Max Pannwitz Deutsche Pfadfinder des 16. Jahrhunderts in Afrika, Asien und Südamerika Balthasar Springers Meerfahrt 1505-06 / Hans Stadens wahrhaftige Historia 1547/48 und 1549-55 / Ulrich Schmidels wahrhaftige und liebliche Beschreibung 1534-52 / Leonhard Rauwolfs eigentliche Beschreibung 1573-76   Bibliothek des 16., 17. u. 18. Jahrhunderts. herausgegeben und neubearbeitet von Max Pannwitz Stuttgart, Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgarter Setzmaschinen-Druckerei Holzinger \& Co., Stuttgart. Vorwort. Unserer Zeit scheint es beschieden, den letzten Schleierrest, der das Antlitz unserer alten Mutter Erde verhüllt, hinwegzuziehen. Nachdem wir über Afrika schon so viel gehört haben, nachdem uns Mittel- und Ostasien durch Schienenstränge so nahe gerückt wurden, nachdem Grönlands Binnengebiet bekannt geworden und der Nordpol nach einem lächerlichen Possenspiel endgültig erobert ist, nachdem verschiedene Kulturvölker in edlem Wetteifer sich anschicken, die letzten weißen Kartenflecke um den Südpol zu beleben, und Zeppelins Riesenvogel die arktischen Meere überkreisen will, bleiben nur noch verhältnismäßig kleine Züge im Erdenkonterfei zu retuschieren. Fast möchte man sagen: Schade darum! Denn es liegt ein wunderbarer Reiz für die Angehörigen eines Volkes im ersten Vorwärtsschreiten in fremden Landen, wo die Natur den Pionier mit neuen Augen anschaut und ihm eine unbekannte Ausgabe des » homo sapiens « mit eigentümlichen Eigenschaften und Gebräuchen schwer zu lösende Rätsel aufgibt. Keine bessere Schule kann es geben für echten Mannesmut und kluge Umsicht. Und auch die Heimgebliebenen ziehen ihren Nutzen aus diesen Forschungen. Denn die meisten Erkunder neuer Gebiete berichteten selbst stolz von dem Erlebten oder hatten doch einen federfrohen Erzähler in ihrer Umgebung, so daß sich eine fast unübersehbare Reise- und Entdeckerliteratur ausdehnt, von Pytheas aus Massilia und Herodot über Ibn Batuta und Marco Polo bis zu Nansen und Sven Hedin. Es kann uns nicht wundernehmen, daß diese Reisebeschreibungen bei unsern Vorfahren ein dankbares Ohr fanden, damals, als der geistige Horizont des Europäers noch äußerst beschränkt war, als eine uns naiv und kindlich anmutende Phantasie die unbekannten Teile der Welt noch in fabelhafter Weise bevölkerte und lüstern auch aus dem unzulänglichsten, trockensten und unzuverlässigsten Berichte Nahrung sog. Aber auch davon abgesehen strahlt aus Reiseberichten etwas von der Entdeckerfreude auf den empfänglichen Leser aus, der mit seinem Führer durch die neue Welt bangend oder triumphierend zieht. In trefflicher Weise hat sich ein Großmeister der Erdkunde, Friedrich Ratzel , in einer Abhandlung von den »Reisebeschreibungen« Vergleiche Deutsche Rundschau , Bd. 95, S. 183 ff. und Zeiten und Völker , 1911, S. 81 ff. über deren Wert geäußert. Nachdem er geschildert hat, wie er als Knabe sich bald an den rührseligen und allzu »moralischen« Erzählungen von Horn, Nieritz u. a. satt und überdrüssig gelesen habe und dann durch eine sechzehnbändige Sammlung von Reisebeschreibungen, die ihm zu Gebote stand, ein Liebhaber dieser gesünderen Kost geworden sei, fährt er fort: »Ich erzähle diese Harmlosigkeiten, weil die Erfahrungen reiferer Jahre mich immer wieder lebhaft erinnern, mit wie richtigem Empfinden die jugendlichen Gemüter anerkennen und ablehnen. Wie oft kehren wir gerade in der Lektüre bei voll gereiftem Urteil zu dem zurück, was uns früh anzog, als man uns noch gar kein Urteil zutraute. Die Jugend ist die beste und entscheidende Beurteilerin der allgemein gültigen Literaturwerke. Der durch das Fach nicht eingeengte Sinn hat eine natürliche Verwandtschaft mit allem Echten: und außerdem hat sie den Mut ihrer Meinung. Was der Jugend gefällt, das gefällt der Welt. So liegt denn auch in der Anziehung, die die Reisebeschreibungen auf die Jugend üben, ein Zeugnis ihres allgemein menschlichen Wertes. Was ein Mensch zu sagen hatte, der die Welt ohne fälschende Gläser betrachtete und ohne viel Bedenken anfaßte, und was diese Welt ihm zu sagen hatte, der ihr gegenüber jung und unerfahren ist, das behält Wert für alle Kommenden. In der Erziehung des Einzelnen durch die Welt wiederholt sich die Jugend der Menschheit, und diese ist der Jugend des Menschen immer am verständlichsten. Es war nicht bloß die Entfernung, die uns die Gestalten der Entdecker und Abenteurer verklärte. Auch daß sie in einer so fremdartigen Umgebung agierten, war es nicht allein, was sie uns wert machte. Für die an Erfahrung arme Jugend nahmen die hervorragenden Gestalten etwas Typisches an. Jede vertrat eine ganze Seite des Lebens, so wie wir es verstanden oder ahnten, löste eine große Lebensaufgabe oder litt unter einem großen Schicksal. Jeder Entdecker war aus prometheischer Sippe, denn er entrang mit Einsatz seines Lebens den Göttern, was sie nicht freiwillig geben, und brachte den Menschen, was doch die Menschen brauchen: Kenntnis ihrer Erde. Die Polarfahrer, die mit einer unerbittlichen Natur zu ringen hatten, wobei Scharfsinn und Klugheit nichts vermochten, konnten nur den Heroen verglichen werden, und wenn sie unterlagen, sprach uns etwas Titanisches aus ihrem Geschick. Wieder eine andere Gestalt war die des willenlos Umhergetriebenen, des Gefangenen, des Sklaven in barbareskischen oder türkischen Ketten, des Flüchtlings, den nur noch eine wunderbare Verkettung von Verhältnissen zu retten vermag, da seine eigene, längst gebeugte Kraft nicht mehr ausreicht.   — — — — —   Gehört es dem Zeitgeist an, daß diese peinlichen und rührenden Erzählungen außer Kurs gekommen sind? Es scheint in der Tat der Kultus der Entschlossenheit sich ausgebreitet zu haben. Darin liegt gerade ein Hauptreiz dieser Literatur, daß bei dem denkbar buntesten Wechsel der Staffage und der Lebenszustände eine Grundähnlichkeit im Kern bleibt. Das ist das Gemeinverständliche daran. Wenn Nachtigal seinen abenteuerlichen Aufenthalt in Tibesti und seine Flucht oder seine Aufnahme bei dem sonst grausamen, ihm aber mild gesinnten Sultan Ali von Wadai dem Publikum des Herodot erzählt hätte, würde er gerade so gut verstanden worden sein und hätte seine Hörer gerade so entzückt wie 1875 in Berlin oder München.« In diesem Bändchen finden sich vier Berichte deutscher Reisender aus dem 16. Jahrhundert vereint, in denen wir verschiedene Klassen verkörpert finden. Springer ist der Vertreter des wagemutigen, gewinnlüsternen Kaufmanns, der in die Welt zieht, weil dort die kostbarsten, dem Händler den größten Vorteil versprechenden Waren zu holen sind. Staden und Schmidel stellen uns den abenteuerlustigen Jüngling dar, der dem engen Dasein in der Heimat entfliehen und in der unbekannten Ferne seinem dunklen Tatendrang genugtun will. Zugleich ist Staden auch ein Vertreter jener Reiseberichterstatter, die durch Schilderung ungewöhnlicher, in den Händen unmenschlicher Feinde erduldeter Leiden den Leser rühren. In Rauwolf endlich haben wir den gelehrten, aus Liebe zu seiner Wissenschaft die Fremde aufsuchenden Reisenden vor uns. Alle vier berichten, ihrem Zeitalter entsprechend, naiv. Sie geben einfach und schmucklos, ohne moralisierende Betrachtung und ohne die eigne Person hervortreten zu lassen, was sie geschaut haben. Alle vier machen den Eindruck unbedingter Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit. Nur in dem, was sie von Hörensagen berichten, zeigen sie sich als Kinder ihrer unkritischen und abergläubischen Zeit, und hin und wieder müssen wir ihr auf falschen Voraussetzungen beruhendes Augenmaß berichtigen. Alle vier haben bei ihren Zeitgenossen und, wie die zahlreichen Auflagen ihrer Reisebeschreibungen zeigen, auch bei den folgenden Geschlechtern Beifall gefunden. Möchten sie ihn – in vorliegender, teilweise gekürzter Form – auch bei den Lesern dieses Bändchens verdienen und finden. Balthasar Springers Meerfahrt 1505-06. Mit unermüdlicher Ausdauer und bewundernswertem Wagemut immer weiter an der afrikanischen Westküste nach Süden tastend, hatten die Portugiesen gegen Ende des 15. Jahrhunderts das »Kap der Stürme«, von dem weitschauenden König Johann II. »Kap der Hoffnung« genannt, erreicht und den Seeweg zu den vielbegehrten und mit Gold aufgewogenen Erzeugnissen Indiens gefunden. Damit verschob sich allmählich der Schwerpunkt des europäisch-morgenländischen Handels vom östlichen Mittelmeer nach dem atlantischen Gestade Europas, eine Änderung, die nur auf Kosten der bisherigen Vermittler indischer Gewürze und Kostbarkeiten, der Araber und der Venetianer, vor sich gehen konnte. Auch die großen deutschen Handelshäuser, vornehmlich die »königlichen« Kaufleute in Augsburg und Nürnberg, die an zweiter Stelle an dem Gewinn des venetianischen Handels mit Indiens Produkten teilnahmen, wurden von der Anbahnung des neuen Handelsweges betroffen und suchten diesen schnell entschlossen ihrem Vorteil dienstbar zu machen. Es ist erstaunlich, mit welchem Weitblick, welcher Entschiedenheit und Opferwilligkeit diese Kaufherren, voran die Welser, die neue Sachlage erkannten und erfaßten. Durch Verträge mit der Krone Portugals wußten sie sich Handelsvorteile zu verschaffen, wie sie kaum ein portugiesischer Untertan zugestanden erhielt. Sehr wertvoll war für sie u. a. das Vorrecht, einen eigenen Handelsmakler ( corretor ) in Lissabon zu halten; in dieser Eigenschaft waren geschickt und erfolgreich tätig um 1500 Simon Seitz und später Lukas Rem. Sie suchten aber auch unmittelbar aus der neuen Handelsstraße Gewinn zu ziehen, indem sie zu diesem Zwecke kapitalkräftige Gesellschaften gründeten und das Recht erwirkten, im Kielwasser der portugiesischen Kriegsschiffe zu Handelszwecken nach Indien zu segeln. So finden wir bereits 7 Jahre nach Vasco de Gamas Landung in Indien bei der Flotte von 14 größeren Schiffen und 6 Karavellen, die am 25. März 1505 unter dem Befehl des kühnen Almeida den Hafen von Belem bei Lissabon zur Fahrt nach Ostindien verließ, drei solcher deutschen Schiffe, den Hieronymus, den Raphael und den Leonhard. Diese Schiffe waren vertragsmäßig mit Portugiesen bemannt, doch befanden sich auf ihnen als Vertreter der deutschen Handelsgesellschaften auch zwei Deutsche, nämlich auf dem »Raphael« Hans Mayr und auf dem »Leonhard« Balthasar Springer. Gewöhnlich Balthasar Sprenger genannt. Nach Franz Schulzes trefflicher Abhandlung »Balthasar Springers Indienfahrt 1505/06«, Straßburg 1902, ist die richtige Namensform Springer. Von beiden liegen Beschreibungen der 2½ Jahre währenden Fahrt vor. Springer, von dessen Lebensumständen wir sonst weiter nichts wissen, als daß er zu Vils in Tirol geboren ist, hat seinen Bericht bereits 1509 veröffentlicht; er lautete, in lesbare Form gebracht, fast unverkürzt folgendermaßen: Die Meerfahrt und Erfahrung neuer Schiffung und Wege zu vielen unerkannten Inseln und Königreichen, von dem großmächtigen portugiesischen König Emanuel erforscht, funden, bestritten und eingenommen; auch wunderbarliche Streitordnung, Leben, Wesen, Handlung und Wunderwerke des Volks und der darinnen Wohnenden findest du in diesem Büchlein wahrhaftiglich beschrieben und abkonterfeit, wie ich, Balthasar Springer, solches selbst in kurzvergangenen Zeiten gesehen und erfahren habe. Gedruckt anno 1509. Im Namen der heiligen unteilbaren Dreifaltigkeit ... will ich, Balthasar Springer aus Vils, die wunderbarlichen neuerfundenen Lande, Königreiche, Inseln und Gegenden samt ihren inwohnenden Menschen, Tieren und wachsenden Früchten, wie ich sie zu Wasser und auf dem Lande mit andern Geschickten des großmächtigsten Königs zu Portugal und der fürtrefflichen Kaufherren, der Fugger, Welser, Hochstetter, Hirschvogel, derer im Hofe (Imhofe) und anderer ihrer Gesellschaften erstritten und mit Macht bezwungen helfen, erfahren und gesehen habe. Es war Mittwoch, 15. Januar 1505, als wir zu Antorf Antwerpen. A. d. H. uns einschifften nach Lissabon, um nach Kalikut zu segeln mit Gottes Hilfe. Und eine Meile von Lissabon bei Rostal Rastello, das heutige Belem. A. d. H. haben wir die Schiffe mit Speise, Geschütz und anderer Notdurft gerüstet und versehen bis auf den 25. Tag des März, dem Tage der Verkündung Mariä, in den Osterfeiertagen. An demselben Tage sind wir ... angesegelt gegen Indien, wohin wir bei 4000 Meilen zu fahren hatten. Und nachdem wir uns im Schiff eingerichtet hatten und hinauszufahren begannen, kam ein wunderbarlicher, grausamlicher [grauenhaft aussehender] Fisch bei Rostal aus dem hohen Meer in den Hafen – das ist die Pforte des Meeres oder der Staden, da man hereinschifft, anfährt und auslädt – der war in der Größe eines jungen Knaben von 17 Jahren, pechschwarz, und hat nur auf seinem Rücken Fischfedern [Flossen]. Er blies erschrecklich das Meer über Mannshöhe in die Luft. Und in schnellem Hinsegeln erreichten wir die Küste zu Portugal auf den 26. März. An diesem Tage erschienen der angezeigten Fische viel um unser Schiff in und bei dem Hafen und schwammen herzu. Und auf den andern Tag, den 27. März, schossen die Schiffsleute einen unbekannten, seltsamen Fisch an der spanischen Küste, den sie ein Dütschin nannten. Der war eines Mannes Länge, an Gestalt einem Schwein gleich, ungefähr vier Gulden bei uns wert, und es hat der Fisch wie ein Eber am hintern Teil seines Leibes ein groß Geschröt und vorn an seinem Mund einen Schnabel, gleich einem Vogel, doch von breiterer Form, und in seinem Maul hat er viel kleiner scharfer Zähne. Mit diesem Fisch wurden in einem Tag hundertsechsundzwanzig Menschen gespeist, und ich habe selbst davon gegessen. Vermutlich handelte es sich in beiden Fällen um eine Delphinart, den Braunfisch. A. d. H. Auf Freitag nach unserer lieben Frau Verkündungstag, den 28. März, fuhren wir in der Nacht mit unsern Schiffen zwischen zwei Inseln und liegt die eine von der andern sechzig Meilen, und fängt da das Mohrenland an, und sie heißt Kanaria und liegt 180 Meilen von Lissabon. Die andere heißt Ilamander [Ila Madeira] und liegt 150 Meilen von Lissabon und mehr als die Hälfte sind in diesen Landen und Inseln Mohren. Auf den letzten Tag des März sahen und fanden wir in der Meeresflut neun Inseln, hoch von Gebirg und weit und breit von Landen, von Kanaria nacheinander liegen. Die Kanarischen Inseln. A. d. H. In diesen Inseln verkaufen die Christen die Sklaven. Und es sind diese Inseln ein Königreich, dem König von Spanien zugehörig. Wir waren zu der Zeit 201 Meilen Weges von Lissabon bis in diese Gegenden mit Gottes Hilfe gesegelt. Auf den dritten Tag des April, das war St. Ambrosiustag, kamen wir zur Küste von Guinea. Da fuhren wir längs der Mohren oder Schwarzen Land in einer Entfernung von zwölf oder fünfzehn Meilen hin. Da sahen wir denselben Abend und den Tag darauf viel großer grausamer Walfische, einen immer länger als den andern. Auf den sechsten Tag fuhren wir zu Schiff ans Land nach dem Kap Verde; da fingen wir viel und mancherlei Fisch mit der Angel, als das Schiff im Lauf war. Auf den 7. April fuhren wir auf das Kap Ferre zu in der Mohren Land hinein und warfen unsern Anker aus, drei Meilen von einem Markt, genannt Bessaghiche. Bessaghichi, die Hauptstadt der Bissagosinseln. A. d. H. Dort wohnt der König der Mohren. Das Volk hat hohle Bäume, auf denen sie fahren, um zu fischen. Ihrer vier fuhren mit zwei solcher Schifflein zu uns und redeten gut in portugiesischer Sprache mit uns, so daß wir einander in allen Verhandlungen Frau aus Guinea, aus Balthasar Springers Meerfahrt 1509. wohl verstanden. Wir sahen auch in diesem Königreich und diesen Inseln wunderbar schamlose Menschen beiderlei Geschlechts untereinander wie die wilden Tiere; etliche bedecken allein die Scham, die anderen laufen nackend herum, ganzschwarz, wie man sie bei uns Mohren nennt. Dort hebt auch der Mohren Land an. Ihre Wohnungen und Häuser gleichen den Hütten, die bei uns zu Lande die armen Leute über die Backöfen machen; diese Häuser können die Einwohner nach ihrem Willen dahin tragen, wo sie Lust haben zu wohnen. In diesen Landen und Inseln sind überflüssig viel Vieh, klein und feist von Leibe. Es werden in dem Königreich viele Käse gemacht, und es wächst an viel Enden guter Zucker. Dazu findet man dort viel wilder Menschen und sonst mancherlei Abenteuer; insbesondere erscheint dort viel Goldes, davon der portugiesische König seine goldenen Münzen schlagen und münzen läßt, aber die Inselbewohner selbst können das Gold nicht verarbeiten. Dieses Volk gebraucht und nimmt gar kein Geld, sondern allein seltsam abenteuerliche Dinge wie Spiegel, Messingringe, lange blaue Kristallen Vielleicht die vielgenannten Aggriperlen aus Glas oder Stein, die als Schmuck und Wertgegenstand dienten. A. d. H. und dergleichen mancherlei, was ihnen seltsam ist und ihnen dahin gebracht wird. Da geben sie Ware um Ware und was sie haben und bei ihnen wächst, Stück für Stück nach ihrer Liebe und ziemlicher Achtung dieser Dinge. Der Wuchs der Bäume ist außerordentlich groß. Und erstreckt sich dieses Land der genannten Inseln tausendvierhundert Meilen. Auf den elften Tag des April sandte der König seinen Sohn zu unserm Schiff, damit er mit seinen Hofleuten und Dienern große Ehre antue, was von uns nur als Narretei und spöttisch aufgefaßt wurde. Da lagen wir acht Tage vor dem Land im Hafen mit 19 Schiffen. Auf den vierzehnten Tag des April segelten wir hinaus acht Meilen weiter. Da lag die Flotte der obersten Kapitäne, und wir fanden darunter etliche, die mit uns zu Rostal hatten ausfahren wollen, und es brach unser Rad durch den Zusammenstoß mit andern Schiffen, die wider uns fuhren, also daß wir fünfhundert Meilen allein und nicht mit der Flotte fuhren bis auf die nun folgende Zeit. Auf den 15. April segelten wir mit der ganzen Flotte aus von der Schwarzen oder Mohren Land bis auf den großen Golf, der tausendvierhundert Meilen breit ist bis zum Kap der Guten Hoffnung, und von dem Königreich Bissagos sind neun, zehn Meilen in das Land hinein. Da ist ein ander groß Königreich viel hundert Meilen lang und heißt König von Guinea und ist ein böses Land von Leuten und fauler Luft. Und als wir an das Kap Verde kamen, da liegt ein runder Fels oder Berg, der ist sehr hoch und wohnt niemand darauf. Um den Berg sind große Bäume, wohl vier Klafter dick, und haben Blätter gleich dem Nußbaum und tragen Frucht gleich den Kürbissen. Offenbar meint Springer den Boabab oder Affenbrotbaum. A. d. H. Auf dem vorgenannten Golfe segelten wir unter der Sonne und dem Mond Springer will damit wohl sagen, daß die Gestirne im Zenit standen. A. d. H. so fern dahin, daß wir den Polarstern oder den Wagen nicht mehr sehen konnten und den Südpol alsbald ins Gesicht empfingen. Auf dem Meere ist viel Wunders von Fischen und besonders sind im Golf viel kleine weiße Fische, die haben Flügel, gleicherweise wie die Fledermäuse, und fliegen in großen Haufen auf gleich andern Vögeln. Wir segelten auch so weit aufs Meer hinaus, daß wir weder Fisch noch sonst welche Geschöpfe mehr fanden, und war es wie eine Wildnis und Einöde. Danach segelten wir wieder auf das Kap der Guten Hoffnung zu, denn wir waren davongesegelt wohl tausend und vierhundert Meilen. Und als wir wiederkamen auf siebenhundert Meilen vom Kap – es war im Juni – da war es so kalt wie in unsern Ländern um Weihnachten, und im Golf kamen so große Schlagregen und Winde, unerhört und unerwartet, also daß sie wohl die Schiffe umstoßen, so man sich nicht beizeiten vorsieht. Wir fuhren weiter und kamen mit 300 Meilen nicht zum Kap, so daß wir lange nicht wußten, wo wir waren, bis daß wir passiert hatten, Doch wohl das Kap. Die Stelle ist unklar. A. d. H. und fuhren noch viel hundert Meilen, so daß wir nicht merken konnten, in welcher Gegend des Meeres oder Landes wir wären, so tief waren wir im Meere. Doch sahen wir nach langweiligem [langdauerndem] Segeln Walfische, die waren fast groß und über die Maßen lang, dazu andere Fische, die auch grauslich lang und schmal waren und segelten also vom Kap Verde wohl fünfzehn Wochen, daß wir weder Land noch Sand sahen. Von Bissagos bis zum Kap der Guten Hoffnung fängt ein ander Land an, in dem sind auch Schwarze oder Mohren, und die Einwohner dieser Lande sind ein halb wildes Volk, und wenn du zu ihnen kommst, geben sie dir wohl einen Ochsen oder ein Schaf um eine kleine Schale oder ein Messer. Es sind viel Tier und viel Vieh im selben Land, und nimmt das Volk daselbst auch kein Geld und geht alles nackt; nur die Scham bedecken sie mit hölzernen oder ledernen Scheiden und binden den jungen Knaben ihre Schwänzlein über sich. Es ist sonst ein lustig Land mit guten Wassern und wohlriechenden Kräutern und ist so gar voll Sands, daß Männer und Frauen unten auf breitem Leder beinahe wie auf großen Pantoffeln gehen. Etliche haben auch Kleider von Tierfellen um sich hängen gleicher Art, wie man in unsern Landen kurze Mäntel trägt. Viele haben auch ihre Haare mit Gummi und Pech aufgerichtet und zur Höflichkeit und Zier viele und köstliche Edelsteine darein gehängt und befestigt. Sie haben eine schnelle, seltsam wunderliche Sprache, und ist ihre Wohnung unter der Erde. Die Beschreibung weist auf die Hottentotten mit ihren seltsamen Schnalzlauten. Nach obenstehender Beschreibung sahen wir in der fünfzehnten Woche auf den 19. Juli viel ungeheuerliche Fische und über zwei Stunden darauf erspähten wir ein Land zwischen Sofala und Mosambik. Der »Leonhard« hatte das Kap in so weiter Entfernung umsegelt, daß die Mannschaft seiner nicht ansichtig wurde. A. d. H. Aber wir segelten zur Zeit noch an kein Land, sondern fuhren weiter. Da ist eine andere Insel, die liegt von da hundertfünfzig Meilen am Land hin und heißt die Hauptstadt darin Kiloa. Kiloa etwa unter 9° s. Br. in Deutsch-Ostafrika. Das ist ein Königreich der Heiden. Auf den 22. Juli faßten wir Anker vor der Stadt Kiloa, und auf den 23. des Monats fuhren wir mit allen Booten in den Hafen vor des Königs Haus und begehrten von ihm zu wissen, ob er uns Frieden oder Tribut geben wollte. Aber wir konnten keinen Frieden haben, sondern sie wollten mit uns kriegen und war kein anderes Vorgehen möglich. So fuhren wir am 24. desselben Monats mit ganzer Macht mit acht Schiffen wohl gewaffnet auf einmal ganz unerwartet morgens früh zur Stadt, schossen etliche Heiden zu Tod und plünderten gleich darauf die Stadt und fanden viel Reichtum mit Gold, Silber, Perlen, Edelgestein und kostbarlicher Kleidung und fingen denselben Tag alsbald an, ein Schloß zu bauen. Und auf den 27. Juli da war der König, sobald wir die Stadt eingenommen hatten, mit einer großen Zahl Heiden davongeflohen. Da machte der Hauptmann einen andern König mit großen Herrlichkeiten und Ehren und krönte ihn mit einer Krone, wie einem König gebührt, und gab ihm das Königreich mit allen Rechten, doch sollte er dem König von Portugal treu und hold sein und ihm mit seinem ganzen Königreich allezeit untertäniglich gehorsam sein. Auf den 4. August kam der rechte König, den wir vormals vom Land vertrieben hatten, wiederum ins Land, und als er erfuhr, daß ein anderer König erwählt und befestigt war, den er dann wohl leiden mochte und lieb hatte, denn er hatte ihn von Kind auf bei ihm gehabt und erzogen, da wollte er nicht wieder begehren, König zu werden, dem eingesetzten König auch keinen Eintrag in seiner Regierung tun, sondern er begehrte, daß aus ihm ein Herzog gemacht werde. Dies ward ihm auch von dem neuen König und allem Volk gewährt, und er wurde mit großen Ehren und Herrlichkeiten im Beisein von Fürsten und Herren zu einem Herzoge gemacht, befestigt und mit Land und Leuten wiederum begabt und eingesetzt. Und auf den 6. August schickten wir uns all wiederum zu Schiff und stießen von Land und segelten hinweg nach Mombassa. In diesem Land sind seltsam abenteuerliche Schafe, haben breite kurze Schwänze; darin tragen sie ihr Unschlitt und haben sonst in ihrem Leib gar kein Unschlitt. Die Fettschwanzschafe. Die Kühe sind klein und feist und auf dem Rücken aufrecht. Das buckelige Sangarind. Die Hirsche im Land sind wie die Ziegen und so groß wie Pferde. Auch ist viel Felds darin mit Früchten von Bohnen und Erbsen. Es wachsen auch Palmitenbaum Kokospalmen. darin, davon hat das Volk Wein, Essig, Öl, Wasser, Nuß, Honig, Zucker usw., und sie haben von diesem Baum wohl sechzehnerlei Frucht und andere wunderbarliche Dinge, die mir alle zu offenbaren verdrießlich wäre und zu lange Weile brauchte. Auf den 9. August in der Nacht hatten wir groß Angst und Sorg, daß auf uns ein ander fremd Schiff oder zwei laufen sollten; wir waren hart am Meeresgestade, weshalb die Sorge um so größer war. Es begegneten uns elf Schiffe, aber Gott der Allmächtige behütete uns und versah uns mit seiner göttlichen Gnade, daß wir von all den Schiffen ohne Schaden davonkamen. Auf den 13. des Monats kamen wir mit dreizehn Schiffen in den Hafen von Mombassa. Das Volk dieser Gegend war unser Feind. Das Land hat gar einen schönen Hafen oder Anfahrt, und auf einer Stelle des Stadens hatten sie ein unsäglich starkes Bollwerk gebaut, daraus sie uns mit Schüssen sehr leidig zusetzten, aber durch Vorsehung Christi Jesu, unseres Seligmachers, konnten sie uns nichts antun, sondern wir machten sie mit ihrer Habe aus dem Bollwerk bis zur Stadt flüchtig. Nun war eine Feste von der Stadt hinaus auf einem Felsen gebaut. Dort segelten wir sofort hin, da fanden wir nicht viel Feinde drin. Wir legten uns davor und schossen mit großem Ernst darein und vertrieben unsere Feinde. Auf den 14. August nachmittags fuhren wir an die Stadt; da schossen sie mit Bogen und Büchsen und warfen mit Steinen grauslich nach uns und verdarben uns viel Volk. Es war aber alles unnütz. Wir schossen an zwei Orten Feuer in die Stadt und verbrannten ihnen viele Häuser. Und ehe wir das taten, trieben sie zwei Elefanten vor uns hin und her trutzig zum Verdruß. Auch fanden wir drei Kameltiere in der Stadt und davor im Felde. Die Stadt war sehr stark und mit engen Gassen, die zu gewinnen nicht wohl möglich war. Aber mit Anrufung und Hilfe Gottes des Allmächtigen griffen wir unseren Feind in der Stadt mit zwei Haufen trostlich an und bestritten ihn am 15. August ernstlich mit Sturm, und als wir in die engen Straßen und Gassen der Stadt kamen, wo keiner dem andern wohl weichen mochte, drangen wir mit Gewalt unerschrocken durch. Da warfen die Mohren und Heiden so unmenschlich gegen und auf uns heraus, daß wir, wo es nicht sonderlich Gottes Wille gewesen, unmöglich in der Stadt hätten bleiben mögen. Aber durch Gottes Verhängnis und Vorsehung blieb mancher Heide tot, und von den Unsern wurden nicht mehr als zwei um ihr Leben gebracht. Wir eroberten und behielten die Stadt mit Frohlockung und Danksagung Gott des Allmächtigen. Als wir nun unsere Ordnung in der Stadt geschickt und uns bereitet hatten zu plündern, wurden wir gewahr, daß der König sich aus der Stadt getan hätte und mit unzähligem Volk der Mohren und Heiden gesammelt und sich gestärkt hätte. Da sahen wir uns mit Ernst vor, daß wir nicht übereilt und wieder aus der Stadt gedrängt würden. Wir richteten gegen sie eine Warte ein zur Übersicht über die Straßen, damit wir nicht durch die Feinde überfallen würden, und fingen an zu plündern und fanden so groß Gut, daß es mir unmöglich ist, alles zu offenbaren. Von der Zerstörung Mombassas hatte der Herrscher von Mombassa dem Sultan von Melinde, mit dem er früher in feindlichem Verhältnisse gestanden hatte, zum Zwecke eines Bündnisantrags in einem besonderen Schreiben mitgeteilt. Georg Mayr gibt den Inhalt dieses Schreibens (vgl. Kunstmann, Die Fahrt der ersten Deutschen nach dem portugiesischen Indien, München 1861) folgendermaßen an: »Gott erhalte dich Syd Ala (Ali), Ich mache dir zu wissen, daß ein großer Herr mit Feuersverheerung gekommen ist. Unsere Stadt hat er mit solcher Macht und Grausamkeit betreten, daß er niemand das Leben schenkte, weder Mann noch Weib, jung noch alt, selbst den Kindern nicht, so klein sie auch waren. Seiner Wut konnte man nur durch die Flucht entgehen. Man tötete und verbrannte nicht nur die Menschen, selbst die Vögel des Himmels wurden zu Boden geworfen. Der Gestank der Leichen ist so groß in der Stadt, daß ich es nicht wage, sie zu betreten. Auch von der überaus reichen Beute, welche sie aus der Stadt wegnahmen, kann ich keine bestimmte Nachricht geben. Genehmige die Mitteilung dieser traurigen Neuigkeiten, um dich in Sicherheit zu setzen.