynung nach scharfe Lauge aufgegossen worden, alles Elende, das aus einer jeden Sylbe dieser schnakischen Rede heraussieht, großmüthig übersehen; und nicht daran gedacht, daß eine so böse Sache, als die Vertheidigung der Mönche gegenwärtig ist, einen in allem Betracht außerordentlichen und vortreflichen Advokaten haben will. Vermuthlich werden Zuhörer von verschiedener Gedenkungsart in der Kirche gewesen seyn. Hätten Sie allen ins Herz sehen können, was würden Sie angetroffen haben? Die Wahl des Textes, so viel ich dabey zu erinnern fände, ist noch so ziemlich erträglich. Der Prediger mag sich auch in der That viel damit wissen. Aber die Vorstellung daraus und die Hauptsätze sind unter aller Kritik. Die Vernunftlehre ist nun niemalen, die Sache der Mönche. Aber wer, auch ohne ein Gelehrter zu seyn, ordentlich denkt, kann durchaus mit einem solchen Mischmasch nicht zufrieden seyn. Die Ausführung ist das vorworrenste Zeug, das je in eines Menschen Hirn gekommen ist. Wiederholungen zum Eckel von Dingen, die man das erstemal mit Verdruß anhört – Ausfälle auf die Widersacher der Mönche, die ganz am unrechten Ort stehen. Denn wie unklug überhaupt das sey, daß der Prediger in einer Versammlung, darinn vielleicht ein paar hundert Personen in ihrem Leben nichts davon gehört haben, was gegenwärtig wider die Mönche im Werk ist, diese Materie vorträgt, und ohne Zweifel damit manchen seiner dummen Bauren erst aufmerksam auf diesen Handel macht, das werden Sie mir nach genauerer Ueberlegung selber ohne Anstand eingestehen. Hätte er nicht, wenn er seine Kirchkinder von der Verführung zum Haß wider die Mönche hätte verwahren wollen, ganz anders verfahren, ihnen die Vorwürfe, die man ihm und seines gleichen macht, aus den Augen rücken; oder, wenn er sie anführen wollte, kurz und bündig darauf antworten sollen? Das klügste an der ganzen Arbeit ist die Kürze. Die Weile wurde mir zwar lang genug, als ich sie durchlase. Aber doch wunderte ich mich an dem Ende selbst, daß ihm nicht noch mehr von diesem Schlag beygefallen ist. Man merkt ihm auch an, daß er sich selbst eben für keinen schlechten Prediger hält; und bey solchen, sie mögen gut oder schlecht seyn, hat man immer wahrgenommen, daß sie sich selbst gern hören, und also schwer daran kommen, zu rechter Zeit ein Ende zu machen. Ich sorge nur, wenn der Mann die oben von mir angeführten gedruckten Predigten zu Gesichte bekommt, so möchte ihn der Einfall plagen, die seinige auch drucken zu lassen. Doch Nein! Auf diese Besorgniß haben Sie mir schon voraus geantwortet. Er will nicht gern unter die Horniße fallen, und fürchtet sich vor Controversen. Daran thut er wohl. Jene würden übel mit ihm verfahren; und für einen Helden in der Polemik halte ich ihn auch nicht. Wenigstens würden diejenigen, die, mit den Mönchen zu reden, wider das Geschlecht Gottes aufstehen, sich nicht scheuen, mit ihm anzubinden, wenn sie seine in dieser Predigt beobachtete Methode, die Ketzer zu widerlegen, kennen gelernt hätten. Ich bin immer noch nicht mit mir einig, was ich darüber denken soll, daß Sie mir diese Broschüre zugeschickt haben. Hoffen konnten Sie doch nicht, daß ich mich dadurch würde auf einen andern Sinn, in Absicht auf die Mönche und Klöster, bringen lassen. Sie müßten mich gar nicht kennen, wenn Sie das glauben. Ein solches Muster von Beredsamkeit, ist das sicherste Mittel, die Mönche vollends gar um den kleinen Rest von Ansehen zu bringen, in welchem sie noch bey einigen stehen. Oder wollten Sie mich etwa gar damit necken, und mich für meine Neigung zur Lektüre wohlgeschriebener protestantischer Schriften bestrafen, daß Sie mir diesen Bogen Papier mit Mönchsphrasen ohne Philosophie und Theologie vollgepfropft, in die Hände spielten? Das wird gerade conträre Würkung thun. Ich will mich dadurch an Ihnen rächen, daß ich in Zukunft, wenn ich eine vernünftige Predigt lesen will, meinen Fleschier zur Hand nehme; oder nichts anderes von geistlichen Reden mehr unter meine Augen kommen lasse, als was zu Leipzig, oder zu Hannover gedruckt ist. Sagen Sie das meinetwegen dem Mönchen, wenn Sie ihn wieder sprechen – meinetwegen allen paßionirten MönchsFreunden – Wollten sie sichs per Selbsterkenntniß dienen lassen, so sollte es mich freuen, und ich wollte der erste seyn, der sich durch ihre Besserung wieder auf einen andern Weg bringen ließe. Aber so lang dieser Geschmack noch bey ihnen herrscht, den ich in der mir mitgetheilten Predigt angetroffen habe, der auch diejenige ganz durchgesäurt, die in den Nachrichten von Klostersachen vorkommt, und womit jener Verfasser gewiß nichts anders gesucht hat, als die Mönche dem Hohngelächter vernünftiger Leute zum Opfer zu bringen; so lang, ich berge es Ihnen gar nicht, halte ich auch dieses für einen der allerwichtigsten Gründe, warum man mit diesen Leuten je bälder je lieber einer Hauptveränderung zueilen sollte. Sie arbeiten ja offenbar auf nichts anders loß, als daß die Erleuchtung unter dem gemeinen Volk sowohl, als unter andern, die noch an ihnen hangen, gehindert, der Haß wider alles, was nicht katholisch und Mönch heißt, gepflanzt, der Aberglaube unterhalten, und so das wahre Glück der Staaten ihrem Intereße aufgeopfert werde. Können Sie das läugnen, mein Freund, und wenn Sie es nicht läugnen können, – das traue ich Ihrer Wahrheitsliebe allerdings zu – können Sie es billigen? Es ist ja unverantwortlich, daß diese Leute den Meister in der Welt spielen, und sich alles unter ihren Scepter beugen solle. Ich weiß es wohl, was Sie dieser ihrer Forderung für einen Anstrich geben. Bey ihnen sey die wahre Religion zu Hause, sagen sie, sie heben den Himmel, – ein Ausdruck Ihres Mönchen in der Predigt – daß er nicht einfalle, und die Sünder in den Boden hineinschlage. Wenn keine Mönche und Klöster mehr wären, so würde alle Gottesfurcht dahin, und von der Erde vertilgt seyn, und was dergleichen mehr ist, das ich nicht zum Eckel wiederholen mag, da es schon tausendmal gesagt, aber eben so oft auch widerlegt worden ist. Sie haben mir zugemuthet, diese Predigt zu lesen; ich darf Ihnen nun doch wohl auch zumuthen, Geduld mit mir zu haben; oder Sie wenigstens bitten, einen Vorschlag von mir anzuhören, der mir über diesen Gegenstand beygegangen ist, und den ich Ihnen so kurz als möglich, mittheilen will. Wie wäre es, wenn man es ernstlich in Ueberlegung nähme, die MönchsOrden zu vermindern, und die übrig bleibenden, alle, keinen einzigen ausgenommen, zu verbeßern? Entrüsten Sie sich doch nicht darüber, daß ich mich, als ein Laie, in solche Dinge mische, die gar nicht für mich gehören, die ich nicht verstehe, über die kein Mensch von denen, denen es zukommt, die Sache vor ihren Richterstuhl zu ziehen, Vorschläge von mir verlangen wird. Nicht wahr, das sind Ihre ersten Gedanken, die ich auf ein Haar getroffen habe? Sie kommen aber damit nicht weg; ich lasse mich nicht so geschwind abweisen. Ich dringe ja meine Einfälle niemanden auf; sie sind ja ganz unmaßgeblich: sie werden niemanden zu Gesicht kommen, der sich dardurch, als durch einen Eingriff in seine Vorrechte, beleidiget halten könnte. Die Sache betrift die Religion, und in dieser Rücksicht gehört sie für jedermann, dem die Religion nicht gleichgültig ist; und als die wichtigste Angelegenheit, die ein Mensch haben kann, darf sie doch niemanden, der denken kann, gleichgültig seyn. Daß diese Sache über den Horizont eines Laien hinaus sey – das wäre ein wenig zu hoch gesprochen! Man darf ja nur die Schriften lesen, die hievon in jedermanns Händen sind, um Einsicht darein zu bekommen. Daß diejenigen, vor deren Richterstuhl diese Materie gehört, oder gehören soll – darüber wird auch gestritten, und Sie wissen, daß die weltliche Obrigkeit, trotz aller Widersprüche der Geistlichkeit, sich die Befugniß, ein Wort dazu zu sagen, noch nicht hat absprechen lassen, – von mir keine Vorschläge hierüber verlangen werden, glaube ich gerne. Ich werde sie ihnen auch nicht mittheilen, viel weniger aufdringen. Also bleibt immer, meiner Einsicht nach, so viel richtig, daß ich keineswegs sündige, wenn ich darüber nachdenke, wie dem in der katholischen Kirche offenbar herrschenden, und vornehmlich durch die Mönche aufgebrachten, und von ihnen geflissentlich unterhaltenen Unwesen, zum Besten der christkatholischen Glaubigen, gesteuret, ganz abgeholfen, und dardurch etwa zur Vereinigung der noch von uns getrennten Gemeinden der Weg gebahnet werden könnte. Sind denn diese Absichten so tadelhaft; oder muß mans für bekannt annehmen, daß alles, was den Mönchen nur ein wenig mißfallen könnte, voraus für ungerecht und gottlos erklärt werden müße? Das letztere wäre doch überaus hart, und ich weiß nicht, woher diese Leute eine solche sanctitatem und Unverletzlichkeit beweisen wollten. Hat sich ja der Pabst vor bald 20. Jahren von dem Febronius bittere Wahrheiten im Angesicht der ganzen Welt sagen lassen, und Vorschläge anhören müßen, wie man ihn in seine alten Gränzen zurückführen, ihm in Zukunft nicht mehr einräumen, als ihm gebühre, und das zu einem Mittel machen solle, die Irrenden wieder in den Schooß der Kirche zurück zu bringen? Warum wollen die Mönche vor dem Pabst etwas voraus haben? Und jenes that noch dazu ein Katholik, ein Prälat, in einem Buch, das noch würklich in aller Hände ist. O so wird es gewiß auch vergönnt, und keine so halsbrechende Vergehung seyn, den Mönchen zu eröfnen, daß man ihnen gute Besserung wünsche, und ihnen zu verstehen zu geben, daß sie selber das Beste dabey thun könnten, wenn sie sich von freyen Stücken besserten; aber auch, daß, wenn letzteres nicht geschehe, sie es sich nur selber ohne Umwege beyzumessen hätten, wenn man mit Gewalt zugreife, und eine zwar schmerzhafte, aber heilsame operation mit ihnen vornehme. Wer will etwas hiewider einwenden? Und bedenken Sie doch nur auch das, daß wir beede ja keine Protestanten sind. Wäre ich einer, so wunderte ich mich nicht, daß Ihnen diese meine Gedanken verdächtig vorkommen. Und hätte ich an Ihnen einen Protestanten vor mir, so wüßte ich freylich, daß, wenn meine Vorschläge noch so ungerecht und impraktikabel wären, ich Ihnen doch damit willkommen seyn würde. Aber, da es bey mir nicht darauf angesehen ist, der Kirche, unserer Mutter, nur das geringste zu vergeben, sondern ihr vielmehr besser aufzuhelfen: so sollten Sie mir billig alle Gerechtigkeit, wenigstens Nachsicht, von ganzem Herzen widerfahren lassen. Und glauben Sie denn nicht auch, daß es so gar Mönche giebt, die froh dazu seyn würden, wenn man sie ihrer Gelübde entließe? Sie müßten ja keine Menschen seyn, und alles Gefühl verlohren haben, wenn sie nicht die Nachricht mit Frohlocken anhören sollten: Eure barbarische OrdensRegel ist aufgehoben; ihr dürfet nun nicht mehr unter dem Joch eines menschenfeindlichen Abbts schmachten; ihr dürfet die Rechte der Menschheit wieder genießen, die man euch und Millionen eurer Vorgänger widerrechtlich und unmenschlicher Weise entzogen hat. Gesegnet sey die Stunde, in der einem erleuchteten, und Liebe und Wohlwollen athmenden Mann der Gedanke gekommen ist, diese große Absicht ausführen zu helfen. Gesegnet sey der Tag, an welchem er bey denen, die darüber zu sprechen haben, Gehör mit seinem Vorschlag gefunden hat! Ja gesegnet seyen die Fürsten, die sich hauptsächlich darinn als Väter ihres Volkes beweisen wollen, daß sie sich nichts, keine Drohungen, keine Thränen und Seufzer der Abergläubischen, keine Vorstellungen falscher Politiker davon abhalten lassen in dieser in unzählichen Rücksichten so ungemein wichtigen Angelegenheit ein vor allemal durchzubrechen, und zu zeigen, daß sie die ihnen von Gott gegebene Macht, ihrer Unterthanen Bestes in allen Stücken zu befördern, nicht als ein todtes, unnützes Capital ansehen, sondern zur Hand nehmen und gebrauchen. Also zur Sache! Ich werde Ihnen die Zeit mit meinen Vorbereitungsbetrachtungen lang genug gemacht haben; und Sie werden mir vielleicht doch am Ende desto weniger Recht geben, je mehr ich mich bemühe, alles aus dem Weg zu räumen, was Sie irren könnte. Ich habe Ihnen schon gesagt, daß die Frage theils von der Verminderung, theils von der Verbesserung der alsdann noch übrigen MönchsOrden sey. Ich trage also keineswegs auf die Abschaffung aller Mönche an; nicht auf die Aufhebung aller Klöster, und entweder gänzliche Zerstörung derselben, oder Verwandlung in andere Anstalten, z. E. in Schulen und Akademien, in Hospitäler, in Zucht= und Arbeitshäuser, Gebäude zu Manufakturen und Fabriken, in Casernen, und dergleichen; dazu wird auch Rath werden, wenn sie nur einmal auf eine gemäßigtere Anzahl heruntergesetzt sind? Sondern es ist für dießmal von ihrer Verminderung die Rede. Diese kann zu stande gebracht werden, theils, wenn man die Orden selber vermindert; theils wenn man eine gewiße kleinere Anzahl von Klöstern jedes Ordens festsetzt. Sie sehen, daß ich billig bin, und daß ich bey Leibe nicht das Garn auf dem Boden gehen lassen, und dergestalt mit dem Besen des Verderbens unter diesen guten Leuten gekehrt wissen will, daß nach Verfluß von ein paar Jahren kein Mensch mehr wissen soll, wie eine Kutte oder Kaputze ausgesehen hat. Nein, das wäre zu bunt und zu grausam, davon nichts zu gedenken, daß das, wo nicht möglich, doch gewiß mit großen und unübersteiglichen Schwierigkeiten verknüpft wäre. Der Ursprung der Mönche, wenn ich schon nicht glaube, daß er im Alten Testament bey dem Propheten Elia, oder in den allerersten Zeiten der christlichen Kirche zu suchen sey, ist mir doch viel zu ehrwürdig, als daß ich mir einen solchen Gedanken erlauben könnte. Mönche sollen bleiben; Klöster soll man in der katholischen Kirche bis ans Ende der Welt haben. Ein Projektenmacher, der zu weit geht, zeigt allemal entweder Unverstand, oder Bosheit; und beedes ist ferne von mir, wenn mir schon meine SelbstErkenntniß genug sagt, daß ich mir kein allzugroßes Maaß von Einsicht und Verstand zuschreiben dürfe; so wie es falsche und unsinnige Demuth wäre, wenn ich behauptete, ich besäße gar keine. Es ist gewiß keine von den guten Seiten der Protestantischen Kirche, daß es ihnen an Mönchen und Klöstern fehlt. Luther war ein schneller und hitziger Kopf, der manchen Schritt im Anfang gemacht hat, von dem er gern wieder zurück gekommen wäre, wenn es mit Ehren hätte seyn können. So gieng es ihm hier. Weil er in diesem Stück Mißbräuche bemerkt hatte, die auch kein unparteyischer und vernünftiger Katholik bis auf diese Stunde läugnen kann, so fuhr er zu, und ließ nicht ab, bis der Mißbrauch samt dem rechten Gebrauch dahin war. Das kann niemand loben. Ich bin gut dafür, daß mancher nachdenkender Protestant das in der Stille an der Reformation tadeln wird. Auf Verminderung und Verbesserung hätte er antragen sollen. Lassen Sie mich hier im Vorbeygehen etwas aus einer französischen Schrift, die vor 18. Jahren in London herausgekommen ist, anführen, das hieher gehört. Sie hat den Titel: Essais historiques sur Paris de Mr. De Saintfoix . Das Buch ist schon älter; denn dieß ist die dritte Ausgabe. Dieser Verfasser schreibt: »Die Bettelmönche, wenn sie gleich nur von Allmosen unterhalten werden, kosten dem Staat nicht wenig. Camus, Bischoff zu Bellay, bemerket irgendwo, daß ein einziger Bettelorden der Christenheit 34. Millionen Gold koste, wenn man auf die Kleidung und den Unterhalt eines jeden dieser Mendicanten nur 100. Franken rechne.« Ist da die Nothwendigkeit der Verminderung nicht im höchsten Grad sichtbar? Aber hören Sie weiter, wie der Verfasser diesen großen Aufwand des Staats auf diese Mönche so einleuchtend entschuldiget. Indessen, sagt er, »haben einige darunter, als z. E. die Franciscaner, an ihrer OrdensKleidung einen Schatz, womit sie ihren Wohlthätern diese Unkosten reichlich vergüten. Ihr General, Gilles Dauphin, gab 1502. dem Parlament in Paris, und 1503. dem Vorsteher der Kaufleute Schöppen, und vornehmsten Bedienten dieser Stadt die Erlaubniß, daß sie sich in der OrdensKleidung des heil. Francisci dürften begraben lassen. Der Vortheil dieser Erlaubniß besteht darinn, daß der heil. Franciscus, wenn er einen Besuch im Fegfeuer ablegt (welches alle Jahre einmal zu geschehen pflegt) diejenigen, die er in seinem Ornate findet, mit sich herausführt.« Nun aus eben diesem Buch auch etwas, das die Nothwendigkeit der Verbesserung der Orden beweißt. »Die vielen Schlösser, welche man wider die Normänner baute, wurden in der Folge Raubnester, wo man die Reisende nicht nur ausplünderte, sondern sich auch derjenigen Weibspersonen bemächtigte, welche einem gefielen. Diesem Beyspiel folgten die Mönche nach. Sie hielten aber lieber ihren Raub so vest, daß sie lieber ihre Klöster bestürmen ließen, und Gewalt mit Gewalt vertrieben, als daß sie ihn hätten fahren lassen. Wenn man eine Oeffnung in ihre Klostermauren gemacht hatte, und sie dem Eindringen nicht weiter widerstehen konnten, so bedienten sie sich der heiligen Reliquien, als einer Vormauer, und hielten sie ihren Feinden entgegen, vor welchen diese (welches in den damaligen Zeiten nicht zu verhindern war,) so viel Ehrfurcht hatten, daß sie weiter keinen feindlichen Versuch auf das Kloster machten, und die Mönche ruhig bey dem Besitz ihrer Beute ließen.« nun wider das Letzte werden Sie mir einwenden, diß passe auf unsere Zeiten nicht mehr; wer heutiges Tages den Mönchen dergleichen etwas nachsagen wolle? Ich will mich auch hierinn in bester Ordnung zurück ziehen. Aber die erste Stelle, in Ansehung der ungeheuren Menge der BettelOrdensKlöster ist immer betrachtungswürdig, und verdient desto mehr zu werden, da es gewiß ist, daß seit jener Zeit ihre Anzahl nicht ab= sondern vielmehr noch ansehnlich zugenommen habe. Konnte man damal 34. Millionen in Gold rechnen, die die Unterhaltung der Bettelmönche kostete; so darf diese Summe gegenwärtig, um des höher gestiegenen Preises der Lebensmittel willen, und wegen der unstreitig seitdem ungemein vermehrten Anzahl dieser Mönche, um 2. Drittheile höher berechnet werden. 63. Millionen Gold – welche Summe! Wie viele andere Ausgaben könnte man davon bestreiten – wie viele Arme reich machen – wie viele Bedürfniße des Staats befriedigen! Setzen Sie von diesen 63. Millionen 6. Millionen zur Unterhaltung der Bettelmönche aus. – Eine ansehnliche Summe, womit sie zufrieden seyn könnten. Und die andere 57. welche Lücken könnte man damit ausfüllen. Ein jeder katholischer Landesherr lasse sich also ein zuverläßiges Verzeichniß aller in seinem Land befindlichen Klöster von dieser Gattung, geben, und gehe mit unparteyischen, verständigen, gottesfürchtigen Ministern, denen es nicht bloß um die Vermehrung der Einkünfte, sondern um das wahre Beste seiner Unterthanen im politischen und moralischen Fach zu thun ist, zu Rath, wie die Verminderung dieser Klöster, ohne allzugroßes Aufsehen bey dem Volk zu machen, und ohne die guten Leute, die Mönche selbst, zu sehr zu betrüben, und ihre Seufzer auf sich zu laden, ins Werk zu setzen sey. Es wird nicht schwer seyn, allerhand Mittel ausfindig zu machen, um es nach und nach, und ganz unvermerkt, zu Stand zu bringen. Z. E. – ein Mittel, das jedermann beyfallen kann – wenn ein Mönch stirbt, so wird seine Stelle nicht wieder ersetzt; man ertheilt Befehle, keine Novizen mehr anzunehmen, bis auf weitere Verordnung – wie manches Mutterkind bleibt auf solche Weise gerettet, das unter den Abkanzlungen des Magisters, wenn es seine Kulpa treuherzig her erzählet hat, bey dem Cilicium, bey der Geißelung etc. trauriger Stunden viele gehabt hätte. Diese zween Wege, keine Novizen annehmen, und die Stellen der Verstorbenen nicht ersetzen, müßen, im Ganzen in wenigen Jahren Wunder thun. Gebraucht man sie bey mehrerern Klöstern von Einerley Orden auf Einmal, so ergiebt sich der dritte Weg von selbsten, Mönche aus diesem Kloster in ein anderes, in welchem etwa schon mehrere Plätze leer worden sind, zu verpflanzen. Jenes wird nach und nach auch aufgeräumt, und den Mönchen geschieht die Veränderung nicht sauer, weil in einem. Wie in dem andern, einerley OrdensRegel ist. Sollte es nicht auch unter diesen Leuten solche geben, die sich gern dazu verstünden, die Kutte gar abzulegen? Daran zweifle ich gar nicht. Wie viele sind schon aus ihren Klöstern gesprungen, die wahrhaftig kein Gewissenstrieb, nicht die Wahrheit, überhaupt keine lautere Absicht, sondern bloß die Begierde, Weiber zu nehmen, aus der katholischen Kirche heraus in die Lutherische gelockt hat, und die, wenn sie ihre Fleischeslust gebüßt haben, nachher eben so wenig gute Lutheraner gewesen sind, als sie vorher gute Katholiken waren? Denn wenn sie das letztere gewesen wären, so wären, so wären sie gewiß bey unsrer Kirche, unserer heiligen Mutter, geblieben. Das sagen die Protestanten selbst, die schon oft schlechte Ursache gehabt haben, sich ihrer Convertiten zu rühmen, und die eben deswegen, wie ich höre, sich auch gar kein Verdienst daraus machen, Convertiten anzuwerben. So gering nun auch die Anzahl der Ueberläufer von unserer zu der Lutherischen Kirche ist, so wird sie noch mehr abnehmen, wenn der Mönche weniger sind; denn diese waren doch immer diejenigen die am häufigsten absprangen. Sollte nicht diß einzige meinem Vorschlag auch bey den heftigsten Vertheidigern der Mönche Empfehlung verschaffen? Und wenn es denn Mönche gibt, wie ich dafür stehen will, die geneigt sind, dem Kloster den Abschied zu geben, was hinderts, ihnen hierinn zu willen zu werden? Wie sie von ihrem Gelübde loszusprechen seyen, das freylich vorher gehen muß, ehe sie diesen Schritt thun, dafür zu sorgen, überlasse ich den Fürsten, sich mit dem oder denen, denen die Erkenntniß in dieser Sache gebührt, abzufinden: so wie ich allerdings auch weiß, daß das vor einen andern, als den weltlichen Richterstuhl gehört, mehrere Orden in Einen zusammen zu ziehen. Das wird sich zu seiner Zeit aber auch geben. Sie wissen ja, daß Se. Päbstl. Heiligkeit erst kürzlich die Verordnungen Sr. Kaiserl. Majestät, wovon man glaubte, daß man zu Rom große Augen darüber machen würde, durch eine Congregation von Kardinälen hat untersuchen lassen. Und die Folge dieser Untersuchung war, – es seye nichts daran auszusetzen – Scilicet! Sehen [Sie], wie gar nicht difficil der Römische Hof ist: und es ist nichts anders, als eine pure Kalumnie, wenn man behaupten will, die Verfügungen, die die katholische Fürsten in diesen und jenen Dingen machen, die die Geistlichkeit angehen, finden so viel Widerstand bey dem Heil. Stuhl. Das wäre ungesittet, und ein solches Betragen läßt man sich in unsern Zeiten nirgends, und also auch in Rom nicht, gerne nachsagen. Dieser