Eigentlicher Abriß Eines verstaͤndigen/ tapfferen und frommen Fuͤrsten/ Von dem fuͤrtrefflichsten Poeten Virgilius/ In zwoͤlff Buͤchern der Trojanischen geschichten Entworffen Und An dem Æ neas/ Der nach Außstehung vieler Muͤhselig- keit/ Gefahr und Zufaͤlle des wandelbahren Gluͤcks endlich alle Hindernuͤß und Feinde uͤberwunden/ und seine von der Ewigen Vorsehung ihm verord- nete Laviniam erlanget hat/ Gewiesen und gepriesen Verteutschet und in Heroische oder Alexandrinische Reime uͤbergesetzet Von M. Michael Schirmer / Kaͤyserlichen aͤltisten Poeten/ und des Berlinischen Gymnasiums gewesenen dreyßigjaͤhrigen ConRectore. Gedruckt in dem zum Ende lauffendem Jahr 1668 . zu Coͤlln an der Spree bey George Schultzen/ Churfuͤrstl. Brandenb. Buchdrucker. Jn Verlegun g des Autoris . Des Durchlaͤuchtigsten/ Großmaͤchtig- sten Fuͤrsten und Herren/ Herren Friderich Wilhelms/ Marggraffens zu Brandenburg/ des Heil. Roͤm. Reichs Ertz-Caͤmmerers und Churfuͤrstens/ in Preussen/ zu Magdeburg/ Juͤlich/ Cle- ve/ Berge/ Stettin/ Pommern/ der Cassuben und Wenden/ auch in Schlesien/ zu Crossen und Jaͤgern- dorff Hertzogens/ Burggraffens zu Nuͤrnberg/ Fuͤrstens zu Halberstadt/ Minden und Cammin/ Graffens zu der Marck und Ravensberg/ Herrens zu Ravenstein/ wie auch der Lande Lauenburg und Buͤtow/ ꝛc. ꝛc. Chur-Printz Carl Aemilius/ Printz Friedrichen/ Printz Ludowigen/ Seinen Gnädigsten Fuͤrsten und Herren Dediciret dieses Buch unterthaͤnigst M. Michael Schirmer. Unterthaͤnigste Zueignungs-Schrifft. D Ie Laced æ monier/ wie Plutarchus meldet/ suͤhreten einsmahls drey Choͤ- r e auff: Der erste bestunde aus alten herren/ der andere aus behertzten jun- gen maͤnnern/ der dritte aus edlen knaben. Die alten huben an und sagten: Wir waren vor- zeiten starcke und tapffere leute. Darauff sprachen die maͤnner: Das seind nun wir/ hat einer lust/ der mache sich heran. De- nen folgeten die edlen knaben/ die liessen sich also vernehmen: Wir werden dermal eins auch brave leute werden . Ebner massen fuͤhret das uhralte hochloͤbliche Hauß Brandenburg viel fuͤrtreffliche Ahnen und Helden auff/ welche bey des zu krieg- und frie- denszeiten hohe und ungemeine tugenden an sich erscheinen lassen. Churfuͤrst Friedrich I. wurde wegen seiner erwiesenen kriegserfahrung unter Kaͤyser Sigisinunden zum Reichs-Feldher- ren wider die Hußiten erwaͤhlet/ da ihm der Paͤpstliche Nuncius zu Nuͤrnberg in der Se- baldskirche selber das schwerdt angeguͤrtet. Des- )( 2 selben Unterthaͤnigste Zueignungs-Schrifft. selben beyde Soͤhne wurdeu wegen ihrer helden- thaten/ als Churfuͤrst Friedrich II. der Marg- graff mit den eisernen zaͤhnen/ und Churfuͤrst Albrecht der Teutsche Achilles genennet/ diesem/ der insonderheit umb Kaͤyser Friedrichen IV. mit hertzhafftiger trewe sich beliebt gemacht/ wird vom Enea Sylvio/ der nachmahls Pabst Pius II. wurde/ zum unsterblichen ruhm nach- geschrieben/ daß er zum oͤfftern Feldherr und in unterschiedlichen schlachten allemal im anzuge der voͤrderste/ und im abzuge der letzte gewesen sey. Desselben uhr-enckel Churfuͤrst Joachi- mus II. war Obrister Feldherr wider die in Un- gern und Oesterreich einfallende Tuͤrcken/ und halff dieselben schlagen und verjagen. Gleich wie aber dieses Hauß allein umb friedens wil- len und denselben zu erhalten jederzeit die waffen tapfferlich gefuͤhret: Also zaͤhlet es auch viel thewre Regenten/ unter denen Churfuͤrst Johan- nes der Teutsche Cicero/ Joachimus I. Johan- nes Georgius/ Joachimus Fridericus/ Johan- nes Sigismundus/ und Georgius Wilhelm/ mit hohem ruhm herfuͤr leuchten/ die den guͤld- nen friede so wol im Heil. Roͤm. Reiche/ als in ihren landen zu unterstuͤtzen und zu befoͤrdern keine muͤh noch kosten gesparet/ ja die auch das reich Unterthaͤnigste Zueignungs-Schrifft. reich der kuͤnste und sprachen mit stifften fuͤrneh- mer Academien und Landes-schulen zu vermeh- ren sich beflissen haben. Diese des Chur-Hau- ses Brandenburg uhralte Ahnen und Stamm- herren stehen im gemaͤhlde nach der reyhe auff Chuꝛ- und Fuͤrstlichen saͤalen/ und scheinen wie die Laced æ monische alte helden also zu reden: Wir waren vorzeiten tapffere krieg- und frie- dens-helden. Wie nun/ nach dem sprichwort; Kein adler ei- ne taube heckt/ sondeꝛn großmuͤhtige und tapffeꝛe leute gleiche art zeugen: Also haben auch hochge- meldte alte Churfuͤrsten und Ahnen ihres gleichẽ gepflantzet/ ihren stul befestiget/ ihren nahmen verewiget/ in dem sie mit Goͤttlicher gesegnung aus ihren lenden noch mehr Chur-Erben erbau- et haben. Als da gehet nun herein und gleich- sam noch in dem gruͤnen fruchtbaren herbst sei- nes alters der Durchlaͤuchtigste Churfuͤrst Friedrich Wilhelm/ und kan den Laced æ mo- nischen jungẽ helden-maͤñern/ die da sagen: Nun sind wir starcke und tapffere leute/ recht- fuͤglich beystimmen/ und zwar solcher gestalt/ daß er als ein Christlicher Held sich auff GOtt/ als dem schilde seines heiles sicherlich verlassen kan/ als der Seine Churfuͤrstl. Durchl. person )( 3 in Unterthaͤnigste Zueignungs-Schrifft. in allen obhanden stossenden gefaͤhrligkeiten nicht allein maͤchtig bedecket und beschuͤtzet/ son- dern auch desselben rahtschlaͤge und waffen also gesegnet hat/ daß dadurch zwischen unterschiede- nen grossen und maͤchtigen Koͤnigen/ Fuͤꝛsten und Freyen Stadt-regimentern die schwere streitig- keiten geschlichtet/ und friede gemachet/ auch dar- bey Sr. Churfuͤrstl. Durchl. Staat und nahme vergroͤssert/ und wie von Salomone geschrieben stehet/ sein stul groͤsser/ denn aller seiner Vaͤter geworden ist. Wann aber/ wie der grosse Staatslehrer Ta- citus schreibet/ nicht grosse kriegsheere/ nicht maͤchtige schiffruͤstungen/ nicht starcke vestun- gen und bollwercke/ sondern Fuͤrstliche kinder der Koͤnigreiche und Fuͤrstenthuͤmber schutz und zier- de sind: Als hat sich unser gnaͤdigster Chur- fuͤꝛst auch hertzlich zu erfreuen/ daß ihn der allguͤ- tige Gott mit schoͤnen und lieblich her wachsen- den Printzen/ die sich immerdar befleißigen des- sen/ worzu sie das erempel und lehren ihrer hoch- benahmten Vorsteher aufrischet und auffmun- tert/ gesegnet und begabet hat. Welche ebe- ner massen/ wie die Laced æ monischen edle knaben freudig aufftreten und sagen koͤnnen: Wir werden dermaleins auch tapffere Fuͤrsten werden . Die- Unterthaͤnigste Zueignungs-Schrifft. Dieses vexleyhe Ewren Hoch-Fuͤrstlichen Durchlaͤuchtigkeiten/ Gnaͤdigster Chur-Printz Carol Æmilius, Printz Friedrich/ Printz Ludowig/ der hoͤchste gewalthaber menschlicher Koͤnigrei- che/ und erhalte seinen Gesalbten Ewrer Durch- laͤuchtigkeiten hochgeliebten Herrn Vater noch viel jahr bey guter gesundheit/ gluͤcklicher und gesegneter regierung. Hier halte ich stille/ und eroͤffene Ewren Durchlaͤuchtigkeiten mein we- niges vorhaben. Ich habe das lateinische buch Virgilius/ wo- rinne versweise und in gebundener rede von des tapffern Fuͤrsten Eneens tugenden und helden- thaten gehandelt wird/ in teutsche reime uͤber- gesetzet/ woraus ich auch/ und zwar aus dem 7. 10. und 12ten buche Anno 1643. eine Com æ dia oder vielmehr Tragico-Comœdia in ungebun- dener rede verfertiget/ und vor Ewrer Durch- laͤuchtigkeiten hochgeliebten Herren Vater/ un- sern gnaͤdigsten Churfuͤrsten/ mit dero Sr. Churfl. Durchl. gnaͤdigsten gefallen und hoch- ruͤhmlichen Munificen tz damals gehalten habe. Wil demnach dieses und nun in druck außge- fertigte buch Ew. Hoch Fuͤrstl. Durchlaͤuchtigkei- )( 4 ten Unterthaͤnigste Zueignungs-Schrifft. ten unterthaͤnigst zugeeignet haben/ mit beyge fuͤgtem unterthaͤnigsten ansuchen/ Ew. Hoch Fuͤrstl. Durchlaͤuchtigkeiten geruhen gnaͤdigs solches auff- und anzunehmen/ und meine gnaͤ digste Fuͤꝛsten und Herren zn verbleiben. Der all guͤtige Gott und Vater des lichts/ von dem alle gute gaben herab kommen/ der gebe und verley- he unserm gnaͤdigsten Churfuͤrsten/ der Durch- laͤuchtigsten Churfuͤrstin/ und dem gantzem hoch- loͤblichsten Hause Brandenburg/ dem Hoch- Fuͤrstlichen Herren Staathalter/ und denen hoch- und wohlverordneten Herren Raͤhten ein gesundes/ froͤliches/ friedsames und gesegnetes Newes Jahr/ und lasse diese Zweygelein des Chur-Brandenburgischen uhralten Stammes zur freude Sr. Churfuͤrstl. Durchl. und dem Chur-Hause und gantzem lande zu trost auff- wachsen/ gruͤnen und sich weit außbreiten; Daß unter dererselben schatten alle unterthanen in friede und wohlstande leben moͤgen/ biß wir in das reich kommen/ da unser glaube in schauen/ und unsere hoffnung in die geniessung wird ver- wandelt und verklaͤret werden; Da unser ver- stand wird haben volle erkaͤntnuͤß/ unser wille vollkommene heiligkeit und gerechtigkeit/ unser gewis- Unterthaͤnigste Zueignungs-Schrifft. gewissen vollkommene ruhe und friede/ unser leib volle klarheit; Da unsere gesellschafft wer- den seyn alle außerwaͤhlete engel und menschen/ da wir werden herrschen uͤber suͤnde/ tod/ teuf- fel und hoͤlle/ da unsere wohnung wird seyn der newe himmel und die newe erde/ da unsere zeit wird seyn die ewigkeit Amen. Ew. Hoch-Fuͤrstl. Durchlaͤuch- tigkeiten unterthaͤnigster Diener M. M. Schirmer. An den wolgeneigten Leser. D E r fuͤrtreffliche geschichtschreiber Diodor Si- culus/ der in verfertigung seiner historischen buͤ- cherey (davon sieben stuͤcken durch gewalt der zeit verfallen/ und noch drey und dreyßig vorhanden sind/) dreyßig jahr mit außstehung vieler beschwer/ gefahr und reisen durch Asten und E uropa zugebracht/ schreibet im 26. buche von gelehrten schrifftverfassern und kunstver- staͤndigen freyer und unfreyer art also: Kein Poet/ noch geschichtschreiber/ noch einiger kuͤnstler kan allerdings dem leser und schawer gefallen; Es kan auch nicht ge- schehen/ daß die sterbliche natur/ ob sie schon den zweck erreichet hat/ maͤnnigliches gutachten erlange. Denn weder Phidias/ der wegen seiner geschnitzten helffenbei- nern bildern in grosser achtung und verwunderung ge- halten worden/ noch Praxiteles/ der seinen steinernen wercken einige gemuͤhtsbewegung sinnreicher weise mit untergemischet/ noch Apelles/ noch Parrhasius/ welche die mahlerkunst mit geschicklicher vermischung der far- ben auf das hoͤchste gebracht/ haben in ihrem thun und wercken solch groß gluͤck erfahren/ daß sie in ihrer kunst eine durchaus untadeliche verfertigung fuͤrzeigen koͤnten. D enn wer ist fuͤrtrefflicher und beruͤhmter/ als Home- rus? ꝛc. Wenn nun D iodor/ der gleichfalls zur zeit des kaͤysers Augusti gelebet hat/ des Virgilij werck von den Trojanischen geschichten/ das damals noch nicht an das licht gekommen war/ haͤtte lesen und betrachten sollen/ wuͤrde Vor-Kede wuͤrde er traun nicht/ wie von obgemeldten kuͤnstlern/ wie auch von dem Homero selbst/ daß an demselben viel zu tadeln/ auch von dem Virgilius also geurtheilet ha- ben. D enn wie zwar Homerus in Griechenlande die bahn/ so zu vieler menschlichen dingen erkaͤntnuͤß fuͤhret/ zuerst gebrochen/ und die natuͤrliche wissenschafft/ des- gleichen die kriegessachen/ sittenbaw und buͤrgerlichen wandel gewiesen und gelehret hat; Also wird er billich der vater der weißheit genennet: Weil er aber die an sich selbst wahrhafftige geschicht von dem Trojanischen krie- ge mit viel laͤppischem fabelwercke/ das nirgend zu was dienet/ anfuͤllet und also verunstellet/ auch hin und wie- der kein nachdencken/ maaß/ ordnung und zier erscheinen laͤssot/ wird er von Diodoren/ und heutiges tages in der letzten und kluͤgsten weltzeit von dem grossen Scaliger/ der an statt aller gelehrten wort- und sprachen-richter si- tzet/ rechtfuͤglich getadelt. D ieser mann nun/ ist nicht außzusprechen/ wie er den Virgilius ehret/ lobet/ und in sonderbarer verwunderung haͤlt. Bald nennet er ihn einen geist der natur/ bald eine Idea und vollkommenes muster der weißheit/ bald eine richtschnur des verstandes und aller sachen geschickligkeit. Mit wenigen: Er er- starret darob/ daß er an ihm keinen tadel finden kan. D em folgen nach Servius/ Turnebus/ Hortensius/ Taub- mannus und der aͤmbsige und viel belesene Spanier Joh. Ludov. de la Cerda, der beste außleger des Poetens. Diese und andere tragen einmuͤhtiglich und mit eiffri- gem bemuͤhen allerhand gebluͤhme und gesteine zu den Virgilius zu bekraͤutzen/ zu bekroͤnen/ zu beehren. Wann dann nun dis buch so nuͤtzlich als lobwuͤrdig/ hat man sich an den wolgeneigten Leser. sich billich zu erfrewen dessen/ daß es/ wiewol es der gute Poet auf seinem todbette begehret hat/ den flammen nicht ist zugeeignet worden. Weswegen auch der hochloͤblich- ste Kaͤyser August/ der dem Virgilius sonderlich gewo- gen gewesen/ diese verse gestellet und geschrieben hat: Ergone supremis potuit vox improba verbis Tam dirum mandare nefas? Ergo ibit in ignes, Magnaque doctiloqui morietur Musa Maronis? Pulcher Apollo veta, Musæ prohibete Latinæ! Die ich also reimweise verteutschet habe: Ists muͤglich/ daß Virgil/ dem itzt die letzte noht/ Der ungestuͤme tod/ An geist und leben geht/ dis boͤse wort begehre/ Das man (o unbill!) ihm auf sein geheyß gewehre? Sol das gelehrte buch/ das Rom schaͤtzt hoch uñ theur/ Vergehen in dem feur? D a sey Apollo fuͤr und seine Pierinnen/ D ie an noch Latien ihr vaterland erkennen! Oder wie J. H. dieselben/ dem verstande nach/ gesetzet. Hastu zuletzte noch solch unrecht wollen goͤnnen/ O Maro/ deiner Schrifft/ daß man sie sol verbrennen/ Fuͤrtrefflicher Poet? Sol sie Vulcan verhoͤhnen? Verwehr es/ Phoͤbus/ und ihr Latier Cam œ nen. Sind also etlich hundert jahr/ daß dieses buch durch die gantze welt/ und sonderlich in unserm allgemeinem vaterlande teutscher nation mit grossem nutz/ fortgang und auffnehmen in erlernung der lateinischen sprache und anderer wissenschafften/ ( darumb es fuͤrnemblich zu thun/ weil doch die sprachen nur werckzeuge sind/ ) ist gebrauchet worden. Demnach aber die Italianer/ Spa- nier/ Vor-Rede nier/ Frantzosen/ und Niederlaͤnder ein jeder seine mut- tersprache zu erweitern und außzuuͤben die buͤchereyen durchgesuchet/ und aus dem Griegischen und Lateinischen viel buͤcher und schrifften in ihre sprache uͤbergesetzet: Ha- ben wir Teutschen nicht erst hernach daran gedacht/ son- dern ihnen/ als die in tieffem friede und ruhegenieß sas- sen/ wir aber viel jahr lang mit dem leidigen kriege verwickelt waren/ den vorzug lassen muͤssen : Seither wir aber den lang-gewuͤnschten friede von dem gnaͤdigen Gott erbeten: Redet die sache an sich selbst/ was fuͤr ei- ne menge schrifften und buͤcher in Teutscher sprache in- nerhalb zwantzig jahren sind heraus gegeben und in druck gebracht worden. Denn als der edle Opitz A. C. 1624. den grund der teutschen Poesie geleget/ und als ein maͤch- tiger heerfuͤhrer voran gezogen/ sind ihm nach seinem tode gefolget/ die (so zu reden) dieses herrliche gebaͤu- de und schloß auffgefuͤhrer/ und mehr und mehr geferti- get haben ; Als da sind/ der sinnreiche Buchner/ der kurtzredende und scharffsinnige Flemming/ der kunstmeh- rende Ziegler D. ( der die Italiaͤnische Madrigalen gluͤcklich nachgemacht/ und der teutschen Poesie gleich- sam eingepfropffet hat/ ) der hochsinnige/ Dach/ der lehr- reiche Tzscherning/ der uͤberirrdische gesangtichter Rist/ der lehrartige Moscheroch/ der kunstmaͤchtige Schottel/ der redselige wunderliebliche Harßdoͤrffer/ der hochthoͤ- nende trawer-schawspiel-tichter Gryphius/ der fried- und lustklingende Peukker/ der freudigholde waldsingende David Schirmer/ Chur-Saͤchsischer buͤcherey vorsteher: Diese und andere haben vermittelst ihrer ruhm- und le- sewuͤrdigen schrifften/ die sie theils selber mit sinnrei- chem an den wolgeneigten Leser. chem nachdencken erfunden/ theils aus der Lateinisch Griegisch-Frantzoͤsisch- und Italiaͤnischen sprache ins teutsche uͤbergesetzt/ die zarte jugend gebessert und er- bawet/ den leser aber in gemein erfreuet und ergetzet. Hieher gehoͤren auch die jenigen/ die in ungebun- dner rede schoͤne buͤcher aus dem Lateinifchen ins Teut- sche gebracht haben. Als da ist der weyland Schwe- dische Oberste Lohhausen und Obergebieter zu Rostock/ welcher den geschichtschreiber Sallustius/ desgleichen Carl Melchior Groͤdnitz von Grodnaw/ welcher den grossen Staatslehrer den Tacitus/ hat außgehen lassen. Belangend meine wenige Person/ habe ich und Vir- gilius einer den andern in die dreyßig jahr in die schule gefuͤhret: E r hat mich die Lateinische Poeterey und viel wunderlich dings/ ich ihn die Teutsche sprache und reim- kunst gelehret. Wann er dann nun nicht gesonnen in sein vaterland Italien/ da kein Augustus noch guͤldenes Rom mehr zu sehen/ wiederumb zu kehren/ sondern be- liebnuͤß traͤget/ Teutschland und desselben einverleibte Chur- und Fuͤrstenthuͤmer/ Graffschafften/ maͤchtige Reichs- und Anseestaͤdte/ herrliche Schloͤsser/ Pallaͤste und Rittersitze/ schoͤne schiff- und fruchtreiche Fluͤsse und Bruͤcken/ beruͤhmte Bibliothecken/ Zeughaͤuser/ beweh- rete Vestungen/ Waͤlle/ Graben/ Bollwercke/ Pasteyen/ kuͤnstliche Foutaynen/ Springbrunnen/ Uhrwercke/ Gemaͤhlde/ Schildereyen und unzehliche Kunstgeschicke/ desgleichen viel schoͤne Kirchen und Cloͤster/ dann auch unterschiedliche Regiments-Formen/ Gesetze/ landuͤbli- che Gebraͤuche und Gewonheiten/ Turnier- und Ritter- spiele/ vielerley Sitten/ Manier und hohe Schulen/ so wol Vor-Rede wol auch kostbahre und Mausoleische Grabstellen und Schwibbogen/ und endlich viel weitberuͤhmte warme Baͤder/ Heil- und Sauerbrunnen zu besehen und zu be- trachten/ habe ich ihn/ wiewol ungern/ ziehen lassen/ und ersuche hiemit den großguͤnstigen Leser denselben auff- und anzunehmen/ und ihm mit Gewogenheit und freund- lichen Willen beygethan zu seyn und zu verbleiben. Hiemit sey ihm von mir ein freudenreiches/ gesundes und gesegnetes Newes Jahr hertzlich gewuͤntschet. An Hn. M. Michael Schirmern/ Kaͤyserlichen gekroͤnten Poeten/ und dreyßigjaͤhrigen Jugend-Lehrern zum Berlin. Als er den Lateinischen Poeten Virgilius Deutsche Poetisch uͤbersetzte. H Ast du/ Schirmer/ noch nicht gnung Deine Poesie getrieben/ Wann du beydes Alt und Jung Manchen schoͤnen Vers geschrie- ben? Nein. Der Roͤmische Virgil Muß auch Deutsch gelesen werdẽ. Ist wol etwas auf der Erden/ Das der Mensch nicht wissen wil? Syrisch/ Grichisch und Latein/ Juͤd-Arabisch/ und was Menge Der beruͤhmten Spraachen seyn; Werden endlich in die Laͤnge/ Deutschland/ deinen Soͤhnẽ kund. Wannenher? Die Deutschen Zungen Lernen alles ungezwungen; Was versagt der Deutsche Mund? Schirmer hangt ein Muster aus? Was Virgilius geschrieben/ Der in Mantua sein Hauß/ Ist bißher Lateinisch blieben/ Und verbleibt wan Schiꝛmer wil. Schirmer der Poet aus Meiße: Schirmer sol nicht Schirmer heissen/ Sondern Meißnischer Virgil. Zu Koͤlln an der Spree am 18. Decemb. An. 1668. Penkker. S CHIRMERUS VATES divini scripta MARONIS Teutonico versu nobis, dignissima Cedro, Exhibet. Hinc meritò, folijs ornatus Olivæ, Dignus, quem celebrent Vates, cui carmina cantent Matres atque Viri, pueri innuptæque puellæ. Noctes atque dies, tot jam labentibus annis, Candidior postquam tondenti barba cadebat, Numinis auxilio, labor iste gravavit eundem. En! Virtutis opus, quo non præstantius ullum. Dumque thymo pascentur apes, dum fronde capellæ, Semper honos, SCHIRMERE , tuus laudesq; manebunt. Madrigal. W As der Mantuaner Schwaan Lieblich hat vorher gesungen/ Daß es uͤber Berg und Thaal erklungen/ Von Dionen liebsten Sohne/ Dem Trojaner Helden/ Gibt uns Schirmer itzt in Teutsche Reimen. Lob und Ruhm bleibt Ihm zum Lohne: Auch die Nachwelt wird es melden/ Was sein Schweiß hat außgericht. Bey der Jugend seine Pflicht So/ wie Schirmer thut/ ablegen/ Machet manchen Geist sich regen. Seinem liebwerthen alten Freunde schriebs Johannes Havemann Das Erste Buch. I Ch/ der ich ehmals pflag mit meiner schlech- ten Floͤte Von vieh und ackerbau zu spielẽ/ als Poete/ Ein angenehmes werck dem gutẽ ackersman/ Daß er mit nutz nach wunsch sein guͤtlein bauen kan; Sing itzt von wehr und man/ der erst von Trojens lande kam fluͤchtig durch den zwang des him̃els zu dem stꝛande Des Latiums: sehr lang ist dieser mit beschwer Zu wasser und zu land geworffen hin und her Durch goͤttliche gewalt/ der grimmen Juno wegen/ Bey der sich wolte noch der alte groll nicht legen; Viel litt er auch durch krieg/ in dem er eine stadt In Latien gebaut und eingefuͤhret hat Die Goͤtter/ wannenher Latiner sind gekommen/ Albanier darzu: Rom hat daher genommen Ihr ankunfft und geschlecht. O Musa/ sage frey/ Was dieses gantzen thuns/ grund/ fug und ursach sey/ Was fuͤr ein Gott verletzt/ was Juno koͤnne klagen/ Der Goͤtter Koͤnigin/ daß so viel noht muß tragen Und wagen so viel muͤh ein außbund frommer mann; Ists muͤglich/ daß so hart der himmel zuͤrnen kan! A Es Das Erste Buch. Es war ein alte stadt Carthago/ die fuͤr dessen Das volck der Tyrier gebauet und besessen/ Stieß gegen Welschland zu und an den Tiburstrand An guͤtern reich/ an zucht des strengen kriegs bekandt. Darin hat Juno (wie man sagt) fuͤr andern allen Auch Samos nachgesetzt ihr lassen wollgefallen Zu haben ihren sitz: Hier war ihr feur und herd/ Ihr wagen/ heer geraͤth/ hier wurde sie geehrt Nun war der Goͤttin ernst und sorgfalt (wo nur wolte Der himmel geben zu) daß diesen voͤlckern solte Verbleiben dieses reich; doch ward ihr kund gethan/ Daß aus der Troer stamm ein ander volck kaͤm an/ Das wuͤrde schloß und burg der Tyrier zerstoͤren/ Regieren weit und breit/ die stoltzen waffen kehren/ Und kommen zum verderb des landes Libyen: So ging das werck und fchluß der lebens Goͤttinnen. Dafuͤr trug Juno furcht noch ein gedenck der waffen Des alten krieges sturms/ durch welchen sie zu schaffen Bey Troja hatte fuͤr ihr liebes volck und land Worab ihr grimmer schmertz und eyffer wurd entbran Denn Paris urtheil spruch war ihr so tieff gesessen Im hertzen/ daß sie ihn nicht kunte leicht vergessen; Es schmertzte sie der schimpff verachteter gestalt/ Und daß die Venus mehr durch dieses urtheil galt/ Auch das verhasste volck/ und daß zu solcher ehre Der kleine Ganymed erhaben worden waͤre. Darob sie nun entbrand die Troer/ die das meer Getrieben ab und auff/ geworffen hin und her D Das Erste Buch. Die fuͤr den Danaern noch uͤbrig blieben waren Und des Achillis grimm nie hatten noch erfahren/ Trieb ab von Latien/ die dann durch so viel jahr Umbschweifften alle meer uͤmringet mit gefahr. An ihnen kunte man nichts als nur jammer schauen/ Wer an sie dachte nur/ empfunde nichts als grauen. So schwer gieng dieses werck im anfang von der hand/ Zu bauen das geschlecht der Roͤmer und das land! Sie hatten itzo kaum Sicilien lassen liegen/ Und auff dem hohen meer die kuͤhnen segel fliegen Und streichen froͤlich durch/ daß es vom Schaume floß ; Da Juno/ welcher noch der alte schimpff verdroß Und tieff in hertzen lag/ hub bey sich an-zu-sprechen: Wenn werd ich mich einmal an diesem volcke raͤchen? Sol ich bekennen mich als uͤberwnnden seyn/ Und mein beginnen so veraͤchtlich stellen ein? Kan ich den herrn ohn land nicht zwingen oder treiben/ Daß er uns muͤsse doch von Latien weg bleiben? Ja das verhaͤngnuͤß wil mir wehren/ was ich thu! Wie? hat der Pallas man dis koͤnnen geben zu/ Daß sie den donnerkeil des Jupiters ergriffe/ Und aus den wolcken her warff auf der Griechenschiffe Die sie theils steckt in brand/ theils in dem meer versenckt Nur umb ein schlechtes ding/ das sie so hefftig kraͤnckt/ Daß nemblich Oileus der Locrer fuͤrst im tempel Veruͤbt aus toller lieb ein straffbares exempel. Diß einige versehn erregte solchen grimm/ Daß sie das gantze meer trieb auff mit ungestuͤmm/ A 2 Zer- Das Erste Buch. Zerstreuete die schiff/ ihn selbst auch so zerrisse/ Zerschlug und grimmiglich an einen felsen schmisse/ Daß er des donners flamm spye aus verwundter brust. Ich aber/ die ich bin/ wie allen ist bewust/ Des himmelskoͤnigin/ ich/ die ich einher gehe Mit hoher majestet und fuͤr den Goͤttern stehe Als Jovis ehgemahl und schwester/ lieg in streit Mit einem eintzeln volck/ das ich so lange zeit Bekrieg/ und dennoch nicht kan aus dem wege schaffen; sol ich nichts richtẽ aus durch meinen grim̃ und waffen? Ist meine macht ohn macht/ mein scepter sonder ehr ? Wer wird dich beten an/ o Juno/ wer wird mehr Dir opffer bringen dar? Als sie nun war mit pochen In diese harte wort aus grossem zorn gebrochen/ Erhebt sie sich ins land und an denselben Ort/ Allwo gezeuget wird/ ost/ suͤden/ west und nortd. Da sitzet Eolus der koͤnig und regieret/ Die Winde/ daß sie sich/ in massen sichs gebuͤret/ Verhalten maͤßiglich: Er haͤlt sie in der klufft Mit zwange/ daß sie aus-nicht-brechen in die lufft: Im fall sie aber sich erzeigen etwas boͤse/ Und machen in dem schlund des berges groß getoͤse/ Sitzt Eol auff dem thron/ laͤst hoͤren seine stimm/ Spricht ihnen glimpflich zu und stillet zorn und grimm. Und wo er das nicht thaͤt/ so wuͤrde mit der erden Der hohe himmel sitz und meer vermischet werden/ Sie kehrten alles uͤm und fuͤhrtens in die lufft: Nun aber ist es gut/ daß Gott sie in der klufft Tieff Das Erste Buch. Tieff ein gesperret hat/ der dessen sich befahret/ Vnd desto fester sie deßwegen hat verwahret/ In dem er hohe berg und thaͤmm auff sie gelegt/ Daß keiner wieder ihn und sein gebot sich regt. Hat auch/ damit der sach geschehe nicht zu wenig/ Der sie regierete/ gegeben einen Koͤnig/ Der auff-gewisse maß sie hielte theils im zwang/ Auch wuͤste/ wenn er sol den zuͤgel lassen lang/ Zu ihm kommt Juno nun gantz niedertraͤchtig gangen/ Und hat auff diese weiß zu reden angefangen: Mein Eol (denn dir hat der grosse Jupiter Gegeben diese macht/ daß du das wilde meer Kanst saͤnfftigen/ wie auch erregen durch die winde) Verleyh/ daß stat und raum bey dir mein bitten finde: Ein mir verhasstes volck schifft durchs tyrrhensche meer/ Und fuͤhrt in welschland ein ihr uͤbrig zeug und heer/ Ihr wuͤstes ilien und uͤberwundne Goͤtter. Erheb doch einen sturm/ errege wind und wetter Entgegen ihre schiff/ versencke sie zur stund; Wo aber dieses volck sol gehn nicht gar zu grund Und das verhaͤngnuͤß sie erhalten wil beym leben/ So schaffe/ daß sie doch zerstrewet muͤssen schweben Und kommen nimmermehr zusammen wiederuͤm/ Nach dem sie gnug gestrafft durch dein- und meinẽ grim. Damit du aber auch moͤgst ein ergetzuug haben Fur deinem dienst und muͤh/ wil ich dein hertze laben Mit einer schoͤnen braut: Es bleiben viertzehn mir Der nimfen uͤbrig noch von außerlesner zier/ A 3 Vom Das Erste Buch. Vom leibe wolgestalt von selbten wil ich geben Die aller schoͤnste dir: Mit der solt du dein leben In freuden bringen zu: Sie heisset Deiope/ Mit der solt du dich fein in ungeschiedner eh Begehn auff spate zeit/ und haben dir zu eigen Auch mit der selbigen viel schoͤne kinder zeigen; Darauff sagt Eolus: Was du/ o koͤnigin/ An mich begehrst und suchst/ sey dir nach deinen sinn Und wunsch von miꝛ gewehꝛt/ du magst nuꝛ kuͤhnlich sagẽ Was dir am liebsien sey/ ich wil dirs nach behagen Zu wercke richten bald; Du kansi beym Jupiter Mich bringen zu genad/ und machen/ daß ich ehr In meinem reiche hab: Du kanst mir darzu nuͤtzen/ Daß ich bey Goͤttern kan an ihrer taffel sitzen/ Du mehrest meine macht/ daß ich ein herr der see In meinem regiment mit gutem ruhm besteh. A ls er diß aus gesagt/ kehrt er den berg geschwinde Mit seinem scepter uͤm/ da brechen alle winde Mit hellem hauffen aus/ so bald das loch auffgeht/ Da hoͤrt man wie der wind mit ungestuͤmme weht/ Wie hier und da ein sturm hindurch die erde streichet/ Wie suͤden/ ost und west das grosse meer erreichet/ Und wie sie legen sich darauff mit gantzer macht/ Daß es von innerm grund erschuͤttert tobt und kracht/ Die wasserwogen sich bis an das ufer schleiffen ; Da sieht man/ wie sie itzt die armen schiff ergreiffen: Die schiffer unter sich erheben ihr geschrey ! Die seile rauschen starck/ der mast bricht fast entzwey. Der Das Erste Buch. Der schwartzẽ wolcken dunst nimmt ihnen aus den augẽ Den himmel tag und licht: Es wil kein mittel taugen/ Es leget sich auffs meer ein uͤberdicke nacht/ Es donnert in der lufft/ es plitzet/ schlaͤgt und kracht. Den armen leuten drewt fast alles das verderben/ Und schweben in gefahr/ als musten sie itzt sterben. Eneas stracks erstarrt fuͤr kalter furcht und scheu/ Nicht/ daß ihm fuͤr dem tod so angst und bange sey; Nein. sondern das er wuͤnscht fuͤr seinem feind zu sterbẽ/ Damit er also koͤnn ein schoͤnes lob erwerben; Drumb seufftzt er jaͤmmerlich und hebet beyde Haͤnd Zum sternen/ die er nicht mehr siehet noch erkennt/ Und faͤngt so klagend an; o selig sind zu achten Die jenigen/ so da in kaͤmpffen/ sturm und schlachten/ Sind streitbar kommen uͤm ! ja denen es so gut/ Geworden ist/ daß sie fuͤrs vaterland ihr blut Vergossen ritterlich und fuͤr den augen blieben Der eltern in dem streit! Was haͤtt ich koͤnnen lieben Fuͤr einen andern tod/ als sterben in dem feld Fuͤr Troja/ weil daselbst gefallen mancher Held? Otapffrer Diomed/ du außbund aller fuͤhrer/ Du schild der Danaer und kleinod der regierer/ Hab ich denn sollen nicht im Trojschem gefild Von deiner faust erlegt verlieren meinen Schild? Hab ich denn nicht das gluͤck-wie Hector sollen haben/ Der unerschrockne Held/ der nun ligt da begraben/ Und diesen ruhm erwirbt mit unverwelckter zier/ Daß er uͤmkommen ist/ o held Achill/ von dir ? A 4 Was Das Erste Buch. Was sol/ Sarpedon/ ich von deiner tugend melden/ Was von viel anderen beruͤhmten krieges helden/ Die uͤmbgekommen sind/ da wo der Phryger strom Schleppt waffẽ helm und schild auf seineꝛ fluht heꝛumb ? Als er nun solcherley gestalt fuͤhrt leid und klagen/ Da wird in einem huy das segel abgeschlagen Von dem erbosten nord/ der schnur gleich wiedrig war/ Da hat es allererst die groͤsseste gefahr/ Das ruder geht entzwey/ das steuer wil nicht halten/ Die Winde treiben nun mit grimmigen gewalten Die schiffe hin und her/ den wellen stehn sie bloß/ Die ungezaͤhmte fluht/ die gleich wie berge groß/ schlaͤgt im̃er nach und nach: hier faͤhrt eins mit den wellẽ Bis an die sterne burg/ ein anders fcheint zur hellen Als wuͤrd es abgestuͤrtzt/ und sieht der erden sand/ Es schaͤumt und tobt das meer/ als wuͤrd es uͤmgewand. Drey schiffe schlaͤgt der suͤd an klippen felß und steinen/ Die in dem meere sind verborgen/ und nicht scheinen Den fahrenden zur see; Man nennet sie itzund Altaͤre/ weil daselbst die Roͤmer einen bund Den Poenern giengen ein. Drey schiffe (das zu sehen Fast sehr erbaͤrmlich war) die musten bleiben stehen Auff einem sandberg da. Denn von dem hohen meer Trieb ploͤtzlich sie der ost/ eins/ das die Lycier Und treuen Oront trug/ traff eine grosse welle An hintertheil des schiffs/ da portzelt auff der stelle Der arme steuerman fuͤrwerts auffs haupt hinab/ Ein wirbel aber ihm den nachrest endlich gab. Der Das Erste Buch. Der dreht es dreymal uͤm und gehling in sich schlunge: Man sahe hier und da/ wie mancher schwum̃ und runge In ungeheurem meer ; Da schwumme durch die fluht Zeug/ waffen und gewehr/ ja Trojens schatz und gut. Der sturm bemeistert auch viel andre starcke schiffe/ Die es nach hart und viel erlittner stoͤß ergriffe/ Drauff war Ilioneus/ Aleth/ Abas/ Achat/ Als helden/ die beruͤhmt von tapfferm muht und raht/ Die musten sehn das schiff/ wies immer sacht und sachte zerlechtzt und wasser soff/ wies immer knarrt und krachte/ Bis seine fugen auffgeloͤst zerlechtzten gar/ Der erste kam davon/ die andern blieben dar. Im mittelst wurde des Neptun der meer Gott innen/ Und sah der winde thun und wuͤtendes beginnen/ Was fuͤr ein grosser sturm auff seinem blauen Meer Von innerlichem grund erreget worden wehr: Ist demnach sehr erzuͤrnt/ und sieht aus tieffem grunde Des meers herfuͤr/ dann laͤst er sich mit sanfftem munde Und augen schauen an zu oberst auff der fluht Da nimmt er eben wahr mit ungehaltnem muht Eneens schiff und heer/ wies auff dem gantzen meere Zerstreuet schweb herumb/ wie alles in die quere Verworffen sey/ zu dem wie der Trojaner hauff Von wellen unterdruͤckt sast sey gegangen drauff; Er kennt/ als bruder/ auch der Iuno triegereyen Und unbefuͤgten zorn/ und wie sie sich kan zweyen; Drum laͤst er ost und west beruffen schleuniglich: Als sie nun nach gebuͤhr zu rechte stellen sich ; A 5 Redt Das Erste Buch. Redt er sie ernstlich an und zwar verbuͤrter massen: Wie moͤget ihr euch so auff eurem stamm verlassen/ Ihr winde/ doͤrffet ihr euch dessen unterstehn/ Daß ihr mit solchem sturm und brausen koͤnnet wehn Ohn mein ertheilte macht? doͤrfft ihr die erd und him̃el Erfuͤllen ohne scheu mit solcherley getuͤmmel? Warumb erkuͤhnt ihr euch/ daß ihr auff meinem plan (O unerhoͤrter trotz!) solch unruh richtet an? Ich wil euch bald! jedoch eracht ich es fuͤr besser/ Daß ich die wellen leg und stille das gewaͤsser: So ihr der gleichen euch werd kuͤnfftig unterstehn/ So sol es euch nicht mehr so ungestrafft hin gehn. Drumb gehet/ saͤumt euch nicht/ und saget eurem koͤnig; Er habe keine macht/ und sey noch viel zu wenig Daß er ihm eigne zu des meeres regiment; Er moͤge wissen/ daß es mir sey zuerkennt Gegeben durch das looß ! Er mag in ruh behalten Die klippen und gebirg/ und mich hier lassen walten/ Er hab eur losament/ ihr winde/ da mag er/ Der Eol/ lassen sehn sein thun/ prachr/ ehr und heer/ Gleich wie im fuͤrstenhoff/ sol aber so regieren/ Damit man moͤge ruh und keinen unfug spuͤren/ Sol seine winde wol versperren/ und sie fein Gewehnen/ daß sie nicht uns widersetzlich seyn. So sagt eꝛ/ nnd mit dem stillt eꝛ stꝛacks wind und wellen Vertreibt der wolcken heer/ die wolten sich gesellen Und eng vereinigen/ schafft/ daß des Titans schein Den Menschen wiederumb kunt taug- und dienlich seyn. Cy- Das Erste Buch. Cymothoe zugleich und Triton sich bemuͤhen Die schiffe von dem felß und klippen abzuziehen/ Er leistet ihnen selbst getreue huͤlff und hand Gebeut dem meer/ daß es die schiffe fuͤhr aus land. Nach diesem faͤhret er auff seinem schoͤnen wagen/ Der ihn pflegt praͤchtiglich mit majestet zu tragen Zu oberst auff der fluht: Wie aber/ wenn geschicht/ Das auffruhr in dem volck entsteht und rath gebricht/ Da nemblich hier und da die stein und braͤnde fliegen/ Und zorn gibt an die hand die waffen/ die sie kriegen; Der poͤbel tobt und braust/ und aber koͤmmt ein man Von froͤmmigkeit beruͤhmt/ der tapffer reden kan/ So schweigen sie gantz still/ und fleißig auf ihn mercken : Da mahnet er sie ab von ihren boͤsen wercken Und stillet ihren grimm/ bis er sie so gewinnt/ Daß sie ihm leisten folg und anders sind gesinnt: So leget gleichfalls auch das meer sein gantzes toben/ Nach dem der vater sich von innerm grund erhoben Und schauet rings herumb und faͤhrt wie schnell er kan/ Bey klarem sonnenschein auff seiner blauen bahn. Das muͤde Troer volck noch gleichsam/ wie die sclaven Bemuͤhen sich dahin zu kommen/ wo ein haven Am allernechsten ligt: Es ligt beyseits ein ort Vom fern/ das eyland macht/ daß er zu einen port Den schiffern dienlich ist durch fuͤrwurff seiner seiten/ An denen alle macht der wellen/ die vom weiten Des meeres fahren her/ gebrochen wird/ da dann Die fluht zuruͤcke geht und wider prallen kan. Auff Das Erste Buch. Auff beyden seiten sind sehr hohe felsen-stuͤcken/ Fuͤr denen sich das meer weit bey der wurtzel buͤcken Und sanffte fliessen muß; Von oben steht ein wald Mit schattenreichem laub und baͤumen wolgestalt/ Da man den dunckeln Hayn mit andacht pflegt zu ehren; Auch eine hoͤle sieht man gegen ihm sich kehren In abhang beyder felß/ darin ein suͤsser quell Und von natur und stein gemachter sitz und stell: Den nymsen war diß hauß gewidmet/ keins der schiffen Fuͤr heiligkeit diß orts in diesen haven lieffen/ Keins ligt in ancker hier; Eneas laͤndet hier Mit sieben schiffen an; Sie steigen aus begier Und liebe zu dem land heraus/ und uͤberkommen Den vielgewuͤnschtẽ port und warẽ kaum entfchwom̃en Dem ungestuͤmmen meer; Sie waren matt und naß/ Daß sie sich setzeten aus ufer in das graß. Aͤchat nimmt einen kieß/ schlaͤgt feuer an geschwinde/ Die funcken faͤngt er auf mit duͤrrem blat und rinde; Sie langen korn herfuͤr/ das von dem wasser gar Verderbt und also nicht wol zu geniessen war. Ob sie nun zwar sehr muͤd und abgemattet waren Nach manch erstandnen sturm und vielerley gefahren/ In dem sie hier und da erlitten manche noht/ Und ihnen fuͤr gesicht stets war der grimme tod/ So lassen sie sich doch der muͤhe nicht verdriessen Damit sie ihrer ruh noch moͤchten baß geniessen: Derhalben nehmen sie ihr beckerzeug zur hand/ Und als sie wol gedoͤrrt das korn und umbgewand/ So Das Erste Buch. So schuͤtten sie es auff nnd mahlens/ wie sie koͤnnen. Eneas unterdeß steht auff des felsens zinnen Und siehet uͤbers meer/ so weit er sehen kan/ Ob etwan Antheus noch bald moͤchte kommen an; Ob er von winden ihn verschlagen moͤchte sehen/ Wo Capys blieben wehr/ wies andern moͤchte gehen/ Ob man des faͤhneleins und andrer zeichen mehr Nicht koͤnte nehmen wahr auff Caix schiff und heer: Vor augen siht er nichts/ als nur an ufer stehen Drey schoͤne stuͤcken hirsch/ ja gantze heerden gehen Denselben hinten nach/ und ziehn in grosser zahl Und schoͤner ordnung her zu weyden sich im thal; Er bleibet stille stehn/ ergreiffet pfeil und bogen/ Den sein getreuer freund/ der ferne mitgezogen/ An seiner seite trug/ schiest erst auff diese loß Die einher giengen hoch/ und waren schoͤn und groß An leibern und geweyh. Und als er sie erleget/ Laͤst unterm hauffen er viel pfeil abgehn/ drauff reget Die gantze heerde sich und lauffen hier uud dort In dem gebuͤsch herumb: Er aber schiesset fort Und hoͤret nicht ehr auff den bogen abzudruͤcken/ Als bis er sieben hirsch/ die allerschoͤnsten stuͤcken/ Zu boden hat gefaͤllt; Daß mit den schiffen sey Die anzahl gleich: hernach spatziert er froh und frey In haven/ und vertheilt das wild/ so er geschossen/ Gleich unter seine pursch und alle reißgenossen: Es ließ ihm auch Acest/ der alt und gute herr/ Im port Sicilien auffladen mit der schwer/ Als Das Erste Buch. Als er weg von ihm zog/ zur zehrung gute weine/ Die theilt er ebenfalls/ und machte sie gemeine/ War lustig/ wie es gab/ der himmel und die zeit/ Sprach ihnen troͤstlich zu in ihrer traurigkeit: O meine liebe pursch und treue mitgenossen Die ihr stets bey mir seyd gewesen unverdrossen: Ihr wisset nebenst mir/ was wir fast lange zeit Gestanden haben aus fuͤr widerwertigkeit ; Viel schwerer war die Last/ die jeder hat getragen Was annoch uͤbrig ist/ das laͤsset sich wol wagen. Immittelst habt gedult. Der grosse Gott kan noch/ Wenn wir ihn flehen an/ uns leichtern dieses joch. Er wird das uͤbel doch zum guten ende fuͤhren/ Daß wir sein weises thun und hohe guͤte spuͤren : Ihr seyd durch fluht und sturm/ durch wuͤtende gefahr/ Durch manches ungeheur/ ja zum Cyclopen gar Gekommen voller angst/ und solche noht erfahren/ Die zu vermelden wir der muͤhe wollen sparen ; Jedoch ermahnet euch/ und fasset einen muht/ Es wird das gluͤck mit uns noch wieder werden gut. Wir werden dermaleins vielleicht daran gedencken Mit groͤsrer froͤligkeit: drumb last euch nit mehꝛ kꝛaͤnkẽ: Wir ziehn durch mancherley unfaͤll und faͤhrligkeit In Latien/ da uns ruh/ fried und gute zeit Von Gott gezeiget wird: daselbst sol Troja wieder Zu vorger herrligkeit/ die so gefallen nieder/ Gelangen wunderlich: derhalben tragt gedult/ Das ihr geniessen koͤnt/ was ihr geniessen sollt. So Das Erste Buch. So sprach er ihneu zu/ und da er selbst von sorgen Und kummer war bekraͤnckt/ hielt ers doch im verborgen/ Und ließ sich mercken nicht/ war froͤliches gesichts/ Und stellte sich/ als waͤr zu fuͤrchten lauter nichts. Dann streiffen sie das wild/ sie wirck- und deckens abe/ Damit zur nothurfft sich ein jeder speiß und labe: Sie steckens an den spieß/ und bratens/ bis es gar: Nach dem das essen nun wol zugerichret war/ Da setzen sie sich hin ins graß ans ufer nieder/ Und essen wolgemuht/ daß sie die kraͤffte wieder Erholen in gesampt: das wildpraͤt schmecket gut/ Sie trincken guten wein zu staͤrcken ihren muht. Als sie des Hungers nun sich hatten satt erwehret Und mit vergnuͤgsamkeit den fetten raub verzehret/ Und was noch uͤbrig war ! gehoben hatten auff/ Da klagen sie/ wie sonst/ und kommen wieder drauff/ Und fuͤhren lang gespraͤch mit sehnlichem verlangen/ Wies doch den andern sey in solcher noht gegangen ; Bald sind sie froh/ bald zag; Itzt halten sie fuͤr war Ihr leben/ itzt/ daß sie wo sticken in gefahr Und gar gestorben seyn und nicht vernehmen koͤnnen Der lebenden geschrey und klaͤgliches beginnen ; Fuͤr allen seufftzete der fromm und treue Held Eneas/ wenn er ihm den tod fuͤr augen stellt Der tapffern Obersten/ die mit ihm offtmals waren Zu wasser und zu land in mancherley gefahren Und waͤren nun dahin : die rede nam ein end ; Da siehet Jupiter von seinem firmament/ Auffs Das Erste Buch. Auffs segelreiche meer/ auff haven land und seen/ Wie es mit ihnen sey bewand/ und wie sie stehen/ Bleibt auff der hoͤhe still/ und richtet sein gesicht Auff Libyen allein/ und davon wendet nicht. Als er nun dafuͤr sorg in seinem hertzen traͤget/ Und sich mit mancherley gedancken traurig schlaͤget/ Kommt Venus sehr betruͤbt und hat die augen fast Geweinet aus fuͤr angst und ihres hertzens last. Die redet ihn so an: O hoͤchster aller Goͤtter Und menschen Jupiter/ du einiger erretter/ Der du mit ewger macht regierest uͤberall/ Und boͤse schrecken kanst mit deinem donnerstrahl ; Sag an/ was hat mein sohn so groͤblich doch gehandelt/ Der richtig je und je fuͤr aller welt gewandelt? Was hat das Troer volck fuͤr missethat und schuld/ Die so viel noht und tod getragen mit gedult? Sol ihnen land und see des eingen welschlands wegen Versperret seyn? Sol sich dawider niemand regen? Du hast ja fuͤr gewiß und gleichsam zugesagt/ Das dir verhoffentlich nicht reut/ noch mißbehagt ; Es wuͤrden aus dem stamm der Troer grosse printzen Einst kommen/ die mit macht regierten die provintzen Zu wasser und zu land: wie kommst du/ vater/ nun Auff einen andern sinn/ daß du das nicht wilst thun? Ich habe traun hierauff vertroͤstet mein gemuͤthe Als Troja unterging mit solchem sturm und wuͤte/ Und hofft/ es wuͤrde je ein ander gluͤcksfall sich Nach diesen ungeluͤck ereignen guͤtiglich. Nun Das Erste Buch. Nun aber gehets/ wie zuvor/ den armen lenten/ Die doch gedruͤcket sind von so viel grimmigkeiten Des widrigen Geluͤcks. Wenn wird doch diß beschwer Erlangen ziel und maaß/ o grosser Jupiter? Antenor hat gekunt im mitten aus dem hauffen Der Griechen kom̃en durch und ihrem grim̃ entlauffen: Er kroch durchs Wentsche land/ kam sicher tieff hinein Ins reich Liburnien/ da Timav fliesset rein/ Der wunderbare brunn/ der mit des berges brausen Wol durch neun quelle laufft mit seinem linden sausen Und felder uͤberschwemt: da doch Antenor hat Gebauet Padua/ die weit beruͤhmte stadt/ Da er den voͤlckern hat von Troja raum gegeben Zu wohnen ruhiglich/ den namen auch darneben/ Da hat er seinen helm und waffen auffgehenckt/ Die er von Troja bracht/ hernach dem Marti schenckt. Nun ist er beygesetzt und ruht in gutem friede: Wir aber dein geschlecht/ die matt und und krieges muͤde/ Und denen du versprichst das schoͤne himmel schloß/ Sind dieses ungestuͤmms und jammers noch nicht loß/ Wir werden (leider!) noch umb eines eingen zorren Verderbet und zerstreut/ daß unser thun verworren Und schier verlohren ist: Man wil uns noch darzu Von Welschland treiben ab und lassen keine ruh. Hat froͤm̃igkeit nit mehr/ als daß ihr schimpff und schadẽ Ertheilet wird zu lohn? Muß man sie so beladen Mit solchẽ drang und zwang? Ist das des scepters macht Zu dessen recht du uns hast wieder ein gebracht? B Da Das Erste Buch. Da fienge Jupiter die Venus anzulachen Mit solchem gnaden glantz/ womit er pflegt das krachen Des himmels und der lufft zu laͤutern/ daß es klar Und wieder helle wird/ gestalt es vormals war. Gibt ihr drauff einen kuß und redet solcher massen ; Gedencke liebes kind/ von solchem wahn zu lassen ; Es bleibt dir unverruͤckt/ was dir der Goͤtter raht Fuͤr gluͤck und wolergehn laͤngst zu erkennet hat. Du wirst die schoͤne stadt Lavinium noch sehen/ Wie sie in hohem gluͤck und herrligkeit wird stehen/ Du wirst den grossen mann Eneas deinen sohn Erheben ans gestirn und in den himmelthron. Hier wird er (denn dir wil ich diß geheimnuͤs sagen/ Daß Gott vorsehen hat/ weil du dich laͤssest nagen Von dieser kuͤmmernuͤß) im land Italien Wol fuͤhren ein krieg/ der schwer sich laͤst ansehn. Doch wird er siegreich her ob seine feinde fahren/ Und die zerschmeissen gar/ die uͤbermuͤhtig waren/ Wird bauen eine stadt den buͤrgern nach gebuͤhr Zu fchuͤtzen sie in ruh/ gesetze schreiben fuͤr/ Und wird das regiment drey Jahr so loͤblich fuͤhren/ Daß man wird uͤberall zucht/ maß und ordnung spuͤren: Allein Ascanius/ den man Julus nennt/ (Sonst Ilus/ da noch stund das Ilsche regiment) Wird dreyßig gantze jahr erfuͤllen in regieren/ Dann von Lavinium das regiment abfuͤhren/ Das er versetzen wird nach Alba/ welche stadt Er wird befestigen mit tugend/ witz und raht. Da Das Erste Buch. Da wird das regiment dreyhundert jahr durch wehren In der Trojaner stamm/ und herrlich sich vermehren/ Bis eine koͤnigin die Ilia/ die sonst Wird Sylvia genent/ geruͤhrt aus Martis brunst Wird Zwilling an das licht demselbigen gebehren ; Darnach wird Romulus/ den eine woͤlffin nehren Wird/ wie man meinen wil/ mit einer wolffes haut Bekleidet dieses volck/ das ihm ist anvertraut Als einein koͤnige/ auff nehmen und erbauen Dich/ Rom/ du grosse stadt/ an welcher man wird schauẽ Pracht/ ehr und tugend glantz; und wird die Roͤmer dañ So nennen nach der zier des namens/ den er an- Von krafft und tugend-traͤgt: demselben wil ich schreibẽ Kein maß noch zeiten fuͤr; Sie moͤgen ewig bleiben Und herrschen ohne ziel bis an das end der welt; Ja wol die Juno auch/ die sich so herbe stellt/ Die nu das wilde meer/ die erde mit dem himmel Erhebt/ bewegt und mengt mit unruh und getuͤmmel/ Wird eines bessern sich besinnen und mit mir Den Roͤmern halten schutz und mehren ihre zier/ Als die am besten sich der macht zu brauchen wissen/ Sind herren ihres reichs ! des friedens auch beflissen. Das ist/ was uns beliebt: Es wird noch eine zeit Mit abfluß wenger jahr mit grosser gluͤckligkeit Erscheinen/ da das volck der Troer wird bezwingen Das gantze Griechenland/ und wird die fahne schwingẽ Zu Argos/ da das haupt der stoltzen Griechen ist: Diß gluͤck ist durch den schluß der Goͤtter euch erkiest. B 2 Da Das Erste Buch. Da wird der Caͤsar her von schoͤnem stamm entspringen Der Troer/ ñd wird ihm sein thun nach wunsch gelingẽ/ Daß sich sein regiment erstrecken wird ans meer/ Und bis an das gestirn sein name ruhm und ehr. Den wirst du dermaleins/ weñ er nach schweren kriegen Die er im Orient gefuͤhrt mit schoͤnen siegen/ Sich praͤchtig tragen wird/ in himmel holen ein/ Da wirst du ohne sorg und gutes muthes seyn. Denn er wird bey der zunfft der grossen Goͤtter schwebẽ/ Und werden sterbliche/ wie andern/ ehr ihm geben: Da wird/ weñ August koͤm̃t/ kein harter krieg mehr seyn/ Und wird sich wiederuͤmb der friede stellen ein. Es wird die alte treu/ der glaub und gute sitten Im schwange wieder gehn und bleiben wol gelitten ; Das alte Roͤmsche recht wird haben seinen lauff/ Und was zur wolfahrt dient/ wird wieder kommen auff. Hingegen wird August mit loͤblichem exempel Den langen krieg abthun und schliessen Janos tempel ; Da ligt mit fesseln hart der Mars gebunden an/ Vnd bruͤllt mit blutgem schlund/ so laut er immer kan. So saget Jupiter/ und schickt vom hohen Himmel Mercur/ zu stillen bald das hefftige getuͤmmel/ Er solte thun befehl/ daß ihnen ohn gewalt Den Troern offen steh zu ihrem auffenthalt Das newe schloß Carthag/ das gantze land und haven/ Daß sie nicht doͤrfften seyn/ gleich wie die armen sclaven/ Und sie die Dido nicht unwissend wies bewand Mit diesen volckern ist/ vertrieb aus ihrem land. Der Das Erste Buch. Der Goͤtter bothe schwingt sein glaͤntzendes gefieder Hindurch die weite lufft/ und laͤsset sich danieder Im lande Libyen/ haͤlt deren orthen still/ Und thut den Poenern kund/ was sey der Goͤtter will/ Und ernstlicher befehl. Drauff lassen sie stracks sincken Den uͤberstoltzen muht/ und achten auff das wincken Des grossen Jupiters; Voraus die koͤnigin Macht den Trojanern kund ihr guͤtig hertz und sinn. Eneas aber muß bald hier bald dort hin wancken/ Und schlaͤget sich bey nacht mit mancherley gedancken: So bald der tag bricht an/ da geht und forschet er Die neuen oͤrter aus/ in welches land er her- Zu schiffe-kommen sey: Er fragt ob menschen drinnen Sich seßhafft hielten auff (denn er ward dessen innen Daß es sehr wuͤste lag) that darauff eigentlich Den mitgenossen kund/ wie es verhielte sich. Es war ein hoher felß/ darunter dicke hecken Und baͤume wie ein Wald mit schatten kunten decken Den Haven rings umbher: Am selben ort ließ er Die schiffe ziehen ein und halten still sein heer ; Er aber gienge fort mit Achat dem getreuen. Weil aber gleichwol war diß orts gefahr zu scheuen/ Trug er in jeder hand fast einen langen spieß Die mutter Venus ihm begegnend auff ihn stieß/ Verendert die person/ und traͤget wehr und waffen/ wie Sparta fraͤulein hat/ die gleich wie maͤnner schaffen Und brauchen das gewehr: Ja wie in Thracien Das weib Harpalice kunt in den waffen gehn B 3 Und Das Erste Buch. Uñ kaͤmpffẽ mit dem feind/ auch schnell durch hebron setzẽ Mit unerhoͤrter eil und grimme thier verletzen: So stellt die Venus sich und traͤget nach gebrauch/ Wie eine jaͤgerin/ geschoß und bogen auch Laͤßt ihr schoͤn langes haar zerstreut zu felde fliegen/ Geht bloß bis an die knye/ geguͤrt wie die/ so kriegen. Holla ! (hebt sie stracks an) sagt an ihr junge pursch/ Und gebet mir mit gunst bericht/ wornach ich forsch: Habt ihr gesehen eins von meinen fraͤuelinnen Die sich von mir verirrt/ ũd kraͤnckt mein hertz und sinnẽ/ So zeiget mir sie doch; Sie wahr so angethan/ Wie ihr auch seht/ und trug auch pfeil und koͤcher an : Hat eine Luxhaut uͤmm: Vielleicht ist sie gelauffen Nach einen wilden schwein/ dergleichen sich mit hauffẽ Diß ortes lassen sehn. Habt ihr nicht ein geschrey Vernommen/ daß ich weiß/ wo sie hinkommen sey? Drauff sagte Venus sohn: Ich habe nicht vernommen/ Daß eine waͤre her von deinen schwestern kommen. Wie sol ich/ jungfrau/ dich erheben nach gebuͤhr? Du hast nichts menschliches noch sterbliches an dir. Du gehest menschen fuͤr an schoͤnen leibes gaben/ Kein mensch kan solche stimm/ die also schallet/ haben: O traun nichts anders bist als eine Goͤttin du/ Gehoͤrst/ wo Febus nicht/ doch einer Nimfen zu. Du seyest wer du wollst/ sey selig/ selig mache Auch uns in unserm thun und foͤrder unsre sachen/ Bericht uns/ wo wir sind an welchem end und ort Des himmels/ daß wir doch bald weiter koͤnnen fort. Wie Das Erste Buch. Wir schweben in der irr/ sind beydes unerfahren Der menschen und des lands/ was wir fuͤr dessen waren/ Sind (leider!) wir nicht mehr: wir haben auff dem meer Erfahren sturm und bruch und grausames beschwer. Hier ziehen wir herumb/ und wissen nicht waß leiden Uns moͤchte kuͤnfftig noch von Goͤttern seyn bescheiden. Drumb gib uns doch bericht : Wir wollen nach gebuͤhr Viel opffer und gebaͤt dir danckbahr bringen fuͤr. Drauff Venus/ zwar (sagt sie) acht ich mich solcher ehrẽ Zu wenig/ so viel kan ich aber euch belehren/ Daß brauch und sitte sey im lande Tyrien/ Daß auch die Jungfraͤulein mit pfeil und bogen gehn/ Und tragen rohte schuh/ die sie bis an die knyen/ Damit sie ruͤstig einhergehen/ koͤnnen ziehen. Was deine frag anlangt/ siehst du der Poener reich Die Tyrier/ wie auch die stadt Carthag zugleich/ Doch grentzen Libyens: Ein volck von groben sitten/ Bey dem noch ehrbarkeit/ noch tugend wird gelitten/ Und sich nicht zwingen laͤßt. Die fuͤrstin Dido hat/ Als sie gezogen war aus ihrer Tyrer stadt/ Daselbst das regiment/ nach dem sie muste fliehen Fuͤr ihrem bruder selbst und seinem grimm entziehen Ihr eignes wolergehn: die unbefuͤgte schmach/ Die ihr von diesem dieb und wuͤterich geschach/ Ist zu erzehlen lang/ wenn man sie wolle fuͤhren Nach allen umbstand aus. Drum wil ich nur beruͤhren Das hauptwerck an sich selbst. Ihr ehgemahl genand Sichaeus groß und reich in der Phoenicer land B 4 Durch Das Erste Buch. Durch dessen lieb entzuͤnd sie must erbaͤrmlich leben/ Dem hat ihr vater sie noch unberuͤhrt gegeben Und sie mit ihm vermaͤhlt/ demnach er hier und da Durch zeichen und gemerck der Goͤtter willen sah. Doch saß Pygmalion ihr bruder noch im reiche Und hatte Tyrien; dem keiner je war gleiche An list und tyranney: Er uͤbertraff sie all Aͤn buͤberey/ so viel ihr waren dazumal. Auff eine zeit geschicht/ daß sie mißhaͤllig werden/ Da traͤgt er diesem mann mit feindlichen gebaͤrden Den haß und zorren nach/ wird uͤber das geblend Von geitz nach seinem gut/ nach dem er breñt und rennt: Da uͤberfaͤllt er ihn beim altar/ da er dessen Am minsten sich versah/ und alles war vergessen Bey ihm/ sioͤsst ihm mit macht das eysen hinterwerts Und meuchlerischer weiß (o grausamkeit!) durchs hertz. War unbekuͤmmert drumb/ daß seine schwester lieben Ihn wuͤrde nimmermehr/ die er so kunt betruͤben; Verheelt ihr lange noch die that der boͤsewicht Mit mancher farb und schein daß sies erfuͤhre nicht/ Wo er geblieben waͤr/ und ließ ihr eitles hoffen Sein spiel und kurtzweil seyn/ bis endlich er betroffen Inseinem laster ward. Als sie ligt in der ruh/ Duͤnckt sie/ ihr eh-herr koͤmmt entleibet auff ihr zu/ Und steht gantz bleich fuͤr ihr/ weist auff die blutge stelle/ Da er ihn hat ermordt der haͤmische geselle/ Zeigt seine blose brust durch stochen mit dem schwerdt/ Und schafft/ daß sie den grund von dieser that erfaͤhrt. denn Das Erste Buch. Denn er entdecket ihr die blinde bubenstuͤcken/ Wie daß ihr bruder ihn mit untreu/ list und tuͤcken Umbs leben habe bracht: Sie solte dieser schand Nur aus dem wege gehn aus ihrem vaterland. Damit sie aber mag zu ihrer reise haben Das zehrgeld/ macht er kund/ wo enden tieff vergraben Die alten schaͤtze sind/ so eine monge gold Und silber/ daß man sich daruͤber wundern solt/ Und niemand hats gewust: dadurch laͤst sich bewegen Die Dido/ macht sich auff/ es hebt sich anzuregen Der gantze hoff nnd stadt/ sie fodert ihre leut Ohn alle saͤumnuͤß auff/ sie stellen sich bereit; Besonders die zu ihm den wuͤtrich feindschafft tragen/ Von dem sie sind verletzt/ und andre/ welche zagen Und schnoͤde fuͤrchten ihn: was einer fuͤr ein schiff/ Das in Bereitschafft da stund ohn gefehr/ ergriff/ Beladen sie mit gold: da faͤhrt man mit den schaͤtzen/ Worauff Pygmalion der geitzhalß dorffte setzen Sein schnoͤdes hoffnungs ziel/ durchs wilde meer dahin; Und dieses kuͤhnen zugs ist ein weib fuͤhrerin. Sie waren kommen an/ wo sich Carthago zeiget/ Und dero neues schloß hoch in die luͤffte steiget; Da kaufft man einen grund/ der Byrsa wird genandt Von einer ochsen haut/ damits so war bewand: Als Dido war ins land der Libyer gekommen/ Und/ daß ein koͤnig da regierete/ vernommen/ Der sie nicht leiden wolt in seiner burg und stadt/ Gedencket sie mit list auff eine kuͤhne that: B 5 Sie Das Erste Buch. Sie sucht ihn bittlich an/ er wol ihr eine stelle Verkauffen/ welche man mit einmochsen felle Begreiffen koͤnte nur. Der koͤnig stellt ihrs frey. Da schneidet sie das fell in kleine stuͤck entzwey/ Und nimmt sich einen raum fast auff sechs welsche meilẽ/ Da laͤßt sie weit und breit die stuͤckelein vertheilen/ Und baut sich eine stadt in eil und kurtzer frist/ Die nun/ gestalt ihr seht/ sehr groß und volckreich ist. Sagt aber/ wer seyd ihr? Von wannen seyd ihr kommen? Und wo gedenckt ihr hin? Sie hattens kaum vernom̃en/ Da seufftzt Eneas tieff und hebt so traurig an/ Daß er auff ihre frag kaum antwort geben kan: O Goͤttin/ sollt ich dir mein elend ohn perheelen Von ersten anfang her der laͤnge nach erzehlen/ Und du dir nehmen koͤntst die weile/ meine muͤh Und noht zu hoͤren an/ die ich so spat/ so fruͤh Zu wasser und zu land mit tausend hertz beschwerden Gelitten und beseufftzt/ wuͤrds eher abend werden: Wir sind von Troja her (so anders euch diß land Zu ohren kommen ist und namen ist bekant) Nach dem wir aber seind durch manches meer gezogen/ Getrieben hin und her vom wind und wasserwogen/ Hat uns von ohngefehr ein sturm in Libyen Verschlagen/ daß wir da gestrand und stille stehn. Im fall du aber fragst nach mir und meinen namen/ Bin ich Eneas/ der gezeugt aus Goͤtter saamen Und koͤniglichen stamm/ der fromme sonst genand/ Weil meinen vater ich getragen aus dem brand Auff Das Erste Buch. Auff diesen achseln hab/ und fuͤhre meine Goͤtter Und heilgẽ gottesdienst durch manchen feind und wetter Mit meinem schiffheer mit: Bin uͤberall bekand Ohn allein schnoͤden ruhm zu wasser und zu land. Ich such Italien zu meiner ruh und friede Als neues vaterland; Des krieges bin ich muͤde/ Es ruͤhret mein geschlecht von grossen Jupiter; Mit zwantzig schiffen bin ich durch der Troer meer Gefahren in geleit der mutter Cythereen/ Damit ich meinem gluͤck/ darzu ich bin vorsehen Nach goͤttlichen befehl/ auch solte gehen nach/ Und lassen fahren hin erlittnes ungemach. Kaum aber hab ich noch von schiffen etwan sieben/ Die mir nach bruch und sturm vom meer sind uͤberbliebẽ/ Jedoch zerschellet und zerrissen von der fluht/ Bin gleichsam unbekand/ entbloͤßt am muht und gut. Ich muß mit manchem schweiff durch wuͤsteneyen irren Im lande Libyen und meinen sinn verwirren/ Der nicht sein selber ist. Europa jaget mich/ Und Asien versagt mir herbeꝛg haͤrtiglich. Er haͤtte klagen mehr geschuͤttet aus dem hertzen: Die Venus aber fiel immitten solcher schmertzen Ihm in das wort und sprach: du magst seyn wer du bist ! Weiß ich/ daß Jupiter auff dich nicht zornig ist. Vielmehr halt ich dafuͤr/ daß dir die Goͤtter goͤnnen Die allgemeine lufft/ der du hast kommen koͤnnen Biß nach Carthago hin. Zeuch nur/ zeuch immer hin Zur koͤnigin pallast mit unerschrocknem sinn. Denn Das Erste Buch. Denn dir sey hiemit kund/ daß deine reisgesellen Sich werden wieder ein/ mit sampt den schiffen stellen/ Ja schon vorhanden sind und bracht in sicherheit/ Nach dem itzt auffgehoͤrt der winde grimmigkeit. Es wehre denn umbsonst die kunst zu propheceyen/ Die man gelehret aus der voͤgel flug und schreyen; Schau: wie der schwaͤnẽ zwoͤlff in luͤfften schwingẽ sich/ Und mit gewohntem flug sich uͤben freudiglich. Schau! wie der adler sie am offenbaren himmel Aufftreibt und sie verstoͤrt mit gehlingen getuͤmmel; Itzt fliegen sie herab in langer reyh und zahl Zur erd/ und scheinen dranzu reichen allzumal. Wie spielen sie so schoͤn mit rauschendem gefluͤgel/ Wie schwingen sie sich hin und her umb berg und huͤgel/ Und irren in der lufft mit lieblichem gesang/ Ja oder was es sey mit angenehmen klang. So dencke/ daß es sey bewand mit deinen schiffen Und junger manschafft/ die entweder sind begriffen Im Haven/ oder doch mit gantzer segelsmacht Im selbtem fahren an; Darumb sey nur bedacht Ohn saͤumnuͤß deinen weg gerade hin zu nehmen/ Und dich nicht weiter so zu kuͤmmern und zu graͤmen. Mit diesem wandt sie sich: da blickt an ihr herfuͤr Wie eine schoͤne roß des nackens weise zier. Auch ihre haare fast wie ambra lieblich rochen: Den rock ließ sie hin ab so tieff bis an die knochen; Da sahe man sie bald an ihrem gang und pracht Fuͤr eine Goͤttin an und was sey ihre macht. Eneas/ Das Erste Buch. Eneas/ da er sie recht faͤhet an zu kennen Und seine mutter sieht/ folgt er mit fchnellem rennen Derselben hinden nach/ und schreyt aus voller kehl: O grausame/ warumb traͤgst du doch dessen heel? Was fuͤhrst du deinen sohn mit faͤlschlichen gestalten Und angemassten schein? wilst du nicht bey mir halten? Ist denn zugeben uns die hand vergoͤnnet nicht/ Zu wechselu wenig wort nach heischung unsrer pflicht? So klagt er uͤber sie. Drauff hub er sich von hinnen Zur koͤniglichen stadt und Didons hohen zinnen. Sie waren itzo kaum den weg gegangen ein/ Umb gab sie Venus stracks mit einem nebelschein/ Daß keiner mochte sie erblicken noch beruͤhren/ Noch ihnen hindernuͤß zu weg und stege fuͤhren/ Auch fragen nicht/ woher/ und wo sie daͤchte hin/ Ja keinerley gestalt betruͤben ihren sinn. Sie aber faͤhret fort mit pracht nach Paphos spitze/ Als ihrer alten stadt und koͤniglichem sitze/ Sieht froͤlich wie es da zu stehet: denn allhier Hat sie ihr heyligthumb/ geraͤthe/ heer und zier. Da raͤuchert man ihr suͤß mit weyrauch und mit kraͤntzẽ/ Da laͤßt sie ihren ruhm und hoheit herrlich glaͤntzen: Die Troer eilen fort/ wo sie der weg traͤgt hin/ Sie steigen hoch hinauff bey eines huͤgels zinn/ Die hoch heruͤber ragt/ und gegen schlosse liget. Eneas sieht sich uͤmb/ so viel als ihm begnuͤget/ Das werck beduͤncket ihm so wunderbar/ als groß/ Wenn er bedenckt deu orth/ wie er so schlecht und bloß. Fuͤr Das Erste Buch. Fuͤrweilen lag/ da wo nur hirten haͤuser waren; Er sieht die pforten an/ daß aus/ und einherfahren/ Das maͤchtige geraͤusch/ die strassen die man deckt Mit pflastersteinen schoͤn/ da wird sein sinn erweckt Zu lauter wunderung: Sie stehen all und schauen Wie sich die Tyrier bemuͤhen hoch zu bauen Die mauren rings uͤmbher/ und wie sie ruhig seyn Zu bauen auff das schloß. Ein theil die tragen stein/ Ein theil steht aus den ort zum schlosse/ den sie messen Mit einem pflug schaar ab/ wie braͤuchlich war fuͤr deßẽ/ Sie richten schulen an/ da man die rechte lehrt/ Auch haͤuser/ da man wehlt dẽ raht/ der schuͤtzt und wehrt. Von andern werden hier zur kauffmanschafft gegraben Die haven/ daß man hier und dort kan nahrung haben; Es werden auch zur lust gerichtet buͤhnen an Mit grosser kostbarkeit/ darauff man spielen kan. Da werden felsen außgehauen zu den Seulen/ Die man von bergen her muß fuͤhren etlich meilen Zu hoher zier und pracht der schanspiel/ die man wird Einst halten/ wenn die stadt ist fertig und geziert. Gleich wie zur fruͤhlings zeit/ wẽn feld und waͤlder gruͤnẽ/ Und wiesen lustig stehn/ die unverdrossnen bienen/ Die zu dem honigworck bey hartem sonnen schein Mit steter muͤh und fleiß sich uͤben ruͤstig fein ; In dem sie ziehen auff ihr edeles geschlechte Die honig voͤgelein und tragen fein zu rechte Das suͤsse honigseim/ man sieht sie bringen ein Mit hauffen ihr gewirck in ihre kaͤmmerlein. Ein Das Erste Buch. Ein theil das laͤdet ab/ ein theil bringt zu getragen/ Bald muͤssen sie sich mit den fanlen hummeln schlagen/ Da schliessen sie sich dicht in schoͤner ordnung ein/ Wie eine schlacht/ und heer im felde pflegt zu seyn. Wenn nun die hummeln sie zu zorn und grim̃ erwecken/ Dann treiben sie sie weg von ihren bienen stoͤcken; Da gehet wieder an die arbeit/ daß es raucht/ Und jeder nach gebuͤhr sich seines ampts gebraucht. So ists mit diesem bau der neuen stadt beschaffen: Ein jeder thut und fuͤhrt sein arbeit zeug und waffen Zur wollfahrt in gemein: Da fuͤhr Eneas fort: O selig preiß ich euch/ als denen dieser ort Zu solcher kommligkeit gereichet und erspriesset/ Daß ihr baut eine stadt/ in welcher ihr geniesset/ Den wandel fried und ruh. Mit wunder er auch schaut/ Wenn er den giebel sicht der stadt so hoch gebaut. Es steiget wieder ab/ und mischt sich unterm hauffen Es sieht ihn keiner/ weil sie durch einander lauffen: Denn weil er annoch ist mit einem nebel an- Gezogen wunderlich/ ihn keiner kennen kan. Es ist in dieser stadt ein heilger wald gelegen/ An schatten reich und groß/ sehr lustig allerwegen/ Da/ als die Poener sind im ungestuͤmmen meer Von winden uͤberstrebt gekommen erstlich her/ Sie einen pferdekopff am selben orte haben Auff Juno winck und raht zum zeichen aus gegraben/ Mit meldung/ dieses volck wuͤrd immer fuͤr und fuͤr Behertzt und siegreich seyn mit schoͤnem ruhm und zier. Die Das Erste Buch. Die Dido aber ließ der Juno zum exempel Der heilgen ehr und pracht da bauen einen tempel; Der war sehr groß und schoͤn/ an gaben reich/ an macht Und hoher majestaͤt der Goͤtter gleich geacht. Die stuffen waren ertz/ darauff man muste steigen/ Von ertz auch kunte man die schoͤnen balcken zeigen/ Die thuͤren knarreten von ertz: In diesem wald Hat unvermuhtet sich ereignet die gestalt/ Die sorg und kuͤmmer nuß vom hertzen kunte jagen. Hier hat Eneas erst sich kuͤhnlich doͤrffen wagen Zu hoffen sein geluͤck mit guter zuversicht/ Da er in seiner noht fast hatte hoffnung nicht/ Denn da er wartend auff die koͤnigin fast alles Im tempel schauet an/ und wahrnimt gleichesfalles Das gluͤck und wolergehn der stadt/ und hefftiglich Ob ihren schoͤnen fleiß der kuͤnstler wundert sich; Sieht er auch ohn gefehr in schoͤner Otdnung stehen Die schlachten/ welche juͤngst vor Troja sind geschehen/ Ja den so langen krieg/ der weit und breit bekand/ Wo man nur koͤmmet hin zu wasser und zu land. Er stehet still und sieht mit weinen die gebruͤder Den Agamemnon und Menelnas/ die wieder Sein Troja zogen aus: Er sieht den Priamus/ Und endlich den Achill/ der wider beyde goß Den grimmen zorren aus. Was kan (sagt er) auff erden Achat/ mein freund/ wol fuͤr ein land gefunden werden Das nicht erfuͤllet ist von unsrer m̃uͤh und leid? Schau! hier steht Priamus. Man sieht/ daß redligkeit Auch Das Erste Buch. Auch hieꝛ tꝛaͤgt lob ũn schmuck und tugend wiꝛd gezieꝛet: Deßgleichen werden hier die thraͤnen auch gespuͤret In noht und ungeluͤck/ und daß/ was leid gebiehrt/ Das hertz der sterblichen mit beyleid auch beruͤhrt. Laß fahren schnoͤde furcht bey diesen herben dingen. Es wird uns diß geschrey noch heil und wolfahrt bringẽ; So sagt er: Und in dem er immer sahe hin Auff dieses bilderwerck/ ergetzt er seinen sinn/ Wie wol mit leerer lust/ ließ manchen seufftzer fahren; Sein augen/ wie ein quell/ offt voller thraͤnen waren; Denn er betrachtete das ein- und ander heer/ Da nemblich itzt bald dis/ bald jenes litt beschwer; Wie sie uͤmb Troja sich so jagten hin und wieder Wie bald die Phrygier die Griechen legten nieder/ Bald diese lagen ob/ und siegten jenen an/ Als selbst Achill herbey kam gehling auff den plan Mit seinem streit geschirr und sichel-scharffen wagen/ Sah auch nicht fern/ wie schoͤn des Rhesens zelte lagen So weiß fast als der schnee; Er weint und traͤget scheu/ Wenn er bey sich besinnt/ mit was verraͤtherey Der grimme Diomed bey nacht kam hergefahren/ Da beydes roß und mann im ersten schlaffe waren; Wie schrecklich wuͤtet er mit stechen/ raub und mord! Er trieb die schoͤnsten roß mit sich ins lager fort/ Ehe sie sich im gefild zu Troja solten weiden/ Und trincken aus dem Xanth/ der ihnen nicht bescheiden In spruch der goͤtter war: Die andre seite wieß/ Wie Trojlus riß aus/ und seine waffen ließ. C Das Das Erste Buch. Das junge kuͤhne blut/ unselig doch zu nennen/ Weil er den held Achill noch nicht recht kunte kennen/ Mit dem er dorffte gehn in so ungleichen streit. Schaut! wie er faͤllt herab vom wagen/ der ihn weit Beim haar und nacken schleifft fast uͤber berg und huͤgell Und fuͤhret gleichwol noch mit einer hand den zuͤgel/ Der spieß stickt noch in ihm/ dẽ schleppt er durch dẽ sandt/ In welchen noch die spur und striche stehn bekandt. Immitrelst sahe man/ wie die Trojanerinnen Mit gantz zerstreutem haar und hoch betruͤbten Sinnẽ In langen schauben her zum Tempel zogen hin Der Pallas/ traurende mit toller art und sinn. Sie schlugen auff die brust/ sie rissen aus die haare/ Sie giengen ungestalt in ehrbarem talare/ Und kratzten das gesicht mit naͤgeln grimmiglich/ Daher die Goͤttin auch von ihnen wandte sich. Sie giengen weiter fort zu sehn und wurden innen/ Wie Thetis sohn Achill mit wuͤtendem beginnen des Hectors leichnam schleppt dreymal um Troẽs stadt/ Da er doch allbereit ihn uͤberwunden hat/ Und muste Priamus/ den man das haar sah rauffen/ Mit grosser summa gold den leichnam an sich kauffen: Als nun Eneas wahr nahm alles eigentlich Kleidt/ wagen/ freund und leib/ und wie der koͤnig sich So jaͤmmerlich gehub/ wie er die haͤnd ohn waffen Weit von einander streckt/ und nichtes knnte schaffen; Da seufftzet er vom grund des hertzens inniglich/ Geht fuͤrbas zum gemaͤhld und taffeln/ wendend sich: Da Das Erste Buch. Da findet er sich auch im mitten bey den fuͤrsten/ Des tapffern Griechenlands/ die mit begierde duͤrsten nach edlẽ krieges ruhm in zweykampff/ schlacht uñ streit; Er sieht sich weiter uͤmb/ da stehen auch bereit Die heer aus Morgenland/ des Mohren koͤnigs waffen/ Der offt den Griechen hat gegeben viel zu schaffen: Zuletzt betrachtet er die tapffre koͤnigin Penthesilea/ wie sie traͤget ihren sinn Mit brennender begier zum krieg und triumphieren/ Und unter tausenden laͤßt ihre tugend spuͤren: Itzt freut er sich zu sehn/ wie sie in ruͤstung steht/ Und fuͤr das kuͤhne heer der Amazonen geht. Itzt lobt er/ wenn sie traͤgt den schild/ itzt wenn sie fuͤhret Den spieß mit solcher art/ daß man ein hertze spuͤret Zu gehen an den streit/ die abgebrennte brust/ Zu brauchen ihr geschoß eutzuͤndet lauter lust. Am schoͤnsten stehts ihr an/ weñ sie sich schuͤrt und ruͤstet/ Und ihr als heldin frisch in streit zu ziehn geluͤstet/ Daß sie mit maͤnnern sol ein hartes treffen thun/ Da kan sie fuͤr begier der tugend nicht wol ruhn. Als nun Eneas sich in dies- und andern sachen/ Daruͤber er erstarrt/ laͤst lust und liebe machen/ Erhebet Dido sich die schoͤne koͤnigin In gleitschafft grosser schaar zu ihrem Tempel hin. Wie/ wenn Diana haͤlt ihr fest/ und aus spatzieret Ans ufer Eurot hin/ auch etwan mit sich fuͤhret Der zarten nimpfen chor auff Cyuthus gruͤne hoͤh/ Darauff man sieht mit lust wald/ wiesen/ feld und see. C 2 Da- Das Erste Buch. Dahin versammlen sich die berg-einwohnerinnen Und folgen haͤuffig nach/ daß man viel tausend innen An selbtem orte wird: Da laͤßt Diana sich Mit koͤcher und geschoß gebrauchen ruͤstiglich. Den Nimfen wuͤndert selbst ihr zierlich thun und lassen/ Und daß sie geben kan den sachen weis und massen/ Geht hohen ansehns her und uͤber alle ragt/ Daß ihrer mutter auch Latonen dis behagt. So trug sich Dido auch mit zierlichem beginnen/ Durch ihre leute hin/ und kunte sie gewinnen/ Sprach ihnen froͤlich zu/ hielt sie zur arbeit an/ Daß dermaleins im reich waͤr alles wol gethan: Damit sie aber auch ein scheinbares exempel Gericht zuhalten wieß/ erhebt sie sich im Tempel/ Und setzt sich auff dem thron bey Juno heilgem bild/ Es stehet uͤmb ihr her ihr volck mit spieß und schild. Sie hoͤret klagen an/ spricht recht/ vergleicht die parten/ Schreibt ihnen satzung fuͤr/ gebeut/ sie sollen warten Ein jeder seines ampts/ theilt arbeit und beschwer Nach recht und billigkeit; Was aber sonst noch mehr Durch urtheil und verstand sich laͤsset nicht verrichten Das nim̃t sie fuͤꝛ duꝛchs loß/ wie bꝛaͤuchlich ist/ zuschlichtẽ. Als nun dis gehet fuͤr/ sieht man da kommen her Antheus/ Sergest/ Cloanth und andre Troer mehr/ Die auff der blauen fluht von ungewitter waren Verschlagen/ daß sie hin-wo anders musten fahren. Es ward ein groß gelauff/ Eneas und Achat Erstaunten/ ungewiß/ wie sie auff schneller that Sich Das Erste Buch. Sich solten schicken drein: Bald muͤssen sie sich freuen Begierig sie zu sehn/ bald muͤssen sie sich scheuen Zu heissen sie willkomm. Weil aber sie nicht grund Der sache haben noch/ und keinem worden kund/ Wer dieses volck mag seyn ; So halten sie noch innen Und bergen ihren raht/ biß sie erfahren koͤnnen Der sachen rechten grund. Der nebel aber/ den Die Venus uͤmb sie zog/ bleibt wie zuvor/ noch stehn. Derhalben forschen sie nach dieser leute stande/ Wo sie gekommen her? Von welchem ort und lande? Wo sie gestrandet an? Was ihre werbung sey? Denn wie die sage gieng/ und allgemein geschrey/ So waͤren sie gesampt geschickt von allen schiffen Zu klagen uͤber die/ so mit gewalt gegriffen Nach ihrem zeug und heer: Sie baͤten fried und ruh/ Wie sie den klaͤglich nach dem Tempel giengen zu. Als nun die koͤnigin sie liesse fuͤr sich kommen/ Und ihꝛen machtbrieff nach gebrauch hat angenommen; Fieng Ilioneus an ein man von redners zier Und andern gaben groß und brachte dieses fuͤr: O weise koͤnigin/ der Jupiter gegeben Zu bauen eine stadt in fried und ruh zu leben/ Und daß gerechtigkeit befoͤrdert also werd/ Damit der uͤbermuht nicht greiffe zu dem schwerdt/ Das ihr gegeben ist/ die trotzigen zu straffen; Wir armes Troer volck ; Die gleich den armẽ schaaffen Geirret hin und her; Ja die so lange zeit Gestanden haben aus des meeres grimmigkeit; C 3 Er- Das Erste Buch. Ersuchen deine huld und majestaͤt nach ehren In unterthaͤnigkeit/ du wollest gnaͤdigst wehren Den volckern deines lands/ und halten sie vom strand/ Auff daß sie unsre schiff nicht stecken in den brand. Sie wollen uns den paß auff allen seiten sperren Und sonder allen fug uns arme leute zerren; Verschone/ lieber doch das friedsame geschlecht/ Und laß erfahren uns dein weit beruͤhmtes recht. Schau uns mit gnaden an und trage mit uns armen/ Die ohne das betruͤbt ein thaͤtiges erbarmen ; Wir sind nicht kommen an zu setzen dieses landt In schaden und verderb mit rauben/ mordund brand ; Und wiederumb zu schiff bereichert weg zu fliehen: Nein/ dieses wollst du dir nicht zugemuͤthe ziehen; So grimmig sind wir nicht/ kein solcher ubermuht/ Als die wir sind besiegt/ entzuͤndet unser blut. Es ist ein ort/ der von den Griechen wird genennet Das abend land/ das man noch heutigs tages kennet/ Und heist Italien/ ein gut und streitbar land/ Das von Saturnus noch und Janos ist bekand/ Das die Oenotrier bewohnet erstlich haben: Dahin wir unsern lauff gerichtet/ uns zulaben Und etwas außzuruhn: Da faͤhret ploͤtzlich her Ein stuꝛm umb heꝛbstzeit gleich/ deꝛ haͤuffet mehꝛ uñ mehr Die wellen/ die uns gar bis in die Syrten treiben/ Die man nicht mercken kan ; Da musten wir verbleiben. Im mittelst halten an die winde grimmiglich/ Das meer geschwillet sehr/ es tobt und hebet sich/ Und Das Erste Buch. Und schmeist uns hier und da an klippen berg und steine/ Daß kaum noch etliche das leben und gebeine Gesund davon gebracht: Da sind wir an den strand Gekommen endlich an und dieses euer land. Wir aber wundern uns/ was doch die leute dencken/ D aß sie uns doͤrssen so mit solchem unfug kraͤncken. Wo ist ein land/ da man die herberge versagt D en frembdlingen und sie von seinem hafen jagt ? D as ist ja widers recht der voͤlcker/ schau/ wir kommen/ Und haben keinem was gethan noch abgenommen/ D a wil man wehren uns zu lagern an den strand Und werden sehr bedraut mit rauben/ mord und brand. Im fall man aber nun der menschen staͤrck und waffen Veraͤchtlich halten wil/ als koͤnten sie nichts schaffen ; So schaue man doch nur der Goͤtter zorn und rach/ Als die zwar langsam gehn/ doch allezeit sind wach/ Und immer dencken dran/ wie einer hat gewandelt/ Hat jemand freventlieb und wider recht gehandelt/ So folgt ihn auff dem Fuß die straffe furcht und hohn/ D ie tugend aber traͤgt der Goͤtꝛer huld zu lohn. D ie Goͤtter hatten uns gegeben einen koͤnig/ D er hieß Eneas/ war ein mann/ der nicht zu wenig Noch viel den sachen that/ war fromm/ gerecht und klug/ D er auch an streitbarkeit und raht den preiß wegtrug. Imfall die Goͤtter nun den theuren man erhalten/ Wo fern er lebt/ und nicht den grimmigen gewalten D es todes unten ligt/ so stehets noch zur zeit Umb uns gefaͤhrlich nicht/ und sagen ungescheut/ C 4 D aß Das Erste Buch. Daß du/ o koͤnigin/ nicht werdest reue tragen/ Wenn du zu erst uns wirst mit allem wolbehagen Mit vorschub/ lieb und gunst erscheinen foͤrderlich; Es wird Eneas selbst gereitzt befleissen sich Die ihm erwiesne gunst uud hoch geneigten willen Zu tragen danckbar ab: Wo aber ers erfuͤllen Nicht kan und lieget tod/ ist uns Sicilien Mit freundschafft zugethan/ da heer und schiffe stehn. Es lebt auch noch Acest von Troischem gebluͤte/ Ein mann von mitteln groß und tapfer von gemuͤhte; Dahero koͤnnen wir/ wenns noht/ zu seiner zeit Vergelten in der that erzeigte mildigkeit. Derhalben bitten wir mit tieff gebognen knien/ Daß uns vergoͤnnet sey an euer land zu ziehen/ Und eures Havens uns gebrauchen dergestalt/ Daß wir gesichert seyn fuͤr unfug und gewalt/ Und moͤgen holtz genung in eurem walde hauen/ Damit wir wiederumb die schiffe flick- und bauen/ Die sehr zerschellet sind; Ob wir noch koͤnnen hin Mit unbetruͤbtem schein des gluͤcks in Welschland ziehn. Wer weiß/ es moͤchte noch Eneas zu uns kommen Und unsre reise-pursch/ von der man nichts vernom̃en; So koͤnten wir als dann ins land Italien Mit segel-schnellem heer und guten muhte gehn. Solts aber seyn umb uns und unser gluͤck geschehen/ Daß wir/ o vater/ dich nicht sollen wieder sehen/ Weil du geblieben bist in sund der Libyer/ Und das auch nicht dein sohn Julus lebet mehr; So Das Erste Buch. So sey uns wieder nach Sicilien zu fahren Vergoͤnnet an den ort/ da wir willkommen waren Und gute herberge noch finden beym Acest/ Der unser lieber wirth vor diesem ist gewest/ So sagt Ilioneus. Die Troer aber stimmten Ihm all einhaͤllig bey/ und sich zugleich ergrimmten In ihrem sinn darob/ daß sie der tolle hauff Am strande hindern wolt an ihrem thun und lauff; Die Dido aber ließ mit zuͤchtigen gebaͤrden Den Troern wiederumb die antwort kuͤrtzlich werden: Und saget: Lasset nur/ ihr guten leute seyn/ Was euch bekraͤncket noch/ stellt furcht und kummer ein. Die harte noht zwingt mich/ daß ich muß volck und waffẽ Bey neuen regiment an meinen Haven schaffen Zu meines landes schutz. Sonst wem ist Troens land/ Und wannenher das volck der Troer/ nicht bekand; Wir wissen dieses wol/ wie auch so manche tugend Der maͤnner und den muht der kriegs erfahrnen jugend/ Ja wie mit grossem grimm der krieg gewuͤtet hat/ Daß ihr gekommen seyd umb euer land und stadt. So gar barbarisch sind wir Poener nicht zu schaͤtzen/ Daß wir entgegen euch die voͤlcker wolten hetzen; Es ist auch gegen uns so unmild Titan nicht/ Daß er von uns so weit entzogen sein gesicht. Es sey nun/ daß ihr wolt nach Welschland euch erheben/ Doch oder in das land Sicilien begeben/ Und euch da halten auff bey eurem wirth Acest/ Bey dem ihr/ wie ihr sagt/ willkommen seyd gewest; C 5 Wil Das Erste Buch. Wil ich mit huͤlff und schutz euch vorbegehrter massen Mit reichung allerhand an nothdurfft ziehen lassen/ Im fall ihr aber wolt euch allesampt zugleich Und haͤußlich setzen hier in diesem meinem reich/ Mag euch auch diese stadt/ die ich bau/ stehen offen Zu eurem schutz und nutz nach guten wunsch und hoffen Gebrauchet deren euch/ zieht eure schiff heran Und nehret euch in ruh und friede/ wie man kan. Ich wil das regiment gleich uͤber beyde fuͤhren/ Und sollen Tyrier so wol/ als Troer/ spuͤren/ D aß ich ohn unterscheid und ansehn der person Im lande halte recht und trage meine kꝛon. Ich moͤchte wuͤnschen auch/ daß selbst der koͤnig kaͤme Mit gleichem guten wind und seine zuflucht naͤhme Zu uns und diesem ort. Zwar wil ich weit und breit Im Haven ordnen ab getreu und gute leut/ D aß sie gantz Libyen durchforschen bester massen/ Wo sich hab euer fuͤrst Eneas doch gelassen/ Ob er verirret sich in einer wuͤsteney Wo nicht/ in einer stadt wo angekommen sey. Als von der koͤnigin sie diese wort vernahmen/ Alßbald Eneas und Achat den muht bekamen/ Und wolten aus der wolck itzt brechen schon herfuͤr/ Weil sie sich kund zuthun an regte die begier. D a sprach Achates an Eneam solcher massen? O Venus lieber sohn/ wie wird sichs hier thun lassen? Wie bist du nun gesinnt? du siehst/ und wirst gewahr/ D aß unsre schiff und pursch stehn sicher/ ohn gefahr. D er Das Erste Buch. D er ein Orontes fehlt/ den wir gesehen haben Im meer zu grunde gehn : Wo er nun unbegraben Mag ligẽ/ weiß man nicht: Sonst was die Venus hat Vorher gesagt/ weist sich aus alles in der that. Kaum hat er aus geredt/ da sieht man/ wie so schnelle Der nebel sich vertheilt und wird gantz klar und helle In heitre lufft verkehrt. Eneas bleibet stehn/ Da kan man ihn alsbald im klaren lichte sehn/ An schultern/ mund und stirn den Goͤttern zuvergleichẽ/ Fuͤr dem die schoͤnheit selbst/ die irrdisch ist/ muß weichẽ: D enn Venus hatte selbst/ die seine mutter war Gegeben ihm zur zier ein goldgestrahltes haar/ Ein roͤßlicht angesicht und purpur rothe wangen Der jugend glantz und zier/ und augen/ welche prangen In lauter froͤligkeit mit hohem ansehns schein/ D aß etwas goͤttliches darinnen schien zu seyn. Ja oder wie die hand des kuͤnstlers trefflich mehret Die zier des helffenbeins: Wie silber wird geehret Und schoͤnes ansehn traͤgt/ wenn rothes gold darbey. Drauff trat er naͤher hin und redet ohne scheu Die koͤnigin stracks an/ eh seiner man vernommen: Hier steh Eneas/ ich/ der neulich angekommen Den ihr so aͤmbsig sucht. Mich hat des hoͤchsten hand Erloͤset von dem meer und bracht in dieses land. Wie sol ich/ Dido/ nun dein herrlich lob vermelden/ Die du nach eigenschafft und tugend rechter helden Traͤgst beyleyd/ uͤbest lieb erzeigest gunst und ehr Uns/ als dem uͤberrest der grimmen Danaer/ D ie Das Erste Buch. Die du/ nach dem wir sind zu wasser und zu lande Gejaget umb und umb mit jaͤmmerlichen stande/ An allen mitteln bloß/ nimmst auff in deine stadt/ Und treulich unser pflegst mit nothutfft/ huͤlff und raht. Wir koͤnnen dir zwar danck fuͤr solche wolthat sagen/ Nicht aber koͤnnen wir im wercke sie abtragen/ So viel auch derer sind/ die aller enden her Von Troja irren umb zerstreut zu land und meer/ Ja durch die gantze welt. wir koͤnnens nicht verschulden/ Es stehet einig zu der obermacht und hulden Den Goͤttern/ welche dir/ im fall sie sehen an/ Wenn von den frommen wird ein gutes werck gethan/ Und irgend recht wo ist die tugend zu belohnen/ Und fromme sterbliche des boͤsen zuverschonen/ Fuͤr das/ was du uns hast erzeigt in boͤser zeit/ Vergelten wiederuͤmb nach ihrer moͤgenheit. Wie selig ist die zeit/ wie froͤlich siud die stunden/ Die du noch hast erlebt/ darinne du gefunden So koͤniglich geluͤck/ das dich der gantzen welt Zum liecht der tugend hat und spiegel fuͤrgestellt: Wie groß muß seyn gewest/ der dich gezeugt/ erkohren Zu seiner freude hat/ und die dich hat gebohren Zur welt mit solchem gluͤck und solcher gaben pracht/ Die dich mit ewgem ruhm zu einer Goͤttin macht. Wie lange sich die stroͤm ins grosse meer ergiessen/ Wie lange vom gebirg die schatten abwerts schiessen/ Wie lange das gestirn am himmel wird regiert/ So lange sol dein lob auch werden auffgefuͤhrt Durch Das Erste Buch. Durch meinen treuen fleiß. An welchem ort der erden Ich immer werde seyn und angetroffen werden/ Da wil ich fuͤr und fuͤr dein unvergessen seyn/ Und dir zum ewgen ruhm ein denckmal schreiben ein. Nach diesem bot er dar zum zeugnuͤß warer treue Den obersten die hand/ sie fassend nach der reyhe. Da war Ilioneus/ Gyas/ Sergest/ Cloanth Als die ihm stunden bey in fahr und ungluͤcks stand. Als Dido ihn nun sah/ wurd sie darob beweget Und erst die gunst bey ihr entgegen ihm sich reget. Hernach erschrack sie sehr/ als sie von seinem gram/ Von schwerem unfall/ noht und faͤhrligkeit vernam. Wie bistu (sagte sie) in solche noht gekommen/ Eneas/ der du hast von Goͤttern hergenommen Dein ankunfft und geschlecht? was fuͤꝛ ein-ungluͤcks gꝛim̃ Hat uͤber dich gefuͤhrt ein solches ungestuͤmm ? Bistu Eneas/ dem Anchises hat erkohren/ Den Venus bey dem strom Simois hat geboren ? Zwar wenn ich mich besinn/ befind ich eigentlich/ Daß Teucer kommen ist nach Sidon/ da er sich/ Als er vertrieben war aus seinem vaterlande/ Must eilends wenden weg. Ob er auff frembden sande Haͤtt besserm fug und gluͤck/ warb umb ein neues reich Vermittelst Belus huͤlff/ als dieser damals gleich Die Insul Cypern/ die schoͤn fruchtbar/ wuͤste machte/ Und sie als sieger/ ihm gewaltig unterbrachte: Stracks nach derselben zeit ist mir bericht geschehn Von Troja untergang/ und wie sie itzt mag stehn. Da Das Erste Buch. D a hab ich auch gehoͤrt von deinen namen melden/ Und was aus Griechenland gekommen sind fuͤr helden ; D er feind hat selber auch ein sonderbahres lob D en Troern zu gelegt und sich erfreut darob/ D arzu gewuͤnscht daß er von Troern waͤr entsprossen/ Und haͤtte dieses stamms so ruͤhmlich auch genossen. D erhalben bitt ich euch/ ihr tapffern juͤngeling/ Spatziert mit mir herein wie niedrig und gering Mein losament auch sey. Ich hab auch fast so eben Auff offenbarer see mit aͤngsten muͤssen schweben/ Bis mich mein gluͤck auch hat in dieses land versetzt/ Und nach erstandner noht nun wiederumb ergetzt. Weil ich viel ungeluͤck und truͤbsal hab empfunden/ Weiß ich auch/ wie es ist bewandt mit solchen wunden; D rumb lern ich wie ich sol den armen springen bey/ D amit es ihnen nuͤtz- und heil ersprießlich fey. Als sie nun dis gespraͤch gantz treu gesinnter massen Mit anerbietigkeit zu dienen hoͤren lassen/ Fuͤhrt sie Eneen mit ins koͤnigliche schloß/ D amit sie ihn von sorg und kummer mache loß; Laͤßt ruffen aus zuzleich ein heilges fest zu ehren D en Goͤttern und die zier des Tempels zuvermehren: Nicht minder schicket sie der pursche beim gestad Was sie an ochsen/ schwein- und laͤmmern uͤbrig hat. Von jenen zwantzig nur/ von andern hundert stuͤcken/ Von diesen gleich so viel/ laͤst ihnen wein auch schicken Zur gab und froͤligkeit des tages/ den man soll Begehn mit heilgem wunsch und neuer freude voll. D a Das Erste Buch. Da sie nun in pallast immittelst kommen gangen/ Wird mitten auff dem saal mit koͤniglichen prangen Ein mahl gerichtet zu. D ie decken sind gestuͤckt Mit gold und edelstein/ wie alles sich nur schickt. D ie purpurfarbne pracht blitzt voller guͤldnen strahlen/ Man traͤget grosse last an silberwerck/ an schalen An kann- und schuͤsseln auff: Hierbey sieht man pocal Aus rothem golde stehn in ungezaͤhlter zahl D ie kuͤnstlich sind gemacht/ auff welchẽ schild und fahnẽ ! D ie namen und der ruhm der weitberuͤhmten Ahnen Gestochen artig sind. D er thaten reyh geht weit/ Wenn man fuͤhrt her den stam̃ von ursprung alter zeit. Eneas aber schickt in schneller eyl Achaten/ Der ihm stets stunde bey mit dienste/ raht und thaten In Haven/ da das heer und schiffe lagen noch/ Er moͤchte seinen sohn Ascan berichten doch/ (Denn er kunt laͤnger nicht das vaterhertze zwingen) Wie es beschaffen sey mit vorerzaͤhlten dingen/ Und solt ihn bringen mit ohn saͤumnuͤß in die stadt. Der liebe vater nur fuͤr Ascan sorge hat. Er ließ ihm uͤber das auch bringen schoͤne gaben/ Die man von langem krieg noch uͤbrig kundte haben; Als einen guͤldnen rock mit wappen schoͤn geziert/ Und ein gesticktes kleid mit golde schamorirt. Denn dieses war der schmuck und zierrath der Helenen Der frau aus Griechenland/ den sie dort von Mycenen Und Sparta mit sich bracht/ als sie nach Troja kam/ Und wider Gott und recht den schaͤffer Paris nam. D ie Das Erste Buch. Die mutter Leda hat ihr aber diese sachen Geschencket/ die sie schoͤn und kuͤnstlich kunte machen/ Daß einen wunder nam: Ein scepter/ perlenband Und krone war dabey versetzt mit allerhand Gesteine kostbarlich. Die sachen trug fuͤr weilen Die tochter Priami: Achates wil mit eilen Verrichten daß geschaͤfft; Zeucht nach den schiffen hin. Die Venus aber spunn in ihrem schlauen sinn Ein neues fuͤndelein mit unerhoͤrten tuͤcken/ Damit sie moͤchte nur die koͤnigin beruͤcken. Sie laͤsset ihrem sohn den kleinen boͤsewicht Verendern die gestalt/ habit und angesicht/ Daß er Ascan sieht gleich/ uud kaͤme hin gegangen Damit die koͤnigin die flamme koͤnte fangen Durch seine schmeicheley und schoͤner gaben pracht/ Da sie ohn das empfund die starcke liebesmacht. Diß aber wars/ warumb die Venus hierauff sanne/ Weil sie wol wuste/ daß ihr dieses volck nichts ganne: Derhalben traͤgt sie sorg und scheu fuͤr diß geschlecht/ Als dem sie nimmermehr vertrauen kunte richt. Wie auch die Tyrier es nicht gut mit ihr meinen/ Die immer gegen sie zweyzuͤng- und listig scheinen: Am meisten kraͤncket sie der Juno bittrer neid/ Der ihr koͤmmt immer fuͤr des nachts mit sorg und leid Derhalben spricht sie an den Amor: Lieber knabe/ Mein vielgeliebter sohn/ an dem ich alles habe Was ich vermag und bin: Du meine krafft allein/ Der du in gleichen kanst mein ruhm und staͤrcke seyn: Der Das Erste Buch. Der du auch bist ein sohn des Gottes aller Goͤtter Des grossen Jupiters/ der unser schutz und retter/ Der du den Typhoeus mit allem dem geschoß/ Das er gen himmel wurff mit grim̃/ nicht achtest groß. Ich fliehe nur zu dir/ Ich ruffe dein vermoͤgen Zu meiner huͤlff und wuntsch; Du siehest aller wegen/ Und ist dir satt bekand/ wie daß Eneas wird Dein bruder/ so gejagt/ und hin und wieder irrt Im ungestuͤmmen meer/ bey nah in allen Haven/ Und seine reisepursch sind wie die armen sclaven Durch unbefugten grimm der Juno: Dannenher Ist offtmals unser schmertz gewesen dein beschwer. Nun aber haͤlt ihn auff der Tyrer herrscherinne Die Dido welche sich bemuͤhet seine sinne Durch glatte schmeichelwort und gunst zu ziehen an/ Nur daß er sie allein/ und sie ihn haben kan. Ich weiß traun nicht/ was es sol fuͤr bedeutung haben/ Daß Juno laͤsset ihn so freund- und zaͤrtlich laben In dieser ihrer stadt. Der Poener kost frey seyn Koͤmmt mir verdaͤchtig fuͤr/ und wil mir nicht wol ein/ Der guten kommligkeit wird sie sich bester massen Bedienen/ daß sie die nicht wird von haͤnden lassen: Darumb bin ich bedacht/ mit brunst und liebes pein/ Mit aller list und trug sie vor zu nehmen ein/ Damit sie ihren sinn nicht lasse wieder sincken/ Und anders werde raths auff eines andern wincken/ Vielmehr in gegentheil Eneen nebenst mir/ Ich zwar als mutter/ lieb/ sie/ wies beliebet ihr. D Daß Das Erste Buch. D aß du dis aber moͤgst verrichten recht und eben/ Wil ich dir guten raht (vernimm mich fleißig) geben. Ascan nimmt itzo fuͤr zu gehen in die stadt Auffs vaters foderung und gut befundnen raht/ Traͤgt bey sich schoͤnen schmuck/ und was die fuͤrstẽ knabẽ An kleidern/ zeug nnd spiel sehr pflegen lieb zu haben/ Was man aus Troja noch und von dem wilden meer Durch mancherley gefahr hat koͤnnen bringen her. Nun weist du/ was fuͤr forg ich seinentwegen trage. Derhalben wil ich ihn einschlaͤffen itzt bey tage Und legen bey Cyther danieder/ oder wil Ihn tragen/ daß er nur ein wenig lige still/ In wald Idaliun/ und daß er nicht vernehme Noch mercke diese list/ so er darzwischen kaͤme; So nimm auff eine nacht ( nicht mehr) an sein gesicht/ Weil dir als knaben des zu thun verborgen nicht; Damit wenn Dido dich wird auff dem schosse haben/ Und an der taffel fein mit zuckerwerck begaben/ D ich froͤlich halset/ hertzt und suͤsse schmaͤtzlein gibt/ Und dich beym suͤssen trunck als feines knaͤblein liebt ; D u ihr als dann bringst bey/ und dieses zwar verborgen/ D as bitter suͤsse gifft/ die flamm und liebessorgen. Cupido folgt hierauff der mutter williglich/ Legt seine fluͤgel ab/ und gehet freuend sich/ Gleich wie Juͤlus her: D ie Venus/ da ihr deuchtet Die rechte zeit zu seyn/ mit sanfftem schlaffe feuchtet D es Ascans glieder ein/ fuͤhrt ihn erwaͤrmt im schoß In wald Idalium ; Da ligt er sorgen loß/ Da Das Erste Buch. Da tausent bluͤmelein und kraͤuter umb ihn stehen/ Die ihn mit suͤssem hauch und luͤfftelein anwehen/ Da ihn mit schatten deckt der ungeheure wald. Cupido aber geht erzehleter gestalt/ Und traͤgt das schoͤne zeug hin in die stadt der Tyrer