« Auf den 18. August rüsteten wir uns wieder, Hinwegzusegeln gegen ein Königreich, heißt Melinde, und als wir aus dem Hafen dahin segeln wollten, da kam das Schiff, darin ich fuhr, der Leonhard genannt, in große Not und durch das Ungestüm des Windes wurden wir an das Land geworfen mit solcher Wucht, daß wir das Ruder verloren, unser Schiff auf dem Grund stehen blieb und der Mast beschädigt wurde, daß keine andere Hilfe blieb als Gottes Beistand und Gnade. Und wir wurden von den andern Schiffen, die wir bei uns hatten, zur Herberg aufgenommen und behalten. Aber morgens früh trieb uns die Meeresströmung wiederum vor die Stadt. Das geschah auf den 19. August, und fingen alsbald die Zimmerleute an und machten uns ein anderes Ruder. Das war bereit auf den 22. August. Danach wandten wir das Schiff mit großer schwerer Arbeit aus dem Hafen in das Meer, und auf den 23. August gingen wir mit fünf Schiffen unter Segel. Und der Schiffe waren elf, als wir die Stadt gewannen. Von diesen kamen zuerst zehn, und das elfte blieb eine Tagereise hinter uns in großer Not, wie vorher geschildert; dieses Schiff hieß Raphael. Den deutschen Kaufleuten gehörten drei Schiffe; das erste hieß Sankt Hieronymus, das andere Sankt Raphael und das dritte Sankt Leonhard. Diese drei Schiffe waren in allen Fährten und Streiten. Zum ersten hatte König Emanuel von Portugal nicht mehr als drei Schiffe, die sein eigen waren; für die andern waren die Kaufleute aus Lombardia Schiffherren. Es sind von Kiloa bis Mombassa siebzig Meilen und von Mombassa sind fünfundzwanzig Meilen zu einer andern Stadt, heißt Melinde. Dies ist ein eigenes Königreich, und der König war unser günstiger Freund und hatte allezeit Krieg und Feindschaft gegen den König von Mombassa. Er tat unserm Volk große Ehre an. Sein Hauptmann segelte uns mit fünf Schiffen wohl fünf Meilen entgegen, da wir der Zeit nicht nach Melinda kamen. Der König war ganz wohl zufrieden, daß wir die vorgemeldete Stadt also geplündert, geschleift und verbrannt hätten; denn nach dem Plündern verbrannten wir, was vorher nicht verbrannt worden war, außer den gemauerten gewölbten Häusern, die so stark und wohl versorgt waren, daß wir sie nicht verbrennen mochten. Auf den 23. August segelten wir weiter, es war am Abend des Tages Sankt Bartholomäi, und am nächsten Morgen kam ein anderes Schiff ungestüm gegen und auf uns hergelaufen, auf daß große Sorge war, wir würden verderben. Dazu brach ein Flügel von einem Anker ab, ehe wir voneinanderkamen. Als wir das ersahen, segelten wir lange am Lande hin und her. Auf den 27. August gingen wir unter Segel, um über den großen Golf von Mekka Den Indisch-Arabischen Meerbusen. mit 14 Schiffen zu fahren, und sind 300 Meilen von Melinde bis nach Indien, und fuhren danach auf dem Golf bis auf den 12. September. Da ersahen wir wieder Land und ist daselbst die Gegend von Indien ein Königreich, genannt Kananor. Auf den 13. September huben wir unsere Anker wieder und segelten zu einem Eiland, genannt Andschediva. Die menschenleere, jetzt ganz bedeutungslose kleine Gruppe der Andschediven. A. d. H. Da lagen wir 28 Tage. Da war ein schöner Hafen, und als wir dahinkamen, wohnte niemand auf dem Eiland. Wir bauten dort ein Schloß und besetzten das Land mit Leuten, denn es ist in ganz Indien kein Hafen, wo man sich vor Sturm behüten kann. Und wenn es in unserm Lande Winter ist, so ist es Sommer in Indien. Wir bauten auch auf dem Eiland eine Galere. Von dem Eiland nicht fern lagen starke Städte und Königreiche; dazu auf dem Gebirg starke Schlösser. Und ehe wir auf dem Golf des Meeres drei Tagereisen dem Lande zugesegelt waren, da fuhren im Meere viel Karpfen Jedenfalls andere Seefische. A. d. H. und Schlangen an den Schiffen hin und her. In dieser Gegend ist ein Königreich und heißt der König von Onor, und in der Zeit, als wir also dalagen, kam ein Schiff mit viel Mohren und ziemlicher Zahl Rosse aus dem Meere mit Sturm in den Hafen; dem fuhren wir mit etlichen Booten und Büchsen entgegen mit dem Vorhaben, ihnen zuvorzukommen, daß sie das Land nicht erreichten und, von dem Wind geängstigt, an einen Felsen trieben, und Leute und Pferde, so darin wären, sich schwimmend retten müßten und jeder für sich seinen Vorteil suchte, um, so gut er könnte, ins Gebirge oder auf Felsen zu fliehen. Das Schiff zerstieß sich auch ganz und gar zu Stücken. Dies geschah alles in dem obengemeldeten Königreich, und das Volk des Königs und Landes behielten die verunglückten Menschen und Pferde nach ihrer Gewohnheit bei Schiffbrüchen, also daß wir selbst keinen Teil daran haben konnten. Auf den 14. Oktober gingen wir wiederum unter Segel – es sind von Andschediva bis Onor 15 Meilen – und kamen auf den Abend des Lukastages 18. Oktober. A. d. H. hin, und sandte der Hauptmann zu dem König und ließ die Pferde fordern. Ihm antwortet der König, ihm wäre nichts davon bekannt. Und wollten wir zufrieden sein, so wollte er uns Speise und was er in seinem Land hätte, verkaufen, mitteilen und gut Freund mit uns sein. So uns aber das mißfiele und wir es nicht annehmen wollten, so wollte er unser und des Glücks warten; und er sammelt alsbald beieinander 8000 Mann zum Streiten. Auf den 18. Oktober kamen wir mit 18 Booten – das waren 800 Mann – bei Anbruch des Tages zur Stadt des Königs. Da sahen wir ein Land, darauf eine große Schar Volks, also daß der Haufen nicht zu zählen war, und standen alle in weißen Hemden ohne Wehr und wollten unseres Hauptmanns Willen gar nicht vollbringen. Der Hauptmann hieß uns unter sie schießen. Und sobald wir das Geschütz ausgehen ließen, stoben sie alle schnell hinweg. Kurz darauf erschienen sie wieder, um in großer Menge an derselben Stelle zum Streit gerüstet, mit schönen Schildern und Schwerten nach ihrer Landessitte gewappnet. Sie hatten auch in derselben Gegend am Gestade des Meeres viel köstlicher Schiffe. Wir warfen in ihre Häuser und Schiffe erschrecklich und ernstlich Feuer und begaben uns wiederum in unsere Boote und schossen unter sie. Aber auf dem Lande hatten wir nicht viel mit ihnen zu tun; sie achteten auch nicht sehr auf unser Schießen und standen keck gegen uns, also daß wir nicht viel Raubs von ihnen brachten. Wir begaben uns wieder zu Schiff und segelten auf denselben Tag wiederum längs des Landes nach Kananor zu. Und auf den 22. Oktober kamen wir in eine Gegend; da fanden wir große Schätze und Handel von Perlen, Edelgestein, Ingwer und Zimt. Der König des Landes kam zu unserm Hauptmann und erwies ihm alle Freundschaft, verordnete und setzte ihn auch nach seinem Tode an seiner Statt zu einem König. Auf den 27. fuhren wir gegen Kotschin zu und auf den 28. Oktober – es war Simonis und Judä – segelten wir in derselben Nacht vor Kalkan [?] hin, und auf den 29. Oktober am Morgen folgten uns vier Schiffe voll, Sambuken Sambuken hießen die Fahrzeuge der dortigen Eingeborenen. A. d. H. von Kalikut. Auf den 30. Oktober warfen wir unsere Anker vor Kotschin eine Meile vom Lande. Auf den 2. November fingen wir an, Pfeffer mit vier Schiffen zu laden, nämlich Leonhard, Raphael und India, India. Das vierte Schiff war die Conception, A. d. H. und nach Ladung dreier Schiffe segelten sie hin gen Kananor, wo wir mit dem Leonhard liegen blieben. Zur selben Zeit kam der König von Kotschin zu unserem Hauptmann heraus, und dieser gab ihm eine goldene Krone, die ihm der König von Portugal gesandt hatte. Wir lagen alle geladen bis auf den 20. Tag genannten Monats, und auf den Christabend kamen wir gen Kananor und blieben da liegen bis auf St. Stephanstag. 26. Dezember. A. d. H. Da wurden wir genötigt, daß wir in zwei andere Schiffe ausladen mußten, in den Raphael und in die Conception. Diese zwei Schiffe nahmen uns mehr denn 2600 Zentner Pfeffers. Da blieben wir liegen, bis die Flut zu uns käme, mit fünf Schiffen bis auf den 2. Januar. Da segelten sie im Namen Gottes gegen Portugal, und blieben wir allein vor Kananor liegen und unternahmen, andern Pfeffer und Spezerei zu laden, bis noch zwei Schiff zu uns kamen, die in Kotschin geladen hatten und mit uns gen Lissabon segeln sollten. Auf den 21. Januar segelten wir im Namen der heiligen Dreifaltigkeit nach Portugal längs dem Lande hin bis Andschediva, und dazwischen ist ein Königreich, Batakalla, Badagara? A. d. H. das war uns feind. Auf den 5. Februar segelten wir unter der Sonne hin im Golf von Mekka bis auf den 8. März. Da fanden wir Land und heißt die Insel Fastnacht. Vielleicht eine der Admiranten. A. d. H. Bei dieser Insel waren wir einhundertvierzig Meilen vom festen Land, und vierzig Meilen von derselben Insel liegt eine andere Insel, Sankt Christoph. Eine der Komoren. A. d. H. Da wächst Ingwer draus und ist sonst ein fruchtbar gut Land und ist viel Fleisch und andere Speise in derselben Insel; sie liegt hundert Meilen vom festen Land. Wir sahen das Eiland auf den 11. März. Da lagen wir zwei Tage und eine Nacht, ohne an die Insel kommen zu können, denn es kam ein ungestümer Wind, der warf uns nach dem festen Lande zu. Auf den 14. März sahen wir festes Land 60 Meilen von Mosambik. Da fuhren wir längs dem Lande hin bis auf den 19. März. Da faßten wir Anker vor der Stadt Mosambik und machten unser Schiff rein und luden Wasser und Holz und lagen da bis auf den 14. April und schieden an diesem Tag von Mosambik nach dem Kap der Guten Hoffnung zu. Aber ehe wir zur Insel Mosambik gekommen waren, da fuhr die »Magdalene« fest, daß sie alle meinten, sie sollten dort nicht mehr abkommen. Und als wir in dem Hafen waren, da lud man die ganze Spezerei aus und setzte die Magdalene aufs Trockene und machte sie wieder ganz, denn sie hatte ein Leck bekommen. Wir fanden auch daselbst Speise genug, Hühner, Ziegen, Fische usw. Da versahen wir alle unsere Schiffe. Danach segelten wir in Gottes Namen nach dem Kap der Guten Hoffnung und waren bald am Lande, bald auf hoher See und litten die Zeit viel Sturm und große Not. So war auch auf den 19. Mai großer Sturm; wir wurden von Winden in das Meer getrieben bis Abend zur Vesperzeit. Da schlug es mit großer Wucht über das Vorderkastell und brach das Vorderkastell und das große Segel entzwei. Und das Meer drang so in das Schiff, daß ein Mann bis an die Achseln im Wasser stand, auch war das Schiff auf der linken Seite ganz unter Wasser, also daß keine Hilfe da war anders als von Gott, den wir inniglich anriefen, uns zu Trost und zu Hilfe zu kommen, was auch geschah. Doch blieb das Schiff so lange, als einer ein Paternoster beten konnte, unter Wasser, daß es sich nicht herausschwingen konnte. Sie brachten aber doch mit Gottes Hilfe das Vorderteil herauf, daß es vor dem Wind lief und das ganze Schiff wieder herauskam. Und das Volk arbeitete und schüttete das Wasser aus mit zwei Pumpen Tag und Nacht ohne Unterlaß. Uns brach auch noch eine Pfefferkammer auf, also daß wir noch größer Not hatten, da wir nicht wohl zum Wasser kommen konnten. Da war großer kläglicher Jammer, erschrecklich zu sagen und hören, denn das Schiff und wir waren ganz verloren. Aber die Königin aller Barmherzigkeit und der heilige Sankt Jakob taten an uns groß Wunderzeichen. Wir wurden auch von großer schwerer Arbeit, die wir mit Ausschöpfen des Wassers mit den Pumpen taten, so geschwächt, daß man uns laben mußte mit Wein und Brot, wodurch wir uns wieder erholten. Auf den 20. Mai setzten wir wieder unser Segel und bereiteten uns, weiterzufahren. Auf den 21. Mai fingen wir abermals an zu segeln und fuhren bis Mittag; da fanden wir die zwei Schiffe wieder im Sturm vor uns laufen und segelten fort auf 125 Meilen nach dem Kap zu, und auf dem Weg ging uns der Wind unter die Augen, daß wir nicht weiter kommen mochten. Dort fand sich eine Bucht, da lagen wir bis auf den 26. Mai und verloren daselbst zwei Anker. Aber auf den 24. Mai ging uns Wein und Speise ab, daß wir nicht mehr als Wasser und Brot im Schiff hatten. Auf den 1. Juni gingen wir zu Segel mit zwei Schiffen dem Kap zu, denn der oberste Hauptmann ließ auch zwei Anker, so daß er ins hohe Meer gehen mußte, und jetzt fanden wir ihn wieder. Nun war der Wind wieder so groß, daß wir wieder auf Gebot des Hauptmanns auf unsere Spur zurückkommen mußten nach Mosambik zu. Auf den 2. Juni hielten wir mit dem gemeinen Volk einen Rat, und war unser Vorhaben und Anschlag, daß wir wieder wenden und nach Portugal fahren wollten und nicht gen Mosambik. Aber der Wind war so groß und ungestüm im Meer, daß wir dahin bis auf den 3. Juni laufen lassen mußten, und auf denselben Tag gebot der oberste Hauptmann abermals unserem Hauptmann, Meister und Piloten auf Leib und Gut, sie sollten nicht anders von ihm segeln als nach Mosambik, wo der Inseln fünf beieinanderliegen. Also segelten wir mit ihm bis auf den 8. Juni. Da rief das Volk und der Faktor einstimmig unserm Hauptmann zu: Misericordi, Misericordi! und baten ihn um Gottes willen, daß er umwenden sollte nach Portugal zu, da es not täte. Es war auch keine Speise mehr im Schiff außer Brot für drei Monate und gar kein Trost und Zuversicht des Lebens. Denn wären wir nach Mosambik gekommen, so wären wir alle Hungers gestorben, auch Schiff und Gut verloren gewesen. Also auf denselben Tag, als die Sonne niederging, segelten wir wiederum vor der Bucht, wo wir die Anker ließen, und in der Nacht kam uns abermals der Wind unter die Augen, daß wir in dieselbe Bucht wiederum fahren mußten. Wir kamen dahin auf den 11. Juni und machten eine Prozession im Schiff, und heißt die Bucht Bai de Roque. Auf den 13. Juni gingen wir wieder zu Segel und kamen auf den 15. Juni an eine andere Bucht, die heißt Bai de Allago; Delagoabai; nach Schulze jedoch die Algoabai. dort fingen wir viel Fisch. Und den 16. Juni gingen wir wieder zu Segel und danach auf den 18. kam uns der Wind wiederum unter die Augen, so daß wir abermals in dieselbe Bucht laufen mußten. Auf den 20. Juni setzten wir da die Boote aus, Wasser zu suchen. Da fanden wir Wassers genug, Ochsen, Kühe und Schafe, und verkauften uns die Mohren genug um ein wenig altes Eisen und wollten sonst nichts anderes haben. Dort versahen wir unsere Schiffe mit großer Menge Fleisch und Wassers. Auf den 26. kam wieder guter Wind. Da gingen wir zu Segel und taten unser Boot mit Wasser in unser Schiss und segelten mit Glück bis auf den ersten Juli. Da kamen wir nach Ugwado Sambraß. Die Bucht von S. Braz, die Mosselbai. A. d. H. Auf den andern Tag gingen wir wiederum zu Segel nach dem Kap zu. Da waren wir fünfzig Meilen von dannen und hatten guten, glückseligen Wind. Auf den 6. Juli morgens, da sahen wir das Kap der Guten Hoffnung und segelten denselben Tag, daß wir es im Gesicht behielten. Doch war der Wind dieselbige Nacht und Tag nicht so gut, daß wir es dublieren möchten. Auf den 8. fuhren wir bei dem Kap vorbei im Namen Gottes in den großen Golf von Guinea und ist von da 1400 Meilen oder, wie etliche sagen, 1300 Meilen bis zu den Bissagosinseln. Es ist auch um das Kap etliche hundert Meilen in dieser Zeit so kalt, wie in unsern Landen um Weihnachten; die Tage sind kurz und die Nächte lang und ist der Winter in diesen Zeiten am allerhärtesten, wo in unserem Lande die beste Sommerszeit ist ... Auf den 21. Juli sahen wir Land, und eine Insel ist wohl 1700 Meilen vom Kap der Guten Hoffnung, sie heißt Sankt Helena. Von derselben Zeit segelten wir bis auf den 15. August. Da sahen wir wieder Land, und sind daselbst neun Länder beieinander, Die Kapverdischen Inseln. A. d. H. deren Namen mir eigentlich unbekannt sind. Und heißt eine Insel daselbst Sankt Jakob und zwei andere Isle de May und Isle de Fuga.« S. Thiago, Maio und Fogo. A. d. H. Und ehe wir von der Insel Sankt Helena kamen, da liegt eine andere Insel wohl 200 Meilen weit, die heißt Ascension, und von den drei Inseln ist es 500 Meilen von Lissabon. Wir setzten unsere Anker vor Sankt Jakob und nahmen daselbst wieder Wasser, Fleisch und Holz, denn uns war wieder die Speise abgegangen, also daß wir nicht lange ohne Land bleiben konnten. Wir fanden auch daselbst viel Frucht und lagen da bis aus den 23. August ... Es wächst auch auf dieser Insel viel Baumwolle. Und auf der Isle de May da werden die Siechen wieder gesund, wenn sie zwei oder drei Jahre darauf sind, oder sterben; und welche also gesund werden, die ziehen hernach wiederum, wohin sie wollen, und bleiben hinfür gesund ... Auf den 8. September waren wir von den Inseln 60 Meilen. Da kam ein Sturmwind und trieb uns wieder hinter uns auf die Inseln, und hatten wir nicht mehr Brot im Schiff, man gab unser einem täglich nicht mehr als 6 Unzen [180 Gramm] Brot zu essen. Wir wurden im Schiff zu Rat, daß wir wiederum nach der Insel Sankt Jakob laufen wollten, und kamen auf den 13. September dahin und kauften Reis und Fleisch in die Schiffe und nahmen Wasser. Am 20. September gingen wir wieder zu Segel nach Portugal, und bald darnach wurde etliche Tage viel Volks krank und für und für je länger je mehr. Auf den 1. Oktober waren 20 Mann im Schiff krank und starben in der Zeit hin 123 Personen. Da segelten wir bis auf den 21. Oktober; da sahen wir die Insel Madeira. Auf den 22. Oktober setzten wir Anker aus und lagen da bis auf den 3. November. Da gingen wir wieder zu Segel nach Portugal und speisten vorher unser Schiff mit Wein und Brot ziemlicher Weise. Auf den 12. November sahen wir wiederum Land, das war Kap San Vincente und waren wir der Zeit von Lissabon 35 Meilen. Da segelten wir am Land entlang hin bis auf den 15. November und setzten Anker vor der Stadt Lissabon und hatten damit diese Reise im Namen Gottes vollbracht und geendet; dem sei Ehre und Glorie immer und ewiglich. Amen. Springer ergänzt seinen Reisebericht noch durch folgende mehr systematische Bemerkungen über die neuen von ihm erkundeten Lande: In Sofala ist das Volk reich an Gold und nimmt auch kein Geld in demselbigen Land, sondern geben sie ihre Ware und Gut um gemalte Decken. Aus diesem arabischen Springer nennt die mit arabischen Siedelungen besetzte ostafrikanische Küste Arabien. Land ist der heiligen drei König einer geboren. Mombassa liegt hinter Mosambik und nach Kiloa wohl 50 Meilen und ist ein Königreich mit einer schön gebauten mächtigen Hauptstadt. Und danach liegt ein anderes Königreich 24 Meilen weit, Melinde genannt. Von Melinde über den Golf von Mekka hinüber ist es in der Breite 700 Meilen bis zu den Andschediven. Dabei liegt eine andre Insel und ein Königreich, heißt Onor, und hebt daselbst Indien an. In dieser Gegend liegen viel andere Königreiche, deren Namen mir unkundig sind. Von dieser Insel ist es 50 Meilen nach Kananor. Und in demselben Land sind hinten große Berge, darauf und darum Pfeffer und noch andere Spezerei wächst, und vorn dem Meere zu ist es ein schönes Land, mit Palmitenbäumen wohl geziert. Und liegt Kalikut zwölf Meilen von da, und dazwischen liegt eine große Stadt, genannt Banranym, Banderana. A. d. H. und fünf Meilen von Kalikut liegt ein Staat Kanor. Kotschin ist ein groß Königreich, davon einer der heiligen drei Könige gewesen ist, und wenn du in demselben Land bist, so gehst du unter den Palmitenbäumen und ist ein reich Königreich an Spezerei. Der Pfeffer wächst gleich der Weintraube und ist schön grün. Denn so pflücken sie ihn ab und dörren ihn auf einem Tuch an der Sonne. Er wird zeitig um Sankt Martinstag oder Weihnachten, denn um die selbige Zeit ist es in den Landen am heißesten und gleich dem hohen Sommer geachtet. Das Königreich Kalkalon liegt zwischen Kotschin und Kollam, nämlich fünf Meilen von letztrem. Es ist ein reich Land von Edelgestein und Spezerei. Frauen und Männer der Gegend haben lange schwarze Haare und gehen nackend, außer daß sie die Scham mit Tüchern decken. Es gibt dort Leute von viererlei Geschlecht, nämlich Naïren, das sind Edelleute, Mugua, Bauern und Bramen Braminen? A. d. H. sind die Heiden. Diese haben den ganzen Kaufmannschatz in der Hand. Auch wohnen unter ihnen Juden. Sie besitzen streitbare Waffen, ein Teil Handbogen, die andern runde Schilde und bloße Schwerter, zum Teil spitz, zum Teil vorn rund; etliche tragen Spießlein und gehen alle nackend zum Streit. Die Kaufleute von demselben Land haben alle weiße Hemden an und weiße Tücher um den Kopf gewickelt. In diesem Lande sind auch viel Türken, Araber. A. d. H. die ihre Kaufmannschaft zu Kananor treiben und haben in Indien viel Schiff; damit treiben sie ihre Gewerb nach Mekka und Kambeyen [?], auch nach anderen vorgemeldeten Landen und Inseln. Und wann der König von Kotschin will in einem kleinen Schiff spazierenfahren, so sitzen seine Edelleute vorn und hinten im Schiff mit ihren Waffen und der König auf einer Bank unter ihnen mit verschränkten Füßen, und steht allweg einer vor ihm und hält ein rund Gedeck über ihm, daß er ihm Schatten macht, daß ihn die Sonne nicht brennt, und geht allweg einer an seiner Hand. Und so er spazieren will, so folgt ihm vor und nach sein Hofgesinde und Volk mit ihren Wappen und Waffen, Saiten- und andern Freudenspielen, Drommeten, Bogen, Hörnern, Schalmeien usw. mit großer Zahl und Frohlockung. Malakka ist ein Königreich und liegt etliche hundert Meilen hinter Kollam. Und kommen aus diesem Lande Gewürznelken und Muskaten, denn dieses Gewürz wächst in Indien nicht. Der obgenannte König von Portugal hat suchen und erfahren lassen, ob nach diesen Landen mehr einwohnende Menschen sich halten; was aber erfunden und ihm davon offenbart ist, ist mir ganz unwissend und verborgen. Ebenso hinter Kananor, Kalikut und Kotschin ist einer von den heiligen drei Königen. Und nach Kollam kommt ein großmächtiges Königreich, das heißt Arsinien. Wahrscheinlich ist das dort liegende Reich Narsinga gemeint; allerdings sind die hier gemachten, aus Hörensagen beruhenden Mitteilungen Springers, der, soweit er selbst Geschautes berichtet, zuverlässig ist, ganz unkritisch und haltlos. A. d. H. Und hat der König dort zwölf Könige täglich zu Hofe reitend, je einer reicher als der andere. Es liegt auch Sankt Thomas im selben Land begraben. Und von diesen Königreichen ist eins Persien genannt. Da hat auch einer der heiligen drei Könige darin gewohnt. Und ist ein edel Volk und beten Christum unsern Erlöser an. Derselbe König führt auch groß Krieg um Christi Glaubens willen wider die Ungläubigen und Heiden. Malakka ist festes Land; dabei liegen zwei Inseln; da kommen Nägelein [Gewürznelken] und Nüsse [Muskatnüsse] her. Die eine Insel heißt Banda; darauf wachsen Nägelein und keine andere Spezerei, die andere Naguari, und wächst dort nichts als roter und weißer Sandel [Sandelholz] darin. Die Meerfahrt Balthasar Springers, in einem geoffenbart, hat hier ihr End erlangt. Im Jahr nach Christi Geburt 1509. Nach den Originalbildern aus »Warhafftig historia« von Hans Staden 1556. (Beispiel bildlicher ethnographischer Darstellungen aus dem 16. Jahrhundert.) Hans Stadens wahrhaftige Historia. 1547-1555. Der Strom europäischer Händler, Siedler, Abenteurer und Glückssucher, der sich, immer mächtiger anschwellend, nach der Entdeckung Amerikas in die lockenden Gefilde der schätzereichen und geheimnisvollen Neuen Welt ergoß, hatte seine Hauptquellen in den Gestadeländern des Atlantischen Ozeans. Nebst Spanien und Portugal, die ihre Hand als Herrscher auf die neuen Länder legten, war es das mächtig aufstrebende Frankreich, das sich an der Ausbeutung des neuen Handelsgebietes beteiligte. Aber auch Deutschland stand nicht ganz zurück. Dasselbe tatkräftige Bürgertum, das sich, wie aus Balthasar Springers Meerfahrt ersichtlich, trotz der Ungunst der politischen Verhältnisse den neuen Seeweg nach Ostindien zunutzezumachen verstand, strebte nicht minder energisch nach einem Anteil an dem Handelsgewinn der Neuen Welt, ein Streben, von dem die gebietende Stellung, die das Kaufmannshaus der Welser in Venezuela gewann und behauptete, ein glänzendes Zeugnis gibt. Daneben ergoß sich aber noch vielfach der Unternehmungsdrang und die Wanderlust des Einzelnen, woran es in Deutschland niemals gefehlt hat, mit Vorliebe in die Länder, die mit ihren fabelhaften Schätzen und Wundern jenseits der Atlantis winkten. Die folgenden beiden Reiseberichte, Hans Stadens , der 1547-48 und 1549-55 in Brasilien weilte, und Ulrich Schmidels , der 1554, von Wanderlust getrieben, nach den Laplataländern fuhr und dort fast 18 Jahre zubrachte, geben uns anschauliche und fesselnde Schilderungen von den damaligen Zuständen Südamerikas und von der Art der europäischen Besiedelung. Hans Staden veröffentlichte seinen Reisebericht ein Jahr nach seiner Rückkehr nach Deutschland unter dem Titel: Wahrhaftig Historia und Beschreibung einer Landschaft der wilden, nacketen, grimmigen Menschenfresserleuten, in der neuen Welt Amerika gelegen, vor und nach Christi Geburt im Land zu Hessen unbekannt bis auf diese zwei nächstvergangene Jahr, da sie Hans Staden von Homberg aus Hessen durch sein eigne Erfahrung erkannt und jetzund durch den Druck an Tag gibt. Dediziert dem durchlauchtigen hochgeborenen Herrn, H. Philippson Landgraf zu Hessen ... Mit einer Vorrede D. Joh. Dryandri, genannt Eychmann, Ordinari Prosessoris Medici zu Marburg. Inhalt des Büchleins folgt nach den Vorreden. Frankfurt am Main durch Weygandt Han. 1556. Kapitel 1. Ich, Hans Staden von Homberg in Hessen, nahm mir vor, wenns Gott gefällig wäre, Indien zu besehen, zog in der Absicht von Bremen nach Holland und kam bei Campen zu Schiffen, die in Portugal Salz laden sollten. Da fuhr ich mit hin, und wir kamen den 29. April des Jahres 1547 an bei einer Stadt, genannt S. Tubal; Setubal, südlich von Lissabon. A. d. H. es waren vier Wochen auf dem Wasser dahin zu fahren. Von dort zog ich nach Lissabon, das fünf Meilen von S. Tubal ist. Zu Lissabon kam ich in eine Herberge; der Wirt hieß der junge Lauhr und war ein Deutscher, bei dem lag ich eine Zeit lang. Dem Wirte sagte ich, ich wäre aus meinem Vaterland gezogen, um nach Indien zu segeln. Da sagte er, ich wäre zu spät gekommen, des Königs Schiffe, so nach Indien führen, wären schon fort. Ich bat ihn, dieweil ich die Reise versäumt hätte, möchte er mir zu einer andern verhelfen, weil er die Sprache könnte, ich wollte wieder in seinem Dienste sein. Er brachte mich in ein Schiff als Büchsenschützen. Der Kapitän in dem Schiff hieß Pintado, der wollte nach Brasilien fahren auf Kaufmannschaft. Er hatte auch die Erlaubnis, die Schiffe aufzugreifen, die in der Berberei mit den weißen Mohren Handel trieben. Auch die französischen Schiffe, die er in Brasilien mit den Wilden im Tauschverkehr anträfe, sollten ihm preisgegeben sein. Auch sollte er für den König einige Gefangene dort ins Land führen, da die Leute Strafe verdient hätten. Doch schonte man sie, um mit ihnen die neuen Lande zu besiedeln. Unser Schiff war wohlgerüstet mit aller Kriegsrüstung, die man zu Wasser braucht. Unser waren drei Deutsche in dem Schiff, Hans von Bruchhausen, Heinrich Brant von Bremen und ich. Kapitel 2. Beschreibung meiner ersten Schiffahrt von Lissabon aus Portugal. Wir segelten von Lissabon mit noch einem kleinen Schifflein, das auch unserm Hauptmann gehörte, und kamen zuerst zu einer Insel namens Madeira, die dem König von Portugal gehört und von Portugiesen bewohnt wird. Ist fruchtbar von Wein und Zucker. Daselbst, bei einer Stadt namens Funchal, nahmen wir mehr Lebensmittel ins Schiff ... Von Madeira unternahmen die Seefahrer zuerst einen Kaperzug nach »Barbariam«, dem Land der »weißen Mohren«, d. h. zur marokkanischen Küste, wo sie ein Schiff überraschten und zur Beute gewannen, das mit den »Unchristen kaufschlagte«. Sie schlugen auch mit Hilfe ihres Geschützes die Berber zurück und segelten mit ihrer Beute, »welche war Zucker, Mandeln, Datteln, Bockshäute, Gummi Arabikum«, nach Madeira. Hierauf wollten sie einen zweiten Beutezug nach Marokko unternehmen. Aber unser Vornehmen war umsonst, und der Wind wurde uns entgegen. Die Nacht vor Allerheiligen Tag fuhren wir von Barbaria mit einem großen Sturmwind nach Brasilien. Als wir nun 400 Meilen von Barbaria weg ins Meer gesegelt waren, kamen viele Fische um das Schiff; die fingen wir mit Angelhaken. Etliche davon nannten die Schiffsleute Albakore, die waren groß, etliche Bonite, die waren kleiner, und etliche Durado. Albacora oder Albicore und Bonite sind Thunfischarten; unter Durado ist vielleicht die Dorade (Goldmakrele) zu verstehen. A. d. H. Auch waren viel Fische da, so groß wie Heringe, hatten auf beiden Seiten Fittige wie eine Fledermaus; diese wurden sehr verfolgt von den großen. Wenn sie die hinter sich vermerkten, erhoben sie sich aus dem Wasser in großen Haufen, flogen ungefähr zwei Klaftern hoch über dem Wasser und fielen wiederum ins Meer. Wir fanden sie oft des Morgens im Schiff liegen, waren nachts im Flug darein gefallen. Danach kamen wir in die Höhe der Äquinoktiallinie. Daselbst war große Hitze, denn die Sonne stand recht über uns, wenn es Mittag war; es war gar kein Wind etliche Tage; in der Nacht kamen oftmals große Donnerwetter mit Regen und Wind; sie erhoben sich bald, vergingen auch bald, und wir mußten fleißig wachen, daß sie uns nicht überholten, wenn wir unter Segel waren. Als aber wiederum Wind kam, der Sturm wehte, etliche Tage währte und uns entgegen war, vermuteten wir, wenn er lange dauerte, wir würden Hungersnot leiden. Da riefen wir Gott an um guten Wind. Da begab es sich eine Nacht, daß wir einen großen Sturm hatten, waren in großer Mühe; da erschienen uns viel blaue Lichter in dem Schiff, die ich noch nicht gesehen hatte. Als die Wogen vorn ins Schiff schlugen, vergingen die Lichter auch. Die Portugiesen sagten, daß die Lichter ein Zeichen guten zukünftigen Wetters wären, von Gott gesandt, in Nöten zu trösten, und taten Gott eine Danksagung dafür mit gemeinsamem Gebet. Danach verschwanden sie wieder. Und diese Lichter heißen Santelmo Die bekannte elektrische Erscheinung des Elmsfeuers. A. d. H. ... Wir segelten hin durch das Meer mit gutem Winde und bekamen am 18. Januar ein Stück Land zu Gesicht, das Kap Sankt Augustin genannt. Acht Meilen davon kamen wir zum Hafen Brannenbucke. Pernambuco. A. d. H. Und wir waren 84 Tage im Meer, ehe wir das Land sahen. Dort hatten die Portugiesen einen Flecken aufgerichtet, Marin genannt. Der Hauptmann des Fleckens hieß Ortokoslio: dem überlieferten wir die Gefangenen, luden auch etliche Güter ab, die sie da behielten. Wir richteten unsere Sache im Hafen aus und wollten weitersegeln, da wir zu laden beabsichtigten. Kapitel 3. Wie die Wilden des Ortes Pernambuco aufrührerisch geworden waren und einen Flecken der Portugiesen vertilgen wollten. Da begab es sich, daß die Wilden des Ortes gegen die Portugiesen aufrührerisch geworden waren. So wurden wir von dem Hauptmann des Landes gebeten, um Gottes willen, wir möchten im Flecken Garasu, fünf Meilen von Marin, den die Wilden einnehmen wollten, eintreten, denn die Einwohner von Marin konnten nicht helfen, weil sie selbst einen Angriff fürchteten. So kamen wir denen von Garasu mit vierzig Mann unseres Schiffes zu Hilfe, indem wir in einem kleinen Schiffe hinfuhren. Der Flecken liegt auf einem Meeresstrome, der sich zwei Meilen landwärts erstreckt. Es mochten von uns Christen 90 zur Wehr sein, daneben 30 Mohren und brasilianische Sklaven, die Eigentum der Einwohner waren. Die belagernden Wilden wurden auf 8000 geschätzt. Zum Schutze hatten wir nur einen Zaun von Knütteln um uns her. Kapitel 4. Wie ihre Festungen waren, und wie sie gegen uns stritten. Um den Flecken her, wo wir belagert waren, ging ein Wald. Darin hatten sie zwei Festungen von dicken Bäumen gemacht, wo sie nachts ihre Zuflucht und Schutz vor unsern Ausfällen fanden. Außerdem hatten sie um den Flecken her Löcher in die Erde gemacht, in denen sie tagsüber lagen und die sie nur verließen, um mit uns zu kämpfen. Wenn wir nach ihnen schossen, fielen sie alle nieder, um so dem Schuß zu entgehen. Die Belagerung war so eng, daß wir weder hinaus noch herein konnten. Sie kamen dicht an den Flecken und schossen viel Pfeile in die Höhe, die beim Niederfallen uns im Flecken treffen sollten; sie schossen auch Pfeile, daran sie Baumwolle und Wachs gebunden und dies angezündet hatten, um so unsere Hausdächer anzustecken; dabei drohten sie, sie wollten uns aufessen, wenn sie uns kriegten. Wir hatten nur noch wenig Vorrat an Lebensmitteln. Denn es ist dort im Lande Gebrauch, alle Tage oder jeden andern Tag frische Wurzeln Mandiokawurzeln. A. d. H. zu holen und Mehl oder Kuchen daraus zu machen; zu solchen Wurzeln konnten wir nicht kommen. Wie wir nun sahen, daß wir an Lebensmitteln not litten, fuhren wir mit zwei Barken nach einem Flecken, Tammaraka, dort Lebensmittel zu holen. Da hatten die Wilden große Bäume von beiden Seiten auf das Wasser gelegt. Wir zerbrachen den Verhau mit Gewalt; es wurde inzwischen Ebbe, und blieben auf dem Trocknen. Die Wilden konnten uns in den Schiffen nichts tun. Aber sie warfen viel trocknes Holz aus ihrer Schanze zwischen Ufer und Schiff und wollten dies anzünden und von dem Pfeffer, der im Lande wächst, dazuwerfen und uns mit dem Dampfe aus den Schiffen jagen. Aber es gelang ihnen nicht; mittlerweile kam die Flut wieder. Wir fuhren nach Tammaraka, wo wir Lebensmittel erhielten. Als wir zurückfuhren, hatten die Feinde Bäume, wie vorher, über den Wasserarm gelegt, lagen dabei auf dem Ufer und hatten zwei Bäume fast durchgehauen und oben lange Ranken angebunden. Das Ende hatten sie in ihrer Schanze, um bei unserm Nahen an den Ranken zu ziehen und die Bäume auf uns fallen zu lassen. Der Anschlag mißglückt, die fallenden Bäume treffen das Schifflein nicht; die Belagerten werden mit Lebensmitteln versehen, die Wilden ziehen, am Erfolg verzweifelnd, ab, die Seefahrer fahren, vom Dank der Einwohner begleitet, zu ihrem Schiff. Kapitel 5. Wie wir aus Pernambuco fuhren nach einer Landschaft Buttugaris genannt, zu einem französischen Schiff kamen und uns mit ihm schlugen. Wir fuhren 40 Meilen weiter zu einem Hafen, Buttugaris genannt; dort wollten wir das Schiff mit Brasilholz laden, auch den Wilden mehr Lebensmittel abbeuten. Wie wir dahin kamen, fanden wir ein Schiff aus Frankreich, das Brasilholz lud. Das fielen wir an; aber sie zerschlugen uns den großen Mastbaum mit einem Schusse und segelten davon, etliche von unserm Schiff wurden erschossen, etliche verwundet. Die Seefahrer beschließen nun, nach Portugal zurückzufahren, und kommen nach vielen Fährlichkeiten, großer Not an Lebensmitteln und schwerem, aber erfolgreichem Kampf mit einem Seeräuberschiff, am 8. Oktober 1548, das heißt nach sechzehnmonatiger Reise, in Lissabon an. Staden beschließt dann, auf einem spanischen Schiff nach Amerika zu segeln und dort sein Glück zu suchen. Ein englisches Schiff führt ihn nach Spanien. Dort schließt er sich einer Expedition von drei Schiffen an, die von Sevilla unter dem Oberbefehl des Don Diego de Senabrie [?] nach dem La Plata segeln sollten. Kapitel 6. Beschreibung meiner andern Schiffahrt von Sevilla aus Spanien nach Amerika. Im Jahre 1549 den vierten Tag nach Ostern segelten wir von San Lukas Sanlucar an der Mündung des Guadalquivir. A. d. H. aus, und der Wind war uns entgegen, so daß wir in Lissabon in Hafen gingen. Als der Wind gut wurde, fuhren wir nach den Kanarischen Inseln, nahmen dort Wein ein, und unsere Steuerleute vereinbarten, wenn sie im Meer voneinanderkämen, wollten sie im Lande unter dem 28. Grad südlicher Breite wiederzusammenkommen. Wir fuhren weiter nach Kap Verde, das ist das Grüne Vorgebirge, das im Land der schwarzen Mohren liegt. Daselbst hätten wir beinahe Schiffbruch gelitten ... Danach kamen wir zu einer Insel, S. Thome Im Meerbusen von Guinea. A. d. H. genannt, ein zu Portugal gehöriges Eiland, zuckerreich, aber ungesund. Es wohnen Portugiesen dort, die viel schwarze Mohren leibeigen haben. Wir nahmen frisches Wasser in der Insel und segelten vorwärts. Die beiden andern Schiffe hatten wir in einem Sturmwind nachts aus dem Gesicht verloren, also daß wir allein segelten. Die Winde waren uns sehr entgegen, denn sie haben die Art in dem Meer, daß sie, wenn die Sonne auf die Nordseite des Äquators geht, von Süden her wehen. Ebenso wenn die Sonne auf die Südseite geht, kommen die Winde von Norden, so daß sie jedesmal fünf Monate steif aus einem Orte wehen. Sie hinderten uns vier Monate, daß wir unsern rechten Kurs nicht segeln konnten. Wie der Monat September ankam, fingen die Winde an, nördlich zu werden; so setzten wir unsern Kurs Süd-Süd-West nach Amerika zu. Kapitel 7. Wie wir unter dem 28.