Einwurf wäre also beantwortet, der einer der fürchterlichsten ist. Wie wird es mit denen gehen, die noch von weit geringerem Gewichte sind? Giebt sich ein Mönch an, daß er das Kloster verlassen wolle, so sollte man ihm freystellen, ein Lebensart zu erwählen, welche er will. Er wird immer noch in einem Alter seyn, in dem es möglich ist, etwas zu lernen, womit er der menschlichen Gesellschaft nützen kann. – Einem Alten versagt man die Erlaubniß zu einer solchen Veränderung, und läßt ihn ruhig und im Frieden in seiner Zelle von hinnen fahren – Den allermeisten könnte man Pfarreyen anvertrauen, und, damit ihnen die Menge der Weltgeistlichen in Zukunft nicht mehr im Weg stehe, so wäre das rathsamste, auf eine Weile die Anzahl derer, die die Gottesgelehrsamkeit studiren wollen, einzuschränken, um die Mönche desto bequemer zu versorgen. An tüchtigen Schulmeistern auf den Dörfern ist auch kein Ueberfluß. Wenn die Mönche in ihren Klöstern die demüthige Leute gewesen sind, für die sie angesehen seyn wollten,und die sie vermög ihres Gelübds seyn müßen, so werden sie sich hoffentlich einer solchen wichtigen Verrichtung, als der Unterricht der Kinder ist, nicht entziehen wollen, und sich dardurch nicht für erniedrigt halten. Das Gelübde der Armuth könnten sie beybehalten, denn es ist ohnehin fast überall so gut, als zu einer Observanz erwachsen, diejenige, die in den Schulen arbeiten, den bittern Hunger leiden zu lassen. Noch mehr: Reiche und angesehene Leute, die zu stolz sind, ihre Kinder mit andern vom Pöbel zur Schule zu schicken, und doch nicht haben wollen,daß sie unwissend bleiben, dürfen sich nur entschließen, solche ExMönche in ihre Häuser zu nehmen, und für eine billige Erkenntlichkeit ihnen ihre Kinder in den Unterricht zu geben. Gutgesinnten Eltern muß es vor allen Dingen darum zu thun seyn, daß ihre Kinder fromm werden. Wer kann besser hierzu helfen, als die Mönche, deren Thun und Lassen, wie Sie mich mehr als einmal versichert haben, nichts als Tugend und Gottseeligkeit ist? Aber eben hier fällt mir ein wichtiger Zweifel bey, den ich mir in der That selbst beantworten muß, ehe ich weiter gehe. Leute, die mit Mönchen Umgang gehabt haben, wollen behaupten, daß diese Bestimmung der Mönche überaus bedenklich seyn würde, da sie oft unwissender seyn dörften, als die Kinder, denen sie Weisheit beybringen sollten. Das ist nicht ohne. Ich bin selbst ein Zeuge davon. Doch ist der zweifel nicht unbeantwortlich. Lesen und schreiben können sie doch; und wo es ihnen außer diesen zween Punkten fehlt, darinnen sollen sie sich von dem Pfarrer des Orts Unterricht geben lassen: so ist der Sache geholfen. Eltern, die Hauslehrer suchen, mögen sie vorher prüfen, und wenn sie nichts taugen, sehen, wo andere zu haben sind. Am Ende werden doch Mönche, wenn ihre Kunst noch so klein ist, so viel leisten, als die bisherigen Schulmeister, die Leineweber, Zeugmacher, oder sonst Handwerksleute waren, bey denen man weder Wissenschaft, noch Gabe, zu unterrichten, suchen durfte. In den Provinzen Deutschlands, in welchen seit einigen Jahren so vortrefliche Anstalten, in Absicht auf Schulen und Schulmeister, gemacht worden sind, – ich will diese Länder mit Fleiß nicht nennen, da verlauten will, sie haben hie und da schon wieder einige Veränderungen erlitten – möchte ich wohl mit meinen Vorschlägen zu spat kommen. Was man dort mit den Mönchen anfangen soll, um sie zu berathen, das werden die sorgfältige Landesväter selbst am besten wissen – Aber es sind in Deutschland noch Provinzen genug übrig, wo man sich dieser Leute auf diese Art erledigen kann, ohne sie der Noth und dem Kummer preiß zu geben. Eine andere Bedeutlichkeit bey dem Hausunterricht muß ich nicht verschweigen. Alte Mönche, habe ich gesagt, müßte man zu nichts anders mehr bestimmen, sondern sie in ihrem Nest absterben lassen. Das Loos zu Hauslehrern träfe also junge. In einem Hause, wo man diese Unkosten aufwenden kann, giebt es allerley Domestiken, männlichen und weiblichen Geschlechts; Mesdemoiselles, oderr Französinnen, für die Junkers und Fräuleines, Köchinnen und Näherinnen, Mägde, u. s. w. Die Gefahr, die hiebey auf beyden Seiten vorwaltet, ist nicht ausser acht zu lassen; wenn schon den ExMönchen die Keuschheit, deren Gelübd er vorhin auf sich gehabt hat, von Rechtswegen nicht sauer ankommen sollte. Aber ich weiß, man kann das Argument gerade umkehren. Dem Informator könnte einfallen, er seye nunmehr jenes harten Jochs los, vor keinem Kulpa sagen und Magister habe er sich jetzt mehr zu fürchten, und warum man ihm denn für seine viele Mühe, bey der ohnehin schlechten Bezahlung, da ihm der Kutscher weit hierinn vorgehe, nicht auch eine kleine Ergötzlichkeit in aller Unschuld gönnen wolle, und was dergleichen mehr ist. Und doch kann es Monsieur und Madame nicht angenehm seyn, wenn die Vertraulichkeit zwischen den Hausgenossen beyderley Geschlechts zu weit geht. Die Reihe könnte vielleicht gar auch die Fräulein mit der zeit treffen, daß sich die dem Lehrer schuldige Liebe und Vertrauen in Zärtlichkeit verwandelte. Aber auch dafür ist noch Rath zu schaffen. Man nehme zween Mönche ins Haus. Der Nutze würde vielfach seyn. Zween können weiter im Unterricht bey ihren Eléves kommen, als Einer. Die Unkosten fürchte man nicht: Eltern soll nichts dauren, was auf ihre Kinder verwandt wird; und wenn sie auch sparen wollen, so darf man ja nur einem jeden etwas an seinem Gehalt abziehen, weil er auf diese Art weniger Arbeit hat, als wenn er allein wäre. Der eine könnte auch das Gesinde im Christenthum unterrichten, und der andere die Kinder; und damit die Anhänglichkeit der Schüler und Schülerinnen vermieden würde, so dürften sie nur mit einander abwechseln. Die Hauptsache aber ist die, daß einer des andern Beobachter seyn müßte, damit ja in keinem Punkt, wovon die Rede ist, nichts ungleiches vorgehen könnte. Soll ich aber meinen Rath vollständig machen, so ist noch dieß hinzusetzen: man nehme ja nicht zween Mönche aus einerley Orden, viel weniger aus Einem Kloster. Entweder waren sie vorhin gute Freunde, oder nicht. Im ersten Fall könnten sie sich gar zu gut mit einander verstehen, und sich förmlich unter die Mesdemoiselles vom ersten und zweyten Rang im Hause theilen; da wäre die Arzney schlimmer, als der Schade. Im andern Fall aber würde sich der Geist der Uneinigkeit und Zwietracht in das Haus einschleichen, und es könnte eben dergleichen ärgerliche Auftritte geben, als man genug in allen Klöstern findet. Ich habe noch einen Vorschlag auf dem Herzen, den ich lieber auch vollends mittheilen will. Wenn von Verminderung der Klöster die Rede ist, so werden die Nonnen wohl auch in den Anschlag kommen. Wenn ihrer schon keine so große Anzahl ist, als der Mönche, so können sie doch auch eine Abschatzung leiden. Aber wozu soll man sie bestimmen? Mit den Alten mache man es, wie mit den Mönchen. Sie sind der Welt schon viel zu sehr entwohnt, als daß sie brauch[b]ar darinn werden könnten. Die junge verheurathe man; das Kloster, aus dem sie entlassen werden, mag für ein Heurathgut sorgen, und manche bringt doch wohl etwa eine Morgengabe auf dem Gesichte mit, daß sie eine Partie finden kann. Außerdem darf ja ein junger Mann, der aufs Heurathen ausgeht, auf eine eingezogene und tugendhafte Gattin rechnen, wenn er eine aus dem Kloster bekommt, die ihm weder durch Hang zum Staat, noch durch Liebe zu Visiten und Ausschweifungen beschwerlich wird; da diese zween Artikel manchen Ehemann mehr kosten, als das doppelte Interesse aus dem vielleicht noch so beträchtlichen Capital, das er mit seiner Frau erhalten hat. Aber, werden Sie sagen, manches Mädchen gieng ins Kloster, weil dieß oder jenes Leibesgebrechen sie entweder zum Ehestand untüchtig machte, oder ihr keine tröstliche Aussichten in dem Umgang mit einem Gatten eröfnete. Der Einwurf ist nicht zu verachten; doch läßt er sich beantworten. Diese mache man, wenn ihrer zu viel seyn sollten, um sie im Kloster absterben zu lassen, zu Vorsteherinnen von Mädchensschulen, und zu Hauslehrerinnen. Die Sittsamkeit, die ihnen vor dem männlichen Geschlecht eigen ist, giebt ihnen die größte Empfehlung zu dieser Stelle. In Städten und auf Dörfern trenne man die Knaben von den Mädchen in den Schulen, und richte auch verschiedene Gebäude dazu ein. Wo man diese hernehmen solle, darf man nicht bange seyn. Bey meinem Vorschlag müßen Klöster leer werden, die man doch fürwahr zu nichts besser bestimmen kann, als zu Schulen. Und in den Häusern sind die Nonnen nicht nur zu Lehrerinnen und Aufseherinnen über Kinder weiblichen Geschlechts, sondern auch zu andern häuslichen Arbeiten, z. E. zum Nähen, Sticken,Waschen, Spinnen, Biegeln u. s. w. vortreflich zu gebrauchen. Das will ich noch bey den Mönchen nachholen, daß, da sie als Novizen und Fratres vorhin in ihren Klöstern auch allerhand niedrige Arbeitenm verrichten, und z. E. fegen, putzen, holztragen, u. s. w. mußten, sie sich nun nicht beschweren können, wenn man ihnen eben das in den Häusern, wo sie Brod haben, zumuthet, besonders, wenn ihre Kunst in der Gelehrsamkeit nicht weit her ist, und man sich für das, daß die Kinder nichts bey ihnen lernen, weil sie selbst nichts können, durch Verrichtung anderer Arbeiten, die sonst die Sache der Knechte und Kutscher waren, schadlos halten will. Ich habe oben der Sittsamkeit gedacht, als einer Eigenschaft, die man bey den Nonnen antreffen könne, und die also den Vorschlag, sie zum Unterricht der Mägden zu bestimmen, sehr annehmlich mache müße. Diese Tugend möchte man bey einigen finden, aber nicht bey allen. Manche könnten dagegen mit Klätschereyen umgehen, und dardurch weiß nicht was für Zerrüttung in solchen Häusern anrichten, wo etwa auch noch Mönche, als Informatores, wären. Diesem Unheil abzuhelfen, trenne man sie, so viel möglich, so daß sie auch nicht an Einem Tische speisen dürfen. Man unterhalte ein beständiges geheimes Mißtrauen zwischen beeden Partien, fast auf den Schlag, wie ehemal ein Spanischer ViceKönig in Neapel unter den Banditen, der einen Befehl ergehen ließ, daß, welcher den andern einliefern würde, nicht nur für seine Person Vergebung, sondern auch ein ansehnliches Geschenk zu gewarten haben sollte. So traute keiner dem andern, und die Sicherheit wurde im Königreich hergestellt. Das läßt sich im Kleinen in den Häusern bey den Mönchen und Nonnen nachahmen. Wenn sie sich vor einander fürchten müßen, so wird viel Böses unterbleiben, das sonst geschehen wäre. Sie werden sich auch vor Schwätzereyen in Acht nehmen müßen, wenn die Herrschaft Mine macht, diejenigen, die diese Unart an sich haben, urplötzlich aus dem Hause zu schaffen. Das versteht sich von selbst, daß Monsieur und Madame, wenn die Rede davon ist, solche Mönche und Nonnen anzustellen, aus Vorsichtigkeit darinn mit einander übereinstimmen, diese Leute vorher kennen zu lernen, und ja keine andere zu wählen, als solche, deren Gestalt und Aussehen Gewähr dafür leistet, daß an keine verliebte Passagen zu denken sey. Die Lavaterischen physiognomischen Einfälle fechten mich nicht an; sie sind ohnehin noch vielem Widerspruch unterworfen; und es müßte ein Wunder seyn, wenn nicht ein scheußlicher Mönch und eine ungestalte Nonne allen Besorgnißen dießfalls vorbeugen, uns bewürken könnten, daß die Frau ruhig vor der Bekanntschaft ihres Mannes mit der Nonne, und der Mann vor dem Umgang der Frau mit dem Mönch schlafen könnte. Auf der Türken Sprüchwort halte ich nicht viel, daß in einem schönen Leib auch eine schöne Seele wohne. Die Kinder werden vielmehr dardurch von der Sinnlichkeit entwöhnt, wenn sie sehen, daß ihre Lehrer und Lehrerinnen desto gelehrter sind, je garstiger sie aussehen. Auch das übrige Hausgesind wird besser dabey fahren, wenn man nicht nöthig hat, erst Vorkehrungen zu machen, daß dem unerlaubten Zuwandel des einen Geschlechts zu dem andern gesteuret werde. So verbietet sich die Sache selber. Es ist besser, daß böse Lüste gar nicht gereizt, als daß ihnen, wenn sie ihrem Ausbruch bereits nahe sind, Riegel vorgeschoben werden müssen. Aber, was sollen die Mönche und Nonnen ihre Schüler und Schülerinnen lehren? Das ist eine wichtige Frage, die man mit bedeutender Mine aufwerfen wird. Wir wollen unsere Kinder nicht mönchisch, das ist, abergläubisch erziehen lassen. Sie sollen Vernunft, Religion und gute Sitten bey ihnen lernen. Und können sie wohl das bey jenen lernen? Ich gestehe, daß ich hierinn ein wenig verlegen bin. Wenn man freylich den Anfang der Verminderung der Mönche mit den Bettelmönchen macht, so dürfte die Verlegenheit groß genug seyn. Denn diese ihre tiefe und vielleicht gar unheilbare Unwissenheit ist allgemein bekannt. Von guten Sitten halten sie, als Leute, die auf Realität zu sehen gewohnt seyen, sich dispensirt; und sie erst zu lernen, und hernach andern beyzubringen, dürfte es zu spat seyn. Wenn man solche ins Haus brächte, so baue man bald wieder mit ihnen ab; es ist nicht rathsam, aus Mitleiden und Großmuth lang nachzusehen. Es giebt ja, wenn man sie nicht gar verstoßen will, andere Arbeiten, die man ihnen auftragen kann. Ihre Klöster stehen ihnen nicht mehr offen. Ehe sie sich in die weite Welt hinaus wagen, und Gefahr laufen zu verhungern, wäre es doch besser, Kaminfeger, oder Schuhputzer abzugeben; sie können so ihre klösterliche Verläugnung und Demuth am bequemsten ausüben. Ich weiß nicht, ob sie nicht eben das vorhin auch in ihren Klöstern thun mußten. Dem sey, wie ihm wolle, so können sie sich nicht beschweren. Die Savoyarden sind doch nicht schlechter, als die Mönche. Und tausende von jenen nähren sich einzig und allein von dergleichen Arbeiten. Die Mönche und Nonnen aber, die würklich Kenntniße besitzen, wenigstens so viele, als sie nöthig haben, um andere etwas zu lehren, wissen nun, seit dem die allerneuste Kaiserliche Verordnung in Absicht auf die nunmehr jedermann gegebene Erlaubniß, die Bibel zu lesen, heraus ist, schon, was sie mit ihren Schülern zu treiben haben. (Im Vorbeygehen, das ist der Befehl, auf den ich in meinem letztern Brief zielte, und nicht so kühn war, es gerade heraus zu sagen, wiewohl ich schon vorläufig Nachricht davon hatte.) In Prag ist eine Ausgabe der Bibel zum Vorschein gekommen, die hiezu ganz brauchbar seyn wird. Diese sollen sie jetzt, anstatt der bisher eingeführten heillosen Erzählungen von Heiligen, die vielleicht niemal in der Welt gewesen sind, anstatt so vieler elender Legenden, Wundergeschichten, und anderes erbärmlichen Zeugs mit der Jugend lesen, sie zum Verständniß dessen anhalten, was sie lesen, durch Fragen und Antworten das schwere erläutern, sie besonders wichtige Stellen, kleine Geschichten, Sittenlehren, auswendig lernen lassen, sie nach den Mustern. Die in der Bibel, und vorzüglich in den Psalmen häufig vorkommen. Beten lehren, überhaupt sie zur Aufmerksamkeit auf alles, was sie lesen, und zur Nachahmung der Exempel des Guten, und Verabscheuung der Beyspiele von Bösen angewöhnen. Glauben Sie nicht, daß hierdurch mehr Gutes von den Mönchen in Zukunft werde gestiftet werden, als bisher geschehen ist; und daß die Vernünftigsten von ihnen mit der Zeit Gott selbst für diese im Anfang so unangenehme, aber in der That heilsame Veränderung ihrer Umstände danken werden? Um diesem Unterricht ferner die nöthige Gründlichkeit zu geben, darf man nur, wie ich oben schon etwas berührt habe, die Geistlichen des Orts unter der Hand ersuchen, je zuweilen, als wenn es von ungefähr geschehe, der Herrschaft eine Visite zu machen, und gelegenheitlich sich nach den Umständen und dem Zunehmen der lieben Jugend im Lernen zu erkundigen, und wohl eine Weile zuzuhören, und auf diese Weise dem Lehrer den Puls zu fühlen, was er für eine Methode habe. Dieser wird gewiß, um nicht zu schanden zu werden, wenn er weiß, daß er seinen Beobachter alle Augenblicke auf dem Hals haben kann, recht viel Fleiß anwenden, und also seiner Pflicht je länger, je mehr Genüge leisten. Eine der den Mönchen geläufigsten Arbeiten in ihren Klöstern ist die Gärtnerey. Auch die Nonnen verstehen sich darauf. Sie können fortfahren, sich hierinn zu üben, der Herrschaft einen Gärtner ersparen, und ihren jungen Leuten damit eine vernünftige Gemüthsergötzung verschaffen. Man kann diese Leute ohne Zweifel noch zu weit mehreren Dingen brauchen, die mir jetzt nicht beyfallen. Das giebt sich auch nach und nach selber in jedem Haus: der Markt lehrt kenne, heißt das bekannte Sprüchwort. Sie sehen aus diesem allem, mein Freund, daß die Verminderung der Mönche, ohne sie eben ohne weitere Rückfrage aus ihren Klöstern hinauszuschmeißen und ihrem eigenen Schicksal, welches grausam wäre, zu überlassen, ganz wohl möglich ist. Und was alsdann mit den leerstehenden Klöstern, wenn einige Jahre herum sind, und aufgeräumt ist, anfangen? Darauf zu antworten, überlasse ich Policeyverständigen, und patriotisch gesinnten Räthen der Fürsten. Diese werden, ohne sich die Köpfe darüber zu zerbrechen, schon wissen, wozu man sie bestimmen soll. Joseph hat mit dem KamaldulenserKloster zu Mauerbach schon einen Wink dazu gegeben. Casernen, Findelhäuser, Hospitäler, Schulen, Seminarien, Zuchthäuser, Häuser für Fabrikanten und Manufakturiers – das läßt sich alles hören. Man hat an manchen Orten mehr über den Mangel an solchen Gebäuden, als über ihre Menge zu klagen. Und in den meisten würde man erst mit den Veränderungen nicht viele Kosten haben, die man um ihrer neuen Bestimmung willen vornehmen müßte. Denn die Klöster sind gemeiniglich gut gebaut und eingerichtet; und denken Sie nur, was für ein Seegen von den vielen Seufzern, Gebeten und Gesängen, die vorher darinn gen Himmel abgeschickt worden sind, noch immer auf diesen Häusern ruhen, und sich nun auch auf die neuen Bewohner derselben ergießen müßte! Ihnen darf ichs wohl sagen, daß ich dafür halte, durch die Arbeitsamkeit, nützliche Beschäftigungen, und Werke der Barmherzigkeit, die nun darinn an verlassenen Kindern, an verunglückten Mädchen, an Soldaten, derer doch der Staat viel weniger, als anderer Menschen, die noch so unentbehrlich scheinen, entbehren kann, ausgeübt würden, würde der Fluch, der von Rechtswegen auch auf manchen Klöstern, worinnen mehr dem Aberglauben, dem Müßiggang, und der – – – als der Gottseeligkeit gefröhnt worden ist, ruhen lassen, weggewischt werden. Das werden Sie mir wohl nicht verzeihen, daß ich so arges denke. Aber ließen sie einmal einen Mönchen, oder eine Nonne, die das Kloster verlassen haben, vom Herzen sprechen, wenn sie sich nimmer scheuen dürfen, offenherzig zu seyn, Sie würden Wunderdinge erfahren. Nun komme ich auf den andern Weg, zur Verminderung der Mönche, und dieser wäre: die Orden selbst auf eine gemäßigtere Anzahl herunter zu setzen. Ihrer sind ja so viele, daß man ein gutes Gedächtniß haben muß, wenn man nur ihre Nahmen behalten will. Das ist ein ganzer Wald von Bäumen; jeder Baum hat viel Aeste; und jeder Ast viel Zweige. Diesen ein wenig auszuhauen, würde in der Kirche Gottes nicht so viel Schaden anrichten, als die Aushauung der natürlichen Waldungen, im Nahrungsstand, worüber ein Patriot, der für die Nachkommenschaft sorgen will, bittere Zähren weinen muß. Hätte man es bey den wenigen Orden gelassen, die von Anfang waren; so hätte man nun nicht Ursache, sich über ihre unmäßige Anzahl zu beschweren. Aber fast jeder Pabst errichtete einen neuen; so wie alle Türkische Kaiser eine neue Moschee in Konstantinopel bauen. Und das eine hätte so gut unterbleiben können, als das andere. Man weiß aber, warum jenes geschehen ist. Und dieß ist auch die Ursache, warum der Pabst nicht gern daran kommen wird, die Wünsche der katholischen Fürsten hierinn zu erfüllen. Erst unter der Regierung P. Klemens XIII. brachten einige Geistliche noch über alle vorhandene, eben als ob ihrer nicht schon übrig genug wären, einen neuen Orden, den PaßionsOrden, in Vorschlag. Es war schon so weit gekommen, daß man um die Bestätigung desselben anhielt. Se. Heiligkeit trugen dem Kardinal Conti die Untersuchung dieser wichtigen Sache auf: dieser aber antwortete: »Er würde stets sein Jawort geben, wenn von Verminderung der Orden die Rede wäre; er würde aber auch stets standhaft Nein sagen, so oft man neue in Vorschlag bringen wollte. Durfte ein Kardinal einem für die Ordensgeistliche so sehr eingenommenen Pabst, als Klemens XIII. eine so derbe Antwort ertheilen, und wurde gar seine Meinung befolgt, wie der Ausgang gezeigt hat, warum soll man sich fürchten, die Verminderung der Orden heut zu Tage in Vorschlag zu bringen, da man gewiß am Päbstlichen Hof damit Gehör finden würde. Wie oft hat sich dieser nur seit ein paar hundert Jahren durch die Streitigkeiten der Orden mit einander in die verdrüßlichste Lage versetzt gesehen. Es ist bekannt, was für ein wichtiger Streit sich ehemal zwischen den Franciscanern und Kapuzinern über der Kapuze des H. Franciscus entsponnen hat, wovon ich schon einmal bey einer andern Gelegenheit mit Ihnen gesprochen habe. Die beyden Orden trennten sich darüber, und sind bis auf diese Stunde die heftigsten Feinde. Der Pabst konnte mit aller seiner Einsicht nicht so entscheiden, daß er selbst da hätte beruhigt seyn können. Die Händel zwischen den Dominikanern und Franciscanern wegen der unbefleckten Empfängnis der H. Jungfrau Maria haben fürchterliche Unruhen in der Kirche Gottes angerichtet. Aeußerlich scheint es Friede zu seyn; aber die Gährung in den Gemüthern hat noch lange kein Ende. Von den Uneinigkeiten, die die Jesuiten mit den Dominicanern ehmal hatten, will ich nichts sagen, da der erstere Orden erloschen ist. Wollte Gott, es stürben noch mehrere eines sanften Todes: die chrtistkatholische Welt würde ihren Abgang gewiß nicht spüren, wenigstens gar bald verschmerzen. Was wäre es denn, wenn man sich mit einem halben Duzend Mönchsorden überhaupt begnügte? Man erhalte die aufrecht, die sich bisher durch unläugbare Verdienste, im Fach der Gelehrsamkeit, bey dem Unterricht der Jugend, u. s. w. ausgezeichnet haben. Ich rechne hieher vorzüglich den BenediktinerOrden, den ich niemal ohne Hochachtung nennen höre, wenn ich nur an die vortreflichen Werke gedenke, womit er, besonders in Frankreich, die gelehrte Welt beschenkt hat. Ich verehre ihn auch deßwegen, weil ich immer heimlich glaube, daß er auch bey der Aufhebung des JesuiterOrdens nicht ganz unwirksam gewesen ist. Solche Rücksichten sollte man sich hauptsächlich leiten lassen, wenn man einmal Hand an das Werk legen will. Die Generale der Orden muß man freylich nicht fragen; ihre Antworten sind leicht voraus zu sehen; und ich stelle mir vor, daß auch am Päbstlichen