Und folget freudiglich Achat/ als seinem fuͤhrer; Als er nun kommet an/ hat sich die koͤnigin Auff einem guͤldnen stul gesetzet mitten inn. Es sitzt der vater auch Eneas da zu gegen/ Die junge mannschafft koͤmmt zusammen aller wegen ; Die taffel ist bedeckt und schoͤn getapesiert/ Sie setzen sich/ wie man nach ordnung sie herfuͤhrt. Die diener giessen auff zu waschen erst die Haͤnde/ Dann decken sie den tisch/ sind ruͤstig und behaͤnde/ Und langen aus dem korb das liebe brodt herfuͤr/ Viel dienerinnen sind die richten nach gebuͤhr Mit fleiß das essen an/ sie raͤuchern auff dem saale Den Goͤttern nach gebrauch/ man traͤget ohn geprale In langen reyhen her die speisen auff den tisch/ Sie bringen trinckgeschirr und schencken ein fein frisch. Als sie nun werden laut und froͤlich sich erzeigen/ D a kommen Tyrer auch/ die sich gewoͤhnlich neigen/ In grosser meng hinein. Man bringt gestuͤle dar/ Das mit gesticktem zeug gar schoͤn gepolstert war. Als sie auff bitte nun sich hoͤfflich nieder setzen/ Da sehn sie hin und her/ besonders sich ergetzen An so viel schoͤnen zeug/ das durch so viel gefahr So einen weiten weg von Troja kommen war. D 2 Sie Das Erste Buch. Sie sehn mit wunder an Eneens pracht und gaben/ So dieses printzelein Juͤlus solte haben/ Sie wundern sich ob ihn und seiner schoͤnen zier Der fuͤnckelnden gestalt des herrleins und manier. Sie wusten aber nicht/ daß es der leichte knabe/ Der Venus soͤhnlein war. Sie schauen an die gabe/ Den schoͤnen wappenrock und gold gesticktes kleid/ Sie sehn wie er sich stellt nach aller hoͤffligkeit. Insonderheit kan sich die Dido nicht erfuͤllen/ Die ungluͤckhaffte frau/ die sich mit gantzen willen Der grimmen liebes pest und untergang ergibt/ Weil sie den frembdeling Eneen also liebt. Die augen brennen ihr in kopffe (so zu sagen) Fuͤr grosser liebes brunst/ sie schoͤpffet ihr behagen Zugleich an jungen printz und dessen zeug und pracht/ Daraus sie mehr und mehr empfindt die liebes macht. Als er Eneen nu vergnuͤgte nach verlangen/ Und an desselben brust und halse sich gehangen Mit zarter liebligkeit/ den er zwar vater hieß/ Bald aber wiederumb von seiner seite ließ; Geht er zur koͤnigin mit listigem beginnen Ein ander liebes werck in ihrem sinn zu spinnen; Dieselbe freuet sich/ und hefftet aug und sinn Auff ihn mit zarter gunst wie auch Eneen hin. Balt nim̃t sie ihn in schoß/ und spielt mit ihm ein wenig/ Und weiß die arme nicht/ was fuͤr ein gott und koͤnig An ihrer seiten sitzt. Er aber ist bedacht Nach muͤtterlichen wunsch/ vermoͤge seiner macht/ Den Das Erste Buch. Den vorgehabten mann ihr aus den sinn zu nehmen/ Daß sie sich doͤrffe nicht umb alte liebe graͤmen: Das nimmet er so fuͤr: Versucht drauff ihren sinn Der schon laͤngst traͤge war/ zu ziehn wo anders hin/ Damit sie wiederuͤmb ihr hertz/ das fast entwehnet Deꝛ lust uñ kuꝛtzweil waꝛ und sich noch nit recht sehnet/ Auff einen audern wuntsch und vorsatz lencken ließ/ Zu lindern die beschwer des lebens und verdrieß. Als sie nun waren satt und hatten abgenommen/ Da sieht man allererst die grossen becher kommen In langer reyh und pracht gefuͤllt bis oben an/ Nach dem ein jeglicher wil thun bescheid und kan/ Es wird der saal gar laut/ der weite hoff erschallet Vom froͤlichen gesang: Der Dido stimme wallet Mit koͤniglicher lust: Es werden uͤberall Gestecket liechter auff im koͤniglichen saal; Man zuͤndet fackeln an/ die schoͤn und helle brennen/ Daß auch die finstre nacht sie uͤberwinden koͤnnen: Als es nun zeit fast war auff-von den mahl-zustehn/ Und jeder wieder heim zu seiner ruh zu gehn; Da ließ die koͤnigin ihr eine schaale geben/ Die schwer vom Edelstein und Golde war zu heben/ Und giessen alle vol/ die Belus/ und hernach Die andern koͤnig all (in massen offt geschach) Sich liessen schencken ein: Wie man nun/ daß ihr wille Zu reden war/ ab sah: Da wird es alles stille/ Da hub sie an und sprach: O Jupiter der du (zu; (wie man uns lehrt) dz recht der gast freundschafft gibst D 3 Laß Das Erste Buch. Laß diesen lieben tag den Tyriern und gaͤsten/ Die zu uns kommen sind von Troja/ und im besten Mit uns erfreuen sich/ geniessen froͤliglich/ Und daß die nachwelt auch wol des erinnre sich. D u freuden geber du/ o bacchus/ sey zu gegen/ Wie auch/ o Juno du/ die du uns aller wegen Mit guaden wohnest bey: Und ihr/ o Tyrier/ Begehet dieses fest in freuden ohn beschwer. Als sie nun diß gesagt/ nimmt sie die volle schaale/ Und schuͤttet auff den tisch nicht viel mit einem mahle Den edlen rebensafft/ und lippert etwas ab/ Hernach dem Bitias gantz aus zutrincken gab/ Und mahnt getrost ihn an/ er solte sich bequemen/ Es waͤr ein reyhe trunck/ den solt er zu sich nehmen/ Er setzet tapffer an/ daß er ihr thu genug/ Und trinckt den becher aus auff einem schmalen zug D as gehet so herumb/ und koͤmmt an andre herren Die sich deßwegens zwar und nach gewohnheit sperren Immittelst aber schlaͤgt Joͤpas auff der harff/ Die war gemacht aus gold und klunge hell und scharff Er spielt/ was Atlas ihm sein lehrer hat gewiesen In edler sternen schau/ die an sich bleibt gepriesen. Er laͤst sie hoͤren an ein lied von sonn und mon/ Wie sie so wunderlich stehn an des himmels thron; Wie sie itzt hin und her/ bald auff-bald niedet steigen/ Wie sie verdunckelt offt an himmel sich erzeigen; Woher die Menschen sind/ wo vieh gekommen her/ Wo regen/ feuer/ wo viel andre dinge mehr. Er Das Erste Buch. Er spielet auch ein lied von sternen/ welche pflegen Im herbst zu gehen auff/ und bringen wind und regen Da sey Arctur wie auch die nassen Hyaden/ Da sey das siebn gestirn: Er gibt auch zu verstehn/ Warumb die tage kurtz im winter/ lang im sommer/ Und was der gleichen mehr zu jagen aus den kummer. Die Tyrer sind noch eins so lustig und erfreut/ D ie Troer folgen nach denselben ungescheut. Es bracht auch Dido zu die gantze nacht mit sorgen/ Mit mancherley gespraͤch/ in welchem sie verborgen Ihr ungeluͤcke trug/ und truncke gleichsam ein D as bitter-suͤsse gifft uud schwere liebes pein. Da hatte sie bald viel von Priamus zu sagen/ Bald von des Hectors tod und leben viel zu fragen ; Bald forschte sie/ wie starck des Memnons zeug und heer/ Und wie vor Troja er bewehrt gewesen waͤr? Bald wil sie wissen auch/ was D iomed fuͤr pferde Und zeug gefuͤhret hat/ wie groß Achilles werde Gehalten: Ob er auch ansehnlich von person/ Und was er sonst fuͤr Ehr und preiß gekriegt davon? Ja (sagte sie ) mein freund/ ich habe zwar vernommen/ Wie daß die Danger in ewer land gekommen. Wolan! erzehl uns doch vom ersten uhrsprung her D er feinde hinterlist/ der deinigen beschwer Und letzten untergang/ wie auch dein langes wandern Und irren hin und her von einem ort zum andern/ Denn/ wie du uns erzehlst/ sinds nunmehr sieben jahr D a du zu land und meer must ziehn durch viel gefahr. D 4 D as Das Andere Buch. Das Andere Buch. S Ie wurden alle still und fertig anzuhoͤren/ Was hievon dieser gast Eneas wuͤrde lehrẽ: Dann ꝛichtet eꝛ sich auf an obeꝛn sitz und oꝛt/ Und fienge folgender gestalt/ an diese wort. Du wilst/ o koͤnigin/ daß ich dir ohn verheelẽ Moͤg alles ungeluͤck von neuen an erzehlen/ Was Troens herrligkeit und hoch gefuͤhrte macht/ Das satt beklagte reich/ herunter hat gebracht; Und was ich selber hab als mitglied dieser armen Fuͤr angst und noht gesehn (wen moͤcht es nicht erbarmẽ/ Wer kan enthalten sich zu lassen eine zaͤhr/ Waͤrs gleich Achill/ waͤrs Pyrrh/ Ulyß uũ andre mehr Wie hart sie im̃er sind ?) die nacht itzt zwar verstreichet/ Und eilet fuͤr sich weg/ der sternen heer erbleichet/ Und rathet uns zu gehn zur sorgen freyen ruh Und schliessen sehnliglich die matten augen zu. Im fall dich aber nun begier und leidmuth ruͤhret/ Wie man ein edles hertz bevorab hieraus spuͤret/ Und daß du unsre noht und unfall wissen wilt/ Wie wol mein siñ und muht darob erschrickt und grillt/ Ja traurens halben sich entzeucht das zuerzehlen/ Was nichts mehr als nur kan des menschẽ hertze qve lẽ; Wil ichs erzehlen doch. Als wir fast lange zeit Gemattet waren ab von schwerem krieg und streit/ Und Das Andere Buch. Und daß der griechen heer ermuͤdet muste weichen Der goͤtter schluß und raht/ und kundte nicht erreichen Das ziel gehabter muͤh nach abfluß vieler Jahr; Da zimmern sie ein pferd/ das wie ein berg groß war Vermittelst pallas kunst: Die rippen sind geschnitten Aus einem tannenbaum. Als sie nun außgestritten Sich liessen sehen an/ da stellen sie sich auch Den Goͤttern ein geluͤbd zu leisten nach gebrauch. Mit angemasstem schein fuͤr gluͤcklich wiederkommen Anheim in Gꝛiechenland. Als sie nun das genommen In ihrem sinne fuͤr; Wird stracks die sache laut/ Und daß ein grosses pferd zum abzug waͤhr erbaut/ In selbtes schliessen sie die allerkuͤhnsten helden/ Die man von tugẽd/ gluͤck und muht muß herrlich meldẽ/ Und stellen es auffs loß/ weil jeder held ohn scheu In diesen zug und kampff wolt gerne seyn darbey. Die lassen sich nur ein-in finstern bauch-verschliessen Mit grosser faͤhrligkeit/ ohn weichliches verdriessen/ Und fuͤllen der gestalt das ungeheure pferd Mit mancherley gewehr mit spiessen schild und schwerd. Ein Eyland ligt nicht weit/ wird Tenedos genennet/ Das man in Griechenland und andern orten kennet An macht und reichthumb groß/ so lange Troja noch Bey Priams lebezeit wuchs schoͤn und maͤchtig hoch. Nun aber ist es nur ein anfurt fuͤr die schiffe/ Nicht aber sicher gnug; Weil manches zwar hin lieffe/ Wurd aber bald zutheil den winden/ bald dem sand/ Auff den es bliebe stehn/ bald mancher raͤuber hand. D 5 Da- Das Andere Buch. Dahinwerts kehren sie verbergend ihre schiffe An diesem wuͤsten port/ zusehn/ ob ihre griffe Itzt gluͤcklich gehen ab. Wir stunden in dem wahn/ Als wehren sie gantz weg und nunmehr kommen an Mit vollem segelwind nach Argos und Mycenen/ Und wuͤrden nimmermehr sich wieder nach uns sehnen: Drumb macht gantz Troja sich von langem kum̃er frey/ Und freut sich wiederumb ohn alle furcht und scheu. Man oͤffnet thuͤr und thor/ man geht hinaus zu sehen/ Wo sonst der feind sein zeug und lager hatte stehen; Man findet alles bloß verlassen wuͤst und oͤd/ Der Haven aller dings ohn mast und segel steht. Hier hatten ihre schantz die Doloper/ hier lagen Achillis schiff und zeug; Hier hat er auff geschlagen Sein lager und gezelt. Hier pflag der ort zu seyn/ Da man sich tapfer schlug und ließ in schlachten ein. Ein theil erstarret fast fuͤr wunder und beschauet D as ungeheure pferd das allda stund erbauet/ Ein schaͤdliches geschenck/ das zum verderb der stadt D ie Pallas/ welche nie kein man erkennet hat/ Den Troern hinterließ/ die sie verderben wolte/ Thymeth mahnt erstlich an/ daß man es fuͤhren solte Gantz in die stadt hinein/ und stellen auff den wall/ Auff daß mans sehen kont zum denckmal uͤberall. Es war entweder list/ wo nicht/ musts doch geschohen/ Und war in Goͤtter raht beschlossen und vorsehen Zur straffe dieser stadt/ die so verblendet war. Der Capys traff es baß erwegend die gefahr Mit Das Andere Buch. Mit andern die ein ding mit besserm grund verstehen/ Und weiter wo es stickt und hafftet/ koͤnnen sehen; Der gab den guten raht/ daß man des feinds geschenck/ Ein sehr verdaͤchtig ding/ ins tieffe meer verfenck; Man koͤnts auch andrer art mit feuer oder eysen Vertilgen/ bohren durch/ ja gar in stuͤcken schmeissen. Der poͤbel rottet sich nach mancher stimm und wahn/ Und meint/ bald dieses sey/ bald jenes wol gethan. Fuͤr allen koͤmmt herbey Laocoon gerennet Vom schlosse/ der von zorn uñ unmuht gleichsam breñet/ D em folgt ein grosser hauff und faͤngt vom weiten an: O armes volck/ wie kommt ihr auff den blinden wahn? Glaͤubt ihr/ der feind sey weg? meint ihr daß solche gabẽ D er Griechen ohn betrug was gutes in sich haben? Kennt ihr Ulyssem so? Wer weiß was er hier heckt/ Ob er die Griechen nicht in dieses holtz versteckt ? Vielleicht ist dieses werck gebauet zu zerbrechen D ie mauren dieser stadt/ und wil der feind sich raͤchen An uns mit solcher list: Es sey auch/ was es sey/ Ihr leute/ trauet nicht dem pferd; Ich trage scheu/ Wenn ich die D anaeer und ihr geschenck betrachte/ Wer ist/ der auff den feind und seine gaben achte? Hiermit stieß er den spieß mit gantzer leibes macht An dieses pferdes bauch/ daß es erschrecklich kracht. D asselb erbebte zwar/ sich aber nicht bewegte/ Noch/ ob er schon noch einst hart daran stiesse/ regte/ Gab in dem hohlen bauch nur einen wiederhall/ D er einem seufftzer war zugleichen nach den schall. Ja Das Andere Buch. Ja wenn die Goͤtter nicht von uns gewichen waͤren/ Und haͤtten unsern sinn nicht lassen so bethoͤren/ So haͤtte dieser mann zu beugen uns vermocht/ Als er an dieses pferd mit seinem spiesse pocht: Daß wir dasselbe holtz flugs haͤtten gantz zerstuͤcket/ So waͤre dieser fund auch ihnen nicht gegluͤcket/ Und stunde Troja noch und Priams herrlich reich/ Das einer wuͤsteney nun ist geworden gleich. Schau mittlerweile bringt das bauervolck gefangen Ein junges blut/ und koͤmmt zum koͤnig hingegángen Mit graͤßlichem geschrey/ der ihnen unbekand Kam wissend in den lauff/ daß er bott huͤlff und hand Den schlauhen Griechen dar in ihren krummen tuͤcken Zu machen ihnen kund/ wenns wuͤrde wol geluͤcken; War ein verwegner bub auff alle saͤttel recht/ Zu uͤben arglist aus/ zu gehen ans gefecht Und toͤdtliche gefahr: Die junge pursche streubet Sich haͤuffig gegen ihn und ihre kurtzweil treibet/ Sie zwackt und placket ihn/ und wers am besten kan/ Denselben halten sie fuͤr einen braven mann. Vernimm nun koͤnigin der Griechen list und raͤncke Und daß sie alle sind/ wie dieser/ bey dir dencke; D enn als er wie bestuͤrtzt und wehrloß siunde da/ Und das so grosse heer der Troer uͤbersah: Brach er in diese wort: ach leider! was fuͤr erde/ (schwerde Welch meer verschlinget mich/ und macht mich vom be- Und diesem ungluͤck loß! was hab ich armer man Zu hoffen/ weil ich nicht zu Argos bleiben kan ; Bin Das Andere Buch. Bin uͤber das verhaßt den Troern/ welche streben Nach meinen untergang/ daß ich mit blut mein leben Sol ihnen geben auff. Als er so klaͤglich that Wurd aller grimm gestillt/ man bot ihm huͤlff und gnad Mit linden worten an/ sie wollen in der guͤte Von ihm berichtet seyn/ wo sein geschlecht/ gebluͤte Und ankunfft ruͤhre her; Er solle sagen frey/ Was er von Griechen bꝛing/ und was sein hoffnung sey/ Als der gefangen kaͤm/ und wes sich zu versehen Er haͤtte bey dem feind/ der ihm wol koͤnte stehen Nach seinem leib und blut ? D rauflegt er frisch und frey D ie furcht hinweg und gab sein antwort ohne schew. Ich wil/ o koͤnig/ nun die sache recht erzaͤhlen/ Und in geringsten nicht die warheit dir verheelen/ Es mag mir gehn/ wies wil: D aß ich ein Grieche bin/ D as wil ich laͤugnen nicht/ das halt ich fuͤr gewinn D ie warheit zugestehn: Denn ob zwar das geluͤcke Dem S ino (so heiß ich) laͤst merckẽ seine tuͤcke/ (mehr/ Und macht mich arm und schlecht/ sol michs doch nim̃er- Wenns gleich entgegen mir noch einst so grimmig waͤr/ Zum buben machen auch/ daß ich mit schnoͤden luͤgen D ir solte gehen fuͤr und deinen sinn betriegen ; D erhalben so dir je gekommen zu gehoͤr D er name Palamed und dessen ruhm und ehr/ D ie weit und breit erschallt; den die Pelaer haben Beschuldigt/ samb haͤtt er gestohlen und vergraben Ein grosses stuͤcke gold: Und das geschach aus haß Und falscher aufflag/ weil er gern in friede saß D en Das Andere Buch. Den warffen sie zu tod: Nun da er seines lebens Beraubet/ trauren sie und klagen ihn vergebens. Weil selbteꝛ miꝛ nun waꝛ mit blutfꝛeundschaft verwand Gab mich mein vater ihm/ daß ich ihm ging zur hand/ Und mit ihm zog in krieg: denn ich war jung von jahren; Mein vater aber war fast arm und muste sparen/ Kunt mich mit roß und zeug zum krieg nicht ruͤsten aus/ Und muste seyn besorgt fuͤr sein selbst eigen hauß. Wie lange Palamed das regiment nun fuͤhrte Und ihn kein ungeluͤck kein feind noch unheil ruͤhrte/ Da raht und weißheit galt/ und gieng durchs gantze land Da fuͤhrten beyde wir auch einen guten siand Mit adel/ ruhm und ehr. Als nun mein lieber vetter Mir durch den tod ging ab/ mein heil und besier retter Durch unverdienten haß des falschen Griechen dort ( D er nam und that ist kund) gesteinigt nnd ermordt? D a must ich meine zeit mit trauren klaͤglich fuͤhren/ Und kunte nichts/ als leid an allen orten spuͤren: Ich wurd in meinem sinn ergrimmet bitterlich Von wegen dieses falls des freundes welchen ich Sah sterbẽ ohne schuld: doch schwieg ich auch nicht stille/ Gleich wie ein tummer klotz ; es war mein ernster wille ; Haͤtt mir das gluͤck gefugt/ daß ich nach wuntsch und sinn Nach Argos wiederumb gekommen waͤre hin Als ich ihm rache dreut/ hab ich nur nichts als schaden D urch hartes wort gezaͤnck und ungluͤck auffgeladen: Deßwegen kam mir erst all angst und uͤbel her Bald schreckt Ulysses mich mit klagen mehr und mehr: Bald Das Andere Buch. Bald streut er reden aus/ die zweiffel hafftig waren/ In den gemeinen man und wolte nur erfahren/ Ob mir auch andre feind: D enn er war ihm bewust Nichts redlichs/ das ihm haͤtt gemacht begier und lust/ Mit mir was oͤffentlich fuͤrm richter anzufangen/ Er kunte ruhen nicht/ bis Calchas kam gegangen/ Den er zu seinem dienst: Was denck ich aber hier/ Daß ich verhasste ding umbsonst so bringe fuͤr ? Was sol ich sagen viel ? Wenn ihr von allen Griechen Nichts haltet nach der reyh/ kan ich mich nicht verkriechẽ/ Weil ich auch einer bin. D iß sey genung gesagt/ Was ihr gehoͤret habt: Wo fern euchs nun behagt/ So fuͤhrt auffs ehste mich/ und nehmet mir das leben: Es mag Ulisses wol ein grosses geld drumb geben/ Wie Agamemnon auch/ nicht minder Menelaus. D arauff treibt uns begier zu fragen schaͤrffer aus Die ursach fug und weg: denn wir nicht wissen mochten Umb solches bubenstuͤck/ und was die Griechen fochten: Da faͤhrt er furchtsam fort/ und sagt aus falscher brust: Es ist zwar etlichmal den Griechen eine lust Ankommen abzuziehn und Troja zu verlassen/ Weil sie durch langen krieg ermuͤdet zaghafft sassen: Ach wolte wolte Gott/ sie haͤtten diß gethan ; ( D och hielt sie mancher sturm und ungewitter an) Da sie itzt wolten fort und segelfertig lagen/ schreckt sie der wind stets ab/ daß sies nicht dorfftẽ wagẽ; Bevorab da schon stund das hoͤltzern pferd gebaut/ Er hub sich solcher sturm/ daß mir zusagen graut. Wir Das Andere Buch. Wir wurdẽ theils beklem̃t mit hoffnung/ theils mit zagẽ/ Wir schicken Eurypil den Febus zu befragen/ Der bringet zum bescheid uns diese wenig wort: Als ihr aus Griechenland nach Troja zoget fort Habt ihr ein opffer bracht den ungestuͤmmen winden; Wollt ihr nun wiederumb zur heimkunfft wetter finden/ Muͤßt ihr von Griechen auch ein opffer bringen dar; Aͤls nun diß maͤnniglich zu ohren kommen war/ D a wurden sie bestuͤrtzt/ daß sie fuͤr furcht erstarrten. Sie sahen gantz erblaßt einander an und harrten/ Wem dieses gelten wuͤrd auff goͤttlichen Bericht/ Und wer der wuͤrde seyn/ von dem Apollo spricht. Da zeucht Ulyß zu sich den Calchas in die mitten/ Und haͤlt beym selben an mit ungestuͤmen bitten Bey maͤchtigen gelaͤuff/ er solte thun bericht Wer diese Gottheit sey/ die von dem opffer spricht: Hier waren ihrer viel die von Ulyssens tuͤcken Verkuͤndigten zuvor und seine grimme stuͤcken Mir machten treulich kund : sie machten nicht viel wort/ Und sahen wol/ daß es lieff aus auff einen mord. Zwar Calchas der prophet hielt sich ein zehen tage In seinem losament/ damit er ohne plage Des volckes ruhete ; Immittelst schwieg er still Und war bey ihm gefaßt der unbewegte will Und meynung/ keinen je zum opffer zu benennen/ D aß er fuͤr sich den tod wolt einem menschen goͤnnen: Bis endlich ihn Ulyßs mit poltern und geschrey/ Wie es war angelegt/ betaͤubet/ daß er frey Tritt Das Andere Buch. Tritt auff und loͤst den mund: Es liessen sich gefallen D ie Goͤtter/ daß man mich fuͤr andern Griechen allen Zum altar widmete: S ie stimmten ihm stracks bey/ Und was selbst jedem bracht ins hertze furcht und scheu/ Das schoben sie auff mich allein; Ich solte sterben: Es kam der boͤse tag herbey/ da das verderben Mir zugerichtet war: D a war schon bey der hand D as opffer zeug/ saltz/ korn und priesterlich gewand: Man bande mir uͤmbs haubt gebraͤuchlich eine binde/ Das leben war mir lieb: Ich risse mich geschwinde ( D ie warheit zugestehn) aus eusserster gefahr/ Des todes/ da mirs nur zu thun umbs leben war. Ich war von banden loß/ must aber fuͤr die Griechen Bey nacht in roͤhricht mich und tieffen schlam̃ verkriechẽ/ So lange bis sie sich begaben auff das meer/ Und ich zwar so entging der toͤdtlichen beschwer. Jedennoch muß ich nun der hoffnung seyn beraubet/ D aß mir mein vaterland zu sehen nicht erlaubet Von strengen Goͤttern ist. Mein vater lebet noch Und meine Kinderlein/ und kan zu ihnen doch Nicht kom̃en wiedeꝛum ; wer weiß/ woꝛnach nun tꝛachtet Der grimme feind/ ob er nicht meine kinder schlachtet Und schleppt den vater bey den grauen haaren hin Zum blutigen altar/ weil ich entlauffen bin/ Und die gemeine schuld durch armer blut vergiessen Bey ihrer Goͤtter schaar so dencken aus zubuͤssen. Derhalben bitt ich dich bey dem gerechten Gott/ Der umb die warheit weiß und straffet hohn und spott/ E Ich Das Andere Buch. Ich bitt dich umb die treu/ so sie noch ist zu finden Bey menschen unbefleckt/ laß mich nicht also binden O koͤnig/ sieh doch an mein elend noht und stand/ D ieweil mein unschuld ist dem hoͤchsten Gott bekand. Als er nun dergestalt sehr klaͤglich thut und weinet/ War keiner von uns ders nicht hertzlich mit ihm meinet/ Wir schencken/ was er ihm am liebsten laͤsset seyn D as leben ; Priamus stimmt selber mit uns ein Und thut befehl/ daß man ihn mache frey von bande/ Spꝛicht ihm gaꝛ fꝛeundlich zu: du magst aus welchẽ lan- Du wollest/ kommen her und seyn auch werdu bist/ (de Vergiß der Griechen nur/ und alles was dir ist Begegnet/ bleibe stets der unser und bekenne D ie warheit rund und schlecht. Wolan nu lieber nenne Mir/ der ich frage/ den/ der dieses pferd gebaut/ D as jedermaͤnniglich mit wunderung beschaut ? Worzu ist angesehn die ungeheure schwere ? Was suchen sie damit? soll andacht/ furcht und ehre Der Goͤtter seyn gemeint? solls seyn ein kriegs geschuͤtz? Wo nicht/ kans etwan seyn uns zu was anders nuͤtz? Da hube Sinon auff/ der alles hat ertichtet/ Der von den Griechen war mit arglist abgerichtet/ Sein auffgelegte haͤnd empor zum Goͤtter sitz: Ihr ewgen flaͤmmelein/ ihr sterne die dem plitz Am glantze gehet fuͤr: Ich ruff euch an zu zeugen Und euren Gott (sagt er) des macht kan alles beugen/ Die keiner ungestrafft beleidigt/ ich beschwer Euch altar und dich schwerdt/ das uͤmb mich blinckte her Mit Das Andere Buch. Mit greulicher gestalt/ dem ich so must entweichen/ Ich ruff dich/ heilger schmuck/ der Goͤtter an in gleichẽ/ Den ich getragen hab als opffer fuͤrm altar/ Vergoͤnnet/ daß ich mich entwircke gantz uud gar Von Eydschwur/ dẽ ich hab den Griechẽ muͤssen schwerẽ ; Laßt mich doch allen haß auff diese feinde kehren/ Und alles bringen aus an klaren sonnenschein/ Was sie gern wollen/ daß es sol verborgen seyn. Ich bin dem vaterland/ das sich an meinen wunden Und tod ergetzen wil/ mit nichten mehr verbunden: Ich bitte/ Troja nur/ halt dein versprechnuͤß mir/ Und dencke deine treu zu halten fuͤr und fuͤr/ Weil du erhalten bist: Ich wil dir grosse sachen/ D ie dir zu fernern heil gereichen/ kundbar machen/ Und was du grosses mir geschenckt hast aus genad/ Wil ich mit groͤsserm fleiß vergelten in der that. D er Griechen gantzes heil/ ihr hoffnung und vertrauen Des angefangnen kriegs/ darauff sie knnten bauen Ihr gluͤck/ war Pallas huͤlff und beystand jederzeit. Als aber Diomed aus Gotts vergessenheit/ Mit dem Ulyssen sich/ dem seind der tugend staͤrcke/ Erfinder aller tuͤck und spinner boͤser wercke/ Zum tempel nehmen fuͤr der Goͤttin heilges bild Zu rauben/ da sie sich so grausam roh und wild Bezeigten/ und die wacht der burg in stuͤcken hieben/ Und an das heiligthumb solch buben stuͤck zu uͤben/ Mit blut befleckter hand nicht trugen furcht und scheu/ Von dem an stunde sie den Griechen nicht mehr bey. E 2 All Das Andere Buch. All hoffnung gieng zuruͤck. Es wolte nichts gerahten/ Es sancke muht und faust in uͤbung tapffrer thaten ; D ie Goͤttin wandte gantz von ihnen ihren sinn/ Und ließ sie zeichen sehn/ die alle sahen hin Auff ihren undergang mit scheinbaren gemercken: Sie hatten kaum das bild bey ihren krieges wercken Im lager hin gesetzt; Da sahe man als bald/ Was aus dem Augen liecht die goͤttliche gewalt Fuͤr flammen brennen ließ: Es flosse durch die glieder Ein saltz benetzter schweiß/ es regt sich auff und nieder Von bodem etlich mal: Das bild sah aus/ wies lebt/ Trug schild und lantze/ die erschrecklich dreut und bebt. Stracks rahtet Calchas ein/ man solte sich zu ruͤcke Begeben wieder heim/ man haͤtte kein geluͤcke/ Die Griechen koͤnten nicht eroͤbern Troens stadt/ Wo sie nicht wiederumb zu Argos hohlten raht Und Goͤttlichen bericht/ umb wieder zu versoͤhnen D ie Goͤttin/ die sich sonst nicht ungestrafft laͤst hoͤhnen; Mann haͤtte sie verletzt/ weil man von heilger stett Ihr hoch geheilgtes bild und schild geraubet haͤtt; Und uͤbers meer gefuͤhrt ; Und weil sie gen Mycenen Mit gluͤck gekommen sind/ so werden sie sich sehnen Bald wieder hier zu seyn mit ihrer waffen trutz/ Der neuen Goͤttin gleit und angenommnen schutz. So that der Calchas auff den mund zu prophezeyen/ Und lehrte/ was man haͤtt in kuͤnfftig noch zu scheuen; Da haben sie an statt der Pallas/ die verletzt/ Diß pferd/ zu suͤhnen aus die missethat/ gesetzt. Das Das Andere Buch. Das aber Calchas hat das werck erbauen lassen So hoch und ungeheur fast uͤber alle massen/ Das hat er drumb gethan/ dz mans nicht durch die pfort Koͤnt fuͤhren in die stadt und weiter ruͤcken fort/ Noch daß das volck zu ihm sich moͤchte schutz versehen/ Wie ehmals war mit gluͤck nach ihren wahn geschehen; Sonst so ihr ans geschenck der Pallas legtet hand So wuͤrd es schrecklich stehn umb euer heil und land; (Die Goͤtter wollen diß auff Calchas selber wenden;) Naͤhmt ihr es aber an mit angenehmen haͤnden/ So wuͤrdet ihr mit gluͤck und siegesreicher pracht Selbst Argos uͤberziehen und brechen ihre macht/ Und dieses ungeluͤck und gaͤntzliche verheeren Wuͤrd unseres geschlecht und kindeskind beschweren. So uͤberschwatzte sie der schlimme boͤsewicht Mit listigem betrug und falschen threngeticht. Es kamen tausent schiff aus Griechenland gefahren Und kunten dennoch nicht bey zehen gantzer jahren Bezwingen diese stadt: Tydides und Achill Sind kaͤmpff- und schlachtẽs muͤd und muͤssen haltẽ still. Der Sinon nur allein ein eintzler man hat koͤnnen Durch wunder arge list dieselbige gewinnen/ Schau! hierbey siehet man ein grosses schreckebild Und ungeheuer ding/ das sinn und augen fuͤllt Mit unvorsehner scheu. Laocoon/ den man wehlte Zum priester dem Neptun durchs loß und heilig zehlte/ Schlug einen ochsen tod/ der groß und schrecklich war/ Nach jaͤhrlichem gebrauch und saͤtzung beym altar; E 3 Da Das Andere Buch. D a kommen von Tened durchs stille meer (mir grauet Wenn ichs erzehlen sol) zwo schlangen/ die man schauet Mit uͤber grossen schling und zuͤgen auff dem meer Zugleich bis ans gestad geschossen schrecklich her. Man sahe/ wie sie sich mit gantzem leibe reckten Wie sie her aus der fluht die langen haͤlse streckten Die kroͤnlein funckelten/ her-aus dem wasser-fuͤr/ Und gleichten dem rubin an seiner rohten zier. Das andre theil wird nach geschlepptin meeres saltze/ Sie kruͤmmen ihren balck mit graͤßliehem gewaltze/ Man hoͤret ein geplatsch in saltz geschaumten meer/ Sie hatten itzt das feld erlaͤngt und krachen her. Die Augen roht wie blut und feuer gleichsam plitzten/ Sie machtẽ ein gezisch/ und gifftschaum von sich spruͤtztẽ; S ie fipperten zu gleich mit drey gespitzter zung: Wir raffen uus alsbald davon mit einem schwung Erstaunet und erstarrt durch diese beyde drachen/ D ie uns das hertze bang/ die fuͤsse lauffen machen/ Sie fahren grausam her und drehn sich in die kruͤmm Auff den Laocoon zu mit grossem ungeftuͤm/ Und winden sich vorerst umb seine beyde kinder/ D ie beissen sie zu tod und schlingen sie dahinder Nach diesen machen sie sich an den vater risch/ Der seinen helffen wolt und sich eezeigte frisch. Mit seinem schild und schwerd; ihn aber doch ergreiffen Und dichte schlingen ein mit ihren grossen schweiffen; Sie flechten sich umb leib/ sie fallen umb die kehl/ Und aͤngsten ihn so hart bis auff den grund der seel/ E 4 Stehn Das Andere Buch. Stehn aufrecht und empor mit gantzem kopff und nackẽ Nicht aber lassend ihn zu druͤcken und zu placken: Er aber wehret sich und sparet keine muͤh/ Wie er mit faͤusten ab-den schlangen knoten-zieh. D a wird sein haupt und schmuck mit schwartzem gifft uñ bespruͤtzt/ da hebt er an mit schreckẽ vollem schalle (galle Ein hefftiges geschrey/ davon die lufft erfuͤllt/ Nicht anders als ein ochs/ der uͤber schrecklich bruͤllt/ Der vom altare laufft verwundt/ so er vom beile Nicht recht getroffen ist: Die drachen mittlerweile Entfliehn in die Capel der Pallas/ die der stadt Und buͤrgern in gemein sehr offt gedreuet hat. Sie kriechen gar auffs schloß zur Goͤttin grossen bilde Zu dero fuͤssen hin/ und lauschen hindern schilde: Darauff koͤmmet alle leut ein ander schrecken an; Es hat Laocoon (urtheilet jederman) D ie straffe wol verdient: Er haͤtte seine schantze Und ampt nicht recht bedacht/ dieweil er mit der lantze D as heilge holtz verletzt und den verfluchten spieß/ D en er zur unzeit braucht/ den pferd in ruͤcken stieß. Sie schreyn aus einem mund/ man solte zum exempel D er ehrerbietigkeit das pferd in Pallas Tempel Zu fuͤhren seyn bedacht/ und an der heilgen staͤtt D ie Goͤttliche gewalt anflehen mit gebaͤt. Wir brechen ab das thor/ auff daß wirs moͤgen bringen Gar in die stadt hinein: Man sieht/ wie sie sich dringen/ Zur fort-huͤlff dieses werck/ man ruͤstet sich darzu/ Wie man der Goͤttin recht und nach genuͤgen thu. Es Das Andere Buch. Es werden waltzen angemacht ans pferdes fuͤsse/ Damit sichs desto baß und leichter ruͤcken liesse; Man wirfft ihm umb dẽ halß ein haͤnffin starckes seil: D a spannen sie sich an und schiebens fort in eil. Es steigt das wunderpferd von Goͤttern so vorsehen Den wall und mauren auff/ kan kaum fuͤr schwere gehen/ Weils solche grosse last an man und waffen traͤgt; Es tantzet/ singt und springt vor ihm/ her was sich regt An knab- und maͤgdelein. Sie freyen sich zu greiffen Ans seil/ und dieses thier den wall hinauff zu schleiffen: Es kommet gar hinauff und dreut von oben her Der stadt dem ansehn nach groß ungluͤck und beschwer O vaterland! o hauß! o burg der grossen Goͤtter! O kriegs beruͤhmte stadt der Troer! welcher retter Wird euch nun stehen bey/ weil ihr/ gestalt ihr solt/ Zur abkehr eurer noht nicht selbst auch helffen wolt. Es stunde viermal still gleich an des thores schwelle/ Eh man es kuͤmmerlich bracht an begehrte stelle: Ich wil noch sagen mehr; Man hoͤrte vielmal auch/ Nicht einen dunckeln schall der waffen in dem bauch; Und gleichwol sind wir doch fast unser gantz vergessen/ Ja mit verblendem sinn und thummheit gar besessen/ In dem wir fahren fort mit thoͤrichter begier Und setzen auff die burg diß ungeheure thier ; Auch laͤßt Cassandra sich heraus und propheceyet Aus Goͤttlichem befehl/ vergebens! niemand scheuet Von Troern/ was sie dreut: Sie gleuben dieses nicht/ Was man von kuͤnfftigem beschwer singt oder spricht. Wir Das Andere Buch. Wir armen leute gehn von tempel unsrer Goͤtter Und stecken auff zur zier begruͤnte zweig und blaͤtter Zu feyren diesen tag mit jauchtzendem geschrey/ Und niemand weiß noch denckt/ daß diß der letzte sey. Immittelst koͤmmt die nacht/ die meer und himmel fuͤllet Ja alles/ auch die list der Griechen gleichsam huͤllet In dicke finsternuͤß. Die Troer strecken sich In haͤusern hier und da und schlaffen ruhiglich. Da koͤmmt bey hellem mon der Griechen heer gefahren Mit vollem segel wind/ da sie zu Tened waren Gelegen etwas still/ und eilten zu den ort/ D en sie gebrauchet bey zehn jahr zu ihrem port; Das koͤnigliche schiff steckt auff ein feuerzeichen/ Da kunte Sinon bald der Griechen sinn erreichen/ Der zum verderb der stadt durch goͤttliches vorsehn Und raht dem eigenen verderben must entgehn. D erhalben wie er spuͤrt/ es sey nun alles wille/ Schleicht er fein sachte hin/ und oͤffnet in der stille Das thuͤrlein an dem Pferd; Dasselbe gibt herfuͤr Aus seinem holen bauch der helden kern und zier? Sie lassen sich herab an einem langen seile Und nehmen zu der hand spieß/ lantzen/ schild und pfeile: Darunter ist Ulys/ Thersander/ Athamas/ Machaon/ Steneleus/ Pyrrh/ Thoas/ Menelas/ Und der so kluge kopff Epeus/ der gebauet Hat dieses grosse pferd/ auch andre/ wie man trauet/ Wol uͤber viertzig noch. Da greiffen sie gantz toll Die stadt mit stuͤrmen an/ die schlaff und weines voll E 5 Be- Das Andere Buch. Begraben gleichsam ligt: S ie kommen an die wachten. Die auff das pferd bestellt/ die sie erst nieder machten. D a oͤffnen sie ein thor und lassen alles ein/ Was ihnen kan und mag zum beystand dienlich seyn. Es war die zeit/ da sich die armen menschen laben An erst empfundner ruh des hoͤchsten suͤsse gaben; D a koͤmmt im schlaffe mir fuͤr augen Hectors bild Das/ wie es schiene/ war von trauren gantz erfuͤllt. Er weinte bitterlich/ und kam mir fuͤr gar eben/ Wie ehmals/ da er auff-sein leben muste-geben Erschlagen von Achill/ da er ihm durch die fuͤß/ Als er ihn schon getoͤdt/ ein seil noch ziehen ließ/ Und schlept ihn etlichmal herumb an siegeswagen In staub und blut geseilt. Was sol ich leider sagen? Wie sah er damals aus ? wie war er ihm nicht gleich Der tapffre Hector mehr/ als er an kriegszeug reich/ Den er Patroclo nam/ kam siegreich hergefahren; Auch da der Griechen schiff von ihm mit feuer waren In grim̃en brand gesteckt: sein bart war noch beschmutzt/ Und sein schoͤn maͤnnlich haar/ das zieꝛlich sonst geputzt/ War mit geliefertem gebluͤte gantz verstellet/ Man sahe/ da er war von seinem feind gefaͤllet/ Die striem- und wunden noch/ die er mit grosser zahl Getoͤdtet noch bekam geschleppet umb den wall. Mich duͤncket/ wie ich selbst mit thraͤn-genetzten wangen Und Jammer-stimme kam zu diesen man gegangen/ Und sprach ihm also zu: O liecht der Dardaner. O Trojens hoffnungs trost! o starcker schild und wehr ! Was Das Andere Buch. Was ist im wege dir fuͤr hindernuͤß gestanden ? Ey Hector/ wannenher koͤnunst du? aus welchen landeu Erwartet aͤngstiglich? Wie sehen wir an dir Nach so viel noht und tod der deinen schlechte zier ! Die wir ermuͤdet sind nach so viel muͤh und plagen/ Die deydes diese stadt und menschen musten tragen : Aus was fuͤr ursach ist dein klares angesicht? Und fchoͤne leibsgestalt so haͤßlich zugericht Was wunden seh ich hier? Er wil auff meine fragen. Als waͤr es unnuͤtz ding/ kein einig woͤrtlein sagen. Er seufftzet nur und sagt: Ach fleuch du Goͤtter sohn/ Aus dieser feuersbrunst ! der feind hat Troja schon. Itzt gehet sie zu grund! man kan nichts mehres schaffen/ Man hat dem Priamo genung mit raht und waffen Gegriffen unterm arm. Koͤnnt Troja seyn beschuͤtzt Durch jemands raht und huͤlff/ so haͤtt ich ihr genuͤtzt D urch diese treue hand/ daß sie verwahret waͤhre Geblieben fuͤr dem feind. Nimm dich des landes ehre Und heiligthumb nun an. Dein Troja sich vertraut Zu deinem schutz und nur auff deine huͤlffe schaut. Nimm zu gefaͤhrten mit und schutz der selben Goͤtter Und such ein ander stadt: sie werden dein erretter In allen noͤhten seyn: Wenn du nach zwanzig jahr Auff ungestuͤmmen meer durch mancherley gefahr Wirst haben aus geirrt. Dann wirstu gluͤcklich bauen Zum denckmal eine stadt/ daran du moͤgest schauen Dein herrligkeit und lust. Hiermit bracht er herfuͤr Aus innerster Capel der Goͤttin vestae zier/ Die Das Andere Buch. Die weit und breit regiert/ wie auch ihr ewges feuer/ Der Pallas heiligthumb/ geraͤthe/ zeug und schleyer. Immittelst geht es bunt an allen ecken her/ Da hoͤrt man in der stadt/ wie alles zaget sehr. Es nimmet uͤberhand der menschen jammerschlagen/ Es schallet mehr und mehr in ohren weh und klagen/ Es bricht herein der schall der grimmen waffen schon: Zwar meines vaters hauß ligt etwas weit davon. Ich fahr aus tieffem schlaff und werde dessen innen/ Ich steige gar hinauff bis an die hoͤchste zinnen Und giebel unsers dachs; Ich steh und reck das ohr Gleich wie ein bauersmann auff einem berg empor/ Im fall ein feuer brennt bey starcker winde sausen In aͤhren/ oder koͤmmt ein strom mit grimmen brausen/ Der von dem berge scheust/ und uͤberschwemmt die saat/ Darauff der ackersman sein hoffnung froͤlich hat Gebaut mit muͤh und schweiß: eꝛ sieht besturtzt die felder/ Wie sie zu grunde gehn/ und wie der sturm die waͤlder Verderbt/ und niederreist die baͤume groß und klein. Nicht anders kunte mir damahls zu muhte seyn. Da kommt uns in die hand der glaube/ da erhellet D er Griechen listigkeit/ worauff sie es gestellet/ Theiphobs hohes hauß faͤllt nieder/ daß es kracht/ Weil niemand wehren kan der grimmen feuersmacht. Itzt breñt des nachbars Hauß: der seeport uñ die schantze Sind weit und breit erfuͤllt von dieser flammen glantze. Man schreyet uͤberall/ es thoͤnet die Trompet; Ich greiffe zum gewehr/ weiß fast nicht wo mir steht Der Das Andere Buch. Der kopff in dem tumult. Doch koͤñen wehr und waffen/ Wie man erachtẽ kan/ in solchem sturm nichts schaffen. Doch gleichwol bring ich auff die voͤlcker zu dem streit/ Und bin mit meiner bursch zu gehn auffs schloß bereit. Der tolle grimm und zorn pflegt gutes nie zu schaffen. Es koͤmmt mich an die lust zusterben in den waffen Mit ritterlichem ruhm. Schau! da koͤm̃t eben Panth/ Des Febus priester/ der da bey sich bey der hand Das heilige geraͤht und uͤberwundne Goͤtter Mit grossem schrecken trug in solchem krieges wetter/ Er fuͤhret bey der hand des Hectors kleinen sohn/ Und koͤmmet lebendig mit gnauer noht davon. Da laͤufft er in das hauß Eneens/ kan nichts sprechen Weil ihm die rede wil fuͤr tummer furcht gebrechen: Eneas fraget ihn: Wie stehts umb uns/ o Panth/ Waß fuͤr ein schloß und burg ergreiffen wir zur hand Weil du von dort koͤm̃st her? wie werdẽ wir uns schuͤtzẽ? Was fuͤr ein ort wird uns zu unsrer rettung nuͤtzen? Ich hatts kaum außgesagt/ da faͤngt er seufftzend an: Es koͤmmt der letzte tag/ da niemand lauffen kan. Der tod/ die zeit/ das joch undt ringende verderben Koͤmmt Trojen auff den halß/ wir muͤssen alle sterben. Es ist nun aus mit uns! Mie Troja ists geschehn! Der Troer herrligkeit muß nun zu grunde gehn. Der boͤse Jupiter wil ansehn/ gluͤck/ vermoͤgen Und alle herrligkeit verruͤcken und verlegen Nach Argos: Schaue nur der Griechen regiment/ Wie sie mit Schwerdt und feur regieren aller end. Itzt Das Andere Buch. Itzt steigen aus dem pferd/ das wir herein genommen/ Viel krieger/ die zu uns so listig sind gekomuten; D er leichte Sinon/ dem sein schlauhes thun und list Mit unserm untergang so angegangen ist/ Frolockt nun uͤber uns/ und laͤufft in allen ecken Herumb mit seiner rott die stadt in brand zu stecken; Es dringt der helle hauff zu allen thoren ein/ So viel ihr von Mycen gekommen moͤgen seyn. Die engen gassen sind vom feinde gantz verleget Es steht das krieges volck in ordnung unbeweget Mit blinckendem gewehr zuschlachten grimmiglich; Die wachten/ welche stehn zu foͤderst/ wehren sich/ Und wiederstehen kaum mit klaͤglichem gefechte mit blindem leꝛm uñ kampff. Da schik ich mich zu ꝛechte/ Als Panth diß brachte fuͤr/ und lauff in rasenheit Und trieb der Goͤtter hin/ wo schlacht und harter streit Am dicksten pflegt zu seyn/ durch feuer und durch spiesse Wohin mich der tumult/ und schreyen lauffen hiesse/ Es schlaͤgt sich zu mir Ripheus/ Iphit/ Hypan Und D ym bey mondenschein: es koͤm̃t auch auf den plan Chor æ b/ der ohn gefehr gleich umb dieselben tage Nach Troja kommen war entzuͤndet von der plage Der tollen liebessucht. In dem er lieb gewann Cassandra/ und zum pfand dem koͤnig wehr und mann Zur huͤlffe bꝛachte mit/ trug froͤlich die gebaͤrden/ Und hofft in kurtzer zeit sein tochterman zu werden. O ungluͤckhaffter mensch/ der fuͤr der prophecey D er nonnen seiner braut nicht wolte tragen scheu/ Der Das Andere Buch. D er vor-von ihr-gewarnt/ wo er nicht wuͤrde ziehen Aus Troja/ wuͤrd er nicht den grimmen tod entfliehen/ Nicht folgte diesem raht. Als ich nun diese pursch/ Die dichte stund herumb/ auffs gnawste wol erforsch/ Daß sie zum widerstand und streit sich wolten wagen ; Hub ich des wegen an zu ihnen so zu sagen: O juͤngling/ euer mnht ist mir gar wol gekandt/ Ihr sehet/ wie es ist mit unserm gluͤck bewandt Und daß die Goͤtter uns durch deren huͤlff und gaben Diß reich noch stunde fest/ verlassen gaͤntzlich haben; Sie sind gewichen ab von tempel und altar/ Wir aber sticken nun im eusserster gefahr. Ihr unterwindet euch vergebens beyzuspringen D er angesteckten stadt: wolt ihr euch mit mir dringen Immitten durch den feind mit edler rach-begier Zuwagen leib und blut/ so gehet stracks mit mir. Es muß gefochten seyn/ kein mittel ist vor handen D en feinden zuentfliehn und ihrer schmach und banden. Ein uͤberwundner man hat diesen trost allein Daß ihm kein hoffnung laͤst der sieger uͤbrig seyn. D erhalben schlaͤgt er drauff/ und wil mit freyheit sterbẽ Als ohne freyheit ihm das leben bloß erwerben: Auff solche weiß ergrimmt der pursche sinn und muht/ Und eben/ wie die schaar der raͤuber woͤlffe thut/ Die in der finstern dufft/ wenn sie der hunger jaget Mit blinder wuͤtigkeit/ und ihr gedaͤrme naget/ Dem raube gehen nach; da warten mit begier Und aus gedoͤrrtem schlund die jungen fuͤr und fuͤr Wir Das Andere Buch. Wiꝛ gehn duꝛch pfeil uñ feind/ sind vollẽds dran zustꝛeckẽ Entschlossen unsre haut/ und lassen keinen schrecken Vom tod uns jagen ein/ den wir fuͤr augen sehn/ Und koͤnnen ohne das demselben nicht entgehn. Was sollen wir den feind umbs blosse leben bitten/ Wir ziehen mitten durch die stadt mit gleichen schritten. Wer kan erzehlen nun/ was in derselben nacht Fuͤr blut vergiefsen/ mord und wuͤrgen ist verbracht/ Wer kan durch redenheit beschreiben alle leichen ? Wer kan mit zaͤhren doch die muͤh und noht erreichen ? Die alte schoͤne stadt/ die so viel jahr regiert Wird in den grund zerstoͤrt/ und nichts als jam̃er spuͤrt. Viel unbewehrtes volck muß unbeklagter massen Von feinden hier und da sich nieder hauen lassen : Die strassen sind erfuͤllt mit leichnam blut und mord/ Das rohe wuͤrgeschwerdt faͤhrt unersaͤttiget fvrt Durch hauß und kirchen her/ in welchen weib und kinder geschlachtet wurden ab/ nicht anders/ als die rinder. Es fallen aber nicht die Troer nur allein/ Und muͤssen grimmiglich dem tod ein opffer seyn: Es koͤmmt zuweilen auch die tugend denen wieder Ins hertze/ welche fast zu boden lagen nieder/ Es bleibẽ gleichfalls auch viel Griechen auff dem plan/ D ie neulich schwungen schon die stoltze siegesfahn. Mann hoͤret uͤberall ein lautes jammerschlagen/ Man siehet hier und da viel tausend menschen zagen: D es Todes ungestalt und greulich schreckebild Mit einfall brand und mord die gantze stadt erfuͤllt. An- Das Andere Buch. Androgeos koͤmmt uns von Griechen erst entgegen/ haͤlt uns fuͤr freundes volck/ und wil zum streit uns regẽ: Ihr bruͤder saget er/ fort fort/ was zaudert ihr? Die andern tragen weg das gantze Troja schier: Ein jeder siehet nur/ wie er sich kan beraffen; Ihr aber kommet erst vom meer/ und wolt noch gaffen. Als sie ihm gaben nun kuͤhl antwort und bescheid/ Da wurd ihn also bald sein toller fuͤrwitz leid Und kunte mercken leicht/ daß es die feinde waren: Er wird bestuͤrtzt und laͤßt kein einig wort mehr fahren/ Zeucht maul und fuß zu ruͤck/ gleich einem/ welcher tritt Auff eine schlang im strauch mit unversehnem schritt. Und wenn ers wird gewar/ zu ruͤcke ploͤtzlich fliehet/ Die er/ wie sie mit zorn und gifft auffschwillet/ siehet/ So/ als Androgeos sich unter feinden sieht/ Koͤmmt ihn entsetzen an/ daß er zuruͤcke flieht. Wir dringen auff sie zu und sind auff allen seiten Mit feindes volck uͤmringt; Da geht erst an das streiten ; Theils feinde wissen nicht des orts Gelegenheit/ Theils sind genommen ein mit schnoͤder furchtsamkeit/ Wir schlagen alles tod. Das gluͤck ist uns gewogen Bey erst versuchter muͤh! da koͤmmet als geflogen Choraeb aus stoltzem muht und uͤberhebt sich sehr Des wenigen geluͤcks. Ihr bruder (saget er) Laßt uns so unser gluͤck gebrauchen/ weil wir koͤnnen/ Es zeigt uns diesen weg und wil uns gutes goͤnnen: Laßt uns der Griechen schild und wappen nehmen an/ Ich weiß/ es wird der tausch nicht uͤbel seyn gehtan. F Ob Das Andere Buch. Ob tugend oder list man brauchen sol im kriege Wer fraget was darnach ? weñ man mit gluͤck und siege Nur tilget seinen feind ; Sie geben zeug und wehr Uns selber zu den ranck. Was koͤnnen wir sonst mehr? D a nimmt er stracks den helm Androgens mit der feder Und setzt denselben auff/ zeucht an sein gelbes leder/ Und nimmt den schild zur hand/ und guͤrtet an die seit. Ein kriegisch schweꝛdt/ und macht sich feꝛtig zu dem stꝛeit Das thun ihm freudig nach sein andre spieß gesellen/ Und wollen sich mit list in neue ruͤstung stellen. Wir gehn also vermischt mit Griechen ohne raht D er gottheit/ die uns nicht darzu gereitzet hat. Wir haltẽ manchẽ kampff bey finstrer nacht/ und schlagẽ Nicht wenig Griechen tod: Ein theil laͤßt sich verjagen Bis an die schiffe hin; Ein theil versteckt sich gar Mit schnoͤder furcht ins pferd zu meiden die gefahr. Es ist mit sterblichen (ach leider!) so beschaffen/ Daß sie nichts richten aus durch ihren rath und waffen Wenns Gott nicht haben wil: D ie Troer brauchen tuͤck Und list in ihrem thun/ was haben sie fuͤr gluͤck ? Schau wie der feind mit macht kom̃t grim̃ig her gefahrẽ Und schleppt vom tempel mit Cassandra bey den haarẽ Sie hebt gen himmel auff vergebens ihr gesicht; D enn fuͤr die bande kunt sie ihre haͤnde nicht Auffheben mit zugleich. Chor æ b wird gantz ergrimmet Als er in augenschein die schmach und unbill nimmet/ Daß eine nonn und zwar des koͤnigs tochter wird Aus innerster Capel der Pallas so gefuͤhrt? Ver Das Andere Buch. Verweget sich des tods und laͤßt sich untern hauffen: Wir folgen saͤmptlich nach an feind mit gruñ zulauffen/ D er dicht gewapnet steht: Da schiessen sie herab Mit pfeilen von den thurm/ daß mancher von uns gab Sein kuͤhnes leben auff von freuinden selbst erleget. D a wird ein schrecklich bad mit blut und mord erreget/ Als sie der Griechen wehr und federpusche sehn/ Und laͤnger nicht geaͤfft in wahn und irrthumb stehn; Da kommen allerseits die D anaer zusammen Cassandra seufftzt und brennt von lauter zornes flam̃en/ Weil sie entfuͤhret ist. Da koͤmmet Ajax her/ Des Atreus beyde soͤhn und heer der Doloper Und setzen auff uns zu: Wie/ wenn auff allen seiten Ein sturm der winde tobt/ und mit ein ander streiten Mit schrocklichem getoͤß. Nord/ suͤden/ west und ost Es kracht der wald davon/ der Meergott steht erbost/ Und ruͤhrt von innerm grund das meer mit seinem zackẽ: Auff ebne weise war der feind uns auff dem nacken/ Und stuͤrmt mit macht auf uns ; Auch die von uns bey leicht waren listiglich in schnelle flucht gebracht/ (nacht Und in der gantzen stadt getrieben auff und nieder/ D ie lassen sich itzt sehn/ und treffen auff uns wieder; Sie kennen uns vorerst an schilden und geschoß/ Bevorab an der sprach/ als wir uns gaben bloß. Da uͤbermannet uns alsbald die grosse menge Und unser heer wird gantz uͤmringet mit gedrenge/ Und bleibet Choreb erst bey Pallas altar tod/ Dem Penelei faust legt auff die sterbens-noth. F 2 Es Das Andere Buch. Es faͤllt auch Ripheus/ der von uns am meisten zielte/ Nach recht und billigkeit/ und uͤbers gute hielte/ Die Goͤtter wolten das/ kein anders haben nicht. Was koͤnnen menschen thun darzu was so geschicht? Es muste Hypanis und Dymas auch verderben Selbst duꝛch die ihꝛigẽ. Panth waꝛ nicht fꝛey vom steꝛbẽ Sein from̃ seyn halff ihm nicht noch Febus bischofs huth Er muste lassen auch sein leben gut und blut. Ich wil/ o Troer asch/ als die wir heilig feyren/ Und dich/ o letzte flamm/ bezeugen und betheuren/ Daß ich noch blut/ noch tod/ noch einige gefahr Gescheuet hab/ als ich fuͤrm feind gezogen war. Und haͤtt ich sollen auch nach raht der Goͤtter sterben/ So haͤtt ich noch verdienst mir koͤnnen da erwerben Den tod mit tapffrer hand. Doch kom̃ ich wieder drauff/ Und wil berichten dir den endlichen verlauff. Wir wurden nachmals ab gerissen von der menge/ Ich/ Iphit/ Pelias/ und kommen im gedraͤnge Aus diesem blinden streit: der Iphit von gestalt War frisch/ ansehnlich/ starck; Doch aber grau und alt. Allein der Pelias war wegen einer wunde/ Die ihn Ulysses gab/ die schmertzlich er empfunde/ Gar uͤbel auff zu fuß/ und huncke langsam fort. Alßbald erhebet sich ein ander lerm und mord Beim koͤniglichen schloß; Das uͤberlaute schreyen Laͤßt gleichsam uns herzu die fauste darzu leyhen/ Da sehn wir ein gefecht von grosser wichtigkeit/ Und ist dargegen nichts zurechnen aller streit/ Der Das Andere Buch. Deꝛ in deꝛ stadt geschicht. Nichts ist das wuͤꝛg uñ moꝛdẽ Was bißher durch die nacht ist aus geuͤbet worden; Wir sehn die Danaer wie sie sich lassen loß Mit ungehaltnem grimm zusteigen auff das schloß: Sie lagern sich uͤmher/ man laͤsset vor die stuͤcken/ Die man schildkroͤten nennt/ und ander bollwerck ruͤcken/ Sie werffen leitern an und kommen an die thuͤr/ Die oben auffgebaut durch stuffen/ halten fuͤr D ie schilde gegen wurff der dickgeflognen pfeile: D ie Troer lassen auch zu ihrem schutz und heile Nichts unversucht. Man nimmt/ in eil die giebel ein/ (Dadurch verhoffen sie zuletzt verwahrt zu sein Wenn allem ansehn nach solt alles untergehen/ So koͤnten sie ja noch dem feinde wiederstehen) Und waltzen auff den feind verguͤldne balcken ab/ Der alten ahnen zier/ wieß da die zeit noch gab. D ie andern wurden hin geordnet sich zu legen Hinunter an die thuͤr mit spieß und blancken degen; D ieselbe wurd verwahrt mit einer starcken wacht/ Die aber wiederumb ein Hertze sich gemacht Und nach dem streit erhohlt/ die lieffen zu entsetzen Das koͤnigliche schloß und andere zu ergetzen D ie ihre krafft verließ/ auch denen machten muth/ Die ohne hoffnung nicht leicht wagten leib und blut. Es war ein hinder thuͤr/ die ging durchs koͤnigs zimmer/ Dadurch Andromache zum schwieger eltern immer Pflag unbegleit zugehn und fuͤhrte bey der hand/ Ihr soͤhnlein/ welches war Astyanax genand. F 3 Da- Das Andere Buch. Dadurch geh ich hinauff bis an des schlosses zinnen Von welchen sich das volck mit thoͤrichten beginnen Zu wehren unterstund/ in dem sie viel geschoß Ohn vortheil liessen gehn auff freund- und feinde loß. Es stunde da ein thurn mit hochgefuͤhrter spitze D en Troern jederzeit in fried und kriege nuͤtze/ Man kunte darauff gnau gantz Troja uͤbersehn/ Und wo der Griechen schiff und lager pflag zustehn: Da machten wir uns dran mit starckem zeug und eysen D ie klam̃ern rings herumb mit kraͤfften zu zerschmeissen/ Darauff das holtzwerck stund: Als er nun loß gemacht/ Da stossen wir ihn uͤmm und werffen-daß es kracht/ D en feindẽ auff den halß: Da werden viel zerschmetteꝛt/ Und knallet anders nicht/ als wenns vom him̃el wettert; Doch treten andre flugs an ihre stell und ort. Immittelst fahren wir mit werff/ und schiessen fort. Es fahret Pyrrh daher in feuerlichten waffen Mit hochgesinntem muth fuͤr andre was zu schaffen/ Braust haͤussen vor der burg und in der foͤrder thuͤr/ Und brennet gar hinauff zukommen von begier/ Gleich einer schlangen/ die/ wenn sie hat ein geschlungen Im weiden gifftig kraut/ das ihr nicht wol gelungen/ Geschwollen sich verkreucht in ihre hoͤhl und grufft/ Und durch den winter ligt ohn leben/ lufft und dufft. Wenn aber lentz und west sich dringen durch die erde/ Und sie hinwiederuͤmb erblicket ohn beschwerde D aß allgemeine liecht nach abgelegter haut/ D a sie verjuͤngendt sich in glatter jugend schaut; D a Das Andere Buch. D a waltzet sie sich her mit hoch erhabnem bauche/ Erreget ihr gezisch und schaͤumendes gehauche/ Erhebet sich empor zur sonne fipperend Mit dreygespitzter zung/ und nach der waͤrme brennt. bey Pyrrh sich auch Periph ein tapffrer man und strei- Wie auch Audomedon Achillis sein bereiter (ter/ Und waffentraͤger fand: Es koͤmmt zugleich herbey D as gantze S cyrer heer mit hefftigem geschrey Und ziehen vor das schloß/ man wirffet feuerballen Auffs dach/ die aber doch ohn alle wirckung fallen: Er aber Pyrrh ergreifft mit flammender begier Ein axt und schlaͤget an die eisen-feste thuͤr/ So lange bis sie bricht/ und reist das thuͤr gestelle Fast aus dem angel weg. Es war die pfost und schwelle Nunmehr gehauen aus/ da bohrt er mehr und mehr Durchs eichen-starcke holtz/ und stuͤrmet schrecklich sehr. Da koͤmmet er so weit/ daß er durch so viel stoͤsse Zum einfall macht ein loch von ungeheurer groͤsse/ Da kan man uͤberall ins koͤnigs zimmer sehn/ Man sieht den langen saal hin durch weit offen stehn/ Da so viel koͤnige mit langer reyh fuͤrdessen In gutem fried und ruh regieret und gesessen: Man nimmt in eingang auch bewehrter maͤnner wahr; D ie alda warten auff zu wehren ab gefahr. Immittelst aber wird das schloß erfuͤllt darinnen Mit klaͤglichem geseufftz/ erbaͤrmlichen beginnen Und schrecklichen tumult: D as frauenzimmer schreyt Und schlaͤgt sich an die brust/ man hoͤret weit und breit F 4 Ihr Das Andere Buch. Ihr achtzen und geheul/ daß es in luͤfften schallet; Die koͤnigin bestuͤrtzt bald auff/ bald nieder wallet/ Wie auch Andromache und wissen keinen raht In eusserster gefahr und untergang der stadt. Sie wolleu nur allein von feindes band und ketten/ Weil nichts mehr uͤbrig ist/ihr liebes leben retten: D rumb halten sie sich fest zu letzt an pfost und thuͤr/ Und kuͤssen heiliglich dieselbe mit begier. Pyrrh aber faͤhret fort/ und braucht sich seiner staͤrcke/ Es kan noch schloß noch wacht ihn haltẽ von dem wercke Und grimmen wuͤten ab. Die thuͤr bricht endlich loß D urch mauerbrecher macht und offt empfangnen stoß. Man koͤm̃t mit sturm hinein. Die griechẽ schlagẽ nieder/ Was sich nicht geben wil und ihnen ist zu wider/ Es dringt des krieges volck auff allen seiten ein Und kan kein ort fuͤr drang und zwang mehr uͤbrig seyn. kein strom wenn er bricht aus den vorgefchuͤtzeu thaͤm̃en/ Die seinen strengen lauff sich unterstehn zuhaͤmmen/ Faͤhrt uͤber alles feld mit solchem ungestuͤmm Und reist mit vieh und stall ; Als Pyrrh veruͤbt im grim̃. Ich hab ihn selbst gesehn wie er kundt rasend duͤrsten Nach lauter mord und blut/ Ich habe beyde fuͤrsten Der Griechen anch gesehn/ der Helene gemahl/ Den Agamemnon auch im koͤniglichen saal. Ich habe Hecuben mit fuͤrstlichen matronen Und in die hundert wol weibadliche personen Zufoͤderst Priamum zum altar schleppen sehn/ Und alle sampt durch mord erschrecklich untergehn. Es Das Andere Buch. Es muste Priamus sich auff die fleischbanck strecken/ Und das geheilgte feur mit eignem blut beflecken ; Er hatte funfftzig wol der weiber/ hoffte doch Von selbigen zusehn mehr kindes kinder noch. Die kammern waren voll arabisch gold und schaͤtzen Die balcken stunden schoͤn geziert an allen plaͤtzen D esselben orts mit schmuck/ mit raube/ zeug und pracht/ Diß alles gienge drauff in dieser boͤsen nacht. Und was von feuer ist verschonet etwan worden/ D as hat des feindes grim̃ nach vielem wuͤrg- und morden Geraubt und weggefuͤhrt. S o aber du bericht Von koͤnigs tod begehrst/ wil ich dirs bergen nicht. Als er sieht/ daß die stadt von feinden ist gewonnen/ Verheert/ beraubt/ geschleifft und endlich gar verbrunnẽ ; Ja daß auch mitten drinn in schloß der feind regiert/ Legt er die waffen uͤmb die schultern/ die man spuͤrt Wie sie fuͤr alterthum/ nicht kalter furcht/ erbeben! Ist aber alls umbsonst: Er kan das werck nicht heben/ Eꝛ ist kein kꝛiegsman mehr/ der waffen laͤngst entwehnt/ Nur daß er gleichwol sich zu wehren etwas sehnt: Er zeucht die ruͤstung an/ verweget sich zu sterben/ Wil setzen an den feind/ ein lob noch zu erwerben. Es stund in blosser lufft im hoff ein groß altar ; D arbey ein lorberbaum von hohem alter war. Er gienge hoch herfuͤr/ sein dicker schatten deckte Das gantze schloß herumb/ so weit der hoff sich streckte; D a laͤufft die Hecuba mit ihren toͤchtern hin Vergebens! zum altar mit hoch bestuͤrtztem sinn. In Das Andere Buch. In schneller eil/ und thun gleich wie die tauben pflegen/ Wenn wetter/ plitz uud sturm sich in der lufft erregen/ Sie greiffen an altar und halten sich fest an Die bilder; Aber nichts/ ist das sie schuͤtzen kan. Als sie den koͤnig nun in waffen siehet gehen/ Die einem juͤngeling viel besser solten stehen/ Wie koͤm̃st du (saget sie) o armer schwacher man Auff diesen tollen sinn und unbedachten wahn/ Daß du dich ruͤsten kanst mit solchen schweren waffen ? Wo denckest du hinaus? Was wilt du damit schaffen ? Nu ist es nicht mehr zeit zu brauchen schild und sper/ Ja weñ auch Hector selbst mein sohn noch bey uns waͤhr: Komm hieher nur zu uns/ laß fahren dein beginnen/ Es wird uns der altar noch wol beschuͤtzen koͤnnen/ Wo nicht/ so stirb mit uns: Drauff fuͤhrt sie ihn hinan/ Und setzt ihn beym altar den abgelebten man. (fen Schau! da koͤm̃t gleich Polyt des Priams sohn entlauf- des Pyrrhens wuͤrge schwerdt/ ensprungẽ unterm hauffẽ Der feinde/ fliehet durch den langen sommer saal Verwundet/ sieht sich uͤmm/ da steht es uͤberall Gantz ledig im Pallast. Pyrrh aber uͤbernommen Von zorniger begier eilt baß an ihn zukommen/ Und hefften einen streich: Er laͤufft nach mit gewalt/ Versolgt ihn grimmiglich: Itzt jtzt hat er ihn bald. Er koͤmmet noch so weit/ daß er sein eltern fasset Zu letzt in augenschein: Da faͤllet er erblasset Und gibt das leben auff mit viel vergossnem blut: Gleichwol laͤßt Priamus nicht sincken hand und muth (Ob Das Andere Buch. (Ob er schon mitten ist in toͤdlichen gewalten) Kunt aber weder wort noch eiffer an sich halten: Daß dich das ungluͤck ruͤhr (schreyt er mit lauter stimm) Fuͤr diese boͤse that/ daß du mein kind bringst uͤmm : Du kuͤhner boͤser tropff! die Goͤtter dir belohnen/ Wie du verdienet hast; Sie wollen deiner schonen/ Wie du des jungen bluts und meiner grauen haar Verschonet hast/ in dem du ungescheuet gar Fuͤr meinen augen mir hast meinen sohn erschlagen/ Den ich/ so lang ich leb/ mit hertzleid muß beklagen. Wie Gottes auge sieht auff aller menschen thun/ So wird er geben dir hinwider deinen lohn. Nicht also war Achill/ von dem du boͤßlich tichtest/ Daß er dein vater sey/ des ehre du vernichtest/ Weil du ihm folgest nicht: Er hielt mich zwar als feind/ Hats aber gleichwol baß/ als du mit mir gemeint. Er hielte recht und treu/ ließ ihm zu hertzen gehen/ Da ich ihn umb den leib des Hectors muste flehen Und niedertraͤchtig bat/ that mir nach wunsch und sinn/ Und ließ mich wiederumb in mein reich ziehen hin. So sprach der alte herr/ und schoß mehr mit verlangen Als kraͤfften einen pfeil nach ihm/ der bliebe hangen An schild und gieng nicht durch. Drauff sagte Pyrrh: Thu meinẽ vater kund/ was ich dir hab gethan: (wolan ! Bericht ihn wiederuͤmb mein grausames beginnen/ Und wie ich aus der art hab also schlagen koͤnnen. Nun abrr stirb ! Als er diß also brachte fuͤr/ Zoch er ihm zum altar mit wuͤtender begier/ Das Das Andere Buch. Das koͤnigliche hertz erzittert und erbebte/ Da er im blute lag des sohnes und kaum webte Fuͤr odems mattigkeit. Er hielt ihn bey dem haar/ Zog aus und stieß das schwerdt ihn durch die seite gar Bis an den hefft hinein. D iß war des koͤnigs ende; So weit war ihm vorsehn von Goͤttern sein elende; Er solte dieses noch mit seinen augen sehn/ Daß Troja in dem feur must endlich untergehn/ Und ihre schoͤne burg verwuͤstet und verheeret Zu grunde fallen ein/ der weit und breit geehret Und als ein koͤnig war gefuͤrchtet und geliebt In gantzem Phrygien durch tugend wol geuͤbt. Nun aber ligt sein haupt von schultern abgerissen Ohn nahmen/ ruhm und ehr ans ufer hin geschmissen: D a wurd erst mein gemuͤht mit grimmer furcht erfuͤllt Ich wurde gantz erstaunt/ da mir des vaters bild Zu sinn und augen kam. Ich must in letzten zuͤgen Den alten koͤnig sehn in seinem blute ligen. Creuha macht mir auch bekuͤmmert meinen sinn/ Von der ich nichts erfuhr/ wo sie war kommen hin. Ich dencke/ wie das schloß muß seyn gepluͤndert worden/ Und was ohn zweifel sey fuͤr wuͤten blut und morden Veruͤbet hier und da: Ich denck an weib und kind/ An meinen sohn Ascan/ und wo sie alle sind: Ich seh mich uͤmb/ ob sich noch knechte bey mir finden/ Ich sehe keine mehr/ sie waren theils dahinden Geblieben/ laß und muͤd/ theils waren auff die erd gesprungẽ/ theils in feur umbkom̃ẽ/ theils durchs schweꝛd. Ich Das Andere Buch. Ich nur war uͤbrig noch. Ich geh herein mit sorgen/ Da treff ich Helenen fein lauschend im verborgen In vestens tempel an zu hinders beym altar/ Ich wuste nicht/ ob ich irrt/ oder ob sies war. Ich liesse hin und her die augen sorgsam schiessen/ Kunt aber nicht gewiß/ wer sie seyn moͤchte/ schliefsen: Da aber Trojens feur an tempel naͤher kam/ Und alles schiene klar/ alsdann ich erst vernam/ Daß es war Helene: Sie hatte sich verstecket Der scheusal beim Altar; Die furcht ihr heꝛtze schrecket/ Daß sie sich gutes nichts zum Troern mehr versieht Noch zu den Danaern: Drumb sie fuͤr beyde flieht. Weil Troja ist zerstoͤrt so unerhoͤrter massen/ Sie muß des ehmans zorn und grimm/ den sie verlassen/ Noch schewen fuͤr und fuͤr/ die beydes unsre stadt Und dann ihr vaterland in grund verderbet hat. Ich wurde stracks beflammt von zorn und toller wuͤte/ So ging mein vaterland mir damals zugemuͤthe/ Desselben untergang und grundverderbte sach Erregten mich zuziehn den losen balg zur rach. Ey freylich! (sprach ich so bey mir) sol sie Mycenen Und Sparta schauen an/ Kan sie sich wieder sehnen Zukommen wiederheim? Soll ihrs so gehen hin ? Sol sie mit siegespracht/ alß eine koͤnigin/ Gedencken ein zuziehn ? Bey ihren ehman wohnen? Ja wol/ er wuͤrde sie nach ihrer treu belohnen! Mit was fuͤr stirn wolt sie fuͤr ihren eltern stehn? Koͤnt sie die kinder wol mit liebe wieder sehn? Wil Das Andere Buch. Wil sie Trojaner auch/ darzu Trojanerinnen Nach Argos nehmen mit/ die sie bedienen koͤnnen? S ol koͤnig Priamus so schnoͤd uͤmbkommen seyn ? Sol Troja seyn nmbsonst zerstoͤrt/ geaͤschert ein? Nicht also: Denn ob man schon keinen ruhm erlaͤuffet/ Weũ man ein weib ergreifft/ und bey den haarẽ schleiffet Und schlechtes lob verdient/ wenn man erhaͤlt den sieg Von einer schwachen frau/ die nicht versteht den krieg. Jedoch wird man mir lob und ehre zuerkennen/ Wenn ich diß boͤse weib und greuliche beginnen Werd haben außgetilgt/ gerechtigkeit gestuͤtzt/ Die missethat gestrafft/ die froͤmmigkeit beschuͤtzt. Es sol auch maͤnniglch von meinem rach-grimm sagen/ Und daß ich hertz und muht nach allein wolbehagen Gekuͤhlet und ergetzt. Ich wil der seelen schaar/ D ie abgeschlachtet sind/ diß opfer bringen dar. So viel wort stieß ich aus: Ich war gantz uͤbernommen Von tollen eyfers grimm/ da seh ich eben kommen D ie mutter zumir her in klarem glantz und liecht Bey dickgewoͤlckter nacht/ da sie sich vorhin nicht So klar mir zeigete: Sie ließ sich also sehen/ Wie eine Goͤttin sonst bey Goͤttern pflegt zustehen; Sie fiel mir in die hand zuwehren ab den mord/ Und aus dem rosen mund gab sie mir diese wort ? Wer hat dir leid gethan/ mein sohn/ daß du so brausest Von ungehaltnem zorn/ und solchr massen hau sest? Wo hast du gegen uns gelassen deine pflicht/ Daß du/ was dir gebuͤhrt/ im miesten denckest nicht? Wilst Das Andere Buch. Wilst du nicht sehn zuvor/ wo du den alten vater Anchisen/ der ja war dein allerbester rather/ Gelassen hast? Und ob Creusa dein gemahl Und Ascan leben noch? Umb die nun uͤberall Der Griechen heer sich legt. Es wuͤrden sie die flammen Ergriffen haben schon und uͤber sie zusammen Im grimm gegangen seyn ; Es haͤtte sie das schwerdt/ Wenn ich so treulich nicht stuͤnd ihnen bey/ verzehrt. Laß dir der Helenen gestalt nicht mißbehagen/ Und dencke Paris nicht die feindschafft nachzutragen/ Ob er gleich hat kein lob : Wenn du es wissen wilt: Die Goͤtter/ die sich vor erzeigten sanfft und mild/ Verderben dieses reich/ daß es zu grunde gehet Mit seiner macht und pracht: Schau! wie es itzo stehet ( D enn ich wil dir den wahn/ der dein gemuͤth und sinn Verduuckelt/ und nicht laͤßt zur warheit wenden hin/ Benehmen/ scheu nur nicht/ was dich die mutter heisset/ Folg ihrem anbefehl/ wie sich ein kind befleisset) Hier/ wo du siehst/ daß wall und thamm gefallen ein/ D aß kein stein blieben mehr auff einem andern stein/ Und wo der rauch und staub fast steiget bis in himmel/ So wisse/ daß Neptun erreget diß getuͤmmel/ D er ruͤhrt der mauren grund mit seinem scepter an ; Daher er diese stadt in hauffen werffen kan. D ie grimme Juno hat hier eine thuͤr und thoren Fuͤr andern/ die sie hat zu ihrer macht erkohren; Sie rufft mit grossem grimm gewapnet von dem meet Zu huͤlffs-genossen an der Griechen schiff und heer. Die Das Andere Buch. D ie Pallas aber (schau) hat thuͤrne schloß und zinnen/ Darauff sie praͤchtig sitzt/ und hat der Troer sinnen Erschrecket mit dem blitz und der Medusen schild/ D a sie sich wieder Gott und menschen straͤubten wild; Er aber Jupiter gibt kraͤffte/ muth und sinnen Den Danaern/ daß sie die Troer schlagen koͤnnen Und gluͤcklich siegen ob: Er reitzt die Goͤtter an/ Daß wieder Troja sie sich finden auff dem plan. Nimm eilend sohn/ die flucht/ und mache doch ein ende Der außgestandnen muͤh/ des jammers und elende; Ich wil mich nirgend ab-von deiner seite-ziehn Und wil dich sicherlich nach hause bringen hin. Darauff verbarg sie sich in finstre nacht und schatten; Die Goͤtter/ die sich mir nie so gezeiget hatten/ D ie sahen schrecklich aus/ und dreuten Troens stadt/ Wie sichs nun leider ! aus-im werck gewiesen hat/ Da duͤnckt mich/ wie ich seh die stadt im rauch aufffliegẽ Zerstoͤret in dem grund und in der asche liegen Wie/ wenn ein alte buch auff hohem berge steht Und angehauen ist/ von welcher man nicht geht/ Als bis sie ist gefaͤllt/ die bauren da nicht warten/ Besondern halten an mit scharffen beil und parten Und geben manchen streich derselben umb die wett/ Sie aber immerzu noch hoch in luͤfften steht. Der wipffel wackelt ihr/ wenn sie so wird erschuͤttert Von harten streichen ; Ast und laub an ihr erzittert/ So lange biß sie sich allmaͤhlich geben muß/ Letzt aber knacket sie und bricht mit krachen loß. Sie Das Andere Buch. Sie faͤllet/ daß sie viel der baͤume niederschlaͤget: So war auch Troja gleich/ wenn man es recht erweget. Ich stieg herab und komm durch muͤtterlich geleit Durch feuer/ fchwerdt und feind in gute sicherheit. Als ich nun komme heim zu meines vaters schwelle Und lang bewohnten hauß der angenehmen stelle/ Trug ich den Vater auff zufassen wunsch und sinn Zutragen auff den berg/ und zu ihm gienge hin. Er aber wegert sich und wil nicht laͤnger leben/ Noch mit verdrießligkeit in flucht und elend schweben Und leiden ungemach/ weil Troja ist zerstoͤrt. Fuͤr euch/ als junge pursch/ (sagt er) die flucht gehoͤrt. Ihr habet starcke bein/ und koͤnnet noch viel tragen/ Ihr habt noch muth uñ blut/ und koͤñet euch frisch wagẽ: Wenn laͤngre lebensfrist von Goͤttern wehre mir Gegeben/ wuͤrden sie mich lassen wol allhier. Sie wuͤrden diesen ort mir haben noch erhalten; Es ist genung/ daß ich die schreckliche gestalten Des kriegs und untergangs hab einmal muͤssen sehn/ Und uͤberleben noch das ungluͤck/ das geschehn. Gebt mir nur gute nacht und gehet eurer wege/ Daß mein fast todter leib zu seiner ruh sich lege. Ich wil mit eigner hand mir selbst den tod an thun/ Wo nicht/ wird doch der feind sich mein erbarmen schon : Nim̃t er den leib gleich mit; Wer fraget nach dem grabe Und stattlichen gepraͤng; Wenn ich die erde habe/ Ist alles ander nur veraͤchtlicher verlust/ Der keinem/ wenn er ligt gestorben/ ist bewust. G Ich Das Andere Buch. Ich halte mich nur auff mit laͤnger wollen leben/ D er ich muß schon voꝛlaͤngst im haß deꝛ Goͤtter schwebẽ ; Ich kan doch keinem mehr seyn in der welt was nuͤtz/ Nach dem der Jupiter mit pfeilgeschwindem plitz Mich hat beruͤhrt: Also blieb er mit gantzen sinnen Auff seinen vorsatz steiff/ und ließ sich nicht gewinnen: Ich aber/ mein gemahl Creusa und Ascan Ja alle halten bey ihm weinend staͤrcker an: Er moͤcht/ als vater/ doch nicht alles ins verderben Mit sich zu grunde ziehn und eilen so zu sterben D a ihn die noht nicht dringt. Er wegert sichs zu thun/ Besteht auff seinem sinn/ an einem ort zu ruhn. Da koͤmmt mich weiter an die wuͤte zu den waffen/ Weil ich elender kan den vater nicht mit raffen? O daß ich waͤre todt! deuck ich in meinem sinn/ Denn was hab ich fuͤr rath und gluͤcke zu gewinn? O vater/ meinst du denn/ daß ich von dir kan gehen Und lassen dich allhier gefahr und noth bestehen/ Ja ligen jaͤmmerlich? Wie kan dir ohne grund So unbedachtsam wort doch fahren von dem mund ? Wenn diß der Goͤtter schluß/ den menschen hintertreiben Nicht koͤnnen/ solte seyn/ daß nichts solt uͤbrig bleiben Von dieser gantzen stadt und du in deinem sinn Dir fuͤrgenommen hast zu geben alles hin/ Daß beydes du und wir mit sampt der stadt verderben/ Schau! Ist doch hier schon da gelegenheit zu sterben/ Pyrth wird nicht lange seyn/ der gleich itzt zum altar Den koͤnig grausam zog bey seinem grauen haar/ Und Das Andere Buch. Und nechst dem sohn/ dem er fuͤrs vaters augen drehte D en spieß in leib heruͤmm und an der heiligen staͤtte Erstach so jaͤmmerlich. War dieses so gemeint/ O liebe mutter/ die du mich durch schwerdt und feind Brachst sicher/ daß ich hier sol sehn im hause drinnen Regieren meinen feind mit wuͤtendem beginnen/ Und meinen vater/ sohn und ehweib schlachten ab/ Sol ich ohn gegenwehr erwarten hier mein grab? Bringt waffen waffen her/ ihr tapffern kriegesleute/ Wer weiß ob dieser tag nicht ist der letzte heute ? Wer uͤberwunden ist/ dem wird ein ziel gesteckt Vom sieger: Wol dem/ der hierob noch nicht erschreckt! Eroͤffnet mir die bahn zum D anaern auffs neue/ Laßt mich doch krieg und streit ansehen ohne scheue/ Wie er geht wieder an: Ein laur/ der heut stirbt/ Und ungerochen nicht zuvor ein lob erwirbt. Hier guͤrt ich wiederumb den degen an die seite/ Und nehm den schild zur hand/ uñ geh hinaus zum streite/ Da fiel mir meine frau gleich drinnen in der thuͤr Umb haͤnd und fuͤß und hielt mir den Juͤlus fuͤr/ D en kleinen sohn: Wenn du wilst gehen ins verderben/ Sagt sie/ so raff uns mit/ daß wir mit dir gleich sterbẽ In allerhand gefahr: Kanst aber du mit nutz Vertrauen deiner wehr/ so nimm uns erst in schutz Und dieses gantze hauß. Wo wolten wir uns lassen/ Wenn du wolst ziehen weg so unerlaubter massen. In dem sie so das hauß erfuͤllte mit geschrey/ Ereignet sich ein ding mit grosser wunderschen. G 2 D em Das Andere Buch. Denn unter haͤnden/ als sie mich so wollen halten/ Und alles ist erfuͤllt mit traurigen gestalten/ Ersieht man eine flamm an Ascans zartem haar/ Die lodert umb den schlaff und brennet ohn gefahr. Wir zittern voller angst und wollen helffen wehren/ Daß diese flamme nicht den knaben mag versehren/ Wir wollen leschen auch das heilge flaͤmmelein/ Das/ wie uns duͤnckte/ nichts gemeines kunte seyn; Da hub der vater froh die Augen auff gen himmel Und reckt die haͤnd empor und betet im getuͤmmel: O grosser Jupiter/ so du erbittlich bist/ Sieh uns doch gnaͤdig an/ weil dein ruhm herrlich ist: Wir bitten dieses nur; Und so wir etwas koͤnnen Verdienen noch umb dich mit heiligem beginnen/ So steh uns/ vater/ bey/ mach dieses zeichen wahr. Anchises hatte noch nicht außgeredet gar/ Da donnert es gar schnell mit krachen uns zur lincken/ Und sah von himmel man in finstern luͤfften sincken Ein flaͤmmlein/ wie ein stern mit einem langen schwantz/ Der liefe durch die lufft mit wunder-hellem glantz; Er uͤberfaͤhret hin die haͤuser und verstecket Sich in Id æ er wald/ aus dem sich weit erstrecket Ein langer lichter strich: Als er nun aus gebrannt Raucht er wie schwefel-dampff und roch weit durch das Da muß der vater sich als uͤber strebt bekennen/ (land; Und hebt gen himmel hin sein hertz und heilge sinnen/ Und betet beydes an die Goͤtter und den stern/ Den er auch heilig nennt und wil nun folgen gern. Nun Das Andere Buch. Nun wil ich (saget er) ohn saͤumnuͤß mit euch gehen/ Wohin ihr mich nur fuͤhrt: Ihr Goͤtter wollet stehen Fuͤr unser hauß und stamm/ die ihr uns iederzeit/ A ls vaͤter habt beschuͤtzt in ruh und sicherheit. Laßt meinen enckel euch Juͤlum seyn befohlen/ In dem sich Troja kan einst wiederumberholen; Diß gute zeichen koͤmmt von eurer Gottheit her; D rumb wil ich/ lieber sohn/ mit dir gehn ohn beschwer. Hierauff als wir so sind in grosser furcht beysammen/ Da hoͤrt man heller noch die grimmen feuersflammen Mit knistern durch die stadt und immer naͤher gehn/ Bis wir mit unserm hauß bey nah im feuer stehn. Fort/ lieber vater/ fort! (fieng ich noch anzusagen) Huck meinen schultern auff/ ich wil dich mit mir tragen; Es sol und wird mir nicht seyn diese last zu schwer/ Es mag auch/ wie es wil/ mit uns sonst gehen her. Gleich wie es einem geht/ solls auch dem andern gehen/ Wir wollen beyd in gluͤck und noht beysammen stehen/ Der klein Juͤlus soll zur seite lauffen her/ Die frau sol folgen nach/ und was noch uͤbrig mehr/ Ihr diener/ wil ich euch zur nachricht dieses sagen/ Gedenckt es ohn vergeß in eurem sinn zutragen. Es ligt ein huͤgel da nicht ferne von der stadt Wenn einer koͤmmt hinans/ da Ceres annoch hat An alt- und wuͤster stett gelassen einen Tempel/ Darneben stehet auch zum denckmal und exempel Ein alter Cypernbaum/ der bißher schon viel jahr Durch andacht alter leut erhalten fuͤr gefahr. G 3 Da- Das Andere Buch. Dahin gedenckt zu uns auff jenen berg zukommen/ Wir haben diesen weg zu gehen fuͤrgenommen/ Der vater kan bey sich noch tragen in der hand Das heiligthumb/ das uns noch blieben unentwand/ Mir aber wils noch nicht geziemen und gebuͤhren/ Weil ich komm aus dem krieg/ dasselbe zuberuͤhren/ Es sey dann/ daß ich mir aus einem klaren / fluß Vom blute staub und schwal ab wasche hand und fuß. Nach diesem deck ich mich mit einem Loͤwen felle/ Und dann den vater auffzufassen fertig stelle; D er kleine sohn Juͤl mein trost und ehepfand Faßt an/ und haͤlt sich fest an meine rechte hand/ Und folgt mir/ wie er kan/ mit gar ungleichen schritten; Mein weib geht hinden nach: Wir gehen all immitten Sorg/ hoffnung/ noht und tod bey dicker finsternuͤß/ Und da ich meines muths war vorhin so gewiß/ Daß ich mich keine noth/ gefahr/ noch pfleil noch spiesse Des feinds/ wie sehr er sich rottierte/ schrecken liesse/ Bin itzo so verzagt/ daß mir ein luͤfftelein Und nur ein rauschend blat kan schrecken jagen ein. Als der ich muß zugleich fuͤr sohn und vater sorgen Und meine klag und leid stets tragen in verborgen. Ich war nun nah am thor/ da bildet ich mir ein/ Es wuͤrde keine noht noch muͤh mehr uͤbrig seyn/ Weil ichs so weit gebracht; Da koͤmmt mir fuͤr die ohrẽ Ein schnell und groß gerausch/ als kaͤme volck von thoren: D er vater/ der es sah im dunckeln/ schreyet auff: Lauff/ was du kaust/ mein sohn/ mein sohn/ sie kom̃ẽ/ lauff! Ich Das Andere Buch. Ich seh die blancken schild und ehrne waffen schimmern D a hebet an mein hertz fuͤr angst und furcht zu wim̃ern/ Weiß nicht/ wie mir geschicht/ was fuͤr ein ungethuͤm̃ Verwirret meinen sinn mit solchem ungestuͤmm. Denn da ich irre geh und mich verfuͤhren lasse Von der gemeinen bahn und rechten landesstrasse/ Befind ich/ daß mein weib dahinden blieben ist: Ich armer man gedenck: Huy! daß sie dein vergißt. Ich bin gantz ungewiß/ ob sie sich hat verirret/ Ob sie sich nieder hat gesetzt/ ob sie verwirret In ihren sinnen ist. Ich kan sie finden nicht; Sie ist auch nie hernach mir kommen zugesicht. Ich hat auch eher nicht nach ihr zuruͤck gesehen/ Noch an sie da gedacht/ als bis mit langem gehen Wir kamen an das hauß und Tempel Ceres hin/ Dahin uns/ wie gedacht/ trug unser hertz und sinn Erst hier an diesen ort/ da wir beysammen waren/ Hat sie allein gefehlt: Da musten wir erfahren stracks wieder neues leid. Ich lieffe wie bethoͤrt Und schrie beyds uͤber Gott und menschen unerhoͤrt Was haͤtt ich klaͤglichers doch wol erleben koͤnnen Nach uͤmb gekehrter stadt ? Doch kan ich nichts beginnẽ; Ich laß die meinigen/ die ich versteckt im thal/ Der pursch befohlen seyn/ und dencke noch einmal Zu treffen mit dem feind. Ich geh die blancke waffen Zu legen wieder an/ und wo es gibt zuschaffen Mich zu verfuͤgen hin. Ich mache diesen satz Mit unbewegtem schluß zu gehen auff den platz G 4 Und Das Andere Buch. Und wieder anzufahn/ wo ichs gelassen habe/ Und durch die gantze stadt zu rennen auff und abe Mit wagnuͤß alles deß/ was ich verlieren kan Zu gehen in gefahr/ zu fechten als ein man. Zwar anfangs/ wo ich war zum thor hinaus geschluntert Mit meiner theuren last/ da geh ich baß ermuntert Zu ruͤcke wiederumb/ und zwar bey dunckler nacht/ Und seh genau/ daß ich den weg/ den ich in acht Im ruͤckgang fleißig nam/ zu folgen nicht verlasse ; Da koͤmmt mich grauen an durch diese lange sirasse/ Es schreckt mich auch zugleich die stille wuͤsteney/ Ich eile fort und geh in unser hauß ohn scheu/ D as hatten aber gleich die Griechen eingenommen/ Die nach uns waren stracks mit vollem grim̃ gekom̃en ; Da treibt in einem huy der wind die feuersbrunst An giebel/ alles wird erfuͤllt mit dampff und dunst. Sie nimmet uͤberhand und tobt ohn widerstande/ D ie herrligkeit der stadt versinckt in diesem brande. Ich geh auff Priams burg/ beseh noch einst das schloß/ Da find ich vorhoff/ saal und alles stehen bloß/ D as sonst die Juno hat zur freystadt außersehen: Ich sah den Phoenix/ drauff wie auch Ulyssen gehen/ Die waren darzu abgeordnet vondem heer/ Daß sie verwahreten den raub/ darbey noch mehr Von Trojens schaͤtzẽ kam/ was vor stack in neun schloͤs- D as tragẽ sie herfuͤr und ihrẽ raub vergroͤssern: (sern/ Die Tempel sind beraubt/ der Goͤtter tisch steht leer/ Man sieht die guͤldenen pokalen tragen her. Ich Das Andere Buch. Ich fang in finstern an gantz uͤber laut zuschreyen/ Lauff hin und heꝛ und kan noch feind noch fꝛeunde scheuẽ; Ich ruffe jaͤmmerlich Creusam mein gemahl: Umbsonst! ob ich schon schrey und ruffe sonder zahl. Als ich so durch die stadt in haͤusern such und klage Der sinnen fast beraubt und unauffhoͤrlich zage/ Da koͤmmt ihr schatten bild mir ungluͤckhafften fuͤr/ Und duͤnckt mich/ wie ich sie seh stehen noch bey mir Viel groͤsser als sie war/ da wird mir muht und sinnen Erschrecket und bestuͤrtzt/ daß ich nichts kan beginnen; Ich bleibe/ wie ein stock/ mir steht das haar empor Fuͤr schrecken/ daß ich auch kein wort kan bringen vor D aꝛauff spricht sie mich an mein angst mir zu benehmẽ: Mein liebster ehegemahl/ wie kanst du dich so graͤmen/ Was richtestu mit aus? Es kan je nichts geschehn/ Wenns von den Goͤttern nicht ist worden erst vorsehn. Du solst nicht nehmen mit Creusam deinen gatten/ Der grosse Jupiter wil dieses nicht gestatten: Du wirst noch lange zeit im elend ziehen her/ Und segeln mit gefahr durchs ungestuͤme meer. Du wirst Italien erreichen endlich koͤnnen/ Wo man die Tyber sieht mit lindem strome rinnen Durch dieses weite feld/ das schoͤn und wolgebaut An welchen maͤnniglich sein wolvergnuͤgen schaut. Da wirst du wiederumb dein gluͤck und wolergehen In freude/ fried und ruh nach hertzens wuntsche sehen Mit einem koͤnigreich und koͤniglichen frau Begabet: Laß nur seyn die thraͤnen/ die ich schau G 5 Umb Das Andere Buch. Umb dein geliebtes hertz Creusam/ mag nicht sehen D er Griechen koͤnigreich noch uͤmm-mit stoltzen-gehen/ Gleich wie die Doloper sich tragen/ wil auch nicht Den frauen dort zu land ablegen huld und pflicht. Ich bin geboren frey von Troischem gebluͤte Der Goͤttin Venus schnur von edelem gemuͤthe/ Die grosse Cybele der Goͤtter mutter wolt/ D aß ich an diesem ort und lande bleiben solt. Hiemit gehab dich wol und laß dir aller wegen Seyn unsers sohnes leib und wolfahrt angelegen: Als sie diß außgeredt ließ sie mich weinend stehn/ Da ich mit antwort ihr gleich wolt entgegen gehn. Ich sahe sie nicht mehr/ weil sie von mir verschwunden; Ich hatte mich zwar sie zu greiffen unterwunden Zum oͤfftern/ aber so vielmahl floh ihre leich Und schien aus meiner hand den schnellen winden gleich. Als nun die lange nacht war dergestalt verflossen/ Da komm ich wiederumb zu meinen reißgenossen. Hier muß ich meinen sinn mit wundrung halten auff/ Wenn ich bedencke/ was fuͤr grosses zu gelauff Von vielen leuten war/ die mit uns wolten schiffen Und ziehen weg; Es war in dieser zahl begriffen Beyds mann- und weibesvolck auch jungẽ groß uñ klein/ Die mit uns alle sampt im elend wolten seyn/ Ein arm und schwaches volck! Sie kamen aller enden Und wolten bey uns stehn/ und alles daran wenden/ Was sie vermochten nur an haabe muht und gut/ Sie wolte sparen nicht ihr leben/ leib und blut. Ich Das Dritte Buch. Ich moͤchte sie zur see mit-zu gesellen-nehmen/ Sie wolte nach gebuͤhr sich wissen zu bequemen/ In welchem land ich sie auch wolte theilen aus D aß sie sich setzeten und bauten hoff und hauß. Es ging der morgenstern nun wieder auff den hoͤhen Des berges Ida auff und ließ den tag uns sehen/ D as viel gewuͤntschte liecht: Der grim̃en feinde schaar Belegten alle thor und nahmen ihrer wahr. Weil wir kein hoffnung nun bey uns mehr uͤbrig hatten/ Die uns zum schutz und nutz des landes kaͤm zustatten; Als gab ich mich auch drein/ nahm meinen vater mit Und trug ihn auff den berg mit manchen sauren tritt. Das Dritte Buch. A Ls nun der Goͤtter rath und willen schlechter Ergehẽ muste so/ dz Troja untergiẽge (dinge Mit Priams gantzem stam̃ der fuͤr sich war ohn schuld/ Und daß die grosse burg zugrunde fallen solt/ Auch itzo rauchte noch Neptunus stadt vom brande/ D a ziehn wir auff befehl der Goͤtter aus dem lande Und folgen ihrem tritt zu suchen hier und dort Zu unserm auffenthalt bequemen sitz und ort. Wir lassen uns den zug seyn schleunig angelegen/ Wir bauen am gebuͤrg/ und bringen bald zu wegen Fast einem starcken zeug an schiffen bey der stadt Antandros/ wissen nicht/ wo das verhaͤngnuͤß hat Uns Das Dritte Buch. Uns einen sitz bestimmt: Was uns dasselbe werde Fuͤr wege zeigen noch/ damit wir nach beschwerde Zu ruhen halten still/ wir bringen auch in eil Ein zimlich kriegsheer auff/ darunter ist ein theil Von buͤrgern aus der stadt/ theils hier und da vom lande Verarmet meistentheils/ wies geht bey solchem stande. Der sommer war kaum da/ mein vater hieß mich gehn Zu segel/ weil sich ließ der goͤtter wille sehn. Ich stoß von Haven ab mit vielen jammerthraͤnen/ Und kan mich nicht mehr nach dem vaterlande sehnen/ Wo Troja vorher stund/ ligt itzt ein wuͤstes feld Und kaum den namen noch von seiner zier behaͤlt. Weil ich nun muß davon als ein vertriebner wandern/ So fahr ich auff die hoͤh des meeres mit den andern A ls meiner reisepursch und Ascan meinem sohn/ Nehm meine Goͤtter mit und ziehe so davon. Es ligt nicht fern ein land/ hat immer krieg und vhede/ Wird zwar bewohnt/ steht doch sehr wuͤste/ kahl und oͤde/ Die Thracer bauen es: Lycurg hat da regiert Fuͤrweilen/ und sehr streng das regiment gefuͤhrt/ Die Troer sind alda fuͤr alters eingekehret/ Und haben heiliglich das gastungs recht geehret/ Die Goͤtter auch gemein gehabet unter sich/ So lang uns das geluͤck anblickte guͤnstiglich. Hier komm ich her durch macht der starcken segelwinde/ Und bau die erste stadt am Haven/ den ich finde Darzu bequem und gut: Im eingang litt ich noth: Denn etliche von uns schlug dieses volck zu tod/ Und Das Dritte Buch. Und wolten dieses recht der gastwirtschafft versehren: Ich aber gebe fuͤr/ daß sie mir zugehoͤren. Der mutter Venus bring ich hier ein opffer dar/ Wie auch den Goͤttern/ die mich schuͤtzen in gefahr? Die ihrer guͤte nach mir gunst und huͤlffe thaten/ Daß mir der neue bau hier muste wol gerathen/ Dann schlacht ich einẽ stier von gutem fett und schmeer/ An grasichten gestad dem grossen Jupiter. Es war ein grab dabey/ daraus man sahe spriessen Den gruͤnen hagedorn und myrten reiser schiessen In dicker meng herfuͤr: Ich gehe gar hinan/ Und unterfange mich so viel ich immer kan/ Denselben gruͤnen pusch zu reissen aus der erde/ Auff daß der altar mit dem laub bedecket werde: Da traͤgt sich zu ein ding/ das wunderschrecklich war/ Daß einer der es sah/ darob bestuͤrtzte gar. Denn als der erste strauch von stamme wird gerissen/ Sieht man des selbten blut gantz tropffenweise fliessen/ Und fallen auff die erd davon sie wird befleckt/ Da koͤm̃t mich schaurẽ an und wird mein sinn erschreckt. Es stehet mein gebluͤt von kalter furcht und grauen/ Weil ich bey diesem grab erschrecklich ding muß schauen: Bald riß ich wiederumb ein ander sproͤßlein aus/ Da blutet ebenfalls der außgerissne strauß; Ich forsch der ursach nach/ die in verborgen liget/ Ich sinne hin und her/ nichts find ich das mir tuͤget ; Ich ruff die Nimpffen an des ortes nach gebꝛauch/ Ich richte mein gebaͤt zum vater Mavors auch/ Den Das Dritte Buch. D en sie die Thracier als ihren Schutzgott ehren/ Sie wollen gnaͤdiglich den boͤsen dingen wehren/ Und geben allerdings zu dem/ was sie gesehn/ Ein gluͤcklich ende/ heil und alles wolergehn. Als aber drittens ich mit groͤsserem bemuͤhen Versuch die reiserlein von seinem staͤmm zu ziehen/ Und mit den knien mich fest stemme gegen sand (Was sol ich thun? sol ich aussagen wies bewand? Doch oder soll ichs gar mit schweigen uͤbergehen ? ) Da hoͤrt man in dem grab ein klaggeheul entstehen/ Und schallt uns diese stimm tieff in die ohren ein: Eneas/ wie kanst du so unbarmhertzig seyn? Was zerrst du mich/ der ich ohn das muß elend haben ? Ach schone meiner doch/ der ich schon bin begraben/ Beflecke nimmermehr durch solche boͤse that D ie heilig-fromme hand/ und folge meinem rath. Es hat mich Troja dir nicht unbekand gezeuget/ Das wunderliche blut/ daß sich allhier eraͤuget/ Fleußt von dem stamme nicht. Ach fliehe doch nur weit Aus diesem lande weg/ da nichts als grausamkeit. Fleuch von dem Haven doch/ da grimme raͤuber wohnen/ D ie alles raffen hin und keines menschen schonen ; Denn ich bin Polydor. Hier haben sie mich her Verscharret und bedeckt mit pfeilen also schwer/ Zerstochen meinen leib mit so viel scharffen spießen/ D aß sie nun wiederumb wie baͤumlein herfuͤr spriessen; Da koͤmmt mich schnelle furcht mit solchen aͤngsten an/ Daß ich erstarret steh und kein wort reden kan. Mit Das Dritte Buch. Mit diesen Polydor verhaͤlt sichs solcher massen: S ein vater Priamus wolt ihn nicht laͤnger lassen Zu Troja/ da er sah daß auff der Troer heer Und ihrer staͤrck und macht nicht mehr zu trauen wehr ; Und daß der feind die stadt bezogen und uͤmgeben/ Drumb wolt er diesen sohn erhalten noch beym leben/ Schickt ihn mit vielem gold dem Thracer koͤnig hin/ Er moͤchte heimlich doch denselben aufferziehn. Als endlich nun die macht der Troer wird verheeret/ Und sich das gute gluͤck von ihrer seite kehret/ Steht er dem andern theil den Griechen huͤlfflich bey/ Und folget ihrem gluͤck und heerzeug sonder schen. Ja was das aͤrgste war/ wird bruͤchig an dem glauben An redligkeit und treu/ und daß er moͤge rauben Das ihm vertraute gold/ schlaͤgt er das Printzelein Zu tod und scharret ihn erzehlter massen ein O du verfluchter geist/ zu welchen boͤsen stuͤcken Kanst du der menschen hertz nicht zwingen und beruͤcken ! Als mich der schrecken nun verließ/ thu ich bericht Von diesem abendtheur und kans verbergen nicht. Ich hinterbring es stracks den obern der gemeine Und melds dem vater erst/ und frage/ was doch seine Und andrer meinung sey? Die stimmen gehn dahin/ Daß wir aus diesem land und raubnest sollen ziehn. Es waͤre doch nichts mehr als wirthshauß/ das beschrien Von groben lastern sey : Wir solten nur zufliehen Zu schiffe seyn bedacht mit erstem guten wind. Das war der raͤthe schluß/ so waren sie gesinnt. Wir Das Dritte Buch. Wir stellen demnach an/ wies pflegt zu seyn bey leichen/ Ein grab dem Polydor mit heiligen gebraͤuchen. Es wird ein grab gemacht: Man bauet nachmals auch D er seele zween altaͤr nach uͤblichem gebrauch/ Behaͤngt sie trauriglich mit schwartzem flor und binden/ Daß durch die augen man mag groͤsser leid empfinden. Es wird ein Cypernbaum gesetzet auch darbey/ Daß er der sterbensnoth ein trauerzeichen sey. Es stunden rings uͤmbher Trojansche klagefrauen/ Die mit zerstreutem haar sich liessen traurig schauen Nach hergebrachter sitt: Wir bringen einen nab Voll warmer milch herbey und schuͤttens in das grab/ Auch eine schale bluts. Nach dem wir nun die seele Geruffen an das grab: Wird sie flugs in die hoͤhle Und grufft gescharret ein: D amit sie kaͤm zur ruh/ Und schrien ihr zuletzt mit lauter stimm zu. Hernach so bald sich ließ ein klares wetter sehen/ Und daß man sicherlich zu segel kunte gehen/ Da uns ein linder sud rufft auff das hohe meer; Da machet sich die pursch ans ufer haͤuffig her Und stoͤsst die schiffe loß: D a fahren wir von hinnen Und lassen land und stadt aus unsern aug- und sinnen Es ligt ein Eyland da auff dem Aegeer meer/ D as ist gewidmet dem Neptun mit heilger ehr/ D er mutter ebenfalls der meer einwohnerinnen/ Der D oris/ die dis land nach ihrem wuntsch und sinnen Haͤlt lieb und ehren wehrt. Dieselbe Insul hat Als sie schwumm hin und her uͤmbs ufer und gestad/ D er Das Dritte Buch. D er fromme bogenschuͤtz Apollo angbeunden An Mycon und Gyar/ da hat man drauff befunden/ Daß/ wie er sie gemacht/ sie stehet unbewegt/ Wie sehr und aber sehr sich mancher sturm erregt. Hieher gelang ich nun: Diß Eyland nimmt uns matte In seinem Haven auff/ da man gut ruhen hatte. Als wir gestiegen aus/ besehen wir die stadt/ Da Febus seinen sitz und heilgen Tempel hat. D er koͤnig Anius der beydes vor-dem lande Und Policeyen-war/ und dann mit heilgem bande Verknuͤpffet/ daß er trug den priesterlichen stand Des Febus/ kommet gleich gelauffen mir zur hand/ Traͤgt einen lorberkrantz/ geheilgten schmuck und zierde: Wir geben uns die hand mit sehnlicher begierde/ Er kennt den vater noch/ als er ihn nennen hoͤrt/ Den er als alten freund geliebet und geehrt. Drauff gehen wir hinein: der Tempel/ wie man schauet/ War von gemaͤuer alt/ zur andacht schoͤn gebauet. Ich trage mein gebaͤt auff solche massen fuͤr: Ach zeig/ Apollo/ doch ein eignes haͤußlein mir Und unverruͤckten sitz! sag an/ wo wir in friede Uns koͤnnen setzen hin/ die wir von kriege muͤde Und reißbeschwerden seyn? Erhalt/ erhalte doch Das andre Troja uns/ so uns bestimmet noch/ Das fuͤr den Danaern und grimm Achillis bleibe/ Davon uns keine macht noch list der feinde treibe. Wo sollen wir hinziehn? Was gibst du uns fuͤr rath? Wo meinest du/ da wir uns bauen eine stadt? H Gib Das Dritte Buch. Gib uns ein zeichen doch/ o vater/ daß wir koͤnnen Verstehen desto baß dem hertze/ will und sinnen. Ich hatts kaum außgesagt/ da kam mir ploͤtzlich fuͤr/ Wie alles bebete/ der tempel und die zier D es Lorbeerkraͤntzeleins. Es regte sich ein brummen In gantzen berg herumb/ man hoͤrte drinnen summen In innerster Capell/ die selbst eroͤffnet sich/ Den dreyfuß: Uns wird bang und fallen aͤngstiglich Zur erde/ beten an; Da laͤßt sich von uns hoͤren Ein uͤberlaute stimm: Ihr Troer/ last euch lehren/ Ihr uͤbermuͤdes volck: D as erste land/ das euch Vor erster eltern stamm getragen/ sey eur reich. Das wird euch wiederumb nachtragenden verlangen/ Wenn ihr kehrt wieder hin/ auffnehmen und empfangẽ/ Ernehren mildiglich mit seiner fettigkeit; Gedencket nur/ daß ihr dahin geflissen seyd/ Wie ihr in Welschland moͤgt zur alten mutter kommen/ Da ihr in wollfart seyd und bleibet auffgenommen; Da wird Eneens stamm und koͤnigliches hauß Sie durch die gantze welt gar herrlich breiten aus/ Und wird sein regiment auff kindes kinder kommen/ Und alle/ die von ihm ihr ankunfft hergenommen. Diß war des Febus spruch. Es schreyet jederman Fuͤr grossen freuden auff; Es jauchtzet/ wer nur kan/ Sie forschen alle sampt/ wie das/ was sie vernommen/ Recht zu verstehen sey/ und wo man muß zu kommen In dieser stadt? Was es fuͤr eine solte seyn/ D ahin sie wiederumb hieß Febus ziehen ein. Da Das Dritte Buch. Da hebt Anchises an von alten jahr geschichten/ So weit er dencken kan/ uns alle zuberichten: Ihr obern/ saget er/ hoͤrt meine reden an Und lernet/ wie ihr seyd mit eurer hoffnung dran. Es ligt ein Eyland da/ im mitten auff dem meere/ Heißt Creta/ stehet zu dem Zevs zu dienst und ehre/ D arbey ligt Idens berg: Daher entspringen wir/ Die wurtzel unsers stamms ist aus gesprossen hier. Man zehlet hundert staͤdt an groͤsse weit beschrien/ An nutz und fruchtbarkeit viel andern fuͤrzuziehen/ Ein segenreiches land/ darneben groß an macht/ Dem auch nichts mangelt leicht an uͤberfluß und pracht. Daselbst ist Teucer erst der Ahnherr angekommen Nach Troja (wenn ich recht die sach hab eingenommen Und noch gedencken kan/ gestalt mir ist erzehlt) Und hat zu seinem reich ihm diesen orth erwehlt. Man sah der Troer burg und festung noch nicht stehen/ Man sahe keine Thuͤrn hoch in die wolcken gehen ; Sie wohnten in dem grund der berg/ und in dem thal. Daher ist Cybele die mutter uͤberall Bekand mit ihrer zunfft der tollen Corybanten/ Die mit dem Cymbelertz durch alle gassen rannten; Daher ist Idens wald gestellt in kein vergeß Man weiß zu sagen noch von ihrer stillen meß/ Und daß die grosse frau der Goͤtter ist getragen Von Loͤwen/ die man ihr gespannet an den wagen; D erhalben nur frisch auff! Ermuntert euren sinn/ Und laßt uns auff geheyß der Goͤtter ziehen hin. H 2 Laßt Das Dritte Buch. Laßt uns der winde huld und gunst zu wege bringen/ Und ziehn auff Creta zu: Es wird uns wol gelingen/ Der weg ist nicht zu weit (wenn Zevs nur bey uns ist) Wir wollen kommen hin in dreyer tagefrist. Drauff macht er sich bereit zu schlachten farren abe Dem Meergott und Apoll zur heilgen opffergabe. Dem nord und linden west bracht er zwey schaaffe dar. die klatschfrau fleucht geschwind uñ giebet aus fuͤr wahr/ Es wehr Idomeneus der Hertzog gantz vertrieben Vom vaͤterlichen reich/ es wehre Creta blieben Verlassen wuͤst und oͤd/ sie haͤtten alles stehn Und liegen lassen da/ es wehr kein feind zu sehn. D erhalben lassen wir die Insul D elos ligen Und durch das offne meer die leichten segel fliegen/ Wir streichen risch fuͤrbey die Insul Nax/ D oneyß/ Olearos/ Paros/ und die in einem kreyß/ Im meer zerstreuet sind/ die man Cycladen nennet/ Die von der erde sind gerissen und getrennet. Die booßknecht heben an ihr freudiges geschrey/ Ein jeder wil mit fleiß sein bestes thun darbey. D ie pursche reget sich auff Creta zu zukommen/ Weil von den Ahnen sie vor-hatte was vernommen: Von hinden gehet uns ein guter wind zur hand/ Biß wir so fahren ein ins alte Creter land. Derhalben bau ich stracks die stadt auff mit verlangen Und heiß sie Pergamos zum denckmal ohne prangen. Die pursche/ die sich freut des namens/ mahn ich an/ Daß jeder fuͤr sein hauß und herd steh als ein mann. Ich Das Dritte Buch. Ich halte weiter an die vestung auffzubauen/ Die schiffe kunte man nunmehr in trocknm schauen Bey heiser sommerzeit. Die pursche gattet sich Und ist bemuͤht das feld zu bauen fleißiglich. Ich laß sie buͤrgerrecht und eigne haͤuser haben; Als sie sich nun in ruh und friede wollen laben; D a koͤmmet eine pest mit schnellem ungestuͤmm/ Und bringet menschen/ vieh/ ja saat und pflantzen/ uͤmm. Die lufft war angesteckt von schnellem gifft und seuche/ Es kam ein boͤses jahr und brachte manche leiche/ Viel musten sterben dran und enden ihren lauff/ Viel lagen hefftig kranck und kamen wieder auff. Die felder doͤrrten aus von heissen sommer tagen/ Und wolten weder graß/ noch laub noch fruͤchte tragen. Der vater wil/ man sol nach Delos wieder gehn/ Umb Febus außspruch recht und besser zu verstehn/ Hiernebst zubitten ihn/ umb dieses zuvergeben: Wie lange wir annoch im elend muͤsten schweben/ Und was er riethe doch fuͤr kraͤfftig artzeney/ Die fuͤr die Pestilentz zu brauchen nuͤtzlich sey/ Und ferner/ wo wir hin uns muͤsten endlich kehren/ Damit wir moͤchten uns in fried und ruhe nehren? Es kam die nacht: Was lebt auff erden groß und klein/ Begaben sich zur ruh und schlieffen saͤnfftlich ein/ Da duͤncket mir/ ich seh/ als ich schlieff etwas milder/ Der Troer Goͤtter stehn und ihre heilge Bilder/ Die ich durch schwerdt und feur von Troja trug mit mir/ Fuͤr meinem angesicht/ nnd schienen klar herfuͤr. H 3 Mit Das Dritte Buch. Mit strahlender gestalt: D a gleich mit vollem scheine D er mon durchs fenster schien und blinckte hell und reine. Nach diesen sprachen sie mir also troͤstlich zu; Und stellten mein gemuͤth zur angenehmen ruh/ Was dir zu D elos kan und wird Apollo sagen/ Das wil er dir durch uns hier haben fuͤrgetragen Aus gutem willen/ schau ! Als Troja stund im brand/ Sind wir dir nachgefolgt zu wasser und zu land. Ja wir sind neben dir zu felde mit gezogen/ Und haben dir zu gut dem boͤsen fuͤrgebogen: Wir eben wollen auch hoch preisen dein geschlecht Und kuͤnfftig uͤber Rom regieren schlecht und recht. Bau du nur eine stadt/ die herrlich/ groß und maͤchtig Den grossen Enckeln ist und duͤncket nicht veraͤchtig. Merck aber dieses auch/ daß du die muͤh und schweiß Annehmst zu fliehen weg auff goͤttliches geheiß. Du mussest weg: Es hat dir Febus nicht befohlen/ Daß du dich deiner ruh hier soltest gantz erhohlen A n diesem strand und land. Auch wil A pollo nicht/ Daß Creta sey dein sitz. Nun mercke/ was er spricht: Es ist ein ort/ der von den Griechen wird genennet Das Abendland/ das man noch heutigs tages kennet/ Und heist Italien/ ein gut und streitbar land/ Das von Saturnus noch und Janos ist bekand/ Das die Oenotrier bewohnet erstlich haben/ D em nachmals/ wie man sagt/ die nach gebornen gaben Den namen Welschland von dem fuͤrsten so genand. Schau! dieser sitz ist uns von Goͤttern zuerkand/ Da Das Dritte Buch. Da unser bleiben ist: Daher ist Jas kommen Und koͤnig Dardanus/ von welchen wir genommen D en ursprung unsers stam̃s. Wolan/ steh auf zur stund/ Und mache diese maͤhr dem alten vater kund; Sag wolgemuth/ er sol sich hierob nicht bedencken Viel minder seinen sinn vom zweifel lassen kraͤncken; Frag nach der stadt Corit und land Italien/ Zevs laͤßt dir Creta nicht zur wohnung offen stehn. A ls mir nun dies gesicht und stimme schrecken brachte (Denn damals schlieff ich nicht/ ich lage nur und dachte/ Und ließ beduͤncken mich gestalt und haupt zu sehn Und sichtiglich fuͤr mir der Troer Goͤtter stehn/ Es rann ein kalter schweiß von meinem gantzen leibe) Raff ich mich aus dem bett und laͤnger da nicht bleibe/ Heb beyde haͤnde mit gebaͤt zum himmel hin/ Und opffre meine gab mit unbeflecktem sinn Nach noͤthigen gebrauch/ erfreut vollkomner ehre Der heilgen opfferung: den vater ich belehre/ Was sich begeben hat/ erzehl ihn nach der reyh Den handel/ er koͤmmt drauff/ und findet sich/ daß zwey Der kind- und eltern seyn: Er habe drumb geirret/ Weil Teucer kommen war von Creta und verwirret Fast hette seinen sinn. Drauff redet er mich an: Mein sohn/ der uͤbel du zu Troja warest dran/ Da sie zerstoͤret wurd/ der du viel hast erduldet: Cassandra hat diß nur verursacht und verschuldet/ Daß ich geirret hab/ sie propheceyte mir/ Es wuͤrde kommen so/ wie ich euch zeigte hier. H 4 Nun Das Dritte Buch. Nun faͤllt mirs wieder ein/ daß dieses unsern leuten Werd ihr bescheidnes gluͤck und antheil noch bedeuten. Sie hat des Welschen reichs sehr offt und viel gedacht/ Wer aber hats damahl genommen groß in acht? Wer haͤtte wol geglaͤubt/ daß dis die Goͤtter wolten/ Daß die Trojaner noch nach Welschland kom̃en solten ? Wer kehrte sich daran/ was offt Cassandra sagt? D rumb folgt dem Febus nur/ was ihm/ nicht uns/ behagt. So gab er uns bericht: Wir folgen hurtig alle Demselben ohn verzug mit grossem freudenschalle/ Verliessen Creta auch mit wenig anderen/ D ie wegen kranckheit nicht zu segel kunten gehn. Wir stossen wieder ab mit unserm heer und schiffen/ D ie durch das wilde meer mit vollem segel lieffen; A ls sie nun kamen durch die wellen auff die hoͤh/ Da sah man mehrers nichts als himmel lufft und see/ Darauff stund uͤber uns ein dick gewoͤlckter regen/ Der uns mit finsternuͤß und sturmen kam entgegen; D as meer sah schrecklich aus bey solcher dunst und dufft/ Die macht der winde tobt und mengt die weite lufft Mit lauter ungestuͤmm/ erreget wind und wellen/ Die unsre schiffe sind bemuͤhet zuzerschellen/ Die saltzbenetzte fluth zerstreut uns hin und her/ Der duͤstre wettersturm verhuͤllet mehr und mehr Des tages augenlicht/ die nacht nimmt uns den himmel/ Es plitzet uͤberosft/ es regt sich groß getuͤmmel Im wolcken/ ja es kracht das grosse himmel-schloß/ Und wil sich reissen fast von seiner feste loß. Wir Das Dritte Buch. Wir werden von dem weg/ den wir uns fuͤrgenommen/ Geworffen uͤberseit/ und weiß nicht/ wohin kommen ; So gar sind wir verirrt in unbekanter fluth; Er Palinurus selbst laͤßt sincken hand und muth/ Und weiß nicht zwischen tag und nacht zu unterscheiden Bey solcher finsternuͤß/ die er kan weder meiden Noch endern/ kan sich auch nicht mehr besinnen wol/ Wie er bey solchem sturm das steuer fuͤhren sol. In solcher wuͤsten dufft vergehn drey gantze tage Und naͤchte/ da wir so mit grosser angst und plage Getrieben werden uͤmb/ und sehen keinen stern Noch einig tageliecht/ wie nah doch oder fern Wir schweben an dem land: Dann koͤm̃t uns zu gesichte Ein Haven allererst am vierdten tageliechte/ Die berge lassen sich fern bey den spitzen sehn/ Und sahen einen rauch hoch in die luͤffte gehn. Wir ziehn das segel ein/ und sind bemuͤht zuschlagen Die ruder staͤrcker an/ uns schleunig fort zutragen. Die schiffer rudern fort mit muͤh ohn unterlaß Und streichen ruͤstig durch das himmel blaue naß Da komm ich aus gefahr der wellen mit dem leben/ Und kan mit besserm muth mich zu der ruh begeben. Wir fahren zu dem strand der Insuln Strophaden/ Die Griegisch heissen so/ weil sie nicht stille stehn Und ligen in den meer/ das damal hergenommen Den namen/ weil da ist die Joͤ umbgekommen Ertraͤncket jaͤmmerlich. Der rauberinnen zunfft/ Die man Harpyien nennt/ und grimmig ohn vernunfft H 5 Gleich Das Dritte Buch. Gleich wie die falcken sind/ in diesen Insuln wohnen/ Und keines menschen je/ wo sie nur koͤnnen/ schonen/ Nach dem des Phineus hauß fuͤr sie verschlossen war/ Und sie desselben tisch fuͤr furcht verliessen gar. Kein grimmers ungeheur kan man/ als sie/ erdencken/ Kein aͤrgre pestilentz kan einen menschen kraͤncken ; Kein boͤser ding hat je der Goͤtter zorn und grimm Gefuͤhret aus der hell/ als dieses ungethuͤmm. Die voͤgel sehen aus gar jungferlich und reine/ Sehr haͤßlich aber ist der bauch und ihre beine/ Sie haben krumme haͤnd und scharffe klauen dran/ Sehn bleich fuͤr hungers grimm/ den keiner stillen kan. A ls wir nun kommen hin in diesen port zu ligen Zu schoͤpffen unsre ruh und froͤliches vergnuͤgen/ D a sehn wir hier und da viel fette farren stehn/ Auch ziegen in dem graß ohn ihrem hirten gehn. Wir uͤberfallen sie/ erlegen was wir koͤnnen/ Und theilen diesen raub/ so gut wir ihn gewinnen/ Dem Zevs und Goͤttern mit: Wir machen an dem port Von rasen tisch und banck/ und reden nicht viel wort/ Verzehren wolgemuth das mahl und fette bissen; Da faͤhrt von bergen her in eil ohn unser wissen Der raͤuber-hurenschaar und machen groß geraͤusch Mit ihren fittichen und nehmen uns das fleisch/ Ja sie besudeln alls mit ihren krummen tatzen/ man hoͤret sie auch schreyn und mit den ruͤsseln schmatzẽ? Sie machen endlich sich mit grossem stanck hinweg: Wir aber gehn davon auff einen andern steg/ D er Das Dritte Buch. Der unter einen felß was liget abgelegen/ Bewachsen dick mit laub und baͤumen allerwegen/ Wir richten wieder an und legen feuer dar Zu ehren unsern Gott und opffern beym altar: Da kommt von anderm ort und winckel hergezogen Das raͤubrische geschmeiß und auff uns zugeflogen Zu rauben wieder weg das essen fuͤr dem maul/ Besudeln alle ding. Ich wiederumb nicht faul/ Mahn auff die pursche/ daß sie ihre degen zuͤcken/ Und wieder dis gezuͤcht mit tapfferm muthe ruͤcken. Sie thun auff mein geheiß und legen unters graß Die degen fein zu recht/ die schild auff gleiche maß. Als sie nun aus gestad herumb geflogen kommen/ Und ihr gewaͤsche man und klatschen hat vernommen ; Gib Misen von der wart durch den trompeten schall Die losung : Alsbald koͤmmt die manschafft allzumahl/ Und fuͤhret einen krieg poßirlich anzusehen/ In dem sie mit gewehr sich doͤrffen unterstehen Zu hauen diß geschmeiß/ das wider hieb und stich Mit seiner harten haut und pursch verwahret sich. Sie fliehen uͤber meer mit schneller flucht von hinnen/ Und muͤssen uns den raub/ den sie benatzet/ goͤnnen ; Sie lassen hinter sich beschissne tapffen sehn; Cel æ no bleibet noch auff einem felsen stehn/ Und wil uns/ weiß nicht was fuͤr ungluͤck propheceyen/ Sie bricht in diese wort mit uͤberlautem schreyen: Ihr armen Troer ihr/ wolt ihr uns noch mit krieg So feindlich uͤberziehn? Ist euch nicht gnung der sieg/ Daß Das Dritte Buch. Daß ihr ein frembdes vieh geraubt und weg genom̃en; Wolt ihr auch uͤber uns mit solcher wuͤte kommen Und uns so treiben weg aus unserm erb und land/ Die doch unschuldig sind/ und keinem was entwand. D erhalben hoͤret mich und stellt in kein vergessen/ Was Febo Jupiter/ und Febus mir fuͤrdessen Vorher gesaget hat: Ich groͤste wuͤterin/ Die aus der helle koͤmmt/ eroͤffn euch meinen sinn. Ihr wolt in Welschland ziehn und habt die wind erbeten Nach eurem wuntsch. Wolan ihr sollets auch betreten/ Ihr werdet kommen hin/ ihr moͤget ziehen ein/ Es sol euch freyer paß und haven offen seyn. Doch solt ihr uͤmb die stadt nicht ehe die mauren fuͤhren/ Als bis euch wird die noth des grimmen hungers ruͤhren Und zwingen/ daß ihr muͤßt das schwartze teller brodt Auffessen ; Da wird erst angehen eure noth. Das wird die straffe seyn/ daß ihr uns habt bekrieget/ Und wieder fug und recht solch unrecht zugefuͤget. Als sie dis außgesagt/ erhub sie sich im wald/ Die pursche so erschrack/ daß ihr das hertz erkalt. Sie starreten fuͤr furcht und fiengen an zusagen/ Und woltens auffs gewehr nicht setzen mehr noch wagen/ Sie riethen/ man sol nur umb friede halten an Mit opffer und gebaͤt/ und weichen wie man kan ; Sie moͤgen kommen her vom himmel oder helle/ Wer kuͤmmert sich uͤmb sie/ wer achtet ihr gebelle? Der vater steht am port und rufft den Jupiter Und alle Goͤtter an mit heilgem dienst und ehr: Ihr Das Dritte Buch. Ihr Goͤtter wehret ab/ was diese voͤgel singen/ Und lasset ihren wuntsch und drewung nicht gelingen/ Bewahrt uus gnaͤdiglich fuͤr solcher grossen noth/ Und wehrt den frommen ab all angst und schweren todt. Darauff befiehlet er/ daß man sich eilend schicke Zum wegzug und die schiff aus diesem Haven ruͤcke. Wir sitzen auff/ der wind treibt unser segel fort/ Wir fliehen durch den schaum der wellen an den port/ Da wind und steuermann uns hin regiert und fuͤhret D a stoͤßt uns auff Zacynth/ die man von ferne spuͤret Und andre Insuln mehr. Wir meiden Ithacen Laertes koͤnigreich/ weil da viel felsen stehn. Wir muͤssen fluchen noch dem lande/ weils ernehret Den land verwuͤster hat Ulissen/ der verheeret Hat unser vaterland: man sieht in kurtzer frist Auch Leucaten den berg/ der Febo heilig ist/ Fuͤr dem die schiffer sich genau und fleißig huͤten/ Weil da viel klippen sind und grimme raͤuber wuͤten. Nach diesem streben wir ermuͤdet und sehr matt/ Und ziehen/ ob sie schon fast klein/ in diese stadt. Man wirfft das ancker aus/ die schiffe stehn am rande; Als wir nun kommen sind zu solchem guten lande/ Deß man sich nicht versah/ thun wir dem Jupiter Mit opffer und gebaͤt hoch feyrlich lob und ehr. Wir halten auch an port zur lust/ wies uns gefiele/ Thurniere/ kampff-gefecht und edle ritterspiele/ Nach Troischem gebrauch/ und machen/ wies geziemt/ Das Actische gestad noch mehr und mehr beruͤhmt. Die Das Dritte Buch. Die pursch entbloͤsset sich und uͤbet sich in ringen/ Wer einen andern erst kan auff die erde bringen Nach ritterlichen brauch auff freyem ringe-plan Bestreichen sich mit oͤhl/ daß man so leicht nicht kan D en gegner fassen uͤmm und ihn zu boden schmeissen/ Man sieht sie beyderseits von schweiß und oͤhle gleissen/ Und wie sich bemuͤhn zu siegen freudig ob/ Damit sie bringen weg ein ritterliches lob. Wir freuen saͤmptlich uns/ daß wir so seyn gekommen Durch manche Griechen stadt/ und unsern weg genom̃en Durch manchẽ grim̃en feind/ durch ungluͤck und beschwer Mit elend und gefahr/ und gluͤcklich kommen her. D ie sonne hatte nun den grossen kreyß vollendet/ Da sich die rauhe zeit des winters zu uns wendet Mit vielem schnee und frost/ da see und stroͤme stehn Gefroren/ daß man kan mit lasten druͤber gehn. Ich nehm den ehrnen schild/ den ritter Abas truge/ Den einer neben mir behertzt zu boden schluge Und hefft ihn an die pfost/ die gegen uͤber stund Und mache diese sach durch dieses verßlein kund: Der Griechen sieger schild/ den einer da verlohrẽ Zu Troja redlich hat/ derselbe sey erkohren Zum denckmal dieses mañs/ der ihn gewonnẽ hat/ Eneas henckt ihn auff/ als zeuge dieser that. Hierauff thu ich befehl/ daß man zu segel gehe/ Und jeder seine-stell verwalt und fertig stehe: D ie pursch halt ernstlich an mit rudern in die wett/ Und streichen durch das meer/ daß voller schaum es steht. Wir Das Dritte Buch. Wir lassen also fort Corcyra hinden ligen/ Gehn auch Epeir fuͤrbey/ bis wir uns endlich biegen Und kehren in den port der seinen namen hat Von Chaon/ kommen drauff nach Buthrot in die stadt. Alhier erschallt der ruff und wunderlich geruͤchte Daß man nicht glaͤuben kan und haͤlt fuͤr ein getichte/ Es haͤtte Helenus des koͤnigs Priams sohn Eroͤbert Griechenland und truͤge da die kron. Denn Pyrrh waͤr vom Orest in tollheit uͤmgekommen/ Und haͤtt Andromache den Helenum genommen Zum koͤnig und gemahl: Es koͤmmt mir frembde fuͤr/ Und wil mir gantz nicht ein: Ich trage stracks begier Zu reden mit dem man umb diese wunderdinge/ Von ihm zu hoͤren selbst/ und wie es ihm ergienge/ Man gaͤbe nemblich fuͤr/ er were koͤnig da/ Und haͤtt ihn bey gelegt die frau Andromacha. Ich geh vom Haven weg/ laß schiff und ufer stehen/ D a laͤßt Andromache sich fuͤr dem thore sehen In schattenreichem Hayn/ da wo das wasser rinnt/ Das man auch S imois/ wie jens zu Troja nennt/ D aß man des langen kriegs diß ortes nicht vergesse ; Hier haͤlt sie ihrem man dem Hector eine messe Nach jaͤhrlichem gebrauch/ mit treuen andacht sinn/ Richt opfferspeise zu und geußt die schale hin Voll tawerwein auffs grab/ weil sie den leib nicht hatte/ So bildet sie ihr ein/ es lege da ihr gatte: Derhalben machte sie ein leeres grab allein/ Und baute zween altaͤr/ der eine solte seyn Fuͤr Das Dritte Buch. Fuͤr ihrem ehegemahl/ der ander ihrem sohne Und hebt zuruffen an mit jammerlichen thone Des Hectors geist herbey; Damit sie also hab Zu weinen satten fug umb ihren mann und grab. Als sie mich kommen sieht und unsre waffen kennet/ Da stuͤtzet sie darob/ sie siehet starr und sinnet/ Entsetzet sich so gar ob dieser dinge lauff/ Daß sie in ohnmacht faͤllt/ dann steht sie wieder anff Nach langer weile kaum/ und hebt so anzufragen ? Eneas/ bist dus selbst? Ach/ was sol ich doch sagen ? Lebst oder bist du tod? Im fall du bist ein schein Und irrest uͤmm/ sag mir/ wo mag doch Hector seyn ? Hiemit vergoß sie viel gesaltzne jammerthraͤnen/ Erfuͤllte mit geschrey/ mit seufftzen/ winseln/ staͤhnen Den gantzen ort herumb. Als sie so schrecklich thut/ Verlier ich selber fast zu reden lust und muth ; Ich mache wenig wort/ die halb gebrochen waren/ Ich sag: ich lebe zwar/ muß aber viel erfahren; D urch euserst ungeluͤck fuͤhr ich mein leben hier: Trag keinen zweifel nur/ denn ich Eneas bin/ Wie du auch selber siehst: Ey doch/ wie ist dirs gangen Als einer wittbe noch? Wie hast du dein verlangen Gestillet/ da dir so dein eheherr bliebe tod? Was fuͤr ein wuͤrdig gluͤck schien dir nach dieser noth ? Ey doch Andromache! Die du den Hector hattest: Ists dem also/ daß du mit Pyrrhen dich begattest ? Da schluge sie zur erd ihr angesicht aus scham/ Und redte leise/ daß man sie kaum recht vernahm. Wie Das Dritte Buch. Wie ist Polyxena so selig doch geworden Fuͤr andern fraͤuelein in jungfraͤulichen orden/ Daß ihr zu Troja ist bey des Achillis grab Von feindlicher gewalt der kopff geschlagen ab! Man hat nicht/ wie umb mich/ umb sie das loß gespielet/ Man hat nach ihren ruhm der keuschheit nicht gezielet/ Sie hat erfahren nicht des sieg/ feinds grimmigkeit/ Vnd ligen nicht gedorfft mit zwang an seiner seit. Wir aber/ da uns hauß und hoff war angestecket/ Und durch so manches meer gezogen und getrecket Ertragen hoͤchstes zwangs des freueln Pyrrhens joch/ Der nachmals lieffe nach der Hermione noch Und legte sie ihm bey/ mich aber ließ er fahren/ Als die ich muste nur sein haus und hoff verwahren/ Hielt mich fuͤr seine magd/ und gab mich seinem knecht Dem Heleno zur eh. Das hielt er fuͤr sein recht. Orest dacht aber auch die braut an heim zufuͤhren; Als ihn begunte nun die lieb und zorn zu ruͤhren/ Der sonst getrieben war von leichter buͤberey Und wuͤte/ sieht auff fug/ wie er ihm komme bey. Da kam ihm bald zur hand gelegenheit im Tempel/ Da selbst erschlug er ihn mit greulichem Exempel Fuͤrm altar/ da er sich versahe keiner fahr. Als Pyrrh nun dergestalt umbs leben kommen war; Ist Heleno ein theil des lands nach recht geblieben/ Der liesse sich das laud Chaoniam belieben Zu nennen so/ die weils von Chaon kommen ist/ Der ein Trojaner auch gewesen/ wie man list/ J Er Das Dritte Buch. Er hat auch dieses schloß/ das man fuͤr augen schauet Auff einem hohen felß/ wie Pergamos/ gebauet. Mit aber was geluͤck bist du gekommen her? Was fuͤr ein Gott hat dich gefuͤhret auff dem meer; Was macht der knab Ascan? Er ist ja noch am leben? Den dir fuͤr Trojens fall die Goͤtter haben geben. Laͤßt er der mutter tod ihm auch zu hertzen gehn? Laͤßt er die tugend auch des vaters an sich sehn? D enckt er an vetter auch? An Hectors tapffre stinnen? Laͤsst er sich reitzen an durch tugendlich beginnen? Als nun vergebens so durch langen thraͤnen guß Und klaͤgliches gespraͤch die liebe zeit verfloß. Da koͤmmet aus der stadt der Helenus spatzieret Mit stattlichem geleit/ der damals da regieret/ Er kennt uns seine freund/ und fuͤhret uns mit sich Er freuet in die stadt und weinet bitterlich Bey einem jeden wort/ erinnert sich der zeiten D a Troja stund in gluͤck und groß auff allen seiten? Ich gehe fort/ beschau die neuerbaute stadt/ D as schloß/ und sehe wie doch alles gleichheit hat Mit Troja/ kan hiebey den trocknen Xanth erkennen/ denn man S camander sonst pflegt fuͤglich auch zu nen- Ich halte mich ans thor und geb ihm einen kuß/ (nen; Und lege hiermit ab zum denckmal meinen gruß. Wir werden alle mit in diese stadt genommen/ So viel ihr waren auch zugleich hieher gekommen. Der koͤnig lud uns ein auff einen weiten saal Im schlosse mitten drinn; D a ginge manche schal Mit Das Dritte Buch. Mit gntem wein herumb: Man trug herein das essen In guͤldnen schuͤsseln auff/ es wurde nichts vergessen An ehr und staͤttligkeit: Wir waren guter ding ; Bis itzt der andre tag mit lust fuͤruͤber gieng; Da rieff uns guter wind der in die segel bliesse/ Der kam von suͤden her/ und uns bald fahren hiesse: D a muß ich Helenum zuletzt noch reden an/ Der in wahrsagerey war ein geschickter man: O Helenus/ der du zu Troja bist gebohren/ Von himmels Goͤttern selbst zum priesterthum erkohren/ Zu deuten ihren spruch/ zu legen aus den sinn/ Den Febus zuverstehn/ wo er dich weiset hin Durch seinen lorberbaum und drey fuß/ der du lernest Der sterne lauff und port und fleißig sie anßkernest/ Verstehest uͤber das des federvolcks geschrey/ Und was aus ihrem flug zu propheceyen sey. Sag an (denn Febus hat mir gluͤck und wolergehen Zu meiner reise vor gegeben zuverstehen/ Die Goͤtter haben mir ertheilt auch diesen rath Nach ihrer macht/ daß ich nach Welschland diesen pfad Bestaͤndig nehme fuͤr und nach dem lande zoͤge/ Das weit und unbekand und gegen abend lege; Celaeno aber wil die groͤßste raͤuberin Mir anders pfeiffen fuͤr und schrecken meinen sinn Von einer hungers noth/ die schrecklich nachzusagen; Da nemblich wider uns die Goͤtter wuͤrden tragen Gantz unerhoͤrten zorn ) wie koͤnnt ich/ sag/ entgehn/ Wenn einige gefahr mir vor-noch solte-stehn? J 2 Was Das Dritte Buch. Was gaͤbst du mir fuͤr rath/ dem ich nach-muste-leben/ Wenn ich der schwerigkeit und noth mich solt entheben? Hier schlachtet Helenus den Goͤttern nach gebuͤhr Und hergebrachten brauch erst einen fetten stier; Nach diesem bittet er sie wollens ihm erlauben Zu machen offenbahr/ und macht die priester hauben Des heilgen haͤuptes loß/ und fuͤhrt mich zum altar D es Febus bey der hand. Mir aber graute gar Fuͤr furcht und wartung/ was daraus doch wolte werdẽ/ Ließ aber gleichwol mich nichts mercken an geberden: Hierauff eroͤffnet er als priester seinen mund Und sagte her/ nach dem ihm war die sache kund. Enea (denn ich weiß/ daß du mit Gottes gnade Zeuchst durch das hohe meer und stehst auff gutem pfade/ Es hat der grosse Gott dein gluͤck in seiner hand/ D er endert unser thun mit ordnung und bestand) Ich wil aus vielen nur ein weniges dir sagen/ Damit du sicherer durchs meer dich moͤgest wagen/ Und kommst als werther gast an einen solchen port/ Wie Welschland ist/ da du koͤnnst ruhen fort und fort. Was hinterstellig ist/ kan ich dich nicht belehren/ Weil mir die Goͤttinnen des lebens dieses wehren/ Auch Juno selbst verbeut: Erst was Italien Belanget/ wilst du fast in dieser meinung stehn/ Als leg es nah von hier: Du hast dir fuͤr genommen/ Als woltst du ihnen bald mit macht zu halse kommen/ Und weisest doch noch nicht/ was Gott versehen hat; Der weg erstreckt sich weit; Man reiset fruͤh und spat/ Und Das Dritte Buch. Und koͤmmet langsam hin von einen ort zum andern/ Man hat viel hindernuͤß und laͤsst sich so nicht wandern Ins land Italien: Es gehet langsam fort/ Wenn man mit rudern wil gelangen erst an port Des lands Sicilien/ man muß offt stille ligen/ Man muß mit segeln sich und rudern offtmals schmiegẽ/ Man muß auch fahren umb das Hadriatsche meer. Bis an die Hellenbach/ da muß man mit beschwer Sich weiter dringen durch/ da wo die Circe wohnet/ Da einem wird die muͤh gering und schlecht belohnet/ Eh du mit sicherheit gelangest nach Lavin/ Da du zu deiner ruh das ziel dir steckest hin/ Ich will dir zum bericht von einem zeichen sagen/ Das denck ohn unterlaß in deinem sinn zu tragen/ Wenn du bekuͤmmert wirst am Tyburstrome gehn/ So wirst du eine saw an gruͤnem ufer sehn/ Wo eine steineich ist/ mit dreyßig fercklein ligen/ Ist weiß/ ligt auff der erd/ die weissen fercklein schmiegen Sich umb die brust herumb: Da ist der ort der stadt Da deine muͤh und noth gewiß ein ende hat: Laß dich auch schreckẽ nicht/ ob du auch gleich wirst habẽ Das schwartze tellerbrodt/ daran du dich kanst laben. Die hungersnoth/ wenn sie itzt kan nicht hoͤher gehn/ Verheisset ziel und maß/ und kan nicht laͤnger stehn: Wir wissen keinen weg/ Gott wird wol einen finden/ Durch dessen beystand du wirst koͤnnen uͤber winden/ Was dir zu handen stoͤsst/ fleuch aber jenen strand/ Der dort bey Welschland ligt/ und meide Griechenland/ J 3 Das Das Dritte Buch. D as nah bey unserm meer/ da harte Griechen wohnen In staͤdten hier und da/ die keines menschen schonen/ Die Locrer haben hier gebauet eine stadt Da Lyct das Salentin sehr hart belagert hat. Hier ligt Petilien/ die man geringe schauet ; Die aber Philoctet mit fester maur gebauet ; Wenn du auch kommen bist hinuͤber durch das meer/ Und du am ufer wirst den Goͤttern thun die ehr/ D aß du bringst ihnen fuͤr dein heilig opffer gaben Und bruͤnstiges gebaͤt/ solt du drauff achtung haben/ Daß du bedecket traͤgst/ dein haupt und angesicht/ Damit beym Gottesdienst du moͤgst erschrecken nicht/ Wenn dir ein feind kaͤm fuͤr/ und also leicht verstoͤret Dein andacht wuͤrde dir und Gottesdienst entehret. Dieß art solst beydes du und deine pursch mit dir In opffern halten stets und uͤben nach gebuͤhr/ Wie auch dein gantz geschlecht/ und sollet bleiben drinnẽ Mit unversehrter treu und heilig-reinen sinnen. Wenn aber du davon ins land Sicilien Wirst ziehen und kaum erst den berg Pelorus sehn/ So schlage dich herumb und eile nach dem strande/ D er auff der lincken hand ligt gegen mittags lande/ Geh port und meer/ das dir zur rechten ligt/ fuͤrbey Und trage nach gebuͤhr den Goͤttern furcht und scheu. Denn da vorzeiten ist das erdreich auffgesprungen/ Sind dieser oͤrter auch viel Insulen verschlungen (So gar stuͤrtzt alles hin die lange zeit zu grund) Als diese waren noch ein festes land itzund. Da Das Dritte Buch. Da ist mit gantzer macht das meer darzwischen kom̃en/ Und hat Sicilien von Welschland weggenemmen Und laͤufft durch staͤdt und feld/ die abgesondert sind Vom ufer/ mit gebrauß bald ab bald zu geschwind. Zween oͤrther sind im meer gefaͤhrlich und beschrihen/ Die zu sich manches schiff in tieffen abgrund ziehen : Die Scylla liget rechts/ Charybd zur lincken hand: Und diese tobt und braust/ verschlucket fluth und sand Mit ihrem weiten schlund und krum gefuͤhrten kluͤfften/ Bald mengt sie wiederumb die wellen mit den luͤfften Und spruͤet gleichsam fast bis ans gestirn hinauff; Die Scylla aber bleibt und hemmet ihren lauff In tieffgeschroffter klufft/ erhebt sich mit dem schlunde/ Und zeucht die schiffe hin in klippen und zugrunde ; Theils sieht sie wie ein mensch und schoͤnes jungfraͤulein/ Theils aber scheinet sie dem meerschwein gleich zu seyn An ungeheurer groͤß und vielen wolffes schwaͤntzen: Viel sichrer ists gethan/ umbziehen weit die graͤntzen Des vorgebirgs Pachyn/ und bleiben lange stehn Mit wenig zeit verlust/ als einmal sollen sehn Diß ungeheure thier/ die Scylla/ ihre kluͤffte Und scheußliche gestalt/ die wolffsbeschwantzte huͤffte/ Der blauen hund geheul und vieler klippen scheu/ Ja so mir auch verstand und weißheit wohnet bey/ Als der ich hab gelernt die kunst zu propheceyen/ So man nur glauben mir zumisset/ als getreuen/ So nur Apollo noch erfuͤllet meinen sinn/ Daß ich die warheit weiß/ und ein prophet noch bin: J 4 Will Das Dritte Buch. Wil ich/ Enea/ dir fuͤr allen dieses sagen/ Was dir am nuͤtzlichsten und billig sol behagen/ Und wil dirs noch einmal gebunden haben ein/ Daß dir dasselbige moͤg unvergessen seyn. Halt bey der Juno an ohn unterlaß zu beten/ Und bis stets eingedenck mit andern hin zu treten Fuͤr ihre Majestet/ und sing ihr lieder gern Als einer koͤnigin/ die herrschet weit und fern; Mach dir dieselbige geneigt mit opffergaben ; Wenn du nun diß nach wuntsch so wirst erlanget haben/ Wirst du Sicilien zuruͤcke lassen stehn/ Und nehmen graden weg stracks in Italien. Wenn du nun bist so weit und dañ nach Cumas kom̃en/ Und von dem see Lucrin/ wie auch Avern vernommen/ D ie man mit zittern hoͤrt in waͤldern brausen sehr/ Da wirst du eine frau mit heiligkeit und ehr Bekommen zu gesicht/ die hat auch weißheit gaben/ Die pfleget unten an dem felß ihr thun zu haben/ Weissaget vielerley/ schreibt zeichen auff ein blat Und namen: Und was sie so auffgezeichnet hat Von liedern allerhand/ das fasset sie in reyhen Und ordnung fuͤglich ab/ und kan sich drob erfreuen/ Verschleußt in ihre hoͤhl/ da bleibt es unentzuͤckt/ Und niemand ist/ der ihrs von stell und ordnung ruͤckt. Wo aber nun der wind zerstreuet und verwehet Die blaͤtter oder laub/ im fall die thuͤr auffgehet/ Bringt sie dieselbigen nicht wieder in die zahl Und Ordnung/ sondern laͤßt sie ligen allzumal Da Das Dritte Buch. Da gehn die leute weg/ sind uͤbel mit zu frieden/ Daß sie nichts richten aus/ dahin sie sind beschieden Zu hohlen weisen spruch/ und hassen dieses hauß/ Weil sie ohn unterricht offt muͤssen gehn heraus. Laß aber dir die zeit nicht so verdrießlich werden/ Ob du schon warten must mit aͤngstigen beschwerden/ Und dich die pursche treibt und guter segel wind Die schiffe fodert auff/ daß du mit gluͤck geschwind Von dannen fahren koͤntst. Gedencke du zu gehen Vor zur Sibyllen hin/ und bleibe drauff bestehen/ Daß du sie suchest an umb muͤndlichen Bericht/ Und mercke/ was sie dir mit gutem willen spricht. Ohn allem zweiffel wird sie dir der voͤlcker weise Und sitten mahlen fuͤr/ dahin du deine reise Dir fuͤrgenommen hast/ was grosser krieg und streit Sich wird in kuͤnfftiglich erheben mit der zeit/ Und wird dir zeigen an/ wie du der noth entgehen Und allem ungluͤck solst/ und alle muͤh ausstehen/ Die dir ob handen noch. Wird sie von dir geehrt So sey gewiß/ daß sie dir gutes gluͤck bescheert. So viel hab ich gewolt dir zu gemuͤthe fuͤhren/ Laß bey dir durch mein wort kein mißgefallen spuͤren. Wolan! so zeuch nur hin/ und mache/ wie dirs ziemt/ Daß Troja durch dein thun und thaten sey beruͤhmt. Als dieses der prophet so hatte treuer massen Gesprochen aus/ und mich nicht ohne trost gelassen/ Erzeigt er uͤber das sich gegen mir so hold/ Daß er mir schicket zum geschencke schwer am gold J 5 Poli- Das Dritte Buch. Poliertes helffenbein/ des silbers grosse stuͤcken/ Die unser schiff bey nah zu boden kunten druͤcken/ Auch becken zu Dodon aus silber schoͤn gemacht/ Ein dreyfach pantzer war von gold auch her gebracht/ auch federn/ schild und helm/ des Pyrꝛhens zeug u. waffen Mit welchen er offt viel uns Troern gab zu schaffen: Er laͤßt dem vater auch geschencke tragen fuͤr/ Wie sie ihm stehen an nach alter und gebuͤhr. Er leget rosse zu von manchen schoͤnen arten/ Auch knechte/ selbte wol zu recten und zuwarten/ Ersetzt das ruderzeug/ gibt booßgesellen her/ Versiehet hier und da die pursche mit gewehr. Immittels laͤßt Anchis/ die schiffe fertig stehen In segel/ so der wind solt etwan staͤrcker wehen/ D aß man sich saͤumte nicht. D en spricht der priester an Des Febi Helenus: Anchiese/ den zum mann Die Venus hat gewollt gewuͤrdigt hoher massen/ Den aller Goͤtter zunfft in schutz sich haben lassen Stets anbefohlen seyn mit treuer lieb und gunst/ Von denen du erloͤst zwier aus des fewers brunst: schau! dort ligt Welschland: denck dasselbe zuergreiffen: D och aber heischt die noth ein wenig uͤmb zu schweiffen: D as land Lavimum/ das hart an Welschland ligt/ Das zeigt A pollo dir: Damit sey nur vergnuͤgt/ Ligt aber auch noch weit. Zeuch hin mit guten winden Der du durch deinen sohn dein gluͤck und freude finden In deinem alter kanst: des treu und froͤmmigkeit Zu wasser und zu land bekant ist weit und breit. Wo Das Dritte Buch. Wo denck ich aber hin/ daß ich so ferne schreite Und dich mit langem wuntsch und unterricht begleite/ Was halt ich dich hier auff/ weil nun der segelwind/ Der gleich von suden koͤmmt/ sich wieder bey uns find? Es bracht A ndromachen nicht minder dieses scheiden Und letzter abschieds gruß bekuͤmmernuͤß und leiden/ Sie ließ erscheinen auch ihr hohe mildigkeit Und schickt Ascanio ein goldgesticktes kleid/ Auch einen reiter rock durch Phryger kunst und nadel Gewircket und gestickt ohn allen fehl und tadel/ Viel stuͤcken noch darzu schoͤn außgeneht/ verbremt- Und schamorirt/ daß sich kein fuͤrst darinnen schaͤmt. Diß alles schenckt sie ihm/ und wil so seiner ehre Begegnen praͤchtiglich beyfuͤgend diese lehre: Mein knabe (sagte sie) nimm hin von meiner hand Was ich verehre dir an kleidern und gewand Zum denckmal/ daß ich theils hab selbst geausarbeitet/ Ein theil ist anderweit gesticket und bereitet: Laß dirs ein zeichen seyn/ dadurch du deiner baaß/ Als meiner/ dencken solst mit lieb ohn unterlaß. Nimm/ sage ich/ diese gab die letzte deiner lieben/ O einges ebenbild/ das annoch uͤbrig blieben Von meinem soͤhnelein Astyanax/ den du D aheim noch hast gekand bey stiller friedens ruh. Er trug fast einerley gebaͤrden und beginnen/ Und kunte gleichfalls schon auff hohe sachen sinnen: S o sah er/ so trug er die haͤnde haupt und mund/ Sein wesen/ gang und sprach ihm alles zierlich stund/ Er Das Dritte Buch. Er waͤre dir itzt gleich am alter/ zarter bluͤthe/ An leibes groͤsse/ stand und freudigen gemuͤthe. Als sie sich letzten so/ legt ich den wuntsch gleich ab/ Und jeglichem mit hertz und sinn die haͤnde gab. Ich muste mildiglich zu weinen noch anfangen/ Und sagte noch zu letzt mit hertzlichem verlangen: Lebt selig allesampt/ die ihr eur ungeluͤck/ Wie hart es immer war/ geleget haͤbt zu ruͤck. Wir aber muͤssen noch von einem ort zum andern Mit grosser faͤhrligkeit/ mit noth und jammer wandern: Ihr habt nun gute ruh/ und doͤrfft nicht mit beschwer Und vielen ungemach durch ziehn das wilde meer/ Noch Welschland suchen so/ nach dem wir lange streben Und langsam kommen hin/ immittelst aber schweben In noth und duͤrfftigkeit. Ihr habet Troja nun Und Xanth dem alten gleich/ ihr koͤnnet nun wol ruhn/ Ihr habt sie selbst erbaut (Gott geb mit besserm gluͤcke Daß sie der Griechen list euch nicht von haͤnden ruͤcke) Ist mir das gluͤck geneigt/ daß ich Italien/ D as mir und meinem stamm gegeben ist/ kan sehn/ Und nach gebauter stadt erwuͤntschte ruhe finden/ So wollen wir uns dann zusammen fein verbinden Mit gutem fꝛied und ꝛecht und gleichẽ freundschafft band Weil unsre stadt und volck zusammen ist verwand. Cpeir das liget ja Italien zur seite; Wir sind aus einem stamm/ wir sind aus einem streite Und krieg gekommen her: Und diese sitt und brauch Sol unseres geschlecht inkuͤnfftig halten auch. Drauff Das Dritte Buch. D rauff segeln wir davon nechst bey dem berg und spitzẽ D a wo es immer pflegt zu donnern und zu plitzen ; Von dannen laͤsset sichs ins land Italien/ Wenn man zu wasser wil/ an allernechsten gehn. Es wurd ein tag verbracht mit kummer und beschwerdẽ/ Die sonne gieng zu ruͤst und wolte finster werden/ Wir lagern uns an port zu schoͤpffen bißlein ruh: Immittelst theilen wir die ruder andern zu durchs looß/ gestalt man pflegt. Wir setzen da uns nieder Und pflegen unsers leibs nach seiner nothurfft wieder/ Und schlaffen desto baß/ weil wir ermuͤdet sind/ Da stehet Palinur der schiffman auff geschwind/ War noch nicht mitternacht/ nũ forschet nach dem winde/ Ob sich gelegenheit zu schiffen wieder finde/ Und reckt die ohren hin/ von welcher gegend her Der wind gelinde saust und streichet auff dem meer/ Er mercket fleißig auffs gestirn an hohen himmel/ Da noch der monden scheint/ noch sich regt ein geruͤmmel; Er nimmt den huͤter da des baͤhrens in betracht/ Die nassen Hyaden/ die Baͤhren auch in acht. Er siehet gar genau auff des Orions zeichen/ Obs fuͤnckelt/ oder obs von duͤnsten wil erbleichen: Nach dem er alles nun befindet klar und schoͤn/ Und meinet/ daß es wol noch lange koͤnne stehn/ Da gibt er obenher vom schiff ein klares zeichen/ und mahnt uns wiedeꝛ auff davon duꝛchs meeꝛ zustreichẽ Wir brechen auff in eil/ wir stossen von dem port Und segeln freudiglich auffs neue wieder fort. Itzt Das Dritte Buch. Itzt stund die morgen roͤth in ihrem purpur glantze/ Die sterne wurden abgefuͤhret von der schantze D er himmel blauen burg/ da kund Italien Und dunckle huͤgel man gar nidrig ligen sehn. Italien ! faͤngt an Achates auffzuschreyen: Italien ! auch rufft die pursch und sich erfreuen: Da schenckt der vater ein und fuͤllt/ so viel er kan/ D en groͤsseren pocal mit wein bis oben an/ Steht hinden auff dem schiff und ruffet: o ihr Goͤtter Des meeres und der erd/ und welche stehn dem wetter Mit huͤlff und gnaden vor/ fuͤhrt unsre schiffe fort Mit gutem segelwind zum viel gewuͤntschten port. Stracks wurden wir erhoͤrt: Viel gute winde fangen Zu wehen gluͤcklich an nach tragenden verlangen: Der Haven laͤsset sich itzt mehr und naͤher sehn/ Man sieht den Tempel auch Minerven hoͤher stehn; Man zeucht die segel ein und kehret nach dem strande/ D er gegen auffgang ligt gekruͤmmet an dem lande/ Die felsen schaͤumen zwar von saltzbenetzter fluth/ Der Haven aber ligt natuͤrlich fest und gut. Die hohen felssen stehn empor auff beyden ecken/ Und mit zweyfacher maur denselbigen bedecken/ Dafuͤr kan man daselbst den Tempel nicht mehr sehn; Hier sah ich in dem graß vier weise pferde gehn/ Die weit und breit das feld beatzten und bezogen Der vater/ der es hat in seinem siun erwogen/ Und fuͤr ein zeichen nahm/ das sich ließ erstmals sehn/ Fing an und sagt: O land/ was sol ich draus verstehn? Du Das Dritte Buch. Du bringest krieg und streit/ die wir sind deine gaͤste/ Die pferde pflegt man sonst zuruͤsten auff das beste Zum krieg ins freye feld. Diß vieh dreut krieg und streit: Doch pflegt man auch die pferd in stiller friedenszeit Zu brauchen/ da man sie kan spannen vor dem wagen/ Sie koͤnnen wol vereint das joch am halse tragen. Es ist noch hoffnung da zum friede/ saget er/ drauff gehn wir hin und thun deꝛ Pallas pflicht und ehr/ D ie nahm uns da erst auff und ließ sich wol gefallen/ Daß wir mit freyem sinn die freude liessen wallen Und schallen uͤberlaut: Wir gingen zum altar Bedecket nach der art/ wies sonst zu Troja war/ Und was uns Helenus gab fuͤr gebot und lehre/ Die nehmen wit in acht/ und thun andaͤchtig ehre Nach feyrlichem gebrauch der Juno/ opffern ihr/ Und unterlassen nichts an heilgkeit und zier. Als wir die Gotter nun mit opffern so verehret/ Und von dem Haven ab die schiff herumb gekehret; Alsbald verlassen wir die staͤdt in Griechenland Die uns verdaͤchtig sind/ wie allzusehr bekand. D a siehet man den sund der stadt Tarentum ligen/ Die Hercul (so die sag ist wahr) nach harten kriegen Ihm zinßbar hat gemacht: Lacin stoͤßt gegen ihr/ Da man der Juno traͤgt ihr heilig opffer fuͤr/ Wie auch Calonis schloß/ und Scylac/ die beschrien Von manchem schiffbruch ist/ dafuͤr die schiffer fliehen. D ann sehen wir von fern das land Sicilien/ Hiernebenst Etna auch den berg mit grauen stehn. Da Das Dritte Buch. Da hoͤrẽ wir das meer/ wies schrecklich kracht und stoͤnet/ Und wie es maͤchtiglich mit grossem knallen thoͤnet/ Wenns an die felsen schlaͤgt/ und wie sich weiter fort D er wiederschall erhebt gebrochen an den port/ Der Furth erschuͤttert drob/ der dicke sand am meere Vermischt sich mit der fluth: Der vater fuͤhrt die lehre Ihm wieder zu gemuͤth/ die Helenus ihm gab. Ach! (sagt er) dieser ort ist faͤhrlich/ stehet ab. Diß ist Charybd/ davon uns Helenus gesaget/ Ach freylich ist es so ach! laßt es ungewaget Zu lauffen an den ort: Da sind der felsen stein; Es mag da manches schiff verschlungen schrecklich seyn. Schlagt frisch die ruder an/ ihr treuen mit gesellen/ Damit die fluhten nicht auch unsre schiff zerschellen/ Zerschmettern/ und uns gar in abgrund ziehen hin. Sie folgen auff geheyß/ und thun nach seinen sinn. Da stoͤßt erst Palinur die schiffschnautz auff die linckẽ/ Die von der wellen macht begunte fast zusincken/ Und sehr zerschlagen war: Sie strebten alle hin Mit gantzem fleiß das schiff zur lincken hand zuziehn. Wir stossen wieder ab/ da gehts an unser leben/ Daß wir in faͤhrligkeit und grossen noͤthen schweben; Bald fahren wir hinauff bis in die sternen lufft/ Bald sahren wir herab gleich als zur hellen klufft. Es gaben dreymahl wol die felsen zwischen steinen Ein schreckliches gethoͤn/ das man nicht solte meinen/ Wenn in die luͤcken schlug der wellen grimme macht/ So hoͤrte man wies drinn erschrecklich heult und kracht. Wie Das Dritte Buch. wie oft wir nur den schaum mit rudern abweꝛts stiessen/ So offt sah man ihn auch herunter wieder fliessen Gleich einem regen guß: Als wir nun muͤde sind Mit rudern und geschrey/ verleuret sich der wind Und bricht der abend an: Wir koͤnnen nirgend stranden/ Wir wissen nicht was noch fuͤr oͤrter sind obhanden/ Weil uns die wege sind in finstern unbekand/ Immittelst kommen wir an der Cyclopen land. Der port blieb an sich fest/ ob mancher sturm schon sauste/ Doch hoͤrte man zugleich/ wie Etna kracht uud brauste. Derselbe berg warff auff bißweilen dicken schmauch Bis an den himmel hin/ wie schweffel/ pech und rauch Er spye auch funcken aus/ ja gantze feuerballen/ Die man erschrecklich sah bis an die wolcken schnallen/ Bißweilen stieß er aus und riß fich fast entzwey Viel Centner schwere stein/ die flossen gleich wie bley Getrieben durch die lufft/ die so viel daͤmpffe machten/ Auch in dem innerm schlund mit brausen hefftig krachtẽ. Als Encelad der keil des donners niederschlug Und er verdienten lohn fuͤr seinem hochmuth trug/ Sol unter diesen berg desselben leib noch ligen/ Der halb verbrennet ist (so anders uns nicht triegen/ Die dieses bringen fuͤr) und druͤckt ihn diese last Daß er ohn unterlaß hab keine ruh noch rast Und speye dieser berg/ wenn laͤnger seine kluͤffte Nich halten/ und der dampff heraus wil an die luͤffte/ Viel klumpen feuer aus/ und wenn der riese sich Auff eine seite kehrt/ dann bebe maͤchtiglich K Das- Das Dritte Buch. Dasselbe gantze land mit krachen und getuͤmmel/ Und steig auf rauch und schwal und diecke lufft und him- Wir legen selbte nacht bedecket in dem wald (mel. Und muͤssen hoͤren an/ wie alles knallt und schallt. Das war erfchrecklich traun und ungeheure sachen/ Und kunten sehen nicht/ von wannen solches krachen Und beben ruͤhrte her. Man sah kein sternen liecht/ So war am himmel auch kein glantz zu sehen nicht. Es war die gantze lufft mit dicker dunst erfuͤllet; Und hatte sich der mon die gantze nacht verhuͤllet Ins schwartze wolckenzelt. D er andre tag brach an/ Da koͤmmet aus dem wald ein außgedoͤrrter man. Wir hatten hiebevor deßgleichen nicht gesehen Noch so elendiglich einher bekleidet gehen/ War mehr ein schein/ als mensch: Er gehet weiter fort Und hebet beyde haͤnd fußfaͤllig gegen port. Wir sehen/ daß er ist gantz schlammig zugerichtet Hat einen langen bart und haar/ das ungeschlichtet Und nngekaͤmmet war/ beschmutzet und befleckt/ Und war sein kleid mit dorn und kletten dick besteckt. Gab fuͤr/ er waͤr ein Griech und weyland mit geschicket Vor Troja in den krieg. Und als er drauff erblicket Der Troer zeug und wehr/ kam ihn entsetzen an/ Hielt etwas still und wich nicht ab von seiner bahn. Bald lieff er/ was er kunt zum Haven/ weint und schrie Mit flehen und gebaͤt/ fiel nieder auff die knye ; Ich bitt euch umbs gestirn/ umb goͤttliche gewalt Und allgemeinen lauff des himmels/ nehmt mich bald/ Ihr Das Dritte Buch. Ihr Troer/ mit euch weg und fuͤhret mich zu wasser In welches land ihr wolt: Ich war eur feind und hasser/ Ich leugn es nicht/ ich war vom griechen einer auch/ Und habe mit gekriegt/ wie andre/ nach gebrauch. Wofern ich habe nun so groͤblich dran verbrochen/ So schaffet/ daß es werd an mir nur bald gerochen/ Werfft mich den wellẽ hin und stuͤrtzt mich in das meer/ Es sol mir diese rach nicht werden allzuschwer. Von menschen sterb ich gern/ und wenn ich so gestorben/ Sol mirs noch seyn ein trost/ daß ich so bin verdorben: Mit diesem fiel er uns gar sehnlich umb die knye/ Hielt/ wie er mochte/ fest und umb gnade schrie: Da reden wir ihm zu/ er sol uns antwort geben/ Woher er buͤrtig sey/ warumb er so sein leben Gering und schnoͤde hielt/ was ihn fuͤr eine noht Betroffen/ das ihn so verlangte nach den todt? D er vater wil nicht lang den menschen lassen stecken/ Beut ihm die hand/ dadurch sein hertze zuerwecken/ Zu einem sichern pfand: Drauff sagt er ohne scheu: Ich bin aus Ithaca und hab Ulyssen bey- Als sein geferth-gewohnt meins vater war an haabe Gering und haͤtte nicht/ damit ich noch als knabe Haͤtt eine kunst gelernt (ach waͤre das geluͤck Geblieben/ wie es erst war ohn betrug und tuͤck!) D a triebe mich die noth fuͤr Troja mit zu ziehen ; Nun aber da von mir die andern purschen fliehen Fuͤr schrecken aus der hoͤhl/ und mein gedencken nicht/ Bin ich verlassen hier/ und schwebt mir fuͤr gesicht K 2 D er Das Dritte Buch. Der greuliche Cyclop/ in dessen hoͤhl ich lage Mit sorgen voller muͤh und tausend facher plage. Das raubnest ist befleckt mit eiter und gebein/ Man siehet/ wie das blut gespruͤtzet an die stein. Die klufft ist weit und groß/ die weder mond noch sonne Beleuchtet/ daß ich schweig von einer freud und wonne; Er aber der Cyclop als ungeheurer mann Ist schrecklich dick und hoch/ und stoͤsset oben an. (Ihr Goͤtter tilget doch den scheusaal von der erde/ Damit von seinem schlund kein mensch gefressen werde) Man kan ihn unbesturtzt nicht sehn noch reden an/ Dieweil er menschen wuͤrgt und ihr fleisch fressen kan. Ich hab es selbst gesehn/ nach dem er außgestrecket In seiner hoͤhle lag/ und beyde haͤnde recket Nach ihrer zweenen aus/ die fasset er in grimm/ Und schlug sie an dem felß mit grossem ungestuͤmm; Daß blut und eiter floß und blieb an steinen kleben. Ich habe/ was noch mehr (wer solte drob nicht beben?) Gesehen/ wie er fraß das rohe fleisch hinein/ D as troffe noch von blut. D ie zarten aͤderlein/ Wenn sie noch waren warm/ noch bebten zwischen zeenẽ/ Mit welchen er das fleisch kunt zerren und zerdehnen/ Bis ers in rachen steckt: Bekam ihm aber nicht: Denn als Ulysses sieht/ daß er wil solch gericht/ Und menschen fressen auff/ kan er nicht laͤnger dauren Noch von dem wuͤterich sich lassen so vermauren/ Gedenckt an seine list in solcher grossen noth/ Und wie er selbst entgeh der faͤhrligkeit und todt. Als Das Dritte Buch. Als er nun hatte gnug gefuͤllet seinen kragen Und so viel rohes fleisch geschlungen in den magen/ Auch grosse menge weins gesoffen gierig ein/ War er so tumm und voll/ daß er auff keinem bein Mehr stehen kunte/ streckt sich auff die erde nieder/ So lang die hoͤhle war und spye aus alles wieder/ Was er gefressen hat. Wir sahens an mit scheu/ Wir rochen auch den wust/ wie auff der schinderey Es schwummen hin und her die stuͤcken fleisch vermischet Mit weine/ der vom blut und rothen schaume gischet/ Wir halten das gebaͤt mit heilgem andachts sinn/ Uud richten unsern wuntsch zum grossen Goͤttern hin. Als wir nun unter uns vertheilen ort und stellen Und umb ihn stehen her den grossen schmidgesellen/ Da bohren wir durchs aug/ das er hat an der stirn/ Ihm einen spitzen pfahl hinein bis ans gehirn/ Das war der groͤsse nach mit einen schild veꝛglichen/ Das in dem felde wird getragen von den Griechen/ Und glaͤntzte wie die sonn an stern-gewoͤlbten thron. A uff diese weis empfieng der wuͤtrich seinen lohn. Und raͤcheten an ihm dem so unmilden wuͤrger Daß er mit tollem grimm geschlachtet unsre buͤrger/ Doch aber laͤsset sichs nicht machen hier viel wort. Ach fliehet fliehet nur ihr guten leute fort Und haut die seile loß/ daß ihr vom Haven kommet/ D enn schrecklich Polyphem in weiter hoͤhle brummet/ Das wollen-schoͤne vieh verschleust und ihm auszeucht die milch: so schꝛecklich sind noch hundeꝛt/ wie mich deucht K 3 Die Das Dritte Buch. D ie hin und her zerstreut an diesem ufer wohnen/ Und keines/ wenn sie nur betreten hier/ verschonen; Ein ungeschlachtes volck/ das man Cyclopen nennt/ Und uͤber berg und thal herfaͤhret/ laͤufft und rennt. D er silber weise mon hat dreymal nun erneuet S ein hoͤrner/ daß ich stets geschrecket und gescheuct Mein leben fuͤhren muß gantz aͤrmlicher gestalt In hoͤhlen bey dem wild/ in puͤschen/ heck und wald. Wenn ich seh vom gebirg die menschenfresser kommen/ Und hoͤre/ wie sie gehn und uͤberschrecklich brummen/ So zittert mein gebein: Der ungeheure wald Gibt mir das steinicht obst zu meinen unterhalt/ Und muß mich mit dem kraut und herben wurtzeln nehrẽ/ Und meine lebens zeit mit sorg und furcht verzehren. A ls ich mich nun seh uͤmb/ ob eine huͤlffe sey/ Die mich von solcher noth und elend mache frey ; Hab ich euch erst am strand zu schiffe kommen sehen/ Und mich in dienstbarkeit zunehmen wollen flehen/ Gestalt ich nochmals bitt/ daß ihr zu eurem knecht Mich brauchet/ wie es euch nur duͤncket gut und recht. Ich wil vergnuͤget seyn/ daß ich dem wilden hauffen/ D ie man nicht greulich gnung kan nennẽ/ bin entlauffen Nehmt/ nehmet mich nur hin/ wies euch gefaͤllig ist/ Und thut mir an den tod/ eh mich der unhold frisst. Kaum hat er dis gesagt; Da sehen wir ihn ziehen Vom berge mit dem vieh und greulich sich bemuͤhen Mit ungeheurem leib/ den er kaum schleppet fort/ Und gehet auff uns zu gerade nach dem port ; Ein Das Dritte Buch. Ein schrecklich ungeheur/ groß/ ungestalt und haͤßlich/ Der eines augs beraubt/ geht einher lang und graͤßlich/ Traͤgt einen fichten banm in seiner rechten faust/ An selbten steurt er sich und immer haucht und braust. D ie schaffe gehn beyher/ das haͤlt er seine freude In seinem ungeluͤck und troͤstung in dem leide/ Die sackpeiff haͤnget ihm an halse/ drauff er kan Mit unbeliebtem thon viel lieder stimmen an. Als er nun koͤmmt ans meer und steiget in die fluten/ Waͤscht er sein aug ihm ab/ das man sah hefftig bluten/ kniꝛscht mit den zaͤhnẽ sehꝛ/ seufftzt tieff fuͤꝛ zoꝛn und gꝛim̃ Und schreitet mitten durch des meeres ungestuͤmm. Und geht ihm doch noch nicht das wasser an die seiten/ Wir aber/ da wir ihn so sehen noch von weiten/ Ergreiffen ohn verzug die flucht mit bangigkeit/ Und nehmen mit auffs schiff den man/ der uns sein leid So klaͤglich truge fuͤr/ der gleichwol treuer massen Sich hat umb uns verdient/ die wir so sicher sassen/ Da er uns warnete. Wir hauen ab das seil. Und segeln durch das meer fein stille weg in eil. Wir rudern fuͤr uns hin mit hefftigem bemuͤhen: Da hoͤrt er am geraͤusch der ruder/ daß wir fliehen; Er macht sich hinden her/ verfolget uns/ wie er kan; Da er nun keine macht mehr hat zu kommen an; Noch durchs Joͤnsche meer kan folgen und ereilen/ Da hebt er schrecklich an zu schreien und zu heulen/ Daß meer und fluth erbebt. D as land Italien Erzittert/ Etna auch wil gleichsam untergehn: K 4 So Das Dritte Buch. So bruͤllet dieser berg in seinen hohlen clausen Und streckt sich in die fern seyn groß getoͤß und brausen; Da laͤufft das riesen volck vom berg und wald herbey/ Und laͤßt sich bringen auff durch dieses mord geschrey. Sie fallen an den port mit grossen hellen hauffen und sehn uns stoͤꝛꝛisch nach mit gantz entbꝛandtẽ schnauf- Wir aber lassen sie vergebens nimmer stehn/ (fen. Und mit den koͤpffen hoch bis an die wolcken gehn. Die bruͤder halten rath/ und stehen fest wie eichen Und wie Cypressenbaum hoch in die luͤffte reichen/ Wie Jovis hoher wald und wie Dianens Hayn; Sie jagen ingesampt uns gaͤhen schrecken ein Wir aber in der eil ergreiffen dis bedencken/ Die segel anders wo und steuer hin zu lencken/ Wohin der wind uns treibt. Hingegen regt uns an Des Heleni befehl zu fliehn die mittel bahn/ Die zwischen der Charybd und Scylla faͤhrlich liget/ Die einen/ wo er sich nur wenig abwerts bieget/ Verleitet in gefahr und ist der tod nicht weit/ Weil zwischen beyde steht ein kleiner unterscheid. Wir fassen stracks den schluß uns wieder umbzuwenden Und in Calabrien am ersten port zu laͤnden: Schau aber/ da koͤmmt gleich zu unserm gluͤck der nord von dem Sicaner meer und treibt nach wuntsch uns fort. Wir gehn Patagens strom̃ fuͤrbey/ wie auch Megaren/ Wir lassen ebenfalls die Insul Tapsum fahren/ D er Achemenides/ der dieser Haven war Erfahren/ weil er sie durch zogen mit gefahr; Gab Das Dritte Buch. Gab uns bericht/ wie dieß- und jener sey gelegen/ Und was dem frembden sey zu mercken aller wegen: Es ligt ein Eyland da am strand Sicilien Da man das vorgebirg Plemmyrium sieht stehn: D ie alten haben es Ortygiam genennet/ Darbey den wunderfluß Alpheum man noch kennet/ Der durch verborgnen gang (so sagt man) unterm meer In Arethusa sich ergeusset bis hieher. Wir halten das gebaͤt den Goͤttern hier zu ehren Und tragen opffer fuͤr/ nach inhalt derer lehren/ Die Helenus uns gab: Dann lassen wir das land/ Das wegen fetten schlamm/ wie Nilus/ ist bekand/ Ligt beym Helorus strom: D a streichen wir von hinnen Bey andern klippen weg/ wie auch Pachynus zinnen Und felsen/ welche man hoch ragen sieht herfuͤr: Es laͤßt sich Camarin auch blicken weit von hier/ A uch das gefilde/ so von Gela wird genennet/ Ingleichen Agragas/ ein berg/ den man weit kennet/ Und da darauff gebaut die weit beruͤhmte stadt/ Die weyland helden-roß erzeuget haͤuffig hat. Wir schiffen auch vorbey Selin mit guten winden/ In deren gegend sich viel Palmen lassen finden/ Nicht minder fliehen wir das Lilybeer land/ Weil manchen stoͤsst allda verderb und noth zur hand/ Da nemblich solche stein und klippen sich eraͤugen/ Die tieff verborgen sind und sich nicht lassen zeigen: Von dannen fahr ich fort den Haven Drepan zu/ In meinung/ daß ich da werd haben gute ruh/ K 5 Da Das Dritte Buch. Da wird mir dieses land zu bittern leid und klagen/ D er ich doch so viel noth/ beschwer und herbe plagen Gelitten auff dem meer. Mein vater/ der mir war Ein trost in ungeluͤck uud sorglicher gefahr/ Wird kranck und stirbet mir. Ach! kanst du/ lieber vater/ (Fing ich zuruffen an) der du mein bester rather In allem unfall warst/ mich lassen so allein? Ohn dem mir meine muͤh wird schwer zutragen seyn. Ach! sol es (leider!) mir noch endlich darzu kommen/ Daß du mir sollest seyn und werden hin genommen? Waß nuͤtzt/ was hilfft mich nun/ daß du so mancher noth Entgangen bist zur see und ligest hier nun tod? Es hat mir Helenus zwar gute lehren geben/ Wornach ich richten sol mein reisen/ thun und leben; Er hat mir auch vorher viel herbes ding gesagt/ Diß aber nicht/ was nun mein traurig hertze nagt. Es hat die grausame Celaeno mir verheelet A uch dieses ungeluͤck/ was mich itzunder quaͤlet: Hier hatte seinen zweck mein jammer voller stand/ Diß war die letzte noth zu wasser und zu land. Als ich mit hertzleid nun von dannen war gezogen/ Hat mich der hoͤchste Gott/ der mir noch ist gewogen/ In euer land gebracht. Hier hoͤrt Eneas auff/ Ein jeder ingesampt gab fleißig achtung drauff. Da er der Goͤtter rath außfuͤhrlich kunte melden. Und wie er seinen lauff nebst andern tapfferu helden Durch manche noth gefuͤhrt/ hier brach er endlich ab/ Und nach gemachten schluß sich zu der ruh begab. Das Das Vierdte Buch. Das Vierdte Buch. A Llein die koͤnigin trug ihre liebessorgen veꝛwundet laͤngst zuvoꝛ im heꝛtzẽ unveꝛborgẽ/ Wird von der blindẽ flam̃ je mehr und mehr verzehrt/ Die liebes sucht nimmt zu und wird durch gram genehrt/ Da sie ihr offt und dick des mannes tapffre jugend D er Ahnen hohen ruhm und heldenreiche tugend Im sinne bildet fuͤr: Sie kan vergessen nicht Sein hoͤffliches gespraͤch und holdes angesicht. Sie dencket fort und fort an seine schoͤne gaben/ Und kan dafuͤr des nachts nicht ihre ruhe haben. Das guͤldne morgenroth vertrieb die feuchte nacht/ Und wurde wiederumb der helle tag gebracht ; Da kan sie nicht/ sie muß ihr leid der schwester klagen/ D ie liebe zwinget sie: Drumb hebt sie an zu sagen: Ach schwester Anna/ wie bin ich durch einen traum Bestuͤrtzet unvorsehns/ daß ich kan reden kaum. Was fuͤr ein neuer gast ist bey uns angekommen? Ey was fuͤr wunderding hab ich von ihm vernommen! Wie gieng er doch herein so wohl gestalt und schoͤne! Wie majestaͤtisch sah er aus/ wie kunt er gehn ! Wie kunt er tapfferlich von krieg und tugend reden/ Von mancherley gefahr/ von Trojens fried und vheder mein wahn betꝛeugt mich nit/ ich achts fuͤꝛ wahꝛ uñ ꝛecht Daß er entsprossen sey von goͤttlichem geschlecht : Die Das Vierdte Buch. Die feigheit zeiget an ein liederlich gemuͤthe: Ach! Was hat dieser mann fuͤr unerhoͤrte wuͤte Des gluͤcks gestanden aus ! Was hat er mir fuͤr noth Erzehlt/ was krieg und streit/ was faͤhrligkeit und tod? Ja wenn ich nicht so steiff mir haͤtte fuͤr gesetzet/ Nach dem der grimme tod mein hertze hat verletzet/ Und mir den ersten mann mit schmertzen raffte hin/ Daß ichs verredet hab mit unbewegtem sinn Mich wieder in den stand der ehe zu begeben Und nicht derdrossen waͤr noch einst verknuͤpfft zu leben/ So wuͤrde mirs vielleicht nicht zu verdencken seyn/ Daß ich die thorheit thet und schritte zweitens ein In stand des ehebunds. Ich wil dir mein beginnen O Anna/ bergen nicht und grade zubekennen: Seit mir mein armer man durch grimme meuchellist Von meines bruders hand aus geitz ermordet ist Und unser hauß mit blut erschrecklich war beflecket/ Und nirgend etwas war/ das mich zur lust erwecket/ Hat dieser gast allein gelencket meinen sinn/ Daß mir mein hertze fast zur liebe wancket hin ; Ach freylich fuͤhl ich noch in meinem bloͤden hertzen Das alte liebes gifft/ verlangen pein und schmertzen; Doch wolt ich lieber/ daß die erde mich verschling/ Als das ich meiner ehr zu wieder was begieng. Ja daß der donnerkeil mich in die hoͤlle schmisse/ Als daß ich dieses band der ehepflicht zerrisse. Wer erst mit mir sich hat verknuͤpfft mit liebesband/ Der hub in seinem grab auch meiner treue pfand. Nach Das Vierdte Buch. Nach diesem sahe man die zaͤhren haͤnffig rinnen Von ihren wangen ab/ als zeichen ihrer sinnen. O liebe schwester (hebt drauff Anna zu ihr an) Umb die mirs mehr/ als umb mein leben ist gethan/ Wilt du denn fuͤr und fuͤr den fruͤhling deiner jugend D enn wollgestalten leib und wohnhauß schoͤner tugend Mit trauren bringen zu/ mit kummer zehren ab/ Dadurch du anders nichts befoͤrderst/ als dein grab: Wilt du der kinderlust/ der Venus liebe gaben Nicht achten/ noch dein hertz mit schertz nnd spielen labẽ? Wie kan dir solche furcht dein abgestorbner mann Ins hertze druͤcken ein/ als waͤrs nicht recht gethan? Vermeinst du dein gemahl/ fuͤr den du bist verborgen/ Der laͤngst begraben ist/ der werde dafuͤr sorgen? Und ob du ehmals schon/ da noch dein schmertzen neu/ Viel freyer schlugest aus und trugest ihrer scheu; Daß auch Jarbas selbst und andre tapffre leute/ Die da in Africa erworben sieg und beute Dich kunten lencken nicht zu ihren liebs gewerb; Wilst du denn uͤber das noch seyn so hart und herb/ Daß du wilst der gestalt der liebe wiederstreiten/ Die dir mit holdergunst nach geht auff allen seiten? Gedenckst du denn nicht mehr/ bey welchem volck du bist? Hier sind Getulier/ ein volck/ das streitbar ist/ Und sich nicht zwingen laͤßt. Hier bist du rings uͤmbgebe Von den Numidiern/ die nach gefallen leben Ohn furcht der obrigkeit. D ie Syrt ligt auch nicht weit/ Zu der man sich versehn kan keiner wirthligkeit. An Das Vierdte Buch. An anderm ufer ligt ein land ohn thau und regen In strahlen heiser duͤrr/ ohn erdgewaͤchs und segen; Die Barcer streiffen weit durch diese wuͤsteney/ Ein volck/ das wie das wild/ fuͤr niemand traͤget scheu. Was sol ich von dem krieg/ den Tyrus leicht erwecket Mit dem dein bruder dich Pygmalion erschrecket Und dir gedreuct hat/ erzehlen mit verdruß? Ich halte fuͤr gewiß/ daß der Eneas muß Aus Goͤttlichem gehoyß und Juno gut befinden Hier angekommen seyn mit guten segelwinden. Ey schwester/ wie wirst du schoͤn sehen diese stadt Im neuen stand der ehe/ wenn du auff meinen rath Wirst freyen diesen held? Wie herrlich wird sich zeigen Dein land und koͤnigreich/ und bis an himmel steigen ! wie wird Caꝛthagens ꝛuhm hoch wachsen mehꝛ uñ mehꝛ/ Wenn dir zur seite wird stehn der Trojaner heer! Du aber bitte nur die Goͤtter umb gedeyen/ Daß sie dir huͤlff und gluͤck zu diesen thun verleyhen; Und wenn du dir sie hast beguͤtigt nach begehr/ So lad ihn friedlich ein erzeig ihm gunst und ehr. Spaar nichts trag auff und laß ein siattliches auffgehẽ/ Damit dein wesen mag recht koͤniglich bestehen/ Halt ihn/ so viel du kanst/ von seinem wegzug auff/ Und wirff ein hindernuͤß/ daß er dir nicht entlauff/ Mit fuͤrwand/ daß der sturm noch auff dem meere rase/ Und noch der gegenwind mit rauhem wetter blase; Das waͤssrige gestirn Orion gieng itzt auff/ Es stuͤnde nicht gar wol umb gantzen himmelslauff. So Das Vierdte Buch. S o waͤren uͤberdas die Schiffe sehr zerstuͤcket Zerrissen und zerschellt/ sie musten seyn geflicket Und wieder angericht; Man muͤste hohlen her Matery aus dem wald/ und was des dinges mehr. Mit dieser red entflammt sie noch mehr ihr gemuͤhte/ Daß ihr die liebe wallt im hertzen und gebluͤte/ Sie gab ihr/ daß sie nicht mehr wanckt in ihrem sinn/ Bescheid und hoffnungs-trost. Da nun die Koͤnigin Sich giebt geduldig drein/ legt sie die scham zuruͤcke/ Sie geht in tempel vor und bittet umb geluͤcke/ Umb fried und wollergehn/ sie bringen opffer dar/ Sie forschen eigentlich/ gestalt es braͤuchlich war/ Das eingeweid: man schlaͤgt auch schafe von zwey jahrẽ Die von der gantzen herd recht ausserlesen waren/ Sie pflegen herrliglich der Goͤtter diensts und ehr/ Fuͤr allen lassen sie sich angelegen sehr Der Juno gnade seyn/ als die den stand der ehe Beschuͤtzet und erhaͤlt/ daß er nicht untergehe. Die schoͤne Dido nimmt den kelch gefuͤllt mit wein/ Und geust der weissen kuh denselben mitten ein/ Da wo die hoͤrner stehn/ drauff sie zum altar gehet/ Der von dem opfferblut und fett erfuͤllet stehet/ Trit fuͤr der Goͤtter bild und schilder/ betet an/ Und laͤßt zum opfferdienst und feyr nichts ungethan. Das vieh wird außgewirckt; sie sieht mit scharffen augẽ Auffs eingeweyde hin/ fragt/ obs fuͤr sie kan taugen Und deuten gut geluͤck? O tummer unverstand Der priester! was hilfft den/ der durch die lieb entbrant/ Gebaͤt Das Vierdte Buch. Gebaͤt und opffer danck? Was hilfft das tempel gehen Und mit viel opffer blut die Goͤtter ehr-und flehen? D a unterdeß die flamm das zarte marck nnd bein Verzehrt und laͤsset nicht das hertze ruhsam seyn/ D as seine wunde traͤgt und schmertzen in verborgen. Die ungluͤckhaffte frau verzehret sich mit sorgen Und tieffer liebesbrunst: Sie laͤuffet in der stadt Wie eine hindin umb/ wenn sie der jaͤger hat/ D es sie sich nicht versah/ mit einem pfeil geruͤhret In Cretischen gepuͤsch/ den sie gehefftet spuͤret In ihrer brust ; Sie laufft erbaͤrmlicher gestalt Und klaͤglichen geschrey durch hecken/ puͤsch und wald. D as toͤdliche geschoß bleibt in der seite hangen: So trieb die D ido auch ihr brennendes verlangen: Bald fuͤhret sie mit sich Eneam durch die stadt Und zeigt ihm ihren schatz/ den sie von Sidon hat Anheim mit sich gebracht. Sie zeiget ihm darneben Die wolbestellte stadt/ und da sie wil anheben Zu reden/ haͤlt sie still/ und daͤmpffet stracks ihr wort/ Bald da es abend wird/ da wil sie gehen fort Und richten zu ein mahl/ begehrt noch einst zu hoͤren D er Troer untergang und schreckliches zerstoͤren/ Die naͤrrische frau ligt ihm an hals/ er sol die maͤhr Auffs neue wiederumb erzehlen ohn beschwer. Denn als sie waren nun von Imbiß weg gegangen Und das gehoͤrnte liecht der monden war befangen Mit dicker dunckelheit und jeder ging zur ruh/ D a brachte sie allein die zeit mit wachen zu Sie Das Vierdte Buch. Sie sitzt in losament verlassen von dem liebten haͤngt tieffer schwermuth nach/ gleich denẽ hoch betruͤbtẽ/ Die in sich sind verwirrt und aͤngsten immer zu Ihr hertz/ das nirgend kan empfinden sanffte ruh. Sie legt sich auff das bett/ auff welchem offt bey tage Eneas/ wenn er war ermuͤdt/ zu ligen pflage; Sie bildet ihr ihn ein/ als wie er wohn ihr bey/ Sie hoͤrt und siehet ihn mit suͤsser phantasey. Sie laͤßt den kleinen sohn im schosse nieder setzen/ Und wil sich durch das Bild des vaters so ergetzen/ Ob sie auff diese weis die liebe teuschen kan/ D ie ihrer groͤsse nach sich nicht laͤßt zeigen an. Immittelst bleibt das werck zu bauen schlaͤffrig hangen/ D as von der koͤnigin war neulich angefangen ; Die pursche liebt nicht mehr die edle waffenlust/ Es liget spieß und helm bestaͤubet und verrust. Man laͤßt die Haven stehn und schantzen unbesetzet/ Und sich an muͤßiggang und schnoͤder lust ergetzet; Der angefangne bau ligt nieder mit verdruß/ D ie hohe mauer/ burg und vestung stehet bloß. Als nun des Jovis frau die Juno wargenommen/ Daß Dido solche pest und liebssucht angekommen/ Und daß sie ihren ruff und hohe wuͤrdigkeit Nicht gegen setzen wil der liebe rasenheit; Sprach sie zur Venus so: Ey wie schoͤn lob und beute Tragt ihr/ du und dein sohn ! Ey welche feine leute ! Ihr habet grossen ruhm an einer frau erjagt Mit eurer list: Das heist ein trefflich stuͤck gewagt! L Ich Das Vierdte Buch. Ich sehe meine stadt hat dich ins aug gestochen ; Dein argwohn gegen uns ist gnugsam außgebrochen; Da dir Carthago doch nichts hat zu leid gethan/ Weßwegen du so hebst mit uns zu zancken an. Wie lange wollen wir in streit und feindschafft leben? Viel besser ists gethan/ nach fried und ruhe streben. Drumb laß auff ewge zeit uns machen einen bund/ Und diese heyrath/ wie sie ist gemacht jtzund/ Volziehen ohn verzug. Was du mit gantzen sinnen Begehret/ hast du schon: D as wird ja Dido innen/ Die nun fuͤr liebe brennt/ und bis in ihr gebein Und fast entsafftes marck das gifft gesogen ein. Derhalben so es dir beduͤncket gut und eben/ So wollen wir zu gleich die regiments last heben Mit gleich getheilter macht und hierauff sehn allein/ Daß sie ihr wolergehn empfinden in gemein. Die koͤnigin mag nur zum mann den Phryger nehmen/ Und sich mit dienst und ehr denselben anbequemen/ D ie Paener/ die sie hat zu ihrem heyrath gut/ Die seyen deiner macht vertraut und treuer hut. Als nun die Venus wohl die Juno hoͤrte gehen/ Und aus den worten kunt ihr falsches hertz verstehen/ Als die nur ging drauffuͤmm/ wie sie Italien Versetz in Africa/ mehr zanck und streit zu sehn; Empfaͤngt sie wiederumb dieselbe gleicher massen; Wer wolte dieses doch ihm nicht gefallen lassen/ Er waͤre denn gar toll ? Wer wolte doch mit dir Zu zancken haben lust und keiffen fuͤr und fuͤr? Wenn Das Vierdte Buch. Wenn mir auch/ wie du sagst/ die sache wol gelinge; Ich aber seh noch nicht den außschlag dieser dinge/ Was das verhaͤngnuͤß hat vorsehn/ ob Jupiter Wil/ daß das volck/ das nechst von Troja kommen her/ Gleich mit den Tyrern sol die stadt Carthag besitzen/ Ob ers fuͤr rathsam haͤlt/ daß diese voͤlcker nuͤtzen Was koͤnten so vermengt und buͤndnuͤß gehen ein/ Wies dem gemeinen staat ersprießlich moͤchte seyn? Wenn du/ als seine frau/ nur etwas kanst erhalten Mit bitten/ so versuchs: Ich wil dich lassen walten Und schalten wie du wilst. Die Juno nahm es an Und sagte wiederumb: Ich wil thun was ich kan ; Laß mir die sache nur/ wenn du mich nur wilst hoͤren/ Wil ich mit wenigen/ was vorgeht/ dich belehren/ Wie sichs laͤst thun/ wenn dir dasselbe nur behagt. Eneas setzt ihm fuͤr mit Dido auff die jagt Zu ziehn? So bald es nur wird morgen wieder tagen ; Wenn nun die reiterey wird eilen zu dem jagen/ Und daß die wildbahn ist bezogen und bestellt/ Wil ich von meiner burg und hohen himmelszelt Mit blitz und donnerknall ein grosses wetter machen/ Daß himmel/ erd und meer sol uͤber schrecklich krachen/ Und sol ein dicker guß und regen fallen drauff/ Da werden sie theils hier/ theils dortwerts ihren lauff Zu nehmen ruͤstig seyn und werden dann mit leide In dicke finsternuͤß verlassen diese beyde; D a sol der koͤnigin und dem Trojaner held Zu ihrer rettung seyn ein hohler felß bestellt; L 2 D a Das Vierdte Buch. Da werden sie stracks hin all ihre zuflucht nehmen/ Da wil ich seyn zur hand/ und wenn du dich bequemen Nach meinen willen wirst/ und ist dein hertz darbey/ Wil ich sie binden fest mit ehegelobter treu. Hier sol die hochzeit seyn. Die Venus muste lachen/ Daß sie so artiglich kunt diesen anschlag machen ; Sie wiederstrebt ihr nicht/ gab ihren willen drein/ Und ließ es/ wie es ihr der Juno duͤncket/ seyn. D er Tagfuͤrst/ fuͤr den man sah seinen herold prangen/ Schien von den bergen her mit gold gestriemten spangẽ; Die edle manschafft macht sich fertig zu der jagt/ Dieweil es diesem printz und koͤnigin behagt. Man sieht die jaͤgerpursch wie sie sich fort zurafen Bemuͤhet seyn/ wie sie die netze/ garn und waffen Zu wagen bringen fort. D ie schoͤne reiterey Der Libyer zeucht voran/ die winde lauffen bey. Die obersten des volcks stehn wartend vor dem schlosse Auff ihre koͤnigin/ die fast die lufft verdrosse Und in der kammer noch verzog aus liebs beschwerd/ Es stehet auff dem plan ihr schoͤn geputztes pferd/ D as keuet das gebiß/ es brauset/ tobt/ und zittert/ Es stampffet auff die erd und seine brust erschuͤttert: Da koͤmmt die koͤnigin mit stattlichem geleit/ Traͤgt einen jaͤgerrock mit gold verbraͤmet breit. Hat sich geruͤstet aus mit koͤcher/ pfeil und bogen/ Das haar geflochten ein mit golde rings bezogen/ Das uͤberkleid schnuͤrt sie mit guͤldnen hefften ein. Die Troer wollen auch in dem geleite seyn. Der Das Vierdte Buch. Der junge printz Ascan wolt auch nicht seyn der letzte/ Damit er seinen muth zur tugend eiffrig wetzte/ Vor andern zeucht herein der wunder schoͤne held Eneas/ der das heer in richtig ordnung stellt. Wie/ wenn Apollo laͤßt das winter lager stehen Und Xanthus gilben strom/ und eilet weg zu gehen Ins liebe mutterland/ daher er buͤrtig ist/ Nach Delos/ welches er zu seinem sitzt erkiest; Da ordnet er die schaar der Nimpffen zu den reyhen; D ie Creter/ Dryoper/ und Agathyrser schreyen Und jauchtzen wol gemuth/ sie tantzen umb altar/ Er steht auff Cynthus berg und windet umb sein haar/ Das gleichsam fleugt zu feld/ begruͤnte lorbeerzweige/ Und flechtets ein mit gold/ daß sichs noch schoͤner zeige. D er koͤcher rauscht im gehn: Nicht schlim̃er gieng herein Eneas; So schoͤn war sein tugend glantz und schein. Als man nun kommen war auff hohe berg und wege/ D a kein weg gehet hin/ in felsichtes gehege/ Da treibt man das gezuͤcht der wilden gemsen auff/ D ie nehmen hier und da von bergen ihren lauff An einen andern ort sah man mit gantzen hauffen D urchs offenbare feld die schnellen hirsche lauffen; Die machten grossen staub: D er junge printz Ascan Der tummelt sich im thal/ hat seine lust daran/ Wenn er ein tapffer roß/ wie seins war/ sol bereiten/ Und lernen wol behertzt mit wilden thieren streiten: Manch stuͤcke stoͤsst ihm auff; Laͤßt aber alles gehn/ Und wuͤntschet einig nur ein hauend schwein zu sehn/ L 3 Das Das Vierdte Buch. Das zornig braust v. schaͤumt: mit dem traͤgt er verlangẽ Zu gehen einen gang; Ja wuͤnscht/ daß kaͤm gegangen Ein rothbemaͤhnter Loͤu/ dem wolt er wiederstehn/ Und lassen seine staͤrck und kuͤhnes hertze sehn/ Immittelst hebt sich an mit grossem donnerknallen Ein dicker regenguß mit hagel einzufallen; Das saͤmptliche geleit/ das mit gezogen war/ Verlaͤufft sich hier und da zu meiden die gefahr/ Wie auch der Venus Nef Ascan; Ein jeder fliehet/ Und wie er unters dach moͤg kommen/ sorgfam siehet. Des wasser scheust vom berg: Das edle liebes paar Versteckt sich in die hoͤhl die ihm am nechsten war. D a laͤst die erde sich vorerst zum zeichen hoͤren/ D ie Juno ebenfalls/ die man der ehe zu ehren Fuͤr eine werberin mit heilgem dienst rufft an/ Der himmel weiset auch wies mit der ehe gethan; Drumb schiest er plitzer her von den gestirnten zinnen : Es heulen auff dem berg der puͤsche buͤrgerinnen: Derselbe tag gab erst die ursach zu dem tod/ Der erste war er auch der drauff erfolgten noth: Gleichwol wil Dido sich im minsten nicht dran kehren/ Sie kan/ was man nur wil von ihr außstreuen/ hoͤren/ Sie achtet keine schand/ laͤßt mercken sich so grob/ D aß sie die winckel lieb ihr achtet fuͤr ein lob Und einen ehestand nennt; Schaut/ unter diesem tittel Wil ihre schande noch bemaͤnteln dieser kittel. Stracks laͤufft die Fama aus in alle land umbher/ Und traͤgt von einer stadt zur andern diese maͤhr. Ein Das Vierdte Buch. Ein boͤses ding ists umb die Fama: Nichts auff erden Kan ihr an schnelligkeit gleich außgesonnen werden/ Ist wendig und behend/ hat keine rast noch ruh: Je mehr sie laͤufft und rennt/ je mehr sie nimmet zu. erst faͤhrt sie furchtsam her/ bald kan sie sich hoch schwingẽ Und plaudern maͤchtiglich von hohen wunder dingen. Bald geht sie auff der erd und schwatzt von laͤpperey/ Bald steckt sie ins gewoͤlck ihꝛ haupt ohn furcht und scheu/ Und wil verborgen seyn/ daß keiner je erfahre/ Waß sie geredet hat noch andern offenbahre. Die erd hat selbte frau zu letzt (gestalt man sagt) Gezeuget/ weil es hat den Goͤttern so behagt/ D ie durch gottlosigkeit der stoltzen riesen schaaren Des Ceus und Encelad und wer sie alle waren/ Erzuͤrnet wurden sehr. Derselben uͤbermuth Zu bringen an den tag/ war sie die Fama guk. Sie siehet schrecklich aus gleich wie ein ungeheuer Abscheulich/ groß und dick/ hat federn wie ein Geyer/ Hat so viel augen auch/ alß federn (wunderding!) Der zung-und ohren zahl ist gleichfalls nicht gering. Die deutung dessen ist/ daß/ was ihr zweene sagen/ Wenns weiter koͤmmt/ noch mehr die leute darzu tragen Da spitzet mancher dann die ohren und erzehlt Was mancher kluger sinn bescheidentlich verheelt. Sie faͤhret mit gewaͤsch in himmel und auff erden/ Und kan durch keine ruh und schlaff gestillet werden/ Bekuͤmmert sich nur stets umb hoh und schlechte ding/ Und schwatzt von beyderley unheilig und gering L 4 Des Das Vierdte Buch. Des tages forschet sie nach neu verlauffnen sachen; Und wenn sie was erschnappt/ kan sie sich lustig machẽ ; Zu weilen setzt sie sich hoch auff die giebel hin/ Und bildet/ weiß nicht was/ sich ein in ihrem sinn; Erschrecket land und leut mit ihren derben luͤgen Und reden eitelkeit/ die nirgend zu was tuͤgen/ Ist uͤber dem/ was falsch/ ja wol so sehr erpicht Und schwatzts den leuten ein/ als was sie wahres spricht. Dieselbe fuͤllte nun mit manchen plaudereyen D er leute sinn und mund/ und kunte sich erfreuen/ Daß fuͤr sie wiederuͤmb was neus vorhanden war/ Sie macht es uͤberall gar laut und offenbahr/ Mischt wahr und luͤgen ein; Es waͤr ein fuͤrst gekom̃en Von Troischem gebluͤth/ und haͤtt ihm schon genommen Die D ido zum gemahl ; Sie schwelgten allebeyd Den gantzen winter durch/ und braͤchten so die zeit Mit muͤßigg ehen zu und ungeziemten luͤsten/ Mit deren sie bestrickt nicht mehr von arbeit wuͤsten/ Sie daͤchten gar nicht mehr ein jeder an sein land Und wie zur wolfarth sey bestellt ein jeder stand. Mit solcherley gespraͤch koͤmmt sie nun auffgezogen Die Goͤttin Fama/ die viel dings/ das doch erlogen Und ungegruͤndet war/ den leuten ohne scheu D urchs gantze Libyen sprengt aus und bringet bey. D rauff nimmt sie ihren weg zum koͤnige Hiarben/ Und schmuͤckt die luͤgen aus mit mancherleyen farben/ Beflammet seinen zorn mit ihrer ungestuͤmm Und haͤuffet/ da er schon war schellig/ seinen grimm. Er Das Vierdte Buch. Er war des Ammons sohn/ und hatte sich vermaͤhlet Mit einem fraͤuelein/ das er ihm zwar erwehlet Zu seiner liebsten hat/ doch fuͤhrte mit gewalt Aus ihrem vaterland. D as ihm/ als koͤnig/ galt. Er liesse Jupitern mit loͤblichem exempel Viel altaͤr setzen hin und bauen hundert tempel/ So weit sein reich nur gieng: Er stifftet auch ein liecht/ Das solte brennen stets/ und je verleschen nicht. Es wurde stets bewacht von heiligen jungfrauen/ Die musten immer zu mit gnauer auffsicht schauen/ Daß es verleschte nicht: Er stellt auch opffer an/ Und wurden hier und da viel farren abgethan. Die tempel wurdẽ schoͤn geschmuͤckt mit blumen kraͤntzen/ Die man mit anmuth sah von vielen farben glaͤntzen/ Als nun der koͤnig stund zu nechst bey dem altar/ Und zwischen opfferdienst in seiner andacht war; Da kam die Fama gleich mit ihrem ohren blasen/ Und machte/ daß er fast fuͤr zorn must greulich rasen Und gantz verwirret wurd in seinem muth und sinn/ D aß er hub seine haͤnd im himmel betend hin: O Jupiter/ der du bist uͤber alle Goͤtter/ D em itzt der Maurer volck/ als ihrem schutz und retter Zu ehren opffer bringt/ und von dem besten wein Mit gutem andachts sinn dir heiliglich schenckt ein; Kanst du dis laster wol so lassen hinpaßieren? Kanst du/ o vater/ sie nicht mit der keule ruͤhren? Sol denn uns menschẽ nicht dein zorn erschrecklich seyn/ Wenn du von himmel wirffst so grosse donnerstein? L 5 En- Das Vierdte Buch. Entstehts denn ohn gefehr/ wie vielen menschen deuchter/ Weñ aus dem wolcken zelt dein plitz und wetter leuchtet? Ists nur ein leerer schall/ wenns donnert/ daß es kracht Weils niemand/ wie ich seh/ wil nehmen mehr in acht ? Schau doch ein weibesbild/ das ohne sitz und stande Schweifft hiebevor herumb in unserm reich und lande/ Und umb ein schlechtes geld ihr baute schloß und stadt/ Da wir ihr raͤumten ein/ weil sie uns sehnlich bat/ Ein laͤndlein an dem meer/ und uns sie zinßbar machten/ Dieselb hat unser ehe und ehr nicht wollen achten/ Nimmt den Eneam an zum herren in das land/ Wil bauen noch darzu mit ihm den ehestand. Nun wil der weiche kerl dem Paris gleich zuschaͤtzen Mit seiner weibschen rott sich uns entgegen setzen/ Traͤgt eine lydermuͤtz und balsamirt das haar/ Hat nun den raub hinweg: Wir/ die wir bringen dar Dir opffer und gebaͤt und deinen altar zieren/ Die muͤssen keine gunst noch milde gaben spuͤren¿ Was hilfft denn unser dienst und opffer/ das wir thun/ Wenn wir gleichwol umbsonst uns muͤhẽ umb den lohn? Als solcherley gestalt der koͤnig klaͤglich bate Sich haltend an altar und fuͤr den hoͤchsten trate D a hoͤrte Jupiter und sah die stadt schlimm an/ Voraus diß liebes paar/ das solche that gethan/ Und ihren guteu ruff hat aus der acht gelassen/ Und redt den Mercur an befehlichs weis und massen: Wolan/ mein sohn/ geh fort und ruff den westwind her/ Und schwinge du dich hin zum haupt der Dardaner/ Der Das Vierdte Buch. Der zu Carthago nun sich saͤumt und liget stille/ Und siehet nicht dahin/ was sey der Goͤtter wille/ Daß er sol nemblich ziehn in sein Italien/ Dahin der Goͤtter rath ihn hat geheissen gehn/ Fleug eilend was du kanst/ und sag ihn unverholen/ Es hab die mutter mir denselben anbefohlen/ Hat aber dergestalt fuͤr ihn nicht gut gesagt/ Daß er sol nehmen fuͤr/ was ihm nur wolbehagt. Deßwegen hat sie ihn zweymal erretten wollen/ Daß er der Griechen grimm nicht unterligen sollen/ Sie haͤtte mich vertroͤst/ er wuͤrd Italien/ Das mit der Monarchy man saͤhe schwanger gehn Und nur nach kriege braust/ bescheidentlich regieren/ Und zeigen in der that/ damit man koͤnne spuͤren/ D aß er von Goͤtter stamm und hohen adel sey/ Und koͤnne dermaleins regieren recht und frey D en gantzen kreyß der welt. Wil er zu hohen sachen Ihm keine lieb und lust noch reitzung lassen machen/ Und wegen seines lobs sich selber nicht bemuͤhn/ Wil er als vater denn dem sohn Ascan entziehn D en wuͤrcklichen besitz des Roͤmschen Reichs und vesten Worauff geht er doch umb/ das ihm wol duͤnckt an bestẽ Waß hoffnung haͤlt ihn auff bey solchem volck und art/ D aß ihn mit feindschafft haß und grimm bedraͤnget hat/ Wil er denn sehen nicht auffs kuͤnfftige geschlechte Noch ziehen in betracht der Goͤtter schluß und rechte/ D ie ihm geordnet zu das land Italien/ Daß er daselbst sich sol in fried und ruh begehn; Er Das Vierdte Buch. Er mag nur schiffen fort? Das ist mein ernster wille/ Das ist mein anbefehl/ den er nur stracks erfuͤlle. Mercur koͤmmt dem gebot des vaters schleunig nach/ Knuͤpfft seine fluͤgel an die fuͤß/ ist frisch und wach. Die fluͤgel aber sind bewand auff solche weise/ Daß er kan uͤbers meer und erdkreyß seine reise Verrichten durch den wind/ der ihn hebt auff und fuͤhrt/ Drauff nimmt er seinen stab/ mit welchen so er ruͤhrt Die seelen/ kommen sie erblast stracks aus der hoͤlle: Die andern kan er auch versetzen auff die schwelle D es schwartzen hellenreichs/ wenn er sie nur beruͤhrt/ Er macht/ daß man den schlaff in seinen augen spuͤrt/ Und kan hinwiederumb denselben gleicher massen Benehmen/ wie sichs wil nach nothdurfft machen lassen/ Kan fuͤrder schliessen auff mit diesem wunderstab D ie augen/ underloͤßt den sterbenden vom grab. Er kan mit selbten auch sich durch die winde dringen/ Und sich mit freyem flug durch truͤb gewoͤlcke schwingen/ Und wenn er itzo fleugt/ sieht er den grossen mann Den Atlas/ der allein den himmel tragen kan. Den Atlas/ dem das haupt mit wolcken ist umbgeben/ Das man von winden stets und regen siehet beben/ D ie schultern stehen ihm von dickem schnee bedeckt/ Und wenn derselbe schmiltzt/ er eine fluth erweckt/ Die von des alten kinn mit macht faͤhrt abgeschossen/ sein bart erstarrt von eyß. Nach dem nun unverdrossen Mercur mit sanfften flug sich hieherwerts begab/ Und mit dem gantzen leib ließ bey den wasser ab/ Den Das Vierdte Buch. Den man nicht ungereimt dem taͤucherlein vergleichet/ Das umb das ufer her und an den felsen streichet/ Und niedrig fleugt am meer: nicht anders flog Cyllen/ Und blieb in Libyen auff trocknem ufer stehn. Als er geflogen nun kam an die meyereyen/ Sieht er Eneam gleich das schloß und burg von neuen Und grunde bauen auff/ der trug von hohem werth Mit Jaspiden versetzt ein schoͤn poliertes schwerd Und einen purpurrock/ den Dido schoͤn gesticket Mit gold und edelstein und zum geschenck geschicket D em held von Troja hatt: Er faͤhret ihn flugs an Mit herben wortgeschrey: Was bist du fuͤr ein man/ Daß du Carthago baust/ und nach der weiber weise/ Wilst alles richten an/ daß es nur praͤchtig gleise ? Ach kanst du denn so gar vergessen deinen standt/ Und setzen aus der acht dein koͤnigreich und land ? Es schicket mich zu dir von hohen sternen buͤhnen Der Goͤtter koͤnig/ dem die gantze welt muß dienen Und stehen zu gebot/ der erd und himmel haͤlt Mit seiner grossen macht/ und herrscht wies ihm gefaͤllt/ Der laͤsset dir durch mich sein ernste meinung sagen: Was nimmest du dir fuͤr? was laͤßt du dir behagen ? Was ist dein hoffnung doch/ daß du die liebe zeit In Libyen verzehrst in weicher uͤppigkeit? Im fall du woͤllest je zu keinen hohen sachen Dir angenehme lust und reitzung lassen machen/ Und wegen deines lobs dich selber nicht bemuͤhn? Solt du als vater doch dem sohne nicht entziehn Des Das Vierdte Buch. D es Roͤmschen Reichs besitz und samptliche provintzen Als dem von Goͤtter schluß darzu erkornen printzen? Als nun der Goͤtter both sein wort so fuͤr gebracht/ Geschachs/ daß er davon in augenblick sich macht Verschwindend in die lufft. Eneas gantz verstnmmet/ D ie haar stehn ihm zu berg/ er stehet wie vertummet/ D ie zung klebt ihm an ganin/ kan kein wort bringen fuͤr/ Er traͤget durch die flucht sich außzudrehn begier/ Und mit bestuͤrtztem muth das liebe land zu lassen/ Weil ihm selbst Jupiter befehl thut ernster massen: Was sol er aber thun? Sol er zur koͤnigin Sich unterstehn zu gehn und taͤuschen ihren sinn? Sol er sie reden an und abschied von ihr nehmen? Wie mag er sich darzu anstellen und bequemen D aß er die liebe nicht verkehr in bittern haß/ D ieweil sie gegen ihm fast brennt ohn unterlaß? Er laͤsset seinen sinn bald hier/ bald dort hin wancken/ Und waͤget es genau mit mancherley gedancken: Als ers nun hin und her bedenckt/ und einen schluß/ Gestalt die noth erheischt/ doch endlich machen muß ; Laͤßt er die obersten Mnestheus Sergest/ Cloanthen Herkommen/ denen ers als seinen treu bekandten Eroͤffnet/ mit bericht und gnaͤdigsten geheiß/ Sie solten in geheim mit treuer sorg und fleiß Die schiffe stellen an/ mit ruͤstung wol versehen/ Die pursche fodern auff und nach dem ufer gehen Und in bereitschafft seyn/ auch halten reinen mund Daß sie entdecken nicht die ursach/ fug und grund/ War- Das Vierdte Buch. Warumb man so geschwind anfienge neue sachen/ Und ließ verbessern so die schiff und fertig machen/ Er woͤll immittelst/ weil die gute koͤnigin Davon nichts wisse noch vermuth in ihrem sinn/ Daß solche grosse lieb sich koͤnte lassen trennen/ Versuchen/ wie er weg und zutritt moͤg gewinnen Zu ihr auff ein gespraͤch zu kommen/ und die zeit Ersehen/ da sich fuͤgt zur hand gelegenheit/ D a er ihr sein gemuͤth und willen offenbahre/ Wie er geschicklich auch in dieser sache fahre; Stracks leisten sie ihm folg/ erbieten dienst und fleiß/ Sind saͤmptlich hoch erfreut und thun auff sein geheiß. Allein die koͤnigin (wer kan die lieb betriegen) Merckt diesen possen schon/ wie sehr es war verschwiegen/ Und nimmet das gelaͤuff fuͤr kein gut zeichen an/ Es bringt ihr alles scheu/ was sicher ist gethan. Es hatt der armen frau/ die man fuͤr liebe rasen Sah ohne ziel und maß/ die Fama eingeblasen/ Man ruͤstete die schiff und wolte ziehn davon; D a koͤmmt sie gar von sinn und kan erschrecklich thun/ Sie laͤufft entruͤstet durch die stadt in alle gassen/ Und laͤsset mit geschrey sich hoͤren/ allermassen Wie volle weiber thun/ wenn Bacchus haͤlt sein fest/ Da sich die tolle rott erschrecklich hoͤren laͤst. Als sie ein wenig war zu rechte wiederkommen/ Und den Eneas sah/ als der ihm fuͤrgenommen Zu ziehen heimblich weg ; Du leichter vogel du/ (Sagt sie) wilst du mir nicht gerade sagen zu/ Was Das Vierdte Buch. Was du im sinne hast? Wiist du mir noch verheelen Dein schlimmes uͤbelthun und dich von mir weg stehlen? Kan dich die liebe nicht noch mir gegebne hand/ D ie billig solte seyn ein unzertrennlich pfand/ Ja kan ich koͤnigin/ die jtzo wird erbleichen Durch grimme sterbens noth/ dein hertze nicht erweichen? Wilst du/ o grausamer/ aus bitterm haß und neid Anitzt zu segel gehn bey ungewitters zeit? Wilst du bey solchen sturm dich auff das meer begeben ! Du solt dir wuͤnschen nicht in solcher noth zu schweben/ Wenn Troja schon noch stuͤnd dein liebes vaterland. Nun suchest du ein reich/ das dir ist unbekand. Wilst du von mir so fliehn! Ich bitt umb diese zaͤhren/ Umb deine hand/ die du zum pfande mir gewehren Hast wollen deiner treu/ weil mir nun armen frau Nichts uͤbrig blieben ist/ als daß ich dir noch trau: Ich bitt umb unsre ruh und angefangne liebe/ So ich auch je umb dich verdient/ wie ich mich uͤbe Ohn unterlaß mit treu zu leisten dir die pflicht/ Die ich dir zugesagt dich zuverlassen nicht. Ja endlich bit ich dich umb alles wolbehagen/ Das du zuvor gehabt/ du wollst erbarmung tragen Mit meinem stamm und hauß/ das itzo schon sinckt hin: Ich bitte (kan ich was erhalten) laß den sinn Und kuͤhnen vorsatz seyn. Schau doch/ umb deinetwegen Wil sich der Libyer haß entgegen mir nicht legen/ Der Africaner fuͤrst traͤgt zu mir alten groll/ Mein volck die Tyrier sind auff mich boͤß und toll. Ja Das Vierdte Buch. Ja umb dich einigen hab ich all mein vergnuͤgen Mein Ehr und tugend-schmuck zuruͤcke lassen ligen/ Darinn ich kundte noch schoͤn prangen ohn begier/ Und trug bey maͤnniglich davon beruͤhmte zier. Wer ist/ der meiner sich/ wenn ich itzt sterben solte/ O gast/ wenn du von mir wilst flihn/ annehmen wolte? Ich muß dich nennen gast/ weil mir von ehegemahl/ Den ich an dir gehabt/ nichts bleibet uͤberall. Was halt ich mich doch auff in diesem jammerleben ? Sol ich hier warten/ bis mein bruder wird umbgeben Und schleiffen meine stadt? Und bis Jarbas mich Gefangen fuͤhre weg und halte grimmiglich? Wenn ich nur solte noch von dir ein ehepfand haben/ Ehe du zeuchst von mir weg/ daran ich konte laben Mein einsames gemuͤth/ wenn nur ein printzelein/ Eneas/ bey mir waͤr/ der vor mir spielte fein In meiner koͤnigsburg/ der dir auch ehnlich sehe; So wolt ich nicht also/ wie ich anitzo flehe/ Bejammern meinen stand/ daß ich gefangen sey; Verlassen so zu seyn wolt ich nicht tragen scheu. Das waren ihre wort. Er war nicht zubewegen/ Sah sie gantz stoͤrrisch an/ nicht willens hinzulegen D enn sinn von Jupiter und dessen scharff gebot/ Verbisse seine sorg mit grosser muͤh und noth. Sagt noch diß wenige: Zwar wil ich nicht verneinen/ Daß dus hast gegen mir zum besten wollen meinen/ Okoͤnigin/ wie du der laͤnge nach erzehlst/ Und was du mir zu gut gethan/ gantz nicht verheelst. M Ich Das Vierdte Buch. Ich wil auch nimmermehr dein zugedencken sparen/ So lange geist und krafft durch mein geaͤder fahren Und mich regieren wird: der wolthat/ die du mir Erzeiget hast/ wil ich gedencken fuͤr und fuͤr. Ich wil mit wenigen deu rechten grund dir sagen: Ich hab mir niemals fuͤr genommen diß zu wagen/ Daß ich verstohlner weis hab wollen ziehn von dir; Laß dir doch nimmermehr ein anders bilden fuͤr. Ich habe mich dafuͤr auch niemals außgegeben D ein ehegemahl zu seyn/ bin auch darzu nicht eben Gekommen darumb her/ daß ich dir meine hand Mit ehelichem gewerb geb zum versichrungs pfand: Wenn mich der Goͤtter rath nach wilmuth liesse leben/ Und daß ich doͤrffte frey mein thun und sorgen heben Und legen/ wolt ich erst mein wuͤstes vaterland Dich Troja/ wiederumb in vorgewesnen stand Zu bauen seyn bemuͤht: Ich wolte dahin streben/ Wie ich mit meinem volck und uͤbrigen zu leben In friede haͤtte fug: Es solte schloß und thor Des koͤnigs Priamus stehn wieder/ wie zuvor/ Es solte mir noch wol auff ebne weise gluͤcken/ Daß ich das Pergamos von eingefallnen stuͤcken Auffbaute wiederumb/ und setzte wieder ein Das arme volck/ daß sichs in ruh begienge fein. Nun wil das goͤttliche verhaͤngnuß schlechter dinge/ Daß ich Italien ohn außflucht und bedinge Zu bauen sey bedacht: D as ist mein hertz und sinn/ D as ist mein vaterland/ da denck ich einig hin ; So Das Vierdte Buch. So du hast deine Lust Carthago an zuschauen/ D ie du von Sidon bist/ und wilst dasselbe bauen ; Was neidest du denn uns/ in dem du haͤltest auff Uns Troer/ die wir hin nach Welschland unsern lauff Zu nehmen schluͤßig sind? Es ist ja gleicherweise Vergoͤnnet uns/ daß wir auch nehmen unsre reise Durch frembdes koͤnigreich: Mein vater treibt mich an/ D aß ich fast tag und nacht dafuͤr nicht ruhen kan. Weñ ich entschlaffen bin/ macht mir sein bildnuͤß grauẽ/ Und muß offt sein gesicht betruͤbt und traurig schauen/ Die liebe meines kinds/ daß ich demselben nicht Entwenden wil das land/ davon der rathschluß spricht Der Goͤtter/ reitzt mich auch/ als den ich zarter massen Muß lieben und sein gluͤck nicht unversorgt kan lassen: Zum uͤberfluß koͤmmt noch der Goͤtter bothe her (Ich schwere heiliglich) gesand von Jupiter/ Und bringet mir befehl: ich hab ihn selbst gesehen In offenbahrem liecht zur stadt zu mir eingehen: Ich hab ihn selbst gehoͤrt mit meinen ohren an/ Was Jupiter von mir wil haben schlecht gethan: D erhalben steh doch ab mit klagen zu beschweren So wol dich selbst als mich/ ich muß nach Welschland/ So ungern/ als ichs thu; mit willẽ thu ichs nicht: (kehrẽ/ In dem er also sagt: Verkehrt sie ihr gesicht Und siehet zornig aus/ als wolt sie ihn durchsehen/ Und faͤngt ergrimmet an auff ihn so loß zugehen: Es hat dich/ leichter kerl/ die Venus nicht geseugt ; Wer dir das schwatzet fuͤr/ derselbe dich betreugt. M 2 Es Das Vierdte Buch. Es ist auch D ardanus dein anherr nicht gewesen/ Man hat diß nicht gehoͤrt/ man hat diß nicht gelesen/ D as aber wird geglaͤubt/ daß dich der Caucasus Der ungeheure berg gezeuget haben muß: Ja wer da sagt/ daß du die erste milch gesogen Von einem Tigerthier/ derselb hat nicht gelogen. Was sol ich schweigen still/ was kan noch groͤsser seyn/ Daß ich zum auffruck dir noch koͤnte streuen ein? Schaut lieber/ schauet doch/ hat er ob unser weinen Geseufftzet auch einmal? kan er auch traurig scheinen? Hat er ein aug verwand? Hat er mit uns geweint? Hat er sich mein erbarmt/ und es noch gut gemeint? Mit was sol ich die schmach vergleichen! O ihr Goͤtter/ Du grosse Juno du/ und Jupiter mein retter/ Wie koͤnnet ihr diß an-mit gleichen augen-sehn/ Wollt ihr gerechte rach nicht lassen drauff ergehn; Ist doch kein glaub und tren bey menschen mehr zufinden/ Wil doch fast alles recht und redligkeit verschwinden/ Hoͤrt meine klagen an: Ich habe diesen knecht; Da er am user lag gantz duͤrfftig arm und schlecht; Nicht nur genommen auff/ gepfleget und gelabet/ Ich thoͤrichte hab auch denselbigen begabet Mit hoher ehr/ ihm auch ein theil geboten an Vom meinem koͤnigreich/ auch vorschub sonst gethan/ Zu seinen zeug und heer: Ich habe seine leute Beschuͤtzt/ daß sie nicht sind gesetzt zum raub und beute Geworden meiner pursch. Ach niemand halte mich/ Ich muß michlassen aus und wuͤten grimmiglich. Bald Das Vierdte Buch. Bald koͤmmet er mit dem/ bald diesem auffgezogen: Es hab Apollo ihn gereitzet und bewogen/ Bald sey Mercurius gesand vom Jupiter Mit ordnung und befehl vom himmel kommen her. D ie Goͤtter kuͤmmern sich darumb/ ich kan gedencken! D ie todten lassen sich durch diese sorgen kraͤncken! Ho ho! ich halt dich nicht/ du magst nur ziehen fort/ Es sol mir leide seyn/ daß ich mit einem wort Dir wiederstreben wolt. Geh/ traue dich den winden Und zeuch in Welschland hin: Versuch/ ob du kanst findẽ Zur see ein koͤnigreich: Ich hoffe/ Gott wird dich Mit sampt dem schiffe noch zerschmettern zorniglich An eine klippe/ da du deinen lohn wirst kriegen; Da wirst du in der noth dein muͤthlein wieder schmiegen/ Gedencken mein darbey und ruffen aͤngstiglich/ Ich aber/ wenn ich tod/ wil ich verfolgen dich/ Und wenn die letzte flamm wird haben auffgefressen Den todten leib/ wil ich doch deiner nicht vergessen; Ich wil dir uͤberall nachgehn/ du boͤsewicht/ Als ein gespenst und Geist/ und deiner schonen nicht. Da wil ich hoͤren an/ und mich darob erfreuen/ Wenn dirs so gehen wird/ daß sich ein ander scheuen Mit grossem schrecken muß/ und diese gute maͤhr Wird bey den todten mich ergetzen nach begehr. stracks bricht sie ab die red und koͤm̃t von krafft und sinnẽ/ Geht kuͤmmerlich davon/ und wil ihm nicht mehr goͤnnen Ihr augen/ laͤßt ihn stehn und zaudern furchtsamlich/ Zn wenden wieder ein/ damit er rette sich; M 3 Alß Das Vierdte Buch. Als sie nun sinckt zur erd/ da wird von dienerinnen Ein schnelles zugelaͤuff/ die tragen sie von hinnen Ins zimmer/ legen sie auffs weiche lager hin: Eneas ob er schon ihr traurig hertz und sinn Zu troͤsten traͤgt begier und ihre liebessorgen/ Die sie nicht mehr/ wie vor/ hielt maͤßig im verborgen/ Mit worten lindern wil/ in dem er inniglich Oft seufftzet matt und schwach von manchem liebesstich; Denckt er doch dem befehl der Goͤtter nachzukommen/ Weil er denselben klar und deutlich hat vernommen; Geht wiederumb zu schiff: Die Troer regen sich Mit gantzer krafft und ziehn die schiffe hurtiglich Von gantzem ufer ab/ die wol verpichet waren/ Da sahe man sie durch des meeres fluten fahren; Und nahmen ruder mit/ die waren noch begruͤnt/ Und eichenholtz/ das zu den mastbaum zimmern dient. Denn weil sie eilten sehr/ ließ sichs nicht außarbeiten Noch zu dem schiff gebewd behauen und bereiten/ D a haͤtte man gesehn/ wie risch sie zogen fort/ Wie sie aus gantzer stadt hin eilten zu dem port. So thut das kleine volck der aͤmbsigen ameisen/ D as sich der nahrung kan zur sommerzeit befleissen/ Wenn sie der winter mahnt fein arbeitsam zu seyn/ Sie fallen in das korn und tragen haͤuffig ein; Da zeucht das schwartze heer zu feld auff engem stege/ Und fuͤhren ihren raub durch grase gruͤne wege: Ein theil hilfft laden auff/ ein theil treibt an das heer/ D er gantze weg raucht fast fuͤr arbeit und beschwer ; Sie Das Vierdte Buch. Sie muͤhn sich ungesaͤumt. Was must du/ Dido/ dencken Wenn du es siehest an? Wie muß dein hertz sich kraͤncken/ Wie seufftzest du so tieff/ alß du sahst an deu port Von deinem hohen schloß/ wie sie sich rafften fort Mit eilendem geraͤusch/ und da du allerwegen Von hefftigem geschrey das meer sich sahst erregen? Was richtest du nicht an/ du boͤse liebe du/ Wenn du den sterblichen so hefftig setzest zu ? S ie muß nun abermal vergiessen milde thraͤnen Und mit vergebner klag sich nach den liebsten sehnen/ Sie muß das regiment der liebe nehmen an Und dero scepter seyn/ wie vormals/ unterthan/ Damit sie/ weil sie sich zu sterben hat verwegen/ Nichts etwan unversucht zu rucke moͤchte legen. O Anna (sagte sie) du siehst/ wie sie am port Mit hoͤchster eil davon sich wollen machen fort; Man sieht/ wie sie sich her von allen ecken finden/ Itzt richten sie schon auff die segel nach den winden: D ie schiffer lassen sich frisch an gelegen seyn Zu stecken auff die schiff die bunten faͤhnelein. Ich koͤnte/ schwester/ noch dis grosse leid ertragen weñ mirs vorher mein hertz durch furcht haͤtt koͤñen sagẽ: O Anna/ weil ich bin so elend und geplagt/ Thu mir das einge noch zu dienst/ was mir behagt. Der schlimme hund/ der mich so faͤlschlich hat betrogen/ War/ wie du weissest/ dir noch guͤnstig und gewogen/ Vertraute dir sein hertz und manche heimligkeit/ Wenn niemand wuste sonst/ so wustest du die zeit/ M 4 Wenn Das Vierdte Buch. Wenn man an fuͤglichsten kundt fuͤr denselben kommen; Geh schwester/ du hast nun mein hertz und siñ vernom̃en/ Sprich doch in demuth an den stoltzen gast und feind/ Ich haͤtt es jederzeit sehr gut mit ihm gemeint/ Und ihn nie mit dem heer der Danaer befehdet Am Aulischen gestad/ noch Troja so veroͤdet/ Noch seines vaters grab unheiliglich versehrt/ Noch deß verstorbnen geist an seiner ruh versioͤrt. Warumb wil er denn nicht mein wort zu ohren nehmen/ Und sich nach meinem wunsch mit schuldigkeit bequemẽ? Wo eilet er denn hin? Er moͤchte mir doch noch/ D ie ich so schnoͤdiglich muß ziehn am liebes joch/ Thun diesen letzten dienst und diese gabe schencken ; Er wolle seinen sinn doch etwas lassen lencken/ Und warten bis sich fuͤgt das wetter und die zeit/ Da man zu reisen pflegt mit bessrer gluͤckligkeit. Es waͤhr mir nicht zu thun umb lieb und ehepflicht eben/ D ie er ohn meine schuld und sinn haͤtt auffgegeben/ Ich goͤnnt ihm hertzlich gern das schoͤn Italien/ Fuͤr dem er dieses reich moͤcht immer lassen stehn; Ich baͤte nur umb frist und weniges verweilen/ Das er mir koͤnne ja auff meine bitt ertheilen/ Bis diese raserey aus meinen sinnen wich/ Und wiederuͤmb die ruh des hertzens faͤnde sich. Kein schmertz ist ja zu groß/ kein schad ist so verwildert/ D en nicht der zeiten flucht besaͤnfftiget und mildert. Umb diese wohlthat nur baͤtt ich zu guter letzt; O schwester/ die du mich sonst hast mit trost ergetzt/ Er Das Vierdte Buch. Erbarm dich/ schwester/ mein und thu mir das zu willen/ Wenn du mir meinen wunsch willfaͤhrig wirst erfuͤllen/ Wil ich nicht eher ab-das leben-reissen mir/ Als bis ich dieses werck vergolten habe dir. Die schwester saͤumt sich nicht Eneen an zu tragen Der koͤnigin begehr und seufftzen-volles klagen: Er aber kehret sich an ihre zaͤhren nicht/ Ist unerbittlich/ wil nicht hoͤren/ was sie spricht. Der goͤttliche befehl steht dieser bitt entgegen/ Gott wil Eneens ohr und hertz hierzu nicht regen. Gleich wie ein eiche wird getrieben hin und her Von winden/ welche sich mit wehen muͤhen sehr Sie mit der wurtzel aus dem erden land zu ziehen ; Es hilffet aber hier kein wehen noch bemuͤhen/ Ob sie auch stuͤrmen gleich mit macht und grimmigkeit Und decken mit dem laub die erde weit und breit. Sie stehet dennoch fest: Wie hoch sie in die luͤffte Scheust auff/ so tieff waͤchst sie hinunter in die gruͤffte Mit ihrer wurtzel auch. So wurde dieser held Mit bitten angerannt/ nicht aber uͤmbgefaͤllt. Er fuͤhlt im hertzen zwar das eingepflantzte regen Bleibt aber fuͤr sich steiff und laͤst sich nicht bewegen/ Wie sehr die koͤnigin auch klaͤglich thut und weint! So steiff er wiederumb in seinem vorsatz scheint. Als sie nun kein geluͤck verspuͤrt in ihren sachen/ Und daß die zeichen ihr so schrecken koͤnnen machen/ Traͤgt sie verlangen nach dem tod/ und schoͤpfft verdruß Des lebens/ weil sie so erbaͤrmlich leben muß. M 5 Sie Das Vierdte Buch. Sie kan fuͤr unlust nicht und eingebildtem grauen Mehr ans gestirnte hauß des hohen himmels schauen; Damit sie nun ihr thun zu wercke vollend richt/ Und weils ihr nicht beliebt/ verlaß dis lebens liecht ; Da sieht sie (welches gar erschrecklich ist zu sagen) Als sie wil zum altar ihr opffer gabe tragen/ Wie der geweyhte quell erschwartzt abscheuliglich/ Und der geheilgte wein in blut verkehre sich; Diß wunderzeichen wil sie keinem offenbahren/ Es muß die schwester auch dasselbe nicht erfahren/ Es stund auch in der burg ein Tempel (wie man traut) Von ihrem vorgen mann aus marmor auffgebaut. In selbten gieng sie offt mit heiliger begierde/ Denselben schmuͤckte sie mit sonderbahrer zierde Mit weissen opffer vieh/ mit meyen/ laub und graß/ Da ließ sie duͤncken sich zu hoͤren/ weiß nicht was/ Als ruffte sie ihr mann zur zeit/ da finstre schatten Der erden halbes rund bedeckt gantz duͤster hatten: Es ließ sich uͤber das die nachteul hoͤren offt/ Die auff dem giebeln sitzt/ erschrecklich heult und rufft : Ein vogel/ der sich nicht den andern zu gesellet/ Des heulen und gesang mit boͤser deutung faͤllet Den sterblichen ins ohr und schrecket ihren sinn; Die spruͤche machen sie auch furchtsam/ die vorhin Die priester stelleten und schrecklich vorhersagten Auch ihre traͤume sie und pfantaseyen plagten/ D a ihr Eneas kam in tieffem schlaffe fuͤr/ Und sie/ die fuͤr sich war mit rasender begier Er- Das Vierdte Buch. Erfullet/ triebe mehr mit schrecklichen gestalten Sie ließ sich duͤncken stets/ als muͤste sie sich halten Zu keinen menschen nicht/ war fuͤr sich stets allein/ Und wolte hier und da ohn alle gleitschafft seyn. Auff diese weise sieht der Pentheus/ der der sinnen Beraubet ist/ die zunfft der hellschen unholdinnen/ Zwo sonnen/ uͤber das zwo Theben zeigen sich/ Ja oder wie Orest/ der nahmhafftkuͤndiglich In trauer-spielen wird als ungelobt beschrien/ Fuͤr seine mutter muß/ die fackeln traͤget/ fliehen Und scheuen das gezuͤcht der schlangen/ so die schaar Der unholdinnen traͤgt verwickelt in dem haar: Als nun die D ido war geruͤhrt in ihrem hertzen Und uͤberwunden schon von kummerhafften schmertzen/ Laͤst sie sich nehmen ein von toller rasenheit/ Und ist ihr selbst den tod zu legen an bereit/ Erweget zeit und fug und uͤberschlaͤgt die weise/ Fuͤgt zu der schwester sich und trit zur selben leise; Laͤst aus den augen nicht erscheinen ihren sinn/ Sieht froͤlich aus und traͤgt die stirn frisch fuͤr sich hin: O schwester freue dich mit mir/ ich habe funden Ein mittel/ daß ich kan von kummer seyn entbunden/ Daß mir Eneas muß gantz zugeeignet seyn; Wo nicht/ daß ich doch kan entkommen dieser pein. Es ligt im Mohrenland/ da sich der sonnen wagen Nach seiner tagereiß scheint in das meer zu tragen Am euserster revier des nassen reichs ein orth/ Da auff den achseln ligt des Atlas fort und fort D ie Das Vierdte Buch. Die blaue himmelburg/ da hat man mich gewiesen Zu einer klosterfrau und ihre kunst gepriesen: Sie war aus Libyen des tempels huͤterin Und Hesperinnen schutz/ die auch dem drachen hin Die speise truge fuͤr die oͤpffel zuverwahren/ Die man der Venus frau zu dienste muste sparen/ sie mischt auch honig ein und mohn/ der schlaffen macht: Dieselbe ruͤhmte sich/ sie haͤtts so weit gebracht D urch ihre zauberey/ daß einer/ wen sie wolte/ Von dieser tollen sucht und lieb abstehen solte: Hinwieder kunte sie dem andern diese pein Und liebens wuͤtigkeit ins hertze geben ein. Sie kunte freyen lauff den schnellen stroͤmen wehren/ Sie kunte das gestirn zu ruͤcke wieder kehren/ Wenn sie der geister schaar beschwerte bey der nacht/ Und aus der hoͤllen fuͤhrt durch ihre zaubermacht ! Da hoͤrt man unter sich die erde schrecklich beben/ Man sah die baͤume sich von ihrem ort erheben: O schwester/ glaube mir/ ich schwere dir ein eyd/ So wahr ich heiliglich die Goͤtter allezeit Gehalten hab/ und dich gemeint mit liebestreuen/ So leg ich mich nicht gern auff solche zaubereyen; Doch gleichwol geh in hoff allein und saͤum dich nicht/ Und schaffe/ daß von holtz ein hauff werd auffgericht/ Leg seine waffen drauff/ die in der kammer hangen/ Die dieser loser mann/ da er hinweg gegangen/ Bey mir gelassen hat. Nimm allen plunder hin/ Wie auch das hochzeit bett/ darauff ich arme bin Ge- Das Vierdte Buch. Gebracht umb ehr und heil/ und leg es alls zusammen/ Damit es werde nur vertilget von den flammen/ Ich wil es haben so: Geh/ bring es nur zu hauff! Ich mag von diesem man kein denckmal heben auff. Die priesterin befiehlt auch dieses ebner massen; Dꝛauff schwieg sie still und fieng zugleich an zu erblassen; Doch glaͤubet Anna nicht/ daß ihre schwester kan Diß unter solchem schein des opffers fangen an. Sie bildet ihr nicht ein/ daß ihre sinnen koͤnnen Auff solche boͤse that und schrecklich ungluͤck sinnen/ Sie forschet nicht/ daß ihr was schweres liget an/ Als was Sichaeus tod ihr etwan bringen kan. Derhalben wil sie stracks den anbefehl erfuͤllen/ Und gehet in den hoff nach ihrer frauen willen. Als nun der holtzhauff ist hoch in die lufft gefuͤhrt; D aß keinen mangel dran die koͤnigin verspuͤrt ! schmuͤckt sie denselbẽ auch mit blumẽ/ kraͤntz und kraͤutern/ Und will ihn dergestalt vermehren und erweitern/ Legt seine kleider drauff/ sein hinderlassnes schwerdt/ Sein bildnuͤß/ wissend wohl/ warumb sie so verfaͤhrt. Sie setzet uͤm und uͤm altaͤre solcher massen/ Wie sichs vorzeiten wolt auff leichen halten lassen/ Das lose weib/ die nonn/ laͤst fliegen ihre haar/ Und rufft dreyhundert mahl die Goͤtter an/ so gar Daß sie ergrimmte wort ließ fahren aus dem rachen Es solten aus der hoͤll sich alle teuͤffel machen Uud kommen ihr zudienst/ es solte Ehaos bald Erscheinen/ Hecatens erschreckliche gestalt/ Wie Das Vierdte Buch. Wie auch Diana ist/ die mit dreyfachen rachen Und greuelhafften blick kan einem schrecken machen: Sie sprengt mit wasser auch/ und gabe fuͤr zum schein/ Es solte von dem sluß der helle kommen seyn. Es wurden kraͤuter auch/ die man bey monden scheine Mit ehrnen sicheln ab-muß-schneiden/ zart und reine/ Gesucht/ aus welchen man den gelben gifftsafft nahm/ Zu denen pferdebrunst/ ein gifftig ding/ auch kam. Die Dido aber/ die an einen fuß entbloͤsset Mit ihrem oberrock von engem gurt geloͤsset Trug ein gebackenes mit reinen haͤnden dar/ D as war vom meel und saltz und stunde beym altar ; Und weil sie itzo wil zum sterben sich bequemen/ Rufft sie die Goͤtter an die rache fuͤr zunehmen/ Schreyt auch die sternen an/ die alles/ was geschicht/ Vom himmel koͤnnen sehn/ zu uͤben das gericht/ Und wo ein Gott noch sey/ dem die ungleiche liebe Gefaͤllig koͤnne seyn und selbten nicht betruͤbe/ Den rufft sie sehnlich an/ daß er doch sehe drein Und ihm gerechtigkeit laß angelegen seyn. Es war nun eben nacht/ und alles was auff erden In waͤldern/ pusch und meer mag jrgend funden werden/ D as schlieff mit sanffter ruh/ da das gestirne gleich Mit schnellem lauffe schwebt au guͤldnem Goͤtter-reich/ Da alles stille ligt/ was auff dem felde lebet/ Was in revier der lufft an bunten voͤgeln schwebet/ Was wimmelt in dem wald/ was in den seen schwimmt/ Zu sich mit muͤdem sinn die sanffte ruhe nimmt/ Und Das Vierdte Buch. Und kan durch suͤssen schlaff die muͤh und sorgen lindern: Die Dido aber kan ihr ungeluͤck nicht mindern: Es koͤmmet weder schlaff noch ruh in ihren sinn Und augen : Sondern denckt an alten kummer hin: Es mehrt sich immer zu der liebe sorg und schmertzen/ D ie liebe steigt ihr auff und tobt in ihrem hertzen/ Daß sie von grosser flamm des grimmen zornes bebt/ Und von begierden wanckt und hin und wieder schwebt; Sie steht/ besinnet sich und hebet solcher massen Mit sich zu reden an: Waß sol ich thun und lassen/ Sol ich/ die ich geschimpfft von Troern worden bin/ Dergleichen wieder thun und wenden meinen sinn Mit liebe zum Hiarb/ daß ich mit knyebeugen Ihn bitte/ daß er sich woͤll gegen mir bezeigen Als trauter ehegemahl/ den ich so offtmals hab/ Als offt er uͤmb mich warb/ gewiesen schimpfflich ab? Er wird ohn zweiffel stets an meinen trotz gedencken/ Und nimmermehr sein hertz zu meiner liebe lencken. Was sol ich anders denn verzweiffelt nehmen fuͤr/ Damit ich stillen mag mein hertzliche begier? Sol ich denn fuͤr mein volck und treue leute fliehen Und mit den Troern weg-in ihre laͤnder-ziehen? Sol ich gesetz und maß von ihnen nehmen an/ Die ich fuͤr mich alhier allein regieren kan? Sie haben/ wie ich seh/ mit schoͤnem danck gepriesen Mein wolthun/ das mit treu ich ihnen hab erwiesen ! Sie haben alles schon geschrieben in den sand/ Wie schoͤn ist alles doch an ihnen angewand! Ge- Das Vierdte Buch. Gesetzet aber/ daß ich diesen rath ergreiffe/ Wer wuͤrd auffnehmen mich in ihre stoltze schiffe? Sie wuͤrden halten mich fuͤr lauter spott und hohn/ Vnd wenn sie mich genung gehoͤnet/ ziehn davon. Du arme Dido du/ wirst du denn noch nicht innen Der untreu dieses volcks/ die nur auff boͤses sinnen? Sol ich denn ihnen nach-den schifferknechten-ziehn/ Die mit triumphs geschrey erheben ihren sinn? Ists aber etwan rath/ daß ich mit meinen buͤrgern Mit gantzer heeres krafft nach eile diesen wuͤrgern? Sol ich mein volck/ das ich nicht kunte bringen hin Aus Tyrus meiner stadt in frembdes land zu ziehn/ Vermoͤgen koͤnnen wol/ den feinden nach zujagen/ Und unverdrossnes muths sich auff das meer zu wagen? Doch stirb/ wie du verdienst/ und wende durch den tod Von deinem hertzen ab dein elend angst und noth. O schwester/ da du dich stracks gabst auff meine thraͤnen/ Und da ich nahme fuͤr mich nach dem kerl zu sehnen/ D a hast du mich vorerst gebracht in diese noth: Nun gibst du mich gar hin dem feind in spott und tod. Hab ich denn nicht gekunt ohn schaͤndlichem beginnen Mein leben ruhiglich ohn freyen fuͤhren koͤnnen/ Gleich wie die Luͤxin thut/ die einsam geht herein/ Wenn ihr der gatte stirbt und laͤsset sie allein! Hab ich der tollen lieb nicht koͤnnen muͤssig gehen/ Nun muß ich meiner ehr beraubt mit schanden stehen/ Weil ich gebrochen hab die treue meinem man/ Und ihm in seiner grufft den schnoͤden schimpff gethan. Solch Das Vierdte Buch. Solch klagen stieß sie aus mit trostberaubten sinnen: Eneas aber/ der itzt wolte gleich von hinnen/ War auff dem oberschiff und that ein schlaͤffelein/ D a alles zugeschickt/ und solte wachsam seyn. Da laͤßt sich Majens sohn der Goͤtter bothe wieder Mit rauschendem gethoͤn der fluͤgel vor ihm nieder/ Als er ligt in der ruh. Er ist noch ehnlich gar Dem vorigen Mercur/ an stimme/ gelben haar/ Und farbe/ wie auch zier und schoͤnheit zarter jugend/ Mahnt ihn so wieder auff: Eneas/ dessen tugend Vom himmel ruͤhret her/ sag an/ wie ists mit dir/ Kanst du mit solcher noht noch ruhig schlaffen hier? O thoͤrichter/ stehst du denn nicht die faͤhrligkeiten/ Mit denen du jtzt bist uͤmringt auff allen seiten? Hoͤrst du denn nicht den west wie er so linde weht? Die Dido sinnt auff list/ und mit was schwanger geht/ Das uͤbergrausam ist. Sie stickt in angst und noͤhten/ Und hat den schluß gefast sich jtzo selbst zu toͤdten/ Sie braust fuͤr tollem grimm und wancket hin und her. Wilst du denn/ weil du kanst/ nicht fliehẽ durch das meer Mit aller schnelligkeit? jtzt wirst du ein gewimmel Von lauter schiffen sehn: Itzt wirst du ein getuͤmmel Vernehmen/ daß dir graut: Itzt wirst du sehn den strand Voll muͤhens und gelaͤuffs/ voll fackeln/ voller brand: Laß dich ja morgen nicht betreten hier am strande : Auff/ auff/ verzeuch doch nicht und eile von dem lande: Der weiber sinn ist bunt und kehrt sich unverhofft; Als er diß hat gesagt; Verschwand er in die lufft. N Eneas Das Vierdte Buch. Eneas wachet auff vom ploͤtzlichem gesichte/ Wird sehr bestuͤrtzt hierob und haͤlts fuͤr kein getichte/ Nafft sich stracks aus dem bett/ und schreyet was er kan Erwecket seine pursch und mahnt sie freudig an: Wacht auf/ ihr pursch/ es laͤßt sich hier nicht laͤnger schlaf- Wir muͤssen in der eil verlassen diesen haven; (fen/ Ein jeder fuͤge sich an seine stell und orth/ Und last die segel ab stoßt flugs ab von dem port. Schaut! der postilion der Goͤtter schwingt sich wieder Von himmelsthron herab mit guͤldenem gesieder/ Und treibt uns an/ die flucht zu nehmen in der eil/ Und hauen ruͤstig ab die grossen anckerseil. Du magst seyn wer du bist/ du heiliger der Goͤtter/ Wir folgen deinem trieb: D enn du bist unser retter Und koͤnig : Dein gebot verrichten wir mit lust Und freuden/ steh uns bey mit deinem sanfften trost/ Und laß das wetter doch nach unserm wuntsch geluͤcken. Nach diesem sah man ihn den blancken degen zuͤcken/ Er hewt mit scharffen hieb das seil am ufer ab/ Es folgt ihm maͤnniglich und sich in eil begab Zu segel/ raffen mit geschwinde/ was sie koͤnnen/ Und uͤber halß und kopff hin nach den schiffen rennen: Sie machen sich zum strand mit allem zeug und heer/ Sie ꝛudeꝛn/ daß es schaͤumt und stꝛeichen durch das meer. Die morgen roͤthe war nun wieder auffgegangen/ Und bracht ihr lebens liecht den menschen nach verlangẽ. Als nun die koͤnigin von hoher warte sieht/ Wie diese schiff-armad mit vollem segel flieht Und Das Vierdte Buch. Und daß die haveu wuͤst und gantz veroͤdet stehen/ D aß auch kein ruder mehr zu finden noch zu sehen/ Da schlaͤgt sie ungezehlt/ wie offt es etwan war/ Sich an die brust/ und raͤufft ihr golt gestrahltes haar Aus ihrem kopff heraus. O grosser Goͤtter koͤnig (Sagt sie) haͤlt dieser gast von deiner macht so wenig/ D aß er diß reich verschmaͤht und hoͤhnt uns bitterlich? Wie? Wird denn unser volck nicht zornig ruͤsten sich; Sol nicht die gantze stadt ihn zu verfolgen eilen? Wil man denn seine schiff zu pluͤndern so verweilen? Laufforisch/ bring feuer her/ schifft fort/ schlagt ruder an ! Was red ich? Wo bin ich? Was fuͤr ein toller wahn Verendert meinen sinn? O wie bin ich in orden/ Der ungluͤckseligen so gar versetzet worden ! Nun trifft mich diese noth/ nun macht der lose mann/ Daß mich das ungeluͤck mit hauffen rennet an. D a haͤtt ich ihn gesolt aus meinem reiche jagen/ Da ich an meiner statt ihn ließ den scepter tragen. Wie schoͤn hat er mir nun gehalten pflicht nnd tren/ D a er mit mund und hand mir schwur zu stehen bey. Ist das der fromme mann/ von welchem man wil sagen/ Er hab die Goͤtter her vom Troja mit getragen/ Ja seinen vater auch/ der alt und krafftloß war/ Auff seinen A chseln mit genommen aus gefahr? Hab ich ihn nicht vermocht in stuͤcken zu zerreissen Und schleudern in das meer? Hab ich ihn nicht zerbeissen Mit meinen zaͤhnen kunt? Warumb hab ich doch nicht Sein mir verhasstes volck gewuͤrgt und hin gericht? N 2 Haͤtt Das Vierdte Buch. Haͤtt ich mich doch durch mord an seinen sohn ergetzet/ Und seinem vater ihn zur speise vorgesetzet ! Ja das geluͤck im krieg haͤlt aber selten stand? Mag seyn! wer seinen tod selbst traͤgt in kuͤhner hand/ D er fuͤrchtet sich fuͤr nichts. O haͤtt ich feuer-braͤnde Geworffen in die schiff und meine beyde haͤnde Mit fackeln außgeruͤst/ so haͤtt ich vater/ sohn/ Und saͤmptliches geschlecht mit feur getilget schon! Da haͤtt ich uͤber sie als den vertilgten hauffen A ls eine siegesfrau mit freuden wollen lauffen/ Und mich erstechen auch. Es solte mir die rach An meiner feinde rott seyn eine suͤsse sach. O brunnen alles liechts ! o goldgestrahlte Sonne! Die du den sterblichen gibst suͤsse freud und wonne Und leuchtest gantzer welt. Und du Dolmetscherin/ O Juno/ meiner lieb/ die du kennst meinen sinn; Und du/ o Hecate/ die wir auff scheidewegen Mit heulen und geschrey zu suchen sehnlich pflegen; Ihr raͤcherinnen auch und Goͤtter/ die ihr mich Begleitet jederzeit und schuͤtzet gnaͤdiglich ; Vernehmet meine bitt und wendet zorn und wuͤte/ Auff diese leute hin/ und neiget eure guͤte Zu meiner bitt und wuntsch: So jener lose mann/ D en ich nicht uͤbel gnung mag nennen oder kan/ Erreichen sol den port und hin zu lande schwimmen Und ihm die Goͤtter noch diß land zum zweck bestimmen/ So laßt ein kuͤhnes volck doch kommen uͤber ihn/ Und ihn die Rutuler mit kriegsmacht uͤberziehn/ Daß Das Vierdte Buch. Daß er an keinem ort sein bleiben moͤge haben/ Noch seinen sinn und hertz an seinem sohne laben: Er ruff umb beyhuͤlff an und seh der seinen tod. Mit jammer/ hertzeleid/ beschwer und bittrer noth. Und ob er wider recht schon einen friede machte; So muß er seines reichs und lebens/ wie er dachte/ Geniessen nimmermehr mit unbetruͤbter ruh/ Er muͤsse fuͤr der zeit sein augen schliessen zu/ Und mitten auff dem sand uneingescharret ligen; Diß bitt ich/ dieses sol und kan mich noch vergnuͤgen: Diß letzte wort sol seyn bestaͤttigt durch mein blut Zum zeichen/ daß mir das vollstaͤndig gnuͤge thut. Und ihr/ o Tyrier/ verfolget dis geschlechte Mit unversoͤhntem haß/ mit-oder wider-rechte/ Und schicket mir hin ach/ wenn ich gestorben bin Diß einige geschenck zu troͤsten meinen sinn/ D er uͤber bleiben wird: Es muͤsse keine liebe Zu diesem volcke seyn/ ein jeder sich betruͤbe/ Man gehe nimmermehr mit ihnen buͤnduuͤß ein/ Es muͤsse kommen noch aus unserem gebein Ein starcker raͤcher-held/ der diese bauerknechte Mit schwerdt und feuer tilg und rotte dis geschlechte Der Troer gaͤntzlich aus/ zu welcher zeit sichs fuͤgt/ Es sey kurtz oder lang/ nur das ich sey vergnuͤgt. Es muͤsse see und port dem andern seyn zu wider/ Es musse sturm und fluht die andre druͤcken nieder Es muͤsse dieses volck bekriegen jenes heer/ Es muͤsse kindes kind ins andre sein gewehr N 3 Zu Das Vierdte Buch. Zu stossen seyn ergrimmt. Diß sagte sie und dachte bald hieꝛ bald doꝛt hinaus/ nicht wissend/ was sie machte/ Sie wolt ihr mit gewalt das leben reissen ab Je ehe je baß/ dieweil es ihr verdruß nur gab. D rauff sprach sie kurtzlich an die Barce/ die fuͤr dessen Sicheens amme war/ das ihr noch unvergessen/ (Denn ihre war schon tod) ach amme gehe schier Und hohl mit Annen her/ sag meinetwegen ihr/ Sie sol mit frischer flut sich zu besprengen eilen/ Und mit dem opffer vieh und zeuge nicht verweilen/ D as ihr gewiesen ist: Dann komme sie zu mir/ Und du solt setzen auff ein heilge hauptes zier. Das opffer/ daß ich hab bestimmt fuͤr andern dingen Dem hellschem Gott/ wil ich zu seiner endschafft bringen/ Ich wil auch hoͤren auff mit grimmer liebes pein/ Mit schwerer phantasey mir zu beschwerlich seyn/ Und wil das bildnuͤß nur des leichten kerles geben Den flam̃en: dieses duͤnckt (sagt sie) mich recht und eben: Die Barce regte sich wie alte weiberlein/ Und wolte schleunig das zu thun geschaͤfftig seyn. Die Dido aber eilt mit angst und tieffen zagen/ Ist doch ergrimmet auch ihr boͤses thun zu wagen/ Verkehrt der augenlicht und sieht bald feuer-roth/ Bald zittert sie fuͤr furcht und harter sterbens noth. Sie kommt mit ungestuͤmm in hoff hinein gelauffen/ Und setzt sich oben hin auff den gemachten hauffen Mit rasender begier und zuͤckt das schwerdt behend Des Troers/ das er nicht verließ zu diesem end/ Daß Das Vierdte Buch. Daß es ihr solte so zu ihren tode tuͤgen: Als sie nun siehet da des Troers kleider ligen Und das bekandte bett/ legt sie sich oben drauff Und hemmt mit stillem sinn der milden zaͤhren lauff. Aͤls sie ein wenig nun kaum hatte lufft geschnaubet/ Und diese kurtze ruh dem schwachen sinn erlaubet/ Laͤßt sie sich endlich aus in volle raserey/ Und saget diese wort als letzten noch darbey: Ihr kleider/ die ihr mir seyd lieb und werth gewesen/ So lange Gott und gluͤck gedeyen und genesen Mir haben zugetheilt ; Ach nehmet/ nehmet doch Mein lebens luͤsftlein an und loͤset mich vom joch D er sorg und kuͤmmernuͤß; Ich muß das liebe leben/ D as mir Gott hat geschenckt/ mit hertzeleid auffgeben/ Ich habe meinen lauff/ der mir gegeben ist/ Vollendet trauriglich zu dieser letzten frist. Nun muß mein schatten-bild in finstern bauch der erden D en schlangen und gewuͤrm zur kost und speise werden: Ich habe nun erbaut ein hochberuͤhmte stadt D ie eysenfeste thor und hohe mauren hat. Ich habe satte rach an bruder außgeuͤbet/ Da er mir bitterlich mein hertze hat betruͤbet Und meinen mann getoͤdt. O uͤber selig wehr Ich nun/ wenn dieses volck wehr nimmer kommen her. Ach daß doch diese leut an unser land gekommen ! A ch haͤtt ich nimmer doch von ihnen was vernommen! So sagte sie/ und legt den mund auffs bette hin: Sol ich denn sterben/ die ich ungerochen bin? N 4 Doch Das Vierdte Buch. Doch mags gestorben seyn/ Ich mag nicht laͤnger leben/ So/ so beliebet mir das leben auff zu geben. Es mag der grausame Trojaner immer her Auff diese feuers brunst sehn von dem hohen meer/ Sol aber meinen tod so aus zu legen wissen/ Daß er kurtz oder lang werd einmal sterben muͤssen: D as war ihr letztes wort ; Da faͤllt sie in das schwerdt Als etwas nun hievon hat ihr gesind gehoͤrt; D a lauffen sie hinzu mit gantz bestuͤrtztem muthe/ Und sehn sie ligen da entleibt in ihrem blute/ davon das schwerd noch schaͤumt. Sie liget außgestreckt/ Und ist an gantzem leib besudelt und befleckt. Es koͤmmet das geschrey auff ihre burg und zinnen/ Es wird die gantze stadt/ als man wird dessen innen/ Erfuͤllet mit geschrey/ mit klagen weh und ach/ Mit seufftzen und geheul/ mit lauter ungemach. Die weiber heben an zu weinen und zu zagen/ Man hoͤret weit und breit ihr grosses jammerschlagen/ Es geht nicht anders zu/ als wenn des feindes heer Mit grosser ungestuͤmm schon in Carthago wehr/ Und jtzt des feuers grimm mit ungezaͤmten flammen Schluͤg uͤber hauß/ pallast und tempel hoch zusammen. Die schwester A nna faͤllt in ohnmacht/ da sies hoͤrt/ Steht wieder auff und laͤufft fuͤr schrecken gantz bethoͤrt Immitten durch das volck/ mit naͤgeln sich zerkratzet/ Und schlaͤget an die brust zum oͤfftern/ daß es platzet/ Und rufft die koͤnigin mit namen/ die noch nicht Geschlossen hatte zu ihr dunckles augenlicht. Wars Das Vierdte Buch. Wars/ schwester/ so gemeint/ wars dahin angesehen/ Daß du mich moͤchtest so betrieglich hintergehen? Hat dieser hauffenholtz/ dis feuer und altar Bereitet sollen seyn/ daß ich solt in gefahr Und noth gestuͤrtzet seyn? Woruͤber sol ich klagen/ Die ich verlassen bin. Wie sol ich mich betragen Mit diesem schweren leid? Muß deine schwester ich So gar verachtet seyn/ daß du itzt laͤssest mich/ Und stirbst ohn mich dahin? Ach haͤttst du mich gezogen In ebengleichen tod/ du haͤttest mich bewogen. Ein einig schwerd und schmertz/ ein einig stuͤndelein Haͤtt beydes mich und dich entzogen aller pein. Hab ich auch meine hand als werckzeug muͤssen legen An diesen hauffen holtz? Hab ich die lippen regen D ie Goͤtter anzuflehn auch muͤssen/ so/ daß ich/ Wenn du in ohnmacht fielst/ nicht solte halten dich Und grausamlich verließ? Ich habe dich uͤmbs leben/ O schwester/ selbst gebracht/ und mich mit dir darneben Das volck/ den rath/ die stadt. Gebt wasser daß ich ab- Die wunden-waschen kan/ und so noch vor dem grab D ein geist noch irrt herumb/ wil ich denselben fassen Mit meinen lippen auff. A ls sie nun solcher massen Geredet hatte/ stieg sie hoch auffs holtz hinan/ Und nahm die schwester/ die itzt trat des todes bahn/ Mit seufftzen in den schoß/ und trocknet mit dem kleide D as schwartze blut mit ach und kummerhafften leide; D a wolte sie noch auff-mit ihren augen-sehn/ Sie waren ihr zu schwer und wolten gantz vergehn. N 5 Man Das Vierdte Buch. Man hoͤrte/ wie das blut in tieffer wunde zischte/ Man sahe bey der brust/ wies wallet auff und gischte/ Sie richtet sich dreymal auff wieder in die hoͤh/ Und steurt sich auff dem arm; So vielmal wurd ihr weh Und legt sich wiederumb: Sie liesse hin und wieder An hohen himmel hin die matten augenlieder Und sucht das suͤsse liecht; Und da sies kunte sehn/ Ließ sie gantz inniglich noch einen seufftzer gehn. Als sie die Juno nun sah treibe lange schmertzen/ Ließ sie ihr solchen tod und angste gehn zu hertzen/ Und schickt die Irim hin/ die sich von him̃el schwung/ Und loͤset ihren geist/ der toͤdlich mit sich rung/ Von schweren leibes joch. Denn weil noch nicht ihr ende Vorhanden/ noch befleckt hat jemals ihre haͤnde/ Besonderm vor der zeit elendiglich verdarb/ Und von dem schnellen grimm der liebe klaͤglich starb; War annoch nicht ihr haupt und gelbes haar beschoren Von der Proserpina/ wie auch noch nicht erkohren Zur harten sterbens noth. Drumb laͤsset Iris sich Von hohem himmels thron gantz schoͤn und wunderlich Mit schnellem flug herab/ die wenn die/ sonne strahlte Entgegen ihr/ gar schoͤn mit manchen farben pralte ; Als sie ihr stunde nun zum haupte/ sagte sie: Ich schneide dir das Haar/ das Venus dir verlieh/ Aus Juno anbefehl/ von deinem scheitel abe/ Und bring es Pluto hin zum opffer bey dem grabe: Auff diese weis entbind ich dich vom leib itzund/ Da sah man/ wie die seel hier in die lufft verschwund. Das Das Fuͤnffte Buch. Das Fuͤnffte Buch. I Mmittelst aber war Eneas mit den schiffen Fast mitten auf dem meer mit steiffem schluß begriffen/ Und striche mit dem nord durch schwartze wellen hin Und sahe nach der stadt mit hochbetruͤbtem sinn In der die flammen schon/ die Dido hat erreget/ A lß sie den hauffen holtz zum opffer angeleget/ Zu schimmern fingen an: D ie ursach weiß man nicht/ Woher ein solches feur ist worden angericht; Allein wenn grosse lieb entspringet in den hertzen/ Und wird in haß verkehrt/ so werden auch die schmertzen Vermehrt: Es ist bekand/ was eine frau vermag/ Wennssie von wuͤtigkeit der lieb empfindet plag ; Und darumb koͤnnen sich an den verwirrten sachen Die Troer troͤsten nicht/ noch gute deutung machen. Sie waren auff die hoͤh des meeres kommen nu/ Und stiesse nirgend mehr ein haven ihnen zu/ Es war nichts umb und umb als meer und lufft zu sehen/ Man sah ob seinem haupt ein schwartzes wetter stehen/ Das brachte finsternuͤß und greulich ungestuͤmm/ Das meer erhube sich mit unerhoͤrtem grimm. Der schiffmann Palinur empfindet selbst beschwerden/ Und wil mit hand und muth veꝛzagt und kleinlaut werdẽ/ Schreyt hinden von dem schiff: ach was sol dieses seyn/ Daß unerhoͤrter weis ein solcher sturm faͤllt ein; Was Das Fuͤnffte Buch. Was hast du/ vater doch Neptunus fuͤrgenommen/ Daß du laͤßt uͤber uns ein solches wetter kommen? Nach diesem laͤsset er die segel ziehen ein/ Vnd mahnet/ daß man sol zu rudern aͤmbsig seyn. Er lencket nach dem wind die segel in die kruͤmme/ Damit er/ wie sichs fuͤg/ entgeh des meeres grimme ; Vnd sprach: O tapffrer fuͤrst Enea wenn mir dis Auch selbst der Jupiter gelobte fuͤr gewiß Wuͤrd ich doch keinen trost noch zuversicht gewinnen/ Das wir bey solchem stand des wetters solten koͤnnen In Welschland kommen hin: Die wind erheben sich Vom finsterm abendland und brausen grimmiglich; Sie streiten uͤber-zwerch/ der himmel wird verhuͤllet/ Und wird die gantze lufft mit dicker dunst erfuͤllet; Wie sehr wir uns bemuͤhn/ ists doch umbsonst gethan/ Es nuͤtzet nicht/ daß wir die ruder schlagen an/ Dieweil nun das geluͤck spielt meister und regieret/ So last uns folgen nur/ wohins uns rufft und fuͤhret; Laßt kehren umb das schiff; Auch laͤßt sichs/ wie ich kan Vermuthen/ bald am port des bruders kommen an/ Des Eryx/ zu dem wir uns aller treu vorsehen; Ingleichem koͤnnen wir nach dem gestade gehen D es lands Sicilien; Wenn anders ich nicht bin/ Was das gestirn betrifft/ verirrt in meinem sinn. Da sagt Eneas drauff: Ich hab es laͤngst gesehen Daß solcher massen uns die wind entgegen stehen/ Und daß du dich umbsonst dargegen muͤhst und stemmst/ In dem du nur den lauff mit vollem segel hemmst Bey Das Fuͤnffte Buch. Bey diesem ungestuͤmm. Derhalben laß den winden D as halbe segel nur/ und bleib ein wenig hinden; Was fuͤr ein erdenland koͤnnt mir doch lieber seyn/ Und da ich koͤnte ziehn die muͤden Tannen ein Nach meinem wuntsch und sinn/ als das Acesten heget/ Und meines vaters leib in seinem schosse traͤget? Als dieses nun war gut/ ziehn sie hin nach dem port/ Da treibt der sanffte wind ihr kuͤhnes segel fort. Das gantze schiffheer streicht geschwinde durch die wellẽ/ D ie pursche feyret nicht der frischen booßgesellen; Sie kehren endlich an den hochgewuͤntschten strand/ Acest/ dem dieses heer von fern war unbekand/ Stund auff des berges spitz: A ls er sie nun recht kennet/ Und daß es freunde seyn/ ist er gantz froh gesinnet/ Laͤufft in der baͤrenhaut/ mit der er angethan Mit koͤcher und geschoß/ und wil sie nehmen an Und freundlich laden ein: Derselbe war gezeuget Zu Troja von dem strom Crinisus und gesaͤuget Von seiner mutter da Egesta/ eingedenck Der alten eltern noch/ er nimmt sie mit geschenck/ So viel sein hauß vermag/ auff/ heisset sie wilkommen ; Und als er wolgemuth sie mit sich heim genommen/ Labt er/ als muͤde/ sie von seinem guͤtelein/ Spricht ihnen troͤstlich zu/ sie sollen froͤlich seyn. Als nun das sternen heer mit ehstem fruͤhen morgen S ich hatte durch den schein des tage-liechts verborgen? Rufft der Trojaner fuͤrst sein volck vom haven her/ Und hielte diese red zum unterricht und lehr: Ihr Das Fuͤnffte Buch. Ihr grossen Dardaner/ die ihr von Goͤtter saamen Und himmlischen geschlecht empfangen eure namen/ Es hat des jahres kreyß der monat lauff erfuͤllt/ Seither wir haben ein-den heilgen rest-gehuͤllt Des vaͤterlichen leibs und in die erd begraben/ Auch ihm auff dem altar betruͤbt geopffert haben; Nun aber ist der tag vorhanden/ wie ich mein/ D en ich wil allezeit begehen heilig-rein/ Und halten ehren wehrt. Das ist der Goͤtter wollen/ Das wir/ in massen es geziemt/ erfuͤllen sollen. Wenn ich nun waͤre gleich als ein vertriebener/ Und wohnt in Libyen/ an orten/ wo das meer Und rauhe Syrten sind/ und in der stadt Mycenen; Wolt ich doch diesen tag mit opffer danck und thraͤnen Begehen heiliglich: Ich wolte stellen an Ein jahrfest ordentlich/ wies praͤchtiglich gethan. Nun aber da wir sind zum grab des vaters kommen/ Ehe wir davon gedacht und hatten fuͤr genommen/ D as traun nicht ohne rath der Goͤtter ist geschehn/ Vnd wir mit gutem gluͤck in freundes haven siehn ; Als seyd nur wolgemuth und laßt die Goͤtter walten; Wir wollen diesen tag zu ehren froͤlich halten/ Vnd bitten guten wind vom vater/ welcher nun Vergoͤttet ist/ und kan uns diese wolthat thun. Demselben werden auch/ wenn wir gebauet haben Ihm eine neue stadt/ gefallen unsre gaben Und opffer/ die wir ihm in tempeln zum altar Zubringen wollen seyn bedacht von jahr zu jahr. Der Das Fuͤnffte Buch. Der Troische Acest gibt euch als lieben gaͤsten A uff jede schiffe zween erlesne stier zum besten: Nehmt eure Goͤtter mit/ die ihr von Troja habt Gebracht zu diesem mahl/ wenn ihr euch froͤlich labt/ Und die der wirth Acest mit danck und opffer ehret/ Dieselben ehret auch und laßt sie unbeschweret; Auch wenn der neunde tag wird zeigen seinen schein Uns sterblichen/ wil ich dahin beflissen seyn Euch eine ritterlust zu machen/ eure tugend Zu schaͤrffen/ weil ihr noch seyd in dem lentz der jugend. Ich wil erst stellen fuͤr den Troern einen streit Zu schiffe bey dem strand/ daß man mit schnelligkeit Treff auff einander zu: Hernach wil ich vom hauffen Erwehlen etliche/ die sollen sich mit lauffen Zu uͤben ruͤstig seyn/ der schnelle fuͤsse hat/ Und welcher seine staͤrck auch setzt auff kuͤhne that. Traͤgt einer auch begier in schießen sich zu uͤben/ Und ihm geschoß und pfeil fuͤr andrn laͤßt belieben; Ja wo noch andere sind/ die ein zugehn bereit Mit uuverzagten muth den harten kolben streit; Die sollen dann hernach sich machen und stehn fertig/ Und nachmals nach verdienst seyn der gewinst gewertig Anitzo wuͤntscht geluͤck mit frohem jubel-schall Und zieret euer haupt mit kraͤntzen allzumahl. Da kroͤnet er sein haupt mit einem Myrthen strauche/ Das man der Venus that zu ohren nach gebrauche; Helymus und Acest/ der zimlich alt schon war/ Der knab Ascanius/ und drauff die gantze schaar Thun Das Fuͤnffte Buch. Thun dieses froͤlich nach Eneas kommt gegangen Mit vielen tausenden mit grossem gleit und prangen Zum gꝛab: hier steht eꝛ still uñ schenckt zweene becheꝛ ein Nach altem opffer brauch; Und da er von dem wein Gekostet/ geist er ihn auffs grab wie auch zwo schalen Voll srischer milch/ auch zwo voll blut und wil bezahlen D en Goͤttern opfferdanck/ und streut mit voller hand Viel rothe blumen aus/ der Venus liebes pfand/ Hebt also an und sagt: O heilig-frommer vater/ Gehabe dich nun wol/ der du warst mein berather: Und du/ o asche/ seel und geist des vaters seyd Gegruͤsset abermal/ zu dem ich nach dem leid Vergebens wiederkomm: Ich hab nicht koͤnnen finden Das land Italien/ bin blieben sehr dahinden/ Daß ich die Tyber haͤtt erreichet nebenst dir/ Wie das verhaͤngnuͤß sich heraus ließ gegen mir. Diß hat er kaum gesagt; D a sah man eine schlange Die groß und schluͤpffrig war/ aus innerm heilgen gange Herfahren grimmiglich/ die in die kruͤmme kroch Sich waltzend hin und her/ und offt in kreyß sich zoch ; Kreucht sachte zu dem grab und sich ums selbte schweiffet Kom̃t endlich zum altar/ und hin und her sich schleiffet/ Traͤgt blaue flecken auff dem ruͤcken/ und ist gantz Auff ihrer schupenhaut beflammt mit guͤldnem glantz. So sieht man im gewoͤlck den schoͤnen bogen glaͤntzen Von farben mancher zier/ wenn er der sonnen graͤntzen Entgegen steht: Es wird Eneas drob erschreckt/ Die schlange/ die sich kruͤmmt und in die laͤnge streckt/ Kreucht Das Fuͤnffte Buch. Kreucht endlich hier und da herumb/ da wo die schalen Mit essen angefuͤllt und guͤldene pocalen Gesetzet waren auff: Sie macht sich gar hinan Und kostet von der speiß/ geht wieder ihre bahn/ Und schleifft sich in das grab/ thut keinem leid noch scha- Verlaͤsset den altar/ als welcher war beladen (den/ Mit vieler opffer speiß/ die von dem feuer gar/ Das darauff nach gebrauch entzuͤnd/ verzehret war. Eneas als er war des wunderzeichens innen/ B efleist sich desto mehr sein heiliges beginnen Zu tragen voͤllig ab zu seines vaters ehr/ Und laͤsset/ was darzu gehoͤrig/ bringen her ; Weiß nicht/ wofuͤr er sol diß ungeheuer achten/ Obs sey ein geist des orts/ ob er es soll betrachten/ Als seys des vaters knecht. Er laͤssets also seyn/ und opffert nach gebrauch fuͤnf schaaf und so viel schwein Auch so viel schwartze stier/ und gosse wein aus schalen/ Und rufft des vaters geist zu unterschiednen mahlen Vnd seine seele her aus tieffem hellen schlund: Nicht minder that die pursch/ nach dem ein jeder kunt/ Und trugen wolgemuth in tempel ihre gaben/ Und brachten zum altar so viel sie kundten haben Fast eine grosse meng: Sie thaten ochsen ab/ Die andern setzten hin die kessel vor das grab/ Und da sie sich ins graß zerstreut geleget haben/ So braten sie am spieß die fetten opffer gaben. Der hochgewuͤntschte tag war itzund vor der thuͤr/ Und blinckte wiederumb die morgenroͤth herfuͤr ; O Da Das Fuͤnffte Buch. Da hat Acestens ruff und hoher nahm bewogen D as angegraͤntzte volck und bis hieher gezogen ; D ie haven lagen vol mit froͤlichem geschrey/ Es wolte maͤnniglich den spielen wohnen bey Und der Trojaner heer/ von dem sie viel gehoͤret/ Besichtigen: Ein theil war fertig und bewehret Zu lassen sich in kampff und tragen nach verdienst Ein lob und kleinod weg: Es wurden die gewinst Anfaͤnglich hergebracht/ und mitten ins geschraͤncke Gelegt: Da sahe man viel koͤstliche geschencke. D a waren dreyfuß/ die den Goͤttern heilig sind/ Und kraͤntze/ die man schoͤn von kraut und blumen wind. Es waren palmen da der sieger preiß und zierde Nach dem ein tapffrer muth traͤgt bruͤnstige begierde ; Es lagen waffen hier und maucherley gewehr/ A uch kostbares gewand vom purpur praͤchtig sehr. Es wurden uͤber das von tewresten metallen Viel pfund gesetzet auff. Wer kan von andern allen Jubelen thun bericht? Ehe nun das spiel angieng/ Trat einer auff die wart und an-zu trompten fieng. Da traten gleiche paar herfuͤr an kampff zugehen Mit starcker ruder macht: Vier staͤrckeste galeen Von gantzem heer erkiest die machten sich zu recht/ Und wolten gehen ein das ersie spiel-gefecht. Menestheus/ welcher bald hierauff in Welschland kame/ Von dem das Mem̃ische geschlechr sein ankunfft name/ Regierete das schif/ das Pristis war genennt/ Hat frische ruder knecht und schnelle damit rennt. Der Das Fuͤnffte Buch. Der Gias fuͤhrete das grosse schiff Chimere Das groß wie eine stadt von ungeheurer schwere; Die ruder ordnung war gedrippelt wol verwahrt. Der Troer pursche stund zu rudern auff der fahrt. Sergest/ von dem das hauß und Sergische geschlechte Genennet war/ faͤhrt ein zu diesem schiff gefechte Auff einem grossen schiff. Centaurg war sein nahm; Cloanth/ von dem der stamm der Cluentiner kam Zu Rom/ fuhr auf der Scyll: Es ist nicht weit entlegen Ein felß im meere/ der dem ufer stoͤßt entgegen/ Das im̃er braust und schaͤumt/ wird von den wellẽ macht Zuweilen angerennt und unten hin gebracht/ Daß man ihn nicht mehr sieht/ wenn in den winter zeiten Die winde sich auffs meer mit ungestuͤme breiten Und decken das gestirn: Hingegen wo das meer Mit seiner schnelligkeit ihm machet kein beschwer/ Und fuͤr sich bleibet still/ und sich nicht uͤberhebet/ Geschichts/ daß dieser felß in stiller ruh auch schwebet Und raget hoch empor/ dient auch den Taucherlein/ D ie gern sich setzen hin an warmen sonnenschein/ Zu einen ruheport/ hier ließ den booßgesellen Eneas einen baum zum ziel und zeichen stellen/ Damit sie moͤchten seyn mit unterricht verwahrt/ Von wannen und wohin sie richteten die farth/ Und wo sie sich im lauff behend hin solten lencken; D rauf werffẽ sie das looß/ wie man das ziel sol schrenckẽ. Die obersten stehn schon hoch auf der schiffen spitz. Und fuͤnckeln praͤchtiglich vom gold und purpur plitz. O 2 Die Das Fuͤnffte Buch. die schiff pursch kroͤnt ihr haupt mit gruͤnen pappel zwei- Und wil stch damit keck und unverdrossen zeigen/ (gen/ Bestreichet sich mit oͤhl an schultern hurtiglich/ Und ist an ihrem ort gefasst zum ruderstrich Sie sitzen auff der banck. die ruder anzuschlagen Und auff die losung stracks die schiffe fort zutragen/ Sie freuen sich mit furcht/ so/ daß das hertze pocht/ Und sind gerichtet auff zum lob der tugend frucht A ls nun die losung wird durch die trompete geben/ Sieht man/ wie sie geschwind sich von den graͤntzen hebẽ Und eilend brechen auff; D ie schiffer mahnen an Ein ander mit geschrey/ daß mans weit hoͤren kan/ Sie strecken an die arm/ und rudern daß es schaͤumet Und streichen durch das meer fuͤr andern ungesaͤumet/ Sie setzen an zugleich die ruder/ schneiden durch/ Und machen/ wie der pflug/ im meere lange furch. Das gantze meer klafft auff und krieget gleichsam ritzen Durch solche ruders-macht und wird von schiffes spitzen Und schnautzen durchgefurcht: kein wagen mag noch kan Mit solcher schnelligkeit von seinen schrancken an so lauffen durch das feld/ wenn man geht an das streiten ; Kein fuhrmann/ der sich wol verstehet auff das reiten/ Jagt so behende fort und laͤst den zuͤgel gehn/ Der seine peitsche pflegt umb kopff herumb zu drehn Und neigt sich fuͤrwerts stets zu hawen auff die pferde/ D amit der wagen schnell zum ziel getrieben werde. Drauff frewet sich das volck mit jauchtzendem geschrey/ Da leget einer dem/ ein ander jenem bey. Nach Das Fuͤnffte Buch. Nach art des poͤbels gunst: der gantze wald erschallet/ Das ufer faͤnget auff die stimm und wiederhallet/ Es schlaͤget das geschrey die hohen huͤgel an/ Daß man den wiederschall mit lust vernehmen kan. Der erste/ ders zuvor dem andern thut mit lauffen Und aus den wellen koͤm̃t/ und dem das volck mit hauffen Mit ehr und gunst faͤllt bey/ ist Gyas/ dem Cloanth Hernachmals folgt/ mit dem es also war bewand; D aß er an ruderschaar den andern uͤberstrebte/ Sein schiff war aber schwer uñ etwas langsam schwebte: Nach diesen kommen an mit gleichem unterscheid Menestheus und Sergest und lassen sich in streit/ Wer fuͤr dem andern kan die erste stelle kriegen Itzt laͤufft Menestheus vor/ jtzt scheint Sergest zu siegen Und uͤberstreben ihn: Itzt gehn sie beyde her Mit gleicher segelung und streichen durch das meer. Sie waren jtzo nach schon an den felß gekommen/ Und hatten fast das ziel erreicht und eingenommen; Da hebet Gyas an/ der mitten in dem meer Itzt fast den sieg wegtrug und freudig fuhr daher Und sagt zum steuerman: Moenetes/ wilst du nehmen Zur rechten deinen lauff? Du soltest dich bequemen Und richten nach dem ziel: streich sachte hierwerts ein/ Es moͤgen andre gleich schon auff der hoͤhe seyn. Maenetes aber traͤgt im hertzen furcht und sorgen/ Und scheut die steine/ die im meere sind verborgen; Wil also mit dem schiff sich lencken baß hinauff: Ey wohin kehrest du (schrie Gyas) deinen lauff? O 3 Geh Das Fuͤnffte Buch. Geh auf den felß gleich zu; Da siehet er zuruͤcke/ Und wird gewahr/ daß ihm Cloanth mit fleiß und gluͤcke Den vorzug nimmet weg und hohlt ihn eiffrig ein; Cloanth strich zwischen schiff des Gyas und den stein/ Der von dem meere braust/ und geht mit schnellen zuͤgen Dem Mnestheus vor/ der ihm vermeinet ob zusiegen/ Verlaͤßt hernach das ziel/ darbey die klippe war Und haͤlt sich auff dem meer gesichert fuͤr gefahr Das laͤßt so bitterlich der juͤngling sich verdriessen/ Daß er fuͤr schmertzen muß die zaͤhren lassen fliessen/ Schilt den Moeneten faul und machet nicht viel wort/ Besondern wirffet ihn ins meer ab uͤber bord/ Vergessend seiner ehr und wolfarth der gesellen/ Er wil selbst als regent daß steuerampt bestellen/ Und mahnt die schiffer an; Das steuer kehret er Zum ufer: Unterdeß koͤmmt wieder aus dem meer Der alte steuermann/ der aus den tieffen gruͤnden Mit kuͤmmerlicher noth heraus sich kunte winden/ Treufft von der naͤsse noch/ und klimmt den felß hinan/ D amit er trockne sich und wieder ruhen kan ; D ie Troer/ da er fiel und schwumm/ daruͤber lachten/ Und nachmals wiederumb mit schertz sich lustig machtẽ/ Als er das meeres saltz spie wieder von der brust; Den letzten beyden kam hier an der muth und lust/ Als nemblich den Sergest und Mnestheus/ daß sie dach- Und sich in ihrem sinn die suͤsse hoffnung machten/ (ten/ D en Gyas/ der sich saͤumt/ im lauff zu hohlen ein; D a kommt Sergest zuvor an felß und graͤntze-stein; D och Das Fuͤnffte Buch. Doch ist er noch nicht gantz der erste recht zu nennen/ Zwar nach dem foͤrdertheil des schiffs muß man bekennẽ/ Daß er geh etwas vor: Der Mnestheus koͤmmt in eil Mit eiffriger begier an Sergest hindertheil Mit seiner schnautzen an; Und gehet fuͤrbaß mitten Im schiffe hin und her/ und mahnet an mit bitten D ie pursche/ wie die zeit erfordert nach gebuͤhr/ Haͤlt ihnen diese red in guter meinung fuͤr: Ihr tapffern bruͤder ihr/ die ihr in eurer jugend Dem grossen Hector folgt auf gleichem pfad der tugend/ Die ich zur gleitschafft mir hab einig außersehn/ Als Troja muste so erschrecklich untergehn. Legt/ leget nur frisch an die ruder und last sehen Den strengen muth und krafft/ wie hiebevor geschehen/ Da ihr euch hieltet wol/ als wir in Libyen Und uͤmbs Joͤnsche meer und Syrten musten gehn; Mein fuͤrsatz ist itzt nicht den ersten preiß zu heben/ Ich wil auch darumb nicht mit einem andern streben; (Wie wol ! doch schweig ich still) es mag ein ander kuͤhn/ Dem Gott Neptun wol wil/ sich umb den vorzug muͤhn. Wir wollen nur den schimpff/ daß wir nicht moͤgen ziehẽ Zu letzt den andern nach/ mit gantzen kraͤfften fliehen. Dis/ liebe buͤrger/ laßt itzt euren sieg nur seyn/ Und meidet/ wie ihr koͤnnt/ die schand und schimpff allein. Drauff steuren sie sich an die ruder hoͤchstes fleisses/ Und fahrẽ durch das meer ohn sparung muͤh und schweis- Das schiff erzittert gar von ungeheurer macht (ses/ Der schlaͤge/ wird doch schnell durchs nasse feld gebracht. O 4 Die Das Fuͤnffte Buch. Die arbeit ist so groß/ daß sie kaum schnauben koͤnnen Sie leiden heissen durst/ man sieht/ wie baͤche rinnen D en schweiß von ihrem leib. Hier kommets ohngefehr daß Mnestheus uñ sein volck kriegt grosses gluͤck und ehr. Denn als Sergest sehr tobt vom ehrgeitz ein genommen/ Und sich bemuͤhet auff die lincke hand zukommen/ In dem er lenckt das schiff zur klippe/ da das ziel/ Und koͤmment an ein ort/ daß nicht gerathen wil/ Stoͤßt ihm das ungluck zu/ daß er mit seinem schiffe An eine klippe/ die im meer verborgen/ lieffe; Es kracht der felß davon/ die ruder gehn/ daß knackt/ A uf stuͤcken/ und das schiff bleibt stehen schwebt und hackt. Die schiffer stehen auff und muͤssen halten stille/ Erheben groß geschrey/ daß auch von dem gebruͤlle Die lufft und see erschallt; Sie langen pfaͤhle her/ Die forn sind zugespitzt/ und stangen die fast schwer Zu fuͤhren sind; Damit versuchen sie zu heben D as schiff in volle fluth/ sie muͤhen sich und streben Mit gantzer krafft dahin/ und fliehen kein beschwer/ Damit es wiederumb komm auff das hohe meer/ Sie lesen wieder auff die ruder/ die zerstuͤcket. Menesthens aber ist erfreut/ dems nun geluͤcket/ Ist mit dem schnellen zug der ruder hurtiger/ Und macht mit gutem wind sich fertig durch das meer. D a laͤufft er ohn gefahr der blinden klipp-und steinen/ Und laͤst sich einer taub hier zu vergleichen scheinen/ Die/ wenn sie aus der hoͤhl gescheucht wird in die lufft/ Und hat noch jungen da im nest und hohler klufft/ Er Das Fuͤnffte Buch. Erschwingt sie sich geschwind auffs feld und hohe huͤgel Fuͤr schrecken/ das man hoͤrt das rauschen ihrer fluͤgel ; Wenns aber sicher ist/ fleugt sie gar stille her Und regt die fluͤgel nicht durchs blaue himmelmeer. So flohe Mnestheus auch mit seinem kuͤhnen schiffe/ Und schwunge sich davon und nach dem ziele lieffe/ Und laͤsset erstlich stehn den armen rittersmann Sergest/ der von dem felß gar schwerlich kommen kan: Wie sehr er sich bemuͤht den klippen zu entgehen/ Muß er doch ohne huͤlff/ wie sehr er zappelt/ stehen Und lernen lauffen mit zerbrochnen rudern fort: Muͤhselig ding! doch gut/ wenn man noch kom̃t an port. D ann hohlt er Gyam ein/ der ihm schon gibt gewonnen/ Weil ihm die hoffnung ist des vorzugs gantz zerronnen/ Als der des steuermanns mit schimpff beraubt muß seyn. Itzt war am end des kampffs Cloanth noch gar allein/ D en wolte Mnestheus gar umb sieg und ehre bringen/ Und hub des wegen an mit macht auff ihn zu tringen: Es wurd ein groß geschrey ; Das volck/ so an zu sehn D ie schauspiel an dem port man haͤuffig sahe stehn/ S chrie dem Menestheus zu/ der ihm war in dem ruͤcken/ mit jautzendem gethoͤn/ daß ihm der kampff moͤcht gluͤckẽ/ Und mahnt ihn guͤnstig an: Es schallet vom geschrey Der himmel; maͤnniglich legt dem Menestheus bey. A llein C loanthens pursch empfindet unmuths grillen/ Weñ ihnẽ nicht der sieg sol gehn nach wuntsch und willẽ/ Sie wollen eh mit lob das leben buͤssen ein/ Als von dem gegenpart mit schimpff besieget seyn. O 5 Die Das Fuͤnffte Buch. Die andern/ nemblich des Menestheus mit-gesellen Staͤrckt ihr gehabtes gluͤck/ da sie des mecres wellen Gebrochen guten theils: Sie koͤnnen siegen ob/ Weil ihnen alles volck zuschreiet sieg und lob. Sie haͤtten auch vielleicht mit ihren voͤrdertheilen Der schiffe koͤnnen wol das ziel und preiß ereilen/ Wenn seine haͤnde nicht Cloanth haͤtt auff gestreckt/ Und mit entflammtem geist sich zum gebaͤt erweckt ; Denn da er erst sich recht besanne/ daß das siegen An nichtes anders kunt/ alß Gottes gnade/ ligen/ Rufft er den himmel an mit folgender gestalt: Ihr Goͤtter/ die ihr koͤnnt mit herrlicher gewalt Beherrschen diese welt/ das meer und seine wellen; Ich wil mit freuden euch fuͤr eurem Altar stellen Ein opffer/ wie ich euch zu thun verpflichtet bin/ Wenn ich mit gutem gluͤck ans ziel werd kommen hin. Ich wil das eingeweyd auch nach gebrauch und sitten Mit opffern guten wein in grund des meeres schuͤtten. So that er sein gebaͤt und seine Goͤtter ehrt/ Die unterm wasser ihn nicht liessen unerhoͤrt. Des Meergotts Phorci schaar/ die zarten Nereinnen/ Die nimfe Panope vollziehn sein wuntsch-und sinnen/ Der vater des gestads Portun schiebt selber fort Das schiff mit starcker hand/ damit es komm an port. Dasselbe fleucht davon mit gantzer macht und eilen/ Geschwinder als der wind und gleich den schnellen pfeilẽ Und kommet an das land und hochgewuͤntschten port/ D emnach der Goͤtter gunst dasselbe triebe fott. Als Das Fuͤnffte Buch. Als diese lust nun hat Eneas eingenommen/ Laͤßt er sie alle sampt/ wies braͤuchlich/ vor sich kommen/ Befiehlt auch den Cloanth erklaͤren fuͤr den mann Durch seinen ehrenhold/ ders beste hat gethan/ Derselbe setzet ihm auf eine lorber krone/ Laͤßt ihm drey ochsen auch stracks lesen aus zu lohne Der pursche fuͤr die muͤh/ besehenckt sie auch mit wein Und grossen stuͤcke geld/ sie sollen lustig seyn. Die obersten begabt er praͤchttg mit geschencken Von hohem preiß und werth/ darbey sie sein gedencken; D ers beste hat gethan in diesem kampff und streit/ D em schenckt von purpur er ein goldgesticktes kleid/ Ein koͤstliches geschenck und ehrenreiche gabe: Es war darein gewirckt der koͤnigliche knabe. Von Troja Ganymed/ der rustig und in eil Verfolgt die schnellen hirsch mit seinem scharffen pfeil. Man sahe/ wie er sich mit grossem ernst und keichen Bemuͤhte ritterlich die hirsche zu erreichen/ Und wie vom berge her des Jovis adler kam/ Und ihn mit krummer klau hoch in die lufft weg nahm. Die alten waͤchter/ die darauff bestellet waren/ Daß sie ihn huͤteten/ als sie ihn sahen fahren/ D a heben sie die Haͤnd uͤmbsonst zum sternen hin/ Und klagen den verlust mit hoch bestuͤrtztem sinn. Man siehet auch hierbey/ wie sich die hunde stellen/ Sie scheinen das gestirn ergrimmet anzubellen. D em Muestheus aber/ dem die tugend krafft gelung/ In dem er nechst Cloanth den andern preiß errung/ Gibt Das Fuͤnffte Buch. Gibt der Trojaner fuͤrst zum ruͤhmlichen geschencke Ein pantzer schwer am gold des ringlein und gelencke Dicht waren angefuͤgt zusammen dreyfach fest D er dem Demoleo erst eigen war gewest. Eneas aber zoh ihm diese ruͤstung abe Fuͤr Troja/ und sie jtzt dem tapffern Mnestheus gabe Zur zierde/ weil sie war von gold und auch zum schutz/ Daß er begegnete der feinde grimm und trutz. D iß pantzer kunten kaum der diener zweene tragen; Darinn Demoleus die Troer kunte jagen Mit grosser schnelligkeit. Dem dritten schencket er Zwey becken/ waren beyd am besten silber schwer/ Auch einen silbern kahn/ darauff man helm und schilder Gestochen kuͤnstlich sah und andre schoͤne bilder. Sie waren alle nun begabet praͤchtiglich/ Ein jeder gieng herein gar stoltz und freute sich. D er ehren und gewinst. Man liesse kraͤntze winden Und satzt sie ihnen auff/ und zierte sie mit binden Von farben allerhand. Als dieses war vollbracht/ Da hatte sich Sergest bemuͤht mit gantzer macht/ Daß er von rauhem felß war kuͤmmerlich gekommen/ Und an den rudern hatt viel schaden eingenommen/ Der kam mit seinem schiff gezogen hinden nach/ Da must er uͤber das noch leiden hohn und schmach. Wie/ wenn im fuhrweg wird zertreten eine schlange/ Wenn sie koͤmmt unters radt/ da sie mit krummen gange Bald hier bald dort hin kreucht und laͤufft gefaͤhrlich an/ Desgleichen offtmals koͤmmt/ daß sie ein wandersmann Mit Das Fuͤnffte Buch. Mit einem steine trifft und laͤßt halb tod sie ligen; D a muͤht sie sich uͤmbsonst mit ihren krummen zuͤgen Zu waͤltzen schnelle fort. An kopff und zunge zwar Hat sie den grimm und trotz noch-nicht verlassen gar/ Sie laͤßt der augenflamm noch fuͤnckeln und erhebet Mit auffgerecktem halß ein zischen/ daß man bebet: Allein das untertheil/ daran sie ist verletzt/ Macht/ daß sie niemand sich mit schaden widersetzt/ Weil sie gelaͤhmet ist/ und kan sich schwerlich schleiffen/ Viel minder hin und her auff ihrem bauche schweiffen: So hub sich auch dis schiff mit schwachen rudern fort/ Kan aber segeln noch/ und koͤmmet an dem port. Doch ist Eneas froh/ das noch Sergest erhalten Das fchiff fuͤrm untergang/ obs gleich sehr ist zerspalten/ Und daß er seine pursch bringt wiederumb mit sich ; Was er ihm zugesagt/ das haͤlt er festiglich. Er gibt ihm eine frau/ die schon zwey kinder hatte Von Cretischen geschlecht/ die solte seyn sein gatte Und hiesse Pholoe/ sie kunte spinnen/ nehn/ Und was das weibesvolck im hause sol verstehn. Nach endung dieses kampffs und außgetheilte gaben Wil sich der fromme held Eneas ferner laben/ Spatziert ins gruͤne feld/ das huͤgel berg und wald Rings aller seits uͤmgab mit lieblicher gestalt/ Und mitten in dem thal wird eines plans man innen/ Der raͤumlich/ groß und weit/ da ritterlich beginnen Und kampffspiel hatte platz: D ahin kam nun der held Mit vielen tausenden/ da alles war bestellt. Er Das Fuͤnffte Buch. Er satzt sich mitten drein: Man hatt auff frischem rasen Nach fuͤgligkeit des orts die sitze machen lassen/ Da setzt er viel gewinst und ehren-gaben auf/ Vnd ladet maͤnniglich zum renn-und wette-lauff. Es kommen uͤberall herbey der Troer hauffen Und mit denselbigen die Siculer gelauffen Der Nis und Euryal sich machen erst herbey/ Euryal ist sehr schoͤn; Der Nisus aber treu Dem kuͤhnen juͤngeling/ den er ohn falschheit liebte/ Und jener gleichfalls sich in wahrer freundschafft uͤbte/ Ein unzertrenntes paar der freunde/ die in noth So wol als im geluͤck sich liebten bis in tod. Zu diesen kam hernach Diores vom gebluͤte Des koͤnigs Priami/ von tapfferem gemuͤthe/ D em folgte Salius ein Acarnanier/ Und patron/ welcher war ein treuer Arcader Und ein geschlechter aus Tegaea: Ferner kamen Zween aus Sicilien/ und waren ihre namen/ Helym nnd Panopes/ beruͤhmte jaͤgersleut Acestes edel pursch/ ein hurtig paar zum streit/ Viel andre noch darzu aus den gemeinen hauffen/ D ie machten sich gefast zu diesem wette-lauffen; Da trit Eneas auf im mitten in dem plan/ Und faͤnget folgender gestalt zu reden an: Vernehmet meine wort mit auffgeweckten sinnen/ Und mercket meine red mit froͤlichem beginnen; Ihr solt euch alle/ die ihr hier zugegen seyd/ Erfreuen meiner gnad und hohen mildigkeit Ich Das Fuͤnffte Buch. Ich wil euch allesampt nach wuͤrdigkeit begaben/ Und sol ein jeglicher zween wurffpfeil von mir haben/ Die von den besten sind/ schoͤn/ blanck und außpoliert/ Die man zu Creta macht und zu uns uͤberfuͤhrt; Auch eine partisan von silber schoͤn geaͤtzet/ Gestochen und poliert: diß sol seyn aufgesetzet Zur allgemeinen gab und tugend ehren-lohn; Allein die ersten drey sol jeder eine kron Aus einem oͤlezweig nach wohlverhalten haben/ Und wil den ersten auch absonderlich begaben/ Mit einem schoͤnen Roß gezieret und geputzt/ D arauf ein ritters-mann den gegner billich trutzt. Dem andern aber wil ich nach verdienst ertheilen Der Amazonen beut/ den koͤcher mit den pfeilen Und einen krieges gurt mit guͤldenem beschlaͤg des hefft ein edelstein: Dem dritten ich zu leg Den helin/ den ich dem feind vor Troja abgezogen: Ihm sey daran genug/ und daß ich ihm gewogen. Als er sein wort gethan/ erwehlen sie den ort/ Und machen sich/ so bald die losung schallet/ fort. Man siehet mit begier sie lauffen aus den schrancken; Sind gleich dem schnellẽ wind/ uñ denckẽ nicht-zuwanckẽ Von dem gesteckten ziel/ daß sie im augenschein Behalten: Keiner wil der letzte gerne seyn. Der Nisus laͤufft voran/ und laͤst sie alle hinden/ Scheint an behendigkeit gleich seyn den schnellen windẽ/ Dem folget Salius und ist sein nechster zwar/ D er aber noch sehr weit von ihm in lauffen war: Und Das Fuͤnffte Buch. Und diesem wiederumb folgt Euryal der dritte Sehr weit von ihm entfernt/ und hatte noch viel schritte Zum vorgestecktem ziel. Dem folget Helymus Mit gleichem wuntsch und siñ entflam̃t auf frischen fuß. Und hinder diesen ist D ior mit weiten spruͤngen/ Und scheint mit schnellem flug sich von der erde schwingẽ Trit ihm fast auf die fersch/ gebraucht der schultern krafft/ Und sich behende fort zum ziel und kleinod rafft/ Wenns weiter waͤre hin/ er wuͤrd ihn uͤberstreben/ Und ihm nicht also leicht den sieg gewonnen geben. Sie hatten itzo fast vollendet dieses spiel/ Und waren kommen schier zu dem gewuͤntschten ziel Ermuͤdet matt und laß/ da traͤgt sichs zu/ daß Nise Zu seinem ungeluͤck die ferschen schluͤpffern ließe/ D a ohngefehr er trat auffs blut von einem stier/ D er als ein opffer war vorm kampff geschlachtet hier. Der gute juͤngeling/ da er itzt fast erlanget Das vorgesteckte ziel/ und gleich als sieger pranget/ Kan sich nicht halten auff noch steuren seinen gang/ Besondern faͤllet hin vor sich die laͤnge lang In koth und opfferblnt; D och ist ihm nicht entfallen Die liebe seines freunds Euryali fuͤr allen; Denn als er von dem ort der schluͤpffrig war/ steht auff/ Da kommet Salius/ den hindert er am lauff/ Daß er zu boden faͤllt und in dem sande liget/ Da springt Euryalus herfuͤr und freudig sieget/ Er kriegt den vorzug weg durch freundes foͤrderung er jauchtzt mit gunst des volcks/ uũ thut drauf einẽ sprung Nach Das Fuͤnffte Buch. Nach diesem kommet hin der Helimus gelauffen/ D er dritte war Dior/ der letzt im ersten hauffen Hier machte Salius mit graͤßlichem geschrey Den gantzen schauplatz voll ; Die vaͤter trugen scheu Und wurden sehr verwirrt/ er klagte/ daß er waͤhre Mit arglist und betrug gekommen umb die ehre; Man moͤchte doch daran ihm wieder stattung thun/ D aß er fuͤr seine muͤh auch kriegte preiß und lohn. Dem Euryal die gunst und neigungen erspriessen/ Und daß er thraͤnen laͤßt von seinen wangen fliessen/ Die ihm wol stehen an wie auch des leibes zier/ Aus dem der tugend schmuck viel schoͤner glaͤntzt herfuͤr. Diores steht ihm bey und hebt an laut zu klagen: Sol Salius davon das erste kleinod tragen/ So kommet der zu kurtz/ der erst kam an das ziel Und hat vergebne muͤh gehabt in diesem spiel. Der vater sagt hierauff Eneas: Eure gaben O pursche/ sollet ihr ohn eingem abbruch haben/ Und sol euch niemand nicht verruͤcken den gewinst ; Ein jeder sol den preiß bekommen nach verdienst. Man laß den unfall mich bejammern meines freundes/ Den ohne schuld gestuͤrtzt die list und neid des feindes. Drauff schenckt dem Salius er eine leuenhaut/ D ie greulich zoͤtig war und schrecklich sehr beklaut. D rauff faͤnget Nisus an: Wenn der so unten liget/ So stattlich wird beschenckt und solchẽ preiß weg krieget/ Und dich der strauchelnden erbarmst mit edlem sinn/ Was denn wird Nisus wol empfangen zum gewinn? P Ich/ Das Fuͤnffte Buch. Ich/ der mit tugend-ruhm den ersten preiß und gabe/ Haͤtt mich nicht das geluͤck gesiuͤrtzt/ verdienet habe? Mit diesen worten zeigt er ihm sein angesicht Und gantzen leib/ der sehr mit koth war zugericht. Deß must Eneas selbst der gute vater lachen/ Und schenckt ihm einen schild/ den Didymaon machen Kunt schoͤn und artiglich: Er war bey einem grab Im tempel des Neptuns vom feind gerissen ab. Mit diesem kostbahren geschencke wil er ehren Den tapffern juͤngeling und seinen ruhm vermehren. Als nun der lauffkampff waꝛ verbꝛacht mit lust und zier/ Und jeder seinen preiß bekommen nach gebuͤhr Von des Eneens gunst ; Fieng er sie an zu mahnen Zu einen schaͤrffern streit; Ihr lieben unterthanen/ Sagt er/ wer nun ein hertz und muth im leibe hat/ Der mache sich herbey und zeigs mit kuͤhner that. Zu einen kolben streit solt ihr seyn eingeladen; Es stehet jedem frey zu huͤten sich fuͤr schaden/ Streicht auff die arme frisch und fuͤhrt die kolben so/ Daß ihr am end des kampffs der muͤhe werdet froh. Das war sein wort und sinn/ und setzet auff zwo stuͤcken Dem sieger/ welchem wuͤrd der harte kampff geluͤcken/ Sol seyn ein fetter ochs mit guͤldnem schmuck verehrt/ Der uͤberwundene sol haben helm und schwerd Zu troͤsten seinen muth/ daß er nicht sol verzagen/ Ob er schon dißmal nicht davon hat koͤnnen tragen Den sieg und ehren preiß. Stracks macht sich Dares her Mit grosser leibesstaͤrck und trotzt gewaltig sehr. D as Das Fuͤnffte Buch. Das volck laͤßt ihm sein thun mit gunst geschrey behagẽ: Er war ein mann/ ders auch mit Paris pflag zuwagen/ Und mit ihm ging im streit: Er hat auch bey dem grab/ Da wo der Hector ligt/ dem man als helden gab Den tugend-namen/ groß/ den tapffern siegsman Buten/ Geschlagen/ daß er sich zu tod hat muͤssen bluten/ Und hat ihn hin gestreckt als sterbenden in sand/ Der sonst als fechter war von tugend wol bekand Und grosser leibes krafft/ der manchen hat geleget Als sieger in den staub/ daß er sich nicht mehr reget/ Auf solche weise schnitt der Dares maͤchtig auff/ Und suchte seinen mañ mit gantz entbrandtem schnauff. Er macht sich trefflich breit und schwencket hin und wie- D ie arme trotziglich: E r gehet auf und nieder (der E r streichet in die lufft mit frech-gesinntem muth/ Und ist bereit zum kampff zu wagen leib und blut. Man sucht sein gegentheil. E s wil sich keiner wagen In dem so grossen heer mit diesem man zu schlagen Und gehn in kolben streit. E r siehet frisch umbher/ Und meint/ ein jeder flieh fuͤr seine faust und wehr/ und wegre sich des kampffs: E r macht mit frechem gan- Sich zum E neas hin verwartend da nicht lange/ (ge Haͤlt mit der lincken hand den ochsen bey dem horn Und redet mit verdruß/ als truͤg er leid und zorn: O fuͤr st E neas/ weil sich keiner traut zu gehen Mit mir in diesen kampff ; Was sol ich lange stehen? Worzu wil man/ daß ich sol lange warten hier? Drumb lieber/ laß mir doch nur geben diesen stier/ P 2 D ẽn Das Fuͤnffte Buch. Den du hast auffgesetzt. Das gantze heer stracks wolte Mit jauchtzendem geschrey/ daß man dem manne solte Nur geben den gewinst er haͤtte doch den preiß Verdienet schon/ der fuͤrst solt halten den verheyß. Immittelst lag Entell gestreckt in gruͤnem rasen Und kunte diesen kerl sich so bravieren lassen; A cest saß neben ihm/ und that ihm scharff verweiß/ Er solte nicht so leicht ihm treten ab den preiß. Entellus (saget er) du außbund tapffrer helden Wilst du/ daß man umbsonst sol deinen namen melden; Wo ist der tapffre muth/ den du vor dieser zeit Erzeigtest fertiglich zu manchen kampff und streit? Bist du dir nicht mehr gleich? Wilst du dir diese schande So lassen sagen nach/ daß du ohn wiederstande Dem Dares weichen wilst? Sol er dir den gewinn Und fuͤrgesetzten preiß fuͤrm maule nehmen hin? Wo ist dein meister nun der kuͤhne Eryx blieben/ D er dir die fechterkunst gelehret und getrieben Mit sonderbahrem ruhm? D er von dir wird umbsonst/ Wenn du dem Dares weichst/ geruͤhmt mit seiner kunst: Was wird Sicilien von deinen namen melden/ Der du als kleinod warst beruͤhmt der fechter-helden? Was wird dich helffen denn der raub/ der auffgehenckt An deinen pfosten ist/ dabey man dein gedenckt? Drauff ließ Entellus sich bescheidentlich vernehmen: Deßhalben darff ich nicht mich in geringsten schaͤmen; Die liebe zu dem lob und ehre/ die ich hab/ Wird mir wol ohne furcht verbleiben bis ins grab. So Das Fuͤnffte Buch. So viel ist aber ihm: Mein leib wil fast veralten Und wollen nicht mehr so/ wie vor/ die kraͤffte halten; Mein blut ist stumpff und kalt: ja waͤr ich noch so jung/ Wie dieser schnaphahn ist/ da mir mein muth gelung Nebst meiner leibesstaͤrck; Ich ließ mir nicht bravieren/ Es solte weder lohn/ noch schoͤner ochse ruͤhren Mein hertze zu dem kampff: Was frag ich nach gewinst/ Ich achte nur allein der tugend lob-verdienst. Mit diesen wirffet er von ungeheurer schwere Zween kolben auff den plan/ die mit beruͤhmter ehre Der tapffre Eryx trug/ die er gewohnet war Zu brauchen in dem kampff und mancherley gefahr; Da er sie an dem arm mit harten riemen bande/ Damit er steiffer waͤr geschickt zum wiederstande/ Das volck entsetzt sich ob der beyden kolben sehr/ Die von so vielem bley und eisen waren schwer/ Der Dares sonderlich verwegert sich zugehen In kampff/ und mag nicht so dem alten fechter stehen/ In gleichem wundert sich Eneas ob der last/ Und wie sie hier und da mit knoten sind gefasst/ Er nimmt sie in die hand und pruͤffet ihre schwere/ D er alte gut Entell sagt: Ja wer damals waͤre Darbey gewest und haͤtt den Hercules gesehn Mit seiner kolb und wehr vor seinem feinde stehn. Was wurde fuͤr ein streit am ufer hier gestritten? Was harte puͤffe hat der Eryx doch gelitten Dein bruder? Dieses war der streitkolb/ denn er fuͤhrt/ Daran man zum gemerck das blut und hirn noch spuͤrt. P 3 Mit Das Fuͤnffte Buch. Mit diesem kunt er keck dem Hercul wiederstehen/ Dem keiner kunte vor/ an staͤrck und tugend-gehen; Ich hab sie auch gefuͤhrt in manchem kampff und streit/ Da ich noch war bey krafft in fruͤhling meiner zeit; D a mir das haar noch nicht im alter war beschnieen/ D as sich mit eiffer pflegt bey junger pursch zu muͤhen. Wo aber Dares nicht beliebet dis gewehr/ Und dieser kolben ihm beduͤncket seyn so schwer/ Auch unser fuͤrst also E neas ist gesinnet/ Ingleichem daß Acest fuͤr recht und gut erkennet/ A ls richter dieses kampffs; So mag man das gewehr Nach gleichheit theilen ab und anders bringen her. Ich wil dir zu dem kampff des E ryx kolben geben; Du darffst dich fuͤrchten nicht/ du aber leg darneben Mir deine waffen her. Drauff warff er hin sein kleid E ntbloͤsset seinen leib und arme zu dem streit/ Und ließ sich mitten auf dem plan gantz fertig schauen/ Daß mancher/ der ihn sah/ empfunde furcht und grauen: Drauff macht E neas gleich die kolben zu dem streit/ Und wapnet beyde sie nach recht und billigkeit. A lßbald begunten sie einander anzusehen Als feind und auffgericht mit steiffem fuß zu stehen; Sie huben beyderseits die arm hoch in die lufft Zu schlagen maͤchtig drauff/ daß alles kracht und pufft: Sie stunden aber so/ daß sie die koͤpffe zogen Weit von den streichen ab und hinderwerts sich bogen/ Vermischten hand und hand/ undtreitzten sich zum streit/ Der Dares gienge vor an leichter schnelligkeit/ Und Das Fuͤnffte Buch. Und wolte seinem muth und frischer jugend trauen; E ntellus aber war erschrecklich anzuschauen Von wegen seiner groͤß und leibes schwerigkeit D aß er zwar staͤrcke noch hatt uͤbrig zu dem streit; Doch kan er seine knye des hohen alters wegen Nicht setzen steiff und fest/ noch sich geschwinde regen; D er athem geht ihm schwer von seiner engem brust/ Keicht/ wenn er einen schritt nur thut/ und immer hust: Sie thun zwar manchen streich/ doch in die leere luͤffte/ Offt treffen sie den rumpff/ die hohle seit und huͤffte Sie stossen von der brust groß schreyen in die lufft/ Und schlagen hinters ohr einander/ daß es pufft. E s klatscht von manchem stꝛeich das angesicht und backẽ/ Man hoͤret ihren leib von vielen puͤffen knacken. E ntellus stehet fest mit unbewegtem tritt Und geht den streichen aus nur fast mit einem schritt Und augen wachsamkeit: Der Dares ist beschaffen/ Wie einer/ der sich legt mit starckem zeug und waffen Fuͤr eine feste stadt und sie bestuͤrmet sehr; Und wie ein starckes schloß von einem grossen heer Mit macht belaͤgert wird; Da rings auf allen seiten Der feind sich nimmet fuͤr dasselbe zu bestreiten ; Sieht balde hier und dort/ wie er sich mach hinan Versuchend uͤberall sein vortheil/ wie er kan; Und stuͤrmet sehr und offt zu machen eine luͤcke/ Ist aber nur umbsonst und hat dafuͤr kein gluͤcke; So kan auch Dares nicht E ntellen kommen bey; D enn dieser zeiget ihm die faust und macht ihm scheu. P 4 E r Das Fuͤnffte Buch. Er hebt den kolben auff gar hoch/ ist sein gewertig/ Der D ares siehts zuvor und drehet sich gar fertig/ Und gehet aus den streich. Entell schlaͤgt in die lufft/ Und faͤllt mit schwerer last zu boden unverhofft. Wie wenn ein fichtenbaum auff Erymanthens hoͤhen Kan alters halben nicht wol in die laͤnge stehen/ Die wuͤrme nagen ihn und fressen seine krafft/ D aß er zu letzt gar schwer an seiner wurtzel hafft Und ploͤtzlich faͤllet umb: So gings auch den Entellen/ Der alters halben sich nicht lange steiff kunt stellen Und auff die erde fiel. Die Troer freuen sich Ob des Entellen fall und jauchtzen muthiglich. A llein die Siculer entsetzen sich daruͤber/ Und lassen ihren sinn und angesteht viel truͤber A nsehen als zuvor: Es wird ein groß geschrey/ D avon die luff: erschallt ; Acest laͤufft erst herbey Und hebet von der erd aus hertzlichem erbarmen D en alten guten freund Entell mit beyden armen. Der held ist darumb nicht durch diesen fall gedaͤmpfft Und hat mit seinem feind noch nicht gar außgekaͤmpfft : Er gehet frischer dran/ der zorn weckt das gemuͤthe/ Die schande zuͤndet an die krafft und das gebluͤte/ D as ihm bewnste lob der tugend reitzt ihn an/ Daß er sich wiederuͤmb laͤst finden als ein mann. Hiermit wurd er ergrimmt/ daß er koͤmmt hergefahren Und treibt auf gantzem plan herumb den schnellẽ D aren/ Spannt alle kraͤffte dran/ und so erschrecklich braust/ Daß er schlaͤgt auf ihn loß/ bald mit der rechten faust/ Bald Das Fuͤnffte Buch. Bald hefftet er ihm an viel streiche mit der lincken/ Er laͤßt ihm keine ruh/ daß er schier moͤchte sincken: Gleich wie mit krachen faͤllt der hagel auff das dach: So braust auff Dares kopff und rumpff Entellens rach. Er gibt ihm dicke puͤff in ungezehlter menge/ Und klopfft ihn dergestalt/ daß ihm das hertz zu enge In seinem leibe wird: Er jagt ihn hin und her/ Und laͤßt ihn kommen nicht zu keinem streiche mehr. D rauff wil Eneas den Entell nicht laͤnger lassen Auff D aren schlagen zu und so erschrecklich rasen: Er macht dem kampff ein end/ reist Daren aus gefahr/ Der kaum noch athem schoͤpfft und sehr ermuͤdet war; Spricht ihm gar troͤstlich zu und saget solcher massen: O ungluͤckselger mann/ wo hast du dich gelassen? Was thorheit ist dir doch gekommen in den sinn Daß du dein hoffnung hast zum sieg gewendet hin? Spuͤrst du nicht andre krafft/ der du bist zu geringe? Wie darffst du nehmen fuͤr so kuͤhn vermessne dinge? Merckst du nicht/ daß das gluͤck sich hat von deiner seit Gewendet? Weiche Gott! So schlichtet er den streit. D ie freunde fuͤhren hin/ der kuͤmmerlich noch gienge/ Und sein haupt bald auff die/ bald jene seite hienge/ Und dickes blut spie aus/ die zaͤhn auch mit dem blut; Zum schiffen/ nehmen mit das schwerd und ehrnen huth D en uͤberwundenen gemein verheissne gaben/ Und lassen dem Entell den preiß und ochsen haben: Da that der sieger sich mit uͤbermuth herfuͤr/ Daß er in kolben streit gewonnen einen stier. P 5 Eneas Das Fuͤnffte Buch. E neas (saget er) und ihr o lieben leute Von Troja/ sehet doch/ wie ich gekaͤmpffet heute/ Bedencket auch hiernebst bey diesem harten streit/ Was ich fuͤr kraͤffte hab gehabt in junger zeit/ Und wie ihr Daren habt durch eures fuͤrsten guͤte Von meiner hand erloͤst/ der ich von zorn und wuͤte E ntgegen ihn entflammt durch sein verschulden war/ So saget er/ und stellt sich gegen ochsen dar/ Der als gewinst stund da: E r hohlet aus mit kraͤfften/ Und sahe gnaw/ wie er ihm eines moͤchte hefften/ Schlug zwischen hoͤrnern ihm den schweren kolben ein Und traff ihn/ daß der streich gieng durchs gehirn uñ bein. Der ochse faͤllet auf die erde tod und bebet: E ntellus sieht ihn an und uͤber ihn so hebet Zu reden an? Was ich dir an gelobet hab/ O Eryx/ sey dir hie getragen voͤllig ab. Nimm diese seele hin fuͤr Dares blut und sterben; Viel besser ists gethan/ daß ochsen so verderben. Hiemit sey dieser streit mit gutem danck vollbracht/ Und gebe meiner kunst zu fechten gute nacht. Dann stellt E neas an ein wettespiel mit pfeilen Und setzet auf gewinst/ dieselben außzutheilen/ D em kunst und gluͤck wol wil: E r ladet darzu ein/ Wer lust und liebe traͤgt/ und sich kan schicken drein. E r eilt mit grosser schaar in Sergests schiff zu gehen/ Und laͤsset einen mast mit grosser muͤh erhoͤhen Und oben auf dem baum mit einem starcken seil D en vogel binden an und setzen aus zum pfeil/ Und Das Fuͤnffte Buch Und bogenschuͤtzen lust: So etwan einge haben Zu diesen freyen spiel und fuͤrgesetzte gaben/ Verfuͤgen sich hinzu. Man wirfft das looß hinein In einem ehrnen helm/ ein jeder hofft zu seyn D er erste: Dieser ist Hippocoon fuͤr allen Mit gluͤcklichem geschrey und grossen freudenschallen. Menestheus/ der im krantz des oͤhlbaums stutzte her/ Und in dem schiffkampff trug den ersten preiß und ehr/ Folgt dem Hippocoon. E urytion der dritte E in bruder Pandari/ der weyland tapffer stritte Als guter bogenschuͤtz fuͤr Troja/ der das band Getroffenen vertrags durch Pallas trieb zertrannt/ Und auf die Griechen ließ erst einen pfeil abgehen: Der letzte war Acest/ der sich auch unterstehen Mit junger pursche wolt an solchen streit zu gehn; Man faͤht die bogen an zu kruͤmmen und zu drehn Mit gantzer leibes staͤrck: Man hat nicht lange weile/ Man leget auf die sehn die scharffgespitzte pfeile: D er jung Hippocoon zielt gnau und druͤcket loß/ E s fleugt hin in die lusft das fluͤchtige geschoß Und faͤhret in den baum/ darauf der vogel stecket: Der baum er zittert drob/ der vogel auch erschrecket; Da thoͤnt das gantze volck mit jauchtzendem geschrey/ Und wuͤntschten/ daß er haͤtt geschossen naͤher bey. Nach diesen trat hinein Menestheus/ hat den bogen Gespannet nach gebrauch und hart an sich gezogen/ Hielt in die hoͤh und zielt und schoß den pfeil schnell ab/ Ihm aber dieser schuß gantz keinen vortheil gab. E s Das Fuͤnffte Buch. Es war erbaͤrmlich gnung/ daß er nichts kunte treffen/ Und muste sich darzu von andern lassen aͤffen/ D a er die leine traff und schosse sie entzwey ; D er vogel/ der daran gebunden/ flog nun frey ; D arauff Eurytion gespannt die ruͤstung hielte/ Setzt ohne saͤumnuͤß aͤn und nach demselben zielte/ Rufft seimem bruder zu/ daß er ihm gluͤck verleyh: A ls er die taube nun sieht fliegen franck und frey/ In hohem lufft revier/ und mit den fluͤgeln klatschet/ Trifft er sie/ daß sie faͤllt danieder/ daß es platschet/ Und ist schon lange tod: Der pfeil stickt noch in ihr: A cest war uͤbrig noch/ da schon die palmen zier Und sieg verlohren war: Gleichwol laͤßt er den bogen/ Den er schon allbereit gespannet und gezogen Zum mastbaum gehen ab/ und laͤsset seine kuͤnst Zu schiessen andre sehn/ und daß er nicht umbsonst Dem straffen bogen fuͤhr : Hier laͤßt sich ploͤtzlich sehen Ein zeichen in der lufft; Was kuͤnfftig mag geschehen Hierauf/ weiß man zwar nicht/ doch/ wie der außgang Hat sich nichts gutes drauff befundẽ und eraͤugt. (zeugt/ Die priester haben auch in Welschland ihren leuten Mit schrecken anders nichts als boͤses koͤnnen deuten: Es kam ein feuerpfeil geschossen durch die lufft/ Und zoge sich hin ab zur tieffen erden-grufft Mit einem langen schweiff/ fuhr wieder in die hoͤhe Verschwindend in die lufft: Man siehet ja wol ehe/ D aß in dem lufft-revier vi el stralen schiessen her/ Die gleich den sternen sind/ und andre zeichen mehr. Das Das Fuͤnffte Buch. Das volck der Siculer und Troer hielten innen/ Und kunten sich fuͤr furcht und schrecken nicht besinnen: Sie ruffen bebend an die Goͤtter in gefahr: Eneas schlaͤget nicht in wind diß zeichen gar/ Ist deunoch wolgemuth/ uͤmbfaͤngt den freund Acesten/ Bringt ihm geschencke dar von koͤstlichsten und besten/ Und saget so zu ihm: O hochverdienter man (Weil dich Gott Jupiter so gnaͤdig siehet an D urch dieses zeichen/ daß du solst fuͤr andern allen Ein sonderbar geschenck erheben nach gefallen) Nim diesen becher hin/ der meines vaters war Anchisens/ der sehr alt/ wie kund und offenbar. Schau doch wie sind darauff gestochen schoͤne bilder/ Geschichte vieler jahr und tapffrer helden schilder/ Den meinem Vater hat geschenckt mit milder hand Der Thracer koͤnig/ als ein wahres freundschafft pfand. So sagend/ setzt er ihm auff eine lorberkrone/ Erklaͤret ihn vorerst mit hohen ehren-lohne Zum sieger dieses kampffs. Der gut Eurytion Mißgoͤnnt ihm keines wegs den preiß/ ob er ihm schon Weit fuͤrgezogen ist/ und laͤßt ihm nicht verdriessen/ Ob er den vogel schon allein hat koͤnnen schiessen In freyer lufft herab. Nach diesen trifft die rey den Mnestheus/ welcher schoß die lein am baum entzwey. Zum letzten folgte nach/ der in den baum geschossen Mit seinem schnellen pfeil; Hat gleichwol noch genossen Von hoher mildigkeit des fuͤrsten ehr und lohn/ Ob er schon kriegte nicht die sieges lorbeerkron. Die Das Fuͤnffte Buch. Die schuͤtzen war noch nicht von einander gangen/ D a traͤgt E neas nach dem sohn Jul verlangen Der noch nicht muͤndig war/ und rufft E pitiden/ Der ihn mit lehr und zucht pflag an die hand zugehn/ Und saget ihm ins ohr: Wolan! geh/ sag Ascanen Wo er sein knabenheer geruͤstet hat mit fahnen Und zeug zu roß und fuß/ so sol er auf dem plan A ls feldherr ziehen her und zeigen/ was er kan: Da heisset er das volck/ das man sah haͤuffig stehen Herumb in gantzem kreyß/ zu ruͤcke schleunig gehen/ Vnd machen weiten raum/ die knaben ziehen an Und kommen schoͤn geputzt hin auf den offnen plan. Die eltern freuen sich/ da sie sie sehn so prangen Mit freygeziemter lust/ und lassen ihr verlangen E rscheinen an der stirn mit gutem hoffnungs trost/ Sie glaͤntzen voller schmuck/ sie freuen sich der lust: Und glaͤntzenden gepraͤngs/ daß sie auf pferden koͤnnen Schoͤn sitzen/ reiten auch/ und uͤber das noch rennen: E s wundert sich das volck/ wenn sie so ziehn vorbey? Sie zeigen ihre gunst mit froͤlichem geschrey. Sie waren allesampt gekaͤmmt und schoͤn geputzet/ Und trugen blancke helm/ darin ein jeder stutzet E in jeglicher trug auch in haͤnden einen spieß/ Theils koͤcher sampt geschoß herunter hangen ließ. Man hat mit ketten auch von golde sie gezieret/ Drey waren obersten/ von denen sie gefuͤhret; Der faͤhnelein auch drey: E in jeder Oberster Gab ihnen ordnung/ maß/ befehl/ ritt hin und her E in Das Fuͤnffte Buch. E in jeder fuͤhrer hat bey sich zwoͤlff tapffre knaben/ Die mit geschwindem lauff sein fleißig achtung haben/ Sie theilen ab ihr heer mit gleicher fuͤhrer schaar: Den ersten hauffen fuͤhrt der Priams E nckel war/ Auch trug mit schoͤnem ruhm des großherrn vaters nah- E in sohn des Polytes von koͤniglichem saamen (men/ Und fuͤrstlichen gebluͤt/ der Welschland mit der zeit Solt bringen wiederumb zur alten herrligkeit/ Den traͤgt ein Thracisch roß/ das war von weissen fleckẽ/ Die foͤrderfuͤß auch weiß/ eins von den besten schecken/ Gieng hoch und stoltz herein/ hat einen weissen stern An seiner stirne forn/ beruͤhmet weit und fern. Der ander oberster war Atys/ von des namen Und stamm der Atyer ein volck der Welschen kamen/ D emselben war sehr hold der junge printz Ascan/ Der auch als heerfuͤrst zog zuletzt auf diesen plan/ An ansehn und manier der schoͤneste vor allen/ Den sonderlich sich lies die koͤnigin gefallen D ie D ido/ als die ihm ein schoͤn Sidonisch pferd Zum angedencken hat und liebespfand verehrt. D rauff ritt er wolgeschickt. D ie uͤbrigen der knaben Acestis sah man auch nicht schlechte pferde haben: D ie Troer richten auf mit lautem lobgeschrey D ie knaben/ welche sie sehn tragen furcht und scheu Fuͤr grosser lob begier. Sie schauen ihr beginnen Und tugend froͤlich an/ und koͤnnen sich besinnen Der eltern weis und art/ als deren ebenbild Die kinder tragen noch/ nicht minder/ als den schild: D em- Das Fuͤnffte Buch. D emnach die puͤrschgen nun mit munteren gebaͤrden Der