° nach Amerika kamen, den Hafen nicht erkennen konnten, wohin wir beschieden waren, und ein großer Sturm sich bei dem Lande erhob. Danach nahm der Steuermann eines Tages – es war der 18. November – die Höhe der Sonne und fand, daß wir unter dem 28.° waren; da suchten wir das Land im Westen auf, und am 24. dieses Monats sahen wir Land. Wir waren sechs Monat im Meer gewesen und standen vielmals große Gefahr aus. Als wir nun dicht am Lande waren, erkannten wir den Hafen und die Merkzeichen nicht, die uns der oberste Steuermann angegeben hatte. Wir durften auch nicht wohl wagen, uns in unbekannte Hafen zu begeben, lavierten daher längs dem Lande her. Es fing an, sehr zu wehen, meinten nicht anders, als auf den Klippen umzukommen. Da banden wir leere Fässer zusammen, taten Pulver darein, stopften die Spundlöcher zu und banden unsere Gewehre darauf. Wir dachten, sollten wir Schiffbruch leiden und etliche davonkommen, so sollten sie ihre Gewehre am Lande finden, da die Wogen die Fässer auswerfen würden. Wir lavierten, dachten, vom Land wieder abzutreiben; es half nichts, der Wind trieb uns auf die Klippen, die in einer Tiefe von vier Klafter Wasser verborgen lagen. Wir mußten der großen Wogen halber aufs Land fahren und meinten nicht anders, als wir müßten alle umkommen. Doch schickt Gott, daß einer unserer Gesellen, als wir dicht bei den Klippen waren, eines Hafens gewahr wird, in den wir hineinfuhren. Da sahen wir ein Boot, das floh vor uns hinter eine Insel ... Wir aber ließen unsern Anker zu Grunde, priesen Gott, daß er uns aus unserm Elende geholfen hatte, ruheten und trockneten unsere Kleider. Es war wohl um 2 Uhr nachmittags, daß wir den Anker zu Grunde ließen. Am Abend kam ein großer Nachen voll wilder Leute zum Schiff und wollte mit uns reden. Aber keiner von uns konnte die Sprache wohl verstehen. Wir gaben ihnen etliche Messer und Angelhaken, da fuhren sie wieder hin. Am Abend kommt ein zweiter Nachen mit Eingeborenen, die als Dolmetscher zwei Portugiesen mitbrachten. Von diesen erfuhren sie, daß ihr Ziel, die Insel S. Catharina, etwa 30 Meilen weiter südlich sei. Die Wilden dort, die Carios [Guanarani?], seien feindlich gesinnt, dagegen hätten sie von den hier wohnenden Indianern, den Truppen Ikias, nichts zu befürchten. Kapitel 8. Wie wir wiederum aus dem Hafen fuhren, um das gesuchte Land zu finden. Nach schwieriger Fahrt kommen sie endlich vor einem Hafenplatz an, in dem eine Insel liegt, und von wo aus sie mit einem Boote zu weiterer Erkundung ins Land hineinfahren wollen. Auf den Klippen bemerken sie beim Weiterfahren ein hölzernes Kreuz, aus einer mit Steinen festgerammten Stange und einem Stück Faßboden hergestellt, und auf den Faßboden sind spanische Buchstaben eingekerbt des Inhalts, wenn zufällig ein spanisches Schiff herkomme, so sollte es einen Schuß tun, und es würde Antwort erhalten. Die Spanier tun demgemäß und stoßen beim Weiterfahren auf fünf Nachen mit Eingeborenen und einem Europäer. Dieser teilt ihnen mit, sie seien tatsächlich im Sankt Catharinenhafen. Er selbst sei vor drei Jahren aus der spanischen Kolonie Rio de la Plata 300 Meilen weit hierher nach Norden gekommen, um die den Spaniern befreundeten Carios zum Anpflanzen der Mandiokawurzeln anzuhalten, damit die Schiffe sich hier mit Lebensmitteln versehen könnten. Von den Eingeborenen freundlich aufgenommen, tun sich die müden Seefahrer hier längere Zeit gütlich. Auch wird ihnen nach drei Wochen das Glück zuteil, daß eines von den beiden anderen Schiffen und zwar das, worin sich der Oberbefehlshaber befand, eintraf. Das dritte Schiff war offenbar im Sturm umgekommen. Wir rüsteten uns, wiederum fortzufahren, und hatten Lebensmittel für sechs Monate eingenommen, da wir noch wohl 300 Meilen zu Wasser zu fahren hatten. Wie wir alle Dinge fertig hatten, verloren wir eines Tages das große Schiff im Hafen, daß die Reise also verhindert wurde. Wir lagen da zwei Jahre in großer Gefahr in der Wildnis, litten großen Hunger, mußten Eidechsen und Feldratten essen und andere seltsame Getier mehr, so wir bekommen konnten, auch Wasserschnecken, die an den Steinen hangen, und dergleichen mehr seltsamer Speise. Die Wilden, so uns erstmals Lebensmittel genug zutrugen, wie sie Ware genug von uns bekommen hatten, zogen zumeist fort an andere Orte; wir durften ihnen auch nicht recht vertrauen, so daß es uns verdroß, dazuliegen und umzukommen. Wir vereinbarten daher, der größte Haufe sollte über Land nach Süden zur Provinz Assumption 300 Meilen weit wandern. Die andern sollten mit dem überbliebenen Schiff dahin kommen. Diejenigen, so über Land zogen, nahmen Lebensmittel mit, durch die Wildnis zu ziehen, und nahmen auch etliche Wilden mit. Aber ihrer viele waren vor Hunger gestorben, die übrigen waren zur Stelle gekommen, wie wir hernach erfuhren. Uns andern war das Schiff auch zu klein über Meer zu fahren ... Die Seefahrer beschließen, nach der etwa 70 Meilen entfernten von den Portugiesen besetzten Insel San Vincente zu fahren, um von ihnen ein Transportschiff zu erhalten. Auf der Fahrt dorthin wurden die Abenteurer von einem Sturm überrascht und erlitten Schiffbruch, retteten sich aber alle, teils auf den Trümmern sich haltend, teils schwimmend ans Land. [Kap. 9 bis Kap. 12.] Kapitel 13. Wie wir gewahr wurden, in welcher Landschaft der Wilden wir den Schiffbruch gelitten hatten. Als wir nun an Land kommen waren, dankten wir Gott, daß er uns lebendig hatte zu Land kommen lassen, und waren doch gleichwohl auch betrübt, denn wir wußten nicht, wo wir sein mochten, weil der Roman Ein spanischer Matrose, der als angeblicher Ortskundiger mitgegangen war. A. d. H. das Land nicht recht erkannte ... So läuft von ungefähr unser Mitgesellen einer mit Namen Claudio (ein Franzose) aus dem Ufer hin, daß er sich erwärmen möchte, und sieht ein Dorf hinterm Gehölze; darin waren die Häuser auf Weise der Christen gemacht. Er ging dahin, da war es ein Flecken, darin wohnten Portugiesen, und liegt nur zwei Meilen von San Vincente. Da sagte er ihnen, wie wir da hätten Schiffbruch gelitten und das Volk wäre sehr erfroren und wüßten nicht, wo wir hinsollten. Wie sie das hörten, kamen sie herausgelaufen und nahmen uns mit ihnen in ihre Häuser und begleiteten uns. Daselbst blieben wir etliche Tage, bis wir wieder zu uns selbst kamen. Von dort reisten wir über Land nach San Vincente. Daselbst taten uns die Portugiesen alle Ehre an und gaben uns eine zeitlang die Kost. Danach fing ein jeder etwas an, daß er sich dessen enthielt. Wie wir da sahen, daß wir alle unsere Schiffe verloren hatten, schickte der Hauptmann ein portugiesisches Schiff nach unserm andern Volk, das zurückgeblieben war, dieselben auch dahin zu bringen, wie es denn auch geschah. Kapitel 14. Wie San Vincente gelegen ist. San Vincente ist eine Insel, dicht am Festland mit zwei Flecken darin. Der eine davon heißt ebenfalls San Vincente, der andere liegt ungefähr zwei Meilen davon; sonst liegen auch noch einige Häuser auf der Insel, die heißen Ingenio, Ingenio bedeutet im Spanischen Zuckermühle oder Zuckerplantage. A. d. H. und darin macht man den Zucker. Und die Portugiesen, so darin wohnen, haben eine Nation Brasilianer zu Freunden, die heißen Tuppin Ikin, Die ethnographischen Verhältnisse sind nicht klar. Die Tupis waren, als die Portugiesen nach Südamerika kamen, ein weithin an der Südküste verbreiteter, in zahllose Horden zerspaltener Indianerstamm. Die von Staden gebrauchten Hordennamen »Tuppin Imba« und »Tuppin Ikins« sollen wahrscheinlich Tupinamba und Tupiniquim (Indianervolk) bedeuten. Verwandt mit den Tupis sind u. a. die Guarani, von Staden Carios genannt. A. d. H. und deren Gebiet erstreckt sich 80 Meilen ins Land hinein und am Meer hin 40 Meilen. Und die Nation hat nach beiden Seiten hin Feinde. Die Feinde auf der Südseite sind die Carios Die ethnographischen Verhältnisse sind nicht klar. Die Tupis waren, als die Portugiesen nach Südamerika kamen, ein weithin an der Südküste verbreiteter, in zahllose Horden zerspaltener Indianerstamm. Die von Staden gebrauchten Hordennamen »Tuppin Imba« und »Tuppin Ikins« sollen wahrscheinlich Tupinamba und Tupiniquim (Indianervolk) bedeuten. Verwandt mit den Tupis sind u. a. die Guarani, von Staden Carios genannt. A. d. H. und die im Norden heißen Tuppin Imba. Diese haben den Portugiesen viel Schaden getan, und müssen sich selbige noch heutigen Tags vor ihnen fürchten. Kapitel 15. Wie der Ort heißt, daher ihnen die meiste Verfolgung von den Feinden geschah, und wie er gelegen war. Es liegt ein Ort fünf Meilen von San Vincente, der heißt Brikioka. Dort kommen ihre Feinde, die Wilden, zuerst hin und fahren zwischen einer Insel, San Maro, und dem Festland hindurch. Diese Fahrt wollten etliche Mamelukenbrüder Mamelucos (das spanische Wort bedeutet eigentlich Tölpel) sind Mischlinge von Kaukasiern und Indianern. A. d. H. den Wilden benehmen; ihr Vater war Portugiese und ihre Mutter eine Brasilianerin; sie waren Christen und in beidem geschickt und erfahren, in der Christen wie auch in der Wilden Anschlägen und Sprache. Sie hießen Johann, Diego, Domingus, Francisco und Andreas de Praga, und ihr Vater hieß Diego de Praga. Die fünf Brüder hatten sich vorgenommen, vor etwa zwei Jahren, ehe ich dahin kam, mit anderen Wilden, so ihre Freunde waren, daselbst eine Festung zu machen nach Sitte der Wilden, was sie auch getan hatten. Es waren auch etliche Portugiesen dahin gezogen, weil es ein schönes Land war. Das hatte ihre Feinde, die Tuppin Imba, gereizt und sich in ihrem Lande, das etwa 25 Meilen davon anfängt, gerüstet und waren in einer Nacht mit 70 Nachen da angekommen und hatten sie nach ihrer Sitte in der Stunde vor Tagesanbruch angefallen. Die Mameluken samt den Portugiesen waren in ein Haus gelaufen, das sie von Erde gemacht, und hatten sich gewehrt, solange sie konnten. So waren viel Feinde gefallen, doch zum letzten hatten die Feinde die Überhand bekommen und den Flecken Brikioka angezündet und die Eingeborenen alle gefangen, aber den Christen, deren ungefähr acht gewesen sein mochten, und den Mameluken hatten sie in dem Hause nichts tun können. Denn Gott wollte sie bewahren. Aber die andern Wilden, die sie da gefangen hatten, hatten sie sofort voneinandergeschnitten und geteilt und waren danach wiederum in ihre Landschaft gezogen. Kapitel 16. Wie die Portugiesen Brikioka wieder aufgerichtet hatten und darauf ein Bollwerk in der Insel S. Maro machten. Danach schien es den Obersten und der Gemeine gut zu sein, daß man den Ort nicht verlasse, sondern aufs stärkste befestige, weil man daselbst das ganze Land verteidigen könnte, und demgemäß hatten sie auch gehandelt. Wie nun die Feinde solches merkten, daß für sie der Flecken Brikioka zu stark sei, fuhren sie die Nacht bei dem Flecken zu Wasser vorüber und nahmen, was sie bekommen konnten, um S. Vincente her zur Beute. Denn die weiter innen wohnten, meinten, sie hätten keine Not, weil der feste Flecken dazwischen läge. Darauf beschlossen die Einwohner, auf der Insel S. Maro, die Brikioka nahe gegenüberliegt, auch ein Haus dicht am Wasser zu bauen und Leute hinein zu tun, um solche Fahrt der Wilden zu verhindern. So hatten sie nun auf der Insel ein Bollwerk angefangen, doch nicht geendet, weil kein portugiesischer Büchsenschütz sich darein wagen wollte. Ich war dort, um mir die Gegend anzusehen. Als die Einwohner nun hörten, daß ich ein Deutscher war und mich etwas aufs Geschütz verstand, begehrten sie von mir, ich sollte in dem Hause auf der Insel bleiben und da der Feinde gewärtig sein; sie wollten mir mehr Gesellen verschaffen und mir eine gute Besoldung geben. Auch sagten sie, wenn ichs täte, würde ich Gewinn vom König haben, denn der König pflegte sonderlich denen, so in den neuen Landen Hilfe und Rat geben, ein gnädiger Herr zu sein. Ich wurde mit ihnen eins, daß ich vier Monate in dem Hause dienen sollte. Danach würde ein Oberster in königlichem Auftrag mit Schiffen ankommen und ein steinernes Blockhaus dahin machen, das dann stärker sein würde, wie es auch geschehen ist. Die meiste Zeit war ich in dem Blockhaus selbdritt, hatte etlich Geschütz bei mir und war in großer Gefahr wegen der Wilden, denn das Haus war nicht fest, mußten auch fleißig Wacht halten, daß die Wilden nicht heimlich in der Nacht hinkamen. Mehrmals versuchten sie es, aber Gott half uns, daß wir ihrer vorher gewahr wurden. Nach etlichen Monaten kam der Oberste in königlichem Auftrage, denn die Gemeine hatte dem Könige geschrieben, wie großen Übermut die Feinde hier übten; auch wie ein schönes Land es wäre, das zu verlassen nicht nützlich sei. Um die Lage zu verbessern, kam der Oberste und besah die Gegend und die Stelle, wo die Gemeine gern eine Festung haben wollte. Da erzählten sie dem Obersten von den Diensten, die ich ihnen getan hätte, indem ich mich in das Haus begeben hatte, in das kein Portugiese gehen wollte, weil es so übel befestigt war. Das gefiel ihm wohl, und er sagte, er wollte meine Sache bei dem König vortragen, wenn ihm Gott wieder nach Portugal hülfe, und ich sollte es genießen. Meine Zeit, die ich der Gemeine zu dienen zugesagt hatte, war um, nämlich vier Monate, und ich begehrte Urlaub. Aber der Oberste samt der Gemeine begehrte, ich sollte noch eine Zeitlang im Dienste bleiben. Darauf sagte ich zu, noch zwei Jahre zu dienen, und wenn die Zeit um wäre, sollte man mich ohne weiteres freigeben und mit den ersten Schiffen, die da wären, nach Portugal segeln lassen, wo mir mein Dienst vergolten werden sollte. Darüber gab mir der Oberst von wegen des Königs meine Privilegien, wie man sie des Königs Büchsenschützen zu geben pflegt, wenn sie es begehren. Sie machten das steinerne Bollwerk und legten etliche Stück Geschütz hinein, und das Bollwerk samt Geschütz wurde mir zur guten Wacht und Aufsicht empfohlen. Kapitel 17. Wie und warum wir der Feinde zweimal im Jahre besonders gewärtig sein mußten. Wir mußten uns ihrer aber in zwei Zeiten im Jahre mehr besorgen als sonst, besonders wenn sie das Land ihrer Feinde mit Gewalt einzunehmen gedenken. Die eine Zeit ist im Monat November. Da werden etliche Früchte reif, die auf ihre Sprache Abbati heißen, davon machen sie ein Getränk, das sie Kawi nennen. Daneben haben sie dann die Mandiokawurzel, die mengen sie auch darunter. Sie freuen sich ein ganzes Jahr darauf, daß die Abbatizeit kommt, da sie dann das Getränk haben, zu dem sie die Feinde, die sie dann gefangen haben, beim Siegesschmaus zu verzehren pflegen. Sodann mußten wir uns ihrer im August vermuten; dann ziehen sie einer Art Fische nach, die aus dem Meere in die süßen Wasser steigen, so in das Meer fließen, da sie darin laichen; sie heißen indianisch Bratti und auf spanisch Lysses. Um diese Zeit pflegen sie auch gemeinsam auszufahren und zu streiten. Und sie fangen diese Fische viel mit kleinen Netzen, schießen sie auch mit Pfeilen, führen auch viele gebraten mit heim, machen auch Mehl daraus, das sie Pira Kui nennen. Kapitel 18. Wie ich von den Wilden gefangen wurde, und wie sich's zutrug. Ich hatte einen Wilden vom Stamme der Carios als Eigentum, der mir Wild fing und mit dem ich manchmal auch in den Wald ging. Es geschah aber einmal, daß ein Spanier von der Insel S. Vincente zu mir auf die Insel S. Maro kam, die fünf Meilen davon entfernt war, in das Bollwerk, darin ich wohnte, und noch ein Deutscher, namens Heliodorus Hessus, Sohn von Erbanus Hessus. Heliodorus Hesse, ein Sohn des berühmten Humanisten, hatte sich 1548 im Alter von 20 Jahren nach Brasilien eingeschifft und lebte dort als Buchführer auf einer Zuckerpflanzung bei S. Vincente. A. d. H. Dieser war auf S. Vincente in einem Ingenio, da man den Zucker macht, und dieser Heliodorus war der Schreiber und Ausrichter der Kaufleute, so zu dem Ingenio gehörten. Mit demselben Heliodorus hatte ich schon vorher Verkehr gehabt, als ich mit den Spaniern den Schiffbruch litt und ihn da auf der Insel fand, wo er mir Freundschaft bewies. Er kam zu mir; wollte sehen, wie mir's ginge; hatte vielleicht auch gehört, ich sei krank. Ich hatte meinen Sklaven den Tag zuvor in den Wald geschickt, Wild zu fangen. Ich wollte des andern Tages kommen und es holen, daß wir etwas zu essen haben möchten, denn man hat da im Lande nicht viel mehr, als was aus der Wildnis kommt. Wie ich nun so durch den Wald ging, erhob sich auf beiden Seiten des Wegs ein groß Geschrei nach Art der Wilden und kamen auf mich zugelaufen. Da erkannte ich sie, und sie hatten mich alle rings umstellt und ihre Bogen auf mich mit Pfeilen gehalten und schossen auf mich zu. Da rief ich: »Nun helfe Gott meiner Seelen!« Kaum hatte ich das Wort gesagt, so schlugen sie mich zur Erde und schossen und stachen auf mich. Doch verwundeten sie mich nicht mehr als an einem Bein und rissen mir die Kleider vom Leib, der eine die Halskappe, der andere den Hut, der dritte das Hemd und so fort. Darauf brüsteten sie sich gegenseitig, der eine, er sei der erste bei mir gewesen, der andere, er habe mich gefangen. Inzwischen schlugen mich die andern mit den Handbogen. Doch zuletzt hoben mich zwei von der Erde nackt, wie ich war; der eine nahm mich an einem Arm, der andere am andern, etliche waren hinter, etliche vor mir und liefen so geschwinde mit mir durch den Wald nach dem Meere zu, da sie ihre Nachen hatten. Wie sie mich zum Meere brachten, da sah ich ungefähr einen Steinwurf weit oder zwei ihre Nachen stehen; die hatten sie aus dem Meer aufs Land gezogen unter eine Hecke, und es war ihrer noch ein großer Haufe dabei. Wie mich diese herbeiführen sahen, liefen sie mir alle entgegen, nach ihrer Sitte mit Federn geziert, und bissen in ihre Arme und drohten mir, so wollten sie mich essen. Und es ging ein König vor mir her mit dem Holze, womit sie die Gefangenen totschlagen. Der rühmte und sagte, wie sie mich, ihren Sklaven, den Perot (so nennen sie die Portugiesen) gefangen hätten, und wollten nun ihrer Freunde Tod an mir rächen. Und wie sie mich zu den Nachen brachten, schlugen mich einige von ihnen mit Fäusten. Da eilten sie, die Nachen wieder ins Wasser zu schieben, denn sie fürchteten, es möchte in Brikioka ein Alarm entstehen, was auch geschah. Ehe sie nun die Nachen wieder ins Meer brachten, banden sie mir die Hände zusammen, und sie waren nicht alle aus einer Niederlassung, und die, so ledig heimfahren sollten, verdroß es und stritten sich mit denen, so mich behielten; etliche sagten, sie wären ebenso nahe bei mir gewesen wie die beiden; sie wollten auch ihr Teil von mir haben und wollten mich da auf der Stelle gleich totschlagen. Da stand ich und betete, sah mich um nach dem Schlage, doch zuletzt hub der König an, so mich behalten wollte, und sagte, sie wollten mich lebendig heimführen, auf daß mich auch ihre Weiber lebendig sähen und ihr Fest mit mir hätten. Denn sie wollten ihr Getränk machen und sich versammeln, ein Fest zu halten und mich miteinander zu verzehren. Bei diesen Worten ließen sie's bleiben und banden mir vier Stricke um den Hals und mußte in einen Nachen steigen, während sie noch auf dem Lande standen, und banden die Stricke an den Nachen und schoben sie ins Meer, wiederum heimzufahren. Kapitel 19. Rückfahrt der Wilden und Rettungsversuche der Spanier. Es liegt eine kleine Insel bei der Insel, auf der ich gefangen wurde. Dort nisten Wasservögel, die man Uwara nennt, die rote Federn haben. Sie fragten mich, ob ihre Feinde, die Tuppin Ikins, das Jahr auch dagewesen seien und die Vögel bei ihren Jungen gefangen hätten. Da sagte ich ja; aber sie wollten gleichwohl danach sehen, denn sie achten die Federn sehr hoch, so von den Vögeln kommen, denn all ihr Zierat ist gewöhnlich von Federn gemacht. Und bei den Uwara ist es so: Wenn sie jung sind, so sind die ersten Federn, die ihnen wachsen, weißgrau, die andern aber, wenn sie flügge werden, schwarzgrau. Damit fliegen sie ungefähr ein Jahr; danach werden sie so rot wie rote Farbe. Es handelt sich hier um eine südamerikanische Flamingoart. A. d. H. Und sie fuhren hin nach der Insel, meinten, die Vögel anzutreffen. Wie sie nun ungefähr zwei Büchsenschüsse von dem Ort kamen, da sie Nachen stehen hatten, sahen sie zurück. Da war es voll von wilden Tuppin Ikins, auch etliche Portugiesen darunter. Denn es war mir ein Sklave gefolgt, als ich gefangen wurde. Dieser entkam ihnen und hatte einen Lärm gemacht, daß sie mich gefangen hätten. Jetzt wollten sie mich erlösen und scharmützelten mit den Feinden und schossen mit Röhren und Pfeilen auf uns ein. Und sie banden mir die Hand wieder los, aber die Stricke um den Hals waren noch festgebunden. So hatte nun der König des Nachens, in dem ich war, ein wenig Pulver, das ihm ein Franzose für Brasilienholz gegeben hatte; das mußte ich auf die am Lande abschießen ... Der Kampf bleibt erfolglos, Staden wird von seinen Bedrängern fortgeführt und kommt nach dreitägiger schwerer Seefahrt in die dreißig Meilen von Brikioka entfernte Niederlassung der Indianer. [Kap. 20.] Kapitel 21. Wie sie des Tages mit mir umgingen, da sie mich an ihren Wohnplatz brachten. Wie wir nun nahe zu ihrem Wohnplatz kamen, war es ein Dörflein, das hatte sieben Hütten und nannten es Uwatibi. Wir fuhren auf eine Stelle des Ufers, unweit deren ihre Weiber Mandiokawurzeln bearbeiteten. Den Weibern mußte ich in ihrer Sprache Worte zurufen, die bedeuteten: »Ich, eure Speise, komme.« Wie wir nun an Land kamen, liefen sie alle aus den Hütten, die auf einem Berge lagen, jung und alt, mich zu besehen. Und die Männer gingen mit ihren Bogen und Pfeilen nach ihren Hütten und befahlen mich ihren Weibern. Diese nahmen mich zwischen sich; etliche gingen vor mir, etliche hinter mir, tanzten und sangen die Gesänge, wie bei ihren eigenen Leuten, die verzehrt werden sollten. Sie brachten mich nun bis zu den Awara, das sind ihre Befestigungen, die sie wie einen Zaun aus Prügeln um ihre Hütten zur Abwehr der Feinde machen. Wie ich nun hineinkam, lief das Frauenvolk zu mir, und schlugen mich mit Fäusten und rauften mich am Bart und sagten in ihrer Sprache: »Den Schlag räche ich an dir meines Freundes wegen, den sie und darunter auch du, getötet haben.« Danach führten sie mich in die Hütten, da mußte ich mich auf ein Inni legen; da kamen die Weiber vor wie nach schlugen und rauften mich und drohten mir, wie sie mich essen wollten. So war das Mannsvolk in einer Hütte beieinander und tranken Kawi und hatten ihre Götter bei sich, Tamerka genannt, und sangen ihnen zu Ehren, daß sie ihnen so wohl geweissagt hatten, daß sie mich fangen sollten. Solchen Gesang hörte ich, und es kam in einer halben Stunde kein Mannsvolk zu mir, sondern allein Weiber und Kinder. Staden wird von seinen Besitzern deren Mutterbruder, Ipperu Wasu, geschenkt. Vorher wurde er von den Frauen ausgeführt und auf einen Haufen frischer Erde vor der Hütte des »Königs«, Vratinge Wasu, d. h. Weißer Vogel, gesetzt. Dort wurden ihm mit »einem Schieberstück von einem Kristall zwischen einer Art gebogenen Reifes« die Augenbrauen abgeschnitten. Gegen das Abnehmen des Bartes wehrt er sich, doch wird er ihm nach einigen Tagen mit einer Schere, »so die Franzosen ihnen gegeben«, abgeschnitten. [Kap. 22.] Kapitel 23. Wie sie mit mir tanzten vor den Hütten, darin sie die Abgötter Tamerka hatten. Danach führten sie mich von dem Ort, da sie mir die Augenbrauen abgeschnitten hatten, vor die Hütten, da die Tamerka, ihre Abgötter, waren, und machten einen runden Kreis um mich her. Da stand ich mitten drin und zwei Weiber bei mir und banden mir an ein Bein etliche Dinger an einer Schnur, die rasselten, und banden mir auch eine Scheibe, von Vogelschwänzen gemacht, die viereckig war, hinten auf den Hals, daß sie mir über den Kopf ging. Darauf fing das Weibervolk an, alle miteinander zu singen, und gleich wie ihr Ton lautete, mußte ich mit dem Beine, woran sie die Rasseln gebunden hatten, niedertreten, auf daß es rasselte und zusammenstimmte. Und das Bein, an dem ich verwundet war, tat mir so wehe, daß ich kaum stehen konnte, denn ich war noch nicht verbunden. Staden erfährt, daß der Indianerstamm mit den Franzosen Freundschaft hielt und Tauschhandel trieb, indem alle Jahre französische Schiffe mit Äxten, Messern, Spiegeln, Kämmen und Scheren kamen und dafür Brasilienholz, Baumwolle »und andere Ware als Federwerk und Pfeffer« eintauschten. Dagegen seien die Portugiesen ihre Feinde, weil sie früher von diesen angegriffen und getötet, verwundet oder zu Sklaven gemacht worden wären. Staden verwahrt sich dagegen, Portugiese zu sein, er sei ein Freund und Verwandter der Franzosen. Nach einiger Zeit kommt ein Franzose, der bei den Indianern geblieben war, um Pfeffer einzusammeln, in das Dorf, wo Staden gefangen gehalten wird, und wird zu diesem geführt. In Gegenwart der Eingeborenen fragt der Franzose den gefangenen Deutschen in französischer Sprache, und als ihm Staden hierauf nicht antworten kann, erklärt er ihn für einen Portugiesen. Nach einigen Tagen reiste der Franzose wieder ab und ließ den verzweifelnden Staden in der Hand seiner Peiniger zurück. [Kap. 24 bis Kap. 27.] Kapitel 28. Wie sie mich zu ihrem obersten Könige, Konyan Bebe genannt, führten, und wie sie da mit mir umgingen. Nach etlichen Tagen führten sie mich in ein ander Dorf, welches sie Arirab heißen, zu einem König, der hieß Konyan Bebe und war der vornehmste König unter ihnen allen. Bei demselben hatten sich etliche mehr versammelt und eine große Freude gemacht auf ihre Weise ... Wie ich nun nahe zur Hütte kam, hörte ich ein groß Geruf von Singen und Posaunenblasen, und vor der Hütte standen fünfzehn Köpfe auf Pfählen; diese waren von Leuten, so auch ihre Feinde sind, und heißen Markayas, die sie verzehrt hatten; da dachte ich, so würden sie auch mit mir umgehen. Wie wir nun in die Hütte hineingingen, ging einer von denen, so mich verwahrten, vor mir her und sprach mit harten Worten, daß es die andern alle hörten: »Hier bringe ich den Sklaven, den Portugiesen, her.« ... Und er redete viel andere Dinge mehr, wie ihr Gebrauch ist, leitete mich, da der König saß und trank mit den andern, und hatten sich miteinander trunken gemacht in dem Getränk Kawi und sahen mich sauer an und sagten: »Bist du kommen unser Feind?« Ich sagte: »Ich bin kommen, aber ich bin nicht euer Feind.« Da gaben sie mir zu trinken. So hatte ich nun viel von dem Könige Konyan Bebe gehört, es sollte ein großer Mann sein, auch ein großer Tyrann, Menschenfleisch zu essen. Und es war einer unter ihnen, der deuchte mich wäre es, und ich ging hin zu ihm und redete mit ihm in ihrer Sprache und sagte: »Bist du der Konyan Bebe? Lebst du noch? »Ja,« sagte er, »ich lebe noch.« »Wohlan,« sagte ich, »ich habe viel von dir gehört, wie du so ein weidlicher Mann seiest.« Da stand er auf und ging vor mir her spazieren von großem Hochmut, und er hatte einen großen runden grünen Stein durch die Lippen des Mundes stecken, wie ihr Gebrauch ist. Auch machten sie so weiße Paternoster [Rosenkränze] von einer Art Seeschnecken, was ihr Zierat ist; von denen hatte dieser König auch wohl sechs Klaftern am Hals hängen. An dem Zierat merkte ich, daß es einer der vornehmsten sein müßte. Darauf setzte er sich wieder hin und fing an, mich zu fragen, was seine Feinde, die Tuppin Ikins, anschlugen und die Portugiesen. Und sagte weiter, warum ich sie in der Feste Brikioka hätte schießen wollen, denn er hatte erfahren, daß ich da Büchsenschütz gegen sie gewesen war. Da sagte ich, die Portugiesen hätten mich dahin gestellt und hätte es tun müssen. Da sagte er, ich wäre ja auch ein Portugiese, und hieß den Franzosen, so mich gesehen hatte, seinen Sohn und sagte, der mich gesehen hätte, der sagte, ich könnte nicht mit ihm reden und ich wäre ein rechter Portugiese. Da sagte ich: »Ja, es ist wahr, ich bin lange aus dem Lande gewesen und habe die Sprache vergessen.