Hofe manche Congreationen werden niedergesetzt, manche geheime Consistoria gehalten, manche Bedenken von Prälaten und Rechtsgelehrten eingeholt, und manche – Kabalen gespielt werden, um die Ausführung dieser Sache entweder zu hindern, oder zu Stande zu bringen. Die Schwierigkeiten sind nicht gering; sie sind weit größer, als die in Absicht auf die Verminderung der Mönche und Klöster. Doch, wer weiß, was für uns unbekannte Maschinen in der Stille würken, und etwas zuwegebringen können, das vorher ganz unmöglich geschienen hat? Es ist am Tage, daß Weltgeistliche und Ordensleute, niemal Freunde sind. Woher kommts, als daß diese gerne, wenn sie es mit jenen zu thun haben, zu weit greiffen, ihnen ihre Einkünfte schmälern, und das Volk, aus allerhand Absichten, an sich zu ziehen suchen. Es giebt zwischen ihnen Verdrüßlichkeiten wegen des Meßlesens, Beichtsitzens, wegen der Begräbnisse und anderer Dinge mehr. Ist das nicht ärgerlich, daß Personen, die beyderseits der Kirche Gottes dienen, auf Einen Zweck abeiten, und andern durch ihr Betragen zu Mustern werden sollen, sich so vergehen? Ich gestehe es, ich bin allemal auf der Seite der Weltgeistlichen. Diese muß man haben, ohne sie würde Kirche und Religion zu grund gehen. Aber, wenn kein Haar von einem Mönchen mehr auf der Welt ist, so wird doch das Christenthum stehen bleiben. Sie werden doch die Protestanten auch für Christen halten, wenn sie schon in einer irrenden Kirche sind? Und diese haben keine Mönche. Ich habe Ihnen schon bezeugt, daß ich das nicht verlange. Nur sollen die Pfarrer nicht bey den Mönchen und durch die Mönche zu kurz kommen; auf dem vorgeschlagenen Weg kann geholfen werden. Die Weltgeistlichen haben keine Klöster, worinnen sie gefüttert und gekleidet werden. Sie müßen von ihren Besoldungen leben, die oft nicht zureichen wollen, besonders wenn der Pfarrer auch etwas auf die Litteratur hält, Bücher kaufen, und mehr Kenntnisse sammeln will, als sein Schulmeister besitzt. Wenn die Mönche reducirt werden, so bekommt er mehr Messen zu lesen, erhält mehr Beichtkinder, genießt auch mehr von den Begräbnißen; und kann sich alsdann auch seiner Arbeit freuen, wenn er sieht, daß er dafür belohnt wird. Ja man könnte auch von den Einkünften der einzuziehenden Klöster die Besoldungen der Weltgeistlichen erhöhen. Vielleicht ist gar die Zeit nicht mehr ferne, daß um eines andern, die Weltgeistlichen betreffenden Umstands willen, den ich jetzt noch nicht nennen will, die unumgängliche Nothwendigkeit erfordert, ihre Einkünfte zu vermehren, damit sie m – – – – m – menschlich, d. h. in Ehe und Familie (?) leben können. Sie verstehen mich doch schon? Bey weitem nicht alle haben Zulagen nöthig: denn es giebt Pfarreyen und Dechaneyen in der katholischen Kirche, die fett genug sind, ganze Familien reichlich zu ernähren. Aber es giebt auch magere; und wenn Pfarrer nach Abgang der Mönche mehr Arbeit bekommen, so sehe ich nicht ein, warum man nicht auch darauf denken sollte, etwas zu ihrem Einkommen hinzuzuthun; welches am besten von dem, was die Mönche bisher im Ueberfluß genossen haben, und nun nicht mehr brauchen, geschehen kann. Gewiß, die Fürsten und ihre Minister, die etwa bey der Verminderung der Mönche thätig seyn möchten, können keinen zuverläßigen Beweis ihrer vollkommenen Uneigennützigkeit und Unparteylichkeit bey diesem Geschäft geben, als wenn sie die Einkünfte der Klöster, die zugeschlossen werden, unter andern hiezu verwenden, anstatt, so bald man ihrer nur habhaft ist, damit der Kammer zuzuwandern. Nun haben Sie, denke ich, genug von meinen Vorschlägen zu Verminderung der Mönche und Klöster gelesen; vielleicht so viel, daß Sie es verschwören, in ihrem Leben nichts mehr davon zu lesen. Ueberlegen Sie es, Sie werden nichts übertriebenes darinn finden. Die Nothwendigkeit dieser Sache ist allgemein anerkannt; die Mönche mögen dawider schreyen, so lang sie wollen. Es wird auch andere geben, die mit diesem Projekt sehr zufrieden seyn, und wünschen werden, daß es nur bald zu stand käme. Wie die Mönche und Nonnen zu versorgen seyn, dazu habe ich nur einige Winke gegeben. Einsichtsvolle und patriotische Männer, deren Amt und Pflicht es überdieß ist, darüber nachzudenken, werden zu mindern und zu mehren, und noch weit mehrere Vorschläge zu thun wissen, denen ich von Herzen gern voraus beytrete, und einem jeden Lande Glück wünsche, in welchem Männer von dieser Art am Ruder sitzen. Ist nur einmal der Anfang dazu in Einer Provinz gemacht; sieht man die Möglichkeit und Nutzbarkeit einer solchen Veränderung ein: so werden andere bald nachkommen. Ich zweifle auch im geringsten nicht, daß derjenige Prinz den Anfang machen werde, der das vollkommenste und nachahmungswürdigste Muster der Prinzen ist, welchem nachzuahmen wahre Ehre ist. Würde er es aber nicht thun, nun so nähme ich auch von Herzen gern alle meine Betrachtungen über diesen Gegenstand wieder zurück, und bescheidete mich, daß ich zu voreilig gewesen sey. Ich verlange hiebey weder ein votum consultativum, noch decisivum . Jener Prinz nicht, und außer Ihnen sonst niemand, erfährt ja ein Wort von dem, was ich hier schreibe. Ich begehre niemand zu lieb, oder zu leid zu reden. Die Wahrheit, und die Glückseeligkeit des Staats und der Kirche ist das Ziel aller meiner Gedanken. Glauben Sie doch ja nicht, daß Leidenschaften, z. E. Haß und Rachgier, mir die Feder führen. Ich kenne freylich Mönche, die ich mir in Ansehung ihrer Gedenkungs= und Handlungsart nicht zu Mustern wählen möchte. Aber das sey ferne, daß ich glauben sollte, es wären alle von gleichem Schlage. Und wenn sie es wären, nun so hätten sie es auf ihre Verantwortung; ich aber hielte mich nicht für befugt, das Verdammungsurtheil über sie auszusprechen. De, ungeachtet ließe ich mir aber auch nicht wehren, zu behaupten, daß man wohl etwas zu ihrer Besserung vorkehren dürfte. Ich nehme mir also die Erlaubniß, meine Gedanken in aller Kürze über die Verbesserung der MönchsOrden hieher zusetzen. Daß sie keiner Verbesserung nöthig haben, werden weder Sie, noch andere den Mönchen im höchsten Grad geneigte Männer im Ernst behaupten. Ich bin nicht belesen genug; sonst getraute ich mir, Ihnen eine Menge solcher Stellen aus bewährten Schriftstellern der katholischen Kirche beyzubringen, die schlechterdings darauf gedrungen haben, daß man diese wichtige Sache ins Werk setzen solle. Aus Unterredungen Gelehrter weiß ich mich solches ganz wohl zu erinnern. Ich würde es auch gar nicht begreifen können, wenn niemand jemals darauf gefallen wäre. Was schlimm, was aus der Art geschlagen, was nicht mehr so ist, wie es seyn sollte, das muß gebessert werden. Diesen Satz lehrt die Vernunft, und ich bedarf nicht einmal einer göttlichen Offenbarung, um die Wahrheit desselbigen zu bestätigen. Wollen Sie läugnen, daß die Mönche – ich will verschonend verfahren – nicht mehr so seyen, wie sie seyn sollten? Ich will nur wenig Exempel anführen. Der heilige Benedikt richtete im VI. Jahrhundert einen neuen Mönchsorden auf. Das war ein Mann, der nach den Umständen seiner Zeit, für fromm und vortreflich gelten konnte. Seine OrdensRegul ist noch vorhanden, aus der man sehen kann, daß seine Absicht keine andere war, als eine gottesdienstliche Gesellschaft zu stiften, die dauerhafter wäre, als andere, gelindere Gesetze hätte, und die andern auch an guten Sitten überträfe. Die Glieder derselben sollten ihre Zeit ganz unter Gebet, Studiren, Arbeiten und die Jugend unterrichten, in stiller Heiligkeit austheilen. Aber, mein! leben alle Benediktinermönche gegenwärtig noch auf diesen Fuß? Würde der Vater seine Söhne noch kennen, wenn er von den Todten auferstünde, und eine Generalvisitation seines Ordens anstellte? Nach und nach sammleten sie durch die Freygebigkeit vornehmer und frommer Leute beynahe unermeßliche Schätze. Sie ergaben sich der Ueppigkeit, der Faulheit und allen möglichen Lastern; mischten sich in weltliche Geschäfte, in die Intriken der Höfe, und machten sich ein eigenes Geschäft daraus, eitler und abergläubischer Gebräuche und Ceremonien immer mehrere zu machen. Das vergaßen sie nicht, das Ansehen und die Macht des Pabstes geflissentlich auszubreiten und zu erhöhen. Das letztere war ohne Zweifel ihr geringster Fehler. Von diesem allein aber steht kein Wort in der Regel des h. Benedikts; ich zweifle auch, ob man die Erlaubniß zu einem oder dem andern nur mit dem mindesten Schein daraus folgern kann. Noch wir diese Regel mit den grösten Lobsprüchen bis auf diese Stunde beehrt: aber es ist nicht nur Ein Jahrhundert verflossen, seit dem sie gar nicht mehr gehalten wird. Könnten sich nun die BenediktinerMönche beschweren, wenn man sie wieder zur Beobachtung der Regul ihres Vaters anhielte? Das hieße, den Orden kurz weg verbeßern. Der Regel ihr altes Ansehen und Kräfte wieder geben; die eingerissenen Mißbräuche abschaffen, die Laster unter den Mönchen ausrotten, und diese wieder zu denen machen, die sie bey ihrer Entstehung gewesen sind. Im zwölften Jahrhundert war kein Orden, der einen größern Ruf der Unschuld und Heiligkeit hatte, als der Cistercienser. Er ist ein Zweig von den Benediktinern. Zu seiner Aufnahme trug niemand so viel bey, als der berühmte H. Bernhard, ein Abbt in Frankreich, der durch das ganze christliche Europa in einem beynahe unermeßlichen Ansehen stand, alles, was er wollte, nur mit einem Wink durchsuchte, und so gar Königen zu befehlen das Herz hatte. Man kann ihn mit Recht den zweyten Vater und Stifter des Cistercienser Ordens nennen. Aber o könnte er nach seinen Söhnen sehen, was würde er erblicken? Auch sie sind ausgeartet, von ihrer ersten Unschuld und Reinigkeit abgekommen, und nicht mehr diejenigen, die sie seyn sollten. Ist es Unrecht und Gewaltthätigkeit, wenn man darauf anträgt, auch diesen wieder zu ihrer vorigen Gestalt, in der sie sich vor jedermann dürfen sehen lassen, zu verhelfen? Lassen Sie mich nur noch ein Wort von den Bettelorden sagen. Ihr Name zeiget schon deutlich genug, worinn sie von den andern Mönchen unterschieden seyn. Sie heißen so, weil sie nicht wie andere Orden von gewißen Einkünften und Besitzungen leben. Die Ursache ihrer Entstehung war diese: die andern Orden waren durch den Besitz großer Reichthümer von der Sorge für die Religion, und den Gehorsam gegen dem Pabst abgekommen, und auf Faulheit, Wollüste, und alle möglichen Arten von Lastern verfallen,so daß man sie zu keinen wichtigen Verrichtungen mehr brauchen konnte. So konnten die Ketzer sich immer weiter ausbreiten und sich Anhang verschaffen. Diese gaben vor, wahre Knechte Jesu Christi müßten in einer freywilligen Armuth leben; die Lehrer müßten in der Armuth den Aposteln nachahmen, u. dergl. Sie warfen der Kirche ihre Reichthümer, und dem geistlichen Stand die aus dem Besitz großer Schätze entspringende Laster vor. Dadurch machten sie Aufsehen bey dem Pöbel, und erregten die Meynung, daß bey niemand, als bey ihnen, das wahre Christenthum zu suchen sey. Bey diesen Umständen mußte man solche haben, die durch strenge Sitten, Verachtung des Reichthums, und ein äußerliches heiliges Leben die Leute vorstellen konnten, wie sie die Ketzer haben wollten, und dergleichen diese selbst unter sich hatten; und die sich weder durch ein gemächliches Leben, noch durch Furcht vor Königen und andern Großen sich in ihrer Pflicht gegen der Kirche und dem Pabst irre machen ließen. Innocenz III. sahe das wohl ein; er war diesen Orden äußerst beygethan. Seine Nachfolger ahmten ihn darinn nach, da sie durch die Erfahrung von dem großen Nutzen der Bettelmönche überzeugt wurden. Daraus entstand aber nun eine solche Menge dieser Art von Ordensgeistlichen, daß sie nicht nur dem Volk, sondern der Kirche selbst sehr zur Last werden. Gregor X. schränkte sie wieder ein, und führte die Bettelmönche auf diese 4. Orden zurück: Dominikaner, Franciscaner, Carmeliter und AugustinerEremiten. Unter diesen erhoben das Haupt aber vorzüglich die Dominikaner und Franciscaner. Auf ihren Wink gab alles an den Höfen des Pabstes und der weltlichen Fürsten. Sie stunden wegen ihrer Heiligkeit in solchem Ansehen bey jedermann männlichen und weiblichen Geschlechts, daß sich die vornehmsten Leute, in gesunden und kranken Tagen, besonders aber auf dem Todtenbette, in ihren Orden ein schreiben ließen, um dadurch in die Gnade Gottes zu kommen. Viele ließen es in die Testamente setzen, daß man sie ja gewiß entweder in einem garstigen Dominikaner= oder Franciscaner Habit unter die Bettelmönche hinein begraben solle. Der abscheuliche Aberglaube jener Zeiten, die ungeheure Unwissenheit, die überall herrschte, konnte die Leute leicht glauben machen, daß diejenigen das beste Schicksal an jenem Gerichtstag haben würden, die einen Mönchen von dieser Klasse zur Seite hätten. Dem ungeachtet aber waren ihre Laster und großer Verfall schon dazumal so auffallend, daß die Päbste selbst verlegen darüber wurden. Benedikt XII. suchte dem Unheil abzuhelfen; aber das wichtige Vorhaben hatte nicht den erwünschten Fortgang. Das ist nun schon 400. Jahre. Haben sich die Bettelmönche seit dieser Zeit gebessert? Ich meyne nicht. Wenn sie nur nicht noch weit schlimmer worden wären, so möchte es noch hingehen. Aber daß dem würklich so sey, davon ist nicht nur die protestantische, sondern die ganze katholische Welt voll. Soll man immer nur zusehen, und klagen, und die Hände in den Schooß legen? Das könnten wahrhaftig diejenigen nicht verantworten, die es auf ihrem Gewissen haben, für die Kirche Gottes zu sorgen, und den Aergernissen, so viel möglich, zu steuren. Man mahne die Bettelmönche an ihre erste Einrichtung. Man halte sie bey ihren Gelübden vest. Man wehre ihren [ihnen] ihre abergläubische Possen, womit sie den Pöbel in Abgründe von Unwissenheit, und dardurch in alle mögliche Laster geflissentlich hinein ziehen. Man verbiete ihnen die Eingriffe in die Rechte der Weltgeistlichen, die immer so viele Unlust machen; man unterwerfe sie sammt ihren Provinzialen und Generalen den Bischöffen, und erspare damit dem heiligen Vater zu Rom, der viele andere und wichtigere Dinge zu thun hat, als sich mit Entscheidung ihrer ewigen Streitigkeiten abzugeben, so manchen Verdruß, dessen er ohnehin genug hat. Man dringe darauf, daß sie sich auf das Studiren legen, um durch ihre Predigten desto mehr Erbauung zu schaffen, und in Zukunft nicht mehr, wie bisher, auf der Kanzel den Pikelhering zu machen. Das sind nur die Hauptzüge bey der Verbesserung der Orden: nur der erste grobe Entwurf. Ich überlasse es denen, deren Sache es eigentlich ist, besser ins Detail zu gehen. Diese werden das Projekt weitläufer auszuführen wissen. Daß man in der Katholischen Kirche damit umgeht, weiß ich zu meinem Vergnügen wohl. Daß es Hindernisse finden werde, glaube ich. Daß aber auch diese zu besiegen seyen, wenn man mit Ernst Hand an das Werk legt, ist eben so gewiß. Möchten sich nur Königreich und Priesterthum wohl mit einander verstehen! Sie wissen schon, was ich damit sagen will. Der Pabst kann das Beste dabey thun. Die Protektoren der Orden in Rom müßten freylich vorher ernstlich entschlossen seyn, die Hände dazu zu bieten, und es dem Pabst nahe legen, daß es ein vor allemal die höchste Bedürfniß der Kirche erfordere, die Sache in Ueberlegung zu nehmen, und sich keine Nebenabsichten von der muthigen Ausführung derselbigen abhalten zu lassen. Ich glaube auch, daß mehrere Jahre darzu gehören, bis es zur Reife kommen kann. Doch, wenn man will, so kann man alles thun. Vielleicht ist diese große und beträchtliche Revolution dem Neunzehnten Jahrhundert, wovon wir ja nicht mehr ferne sind, vorbehalten. Das wäre ein vortreflicher Anfang dazu. Weniger Mönche und Klöster; aber fromme, erleuchtete, vernünftige, gelehrte, friedliebende, gesittete Mönche! das wäre eine goldene Zeit! Ich gerathe in ein Entzücken, wenn ich mich in Gedanken in solche Tage hinein versetze. Und das lasse ich mir nicht nehmen. Es ist kein anderes Mittel, zu diesem großen Endzweck zu gelangen, möglich, als die Verminderung und Verbesserung der MönchsOrden. Diese Leute werden doch nicht glauben, daß sie unverbesserlich seyen? Incorrigibel wohl, werden manche Mönchsfeinde sagen. Aber das sage ich nicht. Man urtheile nur uneingenommen, und ex actis , wie die Juristen sagen, ohne Leidenschaften: so sieht man ins Klare, und hat sich in seinem Gewissen nichts vorzuwerfen. Nun, lieber Freund, haben Sie einen großen Brief von mir zu lesen. Nehmen Sie eine Woche dazu, wenn Sie in Einem Tag nicht fertig werden. Ich mußte mir Gewalt anthun, ihn nicht noch länger zu machen. Ich weiß aber nicht, ob es nicht jetzt lang anstehen dürfte, bis ich Ihnen wieder schreibe. In dieser Rücksicht verzeihen Sie mir desto eher. Ich erwarte Antwort, und bin etc. XX. Brief. Antwort auf den vorhergehenden. Sie haben meine Redlichkeit, und mein gutes Zutrauen zu Ihnen,das ich durch die Communication des Mönchen zeigen wollte, so belohnt, daß ich wünschte, ich hätte sie zurück behalten, und das Vergnügen, das ich daraus geschöpft hab, in der Stille allein genossen. Ihre Kritik werde ich dem Mönchen nicht mittheilen; darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Der Mann würde sich in den Tod legen, wenn er wüßte, daß jemand so mit ihm verfahren wäre; und der Beyfall, den ihm andere ertheilt haben, würde nicht zureichend seyn, ihn dafür zu trösten. Meine vorläufige Anmerkungen haben also nicht viel bey Ihnen gefruchtet. Ich sah wohl etwas von dem Ungewitter voraus: aber einen so heftigen Ausbruch hätte ich doch nicht vermuthet. Nun will ich mir noch Eins ausbitten; Sie lesen doch gewiß die gelehrten Journale, die in dem protestantischen Deutschland so häufig heraus kommen? – Sie drohen mir ja so gar, künftig keine andere, als protestantische Predigten mehr zu lesen, dazu wünsche ich Ihnen und Ihrer Religion Glück – treiben Sie Ihr Mißfallen an dem Vortrag der Mönchen nur nicht so weit, daß sie ihn einem WürgEngel von Recensenten zuschickten, oder ihm einen Wink gäben, solchen nach der unbarmherzigen Gewohnheit der allermeisten Schriftsteller von dieser Art, jämmerlich abzuschlachten. Ich verspreche Ihnen ja heilig, ich will alles thun und glauben, was Sie wollen, wenigstens Sie versichern, daß ichs glaube: ich will mir keine Predigt, die nicht den Ton des Fleschier hat, mehr wohl=gefallen lassen; ich will keinem Mönchen mehr in die die Kirche gehen; ja, ich will noch mehr thun; ich will mir von meinem Beichtvater, der ein Weltgeistlicher ist, bey der nächsten Beichte auf Ostern eine recht strenge Büßung dafür auflegen lassen; ich will ihm gar eine Todsünde beichten, die ich nicht begangen habe, und nie in meinem Leben zu begehen willens bin, nur um recht von ihm in Zucht genommen zu werden, daß ich mich an dieser Predigt des Mönchen so ergötzt habe. Nun sind Sie doch zufrieden, wenn ich Ihnen vollends auch das noch einräume – So heftig aber ihre Ausfälle wider das arme communicatum waren, böser Freund, so und noch viel ärger ist das, womit Sie Ihren übrigen ganzen Brief, an dem Sie unfehlbar eine ganze Woche geschrieben haben, anfüllen, den ich, die Wahrheit zu sagen, nicht ohne die innigste Wehmuth habe lesen können. Wenn Ihr Schreiben nicht an sehr vielen Stellen so ernsthaft lautete, so glaube ich, Sie hätten die bitterste Satyre schreiben wollen. Es ist nicht anders, ich lasse mirs nicht ausreden, Sie sind einmal von einem Mönchen beleidiget worden. Das soll jetzt der ganze Mönchsstand büßen, dem sie, wenn es in Ihrer Macht stünde, den schimpflichsten Garaus machen würden. Ist es nicht wahr? Sie haben etwa einmal einen Proceß mit einem Kloster geführt, und solchen verlohren; oder es Ihnen in einer Gesellschaft, von einem Mönchen unvorsetzlicher Weise eine Unannehmlichkeit widerfahren, die Ihnen weh gethan hat; oder Sie sind ein Busenfreund von einem Weltgeistlichen, der Sie mit seinen natürlicher Weise dem Mönchswesen ganz widersprechenden Grundsätzen angesteckt hat, und von dem Sie alles für baare Münze annehmen, was er Ihnen, verzeihen Sie mir diesen Ausdruck – aufzubinden Lust hat. Sie berufen sich zwar immer auf Ihr von Leidenschaften ganz freyes, so gar mit den Mönchen gut meinendes, und nur für das Beste der Kirche und des Staats eingenommenes Herz. Aber ein solches Herz kann wider Unschuldige nicht Gift und Galle kochen nicht einer ganzen, und noch dazu ehrwürdigen Gesellschaft, einem ganzen Stand, um der Gebrechen einzelner Mitglieder willen, das fürchterlichste Unglück, die gänzliche Zerstörung über den Hals wünschen. Es nimmt mich Wunder, daß Sie, an statt ihrer, wie ich zu Gott hoffe, unausführbarer Vorschläge, nicht Ihre Zuflucht zu Seufzern zu dem Himmel nehmen, daß er die Klöster und ihre Innwohner zusammen alle in Einer Stunde mit Feuer, wie Sodom und Gomorra, zu Grund richte, oder sie durch eine partikulare Sündfluth, wie die erste Welt durch eine allgemeine, verderbe[n]. Sie können Noah vorstellen, der den Mönchen ein paar Decennia vorher, um dem ihnen drohenden Gericht zu entfliehen, Buße predigte, da Sie ohnehin in Ihren Vorschlägen thun, als ob Sie nicht die gänzliche Aufhebung der Klöster, sondern nur ihre Verminderung, und die Verbesserung der Orden wünschten. Wenn sie sich hernach nicht besserten, so wäre ihr Wunsch erfüllt, und die Fluth käme, und nähme sie alle dahin. Ihre Contestationen glaube ich nun einmal nicht mehr. Verba tua sunt Dei , – sagte jener zu einem andern, der ihm die gute Worte ins Gesicht gab, aber ihm im Herzen fluchte, und alles that, um ihm zu schaden – facta Diaboli . Ich verfechte hier die Sache der Mönche. Sie müßen mir also meinen Eifer zu gute halten. Meine Einwürfe wider Ihre Vorschläge überhaupt, und wider Ihre Befugniß dazu, haben Sie weislich vorausgesehen, und wie Sie selbst zu sagen belieben, vollkommen errathen. Die Beantwortung aber, die Sie gleich dazu setzen, ist noch lange nicht zureichend. Der ganze Gegenstand ist durchaus nicht für Laien und Ungelehrte. Was würden Sie sagen? wie würden Sie so ein verzogenes Gesicht dazu machen, wenn ein Mönch Vorschläge zur Verbesserung des Cameral= und Rechnungswesens, der Landwirthschaft, des Acker= und Weinbaus, der Viehzucht u. s. w. geben, und darauf dringen wollte, sie in Ausübung zu bringen? Und darüber könnte doch wahrhaftig mancher Mönch noch eher etwas Vernünftiges sagen, da es Dinge sind, die nicht über seinen Horizont hinaus gehen, und von denen er, um seines Aufenthalts auf dem Lande willen wegen seiner Bekanntschaft und Umgangs mit Landleuten etwas wissen kann und muß. Hingegen diese Materie erfordert Kenntniße, zu denen der bloße gesunde Menschenverstand noch nicht zureicht; Kenntnisse aus der Kirchengeschichte, aus dem bürgerlichen und Canonischen Recht, die man nicht bekommt, wenn man auch sonst noch so viel gelesen hat, ohne sich ausdrücklich darauf gelegt zu haben. Und in diesem Fall sind Sie nicht, mein Freund, wenn ich schon aller Achtung für Ihren bon sens und für Ihre Belesenheit habe. Man will immer die Geistliche in ihr Fach zurück weisen, wenn sie nur ein wenig aus ihrem Kreis hinaus zu gehen scheinen; es heißt, sie sollen sich nicht in fremde Händel mischen, oder, wie das Sprüchwort sagt, bey ihrem Handwerk bleiben. Warum fordert man von ihren Gegnern und Feinden, deren Anzahl unter den Laien besonders groß ist, nicht ein Gleiches? Sie sagen: »die Sache betreffe die Religion, und in dieser Absicht gehöre sie für jedermann, dem die Religion nicht gleichgültig sey.