herrlichen im volck und eltern innen werden Auf ihren pferden/ da sie halten still bereit/ Gibt der Epitides die losung etwas weit/ Da lieffen sie gleich aus/ und die drey oberfuͤhrer/ Als die da waren fuͤrgesetzet als regierer/ D ie sonderten sich ab mit ihrem knaben heer/ Und da man wiederumb sie rufft zur wiederkehr/ Da wenden sie sich stracks und zucken ihre degen Zum schein/ als wolten sie sich gegen andre regen Mit feindlichem gemuͤth: D ann hoͤren sie bald auf/ Und nehmen anders wo hin ihre flncht und lauff Bald hin/ bald wieder her/ und stehen sich entgegen/ Bald wollen sie sich so/ bald anders widerlegen/ Bald laͤuffet dieses heer in eines andern kreyß/ Bald menget jenes dis auf gleich und andre weiß: Sie halten ein gefecht mit blindem lerm und streichen/ Bald dringet dieser ein/ bald sieht man jenen weichen/ Bald wurd die wehr und spieß auffs gegentheil gewand/ Bald bieten sie zum fried einander mund und hand. Gleich wie man giebet fuͤr von einem irregarten Zu Creta/ dessen gaͤng und wege mancher arten Gewesen sollen seyn verwirret/ schweiffig krumm/ D aß man nicht hat gewust/ wie man heraus doch kom̃: A uf vielen wegen hat man irre muͤssen gehen/ Und keiner hat gekunt fuͤr sich den außgang sehen ; Je mehr man hat gemeint zu treffen rechten steg/ Je mehr hat man vertiefft sich auff dem irreweg. Nichts Das Fuͤnffte Buch. Nicht anders siehet man bey diesen Troer kindern/ Wie sie sich in dem lauff verwirren und verhindern/ Bald nehmen sie die flucht/ bald lassen sie sich ein In kampff/ und dieses thun sie nur zum spiel und schein. Sie stellen sich fast gleich mit ihrem lauff und minen/ Mit ihrer schweiffigkeit/ den schluͤpffrigen Delphinen/ Die schwimmen balde krumm/ bald grade hin und her mit manchem schweiff und zug/ und spielẽ auf dem meer. A ls A scan Albam baut und sie bezog mit mauren/ Stifft er ein regiment/ das lange solte dauren/ Erneute diesen brauch fuͤhrt lauff-und kampffspiel ein/ Und lehrete das volck darob zu halten fein. Wie nun der Ascan spielt/ so habens auch gelehret Die Roͤmer/ die das reich und regiment vermehret/ Und haben diese weis und hergebrachte zier Gehalten steiff und fest nach ordnung und gebuͤhr. A ls man dem vater nun dem heiligen A nchisen Die kaͤmpff-und ritterspiel zu ehren hat erwiesen/ Da ließ erst wiederumb das wandelbare gluͤck Nach dem gemeinen lauff vermercken seine tuͤck: Denn als sie beym gestad und vaͤterlichen grabe Ihr opffer nach gebrauch gebuͤhrlich legen abe/ Und endlich dieses fest mit manchem spiel begehn; D a hat diß laͤnger nicht die Juno koͤnnen sehn ; Schickt Irim von der burg des himmels zu dem heere Der Troer/ welches lag mit hauffen an dem meere/ Und laͤsset/ da sie jtzt gleich von dem himmel geht/ Entstehen einen wind/ der hinder ihr starck weht. Q Sie Das Fuͤnffte Buch. Sie suchte viel herfuͤr und hatte noch im hertzen/ Den sie noch nicht gestillt/ den alten groll und schmertzẽ. D ie Iris floge schnell auff ihrem bogen ab/ Der vieler farben schein mit schoͤnem glantze gab. Sie kommet ploͤtzlich an und laͤßt sich keinem sehen/ Besichtiget den port und sieht viel voͤlcker stehen Und lauffen zu dem grab/ und wird hiernebst gewahr/ Das ihre schiffe stehn an port verlassen gar. Es stunden noch allein von fern Trojanerinnen Am ufer/ welche sich mit klaͤglichem beginnen Gehuben umb den tod Anchisens/ weinten sehr/ Und sahen allesampt hin in das tieffe meer. Sie schrien uͤberlaut aus einem mund mit zagen: Ach! sollen wir uns noch durch so viel meere tragen/ Die wir sind matt und muͤd? Ist dahin noch so weit? Ihr wuntsch ist eine stadt/ da sie die liebe zeit Verbringen ruhsamlich; Sie lassen sich das leben Zur see verdrießlich seyn/ und moͤgen nicht mehr schwebẽ In toͤdlicher gefahr in aͤngsten und beschwer. Die Iris hebt sich nun zu ihnen an das meer/ Und laͤßt sich mitten ein zu ihnen/ die beladen Mit vielen kummer sind/ hat noch die kunst zu schaden Vergessen nicht/ legt ab ihr Goͤttliches gesicht Wie auch das lichte kleid/ daß man sie kenne nicht/ Uud nimmt an die gestalt/ die Beroe sonst hatte E in abgelebtes weib/ des Doryclis sein gatte/ Der weyland ohne stamm und kind mit tod abgieng; Bey diesen weiberchen die Iris so anfing; O ar- Das Fuͤnffte Buch. O armes volck/ (sagt sie) die in dem vaterlande Bey dessen untergang/ bey wuͤrgen/ mord und brande Von feindes rotte nicht geschleppt sind zu dem tod ! O ungluͤckhaffte schaar/ zu welcher qual und noth Erhaͤlt euch das geluͤck? E s sind nun sieben sommer Nach Trojens untergang/ da wir mit noth und kummer So einen fernen weg zu wasser und zu land Gezogen sind/ da uns viel klippen sind bekand/ Und schrecklich ungestuͤm̃/ da wir nach Welschland ziehẽ Durchs mittellaͤndsche meer/ das im̃er scheint zu fliehen Von unsern augen weg/ wenn wir durch ungestuͤmm Von selbtem kommen ab getrieben uͤmm und uͤmm. Hier sind wir in das land des bruders Eryx kommen/ Hier hat der gute wirth Acest uns auffgenommen/ Wer wehret uns allhier zu bauen eine stadt/ Da man das buͤrgerrecht in fried und ruhe hat? O liebes vaterland/ vergebens sind die Goͤtter Von Troja mitgefuͤhrt/ die unser trost und retter Wenn weder sie noch wir durch ihre huͤlff und hand E rlangen koͤnnen einst zur ruh ein ander land. Sol es mit Troja denn nun gaͤntzlich seyn geschehen? Sol man den nirgend mehr die Troer fluͤsse sehen Den Xanth und Simois? Wolan ! ermuntert euch Und steckt mit mir in brand die ungluͤcksschiff zugleich. Denn mir ist in dem schlaff Cassandra fuͤrgekommen/ Von der Prophetin man viel glaͤublich ding vernom̃en/ Gab eine fackel mir und sagte diese wort: Hier suchet Troja/ hier ist euer hauß hinfort. Q 2 Itzt Das Fuͤnffte Buch. Itzt ist die rechte zeit die schiff in brand zu stecken/ Laßt euch die zeichen doch zu dieser that erwecken/ und schiebts nicht laͤngeꝛ auf. Schaut/ hieꝛ sind vieꝛ altar Gewidmet dem Neptun: Gott beut euch selber dar D ie fackeln und den muth. Als sie nun diß gesaget; Ergreifft sie erst das feur und laͤßt es seyn gewaget/ Wirffts auf die schiffe hin ; Der Troer frauen zunfft Erstaunet gantz hierob mit sinnen und vernunfft/ A us deren mittel sagt die Pyrgo/ zwar von stamme Geringe/ gleichwol doch des koͤnigs kinder amme/ Die aͤlteste matron von diesen weiberlein: Das kan nicht Beroͤe/ ihr lieben schwestern/ seyn ; Die ist von Troja nicht/ noch des D oryclis gatte/ D ie niemals solchen muth noch zornig hertze hatte/ Schaut doch die strahlen an den augen/ so die zier/ Und Goͤtter majestaͤt gantz kundbar zeigen fuͤr. Was regt sie fuͤr ein geist/ wie groß laͤßt sie sich sehen/ Wie sieht/ wie redet sie/ wie kan sie praͤchtig gehen? Ich bin von Beroͤe gekommen neulich her/ D ie kranck zu bette ligt/ und klagt daruͤber sehr Mit unmuhts vollem sinn/ daß sie das gluͤck nicht habe/ Daß sie auch koͤnte mit bey des Anchisens grabe Das opffer warten ab und wohnen bey der ehr: Die weiber wurden erst befangen mehr und mehr Mit zweiffelmuͤthigkeit: Sie tragen aug-und sinnen Bestuͤrtzet und verwirrt/ es kommet diß beginnen Mit abscheu ihnen fuͤr; D ie liebe zu dem land/ In dem sie blieben gern/ gab ihnen an die hand Den Das Fuͤnffte Buch. Den rath/ die schiffe nur in grunde zu verbrennen Hingegen wiederrieth die hoffnung diß beginnen/ Weil sie der Goͤtter schluß rufft in ein ander land/ Das ihnen durch den mund Anchisens war bekand/ D ie Goͤttin schwinget sich mit fluͤchtigem gefieder Hoch durch die wolcken hin und kom̃t in himmel wieder. Nach dem die weiber nun durch dieses ungeheur Bestuͤrtzt sind/ lanffen sie gantz rasend zu dem feur/ D as hinterm altar ligt/ und raffen es zusammen; Theils nehmen von altar die angezuͤndten flammen Das reißig und gestraͤuch und zuͤnden fackeln an; Ein jede wirfft und thut zum brande/ was sie kan. Des feuers grimmigkeit schlaͤgt uͤberall zusammen/ Man kan nicht baͤndigen die ungezaͤhmten flammen/ Sie fahren durch die schiff mit grossem ungestuͤmm/ Und setzen ans gemaͤhld und bilder ihren grimm. Eumelus/ der diß sieht/ bringt flugs die post getragen Zu des Anchisens grab/ da noch die voͤlcker lagen Mit hauffen auf dem plan/ berichtet von dem brand/ E s wuͤrden alle schiff geaͤschert ein am strand. Sie sehen selber auch im schwartzem dampffe fliegen Die funcken/ auch Ascan/ als er mit lust und siegen Die reuter fuͤhret heim/ hebt sich geschwinde fort Mit seinem schnellen roß an den betruͤbten port. Die hofemeister stehn mit schrecken/ furcht und zagen/ Und lassen ihren printz den ritt gefaͤhrlich wagen Nach ihrer meinung zwar/ da sie befieng der wahn/ Es haͤtte wo ein feind die schiff gestecket an. Q 3 Was Das Fuͤnffte Buch. Was neuer grimm (sagt er) ihr armen buͤrgerinnen Hat euch genommen ein? was wollt ihr hier beginnen? Wo dencket ihr hinaus? Was habt ihr angericht? Auff solcherley gestalt tilgt ihr die feinde nicht. Ihr schadet euch nur selbst/ und werffet euer hoffen ! Zu grund und boden hin: Wie fein habt ihrs getroffen! Schaut ich bin euer fuͤrst Ascan: Legt/ hiemit ab Den helm/ und ihnen sich recht zu erkennen gab. Darin er neulich hielt ein krieges spielgefechte: E neas eilt hinzu und seine kriegesknechte/ Ja auch das gantze heer der Troer; Aber sie Die weiber fliehen von einander/ eine hie D ie andre dort hinaus am ufer hin und wieder; E in theil laͤufft in den wald und laͤsset sich danieder/ Theils suchen hoͤhlen aus und lauschen da mit scheu/ Und tragen ihrer selbst verdruß mit gram und reu. Sie sehen nun/ was sie mit ihren tollen sinnen Gerichtet haben aus und hassen ihr beginnen Und leben bitterlich: Sie kennen die gestalt Der ihrigen/ nach dem sie kommen aus gewalt Der Juno wiederumb zu vorigen verstande: Doch kan man darumb nicht die schiffe von dem brande E rretten: Denn die flamm haͤlt unbezwinglich an/ Und niemand sindet sich/ der sie gantz leschen kan; Sie lodert immer fort und wird vom hartz genehret/ Die feuchte kommt darzu davon sie laͤnger zehret ; Das angezuͤndte werck gibt dicken dampff von sich/ D ie zaͤhe flamme frist die schiffe grimmiglich. E s Das Fuͤnffte Buch E s kreucht durch alles hin das wuͤtende verderben/ E s wagt sich mancher held und wil ein lob erwerben/ Weñ er die flam̃en lescht. Es hilfft kein muth noch kunst/ Ja auch die meerfluth nicht kan leschen diese brunst. E neas reisst sein kleid von schultern/ rufft die Goͤtter Zu huͤlff und beystand an/ als seinen schutz und retter/ Und hebt die haͤnd empor: O grosser Jupiter/ Des allmacht sich erstreckt durch himmel/ erd und meer/ Wenn du uns alle sampt Trojaner noch nicht hassest/ Und daß du wieder uns nicht schweren zorren fassest/ So noch die alte treu/ die vor der welt gewest/ Der menschen jammer muͤh und noth sich jammern laͤst; So rette/ vater/ doch die schiff aus feuers noͤthen/ Und laß die wuͤtigkeit des todes keinen toͤden; E rhalt uns Troer auch bey unserm guͤtelein; Im fall ich aber dir/ was noch mag uͤbrig seyn/ Fuͤr schuldig bin geacht/ so schlag mich in die erde Mit deines donners macht/ daß ich begraben werde Von deiner rechten hand. E r hatt kaum aus gebett/ D a siehet man alßbald/ wie an den himmel steht E in schwartzer regen sturm: Er faͤllt mit grossen guͤssen/ Und scheinet/ als ob sich die wolcken selbst zerrissen/ Die berge/ wald und feld erzittern fuͤr den knall D es donners/ und der guß erfuͤllet uͤberall Die schiff; Allein das holtz/ das nur war halb verbrunnẽ/ Wird von der naͤsse feucht/ die haͤuffig kam geronnen/ Bis endlich diese brunst geleschet wurde gar/ Und alle schiff/ ohn vier/ gerettet aus gefahr. Q 4 E neas Das Fuͤnffte Buch. Eneas aber/ der durch diesen fall mit schmertzen Geruͤhret wurde/ trug viel kuͤmmernuͤß im hertzen ; Er waͤgets hin und her/ was besser sey zu thun/ Ob er in diesem land Sicilien sol ruhn/ Doch oder in vergess der Goͤtter rath und willen Sol stellen/ oder ob er selbten sol erfuͤllen Und ziehn in Welschland hin? Da faͤnget Nautes an Ein-von der Pallas selbst gelerth-und alter mann/ Der sich in mancher kunst geschickt und herrlich machte/ Der seine meinung so und dergestalt fuͤrbrachte/ D aß er gab drauff bericht/ was etwan deutet an Der goͤtter grossen zorn und was sey wol gethan Nach ihrer ordnung/ spruch und unbewegten willen/ Den man sol allerdings nach muͤgligkeit erfuͤllen/ Und gibt ihm diesen trost auf folgende gestalt: Eneas/ laß uns nur der goͤttlicheu gewalt Zu folgen seyn bereit/ wohin sie uns wil lencken Und fuͤhren/ daß wir uns nur nehmen kein bedencken/ Es komme wie es woll: A uf Gottes gnaden huld Laͤßt sich all ungeluͤck wol tragen mit gedult. Es ist vorhanden noch der tapffre mann Acestes; Nimm ihn/ als freund zu rath/ daß er mit dir dein bestes Zu suchen sich bequem; Demselben uͤbergib Was von verlornem zeug und schiffen uͤberblieb/ Wie auch die jenigen/ die dein so groß beginnen Verdruͤßig nehmen an und nicht mehr reisen koͤnnen/ Als abgelebte leut und muͤde weiberlein/ Und was bey dir noch schwach und bloͤde moͤchte seyn ; Die- Das Fuͤnffte Buch. Dieselben les heraus/ und laß sie/ weil sie muͤde/ In diesem lande sich begehn in ruh und friede/ Und bauen eine stadt/ die man Acestam nenn/ Dabey man diesen wirth Acesten ruͤhmlich kenn. So reitzt der alte freund mit rathsamen gedancken Eneen an/ der hin und wieder liesse wancken In sorgen sein gemuͤth. Drauff kam die schwartze nacht/ Die himmel/ erd und meer verhuͤllt und dunckel macht: Da nun Eneas sich zur ruh geleget hatte/ Deucht ihm/ wie zu ihm kam des vaters geist und schatte Von sterngewoͤlbtem hauß/ und redte so geschwind: Eneas/ o mein sohn/ o einig liebes kind! D as mir viel lieber war/ als mein selbst eigen leben (So lang dasselbe mir von Goͤttern war gegeben) Ja/ mein sohn/ sag ich noch/ der du zu Troja hast Erduldet viel beschwer und grosse jammerslast/ Ich komm hier auff befehl und Jupiters belieben/ Der von den schiffen hat das feuer abgetrieben/ Und endlich von dem sitz der sternenburg gesehn/ Und ihm dis ungeluͤck zu hertzen lassen gehn: Nimm diesen weisen rath/ den Nautes dir gegeben Mit gutem willen an/ und dencke nach zu leben/ Was dieser alte sagt/ zeuch in Italien Und nimm die pursche mit/ die freudig ein hergehn In ihrer krafft und zier/ die tapffre hertzen tragen Sich nach begebenheit mit ihrem feind zu schlagen; D u hast ein hartes volck in Welschland noch fuͤr dir/ Das ungewohnet ist der buͤrgerlichen zier Q 5 Und Das Fuͤnffte Buch. Und sitten freuͤndligkeit; Das mussest du bekriegen/ Und wirst es endlich auch mit schoͤnem ruhm besiegen. Doch mussest du zuvor des Plutons hauß besehn/ Und durch das schwartze see Avernus weiter gehn/ D aß du/ o sohn/ zu mir auf ein gespraͤch moͤgst kommen An orth der seligen/ da ich bin auffgenommen: Denn in der helle bin ich nicht gekommen an; Ich schwebe bey der zunfft der frommen/ da der plan Und schoͤne lustorth ist der Elyseer waͤlder/ D ie ewig gruͤne zier der blumgemahlten felder. Hier wird die jungfrau dich Sibylla bringen her/ Wenn du viel opffer hast geschlacht mit danck und ehr. Da wird dir werden kund dein ankunfft und geschlechte/ Und was fuͤr eine stadt nach himmels schluß und rechte D ir wird beschieden seyn. Hiemit ade mein sohn! D er tag bricht wieder an/ ich scheide nun davon. So sagt er und verschwand: Gleich wie der rauch ver- Der keine stelle mehr in hohẽ luͤfften findet. (schwindet/ E neas rufft ihm nach: Wo eilest du so hin? Fuͤr wen doch fliehest du? Siehst du nicht/ daß ichs bin? Wer treibet dich hinweg aus unserm schoß und aͤrmen? Kanst du mich lassen so umb deinem abschied haͤrmen? D rauff blaͤst er in die asch und machet feuer an/ Daß er dem Haußgott und der Vesta opffern kan; Das leistet er mit brodt/ mit saltz und weyrauchs gaben/ Mit andacht und gebaͤt/ daran die Goͤtter haben/ Was ihnen wolgefaͤllt: Berufft von stunden an Die pursche/ daß ihr noch dis werde kund gethan/ Und Das Fuͤnffte Buch. Und erstlich den Acest/ und gibt ihn zu vernehmen/ Worzu man muͤsse sich verstehen und bequemen/ Was Jupiters befehl und vaͤterlich gebot E rfodern/ und wie man sol machen diese noth Zur tugend/ und worauff er seine meinung gruͤnde/ Daß er gewissen schluß in dieser sachen finde/ Nichts hindert seinen rath/ Acest ihm beyfall gab. Man laͤßt das schwache volck vom heere sondern ab. E s sol das weibervolck/ und die an ruhm und ehren Nach ihren bloͤden sinn sich nicht groß moͤgen kehren/ Zu ruͤcke bleiben nur und bauen eine stadt/ Und in beliebter ruh nach wolstand leben satt. Gantz spannew machen sie die ruderbaͤncke wieder/ Die breter legen sie/ die nicht mehr tauglich/ nieder/ Als die da uͤnun und uͤmm von feuer sind verzehrt/ Und machen alles neu/ was zu der fahrt gehoͤrt. A n anzahl sind sie schlecht/ zum kriege wol gerathen/ Behertzt am muth/ beruͤhmt an ritterlichen thaten. Eneas unter des mißt ab mit einem pflug Den umbfang zu der stadt/ wie groß der raum sey gnug. Laͤßt jedem durch das loß die stellen zuerkennen/ Und daß man sol den orth das neue Troja nennen: Acestes/ als der selbst von Troja buͤrtig ist/ Freut sich des neuen reichs/ das ihm nun ist erkiest. E r laͤßt auch oͤffentlich außruffen eine messe Zum handel und gewerb/ daß keiner nicht vergesse/ Was er gelernet hat zum lebens auffenthalt/ Gibt auch dem rath/ den er beruffet/ die gewalt Zu Das Fuͤnffte Buch. Zu sprechen gleiches recht: man baut auch einen tempel D er Goͤttin Venus da/ zu ehren und exempel Des keuschen ehebunds auf wolcken-hoher hoͤh Des Erycinschen bergs/ und/ das der orth besteh Mit heiliger gebuͤhr/ wird bey Anchisens grabe Ein priesterhauß gebaut/ damit die opffer gabe Und dienst der Goͤttin stets bestellet werden kan ; Es wird zum selben auch ein heilger wald gethan: D ie voͤlcker hatten nun neun tage lang gesessen/ Und mit einander fein in froͤligkeit gegessen/ Wie auch ihr opffer hingelegt auf den altar/ D a sahe man das meer gantz still und ohn gefahr. Die winde lassen sich mit ihrem sanfften wehen Vernehmen/ daß man sol zu segel wieder gehen ; Da hoͤrt man ein geheul herumb an gantzem port/ Verziehn noch tag und nacht/ ehe sie sich machen fort. Sie letzen sich mit wuntsch und eingemischten zaͤhren/ Nun wil das weibesvolck sich anders erst erklaͤren/ Und hat lust mit zu ziehn/ die ehemals fuͤr das meer Und dessen schreckenbild sich liessen grauen sehr. Schwer war es ihnen vor an Meergott zu gedencken/ Itzt aber wollen sie sich keines weges kraͤncken/ Sind willig und bereit zu dulden spat und fruͤh Zu wasser und zu land angst/ noth/ gefahr und muͤh. D er gut Eneas nun spricht ihnen zu mit worten Auffs allerfreundlichste/ sie moͤchten dieser orthen Gebrauchen ruhiglich. Befiehlt sie auf das best Mit thraͤnen seinem freund dem guͤtigen Acest. Be- Das Fuͤnffte Buch. Befiehlt drey kaͤlber auch dem weit beruͤhmten ritter D em Eryx abzuthun/ ein lamb dem ungewitter Zu opffern nach gebuͤhr und dann in schneller eil Zustossen von dem port/ zu hauen ab die seil/ Er aber hatt umbs haubt gewunden oͤhleblaͤtter/ Steht oben auf dem schiff und ehret seine Goͤtter Mit opffer und gebaͤt/ haͤlt in der hand die schaal Und schuͤttets eingeweyd ins meer hin allzumal/ Geust auch den wein hinein. Sie haben guten wind/ Der sie von hinden zu treibt immer fort geschwind. D ie pursche rudert fort mit eiffrigem bemuͤhen/ Und streichet durch das meer: Immittelst da sie ziehen/ Koͤmmt Venus zum Neptun mit sorgen sehr geplagt/ Und schuͤttet ihre noth heraus und also klagt: Der Juno schwerer zorn und hertz/ das sich nicht stillen Durch meinen jammer laͤßt/ noch durch mein leid erfuͤllẽ/ Treibt mich/ Neptun/ daß ich dir falle hier zu fuß Und mich gar niedrig mit gebaͤt erzeigen muß. Ich klag und sage noch/ daß Juno ihre sinne Durch bittern haß und groll so sehr erhaͤrten koͤnne/ Daß weder lange frist noch zeiten scharffer zahn/ Noch furcht/ noch liebes treu sie saͤnffter machenkan. Sie wil nicht auff besehl des Jupiters was geben/ Noch durch der Goͤtter schluß bezwungẽ friedlich leben; Sie hat dran nicht genung/ daß sie der Troer stadt Mit unerhoͤrtem haß gefressen gleichsam hat; S ie wil den rest darzu der armen stadt verderben/ Die laͤngst zerstoͤret ist/ und was von bitterm sterben Ge- Das Fuͤnffte Buch. Geblieben uͤbrig ist/ die asch und duͤrr gebein D as sol durch ihren grimm gantz außgerottet seyn. Sie weiß die ursach wol in ihrem bittern hertzen/ Warumb sie so gibt raum dem tollen sinn und schmertzẽ/ Du bist mein zeuge selbst/ Neptun/ was fuͤr beschwer Sie mir hat angerichtt in Africaner meer; Wie ploͤtzlich hat sie doch mit schrecklichem getuͤmmel Betruͤbet und vermischt das meer mit lufft und himmel/ Da sie sich auff dem sturm des E ols steiff verließ/ Der doch vergebens nur mit gantzen kraͤfften bließ. Und dieses durffte sie in deinem reiche wagen. O schande/ daß man sol von solcher unthat sagen! schau! was sie mehr veruͤbt. Sie steckt die schiff in brand/ Und machte/ daß das volck der weiber an dem strand Gantz toll und thoͤricht wurd/ und als sie ihre schande Geuͤbet sattsam aus an diesem grimmen brande Und vier gegangen drauff/ zwung sie den uͤberrest/ D aß man sich sondert ab/ und zog weg von Acest. Was uͤbrig/ bitt ich/ laß die schiffe sicher fahren/ Daß sie sich koͤnnen baß durch deine treu verwahren/ Und goͤnne/ daß das heer komm in Italien/ Damit sie endlich doch in ruhe koͤnnen stehn. Ich bitte ja darumb/ was ihnen fester massen Im schluß der Goͤtter ist geworden zugelassen/ Die lebens Goͤttinnen sind auch zu frieden mit/ Die ihnen in das land gestatten freyen trit. D rauff fieng der Meergott an bezwinger aller wellen; Cythere/ du thust recht/ daß du kanst glauben stellen Zu Das Fuͤnffte Buch. Zu meiner macht und reich/ daher du buͤrtig bist; Ich hab es auch verdient/ gestalt es billig ist. D eßgleichen hab ich offt der winde grimm gebrochen/ Und wenn das meer getobt/ ihm freundlich zugesprochen/ Nicht minder hab ich auch getragen sorg und fleiß (Wie Xanth und Simois mir zeugnuͤß und beweiß Gantz klaͤrlich legen dar) E neens auff dem lande Da es mit Troja war gekommen zu dem stande/ Der sehr gefaͤhrlich hielt; Da Thetis sohn Achill/ Der lange bey dem heer der schiffe lage still/ Mit zorn zu felde zog/ und an die Troer schaaren Die abgemuͤdet sehr/ kam grimmiglich gesahren/ Viel tausend schlug er tod/ die fluͤsse seufftzeten Und muͤsten vor der meng der todten stille stehn. D er Xanth fand keinen weg/ daß er sich kund ergiessen Ins offenbahre meer und ungehindert fliessen. Ich risse damals weg in einer wolcken dampff Eneen aus dem streit/ da er ungleichen kampff Gieng mit Achillen ein; D a dieser uͤberlegen Dem andern war an staͤrck/ auch diesem stund entgegen Der Goͤtter will und gunst. Ich haͤtte schier in sand D ie treuvergessne stadt/ die ich mit meiner hand Gefaͤllet hab/ gelegt/ habs auch noch fuͤrgenommen ; Laß dir nur keine furcht in dein gemuͤthe kommen; Eneas sol zum port nach deinen wuntsch und sinn A vernus sicherlich gelangen ehstes hin. Nur einen sollen sie von ihrem gantzen heere Zu ruͤcke lassen hier in meinem reich und meere. Fuͤr Das Fuͤnffte Buch. Fuͤr viel sol nur ein haupt zum opffer bleiben mir/ Ein einig haupt wil ich zum opffer halten hier. Als nun der Meer gott hat der Goͤttin hertz erfreuet durch solcherley gespraͤch/ daß sie nicht was mehr scheuet/ Spannt er den wagen an und zaͤumt die wilden roß/ Sitzt auff/ laͤßt ihnen frey den zuͤgel schiessen loß. Rennt uͤbers hohe meer mit seinem blauen wagen/ D ie wellen legen sich/ das meer muß sich sanfft tragen/ Wie schwuͤlstig es auch war/ weil sein Gott druͤber faͤhrt Gleich als mit donners macht und aller unruh wehrt. Es schwindet das gewoͤlck an hohen himmels buͤhnen/ Man siehet grosse schaar/ die zum geferthen dienen D em maͤchtigen Neptun/ auch ungeheure thier/ D ie mit dem obertheil des leibes stehn herfuͤr. Man sah auch Glauci zunfft/ die alten meeres Goͤtter/ D es Phorci gantzes heer und des Neptuns trompeter/ Der Nimfen schoͤner chor stund auff der lincken hand/ Die Thetis/ Melite/ und wie sie sind genand. Hier laͤsset wiederumb Eneas seine sinnen/ D ie noch nicht wurden recht bißher der freuden innen/ Weil er des anfangs war und wetters ungewiß/ Zur freude muntern auf und alle segel hieß Auffspannen ohn verzug/ und alle segelstangen Zu richten schnelliglich. Sie helffen alle langen Undstrecken an die hand. Man bindet unten an D as segel/ daß der wind sich recht drein legen kan/ Und richtens in die hoͤh: Die schiffe gehn geschwinde Und ungehindert fort/ weil ihre segel winde Zu Das Fuͤnffte Buch. Zu tragen aͤmbsig sind: Fuͤr allen gieng erst her Der Palinur/ und strich gantz freudig durch das meer. Die andern hieß man nach demselben eilend kommen. Es hat itzt fast die nacht das nuttel ein genommen/ Die schiffer hatten sich die laͤnge hingelegt/ Und schlieffen also fest/ daß keins ein bein mehr regt. Da koͤmmt der Schlaffgott an von blinckendem gestirne/ Und treibt die finstre dunst und schatten vom gehirne Dem Palinur/ der schlieff. Geht auff denselben zu/ Und stoͤrt mit boͤsem traum demselben seine ruh/ Der nichts versehen hat/ und laͤsset sein gefieder Im hindeꝛtheil des schiffs/ waꝛ gleich dem Phorbas/ niedeꝛ/ Und saget so zu ihm: Mein Palinur/ das meer Fuͤhrt jtzo fuͤr sich hin die schiff und gantzes heer. Der wind geht trefflich gut/ du kanst dich nieder legen Ein stuͤndlein oder zwey/ und deiner ruhe pflegen: Drumb lege dich nur hin/ und nimm dir so viel ruh/ D aß du die augen kanst ein wenig schliessen zu/ Die matt und muͤde sind: Ich wil in des verrichten Fuͤr dich das steuerampt. Der steurman sagt mit nichtẽ ; Und hub die augen auff/ wie wol gar kuͤmmerlich/ Wilst du/ daß ich das meer/ das sanfft jtzt zeiget sich/ Nicht kennen sol? Sol ich dem wilden meere trauen/ Sol ich auff diesem glaß Eneens hoffnung bauen? Sol ich dem leichten wind hingeben dieses pfand/ Der ich so offt beruͤckt des wecters list erkand/ Wie klar es immer war? So ließ er sich vernehmen/ Und war daran/ daß er sich itzo steiff bequemen R Zu Das Fuͤnffte Buch. Zu seinem ampte wolt; Und greifft das ruder an/ Und fuͤhrt es wiederumb/ wies loͤblich war gethan/ Daß ers nicht fallen ließ/ und hub die aug- und sinnen Zum goldgestirnten thron/ zu steiffen sein beginnen. Schau! da kam wiederum der Schlaffgott/ schliche sacht Und nahm den zweig/ den er in Lethe bach naß macht Und mit bewehrter krafft benetzt in Stygens flusse/ Der sich durchs hellenreich mit schwartzer fluth ergosse/ Und ruͤhret seinen schlaff auff beyden seiten an/ Und ob er sich schon wehrt/ wars doch umbsonst gethan/ Er zwingt die augen doch/ die matt und muͤde nicken Bis er sie durch den schlaff kan schliessen und beruͤcken: E r hatte sich itzt kaum erquickt an susser ruh/ Da faͤllet uͤber ihn der geist und setzt ihm zu/ Daß er ihn uͤber bord wirfft in des meeres tieffe/ E r nimmt das ruder mit/ das er fest hielt und schlieffe; Reist auch ein stuͤcke weg vom hindertheil am schiff/ Und offtmal seine pursch umbsonst umb huͤlff an rieff. der Schlaffgott schwingt sich auf in hohe lufft von hiñen Und wird ein voͤgelein: D ie schiff ingleichen koͤnnen Nicht minder lauffen schnell und sicher durch das meer/ Als sie der Meergott hatt befreyet vom beschwer/ D er ihnen gab den trost mit kraͤfftigem versprechen/ E s solten ihre schiff hinfuͤro nicht mehr brechen/ Sie solten ohngefahr nach Welschland kommen hin. Drumb halten sie sich dran mit unerschrocknem sinn; Sie kamen numehr hin an diese stein- und klippen/ D a die Sirenen sich mit honig suͤssen lippeu Ver- Das Sechste Buch. Vernehmen liessen schoͤn/ ein orth/ der mit gefahr Fuͤrweilen denen/ die da schlieffen/ wiedrig war; Wie man dasselbe noch sieht an den knoch und beinen/ Die haͤuffig ligen da bey diesen felß- und steinen; Die wellen schlugen auch mit stettem brausen an D ie klippen/ wer der zeit sich noch erinnern kan: E r seufftzet offt und dick. Und gehet ihm zu hertzen Der unfall seines freunds/ und klaget so mit schmertzen: O Palinur/ der du dem wetter und dem meer/ Wenns klar und heiter war/ vertrauetest zu sehr/ Hier ligst du nackt und bloß in unbekandtem lande und niemand ist der dich verscharrt auf frembdem sande: Du bist entfernet nun von deinen freunden so/ Die deiner sich vorsehn/ und ligest/ weiß nicht/ wo. Das Sechste Buch. S O redet weinend er/ laͤst drauf mit vollem biegẽ Das schiffyeer gehen fort/ und frey die segel fliegẽ/ Und faͤhret endlich ein in der E uboer land/ Und koͤmmet in die stadt/ die Cumas wird genand; Sie kehren umb die schiff/ da sie im Haven gehen/ Und lassen fuͤrders sie daselbst im ancker stehen: Das heer bedecket gantz den krum gebognen strand/ D ie tapffre pursche springt mit freuden an das land/ Ans land Italien: Theils schlaͤgt aus kieselsteinen Zu kochen feuer auf/ theils traͤger von den Haynen Und walde holtz herbey: Und wie sie eine quell Gefunden/ fuͤhren sie E neen an die stell R 2 Und Das Sechste Buch. Und zeigen ihm diß gluͤck: Er aber geht in dessen In tempel/ und wil nicht des Gottesdiensts vergessen/ Ehrt Feben/ als den Gott/ der diesem orth steht fuͤr/ Und geht zur priesterin mit heiliger begier. Sibylla aber wohnt in einer felsen hoͤhle; Derselben bliese Gott ein eine weise seele/ Und gabenreichen geist: Macht ihr die dinge kund/ D ie kuͤnfftig/ aber itzt noch sind im tieffen grund. Itzt gehn sie auf den Hayn der heilgen Waldgoͤttinne/ Hernach erreichen sie des tempels guͤldne zinne/ Da Febus wuͤrdig sitzt: Der D aedal (wie man ticht) Als er in Minos reich wolt laͤnger bleiben nicht/ D er ihm die kuͤhnheit nahm sich zu befreyen wieder/ Und trauen sich der lufft mit waͤchsernen gefieder/ Schwung sich durch einen weg/ der ihm so unbekand/ Als ungewoͤhnlich war/ ins kalte nordenland. Und ließ sich in dem schloß zu C umas endlich nieder. Als er nun in das land gekommen erstlich wieder/ Hat sein gesteder er dir/ Febus/ nur allein Zum heiligen gemerck gewidmet wollen seyn/ Und hat ihm auffgebaut zu ehren einen tempel Und fuͤr der thuͤr den tod Androgens zum exempel Und denckmahl abgebildt auf einem grossen stein/ Und was der Griechen straff hat dafuͤr muͤssen seyn ; Dann haben saͤhrlich sie (o elend ! ) sieben knaben Und so viel maͤgdelein zum opffer muͤssen haben Und Crete hingeschickt: Es steht darneben auch. Der eymer/ wie die pursch hat muͤssen den gebrauch Zu Das Sechste Buch. Zu loͤsen nehmen an umb ihren tod und leben. Hingegen aber sah man Creta stehen eben Und eigentlich gebildt/ erhabner als das meer/ Und wo der Minotaur/ der ochs/ ist kommen her/ Der mitten in dem kreyß des irregartens stunde/ A us welchem keiner sich entwircken endlich kunte ; A llein der Daedalus/ ein mann von hoher kunst Und meister dieses wercks bewogen durch die brunst Der Ariadnen/ die sie Theseus hertzlich truge Und sich mit liebenden gedancken immer schluge/ Zeigt ihr die griffe drauff/ wies muͤste seyn gethan/ Wenn sie wolt kehren frey von dieser irrebahn Zu ruͤcke wiederumb ohn faͤhrligkeit und schaden; Und gab ihr in die hand zu fuͤhren einen faden/ Durch dessen huͤlffe ging sie in die laͤng und quer Krumm/ zwerch/ gerad und kam zuruͤcke wieder her. Du wuͤrdest/ Icarus/ auch eine stelle haben/ Dein vater wuͤrde dich auch haben eingegraben Und abgebildet schoͤn/ wenn nicht der grosse schmertz Gantz eingenommen haͤtt das vaͤterliche hertz. Er unterstund sich zwier den unfall fuͤr zustellen/ D a Icarus sein sohn gestuͤrtzet in die wellen Des meers aus hoher lufft. zwier sunck ihm hin die hand/ Weil ihm die krafft verließ/ sein sinnen und verstand. Sie haͤtten alles noch genauer wahrgenommen/ Wenn nicht Achat voran geschicket waͤre kommen/ Wie auch Deiphobe Sibylla sonst genand/ D ie als prophetin war und priesterin bekand/ R 3 D es Das Sechste Buch. Des Febens und Dian: D ie fieng so an zu sagen Zum Fuͤrsten: Laß dir nicht/ E neas/ jtzt behagen Der sachen eitle schaw. D ie zeit verbeut es dir/ Viel besser ists gethan zu schlachten sieben stier Aus unberuͤhrter heerd und so viel ebner massen Der außerlesnen schaaff/ die man sol opffern lassen Nach uͤblichen gebrauch. D iß war Sibyllen wort; D ie leute saͤumen nicht und machen balde fort. Nach heiligen befehl. Die Goͤttliche Sibylle Alß nonn und priesterinn geht zuͤchtiglich und stille In tempel/ und berufft die Troer dahin ein. E s war wie eine hoͤhl gehauen aus ein stein/ Man kunte dahin fast von hundert enden kommen/ Man hatte hundert wol der thuͤren war genommen/ So viel bericht/ bescheid und antwort kommen her Von der Sibyllen mund mit weßheitreicher lehr. Sie waren nun dahin zur thuͤr des tempels kommen/ Da sprach die priesterin/ als sie sie hatt vernommen ; E s ist nun eben zeit/ daß ihr euch durch den mund/ Und außspruch Gottes macht eur gluͤck uñ zustand kund. Gott! schauet Gott! A ls sie so gehling fuͤr der schwelle Mit worten fuhr heraus/ blieb sie nicht auff der stelle/ Und fing zu rasen an/ verkehrt ihr angesicht/ Auf manche weis und art/ hielt eine farbe nicht/ Zerstreuete das Haar/ und ließ es straubicht hangen/ Der athem kam ihr schwer von enger brust gegangen Und keichte fort und fort/ schien majestaͤtischer Und groͤsser/ als zuvor in heilger pracht und ehr. Und Das Sechste Buch. Und da sie itzt beruͤhrt des geistes nahes hauchen/ S chien alles umb sie her zu brausen und zu rauchen Und was sie redete/ klung nicht nach sterbligkeit. Eneas (sagte sie) wo laͤssest du die zeit? Verzeuchst du dein gebaͤt und opffer abzulegen? E he wird sich Gottes stim̃ in diesem hauß nicht regen/ Und diese hoͤhle wird nicht eher offen stehn. Dꝛauf schwieg sie still und ließ ihꝛ woꝛt nicht weiteꝛ gehn. Den Troern aber fuͤhr ein schrecken in die beine/ Daß sie erstarreten von kalter furcht/ wie steine; Und fieng der koͤnig an von innerm hertzens grund Zu beten: Febe/ dem die noth ist sattsam kund Der armen Troer stadt/ der du dir ihre schmertzen/ Muͤh/ jammer und beschwer stets liesest gehn zu hertzen/ D er du der Troer pfeil/ den Paris ab-ließ-gehn Auff den Achill/ den er im Tempel sahe stehn Gerichtet/ daß er ihm in leib ist blieben stecken/ Ich bin durch dein geleit/ zwar nicht ohn fahr und schreckẽ/ D och gleichwol kommen durch zu wasser und zu land/ Und ist mir manches meer und Haven wolbekand; Ja zu den Mauren auch/ die weit sind abgelegen/ Und in das land/ da sich die Syrten schrecklich regen. Itzt reichen wir einmal ans land Italien/ Das immer scheinet von uns hinterwerts zugehn. Bißhieher mag das gluͤck uns wiedrig seyn gewesen; Last doch/ ihr Goͤtter nun und Goͤttinnen/ genesen Das arme Troer volck/ schont ihrer doch nach recht/ A ls die sich uͤberstrebt bekennen fromm und schlecht. R 4 Hat Das Sechste Buch. Hat sich die stadt und schloß entgegen euch gewehret Und daß der Troer volck war praͤchtiglich geehret D urch manchẽ streit und sieg; So seyd doch dran ver- daß ihre macht uñ pracht im brand uñ asche ligt. (gnuͤgt/ Und du/ o heilige prophetin/ die/ was kommen Auff erden kuͤnfftig sol/ vorher schon hat vernommeu Von himmels vollen geist gib/ (denn ich nicht begehr/ Was mir vom himmel nicht versprochen kommet her) Daß sich die Troer doch im Welschland moͤgen setzen Mit ihrer Goͤtter schaar und wieder sich ergetzen Nach viel erlittner noth/ als welche hin und her Vertrieben worden sind auff manchem wilden meer. Ich wil dem Feben und Dianen zum exempel Der ewgen danckgebuͤhr erbauen einen tempel Von dichtem marmorstein und ordnen nach gebuͤhr Ein fest auff alle jahr zu Febens namens zier. Sibylla/ dir sol auch in unserm reich und lande Ein tempel stehn gebaut/ wenn uns im besserm stande Wird scheinen das geluͤck ; Da wil ich froh und frey D ein hoch beruͤhmte kunst und schrifften legen bey Der nach gebornen welt und kuͤnfftigen geschlechte Und wil getreue leut erwehlen deine rechte Zu heben fleißig auf: Doch schreibe die geticht Und hoch gesinnte spruͤch auff palmenblaͤtter nicht/ Damit sie in die lufft die winde nicht zerstreuen/ Und deine muͤhe dich hernachmals moͤg gereuen. Laß lieber sie von dir gesungen klaͤrlich seyn. Mit diesem hoͤrt er auff und stellt sein reden ein. Allein Das Sechste Buch. Allein die priesterin begunte zu ergrimmen Erfuͤllet von dem geist/ und schien anitzt zu glimmen Von angeflammtem sinn; Sie lag in ihrer hoͤhl Und muͤhte sich/ ob sie koͤnt stossen aus die seel In offne prophecey. Sie wuͤtet/ tobt und brauset/ Daß einem/ der sie sah/ mit gantzem abscheu grauset/ sie kruͤm̃t und zerrt das maul mit geiffer/ daß es schaͤumt/ Und siehet schrecklich aus/ als ob ihr wachend traͤumt. A ls sie ihr hertze nun zum außspruch zwingt und schicket/ Da gehn die thuͤren auff/ da keinen man erblicket/ D er sie beruͤhrt und regt ; Da faͤnget sie so an Zu propheceyen/ daß mans weit vernehmen kan: O der du endlich bist erloͤst aus vielen noͤthen/ Da dich der tod nicht hat vermocht im meer zu toͤdten (Doch stehet dir bevor zulande mehr gefahr) D ie Troer werden noch (entschlag dich gantz und gar Der sorg und kuͤmmernuͤß) in Welschland angelangen ; Wenn aber/ wie ich seh/ ein harter krieg angangen Und angeflammt wird seyn/ und daß der Tyber fluß Mit manchen tod gebein und blute schaͤumen muß/ Da werden sie mit reu/ ja schreyen/ ihr beginnen Verdammen/ daß sie so tumm haben handeln koͤnnen/ D ie fluͤsse werden dir S imois/ wie auch Xanth Nicht mangeln/ du wirst sehn ein neues Griechenland Und kriegesheer darzu: Es wird sich auch da finden Ein anderer Achill/ der lust zu uͤberwinden Traͤgt seinen kuͤhnen feind. Er ist aus keiner eich E ntsprungen/ sondern auch an stam̃ den Goͤttern gleich; R 5 Dar- Das Sechste Buch. D arzu wird Juno frisch stets hinter euch her jagen/ Da wirst du manches volck uͤm̃ ringt von noth und plagẽ Ja dies- und jene stadt in Welschland flehen an/ Damit dir in gefahr werd huͤlff und schutz gethan. Und dieser kriegessturm/ der grimmig her wird gehen/ Wird wieder/ wie vorhin/ von einem weib entstehen Und frembden ehegemahl: D u aber wiedersteh/ Und diesem ungeluͤck nicht aus dem wege geh. Sieg allem boͤsen ob : Dein heil und friedens segen Wird sich in Griechenland am allerersten regen Zu deiner huͤlff und schutz/ und zwar aus einer stadt/ Auff welcher nimmermehr dein hertz gesonnen hat. So sprach Sibylla her aus ihres tempels clausen/ Und propheceyete mit wortgeschweiff und brausen/ Davon die klu fft erscholl/ mischt dunckle wort mit ein/ Wenn sie was brachte fuͤr/ das schiene wahr zu seyn. Apollo gab ihr zu/ sie moͤchte propheceyen: Nun aber lenckt er sie von solchem tollen schreyen. Als sie nun ihren grimm und rasen abgestellt/ Gab seine rede drauff der tapffre Troer held: O Jungfrau/ daß du mir viel sagst von muͤh und leiden/ Das mir obhanden steh/ und sey nicht zuvermeiden/ Dasselb ist mir nicht neu: Ich bin auch nicht so tumm/ Daß mir ein ungeluͤck gantz unvorsehens komm. Ich hab es alles vor von Helenen vernommen/ Und biu in meinen sinn demselben vorgekommen/ Damit ich/ wenn es koͤmmt/ ihm wiederstehen kan/ Und bleibe nach dem muth der sieger auf dem plan. Umb Das Sechste Buch. Umb eines bitt ich nur (dieweil an diesem orte/ Wie man berichtet mich/ sol seyn der hellenpforte/ D es Plutons koͤnigreich und hoch erhabner stuel/ Der finstre Acheron und schwartzer hellen pfuhl) D aß ich zum vater doch Anchisen moͤchte gehen/ Und ihn daselbst/ was er doch gutes machet/ sehen ; Zeig mir den weg dahin und mich gerade fuͤhr/ Und oͤffne mir hernach die heilge hellenthuͤr. A uff diesen schulteru hab ich ihn durch spieß und flam̃en/ Die man sah allerseits mit wuͤten gehn zusammen/ Getragen durch den feind ; E r ist durch alle meer Mit mir gezogen fort/ er litte noth/ beschwer/ Gefahr und ungestuͤmm fast uͤber sein vermoͤgen Und uͤberbliebnen krafft des hohen alters wegen; Er gab mit bitten auch mir diesen anbefehl/ A ls auff den lippen ihm itzt schwebte seine seel; Ich moͤchte doch zu dir in deine wohnung gehen Und ehrerbietiglich deßwegen dich anflehen. D rumb/ lieber/ laß dir doch des sohns und vaters schmertz Auf unseres gebaͤt beruͤhren sinn und hertz: Du kanst ja/ was du wilst/ zuwege leichtlich bringen/ Und dich durch hindernuͤß und schwere sachen dringen; Dich hat ja nicht uͤmbsonst die grosse Hecate Der gegend fuͤrgesetzt/ da wo die schwartze see Und hellenfluͤsse sind. Es hat ja Orpheus koͤnnen Sein weib Eurydicen durch froliches beginnen Und suͤssen harffen klang gewinnen aus der hoͤll/ E s hat ja Pollux auch den bruder von der schwell Der Das Sechste Buch. Der helle koͤnne ziehn/ da einer umb den andern Bald auf der schwartzẽ bahn des todes muͤssen wandern/ Bald wieder auf den steg des suͤssen lebens kam: Was sol ich meldung thun von Theseus/ welcher nahm Den weg zur hellen hin? Was sol ich ferner melden Von grossem Hercules/ dem außbund aller helden? Sind sie vom Goͤtter stamm/ bin ich auch von geschlecht Des grossen Jupiters und habe gleiches recht. Mit solchen worten bat Eneas die Sibylle Fest haltend den altar/ und hielte sich gar stille; D rauffließ Sibylle sich vernehmen schlecht und recht: Eneas/ der du bist von goͤttlichem geschlecht; Es laͤsset sich gar leicht hinab zur helle fahren/ Sie stehet tag und nacht weit offen allen schaaren Und voͤlckern in gemein: Allein zu ruͤcke gehn/ Und wieder auf der bahn des freyen lebens stehn/ Da hat es muͤh und noth. E s sind derselben wenig/ D ie der gerechte Gott und grosse himmel koͤnig Geliebet/ oder die der tapffre tugend-sinn Bis an der sterne sitz hoch hat erhoben hin. Die von der Goͤtter zunfft mit gluͤck gezeuͤget worden/ Und auffgenommen sind in grosser helden orden/ Die haben das gekunt. Es liget uͤmm und uͤmm Nichts als nur wald und pusch/ und fleust mit ungestuͤm̃ D en hellschen fluß herumb: Wofern dir nun beliebet Und tragst so grosse lust/ zufahren unbetruͤbet Zwier uͤber solchen fluß/ zwier sehn das schwartze reich/ Und achtest diese muͤh gering/ ob selbte gleich Sehr Das Sechste Buch. Sehr groß und wichtig ist/ und kansts fuͤr kurtzweil achtẽ So hoͤr mich erstlich an/ was man hier zu betrachten Und fuͤr zunehmen hat. Es steht auff einem baum/ D er wegen dicken laub begreifft fast weiten raum/ Ein guͤldner zweig/ ist schlang/ belaubet schoͤn vom golde/ Weil Plutons ehegemahl demselben sehr ist holde/ Ist er gewidmet ihr/ und diesen baum bedeckt Herumb der gantze wald und gleichsam ihn versteckt In dunckel-gruͤnem thal doch kan man nicht ehr kom̃en In tieffen grund der erd/ man habe den genommen Und abgebrochen vor den gold belaubten ast Und zu der reis hinab gemachet sich gefast. D iß edele geschenck/ daran sich sehr ergetzet Die frau Proserpina/ hat sie auch ein gesetzet/ D aß mans ihr bringe dar/ und pfleget fort und fort E in andrer guͤldner zweig zu wachsen an dem orth/ Da er gebrochen ist. D rumb suche tieff darinnen/ Und sieh dich fleißig umb/ daß du ihn moͤgst gewinnen Und maͤhlich brechen ab; Deun er gibt leichtlich nach/ Und folget dir gar gern ohn muͤh und ungemach/ So Gott dich haben wil/ an diesen orth zuziehen: Wo nicht/ wird keine krafft/ noch eimges bemuͤhen Gewinnen diesen zweig. D u kanst mit keinem keil Ihn hauen von dem stamm noch mit gespitztem pfeil. Zu dem ist noch dein freund Misenus nicht begraben: (Ach leider! kanst du dis so gar vergessen haben?) Und verunreiniget die schiff und gantzes heer Mit seinem todten leib/ weil ihn noch hat das meer: In Das Sechste Buch. In dem du hier umb rath der Goͤtter vorsicht fragest Und hier an meiner thuͤr bekuͤmmert klagst und zagest. Gib wieder ihn zuvor der erd und scharr ihn ein/ Und laß ihn nach gebuͤhr bestattet ehrlich seyn. Laß zweene schwartze stier zum opffer schlachten abe/ Halt eine seelmess ihm zu ehren bey dem grabe: Dann wirst du aller erst die hellschen fluͤsse sehn Und Plutons reich/ zu dem sichs sonst nicht laͤsset gehn Von einem sterblichen. So viel sagt ihm Sibylle/ Brach ihren reden ab und schwiege wieder stille. Als nun E neas so verweißlichen bericht Bekam/ gieng er davon mit traurigem gesicht/ Verlaͤßt die felsem hoͤhl/ und wieget mit gedancken Den außschlag/ der ihn macht gantz hin und wieder wan- Weil er sehr ungewiß und zweifels knoten hat; (cken/ An seiner seite geht sein reißgenoß Achat; D er gehet eben so mit traurigen gebaͤrden/ Behafft mit gleicher sorg und aͤngstigen beschwerden; Sie halten ihr gespraͤch und reden mancherley Mit wunderung/ was fuͤr ein freund gestorben sey/ Der unbegraben ligt/ wie neulich sie vernahmen A us der prophetin mund. Als sie an port nun kamen/ Da sehn sie/ daß Misen da liget jaͤmmerlich E rtruncken in dem meer: Sie muͤssen beyde sich Entsetzen ob den fall/ und klagen ihn verlohren Als einen tapffern mann von E olus gebohren/ Dems keiner leichtlich that bevor in seiner kunst/ Der manchem kriegesheer erweckte volle brunst Mit Das Sechste Buch. Mit seinem helden-ertz zum ritterlichen streite; Der grosse Hector ließ ihn nicht von seiner seite. Umb Hector war/ Er stets/ als ein trompeter zwar/ Doch der auch mit gewehr dem seind sich stellte dar. Als aber ihn Achill/ als sieger/ bracht umbs leben/ Hat er zum tapffren held E neas sich begeben Nicht in geringerm standt: Als er nun ohn gefehr Die hohle Muschel nimmt/ und blaͤset/ daß das meer E rschallet weit und breit/ und fodert durch sein blasen D ie meeres Goͤtter aus zum kampff verwegner massen/ Da koͤmmet uͤber ihn der Triton eyffers voll/ Und wirfft ihn in das meer (wenn man es glaͤuben soll) E s brauset maͤnniglich mit grossem schrey- und klagen: E neas aber muß das leid am meisten tragen. Dcauff thun sie nach geheyß der heilgen priesterin Mit weinen und geseufftz/ und eilen ohn verziehn; Sie muͤhn sich ein altar hoch in die lufft zu fuͤhren Mit baͤumen und gestraͤuch/ gestalt sich wil gebuͤhren/ Man gehet in den wald/ da lange nichts gefaͤllt/ Von alten baͤumen ist/ da sich viel wild noch haͤlt; D a hewt man hartzbaͤum ab/ da eichen mit den beilen/ Da eschen/ da spalt man die stoͤcke mit den keilen/ Da waͤltzt man buͤchenbaͤum von bergen hoch hinab: Eneas gieng voran und jedem ordnung gab/ Und mahnt zur arbeit sie/ fuͤhrt gleichẽ zeug und waffen: Schlaͤgt selbst die hand zu werck/ weñ andre wollẽ gaffen/ Und als er sieht den wald so unermaͤßlich groß/ Bricht er in diese wort betruͤbt und wuͤntschend loß: O daß Das Sechste Buch. O daß der guͤldne zweig sich itzo liesse blicken In diesem grossen wald! Ach moͤcht es uns geluͤcken ! Dieweil/ Misen/ von dir die heilge pristerin Hat alzuwahr gesagt mit unverfalschtem sinn. Stracks kommen aus der hoͤh mit rauschendem gefteder Zwo tauben fliegend her und setzen sich danieder Fuͤr augen dieses helds ins graß: E neas kennt Der mutter boͤgel wol/ ist froͤlich stracks gesinnt? Und betet inniglich: Ihr taͤublein/ so ihr spuͤret Den weg zum guͤldnen zweig/ ey mich doch dahin fuͤhret Und leitet in den wald durch euren gleichen flug/ Und du/ o mntter/ sey mir doch zum beystand gnug In zweiffelhafftem stand. Nach diesem bleibt er stehen Und nimmet fleißig wahr/ was man fuͤr zeichen sehen An diesen tauben kan/ und wo sie fliegen hin/ Wie weit sich aber streckt der scharffen augen sinn/ So weit auch fliegen sie: Bald setzen sie sich nieder Und gingen in der weyd/ bald schwungen sie sich wieder Und flogen weiter fort. A ls sie sich nun jtzund Erhoben ferner hin nach des Avernus schlund Und schweffel gelben see/ sieht man sie gleicher massen Sich wieder schwingen hoch und wieder nieder lassen Zu sammen auff den banm/ den vor gewuͤntschten orth/ (Dahin E neas sich ohn saͤumnuͤß machet fort) Man sahe/ wie der glantz des goldes durch das gruͤne Und durch des baumes zweig außbuͤndig blinckt uñ schie- So pflegt in winterzeit wie gold zu blincken schoͤn (ne: das hartz/ weũ man den baum sieht wieder gruͤnend stehn/ Von Das Sechste Buch. Von dems nicht wird besaamt/ man sieht es zaͤhe kleben/ Wie gelben leim und rings des aumes stam̃ uͤmgeben: So war auch die gestalt der schattenreichen eich/ Was diesen guͤldnen zweig anlangt/ dem hartze gleich. Es klappert uͤber das das guͤldne blat vom winde/ weñ er durch wald und pusch bließ saͤnfftlich und gelinde. E neas greifft geschwind nach ihm und bricht ihn ab Begierig/ ob er zwar allmaͤhlich ihm nach gab. Und bringt ihn in das hauß Sibyllens hingetragen. Immittelst stellen an die Troer-leid und klagen/ Am haven uͤmm Misen/ thun seinem leichnam auch Den letzen ehrendienst nach hergebrachten brauch Wie wol er nichts drum weiß: erst wird hoch aufgefuͤhret Ein hauffen holtz/ den sie rings uͤmm/ wie sichs gebuͤhret/ Mit todten baͤumen laub bestecken/ setzen auch Cypressen baͤume vor zu meiden stanck und rauch. Sie legen auch darauff zur zierde seine waffen. Theils Troer sind bemuͤht risch an die hand zuschaffen Die kessel/ tragen zu das wasser/ setzens an Das feuer/ waschen drauff/ wies braͤuchlich ist gethan/ D en kalten leichnam ab und endlich balsamieren/ Man siehet mit geseufftz das volck groß klagen fuͤhren; Dann legen sie den leib auff eine todtenbahr/ Der mit dem thraͤnen Naß genug benetzet war Und legen oben drauff/ was man noch fandte (leider !) Den mantel/ den er trug und seine rothe kleider/ Theils machen sich hinzu/ und heben auff die bahr/ Und leisten diesen dienst/ wor zu man traurig war. S Dann Das Sechste Buch. D ann zuͤndeten sie an den hauffen nach der weise der vorfahrn hinderweꝛts/ gantz fuꝛchtsam sacht und leise ; Es wird der weyrauch anch/ den man schafft zu der hand/ D ie speisen/ oͤhl/ gefaͤß/ darinn es war/ verbrandt. Nach dem die asche nun gefallen war zusammen/ Und nunmehr hatten außgebrand die lichten flammen/ Da leschen sie das/ was noch uͤbrig war/ mit wein/ Und samlen nach gebrauch die asche wieder ein. A uch leget Chorineus das uͤbrige gebeine In einen ehrnen topff und lieset sie gar reine Zusammen/ daß man sie zum denckmahl setze bey/ E r traͤgt auch wasser umb/ besprengt zwier oder drey Mit einem oͤhlepusch/ den er ins wasser tauchet/ die pursch/ uñ darum wurd ein oͤhlzweig hier gebrauchet/ Weil der Minervenbaum bedeutet einigkeit Und friede: Letzlich da er abgefegt die leut Und wieder rein gemacht/ sprach er: Man mag nun Und bliebe laͤnger nicht an diesem orte stehen: ( gehen . A llein der fromme held ließ einen schweren stein Ihm setzen und sein lob zum denckmal hauen ein Auch sein gewehr und zeug die trompte mit den riemen Auff einem hohen berg auff haͤnden nach geziemen. Und dieser berg heist itzt von diesem mann Misen/ Und dieser nahme wird in ewigkeit bestehn. Als dis geschehen war/ und daß auff solche massen E neas hatte nun den man bestatten lassen/ Denckt er an den befehl der weisen priesterin/ Und ist in eil bemuͤht zu thun nach ihrem sinn E s Das Sechste Buch. E s war ein hohlendach mit ungeheurem schlunde/ E rschrecklich/ kiesicht/ groß mit tieff geduͤfftem grunde Und schwartzem heilensee und finster duͤstern wald Verwahrt das fluͤgel-volck/ das durch die luͤffte schallt/ Kunt unbeschaͤdigt nicht daruͤber sich erschwingen/ Weil aus dem schwefel-psuhl so boͤse duͤnste giengen Und stiegen hoch hinauf bis an die sternen lufft/ Daher nennt sie der Griech die vogel-leere grufft. Hier laͤßt E neas erst vier schwartze farren schlachten; Der priester/ welches war hierbey auch zu betrachten/ Geust zwischẽ hoͤꝛnern ein den wein/ wies bꝛaͤuchlich waꝛ Und schneidet oben ab das dick geborste haar/ Das legt er in das feur als erstling/ rufft und thoͤnet/ Damit die hellen-frau werd heilig ausgesoͤhnet D ie grosse Hecate/ die alles regt und schreckt/ So weit der himmel sich und hellenreich erstreckt ; Theils setzt die messer an/ und faͤnget auf in schaalen Das blut/ so warm es ist zum heilgen opffer mahlen. Eneas selbst geht dran/ und schlachtet beym altar ein schwartzes schaas und kuh/ die nit mehr fruchtbar war Sie fiel von einem streich durch seines armes staͤrcke ; Er ehret aber doch mit diesem tapffern wercke Die mutter/ welche hat gebohrn die schwartze schaar/ Die nacht/ wie auch die erd/ die ihre schwester war/ Und dann Proserpinen die koͤnigin der geister. Nicht minder stellet er zuletzt dem obermeister Und koͤnig Pluto an ein opffer bey der nacht/ Und schaffet/ daß es werd in heiligkeit verbracht. S 2 E r Das Sechste Buch. Er nimmt das eingeweyd der ochsen mit den wammen/ Und legt es auff das feur/ geust fett oͤhl in die flammen ; Schau aber/ umb die zeit da Titans guͤldner schein Auff diesem grossen rund sich wieder stellet ein; D a zitterte die erd/ die gruͤnde sich erregten/ Man sahe wie der wald und berge sich bewegten/ D ie hunde heuleten/ als Plutons frau kam an Im finstern: Darauff heist Sibylle auf dem plan D as volck zuruͤcke gehn und schreyet: Aus dem wege/ Was irrdisch ist gesinnt ! weg weg von diesem stege/ Und tretet von dem wald: Du aber geh heran/ E neas/ grade fort und laß/ als tapffern mann Dich sehn mit blossem schwerd. Itzt mustu unmuth toͤdtẽ/ Itzt hast du kuͤhnen muth und steiffes hertz von noͤthen/ Mehr sagt sie nicht zu ihm; Und laͤsset sich hinab Vom geist erfuͤllet gantz ins offne hoͤhlengrab. Er geht der fuͤhrerin mit unerschrocknen schritten Und frischen fuͤssen nach: Ich aber muß so bitten: Ihr Goͤtter/ die ihr seyd regenten in dem reich Der seelen/ uͤber die ihr herrscht gerecht und gleich/ Ihr schattenbilder ihr/ du klumpe der gestalten/ Darinn der gantzen welt Ideen sind enthalten/ Und du/ o hellscher fluß der Phegethon genand ! Ein ort/ da weit und breit die stillsamkeit bekand ; Vergoͤnnet/ daß ich mag erzehlen/ was mir kommen Zu ohren selber ist/ und was ich hab vernommen/ Sebt mir zu/ eure macht/ den tieff verborgnen grund Und hellische geschicht zu machen andern kund. Sie Das Sechste Buch. Sie giengen beyd allein bey nacht in finstrer hoͤhle/ Und kamen endlich hin/ da zwar schwebt manche seele/ Doch aber ohne leib/ in Plutons wuͤsten reich/ D a es dem mondenschein beynahe sahe gleich/ Im fall derselbe blinckt durch dicke wolckendecken/ Da man ihn siehet bald herfuͤr gehn/ bald verstecken Sein silberklares liecht: Sie giengen durch den wald Bey dicker nacht/ da sich laͤßt keinerley gestalt D er erden-dinge sehn: So bald sie waren kommen In vorhoff/ hatten da ihr lager eingenommen In hoͤhlen hin und her die schwere traurigkeit/ D er unmuth/ Sorge/ gram und nagend hertzeleid. Es hielten sich da auff die bleichen kranckheit schaaren/ Das alter und die furcht: Auch da zu finden waren Der hunger/ welcher offt zum boͤsen reitzet an/ D ie armuth/ dero man sich nicht erfreuen kan Mit freyer namens-zier/ die schreckliche gestalten/ Der bittre tod und muͤh/ die grimmigen gewalten/ Dann auch der suͤsse schlaff/ der mit dem tod verwand/ Die wollust-uͤppigkeit/ und eitle lebens tand. Dagegen uͤber war zu sehn der krieg und jammer/ Der unholdinnen zunfft und eysen-grimme kammer/ D er tolle zwyst und zanck/ die zwytracht/ dero haar Mit schlangẽ uͤmm und uͤmm geflochten schrecklich war. Ein grosser ruͤstenbaum mit alten ast und zweygen Ließ in der mitten sich mit dickem laube zeigen; D ie eitlen traumgesicht/ gestalt man giebet fuͤr/ Sind seßhafft an dem ort und schweben uͤmm allhier/ S 3 Und Das Sechste Buch. Und ist kein einig blat/ an welchem sie nicht hangen/ Und wenn das laub fallt ab/ so sind sie auch vergangen: Man siehet uͤber das den grossen pferdeman/ D er manches ungeheur hier haͤlt gebunden an. Man siehet wunderthier von zweyerley gestalten Halb mensch und halber fisch in ihrem kreiß sich halten; Da ist der Briarens/ der hundert haͤnde hat Der mutter erden sohn/ den Thetis sehnlich bat/ D em Jovi bey zu stehn/ hier kroch mit krummen gange Mit schrecklichem gezisch die ungeheure schlange D es Lernischen morasts; D as drey gekoͤpffte thier Mit flammen aus geruͤst Chimera war auch hier. Es waren ebenfalls die drachen grimme frauen Die Sorgonen/ wie auch Harpyen anzuschauen/ D ie raͤuber-voͤgel sind/ der dreygeliebte mann Geryon ließ sich auch diß orthes schauen an. Hier zuͤckt sein blanckes schwerd E neas fuͤr entsetzen/ Das ihn kam ploͤtzlich an/ der meinung zu verletzen/ Wer ihn entgegen kaͤm/ und wo ihm haͤtte nicht Die weise frau Sibyll gegeben den bericht/ Daß es ohn leibe nur gestalt und schatten wehren/ D ie man durch eysengrimm nicht koͤnte so versehren; Sie floͤgen in der lufft herumb gleich wie ein schein/ E r haͤtte zorniglich wol doͤrffen schlagen drein/ Und in die leere lufft nach den gespensten streichen/ Diekeiner/ wer er sey/ wit waffen kan erreichen Von dannen kamen sie zum schwefelblauen fluß/ De nman heist Acheron/ der truͤbe sich ergoß Mit Das Fuͤnffte Buch Mit dickẽ wust und schlam̃ und macht ein groß gebrudel/ Und warff hin allen sand aus seinem tieffen strudel Bis in Cocytus bach. Der fehrmanu/ Charon/ der Vom unflat starret und beschmutzt war hefftig sehr/ Haͤlt diese fluͤß in acht/ ist schrecklich an zu sehen/ Und ließ den grauen bart gar tieff hinunter gehen Und wachsen ungekaͤmmt: D ie augen flammten ihm/ Sein kleid war sehr bekleckt/ und hieng zerlapt heruͤm: E r lenckt den schwartzen kahn mit einer stang und ruͤhrte Den grund/ dem segel gab er nach und uͤberfuͤhrte Die seelen/ war zwar alt und hatte graue haar/ Gleichwol das alter ihm als Gott gruͤn-kraͤfftig war. An dieses ufer kam ein grosses volck der seelen/ Die in den leibern sich mit kummer noht und quaͤlen Gehalten hatten auff/ und wurd ein groß gedraͤng An weib-und mannes volck in ungezehlter meng. E s waren in der zahl auch helden mit begriffen/ Die knab-und maͤgdelein ohn unteꝛscheid mit lieffen/ A uch juͤngling/ welche fuͤr der eltern angesicht Mit hertzleid buͤßten ein das suͤsse lebens licht/ D a ihnen sie aus noth den letzten dienst erwiesen/ Und sie nach sitt und brauch zur erde bringen liessen. Wie viel zur herbsteszeit/ wenns erstlich wieder kalt Wil werden/ fallen ab der blaͤtter in dem wald/ Ja wie der stoͤrche heer mit dickem hauffen ziehen/ Wenn sie die winterzeit ins warme land zu fliehen Treibt uͤbers hohe meer: So dick gehaͤuffte schaar Der seelen stunde hier und betens eiffrig war. Ein Das Sechste Buch. Ein jeder wil sich erst hinuͤber fuͤhren lassen/ Sie strecken aus die haͤnd und muͤhn sich hoͤchster massen Aͤ us tragender begier zum andern gegenport; Der schiffer nimmt sie auf/ und fuͤhrt sie alle fort/ Er zeigt sich stoͤrrisch-boͤß. Die aber unbegraben/ Die treibt er von dem strand/ wil sie nicht bey sich haben. Encas (denn es kam fast wunderlich ihm fuͤr/ Daß so groß auffgelaͤuff erreget wuͤrde hier) Sag jungfrau (hub er an) was mag doch das bedeuten/ D aß zu dem jammerbach von so viel hauffen leuten Geschieht solch zugelaͤuff. Sols leid seyn oder freud? Umb was bemuͤhen sich die seelen? Was fuͤr streit Und unterscheid ist/ daß ein theil von ufer lauffen/ Die andern sahren durch den pfuhl mit dicken hauffen? Drauff gab die priesterin gar kurtzlich den bescheid: E neas Goͤtter sohn ohn allem zweiffel-streit/ Du siehst den trauerbach Cocytus vor dir liegen/ Die Goͤtter muͤssen selbst sich fuͤrchten zu betriegen Desselben heilge macht durch einen falschen eyd/ Das volck/ das du dort siehst/ ist voller duͤrfftigkeit Und unbegraben noch. Der schiffer/ der sie fuͤhret/ Heißt Charon/ die er fuͤhrt/ sind/ massen sichs gebuͤhret/ Begraben; Kan auch nicht die seelen fahren an/ Wo sie nicht sind gebracht zu ihrer ruhebahn Und daß der leib verscharrt/ sie muͤssen aͤngstig leben Wol in die hundert jahr und uͤmb das ufer schweben: Dann nimmt sie Charon erst auf seine schwartze fehr/ D a sehn sie nach begier den hellschen pfuhl und meer. Eneas Das Sechste Buch. Eneas stehet still und wil nicht fuͤrder gehen/ Er waͤgt in seinem sinn viel dings/ kan nicht verstehen/ Wie diß und jenes sey: Es geht ihm solcher stand Zu hertzen/ weil er ist so jaͤmmerlich bewand. Er sieht da gehn betruͤbt/ die noch nicht sind begraben Lencaspin und Oront/ und keine ruhe haben. Der eine fuͤhrete das schiff der Lycier. Als sie nun beyde gleich durchs ungestuͤmme meer Von Troja zogen ab/ geschachs/ daß sie ergriffe Ein unvorsehner sturm und sie mit mann und schiffe Stuͤrtzt in der fluthen reich. Schau/ da kam eben her Der schiffman Palinur/ den nechst das wilde meer/ Da er nach Welschland zog und an der sternen zinnen Umb wetter kundigung hub sein gesicht und sinnen/ Daß er vom schiffe fiel/ verschlunge grimmiglich: Als er ihn nun erkand in finstern/ da er sich So traurig trug herein/ hebt er so an zu sagen Und spricht zu erst ihn an: Ich muß dich itzo fragen/ Mein guter Palinur ; Was fuͤr ein Gott hat dich Geraubet uns/ der du so bliebest jaͤmmerlich Im saltzbeschaͤumtẽ meer ? Sag an fein rund und offen/ Ich habe dich ja vor auff luͤgen nie betroffen? Durch diesen außspruch hat Apollo meinen sinn Geaͤfft/ der doch gab fuͤr/ du wuͤrdest kommen hin Nach welschland/ und gesund vom meere wieder kommẽ/ Hat die verheissung denn ein solches end genommen? Drauff saget Palinur: Eneas/ tapffrer held/ Es hat des Febens spruch mit nichten dir gefehlt S 5 Viel Das Sechste Buch. Viel minder dich geaͤfft: Gott hat mich in die tieffe des meers auch nicht gestuͤrtzt: Als ich ein wenig schlieffe/ Versah ichs/ daß ich fiel und abstuͤrtzt in die fluth/ Der ich das stener doch mit fester hand und muth Noch hielt und zohe mit/ es wurde weggerissen Mit gantzer ungestuͤmm/ wies kam/ kan ich nicht wissen; Ich muß mich wundern selbst/ wenn ich gedencke dran/ Wies so geschwind geschehn war mit mir armen mann; Ich schwere bey dem meer/ das sich nicht liesse stillen/ Daß ich mich nicht besorgt so wol umb meinentwillen/ Als daß dein schiff nicht kaͤm in noͤthen und gefahr/ Dieweil es so beraubt des steuerruders war. Und haͤtte leichtlich sich ein windsturm koͤnnen regen: Drey naͤcht hat mich der wind auff ungebaͤhnten wegen D es grossen meers gefuͤhrt: Ich hab Italien D en vierdten tag hernach mit gnauer noth gesehn; D a mich der wellen macht hub hoch empor/ ich kame Mit schwimmen an das land/ und itzt den haven name In sichrer meinung ein: Mein kleid sehr naß vom meer Macht mir groß hindernuͤß und leidiges beschwer. Doch wolt ich klimmen fort und einen felß erreichen/ Daß ich dem wilden meer haͤtt koͤnnen noch entweichen: Allein ein grausam volck fuhr wieder mich im grimm Hielt mich fuͤr ihrem raub und brachte mich so uͤmm. Nun aber wird mein leib getrieben von den winden/ Und kan am ufer noch nicht seine ruhe finden; D rumb sey gebethen doch durch das so fuͤsse licht/ D as durch den sternensitz durch lufft und wolcken bricht: Ich Das Sechste Buch. Ich bitt durchs vaters huld/ durch deines soͤhnleins jugẽd/ Durch hoffnung/ die du schoͤpffst von seiner großẽ tugend/ E rrette mich aus noth/ in der ich stecke hier/ O unbesiegter held! o tugend schild und zier! Kan aber diß nicht seyn/ so laß mich dieses haben/ Daß du wollst meinen leib verscharren und begraben (Denn dieses steht bey dir) und frage nach dem ort/ D a wo mein leib noch ligt an dem Velinschen port. Wofern du aber auch nicht kanst darzu gelangen/ So beut mir armen doch/ der ich mit noth befangen/ Sonst deine huͤlff und hand/ und fuͤhr mich uͤbern bach/ Damit ich meine ruh im tod ohn ungemach An diesem orte hab. Drauff gab ihm die Sibylle A ntwortlich den bescheid: Ach Palinur/ nur stille Mit diesem! wannenher koͤmmt diese grimme gier In deinen sinn? Soltu wol koͤnnen wuͤntschen dir Zu sehn den hellschen pfuhl/ den fluß der unholdinnen/ Ohn welchen niemand kan was greulichers ersinnen? Der du noch deinen leib must schnoͤde ligen sehn/ Wollst du an jenem bach so leichtlich uͤbergehn? Das goͤttliche geschick laͤßt sich von keinem bergen; Drumb dencke/ daß du solst hier lieber stille schweigen; Und fasse diesen trost in deinem ungluͤckstand/ Daß noch das nachbarvolck dir treue huld und hand Wird bieten; Welche durch die grosse wunderzeichen Bewogen werden wol noch lassen sich erweichen Und bringen deinen leib gebuͤhrlich zu der ruh/ Sie werden uͤber das ein grabmahl legen zu/ Und Das Sechste Buch. Und dis begaͤngnuͤß-fest hoch feyerlich begehen/ Und wird an selbten ort dein nahm und ruhm bestehen Zu aller zeiten zeit/ daß auch das gantze land Durch deinen namen wird geruͤhmt seyn und genand. D urch diese rede wird enthoben sein gemuͤthe Von sorgen/ und der schmertz ließ etwas von der wuͤte In seinem Hertzen nach: Er freut sich/ daß das land Mit seinem namen sol in kuͤnfftig sein genand. Sie gehen nachmals fort/ gestalt sie angefangen/ Und nahen sich zum fluß ; Da kommt auf sie gegangen Der schiffman/ als er sie schon hatte vor gesehn Durchs stille wald-gepuͤsch hin zu den ufer gehn; Du magst seyn wer du wilst (faͤngt er erst an zu reden Und schilt stracks zorniglich) der du uns zu bevehden Gewapnet kommst hieher zu unserm hellenfluß; Ich moͤchte wissen gern/ was dich her treiben muß. Sag an/ was ist dein thun/ was hast du hier zu schaffen/ Worzu ist angesehn dis scharff gewehr und waffen? Flugs packe dich zuruͤck! Hier ist der seelen sitz D es schlaffs und stillẽ nacht: Du bist allhier nichts nuͤtz ; Ich darff ja niemand/ der noch lebet/ uͤberfuͤhren/ E s wil sich gantz und gar nicht schicken noch gebuͤhren ; Ich nam Alciden mit und jenes frembdes paar/ D en Theseus und Pirith/ das mir doch leide war/ Ob diß Gedritte zwar von goͤttlichem gebluͤte Gezeuget war und trug ein tapfferes gemuͤthe/ D as sich nicht zwingen laͤßt. Den jener kam und kunt Mit ketten binden an den dreygeschnautzten hund/ D er Das Sechste Buch. Der vor der hellen ligt: Der lieff mit grossem schrecken Zu seinem koͤnig hin: Alcides kunt ihn trecken Und baͤnde legen an: Der Theseus und Pirith Erkuͤhnten sich die frau Plutons zu nehmen mit. Sibylla gabe kurtz darauff die gegensage: D u darffst/ o Charon/ nicht deswegen fuͤhren klage/ E s stellt dir keiner hier auff solche weise nach/ Besorge dich nur nicht: E s wird kein ungemach Noch schaden bringen dir: D u hast dich fuͤr die waffen Zu fuͤrchten nicht/ ob schon der hellen-hund mit blaffen Nicht hoͤret auf und stets erschreckt der seelen schaar/ Als die sich immer zu besorgen der gefahr/ Ob schon die keusche frau Proserpina verwahret D es vetters hellen-bnrg: Encas ungesparet/ Was er an muth vermag/ der fromm und tapffre mann Kommt in die hoͤlle her zu seinem vater an. So du die froͤmmigkeit/ die ihm ist angelegen Mit hohem ehren glantz/ dich laͤssest nicht bewegen/ E rkenne doch den zweig (den er zoch unterm kleid Herfuͤr) alßbald hierauff legt sich sein zornig leid. Nichts mehr setzt sie hinzu: E r muß hoch heilger massen Sich aus verwunderung des zweigs einnehmen lassen Des herrlichen geschencks/ das Gottes ewger rath Als sonderlichs gewaͤchs vorher verordnet hat/ Das er erst lange zeit hernach bekam zu sehen. Was sol er weiter thun? Er laͤsts also geschehen/ Faͤhrt nach den ufer zu mit seinem schwartzen kahn/ Und wil den frembden gast gar willig nehmen an/ D ann Das Sechste Buch. Dann geht er einen ort demselben aus zu wehlen/ Und stoͤßt von baͤncken weg viel andre schlechte seelen/ Macht in den gaͤngẽ raum/ und nim̃t den grossen mann D en tapffern Troer held zu setzen uͤber/ an. Da wil der hohle balck fuͤr schwere fast nicht halten/ Schoͤpfft wasser hauffen weis/ dieweil er ist voll spalten/ D och endlich bringt er die priesterin und mann Ohn bruch in dickem schlamm und schilff beim ufer an. Der hellenhund faͤngt an mit dreygeschnautztem rachen E in schreckliches gebell/ das weit erschallt/ zu machen Und liget ungeheur im weg und an dem loch/ Als nun Sibylle sieht/ daß er den halß hebt hoch/ Der voller schlangen starrt/ wil sie ihr heil versuchen Und wirfft ihm stuͤcklein fuͤr von honig suͤssem kuchen/ Thut drunter specerey/ auff daß er schlaffe fest: E r/ der schon rasend war von hungers wuͤt und best/ Sperrt seinen rachen auf und schnappet nach den stuͤckẽ/ Die man ihm warffe fuͤr; Legt sich drauff auff dem ruͤckẽ Und streckt sich auff die erd die laͤnge lang fuͤrs loch/ Eneas ging voran/ dieweil der hund schlieff noch/ E r koͤmmt ans ufer hin/ da wo kein wiederkehren Noch wieder kommen ist: Es lassen sich stracks hoͤren Der stimmen mancherley/ und wo man gehet ein/ Da winseln jaͤmmerlich der kinder seelelein; Die von der ersten milch der grimme tod gerissen/ Und die des suͤssen lichts des lebens so seyn muͤssen Beraubet vor der zeit. Bey diesen sahe man Gerechte seelen stehn/ die faͤlschlich waren an- Ge- Das Sechste Buch. Geklagt und ohne recht zum tod verdammet worden/ Auch anderer gestalt durch frevelthat und morden Entleibet jaͤmmerlich: Denn dieser ort ist nicht Bestellet ohn verhoͤr/ ohn beystimm und gericht. Der richter Minos pflegt die seelen zuverhoͤren/ Und laͤßt sich nicht durch gunst noch neid uñ haß bethoͤrẽ/ Die stimmen samlet er/ die auffgezeichnet sind/ D arauff sich auch die schaar der seelen haͤuffig find Auff Ladung vor gericht; D a fraget er scharff und eben/ Wie jeder hat gefuͤhrt sein thun/ gewerb und leben/ Und uͤberleget gnau begangne missethat/ E rwegt das urtheil drauff mit reiffem sinn und rath. Nechst diesen ist der ort der hoch betruͤbten seelen/ Die sich mit bangigkeit und stetten aͤngsten quaͤlen/ Und darumb ihnen auch aus blinden trieb und wahn Auch lebens uͤberdruß den tod selbst angethan/ Als daß sie wollen hier in dem gemeinen leben In armuth/ duͤrfftigkeit/ in noth und kummer schweben. Nun stehet ihnen vor der ewge rath und schluß D er Goͤtter/ daß daselbst ein jeder bleiben muß Und kan von diesem pfuhl nicht wieder ruͤckwerts kehren. Der Styx/ der neunmal laͤufft darzwischen/ eilt zuwehrẽ D en seelen diesen paß. Nicht weit davon sah man Die trauerfelder stehn/ wie man sie nennen kan. Hier lag gesondert ab auff den gemeinen stegen Herumb den Myrthen wald/ die grosser liebe wegen An gliedern abgezehrt ihr leben endeten/ Und kunt die liebe doch in tode nicht vergehn; Sie Das Sechste Buch. Sie lieben sich noch hier: Eneas sieht in gleichen Die Phoedram/ Procrin und die Eryphylen schleichen Mit hoch betruͤbtem sinn: Die zeiget ihm die leich Und wunden ihres sohns/ der dem Orestes gleich Die mutter schluge tod und greulich sich befleckte/ D en auch sein rasen muth/ wie jenen/ toͤdtlich schreckte/ Und umb das leben bracht/ er sieht Pastphaen Und die Evadnen/ auch Laodamien gehn Bey diesen in geleit. Hiernebenst sieht er wandern Den C aeneus bey dem wald herumb mit vielen andern/ Der war ein Juͤngeling/ und wurd in eine frau Verwandelt/ und noch einst mit grosser wunder schaw Durch grosse bitt und wuntsch in einen mann verkehret/ Vom Meergott/ blieb darnach gantz fest und unversehret. Darunter fand sich auch die Dido/ welche sich E ntleibet/ und nun erst nach solchen todesstich Irrt in dem wald herumb. So bald E neas koͤmmet Was naͤher zu ihr hin/ und wer sie sey/ vernimmet In dem er sie erkennt in dunckeln/ wies pflegt seyn/ Wenn durch die wolcke man erblickt des mondenschein : ; Ließ er das zaͤhren Naß abfliessen von den wangen/ Und sprach sie an mit lieb und hertzlichen verlangen: Du arme Dido du/ so hast du selbselbst dich/ Wie mir wurd kund gethan/ entleibet jaͤmmerlich? Ich habe leider! Schuld an deinem tod und leiche/ O koͤnigin/ ich bin ungern aus deinem reiche Gezogen/ welches mir von hertzen nun ist leid/ Daß ich bezeugen kan mit einem theuren eyd. Allein Das Sechste Buch. Allein die Goͤttliche gewalt hat mich gezwungen/ Und mittelst ihrer macht genoͤthigt und gedrungen Zu ziehn an diesen ort/ der voller schlamm und wust Bey dicker finsternuͤß ligt ohne liecht und lust. Ich habe dessen auch mich nicht vermuthen koͤnnen/ Daß meine reise dir haͤtt der gestalt zu sinnen Und hertzen sollen gehn/ daß du in solche noth Soltst kommen/ und dir selbst an thun den bittern tod. Halt fuß ! fuͤr wen wilst du dich so entziehn zuruͤcke? Mein zuspruch ruͤhret her von goͤttlichem geschicke. Mit solcher sanfften red bezwung er ihr gemuͤth/ Die ihn sah stoͤrrisch an und unversoͤhnte wuͤt In ihren augen trug. Doch kunt er sie gewinnen/ Daß sie ließ mildiglich die feuchten zaͤhren rinnen ; Sie schlug zur erde hin ihr leidig angesicht/ Und wolt ihn an zusehn erkennen wuͤrdig nicht ; Sie bliebe/ was er nur mocht sagen/ unbeweget/ Nicht anders/ als wenn sich ein harter felß nicht reget Wenn er von wellen wird bestuͤrmet grimmiglich/ Daß alles knallt und kracht. Zuletzt erhub sie sich. Mit grimm in finstern wald/ da sie in gleichen schmertzen Fand ihren vorgen mann Sicheus/ der vom hertzen Sie liebte bruͤnstiglich. E neas minder nicht Bestuͤrtzt ob diesen fall in milde zaͤhren bricht Und folgt ihr weinend nach bejammrend ihre plagen Ihr leid und ungeluͤck mit bitterhafften klagen: Hernach geht er des wegs/ den er beschritten/ fort: Sie hatten itzt das feld erlanget und den ort/ T Da Das Sechste Buch. Da wo gesondert ab von andern schlechten schaaren Der tapffern helden zunfft beysammen haͤuffig waren; Da stoͤßt ihm Tydeus auf/ da Menalippens sohn/ D er aus dem kriege hat gebracht schoͤn lob davon/ Wie auch die blasse seel Adrastens/ auch viel schaaren Der Troer/ die im krieg erbaͤrmlich blieben waren/ Die man hat allbereit beweinet nach gebuͤhr/ Die kamen allesampt zu ihm betruͤbt herfuͤr. Als er sie siehet nun in langer reyhe stehen/ Muß er von seiner brust viel seufftzer lassen gehen; Die seelen stehn herumb zur recht-und lincken hand. Eneas sieht sie an bejammernd ihren stand/ Und hat dran nicht genung sie einmahl an zu sehen/ Er schoͤpffet seine lust beharrlich da zu stehen Und naͤher gehn hinzu/ zu forschen eigentlich/ Auff was fuͤr weis und art ein jeder haͤtte sich An diesen ort verfuͤgt ; Wie er waͤhr dahin kommen/ Und was er fuͤr ein end in jener welt genommen ; Als nun die obersten und heer der Griechen sehn E neen in dem glantz der blancken waffen stehn In duͤstrer dunckelheit/ da werden sie uͤmgeben Mit grosser furcht und angst/ theils sich von hinnen hebẽ/ Gleich wie fuͤr weilen sie mit gantz bestuͤrtztem sinn D ie fluͤgel-schnelle flucht zum schiffen namen hin; Theils regten ihre stimm; Allein sie blieben stecken/ Ihr schreien war uͤmbsonst/ das sie da zu erwecken Sich muͤhten hefftiglich. E r gehet weiter fort/ Da sieht er Priams sohn Deiphobum ermordt Und Das Sechste Buch. Und greulich zugericht. E s waren da zuschauen Viel wunden an dem kopff/ die ohren abgehauen Darzu die beyden haͤnd/ und/ das gar schaͤndlich war/ So sahe man die nas zerstuͤmmelt gantz und gar/ Er bebte voller furcht/ war voller angst und schrecken/ Und wolte sorgsamlich den schaden gerne decken. Eneas spricht ihm zu/ und redet ihn so an; Daß er ihn an der sprach/ und rede kennen kan. D eiphobe/ o held/ der du mit gluͤck und rechte Fuͤhrst von den Troern her dein ankunfft und geschlechte/ Wer hat sein grausam hertz an dir so aus geuͤbt/ Wer hat dich so zerhackt/ verwundet und betruͤbt? Als itzt die letzte nacht zu Troja war gekommen/ Da hab ich durchs geruͤcht/ das laut erscholl/ vernommẽ/ Du waͤrest endlich auch/ als du mit grosser schlacht Die Griechen hier und da zerstreut und uͤmgebracht/ Gefallen uͤberhin auff der erschlagnen hauffen Nach lang gewehretem gefechte/ mord und rauffen/ Da hab ich dir gesetzt ein leeres grab und stein Am Raͤetischen gestad/ das solt ein denckmal seyn. Ich habe dreymahl auch an deines grabes hoͤhle Mit uͤberlauter stimm geruffen deine seele; D ein name/ schild und helm steht da geleget bey/ D amit es deines ruhms ein stetes denckmal sey. Dein leib/ o werther freund/ hat mir nicht moͤgen werdẽ/ D aß ich ihn haͤtte bracht gebuͤhrlich zu der erden In deinem vaterland: Drauff sagt D eiphobus: E neas/ werther freund/ des treu ich ruͤhmen muß/ T 2 Dn Das Sechste Buch. D u hast es alles wol bestellt/ nichts unterlassen Und meinem geist bezeigt sein ehr gebuͤhrter massen; Allein der goͤtter schluß und unbefugte stuͤck Der Helenen zoch mich in dieses ungeluck. Dieselb hat hinter sich gelassen diese zeichen/ Wie man gesehen hat an meiner blassen leichen. Denu wie die letzte nacht den Troern kam herbey Acht ich dafuͤr/ daß es dir unentfallen sey/ Wie wir dieselbige in froͤligkeit verbrachten/ D ie falsch und nichtig war/ da sich die feinde machten Mit hauffen aus dem pferd/ das unß als grimme pest Zum untergang der stadt versehen ist gewest. Die Helene/ die sich und ihr beginnen schmuͤckte/ Als wie sie sich zum tantz und reygen lustig schickte/ Fuͤhrt das Trojaner volck und frauen rings heruͤmm/ Und hielt des Bachus fest mit tollem ungestuͤmm/ Trug eine fackel selbst und lieffe mitten innen/ Steckt sie den Griechen auf von schlosses hohen zinnen Und lockte sie heran ; Ich aber/ der ich war Mit sorgen abgezehrt uͤmringet mit gefahr/ B egabe mich zur ruh und ließ die augen sincken In angenehmen schlaff/ der/ wie ich mich ließ duͤncken/ So sanfft war alß der tod: D a ich mich nun verließ Auf mein getreues schwerd und wolgeschaͤrfften spieß/ Da war das schoͤne stuͤck mein weib immittelst kommen: Und hatte mir mein zeug und waffen weggenommen: Sie ruffet Menelas den vorgen mann zu ihr Ins schloß/ und oͤffnet ihm den eingang zum losier/ In Das Sechste Buch. In hoffnung/ dieses werd er uͤber alle massen Als sonderbahr geschenck ihm wol gefallen lassen/ Und zu ihr wiederumb gewinnen lieb und lust/ Samb wehr das alte weg und keinem mehr bewust. Was sol ich sagen viel von meiner noth und jammer? Sie uͤberfielen mich mit sturm in meiner kammer ; Ulyßes war darbey der leichte galgenstrick/ Aͤls der die fackel trug zu allem bubenstuͤck: Ihr Goͤtter/ so ich recht euch kan umb rach anschreien/ So strafft die Griechen doch/ daß andre sich auch scheuen. Doch lieber! sag mir auch/ wie bist du kommen her Noch lebendig/ kommst du getrieben von dem meer? Wie? Kommst du auff befehl/ und goͤttliches belieben ? Hat dich ein ungluͤckssturm an diesen ort getrieben/ Da sich nicht blicken laͤst der suͤsse sonnenschein Da alles traurig pflegt und ohne lust zu seyn? Als sie nun in gespraͤch so mit ein ander waren/ Da koͤmmt die morgenroͤth am himmel hergefahren/ Und haͤtten doͤrffen wol die liebe lange zeit Verbringen dergestalt durch plauderhafftigkeit. Allein Sibylle mahnt Eneen abzulassen Als sein geferth/ und red ihm zu auf diese massen: Die nacht verstreicht und wir verbringen zeit und weil Mit eitelem geschwaͤtz/ mit klagen und geheul: Hier ist der ort/ da wo sich theilen zweene wege/ Zur grossen Plutons burg geht man auf rechtem stege/ Hiedurch gelangen wir ins E lyseer feld/ D a sich der frommen schaar mit freuden auffenthaͤlt. T 3 A llein Das Sechste Buch. A llein der lincke weg fuͤhrt zu der hellen fluͤssen/ Da schwere straff und pein die boͤsen leiden muͤssen Fuͤr ihre missethat. Ach grosse priesterin (Sagt drauff D eiphobus) entzuͤnde deinen sinn Doch nicht mit solchem grim̃. Ich wil von hinnẽ weichẽ/ Und wieder in die zahl der armen seelen schleichen Zur sinstern hellenburg. O heldenschmuck und zier/ Gehabe dich nun wol nach hertzlicher begier Mit besserm gluͤck als ich. Als er so viel gesprochen/ Ist er von stunden an zuruͤcke weg gekrochen: E neas sieht sich uͤmm und auff dem lincken pfad Beim felsen siehet er gar eine weite stadt ; Die rings uͤmgeben war mit dreyfach dicken mauren/ Die wieder allen sturm der wellen kunten tauren/ D er schnelle Phlegethon/ ein grimmer hellen-strom Fleust mit beflammter fluth dieselbige herumb; Und wirffet schwere stein herab mit grossen krachen/ Das einem moͤchte wol viel furcht und schrecken machen. Hingegen uͤber ligt ein groß und starckes thor/ D a seulen von Demant stehn praͤchtiglich empor/ Daß weder irrdische noch himmlische gewalten Dieselte moͤgen je zerschellen und zerspalten. Man siehet einen thurn von eisen auffgefuͤhrt/ D er mit der spitze fast bis an die wolcken ruͤhrt. Tisiphone sitzt da mit einem kleid uͤmgeben/ Darau man sehen kan viel blut und eyter kleben; Die vorthuͤr zu der hoͤll verwahrt sie tag und nacht/ Und laͤst sich finden stets in unverdrossner wacht. A n Das Sechste Buch. A n diesem ort hoͤrt man erbaͤrmlich seufftz-und klagen/ Und wie so grimmiglich man laͤst die seelen schlagen. Man hoͤret das geraͤusch von eysen und metall/ Und wie die ketten man schleppt hin und her mit schall. E neas stehet still/ vernimmet/ gantz erstarret Wie alles schrecklich thoͤnt/ kracht/ rauschet/ knirscht und O jungfrau/ sage mir/ was hat es fuͤr gestalt (knarret. Mit ihrem uͤbelthun und suͤndlicher gewalt ? Was muͤssen sie fuͤr straff fuͤr ihr verbrechen tragen ? Was hoͤret man fuͤr leid und grosses jammer schlagen? Drauf gab Sibylla ihm vernuͤufftigen bericht; O tapffrer Troer fuͤrst/ es wird verstattet nicht/ Daß ein gereister mann wolt treten auff die schwelle/ Viel minder gehen ein in der verdammten hoͤlle; D enn als mich Hecate gesetzet hatte fuͤr/ Daß ich verwahrete nach tragender gebuͤhr D en schwartzen hellenwald/ hat sie mir rund und eben Gezeigt der Goͤtter rath und zu erkennen geben A ll urtheil/ recht und satz. Dis reich hat Rhadamanth/ das nach dem eysern recht ist streng und scharff bewand: E r stellet an verhoͤr; Was einer hat verbrochen/ E r strafft und zuͤchtiget und laͤßt nichts ungerochen ; E r zwingt mit folterung zu sagen/ was man hat In seinem lebenslauff veruͤbt fuͤr boͤse that ; D ie man mit schnoͤder lust und heimblich hat begangen/ Weßwegen man noch nicht die straffe hat empfangen/ Weil man sein boͤses thun verschoben bis zuletzt Da ihn der bittre tod in angst und noͤthen setzt. T 4 Stracks Das Sechste Buch. Stracks koͤmmt Tisiphone die raͤcherin und schlaͤget Mit ihrer peitsche drauff/ die schlangen/ die sie traͤget In lincker hand/ reckt sie den boͤsen fuͤrs gesicht/ Faͤhrt uͤbermuͤthiglich und hoͤhnsche reden spricht. Rufft die ergrimmte schaar/ die schwartzen wuͤterinnen/ Die ihre schwestern sind und auch nichts gutes spinnen; Da wird mit schrecklichem geknarr erst auffgethan Die pforte/ die man nicht ohn grausen sehen kan. Schau! siehst du nicht/ was da fuͤr boͤse waͤchter sitzen Am eingang? Wie sie doch die augen lassen plitzen Mit dreuen/ zorn und grimm/ und weiter drinnen sitzt Ein ungeheure schlang mit gifft und zorn erhitzt/ D ie hat wol funfftzig koͤpff/ ist scheußlich an zusehen/ Drauff siehet man die hell erschrecklich offen stehen D ie strecket sich so tieff hinunter in die klufft/ Wie hoch man sehen kan in die gestirnte lufft. Hier ist das riesen volck/ das uhralt erd-geschlechte/ Das von dem donnerstrahl nach thoͤrichtem gefechte Geschlagen wurde hin ins tieffe hellen grab ; Die zween Aloider/ die starcken leute hab Ich auch gesehen hier/ die sich mit tollem wuͤten Die blaue himmels burg zu reisen ab bemuͤhten Und stossen von dem reich den grossen Jupiter: Ich hab gesehen auch/ wie Salmoneuͤs so schwer Und hart gebuͤsset hat/ da er des Jovis krachen Und grossen wettersturm wolt nach-gar trotzig-machen: Vier rosse fuͤhrten ihn durch Griechen land mit pracht/ Warff fackeln unters volck und zog mit frevler macht In Das Sechste Buch. In E lis grosse stadt mit schnoͤdem triumphieren/ Und wolte/ daß man ihn mit Goͤtter ehre zieren Und heilig halten solt: O armer stoͤltzeling! D er sich in seinem sinn solch unerhoͤrte ding Und thorheit nahme fuͤr: Der sturm und donnerkrachẽ Auff einer kupffern bruͤck mit wagen nach-wolt-machen/ D as unnaehthunlich ist: Allein der Jupiter Der grosse Gott/ der thun kan uͤberschwenglich mehr/ Warff einen scharffen keil von wolcken auff ihn nieder/ Daß er zu boden fiel/ und nicht vermochte wieder Zustehen auff: Er warff nicht fackeln nur herab Noch kienholtz/ das nur rauch und dicke duͤnste gab. Man sah auch Tityum mit unterm hauffen gehen/ Der milden erden sohn/ des leib man kunte sehen Neun huffen landes lang/ wie er gestrecket lag; Da kam der grimme geyr/ der legt ihm an viel plag ; In dem er grausamlich den krummen schnabel stackte In seine leber ein/ und auf dieselbe hackte Gantz unablaͤßiglich/ er senckte tieff sich ein In seine brust/ und ließ ihn nimmer ruhig seyn. Die leber/ eingeweyd und hertz/ das er zerpicket/ Waͤchst jmmer wiederumb und bleibet unzerstuͤcket/ Der schmertz ist immer neu/ und an desselben leid Sucht der ergrimmte Geyr stets seine kost und weyd. Was sol ich Ixion und Pirithoen melden/ Wie auch die Lapither die sonst beruͤhmten helden/ D och wie dieselbten sich durch grimmen mord und streit Hernach beflecketen und uͤbten grausamkeit; T 5 So Das Sechste Buch. So haͤngt/ schau ! uͤber sie ein schweꝛeꝛ stein; man meinet/ E r werde fallen itzt/ wie er nicht anders scheinet: E s funckeln bett und tisch von klarem gold gemacht/ Die essen stehn allda mit koͤniglicher pracht; Darbey ligt aber auch die groͤste wuͤterinne Tisiphone/ die wehrt/ daß keiner was gewinne Von speisen/ stehet auf/ und reckt die fackel fuͤr/ Flucht greulich/ schaͤrffet mehr und mehr die hungeꝛs gieꝛ. Hier sind die jenigen/ die unter sich als bruͤder E inander waren stets gehaͤßig und zuwieder/ So lang sie lebeten/ und die an eltern sich Mit schlagen/ mord und raub vergriffen grimmiglich. Man sah an diesem ort die jenigen nicht minder/ D ie mit betrug und list beruͤckt die schirmes kinder. Die aber ihren sinn und sorgen vollen muth Geleget hatten nur auf ihr erworbnes gut/ Und die den ihrigen gelassen nichts dahinden/ D ergleichen leute sind in grosser zahl zu finden/ Auch die in ehebruch ergriffen kamen uͤmm/ Und die gezogen nach dem krieg mit rohem grimm/ Die warten auff die straff/ die ihnen ist gedreuet/ Dafuͤr sie hatten sich in wenigsten gescheuet/ Und sticken eingesperrt. Wilst du berichtet seyn/ Was jeder leiden muß fuͤr straffe noth und pein ? Es waltzen manch hinauf ein rundes felssen-stuͤcke/ Und wenns koͤmmt auff den berg/ da faͤllet es zuruͤcke: Dis waͤhret immer zu: E in andrer wird ans rad Gebunden/ laͤufft herumb/ und keine ruhe hat; E s Das Sechste Buch. Es sitzet Theseus da/ und wird wol ewig sitzen Der ungluͤckhaffte mann/ der in der hoͤlle schwitzen Und nimmer sterben muß/ wie auch der Phlegyas/ Der maͤuniglich vermahnt und schreyt ohn unterlaß Mit uͤberlauter stimm: Ihr menschen/ denckt zu lieben Gerechtigkeit und treu und gutes thun zu uͤben: Denn wer die Goͤtter hat belegt mit schimpff und hohn/ D er muß ergrimmte rach empfahn zu seinen lohn. D er hat sein vaterland umb schnoͤdes gold gegeben Und einen wuͤterich gesetzet uͤber leben Und gut der buͤrgerschafft; Er hat gesetz umb geld Gemacht/ und wiederumb dieselben abgestellt/ E in ander ist mit lust an seine tochter kommen/ Und hat sie ihm zur ehe verbottner weis genommen: Sie haben alle sampt erschrecklich thun geuͤbt/ Und ihre lust an dem gebuͤst/ was sie geliebt/ Haͤtt hundert zungen ich/ und hundert starcke kehlen/ E in eysenfeste stimm; E s wuͤrde mir doch fehlen Die missethaten zu erzehlen allesampt Und straffen derer/ die zur hoͤlle sind verdammt. Als nun die alte nonn des Febus diß gesaget; Wolan! (sprach ferner sie) im fall es dir behaget/ So gehe fort/ und gib der frau Proserpinen Den guͤldnen zweig/ damit du sicher moͤgest gehn. Ich seh die mauren schon von riesen aufgebauet/ Wie auch die thoren/ die man gegen uͤberschauet/ Gar kostbarlich gewoͤlbt/ wo man die schoͤne gab Und gold-belaubten zweig sol wieder legen ab. Mit Das Sechste Buch. Mit diesem gehen sie zugleich durch finstre wege Und eilen mitten durch auff fuͤrgenomne stege/ Und nahen zu der thuͤr. Eneas nimmet ein Den eingang/ laͤsset sich drauff angelegen seyn Zu spruͤtzen auf den leib die frische brunnen quelle/ Dann hefftet er den zweig hoch an die oberschwelle. Als dieses nun verbracht/ und der Proserpinen Der zweig gelieffert ein/ gestalt es war vorsehn/ Da kommen sie ins land/ das voller freude schwebet/ Da wo der selgen schaar in gruͤnen waͤldern lebet Mit stets beliebter lust/ mit unbetruͤbter ruh/ Da sie in freud und wonn ihr leben bringen zu. Hier legt sich guͤtiger der himmel auf die felder/ und schmuͤckt mit schoͤnem licht die laub-begruͤntẽ waͤlder Hier laͤsset Titans schild erblicken seinen schein/ Hier sieht man ziehen auf das heer der sternelein. Theils haben ihre lust mit tantzen und mit springen Auff schoͤn begruͤntem plan/ theils in dem sande ringen Und treiben spiel und schertz; Theil stimmen lieder an/ D ie nemblich Orpheus schoͤn auff seiner harpffe kan/ Die sieben seiten hat. D erselbe kam gegangen In einem langen kleid und kunte zierlich prangen/ Schlug bald mit fingern drauf/ bald helffenbeinern kiel/ Und trieb mit aller lust das suͤsse harpffen spiel. Hier ließ sich Teucer auch der aͤltste stammherr sehen Des Troischen geschlechts: Man sah die helden stehen In schoͤner reyhe her/ die weit bey bessrer zeit Gebohren und gelebt in gluck und froͤligkeit. Da Das Sechste Buch. Da war der Ilus und Assaracus zu schauen/ Wie auch der D ardanus/ der Troens stamm zu bauen Der erste stiffter war: Er steht und wundert sich/ D aß ihr gewehr und zeug so liget schnoͤdiglich/ Und daß die wagen da ohn streitern ledig stehen Die spiesse sticken da/ man kan die pferde sehen/ Wie sie gantz bloß und loß zu weyden gehn im graß; Denn die begier/ die man gehabt ohn unterlaß Zum waffen/ roß und zeug/ da man noch war im leben/ Scheint nach dem tode stets den seelen an zukleben. Auf beyden seiten sieht er sitzen in dem graß/ Viel andre/ da fuͤr sich ein jeder tranck und aß/ Und dem Apollo sang ein liedelein zu ehren In gruͤnem Lorberwald/ da lieb und lust sich nehren Von edelem geruch/ da wo der grosse fluß Eridan fleust herab in wald mit strengem guß: Hier war das volck/ das fuͤr das vaterland gestritten/ Und fuͤr dasselbige viel wunden hatt gelitten; Es war auch da zu sehn der keuschen priester schaar/ So lang ein jeder noch in seinem leben war: Wie anch der tichter zunfft/ und die dem Gott zu ehren Apollo hatten sich gar trefflich lassen hoͤren; Auch die durch lehr und kunst mit steter embsigkeit Gefuͤhrt und zugebracht die kurtze lebenszeit ; Und endlich/ welche viel durch wolthat ihnen haben Verpflichtet also fest/ daß sie derselben gaben Gedencken fuͤr und fuͤr. Den allen wird zum preiß Gesetzet auff das haupt/ ein haub/ als schnee/ so weiß: Als Das Sechste Buch. Als sie nun stunden da in einem weiten kreyse/ Da hub Sibylla an und redt auf solche weise; Fuͤr allen siehet sie mit wundrung und begier Musaeum/ welcher gieng an schoͤner laͤng herfuͤr Und mittẽ stund im volck. Sagt mir doch ohn verheelen/ Die ihr zu gegen seyd allhier/ ihr selgen seelen/ Und du/ o werther mann/ und trefflicher poet/ Wo ist die gegend doch/ wo ist der ort und stett/ D a sich Anchises haͤlt? Wir sind anher gekommen Und seinetwegen durch den hellen-fluß geschwommen: Derselben gab der held mit kurtzem so bericht: Es hat kein einiger gewisse wohnung nicht/ Wir wohnen allesampt in schattenreichen waͤldern An ufern/ wiesen und in blumgemahlten feldern. Steigt (so es anders euch beliebt) den huͤgel an/ So wil ich fuͤhren leicht euch auff die rechte bahn Drauffgieng er vor sie her und zeigt die schoͤnen felder/ D er bunten wiesen schmuck/ die matten und die waͤlder/ Hernach verlassen sie des hohen huͤgels zinn: Anchises geht und sicht mit gnauem fleiß und sinn D ie in dem gruͤnem thal fest eingeschlossne schaaren D er seelen/ welche sehr des liechts begierig waren/ Und wolten gerne gehn in lichten Goͤtter saal/ Er uͤberleget da der seinen gantze zahl Und lieben nachkoͤmling/ und fleißiglich betrachtet Der leute gluͤck und stand/ auff ihre sitten achtet Und strenge tapfferkeit/ Als er zu ihm heran E neen kommen sieht auff dem begruͤnten plan/ Da Das Sechste Buch. Da hebt er beyde haͤnd empor mit frohen sinnen/ Und laͤsset