« Da meinte er, er hätte schon fünf Portugiesen helfen fangen und essen, die alle gesagt hätten, sie wären Franzosen, und hättens doch gelogen ... Da hob er wiederum an zu fragen, was die Portugiesen von ihm sagten, sie müßten sich freilich sehr vor ihm entsetzen. Da sagte ich: »Ja, sie wissen viel von dir zu sagen, wie großen Krieg du ihnen zu machen pflegtest, aber jetzt haben sie Brikioka fester gemacht.« Ja, meinte er, er wollte sie so fangen, wie sie mich gefangen hätten in dem Walde hin und wieder. Weiter sagte ich zu ihm: »Ja, deine rechten Feinde, die Tuppin Ikins, rüsten 25 Nachen zu und werden zu Hand kommen und in dein Land fallen«; wie auch geschah ... Er fragte mich viel und sagte mir viel. Rühmte sich mir, wie manchen Portugiesen er bereits hätte totgeschlagen und andere Wilden mehr, die seine Feinde gewesen. Wie er so mit mir in der Rede war, wurde inzwischen das Getränk in der Hütte ausgetrunken. Da gingen sie wieder in eine andere Hütte, darin auch zu trinken war, daß er also mit der Rede nachließ. Staden hatte nun noch gesteigerten Spott und Hohn von den andern zu erdulden. Des »Königs« Sohn band ihm die Füße zusammen und ließ ihn durch die Hütte hüpfen, und die andern befühlten seine Glieder mit Anspielungen auf den Festschmaus, den sie ihnen bieten sollten. Kapitel 29. Wie die 25 Nachen der Tuppin Ikins ankamen, davon ich dem König gesagt hatte; wollten die Hütte anfallen, darin ich war. Mittlerweile begab es sich, daß die 25 Nachen der den Portugiesen befreundeten Tuppin Ikins, von deren Absicht ich schon vor meiner Gefangenschaft gehört hatte, das Dorf anfielen. Wie nun die Tuppin Ikins die Hütten anfallen wollten und zu Haufe zu schießen begannen, hatten die in den Hütten darunter zu leiden, und das Weibsvolk wollte sich auf die Flucht begeben. Da sagte ich ihnen: »Ihr haltet mich für einen Portugiesen, euren Feind, gebet mir nun einen Bogen mit Pfeilen und lasset mich losgehen, so will ich euch helfen, die Hütten zu verteidigen. Sie gaben mir einen Bogen mit Pfeilen. Ich rief und schoß und machte es auf ihre Weise, so gut ich konnte, und sprach ihnen zu, daß sie wohl beherzt sein sollen, es sollte keine Not haben. Und meine Absicht war, ich wollte durch das Staket kommen, das um die Hütte herging, und zu den andern laufen, denn sie kannten mich wohl und wußten auch, daß ich in dem Dorf war. Aber sie verwahrten mich allzuwohl. Wie die Tuppin Ikins sahen, daß sie nichts schaffen konnten, gingen sie wieder in ihre Nachen und fuhren fort. Wie sie nun hinwegfuhren, verwahrten sie mich auch wieder. Es folgte für Staden eine Enttäuschung auf die andere. Es kam ein portugiesisches Schiff aus Brikioka, um mit den Wilden über einen Loskauf zu verhandeln. Aber die Wilden verhehlten seine Anwesenheit und verwahrten ihren Gefangenen, den sie nun um so höher schätzten, noch besser. Doch glückte es ihm auf eine ganz absonderliche Weise, sich bei seinen Herren in Ansehen zu setzen. Bei einer nächtlichen Versammlung der Indianer schaute Staden in seiner traurigen Stimmung lange den Mond an, und als sie ihn fragten, warum er so den Mond ansehe, antwortete er, der Mond sei zornig, und auf die weitere Frage Jeppipu Wasus, seines Hauptpeinigers, über wen er zornig sei, antwortete Staden: »Er sieht auf deine Hütte.« Der Zufall wollte es nun, daß bald darauf alle Insassen dieser Hütte krank wurden. Dies schrieben die abergläubischen Indianer dem Einfluß des gefangenen Weißen oder seines zürnenden Gottes zu. Diese Gunst der Lage wußte Staden geschickt zu benutzen. Er erklärte, der Gott zürne, weil sie ihn verzehren wollten, obwohl er gar nicht Jeppipu Wasus Feind sei. Dadurch erlangte er in der Tat, daß der einflußreiche Mann versprach, wenn er wieder gesunde, werde man dem Weißen nichts tun. Als gar acht Leute seiner Verwandtschaft starben, da wiederholte Jeppipu Wasu seine Bitte und sein Versprechen und untersagte auch den andern, dem mächtigen Weißen Spott und Hohn anzutun. Jeppipu Wasu wurde bald darauf wieder völlig gesund. Von da an glaubten die Indianer bei jedem Unfall, der sie traf, er rühre vom Staden her, der durch seinen Gott alles auszurichten vermöge. So brach für ihn eine etwas bessere Zeit an, indem sie nicht mehr davon redeten, ihn zu verzehren; nichtsdestoweniger verwahrten sie ihn gut und ließen ihn nicht allein. Auch als der Franzose, der ihn vorher im Stich gelassen hatte, wiederkam und auf Stadens Bitte erklärte, er habe ihn das erstemal nicht erkannt; er sei kein Portugiese, sondern aus Alemannien und der Franzosen Freund, erklärten Stadens Eigentümer, sie würden ihren Gefangenen niemand überlassen, außer wenn sein eigener Vater oder Bruder käme und ihnen ein Schiff voll Güter brächte. Bald darauf zwang man Staden, dem Töten und Verzehren eines gefangenen feindlichen Indianers beizuwohnen. Die eigentümlichen, ethnologisch wichtigen Gebräuche, welche die Eingeborenen bei solchen Gelegenheiten übten, beschreibt Staden in einem späteren Kapitel eines zweiten beschreibenden Teiles zusammenfassend folgendermaßen: Mit was für Zeremonien sie ihre Feinde töten und essen. Womit sie sie totschlagen und wie sie mit ihnen umgehen. Wenn sie einen Feind heimbringen, so schlagen ihn zuerst die Weiber und Jungen. Danach vermalen sie ihn mit grauen Federn, scheren ihm die Augenbrauen ab, tanzen um ihn her, binden ihn wohl, daß er ihnen nicht entläuft, und geben ihm ein Weib, das ihn verwahrt und auch mit ihm zu tun hat. Und wenn diese schwanger wird, so ziehen sie das Kind auf, bis es groß wird. Danach, wenn es ihnen in den Sinn kommt, schlagen sie es tot und essen es. Sie geben ihm wohl zu essen, halten ihn eine zeitlang, rüsten alles zu, machen viele Gefäße, darein sie die Getränke tun, backen sonderliche Gefäße, worein sie die Stoffe tun, mit denen sie ihn vermalen, machen Federquasten, die sie an das Holz binden, womit sie ihn totschlagen, und fertigen eine lange Schnur, Massurana genannt, um ihn zu binden, wenn er sterben soll. Wenn sie alles bereitet haben, so bestimmen sie eine Zeit, wenn er sterben soll, und laden die Wilden von andern Dörfern, daß sie auf die Zeit dahin kommen. Dann machen sie einen oder zwei Tage zuvor alle Gefäße voll Getränk; ehe aber die Weiber die Getränke machen, führen sie den Gefangenen ein oder zweimal auf den Platz und tanzen um ihn her. Wenn sie nun alle, die von auswärts kommen, beieinander sind, heißt sie der Oberste der Hütten willkommen und spricht: »So kommt, helft euren Feind essen!« Den Tag zuvor, ehe sie anheben zu trinken, binden sie dem Gefangenen die Schnur Mussurana um den Hals. Desselbigen Tages vermalen sie das Holz, Iwera Pemme genannt, damit sie ihn totschlagen wollten. Dies ist länger als eine Klafter, Etwa 2 Meter lang. A. d. H. und sie streichen ein Klebemittel daran. Dann nehmen sie Eierschalen, die sehen grau aus und stammen von einem Vogel, Mackukawa genannt; die stoßen sie klein wie Staub und streichen das an das Holz. Dann sitzt eine Frau und kritzelt in dem angeklebten Eierschalenstaub. Dieweil sie malet, steht es voll Weiber um sie her, die singen. Wenn das Iwera Pemme dann ist, wie es sein soll, mit Federquasten und anderer Bereitung, hängen sie es in eine leere Hütte über die Erde an einen Prügel und singen dann darum her die ganze Nacht. Desgleichen vermalen sie dem Gefangenen sein Angesicht. Auch dieweil das Weib an ihm malt, dieweil singen die andern. Und wenn sie anheben zu trinken, so nehmen sie den Gefangenen zu sich, der trinkt mit ihnen, und sie schwatzen mit ihm. Wenn das Trinken nun ein Ende hat, des andern Tages darauf ruhen sie und machen dem Gefangenen ein Hüttlein auf den Platz, da er sterben soll. Dadrin liegt er die Nacht wohlverwahrt. Dann gegen Morgen eine gute Weile vor Tage gehen sie tanzen und singen um das Holz her, damit sie ihn totschlagen wollen, bis daß der Tag anbricht. Dann ziehen sie den Gefangenen aus dem Hüttlein, brechen das Hüttlein ab und machen Raum. Dann binden sie ihm die Mussurana von dem Hals ab und binden sie um den Leib her, ziehen sie zu beiden Seiten steif. Er steht mitten drin gebunden, und ihrer viel halten die Schnur auf beiden Enden; lassen ihn so eine Weile stehen und legen ihm kleine Steine hin, damit er nach den Weibern werfe, so um ihn herlaufen und drohen, ihn zu essen. Diese sind nun gemalt und dazu angewiesen, wenn er zerschnitten würde, mit den ersten vier Stücken um die Hütten herzulaufen. Daran haben die andern Kurzweil. Wenn das geschehen ist, machen sie ein Feuer ungefähr zwei Schritte weit von dem Sklaven. Das Feuer muß er sehen. Danach kommt eine Frau mit dem Holz Iwera Pemme gelaufen, kehrt die Federquasten in die Höhe, kreischt vor Freuden und läuft bei dem Gefangenen vorüber, daß er es sehen soll. Wenn das geschehen ist, so nimmt eine Mannsperson das Holz, stellt sich damit vor den Gefangenen und hält es vor ihn, daß er es ansieht. Dieweil geht der, welcher ihn totschlagen will, hin samt dreizehn oder vierzehn und machen ihre Leiber grau mit Asche. Dann kommt er mit seinen Gesellen auf den Platz zu dem Gefangenen, so überliefert der andere, so vor dem Gefangenen steht, diesem das Holz; so kommt dann der König der Hütten und nimmt das Holz und steckt es dem, der den Gefangenen totschlagen soll, einmal zwischen den Beinen her, was nun eine Ehre unter ihnen ist. Dann nimmt der wiederum das Holz, der den totschlagen soll, und sagt dann: »Ja, hier bin ich; ich soll dich töten, denn die deinen haben meiner Freunde auch viel getötet und gegessen.« Antwortet er: »Wann ich tot bin, so habe ich noch viel Freunde, die werden mich wohl rächen.« Damit schlägt er ihm hinten auf den Kopf, daß ihm das Hirn daraus springt. Alsbald nehmen ihn die Weiber, ziehen ihn auf das Feuer, kratzen ihm die Haut alle ab, machen ihn ganz weiß, stopfen ihm den Hintersten mit einem Holze zu, auf daß ihnen nichts entgehet. Wann ihm dann die Haut abgefegt ist, nimmt ihn eine Mannsperson, schneidet ihm die Beine über den Knien ab und die Arme an dem Leibe. Dann kommen die vier Weiber und nehmen die vier Stücke und laufen damit um die Hütten her und machen ein großes Freudengeschrei. Danach schneiden sie ihm den Rücken mit dem Hintersten von dem Vorderteil ab. Dasselbige teilen sie dann unter sich, aber das Eingeweide behalten die Weiber; sie sieden es, und in der Brühe machen sie einen Brei, Mingau genannt, den trinken sie und die Kinder. Das Eingeweide essen sie, essen auch das Fleisch um das Haupt her. Das Hirn in dem Haupt, die Zunge und was sie sonst davon genießen können, essen die Jungen. Wenn das alles geschehen ist, so geht dann ein jeder wiederum heim und nehmen ihr Teil mit sich. Derjenige, so diesen getötet hat, gibt sich noch einen Namen. Und der König der Hütten kratzt ihm mit dem Zahne eines wilden Tieres oben an die Arme. Wenn es recht geheilt ist, so sieht man die Zeichen, das ist die Ehre dafür. Dann muß er denselben Tag still liegen in einem Netz; man gibt ihm einen kleinen Flitschbogen mit einem Pfeil, damit er die Zeit vertreibt, und schießt in Wachs. Das geschieht darum, daß ihm die Arme nicht ungewiß werden von dem Schrecken des Totschlagens. Dies alles habe ich gesehen und bin dabei gewesen. Staden fügt seiner Beschreibung der kannibalischen Gebräuche noch folgende Bemerkungen hinzu: Sie können auch bei keiner gesetzten Zahl weiter zählen als bis auf fünf. Wenn sie weiter zählen wollen, weisen sie es mit Fingern und Zehen der Füße. Wenn sie von großer Zahl reden wollen, weisen sie auf vier oder fünf Personen; so viel Finger und Zehen die haben. Wertvoll ist auch die Schilderung, die Staden von der Bereitung der Getränke und ihren Trinkgebräuchen gibt: Wie sie ihre Getränke machen, daran sie sich trunken trinken, und wie sie sich halten mit dem Trinken. Das Weibsvolk macht die Getränke. Sie nehmen die Wurzel Mandioka und sieden große Töpfe voll; wenns gesotten ist, nehmen sie es aus den Töpfen, gießen es in andere Töpfe oder Gefäße und lassen es ein wenig kalt werden. Dann setzen sich die jungen Mägde dazu und kauen es mit dem Munde, und das Gekaute tun sie in ein besonderes Gefäß. Wenn die gesottenen Wurzeln alle gekaut sind, tun sie das Gekaute wieder in den Topf und gießen ihn wieder voll Wassers, vermengen es mit den gekauten Wurzeln und lassen es wiederum warm werden. Dann haben sie sonderbare Gefäße, die sie halb in die Erde begraben haben, gleichwie man hier Fässer für Wein oder Bier gebraucht. Da gießen sie es dann ein und machens wohl zu; das gärt in sich selbst, wird stark, lassen es also zwei Tage stehen. Danach trinken sie es, werden trunken davon. Ist dick, nährt auch wohl. Es macht jede Hütte ihr besonderes Getränk. Und wenn sich ein Dorf will fröhlich machen, was gewöhnlich des Monats einmal geschieht, so gehn sie erst alle miteinander in eine Hütte, trinken da erst aus, das geht so in der Reihe, bis sie die Getränke in allen Hütten ausgetrunken haben. Sie setzen sich um die Gefäße her, da sie trinken; etliche auf Feuerbrände, etliche auf die Erde. Die Weiber reichen ihnen die Getränke sein ordentlich. Etliche stehen, singen und tanzen um die Gefäße her. Und auf der Stelle, da sie trinken, schlagen sie auch ihr Wasser ab. Das Trinken währt die ganze Nacht, tanzen auch wohl zwischen den Bränden her, rufen und blasen mit Posaunen, machen ein schrecklich Geschrei, wenn sie trunken werden. Auch sieht man wenig, daß sie da uneins werden. Sie sind auch einander sehr günstig [freundlich gesinnt]; was der eine mehr hat von Essensspeise denn der andere, teilt er ihm mit. [Kap. 30 bis Kap. 37.] Kapitel 38. Wie wieder ein Schiff nach mir gesandt wurde von den Portugiesen. Wie ich nun im fünften Monat bei ihnen gewesen war, kommt wieder ein Schiff von der Insel S. Vincente dahin. So haben die Portugiesen dies im Gebrauch, daß sie gleichwohl in ihrer Feinde Land fahren, aber wohlgerüstet, und handeln mit ihnen. Geben ihnen Messer und Sicheln für Mandiokamehl. Denn dies haben die Wilden an manchen Stellen viel, und die Portugiesen, so der Sklaven viel haben zum Zuckerbau, die benötigen das Mehl, sie damit zu speisen. Und wann die Schiffe so kaufschlagen mit den Wilden, so kommen dieser Wilden ein oder zwei in einem Nachen und reichen ihnen, so gut es geht, die Ware. Danach heischen sie, was sie dafür haben wollen. Das geben ihnen dann die Portugiesen. Dieweil aber die zwei bei dem Schiff sind, halten ihrer etliche Nachen voll von fern und sehen zu. Und wann dann das Kaufschlagen geschehen ist, so fangen die Wilden oftmals an und scharmützeln mit den Portugiesen und schießen Pfeile nach ihnen; dann fahren sie wiederum hin. Das vorgenannte Schiffsvolk schoß ein Stück Geschützes ab, damit die Wilden hörten, daß ein Schiff da wäre, und sie [die Indianer] fuhren dahin. Da hatten sie [die Portugiesen] nach mir gefragt, ob ich noch lebte. Und auf die Antwort »Ja« hatten die Portugiesen begehrt, daß sie mich sehen wollten, denn sie hätten eine Kiste voll Waren für mich, die brächte mein Bruder, auch ein Franzose, welcher mit ihnen im Schiff wäre. Es war auch ein Franzose, Claudio Mirando, mit den Portugiesen im Schiff, der vormals mein Genosse gewesen war; den nannte ich meinen Bruder. Und sie kamen wieder von dem Schiffe ans Land und sagten mir, mein Bruder wäre noch einmal gekommen mit einer Kiste voll Waren und möchte mich gern sehen. Da sagte ich: »Führt mich so von fern hinzu; ich will mit meinem Bruder reden, die Portugiesen verstehen uns nicht, und ich will ihm sagen, daß er unserm Vater anzeige, wann er heimkomme, daß er mit einem Schiff komme und bringe viel Gezeugs mit und hole mich.« Sie meinten, es wäre also gut, aber sie besorgten, daß uns die Portugiesen verständen, denn sie hatten einen großen Kriegszug im August nach Brikioka vor, wovon ich wußte. Darum fürchteten sie, daß ich davon etwas mit ihnen redete. Aber ich sagte: »Nein, die Portugiesen verstehen uns nicht.« Da führten sie mich ungefähr einen Steinwurf von dem Schiff so nackt, wie ich allzeit unter ihnen ging. Da sprach ich sie an in dem Schiff: »Gott der Herr sei mit euch, liebe Brüder! Einer rede mit mir allein und laßt euch anders nicht hören, denn daß ich ein Franzose bin.« Da hob einer an, Jean Sanchez [?] genannt, ein Baske, den ich wohl kannte, und sagte zu mir: »Mein lieber Bruder, Eurethalben sind wir herkommen mit dem Schiffe und haben nicht gewußt, ob Ihr lebend oder tot gewesen seid, denn das erste Schiff brachte keine Nachricht von Euch. Nun hat uns der Hauptmann befohlen, zu forschen, ob Ihr noch am Leben wärt, und wann wir solches vernehmen, sollten wir hören, ob sie Euch auch verkaufen wollten, wo nicht, sollten wir sehen, ob wir etliche fangen könnten.« Die mißtrauischen Indianer machten der Wechselrede bald ein Ende; doch kann Staden seine Freunde noch vor dem Überfall im August warnen und dagegen erfahren, daß die mit den Portugiesen verbündeten Indianer sich ebenfalls zu einem Kriegszug gegen die Tuppin Imba rüsteten und zu Stadens Befreiung das Dorf, wo er wäre, überfallen wollten. Da nahm ich die Messer und Angelhaken aus der Kiste, die mir die Portugiesen gebracht hatten, gab sie ihnen und sagte: »Dies alles hat mir mein Bruder, der Franzose, gegeben.« Da fragten sie mich, was er alles mit mir geredet hätte. Da sagte ich, ich hätte meinem Bruder befohlen, er sollte sehen, daß er den Portugiesen entkäme und zöge in unser Vaterland und brächten ein Schiff mit vielen Gütern und holten mich, denn sie [die Indianer] wären brav und hielten mich wohl, das wollte ich ihnen dann lohnen, wenn das Schiff käme. Und mußte also alle Zeit das Beste hervorheben, und das gefiel ihnen wohl. Danach sagten sie untereinander: »Er muß gewiß ein Franzose sein, laßt uns ihn nun fortan besser halten. Also ging ich da eine zeitlang unter ihnen und sagte: »Es wird bald ein Schiff nach mir kommen,« damit sie mich gut behandelten. Danach führten sie mich in den Wald hin und wider; wo sie etwas zu tun hatten, mußte ich ihnen helfen. In dem Dorfe, wo Staden festgehalten wurde, war ein Sklave aus dem Stamm der Carios, der vorher Eigentum der Portugiesen gewesen, diesen aber entlaufen und zu den Tuppin Imbas gekommen war. Dieser hetzte die Indianer, soviel er konnte, gegen Staden auf, der, wie er behauptete, in Brikioka viele Tuppin Imbas getötet habe. Dieser Sklave wurde ernstlich krank, und als seine Herren sahen, daß er nicht wieder gesund werden wollte, töteten sie ihn und verzehrten ihn nach ihrer Sitte. [Kap. 39]. Kapitel 40. Wie ein französisches Schiff ankam, in das ich gern gekommen wäre, aber es von Gott nicht vorgesehen war. Ungefähr acht Tage zuvor, wie sie wollten zu Kriege ausziehen, so war ein französisch Schiff acht Meilen von dort in einer Bucht angekommen, welche die Portugiesen Rio de Janeiro nennen und in der Sprache der Wilden Iteronne. Daselbst pflegen die Franzosen Brasilienholz zu laden. So kamen sie nun zu dem Dorf, da ich war, auch mit ihrem Boot und handelten den Wilden Pfeffer, Meerkatzen und Papageien ab. Und es kam einer aus dem Boot ans Land, der konnte die Sprache der Wilden und hieß Jakob. Dieser handelte mit ihnen, und den bat ich, daß er mich mit zu Schiffe nehme. Aber meine Herren sagten, sie wollten mich so nicht hinschicken, sondern wollten viel Ware für mich haben. Da sagte ich ihnen, daß sie mich selbst hin zum Schiff brächten, meine Freunde sollten ihnen Ware genug geben. Sie meinten aber: »Nein, das sind deine rechten Freunde nicht. Denn die, so mit dem Boot hier sind, hätten dir ein Hemd gegeben, dieweil du nackt gehst. Aber sie achten nichts auf dich« (wie es auch war). Aber ich sagte, sie würden mich im großen Schiff kleiden, wenn ich dahin käme. Sie sagten, das Schiff würde nicht so bald hinwegfahren, sie müßten erst zu Kriege? aber wenn sie wiederkämen, würden sie mich hinführen. So wollte nun das Boot wiederum hinwegfahren, denn es hatte eine Nacht beim Dorf geankert. Wie ich nun sähe, daß sie mit dem Boot wieder hinwegfahren wollten, gedachte ich: »O du gütiger Gott, wenn das Schiff nun auch hinwegfährt und mich nicht mitnimmt, werde ich doch noch unter ihnen umkommen, denn es ist ein Volk, auf das kein Vertrauen ist.« Mit den Gedanken ging ich zu den Hütten hinaus nach dem Wasser zu, und sie wurden es gewahr und liefen mir nach. Ich lief vor ihnen her, und sie wollten mich greifen. Den ersten, so zu mir kam, schlug ich von mir. Und es war das ganze Dorf hinter mir. Doch entkam ich ihnen und schwamm zu dem Boot. Wie ich nun in das Boot steigen wollte, stießen mich die Franzosen wieder hinweg, meinten, wo sie mich wider der Wilden Willen mitnähmen, möchten sie sich auch gegen sie erheben und auch ihre Feinde werden. Da schwamm ich betrübt wieder nach dem Lande zu und dachte: »Nun sehe ich, daß es Gottes Wille ist, daß ich länger im Elend bleibe.« ... Wie ich nun wieder zu ihnen ans Land kam, waren sie fröhlich und sagten: »Nein, er kommt wieder.« Da zürnte ich mit ihnen und sagte: »Meint ihr, daß ich euch so entlaufen wollte? Ich bin da im Boot gewesen und habe meinen Landsleuten gesagt, daß sie sich darauf bereiteten, wenn ihr aus dem Krieg kämt und mich dahin brächtet, daß sie dann viel Ware beieinander hätten und euch gäben.« Solches behagte ihnen wohl und waren wieder zufrieden. Kapitel 41. Wie die Wilden zu Kriege zogen, mich mitnahmen und was sich auf dem Zuge begab. Danach in vier Tagen versammelten sich etliche Nachen, die zu Kriege ziehen wollten, in dem Dorfe, wo ich war. Da kam der Oberste Konyan Bebe mit den Seinen auch dahin. Da sagte mein Herr, er wollte mich mitnehmen. Sagte ich, er sollte mich daheim lassen, und er hätte es auch wohl getan, doch sagte Konyan Bebe, er sollte mich mitnehmen ... Auch war meine Meinung gewesen, wenn sie mich daheim gelassen hätten, ich wollte nach dem französischen Schiff entlaufen sein. Sie nahmen mich aber mit und waren 38 Nachen stark und jeder Nachen etwa mit 18 Mann besetzt ... Und ihre Meinung war, in die Nähe von Brikioka zu fahren, wo sie mich gefangen hatten, sich daselbst um den Flecken im Walde zu verstecken und diejenigen, so ihnen dermaßen in die Hände fielen, mitzunehmen ... Wie wir nun eine Tagereise von der Stelle entfernt waren, da sie ihren Anschlag vollbringen wollten, lagerten sie sich im Gehölz bei der Insel San Sebastian. Wie der Abend ankam, ging der Oberste Konyan Bebe durch das Lager im Walde und sagte, sie wären jetzt nahe zum Land der Feinde gekommen. Jeder sollte seinen Traum behalten, den er in der Nacht träumen würde, und sie sollten zusehen, daß sie sich etwas Glückliches träumen ließen. Wie die Rede aus war, tanzten sie mit ihren Abgöttern bis in die Nacht; danach schliefen sie. Wie mein Herr sich niederlegte, sagte er, ich sollte mir auch etwas Gutes träumen lassen. Ich sagte: »Ich achte auf keine Träume, sie sind falsch.« »So mache,« sagte er, »mit deinem Gott gleichwohl, daß wir Feinde fangen.« Wie der Tag nun anbrach, versammelten sich die Obersten um ein Becken gesottener Fische, welche sie aßen, und erzählten die Träume, so viel, daß sie ihnen wohlgefielen; etliche tanzten mit den Abgöttern, und sie waren willens, jetzt in das feindliche Land zu fahren bis zu einem Ort Boiwassu Kange, wo sie dann den Abend erwarten wollten. Wie wir nun ausfuhren, fragten sie mich noch einmal, was mir dünkte. Da sagte ich aufs Geratewohl: »Bei Boiwassu Kange werden uns die Feinde entgegenkommen, seid nur freimütig.« Unbesorgt. A. d. H. Und bei Boiwassu Kange, war meine Meinung, wollte ich ihnen entlaufen sein, wenn wir dahin gekommen wären. Denn da sie mich gefangen hatten, waren wir sechs Meilen Wegs von demselben Ort gewesen. Wie wir nun so fortfuhren an dem Lande her, so sahen wir auch Nachen, die kamen uns entgegen hinter einer Insel her. Da riefen sie: »Da kommen unsere Feinde, die Tuppin Ikins auch her.« Doch wollten sie sich mit den Nachen hinter einem Fels verbergen, auf daß die andern unversehens zu ihnen kommen sollten. Gleichwohl wurden sie unser gewahr und begaben sich wiederum auf die Flucht nach ihrer Heimat. Und wir ruderten ihnen aufs geschwindeste nach wohl vier ganze Stunden. Danach kamen wir sie an, und ihrer waren fünf Nachen voll, alle von Brikioka. Ich kannte sie alle miteinander. Es waren sechs Mameluken in einem der fünf Nachen. Diese waren getauft und zwei davon waren Brüder, Diego de Praga und Domingo de Praga. Die beiden wehrten sich trefflich, der eine mit einem Rohr, der andere mit einem Bogen; sie hielten sich in ihren Nachen zwei ganze Stunden gegen etliche dreißig Nachen der Unsern. Wie sie nun ihre Pfeile verschossen hatten, fielen die Tuppin Imba sie an, nahmen sie gefangen, und etliche wurden alsbald totgeschlagen oder geschossen. Die beiden Brüder wurden nicht verwundet. Aber zwei von den sechs Mameluken wurden schwer verwundet und von den Tuppin Ikins auch etliche, darunter eine Frau. Kapitel 42. Wie sie mit den Gefangenen umgingen auf dem Heimzuge. Es war zwei Meilen vom Lande entfernt, da sie gefangen wurden, und sie beeilten sich, so sehr sie konnten, ans Land zu kommen und sich zu lagern. Als wir nun in das Land Meien kamen, war es Abend, und die Sonne wollte untergehen; da leiteten sie die Gefangenen ein jeder seinen in die Hütten. Aber die Schwerverwundeten zogen sie ans Land, schlugen sie sofort tot, schnitten sie nach ihrem Gebrauch in Stücke und brieten das Fleisch – darunter waren auch zwei Mischlinge, der eine des Diego de Praga Blutsverwandter. Staden tröstet die andern Gefangenen mit dem Hinweis auf seine Person, die so lange unversehrt bei den Wilden geblieben sei. An diesem Abend hätte Staden entlaufen können, denn man ließ ihn unbewacht gehen, wohin er wollte, und er kannte von früher die Gegend, die von der Brikioka nur zehn Meilen entfernt war. Aber ich unterließ es um der gefangenen Christen willen, von denen noch vier am Leben waren. »Denn,« gedachte ich, »entlaufe ich ihnen, so werden sie zornig und schlagen meine Brüder von Stund an tot. Vielleicht erhält uns mittlerweile Gott alle miteinander,« und gedachte also, bei ihnen zu bleiben und sie zu trösten, wie ich auch tat. Aber die Wilden waren mir sehr günstig, weil ich vorher auf gut Glück gesagt hatte, die Feinde würden uns begegnen. Wie es nun so geschah, sagten sie, ich wäre ein besserer Prophet als ihr Miraka. Kapitel 43. Wie sie weiter mit ihren Feinden umgingen. Des andern Tages kamen wir in die Nähe ihrer Landschaft zu einem großen Gebirge, Occarasu genannt. Daselbst lagerten sie sich, die Nacht da zu bleiben. Da ging ich in die Hütte ihres obersten Königs Konyan Bebe und fragte ihn, was er mit den Mischlingen im Sinn hätte. Er sagte, sie sollten gegessen werden, und verbot mir, ich sollte nicht mit ihnen reden, denn er wäre sehr zornig auf sie; sie hätten daheim bleiben sollen und nicht mit seinen Feinden gegen ihn gezogen sein. Ich sagte, er sollte sie leben lassen und seinen Freunden wiederum verkaufen. Er sagte, sie sollten gegessen werden. Und derselbe Konyan Bebe hatte einen großen Korb voll Menschenfleisch vor sich, aß von einem Beine, hielt mir es vor den Mund, fragte mich, ob ich auch essen wollte. Ich sagte: »Ein unvernünftig Tier frißt kaum das andere, sollte da ein Mensch den andern fressen?« Er biß darein und sagte: »Jau ware sche, ich bin ein Tigertier, es schmeckt wohl.