« Gut! Nun so wird es auch Ihre Pflicht seyn, unsere Glaubensgegner, die Lutheraner und Reformirte, die Naturalisten und Atheisten zu widerlegen; und den Voltaire und andere seines gleichen zu recht zu weisen: denn alle diese haben unserm katholischen Glauben unendlich mehr Schaden gethan, als alle MönchsOrden. Man därfe nur, fahren Sie fort, die Schriften von dem Mönchswesen lesen, die in jedermanns Händen seyen, um Einsichten in diese Sachen zu bekommen, und darüber urtheilen zu können. Ich habe Ihnen schon mehrmal gesagt, daß ich diese gar nicht für die ächten Quellen halte, aus denen man schöpfen muß, wenn man gründlich in dieser Materie verfahren will. Sie sind großentheils, und ich wette, fast allem von Protestanten geschrieben, die entweder, welches am leichtesten ist, wenn man etwas schreiben will, erdichtet; oder, wenn sie auch etwas Wahres beygebracht haben, es von schlechten, unzuverläßigen Leuten, von übelgesinnten Weltgeistlichen, oder von ausgesprungenen OrdensLeuten , denen es in ihren Klöstern nicht nach Wunsch gegangen ist, und die sich hierdurch rächen wollten, aufgefangen haben. Hieher rechne ich besonders die Briefe aus dem Noviziat, worüber Sie mir auch neulich einen so erbaulichen Commentar zugeschickt haben. Es ist keine Kunst, Dinge aus ihrem Zusammenhang heraus zu reißen und lächerlich zu machen. Man kann die ernsthaftesten Dinge dem Spott der Lacher Preiß geben. Ich wollte Ihnen Cärimonien anführen, die bey der wichtigsten und feyerlichsten Gelegenheit, die nur zu erdenken ist, in Europa, von Zeit zu Zeit beobachtet werden, die man eben so spöttisch durchziehen könnte, und die doch mit der grösten Ernsthaftigkeit behandelt werden. Ich will sie mit Fleiß und Ehrfurcht nicht nennen. Aber Sie würden mir Recht geben, wenn ich sie anführen wollte. Jener Schriftsteller aus dem Noviziat spricht immer nur von der pedantischen Härte des Magisters; aber von der Ungezogenheit der Novitzen, die oft ärgerlich genug seyn muß, schweigt er ganz stille. Wie viel verwöhnte Muttersöhnchen kommen in die Klöster! Da sieht es freylich anders aus, als in dem elterlichen Hause, wo man mit den hübschen Knäbchen fein säuberlich verfährt, ihre Laster für Tugenden, ihre Ausgelassenheit für jugentliche Munterkeit, und ihre Unordnung für Dinge erklärt, die mit der Zeit selbst aufhören werden, über denen man also nicht nach der Schärfe mit ihnen verfahren müße. Wenn sie denn durch eine so Eli=mäßige [?] Zucht ganz verwildert sind, und man will doch wohlgesittete, gottseelige Mönche aus ihnen machen, wie viel gehört dazu! Wenn man oft lange genug Geduld, Nachsicht und Gelindigkeit gegen ihnen bewiesen hat, und sie schlägt nicht an, was ist übrig, als harte Worte zu gebrauchen? Das thut nun den jungen unartigen Herren weh, und sie können sich nicht genug darüber beschweren. Was ist es denn, wenn man endlich das Rauhe herauskehrt, und den Bürschgen Dinge sagt, die sie nicht gern hören? Sie thun auch vieles, das man nicht gern sieht; und die Vorgesetzte müßen am Ende noch eher Recht haben, als die Untergebene. Daß man über Kleinigkeiten hart mit ihnen umgeht, das kann nur derjenige tadeln, der die Sache nicht im Ganzen betrachtet. An und vor sich mögen es Kleinigkeiten seyn; zum Fenster hinaus sehen; mit den Füßen scharren; mit dem Leuchter oder der Lichtputze ein Geräusch machen, und dergleichen. Aber den Gehorsam muß man bey Kleinigkeiten, und in der Jugend lernen, daß man ihn im Alter und bey wichtigen Dingen üben kann. Die Kulpa, über die Sie sich so spöttisch herauslassen,hat, wie alles, eine gute und schlimme Seite. Daß Sie nur die schlimme sehen, wundert mich nicht. Bey den Mönchen und in Klöstern sieht in Ihren Augen alles schlimm aus. Begreifen Sie denn nicht, daß es bey diesem Kulpa sagen darauf anzugesehen ist, die Novitzen darzu anzugewöhnen, daß sie die geringsten Fehltritte an sich selbst bemerken, genau auf ihr Herz, auf ihr Thun und Lassen Achtung geben, gegen sich selbst nicht nachsichtig und gelind seyn, ihre Gebrechen aufrichtig bekennen, nichts verhehlen, sich gern bestrafen lassen, und auf diesem Weg alle Tage besser werden sollen? Finden Sie bey dieser Erklärung die Sache noch abgeschmackt? Ich wollte eher sagen, daß man in den Klöstern hierinn zu gelind ist, als zu scharf sey. Jener Verfasser, der die schäbichten Briefe aus dem Noviziat geschrieben hat, hätte andere Dinge anführen können, zum wahren Ruhm der Klöster bey verständigen Leuten, wenn ihm nicht der Spottgeist die Feder geführt, und ihn verleitet hätte, alles in einem falschen Lichte zu zeigen. Vielleicht aber hat er gar das Rühmliche nicht gewußt, sondern ist bloß ein gedungener Schriftsteller, dem ein treuloser Katholik, oder ein boshafter Protestant, der jene Nachrichten vom Hörensagen hatte, aufheftete, was er für gut fand. Sehen Sie, das sind die reine, die so gerühmte lautere Quellen, die in jedermanns Händen sind, aus denen man schöpft, wenn man den Mönchen auf denLeib will, und aus denen man Bogenlange Vorschläge zu Verminderung und Verbesserung der Mönche herausspinnt, und sich daran weidet, eben als ob sie schon vollzogen wären. Ich muß Ihnen noch ein Wort über jene NoviziatBriefe sagen. Sie haben mich mit einer sehr weitläufigen Abhandlung über die in Ihren Augen so absurde Regul beehrt, daß ein rechter Novitze seyn soll, wie ein Kind, wie ein Narr, und wie ein Stock im Winkel. Da waren Sie in Ihrem Element, wie Sie mir diese 3. Stücke kommentirten. Es läßt sich allerdings viel Schnackisches darüber sagen. Davon haben Sie mir einen unwidersprechlichen Beweis gegeben; und ich glaube nicht, daß man etwas anzügllischeres wider die Mönche sagen kann, als was Sie damal aus dem Schatz Ihres Herzens mir ans Herz gelegt haben. Aber, wahrhaftig religiöse Mönche, Novizen, die mit einem uneingenommenen Gemüth, und in wahrer christlicher Einfalt ins Kloster gehen und darinnen leben, werden sich das und noch weit mehreres nicht irren lassen. Jene rechnen es zu der Schmach, die die Welt je her auf ihren Stand gelegt hat; und diese halten es für eine Uebung der Verläugnung, die ihnen in ihrem ganzen Mönchsstand wohl kommen wird. Geben nicht diese 3. Regeln einen gesunden Verstand, wenn man sie nach dem Sinn und der Absicht dessen erklärt, der sie den Novitzen vorgeschrieben hat? Jeder ist doch der authentische Ausleger seiner Worte. Ich darf also auch diesem dieß Recht nicht absprechen. Ist denn die Situation eines Novitzen, der in das Kloster kommt, nicht eben die, wie eines Kindes, das die Welt kennen zu lernen anfangt? Ist das nicht eine Hauptregel, – unsere neue Erzieher, Basadowe, und wie sie alle heißen, mögen dazu sagen, was sie wollen, Lehrlinge und Schüler müßen ihren Lehrern glauben. Wo würde es hinkommen, wenn man das bezweifeln wollte? Und wer würde Lehrer seyn wollen oder können, wenn das nicht mehr gälte? Ein Novitze weiß von dem, was er nun im Kloster zu lernen hat, nichts. Wie soll er es aber lernen, wenn mans ihm nicht sagt; und wie wird ers lernen, wenn er das nicht glaubt, was man ihm sagt? Daß er über das, was man ihm vorsagt, nicht nachdenken soll, das bedarf nur einer vernünftigen Erklärung, so fällt alles weg, was man darüber haben könnte. Nachdenken darf er wohl, um es recht zu verstehen und zu wissen, was man ihm sagt, und es üben zu können; aber grübeln soll er nicht, er könnte zu zweifeln verleitet werden, die ihm Schaden brächten. Ist etwas Unvernünftiges hierinn? Und sind wir Alte nicht oft in dem nehmlichen Fall, daß ein unbefugtes Nachdenken uns nur irre führt, und die Wahrheit aus den Augen rückt? Daß ein Novitze seyn soll, wie ein Narr, fällt sehr auf, ich läugne es nicht. Sie, lieber Freund, hielten sich freylich fest hieran, und wurden nicht müde, sich im hohen Grade lustig darüber zu machen. Aber Lachen ist nicht Beweisen, und Spotten nicht Ueberzeugen. In gewißem Verstand sind wir alle Narren, und müßen es seyn, wenn wir recht weise werden wollen. Die ächte Erklärung jener Regel heißt: Ein guter Novize muß glauben, er wisse nichts. Ist das so gar närrisch? Ich dächte, es müßte Ihnen, als einem in philosophischen und andern Schriften unserer neuen großen und scharfsinnigen Köpfe so sehr bewanderten Mann, besser bekannt seyn, als mir, der ich dießfalls in der Niedrigkeit wandle, daß der wahre Weg zur Gelehrsamkeit und zur Weisheit die gründliche Erkenntniß seiner Unwissenheit und Thorheit, und kein sicherers Mittel, ein Unwissender und Thor zu bleiben, sey, als die Einbildung, daß man weise und gelehrt sey, wenn man es nicht ist. Ein alter Spruch, der aber nicht sehr beherziget wird! Beurtheilen Sie nun hiernach die Klosterregul, von der die Rede ist, und bitten Sie um Vergebung, daß Sie so voreilig geurtheilt haben. Die Obern des Klosters wissen doch mehr, als die Novizen. Sollen sollen sich jene von diesen oder diese von jenen sagen und belehren lassen? Wie viel naseweise Pürschgen werden zum Klosterleben gewidmet, denen der Kopf durch einbildische und sich allein klug dünkende öffentliche, und Hauslehrer verrückt worden ist! Für solche ist diese Regel eine heilsame Arzney, die sie wieder nüchtern und gesund machen kann. Daß ihnen diese moralische Kost im Kloster nicht schmeckt, ist kein Wunder. Der Hochmuth ist das Loos der Menschen von Mutterleibe an; und da die Demuth eine der ersten und wichtigsten Aufgaben ist, die man im Kloster zu lernen hat, so wüßte ich nicht, ob eine vortreflichere Regel zu dieser Absicht gegeben werden könnte, als eben diese. Daß ein Novize, der gute Hofnung, ein rechtschaffener Mönch zu werden, von sich geben soll, auch wie ein Stock im Winkel seyn müßte, dabey haben Sie sich nicht lange aufgehalten. Vermuthlich haben Sie Ihrer Satyre schon zu viel zugemuthet. Ich hingegen gedenke, mich desto länger dabey zu verweilen, und Ihnen zu erweisen, daß dabey tiefe Weisheit zum Grund liegt. Sie bedienen sich dieses Ausdrucks, wo ich nicht irre, selbst. Aber ich verstehe Sie. Ich für meine Person meine es ganz im Ernst. Gehorsam ist, wie bey jungen Leuten überhaupt, also besonders bey Novizen die Hauptsache. Sie ist der Grund, auf dem das ganze Gebäude der Erziehung ruHumorhen muß; das erste und letzte, wenn brauchbare Leute in allen Ständen gebildet werden sollen. Einen andern Verstand hat die Regel nicht, und kann keinen andern haben. Sie verdient also den Spott nicht, den Sie darauf legen. Wenn man junge Leute nicht bey Zeit zum Gehorsam anhält, so kann, wenn sie einmal erwachsen sind, kein Mensch mit ihnen fertig werden. Sie sind wie die muthigen und wilden Rosse, die oft nicht anders, als mit Lebensgefahr zu bändigen sind. Es wäre gut, wenn man nicht eben nur in Klöstern, sondern bey allen möglichen Anstalten, die die Erziehung der Jugend betreffen, hierauf mehr Rücksicht nähme; das würden Obrigkeiten, Lehrer in Kirchen und Schulen, und fürwahr die ganze menschliche Gesellschaft zu genießen haben. Ich bin also ganz gelassen dabey, daß Sie so hämisch mit dieser Regel umgehen, und gerade das gute aus den Augen setzen, das man der Verachtung derselben offenbar zu danken hat. Sie reden von Klötzen, und verdrehen also augenscheinlich den Sinn des Satzes. Daraus kann nun freylich nichts Vernünftiges; und lauter solches Zeug folgen, als Sie mir mit nachdrücklicher Kürze geschrieben haben. Zur Strafe für Ihren Muthwillen wünsche ich Ihnen Amtsuntergebene, die alles besser verstehen wollen, als Sie selbst; die alle Ihre Befehle gloßiren; nur das beobachten, was ihnen beliebt, und für die Befolgung des übrigen Sie selbst sorgen lassen. Sehen Sie, wie Sie dabey zu recht kommen. Nun Ihre Vorschläge selbst, zur Verminderung und Verbesserung der Mönche und Klöster – Sie haben Ihren Erfindungsgeist dabey recht angestrengt, und ich bewundere Ihre Beredsamkeit bey diesen Entwürfen – mehr, als Ihre Gründlichkeit; und bedaure nur, daß Sie sich Mühe gegeben haben, sich anzustellen, als ob nicht die gänzliche Zerstöhrung dessen, was Sie vermindert und gebeßert wissen wollen, Ihre einzige Absicht wäre. Denn diese scheint überall durch, und die Vorschläge sind mit Fleiß so eingerichtet, daß ihre Ausführung klare Unmöglichkeit ist. Ihrer zu schonen, will ich solches nicht ausführlich beweisen. Sie möchten sonst in einer gar bedenklichen Blöße erscheinen. Aber das werden Sie mir nicht ungütig nehmen, wenn ich Ihnen mein äußerstes Befremden darüber bezeuge; daß Sie so kühn sind, Mönche und Nonnen zu Verrichtungen zu bestimmen, aus denen man sehen kann, daß diese Leute in Ihren Augen nicht besser sind, als der niedrigste Pöbel. Ich schließe daraus auf Ihre Gesinnung gegen die Religion selbst. Diese wollen Sie immer in Sicherheit haben, wenn Ihre Worte nicht Complimente sind. Aber wer die Diener der Religion so emploiren will, dem, sorge ich, seyn sie nicht weniger verächtlich, als das, wozu er jene gern bestimmen möchte. Das kränkt mich nun zwar nicht, daß Sie von Schulmeistern und Hauslehrern reden. Ihre Absicht dabey war allerdings, sie zu beschimpfen, wenn Sie schon nicht dafür angesehen seyn wollen; die Schulmeister durch die Mönche, und die Mönche durch die Schulmeister. Ich aber halte dieses Geschäft für zu edel, als daß man Spaß damit treiben, und denjenigen für so gar erniedrigt halten könnte, der sich damit abgiebt. Wenigstens bin ich überzeugt, daß junge Leute mehr dabey gewinnen würden, wenn sie von geschickten und gottseeligen Mönchen Unterricht erhielten, als wenn sie neumodischen, überklugen, naturalistischen und schöngeisterischen Meistern, deren die Welt in unsern Tagen eine Brut nach der andern hervorkommen sieht, in die Hände gerathen. Die Mönche würden darauf arbeiten, jungen Leuten Andacht, Verläugnung, Gehorsam, und andere wesentliche Tugenden einzuprägen, an statt durch seine naseweise Lehrer Weltförmigkeit, Räsonnirsucht, Unbottmäßigkeit in sie gepflanzt, und, wenn diese Laster schon vorhanden sind, wie das bey den allermeisten der Fall ist, noch mehr unterhalten wird. Ueberall lassen Sie Besorgniß wegen der Keuschheit der Mönche und Nonnen hervorblicken. Dieß ist eine Saite, die Sie gar gern rühren. Es ist mir, als ob man daraus auf das schließen könnte, was in Ihrem Herzen ist. Sie hätten freylich keinen Mönchen abgegeben. Die Empörung Ihres Fleisches und Blutes wider dieses Gelübde wäre zu stark, und ohne Zweifel unüberwindlich gewesen. Messen Sie doch aber ja andere Menschen nicht nach sich selbst ab. Sie wissen ja, daß Keuschheit eine Gnade ist. Wenn Sie solche nicht gehabt haben, so glauben sie deßwegen nicht, daß sie kein Mensch haben könne. Und wen Gott zum Klosterleben berufen hat, dem hat er gewiß diese Gabe auch mitgetheilt. Daß Sie die Mönche zu Kaminfegern und Schuhputzern, wenn sie nicht zu Schulmeistern und Hauslehrern tüchtig seyn sollten, gemacht wissen wollen, darüber habe ich in der Stille, als über eine schwere Versündigung, geseufzet, die Ihnen noch hart aufliegen wird. Doch dies setze ich auf die Seite, und bitte Sie nur, mir aufrichtig zu gestehen, ob es Ihnen Ernst seyn könne, diesen Schluß als richtig und unumstößlich zu behaupten: Wer nicht mit dem Unterricht der Jugend umgehen kann, für den ist nichts übrig, als einen Schuhputzer oder Kaminfeger abzugeben; oder, wem Gott die Gabe zu lehren versagt hat, dem hat er schlechterdings keine Gabe zu einem andern anständigen und edlen Geschäft gegeben. Ihrer Meinung nach gränzen also Schulmeister und Schuhputzer nahe zu sammen; und wenn ich Sie recht verstehe, so giebt es kein drittes zwischen diesen zwey Aemtern. Das Abgeschmackte und Beleidigende, das hierauf folgt, sehen Sie, ohne mein Zuthun, selbst ein. Uebrigens wundert mich nicht, daß es bey Ihren Vorschlägen zur Verminderung und Verbesserung der Mönche und Klöster so gar leicht zugeht. Sie stellen sich die Sache so ohne alle Schwierigkeiten vor, als wenn ein Bauer aus einem Krautacker einen Kornacker machen wollte. Was man gern hat, das glaubt man gern. Die wahren Hindernisse, die sich dieser Sache in den Weg legen, sind Ihnen nicht beygegangen; oder Sie haben sich gestellt, als ob sie Ihnen nicht beygegangen wären. z. E. daß es eine Gewissenssache ist, sein Gelübde zu brechen, daß der Pabst unmöglich seine Einwilligung dazu geben kann, weil der Gedanke gewiß von niemand anders, als von solchen, die Privathaß wider die Mönche nähren, herrühret, wovon man am Päbstlichen Hofe bey einer so wichtigen Angelegenheit keine Notiz nehmen wird; und daß endlich die Versorgung der Mönche und Nonnen, wenn auch die Sache zu Stand kommen sollte, noch lange nicht so im Reinen ist, wie Sie sich vorstellen. Zum Beschluß muß ich nur noch das Ihrem Gewissen, wenn es nicht bereits alles Gefühl verlohren hat, vorlegen. Sie sagen, alle Mönche seyen ausgeartet; sie bedürfen alle einer ernstlichen und nachdrücklichen Verbesserung. Vor einiger Zeit verlangten die Benediktiner Mönche von der Congregation des H. Maurus zu St. Germain in Paris eine Erleichterung in den klösterlichen Beobachtungen. Allein, alle übrigen von erwähnter Congregation, die vom wahren Geist Gottes noch belebt wurden, widersetzten sich diesen Laugesinnten, und ließen im Kloster Blancs Manteaux zu Paris diese Schrift aufsetzen: importance \& l' édendue des obligations de la Vie monastique, auch solche an den König gelangen, um die Erleichterung ihrer strengen Ordensregel zu verbitten, und deren unveränderte Beybehaltung zu erflehen. Ein einziges Kloster zeigt Schwäche. Aber alle andern sind ihrer Pflicht eingedenk. So wird es noch bey mehreren Orden gehen; so ist also die Verbesserung noch nicht so nöthig, als Sie meinen. Ihr Anschläg Herr, zu nichte mach. Leben Sie wohl. XXI. Brief. Antwort auf den vorhergehenden. Damit Sie nicht glauben, Sie haben das letzte Wort deßwegen behalten, weil das Recht auf Ihrer Seite sey; und ich seye so widerlegt, daß mir der Gedanke in meinem Leben nicht mehr kommen werde, nur ein Wort wider die Mönche zu sagen, so sollen Sie noch dieses von mir lesen, worinn ich mir die Freyheit nehme,nur einiges aus Ihrem letzten Briefe, der mit äußerst hitziger Feder geschrieben worden, ganz kurz zu berühren; übrigens Sie aber theuer versichere, daß ich, trotz aller Ihrer für die Mönche so trostvollen Hofnungen, den Wunsch, diese der katholischen Welt so lästige Nation bald begraben zu sehen, bis in meinen letzten Athemzug nicht aufgeben werde. Näheres s. Joseph II. im Dictionnaire Personen. Ich weiß, warum ich das wünsche; ich weiß auch, daß ich nicht vergeblich wünsche. Sollte ich mich aber betrügen, so gönnen Sie mir doch den angenehmen Irrthum, den süßen Traum, und glauben, daß ich nicht der einzige sey, dem es von dem träumt, womit er den ganzen Tag umgeht. Diese Träume können unvermuthet in die Erfüllung gehen; aus dem, was Sie jetzt für einen ausgemachten Irrthum halten, kann eine Wahrheit werden, die Sie und Ihres gleichen in Verwunderung und Erstaunen setzet. Wie kommen Sie doch dazu, Ihren Brief mit einem Seufzer aus einem lutherischen Kirchengesang zu beschließen? Vielleicht wußten Sie es nicht einmal; sonst würde es gewiß unterblieben seyn. Ich mußte herzlich lachen, als ich mir Ihre Erröthung darüber im Geist vorstellte, daß Sie sich den Eifer für die Mönche und ihre Aufrechterhaltung so weit verleiten liessen, dem Luther, einem Mann, der schon vor dritthalbhundert Jahren zum Sturz der Mönche einen so guten Grund gelegt hat (denken Sie, wie unparteyisch! er war selbst ein Mönch!) etwas aus seinen ketzerischen Liedern abzuborgen! Darüber stünde Ihnen gewiß keine unfeine Lauge von Ihrem Beichtvater aus dem FranciscanerOrden bevor, wenn er es erführe. Vielleicht müßten Sie gar ein ansehnliches Kapital zum Kloster stiften, um diese Todsünde abzubüßen; und wenn Sie nicht auf Ihrem Todtenbette Anstalt zu etlich 100. Seelenmessen machten, so könnte die Quaal des Fegfeuers auch ein paar hundert Jahre länger dauren. Das sollte Ihnen nicht geschehen seyn! Das ganze Lied ist Ihnen ohne Zweifel gar nicht bekannt. Um Ihre Buße über diese schwere Vergehung recht groß und lebhaft zu machen, will ich Ihnen solches abschriftlich zusenden. Wie werden Sie erstaunen, wenn Sie finden, daß der Pabst, auf dessen Allmacht Sie sich bey der Erhaltung der Mönche so steif und vest verlassen, und der Türk, gleich im ersten Vers, als zween Brüder, zusammengejocht sind! In der that, durch diesen Einzigen Gedanken, so gewiß er Ihnen wider Ihr Wissen und Wollen entfahren ist, haben Sie bey mir vieles wieder gut gemacht, womit ich in Ihrem Brief sonst gar nicht zufrieden seyn konnte; und Sie sollen von nun an keine Vorwürfe mehr von mir hören. – Geben Sie sich nur zu Ruhe, ich bitte Sie. Ihr Winseln wird nichts helfen. Die Mönche sind, was sie sind. Thut man ihnen Unrecht, wenn man sie für das hält, was sie sind? Wenn man sie nach ihrem wahren Werth schätzt? Lassen Sie die Großen der Erde, die es angeht, diese Sache ausfechten. Nimmt sich der Himmel ihrer an – wenn sie beybehalten werden, so glauben Sie meinetwegen getrost, das komme von oben – so werden alle Versuche, ihnen zu schaden, verlohren seyn. Geht es aber mit ihnen der Zernichtung, oder der Verwandlung zu, so geschieht ja auch das nicht von ungefehr; und wir sind die Leute nicht, die dawider murren können. – Meine Reise hat wieder auf etliche Tage Aufschub erhalten. Deswegen konnte ich Ihnen noch einmal schreiben. Wenn ich wieder zurück komme, so werde ich Ihnen viel Wichtiges sagen können, wenn Sie es gern hören möchten. Wie gefällt Ihnen dann, was der Erste Geistliche Churfürst in seiner Residenz mit ein paar Klöstern zum Besten seiner Universität zu Maynz gethan hat? Glauben Sie nicht, daß das ein Beyspiel für andre seyn könnte? Doch Sie haben ohne Zweifel meiner, wie Sie es nennen werden, unaufhörlichen Zudringlichkeiten satt. Ich wünsche Ihnen die Gemüthsruhe, die ich bey allen Vorfällen von dieser Art genieße, und bin etc. etc. Dictionnaire Sachen Die Schreibweise erfolgt in der heute üblichen Form, also z. B. Elisäum = Elysium, Ecclesiastica = Ekklesiastika usw. Abstinenz – Enthalten vom Fleischessen Abtei – ein Kloster, dem ein Abt / Äbtissin vorsteht. Die Erhebung eines Klosters zur A. erfolgt durch den Papst. abusive – mißbräuchlich Adamsrippe, metamorphosierte – eine Frau, vgl. Gen. I. Kap. 2: »Und er nahm seiner Rippen eine ... und baute ein Weib aus der Rippe, ...