mildiglich die feuchten zaͤhren rinnen Und bricht in diese wort: So bist du endlich dann/ O viel geliebter sohn/ zu uns gekommen an; Und deine lieb und treu/ zu der ich mich vorsehen Als vater habe stets/ hat alles uͤberstehen Was muͤhsam ist/ vermocht: Kein sturm/ kein ungeluͤck/ Noch einige gefahr hat deinen fuß zuruͤck Gezogen: Ich kan nun mein hertze wieder laben An deinem augenschein und meine freude haben An unserem gespraͤch: So stunde mir mein sinn/ Daß ich gerichtet war auff die gedancken hin/ D u wuͤrdest kommen noch: Ich zehlte zeit und stunden/ Und gleichwol hab ich mich gar nicht betrogen funden In meiner sorg und wahn. Durch was fuͤr land und meer Vernehm ich/ o mein sohn/ daß du bist mit beschwer Getrieben hin und her? Was furcht hab ich getragen/ Du moͤchtst durch Libyen dich mit grossem schadẽ wagẽ? Eneas saget drauff: Dein schatten/ vater/ der Bey nacht mir offt kam fuͤr und sah betruͤbet sehr/ Hat mich genoͤthiget an diesen ort zu kommen/ Mein schiffzeug aber bleibt im meer mir unbenommen O vater/ reiche mir doch deine liebeshand Und laß uͤmfangen dich. Nimm an diß treue pfand/ Entzeuch dich meiner nicht. Darauff ließ er viel thraͤnen Von wangen fliessen ab mit liebes vollem sehnen: Er wolte dreymal ihn umbfangen ; Doch umbsonst/ Dieweil sein geist floh weg/ wie eine leichte dunst. Da Das Sechste Buch. Da wird er eines walds im thal immittelst innen/ Und siehet Lethe bach mit lindem sausen rinnen; Umb diesen schwebete ein ungezehlte schaar/ Da es nicht anders als auff bunten wiesen war/ D a wo die bienlein sich in schoͤnem fruͤhling setzen Auf manchen blumen zweyg und ihren muth ergetzen/ Da sie mit grosser schaar uͤmm weisse lilien Sich schwingen/ daß man hoͤrt durch weite felder gehn D as summende geraͤusch: Eneas/ da ers nimmet Genau in augenschein/ erstaunt und ihn ankoͤmmet E in ploͤtzlich schrecken/ fragt die ursach/ weil er nicht Von einem jemahls des genommen ein bericht/ Was diß sey fuͤr ein fluß/ und welche diese menge Der leute/ die sich so mit haͤuffigem gedraͤnge Ans ufer legten hin? Drauff hub Anchises an ; Die seelen (saget er) die du siehst auff dem plan/ D ie nach der Goͤtter schluß/ verordnung und befehlen Mit andern leibern sich vereinen und vermaͤhlen/ D ie ligen hin und her an Lethe bach zerstreut Und trincken unbesorgt des leids vergessenheit ; D ieselben wil ich dir fuͤr augen klaͤrlich zeigen Und geben unterricht des/ was sich hier eraͤugen Zu deinem frommen kan/ damit du desto mehr Dich freuest/ denn du hast nach vielerley beschwer Gefunden Latien. O vater/ sol man meinen/ Daß in der vorgen welt die seelen sich vereinen Mit leibern wiederumb/ als der so schweren bruͤd? Was treibt die armen doch fuͤr grimmige begierd? Diß Das Sechste Buch. Diß alles wil ich dir/ mein sohn/ geziemter massen Erzehlen und dich nicht in zweiffel sticken lassen ; Drauff faͤngt Anchises an und meldet nach der reyh/ Wie diese gantze welt von Gott geschaffen sey. Anfaͤnglich ist ein geist im himmel/ erd und meere Und in des mondes kreyß und sonn und strenen heere/ Der alles nehrt und traͤgt/ und durch die gantze welt Ergeust sich diese krafft/ die alls geschoͤpff beseelt/ Und wil vermischet seyn mit diesem grossen runde/ Daher der mensch/ das vieh und voͤgel art entstunde/ Wie auch das schuppen heer/ das in dem meere schwebt/ Sie haben seel und krafft/ dadurch ein jedes lebt; Ohn das die leiber sie und irrdische gelieder Durch abgelebte zeit und kranckheit druͤcken nieder/ D eßwegen fuͤhlen sie furcht/ hoffnung/ freud und leid/ Und koͤnnen sehen nicht der warheit lauterkeit. Weil sie verschlossen sind in finstrer leibes hoͤhle; Ja wenn in letztem zug der leib wird von der seele Verlassen/ laͤst doch nicht der angeklebte wust Gantz von der seele loß noch alle boͤse lust. E s muß viel unrath noch/ den niemand kunt vertreiben/ D er sehr veraltet ist/ dahinden endlich bleiben ; Derhalben werden sie geuͤbt durch straff und zucht; Dadurch sie kommen loß von aller boͤsen sucht. Es werden etliche an freye lufft gehencket/ Und etlich in dem grund des tieffen meers gesencket/ D a aller suͤnden schlamm wird gleichsam abgespuͤhlt/ Und nicht mehr ungemach die arme seele fuͤhlt. U Ein Das Sechste Buch. E in andrer wird vom feur gebrennet und gefeget/ Ein jeder findet/ was ihn schmertzet/ aͤngstet/ reget Und voller unruh macht. Hernach dann werden wir Gelassen in die Aw/ die voller lust und zier ; Jedoch sind wenig/ die in solche schoͤne felder Gelassen werden ein/ und in die freuden-waͤlder/ Auch unser wenige besitzen dieses feld/ Darinne lauter lust und wonne sich euthaͤlt. So lange bis die zeit von Gott gesetzt gekommen/ Und allen unflat hat den seelen abgenommen Und uͤbrig blieben ist der himmelreine sinn/ Der schlecht und bloß gericht zu seinen uhrsprung hin. Weñ nun in solchem stand sind tausend jahr verlauffen/ So fodert sie Gott ab zum Lethe bach mit hauffen/ Daß sie uneingedenck sich sehnen wiederumb Hin in die vorge welt und altes eigenthumb Und schoͤpffen wieder lust in vorgen leib zu kehren. Als nun Anchises sich so hatte lassen hoͤren/ Nimmt er den sohn mit sich/ wie auch die priesterin Und fuͤhrt sie durch die schaar der seelen mitten hin/ Da groß geraͤusche war/ Geplerr und lautes schreyen/ Steigt einen huͤgel an/ daß er durch alle reyhen/ Wie sie stehn/ koͤnne sehn/ und wisse/ wer der sey/ Der etwan hier und dort geht weg/ und koͤmmt herbey. Wolan ! (sagt er) nun wil ich kuͤrtzlich dir erzehlen/ Wie das Trojaner volck/ die außerlessnen seelen/ Wird hoch beruͤhmet seyn/ und was nach Gottes recht Von Welschem volcke wird entstehn fuͤr ein geschlecht/ Das Das Sechste Buch. Das unsern namen wird mit grossem ruhm vermehren; Ich wil hiernebenst auch dich deines gluͤcks belehren. Schau ! jener juͤngeling/ den du siehst gehen dort An einer stang/ hat in dem wald den ersten ort Durchs looß/ und wird zu erst ins leben wieder kom̃en/ Der von dem Welschẽ stam̃ sein ankunfft hat genom̃en; E r heisset Sylvius/ dein nach gebornes kind/ Von dem der nahm und volck Albaner kommen sind ; D en wird dir dein gemahl Lavinia gebehren/ Wenn dich das alter wird tieff kruͤmmen und verzehren Nach lang verwichner zeit/ und wird ihn in dem wald Als koͤnig aufferziehn/ der auch wird wieder alt Und zeuͤgen Koͤnige; Dann werden wir regieren In Alben grosser stadt und gleichen scepter fuͤhren ; Dem folget Procas nach der Troer glantz und zier/ D er Capys/ Numitor/ und welcher gleichet dir Am namen Sylvius Eneas/ auch an tugend Und tapffrer streitbarkeit in seiner zarten jugend Fuͤrtrefflich und geschickt: Wenn er erwehnte stadt Beherrschen solte noch mit weisem sinn und rath. Schau diese juͤngling an; Was zeigen sie fuͤr staͤrcke? Was werden sie thun dar fuͤr edle tugendwercke? Sie tragen einen krantz von eichenlaub zur zier/ Weil sie die buͤrgerschafft beschuͤtzet fuͤr und fuͤr. Dieselbe werden dir viel schoͤne staͤdte bauen/ D ie du wirst praͤchtiglich auff hohen bergen schauen; Da ist Noment/ Fiden/ da Gabien und dann Collatien/ das hoch steht auff der ehrenbahn/ U 2 So Das Sechste Buch. So die gelobte frau Lucretia bereitet Und bis ans ende hat mit tapffrer zucht beschreitet: Sie werden uͤber das Inus/ Pomerien Und Bolam und Coram zu bauen lassen gehn Viel grosse kosten auff: So wird man sie dann nennen: Nun aber sind sie noch ohn namen zu erkennen Und wuͤste felder nur. E s wird der tapffre held D er Romulus/ den man kennt durch die gantze welt/ Den mutter Ilia von Troischem gebluͤte Gebehren wird/ beruͤhmt an thaten und gemuͤthe Zum anherrn Numitor sich schlagen ins geleit ; Schau! wie er zweene puͤsch in voller zierligkeit Auff seinen helme traͤgt. Sein vatet wil ihn heben Itzt schon in sternen thron und ihm die Gottheit geben. Schau/ sohn/ durch Romulus behertzten muth und rath Wlrd sich das grosse Rom/ die weit beruͤhmte stadt/ Erstrecken bis ans end der ungepfaͤhten erden/ Und wird die tugend dann der Roͤmer kundbar werden/ Und wird mit einer maur die stadt uͤmgeben sich/ Die sieben huͤgel hat und liget praͤchtiglich/ Und schauen ihr geluͤck an dieser schoͤnen jugend/ An solcher herrligkeit und unerschrocknen tugend/ Die mit der mutter sich der Cybele vergleicht/ Die praͤchtig einher faͤhrt und an die thuͤrne reicht/ E rhaben unb gekroͤnt/ hoch herrlich anzuschauen In Phrygischem gebiet von maͤnnern und von frauen Erfreuet durch geburt der Goͤtter/ und uͤmfaͤngt Viel hundert enckelein/ die allesampt vermengt Sind Das Sechste Buch. Sind mit den himmlischen/ die nach dem kurtzen leben In hoher sternenburg in suͤssen freuden schweben. Kehr dein gesicht hieher und siehe das geschlecht Und deine Roͤmer an: Hier stehet schlecht und recht ; Der Keyser und der stamm der von Juͤl wird kommen/ Und in des Jovis thron wird werden auffgenommen: D as ist der man August/ der Keyser/ welcher koͤmmt Von grossen Goͤttern her und dar sein ankunfft nimmt. Der wird in Latien die guͤldne frieden-zeiten Auffs neue fuͤhren ein nnd stillen krieg und streiten Im lande/ da zuvor Saturnus hat regiert/ Und wird das regiment/ das er gar loͤblich fuͤhrt/ E rstrrecken in die fern weit uͤber Garamanten Und Indien: Es ligt ein land/ das von bekandten Sehr weit entlegen ist/ fast ausser der revier Des jahres und der sonn/ wo atlas kuckt herfuͤr/ Der auff den schultern traͤg das firmament und sterne/ Und seinen umbfang kan erstrecken in die ferne. D ie Perser zittern schon/ daß Keyser August koͤmmt/ Wie maͤnniglich den spruch der goͤtter klar vernimmt. Auch Scythien erbebt/ und Nilus selbst erschricket/ Das gantz Egyptenland in trauernoͤthen sticket/ Wenns den Augustum sieht/ den wunder-grossen held/ Der unter sein gebiet wird zwingen alle welt. Es ist auch Hercul nicht so weit herumb gezogen/ Ob er gleich hat erlegt mit seinem pfeil und bogen Den schnellgefuͤssten hirsch/ wie auch das wilde schwein In E rymanthen wald: Ja was noch mehr mag seyn/ U 3 Die Das Sechste Buch. D ie schlang in Lerna pfuhl geschrecket und erstochen: E s ist auch Bacchus nicht so weit herumb gekrochen/ Der weit und breit herumb auff seinem wagen faͤhrt/ Und wie man pflantzen sol den wein/ die leute lehrt/ Auch schnelle Tyger treibt von Nisens wuͤsten hoͤhen Und koͤnnen wir annoch in schnoͤdem zweifel stehen/ Ob man sol auff dem pfad der tugend gehn herein? Sol oder kan der fuͤrst so starck und maͤchtig seyn/ Daß sie von Latien dich wollen koͤnnen beugen? Schau aber/ wer ist der/ der dort mit oͤhlezweigen Gekroͤnt das heilge traͤgt? Ich kenn ihn an dem haar Und grauen bart/ daß er der Numa sey fuͤtwahr/ Der erst Rom bringen wird durch satzungen zum stande/ Der in ein grosses reich aus einem andern lande Und Cures kleiner stadt geschicket worden ist/ An dessen stelle wird mit grosser macht und list D er Tullus kommen an/ der wird des landes friede Und ruhe kehren uͤmm/ und sein volck/ das fast muͤde Und traͤg zum waffen ist/ zum kriege reitzen an/ D as fast entwehnet ist/ und nicht mehr stegen kan. Auff diesen koͤmmt hernach der Ancus groß von ruͤhmen Und hochgesinnter pracht mehr als ihm kunte ziemen/ D er nunmehr auch zu sehr dem poͤbel haͤnget an/ Und dessen eitler Gunst und rauchs sich freuen kan. Wilst du die koͤnige Tarqvinios auch sehen/ Und wies der stoltzen seel des Bruti mag ergehen/ der unter schnoͤdem schein der sreyheit nam das schwerdt/ Und wolte schuͤtzen so gesetz/ altar und herd? Be- Das Sechste Buch Begehrst du auch zu sehn die Buͤrgermeister wuͤrde/ Die er hat wiederumb erlangt mit schwerer buͤrde? Das buͤrgermeister ampt wird dieser erst empfahn/ Wie auch das grimme beil und ruthen nehmen an. E r wird die Kinder auch der nngluͤckhaffte vater/ Der fuͤr die freyheit ist ein allzuscharffer rather/ Zur steaffe ziehen her/ weil sie den frieden-stand Durch neuen krieg und streit verkehrt und uͤmbgewand. Die nach-geborne welt mag/ was sie wil/ nur sagen Und diese strenge that verkleinerlich außtragen; Die liebe/ die er traͤgt zum vaterlande/ siegt/ Wie auch die grosse brunst des lobes ihn vergnuͤgt. Schau auch die D ecier und dort die Drusen stehen/ D esgleichen den Torquat/ der grimmig au zu sehen Des Fallbeils halben ist. Camill/ der aus der schlacht Sein tapffres kriegesvolck ohn schaden hat gebracht/ Ist auch zu finden da: Die aber herrlich ziehen In gleicher ruͤstung her/ und die man siehet bluͤhen In gutem friede nun/ weil sie die nacht noch haͤlt An diesem ort/ und noch nicht sind in jener welt; Wie werden leider! sie einander uͤberziehen Mit gantzer heeresmacht und eiffrig sich bemuͤhen Den andern leid zu thun; Wenn dieser wald und feld Sie von sich lassen wird ins leben jener welt. was schlachtẽ werdẽ sie veruͤbẽ/ was fuͤr wuͤrgẽ? Jul. Cæs. der schwaͤher koͤm̃t herab von Alpischen gebirgẽ Und aus Ligurien: Der Eydam faͤhret her Pompeins Aus Asien und stellt sich wieder ihn zur wehr. U 4 Ach Das Sechste Buch. Ach/ kinder/ stehet ab von buͤrgerlichen waffen/ Und dencket fried und ruh mit gantzem ernst zuschaffen: Stosst nicht selbst euer schwerd in euer eingeweyd/ Und macht euch selber nicht beschwer und hertzeleid. Du erster/ schone doch selbst deiner/ der du fuͤhrest Vom himmel dein geschlecht/ verschaffe/ daß du zierest Noch schoͤner deinen ruhm der guͤt und mildigkeit/ Leg nur die waffen hin und meide krieg und streit/ Schau! dort steht Mum̃ius/ der wird Corinth bekriegẽ/ Und uͤber diese stadt mit grossem ansehn siegen/ Und wird sich machen groß durch außgetilgte macht/ Der Griechẽ/ und nach Rom ziehn mit beruͤhmter pracht. die haupstadt Argos wird der Roͤmer Paulus schleiffen Auch Agamemnons stadt Mycenen starck angreiffen ! Und gaͤntzlich tilgen aus auch Pyrrhen greiffen an/ Achillens tapffern sohn/ und schlagen von dem plan. D a er sein Ahnen wird nicht lassen ungerochen/ Weil er sich noch besinnt/ wie glaub und treu gebrochen Von tollen Griechen war/ die der Minerven bild Und tempel haben durch und durch mit blut erfuͤllt. Wer sol von deinem lob/ o grosser Cato/ schweigen? Wer sol/ o Cosse/ nicht dein hohe thaten zeigen? Wer kan des Gracchi stamm/ das paar Seipiaden D ie tapffern helden wol stillschweigend uͤbergehn? D ie maͤchtiglich zerstoͤrt die stadt Carthago haben; Wer kan Fabritium und dessen hohe gaben Zu melden tragen scheu/ der ohne glantz und pracht Bey schlechtem haab und gut sein anschn groß gemacht? Wer Das Sechste Buch. Wer mag/ Serrane/ nicht gedencken deiner tugend/ Der du zwar hast bestellt vom aufang deiner jugend D en pflug und ackerwerck/ doch von der gantzen stadt D er herrscherin der welt gezogen bist in rath? Wo ziehet ihr mich hin/ der ich bin matt und muͤde/ Ihr edlen Fabier? Du/ grosser/ hast uns friede Geschaffet wiederumb. Du bist der einge man/ Der durch verzuͤgerung alls wiederbringen kan. Es werden andere die kunst in ertz zugraben Außuͤben artiglich und die gemuͤther laben ; E s werden ander auch in blanckem Marmorstein Gestalten mancher art lebhafftig hauen ein. Es werden finden sich/ die schoͤn von krieg und vheden Von recht und billigkeit und wolstand koͤnnen reden/ Auch die des himmelslauff und sternenkunst verstehn/ Wenn diß und jens gestirn pflegt auff und ab-zu-gehn. D u aber/ Roͤmer/ denck die voͤlcker zu regieren (Diß sol seyn deine kunst/ die dich wird schoͤner zieren) Und halte steiff darob/ daß friede geh in schwang Und fuͤhre maͤnniglich sein thun ohn zwang und drang ; Die dir gehorsam sind und willig sich ergeben/ Die sol du guͤtiglich erhalten bey dem leben; D ie aber stoltzes muths sich sperren wieder dich/ Mit denen magst du wol verfahren strengiglich. So sagt Anchises zwar; Und da sie diese sachen Erzehlter massen sich groß wunder liessen machen/ Setzt er noch dis hinzu. Sich doch und nimm in acht/ Wie der Marcell zeucht her mit herrlich grosser pracht U 5 Und Das Sechste Buch. Und schoͤnem raub/ den er dem feind hat abgejaget/ Schau! als ein siegesherr er uͤber alle raget Und gehet ihnen vor an staͤrcke ruhm und ehr; Der wird mit seinem zeug und roß der Poener heer Und freveln Gallier/ die immer wider streiten/ E rlegen ritterlich/ und seinen namen breiten Auf gantzem weltkreyß aus: Wird Rom sein vaterland Versetzen wiederumb in alten friedenstand/ Und endlich Romulo dem vater zum exempel/ Auffhengen allen raub zum dritteumal im tempel. Drauff sagt E neas (denn er sah/ daß neben her Ein schoͤner juͤngeling mit blanckem zeug und wehr Gleng/ doch mit truͤber stirn und traurigen geberden/ Und der sein angesicht schlug immer zu der erden) O vater/ wer ist der/ der bey dem mann geht her/ Der so gewapnet ist und scheinet traurig sehr? vielleicht mags seyn sein sohn? Ists einer von nachkom̃en/ Die von dem grossen stamm ihr ankunfft her genom̃en? Was jauchtzendes geraͤusch erhebt sich beym geleit? Wie koͤmmt er ihm so bey/ mit was fuͤr aͤhnligkeit? D och aber ist sein haupt mit schwartzer nacht uͤmgeben/ Und scheint in kuͤmmernuͤß und traurigkeit zuschweben. Drauff fieng der vater an und liesse mildiglich Die zehren fliessen ab: O sohn/ bekuͤmmre dich Mit nichten uͤmb dem gram und traurigkeit der deinen/ Darob ich selber muß mit bitterm schmertzen weinen. Gott wird den juͤngeling nur zeigen dieser welt Und laͤnger goͤnnen nicht. Wenn laͤnger dieser held Haͤtt Das Sechste Buch. Haͤtt sollen seyn alhier/ so wuͤrde Rom euch deuchten/ Ihr Goͤtter/ gar zu groß und in die augen leuchten. Mit was fuͤr seufftzen wird das voͤlcklein von dem feld Bis in des Martis stadt begleiten diesen held? Was wirst du/ Tyberstrom/ fuͤr eine leiche sehen? Wie wirst du gantz bestuͤrtzt mit deinen fluten stehen/ Wenn du wirst fliessen hin bey dem noch neuen grab? E s wird von Troer volck auch nicht ein einger knab Den Roͤmschen eltern so beruͤhmte hoffnung bringen/ Noch so nach ehr und ruhm mit vollem eyffer ringen/ Es wird sich Rom auch nicht erheben koͤnnen so/ Noch eines saͤugelings inkuͤnfftig werden froh. Die froͤmmigkeit ist hin/ die alte treu und tugend/ D ie er erwiese bald in seiner zarten jugend Mit unverzagtem muth und tapffrer kriegeshand: Es dorffte keiner ihm thun kuͤhnlich widerstand Ohn stoͤssen/ beydes wenn er sich zu fusse schluge/ Und wenn er sich zu roß gebrauchen ließ im zuge. O armer juͤngeling/ wenn du des todes netz D och koͤntest reissen durch und brechen das gesetz Der fruͤhen sterbens noth? Du bist Marcell geheissen/ Der du der tugend dich wirst aͤmbstglich befleissen. Gebt lilgenblumen her und rosen/ die ich streu Auff meines enckels grab/ des geist gezieret sey Mit solcherley geschenck ; Doch ist der dienst vergebens! Dieweil er nicht mehr hat empfindnuͤß seines lebens. So strichen sie heruͤmm in feldern weit und breit Und sahen alles durch mit gnauer mercksamkeit. Nach Das Sechste Buch. Nach dem Anchises nun fuͤr augen alles zeigte Eneen seinem sohn/ uud ihm das hertze neigte Durch treu auffmunterung zur schoͤnen lob-begier/ Und wie er kuͤnfftig sol erlangen ruhm und zier/ Erzehlt er ihm hernach von schlachten/ streit und kriegen/ Und wie er seinen muth in manchen schweren zuͤgen Erzeigen muͤste keck: Er lehret ihn zugleich/ Wie es beschaffen sey mit dem Latiner reich/ Mit ihrem volck und stadt; Und was er muste meiden Fuͤr arbeit und gefahr/ und was er muͤste leiden. E s werden pforten hier des schlaffes zwo geschn/ Aus welchen pflegen stets die traͤum herfuͤr zugehn: Ein ist von klarem horn/ aus welcher traͤume kommen/ Die man mit warheits grund hat eigentlich vernom̃en; D ie ander ist gantz weiß von Elephanten zahn/ Draus kom̃en falsche traͤum erfuͤllt mit trug und wahn. Nach dem Anchises nun den sohn und die Sibylle Mit solcherley gespraͤch begleitet in der stille/ Und durch die andre pfort laͤßt wieder von sich ziehn/ Nimmt er stracks seinen weg zum meer und schiffen hin/ Besuchet seine pursch: Darauff er sich verfuͤget Zum haven Cajeta/ der gleich am ufer liget. Man wirfft das ancker ein/ die schiffe bleiben stehn/ Und wil Eneas nicht auff dißmal weiter gehn. Das Siebende Buch. D u hast auch unserm port/ als du gabst auf das lebẽ/ Cajeta/ Troens amm ein ewig denckmal geben Und Das Siebende Buch. Und in beruff gebracht. Nun aber ruhet hier An diesen ort dein lob und schoͤne namenszier. Und diese staͤte/ da in Welschland dein gebeine Ligt (so es ist ein ruhm/ inmassen ich vermeine) Hat ihren namen nun von deines namenszier/ Der wird ihr unverruͤckt verbleiben fuͤr und fuͤr. Der fromm E neas nun nach dem er aller massen/ Wie es gebraͤublich ist/ die amme hatte lassen Begraben/ und das meer sich sanfft und stille trug/ Stoͤsst er von haven ab und nimmet seinen zug Mit vollem segel fort: Die linden luͤfftlein wehen Des nachts/ man siehet auch am hohen himmel stehen Den silberklaren mon/ der wil mit seinem schein Den fahrenden zu trost und huͤlffe dienlich seyn. Das meer glaͤntzt von dem liecht/ das im̃er schien zu bebẽ/ Man sah sie bey den berg Circeo itzund schweben/ Da wo die Circe sich laͤßt hoͤren in dem wald/ Der immer vom gesang mit liebligkeit erfchallt. Dahin sich keiner darff zu kommen unterwinden; Dieselbe reiche frau pflag Cedern anzuzuͤnden D es nachts in ihrer burg/ und webte/ das es schnurrt/ D a wird ein seufftzgeschrey und loͤwenzorn gehort. Die wehren sich mit macht die ketten anzunehmen/ Und wollen sich der frau nicht nach begehr bequemen/ Und bruͤllen grimmiglich bey wolcken-schwartzer nacht: D ie wildẽ schwein und baͤhr ergrimmen auch mit macht. D ie menschen heulten auch in woͤlffischen gestalten/ Die diese goͤttin kunt mit greulichen gewalten Und Das Siebende Buch. Und kraͤuter wunderkrafft verwandeln sichtbarlich. Daß nun das Troervolck nicht haͤtt zu furchten sich/ Noch dieses abendtheur ingleichen moͤchte leiden/ Da kommen sie an port/ damit sie moͤchten meiden D as ungelobte land. Neptun laͤßt guten wind Die segel treiben fort/ und schafft/ daß sie geschwind E ntkommen mit der flucht/ und fuͤhrt sie ab vom lande/ D as voller greuel war/ voll grausamkeit und schande. E s war von strahlen itzt das meer roth anzusehn/ D as guͤldne morgenroth begunt herfuͤr zugehn. Da regten sich nicht mehr die ungestuͤmmen winde/ Das wehen hoͤret auff und legte sich geschwinde: Man legt die ruder an/ und muͤhet sich mit fleiß Zu schneiden durch das meer/ das wunderbare eyß. Da sieht E neas gleich hier eine wildnuͤß ligen/ Die sich sehr weit/ wie ihn sein augen nicht betriegen/ E rstrecken in die fern: E ntzwischen diesen fleust D er strenge Tybersirom/ der sich ins meer ergeust Mit vielem gelben sand. E s flogen manche schaaren Der voͤgel/ die also am fluß gewohnet waren/ Bald umb/ bald oben her mit lieblichem gesang/ Davon der sternen-saal in hoher lufft erklang. E neas gibt befehl den andern mitgesellen/ Sie moͤchten ihre fahrt so wissen an zustellen/ Damit sie kehreten die schiffe hin ans land. D rauff faͤhrt er froͤliglich in schatten-reichen strand/ Und schlancken Tyburstrom. Wolan/ o Pierinne/ D u Goͤttin E rato/ erwecke meine sinne/ Der Das Siebende Buch. D er ich bin dein Poet: Ich wil itzt melden frey/ Was in dem Latien fuͤr zeit gewesen sey. Als dieser frembdeling Eneas erst ankame/ Mit seinem heer zu schiff und dieses land einname: Ich wil den anfang her erhohlen erster schlacht/ Und melden rohen streit und grosse krieges macht: Wie gegen ander sind mit wuͤten und mit morden Die Koͤnge grimmiglich zum krieg entzuͤndet worden/ Auch das Tyrrhensche volck/ und wie Italien Bezwungen worden ist das streiten anzugehn. Die mannigfaͤltigkeit der vorgeloffnen dinge Waͤchst unter haͤnden mir. D as werck ist nicht geringe/ Das ich itzt nehme fuͤr; E s ist viel wichtiger/ Als ich je außgefuͤhrt/ und laͤßt sich handeln schwer. Latinus koͤnig/ der nun alt und lebens muͤde/ Sein land und leute wol regiert in stillem friede/ Koͤmpt von den Faunus her/ und Marica/ wie man Aus alten schrifften des berichtet werden kan. Der Faunus aber ist von Picus hergekommen/ Und dieser hat von dir/ Saturnus/ hergenommen Sein ankunfft und geschlecht: Des erster stiffter/ du/ Dem das geschicke hat gegeben gnuͤg und ruh ; Doch aber keinen sohn und maͤnnlich leibes erben. Der erste gienge drauff mit fruͤhem tod und sterben. E in einge tochter nur erhielt diß hauß und reich/ D as auch den groͤssesten an herrligkeit war gleich. Als sie nun zeitig war den ehstand zubeschreiten/ Und daß ihr solte seyn geleget an die seiten E in Das Siebende Buch. E in lieber gatt und wirth/ kam aus Italien/ Viel junge mannschafft an ; Ein jeder wolte stehn Dem fraͤwelein zu dienst. E s warb fuͤr andern allen Der Turnus umb dieselb/ und ließ sie ihm gefallen/ War eines alten stamms/ kunt eine lange reyh Der Ahnen weisen auff/ war reich und keck darbey. Die koͤnigliche frau Amata wolte diesen Fuͤr ihren tochtermann mit grosser lieb erkiesen; Doch aber war es nicht von Goͤttern so vorsehn: Man sahe hier und da viel schrecklich ding geschehn. Es war ein Lorberbaum in schloßhoff mitten drinnen/ Des laub gewidmet war mit heiligem beginnen D er Pierimen Gott/ stund sicher fuͤr gefahr/ Und wurd in heilger furcht erhalten auff viel jahr. Man gabe fuͤr/ es haͤtt Latin/ als er ihn fande/ Und baut das erste schloß/ mit heilig-festem stande Gewidmet diesem Gott/ und fuͤrder dannenher D en burg- und ackersmann genennt Laurentier. Schau! abentheurlich ding hat sich hier zu getragen (das man nicht leichtlich kan ohn grosse wundrung sagẽ) Es koͤmpt ein dicker hauff der tollen bienelein Hoch aus der lufft/ und nimmt des baumes gipffel ein Mit hefftigem gebrumm: Sie wusten sich zu schlingen Gar dicht zu sammen ein/ und an den zweigen hiengen/ als dick-gehaͤuffter schwarm der priester fing stracks an: Es koͤmmet wie wir sehn/ zu uns ein frembder mann/ Und kriegsheer/ welches kommt vom selbten ort gezogen/ Woher das bienenheer man kommen sieht geflogen; Nimst Das Siebende Buch. Nimt gleichfalls seinen zug zum Lorberbaume hin Zu schwingen seine fahn auff Trojens burg und zinn/ Und zu regieren da. Zu diesem kan man sehen/ Als man Laviniam sieht bey dem vater stehen/ Da sie das reine feur zuͤnd auff dem altar an/ Wie eine flamme sie (erschrecklich ists gethan!) Ergreifft/ und zuͤndet an die Koͤnniglichen haare/ Verbrennt den zierath auch beim heiligen altare/ Daß man sie knistern hoͤrt ; Auch wird beruͤhrt davon Die mit viel edelstein versetzte Koͤnigskron. Darauff wird sie mit rauch und rothem glautz nmbgebẽ: Man sieht mit wuͤtigkeit das feuer sich erheben D en gantzẽ tempel durch. D as war ein schrecklich ding/ Das sich ließ sehen an/ und zwar nicht fuͤr gering. D enn der gemeine ruff/ erscholl/ es propheceyten Die weisen priester auch/ und wolten diß so deuten/ Sie wuͤrde werden groß an macht und herrligkeit ; doch stuͤnd dem volck auch vor ein grosser krieg und streit. Der Koͤnig aber/ der durch diese wundersachen Ihm anders kunte nichts/ als schweren unmuth machen/ Geht zu den Fauns hin/ als der sein vater war/ Auff daß er seinen spruch an heilgem ort erfahr/ Als der ein priester war. Laͤßt sich sein anbefohlen Zu gehen in den wald und alda rath zu hohlen Zu Albun/ welches war ein hoch- und schoͤner wald/ In dem ein heilger brunn mit stetem rieseln schallt/ Und ließ ein groß gestaͤnck von sich in duͤsiern luͤfften/ Das solches weit und breit kunt laub und graß vergifftẽ/ X Das Das Siebende Buch. Das Welsche volck und die Sabiner hohlen rath Daselbst/ wenn man in noth denselben noͤthig hat. Hieher nun brachte mit der priester seine gaben/ So viel er kunte nur von seiner herde haben ; Und in der stillen nacht legt er sich auff die fell Der abgeschlachten schaaff und schlieff an heilger stell. Da sieht er manchen traum vor seinen augen schweben Mit mancherley figur/ er hoͤrt viel stimmen eben ; E rfreut sich des gespraͤchs mit Goͤttern/ redet an D en Acheron/ zu dem er sich gesellen kan In tieffem hoͤllen pfuhl. Als hier nun gleicher massen Latin der vater wolt sich ins gespraͤch einlassen Und hohlen unterricht; Bracht er zum opffer auch Viel schaffe/ die er schlacht nach heilger sitt und brauch: Und als er legte sich auff dererselben felle/ Kam ploͤtzlich dieses wort aus innerm wald und hoͤlle: Laß deine tochter nicht mit einem Welschen mann/ Mein sohn/ begattet seyn; Du thust nicht wol daran/ Und traue Turno nicht/ der sie ihm wil verbinden; E s werden andre schon sich in der frembde finden/ Die werden kommen an mit uns gar nah verwand/ Und machen unser reich und namen weit bekand: Und die vom selben stamm entsprossne kindeskinder Noch werden unter sich/ als tapffre uͤberwinder/ Bezwingen alle reich zu wasser und zu land/ So weit das regiment der sonnen ist bekand. Dies antwort/ die Latin von seinem vater hoͤret In stiller nacht/ und sie/ als treu ermahnung/ ehret/ Haͤlt Das Siebende Buch. Haͤlt er nicht in geheim ; Besondern laͤsts geschehn/ Daß sie durch Welschland muͤß durch das geruͤchte gehn; Das diese newe maͤhr mit schnellem slug außstreuet; D a gleich im mittelst koͤmpt das Troerheer erfreuet/ Und binden an die schiff an gruͤnem meeres strand. Der fuͤrst E neas steigt mit seinem volck ans land. Er satzt sich unterm baum/ der dicken schatten gabe/ zu gleich die oberstẽ/ und dañ der * schoͤne knabe: * Ascanius Sie stellen an ihr mahl und sitzen in dem graß/ Die teller sind vom brod/ darauff ein jeder aß (Denn so wolts Jupiter der himmelskoͤnig haben) Die teller fuͤllen sie vom obst und feldes gaben: Als hier nun dieses mahl verzehret worden war/ Und daß der hunger nicht gestillet wurde gar/ D aß sie das teller brod auch musten noch benagen/ Und schieben mit begier in unerfuͤllten magen; Sieh da fieng an Jul: So stoͤsst uns an die noth Daß man muß essen auch das harte Teller brod? mehr spielt er nicht darzu. Diß woͤrtlein/ als mans hoͤrte/ Auch alle muͤh und noth zum gutem ende kehrte: D er vater nam es ihm stracks von dem munde zwar; Doch weil er war bestuͤrtzt von andacht/ schwieg er gar. Bald sagt er: Sey gegruͤst/ o landt/ das mir gehoͤret Von goͤttlichem geschick/ das mein sinn heilig ehret ! Und ihr haußgoͤtter seyd gegruͤsset tausendmahl// Die ihr mich habt geschuͤtzt getreulich uͤberall ! Diß hauß/ diß vaterland ist mir nun aubefohlen/ Mein vater hat mir das (ich wils nun wieder hohlen) X 2 Als Das Siebende Buch. Als ein geheimbtes gluͤck der Goͤtter kund gethan: Weñ dich/ mein sohn/ sagt er/ die hungers noth kompt an/ Nach dem du an ein land/ das du nicht kennst/ gefahren/ Und du nichts uͤbrig hast fuͤr deinem mund zu sparen/ Weil alles ist verzehrt/ bis auff das tellerbrod/ D as du must essen auff in grosser hungers noth/ Da denck ein eigen hauß zu hoffen noch im friede/ Wenn du nach vieler noth bist worden matt und muͤde/ D a baw dir eine burg mit unverdrossner hand/ Und foͤrdre selber du dein gluͤck und friedenstand. D iß war die hungersnoth/ die war uns noch bescheiden/ Und solte heben auff inkuͤnfftig alles leiden: Derhalben nur wolan! und saͤumet euch nur nicht Zuforschen aus den ort mit fruͤhem tageliecht; Was das fuͤr leute seyn/ und wo die staͤdte ligen D es volcks/ entgegen die wie ehstes sollen kriegen/ Und last uns hier und da aus streiffen von dem port/ Und uns erkundigen gelegenheit und ort. Nun aber lasset uns dem Jupiter zu ehren E in opffer bringen dar und diese schalen leeren/ Und rufft Aͤnchisen an den vater mit gebaͤt/ Und setzet auff den tisch den suͤssen wein/ und geht. Als er dis außgesagt/ satzt er von gruͤnen zweigen E in kraͤntzlein auff das haupt/ den Goͤttern zubezeigen Mit andacht sein gebaͤt: Dem geist der diesen ort Regieret/ gibt er ehr/ als seinem schutz und hort/ Dann rufft er an die erd/ die erste aller Goͤtter/ Die wassergoͤttinnen/ die fluͤsse/ nacht und wetter/ D ie Das Siebende Buch. D ie auffgegangne stern/ der Creter Jupiter/ Die mutter Cybelen und andre Goͤtter mehr Im him̃el/ meer und hoͤll: Hier laͤßt vom klarem him̃el Der grosse Jupiter vernehmen ein getuͤmmel Und starcken donnerknall/ zeigt von dem hohem sitz Des himmels eine wolck mit guͤldnem strahl und plitz/ und schwingt sie mit der hand: der ruf wird ausgestreuet Stracks in der Troer heer/ ein jeder wird erfreuet Bey ankunfft dieses tags/ an welchem man nach rath Und schluß der Goͤtter solt auch bawen eine stadt. Sie richten an ein mahl auff augenscheinlich zeichen Gantz eiffrig/ keiner wil an fleiß dem andern weichen/ Sie setzen becher auff/ und schencken sie vol wein/ Und zieren sie nach lust mit frischen kraͤntzen fein. E s war der andre tag dem erdenkreiß erschienen Mit goldgestrahltem liecht den sterblichen zu dienen/ Da ziehn sie einer hier der andre dort hinaus Zuforschen nach der stadt/ port/ graͤntzen/ hoff und hauß/ D er voͤlcker/ ihnen wird darauff bericht gegeben/ Daß an Numici fluß Latiner wohnhafft leben/ Ein schoͤn und streitbar volck/ das gleichfalls wohn herum In ungezehlter zahl dort bey dem Tyburstrom. Eneas ist bemuͤht aus jedem stand und wesen Einhundert an der zahl gesandten außzulesen/ D ie heist er ziehen hin zur koͤniglichen stadt/ Ein jeder einen zweig von Pallas oͤhlbaum hat. Er gibt geschencke mit den Koͤnig zu verchren/ Mit angehenckter bitt und freundlichem begehren/ X 3 Er Das Siebende Buch. E r wolle fried und bund mit ihnen gehen ein Den Troern/ und in ruh sie lassen bey ihm seyn/ Sie brechen eilend auff/ wie ihnen ist geheissen/ Und ziehen schleunig fort mit langen tagereisen. Er aber misset ab die mauren zu der stadt/ Und macht den ort zu recht/ den er ersehen hat. Gleich wie ein lager wird befestigt und verwahret; So laͤßt er keinen fleiß und arbeit seyn gesparet/ Daß er den ersten platz am ufer mache fest Mit thaͤm̃en/ wall/ pastey/ wie sichs laͤßt thun auffs best. Itzt hatten sie so weit die reise fortgenommen/ Da sie Latini burg in augenschein bekommen/ Sie ziehen bey der maur zum schloßthor ruͤstig ein; Die zarte jugend laͤßt sich angelegen seyn/ Zu spielen vor dem thor/ sie uͤben sich in reiten/ Infahren/ mit geschoß/ mit lauffen/ schlag- und streiten. Itzt schuellen sie den pfeil von krummen bogen ab/ Itzt jener zu dem kampff dem andern reitzung gab. Da reitet einer vor dem Koͤnig an zumelden D ie post/ es waͤhren angekommen tapffre helden Und leut in frembder tracht. E r laͤßt sie laden ein Ins koͤnigliche schloß und ihm wilkommen seyn. E r aber setzet sich im mitten auff dem saale Auff seiner Ahuen stul ohn uͤppigem geprale. Das schloß war schoͤn und groß recht koͤniglich und fest/ Mit hundert seulen hoch gestuͤcket auff das best. E s lag am hoͤchsten ort der stadt/ da auch vorzeiten Der Picus von Laurent hat wollen ihm bereiten Sein Das Siebende Buch. Sein koͤnigliches schloß: Sehr schreckliche gestalt Hat diese grosse burg von puͤschen heck und wald. Der eltern andacht auch gab ansehn ihm und ehre/ D en Koͤngen wurde hier verliehen macht und wehre Zum ersten regiment ; In dem sie durch das looß Empfingen recht und fug zu dieser burg und schloß/ Dis war ihr rathhauß/ kirch/ ihr sitz zum opffermahlẽ/ D ie sie die vaͤter hier verbrachten ohne pralen/ D a sie an einem tisch nur sassen fuͤr und fuͤr/ Und hatten abgeschlacht zu essen einen stier. E s stunden uͤber das der alten ahnen bilder Im eingang nach der reyh/ und ihre tugend schilder Auß Cedern holtz gemacht: Man kunt hiernebenst sehn Sabin den vater/ der war aus Italien/ Und der/ wie an dem bild war eigentlich zusehen/ Die krumme sichel hielt/ wie er wol kunt bestehen Mit seiner wintzerkunst/ die er den seinen lehrt/ Auch war Saturnus da/ den man als alten ehrt/ Wie auch das Janos bild/ das man zwey stirnicht keñet/ Und andre Koͤnige/ die man die eltsten nennet Die fuͤr das vaterland gelitten tapffre streich/ Als sie auch wol behertzt fuͤrs selbte kaͤmpffen gleich. E s hangen uͤber das viel waffen zeug und wehren An pfosten/ die man sol des ortes halben ehren/ Auch wagen/ die man hat gewonnen in der schlacht/ Nicht minder krumme beil und andre siegespracht; Als schoͤn gepuͤschte helm/ und schloͤsser starcker thoren/ Viel koͤcher/ bogen/ pseil/ und schantzen die verlohren X 4 Der Das Siebende Buch. Der fchiffherr hatt im streit. Er Picus als ein held/ D er manchem rosse hat sein rasen eingestellt/ Trug einen krummen stab/ wie Romulus gefuͤhret ; Und saß in einem stock vom purpur schoͤn gezieret; Zur lincken hand trug er gar elnen kurtzen schild/ Die Circe sein gemahl mit liebes brunst erfuͤllt Und eingenommen/ schlug mit einem guͤldnen stabe D enselben/ und hierauff ihm einen giffttrauck gabe/ Daß er verwandelt wurd durch ihren zaubergeist In einen bunten specht/ gestalt sein name heist. In solchen tempel nun der Goͤtter auff dem throne Des vaters saß Latin/ und trug auff seine krone/ Ließ die gesandten der Trojaner kommen fuͤr/ Und red sie erst so an mit freundlicher manier. Sagt an ihr Dardaner (den uns ist eur geschlechte Und stamm sehr wohl bekand/ wie anch gesetz nnd rechte Die ihr vom himmel hoch begnadet/ durch das meer Genommen euren lauff und zu uns kommet her) Was bringet ihr/ was ist eur bitten und begehren; Was mangel leidet ihr/ daß ihr mit grossen heeren Und schiffen koͤmmet an zu unsern meeresstrand Durch so viel ungemach zu wasser und zu land? Entweder habet ihr vom rechtem weg geirret/ Doch oder seyd von sturm verschlagen und verwirret. (Dergleichen ungemach und vielerley beschwer Das schiffvolck leiden muß auff ungebaͤhnten meer) Ja das ihr/ wie ich hab von eurem thun und stande Gehoͤrt/ zu ruhen denckt in unserm port und lande? Nehmt Das Siebende Buch. Nehmt unser gastrecht an/ und stellt euch nicht so gar/ Als wie ihr uns nicht kennt/ die wir/ wie offenbahr/ Saturnus kinder sind/ gerecht ohn recht und zwange/ Und allen satzungen/ freywillig ohne drange/ Die wir uns halten nach des alten Gottes art/ Der uns beschuͤtzet hat und gnaͤdiglich bewahrt. Zwar ich erinnre mich (denn es sind nicht viel jahre/ Nur das nicht das geruͤcht davon erschollen ware) Das mir das alte volck Aurunci kund gethan/ Wie Dardan sey von hier nach Troja kommen an/ Sonst buͤrtig hier zu land; Sey ferner auch bewogen Nach Samos/ welches ist ein E yland/ hin gezogen/ Das Samothracien anitzo wird genand/ Als er nun zoge weg aus der Tirrhener land Des koͤnigs Coriti// ist er zu seinem lohne E ntzuͤckt ins sternẽ reich/ und schwebt im him̃elsthrone/ D a er der Goͤtter zahl mit tempeln und altar Vermehret/ weil sein nahm ist heilig offenbahr. Er endete sein wort. Drauff finge der gesandte Ilioneus/ den man beredsam gnug erkandte Zu reden also an: O koͤnig/ der beruͤhmt Vom herrlichem geschlecht des Fauni/ wies geziemt. Es hat kein sturm noch macht der wellen uns gezwungẽ In euer land zu ziehn: Kein stern hat uns gedrungen/ Noch von der rechten bahn und wegen abgefuͤhrt/ Es hat auch unsern sinn kein irrthumb je beruͤhrt. Wir kommen allesampt mit raht und gutem hertzen In diese stadt/ nach dem wir sind mit grossem schmertzen X 5 Ver- Das Siebende Buch. Verjaget von dem reich/ dem keines aller end Ist worden gleich geschaͤtzt/ so weit die sonne rennt. Vom Jupiter entspringt der anfang dieser reiche Und stammes/ welchem ist auff erden keiner gleiche. E s ruͤhmt das Troer volck das Jupiter allein Ihr großherr vater sey. Nun muß Eneas seyn/ Als der von Troja ist/ von Jupiters geschlechte; Derselbe sendet uns/ als seine treue kuechte/ An deinen port und hoff. Wie grosse krieges fluth Nun uͤberschwemmet hat land/ staͤdte/ leib und gut Des armen Troervolcks; Wie sie aus Griechenlande Gebrochen grimmig ist durch das gefild und strande D es Troischen gebiets/ ja wie gantz Asterland Wie auch E uropa sich in streit hat angerannt Durch des geschickes trieb/ das wissen Nationen/ Die an dem letzten theil des erdenkreyses wohnen/ Wie auch das ferne volck in schwartzem Mohrenland Dem alles/ was sich hat verloffen/ ist bekand. In diese flut sind wir durch so viel wuͤste meere Hieher gestossen an mit unserm kriegesheere/ Und bitten wenig platz fuͤr unsre Goͤtter hier/ Und einen sichern port nach nothdurfft und gebuͤhr; Ja freye fluth und lufft/ die jedem stehet offen. Es wird/ wo ihrs nehmt an/ nicht uͤbel seyn getroffen; Wir werden eurem reich nicht uͤbel stehen an/ Und euer lob und ruhm wird nicht seyn schlecht gethan: Und diese wolthat auch wird nimmermehr veralten/ Wir wollen ewig sie in unserm sinn behalten/ Ihr Das Siebende Buch. Ihr werdet uͤber das empfinden keine reu/ Wenn ihr Ausonier uns Troern lieb und treu Erweiset/ wie zu euch wir das vertrauen haben: Ich schwere durch das gluͤck Eneas/ durch die gaben/ Ja starcke tugend-hand/ so einer sie durch treu/ Doch oder in dem krieg erfahren hat mit scheu/ Das unsre bundfreundschafft (halt dieses nicht geringe/ Daß wir dich bittlich itzt anlangen schlechter dinge/ Und unserm Gottesdienst fuͤrtragen nach gebuͤhr) Viel voͤllcker hiebevor gesuchet mit begier. Doch hat das goͤttliche geschick uns angetrieben Mit maͤchtigen befehl zusuchen und zu lieben Dis erste land und reich; D enn auch/ wie ihr selbst wist Und meldet/ Dardanus alhier entsprossen ist. Apollo reitzt uns an/ und heißt uns widerkehren Mit strengem anbefehl/ und tieffgegruͤndten lehren Hin nach den Tyburstrom in der Tyrrhener laud/ Und wo Numici fluß und brunen ist bekand. Er schickt dir uͤber daß hier diese kleine gaben/ D ie ihm das vorge gluͤck und zeit laͤßt uͤbrig haben/ Die noch gerettet sind/ da unser vaterland. Verheeret untergieng/ fuͤr raub und grimmen brand. Anchis der vater pflag beym heilgen opffermahle Zu opffern jederzeit aus dieser guͤldnen schale. Dis war des Priami uhralte koͤnigs kron/ Wenn er gerichte hielt und saß auff seinem thron/ Dis war sein scepter/ dis sein heilger huth (sonst muͤtze D er Perser weibesvolck) die nirgend uns sind nuͤtze. Nach Das Siebende Buch. Nach untergang des reichs. Hier ist auch schoͤn gewand Und goldgestickte zier an kleidern/ so die hand Der Troerimen hat gar artiglich gesticket. Als nun Ilioneus/ warumb er hergeschicket/ Gantz zierlich fuͤrgebracht ; Bedencket sich Latin/ Schlaͤgt nieder sein gesicht steiff zu der erde hin/ Verwendet nicht ein aug/ er kehret sich als Koͤnig/ An gold umd purpur nicht/ der scepter ist zu wenig Des konigs Priami. Vielmehr ist er bedacht/ Wie mit der tochter werd ein heyrathswerck verbracht. Darzu erwieget er des Fauni spruch im hertzen/ D as goͤttliche geschick ließ so mit sich nicht schertzen ; Diß eben muͤste seyn der liebe tochtermann/ Kein ander wurde durch den spruch gedeutet an ; D er wurde gleichfalls auch zum scepter seyn erkohren Mit gleicher macht und ehr/ und wurd ein sohn geboren Ihm werden dermaleins an tugend hoch und werth/ Der fast die gantze welt bezwinge mit dem schwerdt. Die Goͤtter wollen gluͤck zu unsern thun verleyhen/ (Sagt er erfreut zuletzt) und gnaͤdigst benedeyen D en außspruch ihres munds! du aber/ lieber gast/ Es sol dir sein gewaͤhrt/ was du gebeten hast. D ie gaben nehm ich an/ und wil sie nicht ausschlagen; Hinwieder wil ich euch/ als Koͤnig/ nichts versagen: Es sol euch mangeln nicht des landes fettigkeit/ So herrlich ihrs gehabt zu Troja vorger zeit. Nur moͤcht E ueas selbst (im fall ihn eingenommen Begierde hat nach uns und unsrer freundschafft) kom̃en/ Er Das Siebende Buch. Er darff fuͤr mir als freund mit nichten tragen scheu/ Ich wil es als ein pfand des bundes legen bey; Wenn euer Koͤnig mir die rechte hand wird geben: Ihr wollt ihm diß mein wort berichten rund und eben: Ich hab ein einges kind und tochter/ die solnu/ Ihr leben nach gebuͤhr im ehstand bringen zu. D och ists in Goͤtter rath und willen nicht vorsehen/ D aß sie den heilgen stand mit einem ein-soll-gehen/ Der dis orts buͤrtig ist: Die zeichen/ die man hat Mit schrecken angesehn/ bedeuten/ daß nicht rath Bey solcher heyrath sey. Man hat vielmehr vernom̃en Durch manche prophecey/ es wuͤrd ein eydam kommen Aus frembden landen her. D iß waͤhr Italien Noch uͤbrig/ also muͤsts inkuͤnfftig noch ergehn/ Das andre kaͤmen an aus weit entlegnem lande/ Die uns sich gleicheten beyds am gebluͤt und stande/ Und truͤgen unsern ruhm und namen sonder end Beruͤhmt in gantzer welt bis an das firmament. Nun aber wie ich kan vermuthen draus nicht wenig/ Und ich hier nebenst wuͤntsch/ so ist es euer Koͤnig/ Den darzu hat vorsehn das goͤttliche geschick/ Daß er geniessen sol dis sonderbahre gluͤck. Hierauff dann laͤsset er viel schoͤne roß auslesen. Aus allen/ die er hat nach jeder art und wesen. Dreyhundert stunden wol in einem grossen stall/ Da laͤßt er alsobald den Troern allzumahl D er reyh und wuͤrden nach eins einem jeden schencken/ Die waren schoͤn geputzt mit roßschmuck und gehencken Von Das Siebende Buch. Von klarem dichten gold: D as deckwerck war gemacht Vom purpur und mit gold gestickt mit hoher pracht Der brustriem war versetzt mit grossen guͤldnen spangen: Man sahe lauter gold umb sie her unter hangen; Sie keuten das gebiß/ das war von rothemgold: E neen/ dem er sich fuͤr allen zeigte hold/ Der nicht zugegen war/ verehrt er einen wagen/ Und ein paar schoͤne roß den selbigen zutragen ; Sie waren edler art/ und bliesen dampff und dunst: Als nun Latinus sie aus milder huld und gunst Beschenckte der gestalt/ und wieder fertigt abe; D a setzen sie sich auff/ und ruͤhmen solche gabe Und koͤnigliche gnad: Sie traben stoltz daher/ Und bringen ihren printz die neue friedens maͤhr. Schau ! da koͤmpt Jovis frau von Argos hergefahren Mit zornigem gesicht und außgestreuten haaren/ Fleugt durch die lufft hinab und siehet vom Pachyn Der Siculer vom fern/ wie froͤlich seinen Sinn Der fuͤrst E neas traͤgt/ wird gleicher massen innen/ Der Troer schiff armad/ und was sey ihr beginnen/ Wie sie sich eine stadt zu bauen nehmen fuͤr/ Itzt einer erdscholl sich vertrauen mit begier/ Und nunmehr ihre schiff gantz aus den augen lassen: Sie steht und sieht es an fast uͤber alle massen Beweget und gekraͤnckt von neid und eiffers sucht/ Sie schuͤttelt ihren kopff und also schilt und flucht: Ach des verhaßsten stamms! o der verkehrten schaaren D er Phryger/ die mir stets entgegen sind gefahren Mit Das Siebende Buch. Mit trotz und frechem sinn! was sie nur fangen an/ Das ist zu wieder mir und meinem rath gethan Wie? sind sie dem noch nicht zu Troja umbgekommen? Hat man sie fangen nicht gekunt/ da sie genommen In hasst gewesen sind; Hat die verbrandte stadt Dem Gottsvergessnem volck der Troer nicht geschadt/ Sind sie immitten durch der feinde heer und hauffen/ Ja sind sie sicher so der fruersbrunst entlauffen? D och/ glaub ich/ meine macht ist endlich muͤd und laß/ Und ich hab aus geruht von meinem zorn und haß Ja ich hab mich erkuͤhnt/ da sie aus ihrem lande Gestossen worden sind/ und kommen von denn stande Der stoltzen herrligkeit/ mit unversoͤhntem grimm Denselben nach zugehn durch fluth und ungestuͤmm/ Und hab den fluͤchtigen auff offenbahrem meere/ So weit es immer laͤufft/ gehalten gegenwehre; Was nur fuͤr kraͤffte hat der himmel und das meer/ Das hab ich angewandt entgegen diesem heer. Was haben mir genuͤtzt die Syrten/ klippen/ schluͤnde/ Die Scylla/ die Charybd und tieffe meeres gruͤnde? Sie ligen sicher nun an gelbem meeres strand/ Und leben da nach wuntsch in weichem ruhestand/ Vorsehn sich keines meers/ noch meiner: man bedencke/ Was das fuͤr unrecht sey/ und wies mein hertze kraͤncke. D er Kriesgott hat vermocht die blut-ergrimmte schaar Der Lapither zu grund zu richten gantz und gar. Der Jupiter hat sein rachgieriges beginnen Und zorn getreten ab der keuschen jaͤgerinnen E nt- Das Siebende Buch. Entgegen Calydon der altgewordnen stadt. Was aber haben sie verwircket in der that? Ich aber/ die ich bin des Gottes aller goͤtter Des Jupiters gemahl/ kan wieder diese spoͤtter Nichts fruchtbahr richten aus: Ich habe/ was ich kan/ Ich ungluͤckhaffte frau/ versuchet und gethan. Ich hab in alle form und wesen mich verkehret/ Ich habe nichts versaͤumt zu thun/ was sich gehoͤret; Doch ist E neas nun mein stoltzer siegesmann; Wofern nun meine macht und majestaͤt nichts kan/ Und nicht genung ist/ wil ich kein bedencken tragen Zuruffen alles an mit steten jammerklagen: Kan ich die Goͤtter nicht erweichen/ wil ich gar Den teuffel machen loß und aller geister schaar. Hab ich nicht fug uud macht (wolan! es mag so bleiben) E neas aus dem reich Latini zu vertreiben/ Und das Lavinia nach solchem himmelsschluß Demselben unverruͤckt zur ehe werdem muß; So stehet mir doch frey/ verhindrung einzuschieben/ Und beyde mit verzug und harren zubetruͤben; So stehet mir doch frey der beyden Koͤnge volck Zu rotten aus/ daß sie vergehn/ wie eine wolck. Auff solcherley entgelt mag sohn und vater treten In nahe bundespflicht/ und mit einander beten. O braut Lavinia/ dein schoͤnes heyrath gut Sol seyn der Rutuler und Troer rothes blut/ Ich wil verschaffen/ daß Bellona dir verbleibe D ie werberin: Es hat auch nicht nur jenem weibe D er Das Siebende Buch. Der Hecuba getraͤumt/ wie sie zur welt gebaͤhr Zwo fackeln: Venus sol auch haben gleich beschwer Und schreckliche geburt. E s sol ein andrer kommen/ Der Paris aͤhnlich ist/ und sol (wie man vernommen) Von Troja wiederumb mit todtschlag mord und pest Gestellet werden an ein blutig hochzeit fest. Aͤls sie nun diß gered/ schwung sie sich gantz hinabe Auff offnen erdenkreiß/ und rufft aus hoͤlschen grabe D ie grimme Teuffelin mit graͤßlichem geschrey/ die krieg/ zorn/ lust und schand außuͤbt mit lust ohn scheuͤ : Alecto nennt man sie; D em vater Pluton grauet Fuͤr ihr und hasst sie selbst: Der schwestern keine trauet Demselben ungeheur. Gar offt verkehrt sie sich In mancherley gestalt/ und sieht aus grimmiglich. Die haare wim̃eln ihr von gifftbeschaumten schlangen/ Zur selbten kommet nun des Jovis frau gegangen/ Reitzt sie mit diesem wort und also zu ihr spricht: O jungfran/ die du bist gebohren an das liecht Von heilig finstrer nacht/ thu mir doch diesen willen/ Und laß dir meinen wuntsch dienstfertig zuerfuͤllen Wohl angelegen seyn. Streck hieran hand und sinn/ D as unser ehr und ruff nicht gaͤntzlich sincke hin; Hilff wehren/ daß ja nicht die Troer etwan koͤnnen Bey den Latinern sich einschmeicheln und gewinnen D erselben hertz und sinn die heyrath einzugehn; Und hin und wieder sich im land Italien Zusctzen: Du kanst ja die bruͤder gegen bruͤder Außruͤsten zu den krieg/ du kanst ja hin und wieder Y E r Das Siebende Buch. E rregen haß und neid in haͤusern listiglich/ D aß mann/ weib kind und magd nicht koͤnnẽ halten sich/ Und unter einem dach beysammen friedlich leben/ Du kanst zu mord und brand leicht fug und ursach geben. Fast tausend namen sind dir ruͤhmlich beygelegt/ Ja tausend kuͤnst und griff dein hertze bey sich traͤgt: Schuͤtt aus die volle brust/ zerreiß die friedensbande/ Streu ursach aus zum krieg in diesem reich und lande: Die mannschafft sey nur eins/ zu lieben das gewehr/ Zu fordern/ ja gewalt zu brauchen und ein heer Zusammlen in der eyl. Alecto sich gebrauchet Stracks ohne wortgeschweiff: Ihr hertz von gifftschaum Sie machet sich zu erst an die Latiner hin/ (rauchet/ Und legt sich heimblich fuͤr die thuͤr der koͤnigin. Die wegen/ daß itzt war das volck der Troer kommen/ Von weibscher sorg und zorn wurd hefftig eingenom̃en: D er Troer hochzeit war ihr auch entgegen sehr/ Sie war voll bangigkeit und lieffe hin und her. Derselben schiebet nun Alecto eine schlange In busem tieff hinein/ daß sie die wuͤt empfange Und lauff im hauß herumb gleich wie ein ungethuͤmm/ Und mische fried und ruh mit grossem ungestuͤmm. Die schlange faͤhrt hinab entzwischen kleid und bruͤste Und senckt ohn fuͤhlnuͤß ihr ins hertze tolle luͤste E inblasend ihre seel: E s wird das halsband ihr Von golde stracks verkehrt in gifftig schlangen thier/ Die haube gleichesfalls wurd ihr zu einer schlange/ Verwirrt sich in die haar und kreucht mit krum̃en gange Durch Das Siebende Buch. Durch ihre glieder hin: Und als das erste gifft Sich schleicht den sinnen ein und das gebeine trifft/ Und noch nicht die vernunfft in gantzer brust empfunde Die tolle rasenheit/ und schwere hertzenswunde: Da sie weint umb ihr kind/ und umb das hochzeitfest/ Das dem E neas schon man zubereit en laͤßt O vater (schreyet sie) sol unsere Lavine D en Troern werden heimgefuͤhret/ daß sie diene Den fluͤchtigen zum raub? E rbarmest du dich nicht der tochter und dein selbst ? Hoͤr/ was die mutter spricht. E rbarm dich ihrer doch! wie ehrvergessner massen Wird mich der raͤuber bald mit ehstem wind verlassen/ Und fuͤhren auff dem meer das fraͤwelein davon: Wie wuͤrde deinem reich dis bringen schimpff und hohn? Ist nicht der hirtenknecht von Troja auch so kommen/ Und hat von Sparta weg die Helenam genommen/ Und durch das wilde meer gefuͤhrt nach Troja hin? Was nuͤtzt dein heilge treu/ und sorgen treuer sinn Fuͤr dein selbst eigen hauß ? Wie offt hast du gegeben Dem Turno deine hand/ daß er mit ihr sol leben In unverruͤckter eh ? Sie ist ihm ja erkiest Fuͤr seine wehrte braut/ der sonst dein blutsreund ist. So aus den fremoden wird ein tochtermann begehret/ Und dich des Fauni spruch und anbefehl beschweret/ Und du hierauff beruhst/ gilt meine meinung schlecht/ Daß jedes land/ so nicht erkennet unser recht Noch scepter/ frembde sey: So wollens auch verstehen Die Goͤtter ingesampt: Wil man nun weiter gehen Y 2 D er Das Siebende Buch. D er ersten ankunfft nach/ so ist es ja bekand/ Daß der Mycener stadt sey Turni vaterland; D enn Inach und Acris desselben ahnen waren. Als sie Latinum nun viel anders sieht verfahren/ Der ihr haͤlt widerpart/ daß sie nichts schaffen kan Mit worten/ was sie nur mag bringen auff die bahn; Und aber sich die schlang und rasende beginnen Ins eingeweyde schleicht/ und gantz besitzt die sinnen/ Da laͤsset sie sich aus die ungluͤckhaffte frau/ Mit greulicher gestalt/ und ungeheurer schaw. So thun die knaben auch mit ihrem kreysel eben/ Dem sie mit kurtzer peitsch viel harte streiche geben/ Und treiben ihn heruͤmb in einem grossen kreiß/ Auff einem weiten saal mit strenger muͤh und fleiß/ Und sind mit gantzem sinn erpicht dis spiel zuuͤben Wenn von der peitsche nun der kreysel wird getrieben/ D a laͤufft er krum herumb: Die knaben sehn es an Mit grosser wunderung/ wie er so lauffen kan/ Und wissen nicht/ warumb er so in kreyß kan schweben/ Da ihn die peitsche kan die krafft und seele geben. Nicht minder wird heruͤmb getrieben fruͤh und spat Die ungluckhaffte frau immitten durch die stadt/ Und frech-gesinntes volck. Ja was noch mehr/ sie irret In duͤster-wildem wald mit raserey verwirret/ Und scheinet Bachus fest zu halten voller wuͤt/ In dem sie nimmet fuͤr mit grimmigem gemuͤth E in greuelhafftes werck und ungestuͤmes toben ; Man sieht/ wie schnelle sie sich hat davon gehoben/ Da Das Siebende Buch. Da sie die tochter fuͤhrt in dicken wald und heck Auff daß sie fuͤr das volck der Troer sich versteck/ Und ihnen fug benehm das hochzeitfest zu machen/ Und schiebe hindernuͤß in solche heyrathssachen: Sie schreyet: Hoscha! ho! juchhesa ! B acche du/ Bist wuͤrdig nut allein/ daß man dir lege zu Die braut Laviniam: D enn dir allein zu ehren Trug sie in ihrer hand dieselbe zubewehren Ein mit Rebblaͤtter en bewundnen spitzen spieß/ Umb deinetwegen sie sich nicht verdriessen ließ Zumustern deine zunfft auff alte weis und massen Und das dir heilge haar zu ehren wachsen lassen ; Da fleugt aus das geschrey und meldet/ daß die zunfft Der frauen kommen sey von sinnen und vernunfft; Drauff treibt sie allesampt ein bruͤnstiges verlangen Zu suchen neuen sitz: Sie kommen haͤuffig gangen Und lassen hauß und hoff dahinden wuͤste stehn/ Gehn mit zerstreutem haar/ darein die winde wehn. D ie andern fuͤllen an mir rasendem getuͤmmel Und zitterndem geheul die weite lusst und himmel/ Sie gehen angekleidt mit Gemsen fellen her/ Und traͤget jede mit weinblaͤttern einen speer. Siefuͤhret mitten in ein angezuͤndte sichte Mit zorniger begier und singet ein getichte Von ihrer tochter und des Turni hochzeit fest/ Sie dreht die augen umb/ die sie wie feuer laͤßt Erschrecklich blicken an: Drauff hebt sie an zuschreyen So graͤßlich/ daß man sich entsetzen muß und scheuen: Y 3 Hoho! Das Siebende Buch. Hoho! Ihr frauen hoͤrt/ wo enden ihr auch seyd In gantzen Latien/ so ihr noch lieb und leid/ E ntgegen mir empfindt/ die ich zwar vom gebluͤte Bin eine koͤnigin; Itzt aber vom gemuͤthe E in ungluͤckhaffte frau: So euch die sorg anficht Des muͤtterlichen rechts/ ach duldet es doch nicht/ Reist eure hauben ab/ und lasset euch belieben Das tolle Bacchusfest im zorn mit mir zu uͤben; So trieb Alecto an die arme koͤnigin Durch wald und wuͤsteney auff diesen tollen sinn. Daß sie lieff uͤberall hindurch mit hellscher wuͤte Und ließ durch Bacchus brunst entzuͤnden ihr gemuͤthe Als nun bedunckte gnung der tollen Teuffelin/ Daß sie zur ersten wuͤt haͤtt angereitzt den sinn/ Und des Latini rath und gantzes hauß zerstoͤret/ Und alles ober und zu unterst fast gekehret/ Streckt schnell die wuͤterin die schwartzen fluͤgel aus Und schwingt sich in die stadt und kuͤhnen Turni hauß. Man gibet aber fuͤr/ das diese stadt und mauren Die Danae gel aut den Acrisinschen bauren/ Als sie durch einen sturm ins laud Italien Getrieben kam/ woselbst sie ruhig bliebe siehn. E s wurde Ardea der ort genennt von alten: D en grossen namen hat er nun bißher erhalten; Doch hat es das geluͤck itzt eben so gefuͤgt/ Das hier in diesem schloß der grosse Turnus ligt/ Und schlaͤfft bey finstrer nacht. Alecto leget nieder D ie grenliche gestalt und grimmerfuͤllte glieder/ Nimmt Das Siebende Buch. Nimmt an sich das gesicht von einer alten frau/ Traͤgt runtzeln an der stirn/ und siehet aus gar grau: Setzt eine haube auff/ nimpt einen zweig zutragen Von einem oͤhlebaum: Man haͤtte duͤrffen sagen/ E s wehre Calybe die alte priesterin Der Juno/ so war sie ihr aͤhnlich an dem kinn. Da kommet sie dem held/ als er itzt sanffte schlieffe/ Fuͤrs angesicht/ und ihm mit diesem wort zurieffe: O Turne/ wilt du denn das deine muͤh und fleiß Vergebens sey/ und laͤßt dem andern lohn und preiß! Sol scepter/ kron und thron/ darzu du bist geboren/ D en bauren fallen heim und ihnen seyn erkohren ? Schau! wie der koͤnig dir die braut und heyrath gut Versaget/ die du doch erwarbst mit deinem blut. Geh nun/ der du nur bist verlacht/ an die gefahren/ Die keinem angenehm/ noch je zu dancke waren ! Schlag der Tyrrhener heer und schuͤtze noch darzu Den koͤnig und sein volck bey ihrer friedensruh! So viel hat Juno mich die grosse frau der Goͤtter/ Da du in sanffter ruh noch lagst bey stillem wetter/ Geheissen/ daß ich dir sol sagen/ offentlich; D erhalben nur wolan und laß ermuntern dich! Zeuch deine waffen an/ ermahne deine leute Mit unerschrocknem muth/ auff das sie sich noch heute Begeben ins gewehr/ thun außfall/ greiffen an D ie weibschen Phrygier/ die dort auff weichem plan Aus ufer sich gesetzt/ laß deinen muth erwecken/ Laß die gemahlten schiff alsbald in brand nur stecken: Y 4 Die Das Siebende Buch. Die himmlische gewalt gebeuts ; Und wo Latin Der koͤnig wegert sich zu folgen deinem sinn/ Und schlaͤgt die heyrath ab/ so mag er selber schaden/ Wenn er fuͤhlt deinen zorn/ ihm dann zu halse laden. Der juͤngeling verlacht die alte priesterin/ Und giebet antwort ihr auff ihre red und sinn; Daß neulich ist ein heer zu schiffe zu uns kommen An strengen Tyburstrom/ das hab ich laͤngst vernom̃en; Ich hab es/ wie du meinsi/ mit nichten lassen gehn Fuͤr meinen ohren bey: E s weiß Italien ; Du darffest darumb nicht mich schrecken oder kraͤncken ; Die himmels koͤnigin wird noch wol an uns dencken. Du gutes muͤtterlein/ das alter druͤckt dich sehr/ D rumb kanst du nicht gar wol erzehlen neue maͤhr. D u machst dir eitle sorg/ und beyder Koͤnge kriegen Das wil/ Prophet in/ dich mit falscher furcht betriegen. Geh du in tempel nur und warte fein das dein/ Und laß den maͤnnern krieg und fried befohlen seyn/ Da laͤßt die hellenfrau sich hefftiglich erbittern: D em juͤngling/ da er außgeredet/ koͤmmet zittern Und ploͤtzlich schrecken an ; Die augen starren ihr/ Sie sieht den juͤngling an mit grimmer rachbegier. Sie laͤsset das gezisch so vieler schlangen hoͤren/ Und kan die teuffelslarb/ die neulich sie verkehren Kunt in ein altes weib/ erschrecklich lassen sehn; D ann sieht man/ wie sie weiß die augen umbzudrehn/ Die fuͤnckeln wie das feur/ und als er sich besinnet/ Und mehr zu bringen fuͤr aus wunderung beginnet/ Stoͤßt Das Siebende Buch. Stoͤßt sie ihn von sich weg/ und recket aus dem haar Ihm alle schlangen fuͤr/ aus welchen jede wahr Der andern gleich an grimm: Sie laͤßt die peitsche hoͤrẽ Mit schrecklichem geklatsch bey ihm die furcht zu mehren/ Und thun die wort hinzu mit rasendem geplerr: Schau mich doch itzund an/ mein guter junger herr! Ich bin das muͤtterlein/ das sich der Koͤnge kriegen D es alters halben laͤßt mit falscher furcht betriegen! Sieht diese sachen an. Was ist das/ o gesell? Ich komm her aus dem reich der schweffel-gelben hoͤll/ Und bin die grimmeste von Plutons wuͤterinnen; Ich trag in meiner hand den krieg und mord-beginnen. Darauff warff sie erbost mit einer fackel hin/ D ie traff ihn bey der brust und rauchte gleich wie kien Vermengt mit schwartzem liecht/ das uͤber grosse schreckẽ Ließ ihn nicht schlaffen ein/ und muste stracks ihm weckẽ Von seinem leibe floß die saltz-benetzte fluth/ der schweiß ; stracks fieng er an zu duͤrstẽ mord und blut. E r poltert mit geschrey/ man sol ihm balde schaffen Und hohlen sein gewehr; Er suchet seine waffen Im bett und gantzem hauß: D ie grimme waffenlust Und schnoͤder kriegesgrimm entzuͤndet seine brust ; Er wuͤtet uͤber das mit zorn: Wie wenn mit knisteru Die flamme/ die gemacht von reißig/ man hoͤret flistern/ Und an die seiten schlaͤgt des kessels ; Da geschicht/ Daß fuͤr der grossen hitz das wasser rauchet nicht: Es brodelt/ siedet/ springt/ und kan nicht hoch auffbaͤumẽ/ Man siehet/ wies mit rauch auffsteiget/ und kan schaͤumẽ: Y 5 E s Das Siebende Buch Es kan sich itzt die fluth im kessel halten nicht Der schwartze dampff faͤhrt auff und in die hoͤhe bricht. Derhalben laͤsset er der Adelichen jugend Ankuͤndigen/ daß sie mit ritterlicher tugend Zum koͤnig gehen hin/ mit auffruck/ daß er sey Geworden bruͤchig an den friedensbund und treu/ Heist sie auch ruͤsten sich/ und fertig stehn in waffen Dem land Italien schutz/ fried und ruh zuschaffen/ Und von den graͤntzen ab/ zu treiben feinds gewalt ; Er wolte beyden gnung gebuͤhrlicher gestalt Gewachsen seyn/ so wol Latinern/ als dem heere D er Troer/ das itzt sey gekommen von dem meere. Als er nun dis gered/ und seyn gebaͤt gethan/ Sind die Rutulier mit ernstem fleiß daran Sich selbst zu muntern auf/ die waffen anzulegen: D er eine laͤsser sich die schoͤne jugend regen/ Den andern reitzet an das adliche gebluͤt/ Den dritten tapffre faust/ ruhm/ ehr und groß gemuͤth. In dem nun Turnus so den Rutulern wolt rathen Zum krieg behertzt zu seyn/ zu uͤben tapffre thaten; Schwingt ihr gefieder auch die hoͤllsche raͤcherin/ Und faͤhret in der eil zu den Trojanern hin: Sieht aber ihn zuvor aus einen ort gar listig/ An welchen der Jul/ der schoͤne knabe/ ruͤstig D em wilde stellet nach mit guter spur und lauff/ Da treibt das hellsche weib die hunde ploͤtzlich auf/ Und schaffet/ daß die wind empfindlich koͤnnen riechen In welcher Heck und pusch die hirsche sich verkriechen/ Und Das Siebende Buch. Und gierig trieben auf: D aher ist aller streit Gekommen/ der auch hat gereitzt die bauersleut. Es war ein schoͤner hirsch/ und trug ein hoch geweyhe/ Der Tyrrhus vater mit den soͤhnen zog mit treue Denselben auf/ so bald er von der hindin kam/ D er auch des koͤnigs vieh in fleißig obhut nam; D em auch vertrauet war die gantze heerd in feldern/ und was sich weit und breit fuͤr wilt haͤlt auf in waͤldern/ D ie schwester Sylvia pflegt seyn mit allem fleiß/ Als der auch war gewohnt derselbigen geheiß. Sie hat offt ihre lust ihm umbs geweyh zu winden Ein frisches kraͤntzelein/ mit seidner schnur zu binden: Sie kaͤmmt/ sie badet ihn mit klarem brunnen Naß/ Er ließ sich greiffen an/ und mit dem herren aß/ D es tisches er gewohnt: E r lieff herumb in waͤldern/ In hecken/ puͤsch und thal/ auff wiesen und in feldern/ Und kehrte wiederumb zur stelle/ die er kand/ Ob er schon spat bey nacht sich wieder heimwarts fand. Denselben trieben auf des printzens schnelle winde/ Als sie ihn irren sehn/ und schwimmen gar gelinde Den stillen fluß hinab/ und in dem gruͤnen graß Zu lindern grosse hitz sich nieder legt und aß: E s wurd Julus auch entzuͤndet und befangen Von liebe/ grosses lob und namen zuerlangen: Er griffe nach dem pfeil/ und legt ihn auf die sehn; Die Goͤttin ließ den schuß nach wuntsch und willẽ gehn/ Der pfeil faͤhrt durch die lufft mit schnurrẽ und trifft ebẽ den hirsch durch bauch und darm: Das wild flieht noch (mit beben Das Siebende Buch. In den bekanten hoff und koͤmpt in stall hinein/ Und winselt/ weil er fuͤhlt den schuß mit grosser pein. Gleich einem/ der umb huͤlff erbaͤrmlich andre flehet/ Und schreyet/ daß der schall durchs hauß zum nachbar ge- Das maͤgdlein Sylvia schlaͤgt auf die arm fuͤr leid (het. Und rufft das bauervolck/ das sonst fuͤr haͤrtigkeit Dergleichen noth nicht acht/ umb huͤlffe/ sie erscheinen Fast unvorsehns/ und eh mans haͤtte sollen meinen ( D enn diese wuͤterin verbarg sich in dem wald ) Da hatten sie sich all auff mancherley gestalt Vorsehen mit gewehr mit knuͤtteln pfaͤhl und stangen/ Und was nur einer kan ergreiffen und erlangen/ Das macht der zorn zur wehr. D er Tyrrhus rufft zu sich Das volck/ in dem er gleich mit keilen muͤhsamlich Zerspaltet einen baum/ der als vierschroͤtigt kunte Zerhauen werden in viertheil/ darauff begunte Er auch zu toben sehr und greulich/ nam das beil Und lieff mit seiner schaar zum streit in schneller eil/ Als nun die wuͤterin sich nmbsieht auff der warte/ Daß zeit zu morden sey/ sie ferner nicht verharrte/ Stieg hoch hinauff das dach/ und von dem stall herab Nach hirten art und brauch dem volck ein zeichen gab. Sie bließ ins krumme horn/ und kunt die stim̃ erheben Mit hellischem geschrey/ daß man den wald hoͤrt beben/ Und thoͤnen weit und breit. E s kam der schall dahin/ Wo der Dianen see ligt nemblich Ariein. E r ist an schweffelfluß Nar gleicher massen kommen/ An den Velinschen pfuhl hat man ihn auch vernom̃en ; Die Das Siebende Buch. Die muͤtter lauffen hin und her und aͤngsten sich/ Sie druͤcken an die brust die kinder furchtsamlich. Die bauren gehn den schall nach/ nehmẽ mit sich waffen; Man sieht die Troer auch/ wie sie sich eilend raffen Aus ihren lager fort/ zu stehn dem Ascan bey/ Sie ziehn in ordnung her mit wol gefaster rey/ hier gielt kein baurenstreit/ stock/ knuͤttel/ pfaͤhl und stangẽ/ E s wird mtt scharffem schwerd und spiessen angefangen Zu fuͤhren aus sein recht: Man sieht mit schrecken an/ Wie eine dicke saat die schwerdter auff den plan. Und wenn die sonne wirfft auffs ertz die hellen strahlen/ So siehet man gar schoͤn die voͤlcker ziehn und pralen/ Es wiederprallt das liecht bis an die wolcken bahn/ Gleich wie die welle sich erst weis laͤßt sehen an Vom winde/ dann erhebt das meer sich sacht und baͤumet D ie wellen hoͤher auff/ hernach faͤhrts auf und schaͤumet Und steigt von innern grund bis an des himmelssitz: Hier wird des Tyrrhi sohn der groͤssest an der spitz Des bawrenheers gefaͤllt. Es kam von feindes bogen Ein scharffgespitzter pfeil von weitem hergeflogen/ Und fuhr ihm in die kehl/ und schloß der rede lauff ; Da gab er jaͤmmerlich mit blut sein leben auff. E s bleibet auff dem platz viel volck und schlechte leute ; Gales wird endlich auch ein angenehme beute Dem ungezaͤhmten tod/ als er war hoch betagt D er sich als schiedesman mit untern hauffen wagt: Der an gerechten thun war keinem fuͤr zuziehen/ Der sich umb fried und ruh am meisten wolte muͤhen. Er Das Siebende Buch E r war der reichste mann in gantz Italien ; Fuͤnffheerde schaaff hat er in voller weyde gehn/ Fuͤnff herde rinder auch. Ingleichen hat er ligen E in hundert huffen lands/ die ließ er alle pfluͤgen. Als nun in freyem feld ein allgemeine schlacht Mit vieler untergang war grimmiglich verbracht ; Verlaͤßt die hellsche frau/ da sie der Juno willen Und ihr versprechen hat vermoͤgen zuerfuͤllen; Als sie mit blut itzt hat den krieg gefangen an/ Und beyde heer gebracht auf offenbaren plan/ Das land Italien/ und faͤhrt nach dem getuͤmmel Auf hoher wolckenbahn bis an den blauen himmel Und red die Juno an/ als wuntsches haberin/ Mit stoltzer redners pracht und hochbeflammten sinn: Schau an den zanck und streit/ das wuͤrgẽ raub und mor- Das dir zuwege nun durch mich gebracht ist wordẽ/ (den Sag; Tretet nun in bund und festen fried vergleich/ Ich habe wunderlich vermengt Latini reich. Ich hab die Troer schoͤn mit Welschem blut bespruͤtzet; Ich wil noch dieses thun/ wenns nur zur sache nuͤtzet/ Und ich versichert bin/ daß dirs gefaͤllig sey; Ich wil den krieg und schlacht mit stuͤrmischen geschrey D en nachbarn machen kund auf allen graͤntz-und ecken/ Und die gemuͤther zu der waffenlust erwecken/ Das maͤnniglich brech auf von allen orten her/ Und wil in feldern uͤmb außstreuen schild und speer/ du hast (sagt Juno drauf. ) gnug furcht uñ trug erreget; E s ist nun allbereit der grund zum krieg geleget; Man Das Siebende Buch. Man gehet naͤher nun zusammen auf den plan/ E s ist mit gluͤck genug auff diesesmal gethan. D as land ist eingenetzt von neuem blut vergiessen; Sie moͤgen immer hin das heyrathsfest beschliessen Und hochzeit halten nun; Der schoͤne Venus sohn Und koͤnig selbst Latin ; Diß sey ihr beyder lohn. Dich aber laͤsset nicht der Jupiter hier schweben In hellgestirnter lufft und deines willens leben/ Drumb mache dich nur weg: Ich wil/ was uͤbrig ist/ Von gluͤck und Muͤh/ vorsehn mit eignem rath und list/ Auf dieses wort mnst sie von dannen wieder wischen; In fluge hoͤrte man die boͤsen schlangen zischen/ Sie schwunge sich davon hinab zum Acheron/ Und muste lassen stehn des himmels friedenthron. Immitten unter dem gebuͤrg und tieffen gruͤnden Ist ein bekandter ort in Latien zufinden/ D enselben traͤgt der ruff in manches ferne land/ Wird von hochheilger ehr Amsancti thal genand/ E in dickgepuͤschter wald auf beyden seiten stoͤsset An diesen wunderort/ immitten fleust und toͤsset Mit hefftigem geraͤusch/ das von dem felß entsteht/ Ein strom/ der umb und umb mit seinem wirbel geht. Hier zeigt man eine hoͤhl/ die greulich anzusehen/ Und ein erschrecklich loch des Plutons/ da man gehen Kan in die hoͤll hinein; Und wenn der hoͤllsche fluß/ Der Acheron/ entzwey sich endlich reissen muß: So thut die grosse klufft auf ihren gifftgen rachen/ Von dem die hoͤllsche frau/ als sie sich weg must machen/ Und Das Siebende Buch. Und sich dahin verkroch/ das feindlich ungethuͤmm/ Die erd und Himmel hat erleichtert wiederuͤmm. Nicht minder wil die frau und koͤnigin im himmel Das was noch uͤbrig ist/ von diesem kriegs getuͤmmel/ Verrichten allerdings. Die gantze hoͤllen schaar/ Die neulich aus der schlacht erbaͤrmlich kommen war/ Koͤmpt in die stadt hinein und bringet mit getragen D ie in der schlacht der feind hat grimmiglich erschlagen/ Da war der knab Almon/ Gales auch/ des gesicht Von wunden/ staub und koth war uͤbel zugericht. Sie flehen sehnlich an die himmelische Goͤtter: Verfluchen den Latin/ der sonst sol seyn ihr retter Der Turnus koͤmpt darzu/ und mitten in der klag Vermehret er die furcht des feuers/ mords und plag/ D ie Troer wuͤrden ein ins koͤnigreich-geladen Der Phrygier geschlecht naͤhm man mit seinem schaden Des Turni in das land/ man hielt sie lieb und werth/ Ihn aber triebe man vom hause/ hoff und herd. Dann machen sich heran die maͤnner/ derer frauen durch Bachus brunst erfuͤllt mit abscheu und mit grauẽ In waͤldern lieffen uͤmb mit tantzen und gefecht/ (Denn der Amat æ ruff und namen war nicht schlecht) Von vielen orthen her versamlet/ und begehren/ Mit poltern und geschrey/ man sol dem feind zuwehren/ Sie lassen ziehn hinaus: Sie wollen stracks kurtz rund Ziehn in verfluchten krieg zu wieder Gottes mund Und allen deutungen mit gantz verkehrten sinnen/ Mit toller wuͤtigkeit und zornigem beginnen D a Das Siebende Buch. D a stehn sie hauffen weis umbs koͤnigliche schloß/ Und wollen/ daß er sie zum kriege mache loß Gleich wie ein felß im meer/ so steht er unbeweget/ Ja wie ein starcker felß/ wenn grosser sturm sich reget/ Und streubt sich gegen ihn: Er bleibt an seiner stell/ Ob gleich die wellen macht mit schrecklichem gebell Sich wider ihn erhebt/ ob schon die stein ihn druͤcken Und klippen/ ists umbsonst: Sie koͤnnen ihn nicht ruͤcken Von seinem festen ort/ der meerschilff widerprallt/ D er an die seite schlaͤgt/ ob er gleich hefftig schallt. Nach dem sich aber wil ereignen kein vermoͤgen Des volckes blinden rath zu steuren und zu legen/ Und das nach Junons winck die sache gehen soll/ Die unversoͤhnlich noch und grimmen eiffers voll. Rufft der Latinus an die Goͤtter ihm zu zeugen; Redt in die leere lufft ; E s wil sich nichts eraͤugen Zu seinem heil und schutz. Wir muͤssen (faͤngt er an) Itzt brechen durchs geschick/ das keiner meiden kan. E s reist uns dieser sturm in abgrund vieler plagen: O ihr elenden leut/ ihr werdet muͤssen tragen Mit eurem tod und blut die straffen eurer schuld/ Weil ihr habt lieber krieg als fried und ruh gewolt. Du aber/ Turne/ wirst dein grausames beginnen In leidung schwerer straff erst endlich recht erkennen ; D a wirst du allzuspat bereuen deine that/ Und bey den Goͤttern dich bewerben umb genad. Ich hab an laͤngsten nun in dieser welt gelebet/ Und mein sinn nirgend hin als nach der ruhe strebet; Z Ich Das Siebende Buch. Ich lig in stillem port: Man kan mir/ als ein grab Und koͤniglich gepraͤng/ durchaus nichts nehmen ab. Mit diesem schwieg er still/ und schloß sich in sein zim̃er/ Legt ab das regiment/ und ließ es gehen immer/ Wies gehen moͤchte nur: Es war ein alter brauch In altem Latien/ den die Albaner auch Fuͤr heilig hielten stets/ Den pfleget auch zu halten Die herscherin der welt/ und laͤßt ihn nicht veralten/ Wenn man ins offne feld sol ziehen itzt zur schlacht/ Und das außlaͤndisch heer mit gantzer krieges macht Angreiffen muthiglich/ die Geten und die Dacer/ Hireaner/ Araber/ die Sarmater und Thracer/ Ja ziehen weiter hin nach Ost und Inder meer/ Zu schlagen wiederumb der Parther siegesheer. E s sind zwey kriegesthor ( so werden sie genennet) Die man an heiligkeit und Martis furcht erkennet; Mit hundert schloͤssern wol stehn sie verwahret fest/ Sind eisern gantz und gar die nimmermehr verlaͤßt Der huͤter Janos/ der stets fuͤr der schwelle wachet: Weñ nun der Roͤmsche rath hat einen schluß gemachet Mit unbewegtem sinn zu ziehen in den streit/ Da koͤmmet der regent der buͤrger/ traͤgt ein kleid Mit koͤniglichem schmuck: E s wird ihm umbgeleget E in schoͤner rock darzu/ dergleichen braͤuchlich traͤget Das volck der Gabier: E r schleust selbst auff die thor/ Und fuͤhret aus das volck zum streit/ wie hiebevor Nach brauch geschehen ist. D a gehn die heeres schaaren Ihm auff den fusse nach/ die beyds am muth und jahren Zum Das Siebende Buch. Zum kriege dieneten: Das ertz gibt allbereit/ Wenns durch die lufft erthoͤnt/ den beyfall zu dem streit. Als nun Latinus auch damahls die vhede solte Den Troern kuͤnden an/ gestalt sein landvolck wolte/ Und also schliessen auch den krieges tempel auff/ D a trug der vater scheu/ und kehrte seinen lauff Von diesen dingen ab/ und muste dafuͤr halten/ es waͤhr ein schaͤndlich thun ein solches ampt verwalten/ Beruͤhrte nicht einmahl das thor/ gieng fuͤr sich fort Verbergend sich geschwind an einen finstern ort. Da kam die koͤnigin der Goͤtter hoch vom himmel/ Und wolte stillen selbst den auflauff und getuͤmmel ; Sie stieß selbst mit der hand ans thor/ da gab sichs bald/ Sie rieß die pfosten ab und sprengt sie mit gewalt. Ausonia/ die noch war ungeregt geblieben Und ruhte bißhieher/ wil itzo gleichfals lieben Die grimme waffenlust; Theils schickt zu fusse sich Ins feld/ theils trabet her auff rossen muthiglich/ Und tummelt sich in staub: Es stehen all und gaffen Nach ruͤstung/ zeug und wehr/ nach ertz uñ blanckẽ waffen/ Nach waffen fragen sie/ theils putzet aus in eil Mit fettem schmer und oͤhl helm spieße/ schild und pfeil/ Und wetzen an dem stein viel aͤrte/ senß und parten/ Und haben ihre lust die fahnen und standarten Zutragen in der hand/ und hoͤren wie so schoͤn Im felde schallt und hallt das ehrine gethoͤn Fuͤnff grosse staͤdte sind/ die schmieden neue wehren/ Und machen gute helm/ das keiner kan versehren Z 2 Das Das Siebende Buch. Das haupt mit pfeil und schwerdt/ und flechten weidne auch harnisch/ wieder die kein haw-noch stechẽ gilt. (schild Auß zaͤhem silber sieht man glatte stieffeln machen: E s wurd in waffenbrauch der bauren zeug und sachen Pflug/ sense/ sichel/ karst gewendet und verthan/ Es war nur eine lust die waffen ziehen an. Sie schmieden gantz neu uͤmb die waffen/ schwerdt und D ie ihnen vorgerzeit der vater hinterliesse: (spiesse/ Man hoͤret/ wie schon itzt den angriff die trompet Erthoͤnet/ durch das volck die kriegeslosung geht. Der nimt in eil den helm/ der spañt die pferd am wagen/ D ie mit erhitztem schnauff und zorn sich muthig tragen/ Der dritte nimt den schild/ daß er die streiche kan Außnehmen/ zeucht darauff ein guͤldnes pantzer an/ Und guͤrtet an die seit sein schwerdt/ drauff bester massen E r sich kan in gefahr als treuen schutz verlassen. Ihr goͤttinnen macht nun auff euren Helicon Und hebet an ein lied in lautem helden-thon E rzehlt die fuͤrsten/ die zum kriege sind bewogen/ Und wie viel voͤlcker seyn denselben nachgezogen Ins offenbahre feld/ und was fuͤr heeresmacht D amahls Italien fuͤr sich hab auff gebracht/ (Das gute land/ das viel hergeben kunt und schaffen/) Und was ein jeder hab gefuͤhrt fuͤr wehr und waffen. Ihr goͤttinnen/ ihr koͤnnt euch noch erinnern des/ Und was verlauffen sey/ erzehlen ohn vergeß. Zu uns ist kaum ein wort in kleinem halle kommen/ Wir haben wenig fast von dem geschrey vernommen/ Wie Das Siebende Buch. Wie dieser feldzug sey gestellet worden an/ Und was fuͤr thaten hab ein jeglicher gethan. E rst zeucht zum krieg herein Mezentius der Goͤtter Veraͤchter/ ein Tyrann und auffgeblassner spoͤtter/ Und ruͤstet aus ein heer/ dem folgte Lausus gleich/ Der sohn/ der allen war in diesem gantzen reich An schoͤnheit fuͤr zu ziehn/ den Turnus außgenommen/ Den sahe man daher mit reisgem zeuge kommen/ Der sonst wol zwingen kunt die pferd und wilde thier/ Fuͤhrt tausend man mit sich in schoͤner waffen zier Aus Agyllina/ doch vergebens/ weil er bliebe E rschlagen auff dem plan/ werth/ daß mit bessrer liebe Sein vater ihn gemeint und solcher kriegs beschwer B efreyet/ ja daß er sein vater nimmer wehr Gewesen/ so hett er auch baß sich zuerfreuen/ Und wuͤrd ihn dieser zug nicht haben duͤrffen reuen. Nach diesen zeiget sich der schoͤne Aventin/ Und rennet durch das feld auff schoͤnem wagen hin; Mit palmen schoͤn geziert/ zog her mit tapffern rossen/ Und war von grossen held Tyrinthius entsprossen Und fuͤhrt des vaters schild/ darauff viel schlangen man/ Und vielgekoͤpfften wurm gestochen sehen kan; Den Rhea eine Nonn vermischt mit einem Gotte Vorbotner weise hat der jungfrauschafft zum spotte Gebohren an die welt in walde Aventin/ Nach dem der Hercules Geryon starck und kuͤhn Als sieger/ schluge tod/ und nach Laurentum kame/ Und wusch die ochsen ab/ die er dem Spanier nahme/ Z 3 In Das Siebende Buch. In dem Tyrrhenschen fluß. S ie trugen lange spieß/ Und grausames gewehr/ das sich nicht mercken ließ/ D as wie ein wanderstab sieht aus/ stickt aber drinnen E in rundgespitzt gewehr/ damit sie streiten koͤnnen; Sie fuͤhren lantzen/ wie bratspiesse/ waren auch Bey dem behertzten volck Sabinern in gebranch. E r aber ging zu fuß/ und hatte sich bedecket Mit einer Loͤwenhaut/ daß man dafuͤr erschrecket/ Sie starrt vou borsten noch/ und stack der kopff darinn/ Die zeene ragten vor; So sahe man ihn ziehn Ins koͤnigliche schloß sehr greulich anzusehen/ D er wust in Herculs kleid erschrecklichher zugehen: Auch zweene bruͤder da sich machen von Tiburt. Verlassen ihre stadt/ und legen an das gurt/ Und kommen beyde her aus Griechenland gezogen/ Sie stehen an der spitz/ da wo die pfeile flogen Sehr dick/ und anders nicht war dieses anzusehn/ Als wenn von hohem berg her zweene riesen gehn/ Die man Centaurẽ nennt: Wenn sie von bergẽ lauffen/ Othryn und Homolen/ da wo der schnee mit hauffen Zu ligen pflegt: D er wald gibt ihnen raum und ort/ Wenn sie mit schnellem lauff so ruͤstig ziehen fort/ Und weichen mit geraͤusch die hecken aus dem wege/ Wenn sie mit vollem grimm betreten diese siege. E s laͤsts auch Ceculus/ der Praͤnestin erbaut An ihm ermangeln nicht/ den/ wie ein jeder traut/ Ja glaͤubet fuͤr gewiß/ Vulcanus hat gezeuget/ Und in dem wuͤsten wald ein wildes thier gesaͤuget/ Und Das Siebende Buch. Und funden ist hernach auff einem feuerherd/ D er fuͤhrt ein regiment von bauren wol bewehrt. Demselben ziehen nach die buͤrger zu Praͤneste/ Und die das feld Gabin zu bauen auff das beste Beflissen muͤhsam seyn; Wie auch das volck/ so muß D a wohnen/ wo entspringt der Aniener fluß/ D ie auch das Hernische Gebirge wohnhafft bauen/ Das von dem himmel naß befeuchtet man kan schauen/ Und die Anagnia die reiche stadt ernehrt/ Und Amasen der fluß nach nothurfft speist und mehrt. D ies haben alle kein gewehr/ noch schild/ noch wagen/ Theils pflegen zweene spieß in jeder hand zu tragen. D er groͤßste theil wirfft auff den feind mit kugeln loß vom bley/ die man mit hand uñ schleuder warf und schoß. Aus peltzen machen sie der woͤlffe runde muͤtzen/ Die setzen sie auffs haupt und muͤssen sich so schuͤtzen; Der lincke fuß ist bloß/ der rechte wird verwahrt Mit einem rohem fell: D as ist ihr brauch und art/ Nun koͤmpt Messapus her/ ein wolerfahrner reiter/ Neptunus grosser sohn/ ein unerschrockner streiter/ Den keiner noch durch feur/ noch eysen toͤdten kunt/ Bringt volck/ das laͤngst nicht war geuͤbt und nichts ver- Ia richtet schnell ein heer/ das lange nicht in zuͤgẽ (stund ; Gewesen war/ und wil auffs nene wieder kriegen: D ieselben zogen all in gleicher ordnung her/ Und liessen ihre spiel zu ihres fuͤrsten ehr E rklingen freudiglich. Gleich wie die weissen schaaren Der schwaͤne/ wenn sie hoch in klaren luͤfften fahren/ Z 4 Und Das Siebende Buch. Und kommen von der weyd/ ein liedlein stimmeu an/ D aß mans in fernem fluß und see vernehmen kan. Man sol auch meinen nicht/ daß so viel kriegesschaaren In diesem grossen heer mit ordnung koͤnten fahren; Besondern daß die meng und uͤbergrosse heer Der heischern vogel floͤg ans land von hohem meer Schau da koͤmpt Clansus von Sabinischen gebluͤte E ntsprossen/ der selbst war am streitbahren gemuͤthe Gleich einem grossen volck/ und fuͤhrt ein krieges heer/ von welchem beyds die zunfft uñ das geschlecht nunmehr D er Claudier entspringt durch der Latiner reiche/ Als den Sabinern wurd gegeben nach vergleiche Ein gutes theil vom Rom: Mit ihm zog gleichfals auff Das volck von Amitern/ ein schoͤn geruͤster hauff/ D as loͤblich alte volck/ der streitbahren Quiriten/ D er stadt Ereti pursch sich auch hierzu erbieten; Mutusca/ welche stadt an oͤhlwachsthumb sehr reich Laͤßt ihre kriegesmacht mit andern sehn zugleich. Wie viel im Libschen meer ergrimmte wellen brausen/ Wenn sie im-herbst entstehn durch starcker winde sausen/ Ja wie viel ahren sind in feld an Hermus strand/ Und wie viel derer auch das korrenreiche land Vnd schoͤne Lycien in heissen sommertagen/ Wenn das getreydich sich zeigt gelb und reif/ kan tragen: So grosse menge volcks zeucht wehr und waffen an/ Und stellen Turno sich zum beystand auf den plan. Es klinget schild und ertz ; Die erde fast erzittert Durch diesen heereszug; Halesus sehr erbittert/ Der Das Siebende Buch. Der Agamemnon sonst mit dienst war zugethan/ Beut seine voͤlcker auff und laͤsset spannen an/ Des Troer namens feind zu leben und zu sterben/ Laͤßt risch ein grosses heer von kuͤhnem volcke werben Und fuͤhrets Turno zu/ dasselbe zoge dick Von Massyschen gebirg/ da man mit muͤh und gluͤck Den schoͤnen weinbaw treibt. Es schickt Abella auch viel tapffre kriegesschaaren/ So viel in ihrem kreiß zum kriege tauglich waren/ Ist obst/ und gartenreich: Ein volck von sitten hart/ Das seine waffen wirfft auf teutsche weis und art ; Die sie an einem riem ziehn wiederumb zu ruͤcke ; Die helmen schneiden sie aus eines baumes stuͤcke ; Der korck geneñet wird. es blinckt ihr schild und schwerdt/ Und ist von harten stahl und eysen wol bewehrt. E s hat dich Nurs æ auch/ die im gebirge liget/ O Ufens/ der mit gluͤck unb waffen herrlich sieget/ Und weit beruͤhmet ist/ geschicket in den streit/ D er fuͤhrte sonderlich ein volck von rauhigkeit/ Und das in waͤldern war gewehnt zu vielem jagen/ Das muͤh und ungemach must hin und wieder tragen: Man hieß sie Aequier und hatten hartes land/ D as mit sehr schwerer muͤh gepfluͤgt wurd und gewandt. Wie offt sie mit dem pflug das erdreich muͤssen kehren/ So offt bewaffnen sie sich gegen feind zu wehren// Und lassen fuͤr und fuͤr das ihre freude seyn/ Wenn sie nur kbnnen viel vom raube tragen ein/ Und von geraubtem gut hin bringen so ihr leben. Ein priester von dem volck der Marser kam auch eben Z 5 Nach Das Siebende Buch. Nach diesen auff den plan/ der Umbro wurd genand/ Ein tapffrer man/ der war von Koͤnig abgesand Archippo: War geziert/ und außgeputzt mit glantze/ Und war sein helm belaubt mit einem oͤhlbeerkrantze/ D er kunte kraͤfftiglich einschlaͤffen die natur/ der schlangẽ wenn er braucht ein kraut/ und daꝛzu schwuꝛ : E r kunte zorn und grimm derselben/ wenn sie zischten/ Und von dem gelbẽ schaum des giffts abscheulich gischtẽ/ Besaͤnfftigen/ und wenn gebissen einer war/ Da kunt er retten ihn durch kunst von todsgefahr. Doch war ihm seine kunst und artzeney nichts nuͤtze/ D ie weil er kunte nicht des Troers pfeil und spitze Vertreiben meisterlich. E s halff ihn weder tranck/ Noch schlaffgebaͤrender und zaͤubrischer gesang. Kein einig kraut/ das er auff Marser bergen funde/ Kunt stillen diesen gifft/ und heilen seine wunde: E s hat betrauret dich mit klaͤglicher gestalt/ Mit winseln und geheul der Angeroner wald. Es hat dich auch beweint der silberklare brunnen/ D er Fucinus/ und ist mit thraͤnen offt gerunnen. E s ruͤstet Virbius sich gleichfalls in das feld E in sohn Hippolyti; Ein schoͤn-und junger held/ Den seine mutter hat Aricia geschicket/ (Dis war nur eine stadt) der herrlich außgeschmuͤcket An leib und sinnen war/ gezogen in dem wald Aegerie/ da sich mit lieblicher gestalt Der fluß Hymettus zeigt mit schoͤnem blumgepraͤnge/ Da er der jagerfrau der fetten opffer menge Auff Das Siebende Buch. Auff den Altar gebracht ; Die ihr zu dienst und ehr Laͤßt schlachtẽ schaaff und rind und keine menschen mehr. Denn wie man gibet fuͤr/ und durchs geschrey vernom̃en Als durch der Phaͤdr æ list Hippolytus umbkommen/ Und seines vaters zorn und angereitztem muth Must also gnuͤge thun mit seinem jungen blut/ Da er zerrissen wurd von seinen tollen pferden/ Hab er doch lebendig flugs koͤnnen wieder werden/ E rweckt durch artzeney und der Dianen gunst; Da hat der Jupiter geruͤhrt durch zornes brunst/ Daß einer wiederumb ins leben koͤndte kommen/ D er einmahl seine reis ins hellenreich genommen/ D en meister dieser kunst den Aesculapius Mit seinem donnerstrahl gestuͤrtzt in hellenfluß; Doch hat die jagerfrau Hippolytum verstecket Aus gnad an einen ort/ da man ihn nicht entdecket/ Und hat ihn wiederumb der Nimf E gerien Geschickt in ihren wald und schadloß lassen gehn/ Da er in wuͤstem wald Italien sein leben Zubraͤchte sonder stand/ der ruhe nach zu streben In unbekandter still/ und hiesse Virbius/ Mit namens enderung: D aher kein pferd auch muß In tempel Trivie noch heilge waͤlder gehen; Man treibet sie hinweg/ und muͤssen da nicht stehen/ Weil sie den wagen sampt dem juͤngeling am strand Geworffen haben umb geschuͤchtert und entbrand Durch anblick derer thier/ die man meerwunder nennet ; Nichts desto minder doch hat dessen sohn gerennet/ Ge- Das Siebende Buch. Getummelt diese roß in offenbarem feld Und zoge mit begier in krieg als junger held Er Turnus liesse sich fuͤr andern helden sehen/ Ritt ab und zu und kunt nicht lange stille stehen/ War herrlich von gestalt des leibes anzusehn/ E s stund ihm alles an gar brav und wunderschoͤn: Haͤlt in der hand den spieß/ und kan sich fuͤrstlich tragen/ Man siehet andern ihn mit gantzem haupt fuͤr ragen; Auff seinem helm/ der mit drey puͤschen war geziert/ Und die Chimera abgebildet/ die beruͤhrt Von rasender begier wie Etna aus dem rachen dampf rauch und feueꝛ spie/ und kunts so schꝛecklich machẽ Und flammen werffen aus/ so blutig als die schlacht Und treffen auff dem plan wurd beiderseits verbracht. D ie Ioͤ aber war auff seinem schild gegraben/ Die man an diesem ort sah keine hoͤrner haben: Itzt war sie auf dem leib bewachsen gantz mit haar Itzt durch verwandelung sie eine kuh schon war. (Darbey zur gnuͤge man abnimmet und betrachtet Wie hoch er hat gewolt von ankunfft seyn geachtet) Es war da Argus auch auff diesem schild zu sehn/ Der bey dem fraͤuelein als huͤter muͤste stehn; Wie auch der Inachus der vater/ welcher gosse Die vollen eymer aus/ daß es mit hauffen flosse/ Gleichwie ein starcker strom. Diß war auf Turni schild Und helm in rothem gold schoͤn kuͤnstlich abgebild. Ihm folgt ein grosses heer zu fusse/ grosse hauffen Mit schilden kommen her zu felde keck gelauffen/ Da Das Siebende Buch. Da ist viel Griegisch volck/ Auruncer/ Rutuler/ Sicaner/ Sacraner/ Labicer/ Numicer. Zu diesen allen kam von Volsischem geschlechte Camilla/ wolte bey-auch-wohnen dem gefechte : Fuͤhrt schoͤne reuterey bewaffnet allzumahl Mit tuͤchtigem gewehr von eysen und von stahl. War eine kriegerin und spielte nicht mit Tocken/ Gewehnt auch ihre hand zu keinen flachs noch wocken/ Ließ korb und wolle stehn: Sie war ein freuelein/ Unv hatte lust und lieb in hartem streit zu seyn/ Und mit geschwindem lauff den wind zu uͤberstreben ; Sie kunt mit schnellem fluß sich uͤbers feld erheben/ Daß sie die spitzen nicht der ahren ruͤhret an/ Und fuͤhr mit trockner fersch durch Thetis nasse bahn. Es kam die junge pursch vom land und hauß gelauffen/ Wie auch das weibes volck mit ungezehlten hauffen Verwundrend ihrer sich/ und sahen sie starr an/ Daß sie so maͤnnlich zog mit maͤnnern auf den plan/ Wie sie heroͤtsch sah voll freudiger begierde/ Wie ihr der Mantel stund von koͤniglicher zierde/ Wie sie mit guͤldnem hefft gefasset hat das haar/ Das wie das guͤldne liecht der sonne glaͤntzend war. Wie sie den koͤchter kunt an ihre seite guͤrten/ Wie sie mit eisen spitz hat einen speer von myrthen/ Der ziemlich lang und dick ; Wie sie der hirten schaar Zu brauchen dessen pflegt/ im fall es noͤthig war. Das Das Achte Buch. Das Achte Buch. A Ls Turnus zu Laurent die fahn heraus gestecket/ Und durch den trompten schall die tapffern roß er- wecket/ Und uͤberall das volck trieb an zum krieg und streit/ Koͤmpt stracks in Latien der ruff/ das weit und breit Der leute muth wird reg/ verwirret und bethoͤret/ Sie