« Und damit ging ich von ihm ... Danach am dritten Tage kamen wir wieder in ihre Landschaft; ein jeder führte seine Gefangenen dahin, wo er zu Hause war. Die in dem Dorfe Uwattibi, wo ich lebte, hatten acht Wilde lebendig gefangen und drei Mischlinge, die Christen waren, nämlich die genannten Brüder und einen gewissen Antonio; den hatte meines Herrn Sohn gefangen. Und noch zwei Mischlinge, die Christen waren, führten sie gebraten heim, da zu essen. Und wir waren in den elften Tag auf der Reise aus und wieder zu Hause. Staden muß nun noch öfter den Greuel des Kannibalismus ansehen. Das französische Schiff ist noch anwesend; es wird aber seine Freigebung mit nichtigen Vorwänden verweigert. Es glückt ihm bald darauf, den Tod einer ihm übelwollenden Frau, auch verschiedene Witterungswechsel vorherzusagen. Die Achtung und Furcht der Indianer vor ihm steigt. Sie wollen ihn von ihrem Dorf wegtun. Doch gab er noch vorher in einem Abschiedsgespräch den gefangenen Brüdern genaue Anweisung, wie und wohin sie entfliehen sollten. In der Tat gelang es ihnen auch, kurze Zeit darauf zu entweichen. [Kap. 44 bis Kap. 48.] Kapitel 49. Wie sie mich hinführten zu verschenken. Sie fuhren mit mir hin, da sie mich verschenken wollten. Und wie wir so ein Stück Weges vom Lande waren, sah ich mich um nach den Hütten, da wir ausfuhren, und es war eine schwarze Wolke über den Hütten. Ich zeigte es ihnen und sagte, mein Gott wäre zornig über das Dorf, weil sie das Christenfleisch gegessen hätten ... Wie sie mich nun hinbrachten, überlieferten sie mich dem König, Abbati Bossange genannt. Dem sagten sie, daß er mir keine Überlast tun sollte oder tun lassen, denn mein Gott wäre schrecklich über die, so mir leid täten. Denn das hätten sie gesehen, da ich noch bei ihnen gewesen wäre. Und ich tat ihm auch selbst eine Vermahnung und sagte, es würden bald meine Brüder und meine Verwandten kommen, mit einem Schiff voll Ware; sie sollten mich nur wohl verwahren, dann wollte ich ihnen Ware geben ... Das behagte ihm wohl. Der König nannte mich Sohn, und ich ging mit seinen Söhnen aufs Weidwerk. Das französische Schiff, mit dem Staden die Rückreise anzutreten gehofft hatte, und in dem sich unter andern der Franzose befand, der unsern Gefangenen nicht als Landsmann anerkennen wollte und den Indianern empfohlen hatte, ihn zu töten – dieses Schiff hatte endlich seine Ladung vollendet und war abgesegelt. Wie Staden später erfuhr, ist es aber nicht in Frankreich angekommen und niemand weiß, wo es geblieben ist. [Kap. 50.] Kapitel 51. Wie kurz danach ein ander Schiff aus Frankreich kam, die Catherine de Watteville, die mich kauften, und wie es sich zutrug. Ich war ungefähr vierzehn Tage bei dem König Abbati Bossange, so begab es sich eines Tags, daß etliche Wilden zu mir kamen und sagten, sie hätten hören schießen, es müßte in Iteronne (Rio de Janeiro) sein. Wie ich nun gewißlich erfuhr, daß ein Schiff da war, sagte ich ihnen, sie sollten mich dahin bringen, denn es würden vielleicht meine Brüder sein. Sie sagten ja, hielten mich gleichwohl noch etliche Tage auf. Mittlerweile begab es sich, daß die Franzosen, so dahin gekommen waren, hörten, daß ich da unter den Wilden wäre. Da schickte der Kapitän zwei Gesellen vom Schiff samt etlichen wilden Königen, die sie in der Gegend zu Freunden hatten; sie kamen alle in eine Hütte unweit der, worin ich mich befand. Mir wurde von den Wilden die Nachricht gebracht, daß zwei vom Schiff gekommen wären. Ich wurde froh, ging hin zu ihnen und hieß sie willkommen in der Sprache der Wilden. Wie sie mich nun so elend gehen sahen, hatten sie ein Mitleid mit mir und teilten mir von ihren Kleidern mit. Ich fragte sie, warum sie gekommen wären. Sie sagten: meinethalben; es sei ihnen befohlen, daß sie mich zu Schiff brächten; dazu sollten sie alle Anschläge machen. Da erfreute sich mein Herz über die Barmherzigkeit Gottes. Und ich sagte zu dem einen von den beiden, Perot, welcher der Wilden Sprache konnte, er sollte vorwenden, er wäre mein Bruder und hätte mir da ein paar Kisten voll Kaufmannsgut gebracht; sie wollten mich mit sich ins Schiff nehmen, um die Güter zu holen. Und er wendete weiter vor, ich sollte unter ihnen [den Indianern] bleiben, Pfeffer und andere Ware mehr zu sammeln, bis daß die Schiffe wiederkämen im andern Jahr. Unter diesen Reden brachten sie mich zu Schiff, und mein Herr zog selbst mit. Im Schiff hatten sie alle groß Mitleiden mit mir und taten mir viel Gutes. Wie wir nunmehr einen [?] Tag oder fünf zu Schiff gewesen waren, fragte mich der wilde König, Abbati Bossange, dem ich geschenkt war, wo die Kisten wären, daß ich sie mir geben ließ, daß wir wieder in Zeiten heimkommen möchten. Dies sagte ich dem Obersten des Schiffes. Der befahl mir, ich sollte ihn aufhalten, bis das Schiff seine volle Last hätte, für den Fall, daß sie zornig werden und Ungemach zu bereiten versuchen sollten, wenn sie sähen, daß sie mich im Schiff behielten, oder sonst eine Verräterei anrichteten, sintemal es ein Volk ist, da kein Vertrauen darauf ist. Aber mein Herr, der König, wollte mich durchaus mit heimnehmen. Doch ich hielt ihn so lange auf mit Worten und sagte, er sollte nicht so eilen, denn er wüßte wohl, wenn gute Freunde zusammenkämen, könnten sie so bald nicht scheiden. Wenn sie aber mit dem Schiff wieder hinwegfahren wollten, wollten wir auch wiederum nach seiner Hütte ziehen, und hielten ihn so auf. Endlich wie das Schiff gerüstet war, versammelten sich die Franzosen im Schiff alle beieinander, und ich stand bei ihnen, und mein Herr, der König, samt denen, so er mit sich hatte, standen auch da. Und der Hauptmann des Schiffes ließ den Wilden sagen mit seinem Dolmetsch, es behage ihm sehr wohl, daß sie mich nicht getötet hätten, nachdem sie mich unter ihren Feinden gefangen hätten. Ließ weiter sagen (mich mit besserer Möglichkeit von ihnen abzubringen), er hätte mich vom Lande ins Schiff fordern lassen, daß er ihnen etwas geben wollte, daß sie mich so wohl verwahrt hätten, auch wäre seine Absicht, er wollte mir etliche Ware geben, daß ich unter ihnen bleiben sollte, dieweil ich bei ihnen bekannt wäre, daß ich Pfeffer und andere Ware sammelte, die ihm dienlich wäre, bis daß er wiederkäme. So hatten wir es nun so beschlossen, daß etliche von den Schiffsleuten sich versammelten, die mir einigermaßen ähnlich sähen. Diese gaben vor, sie wären meine Brüder und wollten mich heim haben. Dies ward ihnen [den Indianern] vorgehalten. Diese meine Brüder wollten keineswegs, daß ich mit ihnen [den Wilden] wieder an Land ziehen sollte, sondern ich sollte heim ziehen, denn unser Vater begehrte, mich noch einmal zu sehen, ehe denn er stürbe. Da ließ ihnen der Kapitän wieder sagen, er wäre ihr Oberster im Schiff und hätte gern, daß ich mit ihnen wieder an Land zöge, aber er wäre nur ein Mensch, und meiner Brüder wären viel, er könnte nicht wider sie tun. Dieses Vorwenden geschah alles, daß sie sich wollten mit Glimpf von den Wilden scheiden. Und ich sagte auch meinem Herrn, dem Könige, ich wollte gern mit ihm heim ziehen, aber er sehe wohl, daß es meine Brüder nicht zulassen wollten. Da fing er an zu schreien im Schiffe und sagte, wenn sie mich denn ja mitnehmen wollten, daß ich dann mit dem ersten Schiffe wiederkäme, denn er hätte mich wie seinen Sohn gehalten und wäre sehr zornig über die von Uwattibi, daß mich die hatten essen wollen. Und seiner Weiber eins, welches mit im Schiff war, mußte mich beschreien nach ihrer Gewohnheit, und ich schrie auch nach ihrem Gebrauch. Nach dem allem gab ihm der Hauptmann etliche Ware, möchte sich auf fünf Dukaten Wert in Messern, Äxten, Spiegeln und Kämmen belaufen. Damit zogen sie wiederum an Land in ihre Wohnungen. So half mir der Allmächtige aus der Gewalt der Tyrannen. Aber noch vor der Abfahrt aus dem Hafen von Rio de Janeiro, die am letzten Oktober 1644 stattfand, traf Staden neues Unheil. Das französische Schiff wollte sich eines portugiesischen Fahrzeugs, das mit den Eingeborenen Handel getrieben hatte, bemächtigen. Die Portugiesen wehrten sich tapfer und erfolgreich ihrer Haut, und von ihren Kugeln wurde unter andern auch Staden, wie es schien, auf den Tod verwundet. Er genas aber völlig und lief am 20. Februar 1555 wohlgemut in Honfleur in der Normandie ein. Von dort fuhr Staden nach London und weiter über einen seeländischen Hafen nach Antwerpen. »So hat mir der Allmächtige Gott, dem all Ding möglich ist, ins Vaterland wieder geholfen. Ihm sei ewig Lob. Amen.« Ulrich Schmidels wahrhaftige und liebliche Beschreibung. 1534-1554. Ulrich Schmidel wurde im Anfang des 16. Jahrhunderts als Sproß einer ansehnlichen Straubinger Familie daselbst geboren. Für einen gelehrten Beruf bestimmt, zog er es wie viele seiner Landsleute, von Abenteuerlust getrieben, vor, sein Glück jenseits des Meeres zu suchen. Als sich daher Mendoza zu einem Zug ins Goldland Peru rüstete, das er von der Ostküste aus erreichen wollte, schloß sich ihm Schmidel an. Mit 80 Landsleuten segelte er auf einem Schiffe aus, das den Nürnberger Kaufleuten Sebastian Neithart und Jakob Welser gehörte. Am 1. September 1534 fuhr Mendoza von Cadiz ab und kam erst nach 20 Jahren eines unruhvollen, an Abenteuern und Gefahren überreichen Lebens wohlbehalten in seine Vaterstadt zurück. Schmidels Reisewerk erschien zum erstenmal gedruckt im Jahre 1567 bei Siegmund Feyerabend in Frankfurt als Teil einer Sammlung von Reisebeschreibungen unter dem Titel: »Wahrhaftige und liebliche Beschreibung etlicher fürnehmen indianischen Landschaften und Insuln, die vormals in keiner Chroniken gedacht und ernstlich in der Schifffahrt Ulrich Schmidels von Straubingen mit großer Gefahr erkundigt und von ihm selber aufs fleißigst beschrieben und dargetan.« Der folgende Bericht beruht auf der Ausgabe, die Dr. V. Langmantel auf Grund einer Münchener Papierhandschrift aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts veranstaltet hat (gedruckt für den Literarischen Verein in Stuttgart; Tübingen 1889). Anno als man zählt nach Christi unseres lieben Herrn und Seligmachers Geburt taufendfünfhundertvierunddreißig, habe ich, Ulrich Schmidel von Straubing, auf dem Seeweg von Antorf Antwerpen. A. d. H. aus folgende Nationen und Länder gesehen, nämlich Spanien, Indien Unter Indien ist Amerika zu verstehen. Der letztgenannte Name findet sich bei Schmidel noch nicht. A. d. H. und mancherlei Inseln und habe sie mit großer Gefahr in Kriegsläufen durchzogen. Diese Reise – sie währte von obengenanntem Jahr bis ins vierundfünfzigste, da mir Gott der Allmächtige wieder in die Heimat geholfen – habe ich mit all den Gefahren, die mir samt meinen Gefährten zugestoßen sind, aufs kürzeste hierin beschrieben. Schmidel erzählt, wie er in Cadiz ankam. Dort fand er 14 wohlausgerüstete Schiffe, die für die Ausfahrt nach Rio della Plata bestimmt waren. Die Mannschaft bestand aus 2500 Spaniern und 150 Deutschen. Oberbefehlshaber war Don Pedro de Mendoza, dem die Stellung eines Adelantado, eines Zivil- und Militärgouverneurs der am La Plata einzurichtenden Kolonie verliehen wurde. Eines der Schiffe gehörte den Nürnberger Kaufleuten Sebastian Neithart und Jakob Welser, die am La Plata eine Faktorei gründen wollten. Schmidel fuhr mit den 14 Schiffen am 24. August von Sevilla nach Sanlucar an der Mündung des Guadalquivir, wo widrige Winde die Ausfahrt vor September unmöglich machten. Dann gings hinaus ins offene Meer, zunächst zu den drei Kanarischen Inseln Teneriffa, Gomera und Palma, die zu Spanien gehören und nur von Spaniern mit ihren Frauen und Kindern bewohnt sind. Die Schiffe werden auf die drei Inseln verteilt; Schmidel kommt mit drei Schiffen nach Palma. Vier Wochen bleiben die Schiffe dort zur Verproviantierung liegen. In der Nacht vor der Wiederausfahrt ereignet sich ein Zwischenfall: Unser oberster Hauptmann, der 8-9 Meilen von uns lag, Bei der Insel Teneriffa. A. d. H. hatte uns befohlen, wieder zu ihm zu stoßen. Auf unserem Schiff hatten wir seinen Vetter Don Jorge de Mendoza, der eine Bürgerstochter aus Palma lieb hatte. Und als wir am nächsten Morgen ausfahren wollten, da war obengenannter Don Jorge de Mendoza um 12 Uhr in der Nacht mit 12 Helfershelfern an Land gegangen und brachte mit ihnen die Bürgerstochter aus Palma und ihre Magd mit ihren Kleidern, Kleinodien und ihrem Geld zu uns aufs Schiff, aber ganz heimlich, so daß weder unser Hauptmann Heinrich Paimen noch sonst jemand aus dem Schiff drum wußte; der allein, der auf der Wache stand, hat sie gesehen, denn es geschah um Mitternacht. Und als wir morgens auf- und davonfahren wollten, da kam nach 2 oder 3 Meilen ein großer Sturmwind; wir mußten wieder umkehren und im selben Hafen wieder anlegen, wo wir ausgefahren waren; hier warfen wir unsere Anker aus. Nun wollte unser Hauptmann Heinrich Paimen ans Land fahren in einem kleinen Schifflein, das man Boot nennt; und als er hinfuhr und ans Land wollt steigen, da waren am Ufer mehr als 30 Männer, wohlgerüstet mit Büchsen, Spießen und Hellebarden, die wollten unsern Hauptmann Heinrich Paimen fangen; einer seiner Begleiter warnte ihn daher, er solle nicht ans Land steigen, sondern lieber wieder umkehren. Da beeilte sich der Hauptmann, um wieder zu seinem Schiff zu kommen, konnte es aber nicht schnell genug erreichen, denn schon waren die vom Land nahe auf ihm in anderen kleinen Booten, die sie vorher bereitgestellt hatten; doch entkam er ihnen auf ein anderes Schiff, das nahe beim Land gewesen. Und da sie ihn nicht gleich fangen konnten, ließen sie in der Stadt Palma von Stund an Sturm läuten, ließen auch zwei große Stück Geschütz laden und 4 Schüsse auf unser Schiff abgehen, denn wir lagen nicht weit vom Land vor Anker. Der erste Schuß riß unsern irdenen Hafen, der hinten im Schiff voll Süßwasser stand und vier bis fünf Eimer faßte, in Stücke. Mit dem zweiten schossen sie den Massane Das spanische Wort mesana , bedeutet den Besanmast. A. d. H. auch in Stücke. Beim dritten trafen sie mitten aufs Schiff, machten ein großes Loch hinein und erschossen einen Mann; und den vierten Schuß trafen sie nicht. Es war aber noch ein anderer Hauptmann da, dessen Schiff auch an unserer Seite lag, und der nach Neu-Spanien oder Mexiko fahren wollte; derselbe war draußen an: Land mit 150 Mann, und als er von dem Handel hörte, machte er mit denen von der Stadt und uns Frieden unter der Bedingung, daß ihnen Don Jorge de Mendoza samt der Bürgerstochter und ihrer Magd gewißlich zu Händen gestellt werden sollten. Darauf kam der Statthalter und Richter zu unserem Hauptmann in unser Schiff und wollte Don Jorge de Mendoza und seine Buhlschaft gefangen nehmen; der aber antwortete ihm, sie sei sein Eheweib, und auch sie erzeigte sich nicht anders; daraufhin hat man sie sogleich zusammen verheiratet; der Vater aber war sehr traurig und bekümmert. Dann ließen wir Don Jorge de Mendoza und seine Hausfrau am Land, denn unser Hauptmann wollte ihn auf seinem Schiff nicht mehr haben. Die Fahrt geht nun zunächst nach Santiago Eine der Kapverdischen Inseln. A. d. H. dort blieben die Schiffe 5 Tage lang, um neuen Proviant an Bord zu nehmen. Nach einer Seefahrt von 2 Monaten wird 1500 Meilen von Santiago entfernt auf einer Vogelinsel Wahrscheinlich das zu Brasilien gehörige Eiland Fernando Norunha. A. d. H. 3 Tage Rast gemacht. Von der Meeresfauna, die Schmidel unterwegs kennen lernt, erwähnt er außer den fliegenden Fischen und dem Walfisch als besonders ausfällig den Strohhutfisch, den Schwertfisch und den Sägefisch. Nach weiteren 600 Meilen erreicht Schmidel die Insel Rio Genno Rio de Janeiro. A. d. H. in India. Dort waren wir etwa 14 Tage, da befahl Don Pedro de Mendoza, unser oberster Hauptmann, daß Juan de Osorio als sein Waffenbruder uns an seiner Statt regieren sollt, denn er selbst war immer elend, schwach und krank. Aber Juan de Osorio wurde bald bei Don Pedro de Mendoza, seinem Waffenbruder, fälschlicherweise verleumdet und angeklagt, als wollte er sich gegen den obersten Hauptmann mit dem Volk aufrührig machen. Darauf befiehlt Don Pedro de Mendoza 4 anderen Hauptleuten, Juan de Ayolas, Juan de Salazar, Jorge Lujan und Lazaro de Salazar, sie sollen obengenannten Juan de Osorio mit Dolchen töten oder umbringen und mitten auf den Platz legen als einen Verräter; daneben hat er geboten und ausschreien lassen, daß sich bei Todesstrafe keiner des Osorio halber rege, oder es solle demselben, sei er, wer er wolle, auch nichts Besseres widerfahren. Man hat ihm unrecht getan, das weiß Gott der Allmächtige, der sei ihm gnädig; er ist ein frommer, aufrichtiger und tapferer Kriegsmann gewesen und hat seine Leute immer gut gehalten. Von dannen fuhren wir nach Rio de la Plata und kamen in ein süßes, fließendes Wasser mit Namen Paranaguazu Parana-guazu (= großer Parana) hieß damals der Rio de La Plata. Schmidel versteht unter Rio de Laplata das Land. A. d. H. weit an der Mündung, wenn man vom Meer aus hineinfährt, und etwa 42 Meilen Wegs breit. Von Rio de Janeiro bis zu diesem Wasser sind es 500 Meilen Wegs. Dann sind wir zu einem Hafen gekommen, der heißt San Gabriel, Jetzt der Name einer Insel unweit Colonia del Sagramento in Uruguay. A. d. H. daselbst haben wir unsere Anker geworfen in das besagte fließende Wasser Parana. Da wir aber mit den großen Schiffen auf eine Büchsenschußweite vom Land bleiben mußten, hat unser Oberster Don Pedro de Mendoza verordnet und den Seeleuten anbefohlen, daß man das Volk auf kleinen Schifflein, die dazu bestimmt und Boote genannt waren, ans Land solle führen. So sind wir durch Gottes Segen zum Rio de la Plata gekommen im Jahr 1535. Dort haben wir einen indianischen Flecken gesunden, darin sind etwa 2000 Männer, die heißen Charruas und haben nichts anderes zu essen denn Fisch und Fleisch. Als wir hinkamen, haben sie den Flecken verlassen und mit ihren Weibern und Kindern die Flucht ergriffen, so daß wir sie nicht finden konnten. Dieses indianische Volk geht ganz nackt und bloß: nur ihre Weiber haben ihre Scham bedeckt mit einem kleinen baumwollenen Tüchlein vom Nabel bis auf die Knie. Nun befahl der Oberste Don Pedro de Mendoza, daß man das Volk wiederum in die Schiffe bringen und auf die andere Seite des Flusses Parana führen solle, da wo er nicht breiter als 8 Meilen Wegs ist. Dort haben wir eine Stadt gebaut, die hat geheißen Buenos Aires, d. i. auf deutsch: Guter Wind. Wir haben auch 72 Pferde und Stuten aus Spanien auf den 14 Schiffen mitgebracht. Auf diesem Land haben wir einen Flecken gefunden mit indianischem Volk; diese Leute heißen Querandis und sind ungefähr 2000 Mann stark samt ihren Weibern und Kindern; auch sie sind wie die Charruasweiber nur mit einem kleinen Tüchlein bekleidet; sie brachten uns Fische und Fleisch zum Essen. Diese Querandis haben keine eigene Wohnung, sondern ziehen im Land umher wie bei uns die Zigeuner, und wenn sie im Sommer reisen, ziehen sie manchmal 30 Meilen weit auf trockenem Land, wo sie keinen Tropfen Wasser zu trinken finden. Und wenn sie dann einen Hirsch oder irgendein ander Wild fangen, so trinken sie dessen Blut; auch finden sie eine Wurzel, die heißt Cardo Vielleicht die Cardonendistel, deren fleischige Blätterrippen genießbar sind. A. d. H. und wird für den Durst gegessen. Blut trinken sie aber nur, wenn sie gar kein Wasser noch irgendein anderes durststillendes Mittel haben, da sie sonst vielleicht verschmachten müßten. Diese Querandis haben uns täglich ihre Armut von Fischen und Fleisch wohl 14 Tage lang in das Lager gebracht und mit uns geteilt; nur einen Tag blieben sie aus, da sie nicht zu uns kamen. Da schickte unser Oberster Don Pedro de Mendoza einen Richter, genannt Juan Pavon; der ging mit 2 Knechten zu den Querandis, die 4 Meilen von unserem Lager waren. Und da sie zu ihnen kamen, hielten sie sich dermaßen, daß sie alle drei wohl durchgebläut wurden; dann schickten sie sie wieder heim in unser Lager. Als das unser Hauptmann Pedro de Mendoza inne ward nach der Mitteilung des Richters, der einen solchen Aufruhr im Lager anstiftete, schickt er seinen leiblichen Bruder Diego de Mendoza mit 300 Lanzknechten und 30 wohlgerüsteten Pferden, darunter ich auch gewesen bin, und befahl uns, wir sollten diese Querandis alle totschlagen und ihren Flecken einnehmen. Und wie wir zu ihnen kamen, waren ihrer 4000 Mann, denn sie hatten ihre Freunde zusammengerufen; und als wir sie angreifen wollten, stellten sie sich dermaßen zur Wehr, daß wir an dem Tag genug mit ihnen zu schaffen hatten; sie brachten auch unsern Hauptmann Don Diego de Mendoza um samt 6 Edelleuten zu Roß und Fußknechte; auf unserem Teil sind etwa 20 totgeschlagen worden und auf ihrer Seite kamen etwa 1000 ums Leben; sie haben sich also tapfer gegen uns gewehrt, daß wir's wohl empfunden haben. Diese Querandis haben als Waffen Handbogen und Wurfspieße, die sind gemacht wie halbe Spieße, vorn dran eine Spitze von Feuerstein wie ein Pfeil gemacht. Sie haben auch Kugeln von Stein und eine lange Schnur dran, in der Größe etwa wie bei uns in Deutschland eine Bleikugel; diese Kugeln werfen sie einem Pferd oder Hirsch um die Füße, daß es dann fallen muß. Die bekannten Bolas, die noch jetzt in Südamerika in Gebrauch sind. A. d. H. Sie haben unseren Hauptmann und die Edelleute auch mit diesen Kugeln umgebracht, was ich selbst mit eigenen Augen gesehen habe; die Fußknechte haben sie dann mit den obengenannten Wurfspießen getötet. Also gab uns Gott der Allmächtige die Gnade, daß wir obsiegten und ihren Flecken einnahmen; wir konnten aber keinen der Indianer fangen, denn sie hatten auch ihre Weiber und Kinder aus ihrem Flecken geflüchtet, ehe wir sie angriffen. In diesem ihrem Flecken fanden wir nichts als Pelzwerk von Rüderen Wahrscheinlich von dem spanischen nutria (= Fischotter). Es ist wohl der Sumpfbiber gemeint, dessen Fell sehr geschätzt wird. A. d. H. oder Ottern, wie man's heißt, ebenso viele Fische und Fischmehl? wir blieben 3 Tage und zogen alsdann wieder in unser Lager und ließen von unserem Volk 100 Mann im Flecken, daß sie mit der Indianer Netzen zum Unterhalt für unser Volk fischten, denn es gab dort außerordentlich gutes Fischwasser; man gab einem im Tag nur 6 Lot Kornmehl als Speise und alle 3 Tage einen Fisch; diese Fischerei dauerte 2 Monate lang, und wer sonst einen Fisch essen wollte, der mußte 4 Meilen Wegs danach gehen. Und als wir wieder in unser Lager kamen, teilte man das Volk voneinander, was zum Krieg tauglich und was zur Arbeit; dahin ward jedes gebracht. Und man baute daselbst eine Stadt und eine Mauer aus Erde, so hoch, wie ein halber Spieß lang ist, darum; und drinnen ein starkes Haus für unsern Obersten. Die Stadtmauer war 3 Schuh breit, und was man heute baute, fiel morgen wieder ein; denn das Volk hatte nichts zu essen und starb vor Hunger, so groß war unser Armut. Auch kam es zuletzt so weit, daß die Pferde nicht langten; ja, es vergrößerte sich Not und Jammer des Hungers, da weder Ratten noch Mäuse, weder Schlangen noch anderes Ungeziefer genug vorhanden waren zur Stillung des großen, jämmerlichen Hungers und der unaussprechlichen Armut; auch Schuhe und Leder, alles mußte gegessen sein. Es begab sich, daß drei Spanier ein Roß entführten und dasselbe heimlich aßen, und als man's von ihnen inne ward, wurden sie gefangen und mit schwerer Pein gefragt, bis sie es bekannten; sie wurden alsdann zum Galgen verurteilt, so daß man sie alle drei hängte. In der Nacht sind andere Spanier zu diesen drei Gehenkten zum Galgen gekommen, haben ihnen die Schenkel abgehauen und Stücke Fleisch aus ihnen geschnitten zur Sättigung ihres Hungers. Ebenso aß ein Spanier seinen Bruder, der da gestorben war in der Stadt Buenos Aires. Nun sah unser oberster Hauptmann Don Pedro de Mendoza, daß er sein Volk dort nicht länger erhalten konnte; da verordnet und befiehlt er mit seinen Hauptleuten, man solle vier kleine Schifflein – man nennt sie »Parckadines«, Der Ausdruck ist schwer zu deuten; vielleicht kommt er vom italienischen barchettina . Schmidel selbst gebraucht an einer späteren Stelle als gleichbedeutend den deutschen Ausdruck Wasserburg. A. d. H. die muß man rudern, 40 Mann können darin fahren – möglichst rasch machen samt anderen 3 noch kleineren, die nennt man Boote; und als diese sieben Schiffe verfertigt und ausgerüstet waren, ließ unser Hauptmann das Volk zusammenrufen und schickt Jörg Lichtenstein mit 350 Bewaffneten das Wasser Parana hinauf, um die Indianer zu suchen, damit wir Speise und Proviant bekommen möchten. Als uns aber die Indianer wahrgenommen hatten, konnten sie uns keine größere Buberei antun, als daß sie Speise und Proviant, sowie ihre Flecken verbrannten und zerstörten und alle davonliefen; Bei dem oben geschilderten ebenso unverständigen wie unmenschlichen Verfahren gegen die zunächst so hilfsbereiten Eingeborenen ist deren späteres feindseliges Verhalten sehr erklärlich. A. d. H. somit hatten wir immer noch nichts zu essen, nur 3 Lot Brot in Schiffszwieback gab man einem für den Tag. Auf dieser Reise starb die Hälfte des Volks vor unaussprechlichem Hunger; deshalb mußten wir wieder in den obengenannten Flecken zurückkehren, da unser oberster Hauptmann war. Don Pedro de Mendoza forderte Bericht von Jörg Lichtenstein, unserem Hauptmann auf dieser Reise, wie es denn zugegangen sei, daß so wenig Leute wiederkamen, wir seien doch nur 2 Monate draußen gewesen. Da antwortete er ihm, die Leute seien Hungers gestorben, denn die Indianer hätten alle Speise verbrannt und seien geflohen, wie wir oben kurz gehört haben. Dann blieben wir noch einen Monat lang beieinander in der Stadt Buenos Aires unter großen Entbehrungen, bis man die Schiffe hergerichtet hatte. In dieser Zeit kamen die Indianer mit großer Macht und Gewalt über uns und unsere Stadt Buenos Aires, an die 23 000 Mann stark; darunter waren 4 Nationen mit Namen: Querandis, Guarauis, Charruas, Chanas-Timbos. Diese alle hofften, sie könnten uns alle umbringen; aber den größeren Teil hat Gott der Allmächtige noch am Leben erhalten, ihm sei Lob und Preis immer und ewiglich. Auf unserer Seite sind ungefähr 30 Mann mit Hauptleuten und Fähnrichen umgekommen. Und als sie zum ersten Mal zu unserer Stadt Buenos Aires kamen und uns angriffen, da liefen die einen Sturm, die andern schossen mit feurigen Pfeilen auf unsere Häuser, die mit Stroh gedeckt waren, ausgenommen das unseres obersten Hauptmanns, dessen Haus mit Ziegeln gedeckt war, und brannten unsere Stadt in den Grund. Ihre Pfeile sind aus Rohr gemacht, die sie vorn an der Spitze anzünden; auch aus Holz machen sie Pfeile, die, angezündet und abgeschossen, nicht verlöschen, sondern auch alle Häuser anzünden, die aus Stroh gemacht sind. Dazu verbrannten sie uns auch 4 große Schiffe, die eine halbe Meile von uns auf dem Wasser lagen. Als die Leute, die darauf waren und kein Geschütz hatten, einen so großen Haufen Indianer sahen, flohen sie aus diesen 4 Schiffen in 3 andere, die nicht weit davon lagen und in denen Geschütz war. Als sie die 4 von den Indianern angezündeten Schiffe brennen sahen, da stellten sie sich zur Wehr und ließen das Geschütz auf die Indianer abgehen; als das die Indianer sahen und das Geschütz vernahmen, zogen sie sogleich davon und ließen die Christen zufrieden. Das alles ist geschehen am Sankt-Johannistag [24. Juni] anno 1535. Nach diesem Ereignis mußte alles Volk alsbald in die Schiffe gehen, und Don Pedro de Mendoza, unser oberster Hauptmann, gab das Volk über an Juan de Ayolas und setzte ihn an seiner Statt ein, daß er unser Hauptmann sein und uns regieren solle. Als dann Ayolas das Volk musterte, fand er von 2500 Mann nicht mehr als 560, die noch am Leben waren; die anderen waren im Kampf gefallen oder vor Hunger umgekommen. Gott der Allmächtige sei ihnen und uns gnädig und barmherzig! Danach ließ unser Hauptmann Juan de Ayolas schnell 8 kleine Schifflein, Wasserburgen und Boote, herstellen und nahm darauf 400 Mann zu sich von den 560, die andern 160 ließ er in den 4 großen Schiffen, daß sie dieselben verwahren sollten, und stellte ihnen einen Hauptmann zu mit Namen Juan de Romero und gab ihnen auf ein Jahr Proviant, so daß man jedem Kriegsknecht für einen Tag 8 Lot Brot oder Mehl geben konnte; wollte einer mehr essen, so mochte er's suchen. Alsdann fuhr Juan de Ayolas mit den 400 Mann auf den Wasserburgen das Wasser Parana aufwärts, und Don Pedro de Mendoza, unser alleroberster Hauptmann, fuhr auch mit. Und in zwei Monaten kamen wir zu den Indianern nach 84 Meilen Wegs; diese Völker heißen Timbos; sie tragen auf beiden Seiten der Nase ein kleines Sternlein, das aus weißem und blauem Stein gemacht ist. Es sind große, schöngewachsene Leute, die Weibsbilder aber sind gar ungestaltig, junge wie alte; sie sind unter dem Gesicht zerkratzt und immer blutig. Diese Leute essen nichts anderes, haben auch ihr Leben lang nichts anderes zu essen oder Speise gehabt als Fisch und Fleisch. Man schätzt die Stärke dieses Stammes aus 15 000 Mann oder mehr. Und als wir auf 4 Meilen zu diesen Indianern kamen, bemerkten sie uns und fuhren uns friedfertig entgegen in beinahe 400 Kanoes oder Zillen; auf jedem saßen 16 Mann. Eine solche Zille ist aus einem Baum gemacht, ist 80 Schuh lang und 3 Schuh breit; man muß sie rudern, wie die Fischer in Deutschland ihre Zillen; doch sind die Ruder nicht mit Eisen beschlagen. Als wir auf dem Wasser zusammenkamen, da schenkt unser Hauptmann Juan de Ayolas dem obersten Indianer von den Timbos, namens Chera-guazu, ein Hemd, einen Rock, ein Paar Hosen und noch andere Tauschhandelssachen. Dann führte uns obengenannter Chera-guazu in ihren Flecken und gab uns Fische und Fleisch überaus genug zu essen. Wenn aber die oben erzählte Reise 10 Tage länger gedauert hätte, so hätten wir alle vor Hunger sterben müssen; und es sind auch auf dieser Reise von den 400 Mann 50 gestorben; alsdann hat sich Gott der Allmächtige ins Mittel gelegt, ihm sei Lob und Dank gesagt. In diesem Flecken blieben wir vier Jahre lang. Aber unser alleroberster Hauptmann, Don Pedro de Mendoza, der vor Schwäche weder Hände noch Füße rühren konnte und auf dieser Reise 4000 Dukaten in barem Geld verzehrt hatte, mochte nicht länger bei uns in diesem Flecken bleiben und fuhr wieder mit 2 kleinen Wasserburgen zu den 4 großen Schiffen in Buenos Aires und nahm dort 2 große Schiffe mit 50 Mann und fuhr nach Spanien. Aber als er ungefähr den halben Weg zurückgelegt hatte, da griff ihn Gott der Allmächtige an, so daß er kläglich starb. Wie Burmeister, Physikalische Beschreibung der argent. Republik I (S. 33), erzählt, herrschte zu einer Zeit auf Mendozas Schiff Hungersnot, so daß Mendoza seinen Lieblingshund schlachten lassen mußte. Kaum hatte er von dem Fleisch gegessen, so verfiel er in einen Zustand der Raserei, der nach zwei Tagen tödlich endete. Auch wer sonst noch von dem Hundefleisch genossen hatte, erkrankte und starb ebenfalls. A. d. H. Gott sei ihm gnädig! Er verabredete aber, ehe er von uns abreiste, sobald er oder die Schiffe nach Spanien kämen, sollten 2 andere nach Rio de la Plata geschickt werden, was er auch in seinem Testament getreulich verordnet und geschehen ist. Als nämlich die 2 Schiffe in Spanien ankamen und als des Kaisers Karls des Fünften. A. d. H. Räte davon Kenntnis erhalten hatten, haben sie sogleich im Namen Seiner Majestät andere Schiffe mit Leuten und Speise und Kaufmannschaft und allem, was die Not erforderte, nach Rio de la Plata geschickt. Der Hauptmann dieser 2 Schiffe hieß Alonso de Cabrera; er brachte 200 Spanier und auf 2 Jahre Proviant mit sich. Mit 160 Mann ist er im Jahre 1538 in Buenos Aires angekommen, wo die andern 2 Schiffe zurückgelassen worden waren. Als dann der Hauptmann Alonso de Cabrera schließlich an die Insel der Timbos zu unserem Hauptmann Juan de Ayolas gefahren kam, rüsteten sie sogleich ein Schiff und schickten es auf Befehl und Begehr des Kaisers wiederum nach Spanien, um den obengenannten Räten zu berichten, wie es allenthalben im Land aussehe, und wie es um uns stünde. Nach all dem hielt Juan de Ayolas, unser oberster Hauptmann, einen Rat mit Alonso de Cabrera und mit Domingo Martinez de Irala und seinen anderen Hauptleuten. Es ward beschlossen, daß man das Volk musterte; da fand man, daß die unsrigen zusammen mit denen, die erst aus Spanien gekommen waren, 550 Mann zählten. Da nahmen sie 400 Mann zu sich, die anderen 150 ließen sie bei den Timbos, denn man hatte nicht genug Schiffe; dieser Abteilung stellten sie auch einen Hauptmann zu, der sie beherrschen und regieren sollte; es war Carlos Dubrin, der eine zeitlang bei Seiner Majestät dem Kaiser Kammerbub gewesen war. Darnach fuhren wir (nach dem Beschluß der Hauptleute) mit den 400 Mann auf 8 Schifflein oder Wasserburgen das Wasser Parana aufwärts, um ein anderes fließendes Wasser zu suchen, das heißt Paraguay, an dem die Guaranis wohnen, die Mais haben und eine Wurzel, namens Mandioka, und eine andere Wurzel Batata Die Batate oder süße Kartoffel. A. d. H. und noch verschiedene Mandiokaarten. Die Wurzel Batata sieht ähnlich aus wie ein Apfel und hat auch diesen Geschmack; die eine Art der Mandioka schmeckt wie Kastanien; aus der andern macht man Wein, den die Indianer trinken. Diese Guaranis haben Fische und Fleisch und große Schafe, wie hierzuland die Maulesel Es scheint, daß Schmidel hier den Tapir meint, der von andern Reisenden ähnlich geschildert worden ist. A. d. H. , ebenso haben sie wilde Schweine Wohl die Pekaris, die über einen großen Teil Südamerikas verbreiteten Nabelschweine. A. d. H. , Straußen und anderes Wildbret, sowie sehr viele Hühner und Gänse. Die 400 Mann kommen nun auf ihrer Fahrt weiter zu den Corondas, von denen sie freundlich aufgenommen und gespeist werden; ebenso von den Calchaquis, die 30 Meilen von den Corondas entfernt wohnen. Nach 18tägiger Fahrt erreichen sie das Gebiet der Macurendas, bei denen sie sich 4 Tage lang aufhalten und eine besonders große Wasserschlange zur großen Freude der Indianer töten, denen sie beim Baden dadurch gefährlich geworden war, daß sie ihren Schwanz um einen Badenden schlang und ihn in die Tiefe zog. Der nächste Stamm, den sie antreffen, sind die Chanas salvajicos; diese haben aber nichts zu essen, weshalb die kleine Flotte nur über Nacht bei ihnen bleibt. Die Fahrt geht weiter zu den Mapenis, Besser bekannt unter dem Namen Abiponen. A. d. H. die, nach Schmidel, 100 000 Mann stark, den Europäern einen kriegerischen Empfang bereiten, aber zurückgeschlagen werden. Nun fahren die 8 Barken in den Paraguay ein und kommen bald zu den Curomobas, deren Gastfreundschaft die Spanier 3 Tage lang genießen. Dagegen leisten wieder die Agazes, die sie sodann antreffen, Widerstand. Ebenso das große Volk der Guarani oder Carios, von denen Schmidel folgendes berichtet: Nach dem mußten