« Admonition – Ermahnung Affirmieren – bejahen, bekräftigen akkompagnieren – ein Lied auf einem Instrument begleiten Akkord – Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger, hier (18. Brief der Mönchsbriefe): Vertrag, Vereinbarung Albigensern – (Katharer), christliche Sekte mit großer Verbreitung vom 11. bis 14. Jahrhundert, besonders in Südfrankreich. Den A. war das Töten von Mensch und Tier, das Fluchen und das parasitäre Nichtstun verboten. Sie lehnten das A. T. wegen der Unzulänglichkeiten der Schöpfung ab. Die A. wurden in mehreren Kreuzzügen brutal ausgerottet. Alfanzerei – Possen, Lügen Allerheiligen – katholisches Fest am 1. November amerikanischer Krieg – der Freiheitskampf der englischen Kolonien in Nordamerika 1757 – 1781 Anathem – Kirchenbann annektieren – hier (18. Brief der Mönchsbriefe): hinzufügen Anthropomorphosie – Vermenschlichung (des Heiligen) applizieren – anwenden approbieren – genehmigen, zulassen apropos – nebenbei bemerkt Ärarium – Zeitalter Arbela – Stadt im Irak, hier besiegte Alexander der Große 331 v. C. den Perserkönig Dareios III. Arkanum – Geheimnis Äsop – griech. Fabeldichter, lebte um 600 v. C. Assenta – Assentierung: Musterung Atheismus – Verneinung der Existenz Gottes attrapieren – erwischen, ertappen Augustiner – kein einheitlicher Orden, er besteht aus den A.-Chorherren bzw. -frauen, den A.-Eremiten und den A.-Nonnen. Sie leben nach der Regel Augustins. Avantüre – (Liebes)abenteuer Axiom – keines Beweises bedürftiger Grundsatz Babels Gebäude – der Turmbau zu Babel, s. 1. Mos. 11 Bacchanten – Anhänger des Weingottes Bacchus Barfüsser – der katholische Orden der Augustiner-Barfüßer, die Mönche leben nach der Augustinusregel Bartholomäusnacht – das Massaker am 24.08.1572 an 2000 französischen Protestanten (Hugenotten) Basilisk – mythisches Tier, gilt als König der Schlangen, sein Blick tötet Belletristerey – Belletristik, schöngeistige Literatur Benediktiner – auf B. von Nursia zurückgehender Orden, der angeblich 529 das Kloster Montecassino gründete. Die Mönche beten nicht nur, sondern arbeiten auch: »Ora et labora.« Benediktiner, den ersten Schritt zur Kultur – gemeint ist Bonifatius (15. Brief der Mönchsbriefe) Benefizium – mit einer Pfründe versehenes Kirchenamt Benevolenz – Wohlwollen Bengel – Prügelstock Bernhardiner – die Augustinermönche auf dem Großen St. Bernhard in den Alpen beschneiden lassen – zur jüdischen Religion übertreten Bibel = Heilige Schrift Bild des gekreuzigten Gottes – s. »Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder zu Paris«, Vier und dreißigster Brief. bonmot – geistreicher Ausspruch Bourbonen – Bourbonische Höfe: Frankreich und Spanien Bramahnen – buddhistische Priester Breve – ein einfacher päpstlicher Erlaß, s. Bulle Brevier – Gebetbuch eines Klerikers Brüderschaft – religiöse Vereinigung, z. B. die Erzbruderschaft St. Michael, die katholischen Priestern und Laien offensteht Buchdruck – die um 1450 erfolgte Erfindung des Druckens mit beweglichen Lettern im Bleisatz (Schwarze Kunst). Erfinder ist der »Mann des Jahrtausends«, Johann Gutenberg. Er wirkte in Mainz und Straßburg. Heute ist diese Technik vom Rotationsdruck völlig verdrängt, wurde aber in Deutschland noch bis 1997 von einem Verlag gepflegt. Übrigens: Zu den ersten Kunden des Buchdrucks gehörten die Ablaßhändler, die sich nun viel Arbeit ersparten: Der Ablaßbrief lag gedruckt vor, es brauchten nur noch die individuellen Daten wie Name, Sünde, Ablaß und Betrag eingetragen zu werden. Anders als im 14. Brief der Mönchsbriefe gesagt, hat Gutenberg den Buchdruck der Menschheit in einer solchen Vollkommenheit übergeben, daß es 300 Jahre lang keinerlei Verbesserungen gab. Büchse der Pandora – Pandora war die erste Frau der griech. Sage. Sie öffnete diese Büchse, woraufhin alle darin enthaltenen Übel auf die Menschheit kamen. Nur die Hoffnung blieb zurück. Bullam in Coena Domini – eine alljährlich verkündete päpstliche Bulle mit aktuellen Verfluchungen »wie wir denn sehen, dass der Papst thut am grünen Donnerstag in der Bulle Coenae Domini, und wenn's ihn gelüstet« (Luther) Bulle – im Gegensatz zum Breve ein feierlicher päpstlicher Erlaß Burgundischer Kreis – Burgundischer Reichskreis, einer der 10 von Maximilian I, 1500 geschaffenen Reichskreise, umfaßte hauptsächlich Gebiet im heutigen Benelux. C. M. B. – Inschrift an kathol. Häusern, wird als Caspar, Melchior und Balthasar (die Heiligen Drei Könige) gedeutet, heißt aber in Wirklichkeit: »Christus segne dieses Haus.« Calcedonensisches Concilium = Konzil von Chalcedon Calvinismus – Calvins Lehre beinhaltete auch den zentralen Punkt, die Menschen könnten an ihrer Fähigkeit zu strengster Pflichterfüllung sehen, ob sie zum Heil vorausbestimmt seien. Obwohl Calvin mit dieser seiner Prädestinationslehre eigentlich die Allmacht Gottes und Bedeutungslosigkeit des menschlichen Willens betonte (innere Religiosität), begünstigte sie in Verbindung mit der strengen Moral und Kirchenzucht (äußere Religiosität), die Calvin in Genf einführte, jenes Arbeitsethos, das die Grundlage für das Gewinnstreben im Kapitalismus bildete. (entnommen aus Wikipedia) captieren – erschleichen Caravacakreuz – Das Kreuz von Caravaca oder Caravacakreuz ist eines der meistbenutzten Schutzamulette, an seine Kraft glauben Millionen. Das Original-Caravacakreuz soll einen Splitter des Kreuzes Christi (»Lignum Crucis«) enthalten. Carthagiensische Consilium = Synode von Karthago, Dritte Cäsarea – Stadt in Palästina Casus – Fall, Ereignis Cataplasmata – hier (12. Brief der Mönchsbriefe): schmerzlinderndes Mittel Centaurus = Zentaurus Cherub – Engel mit Flügeln und Tierfüßen, Wächter des Paradieses Chimäre – feuerspeiendes Mischwesen der Antike Churstaat – der Staat eine Kurfürsten Cilicium = Zilizium Cilicium = Zilizium Cistercienser = Zisterzienser Cistertienser = Zisterzienser Cluniacenser – Mönche, die nach dem Ideal der vom franz. Kloster Cluny ausgehenden Reformbemühung für Klöster und Papsttum leben Cölibat = Zölibat commod – bequem Concilium Tridentium = Konzil von Trient, = Tridentinum Convertit = Konvertit Costnitzer=Concilium = Konzil zu Konstanz Dauphin – Kronprinz Dechant – Erzpriester, der anderen Priestern vorsteht; auch Stellvertreter des Bischofs Deduktion – abgeleiteter Beweis Deduktion – logische Schlußfolgerung defendieren – verteidigen deferieren – jemanden zu einem Eid zwingen Deismus – die Gottesvorstellung der Aufklärung, s. Theodizee Deist – Anhänger des Deismus Dekretalen, falsche – die sog. Pseudoisidorischen Dekretalien, die umfangreichste klerikale Fälschung überhaupt. Sie enthält Konzilsbeschlüsse, fränkische Gesetze, Papstbriefe (röm. Bischöfen der ersten drei Jahrhunderte zugeschrieben) – alles erlogen oder verfälscht deliberieren – überlegen, beratschlagen Depense – Abhängigkeit Depositär – Träger (der Wissenschaft) Deputation – hier (18. Brief der Mönchsbriefe) – Mindestproduktion derivieren – ableiten Devotion – Unterwürfigkeit Diözese – Amtsgebiet eines Bischofs diskurieren – (heftig) erörtern Dispensation = Dispens – Freistellung, Ausnahmeerlaubnis, Befreiung disponiert sein – aufgelegt, empfänglich sein Disseration – akademische Arbeit zur Erlangung der Doktorwürde Distinktion – hier (11. \& 14. Brief der Mönchsbriefe ): Unterscheidung Dogma – kirchlicher Lehr- und Glaubenssatz, gilt als Richtschnur Domäne – staatlicher Landwirtschaftsbetrieb Dominikaner – Mönchsorden, der radikalen Armut verpflichtet, Bettelorden, 1214 von dem Spanier Dominikus Guzmann gegründet. Der Orden widmet sich der Ketzerbekämpfung und war in dieser Eigenschaft führend in der Inquisition. Domkapitular – Domherr, ein Priester des Domkapitels, der gemeinsam mit den anderen D. Gottesdienste hält Donnerstrahl – das Interdikt, d. h. die kirchliche Verdammung (Verbot kirchlicher Kulthandlungen) von Einzelpersonen, Diözesen oder Ländern; vom Papst verhängt und meist zu machtpolitischen Zwecken angewandt, wodurch es schnell seine Wirkung verlor. Dukaten – Münze, 2,75 Taler Duodez – Papierformat, 24 Seiten pro Bogen Eden – das Paradies, vgl. Gen. Kap. 2 Edukation – (gute) Erziehung Ekklesiastes – das Buch »Prediger Salomo« aus dem A. T. (»Da pries ich die Toten, die schon gestorben sind ... «) Elysium – das Land der Seligen in der Unterwelt der griech. Sage Emissär – Abgesandter mit einem bestimmten Auftrag employieren – anwenden Epikureer – Anhänger der Philosophie Epikur, heute meist in mißverstandener Bedeutung Bezeichnung für einen Genußmenschen Ergottereyen – religiöse Spekulationen Eselin, gelehnt – Jesus zog auf einer ausgeliehenen Eselin in Jerusalem ein (Mat. 21,1) Essäer (Essener) – ordensähnliche Gemeinschaft in Palästina, die den Jerusalemer Tempeldienst ablehnten, von ihnen stammen die Schriftrollen in Qmram Eumeniden – die Rachegottheiten der Erinyen in der griech. Mythologie Exegese – Exegetik: Bibelauslegung Exemption – Befreiung von bestimmten Lasten oder Pflichten Exercitien – geistliche Übungen gem. dem Vorbild und der Vorschrift des Ignatius von Loyola Exkommunikation – Kirchenausschluß Exorzismus – Teufelsaustreibung Exorzist – Teufelsaustreiber explizieren – erläutern Expression – Ausdruck exprimieren – hier (18. Brief der Mönchsbriefe): ausdrücken expurgieren – sich reinigen, seine Schuld bereuen Extension – Ausdehnung; der Umfang eines Begriffes Exterieur – äußere Erscheinung extorquieren – abpressen, erzwingen extravagieren – hier (18. Brief der Mönchsbriefe): übertreiben Falsifikation – Widerlegung einer wissenschaftlichen Lehre durch ein Gegenbeispiel Fasten – eine Form der Askese für den Hausgebrauch: am Aschermittwoch und jeden Freitag ist kein Fleisch erlaubt, wohl aber Eier oder Fisch Fayece – Tonware mit Zinnglasur; hingegen ist Majolika Töpferware mit Zinnglasur Fegefeuer – purgatorium, eine Erfindung Gregor I., also Priestertrug aus Geldgier. Die alte Kirche glaubte an folgendes Schema: Tod –\> Jüngster Tag –\> Himmel oder Hölle (Jesus Christus als Weltenrichter). Nun gilt:Tod –\> Himmel, Hölle oder Fegefeuer –\> Himmel. Das F. ist also der Ort der Seelenläuterung, durch Geldzahlung an die Alleinseligmachende kann der Aufenthalt verkürzt werden. Von den Protestanten wird der Begriff als unbiblisch abgelehnt. Felsen, auf einen gebaut – Math. 16,18 »Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.« Filiation – hier (7. Brief der Mönchsbriefe): der dritte Orden Findelhaus – Heim für elternlose oder ausgesetzte Kinder (Findelkinder) Fliegenkopf – bedeutet in der Sprache der Setzer / Drucker einen kopfstehenden Buchstaben Florin – Abk. fl., Gulden. 1 1/2 fl. = 1 Taler, 1 fl. = 60 Kreuzer Foliant – ein Buch, bei dem die Bögen nur einmal gefaltet sind, ca. 30 * 40 cm Franzikaner – Mönch des Franziskanerordens Fratres – (Kloster)brüder Freimaurer – humanistische, auf Toleranz und Achtung der Menschenwürde gegründeter Bund, in sog. Logen organisiert, die F. wurden von autoritären Regierungen verfolgt und verboten, die kath. Kirche verurteilt das Freimaurertum wegen dessen Menschenliebe fuchsschwänzen – schmeicheln Fumigatoria – Kerze oder Rauchfackel Gallien – Frankreich Gebot, achtes – »Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.« Gebot, sechstes – »Du sollst nicht ehebrechen.« Gebrauch der Weiber – bei Paulus: s. Kor.1, 7.1 Gedränge – im 18. Jahrhundert war der Jesuitenorden auf dem besten Wege, sich zu Herrn der Römischen Kirche und in den katholischen Ländern zum Staat im Staate aufzuschwingen, also die Weltherrschaft in den päpstlichen Ländern zu erobern. Portugal erkannte diese Gefahr als erstes Land (nach einem Attentat auf den König) und verbot den Orden 1759. Frankreich folgte diesem Beispiel 1762. Auch Spanien, Neapel, Malta und Parma verboten 1767 den Orden. Die katholischen Länder drohten nun dem Papst mit der Abspaltung vom Römischen Hof, worauf 1773 Clemens XIV. (Ganganelli) notgedrungen den Orden aufhob, wohl wissend, daß er damit sein Todesurteil unterschrieben hatte. Eine zweite Niederlage mußten die Päpste hinnehmen, als Joseph II. 1780 als österreichischer Großherzog alle nichtproduktiven (d. h. nicht im sozialen Bereich tätigen) Mönchsorden auflöste, 700 parasitäre Klöster an der Zahl! Geschichte der Schöpfung – die Moses zugeschriebenen ersten fünf Bücher der Bibel Gesellschaft Jesu = Jesuiten Gleisnerei, Gleisner – Heuchelei, Heuchler Glossen – Auslegungen, Kommentare Gordischer Knoten – ein unlösbarer Knoten, den Alexander mit seinem Schwert durchhieb; bildlich: eine unlösbare Aufgabe Gotha – der europäische Adelskalender gotisch – vom Germanenstamm der Goten abgeleitet, unterentwickelt, barbarisch Granikos – im Jahr 334 v. C. Sieg Alexander des Großen über die Perser Guardian – Vorsteher eines Franziskanerklosters Gulden = Florin Hagestolz – ein unverheirateter Mann, der auch nicht heiraten will. Heilige Schrift – die Bibel. Das Lesen derselben verboten: Nein, das ist keine Verleumdung eines Kirchenfeindes, so etwas kann auch kein Satiriker erfinden – das war die Wirklichkeit! Es war die Synode von Toulouse 1229, die den Laien den Besitz der beiden Testamente verbot. Heiliges Offizium – die Inquisition, heute umbenannt in Kongregation für die Glaubenslehre. Letzter Präfekt: Joseph Ratzinger. Herrnhuter – Herrnhuter Brüdergemeine, von Graf von Zinsendorf 1722 begründete evangelisch-pietistische Kirche, bekannt sind die Herrnhuter Weihnachtssterne hieroglyphisch – hier (14. Brief der Mönchsbriefe): unkenntlich, nicht zu entschlüsseln Hochwürdigster – der Fürstbischof Homilie – Predigt über einen Abschnitt der Bibel Hottentotten – Negerstamm in Afrika hudeln – plagen, hänseln; nachlässig arbeiten; einen ungeh. lassen = einen in Ruhe lassen Hudibras – komisch-heroisches Epos des engl. Satirikers Samuel Butler (1663) Humilität – Buße Hyperboreer – sagenhaftes Volk im hohen Norden Ignatiuswasser – normales Wasser, über dem Gebete des Ignatius gesprochen werden, hilft gegen Krankheiten. Der Gebrauch wurde von Papst Pius IX. 1866 gebilligt. Impertinenz – Unverschämtheit Index – Index Librorum Prohibitorum, index expurgatorii, ein Verzeichnis der Bücher, die Katholiken bei Strafe der Exkommunikation nicht lesen durften. (populäre Autoren z. B. Giordano Bruno und Immanuel Kant), seit 1966 nicht abgeschafft, sondern nicht mehr erwähnt. Ingredienzien – Bestandteile injuriös – beleidigend Inkonvenienz – Unbequemlichkeit; Ungehörigkeit Inokulation – Schutzimpfung insinuieren – unterstellen; einflüstern. Offensichtlich vom Dechant falsch gebraucht (17. Brief der Mönchsbriefe) Insolenz – Anmaßung; Unverschämtheit Interessen – Zinsen eines Kapitals Intraden – musikalisch: feierliches Eröffnungsstück. Hier (12. Brief der Mönchsbriefe): Einkünfte Introitus – Eintritt. Hier (8. Brief der Mönchsbriefe): Einleitung Invektive – Schmährede oder -schrift, Beleidigung inventieren – Bestandaufnahme machen Jansenisten – eine auf den Niederländer Cornelius Jansen († 1638) zurückgehende religiöse, gegen die Jesuiten gerichtete Strömung, sie fordert Gewissensfreiheit gegen jegliche Machtwillkür, existiert heute als Utrechter Kirche Jast – Gärung, Fieberhitze Jesuiten – Angehöriger des Jesuitenordens, s. Ignatius von Loyola Jubiläum – annus jubilaeus, Jubeljahr der kath. Kirche. Es beginnt in der Regel am 25. Dezember und endet am selben Tag des nächsten Jahres. Judikum – Judicum liber, das Buch der Richter im Alten Testament; hier (11. Brief der Mönchsbriefe) vielleicht Judikation = richterliche Beurteilung gemeint Kabalen – Intrigen Kadenz – musik. Akkordfolge Kaiser, gebt dem ... – Mar. 12,17 »So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.« Kalendermacher – seit dem 18. Jahrhundert waren die Kalender auch mit (religiösen) Sinnsprüchen für den Tag und praktischen Hinweisen für die Landwirtschaft versehen Kalumniant – Verleumder Kalumnie – Verleumdung kalumnios – verleumderisch Kamaldulenser – im 11. Jahrhundert gegründeter Mönchsorden, der sich weltabgewandt der Stille und dem Gebet widmet. Kameralistik, Kameralwissenschaft – Volkswirtschaftslehre Kanon – Leitfaden; Verzeichnis der anerkannten Schriften; Einzelbestimmung des katholischen Kirchenrechts Kanonikat – Amt und Würde eines Kanonikers Kanonikus – Mitglied eines Kapitels kanonisches Recht – Kirchenrecht Kapitel – die Geistlichen einer Dom- oder Stiftskirche Kaplan – ein Priester in den ersten Jahren nach der Priesterweihe, er ist dann meist einem Pfarrer unterstellt. Kappadokien – Landschaft in der Türkei kaptieren – erschleichen Kapuziner – Mitglied des Kapuzinerordens Kapuzinerorden – aus dem Franziskanerorden hervorgegangener Orden, 1528 als solcher anerkannt, gem. den Regeln des Hl. Franziskus radikaler Armut verpflichtet, sozial engagiert Karesse – Schmeichelei, Liebkosung, Liebesantrag Karmeliterorden – 1150 am Berg Karmel (Israel) gegründeter Orden Kartause – Kloster der Kartäusermönche Kartäuserorden – 1084 von Bruno dem Kartäuser gegründeter Orden, die Mönche leben weltfremd, schweigend, betend und einsam in ihren Zellen, die sie nur zu besonderen Anlässen verlassen. Kleidung: Weißes, faltenreiches und gegürtetes Gewand Kassation – Aufhebung eines Gerichtsurteils (kassieren); Ungültigkeitserklärung von Urkunden. Hier (12. Brief der Mönchsbriefe): wirkliche Treue zum Dienstherrn Kasuist – Vertreter der Kasuistik Kasuistik – Teil der Sittenlehre, der für alle Fälle des täglichen Lebens Verhaltensregeln festlegt Kataplasma – heißer Breiumschlag zur Schmerzlinderung bei Koliken Katechismus – Lehrbuch für den christlichen Glaubensunterricht Katechumene – Taufbewerber Kimbern – s. Marius Klaglibell – Klageschrift Klerus – die gesamte katholische Geistlichkeit Kollator – der Inhaber einer Kollatur, d. h. des Rechts, ein Kirchenamt zu vergeben kombabusieren – nach Lukian war Kombabus ein Syrer, der sich, ehe er mit der Königin auf Reisen ging, selbst kastrierte kommunizieren – das Abendmahl erhalten Konfessarius – Beichtvater (?) Konfrater – Amtsbruder konfundieren – vermengen, verwirren Kongregation – hier (14. Brief der Mönchsbriefe): päpstliche Kommission; Verband von Klöstern eines Ordens Konsekration – die Verwandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut Jesu Christi beim Abendmahl, ein reproduzierbares Wunder Konsistorium – Verwaltungsbehörde einer Diözese Kontestation – das Infragestellen bestehender Gesellschaftsstrukturen. Aber: lat. contestatio – inständige Bitte kontinuieren – fortsetzen Kontradiktion – Widerspruch Kontroverse – Meinungsverschiedenheit Kontroversist – Streithammel Kontroverspredigt – eine Predigt, die den Glaubensinhalt Andersdenkender widerlegt Konvent – Klostergemeinschaft Konvertit – ein zu seiner früheren Kirche Zurückkehrender Konvertit – einer, der seine Kirche gewechselt hat Konvikt – Wohnheim für Theologiestudenten Konvulsion – Schüttelkrampf Konzil von Chalcedon – 451, erhob die Lehre von der Trinität zum Dogma Konzil von Elvira – 306, gibt den ersten Hinweis auf das angestrebte Zölibat. Es regelte hauptsächlich den (stark eingeschränkten) Umgang mit Juden und Heiden. Konzil von Trient = Tridentinum Konzil von Vienne – 1112, sprach den Bann über Heinrich V. aus Konzil zu Basel – von Martin V. für 1431 einberufen, von seinem Nachfolger Eugen IV. wegen der Aussage »ein Konzil steht über dem Papst« verboten. Die Teilnehmer, die das Verbot ignorierten, wurden exkommuniziert; diese setzten den Papst ab und wählten den Gegenpapapst Felix V. Das Konzil diskutierte Themen der Kirchenreform, unternahm aber nichts in dieser Richtung. Alle diese Themen wurden dann später in der Reformation Martin Luthers realisiert. Konzil zu Karthago, Viertes – es muß 3. Synode von Karthago heißen. = Synode von Karthago Konzil zu Konstanz – 1414 – 1418, die größte Zusammenkunft von Klerikern des Mittelalters und ihrem streng zölibatärem Geist entsprechend die größte Hurenversammlung an einem Ort, die die Christenheit je sah. Auf Grund der Maxime »das Konzil steht über dem Papst« wurden insgesamt drei Päpste ab- und schließlich Martin V. eingesetzt. Eine durchgreifende Reform der Kirche erfolgte nicht, damit war die letzte Chance vertan, die Reformation Martin Luthers aus eigener Kraft zu verhindern, im Gegenteil, die wortbrüchige Verbrennung Jan Hus (die Kirche lehrt, daß einem Ketzer gegenüber keinerlei Versprechen oder Eid gültig ist) führte zu einem neuen Schisma und zu verheerenden Kriegen (Hussitenkriege) in ganz Europa. Korporisieren – vergegenständlichen, sich in der Phantasie vorstellen Kreuzer – Abk. kr., Kreuzer, 60 Kreuzer = 1 Gulden Krieg, letzter – der Siebenjährige Krieg 1756 – 1763. Kulpa – lat. culpa: Schuld Kupido – sinnliche Begierde Kurie – die Gesamtheit der Institutionen, durch die der Papst die kath. Kirche leitet (das Staatssekretariat, neun Kongregationen usw.) Langobarden – germanischer Stamm (»Langbärte«), der im Laufe der Völkerwanderung das Langobardenreich (Lombardei, Spoleto u. a.) in Italien gründete. Dieses kam unter Karl dem Großen zum Frankenreich, später zum Deutschen Reich Laterankonzil, viertes – 1215 unter Innozenz III., verurteilte christliche Sekten, formulierte die Konsekration. Ein wichtiger Beitrag zum Judenhaß: Juden müssen einen spitzen Hut und einen gelben Fleck auf der Kleidung tragen, Christen dürfen mit J. nicht an einem Tisch sitzen. Laxierung – Abführmittel lechen – Verb; rissig werden, vor Trockenheit Risse bekommen Legat – päpstlicher Botschafter; auch Zuwendung eines Erblassers Lektor – eine kirchliche Auszeichnung Ligatur – häufig vorkommende Zweiergruppen, wie ch, fl, st oder ae im Lateinischen werden zur Arbeitserleichterung als eine Letter gegossen Logomachie – Wortstreit, Haarspalterei Loreto – Wallfahrtsort in Italien, in dem das Geburtshaus der Hl. Jungfrau steht. Lotterie-Bibel – eine 1763 in Nürnberg gedruckte Bibel, auch Hohenlohesche Bibel genannt Magnifizenz – Titel der Universitätsrektoren Majordomus – Haushofmeister, Hausmeier Malefiz – von lat. maleficus = schädlich, Missetat, Verbrechen, Verhexung Manichäer – Anhänger der auf Mani (3. Jhr.) zurückgehenden heidnischen Religion Marcustag – 25. April, Tag des Evangelisten Markus, † 68 (?) marodieren – plündern (durch herrenlose Soldaten) Martini – der St.