lauffen hin und her/ das gantze land verschweret Sich zu dem kriegeszug: Die junge pursche tobt Mit ungezaͤhmten sinn/ und nichts als waffen lobt. Messap und Ufens sind die außerlesnen fuhrer/ Wie auch Mezentius Tyrrhnischer regierer/ Ein mann/ der keine scheu fuͤr Gott im himmel trug; Man bringet uͤberall auff voͤlcker zu dem zug. Es wird auch Venulus nach Arpos zu dem helde/ Dem grossen D iomed geschickt/ daß er ihm melde Den gantzen handel an/ und ihn uͤmb huͤlffe baͤt/ Berichtend/ daß ihr reich nun beystand noͤthig haͤtt/ D arein die Troer schon gewapnet waͤren kommen/ Und haͤtten zum besitz die Haven eingenommen: E neas waͤhre starck zu schiffe kommen an Und wolte fuͤhren ein und bringen auf die bahn Die Goͤtter seines lands/ die/ wie man hatt erfahren/ Zu Troje unterbracht vom Griechenlande waren: Es doͤrffte dieser gast ohn grund zur ungebuͤhr/ Als wolt ihn das geschick zum Koͤnig/ geben fuͤr. Und Das Achte Buch Und haͤtte sich viel volck zu diesem mann geschlagen/ Man hoͤrte weit und breit im lande von ihm sagen/ Und haͤtte grossen ruff. Was er gedencke nun/ Und wo er ziele hin mit solchem seinen thun/ Wenn sich das gluͤcke solt nach seinen sinne fuͤgen/ Und der Latiner reich gewinnen und besiegen/ Das koͤnt er Diomed viel baß/ als Turnus/ sehn/ Und als der Koͤnig selbst Latinus kan verstehn/ So giengs in Latien. Dis kunte gleichesfalles Der tapffre Troer held Eneas mercken alles D rumb schwebt er voller sorg und aͤngstigen beschwer/ Erwieget alles gnau/ und dencket hin und her. Wie/ wenn des wassers schein/ das in dem kessel bebet Vom gegen glantz der sonn/ und wenn der monden hebet Zu blincken an und strahlt in wasser/ siehet man/ Daß es steigt in die lufft/ und leuͤchtet oben an D as hohe himmelschloß. Die nacht kam itzt gegangen/ Und waren alle thier mit suͤssem schlaff befangen Auff gantzem erdenkreiß. Es ruhte von der muͤh Das fluͤgelschnelle heer der voͤglein und das vieh. Da sich der vater auch Eneas legte schlaffen In kalter lufft/ nicht weit von seinem schiff und haven/ War wegen schweren kriegs voll schwerer sorgenpein; Bis endlich er begunt hierob zu schlaffen ein. Da duͤnckt ihm/ wie der geist des orts herfuͤr sich reckte Aus seinem schoͤnem fluß/ der umb den leib sich deckte Mit grauem segeltuch/ und auff dem haupt trug er Von schilffrohr einen krantz. Drauff wolt er die beschwer Und Das Achte Buch. Und sorg ihn reden aus. O der du bist entsprossen Von goͤttern (saget er ) und fuͤhrest unverdrossen Die Troer stadt uns zu/ und denckst auff ewge zeit Zu schuͤtzen Trojens rest und alte herrligkeit ; Du kommest eben recht nach maͤnnigliches hoffen Ins land Italien: Dasselbe steht dir offen/ Da hast du deinen sitz und ein bestaͤndig hauß; Steh fest/ und weiche nicht/ und laß dich keinen strauß Noch dreuende gefahr des krieges/ der sich reget/ Erschrecken/ denn es hat sich gaͤntzlich schon geleget Der Goͤtter grimm und zorn. Itzt (daß du dieses nicht Fuͤr einen traum nehmst auff und eitelem geticht) Wirst du sehn eine saw mit dreysig ferckeln ligen Bey einer eich/ ist weiß/ die weisen fercklein schmiegen Sich umb die brust herumb. Da ist der ort der stadt/ Da deine muͤh und noth gewiß ein ende hat. Wenn man/ das Ascan sol nach dreymahl zehen jahren Die groß Albauer stadt erbauen/ wird erfahren: Ich sage dir vorher nicht ungewisses ding. Nun wil ich zeigen dir (merck auf/ halts nicht gering) Auff was manier du koͤnust das jenge/ was obhanden Steht/ gluͤcklich richten aus. Es wohnt in diesen landen Ein volck/ dasselbe wird genand Arcadier/ D ie von dem Pallas sind vorzeiten kommen her: Die ihrem koͤnige Evandro nachgezogen/ Der aus dem lande wurd zu fliehen weg bewogen: Sie wehlten einen ort und bauten eine stadt Auff einem hohen berg/ die ihren namen hat/ Und Das Achte Buch. Und Pallanteum heist von seinem großherrn vatter/ D er am verstande war ein nuͤtzlicher berather. Schau diese Arcader sind immer im gewehr Und kriegen mit dem volck der alten Latier. Die nimm mit dir in krieg als treue bundsverwandte/ Ich wil dich auff dem fluß selbst fuͤhren neben strande/ Damit du dennoch wol mit rudern kommest fort Den strengen strom hinauff und fahrest in den port/ Wolan! so mach dich auff/ erhebe deine sinne/ Eneas/ den gebohrn die Goͤttin/ die Lustinne/ Und bringe/ wenn der glantz der sternelein vergeht/ Der Juno nach gebuͤhr dein heiliges gebaͤt. Und dencke wie du inoͤgst derselben wieder-willen Und dreuen mit geschenck und tieffer demuth stillen: D ann solst du mir hernach erzeigen danck und ehr/ Wenn du/ alß sieger/ hast erlegt des feindes heer. Ich bin der Tybur Gott blaufarbig anzusehen/ D en du am uferstrand siehst sachte fuͤrbaß gehen ; Ich bin derselbe strom/ den Goͤttern lieb und werth; Hier ist mein wohnungs sitz/ der weit und breit geehrt ; Und bin aus Tuscia uhrspruͤnglich hergekommen: Damit hat seine red ihr end und ziel genommen. Hernach verbarg er sich der Wassergott im strom/ Und gab sich nach dem grund hinunter wiederumb. Immittelst geht die nacht vorbey/ Eneas stehet Von seinem lager auf/ und nach den auffgang gehet/ Und sieht das guͤldne schild der sonnen froͤlich an/ Nim̃t mit der hohlen hand/ wies braͤuchlich war gethan/ A a Das Das Achte Buch. D as wasser aus dem fluß/ und red auff solche weise Gen Himmel: O du schaar der nimpfen/ die ich preise Im Laurentiner land von welchen stammen her Die wasser; Dir sey auch/ o vater Tybur/ ehr Mit deinem heilgen strom; Erzeiget mir genade/ Nehmt mich in euren schutz/ daß mich beruͤhr kein schade Noch einige gefahr. D ein schoͤnes haupt und quell Ruͤhr her/ wo her es woͤll/ von welchem ort und stell/ Als der erbarmnuͤß du mit meiner noth getragen/ Mein seufftzen angehoͤrt/ gelindert meine plagen. Ich wil nun allezeit dich ehren nach gebuͤhr/ Ich wil dir immerdar geschencke tragen fuͤr. O schoͤn gehoͤrnter strom und Koͤnig allerfluͤsse/ So weit Italien befeuchten deine guͤsse/ Nimm mich doch endlich auf und leiste wircklich bald/ Was du mir zugesagt erzehleter gestalt. So betet er und liest von schiffen zwo galeen/ Gab ihnen ruder zu/ hieß sie in ruͤstung stehen. Schau aber was sich schnell-fuͤr ungeheur erhebt/ Und was fuͤr wunderding fuͤr seinen augen schwebt. Man siehet eine saw/ die weiss/ sich niederlegen Im wald/ am ufer strand/ umb selbige sich regen Viel weisse ferckelein/ die dir der fromme mann E neas zum altar/ o Juno/ fuͤhrt heran/ Vnd mit den fercklein laͤßt/ als opffer/ schlachten abe/ Umb zu versoͤhnen dich mit solcher ehr und gabe. Allein der Wassergott besaͤnfftigt diesen fluß/ Der sonst die gantze nacht geschwuͤlstig sich ergoß. E r Das Achte Buch. E r lieff zuruͤck und blieb in seiner fluth bestehen/ Und macht den strom so schlicht/ daß er kunt linde gehen/ Gleich wie ein stehend see. D amit es nicht so schwer In ihrer grossem muͤh dem rudervolcke wehr. Demnach so eilen sie/ sind freudig/ fort zugehen/ Frolocken mit geschrey: Die sanfften luͤfftlein wehen. Da faͤhret durch die fluth das wol verpichte schiff/ Das wasser wundert sich/ daß es so schnelle lieff/ E s wundert sich der wald/ daß ungewohnter weise Die menschen auff dem fluß verrichten ihre reise/ Und tragen schilder/ die weit glaͤntzen kunten sehr/ Und daß gemahlte schiff auff fluͤssen schwimmen her. Sie rudern tag und nacht mit muͤhsamen beschwerden Bis sie durch lange bucht gehn und ermuͤdet werden. Und fahren manchen pusch und gruͤnen wald fuͤrbey: E s war der fluß so still/ daß sie den schatten frey Im wasser kunten sehn/ das gleichsam sie mit schiffen Durchschnitten: Itzt hat sie die mittags zeit begriffen/ Und stunde mitten fast am blauen himmels rund Die sonne/ da man gleich das schloß und mauren kunt Auch etlich haͤuser sehn: Die nun bis an die sterne Der Roͤmer macht erhoͤht durch krieg/ der weit und ferne Mit sieges pracht erschallt. E r fuͤhrte schlechten stand Evander dazumahl/ und hatt ein armes land. Sie kehren ihre schiff in eil dahin/ und nahen Sich dieser stadt und schloß/ die sie von weiten sahen. Desselben tags hielt gleich der Koͤnig fuͤr der stadt Im wald ein freudenfest/ gestalt er jaͤhrlich that. A a 2 D em Das Achte Buch. Dem grossen Hercules und Goͤtter zunfft zu ehren/ Und deren altar mit geschencken zuvermehren Zugleich sampt ihm sein sohn/ der Pallas/ auch zugleich D ie junge manschafft/ die am strand/ und guͤtern reich/ Die brachten weyrauch dar und raucht auf den altaren Das warme opffer blut. Als nun die schiffe waren Gesehn von ihnen schon/ und daß sie fahren ein Beim schattenreichen wald/ und still in rudern seyn/ E rschrecken sie so sehr durch schnellen anblick dessen/ Daß sie stracks allesammt ihr opfferwerck vergessen/ Und stehn von tischen auf. Der kuͤhne Pallas schreyt/ Sie sollen stoͤren nicht des festes heiligkeit. Und nahm selbst in die hand den außgezognen degen/ Und lieff in eiffers grimm den schiffen stracks entgegen/ Und redet sie so an von hoch erhabnen ort: Ihr jungen leute/ was sucht ihr fuͤr einen port? Was ursach treibet euch in frembdes land zu kommen? Wo habt ihr eurem lauff zu segel hingenommen? Woher ruͤhrt ewr geschlecht? von welchem stam̃ seyd ihr? Bringt ihr krieg oder fried? E neas trat herfuͤr/ Und laͤsset oben her vom schiffe sich so hoͤren/ Und wil mit zeigung vor des gruͤnen oͤhlzweigs lehren/ Warumb er kommen sey; Wir sind/ o guter freund/ Trojaner/ aber der Latiner itzo feind. Sie haben freventlich mit krieg uns angegriffen/ Als wir gar lagen still an port auff unsern schiffen. Evandrum wolten wir gern bittlich suchen an: Hierumb ist diß von uns gemeinet und gethan. D er Das Achte Buch. Derhalben bringt ihm vor und sagt/ wie ihr vernommẽ Daß Troer obersten in bottschafft angekommen/ Und bitten einen bund mit ihnen ein zu gehn. Der Pallas kunte kaum fuͤr wundrung stille stehn/ Als er den namen hoͤrt der kriegs-beruͤhmten lente ; Trit aus/ wer du auch bist/ sagt er/ der du von streite Und langem kriege koͤmmst/ Sprich selber muͤndlich an Den vater/ und zeuch ein bey uns als lieber mann Und angenehmer gast. D rauff heist er ihn willkom̃en/ Und gibt ihm seine hand; Und als er sie genommen/ Truͤckt er sie treulich fest. Da gingen sie so fort D en griuͤnen wald hinein verlassend fluß und port. E neas redet an den Koͤnig solcher massen/ Wie es die hoͤffligkeit nicht anders thun wolt lassen: Du frommer Koͤnig du aus tapfferm Griechenland/ Dem ich/ wie das geluͤck und mein betruͤbter stand Erfodert/ flehen muß/ und dem ich diese zweige Des friedens oͤhlebaums in tieffer demuth zeige ; Ich habe zwar bedorfft in keiner furcht zustehn/ Daß du ein Griegscher fuͤrst/ und aus Arcadien Bist buͤrtig und verwand den bruͤdern/ den Atriden ; Doch aber meine treu und liebe zu dem frieden/ Auch heilger Goͤtter spruch und fest verheissungs pfand/ Daß unsre vaͤter sind einander auch verwand/ Und dann dein gut geruͤcht/ das weit und breit erschollẽ/ Hat mich krafft des geschicks mit dir verbinden sollen/ Und selbiges zu thun getrieben kraͤfftig an/ Was ich sonst gerne thu und nicht wol lassen kan. Aa 3 Der Das Achte Buch. Der Dardanus hat erst zu bauen angefangen Der Troerstadt/ das ihm mit gluͤck ist fort gegangen/ Daß er der stiffer ist derselben alten stadt/ D en die Electra (wie die Griechen sagen) hat Gebohren an die welt. D erselb ist angekommen D er zeit in Phrygien. Electra hat genommen Ihr ankunfft und geschlecht von grossem Atlas her/ Der auff den schultern traͤgt den himmel und das heer D er guͤldnen sternelein: Ihr aber seyd gekommen Von dem Mercurius/ der seinen stamm genommen Vom Maja/ die ihn hat auff dem gebuͤrg Cyllen Gebohren/ das man sieht voll schnee und kaͤlte stehn. Die Majam aber hat der Atlas auch gezeuget/ Auff dessen schultern sich der gantze himmel neiget. So koͤmmt nun unser stamm von einem ahnen her/ Hierauff verlassend mich und keinem andern mehr Hab ich gesandten nicht an dir verschicken wollen; Noch mit behender list und griff versuchen sollen/ Die meinung deines sinns: Ich komme selbst zu dir In tieffer demuth her/ als der ich habe mir Nicht lassen widrig seyn mein eigen blut und leben In mancherley gefahr/ ja in den tod zugeben. Die Rutuler/ die dich verfolgen grimmiglich Mit unbefugten krieg/ die sind auch wider mich. Vermoͤgen sie so viel uns beyde zuvertreiben/ Wird ihnen mangeln nichts/ gestalt sie trotzig glaͤuben/ Daß sie nicht unters joch ziehn gantz Italien/ Und muͤsse diesem volck auch zu geboten stehn Das Das Achte Buch. D as grosse meer/ das sich beyds unten und dann oben Streckt an Italien mit ungestuͤmen toben. Nimm von mir meine treu/ und gib auch deine mir/ Wir haben tapffres volck/ das uns viel traͤget fuͤr/ Sind muthig/ starck und keck zugehen an das streiten/ Wir sind vorsehen auch mit jungen tapffern leuten. Eneas brach hierauff sein wort und reden ab ; Der Koͤnig aber auff ihn gnaue achtung gab/ Sah ihm steiff ins gesicht/ ob er ihm was an augen Koͤnnt sehn und mercken ab/ das nicht viel moͤchte taugẽ/ In dem er redte/ sah er ihn von fuͤß auf an/ Sagt drauff mit wenigen/ als ers fand wol gethan: O rapffrer Troer held/ wie bist du mir willkommen ! Wie gern erkenn ich dich/ wie gern hab ich vernom̃en Dein unverfaͤlschte treu! Denn ich erinnre mich Derselben zeit noch wol/ da deinen vater ich Gehoͤret und geschn. Ich kan mich noch besinnen/ Was er fuͤr reden fuͤhrt/ und was er fuͤr beginnen Bey sich verspuͤren ließ. Mir koͤmmet jtzt in sinn/ Wie Priam seine reis hin nahm nach Salamin/ D aselbst Hesionem der schwester zu zusprechen In ihrem koͤnigreich: Von dannen sah man brechen Ihn wieder auff/ da er wolt etwas weiter gehn Umb sich zusehen umb in land Arcadien. D a wuchsen mir die haar/ als juͤngling/ schon am kinne/ Und wenn die obersten der Troer ich besinne/ So muß ich selbige mit wundrrung schauen an/ Wie auch den Priamum/ den unerschrocknen mann. A a 4 Anchises Das Achte Buch. Anchises aber thats den andern vor fuͤr allen/ Denselben ließ ich mir insonderheit gefallen; Ich hatte lust/ wies ist mit junger pursch bewand/ Den mann zu reden an/ und geben ihm die hand. Ich hielt ihn lieb und werth/ ich muste zu ihm kommen/ Ich hab ihn in die stadt Pheneum mit genommen Mit sonderbahrer lust: Als er zog weg von mir/ Gab er mir schoͤne pfeil/ und koͤcher schoͤner zier/ Nicht minder einen rock/ den man gebraucht zum reiten/ D er war mit gold gestickt und glaͤntzt auf allen seiten; Auch zweene guͤldne zaͤum/ die nun mein Pallas hat. Drumb was ihr bittet nun/ demselben geb ich statt/ Und geh die buͤndnuͤß ein/ die ihr von mir begehret. So bald das liebe liecht den morgen uns gewaͤhret/ Wil ich euch fertgen ab mit froͤlichem bescheid/ Und huͤlfflich springen bey mit einem heer zum streit. In des (weil ihr zu uns als freunde seyd gekommen) Begehet mit uns auch dis fest/ wie ihr vernommen/ Das wir nicht brechen ab/ noch moͤgen schieben auff. Seyd froͤlich/ und last itzt dem opffer seinen lauff. Und nun gewehnt euch schon zu nehmen unverdrosseu Mit diesem mahl vor lieb bey euren bundsgenossen. Da hieß er wiederumb das essen bringen her/ Wie auch das trinckgeschirr/ und was darbey noch mehr Von noͤthen war/ das man hat vorhin abgenemmen/ Und heist sie allesampt also zusammen kommen/ Und noͤthigt sie/ daß sie sich setzen in das graß: Eneen/ welcher an der oberstelle saß/ Laͤßt Das Achte Buch. Laͤßt er auff einem stul von Ahornbaume sitzen/ D en kuͤnstlich hat die hand des meisters koͤnnen schnitzen/ Legt drauff ein loͤwenfell: Die pursch/ die sonderlich Darzu verordnet war/ bezeiget aͤmbsig sich ; Wie auch die priester/ die hin fuͤr dem altar traten/ Und trugens eingeweyd des ochsens auff gebraten/ Und legeten brodt auff den tisch/ und schenckten ein In guͤldene pocal den suͤssen freuden wein. Eneas langte zu mit seinen mittgenossen/ Und aß vom eingeweyd des ochsens unverdrossen/ Vom ruͤcken ebenfallß/ war alt fuͤnff gantzer jahr/ Und der mit gutem fett gantz aus durchwachsen war. Nach dem nun die begier zu essen war gestillet/ Und durch dis kleine mahl der magen angefuͤllet/ Da sprach Evander so: Diß jahrfest/ dieses mahl Und diesen altar hat kein eitler wahn noch wahl Uns zubegehn gereitzt: Das ists/ weil wir sind worden Errettet von gefahr/ vom wuͤrgen raub und morden; D rumb halten wir es so/ und geben alle jahr Dem Hercul ehr und danck fuͤr abkehr der gefahr. Vorerst schau jenen felß/ wie er sich abwerts neiget/ Und gleichsam seinen fall mit klarer deutung zeiget/ Schau ! wie die grossen stein zerstreut sind hin und her/ Und wie das felsernhauß man fast nicht kennet mehr/ Man siehet/ wie hernach die felsen sind gefallen ; Da ist ein hoͤhlendach gewesen auch fuͤr allen/ Das tieff in erdenschlund hinab erstreckte sich/ In welchem Cacus hat gewohnt der wuͤterich/ A a 5 Er Das Achte Buch. Er sahe greulich aus/ weil weder mon noch sonne/ Hinein schien/ und die erd von warmen blute ronne/ Auch hingen menschenkoͤpff genagelt an der thuͤr/ D ie schreckliche gestalt den augen zeigten fuͤr. D iß unthiers vater war Vulcanus/ dessen rachen War anzusehn/ gleich wie der kopff von einem drachen/ Spie lauter funcken aus/ und schrecklich schwartzes feur/ War scheußlich/ lang und dick/ ein grosses ungeheur. E s ist uns aber auch/ da wir zusammen traten/ Und mit gesamten wunsch um huͤlff und rettung baten/ Die zeit gesprungen bey/ und einen starcken Gott Uns zu geschickt/ der hat gerochen unsern spott Und unertraͤglich joch. Denn Hercul kam gegangen Der den drey-leibichten Geryon hat gefangen/ Getoͤdtet und beraubt mit stiges pracht und macht/ Und trieb das vieh hindurch/ das er davon gebracht In grosser meng und zahl/ daß es rings umb die felder Lang hin am wasseꝛ stund und einnahm thal und waͤldeꝛ/ Allein des Caci sinn verwegen und verrucht/ Damit kein bubenstuͤck noch trug blieb unversucht Und ungewagt/ entwand vier außerleßne stiere/ Und trieb sie von der heerd/ der schoͤnen kuͤh auch viere/ Und zoch dieselbige beim schwantz in seine hoͤhl/ D aß keiner auff die spur kaͤm und sie wieder stehl. Als nun war umbgewand die spur/ und er sie trecket/ Hielt er sie in der hoͤhl verborgen und verstecket ; A ls sie nun Hercul sucht/ war keine spur/ die ihn In Caci hoͤhlendach mit nachricht wiese hin. In Das Achte Buch. In des/ als er sein vieh/ das wol geweydet hatte/ Wo anders triebe hin von dieser wies und matte/ Und wolt itzt ziehen weg/ da schrye rind und kuh: Der wiederschall im wald erthoͤnte: Mu mu mu! Die eine kuh/ die in die hoͤhle wat gezogen/ Schrie auch/ mu mu! da fand sich Cacus sehr betrogen In seiner hoffnung/ da er ihm fest bildet ein/ D as vieh wehr wol verwahrt in hohlem felsenstein. Da wird der Hercules mit grossem grimm entzuͤndet/ Fuͤr schmertzens hefstigkeit/ den er darob empfindet/ Nam risch die wehr zur hand/ die knoͤtichtschwere keul/ Und lieff hin auff den berg in wunderschneller eil. Da haben nuͤsre leut den Cacum erst gesehen Bestuͤrtzet am gesicht/ und gantz erschrocken stehen; E r flieht nach seiner hoͤhl fast schneller als der wind/ D ie furcht an seine fuͤss ihn gleichsam fluͤgel bind. Als er sich nun darein verschlossen und verkrochen/ Wie auch den grossen stein/ als er die kett zerbrochen/ Geworffen nieder hat/ den selber der Vulcan/ D er Cacus vater war/ geschmiedet kuͤnstlich an Gedachte kett/ an der derselbe stein fest hienge/ Und hat befestiget das loch/ dadurch man gienge/ Mit einem siegel: schau! da faͤhret Hercul her Mit rasender begier vom zorn ergrimmet sehr Und suchet allerseits auf unterschiedne massen/ Wie er ihm komme bey und endlich moͤge passen; In dem er sein gesicht bald hier bald dorthin wend/ Mit grimmen zeenen knirscht und voller zorren brennt. E r Das Achte Buch. Er that wol etlichmal versuch herumb zugehen Umb Aventinus berg/ und bliebe stille stehen/ Versuchend etlichmahl/ ob er die steinern thuͤr Zerbrechen moͤchte/ die geleget war dafuͤr: Jedoch umbsonst: Und wurd so muͤd bey jedem mahle/ Daß er sich setzen must ein wenig in dem thale. D a stund ein spitzer felß/ gar stickel uͤberall Auff dieser hoͤhl/ und war hoch anzusehn zumahl/ Bequemer auffenthalt der voͤgel/ die von leuten Dafuͤr geachtet sind/ daß sie nichts guts bedeuten; Am selbten/ wie er lincks sich neiget oben her Dem strom zu/ stem̃t er sich mit aller macht und schwer Hinauf die rechte seit/ und strebet stracks dagegen/ Und macht ihn wackeln erst/ und daß er sich muß regen: Bald riss er ihn bis an die untre wurtzel loß/ Hernach gab er geschwind ihm einen starcken stoß; Darob erregte sich in luͤfften ein getuͤmmel/ Daß auch erthoͤnete der groß gewoͤlbte himmel/ Der uferstrand erbebt/ man siehet/ wie der fluß Von schrecken angefuͤllt zuruͤcke lauffen muß/ Allein die hoͤhlenburg wurd also hart getroffen/ D aß die vor finstre thuͤr itzt gantz und gar steht offen/ Und man hinein kan sehn: Gleich wie durch eine macht Sich von einander thut die erd und schrecklich kracht/ Dadurch die hoͤlle sich eroͤffnet und entdecket/ Daß auch die bleiche schaar der seelen wird erwecket/ Welch oͤrther sind verhaßt den Goͤttern in gemein/ Und man von oben her sieht in den schlund hinein/ Der Das Achte Buch. Der greulich anzusehn/ davon die seelen beben/ Und furchtsam musten stehn/ wenn sie sehn umb sich D as offne tagesliecht. Als Cacus der gestalt (schweben Und unvermuthend zwar durch Herculis gewalt In liechte wurd ertappt und in der hoͤhle lage Verschlossen/ daß er sieng an eine grosse klage Mit bruͤllen und geheul/ setzt ihm der Hercul zu Von oben mit geschoß und ließ ihm keine ruh. Gebrauchet allerley gewehr und schwere waffen/ Damit er wieder ihn sich traute was zuschaffen/ Hielt stets mit werffung an der zweig und grosser stein. Er aber (weil nunmehr nicht muͤglich kunte seyn Zu meiden die gefahr) speyt aus dem weiten rachen Viel dicken rauch und dampff und kunt im loche machen (O schrecklich wunderding !) so finstre nebeldufft/ D aß man nichts sehen kunt in dieser wuͤsten klufft: Ja er macht in der hoͤhl ein uͤberschrecklich schmauchen/ er fuͤllt die nacht mit dampff/ mit feuer duͤnst und rauchẽ. Aleides kunte dis aus tapffrer eiffers brunst Nicht leidẽ/ springt herab durch feuer/ dampff und dunst/ Wie dicke sie auch ist/ wie neblicht sind die duͤffte Wie schrecklich auch der schlund der ungeheuren kluͤffte : Er griff den Cacum stracks/ ob er gleich feur und rauch/ Doch ohn verrichtung/ spie mit dampfferfuͤlltem hauch. E r druͤckt und aͤngstet ihn unauffgehoͤrter massen/ Und wolte von ihm nicht fuͤr grimm und zorn ablassen; Die augen sprungeu ihm aus seinem kopff/ die kehl Ersticket/ daß er must außspeyen seine seel. Stracks Das Achte Buch. Stracks wurd der grosse stein vom eingang weggerissen/ D ie wohnung auf gemacht und alls entzwey geschmissen/ D as vieh/ so er entfuͤhrt/ bracht man an sonnenschein/ Und was er wieder recht fuͤr gut gezogen ein. Es wird das greulich aaß gezogen bey den fussen Aus der zerstoͤrten klufft/ darob die leute liessen Sich schauer nehmen ein. D ann kunten sie sich nicht Satt oder muͤde sehn am schrecklichen gesicht/ An aug und bruͤsten/ die von dick- und rauchen haaren Bewachsen uͤberall und gleichsam borstig waren; Sie sehn den rachen an/ wie dieses ungeheur Nicht speyen kunte mehr wie vorhin/ rauch und feur/ Seyther ist man dem brauch und sitte nach gekommen/ Daß man zu ehren hat dem Hercules genommen/ D iß fest in heilger acht/ und haben fuͤrder auch Die nachkoͤmlinge froh gehalten den gebrauch/ Und diesen tag gefeyrt mit opffern und gebaͤten/ Und ist Potitius am ersten auffgetreten/ Als stiffter dieses fests/ wie auch hernach Pinar/ D er dieses heilgen brauchs getreuer Huͤter war. Der hat den altar auch/ den wir auch allzeit wollen Den grossen nennen/ wie wir ihn auch nennen sollen/ Gebauet in dem wald/ und angestellt die feyr/ Weil dieser Held erlegt dis schrecklich ungeheur. Derhalben nur wolan ihr pursche/ weil wir halten Dem Hercules zur ehr diß fest/ darinn die alten Uns fuͤrgegangen sind/ so bringet kraͤntze her/ Und setzt sie auff das haupt/ und was zum opffer mehr Ge- Das Achte Buch Gehoͤret; Trinckt frisch ruͤm/ und rufft aus einem munde Deu grossen Hercul an/ daß dem gemachten bunde Sein recht gescheh: Denn er ist aller unser Gott/ Der uns errettet hat aus aller noth und spott/ Und opssert willig wein. So redet er zu ihnen/ Und hieß den Hercules mit allem fleiß bedienen: Drauff wurd von Pappellaub/ das von zwo farben war/ E in krantz gewunden/ den wund er sich umb die haar. Wie Hercules gethan/ und nahm den birckenmeyer In seine rechte hand/ der zu der heilgen feyer/ Und fest gehoͤrig war: So bald goß jederman E in wenig auff den tisch/ wies braͤuchlich war gethan; Und waren wolgemuth/ und beteten die Goͤtter Mit heilger andacht an/ als ihren schutz und retter. Immittelst neiget sich die sonn am himmels dach/ Und kam die dunckle zeit des abends allgemach. Man sah die priester zunfft sich ein-zum opffer-stellen; Potitius gieng fuͤr/ bekleidt mit rauchen fellen/ Gestalt es braͤuchlich war/ sie trugen fackelen Und namen wieder fuͤr zum opffermahl zu gehn. Sie setzen auff den tisch auch obst mit schweren schaalen Wie auch das emgeweyd/ und thun den opffermahlen Zur gnuͤg ihr heilges recht/ die zunfft der Salier Sich finden auch herbey und tantzen lustig her Nach dem gesang und spiel umb altar/ da die flammen Von opffer/ welches angezuͤndt ist/ gehn zusammen: E in jeder ist geziert mit einem Pappeln krantz ; Hier waren junge pursch/ die trieben spiel und tantz ; Dort Das Achte Buch. Dort sassen alte leut/ die priesen Herculs tugend Und thaten mit gesang/ wie er schon in der jugend Zwo schlangen haͤtt erwuͤrgt mit seiner kindeshand/ Die ersten bestien/ die wider ihn entbrand Durch Juno bittern haß/ und wie er ferner haͤtte Mit krieg gekehret uͤmb die weitberuͤhmte staͤdte/ Als Troja/ und hernach Oechalia/ wie er Wol tausendterley muͤh/ angst/ elend und beschwer A us zwang des Koͤnigis E urysteus und getriebe Der grimmen himmelsfrau durch grosse tugendliebe Gelitten haͤtte fest. Du unbesiegter held/ (So sungen sie) der du bist groß in gantzer welt; Du hast das pferdevolck von zweyerley gestalten Die man Centauren nennt/ mit grimmigen gewalten Erschlagen und erwuͤrgt/ du hast den grossen stier Zu Creta umbgebracht/ das ungeheure thier; Du hast den lewen auch vermocht zu uͤbermeistern Im walde Nemea/ die hoͤlle sampt den geistern Geschreckt und uͤberstrebt. Es hat der hoͤllenhund/ Da er die beine fraß/ und lag mit offnem schlund/ Gefuͤrchtet deinen zorn/ und allda lassen liegen Was er benaget hat/ weil er sich muste schmiegen Fuͤr deine grosse macht. Nicht einige gestalt D er ungeheuren thier/ auch keinerley gewalt Hat jemals dich geschreckt. Typholus hat nicht koͤnnen Mit seiner staͤrck und wehr dir etwas angewinnen/ Noch schrecken jagen ein: Es hat dir nicht an rath Gemangelt/ da die schlang dich so uͤmringet hat/ Zu Das Achte Buch. Zu Lerna bey dem pfuhl/ da sie mit hundert kehlen/ D ir hefftig setzte zu und dachte dich zu queelen; Sey doch von uns gegruͤßt/ du warer Jovis sohn/ D er du den Goͤttern bist ihr kleinod/ zier und kron. Komm gnaͤdig doch zu uns zu diesem deinen feste/ Anff dem wir freuen uns zu ehren dir auffs beste. So preiseten sie ihn mit ihrem lobgesang/ Sie setzen auch hinzu/ mit inniglichem danck Des Cari felsenburg/ wie er erschrecklich schrye Ja wie er schweffel/ dampff und feuer von sich spie Man hoͤret/ wie davon berg/ huͤgel/ pusch und wald Mit hefftigem gethoͤn erklinget und erschallt. Als sie nun dieses fest bestellt mit opffern haben/ Geschachs/ daß sie gesammt sich in die stadt begaben: D er Koͤnig gieng zu fuß/ der hoch bejahret schon/ Mit dem Eneas und dem Pallas seinem sohn; Da unterweges er manch schoͤn gespraͤche hielte/ Damit man den verdruß in gehen nicht so fuͤhlte/ E s koͤmmet wunderlich E neen alles fuͤr/ Laͤßt schiessen hin und her die augen/ traͤgt begier Und lust zu diesen ort: Er forschet gnau und eben Nach allen wolgemuth/ und ließ bericht ihm geben/ Er hoͤret die geschicht erzehlen vorger leut/ Und wie gewesen sey ihr stand und moͤgenheit. Drauff hub Evander an/ der/ massen man noch schauet/ Auff Palatinus berg hat eine stadt gebauet: Das Faun-und Nimfen volck bowohnte diesen wald/ Ein volck von grober art und eurischer gestalt; Bb Ja Das Achte Buch. Ja die entsprossen sind aus harten eichenbaͤumen/ Die guter sittenbau und wandel nichts einraͤnmen/ D ie sich verstehen nicht auff ochsen spannen an/ Und wie es umb den pflug und acker sey gethan. Sie wissen nicht bescheid zu werben/ zu handthieren/ Sie koͤnnen sparen nicht/ und keinen handel fuͤhren; Sie nehren sich von obst/ von wilpraͤt auff der jagt/ Wie harte speis es sey/ sie ihnen doch behagt ; Da ist Saturnus erst von Creta hergekommen/ Dem von dem Jupiter sein land war ein genommen/ Und floh fuͤr seiner macht: Der hat die groben leut/ D ie hin und wieder man auff bergen sah zerstreut/ In ordnung wieder bracht/ und satzungen gegeben/ Nach deren inhalt sie und meinung solten leben; Und hat dasselbe land genennet Latien/ Weils ihm da sicher hat und ruhig koͤnnen gehn/ Und ist die guͤldne zeit gewesen (wie man saget) Da er regieret hat: Das volck hat nicht geklaget. Man hatte fried und ruh; Bis aͤrgre zeit drauff kam/ Da mehr und mehr das gold in seinem werth abnam/ Und tolle rasenheit zum krieg war auff gekommen/ Da auch der schnoͤde geitz die menschen eingenommen: D a sind Ausonier/ wie auch Sicanier Gekommen in diß land mit einem grossen heer/ Und ist Saturni land durch rauben krieg und morden/ Ja manchen uͤberfall genand offt anders worden: Da haben Koͤnige und unter anderen Der grimme Tybris sich im land Italien E r- Das Achte Buch. Erhoben thurstiglich; Nach welches namen haben Die Welschen sich bequemt und diesem flusse gaben Den namen Tybris auch/ der sonst hieß Albula/ D er sich verloren hat in gantz Italia. Als ich nun war entsetzt von meinem reich und stande/ Und außgetrieben wurd aus meinem vaterlande/ Und daß ich muste ziehn gantz euserst an das meer/ Bin ich an diesen ort gekommen endlich her D urchs gluͤck und goͤttliches fuͤrsehn/ das weißlich waltet/ Und in der menschen thun regieret/ herrscht und schaltet: Die mutter eine nimpf hat mich gemahnt auch an/ Nicht minder hat es mir der Febus kund gethan In seinem weisen spruch. Nach diesem/ da er gienge Des weges weiter fort/ zeigt er ihm grosse dinge/ Der heiligen altar/ den seine mutter hat Gestifftet und die pfort/ die mit bedachtem rath Den Roͤmschẽ namen fuͤhrt Carmenta/ wie man saget/ Der nimf Carment zur ehr/ der dieses hat behaget/ D ie auff wahrsagerey sich ziemlich wol verstund/ Und erst hat auffgethan zu propheceyn den mund; Die Troer wuͤrden noch nach vielerley beschwerden Und außgestandner muͤh beruͤhmt und herrlich werden/ Und Pallanteum seyn ein hochbenahmte stadt/ D ie von dem Pallas her den edlen namen hat. Dann zeigt er auch den wald mit ruͤhmlichen vermelden/ Den Romulus der kern und kleinod tapffrer helden Zur freyheit hat gemacht/ auff solche weis und art/ Wie weyland zu Athen gemachet ruͤhmlich ward. Bb 2 Er Das Achte Buch. Er gienge weiter fort und an die stelle kame/ D ie heilig wird genand: Lupercal ist der name/ Bey einem kuͤhlen felß/ und ist den goͤtzen Pan Nach brauch Arcadiens geheilget bey gethan. E r wieß ihm auch den ort des grabes Argilete/ Der weyland war verflucht/ verflucht auch noch die stete/ Er haͤtte keine schuld des namens noch geschicht/ Und gab/ wie Argus wehr der gast getoͤdt/ bericht. Hernachmals fuͤhrt er ihn auffs grosse schloß Tarpeien Und Capitolium/ das man in golde stehen/ Kan gleichsam sehen jtzt ; Daß hiebevor nur war Mit wilden puͤschen rauh bewachsen gantz und gar. Es war zu der zeit schon diß orthes zu verspuͤren Ein hoher andacht geist/ die hertzen zu beruͤhren Des sitten groben volcks mit schrecken/ furcht und scheu/ Sie zitterten dem wald und felß zu wohnen bey. Es wohnt in diesem wald und auff den gruͤnen hoͤhen (Sagt er) gewiß ein Gott. Doch kan man nicht verstehẽ Was es fuͤr einer sey. Zwar die A rcadier Bestehn auffdiesem wahn/ daß es den Jupiter Selbst da gesehen hab/ da er zum oͤfftern schluge Am schwartzen schild/ den er in seiner rechten truge/ Und einen wetter sturm in luͤfften reget an. D u siehest uͤber das/ wies schlecht dort ist gethan Umb jenes staͤdte paar/ wie sie sind umbgekehret/ Zerrissen auff den grund/ verwuͤstet und verheeret/ D u siehest noch den rest von ihrem mauerwerck/ Der alten vaͤter grab und schrifftliches gemerck. Schau! Das Achte Buch. Schau! diese stadt hat Jan/ der beydes forn und hinden Gestirnet ist/ jen hat Saturnus/ wie wir finden/ Gebauet: Diese wird Janiculus genand ; Jen heist Saturnia ; So viel mir ist bekand. In solcherley gespraͤch kam man ins schloß gegangen Evandri/ dessen thun nicht war von grossem prangen: Man sah am roͤmschen marckt die grossen heerden gehn/ Und weiden hin und her/ da itzt pallaͤste stehn. Sie bloͤckten in der gaß Carin/ die jtzt gebauet Sehr schoͤn und herrlich ist/ daran man wunder schauet: Als man ins zimmer kam/ hub er so redend an ; In dieses hauß ist ein gekehrt der siegesmann Alcides: Dieser sitz war diesem grossem helden/ Von dem man anders nichts/ als tugendlob muß meldẽ/ Nicht zu gering und klein. Mein werther lieber gast/ Sey doch in deinem sinn so keck und wol gefast/ D aß du moͤgst grosses gut und schnoͤdẽ pracht verachten/ Und bild dir ein/ daß man dich wuͤrdig sol betrachten/ Wie der Alcides war/ und laß mein guͤtelein Dir lieb und angenehm mit gutem willen seyn. Mit diesem fuͤhret er den trefflichen Eneen Ins enge losament/ ließ ihn nicht laͤnger stehen/ Lud ihn zu sitzen hin/ auff eine lager statt/ Die er mit einer haut von einer baͤhrin hatt bedeckt/ wie auch mit laub. Die braune nacht kam gangẽ/ Und hatt den erdenkreiß mit finsternuͤß umbfangen. Die Venus aber/ die bey solcherley gefahr In ihrem hertzen nicht ohn fug erschrocken war/ B b 3 Be- Das Achte Buch. Bewogen auch durch der Latiner hartes dreuen Und auffstand/ welches sie nicht wenig musten scheuen/ Sprach sie Vulcanum an/ und zwar da sie gleich lag Bey ihm in guͤldnem bett/ und bracht ihm ihre klag Gar zierlich fuͤr und kunt nach ihrem wuntsch und willẽ Sein hertz mit Goͤtter lieb bewegen und erfuͤllen: Als wieder Troja zog das heer der Griechen aus/ Und diese schoͤne stadt und koͤnigliche hauß Mit feur verheerte/ das ohne krieg und morden Nach Goͤttlichem geheyß wehr außgetilget worden/ Hab ich fuͤrs arme volck umb keine huͤlffe dich E rsucht/ noch mittel/ die du haͤttest noch fuͤr mich/ Mein liebster ehgemahl/ von deiner kunst und gaben Gebethen/ die ich nun von noͤhten werde haben. Ich habe nicht gewolt dir uͤberlaͤstig seyn/ Noch muthen etwas an/ das nichts kunt bringen ein: Wie wol ich war verpflicht des Priami geschlechte/ Und kindern/ ihnen bey zustehn nach meinem rechte/ Und des E neens muͤh/ noth/ elend und beschwer Mit nassen augen hab beweinet offt und sehr. Nun aber hat er sich in Latien begeben/ Nach Jupiters befehl/ und will da wohnhafft leben; Derhalben sey von mir dein heilge Majestaͤt E rsucht demuͤthiglich mit innigem gebaͤt; Laß meinen sohn doch seyn vorsehn mit guten waffen/ Damit er fried und ruh sich einmahl koͤnne schaffen. E s hat Tythonia und Thetis koͤnnen dich Erweichen/ da sie auch so baten inniglich. Als Das Achte Buch Aͤls sie nun aus geredt/ und er ihr solch begehren Und willen wolte nicht auff einem stutz gewehren/ Umbfing die Venus ihn mit weisen aͤrmelein Und kunte gegen ihm thun freundlich hold und fein; E r alsobald empfand die flamme/ wie er pflegte Die sich in marck und bein gantz bruͤnstig bey ihm regte/ Nicht anders/ als der plitz/ der mit geschwindem liecht Mit einem donnerschlag durch dicke wolcken bricht. Sein ehgemaͤhlin nun begunte dis zu mercken/ Und wuste/ was fuͤr krafft sie haͤtt in liebeswercken D urch ihrer schoͤnheit glantz/ war frisch und guter ding/ Daß ihr der possen so nach wuntsch von statten gieng. Da sprach der alte herr/ der fuͤr und fuͤr verbliebe D erselbigen verknuͤpfft mit demantfester liebe: Was hohlst du deine bitt und ursach also weit/ O Goͤttin/ wo hast du gelassen allbereit Dein zuversichtliches mir tragendes vertrauen/ Das ich wol eh an dir hab froͤlich koͤnnen schauen? Wehr gleiche sorge dir gelegen vormahls an/ So wuͤrd ich haben das zur selben zeit gethan. Und haͤtte deinen sohn und leute wollen ruͤsten Mit guten waffen aus nach meinem recht und luͤsten ; War auch entgegen nicht dem grossen Jupiter/ Daß Troja solte stehn noch zehen jahr und mehr/ Und solte Priamus noch andre zehn jahr leben/ Darwieder wolt auch nicht der Goͤtter ordnung streben: Und nun auch/ wenn du je zu kriegen bist gesinnt Und noch der meinung bist/ wolan! wil ich geschwind B b 4 Was Das Achte Buch. Was ich vermag und kan durch meine kunst verheissen; Wil ungesparter muͤh ich mich dahin befleissen ; Und thun/ was du begehrst: Was ertz und eysen kan/ Was feur und blasebalg/ sol werden bald gethan/ Halt nur mit bitten ein/ als wenn du dir nicht trautest Bey mir zu gelten was/ und nur vergebens bautest Auff meine huͤlff und schutz: Diß ihr zu machen kund Gab er ihr einen kuß auff ihren rosenmund/ Umbfienge freundlich sie/ blieb ihr in schosse ligen/ Sanck hin in sussen schlaff/ und schoͤpffte sein vergnuͤgen An vielgewuͤntschte ruh. Darnach zu mitternacht/ Als gleich der erste schlaff gethan war und verbracht: Macht er sich auff behend/ gleich einem embsgen weibe/ D ie/ daß sie ihr gewerb und nahrung ehrlich treibe Mit spinnen und gewerb/ steht auff und wend ein theil Der nacht zur arbeit an/ schlaͤgt feuer auff in eil/ Und wecket ihr gesind/ daß sie bey liechte spinnen Ihr tagewerck recht auff/ und wil also gewinnen Ihr liebes stuͤcklein brodt/ damit sie keusch und rein B ehalt ihr ehebett/ und ihre kinderlein Erzieh mit lob und nutz. Auff solche weis und massen Will sich Vulcanus hier nicht traͤger finden lassen: E r machet sich geschwind aus seinem weichen bett/ Und mit behendem fleiß an seine schmiede geht. Es liegt ein eyland da/ Sicilien und Liparen/ Zur seite/ da viel felß-und hohe klippen waren Voll schweffel/ dampff und rauch/ darunter eine grufft/ ( Wie in dem Etnas berg/) zusehen mit dicker dufft/ Die Das Achte Buch. Die darumb außgehoͤhlt/ damit die schmiodgesellen Ihr esse solten da und schmiedewerck anstellen. D ieselbe hoͤhle gibt ein groß gethoͤn von sich/ Man hoͤrt/ daß widerschallt der amboß maͤchtiglich Von schlaͤgen/ die auff ihn mit schrecklichen gewalten Geschehen/ und die er kan unbewegt behalten: Der stahl zischt in der hoͤhl/ in ofen schnaubt das feur/ Da ist Vulcani schmied/ ist groß und ungeheur/ Und wird Vulcania die Jusul noch genennet. Hieher nun kam Vulcan der schmiede Gott gerennet Vom blauen himmels schloß: Es stunden alda schon Die knecht und schmiedeten/ daß alles thoͤnt davon/ Der Brontes/ Steropes/ Pyracmon/ welcher gienge Im heinbde/ sonder wambs; Sie schwitztẽ nicht geringe/ In dem sie schmiedeten an einem donnerkeil/ Der jtzund allbereit verfertiget zum theil Und außgefeilet ward/ dergleichen viel von himmel Der vater Jupiter mit schrecklichem getuͤmmel Wirfft auff den erden kreiß. Ein theil blieb unvolbracht/ Und wurde mit der feil noch nicht gar außgemacht. Drey strahlen machten sie von hagel und von schlossen/ D rey von den wolcken/ die von wasser sich ergossen/ Drey von dem rothen feur/ und drey von schnellem wind; Herbst/ Sommer/ Winter/ Lentz dadurch bezeichnet sind. Und als Vulcanus kam/ da mischten sie zum wercke Den plitz und donnerknall/ zu nehmen ein gemercke Des zorrens/ furcht und angst/ wenn Jupiter mit plitz Und donner schlaͤget drein/ daß auch der himmel sitz B b 5 Und Das Achte Buch. Und erde beben muß. Auff einer andern seite Und feilbanck machten sie dem Kriegsgott zu dem streite E in schreckliches geschirr und wagen/ damit er Bringt staͤdt und voͤlcker auff und richtet grosse beer. Auch schmieden sie den schild und harnisch fuͤr Minervẽ/ Die ihren zorn und grimm erschrecklich kunte schaͤrffen/ Sie uͤberguͤlden alls mit eiffer-munterm fleiß/ Und machen schuppen dran auff drachen art und weis; Sie setzen auch hinzu die eingeflochtnen schlangen Und der Medusen haupt/ das an der brust gehangen Der weisen Gottin ist. Man sah noch/ was sie gab Fuͤr blicke/ da der kopff ihr war gehauen ab: Ihr pursche/ sagt Vulcan/ last dieses alles ligen ; Ihr solt was anders itzt zu thun (merckt auff mich) kriegẽ E s muß itzt ruͤstung seyn fuͤr einem held gemacht; drumb brauchet eure krafft/ und schmiedet/ daß es kracht. D arzu gehoͤret staͤrck/ ihr muͤst die faͤuste regen/ Und eure kunst zu hauff an solche waffen legen. Saͤumt in geringsten nicht. Er machte nicht mehr wort ; Sie aber griffen an das werck und machten fort. Es wolte keiner was an sich erwinden lassen/ Sie theilten unter sich die arbeit gleicher massen/ D a wird das ertz und gold geschmeltzet in der glut/ Daß es mit hauffen fleust/ wie eine grosse flut. E s wurd auch in der ess geschmeidig so das eisen/ daß man es/ wie man wolt/ kunt auf dem amboß schmeis- Sie machten einen schild so groß/ daß er allein (sen Kunt wieder alle schuͤß der feinde gnugsam seyn. D en Das Achte Buch. Denselben machen sie aus sieben festen platen: Die andern hurtiglich die blasebaͤlge traten. Man siehet etliche das eisen kuͤhlen ab/ Da es mit dickem dampff ein groß gezische gab. D ie gantze hoͤhl erthoͤnt von haͤmmern und von schlagen/ Vnd kan gantz unbewegt der amboß das ertragen. Sie heben unter sich die arm empor mit macht Und schmeissen schlag umb schlag/ das alles knallt und drauff nehmẽ sie herfuͤr mit ihrer zang das eysen; (kracht. Und kehrens umb und umb/ und koͤnnen also schmeissen/ Und mit demselbigen so uͤmb-geschicklich-gehn/ D aß es nach ihrem kopff und willen recht muß stehn. In dem nun mittlerweil Vulcanus solche sachen Im land E olien in eil gedenckt zu machen/ Da weckt Evandrum auff der liebe sonnenschein Und liebliche gesang der bunten voͤgelein/ Die unter seinem dach die stimmlein lassen schallen. D er alte herr steht auff und laͤsset sichs gefallen Das kleid zulegen an/ und an zu ziehn die schu/ D ie er mit riemen fest nach Tuscer art bind zu. Drauff haͤnget er sich umb die schultern an die seite ein scharff Tegaͤisch schwerdt/ gebrauchet laͤngst in streite/ Legt uͤber eine haut von einem Pantherthier/ Die er zog unterm arm zur rechten seit herfuͤr. Es gingen auch mit ihm von hoher stieg herunter Zween hunde/ die auff ihn bestellt und waren munter Und frisch zulauffen mit als ihrem herren nach; Er gieng zu seinem gast mit ihm zu halten sprach/ Und Das Achte Buch. Und unterredung in geheim/ der noch gedachte/ Was er des vorgen tags fuͤr buͤndnuͤß mit ihm machte/ Und was er ihm verhieß. Nicht minder machte sich E neas auff gar fruͤh: Sie gaben froͤliglich E inander ihre hand/ als sie zusammen kamen/ Die mitgeferthen/ die sie beyde mit sich namen/ War Pallas und Achat; Sie satzten mitten drinn Sich nieder in dem hauß/ und fahn mit freyem sinn Also zu reden an: E rst redte so der Koͤnig: Du tapffrer oberster der Troer/ der nicht wenig An tugend haabe gilt/ bey dessen leben ich Gestehen nimmer will/ daß Troja koͤnne sich Mit seinem reich und macht verloren gaͤntzlich achten ; Ich habe zwar/ wenn ich will meinen stand betrachten Den grossen namen nach/ nicht zu zusetzen viel: Denn auff der einen seit ist meines reiches ziel Der strenge Tyburstrom/ der gleichsam uns versperret ; Und auff der andern seit uns feindlich zwackt und zerret Das volck der Rutuler/ das faͤhrt gewapnet her/ Und koͤnnen sicher kaum seyn fuͤr dem thore mehr. D och aber hab ich fuͤr nach deinem wolvergnuͤgen Dir grosses volck und heer zur huͤlffe bey zu fuͤgeu; Welch heil dir das geluͤck itzt zeiget wunderlich/ Und koͤmmt/ als wenn Gott selbst geruffen haͤtte dich. Es ligt ein alte stadt Agylla wol mit mauren Befestigt/ welche noch kan manchen puff außtauren/ Nicht weit von hier/ da vormals sonst die Lydier E in kriegberuͤhmtes volck mit uͤber grossem heer Sich Das Achte Buch. Sich nieder setzeten auff der Hetrurer hoͤhen; D ieselbe Stadt als sie bey gutem wolergehen Gestanden hat viel jahr/ hat glelch zur selben zeit Mezentius beherrscht mit stoltzer grausamkeit. Was sol ich sagen viel von greuel/ wuͤrg-und morden/ Das von dem wuͤterich ist aus geuͤbet worden; Die Goͤtter wollens ihm vergelten endlich so/ D aß mit den seinigen er nimmer werde froh. Ja dieser grausame tyrann und grimme richter Band tod an lebende/ gesichter an gesichter/ Und haͤnd an haͤnde ( o der unerhoͤrten quaal ! ) Die flossen der gestalt mit eiter/ blut und schwal/ Und musten jaͤmmerlich mit solcherley umbfassen Durch einen langen tod ihr liebes leben lassen: Allein die buͤrgerschafft wurd endlich schwuͤrig drob/ Als er es machen wolt mit ihnen gar zu grob/ Und allzugreulich tobt: Umringen derowegen Ihn und sein hauß und hoff/ und sich gewapnet legen Fuͤr seine thuͤr und thor und schlagen alles tod Von seinen leuten/ die ihn stehen bey in noth. Ja werffen feuer auch ans dach und hohen giebel/ Jedoch entrinnet er dem ungestuͤmen uͤbel/ Und dieser wuͤrgerey/ floh ins Rutulierland Zum Turnus/ der ihn schuͤtzt mit willger freundes hand/ Als seinen alten gast. Allein die voͤlcker kommen Aus gantz Italien/ da sie schon laͤngst genommen Die waffen zu der hand mit vollem eiffers grimm/ Und fodern den tyrann mit macht und ungestuͤmm Zur Das Achte Buch. Zur straff/ und stehen da bereit zu scharmuͤtzieren ; Zu diesen wil ich dich/ o faͤrst E neas/ fuͤhren/ Du solst ihr feldherr seyn: E s liget alles voll Am haven/ sind fuͤr leid und ungedult fast toll; Und wollen/ man sol sie stracks fuͤr die feinde fuͤhren ; Allein ein alter man/ bey dem sich weißheit spuͤren Und propheceyung ließ/ eroͤffnet seinen mund Und that zum unterricht diß ihnen freundlich kund: O schoͤne manschafft aus Hetrurien entsprungen Der vaͤter blum und krafft/ die wahrer schmertz getrungẽ Zu ziehen gegen feind/ und die gerechter grimm Entgegen den Mezentz gereitzt mit ungestuͤmm Es mag kein Welscher mann nach goͤttlichem vorsehen Sich auff so grosses volck und regiment verstehen: Fuͤr allen dingen muͤst ihr seyn darauff bedacht/ Wie von den frembden euch ein heerfuͤrst sey gebracht. D rauff hat sich dieses volck so angehoͤrter massen Nach goͤttlichen bericht im felde stillen lassen; D er Tarchon aber hat mir bottschaffk zugesand/ Und mit des reiches kron den scepter zuerkand: Und wil mich allerdings zu ihrem Koͤnig machen ; nun nehm ich mich gern an des krieges und reichs sachen: Allein mein kalter leib und traͤges alterthumb Mißgoͤnnt die berrschafft mir zu werben ehr und ruhm. Zwar wolt ich meinen sohn wol gern hierzu vermahnen/ D aß er sich dieses reichs und aller unterthanen Nehm an/ im fall er nicht von einer mutter wehr/ Die aus Sabinen ist gekommen buͤrtig her/ Und Das Achte Buch. Und also haͤtte theil an diesem vaterlande: Du aber/ dems gegoͤnnt nach jugend und verstande Vom goͤttlichem geschick/ den selbst der Goͤtter rath Zu diesem regiment bestimmet weißlich hat; Nimms an/ o tapffrer held/ und hertzog der Trojaner/ Wie auch nicht weniger inkuͤnfftig der Tuscaner? Ich wil dir uͤber das mein hoffnung trost und hort/ Den Pallas/ geben mit zu ziehen mit dir fort/ Damit er sich gewehn nach deiner lehr und rechten/ Und lern die kriegeskunst/ den schweren streit und fechten/ Auch halte deine that fuͤr augen stettiglich/ D aß er dirs nach zu thun mit ruhm befleißge sich. Ich wil zweyhundert ihm Arcadsche reuter geben/ Schoͤn außerlessnes volck/ und leute/ welche streben Mit keckem muth nach ruhm: So viel wird auch fuͤr sich D er Pallas nehmen mit mein sohn und ehren dich. Evander hatte kaum dis wort gebracht zum ende/ Da schlug Eneas und Achates gar behende D ie augen auff die erd/ und dachten hin und her Mit traurigem gemuͤth an hart und viel beschwer. Sie wehren laͤnger auch in den gedancken blieben/ *Die Venus . Weñ sie die * Lustinne nicht haͤtte selbst vertriebẽ/ Die an dem sternen sitz ein klares zeichen gab: Denn unvorsehens fuhr ein schneller plitz herab Von klarem him̃els thron mit solchem schall und knallen/ Nicht anders/ als wolt alls in einem hauffen fallen: Man kund auch in der lufft vernehmen einen schall/ Der anders klunge nicht/ als der trompeten hall. Sie Das Achte Buch. Sie sahen auff/ da hoͤrt man wieder grosses knallen/ Man siehet im gewoͤlck viel waffen/ welche schallen/ Wenn an einander sie gestossen wurden offt/ Man sieht sie schimmern hell in hoch gestirnter lufft. Die andern wurden drob bestuͤrtzt in ihren sinnen ; E neas aber kennt der mutter der Goͤttinnen Gelaut/ uud daß es wehr ein zeichen der genad/ Da sie ihm huͤlff und schutz zu thun versprochen hat. D erhalben saget er. Steh nur in keinen sorgen/ Mein hoch geliebter wirth/ es ist mir unverborgen/ Was dieses wunder bring. Es gilt die deutung mir ; Der himmel will/ ich sol dem kriege stehen fuͤr/ D ie mutter Venus hat mir dieses guter massen Vorher gezeiget an/ und deutlich wissen lassen ; Ich solte/ wo ein krieg sich wuͤrde spinnen an/ Diß wunderzeichen sehn am hohen himmelsplan/ Dann wolte sie mir auch von himmel huͤlffe schaffen Und geben an die hand Vulcanus starcke waffen. Ach leider! was steht nun fuͤr mord und blutbad fuͤr D em Laurentiner volck/ wie wirst du/ Turne/ mir noch buͤssen maͤchtiglich/ was leichnam schild und waffen Viel tapffrer leute wird der vater Tybris raffen In seinem strome fort! Sie moͤgen uns nun streit Und vhede bieten an/ und brechen bund und eyd. Als er diß außgered/ stieg er vom stul herunter/ Gieng erstlich zum altar des Herculs frisch und munter/ Und machte feuer an/ hernach ins gestrig hauß; Da sein schlecht wesen war/ und sahe froͤlich aus. Evan- Das Achte Buch. E vander schlachtete daselbst mit seinen gaͤsten Den Troern gute schaaff/ und die mau von den besten Erwehlte nach gebrauch/ nach diesem gieng er fort/ Und sah/ was seine pursch guts macht an meeres port. Aus ihnen nimmt er fuͤr die besten zu erkiesen/ D ie sich als tapffre leut im kriege brauchen liessen ; Den uͤberbliebnen theil erachtet er fuͤr gut Zu ziehen lassen heim bey stillem strom und fluth. D ie flossen mit dem strom hinunter ohn bemuͤhen Und arbeit/ weil sie nicht die ruder dorfften ziehen ; Sie brachten zeitung mit dem kleinen sohn Ascan/ Wies umb den vater stuͤnd und annoch waͤr gethan. Es wurd ein gutes pferd gegeben einem jeden/ Der von den Troern war zu diesem krieg beschieden/ Und in Hetrurien itzt solte ziehen mit/ Das allerschoͤnste roß war/ drauff Eneas ritt; Man fuͤhrts ihm fuͤr und war gantz um und um bedecket Mit einer rothen haut/ vom leuen/ der noch recket D ie spitzen klauen aus/ die schimmerten verguͤldt; D er ruff wird laut hievon und alles stracks erfuͤllt In dieser kleinen stadt: Es zoͤgen eilend reiter Ins land Hetrurien/ viel volck und gute streiter: Da sieng das weibesvolck aus grosser furcht und scheu Den Goͤttern an geluͤbd zu legen doppelt bey. Die furcht ist groͤsser noch als die gefahr zuachten/ und scheinet schrecklicher des Mavors larv und schlachtẽ. Damals nam seinen sohn E vander bey der hand/ Als er gesegnen wolt sein liebes vaterland/ C c Und Das Achte Buch. Und reisefertig war. E r weinte solcher massen/ Daß sich die zaͤhren leicht nicht wolten stillen lassen/ Und redet also: O das mir der Jupiter Koͤnnt meine vorge jahr doch wiederbringen her/ Wie ich war zu der zeit/ da ich that fuͤr Praͤneste/ Als ich im offnen feld die feinde schlug/ das beste/ Und als ein siegesheer viel hauffen zundet an Von schildern! daß ins graß biß mancher/ rittersmann. Auch koͤnig Herilus/ den ich zu tode schluge Mit dieser meiner faust und preiß und sieg weg truge; Dem die Feronia/ als er gebohren ward Drey seelen eingepflantzt von unterschiedner art. (erschrecklich/ daß mans sagt) dreymal must man die waf- Gebrauchẽ wider ihn/ eh man was kunte schaffen/ (fen Und muste dreymal seyn ertoͤdtet in dem streit ; Dem dennoch diese faust drey seelen zu der zeit Genommen ritterlich/ und eben so viel waffen Geraubet allemal/ daß er nichts kunte schaffen/ Wenn (sag ich) mirs so gut koͤnnt annoch wieder seyn/ D aß ich mich mit dem feind in streit koͤnnt lassen ein ; Ich wolte/ lieber sohn/ mich nimmer von dir trennen/ Und solt Mezentius mein nachbar nicht so koͤnnen Bravieren trotziglich. E r haͤtte so viel blut Vergiessen nicht gesolt mit frevelhafftemmuth/ Und diese schoͤne stadt von buͤrgern oͤde machen. Ihr Goͤtter aber/ die ihr noch fuͤr uns wollt wachen/ Und du/ o grosser Gott und Koͤnig Jupiter/ Last euch des koͤniges und der Arcadier Be- Das Achte Buch. Beschwer zu hertzen gehn/ und wie ihr habt vernom̃en/ Mein vaͤterlich gebaͤt zu euren ohren kommen/ Wenn eure majestaͤt und goͤttliches geschick Mir diese gnade thut und schencket diß geluͤck/ Daß mein sohn Pallas mir sol laͤnger seyn am leben/ Wo mir mein leben sol so lange seyn gegeben/ D aß ich ihn wieder seh und wieder zu ihm komm; So bitt ich einig nur umb lebens frist: Hierumb Soll mir kein ungemach noch einige beschwerden/ Die ich erdulden muß/ so schwer und bitter werden; Wo aber du/ o gluͤck/ mir dreuest ein beschwer Und unfall/ der mir fast zusagen greulich wehr; So laß doch nun/ ach nun! den faden meines lebens Mich selber reissen ab/ damit ich nicht vergebens Ohn hoffnung leben muß/ weil ich nicht wissen kan/ Obs nach den außgang wird mit mir seyn wolgethan/ Und voller zweiffel bin in meinem thun und sorgen/ D ie ich/ mein lieber sohn/ fuͤr dich trag in verborgen/ Der du mein einig und in meinem alterthumb Gezeugte freude bist/ mein kleinod/ zier/ und ruhm Der ich dich noch allhier in meinem armen halte/ D aß nicht durch boͤse post mein hertz und muth erkalte Das war das letzte wolt des vaters/ eh sein sohn Mit seiner reuterey zoch in den krieg davon; Und fiel in ohnmacht hin. Die diener alßbald kamen Gelauffen/ und ihn stracks auff ihre schultern namen/ Und trugen ihn ins schloß. E s zoch die reuterey Numnehr zum thor hinaus/ die ersten/ die darbey C c 2 Sich Das Achte Buch. Sich funden/ war der fuͤrst Eneas/ und der treue Achat und obersten die Troer nach der reyhe ; D er Pallas mitten drinn war stattlich anzufehn In seinem reiterrock und stund ihm alles schoͤn. Gleich wie der morgenstern/ der sich fuͤr andern allen Beflammten sternelein die Venus laͤßt gefallen Wenn er gespuͤhlet ab in grossem Occan Sein schoͤnes liecht laͤßt sehn an hohen himmels plan/ Und kan die finsternuͤß mit seinem glantz verjagen ; D ie weiber stehen auff den mauren voller zagen/ Und sehn von weitem nach/ wie dieses schoͤne volck Und reuterey zeucht fort und eine dicke wolck von leichtem staube macht: dadurch die waffen schim̃ern/ die spiesse/ schwerdter/ helm und schilde schrecklich flim̃ern; Sie ziehn hindurch/ wo sie der weg am naͤchsten fuͤhrt Durch Hecken und gepuͤsch gewapnet und geziert. E s gehet das geschrey sehr weit/ die pferde lauffen/ Durchs feld mit vollem trab und uͤber grossen hauffen. Es ist ein grosser wald an kuͤhlem strom der stadt A gylla/ den umbher der alten andacht hat Gehalten heilig-werth. Die huͤgel allerwegen Und finstrer tannenforst sich umb denselben legen/ Die alten Griechen/ wie viel in der Meinung stehn/ Dievormahl in gehabt am ersten Latien/ Die haben diesen wald/ den jahrfesttag darneben Dem feld- und viehe-Gott Sylvan geheilget eben. D er Tarchon hatte da sein lager nicht gar weit/ Und das Tyrrhener heer lag gut in sicherheit Itzt Das Achte Buch. Itzt kunt man alles volck von hohem huͤgel sehen/ Und wie dasselbige in ordnung kunte stehen Zu warten ihres feinds im offenbarem feld: Eneas ritt hinzu der unerschrockne held/ Und die zum kriegeszug erlessne schoͤne jugend/ des landes blum und kern und außbund tapffrer tugend ; Und weil sie waren muͤd von dieser reiß beschwerd/ Versorgen sie den leib und fuͤttern ihre pferd; Allein die Venus kam bekleidt mit einer wolcke/ Daß sie nicht wurd erblickt von dem gemeinen volcke/ Bracht ihre gaben mit/ und da sie dazumal E rblicket ihren sohn in einem tieffen thal Beyseits am kuͤhlem fluß/ da fieng sie an gar eben; Zusagen/ und wolt ihm sich zuerkennen geben ; Sieh an/ mein lieber sohn/ die angenehme gab Die du gewuͤntschet hast/ ich dir verheissen hab/ Ist nun verfertiget vermittelst meines gatten Sinnreichen kunst und muͤh/ dir/ lieber sohn/ zu statten. Trag kein bedencken nun zu fodern auff den plan Die stoltzen von Laurent/ ja nimms mit Turno an Dem tapffern kriegesheld: Diß war der Venus rede/ Und reitzte so den sohn zur offenbahren vhede/ Darauf umbfieng sie ihn/ legt unter einer eich Die blancken waffen hin ihm gegen uͤber gleich; Er aber hoch erfreut in seinem hertz und sinnen Von wegen dieser gab und ehre der Goͤttinnen/ Kan sich nicht sehen satt/ besieht es hin und her/ Kehrts mit den haͤnden umb/ verwundert sich gar sehr. C c 3 Itzt Das Achte Buch. Itzt greifft er an den helm/ der schrecklich und mit grauen/ Wenn man den federbusch betrachtet/ war zuschauen/ Und schiene flammen außzuspeyen: Dann nam er D as blancke wuͤrgeschwerd und pantzer/ welcher sehr Vom eysen dicke war/ blutfaͤrbig grosser schwere/ Gleich einer blauen wolck/ im fall sie etwan wehre Von sonnenglantz entzuͤnd/ wird roͤthlich von dem strahl Und glaͤntzet weit von sich am hohen himmels saal. Nach diesen sah er an die stieffeln/ die vom glantze Des gold- und silberschaums schoͤn waren/ dann die lantze Und schild/ den kluge hand so uͤbertrefflich gar Gefertigt/ daß es nicht wol außzusprechen war. Im selbten hatte nun Vulcan nicht unerfahren Der propheceyungskunst/ und was in kuͤnfftgen jahren Sich wuͤrde tragen zu/ der Roͤmer sieg und pracht Und Welschen tapfferkeit gar meisterlich gemacht. E s waren alle/ die von Ascan solten haben Ihr ankunfft/ in dem schild sehr artiglich gegraben Und eigentlich gebildt ; Es waren anzusehn D ie kriege/ wie sie nach der ordnung sollen gehn. Auch wie in gruͤner hoͤhl Mars eine woͤlffin hegte/ Die zweene knaͤbelein gebahr und niederlegte. Sie hiengen an der brust/ und spieleten darbey Und lecketen die zitz der woͤlffin ohne scheu/ Sie aber beugt herumb den schlancken halß zum jungen Und schlichtet weichlich sie/ und wischte mit der zungen Auff ihren leibern uͤmb: Von dannen nicht gar weit Hater entworffen Rom mit schoͤner Artigkeit/ Wie Das Achte Buch. Wie unbefugter weis die weiber aus Sabinen Geraubet wurden/ da auff hohen schaue-buͤhnen Das kreiß- und ritterspiel ward stattlich angemacht/ Und mit der schauer gunst und jauchtzgeschrey verbracht. Daher dem alsobald enttzwischen den Latinern Und koͤnig Tatio und Eurischen Sabinern Ein neuer krieg entstund/ schau! was sich drauff begab/ Als diese Koͤnige vom kriege stunden ab; Da stelleten sie sich gewapnet beym altare Des grossen Jupiters/ der da gebauet ware/ Und hielten eine schaal ein jeder in der hand/ Und schlachteten/ gestalt die weise war bekand/ Zum opffer eine saw: Nach diesem ward gerichtet/ E in heilge buͤndnuͤß auff/ und aller streit geschlichtet. Von dannen war nicht weit zuschauen schrecklich an/ Wie Metinm vier pferd zerrissen auff dem plan (Er haͤtte bund und pflicht nicht also sollen brechen Und standhafft kommen nach gethanenem versprechen) Seyn eingeweyde ward so greulicher gestalt/ Weil er den eyd so brach/ geschleppet durch den wald/ Daß auch die dorne straͤuch von seinem blute troffen; E s war auch die geschicht zu sehen klar und offen/ Wie der Porsenna hieß den printz Tarquinium/ Der außgetrieben war/ einsetzen wiederumb. Er setzte zu der stadt mit hefftigen gewalten/ Mit hartem zwang und drang; Die Roͤmer zu erhaltẽ D ie freyheit/ wehrten sich und fuͤhrten scharffen streit ; D a haͤttest du gesohn fuͤr zorn und grimmigkeit C c 4 Por- Das Achte Buch. Porsennam boͤrsten auff/ wie er mit bitterm dreuen Erzuͤrnet war/ da sich nicht Cocles wolte scheuen/ Und unterwunde sich/ die bruck zu heben auff/ Und hindert unverzagt der feinde sturme-lauff; Und daß die Claͤlia/ als sie zerriß die bruͤcke/ Schwum freudig durch den fluß mit sonderbarem gluͤcke. Am obern theil des schilds war Manlius zu sehn/ Wie er/ als stegsherr/ kunt fuͤr Jovis tempel stehn/ Und mit beflammten muth und tapfferkeit erhalten Das Capitolium/ das/ wie vor bey denen alten/ Da es war Romuls sitz und koͤnigliches hauß/ Noch war mit stroh bedeckt und sahe stachlicht aus. Schau ! eine weisse ganß flog da auff in gebaͤuen/ D ie nunmehr sind bedeckt mit gold/ und fieng zu schreyẽ Und propheceyen an/ es kaͤm eingrosses heer/ Und wehren nicht mehr sern die kuͤhnen Gallier. Dieselben kamen an durch dorne puͤsch und hecken/ Und weil die finstre nacht sie kunte da bedecken D a fehlet es nicht viel/ daß sie nicht oben auff Gekom̃en waͤren leicht auffs schloß durch sturmes lauff: Sie hatten lang krauß haar/ das aͤhnlich war dem golde Und trugen gelbe Baͤrt/ als welche schoͤn und holde D enselben stunden an/ auch krieges-roͤckelein Vom purpur und verbremt mit guͤldnen borten fein. Die haͤlse/ die wie milch sich zeigen weif und holde/ Behaͤngen sie rings umb mit ketten/ die von golde Sind artiglich gemacht/ sie tragen zweene spieß Wie des Alpinschen volcks gebrauch und sitte ließ. Die Das Achte Buch. Die schilde sind fast lang/ mit denen sie sich decken Und kan dahinden auch ein schuͤtze sich verstecken. Vulcanus hat hier auch auff diesem grossen schild Die pfaffen/ die man nennt die Salier/ gebildt/ D ie sprungen weidlich mit mit gantz entbloͤsten leibern/ Und hielten so ihr fest mit ihren tollen weibern ; Es waren auch die huͤth in schild gestochen ein/ Umb die das priestervolck trug woͤllne schnuͤrelein. Darbey war auch der schild der von dem hohen himmel Bey Num æ zeiten fiel/ zu stillen das getuͤmmel; D arbey man diese stimm gehoͤrt hat eigentlich ; So lange wird die stadt zufreuen haben sich/ D aß sie die maͤchtigste sey aller staͤdt auff erden/ Wie lange dieser schild bey ihr wird funden werden. Wenn man nun weiter will die augen lassen gehn/ So kan man auch daselbst die erbarn frauen sehn/ Wle sie durch diese stadt auff weichen haͤnge wagen Das heiligthum und zeug des opffers braͤuchlich tragen. Bey diesem weiter hin an einem andern ort Hat er die hellenburg und Plutons reich und psort Hinzu gethan/ wie auch die wolverdienten straffen/ Die Catilinam fuͤr sein uͤbelthaten traffen/ Da er an einen Felß hieng/ den er uͤber sich Must immer sehen an und schauen zitterlich/ Daß er itzt fallen moͤcht. E r wird in seinen sinnen Von anblick auch geschreckt der grim̃en rach-goͤttinnen. Hier war der frommen schaar gesondert etwas ab/ D er Cato/ als regent/ befehl und ordnung gab. C c 5 Ent- Das Achte Buch. E nttzwischen beyden war/ der hoͤllen und dem lande/ D as auffgeschwollne meer/ das von dem wind und sande Bißweilen gelbe scheint. Der schaum war oben auff Den wellen grau/ und schwum̃ im meer ein grosser hauff Meerschwein in einem kreyß/ die gleich wie silber glaͤnztẽ/ und schnittẽ durch die flut des wildẽ meers und schwántztẽ Die blauen wellen durch. Immitten auff dem meer Sah man das Actische gefecht und grosses heer An schiffen/ wehr und zeug/ man kunte da mit grauen D en gantzen berg Leucat/ gleich als im feuer schauen/ So war es umb und umb bezingelt mit dem heer/ Daß auch der krieger glantz und gold schien in das meer. A ugust der Kaͤyser ließ zuvor ein bethfest halten/ Und zoch den Roͤmschen rath/ die obern und die alten In diesen kriegeszug/ drauff theilt er weit und breit D ie Welschen voͤlcker ab/ und fuͤhrt sie an zum streit ; Stund oben auff dem schiff dahinden auff der spitze/ Sein augen flammeten und waren gleich dem plitze/ Und fuͤhrt auff seinem helm des vaters Juli stern/ Agrippa hielte sich mit seinem heer nicht fern. Fuͤhrt seine voͤlcker an bey gutem wind nnd wetter/ Stund auf dem schiffe forn/ und trotzt auff seine Goͤtter. Hat einen ehrenkrantz gewunden umb sein haar/ Weil er ins feindes schiff behertzt gesprungen war/ Und selbtes uͤberwand. Antonins dagegen Hielt auff der andern feit/ bereit itzt anzuregen Sein uͤbergrosses heer/ das er von frembder macht. Und vieler voͤlcker schaar zusammen hat gebracht. D er Das Achte Buch. D er juͤngst vom rothem meer/ als siegherr/ war gekom̃en/ Und gantzem Orient sein regiment genommen Egyppten dienet ihm/ des morgenlandes macht Und Bactrianisch reich hat er mit sich gebracht ; Das war das euserste in des Antom reiche: Sein ehgemahl zoch mit Cleopatra zugleiche ( das ihr nicht war erlaubt) Sie eileten mit macht; Das meer schaͤumt uͤberall/ das schiff von rudern kracht. Die schnaͤutzen tringen sich mit rauschen durch die wellẽ/ Daß einen das gehoͤr vergehet durch das gellen: Sie fuͤhren auff die hoͤh/ man haͤtte/ wie es scheint/ D ie Insuln Cycladen zu schwimmen fast gemeint Auff Thetis nasser bahn/ und sich gar loß gerissen/ Doch oder waͤren berg an bergen angeschmissen. Auff so gewaltigen und hoch gethuͤrnten werck Und schiffzeug setzten sie mit gantzer macht und staͤrck E inander hefftig zu: Sie werffen feuerballen Vom werg und pech gemacht: Die pfeile hefftig fallen/ Neptunus nasses feld wird roth von neuen blut; Die Koͤnigin laͤßt auch erblicken ihren muth/ Ist mitten unterm volck/ und gibet ihm ein zeichen Mit einer glocke/ daß sie streiten/ und nicht weichen/ Und dachte noch nicht dran/ daß ihr das schlangen paar/ Das ist; Der grimme tod/ so nah am leben war/ D ie ungeheuer auch der mancherleyen Goͤtter/ D er hundeskopff Anub/ der blaͤffer und der spoͤtter Sind gegen dem Neptun/ der Venus und Minerv Und brauchen wider sie all ihrer waffen schaͤrff/ Es Das Achte Buch. Es tobt der grimme Mars mit fechten/ stossen/ schmeissen (Der außgestochen war gar kuͤnstlich in dem eysen ) Und die vom himmels printz befehlicht kamen her Der raͤcherinnen zunfft/ die klaͤgliches beschwer/ Angst/ kum̃er/ sorge/ noth/ verzweifflung/ jam̃erschlagen Mit bringen in die welt den sterblichen getragen/ Es kommt die zwietracht auch hinzu und freuet sich/ Und geht in ihrem kleid zerlumpt elendiglich. Bellone folget nach mit ihrer blutgen geisel Mit der sie treibet fort/ als einem leichten kreysel/ Die menschen ingemein/ zu streiten grimmiglich/ Und kehren ihr gewehr und eysen wider sich. Als nun Apollo sah die sachen so beschaffen/ Daß zweiffelhafftig stund ihr gluͤck/ gefecht und waffen/ Da nahm er zu der hand den bogen und geschoß/ Und ließ ihn auff das heer des feindes gehen loß. Da wurden stracks bestuͤrtzt die obgemeldten schaaren/ Und musten reissen aus/ so viel derselben waren. Man sah die koͤnigin mit erster segel-macht Und gunst geneigten wind selbst fliehen aus der schlacht. Vulcanus hatte sie gantz bleich gebildet abe/ Weil sie sich scheuete fuͤr ihren tod und grabe/ Und also fuhr davon/ da wind und meer war still; Hingegen schien betruͤbt das grosse wasser Nil. Der Keiser aber hielt Triumpff zu dreyen mahlen/ Und zoch ein in die stadt den Goͤttern zubezahlen Ihr opffer und geluͤbd/ und solte dieser ehr Seyn in Italien vergessen nimmermehr. In Das Achte Buch. In allen kirchen/ die sehr groß/ in grosser menge/ Ja durch die gantze stadt wurd ein sehr groß gedraͤnge Getuͤmmel und gelaͤuff: E s war des dinges viel An jauchtzen und geschrey/ an freud und freuden spiel. In allen tempeln sah man grosse menge frauen Und war in jeder kirch altar und dienst zuschauen/ Fuͤr einem jeden wurd geschlachtet ab ein stier. Augustus selber saß im tempel/ der zur zier Dem Faͤbus war erbaut von lauter marmorstuͤcken/ Besah die gaben/ so die voͤlcker musten schicken Nach brauch zum loͤsegelt/ da wurde/ was man schenckt An schoͤne saͤulen hin in tempel auffgehenckt D a gingen auch einher die uͤberwunden waren/ In einer langen reyh viel grosser voͤlcker schaaren/ Von mancher sprach und art/ von kleidungs unterscheid/ Von wandel/ waffen/ thun in krieg und friedenszeit. Vulcanus hatt hier auch die traͤg- und feigen Afer Gestochen auff den schild/ die Leleger und Carer/ Ingleichen waren auch Gelonen dazusehn/ Die sich auff das geschoß und bogen wol verstehn. E s war hier auch zusehn/ wie Euphrat saͤnffter flosse/ Der zwey gehoͤrnte Rhein nicht minder sich ergosse: Der strenge strom Arax schien/ als wolt er fuͤr grimm. Zerssreien bruͤck und tamm mit gantzem ungestuͤmm. Eneas wunderte sich uͤber solche sachen/ Die Mulciber im schild so schoͤn hat koͤnnen machen ; Und freute sich also der schoͤnen bilderey/ Wiewol ihm unbewust/ was die bedeutung sey. Nam Das Neunde Buch. Nam ihn an seinen arm mit sampt den hohen thaten/ Die seinen kinderen noch solten wolgerathen/ Wenn sie mit froͤmmigkeit/ mit tugend und verstand In krieg und friedens zeit regiereten ihr land. Das Neunde Buch A Ls dis besonders nun daselbst wird fuͤrgenom̃en/ Laͤßt Juno ihre magd die Irim zu sich kommen/ Und schickt sie mit befehl vom hohen himmelszelt Zum Turno/ welcher war ein kuͤhner junger held: D er eben in den wald des großherrn vaters gangen Pilumni/ und im thal zu ruhen angefangen. D ie Iris koͤmmt zu ihm/ thut ihren rosen-mund Mit saufften worten auff/ und macht demselben kund Der Juno anbefehl. Was kein Gott haͤtte sollen Dir/ Turne/ sagen zu/ das hat dir jtzo wollen Gewaͤhren dieser tag und angenehme zeit/ Die dir gibt an die hand den griff zur gluͤckligkeit. Encas ist nun mehr vom Haven auffgebrochen/ Laͤßt stadt und Voͤlcker seyn/ und hat sich tieff verkrochen In des E vandri reich und koͤnigliche Stadt: Ist daran nicht vergnuͤgt; Hoͤr/ wo er weiter hat Versetzet seinen fuß/ E r ist zu eusserst kommen Ins land Hetrurien/ und zuflucht da genommen/ D a samlet er ein heer im gantzen Lydien/ Und darff mit baurenvolck zu felde wollen gehn. Was Das Neunde Buch Was wilst du nun/ o held/ so lang bedencken tragen? E s ist nun zeit nach roß und nach geschirr zufragen. Ach saͤume dich ja nicht/ und greiff das lager an/ Das sonder ordnung ist/ und man leicht schrecken kan; Mit diesem schwunge sie die bundgestrahlten fluͤgel/ Und floge freudig auff hoch uͤber berg und huͤgel/ Und als sie an das zelt der dicken wolcken kam/ Schnitt sie den bogen durch und ihren flug fort nam. D er junge held wards inn/ und kandte sie gar eben/ Beginnet seine haͤnd in himmel auffzuheben/ Und ruffet ihr so nach. O Iris himmelszier/ Wer hat von himmel dich hieher gefandt zu mir? Wo koͤmmet ploͤtzlich her das heiterklare wetter? Der himmel thut sich auff/ ich seh das hauß der Goͤtter/ Und schweben umb und umb viel tausend sternelein; Ich wil dem zeichen gern zu folgen willig seyn/ Wer du gleich bist/ der mich anmahnet zu den waffen. Als er dis außgered/ wolt er nicht lange gaffen/ Gieng fuͤrbaß an dem fluß/ und schoͤpffet oben her Das wasser aus dem strom und bat die Goͤtter sehr. Man sah das gantze heer nunmehr zu felde gehen/ An reutern maͤchtig starck/ staffieret und vorsehen Mit außerlessnem zeug und goldgestickter zier. D ie erste ordnung hat Mossap und gienge fuͤr; Den nachzug fuͤhreten die beyden juͤngelinge Tyrrhei soͤhn/ am muth und staͤrcke nicht geringe. Der Turnus laͤsset sich sehn mitten in dem heer/ Und reitet ab und zu als ein feldoberster/ Ge- Das Neunde Buch. Gewapnet und behertzt/ war eines kopffes groͤsser/ Dem flusse Ganges gleich/ in welchem sieben waͤsser Gantz stille fliessen her; Und wie der wunderstrom Der Nil/ der fruchtbahr macht das gantze land herumb/ Wenn von gefild er sich zuruͤcke machet wieder/ Und laͤsset sich nunmehr in seinem strome nieder. Da sieht das Troer heer/ daß dicker staub auffgeht/ Und gleich wie eine wolck in truͤben luͤfften steht. Es wird mit finsternuͤß bedecket das gefilde/ daß man kaum schim̃ern sieht die lantzẽ/ helm und schilde/ Caicus rieff und schrie am ersten von dem wall Ihr buͤrger/ schauet doch/ wie steigt ein dicker schwal Vom staub auf in die hoͤh. Kom̃t bald mit euren waffen/ Und dencket das geschuͤtz in eil zur hand zu schaffen. Laufft/ laufft zu walle stracks! der feind ist kommen an! Der Troer volck schreit laut/ es laͤuffet jederman Den Troern zu/ und wil sich auff den mauren wehren/ Gestalt der tapffre fuͤrst Eneas sie so lehren Bey seinem abzug wolt/ auff daß/ so irgend kaͤm Der feind/ sein volck alsbald zur stadt die zuflucht naͤm/ Und solten sich durchaus erkuͤhnen nicht zu wagen Ihr gluͤck in freyem feld/ und mit den feinden schlagen: Das lager solten sie verwahren und die stadt/ D ie starcke Thuͤrn und waͤll/ pastey und mauren hat. Ob gleich nun scham und zorn sie reitzen und ermahnen/ Zu treffen mit dem feind/ zu schwingen ihre fahnen ; Thun sie doch nach befehl/ und schliessen hinter sich Die pforten feste zu/ und warten freudiglich Ge- Das Neunde Buch. Gewapnet ihres feinds auff hohen waͤll- und thuͤrmen. Und machen sich gefast entgegen streit und stuͤrmen. Der Turnus reitet vor dem heer/ das sachte zog/ Nahm zwantzig reuter mit/ und war/ als wie er flog. Sein ross/ darauff er ritt/ das hatte weisse flecke Aus Thracien gebracht/ ein wunderschoͤner schecke/ Trug einen rothen busch auff seinem helm/ und kam/ Eh jemand seiner wahr hoch von den mauren-nahm. Wer ist/ ihr junge pursch/ der mit mir erst sich wage Den feind zu greiffen an/ und der sich mit mir schlage? Sieh da! (sagt er) und druͤckt den leichten bogen ab/ Schoß einen pfeil ins land und seinen feinden gab Dis zeichen zu dem krieg/ nach alter weis und sitte/ Nach diesem schwung er sich im feld und einher ritte: Die reuter schreyn ihm nach/ das volck der Rutuler/ Und brausen ungestuͤm mit jauchtzen schrecklich sehr. Es nimmet wunder sie/ daß die Trojaner koͤnnen So laß und traͤge seyn/ und kuͤhnes nichts beginnen. Warumb sie truͤgen schew zu ziehn auff freyen plan/ Zu bieten ihrem feind die stirn/ mann gegen mann? Was waͤre das/ nur stets im faulen luder liegen/ Und nicht eh/ als wenns ihm dem feind gefiele/ kriegen ; Der Turnus aber ritt die mauren uͤmm und uͤmm. Nimmt sie in augenschein/ ist stuͤrmisch/ ungestuͤmm ; Sucht weg und stege da den Troern beyzukommen/ D a keiner jemals hat ein mittel wahrgenommen; Und ist gleich einem wolff/ der einem vollen stall Und schaaffen stellet nach/ der siehet uͤberall/ D d Wie Das Neunde Buch. Wie er ihm komme bey; E r geht herumb und brum̃et/ steht wind und regẽ aus/ weñs ihm nur nuͤtzt und from̃et/ Bis uͤber mitternacht. Immittelst bloͤcken fein An ihrer mutterbrust die jungen laͤmmerlein; Sind sicher/ scheuen nichts/ da moͤcht der wolff zerspringẽ Fuͤr zorn und grimmigkeit/ daß ihm nicht wil gelingen Sein anschlag auff die schaaff: E r wuͤtet wider sie/ Sperrt seinen rachen auff/ und hat vergebne muͤh. Die freßgier treibet ihn/ die er durch langes fasten Gesamlet hat/ und kan dafuͤr nicht ruhn noch rasten/ Der schlund ist ihm gar duͤrr ; Weil lange zeit kein blut E r eingesoffen hat. Nicht anders war zu muth Dem Turno/ da er umb die stadt und vestung ritte Zu sehen mittel ab/ wie er sie leicht bestritte/ Er brennt fuͤr zorn und grim̃ und unmuth nim̃t ihn ein/ D aß es ihm wehe thut bis auff das marck und bein ; Weil er nicht absehn kunt/ auff was gestalt und massen Sich die belaͤgerung und sturm thun wolte lassen: Wo man sol lauffen an/ wie die belaͤgerten Aus ihren wercken sind zu treiben/ daß sie stehn Und halten eine schlacht in offenbahrem Felde: Darumb wars nur zu thuu dem eiffrig-kuͤhnem helde: E r greifft das schiffzeug an/ so viel er kan und mag/ Das auf des lagers seit auf freyem strome lag Umbgeben mit morast und teichen allerseiten; D arauff nimmt er sich fuͤr mit aller macht zu streiten/ Und ruffet seinem volck/ sie sollen bringen her Granaten/ feuerbaͤll und was des zeuges mehr/ Und Das Neunde Buch. Und zwar er selber griff nach fackeln/ und nach braͤnden/ Und warff sie auff die schiff aus zorn mit seinen haͤnden. Das kriegsvolck muͤhet sich/ so viel ein jeder kan; D es Turni gegenwart treibt sie gewaltig an. Sie ruͤsten sich gesammt mit fackeln/ kien und braͤnden/ Sie raffen von dem herd das feur mit grimmen haͤnden. Die fackeln schmaucheten/ und gaben dunckel liecht/ Die brunst mit funcken bis an hohen himmel bricht. Ihr Musen/ saget an/ was haben doch fuͤr Goͤtter Von Troern diese noth und feuersbrunst/ als retter Genaͤdig abgewandt? Was sanffte himmelsgunst Hat von den schiffen abgetrieben diese brunst? E s wird zwar die geschicht fuͤr unbeglaubt gehalten/ Weil sie ist uͤberjahrt und scheinet zuveralten: D och hat der ruff bißher gewaͤhret fort und fort; Als der E neas fieng an Idens meeresport Zu bauen an die schiff/ und auff dem hohen meere Zu segeln willens war mit seinem grossen heere; Hat Berecynthia/ die muttet ihren sohn D en Jovem angered in hohem himmelsthron: Mein sohn/ erfuͤlle mir doch dieses mein begehren Als deiner mutter/ die du wirst und sollest ehren; Seit du den himmel hast mit gantzer heeresmacht Bezwungen und das reich der sternen unterbracht/ Hab ich dort einen wald von fichten lang gehabet/ An welchen sich mein sinn mit grosser lust gelabet/ Zu oberst auff dem berg war ein geheilgter wald/ Auff dem manch opffer ward von leuten angestallt/ D d 2 Trug Das Neunde Buch. Trug rohte tannenbaͤum/ auch Ahorn. D iese habe Dem Troer juͤngeling Eneen ich zur gabe Geschencket wolgeneigt/ weil er benoͤhtigt war Derselben zu dem baw der schiff in kriegsgefahr. Nun aber muß ich noch ein sorgsam leid bedencken: Befreye mich davon/ daß michs nicht moͤge kraͤncken/ Und laß mein muͤtterlich begehren haben raum/ Und schaffe/ daß die schiff erbaut aus solchem baum Auff keiner reise nicht noch einigen beschwerden Von keinerley gewalt der winde bruͤchig werden/ Laß ihnen dienlich seyn gebetener gestalt/ Weil sie gewachsen sind in meinem heilgen wald: Der sohn antwortet ihr/ der stern und himmel reget/ Der dieses gantze rund regieret und beweget; O liebe mutter/ was gedenckst und suchest du? Wilst du dem goͤttlichen geschicke muhten zu/ D aß schiffe/ welche sind gemacht von menschen haͤnden Unsterblich sollen seyn/ und nimmermehr vollenden Ihr wesen und gebraͤuch ? Sol denn des meeres furch E neas machen stets und sicher gehen durch ? Sol deñ das fichten haus stets durch die fluten schneidẽ/ Und nimmermehr gefahr von wilden wellen leiden? Sag/ welchem gott ist wol gegeben diese macht ? Doch wenn die schiff einmal das ihrige vollbracht/ Und werden in den port und haven seyn gekommen Des lands Italien/ und der gefahr entschwommen Des ungebaͤhnten meers/ und des Anchisens sohn In Latien gebracht/ da wil ich ihnen schon Abneh- Das Neunde Buch. Abnehmen die gestalt/ die sterblich wesen traͤget/ Daran die lange zeit die scharffen zaͤhne leget ; Ich wil zu goͤttinnen sie machen dergestalt/ Damit sie uͤbers meer empfangen die gewalt/ Wie Nercus tochter ist die schoͤne Dodo worden/ Und mit der Galathee gesetzt in goͤtter orden/ Die liegend auff der brust durchschneiden fluht und meer/ das von der winde macht braust/ tobt und schaͤumet sehr. Drauff schwur er einen eyd daruͤber fest zu halten/ Bey seines bruders fluß und hoͤllischen gewalten (neñt/ Des Plutons/ bey dem strom/ den man Styr griegisch Der in dem tieffen schlund von pech und schweffel breñt. Letzt that er einen winck/ davon erbebt der himmel/ In wolcken hoͤrte man ein schreckliches getuͤmmel. Nun kam der tag herbey/ der itzt verheissen war/ Und hatten ziel und zeit erfuͤllet gantz und gar D ie lebens-goͤttinnen/ die darzu war bestimmet/ Die mutter dencket nach/ und ihr zu sinnen nimmet Zu treiben ab das feur von schiffen/ weil so sehr Der Turnus uͤbt gewalt und frevelt mehr und mehr. Hier ließ ein newes licht sich erst fuͤr augen sehen/ Und von dem auffgang sah man einen glantz entstehen/ D er umb den himmel lieff: Es ließ sich sehen auch Der Corybauten hauff nach ihrem tollen brauch. Man hoͤret auch ihr spiel mit zymbeln und schalmeyen/ Mit pfeiff- und trom̃elen/ mit springen und mit schreyen Auff dem Idæer berg. Zu dem kam unverhofft/ Mit schrecken eine stimm aus der gestirnten Lufft/ D d 3 Und Das Neunde Buch. Und war so starck/ daß sie den beyden kriegesheeren Zu ohren deutlich kam: Seyd unbemuͤht zu wehren/ Ihr Troer/ diesem brand von meinen schiff und heer/ Und greifft deßwegen auch zu keinerley gewehr. E s sol dem Turno eh die macht gegeben werden Zu brennen aus das meer/ als legen mehr beschwerden D en heilgen fichten an: Geht ihr nun hin befreyt/ Als Goͤttinnen des meers/ wie Cybele gebeut. Mit diesem rissen stracks die schiffe von dem strande Ein jedes ab seyn tau und fuhren von dem lande Hinunter in die flut/ und tauchten tieff ins meer D ie ehrnen schnautzen ein/ wie der Delphinen heer: Dakamen wiederumb herfuͤr so viel gestalten Der jungfraͤulein (wer wolt es nicht fuͤr wunder haltẽ?) Als schiff am ufer vorhin waren anzusehn ; Und kunten schnelle durch das feuchte marmor gehn. Das volck der Rutuler wird hefftig drob erschrecket Messapus selber auch in furcht und aͤngsten stecket; Die pferde werden scheu/ der gantze strom bleibt stehn/ Gieng langsam/ rauschet heisch und saͤumet sich zu gehn Ins saltz-beschaumte meer. Doch wil nicht stracks deswe- Der Turnus seinen muth und waffen niederlegẽ/ (gen Spricht ihnen zu ein hertz/ die feigen straffet er; Diß wunderwerck/ sagt er/ gilt dem Trojaner heer/ Denselbigen ist Zeus zu huͤlffe sonst gekommen: Itzt aber hat er sie von ihnen weggenommen. Die Troer warten nicht/ daß sie die Rutuler Mit feuer tilgen aus/ mit waffen und gewehr. D ar- Das Neunde Buch. Darumb ist ihnen nun der paß zur see genommen/ Und haben mehr davon kein Hoffnung zuentkommen; Sie sind umbs element des meeres nun gebracht/ Der erdkreyß aber steht in unsrer hand und macht. Viel tausend voͤlcker sind im Welschland/ welche tragen die waffen: Was darff ich nach dem verhaͤngnuͤß fragẽ? D er goͤttliche bescheid/ darauff die Aroer sich Beruffen/ schreckt mich nicht. Es ist schon voͤlliglich D em außspruch gnung geschehn/ gestalt sichs wil gezie- Des die Trojaner sich fast allzu trotzig ruͤhmen/ (men/ Man hat nach goͤttlicher verordnung satt gethan/ Die Venus auch geehrt/ so viel man sol und kan/ Weil sie ins fette land Italien sind kommen; Hingegen bleibet mir mein reich auch unbenommen/ D aß ich das lose volck darff mit bewehrter hand/ Mit gantzer heeresmacht vertilgen aus dem land. Darumb daß sich ihr fuͤrst darff ohne scheu und schaͤmen E rkuͤhnen meine braut mir wollen weg zunehmen ; Vnd dieser schmertz trifft die Atriden nicht allein/ Und sol den Griechen nicht allein erlaubet seyu zugreiffen zum gewehr: D och moͤcht hier jemand sprechẽ : Gnung/ daß man sich einmal hat an sie koͤnnen raͤchen/ Und daß sie sind zerstoͤrt. Ja wenn ihr uͤbelthun Vor gnung gewesen wehr/ und truͤgen jtzo nun Fuͤr frembde weiber scheu/ wo sie nicht wolten hassen Dasselbige geschlecht und unentfuͤhret lassen ; Die ihr vertrauen gar zu sehr auff ihrem wall Und graben frischer an/ der uns fuͤr dieses mahl D d 4 E in Das Neunde Buch. Ein wenig haͤlt zuruͤck/ und kan noch ihrem leben/ Das sie weit strecken hin/ gar kurtze fristung geben. Gedencken sie nicht dran/ daß ihre grosse stadt Geaͤschert ein/ die selbst Neptun erbauet hat? Ihr aber/ tapffre pursch/ wer wil durch seine staͤrcke Und unerschrocknen muht zerreissen diese wercke Und vor geschuͤtzten wall? Wer ist/ der nebenst mir D as lager greiffet an mit freudiger begier/ D as voller schrecken ist ? Ich dencke nicht mit waffen Vulcani wider sie die Troer was zuschaffen ; So hab ich auch noch nicht von noͤhten tausent schiff ; Ich wil nicht nehmen fuͤr betrug und schlimme griff. Laßt all Hetrurier mit ihnen sich verbinden/ Sie sollen schewen nicht/ daß ich sie uͤberwinden Mit list und raͤncken wil/ bey duͤsterfinstrer nacht/ Wie jene/ die das bild der Pallas weggebracht Da oben auff dem schloß die wacht sie nieder machten/ Wir wolten auch dahin nicht sinnen oder trachten Uns zu verbergen in ein ungehewres pferd/ Nein. Offentlich am tag mit feuer grimm und schwerdt Hab ich mir fuͤrgesetzt die vestung anzurennen: Was gilts/ sie sollen dann mich lernen anders kennen/ Und spuͤren in der that/ daß sie nicht Danaer Noch griegsche poͤrschelein fuͤr sich nun haben mehr Die Hector zehen jahr hat ruͤhmlich auffgehalten/ Und widerstanden fest den feindlichen gewalten. Itzt weil das beste theil des tages ist vorbey/ So wird/ was uͤbrig noch/ euch tapffre pursche/ frey Gege- Das Neunde Buch. Gegeben/ daß ihr moͤgt auch eures leibes pflegen Nach wolverbrachter muͤh/ und euch zur ruhe legen Mit gutem muht/ und hofft/ daß morgen auf dem plan Sol eine harte schlacht (seid fertig!) gehen an. Immittelst wird befehl dem obersten gegeben Messapo/ daß er sol die wachten gnau und eben Bestellen und vorsehn; Und feuer rings uͤmbher Anlegen an die stadt ; Es werden Rutuler Bey vierzehn an der zahl verordnet/ acht zu haben Mit ihrem kriegesvolck auffs Feindes wall und graben: Ein jeder fuͤhrete mit sich ein hundert mann Behertzte junge kerl/ geputzt und angethan Mit blanckem waffenzeug/ und trugen auf den spitzen D er helme rohte puͤsch/ die in der sonne blitzen Mit purpur-rohtem glantz: Sie lauffen ab und zu/ Eins loͤst den andern ab/ und wechseln muͤh und ruh. Sie legen sich ins graß/ und fuͤllen sich mit weine/ D ie becher stuͤrtzen sie herumb/ die sie gar reine Gesoffen haben aus. D ie feuer leuchten hell ; Die waͤchtet bringen zu die nacht auff einer stell Mit spielen ohne schlaff. Dis kunten alles sehen Die Troer von dem wall/ die in der ruͤstung stehen/ Und nehmen ihre schantz genaw und wol in acht ; Sie eillen auch aus Furcht/ und sind darauff bedacht Die thoren zu besehn/ die wachten zu verstaͤrcken/ Zu bawen bruͤcken auff/ und machen mit viel wercken D ie festung fester noch. Sie tragen zu geschoß; Der Mnestheus und Serest bemuͤhn sich ohn verdruß D d 5 Und Das Neunde Buch. Und treiben hurtig an; Die/ wenn gefahr obhanden/ A ls hoffemeister sind der jugend vorgestanden: Gestalt Eneas selbst diß angeordnet hat Zum besten und behuff/ dem allgemeinen stat. Die wachten wurden auff der maur bestellt von allen/ Wie einem jeden war das recht und loß gefallen: Bald stehet dieser da/ bald jener auff der wacht/ Was jedem ist zuthun/ das nimmet er in acht. E s war der Nisus hier bestellt fuͤr eine pforten/ E in sohn des Hirtaci/ ein juͤngling nicht von worten/ Besondern in der that behertzt und unverzagt/ Der von dem Idens berg/ da man sich von der jagt Ernehret/ kame dem Eneen zugezogen Als leibschuͤtz/ wol versucht mit seinem pfeil und bogen/ Und sein geferthe war der schoͤne juͤngeling E uryalus dem kein Trojaner jemals gieng An zarter schoͤnheit fuͤr: Man hatte nie gesehen E in schoͤner junges blut in Troer waffen stehen/ Ein juͤngling/ dem der bart zu wachsen jtzt fieng an; Sie waren beyde gleich einander zugethan Mit lieb und freundespflicht: Sie liessen sich belieben Zugleich auch in den krieg zn ziehn und sich zu uͤben; Sie waren dazumal bestellet auff die wacht/ Und gaben unterm thor auf andre fleißig acht. Euryal ( saget Niß) was sol ich wol gedencken/ Solt auch der Goͤtter schaar ins menschlich hertze sencken Inbruͤnstige begier/ daß einer unverzagt Dem kuͤhnen sinn haͤngt nach und in gefahr sich wagt? Wo Das Neunde Buch Wo diesem nicht so ist/ wie? Ob nicht einem jeden Sein Gott ist seine lust/ die ihm sein gluͤcke schmieden/ Am besten kan und mag/ wenn sie faͤhrt ungestuͤmm? Mein hertz geht mir schon laͤngst mit den gedancken uͤm̃/ Entweder einen streit/ doch oder sonst zu nehmen Was wichtig fuͤr/ und kan zur ruh sich nicht bequemen/ Noch damit seyn vergnuͤgt. Du siehst die Rutuler/ Wie sie in ihrem thun sich trauen gar zu sehr: Man siehet nicht/ wie vor/ mehr so viel feuer scheinen; Sie schlaffen gar gewiß/ wie man nicht anders meinen Und rechnung machen kan: Sie haben gestern wein D en gantzen abend durch in halß gegossen ein: Es liget alles still: Hoͤr/ was mir ist gekommen In sinn und was ich hab anitzo fuͤrgenommen. Es wuͤntschet maͤnniglich der rath und die gemein/ E s moͤcht E neas doch ihr fuͤrst zugegen seyn. Sie schicken bothen auch an ihn umb zu vernehmen/ Wie sie sich sollen recht nach seinem sinn bequemen: Im fall sie sagen zu/ was ich begehre/ dir: ( D enn ich vergnuͤge mich an meinem ruhm und zier In uͤbung dieser that) so wolt ich mir getrauen Zu finden einen weg/ wo man den huͤgel schauen An jenem orthe kan/ daß ich kaͤm in die stadt Pallanteum/ woselbst der fuͤrst Eneas hat Itzt seinen auffenthalt. Euryal uͤbernommen Von grosser lobbegier muß gleichsam hier erstummen/ Und sich entsetzen drob. Redt seinen freund drauff an/ Der eiffrig seinen sinn schlug auff die ehrenbahn. So Das Neunde Buch. So wilst du/ Nise/ denn mich diesen hohen sachen/ Der ich bin dein gesell nicht auch theilhafftig machen? Wilt du den anschlag/ der von hoher wichtigkeit Allein veruͤben aus/ und gehen in den streit? Sol ich dich lassen ziehn durch so viel faͤhrligkeiten/ Und mitten durch den feind nicht deinen gang begleiten ? So hat mein vater mich ein tapffrer kriegesmann Opheltes nicht gelehrt/ der mich von jugend an In mancher krieges-noht/ da uns die Griechen machten Viel schrecken und gefahr/ und unserm Troja brachten Den letzten untergang/ erzogen loͤblich hat/ Und meinen schnellen sinn regiert mit weisem raht: Auch hab ich nebenst dir gehandelt nicht dergleichen/ Und hat mich niemand je gesehn fuͤr furcht erbleichen/ Da ich E neen zog dem grossen fuͤrsten nach D urch euserste gefahr und manches ungemach. Es ist in diesem leib ein hertze noch zufinden/ Das alle liebe kan des lebens uͤberwinden/ Und das/ wornach du strebst/ umb solche zier und kron Das leben gaͤbe hin gar gern zu danck und lohn. Der Nisus sagte drauff: Ich trage solche sorgen Und argwohn nicht zu dir/ das sey dir unverborgen ; Es waͤr auch nicht gemaͤß der pflicht und billigkeit/ So wahr der grosse gott mich bringet aus dem streit Mit freuden wiederumb/ und der sonst von den goͤttern/ Als die gehaͤßig sind den ungerechten spoͤttern/ Dis gnaͤdig siehet an; Dis sag ich/ so es kaͤm/ Daß mir Gott oder fall des gluͤcks mein leben naͤhm ( Gestalt Das Neunde Buch. (Gestalt sichs offt begibt/ wie du selbst weissest eben) So wolt ich gern/ daß du noch uͤbrig bliebst am leben/ Denn deinem alter nach/ das schoͤn und bluͤhend ist/ Bist du viel wuͤrdiger der laͤngren lebens-frist; So haͤtt ich hinter mir noch einen freund verlassen/ D er meinen leichnam koͤnt von feinden tapffrer massen Gewinnen in dem streit/ doch oder loͤsen ein Mit einem stuͤcke geld/ und wie es pflegt zu seyn/ Verscharren in ein grab. Ja wo auch dis nicht solte Vom gluͤck erlaubet seyn/ daß er dann halten wolte Cin seelen-opffer mir verstorbenen zur gab Und zierte meine leich mit einem ehren-grab. Zu dem was wuͤrd es seyn/ wenn deine mutter solte Empfangen hertzeleid/ so ich dich lassen wolte Mit gehen in gefahr/ die sich erkuͤhnet hat Von so viel weiberen/ und des Acestis stadt Hindan gesetzt/ und dir als ihrem lieben kinde Gezogen nach/ daß sie an deiner lieb empfinde Vergnuͤgung/ freud und wonn? E r aber wendet ein: Was du nur bringest fuͤr/ kan gantz nicht tauglich seyn: Und was ich einmal hab in meinem sinn beschlossen/ Dem wil ich bleiben nach zu setzen unverdrossen Steiff/ fest und unbewegt. Laß uns nur eilen fort ! So sagend/ weckt er auff die waͤchter an der pfort/ Die nach ihm solten erst das waͤchterampt bestellen/ Sie treten