wir die Agazes lassen und kamen zu einer andern Nation, heißt Carios, liegen 50 Meilen Wegs von den Agazes. Da gab Gott der Allmächtige seinen göttlichen Segen, daß wir bei diesen Carios fanden von dem türkischen Korn oder Mais und Mandioka, Bataten, Erdnüsse ... auch Fisch und Fleisch, Hirsche und Wildschwein, Strauße, indianische Schafe, Küniglein Ein kleines Nagetier, von den Spaniern canocha genannt. A. d. H. , Hühner und Gänse; auch haben sie von dem Honig, da man den Wein daraus macht, überaus genug, item von Baumwolle gar viel im Land. Diese Carios haben ein weit Land, ungefähr 300 Meilen Wegs weit und breit; sind kurze und dicke Leute, mögen wohl füreinander etwas erleiden. Item die Mannsbilder haben in den Lippen ein kleines Löchlein, darein sie einen gelben Kristall, auf ihre Sprache Barbot Azara (Reise nach Südamerika)erzählt, daß die Mutter wenige Tage nach der Geburt eines Knaben ihm die Unterlippe dicht an der Zahnwurzel durchsticht und den kristallenen oder hölzernen Barbot hineinsteckt. A. d. H. genannt, 2 Spannen lang und dick wie ein Federkiel stecken. Dieses Volk, Mann und Weib, jung und alt, geht mutternackt, wie sie Gott auf die Welt erschaffen hat. Unter diesen Indianern verkauft der Vater seine Tochter, item der Mann sein Weib, wenn es ihm nicht gefällt; auch verkauft oder vertauscht der Bruder seine Schwester; kostet ein Weibsbild ein Hemd oder ein Brotmesser oder eine kleine Hacke oder dergleichen. Diese Carios essen auch Menschenfleisch, so sie es haben können; nämlich also, wenn sie Krieg führen und in dem einen Feind fangen, Weib oder Mann, und wie man in Deutschland Schwein mästet, desgleichen mästen sie die Gefangenen. So aber das Weibsbild etwas jung und schön, so behält ers ein Jahr oder etliche, und so es etwa in der Zeit seines Gefallens nicht lebt, so schlägt ers zutot und ißt's und hält damit ein groß Festmahl oder wie draußen eine Hochzeit gehalten wird; eine alte Person aber läßt man arbeiten im Feld bis im Tod. Dieses Volk reiset weiter denn keine Nation des ganzen Landes Rio della Plata; sie geben treffliche Kriegsleute über Land. Ihre Flecken oder Städte liegen hoch am Paraguay ... Ihre Stadt ist mit 2 Palisaden von Holz gemacht ringsum; ein Holz ist so dick wie ein Mann und eine Palisade liegt von der andern 12 Schritt. Die Hölzer sind unter die Erde gemacht oder begraben zwei Klafter tief, und über die Erde ungefähr so hoch wie einer mit einem Rapier reichen mag. Item sie haben auch gehabt ihre Schanzgräben. Auch haben sie 15 Schritt weit von dieser ihrer Stadtmauer tiefe Gruben gehabt, bei drei Mann hoch; darinnen in der Mitte gesteckt (und nicht über die Erde hinausgegangen) ein Spieß, von hartem Holz gemacht und wie eine Nadel scharf oben zugespitzt, und solche Gruben zugedeckt mit Stroh und kleinen Reislein und darüber ein wenig Erde und Gras geschüttet, auf daß, wenn es würde, daß wir Christen den Carios nachliefen oder ihre Stadt stürmten, damit wir in diese Gruben uns verfielen. Solche Gruben aber haben sie für sich gemacht, denn sie sind zuletzt selbst darein gefallen. Nämlich als unser oberster Hauptmann alles unser Volk ordiniert und damit in bester Rüstung gegen ihre Stadt Lambare zogen, da nahmen sie unser auf einen guten Büchsenschuß weit gewahr mit ihrem Volk, das bei 40 000 stark gewesen in ihrer Rüstung und Wehr als Bogen und Pfeile und entboten uns, wir sollten uns zu unsern Wasserburgen lenken und wieder zurückgehen. So wollten sie uns mit Proviant und anderer Notdurft versehen, und damit wir in Frieden wieder davonführen; wo nicht, so wollten sie unser Feind sein. Aber es war unserm obersten Hauptmann nicht gelegen, daß wir's täten, denn das Land und das Volk stand uns sehr wohl an mit samt der Speise, sonderlich dieweil wir in den verflossenen 4 Jahren 2 Jahren; es liegt entweder ein Versehen Schmidels oder des Abschreibers seiner Handschrift vor. A. d. H. keinen Bissen Brot gegessen noch gesehen hatten und nur mit Fisch und Fleisch uns beholfen. Alsdann nahmen die Carios ihre Bögen und Wehr, empfingen uns damit und hießen uns willkommen sein. So wollten wir ihnen nichts tun und ließen ihnen dreimal anzeigen, sie sollten Friede halten, wir wollten ihre Freunde sein. Aber sie wollten sich nicht daran kehren, denn sie hatten unsere Büchsen und Wehr noch nicht versucht. Und als wir nah bei ihnen waren, ließen wir unser Geschütz abgehen gegen sie. Da sie es hörten und sahen, daß ihr Volk zur Erde fiel und noch kein Kugel oder Pfeil, nur ein Loch im Leib sehen konnten, nahm es sie wunder, erschraken und gaben alsbald sämtlich die Flucht und fielen übereinander wie die Hunde, Also eilten sie in ihren Flecken, daß bei 200 Carios in diesem Gestrampel selbst in ihre obenerwähnten Gruben fielen. Danach kamen wir Christen zu ihrem Flecken und griffen den an; aber sie wehrten sich, soviel ihnen möglich, bis in den dritten Tag. Da sie es gar nicht länger erhalten mochten und für ihre Weiber und Kinder fürchteten, begehrten sie Gnade von uns: sie wollten in allem nach unserem Willen leben, wir sollten ihnen nur das Leben fristen. Auch brachten sie unserm Hauptmann Ayolas 6 Frauen, darunter die älteste bei 18 Jahren gewesen; item sie präsentierten ihm auch bei 18 Hirschen und ander Wildbret mehr. Dazu baten sie uns, daß wir bei ihnen blieben, und stellten jeglichem Kriegsmann 2 Frauen zu, damit sie unser pflegten mit Waschen und Kochen. Auch gaben sie uns Speise und was uns von Nahrung von Nöten war. So war damit zwischen uns Friede gemacht. Nach dem so mußten sie, die Carios, uns ein großes Haus bauen von Stein, Erde und Holz, damit, wenn sie etwa einen Aufruhr gegen die Christen machen wollten, daß die Christen eine Beschützung hätten und sich wehren könnten. Diesen Flecken der Carios haben wir am Tage Nostra signora d'asuncion Mariä Himmelfahrt, 15. August 1536. Es ist die heutige Hauptstadt von Paraguay, Asuncion. A. d. H. gewonnen anno 1536 ... In diesem Scharmützel sind auf unserer Seite untergegangen 16 Mann. Und blieben allda 2 Monate lang. Zu diesen Carios ist von den Agazes 30 Meilen und von der Insel Buena esperanza , das ist gute Hoffnung, da die Timbus wohnen, ungefähr 335 Meilen Wegs. Also machten wir einen Kontrakt mit den Carios, daß sie sich bewilligten und zusagten, mit uns Krieg zu führen und beizustehen mit 8000 Mann wider die vorgenannten Agazes. Unter Beihilfe der Carios straft Ayolas nun die Agazes für ihren Widerstand, indem er sie überfällt und fast sämtlich niedermacht; nur ein kleiner Teil der Indianer wird schließlich begnadigt. Hierauf geht Ayolas nach Asuncion zurück und läßt eine Ruhepause von 6 Monaten eintreten. Dann wird ein neuer Zug unternommen zu den Payaguas, die weiter oben am Paraguay wohnen. 100 Mann werden in Asuncion zurückgelassen; mit den übrigen 300 zieht Ayolas flußaufwärts durch das Gebiet der Carios zum St. Ferdinandsberg. Hier stoßen die Spanier auf die Payaguas; 9 Tage lang dauert der Aufenthalt bei ihnen. Darauf entschließt sich Ayolas, mit seinen Leuten landeinwärts zu ziehen, und läßt eine Abteilung von 50 Mann auf 2 Schiffen in St. Ferdinandsberg zurück; diese Abteilung sollte nicht länger als 4 Monate auf Ayolas Rückkehr warten und dann nach Asuncion zurückfahren. Der Marsch landeinwärts führt durch verschiedene Stämme, die alle erfolglosen Widerstand leisten, bis schließlich die Spanier im Gebiet der Payzunos, d. h. als sie bereits auf dem bolivianischen Hochland angelangt waren, umkehren müssen; doch lassen sie 3 kranke Kriegsleute bei den Payzunos zurück. Auf dem Rückweg wird die ganze Abteilung samt ihrem Hauptmann Ayolas von den vereinigten Aperues und Payaguas bis auf den letzten Mann erschlagen. Die in St. Ferdinandsberg zurückgelassene Truppe von 50 Mann unter Domingo Martinez de Irala begibt sich nach 6 Monaten vergeblichen Wartens wieder nach Asuncion. Ein Jahr lang harren die Spanier dort auf Nachrichten von Ayolas, bis sie dessen Schicksal von den Carios erfahren; ihre Aussage wird bestätigt durch das Geständnis zweier gefolterter Payaguas. Die Soldaten wählen nun Domingo Martinez de Irala zum Hauptmann, so lange, bis ein neuer vom Kaiser ernannt worden sei. Irala beschließt, die bei den Timbos und in Buenos Aires zurückgelassenen Truppen alle in Asuncion zusammenzuziehen. Als er aber in »Corpus Christi« bei den Timbos ankommt, findet er diese geflohen, denn die dortige spanische Besatzung hatte kurz zuvor einen Häuptling und viele Timbos ohne alle Ursache ermordet. Die Abteilung wird durch 20 Mann verstärkt; die 3 Anstifter des Totschlags, Francisco Alvarado, Juan Pabon und Pedro Fernandez, nimmt Irala mit sich und setzt an deren Statt Antonio Mendoza zum Oberbefehlshaber von Corpus Christi ein. Durch Verrat der Indianer werden 50 Mann aus der Stadt niedergemacht, und bald darauf erfolgt ein heftiger, doch erfolgloser Angriff auf die Stadt, bei dem der Hauptmann Antonio Mendoza getötet wird. Nachdem die Indianer aus Mangel an Lebensmitteln wieder abgezogen sind, begibt sich die übrige Besatzung auf 2 von Irala geschickten Proviantschiffen nach Buenos Aires. Fünf Tage, nachdem wir in Buenos Aires angekommen waren, kam eine kleine Karavelle zu uns aus Spanien und brachte uns gute neue Zeitung, nämlich daß noch ein Schiff in St. Katharina angekommen sei; der Hauptmann heiße Alonso Cabrera und habe 200 Mann aus Spanien mitgebracht. Sobald unser Hauptmann diese neue Zeitung vernommen, ließ er von den 2 Schiffen eines zurichten, das war eine kleine Galeere, und schickte es mit dem ersten [das die Nachricht gebracht hatte] nach St. Katharina in Brasilien, das liegt 300 Meilen weit von Buenos Aires, und verordnete dazu einen Hauptmann, der hieß Gonzalo de Mendoza, der solle das Schiff regieren, und befahl ihm zugleich, wenn er nach St. Katharina in Brasilien zum Schiff komme, solle er sein Schiff mit Proviant laden vom Reis, Mandioka und anderer Speise mehr, was er für gut halte. Dieser Hauptmann Gonzalo de Mendoza forderte von unserem obersten Hauptmann Domingo Martinez de Irala, er solle ihm 6 Kriegsknechte zustellen oder vergönnen, auf daß er sich unverzüglich ans Werk mache; da sagt ers ihm zu; jener aber nahm mich und 5 Spanier zu sich, auch andere 20 Leute vom Kriegsvolk und der Schiffsmannschaft. Nachdem wir von Buenos Aires weggefahren waren, kamen wir in einem Monat nach S. Katharina; da fanden wir jenes Schiff, das aus Spanien gekommen war, und den Hauptmann Alonso Cabrera mit all seinem Volk. Wir freuten uns sehr und blieben 2 Monate daselbst und luden die Schiffe mit Reis, Mandioka und Mais gar viel, daß wir nicht mehr mochten führen auf beiden Schiffen. Die Schiffe treten den Heimweg an. Durch Ungeschick des Lotsen erleidet aber das Schiff, auf dem sich Schmidel befand, auf dem La Plata Schiffbruch, indem es auf eine Untiefe auffährt. So wurde in derselben Stunde unser Schiff zu hunderttausend Stücken zerstoßen, und es ertranken 15 Mann und 6 Indianer; etliche kamen hinaus [ans Land] auf großen Hölzern, ich und andere 5 Gesellen kamen hinaus auf dem Segelbaum; von den 15 Personen konnten wir keinen tot finden. Gott der Herr begnad' sie und uns alle! Darnach mußten wir 10 Meilen zu Fuß laufen, hatten all unsere Kleider im Schiff verloren, auch die Speise; wir mußten uns behelfen mit Wurzeln und Früchten, so wir in den Wäldern fanden, bis daß wir zu einem Hafen namens S. Gabriel kamen; da fanden wir das obengenannte Schiff mitsamt dem Hauptmann; es war 3 Tag vor uns angekommen. Man hatte es unserm Hauptmann Domingo Martinez de Irala in Buenos Aires angezeigt; er war sonderlich um uns betrübt, und glaubte, wir seien gestorben, ließ derhalben etliche Messen für uns lesen. Nachdem wir nun in Buenos Aires angekommen waren, ließ unser Hauptmann Domingo Martinez de Irala unsern Hauptmann [Alonso Cabrera] und den Piloten oder Steuermann vor sich rufen; und wenn so große Fürbitte nicht für ihn vorhanden gewesen wäre, so hätte er lassen den Piloten henken; so mußte er 4 Jahre lang auf der Brigantine bleiben. Da nun das Volk alles beieinander war in Buenos Aires, befahl unser oberster Hauptmann, daß man die Brigantinen fertig mache, und nahm das Volk alles zusammen, verbrannte die großen Schiffe und verwahrte das Eisengeschirr; alsdann fuhren wir das Wasser Parana aufwärts und zur vorgenannten Stadt Nuestra Senora de la Asuncion; da blieben wir 2 Jahre lang und warteten auf weiteren Bescheid von Seiner Kaiserlichen Majestät. Inzwischen kam ein oberster Hauptmann aus Spanien, der hieß Cabeza de Vaca; diesen Hauptmann schickte Seine Kaiserliche Majestät mit 400 Mann und 30 Pferden auf 4 Schiffen, darunter 2 große und 2 Karavellen waren; und schließlich kam er mit diesem Volk zu einem Hafen S. Katharina; allda wollte er Proviant aufnehmen, und als der Hauptmann 2 Karavellen etwa 8 Meilen von obengemeldetem Hafen nach Proviant ausschickte, ist ein solcher Sturm an sie gekommen, daß sie beide haben im Meer bleiben müssen, und ist nichts anderes davongekommen als die Leute, so darauf gewesen. Als das dem obersten Hauptmann berichtet wurde, durfte er sich mit den anderen 2 großen Schiffen nimmermehr aufs Wasser wagen, sonderlich weil sie [die Schiffer] keine große Lust hatten, denn sie fürchteten sich; deshalb kamen sie über Land nach Rio della Plata und kamen zu uns in die Stadt Asuncion; von den 400 Mann blieben ihm 300; die andern waren dem Hunger oder Krankheiten erlegen. Dieser Hauptmann ist 8 Monate lang unterwegs gewesen, und sind's 500 Meilen von der Stadt Nuestra Senora zu diesem Flecken oder Hafen S. Katharina. So brachte er auch mit sich aus Spanien seine Bevollmächtigung von Seiner Majestät und sagte, daß ihm Domingo Martinez de Irala, unser Hauptmann, die Vollmacht übergeben sollte und alles Volk ihm untertänig sein. Da war der Hauptmann Domingo Martinez de Irala und das Volk alles willig und gehorsam, doch mit dem Bescheid, daß Cabeza de Vaca etwas vorzeigt, daß er solche Gewalt von Seiner Kaiserlichen Majestät erlangt oder zuwege gebracht; das konnte aber der gemeine Soldat nicht herausbringen, sondern die Pfaffen und 2 oder 3 Hauptleute machten, daß Cabeza de Vaca befahl und regierte. Aber wie es ihm ergangen ist, werdet ihr hernach hören. Nun machte dieser Cabeza de Vaca unter allem Volk eine Musterung; da fand er alles in allem 800 Mann. Er machte auch zu dieser Zeit mit Domingo Martinez de Irala Bruderschaft und wurden geschworene Brüder, Waffenbrüder. A. d. H. also daß er [Irala] mit dem Volk nicht weniger als vorher zu schaffen und zu tun hatte. Alsdann ließ Cabeza de Vaca 9 Brigantinen zurichten und wollte das Wasser Paraguay aufwärts fahren, soweit er konnte; so schickte er aber in dieser Zeit, ehe die Schiffe bereit waren, 3 Brigantinen mit 115 Mann, die sollten so weit ziehen als sie konnten und Indianer suchen, die da Mandioka und türkisches Korn hätten. Auch stellte er ihnen zwei Hauptleute zu, namens Antonio de Cabreza und Diego Tobellino; sie kamen erstlich zu einer Nation, die heißt Sarigues; diese hatten von dem türkischen Korn und Mandioka, auch andere Wurzeln wie » mandi « [Erdnüsse], ist einer Haselnuß gleich, ebenso Fische und Fleisch. Die Männer tragen in den Lippen einen großen, glatten Stein, wie einen Brettstein. Bei diesem Stamm ließen wir unsere Schifflein und etliche unserer Gesellen dabei, daß sie's verwahrten; alsdann zogen wir ins Land vier Tage lang, da fanden wir einen Flecken der Carios, die waren ungefähr 300 Mann stark; wir ließen uns über das Land berichten, und sie gaben uns guten Bescheid. Danach kehrten wir wieder zu den Schifflein zurück und fuhren das Wasser Paraguay abwärts und kamen zu einem Stamm, den Acares. Bei diesen fanden wir einen Brief von unserem obersten Hauptmann Cabeza de Vaca; dieser Brief lautete, man solle den obersten Indianer allda, Aracare, henken. Solchem Befehl kam unser Hauptmann unverzüglich nach. Dann zogen wir das Wasser abwärts zur Stadt Nuestra Señora de Asuncion und zeigten unserem obersten Hauptmann Cabeza de Vaca an, was wir auf dieser Reise ausgerichtet und gesehen hatten. Darauf begehrte er von dem obersten Indianer, so in der Stadt Nuestra Señora war, daß er ihm solle 2000 Indianer zuordnen, und sollten die mit uns Christen das Wasser aufwärts ziehen. So erboten sich die Indianer, gutwillig und gehorsam zu sein, und sagten hieneben, unser oberster Hauptmann solle sich zuerst wohl besinnen, ehe er aus dem Land ziehe, denn das ganze Land unter dem Häuptling Tabare sei mit aller Macht auf und wolle gegen die Christen ziehen, denn dieser Tabare sei des Aracare, so gehenkt worden, Bruder; deswegen wolle er dessen Tod rächen. Also mußte unser oberster Hauptmann diese Reise unterlassen und sich dafür rüsten und wider seine Feinde ziehen. Er befahl demnach seinem geschworenen Bruder Domingo Martinez de Irala, daß er 400 Mann und 2000 Indianer nehmen solle und gegen jenen Tabare ziehen und ihn samt all den Seinigen verjagen oder verheeren. Solchem Befehl kam Domingo Martinez de Irala nach und zog mit diesem Volk aus der Stadt Nuestra Señora und kam gegen die Feinde und ließ zuerst den Tabare vermahnen im Namen des Kaisers. Aber dieser Tabare wollte sich nicht daran kehren oder gütlich anlassen; er hatte viel Volks beieinander und seinen Flecken sehr stark gemacht durch Palisaden, das heißt, er hatte eine Mauer aus Holz gebaut, solcher Mauern hatte der Flecken drei um sich und sehr weite Fallgruben; aber diese hatten wir vorher zugeschüttet. So lagen wir bis an den vierten Tag, daß wir erst obsiegten und drei Stunden vor Tags in den Flecken fielen. Wir erschlugen alles, was wir fanden, und fingen viele Weiber; das war uns eine große Hilfe. In diesem Scharmützel sind 18 Christen untergegangen und auch sonst viele von unserem Volk geschädigt worden, ebenso sind von unseren Indianern viele umgekommen. Sie aber, die Kannibalen, gewannen nicht viel an uns, denn es waren auf ihrer Seite bis in die 3000 tot geblieben. Es dauerte auch nicht lang, da kam der Tabare mit seinem Volk und begehrte Gnade von uns; sie alle baten, wir sollten ihnen ihre Weiber und Kinder wiedergeben, dann wolle er, Tabare, und sein Volk uns Christen auch dienen und untertänig sein. Das mußte ihm unser Hauptmann zusagen nach des Kaisers Befehl, daß man jeden Indianer bis zum drittenmal soll begnadigen; wenn man aber sähe, daß einer zum drittenmal friedensbrüchig würde, so solle dieser sein Leben lang gefangen oder Sklave sein. Nachdem dieser Friede gemacht war, fuhren wir das Wasser Paraguay wieder abwärts zu unserem allerobersten Hauptmann Cabeza de Vaca und zeigten ihm an, wie es gegangen war. Nun gedachte er, seine alte vorgenommene Reise zu vollbringen und begehrte von Tabare 2000 bewaffnete Indianer, die mit ihm zögen. Des waren sie willig und erboten sich, allzeit willig zu sein. Auch begehrte er, daß die Carios neun Brigantinen [mit Proviant] laden sollten. Als das alles fertig war, nahm er von den 800 Mann Christen 500, und die 300 ließ er in der Stadt, verordnete dazu einen Hauptmann, genannt Juan de Salazar, und fuhr alsdann das Wasser Paraguay aufwärts mit den 500 Christen und 2000 Indianern. Die Carios hatten 83 Kanoes oder Zillen und wir Christen neun Brigantinen, darin in jedem zwei Pferde; aber man ließ diese [Pferde] 100 Meilen durchs Land gehen, und wir fuhren auf dem Wasser bis zu einem Berg, genannt St. Ferdinand, wo man die Pferde zu Schiff brachte, und fuhren weiter und kamen zu unseren Feinden, den Payaguas. Aber sie warteten nicht auf uns, sondern flohen sogleich mit Weib und Kind und verbrannten zuvor ihre Häuser. Nach weiteren 100 Meilen kommen die Spanier zu den Guajarapos; auch diese fliehen vor den Fremdlingen. Die nächsten, die sie antreffen, sind die Sarigues, von denen sie freundlich aufgenommen werden. Die Männer [der Sarigues] haben ein rundes Scheiblein Holz wie ein Brettstein im Zipfel des Ohrs hängen; die Weiber haben einen grauen Stein aus Kristall, etwa so dick und lang als ein Finger, in den Lippen, sind schön und gehen ganz nackt. Auch haben sie türkisches Korn, Mandioka, Erdnüsse, Bataten, Fische und Fleisch genug; es ist ein großer Stamm; unser Hauptmann ließ sie nach den Caracaras fragen, ebenso auch nach den Carios, sie konnten ihm aber nichts anzeigen von den Caracaras, doch von den Carios sagten sie, sie wären noch in ihren Häusern; es war aber nichts. Darauf befahl unser Hauptmann, daß man sich rüsten solle; er wolle ins Land ziehen, und ließ 150 Mann zurück bei den Schiffen und Proviant auf zwei Jahre und nahm die 350 Mann Christen, auch die 15 Pferde und die 2000 Carios, so von der Stadt Nuestra Señora de Asuncion mit uns ausgezogen, und zog ins Land, aber er richtete nicht viel aus, denn er war kein Mann danach, dazu waren ihm die Hauptleute und die Kriegsknechte alle feind; so verhielt er sich gegenüber den Soldaten. Die Spanier marschieren 13 Tage lang, ohne auf irgendwelche Menschen zu stoßen; sie müssen aus Mangel an Proviant wieder zurück zu den Schiffen, nur eine kleine Abteilung von 10 Mann unter Francisco de Rivero wird weiter vorgeschickt, um das Land auszukundschaften. Diese 10 Mann stoßen auf einen Stamm, kehren zurück zum Hauptmann und berichten, was sie gesehen haben, Cabeza de Vaca will sofort dorthin ziehen, wird aber durch eine Überschwemmung daran verhindert. Er schickt daher ein Schiff mit 80 Mann wieder unter Francisco de Rivero den Paraguay aufwärts zu den Jarayas. Rivero kommt zuerst zu den Sarigues, die eine Insel im Paraguay bewohnen. Nach 9 Tagen stoßen die Spanier dann auf die Acares, die nach Schmidels Bericht die längsten Menschen sind, die er je drüben getroffen hat. Auf Verlangen von Rivero weisen ihnen die Acares den Weg zu den Sarigues. Warum dieser Stamm Acares genannt wird, hat folgende Ursache: Der Yacare Der Brillenkaiman ( Alligator sclerops Cuv. ), in der Guaranisprache yacare . ist ein Fisch, der hat eine harte Haut, daß man ihn nicht kann wund hauen mit einem Messer, noch einen indianischen Pfeil in ihn schießen, er ist ein großer Fisch und tut den anderen Fischen großen Schaden. Seine Eier oder Rogen, den er von sich legt auf 2 oder 3 Schritt vom Wasser, riechen nach Bisam; er [der Fisch] ist gut zu essen, der Schwanz ist das Beste; auch sonst ist an ihm nichts Schädliches, er wohnt allzeit im Wasser. In Deutschland nämlich hält man ihn für ein schädlich und ekelhaft Tier und heißt es Basilisk, und man sagt, so jemand diesen Fisch schaue, daß der Fisch ihn anstößt, so muß er ohn' alles Mittel sterben, was der Wahrheit nicht ungemäß ist, denn der Mensch an das Sterben muß und nichts Gewisseres ist. Weiter sagt man, daß dieser Fisch im Brunnen wächst, und es wird erfunden, daß es dann kein anderes Mittel gebe, den Fisch umzubringen, als daß man ihm einen Spiegel zeigt und vorhält, daß er sich selbst darin sehe, so müsse er vor dem Anblick seiner eigenen Greulichkeit auf der Stelle sterben. Dies alles aber ist Fabel und nichts; denn ich hätte hundertmal sterben müssen, so es wahr wäre, denn ich habe solcher Fische mehr als 3000 gefangen und gegessen ... Alsdann kamen wir zu den Jarayas, dahin man von den Acares rechnet 38 Meilen; die zogen wir in 9 Tagen. Es ist eine große Nation; aber sie waren nicht die rechten, bei denen der König wohnt. Diese Jarayas, zu denen wir jetzt kamen, tragen Knebelbärte [?] und haben einen runden Ring von Holz im Zipfel der Ohren hängen, und das Ohr ist um den Ring von Holz gewickelt, daß es wunderlich zu sehen ist. Item die Männer haben auch einen breiten Stein von blauem Kristall in den Lippen ungefähr wie einen Brettstein. Item sie sind auch gemalt von oben bis auf die Knie; es ist wie ein solch Ding, als wenn man Hosen malt. Die Weiber aber sind auf eine andere Art gemalt, auch blau von den Brüsten bis auf die Scham gar künstlich, daß wo anders nicht bald ein Maler gefunden wird, der so kunstvoll wäre. Sie gehen mutternackt und sind schön auf ihre Manier ... Zogen alsdann über das Wasser Paraguay und kamen zum König, dessen Volk auch Jarayas heißt. Und da wir auf eine Meile hinzukamen, so kam der König uns entgegen mit 12 000 Mann oder eher mehr auf einer Heide in friedlicher Weise. Der Weg, darauf sie gingen, war 8 Schritt breit; solcher Weg ist überstreut gewesen mit lauteren Blumen und Gras bis zu dem Flecken, also daß man keinen Stein, Holz oder Stroh hat finden mögen. Auch hatte der König seine Musika bei ihm, gleich wie bei uns die Schalmeien. Auch hatte der König verordnet, daß man diesmal zu beiden Seiten Hirsche und ander Wildbret um den Weg herum jagt. Demnach fingen sie ungefähr 30 Hirsche und 20 Abestrauße Bei dem fast zwanzigjährigen Aufenthalt unter Spaniern hat Schmidel manches spanische Wort angenommen. Seine Abestrauße kommen offenbar vom spanischen avestruz . A. d. H. oder Nandu, fürwahr daß solches lustig zu sehen gewesen. Als wir nun gar in ihren Flecken kamen, ließ der König allemal 2 Christen in ein Haus geleiten und unsern Hauptmann samt seinen Dienern ins königliche Haus; darnach befahl der König seinen Untertanen, daß sie uns unsere Notdurft geben. Also hielt der König Hof auf seine Manier; wie der größte Herr im Land. Man mußte ihm zu Tisch blasen, wann seine Gelegenheit ist; alsdann mußten die Männer und die schönsten Frauensbilder vor ihm tanzen, daß solcher Tanz von ihnen zu sehen sonderlich uns Christen ganz wunderlich, daß auch einer seines Mauls mochte vergessen. Dieses Volk ist gleich den Jarayas, von denen oben geredet ist. Ihre Weiber machen große Mäntel von Baumwolle gar subtil wie der Arlas, Nach Arles in Südfrankreich benannt, das von jeher durch seine Webereien berühmt war. A. d. H. darein sie mancherlei Figuren wirkten wie Hirsche, Strauße, indianische Schafe, was eine dann kann. In solchen Mänteln schlafen sie, wenn's kalt ist, oder sitzen drauf, wozu sie es dann brauchen können oder wollen. Diese Frauen sind sehr schön und große Buhlerinnen, gar freundlich und sehr hitzig am Leib, wie mich bedünkt. Allda blieben wir 4 Tage lang; in dem fragte der König unseren Hauptmann, was unser Begehren und unsere Absicht sei, und wo wir hinwollten. Da antwortete unser Hauptmann, er suche Gold und Silber. Also gab ihm der König eine silberne Krone, die hat ungefähr anderthalb Mark 1 Mark = 8 Unzen = 16 Lot. A. d. H. gewogen; ebenso eine Plantsche Span. plancha = dünne metallene Platte. A. d. H. von Gold, die ist anderthalb Spannen lang und eine halbe Spanne breit gewesen, auch eine Armschiene, das ist ein halber Harnisch, und andere Sachen mehr von Silber, und sprach darauf zu unserem Hauptmann, er habe weder Gold noch Silber mehr, und diese obengenannten Stücke habe er vorzeiten im Krieg mit den Amazonen erobert. Als er sich von den Amazonen hören ließ und von ihrem großen Reichtum uns zu verstehen gab, da waren wir sehr froh. Alsbald fragte unser Hauptmann den Häuptling, ob wir zu Wasser mit unseren Schiffen dahin kommen könnten, und wie weit es zu den besagten Amazonen sei. Darauf antwortete der Häuptling, wir möchten zu Wasser nicht dahin kommen, sondern müßten über Land ziehen und hätten 2 Monate lang hintereinander zu reisen. So wollten wir zu den besagten Amazonen ziehen, wie ihr hören werdet. Diese Amazonenweiber Der Ursprung dieser sonderbaren Amazonensage ist unklar. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Übertragung altweltlicher Vorstellungen auf Amerika, die dadurch begünstigt wurde, daß die Indianer (an der Mündung des Pará) den großen Strom Amassona, d. h. Bootzerstörer, nannten. A. d. H. haben nur eine Brust und kommen zu ihren Männern nur 3- oder 4mal im Jahr, und so sie mit einem Knäblein vom Mann schwanger sind, so schicken sie es ihrem Mann heim; ist es aber ein Mägdlein, behalten sie es bei sich und brennen demselben die rechte Brust ab, damit sie nicht weiterwachsen kann. Dies ist aber die Ursache, daß sie ihre Waffe, die Bogen, brauchen können und mögen, denn es sind streitbare Weiber und führen Krieg wider ihre Feinde. Auch wohnen diese Weiber in einer Insel, die ist rundum von Wasser eingefaßt und ist eine große Insel; ... aber in dieser Insel haben die Amazonen kein Gold noch Silber, sondern am Festland, das ist im Land, wo die Männer wohnen; daselbst haben sie großen Reichtum. Es ist ein großer Stamm und ein mächtiger König, der soll Jegiuß Der Name mag mit dem Volk der Yaguas am Amazonenstrom zusammenhängen. A. d. H. heißen, wie der [gleichbenannte] Ort anzeigt. Rivero fordert und erhält von dem Häuptling der Jarayas Indianer zum Tragen des Gepäcks und der Lebensmittel. Der Marsch beginnt trotz dringenden Abratens von seiten des Häuptlings, der zu verstehen gibt, daß das Land zu dieser Jahreszeit voller Wasser stehe. 