-Martins-Tag 11. November Maxime – Richtlinie, Grundsatz Memorial – hier (3. Brief der Mönchsbriefe): Bittschrift menagieren – hier (22. Brief der Mönchsbriefe): sich mäßigen Mendikant – Bettelmönch Meriten – Verdienste Mesdemoiselles – Plural von Mademoiselle: franz. Fräulein Metamorphose – Verwandlung Metamorphose – Umgestaltung, Verwandlung Metaphysik – phil. Lehre, die sich mit den hinter der sinnlichen Wahrnehmung liegenden Dingen befaßt Milzsucht – Melancholie Ministeriale – Minister Minoriten – der dritte Teilorden der Franziskaner (Franziskaner, Kapuziner, Minoriten) Mirakel – Wunder Muskete – Schußwaffe. Hier (12. Brief der Mönchsbriefe): Soldatenstand Naturalismus – eine Philosophie, die nicht an Wunder glaubt und die Naturwissenschaften in den Mittelpunkt des Denkens stellt Nepot – Verwandter; daher Nepotismus = Vetternwirtschaft Norbertiner – alter Name des Prämonstratenserordens, s. dieser Novize – einer, der im Kloster lebt und sich auf die Ablegung der Gelübde vorbereitet Nuntius – päpstlicher Gesandter Obedienz – Gehorsamspflicht eines Klerikers Oblation – Kollekte Observanz – Gewohnheitsrecht obstinat – widerspenstig, unbelehrbar Occident – der Westen, im Gegensatz zu Orient = Osten Ontologie – die philosophische Lehre vom Sein Oratorier – ordensähnlicher Verbund von Geistlichen, gegründet vom Schutzpatron der Humoristen Philipp Neri († 1622), Orden, dritter – mehr als bei anderen Orden sammelten sich um die Franziskaner auch Laiengemeinschaften, die den sogenannten »Dritten Orden« (Tertiare) bilden. Ordination – Weihe eines katholischen Priesters origenesieren – kastrieren Origenisten – Kastrierer Ostern – kirchliches Fest, seit dem Konzil von Nicäa (325) der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond P. Provincialis – Provinzgeneral eines Mönchsordens Pallium – mantelartiger Überwurf, hier (14. Brief der Mönchsbriefe) im Sinn von »etwas bemänteln« gebraucht panegyrisch – eine Lobrede auf einen Heiligen betreffen Paraguay – über das Jesuitenreich in P. ist die beste Darstellung in Eduard Duller »Die Jesuiten«, auf www.welcker-online.de/Links/link_925.html, dort 7. Kapitel zu finden Parlamente – im alten Frankreich mächtige städtische Gerichtshöfe Parsis – Anhänger Zarathustras in Persien, die um 700 nach Indien flohen pasquilieren – von Pasquill = Schmähschrift abgeleitet: beschimpfen Pasquill – anonyme Schmähschrift Patrimonium Petri – der Kirchenstaat in Mittelitalien Periode – hier (18. Brief der Mönchsbriefe): Satzgefüge Pfründe – Kirchenamt mit Vermögensausstattung Pharisäer – Angehöriger einer strenggläubigen-politischen Partei, der Begriff wird heute meist für Rechthaber oder Heuchler verwendet Pharos – Insel vor Alexandria mit einem Leuchtturm, der zu den Sieben Weltwundern zählt Phönix – Vogel der altägyptischen Sage, der sich selbst verbrennt und so immer wieder neu entsteht Physikus – Arzt Pönitentiarius – Beichtvater Portinnculä, Portinnkula, Portiuncula – vollkommener Totiesquoties-Ablaß (beliebig wiederholbarer A.) am 2. August Portiunkula – eine von einer Kathedrale überbauten Kapelle in Umbrien, in der am 3. Oktober 1226 Franz von Assisi starb Präceptor – Lehrer, Lehrmeister Präjudiz – vorgefaßte Meinung; vorgreifende Entscheidung Prämonstratenser – Orden regulierter Geistlicher und Laien, von Norbert von Xanten 1121 gegründet. Der Wahlspruch »Ad omnia paratus« leitet sich vom gefälschten Paulusbrief Tim. 2 3,17 ab (» ... daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt.«) Präsumption – Voraussetzung, Annahme Prätention – Anmaßung Presbiter – Gemeindeältester im Urchristentum Priapuß, Priapos, Priaps – die Personifizierung der Fruchtbarkeit und Geschlechtskraft, meist mit übergroßem Phallos dargestellt Probabilismus – die kath. Moraltheologie der Jesuiten erlaubt im Zweifelsfall eine unmoralische Handlung, wenn gute Gründe dafür sprechen (d. h. ALLES ist erlaubt, wenn es Gottes Ehre vergrößert!) Profess – von lat. professio = Mönchsgelübde hier (21. Brief der Mönchsbriefe): Mönch Professe – hier (21. Brief der Mönchsbriefe): nach allen Regeln der Kunst Proposition – Vorschlag Proprietät – Eigentumsrecht, hier (18. Brief der Mönchsbriefe) abgeleitet von proprialisieren = zum Eigennamen machen Propst – Vorsteher eines Klosters oder Stellvertreter des Abtes. Dann wird er meist Prior genannt Proselit – Anhänger Prostitution – hier (22. Brief der Mönchsbriefe): Bloßstellung Protektor – Beschützer Provinzial – Ordensvorsteher eines größeren Gebietes (einer Provinz) Python (1) – ein Drachen der griech. Mythologie am Orakel von Delphi Python (2) – der Geist Python, s. Apg 16.16 Rabenstein – Galgen Rädern – eine Körperstrafe radotieren – ungehemmt schwätzen räsonieren – sowohl »vernünftig reden« als auch »polemisch viel und laut reden« Räsonnement – vernünftige Beurteilung Refektorium – Speisesaal im Kloster Refutation – Widerlegung Registerhaltigkeit – Deckungsgleichheit der Druckzeilen auf Vorder- und Rückseite einer Buchseite Regularen – Ordensmitglieder Rekommandation – Empfehlung rekommandieren – empfehlen Rekompens – hier (18. Brief der Mönchsbriefe): Auszeichnung, Entschädigung Rekusation – Verweigern eines voreingenommenen Richters Relaxation – Entspannung Remission – Nachsicht Reskript – amtliche Verfügung resolvieren – beschließen; hier (12. Brief der Mönchsbriefe) von lat. resolvo = losbinden, entkräften Responsorium – kirchlicher Wechselgesang Restitution – Wiederherstellung, Wiedergutmachung retirieren – fliehen Retribution – Rückgabe reüssieren – Erfolg haben Revenue – Einkommen Revers – Erklärung, Verpflichtung Rute – Längenmaß, regional unterschiedlich zwischen 2,5 und 5,9 m Sadducäer – jüdische Sekte im N. T., sie pflegten ein aufgeklärtes Judentum und verwarfen alles, was sinnlich nicht erfaßbar ist (Engel, Auferstehung, Unsterblichkeit der Seele usw.) Sakristei – Nebenraum einer Kirche Salomons Denkspruch – Prediger 6.11 »Denn je mehr Worte, desto mehr Eitelkeit; was hat der Mensch davon?« Sarbonne – die Pariser Universität Satisfaktion – Genugtuung Savoyarden – Einwohner Savoyens, einer historischen Landschaft auf dem Gebiet der heutigen Länder Schweiz und Frankreich Schaffner – Vorsteher der Ökonomie Scheffel – Hohlmaß, regional sehr unterschiedlich, 0,2 ... 2 hl Schneller – einen Schneller schlagen: mit den Fingern schnippen Scholastik – die christliche Philosophie des Mittelalters Schubsack – weite Tasche in einem Kleidungsstück Schuh – Längenmaß; zwischen 24 und 35 cm Schusterjunge – ein Fehler bei der Textgestaltung einer Druckseite (die erste Zeile eines Absatzes steht allein auf einer Seite) Seraphin – 6flügliger Engel in Schlangengestalt; St S. – etwa »ach du heiliger Strohsack« seraphisch – engelgleich, zu den Engeln gehörend Serviten – Angehörige des 1233 gegründeten Bettelordens »Orden der Diener der Maria« Silen, Seilenos – freundliche und weise Mischwesen aus Mensch und Pferd, musik- und weinliebend Silenus (mit dem Esel) – der röm. Gott Bacchus (Silen) wurde gern volltrunken auf einem Esel reitend dargestellt; eine zentaurenähnliche Waldgottheit Simonie – der Kauf von einträglichen Kirchenämtern, S. war immer verboten und wurde immer betrieben, vgl. Albrecht von Brandenburg Skapulier – Schulterkleid mancher Mönchsorden Sorbonne – die Universität von Paris; sie verspielte durch ihren Kampf gegen die Aufklärung im 18. Jahrhundert ihr bis dato großes Ansehen Sottise – frech stichelnde Äußerung Splie – Spleen, Schrulle, Marotte Sprengel – kirchlicher Amtsbezirk einer Diözese Stataliment – Reihengrab (?) Staufer – dt. Dynastie im 12. / 13. Jahrhundert, bekannt durch Friedrich I. Barbarossa und Friedrich II. von Hohenstaufen Steganographie – eine Textverschlüsslung, indem in einem neutralen Text einzelne Buchstaben irgendwie ausgezeichnet werden (z. B. indem sie im Druck eine Kleinigkeit tiefer gesetzt werden), diese bilden den Geheimtext Styx – ein Fluß der griech. Sage, der vom Ozean in die Unterwelt fließt Subalterne – Untergebene Sublimität – Erhabenheit Superior – Prior Synkretismus – die kritiklose Übernahme philosophischer Denkansätze und Lehren; Vermischung verschiedener Religionen Synkretist – Anhänger des Sykretismus Synode von Karthago, Dritte – 397, es diskutierte u. a. über den Kanon der Heiligen Schriften Taler – Abk. Thlr., 1 Taler = 1 1/3 Gulden Tempelherren – Templerorden, 1119 in Jerusalem gegründet, militärisch ausgerichtet, diente dem Schutz der Pilger zum heiligen Grab in Jerusalem. 1312 unter falschen Anschuldigungen aufgehoben, sein Vermögen teilten sich die Johanniter, Eduard II. von England und Philipp IV. (der Schöne) von Frankreich. Terminant – Bettelmönch beim Einsammeln von Almosen Tertianer – Angehöriger des dritten Ordens Thebais (Theben) – das hunderttorige Theben war die Hauptstadt des alten Oberägyptens, zum Gebiet zählen die Orte Luxor, Karnak, Medinet Habu u. a. Theodizee – Rechtfertigung Gottes hinsichtlich seiner unvollkommenen Schöpfung Todsünden, sieben – in der katholischen Theologie: die in freier Entscheidung bewußt vollzogene Übertretung eines Gebotes Gottes, mit der er also die grundsätzliche Abkehr von Gott vollzieht. Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, geistliche Trägheit Tonsur – der kreisringähnliche Haarschnitt der Mönche Traktament – Bewirtung Traktat – religiöse Flugschrift Tridentinum – Konzil in Triest 1545 – 1563, es bildet den Auftakt zur Gegenreformation. Neben neuen Glaubenssätzen wurden die Gründung von Priesterseminaren, die Aufstellung von Hochaltären, der Wegfall des Lettners und die Bestuhlung des Kirchenraumes u. a. m. beschlossen. Trinitarier – ein Mönchsorden, 1198 gegründet, um die christlichen Gefangenen der Kreuzzüge freizukaufen, 1609 in einen Bettelorden umgewandelt Turmbau zu Babel – Bau eines Turmes in Babylon, der bis in den Himmel reichen sollte (vgl. 1. Mose 1,11) Tyrus – antike Stadt im Libanon Tytius – Tytios, Riese der antiken Götterwelt, Vater der Europa, muß in der Unterwelt angekettet liegen, wo ihm zwei Geier die ständig nachwachsende Leber aushacken Undulation – Schwingung unreguliert – nicht der Ordensregel (Regul) unterworfen Urbar – mittelalterliches Grundbuch usurpieren – hier (18. Brief der Mönchsbriefe): intrigieren Vakanz – eine freigewordene Stelle Verberation – Prügelstrafe, hier (18. Brief der Mönchsbriefe): Demütigung vexieren – quälen, necken Vierzigerkrieg – der Erste Schlesische Krieg, endete im Berliner Frieden von 1742 Viktualien – Lebensmittel für den täglichen Gebrauch Wahrheiten, heilige verborgene – im Alten Testament und auch bei den Evangelisten findet sich der Begriff der Erbsünde nicht, er ist eine Erfindung des Paulus. Weihbischof – Helfer des regulären Bischofs Weiler – kleine ländliche Siedlung von wenigen Höfen welsch – ital., vgl. welsche Haube, Welschkraut und Kauderwelsch. Westfälischer Friede – beendete 1648 den Dreißigjährigen Krieg, nach den Verhandlungsorten Münster und Osnabrück in Westfalen benannt. Wielands Diogen – »Nachlaß des Diogenes von Sinope« von Wieland Xanthippe – ein zänkisches Weib (Frau Sokrates') Zehende – der Zehnte, der Vorläufer der Kirchensteuer Zelot – Angehöriger einer radikalen antirömischen Gruppe im 1. Jahrhundert Zentaurus – Kentaur, Fabelwesen der griech. Mythologie mit Pferdeleib und menschlichem Oberkörper Zerberus – ein Hund, Torhüter der Hölle Zilizium – von lat. silentium: Stille, Ruhe; Keuschheitsgürtel für Männer Zirkumzellianer – Landstreicher, Bettelmönche Zisterzienser – Orden für Mönche und Nonnen, 1098 in Frankreich begründet. Der Orden hat Verdienste um die Ausbreitung und Vervollkommnung der Landwirtschaft. Zölibat – die Ehelosigkeit der Priester und Mönche. Es geht auf die genannte Synode von Elvira (306) zurück. Die Erneuerung des Verbots der Ehe für Geistliche 1022 und 1139 zeigt, daß es sich nur langsam durchsetzen ließ. Das hinderte aber die hohe Geistlichkeit nicht daran, sich ein Harem aus Konkubinen zu halten. Pius XII. († 1958) beispielsweise lebte zeitlebens mit einer deutschen Nonne zusammen. Auf dem Konzil von Konstanz 1415 platzte die Stadt infolge der Unzahl von herbeiströmenden Nutten aus allen Nähten. Zönobiten – in Klostergemeinschaft lebender Mönch (Gegenteil: Eremit) Dictionnaire Personen Bei den Namen wurde die Originalschreibweise beibehalten. Die Heiligen und Heiliginnen sind nicht unter St. Xyz, sondern ihrem eigentlichem Namen aufgeführt. Abraham a Santa Clara – wortgewaltigster Prediger des 17. Jahrhunderts, Augustiner, von Schiller in »Wallensteins Lager« parodiert, † 1709 Achilles – Held aus Homers Ilias Agata – Agatha von Catania, Heilige, hilft bei Viehseuche und Erdbeben, † 250 Albrecht von Brandenburg – besaß trotz strengem Verbot mehrere Bistümer, zur Bezahlung der Schulden, die er für deren Erwerb gemacht hatte, forcierte der den Ablaßhandel und lieferte damit ungewollt einen wichtigen Beitrag zu Luthers Reformation, † 1545. Er ist Mitgründer der Universität in Frankfurt /Oder, war stockkatholisch (Reliquienverehrer), aber dem Humanismus wohlgesonnen. Er erteilte Lucas Cranach einen der größten Kunstaufträge der deutschen Geschichte (16 Altäre und 142 Gemälde für den Dom in Halle /Saale). Von hier mußte er vor der Reformation nach Aschaffenburg fliehen. Alerand VI. = Hadrian VI. Alexander der Große – makedonischer König, der ein Weltreich eroberte, † 323 v.C. Alexander III. – Papst, suchte die Vorherrschaft über alle Könige der Christenheit, lag im Streit mit Friedrich I. Barbarossa, † 1181 Alexander IV. – Papst, bekämpfte die Staufer in Italien, † 1261 Alexander VI. – Papst, einer der größten Nepoten auf dem Stuhl Petri, der rücksichtslos Kirchenvermögen für familiäre Zwecke verschwendete. Reorganisierte den Kirchenstaat, verschenkte im Vertrag von Tordesillas 1494 die Erde je zur Hälfte an Portugal und Spanien, † 1503 Allkünstlers Sohn = Ikarus Aloysius – Aloisius von Gonzaga, Jesuit, Patron der Studenten, † 1591 Amelot = Houssage Anastasius – Anastasius der Perser, Heiliger, hilft gegen Besessenheit, sein Kopf wird in Rom aufbewahrt, † 628 Aniello – Tommaso Masaniello (eigentlich T. Niello), Führer der Volkserhebung in Neapel im Jahr 1647 Anselm von Rotterdam = Erasimus Anton – s. Antonius von Padua Antonius von Padua – Heiliger, † 1231, vollbrachte viele Wunder, berühmt sind seine Alpträume. Hilfreich bei der Suche nach verlorenen Gegenständen Apelles – griech. Maler im 4. Jhr. V. C. Archimedes – griech. Mathematiker und Physiker, † 212 v. C. Arianismus – auf Arius zurückgehende christliche Lehre, die den Trinitätsglauben ablehnt Aristoteles – griech. Universalgelehrter, † 322 v. C. Arius – vertrat die Lehre von der Wesensähnlichkeit (nicht Wesensgleichheit!) von Jesus mit Gott, seine Lehre wurde als häretisch verurteilt, † 336 Äsop – griech. Fabeldichter Athanasius – Bischof von Alexandria, Gegner des Arianismus, † 373 Augustin – Augustinius von Hippo, Bischof in Hippo Regius, einer der bedeutendsten Vertreter der Alten Kirche, Vater des Augustinerordens, schrieb »Bekenntnisse« und »Der Gottesstaat«, † 430, Bail – Louis Bail, franz. Theologe, bekämpfte den Jansenismus und förderte die Lehren des Thomas von Aquin, † 1669 Baillet – Adrien Baillet, franz. Kirchenkritiker, † 1706 Baluzius – Herausgeber von Texten der Kirchenväter, z. B. Caesarius von Arles, † 1718 Bandel – Joseph Anton von Bandel, ein berüchtigter theologischer Klopffechter des 18. Jahrhunderts, seine Personen sind grob, unflätig und geschmacklos, † 1771 Baronius – Caesare Baronius, Kardinal und Kirchenhistoriker, † 1607, schrieb eine 12bändige Kirchengeschichte Barthel – Johann Kaspar Barthel, Professor an der Universität Würzburg, versuchte, in der Kirchenpraxis Wesentliches vom Unwesentlichen zu trennen, wandte sich gegen Übergriffe der Kurie. Er kann als Erneuerer des Kirchenrechtes in Deutschland bezeichnet werden, † 1771 Basilius der Grosse – Bischof und Kirchenlehrer, † 379, ein gewaltiger Prediger; in der Zeit, als die Kirche noch nicht vollständig die Stütze der Besitzenden war, predigte er den Reichen: »Ihr sagt, daß ihr nicht geben könnt. Ihr sagt denen, die euch bitten, daß ihr nicht genug habt, um zu geben. Eure Zunge schwört, daß ihr es nicht tun könnt, aber eure Hand verrät euch, denn obwohl sie nicht sprechen kann, erklärt das Funkeln an eurem Finger, daß ihr lügt. Wie viele Leute könnte dieser eine Ring von euch schuldenfrei machen? Wie viele zerfallende Häuser könnte er instandstellen? Nur eine eurer Truhen voll Kleider könnte einer Menge Leuten helfen, die jetzt vor Kälte zittern.« (Predigt 7, An die Reichen) Beckaria – Caesare Bonesano Beccaria, veröffentlichte 1764 ein Buch »Über Verbrechen und Strafen«. »Eines der einflussreichsten Bücher in der ganzen Geschichte der Kriminologie ... Die Wrkung ... auf die Reform der Kriminaljustiz lässt sich kaum übertreiben. Beccaria vertrat die Auffassung, die Schwere eines Verbrechens solle nach dem Schaden bemessen werden, den es der Gesellschaft zufüge, und die Strafe solle hierzu im Verhältnis stehen. Er war der Meinung, dass die Verhinderung von Verbrechen wichtiger sei als ihre Bestrafung und die Gewissheit der Strafe von grösserer Wirkung als ihre Strenge. Er prangerte die Verwendung der Folter und das geheime Gerichtsverfahren an. Er war gegen die Todesstrafe, an deren Stelle lebenslängliches Gefängnis treten sollte; Eigentumsdelikte sollten vorerst mit Geldstrafen geahndet werden und politische Verbrechen durch Verbannung; die Zustände in den Gefängnissen wären gründlich zu verbessern ... Diese Gedanken sind heute so alltäglich und selbstverständlich, dass es schwerfällt, sich vorzustellen, wie revolutionär sie zu ihrer Zeit wirkten. Beccarias Buch hatte sofort Erfolg; ... es wurde schliesslich in zweiundzwanzig Sprachen übersetzt. Seine Grundsätze sind in den Strafvollzug sämtlicher zivilisierter Länder eingegangen« (Carter/Muir). † 1794 Bellarmin – Robert Bellarmin, Heiliger, Jesuit, Kirchenlehrer, spielte als Inquisitor die Hauptrolle im Prozeß gegen Giordano Bruno, † 1621 Bellerophon – Bellerophontes, Gestalt aus der griech. Mythologie Benedict – Benedikt von Nursia, Begründer des abendländischen Mönchstums, Schutzpatron Europas, hat wahrscheinlich nie gelebt, † 547 Benedikt IX. – einer der moralisch verkommendsten Päbste überhaupt, wegen seiner Untaten mehrfach aus Rom vertrieben, er verkaufte sein päpstliches Amt an seinen Paten, der es als Gregor VI. führte, † 1048 Benedikt von Aniane – Abt in Aachen und Aniane (bei Montpellier), † 821 Benedikt XII. – Papst, Feind des Nepotismus, verfügte einen neuen, schnelleren und kostenpflichtigen Weg, in den Himmel zu kommen (s. Fegefeuer), er begann den Bau des Papstpalastes in Avignon. † 1342 Bernard – Claude Bernard, kath. Pfarrer in Paris, kein Heiliger, wurde aber wie ein solcher verehrt, † 1641 Bernhard – Bernhard von Clairvaux, Heiliger, gilt als der zweite Gründer des Zisterzienserordens, initiierte als chronischer Kriegshetzer den gänzlich fehlgeschlagenen Zweiten Kreuzzug, eine seiner Parolen lautete: »Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet, nützt er Christus.« † 1153 Berta – Berta von Bingen, lebte im 8. Jahrhundert, ihr Kult blühte noch im 18. Jahrhundert auf dem Rupertsberg Bonagratia von Bergamo – Franziskanerprokurator, vertrat im Streit mit den Franziskanerspirutualen (Armutsstreit) die Auffassung, Kirche und Orden dürften reich sein, † 1340 Bonaventura – General der Franziskaner, Kirchenlehrer, überwand die Spaltung des Ordens, gehört zu den führenden Theologen seiner Zeit, † 1274 Bonifacius – Bonifatius, sagenhafte, wahrscheinlich erfundene Gestalt, der »Apostel der Deutschen«, Näheres unter www.welcker-online.de/Links/link_909.html Bonifatius I. – Papst, gestaltete das päpstliche Primat weiter aus, † 422 Bonifatius IX. – Papst, als Mensch leutselig, gewinnend und freundlich, er erreichte die weltliche Herrschaft in der Stadt Rom, gewann die Ländereien des Kirchenstaates zurück und vergab sie an die Usurpatoren als Lehen, erfand das Jubeljahr 1390, dessen Segen man auch aus der Ferne genießen konnte – gegen Bezahlung, versteht sich. Er befestigte Engelsburg und Vatikan neu, organisierte einen effektiven Ablaßhandel in den Jubeljahren 1390 und 1400, † 1404 Bonifatius VII. – Gegenpapst, Papst und Papstmörder, † 985 Bonifatius VIII. – Papst, Erfinder des ersten Jubeljahres 1300, unterlag im Streit mit Philipp dem Schönen. In der Bulle »Unam Sanctam« erhob er den Anspruch der Päpste auf die Weltherrschaft zum Dogma. † 1303 Borghese – Scipione Caffarelli-Borghese, Kardinal, † 1633 Bossuet – Jaques Benignet Bossuet, franz. Theologe und Bischof, † 1704, kämpfte gegen Sekten \& Ketzer, versuchte die Rechte des Papstes in Frankreich einzuschränken. Bourdalone – Louis Bourdalone, Jesuit, am Hofe Ludwig XIV., »König der Kanzelredner«, † 1704 Brean – Franz Xaver Brean, Jesuit, Beichtvater am Wiener Hof, † 1733 Brigitta – Brigitta von Schweden, seit 1998 eine der Schutzheiligen Europas, † 1373 Bruno von Köln – Heiliger, gründete 1084 den Kartäuserorden, Patron der Besessenen, † 965 Büffon – Georges Louis Leclerc Buffon, Mathematiker und Naturforscher, legte die Grundlagen der vergleichenden Anatomie, † 1788 Busenbaum – Hermann Busenbaum, Jesuit, Moraltheologe, lehrte in Münster und Köln, † 1668, Beichtvater des Fürstbischofs von Münster Bernhard von Galen. Sein Buch »Medulla Theologiae Moralis« wurde in Frankreich verboten, weil es den Königsmord rechtfertigte, man warf ihm auch die Jesuitenparole »Der Zweck heiligt die Mittel« vor. »Die Bedeutung dieser Arbeit [Medulla ...] bestand darin, daß hier zum ersten Male der spezifische Lehrstoff der Moral unter Ausscheidung der früher mit ihr vielfach vermengten kanonistischen Materien in übersichtlicher und präziser Zusammenfassung dargeboten wurde.