8 Tage lang gehen die Spanier Tag und Nacht im Wasser, bis zum Gürtel oder bis an die Knie; beim Abkochen legten sie große Scheite aufeinander und machten Feuer darauf, doch kam es häufig vor, daß alles ins Wasser fiel und die Spanier dann mit leerem Magen weiter mußten; zudem lassen ihnen kleine Fliegen bei Tag und Nacht keine Ruhe. Sie kamen schließlich zu den Paresis und unter deren Führung nach weiteren 9 Tagen zu den Urtueses. Das Wasser, in dem sie gehen mußten, war so warm, als ob es auf dem Feuer gewesen wäre: es war stehendes Regenwasser, dessen fortgesetzter Genuß den Spaniern schließlich schädlich wurde. Als Rivero bei den Urtueses ankommt, findet er, daß bei ihnen eine schreckliche Hungersnot herrscht, der viele Indianer zum Opfer fallen. Heuschrecken hatten ihnen das Korn und die Früchte von den Bäumen glatt abgefressen. Das zwingt die Spanier, sich zu den Jarayas zurückzuziehen, wobei auch sie unter Mangel an Proviant zu leiden haben. Todkrank kommen viele bei den Jarayas an. So blieben wir allda bei den Jarayas, wo ihr König wohnt, vier Tage lang; traktierten uns sehr wohl und warteten unser fleißig, und der König verordnete seinen Untertanen, daß sie uns raten und gäben, was wir nur von Nöten hätten. So hatte unser einer aus dieser Reise von den Indianern jeder für sein Teil ungefähr bis in die 200 Dukaten Wert erobert allein von den Mänteln von indianischer Baumwolle und Silber, welches wir heimlich und verborgens von ihnen erkauft haben um Messer, Paternoster, Scheren und Spiegel. Nach diesem allem fuhren wir das Wasser wiederum abwärts zu unserem allerobersten Hauptmann Cabeza de Vaca. Als wir nun zu den Schiffen kamen, da befahl er, Cabeza de Vaca, daß wir bei Leib und Leben nicht aus den Schiffen gehen sollten, und kam selbst zu uns und ließ unseren Hauptmann Francisco de Rivero gefangen nehmen, auch nahm er uns Kriegsleuten alles das, so wir aus dem Land gebracht hatten, und war schließlich sogar willens, unseren Hauptmann Francisco de Rivero an einen Baum henken zu lassen. Als wir aber solches vernahmen, die wir noch in der Brigantine waren, da machten wir einen großen Aufruhr mit anderen guten Freunden, die wir am Land hatten, wider unsern obersten Hauptmann Cabeza de Vaca, nämlich daß er soll gedenken, unseren Hauptmann Francisco de Rivero ledig und frei zu lassen, auch das unsere, so er uns geraubt und genommen, gänzlich wiederum zustellen, wo nicht, so wollten wir anders mit ihm reden. Als aber Cabeza de Vaca diesen Aufruhr von uns sah und unseren Zorn vernahm, war er froh, daß es nur zu dem gekommen war, unseren Hauptmann ledig zu lassen, stellte uns auch alles wieder zu, so er uns genommen hatte und gab gute Worte aus, damit wir nur zufrieden blieben. Auf Befragen erhielt Cabeza Auskunft über die durchzogenen Länder. Cabeza de Vaca will nun selbst einen Zug ins Innere des Landes unternehmen, erregt aber dadurch die Unzufriedenheit des Kriegsvolkes, das zum größten Teil sehr geschwächt und krank war. So muß er den Marsch aufschieben und 2 Monate lang bei den Sarigues bleiben, die in einer außerordentlich ungesunden Gegend leben, so daß Schmidel dort keinen einzigen Indianer gesehen hat, der 40 oder 50 Jahr alt gewesen wäre. Cabeza de Vaca erkrankt selbst schwer an Fieber. Nun aber stellte unser oberster Hauptmann in seiner Krankheit 150 Mann Christen und 2000 Indianer der Carios auf und schickte sie mit 4 Brigantinen auf 4 Meilen zu der Insel der Sarigues [einem Teilstamm] und befahl ihnen, sie sollten diese Sarigues alle totschlagen und gefangen nehmen und besonders die Personen zu 50 oder 40 Jahren umbringen. Und als wir unbesorgter Dinge bei ihrem Flecken angekommen waren, kamen sie uns aus ihren Häusern mit ihrer Wehr, Bogen und Pfeile, friedlich entgegen. Bald aber hub sich ein Lärmen an zwischen den Carios und den Sarigues; danach ließen wir Christen unsere Büchsen abgehen und brachten sehr viele um, fingen auch bis in die 2000, Männer, Weiber, Buben und Mägdlein, verbrannten hierauf ihren Flecken und nahmen alles, was sie hatten. Dann kehrten wir wiederum zu unserem Hauptmann Cabeza de Vaca zurück, der war über diese Tat sehr wohl zufrieden. Da nun unser Volk zum größten Teil schwach und unzufrieden mit dem obersten Hauptmann war, konnte dieser nichts mit den Leuten anfangen; so ließ er die Schiffe zurichten, und wir fuhren darnach sämtlich das Wasser Paraguay abwärts und kamen zu der Stadt Nuestra Señora de Asuncion, da wir die andern Christen zurückgelassen hatten. Hier in Asuncion wird Cabeza de Vaca in einer Versammlung abgesetzt und gefangengenommen, um nach Spanien geschickt zu werden, wo er sich wegen seiner Verwaltung verantworten soll. Zwei der Verschworenen gehen als Kläger mit ihm. Domingo Martinez de Irala wird zum zweitenmal zum stellvertretenden Hauptmann gewählt. Zu dieser Zeit bin ich sehr schwach und krank gewesen an der Wassersucht, die ich samt meinen Gefährten von den Urtueses bekommen, allda wir so lang im Wasser gegangen, wie gehört, und so große Not gelitten, was wir diesmal wohl empfanden, denn es sind unser 80 krank gewesen und nicht mehr als 30 Mann davongekommen mit dem Leben. Als nun Cabeza de Vaca nach Spanien war geschickt worden, da wurden wir Christen selbst untereinander uneins, so daß einer dem andern nichts Gutes gönnte, schlugen uns Tag und Nacht miteinander, daß wohl der Teufel zur selben Zeit uns regiert hat und keiner vor dem andern sicher gewesen ist. Diesen Krieg trieben wir selbst untereinander zwei ganze Jahre lang wegen Cabeza de Vaca; und da nun solches die Carios, so unsere Freunde gewesen, merkten, daß wir Christen selbst untereinander uneins, untreu und so wohl gewappnet waren, ließen sie sich nicht sonderlich viel von uns gefallen, sondern dachten, ein jedes Reich, das in sich selber zerteilt und uneins ist, das wird zerstört. Sie machten deshalb unter sich einen Vertrag und Anschlag und hielten eine Versammlung, daß sie uns Christen wollten totschlagen und aus dem Land treiben. So war das ganze Land der Carios und anderer Stämme mehr, auch die Agazes, wider uns Christen auf. Als wir dies vernahmen, mußten wir Christen Friede untereinander machen. Wir stellten auch Frieden an mit 2 anderen Stämmen, den Yapirus und den Guatatas, die haben nur Fische und Fleisch zu essen; es sind tapfere Leute zu streiten zu Land und zu Wasser, doch die meisten zu Land. Ihre Waffen sind Wurfspieße, so lang wie halbe Spieße, aber nicht so dick, und vornen dran haben sie eine Spitze von einem Feuerstein gemacht; ebenso haben sie auch einen Prügel unter dem Gürtel; er ist 4 Spannen lang, und vorn dran ein Kolben. Dazu hatte jeder Indianer aus diesen Kriegsleuten 10 bis 12 Hölzlein oder soviel einer will, so lang wie eine gute Spanne und vorn dran eine Spitze, einen breiten langen Zahn von einem Fisch, der heißt palometa auf spanisch und sieht einer Schleie gleich; dieser Zahn schneidet wie ein Schermesser. Nun sollt ihr aber hören, was sie mit diesem tun und wozu sie ihn brauchen. Zuerst streiten sie mit den obengenannten Wurfspießen, mit denen sie den Feind überwinden und zur Flucht veranlassen wollen. Dann lassen sie die Wurfspieße und laufen ihrem Feind nach. Alsdann werfen sie den Prügel den Feinden unter die Füße, daß er muß zu Boden fallen; darnach sind sie da, geben nicht weiter Achtung, ob derselbe [der Feind] noch halb lebendig oder tot, sondern schneiden ihm sogleich den Kopf ab mit dem obengemeldeten Fischzahn; dieses Abschneiden geht so geschwind, als sich einer aufs schnellste mag umkehren oder umwenden mit dem Leib; darnach stecken sie den Zahn unter den Gürtel oder was einer umhat. Wenn nun nach einem solchen Scharmützel Gelegenheit ist, so nimmt er diesen Mannskopf und zieht die Haut mitsamt dem Haar über die Ohren herab; dann nimmt er diese Haut mitsamt dem Haar und hebt sie auf und läßt sie dürr werden; danach nimmt er die dürre Haut und macht sie auf eine Stange und steckt diese vor sein Haus oder seine Wohnung zum Andenken, wie hier zu Land ein Ritter oder Hauptmann, wenn er Fähnlein hat, sie in die Kirche steckt. Es kommt zum Entscheidungskampf mit den Indianern. 300 Spanier und 1000 Indianer rücken gegen 15 000 Carios vor, die schon kampfbereit dastehen. Die Feinde werden aber zurückgeschlagen und ziehen sich in einen Flecken zurück, der vorher stark befestigt worden war. Erst nach dreitägiger Belagerung gelingt es den Spaniern, ihn einzunehmen. Die Carios fliehen darauf in einen anderen Flecken, der mit der einen Seite an einem Wald liegt und schnell auch stark befestigt wird. Dieser Flecken wird erst nach 4 Tagen genommen und zwar durch Verrat des Kaziken, dem die Stadt gehörte und der sie vor der Zerstörung retten wollte. Die meisten Carios werden bei der Einnahme des Fleckens erschlagen, die übrigen fliehen zu einem anderen Häuptling Tabare, von dem schon früher die Rede war. Aus Mangel an Proviant ist es den Spaniern unmöglich, ihnen gleich dahin zu folgen. Irala zieht daher mit seinen Leuten nach Asuncion zurück. Nach einem 14tägigen Aufenthalt daselbst fahren 400 Christen und 1500 Yapirus den Paraguay aufwärts, zu diesen stoßen noch 1000 Carios, die ihnen der verräterische Kazike des obengenannten Fleckens zuführt. Bevor Irala die Indianer unter Tabare angreift, macht er Friedensvorschläge, wird aber abgewiesen. Daraufhin schreitet er sofort zum Angriff vor, geht über den Jejui, einen linksseitigen Nebenfluß des Paraguay, und nimmt nach kurzem Widerstand den Flecken, in den die Indianer sich geflüchtet hatten, ein. Alle Weiber und Kinder wurden gefangengenommen. Die Carios, die mit dem Leben davongekommen waren, kamen nun und baten um Gnade, damit sie ihre Weiber und Kinder wieder erhielten. Nach diesem Krieg erweisen sich die Carios als zuverlässige Freunde der Spanier. Darnach fuhren wir wieder nach der Stadt Nestra Señora de Asuncion und blieben allda 2 ganze Jahre in dieser Stadt. Nachdem aber in dieser Zeit kein Schiff oder Post aus Spanien gekommen war, da ließ unser Hauptmann Domingo Martinez de Irala dem Volk vorhalten, ob es ihnen gutdünke, so wolle er mit etlichem Volk ins Land ziehen und wolle sehen, ob Gold oder Silber vorhanden wäre. Darauf antwortete ihm das Volk, er solle in Gottes Namen nur ziehen. So ließ er alsdann zusammenrufen von Spaniern 350 Mann und fragte, ob sie wollten mit ihm ziehen, so wollte er sie versehen mit aller Notdurft auf dieser Reise, seien es Indianer, Rosse oder Kleider. Sie erboten sich ganz willig, mit ihm zu ziehen. Darnach ließ er auch die Häuptlinge der Carios zusammenfordern und ihnen zusprechen, ob sie 2000 Mann stark mit ihm ziehen wollten; auch sie erzeigten sich ganz willig und gehorsam. So zieht also Irala im Jahre 1548 wieder flußaufwärts zum St. Ferdinandsberg. 2 Brigantinen läßt er hier mit 50 Mann unter Pedro Diaz und Proviant auf 2 Jahre zurück. Irala marschiert mit 300 Christen, 130 Pferden und 3000 Carios ins Land und kommt zuerst zu den Aperues, dann zu den Mbayas, die große Vorräte an allen möglichen Lebensmitteln besitzen, besonders auch Honig, aus dem Wein bereitet wird. Die Frauen dieser Mbayas führen nur die Geschäfte im Haus; für die Nahrung hat der Mann allein zu sorgen. Die Mbayas locken nun die Spanier in einen kleinen Flecken und schenken ihnen verschiedene Silberwaren, um sie sicher zu machen. Nachdem die Spanier eine Nacht dort geruht haben, erfolgt am Morgen daraus ein Angriff der Mbayas mit 20 000 Mann. Die Spanier aber waren darauf gefaßt, werfen den Angriff zurück und ziehen den Feinden in ihren Flecken nach. Sie finden aber nichts darin. Irala verfolgt die Mbayas unverzüglich, findet aber statt ihrer einen anderen Stamm, der nun ahnungslos überfallen und größtenteils niedergemacht wird. Dann kommen die Spanier zu den Chanes, die Untertanen der Mbayas sind und bei denen sie eine große Menge von Nahrungsmitteln finden. Irala marschiert weiter zu den Taños, dann zu den Guanas, daraus zu den Morronnos, zu den Perronoß, dann zu den Sunennos, von diesen zu den Borkenes. Bei den Leichonos und den Karchkonos herrscht großer Mangel, da ihre Vorräte von Heuschreckenschwärmen aufgefressen worden waren. 2 Karchkonos zeigen den Spaniern den Weg zu den Paresis, deren Gebiet außerordentlich wasserarm ist, so daß viele Spanier vor Durst starben. In dem Flecken der Paresis steht ein einziger Brunnen, an dem Schmidel als Wache aufgestellt wird. So groß ist dort der Wassermangel, daß die Paresis mit anderen Stämmen um Wasser Krieg führen. Bei dieser Nation Die Paresis wohnten im Gebiet des brasilianischen Staates Matto Grosso, im Quelland des Tabajoz. A. d. H. blieben wir 4 Tage, daß wir nicht wußten, was wir anfangen sollten, ob wir rückwärts oder vorwärts sollten ziehen; wir warfen alsdann das Los auf diese 2 Wege, so fiel das Los auf vorwärts ziehen. Darauf fragte unser Hauptmann die Paresis nach dem Land und nach dessen Beschaffenheit; da antworteten sie, wir hätten zu ziehen 6 Tag zu einem Stamm, der heißt Payzunos, und unterwegs fänden wir 2 Wässerlein zum Trinken. So machten wir uns auf den Weg und nahmen etliche Paresis mit uns, die uns den Weg sollten weisen. Da wir aber auf 3 Tagereisen von ihrem Flecken kamen, flohen gedachte Paresis in der Nacht davon, daß wir sie nicht mehr sahen; also mußten wir unsern Weg selbst suchen und kamen darnach zu den Payzunos, die stellten sich zur Wehr und wollten unsere Freunde nicht sein, aber sie gewannen nicht viel an uns, sondern wir überwanden sie durch Gottes Gnade und nahmen ihren Flecken ein, und sie gaben alsdann die Flucht. Doch fingen wir etliche in diesem Scharmützel; die zeigten uns an, wie sie in ihrem Flecken 3 Spanier gehabt hätten, darunter einen namens Jeronimo, der ein Trompeter gewesen sei bei Don Pedro de Mendoza. Diese 3 Spanier hatte Juan de Ayolas bei den Payzunos krank zurückgelassen, als er von diesem Stamm wieder zurückgezogen war. Diese 3 Spanier brachten die Payzunos 4 Tage vor unserer Ankunft um, nachdem sie nämlich unser Heranrücken von den Paresis erfahren hatten; das mußten sie hernach wohl büßen. So lagen wir 14 Tage lang in ihrem Flecken und suchten sie und fanden sie in einem Holz beieinander, aber nicht alle. Diese schlugen wir tot oder nahmen sie gefangen; die gaben uns jede Auskunft über das Land und taten uns guten Bescheid, nämlich daß wir 4 Tagereisen oder 16 Meilen Wegs zu dem Stamm der Maigennos zurückzulegen hätten. Da zogen wir zu den Maigennos und kamen zu ihrem Flecken; sie stellten sich aber zur Wehr und wollten unsere Freunde nicht sein, ihr Flecken lag auf einem Berglein und war umfangen mit Dornen, sehr dick und breit und so hoch als einer mit einem Rapier reichen konnte. Also griffen wir Christen samt unsern Carios diesen Flecken an zwei Orten an. Dabei brachten uns die Maigennos 12 Christen um samt anderen etlichen unserer Carios, die sie erschossen im Scharmützel, ehe wir den Flecken nahmen. Da sie nun sahen, daß wir gar in ihrem Flecken waren, zündeten sie ihren Flecken selber an und gaben bald die Flucht, da mußten etliche, wie man sich denken kann, Haare lassen. 3 Tage nachher machten sich 500 Carios heimlich auf, daß wir nichts davon wußten, und nahmen ihre Bogen und Pfeile, zogen auf 2 oder 3 Meilen von unserem Lager und kamen zu den geflohenen Maigennos. Alsbald schlugen diese 2 Stämme dermaßen aufeinander, daß von den Carios mehr als 300 Mann umkamen und von den Maigennos, ihren Feinden, unzählige Personen, es waren ihrer so viel, daß sie eine ganze Meile währten. Da schickten unsere Carios zu unserem Hauptmann im Flecken eine Post und begehrten und baten, wir sollten ihnen zu Hilfe kommen, und sie lägen in einem Wald, daß sie weder hinter sich noch vor sich könnten, so waren sie von den Maigennos belagert. Als dies unser Hauptmann vernahm, besann er sich nicht lange und ließ die Pferde und 150 Christen und 1000 unserer Carios zusammenrufen; das andere Volk mußte im Lager bleiben und daselbst acht geben, damit die Maigennos, unsere Feinde, nicht darein fielen, dieweil wir draußen waren. Dann zogen wir mit den Pferden, 150 Christen und 1000 Carios den obenerwähnten Carios zu Hilfe. Sobald uns aber die Maigennos sahen und bemerkten, hoben sie ihr Lager auf und flohen sogleich davon, wir rückten ihnen nach, konnten sie aber nicht ereilen ... So kamen wir zu den Carios und fanden ihrer und der Feinde sehr viele tot, daß es uns wundernahm. Unsere Freunde aber, die Carios, die noch am Leben waren, waren gar froh, daß wir ihnen zu Hilfe gekommen sind. Darnach zogen wir samt ihnen wieder in unser Lager und blieben 4 Tage lang darin und hatten vollauf zu essen und alle Notdurft. Alsdann sahen wir es sämtlich für gut an, unsere vorgenommene Reise auszuführen, dieweil wir dann auch die Beschaffenheit des Landes erfahren hätten, machten uns deshalb auch auf den Weg und zogen 13 Tag lang, nach unserer Schätzung ungefähr 72 Meilen Wegs, zu einem Stamm, der heißt Chiriguanos. Und als wir die ersten 9 Tage auf dieser Reise waren, kamen wir zu einem Land, das war 6 Meilen lang und breit, darauf war nichts anderes denn lauter gutes Salz, so dick als ob es geschneit hätte; dieses Salz bleibt Winter und Sommer. Der Heereszug befand sich, nachdem er das Gran Chaco durchzogen hatte, im Gebiet der bolivianischen Salzsteppen. A. d. H. Bei diesem salzigen Land blieben wir 2 Tage lang, daß wir nicht wußten, wo aus oder welchen Weg wir ziehen sollten. Doch gab Gott der Allmächtige seine Gnade, daß wir den rechten Weg fanden, und kamen über 4 Tagereisen zu dem Stamm der Chiriguanos; und als wir ihrem Flecken auf 4 Meilen nahe waren, da schickte unser Hauptmann 50 Christen und 500 Carios voraus, daß sie sollten die Herberge bestellen. Als wir nun in den Flecken kamen, fanden wir eine große Nation beieinander, dergleichen wir auf dieser Reise noch nie gesehen, weshalb uns sehr angst war. Wir schickten daher einen der Unsrigen zurück und ließen dem Hauptmann anzeigen, wie die Sache um uns ein Gestalt hätte, damit er uns schleunigst zu Hilfe käme; und als unser Hauptmann solche Botschaft vernommen, machte er sich in derselben Nacht auf mit allem Volk und war morgens zwischen 3 und 4 Uhr schon bei uns. Aber die Chiriguanos wußten nicht, daß mehr Volk denn wir vorige vorhanden waren, vermeinten derhalben nicht anders, daß sie uns gewiß überwunden hätten. Als sie aber vernahmen und sahen, daß unser Hauptmann mit mehr Volk nachkam, waren sie sehr traurig, erzeigten uns darnach allen guten und freundlichen Willen, denn sie konnten nicht anders, fürchteten auch für Weib und Kinder und für ihren Flecken; sie brachten uns Fleisch von Hirschen, Gänsen, Hühnern, Schafen, Straußen, Enten und ander Wildbret und Geflügel mehr, deren ein Überfluß im Land ist. Diese Indianer tragen einen blauen runden Stein in den Lippen, so breit wie ein Brettstein. Ihre Wehr oder Waffen sind Wurfspieße, Bogen und Pfeile, dazu längliche oder runde Schilde. Ihre Weiber haben ein kleines Röhrlein in den Lippen befestigt, darein sie einen grünen oder blauen kristallenen Stein stecken; auch tragen sie ein Tipoy Das ärmellose, unter der Brust durch einen Gürtel zusammengehaltene Hemd, das die Frauen der Indianer jener Gegend noch heutigestages als einziges Kleidungsstück tragen. A. d. H. der ist gemacht von Baumwolle, so groß wie ein Hemd, hat aber keinen Ärmel; es sind schöne Weiber, tun nichts anderes, denn daß sie nähen und haushalten; der Mann muß im Feld arbeiten und für alle Notdurft sorgen. Unter Führung einiger Chiriguanos geht Irala zu den Machicuis; dabei muß ein Fluß überschritten werden; dies geschieht mit Hilfe von Flößen, auf denen sich die Leute ans andere Ufer treiben lassen; 4 Mann sind dabei ertrunken. Als die Spanier bei den Machicuis ankommen, sprechen diese zu ihrer großen Überraschung spanisch; es stellt sich heraus, daß dieser Stamm unter der Herrschaft des Vizekönigs de la Gasca von Peru steht. Hier flicht Schmidel eine Beschreibung des Sandflohes ein, der besonders bei den Machicuis verbreitet ist. Bald kommt aus Lima in Peru von de la Gasca ein Brief, in dem der Vizekönig den Spaniern unter Irala ein weiteres Vordringen verbietet. De la Gasca hatte bei seiner Ankunft in Peru den Bruder des Eroberers von Peru, Gonzalo Pizarro, enthaupten lassen; ebenso ließ er viele Anhänger Pizarros grausam hinrichten, verbannen und auf Galeeren schmieden. Nach diesem Rückblick kehrt Schmidel zu der Beschreibung seiner Erlebnisse zurück. Irala schickt nun vier seiner Hauptleute zu de la Gasca; zwei davon bleiben unterwegs krank liegen, die anderen zwei kommen in Lima an und werden dort aufs beste empfangen, aber trotzdem mit demselben Bescheid wie in dem Brief zurückgeschickt. Irala muß nun wohl oder übel umkehren und geht zu den Chiriguanos zurück; diese leisten Widerstand, werden aber überwunden. Dann ziehen die Spanier weiter zurück, bis sie schließlich nach 1½jähriger Abwesenheit in St. Ferdinand wieder ankommen. Schmidel erzählt nun: Und als wir zu den Schiffen kamen, zeiget uns das Volk an, so wir auf den Schiffen gelassen, wie in unserer Abwesenheit ein Hauptmann Diego de Abrigo von Sevilla aus Spanien einerseits, und ein Hauptmann Francisco de Mendoza, den unser oberster Hauptmann Domingo Martinez de Irala zu den 2 Schiffen und zu demselben Volk als Hauptmann verordnet, daß er dieselben an seiner Statt sollt verwalten und regieren, andererseits ein großes Lärmen dieweil angefangen haben, also daß genannter Diego de Abrigo nur allein wollte regieren, darein wollte aber Don Francisco de Mendoza als bestellter Hauptmann und Amtsverwalter von Domingo Martinez de Irala nicht einwilligen. Darüber ging der Bettlerstanz zwischen ihnen an, daß zuletzt Diego de Abrigo das Feld behielt und schlug dem Don Francisco de Mendoza den Kopf ab. Alsdann machte er von Stund an ein Lärmen im Land und wollte wider uns ziehen und machte sich zuerst in der Stadt stark; inzwischen kamen wir mit unserem Hauptmann Domingo Martinez de Irala vor die Stadt, so wollte er aber unseren Hauptmann nicht einlassen, viel weniger als seinen Herrn anerkennen. Die Stadt wird nun belagert; täglich kommen Überläufer zu Irala, so daß schließlich Abrigo mit 50 Anhängern aus der Stadt flieht, worauf Irala daselbst einzieht. Zwei Jahre lang führt Abrigo einen Parteigängerkrieg gegen Irala, bis die Gegner durch Heirat zwischen beiden Familien versöhnt werden. In dieser Zeit, am 25. Juli 1552, erhält Schmidel einen Brief von seinem Bruder, worin dieser ihn zur Heimkehr auffordert. Schmidel wird auf Grund seiner tapferen Haltung, wenn auch ungern, der Abschied gewährt. So zieht er am 26. Dezember 1552 von Asuncion aus in zwei Kanoes mit 20 Carios. Zwei Spanier und zwei Portugiesen schließen sich ihm an. Er kommt durch verschiedene indianische Orte und schließlich zum Parana, den er noch ein Stück hinabfährt. Nun hebt sich des Königs von Portugal, nämlich der Tupis, Land an, da mußten wir den Parana und die Kanoes lassen und über Land ziehen zu den Tupis und sind 6 Wochen lang durch Wildnis, Berg und Tal, darin wir der wilden Tiere halber nicht ruhig schlafen konnten, gezogen, denn von der Stelle des Parana bis zu den Tupis sind's 126 Meilen Wegs. Dieser Stamm, die Tupis, essen die Menschen als ihre Feinde, tun nichts anderes als immerdar Krieg führen, und wenn sie ihren Feind überwinden, so begleiten sie ihn gefangen in ihre Flecken, wie man hierzulande eine Hochzeit einbegleitet; und wenn sie dann den Gefangenen umbringen oder schlachten wollen, richten sie dazu einen großen Triumph; solang er aber gefangen liegt, gibt man ihm alles, was er begehrt oder wozu er Lust hat, bis die Stunde kommt, da er dran muß. Sie haben ihre Lust und Freude an dem fortwährenden Krieg. In den Flecken Karieseba wagen sich zwei von Schmidels Begleitern hinein, werden aber dort aufgefressen. 6000 Indianer greifen die übrigen an, die ihnen 4 Tage lang Widerstand leisten, worauf es Schmidel gelingt, mit seinen Begleitern in der Nacht zu entfliehen. Von dannen zogen wir 6 Tage hintereinander in wilden Wäldern, dergleichen ich mein Lebtag (bin doch weit und breit gewesen) keinen ärgeren und grausigeren Weg gereist; wir hatten auch nichts zu essen, mußten uns derhalben mit Honig und Wurzeln, die wir fanden, helfen, nahmen uns auch aus Unsicherheit, da wir besorgten, die Feinde möchten uns nachkommen, nicht so viel Zeit, daß wir uns nach Wild umgesehen hätten. Also kamen wir zu einem Stamm, der heißt Biessaie; da blieben wir 4 Tage lang und machten Proviant, durften aber nicht zum Flecken kommen, weil unser so wenig waren. Bei diesem Stamm ist ein Wasser, heißt Urugay, darin haben wir Nattern oder Schlangen gesehen, 14 Schritt lang und in der Mitte 2 Klafter dick; sie tun großen Schaden; nämlich so ein Mensch badet oder ein Tier im selben Wasser trinkt oder übers Wasser schwimmen will, so kommt eine solche Schlange unter dem Wasser, schwimmt zu dem Menschen oder Tier und schlägt den Schwanz um dasselbige, zeucht es alsdann unter das Wasser und frißt es; denn sie hält allezeit den Kopf über Wasser und sucht, ob etwa ein Mensch oder Tier vorhanden, welches sie umbringen oder überwinden möchte. Nach einem Marsch von einem Monat kommt Schmidel nach Scherebethueba, wo 3 Tage lang von den Strapazen der Reise ausgeruht wird. Die Reisenden haben oft nur Honig zu essen gehabt und sind daher sehr schwach. Nachts schlafen sie der Sicherheit halber unter freiem Himmel in Hängematten. Dann kommen sie auf eine christliche Ansiedelung, die dem Portugiesen Joao Ramalho gehört. Sie sind froh, daß der Besitzer gerade nicht zu Hause ist, da dieser als Räuber bekannt war. Am 13. Juni 1553 kommt Schmidel endlich im Hafen San Vicente an. Hier traf er zu seiner Freude einen Landsmann, Peter Rössel, als Faktor des Antwerpener Handelshauses Erasmus Schetz, das im Land viel zugehörige Flecken und Dörfer hat, »darin man das ganze Jahr Zucker macht«. Er geht an Bord eines mit Zucker, Brasilholz und Baumwolle geladenen portugiesischen Schiffes, das dem genannten Handelshause gehörte. Aber bald nach der Abfahrt bricht ein Sturm aus, der das Schiff schwer beschädigt, so daß der Schiffer gezwungen ist, bei Espiritu Santo in Brasilien an Land zu gehen. Schmidel erzählt hier von Walfischen, die er auf dieser Fahrt gesehen hat, ebenso wieder vom Strohhutfisch, Sägefisch und verschiedenen anderen. Endlich nach einer erneuten Fahrt von 4 Monaten kommt Schmidel nach der Azoreninsel Terceira, und nach weiteren 14 Tagen am 30. September 1553 nach Lissabon. Von hier aus reist er nach Sevilla, um sich der Aufträge Iralas zu entledigen. Nachdem dies geschehen ist, geht er ans Meer zurück nach Puerto Santa Maria und nach Cadiz. Dort findet er 25 holländische Schiffe beieinander. Unter den 25 Schiffen war ein schönes, großes, neues Schiff, welches erst eine Reise von Antwerpen aus nach Spanien getan, so rieten mir die Kaufleute, ich sollte auf diesem neuen Schiff fahren. Und der Schiffer hieß Schetz, war ein ehrlicher, frommer Mann, mit dem ich übereinkam des Schifflohns halber, auch wegen der Speise und anderen Sachen, was auf dieser Reise von nöten war; darüber habe ich vollständig mit ihm abgeschlossen. Ich rüstete mich deshalb in der Nacht und ließ mein Plunderwerk als Wein, Brot und dergleichen Zugabe, auch Papageien, die ich aus Indien habe mitgebracht, alles ins Schiff tragen und verabredete schließlich mit dem Schiffer, daß er mirs gerne wollt anzeigen lassen, wenn er losfahren wollte, was mir der Schiffer treulich verhieß; er wollte ohne mich nicht weg, sondern wollte mirs gewißlich zu wissen tun. Nun hatte aber jener Schiffer in der Nacht etwas zu viel gezecht, daß er mich (aus sonderlichem Glück) vergessen und mich in der Herberge gelassen; nämlich 2 Stunden vor Tagesanbruch ließ der Steuermann die Anker aufziehen, und sie fuhren davon. Und als ich morgens nach dem Schiff schaute, da war es schon eine große Meile Wegs vom Land; darnach mußte ich nach einem anderen Schiff sehen und schloß mit einem anderen Schiffer ab, dem mußte ich gleich so viel geben wie dem vorigen; so fuhren wir mit den anderen 24 Schiffen bald davon und hatten die ersten 3 Tage guten Wind; aber darnach hatten wir starken Gegenwind, daß wir unsere Reise nicht mochten vollbringen; doch blieben wir mit großer Gefahr 5 Tage lang und hofften auf Besserung; aber je länger wir zögerten, desto ungestümer ward das Meer, daß wir uns nicht länger auf dem Meer konnten erhalten, sondern mußten wieder zurückfahren den Weg, den wir hinfuhren. Nun ist es jetzt der Brauch auf dem Meer, daß die Schiffleute und die Schiffer einen obersten Hauptmann unter sich machen. Dieser regiert alle Schiffe, und was er will, daß man auf dem Meer tun soll, das muß geschehen, und die Schiffleute und Schiffer müssen ihm einen Eid schwören, daß einer von dem andern nicht wolle weichen; denn der Kaiser hat befohlen und geboten, daß nicht unter 20 Schiffen von Spanien nach den Niederlanden fahren sollen, von wegen des Königs von Frankreich, weil sie jetzund miteinander kriegen. Weiter ist auch sonst der Brauch auf dem Meer, daß ein Schiffer vom andern nicht über eine Meile Wegs fahren darf, und wenn die Sonne auf- oder niedergeht, so müssen die Schiffer zusammenkommen, und die Schiffer müssen den Admiral grüßen mit 3 oder 4 Schüssen und alle Tage 2 mal; hinwiederum muß der Admiral auf seinem Schiff 2 Laternen von Eisen gemacht hinten an seinem Schiff stecken haben, ... und die ganze Nacht brennen lassen, so müssen die anderen dem Schiff nachfahren, darauf das Licht steht, und dürfen nicht voneinander kommen. Ebenso zeigt auch der Admiral alle Nacht den Schiffleuten an, wo er hinfahren wolle, für den Fall, daß ein Sturm auf dem Meer käme, daß sie möchten wissen, was für einen Weg oder welche Richtung der Admiral genommen hat, auf daß sie einander nicht verlieren können. Als wir nun, wie gehört, umkehren und zurückfahren mußten, da war des obengenannten Heinrich Schetzs Schiff, darauf ich all mein Plunderwerk gehabt und das mich in Cadiz vergessen hatte, das allerhinterste von den Schiffen, und wie wir auf eine Meile Wegs der Stadt Cadiz nahe kommen, da ward es finster und Nacht, so mußte der Admiral eine Laterne aushängen, damit ihm die andern Schiffe nachzufahren wüßten. Und als wir kamen zur Stadt Cadiz, warf ein jeglicher Schiffer seinen Anker aus ins Meer, und der Admiral tat seine Laterne auch weg. Dann machte man ruhig ein Feuer am Land, aber es geriet dem Heinrich Schetz und seinem Schiff leider zum ärgsten; das Feuer war bei einer Mühle auf Büchsenschußweite von Cadiz gemacht, da fuhr jener Heinrich Schetz stark dem Feuer zu, denn er meint, er sehe die Laterne vom Admiral, und als er fast ganz mit dem Schiff zum Feuer hinkommt, schießt er mit Gewalt auf die Steine, so allda im Meer liegen; sein Schiff zerbrach wohl in hunderttausend Stücke und ertranken Leute und Gut, ehe eine Viertelstunde verstrichen, und es blieb kein Stück beim anderen; von 22 Personen kamen nicht mehr davon als der Schiffer und der Steuermann, die sich auf einem großen Segelbaum retteten, auch versanken 6 Kisten mit Gold und Silber, welches dem König zugehört hat, und andere große Ware mehr, die Eigentum der Kaufleute gewesen war. Darum sage ich Gott, meinem Erlöser und Seligmacher durch Jesum Christum, ewig Lob, Ehr, Preis und Dank, daß er mich auch diesmal so gnädig geleitet, beschützt und beschirmt hat, damit ich vorher nicht auf jenes Schiff gekommen. Darnach sind wir 2 Tage in Cadiz still gelegen und am St. Andreastag (30. November) wieder weggefahren nach Antwerpen, so hatten wir auf dieser Reise ein großes Gewitter und einen grausamen Sturm, daß die Schiffer selbst sagten, daß sie in 20 Jahren oder solang sie auf dem Meer gefahren, nie einen so grausamen Sturm gesehen oder gehört haben, der so lang gewähret hat. So wir nun in England zu einem Hafen namens Wight Schmidel meint die Insel Wight. A. d. H. kamen, hatten wir auf all unseren Schiffen kein Segel mehr, noch ein Seil oder Schiffstau, noch das mindeste auf den Schiffen mehr, und wenn diese solche Reise noch ein wenig länger gewähret hätte, so wäre von diesen 24 Schiffen keins davongekommen; allein Gott der Herr hat sie besonders behüten wollen. Nun über dem allem sind am Großneujahrstag anno 1554 an der heiligen 3 Könige Tag 8 Schiffe mit Leib und Gut erbärmlich verdorben, daß es wahrlich ein erschrecklich Ding zu sehen war, ja nicht ein einziger Mensch ist davongekommen. Das ist geschehen zwischen Frankreich und England. Gott der Allmächtige wolle sich ihrer und unser aller gnädig erbarmen durch Christum, seinen einigen Sohn. Amen. So blieben wir 4 Tage in besagtem Hafen Wight in England, von dannen schifften wir auf Brabant zu und kamen in 4 Tagen nach Arnemuiden, das ist eine Stadt in Seeland, da die großen Schiffe liegen und ist von Wight 74 Meilen Wegs; von dannen zogen wir auf Antwerpen zu, welches da 24 Meilen Wegs ist. Und sind den 26. Jänner allda angekommen, anno 1554. »Ja, Gott sey gelobbt unnd gepreiset in ewikait, der mir solch gliekhselige reiß so genediglich hat beschertt! Amen.