« Cabassutius – Johannes Cabassutius (Jean Cabassut), Kirchenhistoriker, † 1685 Calixtus = Kalixt Calvin – Johannes Calvin, schweiz. Reformator, Begründer des Calvinismus, befürwortete wie Luther die Hexenverfolgung, † 1564 Camus – Jean-Pierre Camus, franz. katholischer Theologe, Bischof von Belley, † 1652 Canisius – Petrus Canisius, Jesuit, eifriger Verfechter der Gegenreformation, † 1597 Cardan – Jerome Cardan, italien. Mathematiker, erfand um 1550 eine Methode zur Textverschlüsselung Carl der grosse = Karl der Große Cat – Claude Nicolas Le Cat, veröffentlichte 1744 eine Theorie des Nervensystems und der Sinneswahrnehmungen, † 1768 Catharina von Siena – Heilige, Schutzpatronin Europas, trat dem 3. Orden der Dominikaner bei, lebte ihren Visionen und der Krankenpflege, wandte sich gegen kirchliche Mißstände, wünschte »den Herren der Kirche im Namen Gottes den Tod«, gilt in Italien als die größte Frau der Kirchengeschichte. † 1380 Cato – Cato der Ältere, röm. Historiker und Schriftsteller, † 149 v. C. Charon – Fährmann der Toten in der Unterwelt Christopherus – Papst, enthob seinen Vorgänger seines Amtes und legte ihn in Ketten, bald geschah ihm dasselbe, am Ende ließ der neue Papst Sergius beide erdrosseln, † 904 Chrysostomus – Johannes Chrysostomus (»Goldmund«), ein großer Redner vor dem Herrn, Kirchenlehrer, Patriarch von Konstantinopel, Patron der Prediger und Redner, wetterte viel gegen das Heidentum, ließ ihre Tempel zerstören, seine Reliquien wurden 2004 vom Vatikan nach Konstantinopel zurückgegeben Cicero – Marcus Tullius Cicero, röm. Politiker, Philosoph und Redner, † 43 v. C. Cierce – Zauberin der griech. Sage Clemens IV. – Papst, trotz seiner zahlreichen Nachkommenschaft hielt sich die Vetternwirtschaft in Grenzen, bekämpfte und förderte – immer in Gottes Namen – , die Staufer in Sizilien, † 1268 Clemens VI. – Papst, Erfinder des aller 50 Jahre staatfindenden Jubeljahres (erstmals 1350), entdeckte einen ihm gehörenden ungeheuer großen Schatz: Jesus, Maria und die Heiligen haben einen riesengroßen Vergebungsschatz im Himmel angehäuft, der nun an die Gläubigen gegen Bezahlung ausgeteilt wird. (Ablaß) Jeder kann nun das Fegefeuer umgehen und gleich in den Himmel kommen. Er wandte sich gegen den von den Pfaffen im Zusammenhang mit der großen Pestepidemie seit 1346 verbreiteten Aberglauben. In Avignon führte er einen großen Hof, liebte Fressen, Saufen und schöne Frauen. † 1352, wurde vergiftet. Clemens VIII. – Gegenpapst, 1323 – 1329, trat 1329 als Gegenpapst zugunsten Martin V. zurück, † 1347 Clemens XIII. – war so demütig von Natur, daß er sich für unwürdig hielt, die Papstwürde nach seiner Wahl anzunehmen. Alle antiken Statuen Roms erhielten unter seinem Pontifikat Feigenblätter. Der Index wurde, vor allem in Bezug auf die franz. Aufklärung erneuert. Er stiftete das Herz-Jesu-Fest. Ihm fehlte die Begabung zur Diplomatie, so weigerte er sich standhaft, den Jesuitenorden zu verbieten. Am Ende mußte er das Verbot der Jesuiten und dem Einzug ihrer Güter in Portugal, Frankreich und Spanien weinenden Auges mit ansehen, † 1769 Clemens XIV. – Papst, als Mensch liebenswürdig und heiteren Gemüts lebte er bescheiden und förderte die Künste. Er löste entsprechend der politischen Situation (mehrere katholische Länder drohten mit Abspaltung vom römischen Hof) mit dem »Breve Dominus ac redemptor noster« 1773 den Jesuitenorden auf, versuchte die Spannungen mit den jesuitenfeindlichen europäischen Höfen zu mindern, starb 1774 unter seltsamen Umständen, sein Andenken wurde bis ins 20. Jahrhundert besudelt Cochem – Martin von Cochem, Kapuziner, schrieb einfältig-verständliche kirchliche Texte, z. B. »Goldener Himmels-Schlüssel oder: sehr kräftiges, nützliches und trostreiches Gebet – Buch in Erlösung der lieben Seelen des Fegefeuer.«, † 1712 Coletta – Nicolette Boillet, Heilige, Nonne, Schutzpatronin für eine glückliche Geburt, † 1447 Columbani – Kolumban der Ältere, Missionar in Irland und Schottland, † 597 Confucius – Konfuzius, chinesischer Philosoph, strebte mit seiner Lehre nach Ordnung und Harmonie, † 479 v. C. Crescendia – Heilige, † 304 Cyprian – Cyprian von Karthago, Bischof, Märtyrer, † 258 d'Alembert – Jean-Baptiste le Rond, genannt d'Alembert, gehört zu den bedeutendsten Mathematikern und Physikern des 18. Jahrhunderts, Philosoph der Aufklärung, einer der Enzyklopädisten, † 1783 Decius – röm. Kaiser † 251, erließ ein allgemeines Gebot den Göttern und dem Kaiser zu opfern, wegen Weigerung wurden die Christen verfolgt Diana – röm. Göttin des Mondes und der Jagd Diogenes – Diogenes von Sinope, griech. Philosoph, Begründer der kynischen Philosophie Dionysius der Kartäuser – Prior, † 1471, sein umfangreiches Werk bildete den letzten Höhepunkt und gleichzeitig die Zusammenfassung der mittelalterliche Theologie und Philosophie. Dominik – St. Dominikus, Gründer des Bettelordens der Dominikaner, † 1221 Don Calmet – Augustin Calmet, kath. Theologe, Benediktiner, Abt in Senones (Vogesen), † 1757 Elia – alttestamentarischer Prophet, prophezeite eine dreijährige Dürrezeit, vollbrachte im Auftrag Jahwes viele Wunder, starb nicht, sondern wurde in den Himmel entrückt. Quelle: Bibel, Könige 1 und Könige 2 Elias (1) – Elias von Rommersdorf, kein Ordensgründer, leitete seit 1197 das Prämonstratenserstift Rommersdorf (Neuwied), dieses war möglicherweise das erste P. auf deutschem Boden, † 1201 Elias (2) – Elias von Cortona, skrupelloser Generalvikar und später General des Franziskanerordens, Vertrauter des hl. Franziskus, mißachtete des Gelübde der Armut für den Orden, † 1239 Elisabeth I. – engl. Königin, vollzog endgültig die Trennung der anglikanischen Kirche von Rom. Von katholischen Fanatikern wurden mehrere Attentate auf sie verübt. Mit dem Sieg über die Spanische Armada, die das Land gewaltsam in den Schoß der Alleinseligmachenden zurückführen sollte, begann Englands Aufstieg zur Weltmacht. † 1603 Emil – s. Rousseau Endymion – in der griech. Sage der Geliebte der Mondgöttin Selene Erasimus – Erasmus von Rotterdam, einer der ersten Gelehrten seiner Zeit, Vertreter des Humanismus, war hochgebildet und weltoffen, der Antike verbunden; sein Ziel war ein von Aberglauben und Dogmen befreites Christentum, bekämpfte die Heiligen- und Marienverehrung sowie das parasitäre Mönchstum, sein Buch »Lob der Torheit« gehört zur Weltliteratur, † 1536 Espen, van – Bernhard van Espen, niederländischer Theologe, Lehrer für kanonisches Recht, † 1728 Eugen III. – 1145 zum Papst gewählt, Zisterzienser, sein Lehrer Bernhard von Clairvaux hielt ihn zu einfältig für dieses Amt. Ständig war er im Streit mit der Stadt Rom, oft mußte er fliehen, † 1153 Eugen IV. – Papst, 1434 nach Ausrufung der Republik aus Rom vertrieben, versuchte vergeblich, ein papstfeindliches Konzil in Basel zu verbieten, das den Gegenpapst Felix V. einsetzte, † 1447 Eusebius – Bischof von Caesarea, gilt als der Vater der Kirchengeschichtsschreibung, † 339 Eustathios – Erzbischof von Thessalonike, sammelte und bewahrte Zeugnisse antiker Gelehrsamkeit, † 1194 Evagrius – Ponticus Evagrius, Mönch, Schriftsteller, † 399, schrieb ein Traktat zur Überwindung der Versuchung, stellte die Lehre von den 8 Lastern auf Febronius – Pseudonym des Trierer Weihbischofs Nikolaus von Hontheim, er strebte eine vom Papst unabhängige deutsche Nationalkirche an. In seinem Hauptwerk, 1763 in Frankfurt verlegt »Über den Zustand der Kirche und die rechtmäßige Gewalt des römischen Bischofs« forderte er die Wiederherstellung der Urkirche und die Beschneidung der angemaßten päpstlichen Rechte. »Eine mit der bischöflichen konkurrierende Jurisdiktion stehe ihm [dem Papst] nicht zu (und) unfehlbar sei nur die Kirche und das allgemeine Konzil, das über dem Papst stehe.« Das Werk schlug in Rom wie eine Bombe ein und wurde sofort auf den Index gesetzt. † 1790 Felinus – Felino Maria Sandeo, ital. Kirchenrechtler, Bischof von Lucca, † 1503 Felix III. – Papst, brach wegen einer theologischen Bagatelle im Streit mit dem oströmischen Kaiser die erste Kirchenspaltung (Schisma) in Ost- und Westkirche vom Zaun, † 492 Fleschier – Esprit Flechir, franz. Bischof, berühmter Kanzelredner, † 1710 Fleury – Claude Fleury, franz. Kirchenhistoriker, † 1723 Franz Xaver = Xaverius Franziskus von Assisi – gründete 1209 einen Orden, dessen Mitglieder nach dem Vorbild Jesu ohne jeden Besitz leben sollten, † 1226. Der Grundsatz der Armut wurde bereits von seinem Nachfolger Elias (2) aufgegeben. Der Orden ist in drei Teile gegliedert: 1. Orden – Minoriten, dazu kam der 2. Orden für Frauen, die Klarissen. Für Laien bildete man den 3. Orden, die Tertiare. Galiläi – Galileo Galilei – einer der bedeutendsten Physiker aller Zeiten, seine naturwissenschaftlichen Forschungen im Zeichen der beginnenden Aufklärung brachten ihn in Konflikt mit der katholischen Kirche (»Die Winkelsumme im Dreieck kann nicht nach den Bedürfnissen der Kurie abgeändert werden«), † 1642 Gallus – St. Gallus, Missionar im Bodenseegebiet, er richtete einen wilden Bären zu nützlicher Arbeit ab, an der Stelle seiner Zelle steht heute das Kloster St. Gallen, Schutzpatron der Gänse und Hühner, † 640 Ganganelli = Clemens XIV. Gelasius I. – Papst, stand unter den Schutz des Ostgotenkönigs Theoderich, stellte im Streit mit dem byzantischen Kaiser die Lehre von den zwei Mächten (Bischöfe und Könige) auf, † 496 Genebrard – Gilbert Genebrard, Erzbischof von Aix-en-Provence, † 1597 Gerbert – Martin Gerbert, Fürstabt von St. Blasien im Schwarzwald, Theologe und Musikhistoriker, † 1793 Gerson – Jean de Gerson, franz. Theologe, wirkte führend auf dem Konzil von Konstanz, † 1429 Geßner – Salomon Geßner, schweizer Dichter, berühmt waren seine »Idyllen«, † 1788 Goldsmith – Oliver Goldsmith, engl. Dichter, † 1774. Sein Roman »Der Landpfarrer von Wakefield (The vicar of Wakefield)« fand in ganz Europa begeisterte Aufnahme Gregor IV. – Papst, vermittelte vergeblich im Erbstreit der Karolinger, der dann im Vertrag von Verdun endete, legte Allerheiligen auf den 1. November, † 844 Gregor IX. – erfindungsreicher Papst, der das Arsenal des Aberglaubens eindrucksvoll bereichert hat. In seiner Teufelsbulle »Vox in rama« schrieb er über das Wirken des Teufels »Wenn ein Neuling aufgenommen wird, so erscheint ihm zuerst ein Frosch, den einige eine Kröte nennen. Diesem geben sie einen schmachwürdigen Kuß auf den Hintern, andere auf das Maul und ziehen dabei die Zunge und den Speichel des Tieres in den Mund. Dasselbe erscheint zuweilen in natürlicher Größe, manchmal auch so groß wie eine Ente oder eine Gans. Meistens nimmt es jedoch die Größe eines Backofens an. Wenn der Neuling weitergeht, begegnet ihm ein Mann von wunderlicher Blässe, mit schwarzen Augen, abgezehrt und mager. Dieser küßt den Neuling, der fühlt, daß er kalt wie Eis ist. Nach dem Kuß verschwindet alle Erinnerung an den katholischen Glauben aus seinem Herzen. ... Danach werden die Lichter gelöscht, und man gibt sich ohne Rücksicht auf Verwandtschaft der greulichsten Unzucht hin. Sind mehr Männer als Weiber da, so befriedigen sich die Männer in schändlicher Begierde, die Weiber tun dergleichen.« Er verbot auch den Laien den Besitz der Bibel, sie mußten diese den Bischöfen zum Verbrennen (!) übergeben. † 1241 Gregor VI. – Papst, weil er sein Amt gekauft hatte (vom Skandalpapst Benedikt IX.) setzte ihn Heinrich III. nebst zwei anderen Päpsten in Sutri ab und verbannte ihn nach Köln, † 1047 Gregor VII. – Papst, Heiliger. Das Papsttum, noch in der Karolingerzeit eine Provinzmacht und erst durch die Ottonen groß geworden, strebte nun unter ihm und gegen dieses zur Weltmacht. Es begann mit der Leugnung des uralten Rechts des Kaisers zur Bischofseinsetzung (Investitur). Heinrich IV. antwortete: »... Du also, durch den Urteilsspruch aller unserer Bischöfe und den unsrigen verdammt, steige herab, verlasse den angemaßten apostolischen Sitz.... Wir, Heinrich, König von Gottes Gnaden, mit allen unseren Bischöfen sagen Dir: Steige herab, steige herab, der Du in Ewigkeit verdammt sein sollst.« Gregor schleuderte den Bannfluch gegen Heinrich, die deutschen Fürsten stellten sich hinter den Papst, dieser mußte sich in der Burg Canossa, wohin sich der Papst geflüchtet hatte, 1077 unter entwürdigenden Umständen vom Bann freisprechen lassen. »Die höchste weltliche Gewalt des Abendlandes lag zu Füßen eines langobardischen Handwerkersohnes.« Doch die schreckliche Waffe des Bannes stumpfte schnell ab. Heinrich berief eine Synode nach Brixen, diese setzte Gregor ab, der 1085 im Exil starb. Seinen Anspruch als Herr der Welt hatte G. 1075 im »Dictatus Papae« niedergelegt, in diesem hieß es »...Der Papst ist der oberste Herr der Welt. Er allein trägt kaiserliche Insignien (nämlich den Kronreif der Tiara) ...« Gregor X. – Papst, wurde schließlich als Notlösung (er war nur Archidiakon) nach einem dreijährigen Konklave in Viterbo gewählt. Als den Einwohnern der Stadt die Zerrereien um den »Stuhl Petri« zu lange dauerten, vermauerten sie das Gebäude und deckten das Dach ab. Zum Beweis, daß es schon im 13. Jahrhundert Humor gab, sei die Bemerkung eines Kardinals angefügt, der sich darüber erfreut zeigte, daß der heilige Geist nun ungehindert herabsteigen könne. Gregor strebte einen neuen Kreuzzug an und schmiedete zu diesem Zweck eine Allianz aus Rom, Konstantinopel und den Mongolen (!). Seine Papstwahlordnung hatte durchschlagenden Erfolg: Die Kardinäle erhalten während der Vakanz keine Einkünfte. Gregor XIII. – Papst, er war ernst, wortkarg und lebte bescheiden, er förderte die Gegenreformation, besonders die Jesuiten. Aber auch Gewalt scheute er nicht, nach der Bartholomäusnacht in Frankreich, in der Tausende Hugenotten ermordet wurden, feierte er diesen »Sieg«. Sein bleibendes Verdienst ist die Kalenderreform von 1582 (Gregorianischer Kalender), † 1585 Gregor XV. – Papst, im Zuge der Gegenreformation gründete er eine besondere Propagandaabteilung im Vatikan, er erneuerte die Hexenverfolgung, † 1623 Gregorius Nazianzenus – Gregor von Nazianz, »der Theologe«, Kirchenvater, Erzbischof von Konstantinopel, † 390, bekämpfte den Arianismus, seine Reliquien, die 1204 in Konstantinopel geraubt worden waren, gab Johannes Paul II. im Jahr 2004 zurück Hadrian I. – Papst, rief Karl den Großen zur Hilfe gegen die Langobarden, † 795 Hadrian VI. – einer der wenigen nichtitalienischen Päpste, bei den Römern war er verachtet und verhaßt, weil er versuchte, die kurialen Finanzen zu ordnen, was große Sparsamkeit erforderte. Der Versuch, Ämterkauf, Nepotismus und Ablaß abzuschaffen wurde von der Kurie sabotiert. Er erkannte klarer als andere, daß die Ursache der Reformation in der Catholica selbst liegt, † 1523 Haller – Albrecht von Haller, schweizer Universalgelehrter, Aufklärer, Mediziner und Dichter, † 1777 Hausen – Carl Renatus Hausen, protestantischer Theologe, schrieb u. a. »Pragmatische Geschichte des Protestantismus in Deutschland«. Das Buch erregte Mißfallen, so daß nur der 1. Teil erarbeitet wurde. † 1805 Heiliger Vater, der jetzige – = Clemens XIV., † 1774 Heinrich II. – dt. Kaiser, der letzte Ottone, konzentrierte seine Arbeit auf den nördlich der Alpen liegenden Teil des deutschen Reiches, † 1024 Heinrich IV. – frz. König, der erste Bourbone, spielte in den Hugenottenkriegen als Feldherr eine bedeutende Rolle, um König zu werden, mußte er zum Katholizismus übertreten. Er baute das vom Bürgerkrieg zerrüttete Land wieder auf und sicherte durch das Edikt von Nantes allgemeine Religionsfreiheit, es wurden mehrere Attentate auf ihn verübt, dem von 1610 erlag er schließlich. Hektor – in der griech. Sage der Anführer der Trojaner, von Achilles getötet Helias = Elias (2) Helvetius – franz. Philosoph, lehrte die fundamentale Gleichheit aller Menschen, vertrat einen rigorosen Atheismus, forderte Toleranz. »Der Glaube an Gott und Seele ist das Resultat des menschlichen Unvermögens, die Gesetze der Natur zu verstehen.« Für ihn ist die Religion (die Kirche) eine Bedrohung der politischen Ordnung. † 1771 Herkules – (Herakles) in der griech. Mythologie ein Heros, Sohn des Zeus, mußte 12 lebensgefährliche Abenteuer bestehen Herodot – griech. Geschichtsschreiber, der die ganze damals bekannte Welt bereiste und beschrieb, † 425 v. C. Hieronymus – Heiliger und Kirchenvater, er erstellte aus dem Hebräischen die Vulgata, eine lateinische Bibel, Schutzpatron der Übersetzer, † 420 Hilarius – Hilarius von Poitiers, Heiliger, Kirchenlehrer, † 367 Hildebrand = Gregor VII. Hiob – Gestalt aus dem A. T. (Buch Hiob), Gegenstand eines psychologischen Experiments Gottes Holofernes – General, der die Stadt Betulia belagerte. Die schöne und kluge Witwe Judit ging zu ihm, machte ihn betrunken und schlug ihm den Kopf ab. Die Belagerer flohen daraufhin. Quelle: Bibel, Buch Judit. Homer – die Person, der die Epen Ilias und Odyssee zugeschrieben werden. Ob H. wirklich gelebt hat, ist umstritten, ebenso seine Lebensdaten. Honorius – Honorius III., Papst, ordnete die kirchlichen Finanzen neu, bestätigte 1223 den Franziskanerorden, † 1227 Horaz – einer der bedeutendsten Dichter des Augusteischen Zeitalters, schrieb Satiren und Oden, † 8 v. C., er prägte die Sprichwörter »Carpe diem,quam minimum credula postero!« – »Nutze diesen Tag (wörtlich: Greif diesen Tag), nimmer traue dem nächsten!« und »Sapere aude!« – »Wage es, den Verstand zu benutzen!« Houssage – Amelot de la Houssage, franz. Diplomat, † 1706 Hübner – Johann Hübner, Rektor des Johanneums in Hamburg, gab 1704 in Leipzig das erste große deutschsprachige Lexikon heraus, † 1731 Hugolinus = Gregor IV. Huß – Jan Hus, tschechischer Reformator, kritisierte den Reichtum der kath. Kirche und erkannte die Unfehlbarkeit des Papstes nicht an, 1415 wortbrüchig als Ketzer in Konstanz verbrannt, sein Tod löste 100 Jahre lang Kämpfe der Hussiten gegen die kaiserlich-päpstliche Partei aus, die viele Gegenden in Deutschland und Österreich verheerten Hutten – Ulrich von Hutten, deutscher Humanist, Reichsritter, verfaßte die »Dunkelmännerbriefe«, eine absichtlich in schlechtem Latein gehaltene Satire gegen die ungebildeten Kölner Dominikaner, unterstützte Martin Luther, † 1523. Der Spruch »Die Luft der Freiheit weht« stammt von ihm Ignatius von Loyola – gründete 1540 den Jesuitenorden, † 1556. Dieser wirkte als stärkste Waffe des Katholizismus in der Zeit der Gegenreformation. Aus dem Motto »Alles zur Ehre Gottes« (omnia ad maiorem die gloriam, O.A.M.D.G.) leitete sich auch die Parole »Der Zweck heiligt die Mittel« ab. Daraus folgt dann logischerweise die Erlaubnis zu Aufruhr, Königsmord, ja zu allen Verbrechen überhaupt. Der Orden wurde von Bismarck 1872 in Deutschland verboten (bis 1917), auch in anderen Ländern erfolgten Verbote. Zur Aufhebung des Ordens bereits im 18. Jahrhundert s. a. Stichwort »Gedränge« im Dictionnaire Sachen Ikarus – griech. Sagengestalt, wollte mit künstlichen Flügeln fliegen, stürzte wegen Materialmängeln ab Ikstatt – Johann Adam von Ickstatt, Professor in Ingolstadt, lehrte u. a. Strafrecht und Staatsrecht, förderte das bayerische Schulwesen, † 1776 Innozenz III. – der mächtigste Papst der Geschichte (er nannte sich selbst »Vicarius Christi«); zu Beginn des 13. Jahrhunderts stand die Kirche auf einem Tiefpunkt ihrer Entwicklung, Kirchengut wurde auf Festen verpraßt oder den Kindern der Kleriker geschenkt, statt im Zölibat lebten viele Geistliche mit einem Harem. Entsprechend war die allgemeine Verachtung des Klerus groß; in Frankreich, aber auch in Italien, Flandern und Böhmen, bildeten sich vom Evangelium geprägte Armutsbewegungen (wichtig die Katharer und Albigenser), die sich auf Jesus von Nazaret und das Evangelium beriefen und damit die päpstliche Herrschaft gefährdeten. All dem steuerte I. mit Diplomatie, aber auch mit brutaler Gewalt entgegen. In Deutschland profitierte er vom und schürte den Kampf zweier Könige um die Macht. Am Ende seines Lebens 1216 war halb Europa ein päpstliches Lehen geworden Innozenz VIII. – Papst, übernahm einen finanziell zerrütteten und moralisch verkommenen Vatikan, führte Kriege wie ein Seeräuber. Es lohnt eigentlich nicht, mehr über ihn zu wissen wenn er nicht 1484 die Hexenbulle (»Summis desiderantes«) verkündet und damit das grauenvolle Kapitel der Hexenverfolgungen aufgeschlagen hätte. Nun loderten in ganz Europa die Scheiterhaufen, die letzte Hexe in Deutschland wurde 1749 verbrannt. Gelobt sei Jesus Christus! Innozenz XI. – einer der würdigeren Päpste, kämpfte gegen den Nepotismus, sanierte Kirchenverwaltung und -finanzen. Er bekämpfte den Sonnenkönig Ludwig XIV., der seinerseits jede weltliche Herrschaft des Papstes bestritt. † 1689 Iphigenie – Gestalt aus der griech. Sage Iselin – Isaak Iselin, schweizer Philosoph und Historiker der Aufklärung, † 1782 Jakob II. – engl. König, römisch-katholisch, 1685 eingesetzt, aber wegen staatsfeindlichen Haltung schon 1688 entmachtet und des Landes verwiesen. Seine Anhänger im Ausland sind die sog. Jakobiten, † 1701 Jephta – Gestalt aus dem Alten Testament, opferte seine eigene Tochter Jerusalem – Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, protestantischer Aufklärer, war an der Gründung der Technischen Universität Braunschweig beteiligt, † 1789 Jerusalem – Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, wichtiger deutscher Aufklärungstheologe, Protestant, wirkte am Braunschweiger Hof, wo er sich Verdienste um das Bildungswesen erwarb, und als Abt in Riddagshausen, † 1789. Der Selbstmord seines Sohnes regte Goethe zum »Werther« an. Job = Hiob Johannes von Parma – wurde 1247 Generalminister des Franziskanerordens, 1257 vom Papst abgesetzt, † 1289 Johannes X. – Papst, vom Mann seiner Geliebten auf den Thron gehoben, kämpfte er gegen die Italien bedrohenden Sarazenen und beteiligte sich persönlich am Kampf. Er ernannte einen Fünfjährigen in väterlicher Güte zum Erzbischof von Reims. Sein Ende entsprach seiner Amtsführung: Während eines Hochamtes entführt, ins Gefängnis geworfen und im nächsten Jahr ermordet. †929 Johannes XII. – Papst, krönte Otto I. zum Kaiser, schwur ihm ewige Treue und wechselte prompt auf die Seite von Ottos Gegner, er »verwandelte den Lateran in ein Hurenhaus«, verkaufte höchste kirchliche Ämter, trank auf des Teufels Gesundheit, usw. Sein Ende war wie sein Leben: Ein Mann überraschte ihn im Bett seiner Frau und erschlug ihn. Amen. † 963. Johannes XXII. – dieser Papst war der Magie verfallen, glaubte fest an Zauberei und litt unter Verfolgungswahn. Er verstärkte den Kampf der Inquisition gegen Zauberei. Da er sich theologisch versiert glaubte, verkündete er neue Lehren das Himmelreich betreffend, damit wäre er um ein Haar selbst ein Ketzer geworden. Er zentralisierte und konzentrierte das päpstliche Finanzwesen, so daß ein Zeitgenosse den päpstlichen Hof »einen schmutzigen Stall voll Habsucht und simonistischem Unrat« nannte. Wenigstens aber gab er ständig 6 % der Einnahmen für die Armen aus. † 1334 Johannes XXIII. – ein verschlagener, skrupelloser Seeräuber, der es zum Papst brachte, durch den König von Neapel aus Rom vertrieben zwangen ihn die Kardinäle, zum Konzil von Konstanz zu gehen, wo er abgesetzt wurde, † 1415 Joseph – Joseph II., Österreichischer König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, in der Bemerkung über ihn im 14. Brief der »Briefe eines reisenden ...