« In seiner Vaterstadt Straubing, wo er sich zunächst niederließ, fand er nicht lange Ruhe. Als öffentlicher Bekenner des Luthertums wird er durch einen Erlaß des Herzogs Wilhelm von Bayern des Landes verwiesen. Er ging daher 1562 nach Regensburg. Hier verheiratete er sich und kaufte sich ein Haus, auf dem später eine Inschrift zu seinem Andenken angebracht wurde, und wo er bis zu seinem Tode im Jahre 1579 lebte. Leonhard Rauwolfs eigentliche Beschreibung. 1573-1576. In eine ganz andere Welt, nämlich auf den alten Kulturboden Vorderasiens, der zu einer Blütestätte arabischer Kunst und Wissenschaft geworden war, führt der Reisebericht Leonhard Rauwolfs, der 1573 von Augsburg aus eine große, fast drei Jahre währende Reise durch Syrien, Mesopotamien, Armenien, Kleinasien und Palästina antrat. Nicht Handelsgewinn und Abenteuerlust lockte ihn hinaus, wie Springer, Staden und Schmidel, sondern die Liebe zu seiner Wissenschaft, der Pflanzen- und Arzneikunde. Leonhard Rauwolf, der Sohn eines Augsburger Kaufmanns, hatte an den ersten deutschen, französischen und italienischen Universitäten dem Studium der Medizin obgelegen und sodann einige Jahre als Arzt gewirkt. Am 18. Mai 1573 reiste er – vielleicht auf Anregung seines Bruders Georg; der als Faktor des Augsburger Handelshauses Manlich im syrischen Tripoli (Tarabulus) weilte – auf Kosten seines Schwagers Manlich über Marseille nach Tripoli. Das Werk, das er nach Vollendung seiner Reise verfaßte, dient zum Teil der Beschreibung (in Bild und Wort) der von ihm im Orient gesammelten Kräuter. Von dem weiteren Inhalt seiner trefflichen Schilderung legt das im nachfolgenden in lesbare Form gebrachte Kapitel über Tripoli genügendes Zeugnis ab. Rauwolfs Reisewerk ist im Jahre 1582 erschienen (vermutlich in Augsburg, wo er sich wieder niedergelassen hatte, doch fehlt in der dem Herausgeber vorliegenden Ausgabe die Angabe des Druckers und Druckortes), und zwar unter dem Titel: Leonharti Rauwolfen, der Arznei-Doktorn und bestellten Medici zu Augsburg, Eigentliche Beschreibung der Reis, so er vor dieser Zeit gegen Aufgang in die Morgenländer, nämlich Syriam, Judäam, Arabiam, Mesopotamiam, Babyloniam, Assyriam, Armeniam usw. nicht ohne geringe Mühe und große Gefahr selbst vollbracht – neben Vermeldung viel anderer seltsamer und denkwürdiger Sachen, die alle er auf solcher erkundiget, gesehen und observieret hat. Rauwolf beginnt seine Reisebeschreibung mit folgender, dem Stil seiner Zeit entsprechenden, etwas schwülstigen Einleitung: Als ich fast von Jugend auf sondere Begierde gehabt, in ferne Landschaften zu ziehen, fürnehmlich aber in die Morgenländer, als die mehr berühmt und fruchtbar sind als andere, welche die mächtigsten Potentaten und Monarchen der Welt vor Jahren innegehabt und bewohnt, nicht allein derselbigen Inwohner Leben, Sitten und Gebräuche wahrzunehmen, sondern auch und viel mehr die schönen Gewächs und Kräuter, von Theophrasto, Dioscoride, Avicenna, Serapione usw. beschrieben, an den Enden und Orten, da sie wachsen, zu erkundigen und zu erkennen, ... suchte ich, dieses mein Vornehmen ins Werk zu setzen, Mittel und Wege, welche ich im Jahr Christi 1573 allhier in Augsburg bei dem Ehrenfesten Melchior Manlich dem Älteren, meinem günstigen Herrn Schwager und Verwandten, gar gut gefunden; der nahm mich (dieweil er ohne das willens war, etliche mehr in seinen Geschäften hineinzuschicken) bald auf und an, rüstet mich also auf den Weg, damit ich mit ersten Gefährten, so gen Marsilien ziehen würden, auch dahin kommen möchte, von dannen aus ferner auf einem ihrer Schiffe nach Tripoli, in Syria Phöniciä liegend, zu fahren. Rauwolf reitet am 18. Mai 1573 mit »dem ehrenfesten und fürnehmen Herrn Friedrich Rentzen, Mitbürgers allhier« aus Augsburgs Toren und erreicht über Lindau, Feldkirch, Chur, Splügen, Como, Alessandria, Asti, Nizza nach 17 Tagen (am 5. Juni) Marseille. »Hier fande ich meiner Gefährten einen, nämlich Johann Ulrich Krafften, des edlen, ehrenfesten und weisen Johann Klafften des Älteren und Geheimen Rats zu Ulm Sohn.« Mit diesem schifft er sich auf der der Firma Manlich gehörigen Santa Croce am 2. September ein und fährt am 30. September in den Hafen von Tripoli. Von der namhaften Stadt Tripoli, ihrer fruchtbaren Gegend und den großen Gewerben derselben; daneben auch etwas von köstlichen Bädern und anderen herrlichen Gebäuen, so darin zu finden. Außen vor Tripoli an den Gestaden des Meeres herum ersahen wir im Land fünf Castella, die großen und hohen starken Türmen gleichen, deren einer vom andern je einen Büchsenschuß weit ist. Diese Kastelle sind mit etlichen wenigen Janitscharen besetzt, damit sie die Schiffe im Hafen und das Zollhaus an der Landungsstelle samt den großen Gewölben dabei, in denen allerlei Waren von mehr Orten herbeigebracht zu finden, vor Überfall und Einlauf behüten und verwahren. Nachdem aber die Sonne schon untergegangen und uns nunmehr die Nacht wollte überfallen, eilten wir, in die Stadt zu kommen, wohin wir noch wohl eine Stunde Wegs zu gehen hatten. Mit uns gingen etliche Türken, die hatten keine andere Wehr an sich als lange und starke Bengel, Knüttel. welche sie, wie mir angegeben ward, meistenteils tragen, um die Wölfe, Wohl Schakale. die im Lande zahlreich sind und bei Nacht zu Haufen auf Raub ausgehen, abzutreiben. Deren kamen etliche, indem wir davon redeten, zu uns gelaufen – sie sind in Größe und Gestalt den Hunden ziemlich gleich. Sobald sie aber unser ansichtig wurden, wendeten sie sich und strichen davon. Da wir nun zur Stadtpforte kamen, fanden wir sie schon geschlossen. Also ruft unserer Bekannten einer, der uns zu empfangen entgegengegangen, etlichen Franzosen in ihrer Herberge, die beim Tor bis auf die Stadtmauern hinausreicht, und bat sie, den Sangiacho Statthalter. anzusprechen und zu bitten, daß man das Tor eröffnen und uns einlassen wollte, was sie gern tun wollten. Dazwischen aber, weil wir vor dem Tor warteten, lief bald ein anderer, mit dem unser Bekannter und Gefährt Feindschaft hatte, hin, etliche Türken und Mohren zu bestellen, daß sie uns überfielen. Die eilten bald, seinem Begehren genug zu tun, und kamen durch eine andere Pforte, so nimmer geschlossen wird, außen an der Stadtmauer zu uns hin, überfielen uns unversehens, schlugen und griffen nach uns, insonderheit aber nach unserm guten Freund, über welchen dieses Spiel angerichtet war; etliche andere aber zückten ihre Säbel über uns, daß wir nicht anders dachten, als es werde Stück' und Trümmer geben. Weil der Streit also währte, ward das Tor endlich geöffnet und liefen etliche der Franzosen heraus, hernach auch ihr Herr, der Konsul selbst, uns zu helfen. Der sprach ihnen tapfer und ernstlich zu, innezuhalten, daß die Sache dem Sangiacho und dem Kadi werde angezeigt werden, bis sie nach langem Ermahnen abließen. Also sind wir nach solchem unfreundlichen Gruß und Willkommen im Getümmel hinein in ihre Herberge gezogen worden und darin über Nacht geblieben. Der Konsul war hierüber übel zufrieden, dieweil er sah, daß solche Überfälle den Seinigen beschwerlich sein würden; er hat derhalben sich hart beschwert und dem Anstifter so lange nachgefragt, bis er vernommen, wer er wäre. Als nun der Tag anbrach, kehrten wir bei den Unserigen ein, allda eine Zeitlang zu bleiben. Dazwischen gingen wir etliche Male herum in unsern gewöhnlichen Kleidern, die Stadt zu besehen, die in der Landschaft Syria Phöniciä liegt, welche sich an den Gestaden des Meeres nach Berithus, Tyrns und Acco hinum bis an den Berg Karmel erstreckt. Es ist aber diese Stadt Tripoli ziemlich groß, volkreich und namhaft wegen der großen Niederlage an Waren, die dahin täglich zu Lande und zu Wasser gebracht werden. Es liegt in einer lustigen Gegend an den Vorbergen des hohen Gebirges Libanon, die gegen das Meer hin gar eben ist. In dieser Ebene herum ist viel Wein und wohlgepflanzte Krautgärten zu sehen, die meistens mit Toren und Zäunen umhegt sind, in denen sonderlich Rhamni, Faulbaumartige. Paliuri, Oxyacantha, Weißdörner. Phyllireä, Lycium, Bocksdorn. wilde Granatbäumchen, Rubi, Brombeergewächse. Palmbäumchen außer denen, die noch niedrig sind und erst emporzuschießen anfangen, gefunden werden. In diesen Gärten, so man hineinkommt, werden gefunden mehrerlei Sorten von Salat und Küchenkräutern, wie Endivien, Lattich, Ruckelen, Aspargen, Spargel. Eppich, dessen oberes Köpflein mit Salz und Pfeffer gar gut zu essen, sonderlich aber deren, so aus Cypern gebracht werden, Tragon, Vielleicht tragopodon (Bocksbart). Cappiskraut, Blumenkohl, Rüben, Rettich, Kren, Meerrettich. Fenchel, Zwiebel, Knoblauch usw. Auch werden nicht minder Früchte gefunden wie Anguriä, Wassermelonen. Melonen, Kürbisse, Citrulli, Koloquinten. Melongena, Eierpflanze, Melanganapfel. Sesam, dessen Samen sie auf das Brot zu streuen pflegen, und andere mehr; insonderheit aber die Colocassia, Zehrwurzel. welche bei ihnen gar gemein und das ganze Jahr durch zu kaufen gefunden wird ... Es stehen auch innerhalb wie außerhalb der Gärten viel Datteln und weiße Maulbeerbäume, die in ihrer Höhe unsere Espen und Nußbäume weit übertreffen. Ebenso Granatbäume und die, daran das Sankt-Johannisbrot wächst, desgleichen Öl- und Mandelbäume, Sebesten, Brustbeerbäume. deren Früchte in unsern Apotheken auch unter dem Namen Adamsäpfel zu finden sind. Am allermeisten aber sind darin Zitronen-, Limonen- und Pomeranzenbäume, welche so gemein sind, daß sie ihrer, sonderlich der Pomeranzen, wohl so wenig achten wie wir der Birnen und Holzäpfel. Durch die Gärten führen verschiedene Wege, daß also gar lustig dadurch zu spazieren, sonderlich zu Sommerszeiten, wenn darin grüne und schattige schöne Plätze zu finden sind, in denen man sich vor der grellen Hitze der Sonne aufhalten kann ... Außen am Gestade des Meeres herum bei der alten Stadt Tripoli, welche samt anderen mehr wie Antiochia, Laodicea usw. im Jahre 1183 durch ein großes Erdbeben dermaßen verfallen ist, daß weiter nichts als etliche wenige Merkmale zu sehen sind, waren mehr schöne Lust- und Krautgärten, deren etliche Kaufleute noch gedenken. Diese sind aber in wenig Jahren vom Ungestüm des Meeres so gar verwüstet und mit Sand, so das Meer darüber ausgeworfen, dermaßen bedeckt worden, daß heutigentags an denen Orten nichts Besonderes als ein sandiger Boden zu finden. Gleichwohl haben sie um Tripoli an Wasser keinen Mangel, denn etliche Flüsse fallen vom hohen Gebirge Libanon. herab, die teils ihren Lauf durch die Stadt nehmen, teils auch außerhalb durch das Feld, daß sie also in der Stadt an Röhrbrunnen und außerhalb ihre Krautgärten zu wässern reich genug sind. Die neue Stadt an ihr selbst ist nicht fest, dazu auch mit Mauern und Gruben so übel verwahrt, daß man bei nächtlicher Weil an einigen Orten kann aus und ein kommen. Nur hat sie innerhalb ein altes Schloß auf einer Höhe am Wasser, das mit etlichen wenigen Janitscharen besetzt ist. Es haben auch die Einwohner niedere Behausungen, die übel erbaut sind und oben ganz flach, wie sie im Morgenland gemein sind; darauf ist statt der Dächer ein Estrich, auf dem man, soweit die Behausung ist, herumgehen kann. Also begibt sich's täglich, daß die Nachbarn auf ihren Häusern von einem auf das andere gehen und einander heimsuchen, auch die Nächte, sonderlich zu Sommerszeiten in der Kühle darauf schlafen ... Gegen die Straßen haben sie nicht wie in unsern Landen so hohe große Tore und weite Einfahrten, ausgenommen etliche wenige Kaufhäuser, dieweil bei ihnen kein Gebrauch weder der Wagen noch der Karren; sie haben meist kleine, niedere Türlein, die manchmal kaum eines halben Mannes hoch, daß sich also einer wohl, der ungestoßen hinein will, bücken muß. Auch sind in vielen Häusern die Eingänge so finster und tief, daß einer sollte vermeinen, er ginge in einen Keller hinab. Wann man aber dadurch hineinkommt, sieht man erst in manchen weite Höfe, in denen schöne Röhrkasten stehen, worin sie sich täglich waschen, in manchen aber gepflasterte Säle, die zum Teil von Marmor künstlich eingelegte Stellen haben, die zwei oder drei Stufen erhöht sind und die sie gar rein und sauber halten, mit schönen Teppichen geziert und umlegt, um darauf zu sitzen. Oben bedeckt sie ein hoher und weiter gewölbter Bogen, der an der einen Seite gar offen ist, daß also die Türken, sonderlich zu Sommerszeiten, fein lustig darunter sitzen mögen. Ihre Türme und Häuser sind meist mit hölzernen Riegeln geschlossen, die innen hohl sind, und die sie mit hölzernen Schlüsseln aufschließen. Diese Schlüssel sind eine gute Spanne lang und daumdick und haben vorn an der einen Seite 5 bis 9 oder mehr kurze Nägel oder starke Drähte, die sich in entsprechende Hohlräume des Schlosses fügen. Die Gassen sind ziemlich eng, mit großen Steinen und Platten gepflastert und haben in der Mitte eine Tiefe, die so breit ist, daß darin ein geladenes Kamel wohl gehen oder einer darüber schreiten kann. Diese Tiefe in den Straßen soll dazu gemacht sein, damit in den großen Karawanen die geladenen Kamele, Esel usw., so da täglich ankommen, nacheinander in ihrer Ordnung sein dahergehen, daß man vor ihnen in den Gassen ohne Hindernis handeln und wandeln könnte. Damit aber diese Gänge sauber und trocken bleiben, haben sie an etlichen Orten unter der Tiefe verborgene Rinnen mit langen breiten Steinen bedecket, durch die das Regenwasser sowohl wie das von den Röhrbrunnen seinen Ablauf nimmt. Sonst haben sie von ansehnlichen, schönen Gebäuden nichts Sonderliches aufzuweisen außer etlichen Kirchen, in die kein Christ gehen darf, er wolle sich denn beschneiden und zum Mameluken machen lassen, sowie etlichen großen Behausungen von Einwohnern, Carwatscharas Karawansereien? genannt. In diesen sind viel Magazine oder Gewölbe und Kammern nebeneinander, wie in ansehnlichen Klöstern zu finden. In ihrer Mitte liegt ein großer weiter Hof, wohin fürnehmlich die Fremden und Kaufleute, so da täglich mit ihren Waren in großen Karawanen ankommen, wie in offene Herbergen einziehen, dieweil sonst in der ganzen Türkei keine Wirtshäuser zu finden. Diese Herbergen gehören meist dem Großtürken D. h. dem Sultan. und seinen Paschas zu als den vornehmsten, welche sie besonders darum hin und wieder in den Städten erbauen, damit sie ihnen ein jährlich gut Einkommen, wie die Venediger aus dem Deutschen Haus zu Venedig, machen. Endlich sind außer diesen Gebäuden noch ihre Badestuben, welche so herrlich und wohl erbaut und zugerichtet sind, daß sie bald alle anderen Gebäude in ihrer Schönheit und Köstlichkeit Kostbarkeit. übertreffen, weshalb solche wohl sehenswert sind. Und weil die Türken, Mohren, Mauren. Araber usw. nach ihrem mohammedanischen Gesetz oft baden, sich von ihren vielfältigen Übertretungen und Sünden, so sie täglich begehen, abzuwaschen und zu reinigen, sonderlich aber zur Zeit, wenn sie in die Kirche gehen wollen, so haben sie ihre bereiten Badestuben, die sie mit einem steten Feuerlein in gleicher Hitze die ganze Woche hindurch erhalten, daß man zu jeder Zeit, es sei bei Tag oder Nacht, darin baden könnte; auch heizen sie mit geringen Unkosten, dieweil sie wegen des geschickten und praktischen Baues bei weitem nicht so viel Holz, als man gedenken möchte, verbrennen. Denn sie haben zunächst unter der Erde ein großes und tiefes Gewölb, einem ziemlich weiten Keller gleich, das allenthalben gar wohl verwahrt und dermaßen geschlossen ist, daß es oben nicht mehr als zwei Luftlöcher hat, von denen das obere in der Größe einer ziemlichen Glasscheibe und das andere, so ein wenig besser unterhalb, um ein Ziemliches größer ist. Hierdurch tun sie zur Heizung Prügelholz oder in Ermangelung dessen Fladenstücke aus dem Kot der Kamele, Geißen usw., auch aus den Trestern und Trebern der gekelterten Trauben. Solche sind so dürr, daß sie unten gleich von der großen Hitze überlaufen und anfangen zu glosten wie die Steinkohlen oder der Torf, die in den Niederlanden und andern Orten mehr, da wenig Holz, gebräuchlich. Die geben bald eine grelle Hitze von sich und erwärmen das ganze Gebäude dermaßen, daß sie auch in der Badestube, so gleich darüber ist, eine ziemliche Hitze geben. Und ist doch das Gewölbe so wohl verheimt, So gut verwahrt. daß kein Rauch noch Dampf im Bad gespürt wird, obschon zu Zeiten die Hitze ebenso groß wird. Damit aber das Feuer nicht abgehe, ist sonderlich einer dazu verordnet, der stets des Feuers warte und, soviel zur Unterhaltung nötig sei, hinabwerfe. Diese ihre Bäder, die nach der alten Griechen und Römer Gebrauch gar herrlich erbauet, haben nahe beim Eingang einen schönen Saal, der, wie auch das ganze Bad durchaus, mit Marmor von mancherlei Farben künstlich eingelegt und gepflastert, auch in die Höhe wie eine große Kapelle gebaut, die oben mit einem runden kugligen Gewölbe geschlossen ist. An den Seiten herum sind breite Brücken, darauf sich die Badeleute ausziehen ... In der Mitte der Bäder ist ein schöner Röhrbrunnen lustig zu sehen, aus dem sie allen und jeden, so aus dem Bad gehen, Fußwasser anmachen und dabei auch die Badetücher, so gebraucht worden sind, wiederum auslegen, die sie hernach gleich auf die 2 bis 3 Stockwerk hoch aufgezogenen Stricke so gewiß hinaufwerfen und mit einer langen Stange in einem Zug sogleich ausbreiten, als hätten sie es gleich für sich mit Fleiß aufgehängt, daß sich also einer darüber wohl hat zu verwundern. Wenn sie solche Badetücher wiederhaben wollen, langen sie es mit den Stangen, welche zur Hand gleich bei den Röhrbrunnen stehen, wiederum herab. Sie sind aber gar schön von mancherlei Farben gewirkt; davon geben sie einem jeden, der in das Bad will, zwei, wie auch beim Ausgehen noch zwei andere, das eine über den Kopf und das andere um sich zu schlagen, wie die Bäcker und Müller bei uns zu tun pflegen. So man hinein in die Badestube will, hat einer durch zwei oder auch drei Kammern zu gehen, deren je eine wärmer ist als die andere, bis man endlich in die größte und wärmste kommt, welche, wie die andern oben ihr rundes und kugliges Gewölbe hat, darin herum viel Löcher zu sehen, die fein in eine Ordnung gerichtet und mit Scheiben so meisterlich versetzt sind, daß sie dem ganzen Bad ein gutes Licht und schöne Zierde geben. In der großen Badestube stehen etliche große Geräte ganz aus Marmor, darein das Wasser gelassen wird; auch sind um diese Badestube herum noch wohl drei bis vier kleine Kämmerlein, die vornehmlich für große Herren aufgehalten werden, in denen sie abgesondert ruhig und von andern ungehindert ausbaden mögen. Außer diesen allen ist noch eine andere Badestube, in der ein ziemlich großer oder tiefer Marmorkasten oder -trog steht, in welchen sich ein jeder nach getanem Schweiß mag begeben. Darein sind Röhren gerichtet, das Wasser nach allem Wohlgefallen zu temperieren. Diese Stuben alle werden unten von dem einen Feuer erwärmt und gehn die Türken und Mohren, welche beide Nationes fast gleiche Religion und Ceremonias haben, gar oft darein; insonderheit aber die Weiber kommen in Haufen, da sie fast nirgends als hier und bei den Gräbern ihrer Verwandten zusammenkommen; es werden daher diese herrlichen und köstlichen Gebäude wesentlich von ihnen unterhalten. Wenn einer hineinkommt und ein wenig erwärmt, ist bald ein Badeknecht da, die meist schwarze Mohren sind, der ihn rücklings niederlegt, ihm alle Glieder des ganzen Leibes hin und wider dermaßen renkt und ausstieß, daß sie einem krachen möchten; hernach kniet er ihm auch auf seine Arme, die er ihm auf seiner Brust übereinander mit den Knien eine gute Weile geschränkt hält, neigt sich vor sich und hebt ihm mit beiden Händen, weil er ihn als einen Gefangenen unter sich hält, den Kopf über sich. Also hat sich's auch einmal begeben, da unser etliche miteinander darein gingen und uns von den Mohren dermaßen ließen, wie gemeldet, traktieren, daß deren einer meinem Gesellen den Hals so sehr verrenkte, daß er den Kopf in etlichen Tagen nicht umwenden konnte. Wenn das geschehen, so legt der Mohr erst einen vor sich herum auf das Angesicht, greift und renkt ihm abermals alle Glieder dermaßen, als wenn er ein Pflaster malaxiert, steht ihm auch endlich mit beiden Füßen zuoberst auf die Schulterblätter und indem er, sich bückend, an seine beiden Arme hält, fährt er ihm mit denselben über den Rücken aus und richtet ihn hernach wieder auf und geht davon. Weil dann einer ruht und wieder schwitzt, macht ihm der Badeknecht eine Salbe an, die Haare zu vertreiben, denn sie keine Haare am Leib als unter den Achseln noch an andern Orten wachsen lassen. Dazu nimmt er ungelöschten Kalk und ein wenig Auripigment, die mischt er gepulvert untereinander mit Wasser, bestreicht damit den Badeleuten die haarigen Stellen und sieht so oft dazu, bis er befindet, daß sie anfangen auszugehen. Alsdann wäscht er's ihnen bald, ehe es einen mit seiner Schärfe verletzt, wieder ab; wenn das geschehen, so nimmt der Mohr ein schön weißes Werg, tunkt das in ein Seifenwasser und fährt ihm damit über den ganzen Leib. Das Werg ist, wie gesagt, schön weiß, das die Pilgrime mit sich von Mekka bringen; es kommt her von Rinden der Bäume, die das Bdellium geben. Balsamodendron africanum. Zuletzt machen sie eine Lauge und vermischen damit manchmals, insbesondere für die Weiber, eine aschfarbene Erde, so sie Malun nennen, um den Kopf zu säubern und lange Haare zu machen. Sie haben auch sonst eine Erde, die sie Jusabor nennen, welche ihre Weiber oft und dick essen, wie bei uns etwa die Schwangeren Kohlen und andere Dinge. Die geschilderten Bäder stehen den Ausländischen, als den Deutschen, Franzosen, Italienern usw. auch darein zu gehen, so gut offen wie den Türken und Mohren, nur müssen sie sich hüten, in diejenigen zu kommen, in denen ihre Weiber sind, wollen sie sich anders nicht in Gefahr Leibes und Lebens begeben. Damit man aber wissen könnte, in welchen sie seien, hängen sie nun vor der Pforte außen nach der Gasse zu ein Tuch, daß also ein jeder, der schon willens gewesen, darein zu gehen, in Ansehung dessen muß vorüberziehen und ein anderes suchen. Was nun ferner den Handel anbelangt, so finden sich in dieser Stadt, weil da eine große Niederlage der Waren, die weit in alle Lande hinaus verschickt werden, viel Kaufleute, sonderlich Franzosen und Italiener. Diese Nationen haben zwei weise, verständige ansehnliche Männer zu Vorstehern, von denen der eine, so allhier wohnt, ein Franzose, der andere aber, so sich zu Aleppo verhält, ein Venetianer ist. Sie werden von den Ihrigen Konsuln genannt und haben ihren Landsleuten mit Hilfe und Rat guten Beistand zu tun und die Fremdlinge, so zu ihnen kommen, auf- und anzunehmen. Darum sind sie auch von ihrer Obrigkeit dahin verordnet und mit Privilegien vom türkischen Kaiser bestätigt worden, daß sie die Kaufleute mit ihren Waren lassen bei sich einziehen und sie vor äußerlicher Gewalt der Türken und Mohren beschützen, damit sie unter ihnen ohne Hindernis wandeln und handeln mögen. Diese Konsuln tragen noch ihre gewöhnlichen Kleider, welche von ganz rotem Atlas, Samt, Damast usw. gar köstlich zugerichtet, und nehmen auch mit sich Schneider, Schuster, insonderheit aber ihre Ärzte, Apotheker, Barbiere, Priester usw., haben auch neben diesen ihre Dolmetscher, welche der türkischen und arabischen Sprache erfahren ... Es sind auch diesen Konsuln zwei weite Behausungen übergeben, Fondiques genannt, Vielleicht von dem spanischen Wort fonda , das Gasthaus bedeutet. die gleich an zwei Stadttoren stehen, die nach dem Hafen und dem Meeresgestade schauen, damit sie mit ihren Waren um so eher aus- und einkommen. Deshalb halten den ganzen Tag unter den zwei Toren viel Mohren mit kleinen Müllereseln, die Kaufleute und Schiffsleute, so hinaus ans Gestade wollen, aus- und einführen. Diese zwei Behausungen sind weit mit Gewölben und Kammern dermaßen erbaut, daß sie beieinander wohnen könnten und ihre Waren darin genugsam versorgen ... Die Kaufleute haben mit den Juden täglich viel zu handeln, sintemal solche vieler Sprachen kundig und wohl wissen den Bschiß Unwert. oder Wert aller Waren, die sie entweder zu kaufen oder zu verkaufen haben, wie sie denn fast alle Käufe in den vornehmsten Handelsstätten helfen beschließen, das Geld und die Wechsel erlegen, darum sie auch ihre Leukauf Leikauf, der auf Kosten von Käufer und Verkäufer zur Bestärkung des Kaufvertrags gebotene Schmaus oder ein entsprechendes Entgelt. wie die Unterkeuffel oder Teuschler davon haben. Ihrer Münzen habe ich vornehmlich dreierlei Sorten ersehen, nämlich Asper, Medin und Sayet [?] die von gutem Silber und durch die ganze Türkei gangbar sind. Wenn große Zahlungen geschehen, zählen sie es nicht lange, sondern legen eine genannte Zahl der Münze in die eine Schüssel der Wage und wägen danach vollends die ganze Hauptsumme in der andern aus. An goldenen Münzen haben sie meist nur Dukaten, welche von gutem lauterem Gold gar lind und biegig sind. Von ausländischen Münzen finden sich venetianische Dukaten, französische Teston und gute alte Joachimstaler. In der ganzen Türkei gibt's viel Juden, vornehmlich aber in den Haupthandelsstädten wie in Aleppo und hier in Tripoli, wo sie erst eine gewaltige Behausung und schöne Synagoge erbaut haben. Die Juden haben des Großtürken Einkommen an Zöllen und Mauten meist in ihren Händen, daß also nicht leicht etwas in dieses Land gebracht wird noch daraus verführt, das nicht an sie kommt, was den Kaufleuten nicht geringe Beschwernis bringt. Und müssen die, so ihnen abkaufen, fleißig und wohl aufpassen, damit sie nicht von ihnen, die alles Betruges voll, angeführt werden, wie sie denn von sich selbst frei heraus bekennen, daß keiner neben ihnen etwas gewinnen möge, er wolle denn ein größerer Harami, d. i. Dieb, als sie sein, die wohl eingemachte Nüsse für Muskatnüsse verkaufen dürften. Die Waren sind in den Karawansereien, sonderlich aber in den Basaren oder Kaufhäusern zu finden. Diese Kaufhäuser sind groß und lang und oben teils ausgewölbt, teils mit einem Zimmer beschlossen, daß man also zu jeder Zeit darunter kann trocken wandeln und handeln. Unten aber haben sie zu beiden Seiten einen Laden am andern, darin sich auch Handwerksleute halten, ... die alle fein in ihre sondere Gassen und Örter zusammengeordnet und ausgeteilt sind. Auch gibt's sonderlich mit Seide einen großen Handel, wie denn viele nur schöne Seide in ihren Läden zu verkaufen haben, welche meist von den nahe herumgelegenen Orten dahin gebracht wird. Denn es ist in den Grenzen und auf dem Gebirge Libanon unzählig viel Volk zu finden, das sich allein vom Seidenspinnen und Seidenwirken nährt, daher auch der weißen Maulbeerbäume allenthalben gar viel zu ersehen, die so groß und hoch, daß sie genugsam Blätter einsammeln mögen, ihre Seidenwürmer zu unterhalten ... Also sind in ihren Basaren viel Seidensticker, die schönes Gewirk machen wie Borten, Geschling, Knöpflein, auch gestickte Seckel und Binden von mehrerlei Farben, damit sie ihre Lenden umgürten. Solche sitzen zu ihrer Arbeit meist vor ihren Läden, daß sie von männiglich zu sehen. Wenn sie etwas wirken oder einen Faden andrehen wollen, halten sie es mehr mit ihren großen Zehen als daß sie es an Schrauben legten, wie auch die Drechsler tun, die sowohl im Sitzen mit den Zehen wie mit den Händen ihre Drehereien führen. Ferner werden zu gewissen Zeiten in den Basaren der schön großen und wohlschmeckenden Zibeben Große Rosinen. von Damaskus und andern umliegenden Orten mehr soviel gebracht, daß von dort jährlich etliche viel Schiffe zu uns herausgeführt werden ... Viele Krämer aber führen in ihren Läden nichts als Seife und Asche, aus der Seife gewonnen wird; dies sind vielleicht die beiden Haupthandelsartikel, und es werden von der Asche ganze Schiffe voll nach Venedig geführt, um sowohl Gläser wie auch Seife daraus zu machen. Die Asche wird besonders aus einem Kraut, arabisch Schinan genannt, gewonnen, das in zwei verschiedenen Arten vorkommt ... Diese beiden Kräuter werden nicht weit von dort gefunden und auf den hohen Bergen herum zu Asche gebrannt, in welcher sich zu unterst am Boden eine ölige Schicht findet, mit der sich die Asche vermischt, und wenn's erkaltet, fast so hart wird wie Stein. Oben gleichwohl bleibt ein Teil der Asche unvermischt, die nicht so gut wie die andere ist. Diese Asche bringen die Mohren auf Kamelen von den Bergen herab in die Stadt etlichen Kaufleuten zu, die großes Gewerbe damit treiben, indem sie sie teils verschicken, teils auch Seife daraus machen. Wie aber die Seife in Syrien zugerichtet werde, darüber hat man mich also berichtet: Erstlich nehmen sie gewöhnlich 12 Zentner gebrannte Asche; daraus machen sie im Sommer 8 und im Winter 4 Teile, darum weil sie im Winter eher als im Sommer abgesotten wird. Von denen nehmen sie erstlich einen Teil und gießen davon eine gute scharfe Lauge, die sie alsdann in einen großen steinernen Kessel schütten, auf dessen Boden eine ziemlich große dicke Kupferplatte ist. Darein schütten sie 16 Zentner Baumöl und gleich die gegossene Lauge von einem Teil darauf. Wenn das geschehen, lassen sie es Tag und Nacht einsieden und schütten daneben täglich der gegossenen Laugen von einem Teil daran. Ehe die aber ganz abgesotten wird (es dauert im Winter 5, im Sommer 9 bis 10 Tage), nehmen sie einen Zentner Kalk, mit der Asche vermischt, gießen noch eine Lauge da ab und schütten es auch endlich an 2 Tagen zuvor darüber in den Kessel, mehr oder minder, nachdem sie es dick oder dünn befinden. An der Kupferplatte unten ist ein Hahn, um den Überfluß an Lauge ablassen zu können. Wenn das Sieden fast beendet ist, haben sie ein 8 bis 10 Pfund haltendes kupfernes Kesselein. Damit schöpfen sie die dickere Seife, so oben schwimmt, herab, schütten sie auf die Erde, die mit Kalk oder steiniger zerstoßener Kreide bestreut ist, und lassen es im Winter einen, im Sommer aber zwei Tage stehen; so wird die Seife so dick, daß sie auch darauf herumgehen, um sie abzuplätten, schneiden sie dann in bestimmte Stücke eine Querhand breit und drücken endlich ihre Marke darauf. Rauwolf setzte seine Reise durch Syrien und Mesopotamien fort bis Bagdad. Hier kehrte er infolge eines Briefes, den er von seinem früheren Reisegenossen Ulrich Krafft aus Aleppo in Syrien erhielt, dessen Inhalt aber unbekannt ist, um. Die Rückreise führte ihn über Mossul durch Syrien wieder nach Tripoli. Sodann ging er nach Palästina, besuchte hier die heiligen Stätten und trat endlich die Heimreise über Tripoli und Venedig an. Nach Augsburg zurückgekehrt, wurde er als städtischer Arzt am Pesthause angestellt. Ähnlich wie Schmidel mußte er aber nach einigen Jahren wegen konfessioneller Schwierigkeiten wieder zum Wanderstab greifen. Er ließ sich darauf auf einen Ruf der österreichischen Stände in Linz als Arzt nieder. 1596 begab er sich sodann als Chirurg zu den kaiserlichen Truppen, die in Ungarn gegen die Türken kämpften. In demselben Jahre soll er dort bei der Belagerung von Hatvan an der Ruhr gestorben sein. Vgl. Viktor Hantzsch, Deutsche Reisende des 16. Jahrhunderts. S. 130.