« wird er völlig falsch eingeschätzt: Er hing aufklärerischen Ideen an, in Österreich hob er die Leibeigenschaft auf (1781), reformierte das Justizwesen, drängte den Einfluß des katholischen Klerus zurück, tolerierte Protestanten und Juden und hob alle unproduktiven (d. h. sozial nicht aktiv wirkenden) Orden auf. Wikipedia über die Reformen Joseph II.: »Alle Orden, die im volkswirtschaftlichen Sinne unproduktiv waren, also keine Krankenpflege, Schulen oder andere soziale Aktivitäten betrieben, wurden aufgehoben, ihr Besitz verstaatlicht. Dies führte dazu, dass viele kontemplative Abteien mit zum Teil langer Tradition geschlossen wurden. Aus dem Erlös der Aufhebungen wurde der bis ins 20. Jahrhundert bestehende Religionsfonds gegründet, der die Besoldung der Priester übernahm, die auf diese Weise zu Staatsbeamten wurden.«† 1790 Julian der Abtrünnige – Julian Apostata, röm. Kaiser seit 361, er versuchte das Christentum zurückzudrängen und erneuerte die heidnischen Kulte. Die damalige christliche Propaganda verbreitete Lügen über ihn und verunglimpfte seine Person. Die Aufklärer des 18. Jahrhunderts schätzen ihn als Philosophen und weisen Herrscher. Er überragte alle seine christlichen Vorgänger charakterlich, ethisch, geistig; er war der erste Kaiser mit echter Bildung seit 100 Jahren. Julian fiel in einer Schlacht gegen die Perser, wahrscheinlich getroffen vom Speer eines christlichen Fanatikers 363. Juno – (Hera), lebenslustige Gemahlin des obersten Gottes Zeus Justinus der Märtyrer – Kirchenvater, unter Marc Aurel hingerichtet, Besonderheit: Die Akten des Prozesses sind bis heute erhalten! † 165 Kalixt III. (1) – Gegenpapst, von Friedrich Barbarossa anfangs unterstützt, aber 1177 fallengelassen. Sprach Karl den Großen heilig. Eine Ausnahme in der Papstgeschichte: Er wurde nach seiner Entmachtung nicht ermordet, † 1183 Kalixt III. (2) – Papst, Nepot, war als Abgesandter des Königs von Neapel am Konzil zu Basel beteiligt, galt als würdiger, maßvoller Charakter und Verwaltungsfachmann, suchte vergeblich eine christliche Allianz (einen Kreuzzug) gegen die Türken, die 1453 Konstantinopel erobert hatten, zu schmieden. † 1458 Kalvin, Kalvinus = Calvin Karl der Große – Sagengestalt, näheres unter www.welcker-online.de/Links/link_909.html Katharina von Bologna – Mystikerin, Äbtissin in Bologna, † 1463 Katherl von Borre = Katharina von Bologna Kilian – sagenhafter Heiliger, missionierte in Deutschland, Apostel und Patron des Frankenlandes, hilft aber gegen Gicht und Rheuma, † 689 (?) Klemens XIII. = Clemens XIII. Krisostomus = Chrysostomus Laurentius – Heiliger, † 258, wurde auf einem Rost zu Tode gemartert. Der Sieg Ottos I. über die Ungarn am Laurentiustag (10. August) 955 förderte seinen Kult, seine zwei Köpfe werden als Reliquien verehrt, Schutzpatron der Feuerwehr, hilft auch gegen Hexenschuß Lavater – Johann Caspar Lavater, schweiz. Theologe. Er stellte eine Lehre auf, daß der Charakter eines Menschen an Gesichtszügen und Körperformen ablesbar sei, † 1801 Laymann – Paul Laymann, Jesuit, Moraltheologe und Kirchenrechtler, setzte sich in seinem Hauptwerk »Theologiae moralis ...« auch kritisch mit den Hexenprozessen auseinander, † 1635 Lecher – Johann Baptista Lechner, Autor eines um 1750 populären Rechenbuches »Sehr leichter Unterricht und Lehr-Art der höchst nothwendigen und nutzbaristen Rechen-Kunst« Leo I. – Papst und Kirchenlehrer, genannt »Leo der Große«, † 461. Er legte den Grundstein für den päpstlichen Anspruch auf die Weltherrschaft, indem er Streitigkeiten zwischen den damals gleichberechtigt neben Rom stehenden Patriarchaten Konstantinopel, Alexandria und Antiochia zugunsten Roms ausnutzte. Gleichzeitig aber konnte er die Erhebung Konstantinopels über die Ostkirche nicht verhindern (Konzil zu Chalkedon), was schlußendlich zum Schisma von 1054 führte. Leo III. – Papst, überstand 799 ein Attentat als Rache für Weibergeschichten und floh zu Karl dem Großen, mit dem er dicke Tinte wurde. Dieser setze ihn wieder als Papst ein (die herausgerissene Zunge sowie die ausgestochenen Augen schenkte ihm Gott der Herr in seiner unendlichen Güte wieder), wofür er von Leo zum Kaiser gekrönt wurde – Eine Hand wäscht die andere. Leo X. – Papst † 1521, wird als klug, fröhlich und bescheiden gerühmt, förderte die Künste. Sein Amt, überhaupt die Theologie, waren ihm ziemlich gleichgültig. Zur Geldbeschaffung steigerte er Ämterverkauf und Ablaßwesen, er begann mit dem Bau des Petersdomes Lochstein – Veremund von Lochstein, Pseudonym des Peter von Osterwald. Er konvertierte 1740 zum Katholizismus, wurde Geheimer Kabinettssekretär des Bischofs von Regensburg, sein Hauptwerk »Gründe sowohl für als wider die Geistliche Immunität in zeitlichen Dingen« erschien 1766, †1778 Locke – John Locke, englischer Philosoph, gilt als Begründer des Empirismus, Hauptwerk »Über den menschlichen Verstand«, noch vor Montesquieu trat er für die Trennung von Legislative und Exekutive ein, seine Staatsrechtslehre wirkt bis in unsere Zeit nach, † 1704 Lucius Florus – Publius Annius Florus, röm. Geschichtsschreiber des 2. Jahrhunderts Ludwig XV. – franz. König, † 1774, unter ihm verfiel das Königreich unaufhaltsam Luther – Martin Luther, Reformator und Bibelübersetzer, Schöpfer der heutigen deutschen Sprache, † 1546 Lycurg – Lykurgos, legendärer Gesetzgeber Spartas Machiavelli – Nicolo Machiavelli, ital. Philosoph und Geschichtsschreiber. In seinem staatsphilosophischen Hauptwerk »Der Fürst« prägte er das Bild eines rücksichtslos seine Ziele verfolgenden Herrsches »Machiavellismus«, † 1527 Marcellus – Nonius Marcellus, Autor eines lateinischen Wörterbuches, † 1604 Margareta – Hl. Margareta von Antiochien, Märtyrerin, † 305 (?), Schutzpatronin der Gebärenden Maria I. – engl. Königin, Schwester Elisabeths I., versuchte die Loslösung der anglikanischen Kirche von Rom rückgängig zu machen unb gab den Klöstern ihren enteigneten Besitz zurück. Im »Glaubenskampf« scheute sie keine Mittel, deshalb »die Blutige« genannt, †1558 Marius – röm. Feldherr, besiegte um 100 v. C. die auf der Suche nach Siedlungsland von Jütland aus in das Römische Reich eingedrungenen Kimbern, Ambronen und Teutonen, † 86 v. C. Martha von Bethanien – Gestalt des Neuen Testaments, Schutzheilige der Köchinnen und Dienstmägde Martin V. – Papst, durch erfindungsreiche Finanzpolitik füllte er die päpstlichen Kassen wieder auf und bedachte auch seine eigene Familie großzügig, † 1431 Martin von Cochem – kath. Priester, † 1712, Kapuziner, schrieb erfolgreiche und weltweit verbreitete religiöse Bücher Martin von Tours – Bischof von Tours, der historisch erste Heilige, der nicht auch ein Märtyrer war, Schutzheiliger der Soldaten und Bettler, † 397 Mechtildis – Mechthildis von Dießen † 1160 oder Mechtildis von Sponheim † 1154, egal wer gemeint ist – von beiden gibt es nichts zu berichten Meduse – weibliches Ungeheuer der griech. Mythologie Michael Cärennas = Michael von Cesena Michael von Cesena – Ordensgeneral der Franziskaner, † 1342 Minutius – Marcus Felix Minutius, altkirchlicher Apologet des frühen 3. Jahrhunderts, in seinem Dialog »Octavius« widerlegt dieser die vom Heiden Caecilius vorgetragenen antichristlichen Argumente Monica – Heilige Monika, die Mutter des Hl. Augustin, † 387, Patronin der Mütter und Frauen. Montaigne – Michel Eyquem de Montaigne, franz. Philosoph, begründete die literarische Gattung des Essays, † 1533 Muratori – Lodovico Antonio Muratori, ital. Gelehrter und Geistlicher, † 1750. Er gilt als der Vater der italienischen Geschichtsschreibung Muschenbröck – italienischer Geograph Nabukodonosor – ein anderer Name für den babylonischen König Nebukadnezar, der den Tempel in Jerusalem zerstörte, † 562 v. C. Necktarius – Nektarios, Patriarch von Konstantinopel, † 397 Neller – Georg Christian Neller, Mitarbeiter des Febronius, Kanonikus in Trier, † 1783 Nestorius, – Bischof von Konstantinopel, bekämpfte den Marienkult, er lehrte, daß Jesus nicht nur eine göttliche, sondern auch eine menschliche Natur hat, † 451 Neuberger – Johann Georg Neuberger, veröffentlichte 1768 eine »Abhandlung von den Einkünften der Klöster und den Amortizationsgesetz«, † 1805 Neumayer – Franz Neumayr, Jesuit, wirkte in Augsburg, † 1765 Nikolaus III. – Papst, vergrößerte den Kirchenstaat, hatte viel Familiensinn, † 1280 Nizephorus – Nikephoros I., Patriarch von Konstantinopel, † 828 Norbert von Xanten – Ordensgründer (Norbertiner), Erzbischof von Magdeburg, † 1134 Numa Pompilius – der sagenhafte zweite König Roms, † 671 v. C. Oberhauser – Benedikt Oberhauser, Benediktiner, wirkte in Fulda, wandte sich gegen den päpstlichen Primatanspruch, †1786 Ocham Bonagratia – Franziskanergeneral, arbeitete 1279 an einer päpstlichen Bulle über die Bettelmönche mit, in der der Gebrauch einer Sache von ihrem Besitz unterschieden und das Annehmen von Geld erneut verboten wird. Odyseus – Held der griech. Sage, hatte großen Anteil an der Eroberung Trojas Origines – Märtyrer und Kirchenschriftsteller, bekämpfte den Kirchenkritiker Celsus, ein lauterer Charakter, als asketisch lebender Mensch soll er sich selbst kastriert haben, er vertrat eine subordinatianische Trinitätslehre, seine Lehre wurde von der Kirche verurteilt, † 254 Orpheus – Sänger, Gestalt aus der griechischen Mythologie Pachomius – Pachomius d. Ä., gründete um 320 ein Kloster am rechten Nilufer in Tabennes (heute Tabenisi), † 347 Paolo, Fra = Sarpi Paphnucius – seine Existenz wird heute bestritten. Da es aber vom nicäischen Konzil keinerlei Aufzeichnungen gibt, ist die Frage seiner Existenz müßig. Paris – Matthäus von Paris, engl. Kirchenhistoriker und Heraldiker, † 1259 Patroclus – von Homer in der Ilias erwähnt, heute wird »auch Patroklus ist gestorben« (Schiller) als Redensart verwendet Paul III. – Papst, der den Titel »Kardinal Unterrock« trug, lebenslustig, gebildet und klug, ein treusorgender Vater seiner Kinder und Enkel, belebte die Inquisition wieder. Er bestätigte 1540 den Jesuitenorden, ihm gelang es nicht, die Einheit der Kirche nach der Reformation wieder herzustellen. † 1549 Paul IV. – Papst, der als Inquisitor traurigen Ruhm erlangt hatte, er befahl, daß die Juden in Ghettos leben müssen, mischte sich als größenwahnsinniger Nostalgiker erfolglos in die hohe Politik ein, † 1559 Paulus – der eigentliche Begünder des Christentums. Angenommener Name des Saulus, wurde vom Christenverfolger zum Verfechter der Lehre Jesu, die er in wesentlichen Punkten erweiterte und damit den Grund für eine von Jesus von Nazaret nie gewollte Kirche legte. So ist er der Erfinder sowohl der Prädestinationslehre als auch der Erbsünde, auch die Juden- und Frauenfeindschaft der Kirche geht auf ihn zurück. »Alles Gute im Christentum verbindet sich mit dem Namen Jesus, alles Schlechte mit Paulus« (Franz Overbeck). Seine Briefe sind die ältesten Schriftzeugnisse des Christentums, allerdings sind einige gefälscht, so der zweite Brief an Timotheus und der Hebräerbrief; Märtyrertod um 60 in Rom. Ohne die das röm. Reich umfassende Tätigkeit Paulus' wäre das Christentum wohl eine jüdische Sekte geblieben. Paulus von Theben – Heiliger, der erste Einsiedler, † 341 Penelope – die treue Gattin des Odysseus, der lange Zeit verschollen war Petri (Petrus) Blesensis, Petrus von Blois – Archidiakon in London, seine Briefe sind wichtige historische Quellen, † 1204 Petrus de Marca, Pierre de Marca – Erzbischof von Paris, † 1662 Pezzl – Johann Pezzl, genannt »der österreichische Voltaire«, veröffentlichte ab 1780 ein dreibändiges Werk »Briefe aus dem Noviziat«, in dem er eigene Erfahrungen als Kloster- und Kirchenkritik darstellte. † 1823 Phidias – griechischer Bildhauer der Antike Philipp der Schöne (IV.) – franz. König, † 1314, seine Antwort auf die Bulle »Unam sanctam« (s. Bonifatius VIII.), die die unbestrittene Weltherrschaft des Papstes konstatierte, lautete: »Philipp von Gottes Gnaden, König von Frankreich, an Bonifatius, der sich für den Papst ausgibt, wenig oder gar keinen Gruß! Du sollst wissen, Erznarr, daß wir in weltlichen Dingen niemandem unterworfen sind. Wer anders denkt, ist ein Tor oder wahnsinnig.« Dieser Satz gehört zur Weltliteratur. Pipin – Pippin, mehrere Vertreter der später Karolinger genannten Dynastie Pius IV. – Papst, klug, leutselig, gütig, realistisch. Beschnitt die Willkür der Inquisition, † 1565 Pius V. – Großinquisitor, Bischof von Sutri, Papst. Er bekämpfte erbarmungslos die Ketzer, auch die »die gar nicht wissen, daß sie Ketzer sind«. Sein Verdienst ist die Organisation der Seeschlacht von Lepanto 1571, die den türkischen Vormarsch im Mittelmeer beendete, † 1572 Platon – griech. Philosoph, † 347 v. C.. Plutarch – röm. Philosoph und Biograph (sog. Parallelbiographien), † 125. Als brillanter Stilist prägte er Wendungen wie »Der Geist ist kein Schiff, das man beladen kann, sondern ein Feuer, das man entfachen muss.« Polycarp – Heiliger und Märtyrer, Bischof von Smyrna, † 155, hilft gegen Ohrenleiden Prometheus – ein Titan der griech. Mythologie, der den Menschen das Feuer brachte und zur Strafe dafür am Kaukasus angeschmiedet wurde, wo ein Adler seine ständig nachwachsende Leber aufhackt Pythagoras – griech. Philosoph und Naturforscher, er lehrte, daß die Zahl die Seele der Wirklichkeit sei, † ~-500, die ihm von Riesbeck im 16. Brief zugeschriebene Reise bezieht sich auf Herodot Rabelais – Francois Rabelais, franz. Schriftsteller, sein in unbändiger Fabulierkunst geschriebener Roman »Gargantua und Pantagruel« vereint Parodie, Satire und Zeitkritik, † 1553 Reuchlin – Johannes Reuchlin, hum. Gelehrter, wandte sich gegen eine von den Dominikanern geforderte Vernichtung des jüd. Schrifttums (»Reuchlin-Affäre«), † 1522 Ribadeneyra – Pierre de Ribadeneira, span. Jesuit, schrieb Heiligenbiographien und eine Biographie des Ignatius von Loyola, † 1611 Roßignol – Carl Gregor Rossignol, Jesuit, verlegte 1701 ein Buch »Ewige Grundwahrheiten« Rousseau – Jean Jaques Rousseau, franz. Philosoph, † 1778, Enzyklopädist, Verfasser einer Staatslehre »Der Gesellschaftsvertrag«, die Parole »Zurück zur Natur« stammt von ihm. Großen Einfluß auf die Pädagogik hatte sein Erziehungsroman »Emil oder Über die Erziehung«. Sabinianum – Sabinian, Papst, bei einer Hungersnot ließ er die Menschen sterben, die den Wucherpreis seines Getreides nicht bezahlen konnten, wahrscheinlich ermordet, † 606 Salomon – Salomo, König des A. T. Salvianus – Salvianus von Massilina, Kirchenvater, Pesbyter in Marseille, sein Werk ist eine wichtige Geschichtsquelle über die Schrecken der Völkerwanderung, die er als Gottes Strafe für die sündige Menschheit betrachtete, † 480 Samson – Simson, ein Held der biblischen Geschichte (Buch der Richter), seine übermenschliche Stärke beruhte auf seinem ungeschorenem Haupthaar Sandanapal (Sardanapal?) – der letzte König des Assyrerreiches Sarpi – Paolo Sarpi, Servit, Historiker, einer der aufgeklärtesten Katholiken seiner Zeit, vom Papst als Ketzer mit dem Bann belegt, kritisierte die Anmaßungen des Papsttums und die Jesuiten, er wies nach, daß nur durch Intrigen der Kurie die Wiedervereinigung mit den Protestanten verhindert wurde, †1623 Saul – König des AT. Die Bemerkung im 14. Brief bezieht sich auf eine Episode im 1. Buch Samuelis 19.24 Schlözer – August Ludwig von Schlözer, † 1809, Historiker, Professor in Göttingen, nannte wortgebend den letzten Hexenprozeß in der Schweiz (1782) einen Justizmord Seneka (1) – Seneca d. Ä., röm. Schriftsteller und Rhetoriker, † 39; Seneka (2) – Seneca d. J., röm. Schriftsteller und Politiker, seine Ethik (»alle Menschen sind gleich«) wirkt bis in unsere Zeit nach, † 65 Seresberiensis – Johannes Saresberiensis, John of Salisbury, einer der berühmtesten Theologen seiner Zeit, Bischof von Chartres, † 1180 Sergius III. – Papst, ermordete seine beiden Vorgänger, das Regime unter ihm wird als »Hurenregiment« bezeichnet, einer seiner Söhne wurde später ebenfalls Papst, † 911 Simonetta – Ludovico Simonetta, Bischof von Pesaro, Kardinal, † 1568 Siri – Vittorio Siri, Benediktiner, Historiker, † 1685 Sixtus IV. – Papst, unter ihm gestaltete sich ein Höhepunkt des Nepotismus, er förderte die Künste mit Aufträgen für Bau und Ausgestaltung päpstlicher Gebäude, † 1484 Sixtus V. – Papst, bekämpfte erfolgreich das Banditentum in der Gegend um Rom, war streng gegen Astrologen, Wahrsager, unsittliche Geistliche und Huren, † 1590 Socrates – Sokrates, griech. Philosoph, lehrte, daß Tugend lehrbar ist, erkannte die Bedeutung der Philosophie für die Vervollkommnung der Menschen † 399 v. C. Solon – athen. Politiker, reformierte die Besitz- und Steuerverhältnisse, beschnitt die Rechte der Gentilaristokatie, † 560 v. C. Sophokles – griech. Tragiker, † 406 v. C. Soto – Dominico de Soto, katholischer Theologe, bekämpfte den Sklavenhandel, erklärte, daß das Volk das Recht habe, einen tyrannischen Fürsten abzusetzen, † 1560 Sozomenus – Salamanes Hermaias Sozomemos, bedeutender Kirchenhistoriker des 5. Jahrhunderts, seine 9bändige Kirchengeschichte umfaßt die Zeit von 324 bis 439, also die Epoche von der verfolgten zur verfolgenden Kirche, s. www.welcker-online.de/Links/link_920.html Stephan III. – Papst, ließ sich als erster von Menschen auf den Schultern tragen, diese schöne Sitte gab es noch im 20. Jahrhundert, † 772 Stephan VII. – Papst, von ihm ist wenig überliefert, wurde wahrscheinlich vergiftet, † 931 Sterne – Lawrence Sterne, engl. Schriftsteller, schrieb das Buch »Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien« (1768). Der Held heißt Yorik. † 1768 Suarez – Francisco Suarez, Jesuit, schrieb die erste systematisch aufgebaute Gesamtdarstellung der scholastischen Metaphysik »Disputationes metaphysicae«, † 1617 Süßmilch – Johann Peter Süßmilch, Begründer der wissenschaftlichen Bevölkerungsstatistik, mit seinem bahnbrechenden Hauptwerk »Die Göttliche Ordnung in den Verhältnissen des menschlichen Geschlechts, aus der Geburt, dem Tode und der Fortpflanzung desselben erwiesen.« 1741 wurde er zum Begründer der Bevölkerungsstatistk. † 1767 Swieten, van – Gerard van Swieten, Leibarzt und Berater der Kaiserin Maria Theresia, † 1772 Swift, D. – Jonatan Swift, englischer Satiriker, schrieb u. a. »Ein Tonnenmärchen« Syricius – Papst, Heiliger, Erfinder der Dekretalen (Papsterlasse), strebte das Zölibat für Geistliche an, † 399 Sysyphus – Gestalt der griech. Sage, muß ununterbrochen einen schweren Stein den Berg hinauf wälzen, der dann wieder nach unten rollt Tabennes = Pachomius d. Ä. Tertullian – einer der ersten christlichen Schriftsteller, gilt als der Vater des Kirchenlateins. In radikaler Art verfasste er Streitschriften gegen die Juden, die Gnosis, gegen andere Häresien, gegen die Kindstaufe. Sein Stil war leidenschaftlich, polemisch. Der Begriff der Hölle als ewiger Ort des Schreckens wurde von ihm erdacht. † ca. 230 Thomas von Aquin – Heiliger, der bedeutendste Theologe aller Zeiten, Dominikaner. T. schrieb ein »Lehrbuch der Theologie«, er versuchte Glaube und Vernunft, Philosophie und Theologie zusammenzubringen, † 1274, Patron der Theologen und Bleistiftfabrikanten Thomasinus, Ludovicus – Louis de Thomassin, Oratorier, bedeutender Kirchenrechtler, † 1695 Thomasius – Christian Thomasius, Wegbereiter der Aufklärung, Gründer der Universität Halle, forderte die Trennung von geistlicher und weltlicher Macht, Glaubensverfehlungen (Ketzerei) kann kein Gegenstand staatlicher Justiz sein, † 1728 Tillotson – Erzbischof der anglikanischen Kirche in England, trat für eine stärkere Betonung der Nächstenliebe im Christentum ein, † 1694 Titus Livius – Livius Titus, röm. Geschichtsschreiber, schrieb eine umfassende Römische Geschichte von der Gründung der Stadt bis zur Zeit des Kaisers Augustus, † 17 Tolet – Francesco Tolet, spanischer Theologe, Kardinal, † 1596 Torreggiano = Clemens XIV. Trithemius – Johannes Trithemius, Abt in Würzburg, einer der Begründer der Literaturgeschichte, † 1516 Trunk – Peter Trunk, * 1727, Jesuit, Pfarrer in Mannheim und Bretten, bekam Probleme mit seinen Vorgesetzten wegen einer Predigt über das Fegefeuer und seiner groben Ausdrucksweise, er verurteilte aber abergläubische Praktiken der Kirche. Schiller schreibt über ihn: »Er ist ein lebendig herumgehender Beweis, wie viel Böses die Pfaffen zu stiften im Stand sind.« Er floh nach Worms, wo ihm aber das Messelesen verboten wurde. Das Todesjahr ist unbekannt. Ulysses = Odysseus Urban IV. – Papst, versuchte einen Kreuzzug gegen das staufische Unteritalien zu inszenieren, † 1264 Vater, seraphischer – hier (15. Brief): der Ordensgründer St. Franziskus Venus – röm. Göttin der Liebe, (griech. Aphrodite) Virgil – röm. Dichter, Hauptwerk »Aeneis«, † 19 v. C. Voit – Edmund Voit, Jesuit, Moraltheologe, schrieb »Theologia moralis ...«, † 1780 Vorfahrer, weinender und unbiegsamer – Clemens XIII. Wakefield – s. Goldsmith Werther – gemeint ist der Held in Goethes »Die Leiden des jungen Werters« von 1774 Wieland – Christoph Martin Wieland, deutscher Schriftsteller und Aufklärer, schrieb u. a. »Geschichte der Abderiten«, eine Gesellschaftssatire, † 1813. Wilhelm III. – Statthalter der Niederlande, vom engl. Parlament zur Hilfe gerufen, stürzte er Jakob II. und wurde 1689 zum engl. König gewählt. In seiner Zeit setzte das Parlament die Bill of Rights (regelt die Rechte des Parlament gegenüber dem König) und die Verantwortlichkeit der Minister vor dem Parlament durch. †1702 Wilhelm von St.-Amour – Philosoph und Theologe, Professor in Paris. Im sog. Mendikantenstreit bekämpfte er die Bettelmönche (»Betteln ohne Not ist biblisch unerlaubt«) und nennt sie »falsche Propheten«, er wendet sich auch gegen die Lehr- und Beichtbefugnis der Mönche. 1256 vom Papst gemaßregelt, † 1283 Willibrod – Willibrord von Echternach, Missionar in Benelux und Dänemark, † 739, »Apostel der Friesen«, hilft gegen Epilepsie Wolff – Christian Wolff, Philosoph und Aufklärer, wirkte in Halle an der Saale, schrieb entgegen den damaligen Gepflogenheiten in deutscher Sprache, † 1754. Xaverius – Franz Xavier, Mitbegründer des Jesuitenordens, wirkte im Fernen Osten, † 1552 Yorik – s. Sterne Zallwein – Gregor Zallwein, Benediktiner, Prior in Wessobrunn, schrieb eine Geschichte des deutschen Kirchenrechts »Principia juris ecclesiastici ...«, † 1766