fuͤr ihm hin: Sie beyde sich gesellen Und gehen von der wacht hin zu dem printz Ascan D en anschlag und ihr thun ihm vor zu zeigen an. Die Das Neunde Buch. Die menschen und das vich auff diesem kreyß der erden Erleichtern durch den schlaff ihr arbeit und beschwerden. D er Troer obersten und außerlessne schaar Der gantzen ritterschafft in rath versamlet war/ Und uͤberlegten gnau die hohen reiches sachen/ Was sie in dieser zeit und zustand solten machen/ Und wer als bothe solt E neen zeigen an/ Wies mit den feinden sey/ und ihrer macht gethan. Sie stehn und lehnen sich an ihre lange lantzen/ Und hatten ihre schild in mitten in den schantzen/ Da wo ihr lager war/ auf einem ebnen plan ; Da kommen beyde heer gezogen freudig an/ D er Nis und Euryal: Sie bitten furzukommen/ Sie haͤtten grosse ding gespuͤrt und fuͤrgenommen; Es wehr der muͤh wol werth/ daß man damit verweil/ Und nach erfoderung der sachen nicht so eil. Jul empfieng sie erst/ die wegen hastig gehen S ehr keicheten/ und kaum vermochten still zu stehen/ Und gab dem Niso erst zu reden fug und macht/ D erselbe that sein wort/ das er so fuͤrgebracht: Ihr Troer/ hoͤrt uns an mit wolgeneigten sinnen/ Und schaͤtzt nicht unser thun und hitziges beginnen/ Das wir euch tragen fuͤr/ nach unsrer jungen zeit/ Und daß uns mit dem witz gebricht erfahrenheit. Die Rutuler vom wein berauscht sich niederlegen; Ihr lager ist gantz still/ man hoͤret sich nichts regen. Wir haben einen ort mit kriegslist abgesehn Drauff ihnen abbruch kan mit sonderm gluͤck geschehn. Auff Das Neunde Buch. Auff einem scheideweg nicht ferne fuͤr der pforte/ Die nach dem meere ligt am wol bequemen orte/ Sind ihre feuer gar verloschen uͤberall/ Und steiget in die lufft ein schwartzer rauch und schwall. Wo ihr uns wollet nun erlauben zu ergreiffen Die wolgelegenheit/ und etwas außzustreiffen Nach Pallanteum hin/ da unser hertzog ist/ So solt ihr wieder sehn uns hier in kurtzer frist Mit guter beut und raub nach wolgegluͤcktem streiten Und grossen niederlag/ dazu wir uns bereiten Mit einem kuͤhnem muth: Der weg ist uns bekand/ Wir haben laͤngst gesehn wies damit ist bewand. D enn als wir taͤglich fast des orts geflissen waren Der jagt/ da haben wir gesehen und erfahren In einem duͤstern thal das fordertheil der stadt/ Da sich die Tyber auch uns fuͤrgezeiget hat. Da fieng Aͤ lethes an/ ein mann von sinn und jahren Behende/ klug und alt/ der viel dings hat erfahren: Ihr Goͤtter dieses lands/ die ihr dem feind zu trutz D as neue Troja nehmt in euren schirm und schutz ; Ihr habt gleichwol nicht fuͤr uns gaͤntzlich außzutreiben/ Weil ihr so tapffre pursch uns lasset uͤberbleiben/ Und schickt uns manschafft zu/ die ihren festen muth Uns bieten an fuͤr uns zu wagen leib und blut; So sagend/ fast er sie an schultern und an haͤnden/ Sich ihnen beyderseits mit liebe zuverpfaͤnden/ Ließ uͤbers angesicht die zaͤhren fliessen ab/ Was (sagt er) kan man euch fuͤr preiß/ geschenck und gab E r Das Neunde Buch. Erstatten wuͤrdiglich fuͤr ewre schoͤne tugend/ Ihr tapffern juͤngeling/ die ihr euch ewrer jugend Gebrauchet hurtiglich? Die Goͤtter werden sich Zuforderst gegen euch erzeigen gnaͤdiglich/ Und euch die schoͤnste gab und ehrenkron verleyhen/ Und ewre froͤmmigkeit wird euch zu lohn gedeyen/ Das uͤbrige wird dann E neas bringen ein/ Wie auch Ascanius/ wenn er wird kommen seyn Zum wachsthumb seiner jahr/ der nim̃er aus den sinnen Wird lassen ewre zier und tapfferes beginnen. Ja ich (sprach Ascan drauff) des heil und wolergehn Allein auff wiederkunfft meins vaters kan bestehn; Bitt euch gantz fleißiglich ; O Nise durch die goͤtter/ Die wir ja allesampt flehn an als unsre retter/ Durch den Assaracum/ der Troens schutzherr war/ Und durch das heiligthumb und heiligen altar. Der goͤttin Vesta/ die sehr groß an ehr und gaben/ Ja durch das/ was ich nur am gluͤck und treu kan haben/ Das leg ich gleichsam ein in ewren schoß und hand/ Zum zeichen meiner lieb und festen unterpfand: Hohlt meinen vater doch/ und bringet mir ihn wieder: Kein trauren sol mir mehr die sinne schlagen nieder; Wenn ich ihn wieder hab: Ach bringet ihn doch her In meine gegenwart/ nach ihm verlangt mich sehr Ich wil zween silberne mit bildern außgeetzet Pocale schencken euch/ mit edelstein versetzet; Die selbst mein vater in eroͤberung der stadt Arisba machte beut und mir geschencket hat. Auch Das Neunde Buch. A uch einem jeden wil ich zweene dreyfuͤß geben/ D ie bey zwey pfunden schwer am golde sind zu heben; Auch einen becher/ der sehr kuͤnstlich ist gemacht Fuͤr alters/ den selbst hat die Dido hoch geacht/ Und mich damit begabt. So aber ich gewinne Das land Italien/ und als ein siegsherr drinne Den scepter fuͤhren werd/ und herrliche gewalt Bekommen/ daß ich auch die beut außtheile bald; Will ich dir Turnus pferd/ das du wol hast gesehen/ Und wie es glaͤntzend kunt in seiner ruͤstung gehen/ Den schild und federpusch/ o Nise/ die ich hab Bestimmt zu nehmen aus dem loß/ als deine gab/ Ertheilen mildiglich. Der vater wird dir geben Zwoͤlff mutterpferde zu/ gefangene darneben Mit waffen außstaffiert/ darzu ein gut stuͤck land/ D as selbst der Koͤnig hat Latin in seiner hand. D ich aber Euryal/ o blume schoͤner jugend/ Du abriß aller zier und außerlessnen tugend/ Dich liebt und ehrt mein sinn/ dich nehm ich hertzlich an/ Der meinem alter du bist naͤher zugethan: Und nehme dich nun an fuͤr meinem freund und treuen/ Der beydes in geluͤck sich koͤnne mit mir freuen/ In unfall bey mir stehn. Ich wil in meinem thun Begehren keiner ehr ohn dich/ noch je beruhn Auff meinem eignen rath. Es sey in friedenszeiten/ Und wenn ich fuͤhre krieg und muß gefaͤhrlich streiten/ Will ich vertrauen dir der sachen wichtigkeit/ Und dein verstand und rath soll gelten jederzeit. E e Drauff Das Neunde Buch. Drauff saget Euryal: E s sol wol nie geschehen/ Daß man mir gebe schuld/ als haͤtt ichs grob versehen; In diesem kuͤhnen werck/ und haͤtte nicht vollbracht/ Was ich mit steiffem sinn vor haͤtte laͤngst bedacht. So viel sag ich von mir; sonst wil ich lieber schweigen: Es mag sich nur das gluͤck gut oder boͤs erzeigen; Doch aber bitt ich nur diß einige von dir/ Das ich weit hoͤher halt/ als aller gaben zier. Ich habe/ da ich bin vom hause weg gezogen/ Noch eine mutter/ die mit mir zu ziehn bewogen Nicht bleiben wolte da in der Trojaner land. Acest der koͤnig bot ihr gleichfalls seine hand Und milde freundschafft an/ sie solt in ruhe wohnen In seiner stadt/ und sich mit vielen reisen schonen; Ist sonst von altem stamm des koͤnigs Priamus/ Dieselbe hab ich nun ohn letztem abschieds-gruß Unwissend der gefahr/ wie ich sie moͤchte nennen/ Und schweren ungemachs zu hause lassen kommen; Ich schwere bey der nacht und deiner rechten hand/ Der ich mit diensten dir und pflichten bin verwand ; Ich kan die thraͤnen nicht der mutter mehr ertragen: D rumb sey gebeten doch zu stillen ihre klagen/ Und troͤste sie/ weil sie weiß keine huͤlff noch rath/ Und steh ihr bey/ weil sie sonst niemand bey sich hat: Vergoͤnne/ daß ich des mich mag zu dir vorsehen/ So wil ich in gefahr auch desto kecker gehen. Die Troer wurden drauff bestuͤrtzt und fiengen an Zu weinen/ daß sich auch nicht selbst enthalten kan Der Das Neunde Buch. Der schoͤn Ascanius: Und ließ ihm gehn zu hertzen/ Als der noch hefftiger dadurch empfunde schmertzen: Weil er beraubet war des vaters gegenwart/ Nach dem er aͤngstig that nach wahrer liebesart: Drauff sprach er wiederumb: E s sey dir zugesaget/ Was dir nach deinem sinn in diesem werck behaget/ Das du mit grossem muth dir jtzo nimmest fuͤr: Ich wil die mutter auch verpflegen nach gebuͤhr/ Als gienge sie mich an/ und meine mutter wehre: Ich wil ihr folgen gern und leisten pflicht und ehre: E s sol der nahme nur Creusa mangeln dran; Nicht wenig gutes auch wird ihr thun jederman; Die weil sie einen sohn hat an das liecht gebohren/ Der ihm die tugend hat zu seinen ruhm erkohren: E s mag dein anschlag wie er wolle/ lauffen ab/ Nicht desto minder sol dir bleiben/ was ich hab Dir treulich zugesagt. Ich wil dir hiemit schweren Bey meinem haupt/ daß ich dir dieses wil gewaͤhren; Gleich wie mein vater pflag zuschweren ohne tuͤck/ Was ich dir sage zu/ wenn du koͤmmst mit geluͤck Zu ruͤcke wiederumb/ und dieses sol nach rechte Verbleiben unverruͤckt der mutter und geschlechte. So saget er und weint/ nam seinen degen ab/ D es hefft verguͤldet war den ihm sein vater gab/ Der von Lycaon war mit einer schoͤnen scheide Vom helffenbein gemacht sehr kuͤnstlich und geschmeide. Der Mnestheus gab dem Nis ein borstig Lewenfell/ Der treu Alethes zog den heim stracks auff der stell E e 2 Von Das Neunde Buch. Von seinem haupt herab und ihm denselben gabe: Der Nisus machts auch so/ und zoge seinen abe Und tauschten dergestalt. Sie machen sich alsbald Gewapnet auff den weg/ es gienge jung und alt Mit ihnen bis ans thor/ die obersten begleiten (reiten/ sie auch nach wuntsch: Man sieht den schoͤnẽ printz mit Der vor den jahren schon trug ein recht maͤnnlich hertz/ Und hatte mannes sorg ohn kinderspiel und schertz. Der ihnen viel befahl dem vater anzusagen; Allein es war umbsonst; Sie kunten nichtes tragen Zu seinen ohren hin; E s wurd in leeren wind Zerstreuet/ was es war/ das keine stette find. Sie waren itzt hinaus und uͤbern graben kommen/ Und als sie ihren weg zum lager hin genommen Bey duͤster-dunckler nacht/ war ihnen zwar die noth Vorhanden außzustehn den bittern feind/ den tod. Doch als sie kamen hin/ so sahn sie hin und wieder Daß sich das kriegesvolck bezecht gestrecket nieder Zu schlaffen in dem graß. Da stehen an dem port Die wagen und geschirr ; Es ligen hier und dort D ie leute/ keiner denckt sich auff und fort zu raffen/ Es ligen hin und her zerstreuet wehr und waffen/ Wie auch die weingefaͤß: Da faͤnget Nisus an Und sagt: Euryale/ die noth geht nun an man ; Es muß gewaget seyn mit macht darein zuschlagen: Hier ist der weg hindurch; flugs/ ehs beginnt zu tagen: Verhuͤte du/ daß uns von hinden keine rott Zu uͤberfallen komm ; Und machen uns zum spott. Drumb Das Neunde Buch. D rum siehe weit herum. Hier will ich nun durchbrechen/ Und alles machen kahl mit hauen und mit stechen/ Und wil dir machen raum/ daß wir dann alsofort Gelangen sicherlich am vorbestimpten orth. So redet er und schwieg ; gieng stracks auf den Rhamne- Mit seinem degen zu/ der stattlich auf tapeten (ten Gestrecket lag/ und bließ den schlaff mit vollem schnauff Von seiner brust/ allein er stund nicht wieder auff Vom Nisens ersten streich: D erselbe war ein Koͤnig Und vogelschauer/ der dem Turnus war nicht wenig Beliebt und angenehm/ doch hat er nicht gekunt Vertreiben diesen tod durch seinen weisen mund. Er uͤberfiel zu dem drey diener bey den wagen/ D ie zwischen wehr und zeug ohn allen sorgen lagen/ Auch Nhemi waffenknecht und kutscher/ den er traff Gleich bey den pferden an befangen von dem schlaff. Hieb ihnen beyden ab den halß/ der fuͤr sich hienge ; Schlug ihren herren auch den kopff ab mit der klinge; D er rumpff ligt da und schluckt in blut/ das bett und erd Ist von dem schwartzen blut befeuchtet und beschwert. Er toͤdtet Tamir auch/ den Lam und junggesellen Serran/ der da bey nacht sich kunte lustig stellen mit tantzẽ/ spiel und schertz: War sehr schoͤn von gestalt/ Lag aber da und schlieff bezwungen von gewalt D es starcken rebensaffts: Wie selig wehr er blieben/ Wenn er dieselbe nacht das spiel haͤtt durch getrieben Und bis am hellen tag: Der Nisus war so toll/ So wild und ungestuͤm/ und grimmer wuͤte voll/ E e 3 Nicht Das Neunde Buch. Nicht anders/ als ein loͤw/ der hungrig und ergrimmet Im fall er einen stall voll schaffe wo vernimmet/ Groß lermen richtet an (weil ihn die grimme gier Des hungers reitzt und treibt) er frist die arme thier/ Und schleppt sie hin und her/ die fuͤr ihm stracks erschreckẽ E rstum̃t von kalter furcht/ und koͤnnen nicht mehr bloͤckẽ. Der loͤwe bruͤllet fort mit seinem blutgen schlund. Euryalus machts auch/ wie Nisus tapffer kunt/ Und tobt nicht weniger gantz ungehaltner massen/ Und muß viel schlechtes volck das liebe leben lassen; Als Febus/ Hebesus/ der Rhetus/ Abaris/ Die davon wusten nichts/ nur Rhetus sahe diß/ Als wachend/ alles an: Weil aber er von schrecken Gantz eingenommen war/ so wolt er sich dedecken Mit einem trinckgeschirr/ und becher/ der sehr groß/ Dem aber/ als er auffstund und sich gabe bloß/ E uryalus das schwerdt tieff durch die rippen stiesse/ Und selbtes wiederumb mit vielem blut außrisse; Der spie mit blut heraus die seel/ und gab den wein Mit blut vermischt von sich und buͤst sein leben ein. Immittelst faͤhret fort E uryalus mit morden Und wuͤrgen in geheim und ist gar hitzig worden; E r wolte nun das volck Messapi schlagen auch; D a wo zuletzt das feur verlosch/ und nach gebrauch D ie pferde weideten im graß/ doch angebunden/ Gestalt er selber sah und gut fuͤr sich befunden ; Da sprach der Nisus (denn er meinte das er gar Zu hitzig und ergrimmt in todt- und wuͤrgen war) Laß Das Neunde Buch Laß uns nun hoͤren auff/ wir haben gnung geschlagen: Es koͤmmt das liecht heran/ und wil nun wieder tagen; Das liecht/ das unserm thun und anschlag widrig ist/ Wir haben gute bahn gemacht in kurtzer frist Immitten durch den feind: S ie liessen viel der dinge Vom silber ligen da/ und hielten sie geringe/ Als waffen/ kriegsgeschirr/ und schoͤn tapetenwerck Euryalus greifft zu und nimmet zum gemerck Rhamnetis pferdeschmuck ; Er traͤget auch verlangen Nach seinen guͤldnen gurt/ geziert mit schoͤnen spangen/ Das ehmals C æ dicus ein uͤberreicher mann Geschenckt dem Remulo/ als er fieng buͤndnuͤß an Und gastfreundschafft mit ihm/ da er nicht war zugegẽ/ E r aber Remulus laͤßt dieses alles legen Dem kleinen Enckel bey/ als er jtzt gute nacht Den seinen gab und starb: Dann ward es frey gemacht D en Rutulern zur beut. D ie haben alls bekommen. Als nun E uryalus das guͤrtel umbgenommen/ Zu seinen nutz zwar nicht; Setzt er dann uͤber das Den helm Messapi auff/ der ihm kam nicht zu paß/ Wie auch der federpusch. Da eilen sie zugehen/ Und wollen laͤnger nicht im feindes lager stehen ; Sie machen sich vielmehr ins freye sichre feld. A ls diese niederlag zu wercke war gestellt/ Da sah immittelst man herkommen heeres schaaren/ D ie aus der stadt Latin voran geschicket waren/ In dem das fußvolck zog in ordnung langsam fort. Und brachten Turno mit bescheid und gegenwort. E e 4 Drey- Das Neunde Buch. Dreyhundert waren wol derselbigen zu zehlen Der ritter/ welchen hat als meister zu befehlen/ Derselbe hieß Volscens: Ein ieder war vorsehn Mit einem schild: jtzt sah man sie was naͤher gehn Und ziehn beym lager her und zu der stadt sich kehren/ Da sehn sie diese zween in ihrem zeug und wehren Von fern sich lencken auff den weg zur lincken hand/ Mit dem Euryalus wars also schlecht bewand/ Daß ihn der helm verrieth/ und nicht daran gedachte/ Was er doch/ da er sich so außstaffieret/ machte E s war zwar in der nacht/ doch war es mondenschein/ Und kunte dannenher nicht wol verborgen seyn. Da deuchte maͤnniglich/ daß dieses was bedeute: D er Volscens schreyet auff im hauffen/ steht ihr leute! Wornach habt ihr zu gehn/ wer seyd ihr im gewehr! Wo dencket ihr hinaus? Wo seyd ihr kommen her? Sie sagten drauff kein wort und namen also balde Vertrauend sich der nacht die flucht hin zu dem walde ; Die renter stellten sich auff die bekante weg/ Und legten rings umbher die waͤchter an den steg/ Und wehreten den paß. Der wald war da mit straͤuchẽ Bewachsen hier und da mit hagen und steineichen/ Mit finsternuͤß erfuͤllt/ mit hecken ohne zahl/ D aß man empfunde scheu und grauen uͤberall. Dadurch gieng nur ein weg gar heimlich und verborgen/ Der keine tapffen hatt/ und muste man stets sorgen/ Daß man nicht gienge schlimm: Der gute juͤngeling E uryal wuste nicht/ wo enden er recht gieng. Es Das Neunde Buch. E s hindern beydes ihn die sinstern zweig und hecken/ Und schwere beute/ die er nicht vermag zu trecken/ Und fuͤhret ihn die furcht den rechten weg fuͤrbey Der Nis entgehet recht den feinden ohne sche u/ Und weiß doch nicht/ daß er der faͤhrligkeit entkommen Und seine zuflucht hier an dieses see genommen: Das von der Alben stadt hernachmals fort und fort Genennt ist worden so. Man sahe dazumal des Koͤnigs stelle stehen Als er nun stille stund nach seinem freund zu sehen/ Fieng er zu klagen an mit jaͤmmerlichem schall: Wie ungluͤckhafft bin ich/ mein lieber E uryal ! Wo bist du kommen hin/ wie hab ich dich dahinden Gelassen/ wo sol ich/ mein freund/ dich wieder finden? Da gieng er wiederumb auff dieser jrrebahn Zuruͤck/ und suchte fort in walde/ wie er kan? Nimmt auch zugleich in acht die tapffen in dem gehen/ Und laͤufft herumb in wald/ und kan nicht stille stehen: E r hoͤrt das traben zwar der pferd/ und ein geschrey/ Getuͤmmel und geraͤusch/ weiß doch nicht was es sey. E s wehrete nicht lang/ da hoͤret er das schreyen Der feind und siehet nun Euryalum den treuen Und nun verlassnen freund/ dem nun der gantze hauff/ D urch dieses orts betrug und finstre nacht stoͤßt auff Mit schnellem uͤberfall/ und gegen ihn ergrimmet Ergreiffet thurstiglich/ und ihn gefangen nimmet/ Euryalus gereitzt durch noth und tugendbrunst Wil zwar sich wehren viel/ doch aber ists umbsonst. E e 5 Was Das Neunde Buch. Was sol nun Nisus thun/ mit was fuͤr macht und staͤrcke Sol er ihm stehen bey/ und zeigen ein gemercke Der unverruͤckten treu? Was sol er gegen feind Gebrauchen fuͤr gewehr/ daß er rett seinen freund ? Sol er sich in gefahr zu stecken kecker wagen ? Sol er sich lassen sam̃t dem freund von feind erschlagen Von wegen schnoͤden ruhms? E r zeucht den bogen an Geschwind/ und sieht am mon an hohem himmelsplan/ Und betet inniglich: O goͤttin dort von ferne Latonen liebstes kind ! O zier der schoͤnen sterne/ Der waͤlder fuͤrstin du! Steh mir doch gnaͤdig bey Und hilff/ daß meine muͤh nicht gar vergebens sey. So jemals Hirtacus mein vater dich verehret Mit opffergabe hat; So ich sie auch vermehret Mit meinen jagten hab/ wo ich dir auffgehenckt Die waffen ans gewoͤlb/ und auch zur zier beschenckt D en tempel mit der beut/ so hilff mir diese menge D er feinde/ welche stehn mit maͤchtigem getraͤnge Umb den E urialum/ zertrennen durch den pfeil/ Den ich jtzt druͤcke loß/ vielleicht zu huͤlff und heil D es freunds Euryali: Ob er so moͤg gewinnen Gelegenheit und raum den feinden zu entrinnen: Regiere meinen schuß. Mit diesem muͤht er sich/ Und warff den spieß von sich/ der floge schnelliglich In finstern durch die lufft/ und fuhr dem tapffern ritter Dem Sulmo in den schild/ zerbrach/ und gieng der splitter Ihm tieff ins hertz hinein/ er fiel/ und lieff das blut Mit hauffen aus der brust/ wie eine warme flut/ Ward Das Neunde Buch. Ward also kalt und bebt der bauch ihm etwas lange/ Sie sehen hier und da sich umb/ daß manchem bange Von diesem wurffpfeil wird. Nach diesem wurde Nis Viel muthiger und schwung noch einen andern spieß. D ahinden von dem ohr: Als sie nun stehn und murren Mit feigheit/ koͤmmt der schweiß und fleugt mit grossem schnurren/ Dem Tagus durch den schlaff/ daß er im Hirne law Und warm blieb stecken fest: D er Volscens fienge rauh Im zorn zu wuͤten an/ und kan doch nirgend schen Den man/ von den der schuß zum zweitenmal geschehen/ Noch wo er sol im grimm sich endlich wenden hin: D ein blut sey unterdes mein vortheil und gewinn/ D u folt hinwiederumb fuͤr diese beyde buͤssen/ Und jtzt dein junges blut durch meinen zorn vergiessen: So sagt er/ und zugleich zoch er den blancken stahl Von seiner seit/ und gieng stracks auff den E uryal. Da kam den Nisus an ein ploͤtzliches erschrecken/ Und wolte laͤnger sich im walde nicht verstecken? Schrie laut/ wie einer/ der geraͤth in rasenheit/ Und kunte laͤnger nicht erdulden solches leid. Mich/ mich/ ich bin/ der euch diß hat gethan zu leyde; Stoßt euer schwerd in mich und in mein eingeweyde/ O ihr Rutulier! der schade koͤmmt von mir/ Er hat gehandelt nicht zuwider der gebuͤhr ; E r hat auch nicht gekunt: Das wird mir zeugnuͤß geben D er himmel und die stern/ die alles wissen eben/ Nicht anders/ als wir selbst. So lieb war ihm der freund/ So gut/ ja gar zu gut hat ers mit ihm gemeint. So Das Neunde Buch. So sagte Nisus zwar: D och war das schwerd gezuͤcket/ Das gehet durch die brust mit gantzer krafft gedruͤcket Und riß sein frommes hertz entzwey/ er fiel zur erd/ Und muste sterben so von Volscens grimmen schwerd. Die lebens roͤth/ das blut floß uͤber seine glieder Und schoͤnen leib ; Der halß sich neigte hin und wieder Auffbeyde schultern hin/ gleich wie ein bluͤmelein Verwelcket und verdirbt/ wenn sie der pflug druͤckt ein Und von dem stengel reist ; Und wie die mohnen pflegen/ Wenn ihr haupt nieder sinckt beschwert von vielen regẽ. Der Nisus aber fiel immitten unter sie/ Und drang durch alle hin mit gantzer leibes muͤh Nur auff den Volscens zu/ mit Volscens wil er gehen Allein ein gaͤngelein/ kein andrer soll ihm stehen: Die feind uͤmringen ihn und treiben ihn zuruͤck Von allen seiten her: E r aber that ein stuͤck Mit starcker freudigkeit/ und schlaͤgt mit seinem degen Herum und macht ihm raum/ daß keiner sich darff regen/ Bis er an Volscens koͤmpt/ da stoͤsset er nicht faul Demselben/ da er schrie/ den degen in das maul/ Und nam/ eh er selbst starb/ das leben seinem feinde/ Und fiel und starb alsdenn auff seinem todten freunde/ Weil er verwundet war auch toͤdlich in die seit/ Und starb da endlich mit gar sanfft ohn angst und leid. Gluͤckselig seyd ihr beyd/ so ich vermoͤgen habe Durch meine tichterkunst/ solt ihr auch in dem grabe Stets unverweßlich seyn. E ur name/ ruhm und ehr Wird allezeit bestehn/ vergehen nimmermehr. So Das Neunde Buch. So lang Eneens stamm die Roͤmer wohnen werden Beym Capitolio in frieden ohn beschwerden: So lang das Roͤmsche reich mit seinem vater steht Und Kaͤyser: Also auch eur name nicht vergeht. Als nun die Rutuler die juͤngling uͤberwunden/ Und bey demselbigen viel schoͤnen raub gefunden/ Da trugen sie den leib des todten Volscens hin Mit zaͤhren/ stillem muth und hochbetruͤbten sinn. Es war im lager auch nicht minder leid und klagen/ Weil Rhamnes lage tod/ und andre viel erschlagen/ Als nembllch der Serran/ der Numa/ und noch mehr: Viel volck zu sehen an die leichnam/ lieffen her. Es waren etliche/ die noch ein wenig lebten/ Und deren seelen kaum noch auff den lippen schwebten: die wallstat ist noch waꝛm von frischeꝛ schlacht und moꝛd/ E s rinnet noch der strom mit rothem blute fort. Sie kennen unter sich den raub mit grosser freude/ D en Nis und Euryal/ die jungen helden beyde Von den erschlagenen mitbrachten/ kennen auch Messapens blancken helm/ den er mit stettem brauch Auff seinem haupte trug: Auch kunten sie erkennen Den pferde schmuck/ den man mußt abermahl gewinnen Mit grossem schweiß und muͤh. E s stellte sich nun ein D ie schoͤne morgenroͤth mit ihrem guͤldnen schein/ Da kam die sonne her in ihrem glantz gefahren/ Und alle dinge klar durchs liecht entdecket waren: Da ritte Turnus her mit waffen angethan/ Und mahnete das volck sich auch zu wapnen an/ E in Das Neunde Buch. E in jeder oberster/ als sie gewapnet waren/ Fuͤhrt sie zum krieg und streit/ ein jeder seine schaaren/ Und reitzten sie zum zorn mit allerhand geschrey/ Vermeldend/ wie es juͤngst im lager gangen sey. Hiernebenst stecken sie die haͤupter auff die spiesse/ Und richten sie so auff/ daß sichs ansehen liesse Erbaͤrmlich/ schryen drauff mit uͤber lautem schall: D iß ist des Nisus haupt/ dis ist der Euryal. Die Troer/ die schon laͤngst des kriegs gewonet waren/ Und hatten jammer/ muͤh und ungemach erfahren/ Sind auch mit ihrem heer gefast in gutem stand/ Und stellen ordentlich sich auff die lincke hand Der manren ins gewehr (die weil die rechte seite/ Umbgeben mit dem strom befreyet war von streite) Und theils nimmt tam̃ und wall/ theils grosse grabẽ ein/ Theils auff den thuͤrnen stehn mit truͤbem augenschein Sie muͤssen schauen an die haͤupter tapffrer ritter Auff spiessen ausgesteckt/ das ihnen herb und bitter Kam fuͤr/ und uͤber das sehn sie mit schwerem muth D ieselben trieffen noch von dick geronnem blut. Sie waren allzusehr bekand den armen leuten: Immittelst lieff der ruff gefluͤgelt außznbreiten Die post in gantzer stadt/ und koͤmmt zu ohren hin Der mutter Euryals und schlaͤget ihren sinn Gar ploͤtzlich von vernunfft: kein warmer blutestropffe Ist weder an dem leib/ noch angesicht und kopffe; Es faͤllt ihr alsobald die spindel aus der hand/ Ihr tagewerck ligt da und ist nun schlecht bewand. Bald Das Neunde Buch. B ald lieff das arme weib hinaus mit heul- und klagen/ Und kunt nach weiber art sich gar wehmuͤthig tragen/ Mit außgerissnem haar. Bald lieff sie ohn vernunfft Den hohen wall hinauff fuͤr aller weiberzunfft Und durch das kriegesvolck/ sie war beraubt der sinnen/ D aß sie nicht wuste selbst ihr thoͤrichtes beginnen ; Sie kand die krieger nicht/ noch waffen/ noch gefahr: Da fuͤhrt sie ihre klag/ die weit zu hoͤren war Sol ich/ Euryalus/ dich also sehen ligen? Wilst du mein alterthumb mit solcher ruh vergnuͤgen! Hast du/ o grausamer/ mich koͤnnen so allein Hier lassen/ daß du nicht hast wollen bey mir seyn? Ist mir/ als mutter/ nicht/ da du in krieges vheden Itzt ziehen woltest/ dich zu letzt noch an zu reden Gegeben fug und macht? Ach leider! ligst du dort In einem frembden land/ an einem solchen ort/ Da du den hunden must und fluͤgel-schnellem heere E in raub und speise seyn? Hab ich die letzte ehre D ir nicht erzeigen kunt/ daß ich dir zu gedruͤckt Die augen haͤtte noch/ und dich zu grab beschickt? Hab ich dir nicht gesolt die wunden waschen abe Und decken mit dem kleid/ das ich verfertigt habe D ir eilend tag und nacht/ damit ich mir vertrieb Die zeit am alterthumb/ weil du mir warest lieb? Wo sol ich gehen hin/ wo mag ich deine glieder/ Die von einander sind gehawen/ finden wieder? Wo wird dein leichnam seyn? Wie wird er sein verletzt/ Ja wol zerhackt/ zerfleischt/ zerrissen und zerfetzt! Ver Das Neunde Buch. Vergiltest du mirs so/ daß ich aus lieb bewogen Bin mit dir/ o mein sohn/ zu land und meer gezogen? Ihr lieben Rutuler/ schiest mich doch nur zu tod/ Wenn ihr aus froͤmmigkeit bejammert meine noth ! Ja lasset alle schuͤss auff mich alleine gehen/ Last mich den grimmen tod zum zweck und ziele stehen! Last mich/ die ihr stecht tod/ nur bald die erste seyn/ D och oder/ Jupiter/ erbarme du dich mein: Und schmeiß verhaßte mich mit deinem donnerkeile Hinunter in die hoͤll/ weil anders ich zu theile Dem tod nicht werden kan/ noch meines lebens ab/ D as mir sehr bitter ist/ kan-kommen/ und ins grab. Als sie sich nun gehub mit solchen thraͤnen-klagen/ Da musten sich bestuͤrtzt die obersten auch tragen: Es stenge maͤnniglich betruͤbt zu seufftzen an: Sie sind gar laß zum streit/ und niemand wil gern dran. Weil dann die mutter nun gedachter beyden soͤhne So hefftig traurete mit klaͤglichem gethoͤne: Fuͤhrt sie Id æ us und der Actor auff begehr Ilioneus und des Juͤli/ welche sehr Mit andern weineten/ davon nach hauß zu bette: Drauff hoͤrte man von fern die trompter in die wette In felde blasen auff. Dann schreyen sie zu hauff So hefftig/ daß der schall steigt bis an himmel auff/ D ie voͤlcker eilen fort mit ihren schild und decken/ Daͤrunter sie sich dicht und fest zusammen stecken/ Und wollen fuͤllen aus die graben und den wall Zerreissen : Man bemuͤht zum sturm sich uͤberall. Es Das Neunde Buch. E s streben etliche die mauren zu ersteigen Mit leitern/ da sie sich sehr schwach und duͤnne zeigen Am volck und widerstand/ wo man hindurch kan sehn/ Und die besatzung nicht gar dicke scheint zu stehn. D ie Troer auff den feind hingegen haͤuffig schossen Mit allerhand gewehr und ihre leitern stossen Mit grossen hacken ab/ als die erfahrenheit Noch hatten uͤbrig gnug bey langer kriegeszeit: Da sie ihr vaterland und festung zubeschirmen/ Traun musten lernen viel/ und wehren manchẽ stuͤrmen: Sie weltzten auch hinab gefaͤhrlich schwere stein; Dadurch den stuͤrmenden gewehret moͤchte seyn/ Ob sie den dichten keil und schildbedeckten hauffen/ D er an die mauer wolt hinan mit sturme lauffen/ Zu trennen wehren gnug. Doch aber war der feind Zu stehen alles aus geschicket und gemeint/ Und gleichwol kunt ers doch die laͤnge nicht außstehen; Denn da der dicke hauff sich trung hinan zugehen/ D a wird ein schwerer stein von ungeheurer groͤß Gewaͤltzet von der maur mit schrecklichem getoͤß; Der koͤmmt mit ungestuͤmm herunter nun gelauffen/ Und trennt mit schwerem fall den schildbedecktẽ hauffen/ Und machet unter sie nicht eine kleine luͤck/ Hierauff wil keiner nicht mit blindem sturm und gluͤck Mehr lauffen an die maur: Sie muͤhen sich vom weiten Mit den belaͤgerten mit allem ernst zu streiten/ Ob man sie von dem wall mit schiessen treiben koͤnt/ Da faͤhrt Mezentius am andern ort und end/ F f Fuͤhrt Das Neunde Buch. Fuͤhrt einen fichtenbaum und bringet feur getragen Und wirffts hinan: Allein Messap wils kuͤhner wagen/ Nimmt mit sich ein geschuͤtz/ und reist den wall entzwey/ Rufft leitern an die maur zu bringen bald herbey. Ihr/ Musen/ lasset mich doch diese bitt erhalten/ Daß ihr wolt uͤber micht mit gnad und hulden walten/ Zu melden/ was daselbst und zu derselben zeit D er Turnus außgeuͤbt fuͤr niederlag im streit ; Und welchen dieser/ der und jener hab erschlagen/ Und seyd geneigt mit mir den grossen krieg zutragen Nach allem uͤmbstand aus. Denn ihr als Goͤttinnen Habts noch in frischem sinn und koͤnnt es anderen Zum denckmal bringen bey. Es war von dicken buͤhnen Ein hoher thurn gebaut/ der sonderlich kunt dienen Der stadt zum widerstaud/ gelegen trefflich gut/ D en sich die Italer mit gantzem sinn und muth Mit aller leibeskrafft und eusserstem vermoͤgen Bemuͤhten eiffers voll von seinem ort zuregen/ Und gantz zu werffen uͤmb: Allein das gegentheil Die Troer schickten sich zuschuͤtzen ehr und heil. Mit steinen und geschoß: Da haͤtte man gesehen Wie sie von fensteren und Soͤllern liessen gehen Die pfeil und stein herab/ der Turnus geht voran Wirfft eine fackel drauff/ so hoch er werffen kan/ Und zwar so gluͤcklich/ daß sie an der einen seiten Des thurnes hafftet an/ und durch der winde streiten E rgriffe das gehoͤltz/ nimmt auch die pfosten ein Und bleibt so lange dran/ bis sie verzehret seyn. Die Das Neunde Buch. Die guten leute drinn erschracken hoͤchster massen/ Und wusten nicht/ was sie thun solten oder lassen; Sie wolten gern entfliehn dem grossen ungeluͤck; Vergebens! Denn in dem sie lieffen dicht und dick Zusammen/ und zur seit zuruͤcke sich begaben/ Und so vermeineten/ es solte noth nicht haben/ Weil da war keine brunst; D a faͤllt der thurn herab Gantz ploͤtzlich mit der schwer und grosses krachen gab. D ie leute waren schon halb tod/ da mit der schwere Der thurm fiel uͤber sie/ theils fiel in eigne wehre/ D aß ihnen von dem spieß das holtz gieng durch die brust. Kaum einer oder zween/ so viel mir ist bewust/ Entkamen/ Helenor und Lycus/ ihrer wenig Bey solcher grossen zahl Helenor war vom koͤnig Der Lydier gezeugt/ geboren von der magd Lyeimnia/ die ihn/ dieweil er ihr behagt/ Zog heimblich auff/ und schickt ihn unerlaubter massen/ D ieweil mit Sclaven sichs nicht wolte thun so lassen/ In krieg/ fuͤr Troja hin: Der trug ein blosses schwerdt Und ungemahlten schild/ weil er war ungeehrt. Als er sich nun befand immitten tausend schaaren Des Turni/ die auff ihn erpicht als feinde waren/ Und sahe hier und dort die Welschen stehn umbher/ Da tobt er wie ein Pard/ das wider spieß und wehr/ Wenns von den jaͤgern ist gesteller und umbringer/ Laͤufft grimmig und erbost/ ja uͤber spiesse springet/ Und auff die jaͤger zu/ und weil es solcher noth Nicht zu entfliehen weiß/ stuͤrtzt sichs gar in den todt: F f 2 So Das Neunde Buch. So kam der juͤngeling ergrimmet her gelauffen/ Und satzt immitten durch deß feindes hellen hauffen/ Weil er doch sterben must/ und lieffe tumm hinein Wo schlacht und harter streit am dicksten pflegt zu seyn; D er Lycus aber/ der sich schnelle kunte raffen Auff seinen fuͤssen fort/ floh zwischen feind und waffen Bis an die festung hin/ und strebet oben auff Zukommen auff die maur/ zu fassen in dem lauff Mit seiner faust die hand der pursch und mitgenossen/ Den Turnus aber doch zugleich beids mit geschossen Und lauffen uͤbereilt/ und redet ihn so an Sehr rauh und ungestuͤm/ als nun sein siegesmann : Du narr/ wie hast du so die flucht hieher genommen? Gedenckst du meiner hand mit lauffen zu entkommen? Als er nun hienge so/ zeucht er ihn stracks zuruͤck Und reisset von der maur zugleich ein grosses stuͤck. Es laͤsset dessen sich ein bild an adler schauen/ Der einen hasen greifft mit seinen krummen klauen/ Doch oder einen schwan und fuͤhrt ihn in die lufft: Ja wie ein grimmer wolff ein schaͤfflein nimmet offt Vom schaffstall weg und fleucht: Die mutter laͤufft und Da wird nun uͤberall ein groß geschrey erwecket (bloͤcket Bey den belaͤgerten/ die feinde lauffen an/ Man fuͤllt die graben aus mit erde/ wie man kan. Die andren werffen an die thuͤrne feuerballen/ Und wolten in dem sturm erlangen ruhm fuͤr allen/ Als sich Lucetius noch an der pforte fand Vorhabens sie jtzund zu stecken in den brand; Den Das Neunde Buch. Den warff Ilioneus mit einem felsen stuͤcke: Es hielte Liger auch E mathion zuruͤcke/ Und gab ihm seinen rest: den Chorin æ um schlug/ Asylas/ daß er starb/ der sonst den preiß auch trug In waffen mit dem spieß/ der Liger mit den pfeilen; Der Cen æ us lieffe stracks den Ortyg zu er eilen/ E rlangt und sticht ihn tod: der Turnus faͤhrt heran/ Und stegt dem Cenaͤus ob/ der kurtz war siegesman. hier macht er grossen raum/ schlaͤgt einẽ nach dem andern/ Daß sie mit grosser schaar ins reich der seelen wandern: Da bleibet Idas auch/ der wieder harten sturm Mit ritterlicher faust vertheidigt einen thurm. O rivern kriegt in den leib des Capys stahl und spitze: Aͤls der empfaͤnget auch nur eine kleine ritze Von des Themill æ spieß/ da wirfft der narr zur stund Den schild hinweg/ und haͤlt die hand hin auff die wund: Da faͤhret her ein pfeil gefuͤttert und geschaͤfftet; Der aber ihm die hand an seine lincke hefftet/ Und gleichsam nagelt an/ und sich so tieff durch trung/ Daß er zerspaltete bis auff den tod die lung/ Es stund A rcentis sohn mit waffen schoͤn staffieret/ Mit einem reiterrock bekleidet und gezieret/ Am farbe dunckelroth/ wie man in Spanien Zutragen pflegt gestickt mit golde trefflich schoͤn. Ein juͤngling vom gestalt sehr trefflich/ den sein vater Geschicket hatt in krieg/ zu seyn sein selbst berather/ War in des Martis wald am starcken fluß Simeth Im land Sicilien erzogen/ da wo steht F f 3 Ein Das Neunde Buch. E in feister altar/ da nicht mehr die schiffer Goͤtzen Paliei Menschen auff-zur opffergabe-setzen/ Wie vormals/ sondern vieh. Drumb hieß man den altar Versoͤhnlich/ weil der Goͤtz nicht mehr so grausam war. Da legt Mezentius sein andre waffen nieder/ Nam eine schlender die er drehte hin und wieder Mit brum̃en um den kopff/ und schwung zwier oder drey/ Und warff ihm an die stirn ein groß loch mit dem bley/ Wie denn der Arcens gleich ihm gegen uͤberstundte/ Und faͤllet ihn/ daß er die laͤnge lang begunte Zustrecken sich in sand: Der Ascan/ wie man sagt/ Der vorhin pflegte stets zu ziehen auff die jagt Umb das gescheuchte wild zu hetzen und zu fangen ; Hat damals/ als der krieg ist erstlich angegangen/ E rgriffen einen pfeil/ und einen schuß gethan/ D a von geblieben ist der tapffre held Numan/ Der hieß sonst Remulus/ und war des Turni schwager Geworden neulich erst/ und danu desselben lager Behertzt gezogen nach/ der stund forn an der spitz/ Und schrie viel dinges her/ theils gut/ theils nicht viel nuͤtz/ Daß man es mache kund; Und kunte sich von wegen D er neuen schwaͤgerschafft mit Turno trotzig regen Mit hochgestuntom muth/ und machte mit geschrey Und plaudern sich sehr groß und sonderliche scheu. Ihr Troer (sager er) die ihr seyd zwier gefangen/ Wie ist euch/ wollen nicht erroͤthen ewre wangen ? Schaͤmt ihr euch nicht/ daß ihr noch einst belaͤgert seyd/ Und muͤßt zum zweiten mal erfahren angst und leid ? In Das Neunde Buch. In dem ihr wiederumb die mauren fuͤr-muͤst-schuͤtzen Dem tode/ das euch doch zum wenigsten wird nuͤtzen. Ey lieber/ schauet nun/ was doch fuͤr leute sind Vom Troja kommen her/ die eines Koͤnigs kind Zu rauben sind gemeint! die sich mit krieg und streiten Bemuͤhen unsre braut zu nehmen von der seiten! Was fuͤr ein ungeluͤck/ ja was fuͤr tummer wahn Hat euch genoͤthiget bey uns zukommen an ? Hier sind Atriden nicht/ hier kein Ulyß zu finden/ Der besser schwatzen kan/ als mauren uͤberwinden. E s gibt hier solche leut/ die sind von harter art/ Die kinder werden stracks vom mutterleibe hart; So bald sie werden jung und an die welt gebohren/ So tragen wir sie hin und schaͤtzen sie verlohren An einem strengen strom/ da tauchen wir sie ein; E s mag gleich harter frost und scharffe kaͤlte seyn. Sinds knaben/ muͤssen sie sich uͤben stets mit jagen/ Und in dem wald und pusch viel arbeit lernen tragen/ Den bogen schiessen ab nach vorgesteckten ziel/ Und pferde tummelen ist nur ihr kinderspiel. Sind sie gekommen nun in junggesellen orden Und an dem leibe starck und muth behertzet worden/ So koͤnnen sie auch baß ertragen die beschwer/ Mit wenigen vergnuͤgt arbeiten desto mehr. Da koͤnnen sie das seld bey gutem friede pfluͤgen/ Da koͤnnen sie den feind/ die staͤdt und land bekriegen/ Wir koͤnnen unser thun und leben bringen zu/ Mit eysen/ haben doch bey unruh gute ruh. F f 4 Die Das Neunde Buch. Die ochsen treiben wir mit umbgewandten spiessen/ Und lassen weder fried noch kriegen uns verdriessen: Das hohe alterthum nimmt uns nicht krafft und blut/ Und schwaͤcht nicht unser hertz noch steiffgesinnten muth. Wir koͤnnen einem helm auff grauen haͤuptern tragen/ Und doͤrffen eben nicht nach zobelmuͤtzen fragen/ Wir haben allezeit an frischer beute lust/ Und leben von dem raub/ trug ist uns unbewust. Ihr seyd mit gold geziert und purpurfarbnen roͤcken/ Last aber euren muth zur tugend nicht erwecken/ Ihr moͤget tantzen gern und bey den frauen seyn/ Ihr traget weiberhuͤt mit bunten baͤnderlein. O rechte weiber ihr (ich wolt euch maͤnner nennen/ Kan aber nicht an euch ein manneshertz erkennen) Geht auff den berg hinauff/ dort auff den Dindymon/ Und hoͤret lustig an den suͤssen pfeiffen-thon/ Des ihr gewohnet seyd. Es rufft euch zuerfreuen Die mutter Cybele mit paucken und schalmeyen Auff ihrem Idensberg. O geht und last das schwerdt Den maͤnnern/ denen es geziemet und gehoͤrt. Als er nun brachte fuͤr so eitle pralereyen/ Und ließ sich so heraus die Troer zubeschreyen Mit greulichem gewaͤsch/ da kunte das Ascan Verschmertzen keineswegs noch laͤnger hoͤren an ; Ergriffe sein geschoß und spannete den bogen/ Und als er mit dem arm ihn hatt an sich gezogen/ Stund er und baͤtete fuͤr Gott dem Jupiter/ That ihm demuthiglich geluͤbd und heilig ehr. All- Das Neunde Buch. Allwaltger Jupiter/ laß mir mein thun geluͤcken/ Wie kuͤhn es immer sey/ laß diesen pfeil abdruͤcken/ So wil ich deiner kirch zu opffern einen stier Geloben heiliglich/ der sol sein weisser zier/ An groͤsse gleich der kuh/ und zwar von solcher staͤrcke/ Daß er schon von sich geb ein scheinbares gemercke Der kuͤhnen streitbarkeit/ und einem andern stier Die stirn zum kampffe biet mit hitziger begier. Der Jupiter erhoͤrt des Ascans bruͤnstig beten/ Daß er fuͤr seinem thron demuͤthig kam getreren/ Und gab von lincker hand mit einem donnerknall Ein zeichen/ daß er sey nach wuntsch erhoͤret all. Als es nun donnerte am klaren himmelsschlosse/ Da geht der bogen loß/ und rauscht mit dem geschosse Zugleich und flog dahin erschrecklich durch den kopff D es Remuli; Da faͤllt der arme gute tropff Zu boden und bleibt tod: Geh/ geh nun hin und spotte Und schmaͤhe tapffre leut mit deiner leichten rotte Mit stoltzem hohngespraͤch! dis sey den Rutulern Zur antwott heimgeschickt von denen Phrygiern/ Die zwier gefangen sind. Dis war des Ascans rede Und unerschrockne that bey dieser neuen vhede/ D ie Troer machten drauff ein hefftiges geschrey/ Frolockten inniglich und wurden keck darbey. Der schongehaaͤrte Gott Apollo sah da eben Vom himmelsitz herab/ der achtung hatte geben Auff beyde kriegesheer/ saß auff dem wolckenzelt/ Und redt Juͤlum an/ den jungen siegesheld: F f 5 Frisch Das Neunde Buch. Frisch dran/ o edler knab/ in deiner zarten jugend/ Und wachse mehr und mehr in solcher neuen tugend! S o findet man den weg/ der schwer zu finden ist Zum guͤldnen himmelsthron/ der du von Goͤttern bist Gebohren/ und wiest noch in kuͤnfstig goͤtter zeugen: E s wird sich aller krieg mit recht zum ende neigen/ Der noch entstehen muß durch Goͤttliches geschick Bey dem Romaner volck mit noth und ungeluͤck. Dir aber/ junger held/ ist Troja zu geringe Zu klein und schlecht/ der du dich nimmest grosser dinge mit muth und gluͤck schon an: mit diesem schwung er sich Vom hohen himmels thron/ und trennte maͤchtiglich D ie lufft/ die umbher webt/ mit guͤldenem gefieder/ Und setzt sich zum Ascan an seine seite nieder/ Nam aber die gestalt des alten Butens an/ Der dem Anchisen vor mit dienst war zugethan/ Als der sein waffenknecht und waͤrter war gewesen Fuͤr seinem thor/ den auch Anchiß hatt außerlesen D es Ascans reißgeferth derselben zeit zu seyn. D er Gott Apollo gieng zum selbten nun hinein; Und war dem alten gleich dem But in allen dingen/ An sprach/ an farb/ am haar und an den waffen klingen/ Und redt Juͤlum an/ der sehr begierig war Zu setzen fort den streit/ zu gehen in gefahr. D u sohn E neens/ laß dich nur damit begnuͤgen/ D aß Numan deiner macht hat muͤssen untenligen/ Und du ihn hast entleibt/ und daß kein ander hat An dir mit gleichem zorn gerochen diese that. Der Das Neunde Buch. Der groß Apollo laͤst dir gern fuͤr erst die ehre/ Und neidet dich gar nicht/ daß du mit deiner wehre Und pfeile gleichen ruhm an Remulo erjagt. Doch halt an dich und laß ein mehrers ungewagt In diesem kampff und krieg/ weil du noch bist ein knabe. Das war Apollons red/ und brach immitten abe/ Verlohr sich aus gesicht und in die lufft verschwand. Ihn haben alsobald die obersten erkand Fuͤr einem Gott: E s hat das volck ihm gleicher massen Gekennt an seinem pfeil/ an seinem thun und lassen/ D aß er was goͤttlichs hatt/ und haben ihn gehoͤrt An koͤcher und geraͤusch/ als er davon sich kehrt/ Derhalben wehren sie dem printz/ wie sie nur koͤnnen/ Der sehr begierig war mit gantzem muth und sinnen D es streits/ und mahnen ihn von seinem vorsatz ab/ Wie Febus neulich ihm selbst zu verstehen gab/ Mit meldung/ dieses sey desselben wort und wille; E r laͤssets so geschehn/ und wird drauff wieder stille; Sie gehen wiederumb in streit mit frischem muth/ Und wagen in gefahr ihr leben/ gut und blut. Da laͤßt sich ein geschrey auff allen mauren hoͤren Das allenthalben geht und einnimmt die brustwehren/ Man schiest den bogen ab/ man wirfft mit spieß und sper/ Das gantze feld ligt voll von pfeilen und gewehr! Es klingen schild und helm von hefftigem geschiesse/ Ein grimmer streit geht an/ es fallen pfeil und spiesse In solcher meng/ als viel sind wassertroͤpffelein: Im fall ein regen faͤllt bey dem gestirnten schein Der Das Neunde Buch. Der geisse/ wie man sonst pflegt diß gestirn zu nennen/ Bey dessen auffgang man viel wasser siehet rinnen/ D as auff das erdreich platscht von hohen wolcken her/ Und wie viel hagel faͤllt ins meer/ wenn Jupiter Mit einem rauhen sud stuͤrtzt einen dicken regen Herab/ und kan mit sturm das wolckenzelt bewegen Und maͤchtig dringen durch. Schaut! was der Pandar Und Bitias/ entflam̃t mit unerschrocknem muth/ (thut/ Gebruͤder/ die gezeugt von dem Alcanor waren/ Vnd die Hiera hat mit vielerley gefahren Im walde Jupiter erzogen haͤrtiglich/ Und solche Juͤngling zwar/ die wie die tannen sich Erhuben in die hoͤh/ und wie die berge waren ; D ieselben/ wie sie sich nun auch an tugend paaren/ E roͤffnen eine pfort/ die gegen feinds gefahr Auffs obersten befehl fest zugeschlossen war. D enn sie verliessen sich auff ihre staͤrck und waffen/ D amit sie trotziglich vermeinten viel zuschaffen/ Und noͤthigten also mit frevel-kuͤhner that/ Ohn alle noth/ den feind zu kommen in die stadt. Sie stehn/ wie hohe thuͤrn im thor auff beyden seiten/ Geruͤstet und geschickt die feinde zu bestreiten; Sie tragen schoͤne helm/ die schimmern von dem glantz/ Auch dicke federpuͤsch/ und warten ihrer schantz. Gleich wie an Padus Strom und Athesim zwo eichen Mit hohem wipffel stehn und fast am himmel reichen/ D ie unbehauen sind/ und oben wackelen; So sah man diese kerl in ihren waffen stehn. Die Das Neunde Buch. Die Rutuler/ als sie den eingang offen sehen/ Mit hellem hauffen stracks auff die Trojaner gehen/ Und brechen ein mit sturm: D a wurden alsobald Viel obersten getrennt von Troern mit gewalt Mit ihrem gantzen heer/ und in die flucht geschlagen; Ein theil derselbigen ermordt im thore lagen/ Da war der Quercens/ da E qvicolschoͤn staffiert/ Da Tmarus/ den sein muth zu hitzig angefuͤhrt/ Und H æ mon/ der zum krieg und streit sein blut gelobte/ D a kam es/ daß der feind noch mehr ergrimmet tobte: D ie Troer samlen sich mit hauffen auch dahin/ Und unterwinden sich mit allzukuͤhnem sinn Zu fechten hand an hand/ und weiter sich zu wagen. Als sich nun dieses gleich hier hatte zu getragen/ Da ward dem obersten/ dem Turno/ post gebracht/ D er die Trojaner mit viel wuͤrgen irre macht/ Und an der andern seit sehr wuͤtend war geworden/ Da sich der feind ergrimmt mit unerhoͤrten morden Erwieß/ und offen hielt die pforten ungescheut/ Da steht er ab daselbst von angefangnem streit/ Und eilt mit grimmigen begierden eingenommen Der Troer pforten zu/ den bruͤdern beyzukommen/ D ie trotzig fahren her/ und erstlich druͤckt er ab Auff den Antiphaten/ und traff ihn/ daß er gab Das junge leben auff (denn er kam ihm entgegen Gelauffen erst in wurff sich ihm zu widerlegen) Er war ein Bastart kind Sarpedons/ der ihn hatt Gezeugt mit einer frau aus Thebens grosser stadt. Der Das Neunde Buch. Der welsche spieß koͤm̃t ihm mit schnurrendem gefieder Geflogen durch die lufft in leib/ da faͤllt er nieder/ Die wunde die sehr groß/ gab eine menge blut Mit vielem schaum heraus/ und floß wie eine flut. D as eysen/ welches sich tieff hatt hinein gedrungen/ Blieb/ daß es wurde warm/ bestecken in den lungen ; Schlug darnach Meropen und Erymanthen tod/ Und legt Aphidno auff die harte sterbensnoth/ Auch endlich Biti æ / des augen funcken spruͤeten/ Und gleichsam in dem kopff fuͤr grim und zorne gluͤeten: E r gab ihm aber nicht mit einem spieß den rest (Denn wider solche wehr war er zu hart und fest) Nein/ sondern es kam her ein schleuderstein gefahren Mit solcher schwerigkeit/ daß er sich nicht verwahren Kunt gegen diesen wurff ; Gleich wie ein donnerkeil/ Der alles dringet durch/ zermalmt in schneller eil. D er starcke schild kunt ihm zu statten hier nicht kommen/ Darzu zwo ochsenhaͤut der meister hat genommen ? Auch kunt der pantzer nicht abhalten diesen stein/ D er mit zwey fachein blat und guͤldnen ringelein War auff die waͤhr gemacht: Es faͤllt der kerl danieder Mit ungeheurer last/ das erdreich schallet wieder Von diesem schwerem fall/ es thoͤnet auch der schild/ Und alle gegend wird von solchem puff erfuͤllt. Gleich wie zu seiner zeit bey Bajens stadt und strande Gelegen nicht gar weit von dem Euboͤer lande/ E in steinrer pfeller faͤllt/ den man mit grosser schwer Und stuͤcken auff gebaut vorher/ am wilden meer. Der- Das Neunde Buch. D erselbe pfeiler faͤllt fuͤr sich mit grossem knalle/ Und sinckt tieff in den gruud mit seinem schweren falle/ Das meer wird ungestuͤm und schlaͤget an dem strand Mit gantzer wellenmacht/ und wirfft empor den sand/ Daß auch von dem gethoͤn sich Prochyta erschuͤttert/ Das Eyland/ ebenfalls Inarime erzittert/ D as zarte bette/ das auff Typhoeus gelegt Auff Jovis anbefehl/ daß er sich nicht mehr regt. Der kriegs gewaltge Gott gab damals muth und staͤrcke Den Rutulern/ daß sie erwiesen tapffre wercke Zu abbruch ihres feinds/ und reitzte sie frifch an Zu gehen in den streit/ zu stehen auff dem plan. Hingegen schickt er zu den Troern furcht und schrecken Zu fliehen/ und sich fuͤr dem Turno zu verstecken. Das volck der Rutuler lieff allerseits herbey/ Weil die Trojaner sich gestellet ohne scheu: Sie hatten trefflich lust zu fechten und zu kriegen: Als seinen bruder nun der Pandars sahe ligen E rschossen im gefecht/ und wie sein itzger stand/ Demnach sich daß geluͤck verkehret/ war bewand. Da staͤmmet er sich an mit eusserstem bemuͤhen In ihrem angel stracks die pforte zu zuziehen: E s geht ihm an/ schleust zu ; Laͤst aber in gefahr Viel seiner pursche/ die fuͤrm thor verschlossen war. Doch nimmet er noch ein/ die ungesaͤummt zu rennen Und dringen sich mit durch. O thoͤrichtes beginnen Des kerles/ der nicht sah/ daß Turnus drunter war Verschlossen in der stadt/ und bracht sie in gefahr Nicht Das Neunde Buch. Nicht anders wars gethan/ als wenn bey schwachen heer- E in grim̃ig tigerthier solt eingeschlossen werden. (den Stracks ließ er neuen grimm an augen sehen an ; Da sahe Pandarus erst was er hatt gethan. Die waffen klungen/ daß man drob empfunde grauen/ D ie rothe feder war auff seinem helm zu schauen/ Als bebte sie ; Der schild gab einen solchen glantz/ Wie heller plitz von sich ; D a kennen sie ihn gantz/ Wie er war an sich selbst: Sie muͤssen nun bejahen/ Daß es der Turnus sey/ den sie so ungern sahen; Die groͤsse seines leibs und fuͤrstliche gesicht Ist ihnen zu bekand und zweiffelt keiner nicht; E s kam die Troer an ein ploͤtzliches erschrecken ; D er grosse Pandar wil sich aber nicht verstecken/ Sprang trotziglich herfuͤr mit schnauff und tollem grim̃ D es bruders eingedenck/ der in dem ungestuͤmm Kam umb/ von Turni hand und sagt/ laß dich berichten/ D as ist Amat æ schloß und Koͤnigs hauß mit nichten/ D aß du erlangen wilst zu deinem heyrath gut/ Du bist auch nicht daheim in vaͤterlicher hut Und Vestung/ da du kanst umbgehn mit deinen freunden/ Du siehest ja nunmehr/ daß du bist bey den feinden/ In feindes lager hier: Du hast ja keine macht Zu kommen wieder loß: Der Turnus druͤber lacht/ Fieng an: Hast du ein hertz mit mir den kampff zu wagẽ ; Magst aber Priamo in kurtzen wieder sagen/ D aß von dir sey auch hier gefunden ein Achill ; Drauff nam er seine schantz in acht und schwiege still. D er Das Neunde Buch. Der Pandar aber schoß mit gantzen leibeskraͤfften/ Und wolte Turnen eins mit einem spiesse hefften/ Der knoͤrricht und noch nicht zum brauch polieret war/ Fuhr in die leere lufft umbsonst und ohn gefahr. Die Juno kam darzu und wandt ihn von dem orte Und seite Turnus ab ; Da fuhr er in die pforte. Da fing der Turnus an: Schau (sagt er) dieser wehr/ Die meine hand mit macht kan schwingen hin und her/ Solt du entfliehẽ nicht: denn der sie fuͤhrt und schwinget/ Das ist ein ander mann/ und dem sie baß gelinget/ Da streckt er hoch den arm/ und gibt ihn einen streich E ntzwischen beyde schlaͤff/ und spaltet mitten gleich Von ander ihm die stirn/ wie auch die glatte backen; Da fiel er/ daß man hoͤrt fuͤr last den boden knacken: Und als er niederfaͤllt mit auffgehauner stirn/ Bespruͤtzt er sein gewehr mit vielem blut und hirn Itzt sterbend/ und hieng ihm der kopff mit gleichen theilen Auff beide schulteren: Die Troer fluͤchtig eilen: Und wenn sich haͤtte recht der sieger hier bedacht Zubrechen ab das schloß vom thor mit gantzer macht; Und daß sein kriegesvolck wehr eingelassen worden/ was wuͤrd entstanden seyn fuͤr schlagen/ wuͤrg- und mordẽ ? Es wuͤrde dieser tag dem volck gewesen seyn Der letzte/ krieg und lerm zugleich gestellet ein. Doch aber grimmigkeit und eiffriges beginnen Zu wuͤrgen trieb ihn an die feind ohn einig sinnen. Anfangs erhaschet er die beyde/ Phalarim Und Hygen/ traff auff sie mit grossem ungestuͤm/ G g Und Das Neunde Buch. Und hieb sie in die knie: Als aber sie noch lieffen/ Und auff dem wege hin von mildem blute trieffen ; Schoß er sie in den rumpff ; Die Juno gab ihm krafft/ Und muth/ daß er viel volck ihm aus dem wege schafft. Nechst diesen toͤdtet er den Halym und Ph æ geen/ Durch dessen schild man sah den spieß in leib tieff geheu. Darnach den Noemon/ Alcander/ Halium/ Und Prytanim/ als die durch aus nichts wusten drum Da oben auff der maur/ und mit des feindes schaaren Zu streiten muͤhsamlich in sturm begriffen waren: Dem Lyncens/ der auff ihn mit blindem eiffer lieff Und zum gehuͤlffen an die spießgefellen rieff/ kam er zuvor/ stund hoch/ und schwunge frisch und munteꝛ Den degen/ hieb ihm glatt mit einem hieb herunter D en kopff mit samt dem helm/ daß er fast ziemlich weit Vom rumpffe ligen blieb: Da setzt er fort den streit Und schlug den Amycum/ der wol geuͤbt im jagen Hat manches wildes thier gefangen und geschlagen; Dems keiner auch bevor that an erfahrenheit Zu schmieren das gewehr und eysen zu dem streit Und waffenen mit gifft. Es blieb auch auff der stete Der Clytius/ wie auch der Creteus ein Poete/ Der Creteus der sich gern zum Pierinnen hielt/ Der immer zu hat lust zum versen/ und gern spielt Auff seiner harff und leyr manch schoͤn geticht und lieder/ E r schwunge seinen sinn bald hoch/ bald flog er nieder/ Daß alles klunge wol/ und ruͤhmet allezeit Roß/ zeug und heldenvolck und wolgefuͤhrten streit. Als Das Neunde Buch. Als endlich Mnestheus und Serest die post vernom̃en/ Die Troer obersten/ daß so viel leut umbkommen/ Verfuͤgen sie sich hin und sehens selbst mit an/ Wie ihr volck ist zerstreut/ und jeder/ wie er kan/ Bald hier/ bald dorthin laͤufft; S ie sehen eingelassen Den feind/ und wissen nicht mit was bescheid und massen Da faͤngt Menestheus an: Worauff steht euer sinn; Wo dencket ihr hinaus ; Wo wolt iht endlich hin ; Wo koͤnnet ihr denn wol ein andre zuflucht haben/ Als diese stadt und maur/ als diesen wall und graben? Sol denn ein einger Mensch der rings in eurer stad ? Umbgeben/ ungestrafft veruͤben solche that? Ja sol ein einger mensch/ ihr wol behertzten buͤrger/ So ungerochen seyn eur ungeschlachter wuͤrger; Sol er so brave kerl ohn allem widerstand E rschlagen; jammert euch denn nicht das vaterland/ Das nun so elend ist; Auch nicht eur alten Goͤtter ; Nicht euer lieber fuͤrst/ als der da unser retter Und euer schutzherr ist? wie? schaͤmt ihr euch denn nicht Daß euch durch faule furcht der muth und witz gebricht? Solch und dergleichen wort bewegen sie dermassen/ Daß sie ein hertz und muth auffs neue wieder fassen/ Und halten stand dem feind in dickgehaͤufftem heer. Der Turnus eussert sich/ und truet sich nicht mehr/ E utweichet allgemach nach lang gehaltnem streite/ Und fleucht dem wasser zu/ und zwar auff dessen seite/ Die von dem Tyberstrom beschlossen rings umbher : Die Troer halten an mit schreyen desto mehr/ G g 2 Und Das Neunde Buch. Und lauffen haͤuffig zu: Wie wenn der jaͤger menge E in grimmig loͤwen thier mit feindlichem gedraͤnge Verfolget und umbringt/ setzt ihn mit spiessen zu; Der loͤw erfchrickt darob und schnaubet nach der ruh/ Wie keck er immer ist/ wil er doch nicht mehr stehen/ Sieht dennoch grimmig aus itzt in zuruͤcke geheu/ Und laͤßt ihm zwar nicht zu sein zorn und tapfferkeit/ Daß er zu ruͤcke tret und ablaß von dem streit ; Kan/ ob ers gleich gern thaͤt/ nichts wider pfeil und waf- Bey solcher jaͤger meng verrichten oder schaffen; (fen So wandte Turnus sich mit zweiffel/ ob er stehn/ Doch oder ob er soll aus dem gefechte gehn Zuruͤcke sacht und sacht/ und gieng das hertz ihm uͤber Von zorn/ und haͤtt dem feind im streit gestanden lieber. Ja eben dazumal fiel er zwier mitten ein/ Und zwang sie auch so offt/ so viel ihr mochten seyn/ Zu nehmen nach der maur die flucht mit hellem hauffen: Doch endlich kamen sie in grosser meng gelauffen Aus ihrem lager her/ und wider ihn allein; Da knnt er ihnen ja nicht gnug gewachsen seyn. So dorffte Juno auch ihm keine krafft dargegen Verleyhen wider die Trojaner/ noch sich regen: Denn Jupiter schickt hin von hohem himmelszelt Die Irim/ die sich in den luͤfften auffenthaͤlt/ Die seiner schwester post/ die nicht gar gut war/ brachte/ Wie sie in ihrem sinn ihr bildet ein und dachte/ Wo Turnus wiche nicht aus der Trojaner stadt. So war der junge held nun bloß von huͤlff und rath/ Und Das Neunde Buch. Und kunte noch mit child noch mit der faust sich wehren Die spiesse wieder ihn begunten sich zu mehren/ Daß er war allerseits gewaltig uͤbermannt; E s klappert ihm der helm umb kopff in solchem stand Von unauffhoͤrlichem geschiesse/ das drauff fiele Mit hefftigem gethoͤn und grimmig hartem spiele : Und ob er schon sehr starck von hartem kupffer war/ So ward er loͤchricht doch und hatte stets gefahr Bey stettem steinen wurff? So wurden auch geschossen Die federn von den helm/ das macht ihn sehr verdrossen/ und ferner war sein schild so schwach und schlecht bewand D aß wider mehrer schuͤß er nicht mehr war bastant. D enn der Trojaner volck und der behertzte ritter Menesthens fuͤhren fort zu werffen spieß und splitter. Zu dem floß ihm der schweiß von gantzem leib herab/ Vermischt mit staub. Auch wurd ihm keine zeit zu Athmen recht gegeben/ Der schwere schnauff macht ihm noch kraͤncklicher sein le- Und schwaͤchte feinen leib; Da ließ er seinen muth/ (ben/ Und stuͤrtzt mit einem sprung sich gaͤhling in die fluth ; In strengen Tyber strom mit allen seinen waffen: Dieweil er doch nichts mehr fuͤr dißmal kunte schaffen. D er Schutzgott Tyberin mit seinem gelben strom Nam ihn auff/ als er kam/ und bracht ihn wiederumb In gute sicherheit/ durchs wasser/ das gelinde In seinem strome floß/ und stellet ihn geschwinde Nach abgewaschnem blut den seinen wieder zu Mit froͤlichem gemuͤth zu schoͤpffen neue ruh. G g 3 Das Das Zehende Buch. Das Zehende Buch. A Ls sich in Latien erhub dis kriegeswetter/ D a ward eroͤffenet das himmel-hauß der Goͤtter; D er koͤnig Jupiter berufft durch Majens sohn D en allgemeinen rath in den gestirnten thron. D a sah er von der hoͤh die laͤnder alle ligen Und das Trojaner heer mit den Latinern kriegen ; Er sah ihr lager an/ und wie sie sich gestellt Zu bieten ihre stirn einander in dem feld. S ie satzten auff dem saal sich nieder/ aller massen Wie sie gewoͤhnlich bey der Goͤtter taffel sassen/ An beyden seiten gieng in selbten eine thuͤr/ D a traͤget Jupiter so seine rede fuͤr: Ihr grossen Goͤtter ihr/ was habt ihr angefangen; Wie seyd ihr so zuruͤck in eurem schluß gegangen, Und streitet unter euch mit solcher bitterkeit: Ich that euch ja verbot zu meiden krieg und streit/ Noch die Trojaner mehr verfolgen und vertreiben/ Und solt Italien in fried und ruhe bleiben. Was ist denn abermal/ das mir entgegen ist/ Entstanden unter euch fuͤr mißhall/ zanck und zwist ? Was mißverteauen hat euch beyderseits getrieben D em kriege nach zu ziehn/ die waffen aus zu uͤben Es wird (last euch nur nicht verlangen) allzufruͤh Euch kom̃en auff den halß die kriegs beschwer und muͤh. Wenn Das Zehende Buch. Wenn sich wird dermaleins der Hannibal erregen/ Und eure Roͤmerburg und heer zugrunde legen/ Wenn er wird kommen an von hoheu Alpen her Mit grossem ungestuͤmm: D a moͤgt ihr eur gewehr Gebrauchen/ wie ihr koͤnnt/ da moͤgt ihr nach geluͤsten Euch gegenander aus zu felde grimmig ruͤsten/ Da moͤgt ihr vhed und haß mit offnem raub und mord Veruͤben thurstiglich und streiten immerfort. Nun aber stehet ab/ und lasset friede wallen/ Vertragt euch froͤlich doch nach meinem wolgefallen. D is war der Jupiterß kurtz fuͤrgebrachte red Zu stellen gaͤntzlich ab die angefangne vhed. D ie Venus aber/ die in schoͤner zier und glantze gieng praͤchtiglich einher/ doch nicht/ wie sonst/ zum tantze; Bracht ihre noth und leyd mit mehrern worten fuͤr: O vater/ grosser Gott (sagt sie) was haben wir Sonst ohne dich anitzt/ daß wir in ungluͤck koͤnnen Umb beystand ruffen an? D u siehest das beginnen/ D er Rutuler/ wie sie sehr trotzig fahren her Zu legen meinem volck den Troern an beschwer/ Du siehst wie Turnus stoltz mit seinen roß und knechten Einher zencht/ und des gluͤcks und siegeshand in fechten Sich praͤchtig uͤberhebt. Ist doch der Troer heer In seiner vestung nicht fuͤrm feind gesichert mehr. Ja muͤssen noch darzu in ihren maureu streiten/ Und sehn die graben voll von blut auff allen seiten: E neas ist nicht da/ und weiß nicht ihren stand Noch wie diß/ oder das sey in der stadt bewand. G g 4 Wilst Das Zehende Buch. Wilst du denn nimmermehr die leute von dem drange Der feindlichen gewalt entleidgen? Wie lange Sol wehren ihre noth? Der feind setzt wieder zu Der neuen Trojen stadt und laͤßt ihr keine ruh. Auch hat ein ander heer sich wider Troja funden/ Das Diomedes fuͤhrt. Ich werde neue wunden (Ja freulich/ solt ich nicht!) gewaͤrtig muͤssen seyn/ Und streiche vom gewehr der menschen nehmen ein/ D ie ich dein kind doch bin. Ists ihm nicht zugelassen D en Troervolck zu ziehn in Welschland/ allermassen Bey deinem willen steht; Und daß sie wider dich Dahin gezogen sind; So moͤgen sie auch sich Der straffe wegern nicht/ und buͤssen ihr versehen; Und magst auch ihnen bey/ mit huͤlff und trost nicht-stehẽ Im fall sie aber sich gezogen in dis land/ Auff goͤttlichen bescheid/ rath/ außspruch und verstand So wol der untern/ als der oberen gewalten/ Wer wolte dann so nicht dein recht in ehren halten? Wer kan es stossen umb? Wer traut sich das geschick Zu endern/ oder wer kan machen neu geluͤck? Was sol ich sagen mehr von schiffen/ die im lande Der Siculer am strand verzehrt sind von dem brande ? Was wiederhohl ich auch das alte leid und klag/ Was uns der Winde-fuͤrst hat angelegt fuͤr plag Und bitteres beschwer? In dem er grimmer massen D ie winde hat erregt und wider uns gelassen Aͤ uff allen meeren aus: Ja wie die Iris ist Von wolcken abgesand durch Juno haß und list Zum Das Zehende Buch. Zum Troer weibervolck/ daß sie mit tollen sinnen Sich liessen reitzen an die schiffe zuverbrennen: Sie hat mir neulich erst (woselbst ihr grimm und list Mit letzter grausamkeit noch nicht versuchet ist) Die hellsche wuͤterin aus Plutons reich erreget/ Die in die oberwelt sich ploͤtzlich hat geleget Und wuͤtig sehr erzeigt in land Italien Durch manche liebe stadt. Nun will ich lassen stehn D as regiment/ zu dem die Troer zuspruch haben Krafft goͤttlichen geschicks/ verheissung/ gnad und gaben. Wir haben zwar darauff gehoffet jederzeit/ So lang uns bey gewohnt des gluͤcks gewogenheit Nun aber moͤgen die am selbten sich vergnuͤgen/ Die du wilst lieber/ daß sie dieses volck bestegen. Wenn deine boͤse frau den Troern goͤnnt kein land/ So bitt ich/ vater/ dich umb ihren jammerstand Und den noch rauchenden zerstoͤrten vaterlande/ Erlaube mir doch nur aus dieser noth und stande Zu ziehn Ascanium/ und machen krieges frey/ Vergoͤnne mir/ daß nur mein enckel uͤbrig sey. E neas zwar mag auff dem meer herumb sich treiben/ Und wo das gluͤck ihn wird hinfuͤhren/ alda bleiben: Verleyh nur mir die macht zu retten den Ascan/ Und bringen aus gefahr des streits auff sichre bahn. Ich hab noch Amathus/ Cytheren und noch Paphen Wie auch Idalium: Da kan er ohne waffen Ohn preiß und ehren zwar/ jedoch in guter ruh/ Ohn sorgliche gefahr sein leben bringen zu : G g 5 Und Das Zehende Buch. Und dann gebiete nur/ so es dich mag geluͤsten/ D er stadt Carthago sich mit aller macht zu ruͤsten Entgegen Latien/ und zu begwaͤltigen: E s soll darumb der stadt gantz nichts im wege stehn Was hats dem Troervolck genuͤtzt und beygetragen/ D aß sie entrunnen sind dem krieg und kriegesplagen; E ntgangen mitten durch die feinde/ schwerd und brand/ D urch so viel faͤhrligkeit zu wasser und zu land; In dem es Latium und andre Troja suchet/ Wenn dieses gleichfals soll/ wie jenes seyn verfluchet/ Und allem ansehn nach zerstoͤret untergehn/ Ach wuͤrd es nicht viel baß umb diese leute stehn/ Wenn sie/ wo Troja stund/ sich haͤtten in dem sande/ Ja in die asch gesetzt in ihrem vaterlande? E rlaub dem armen volck/ ich bitte flehentlich/ D aß sie nun wiederumb wohnhafftig setzen sich Am Xanth und Simois/ gib ihnen aus genaden/ Daß sie nicht noch einmal in so gefahr und schaden Ins alte vaterland zu ruͤcke moͤgen ziehn/ Und dieser groͤsseren gefahr und noth entfliehn. D a faͤhrt die Juno auff von grimmem zorn getrieben: Und wil der Venus das in ihren busen schieben: Wie (sagt sie) noͤtigest du mich denn also fort/ D aß ich muß brechen aus in ungestuͤmme wort/ Und meine hertzensnoth/ die ich mit stille schweigen Bißher hab zu gedeckt/ nun oͤffentlich anzeigen; Wer hat E neen je zum krieg getrieben an: Hat einer aus der zunfft der Goͤtter das gethan: Hat Das Zehende Buch. Hat ein Mensch daran schuld ? D as kan ja kejner reden: Wer hat Latinum ihn bezwungen zu befehden: Ja/ sagt man/ wenn man sol auff das verhaͤngnuͤß sehn/ Ist er gezogen doch ins land Italien/ Auff goͤttlichen bescheid. D em sey so! durch das rasen Cassandr æ haben das die goͤtter zugelassen: Cassandra hat sein hertz gereitzt durch prophecey/ Wie nemblich Welschland ihm zum sitzt verordnet sey’ Wer hat ihn angereitz von seinem heer zu ziehen/ Wer hat ihn angemahnt auff schiffen weg zu fliehen Und trauen sich den wind? Wer hat ihn angeregt/ D aß er die kriegeslast auff einen knaben legt: Solt er die feste stadt und mauren einem knaben/ Wie printz Juͤlus ist/ so leicht vertrauet haben ? Wer hat geheissen ihn mit den Tuscaneren Zu halten uͤberein und buͤndnß einzugehn. Ja voͤlcker wiegeln auff/ die still und ruhig sassen? Was fuͤr ein Gott hat ihn gefuͤhret schlimmer massen In ungelegenheit? Was fuͤr gestrenge macht Hat ihn an unserm theil in solche noth gebracht? Was hat doch Juno schuld? Was Iris die vom himmel Geschicket worden ab ohn einigen getummel: Ists deine meinung noch gantz wider billigkeit Wenn sich das Welsche volck macht auff zum krieg und D as neue Troja/ das sie nicht wol leiden koͤnnen (streit Zutilgen mit den schwerd/ mit feuer zuverbrennen: Ist dir das wider recht/ wenn Turnus seinen stand Behaupten wil/ und kaͤmpfft getrost fuͤrs vaterland? Ist Das Zehende Buch. Ist denn auch dieses recht/ was die Trojaner wollen/ D aß die Latiner sich von hinnen packen sollen/ Und uͤberziehen sie/ und halten sie so schlecht/ Und freveln trotziglich: Ist denn auch dieses recht? paßieret diß denn auch/ nach frembden land sich dringen/ Und freye voͤlcker zu dem joch der knechtschafft zwingen ? Verwuͤsten land und stand/ und fuͤhren weg den raub/ D es alters schonen nicht: Geschicht diß nach erlaub? Ist dis auch recht gethan/ sich diebscher weis einschleichen In neue schwiegerschafft in frembden koͤnigreichen/ Und fuͤhren aus dem schoß der mutter fraͤwelein Die sich in heyrath schon gelassen haben ein? Ist dis auch billigkeit/ den friedens oͤhlzweig tragen/ Und an die schiffe doch das kriegeszeichen schlagen? Du kanst den Griechen aus den haͤnden ziehn davon Und retten aus gefahr Eneen deinen sohu/ Und eine nebelkapp demselbigen umbgeben/ D aß er unsichtbar sey/ und bleibe bey dem leben: Du kanst verwandeln auch die schiff in jungfreulein: Soll uns denn eben das nicht auch erlaubet seyn? Ists unrecht/ daß wir auch den Rutulern hingegen Ein wenig stehen bey? D u klagst E neens wegen/ Daß er nicht sey zur stell/ uud weiß nichts umb die sach E y laß ihn immer seyn! Was fragen wir darnach? Du hast Idalium/ Cytheren und auch Paphen: D arinnen bleibe du: Was gehn dich an die waffen ? Was plagest du die stadt und solche leute mehr Die mit dem krieg umbgehn und leiden viel beschwer? Sind Das Zehende Buch. Sind wir die jenigen/ die euer kraͤncklich wesen Und zustand sind bemuͤht/ nach dem ihr seyd genesen/ Zu tilgen in den grund? Sind wirs/ und nicht vielmehr Der den Trojanern hat gefuͤhrt der Griechen heer In ihre stadt und land? Wem ist es bey zumessen/ Das sich E uropa hat und Asia fuͤr dessen Verwickelt in den krieg? Wer hat den bund und treu Zertrennet unter sie mit solcher schelmerey? Kan der Trojansche dieb und ehebrecher sagen/ Er hab auff mein getrieb und beystand weg getragen D en sieg in Spartens stadt? hab ich ihm an die hand Gegeben wehr und zeug ? Hab ich sein hertz gewand D urch lieb und lust zum krieg ? Da haͤttst du tragen sollẽ Fuͤr deine leute sorg ohn widersinn und grollen; Nun ists zu spat/ daß du koͤmmst auffgezogen her Mit unbefugter klag und machst des zancks nur mehr. Diß war der Juno red und kuͤnstlich wortgepraͤnge/ Und fuͤhrte wider sie/ die Venus nach der laͤnge Vermeinten starcken grund: Die Goͤtter murmelten/ Und liessen ihre stimm nach gunst und neigung gehn. Gleich wie ein wind der sich erst laͤßt im walde hoͤren Mit saͤnffterem gesauß/ die schiffer zu belehren/ Darbey zunehmen ab/ daß in der hoͤchsten still Sich auff dem wilden meer ein sturm erheben will. Der vater Jupiter/ der alles aller enden In dieser gantzen welt hat unter seinen haͤnden/ Faͤngt an/ und da er redt/ da wurden allzumal Die Goͤtter sanfft und still im hohen himmels saal. Die Das Zehende Buch. D ie erd erbebete mit schrecklichem getuͤmmel: Es regt sich aber nichts am firmament und himmel/ D er wind und meer wurd still und legten ihren grimm: So hoͤret dann und merckt mit fleiß auff meine stimm. Weils durchaus nicht mag seyn/ daß die Trojaner koͤñen Mit dem Latinervolck verbinden hertz und sinnen Mit unverruͤcktem bund/ und eur uneinigkeit Kein ende nehmen wil/ man saget/ man gebeut Und rathet/ was man kan/ was nun wird einem jeden Begegnen heute noch/ er mag krieg oder frieden Zur hoffnung setzen aus/ das mag er nehmen hin/ Wie er in hoffnung hat getroͤstet seinen sinn. E s sol ein jeglicher seyn bey mir gleich geachtet Und ohne unterschied gehalten und betrachtet/ E s mag die vestung feyn bestuͤrmt zum ungeluͤck D er Welschen/ oder durch der Troer boͤses stuͤck Und irrthumb/ und daß sie der goͤtter raht und willen Nach ihrem wahn geschaͤtzt und selbten zu erfuͤllen Nicht haben recht bedacht: Ich wil noch Rutuler Noch Troer zehlen loß von straffen und beschwer. Was einer hat gethan verwircket und gehandelt/ So wird ihm folgen nach sein thun/ wie er gewandelt. Der koͤuig Jupiter ist allen menschen gleich/ Und sieht auff alle hin/ sie seyn arm oder reich. Das goͤttliche geschick wird seinen weg wol finden/ Und also wieder fried und recht zusammen binden: Bethewrete hierauff mit einem winck sein wort/ Und schwur gebraͤuchlich bey dem hoͤllschẽ fluß und pfort/ Als Das Zehende Buch. Als seines bruders erb des Plutons bey dem schlunde Des schwartzen schweffel-pfuhs in tieffem hoͤllengrunde: Und als er winckte/ bebt das gantze Firmament. Mit diesem hoͤrt er auff und bracht sein wort zum end. Stund auff von seinem thron/ der war vom gold bereitet/ Die zunfft der goͤtter ihn bis in sein schloß begleitet. Immittelst aber haͤlt das volck der Rutuler Vor allen pforten an/ die Feinde hin und her Zu schlagen in die flucht/ und auff die erd zu strecken/ Und rings umbher die stadt mit feuer anzustecken; Die Troer wurden nun in ihrer festung sehr Geaͤngstet und bedraͤngt/ und war kein hoffnung mehr Dem uͤbel zu entgehn. Die armen leute stehen Auff hohen thuͤrnen zwar/ und meynen zu entgehen: Umbsonst! Sie bleiben nicht auff selbtem unverletzt ; Sie hatten auch die maur/ doch duͤnne gnug/ besetzt. Der feind schoß starck hinauff: die Troer aber wehren Sich wie sie koͤnnen nur mit steinen ab zu kehren Die hefftige gewalt/ Sie nehmen feur zur hand/ Und werffen auff den feind kien/ fackeln/ bech und brand. Der junge fuͤrst Ascan/ dorfft selber sich erkuͤhnen/ Und war mit schoͤnem haupt entbloͤsset unter ihnen/ Fuͤr welchen billig trug die Venus sorg und pein. E r leuchtete so schoͤn/ gleich wie ein edelstein/ Der eingefasset ist mit gold den halß zu zieren/ Doch oder auff dem haupt in einer kron zufuͤhren. Ja wie auch glaͤntzet schoͤn das weisse helffenbein In Bux und Terebinth mit kunst geleget ein. Das Das Zehende Buch. Das wollen-weiche haar ließ er von nacken hangen/ Der weiß wie milch sah aus und kunte zierlich prangen In einem guͤldnen krantz versetzt mit edelstein/ Das auff dem haupte war geflochten artig ein. Es hat viel tapffres volck dich/ Ismarus/ gesehen/ Wie du gewisse schuͤß hast lassen abegehen/ Und pfeile zugericht mit gifft: Der buͤrtig aus Dem lande Lydien von edlem stamm und hauß. Da man den fluß Pactol sieht uͤbers feld ergiessen Den guͤldnen sand/ und da die leute pfluͤgen muͤssen E in allzufettes land. Auch fand Menestheus sich/ Den schoͤnes tugendlob erhube praͤchtiglich/ Als er des vorgen tags den Turnus frisch und munter Mit unverzagtem muth trieb von dem wall herunter : Es war auch Capys da/ von dem die grosse stadt In Welschland Capua noch ihren namen hat. Dieselben waren nun in langem krieg begriffen/ Da gleich Eneas fuhr mit seinem volck und schiffen Zu mitternacht daher. Denn als er abschied nam Von dem Evander itzt/ und in das lager kam Des Tarchons/ und entdeckt dem Koͤnig seinen namen/ Und wannenher sein stamm und groß A nherren kamen/ Was er begehrete von dem Tuscaner heer/ Und er hingegen ihm zu leisten willig wehr; Und wie Mezentius ihm haͤtte fuͤrgenommen Mit grosser heeresmacht an ihn/ als feind/ zukommen/ Berichtet ihm den trotz des Turni auch hierbey/ Und was auff eigne macht und arm zu trauen sey. Diß Das Zehende Buch. D is haͤlt er ihm theils fuͤr/ theils sucht er ihn zu lencken Mit bitt auff seine seit. Der Tarchon ohn bedencken Schlaͤgt seine macht zu ihm/ und gehet buͤndnuͤß ein: Als nun die Lydier sich sehn befreyet seyn Vom goͤttlichen bescheid/ weil uͤber sie regierte Nunmehr ein frembder fuͤrst/ und fuͤr den feind sie fuͤhrte ; Da gehen sie zu schiff auff goͤttliches geheiß : E neens schiff geht vor/ und hat den ersten preiß ; Forn war ein Lew gemahlt; Daruͤber war ingleichen Der Idensberg/ auff den die Troer musten weichen/ Als Troja ward zerstoͤrt; war ihnen sehr bequem/ Und derentwegen auch nicht wenig angenehm. Da sitzt der tapffre mann E neas in gedancken/ Und muß in mancher sorg und tieffen zweiffel wancken/ Indem er gnaw erwegt/ was sich begeben koͤnnt/ Und was zu hoffen sey; Was außschlag/ was fuͤr end Der krieg gewinnen moͤcht: E s saß an lincker seite Der Pallas neben ihm: Bald fraget er die leute/ Welchs das gestuͤrne sey/ nachdem bey finstrer nacht Die schiffer richten sich und nehmen wol in acht; Bald klagt er/ was er hab beyds auff dem meer und erde Gelitten fuͤr gefahr/ angst/ elend und beschwerde. Ihr Musen/ machet auff nun ewren Helicon. Und stimmet an ein lied in einem hoͤhern thon. Helfft nur beschreiben auff poetisch art und weise/ Was beym Eneen ist gewesen auff der reise Fuͤr kriegesvolck/ als er zog aus Hetrurien Zu wasser/ und geruͤst in welschland wolte gehn. H h D er Das Zehende Buch. Der Massycus/ der erst war unter denen schiffen/ Die mit E neen sich vereinbahrten/ begriffen/ Hieß sein schiff tieger/ weil die schnautze gantz und gar D es schiffes/ wie diß thier/ gemachet artig war. D er fuͤhrte tausend mann/ die aus den staͤdten waren Aus Clus und Coss/ zumal des krieges wol erfahren: S ie trugen bogen und geschoß/ wie sichs gebuͤhrt/ Und waren aller dings mit waffen wol staffiert. Zugleich fuhr Abas her erschrecklich von gebehrden/ In dessen voͤlckern kund nicht einer funden werden/ D er mit gewehr und zeug nicht war sehr wol vorsehn; Man sah Apollinem auf seinem schiffe stehn/ Zum zeichen schoͤn verguͤldt/ geziert mit einer krone/ Sechshundert knechte gab demselben Populone/ Die stadt sein vaterland. E s waren junge leut/ Und hatten zu dem krieg genung erfahrenheit. Allein das Eyland Ilv sehr reich vom stahl und eysen Gab ihm dreyhundert mann die fertig mit zureisen. D er dritte war Asyl/ der aus den Aderlein Der abgeschlachten thier kunt weißlich propheceyn. E r hatte hohen witz/ und kunte scharff verstehen/ Wie alle sternelein am himmel richtig gehen Und was sie deuten an mit ihrem lauff und stand/ Und wie ihr liecht und schein beschaffen und bewand: E r kunte das geschrey der voͤgel auch den leuten/ Wie auch den donner/ plitz und ungewitter deuten: D erselbe bracht in eil zusammen tausend mann Mit spiessen wol geruͤst zulieffern auf den plan. Es Das Zehende Buch. Es hat sie Pis æ ihm (die zwar ligt auff dem grunde D es lands Hetrurien/ doch nach dem uhrsprung stunde Am Alpheus wunderfluß) zum krieg befohlen an/ Dem folget Astur nach/ der schoͤne rittersmann D er tapffer saß zu roß und traute seinen waffen Und fuͤhrt dreyhundert mann/ die alle sampt zuschaffen Zugeben ihrem feind getrauten freudiglich/ Und willig mit zuziehn verbunden hatten sich. Ich wil dich/ Cyene/ nicht/ der du ein tapffrer fuͤhrer Warst der Ligurier und loͤblicher regierer/ Gehn unberuͤhrt vorbey/ ich wil auch dich/ o held/ Cupavo/ lassen nicht fuͤr dißmal ungemeld/ Ob gleich du fuͤhretest fast wenig heeresschaaren: Auf dessen helm gesteckt viel schwanenfedern waren. Die lieb ist beyden euch gewesen ursach dran/ Und sind die federn dir zum denckmal beygethan/ D ieweil dein vater ist verwandelt/ den man meinet D aß Cyenus/ da er sehr umb Phaethontem weinet Aus liebe gegen ihm ; In dem er sang ein lied Beim Pappelbaͤunje/ wie der junge held verschied/ Und seine schwesteren in solche baͤume waren Verwandelt/ da sie das mit hertzeleid erfahren/ Sey grau geworden gar/ und hab hernach gefuͤhrt; Sein alter ruhiglich/ bis kranckheit ihn geruͤhrt; D a hat er auffwerts sich geschwungen von der erden/ Und singend in die lufft geflogen ohn beschwerden. Nun fuͤhrete bey sich Cupavo Cycni sohn Auff seinem schiffe (das den namen trug davon H h 2 Weil Das Zehende Buch. Weil forn ein pferdeman stund und wurd fortgetrieben Mit Rudern) etlich volck das liesse sich belieben Zu ziehen fuͤr den feind/ und waren gleich wie er Behertzte junge leut und tauglich zu dem heer. Derselbe pferdemann siund uͤbern wasser oben Sehr hoch/ hat einen stein gleich als empor gehoben Und drewte so damit der Flut von oben her Und schnitte mit dem schiff so durch das tieffe meer. E s hatte Ocnus auch beruͤhmt vom stamm und stande Ein schoͤn volck auffgebracht in seinem vaterlande/ Des Tyberini sohn und Mantus/ welche kunt In weise prophecey eroͤffnen ihren mund. Derselbe hat der stadt der mutter nahmen geben/ D aß sie heißt Mantua. Er hat sie auch hierneben Sehr starck befestiget mit mauren uͤmm und uͤmm/ Daß sie wol stehen aus kan feindlich ungestuͤmm ; Das gute Mantua/ das jeder zeit gehabet Viel stiffter/ die mit witz und tugend hoch begabet/ D ie doch von einem stamm nicht sind gekommen her; Sie war in drey zuͤnfft abgetheilet und nicht mehr/ Allein ein jede zunfft bestund aus vier quartiren; Sie aber war das haupt und hatte zu regieren Zwoͤlff voͤlcker einer sprach in gantz Hetrurien/ Und auff denselbigen kunt ihr vermoͤgen stehn. Fuͤnffhundert zogen auch aus bitterm haß von dannen Zu streiten muhtiglich entgegen den tyrannen Mezentium: E s war gemahlet an ihr schiff Das wasser Mincius/ das aus Menaco lieff. Und Das Zehende Buch. Und da viel roͤhricht steht. Aulet zog mit ingleichen Auff einem schweren schiff/ das langsam muste streichen/ Hat hundert ruder wol/ und kehreten mit macht Die wellen ab/ das meer war voller schaum und kracht. Das schiff/ darauff er fuhr/ hieß Triton/ weil man sehen Den Triton kunte drauff mit seiner Trompte stehen: E r schiene/ wenn er bließ/ als wolt er uͤberall Erschrecken land und see mit seiner trompten-schall. Derselbe hatte zwar/ wie andre menschen pflegen/ E in menschlich angesicht ; Doch war er hier entgegen Biß an die huͤffte rauch/ halb mensch/ und halber fisch/ Und schaͤumet unter ihm das wasser mit gezisch. Schaw so viel obersten/ die außerlesen waren/ Sah man zu diesen zug auff dreyßig schiffen fahren Den Troern zum entsatz. Da schnitten sie hindurch Das blawbeschaumte feld/ und machten tieffe furch. Es war itzt Cynthius am himmel untergangen/ Und hatte Cynthia zu scheinen angefangen; D a saß E neas/ (der fuͤr unmuht/ forg und pein Fuͤr das gemeine heil nicht kunte schlaffen ein.) Und fuͤhrt das steuer-ampt/ und fieng an zu regieren Das segel; D a ließ sich der Chor der nimfen spuͤren/ Die vorhin waren auch gewesen im geleit Bey ihm auff seiner reis in mancher faͤhrligkeit. Die goͤttin Cybele hat unter andern gaben Gegeben ihnen auch den fug und macht zu haben In offenbarem meer/ und nimfen da zu seyn/ Die vorhin waren schiff/ sie schwummen sachte fein H h 3 Und Das Zehende Buch. Und strichen durch die fluht/ und dererselben waren So viel als schiffe sind in Haven eingefahren/ D ieselbe stossen nun dem Troern held gleich auff/ D a er war mitten in der reif und vollem lauff. Sie kanten ihn von fern/ als der ihr fuͤrst fuͤr dessen Gewesen war/ das noch blieb ihnen unvergessen ; Sie schwimmen umb ihn her und tantzen nach der zier: Cymodoce/ die weit den andern gienge fuͤr An wolberedsamkeit/ darinn sie kunte prangen Mit schoͤnem weißheit ruhm/ kam hinden nach gegangen/ Und hielt mit rechter hand das schiff/ und buͤckte sich/ Trieb mit der lincken fort das wasser saͤnfftiglich D ann redet sie so an den Troer held Eneen; D er gantz nichts weiß darumb/ wie er diß fol verstehen: Du grosser Goͤtter sohn und stammherr wachest du E neas/ wache nur und siehe fleißig zu/ Daß alles stehe wol: wenn sich die winde ruͤhren/ So dencke sorgsam du das segel zu regieren/ Wir sind die schiffe/ die aus fichten vor erbaut/ D ie auf dem Idensberg man heilig hat geschaut/ Nun sind wir Nimfenvolck/ des meers einwohnerinnen. D enn als die Rutuler mit frevelem beginnen Und toller wuͤtigkeit uns euserst satzten zu Mit schwerd und feuersgrim̃/ und liessen uns nicht ruh; D a haben ungern wir gerissen loß die bande/ Die wir noch laͤnger dir gedient in deinem stande/ Und suchen mit begier dich auf dem grossen meer! D er du noch stehest aus viel sorgen und beschwer/ Die Das Zehende Buch. Die Mutter Cybele hat uns aus beyleid geben Zu haben die gestalt/ und freye macht zu schweben/ Als Goͤttinnen/ im meer und mit einander gleich Zu leben immerdar in Nereus nassem reich. Allein der junge fuͤrst Ascan ist eingeschlossen In mauren jaͤmmerlich/ und wird vom feind beschossen Und hefftiglich gestuͤrmt/ die reuter A rcader Sampt dem Tuscaner volck sind schon geschicket her Und voraus angelangt. Der Turnus hat beschlossen/ Daß sie ihr kriegsheer nicht zusammen koͤnnen stossen/ Zu hauen ihnen ein/ und legen volck dafuͤr/ Und traͤgt zu schlagen stets verlangen und begier. Diß hab ich wollen dir/ o fuͤrst/ seyn unverborgen; drumb mache dich bald auff mit kom̃end-ehstem morgen/ Und gib als obersten dem volck und krieges heer Befehl und maß/ daß sie stehn fertig in gewehr/ Und nimm den schild zur hand/ das grosse meisterstuͤcke/ Den dir Vulcan gemacht zu deinem schutz und gluͤcke/ D er undurchdringlich ist/ und hat mit manchem bild D enselbigen geziert/ wie auch den rand verguͤld. Dann wirst du morgen/ so du meinem wort wirst trauen Vie hauffen Rutuler im felde ligen schauen. So sagt sie/ und in dem sie gieng und ließ das schiff/ Stieß sie dasselbe fort geschicklich/ damit lieff Das sichtenhauß/ gleich wie ein wurffpfeil/ so geschwinde/ Der nicht je gibt bevor dem fluͤgelschnellem winde. D a eileten mit dem die andern schiffe nach/ Eneas wundert sich unwissend dieser sach/ H h 4 Und Das Zehende Buch. Und gleichwol ward er froh/ umb das sie propheceyte/ E r wuͤrde haben gluͤck und kommen aus dem streite/ Als siegesreicher held. Hebt demnach sein gesicht Zum blaugewoͤlbten thron und bittend kuͤrtzlich spricht: O mutter Cybele/ von der die Goͤtter kommen/ D ie du dich Dindymi des berges angenommen/ Und dir gefallen laͤßt/ die du dasselbe land Und hohe staͤdte liebst/ und leuen/ die gespannt Fuͤr deinem wagen sind. D u rathest mir zu wagen Ein treffen mit dem feind und tapffer drein zuschlagen. Ey nun so gieb geluͤck zu deinem propheceyn/ Und komm zum Troervolck mit sanfftem gnaden schein. So viel red er/ mehr nicht: Und unterdes kam wieder Der lichte febus an mit glaͤntzendem gefieder Und jagte weg die nacht. Da ließ er stracks ergehn An alles volck befehl/ sie solten ruͤstig stehn/ Und jeder sich zur fahn ohn alle saͤumnuͤß finden/ Und an die waffen auch das hertze lassen binden Daß/ wo der leib verwahrt/ der muth auch sey bereit/ Und halte sich gefast zu gehen an den streit. Er war nunmehr so weit mit seinem heer gekommen/ Daß er die Troer hat in augenschein genommen Und seine lagerstatt. Er steiget in die hoͤh An hindertheil des schiffs/ und recket auff der see den blancken schild hoch auf: da hoͤrt man an dem schreyẽ/ D avon der himmel schallt/ wie sich die Troer freuen Und jauchtzen auff der maur: Das ist die eigenschafft Der hoffnung/ daß sie kan erwecken muth und krafft. Die Das Zehende Buch. Sie schiessen tapffer loß/ und heben an zu schreyen Mit solcher freudigkeit/ daß sich der feind muß scheuen: So thun die Kranniche/ und geben in der lufft Ein zeichen mit geschrey/ wenn ein gewitter offt Und sturm obhanden ist ; Sie fliegen seewarts nieder Und fliehen fuͤr dem sud mit rauschendem gefieder: Dem Koͤnig Turno kam mit seinen obersten Dis eben seltzsam fuͤr/ und kunten nicht absehn/ Wie das gemeinet war/ so lange bis sie sahen Daß sich die schiffe mehr und mehr dem lande nahen Und daß mit segeln war bedeckt das gantze meer/ Und sahen/ daß der fuͤrst Eneas kam daher. D er helm und federpusch war so hell an zu sehen/ D aß lauter flamm und feur von selben schien zu gehen Und fuͤnckelte der schild vom golde dergestalt/ Nicht anders/ als wenn glantz von feur zu ruͤcke prallt/ Ja oder wenn bey nacht sich lassen sehn Cometen Gantzfeuerroth/ die fast gemeiniglich propheten Sind vieles ungeluͤcks: Und wenn sich sehen laͤßt Der heise hundstagstern und eitel hitze blaͤßt/ Der durst und kranckheit bringt den armen menschenkin- und hefftig raffet weg dz vieh mit kalb und rindern/ (dern Ja auch den himmel selbst betruͤbt mit seiner pest Der Turnus aber steht ohn wancken steiff und fest/ Besetzt den uferstrand/ und will E neen wehren Mit gantzer heeres macht in haven einzukehren Er sprach den seinen zu/ und gab den tapffern preiß/ Den traͤgen aber that er zorniglich verweiß: H h 5 Was Das Zehende Buch. Was ihr euch wuͤnscht (sagt er) ihr redlichen soldaten/ Das habt ihr nun/ und wird euch besser noch gerahten E wr angewandter fleiß/ zu brechen durch mit macht/ Und die gelegenheit zu nehmen itzt in acht. Ihr traget eur geluͤck in ewrer faust und waffen: Da denck ein jeder nun was ruͤhmliches zuschaffen/ Und denck an hauß und hoff/ an seine kinderlein/ Wie alles fuͤr dem feind verthaͤdigt moͤge seyn. E in jeder ahme nach der alten vaͤter tugend/ Und thu was ihm geziemt in seiner frischen jugend; Wir wollen ihnen frey stracks unter augen ziehn/ Und sie vom haven abzuhalten uns bemuͤhn/ Indem sie muͤde/ bloͤd und sich vor sollen laben/ Und keinen festen stand noch außtritt moͤgen haben. Wer sich nur waget keck/ und greifft frisch zu der that/ D erselbe seines gluͤcks sich offt erfreuethat. So sagt er/ und erwog bey sich/ was er fuͤr leute Von seinem volcke solt außschicken zu dem streite/ Und welchen er befehl der stadt belaͤgerung/ So wolt er hier und da thun seinem ampt genung. E neas unterdes war naͤher nun am strande Und einig drauffbedacht/ zu setzen aus am lande Sein heer und kriegesvolck: Da steigen sie herab Auff bruͤck und bretteren/ wies an die hand sich gab. Viel merckten/ wo das meer zuruͤcke lieff/ und sprungen Hinunter auff den sand/ und dann zum lande drungen; Die andern kletterten auf rudern risch hinab/ Der Tarchon sah sich umb und fleißig achtung gab Auff Das Zehende Buch. Auf einem ort am strand/ da er/ daß kein grund waͤre/ Sich duͤncken ließ/ dieweil kein murmeln man im meere Vernahm/ da sich der strom bestaͤndig still erwieß/ Noch wider klipp und strand mit brausen sich außließ : Da ist er alsobald/ die ruder anzuschlagen Bemuͤht/ und bittlich dis den volckern fuͤrzutragen: Wollan! ihr tapffre pursch/ legt frisch die ruder an/ Und eilt an jenen ort/ daß man außsteigen kan. Jagt/ jaget nur frisch drauf/ damit die schnautzen spalten Des feindes erdenland mit feindlichen gewalten/ Und setze sich die keel tieff in die erd hinein/ Solts auch an diesem ort gelitten schiffbruch seyn/ so frag ich nichts darnach/ wenn ich nur einst vom strande Kan kommen sicherlich/ und bin in feindes lande. Als Tarchon dis geredt/ da stemmt die pursche sich Ans Ruder mit gewalt und zogen maͤchtiglich/ Daß sie mit jedem mal auffstunden von den baͤncken: D a kunten sie die schiff schnell jagen fort und lencken. Ins land Italien. D a kamen sie vom strand Ohn schaden allesampt/ und sassen an dem land. D ein schiff/ o Tarchon/ war vor diesem außgenommen/ Das kunte gantz und gar auffs trockne land nicht kom̃en. Denn als dasselbige kam auf den hohen sand/ Da schwebt es eine weil/ und blieb in einem stand/ Und muste manchen puff außstehen von den wellen/ Bis endlich mochten sie dasselbe zu zerschellen Das es vonander gieng. D a ließ es in das meer Die leute sincken hin. Die schwummen hin und her. Weil Das Zehende Buch. Weil aber auff der flut die ruderstuͤcken schwummen/ Wie auch die Ruderbaͤnck/ als kunten sie nicht kommen Mit schwim̃en an das land. Auch wenn das wasser floß Zuruͤcke/ schlug es stets die fuͤsse unten loß. So ließ sich Turnus auch nicht feig und traͤge finden/ Un wolte lassen nichts an seinem fleiß erwinden ; Fuͤhrt eilend wider die Trojaner in das feld Sein gantzes kriegesheer/ gleichwie ein braver held. Man blaͤset zu den streit/ es zittert stadt und mauren: E neas thut vorerst den anfall auff die bawren; E in zeichen/ das sehr gut den seinen war zum streit/ Und schlug viel Latier mit strenger tapfferkeit. E rst bliebe Theron todt/ ein mann von grosser staͤrcke Der aber allzukuͤhn in diesem einem wercke/ Daß er gieng ohne schew auff den Eneen loß; D em aber gab er nur nicht mehr/ als einen stoß/ Der schild und pantzer durch mit gantzẽ kraͤfften-drunge/ das schwerd fuhr gar in leib und ihm sein blut verschlun- Da halff der pautzer nicht/ wie dick er immer war (ge ; Verguͤldet/ in der Noht und toͤdtlichen gefahr. Da kam der Lycas her/ als jener war bestritten/ Der war aus mutterleib/ als sie verschied/ geschnitten/ Und Febus anverlobt; D erselbe/ da er war Noch klein/ kunt er entfliehn dem eisen und gefahr. Nicht weit davon schlug er den streitbaren Cißeen Und Gyan/ den man sah sehr ungeheuer stehen; Die fuͤhrtẽ eine keul und schlugen schrecklich drein/ Daß viel volck auff dem platz das leben buͤsset ein. Es Das Zehende Buch. Es halffen sie gar nicht des Herculs schwere waffen/ Sie kuntẽ mit der saust/ wie starck sie war/ nichts schaffẽ Noch daß ihr vater war des Herculis geferth/ So lang er schwere muͤh stand aus hier auff der erd. Indem (schaw!) Pharo sich ruhmrettig hoͤren liesse/ Und nichts dahinden war; Da schoß mit einem spiesse E neas ihm ins Maul: Du haͤttest/ Cydnon/ auch Nicht mehr die lebensgab und himmelsuͤssen hauch/ Indem du zogest nach zur ungluͤckhafften stunde Dem freunde Clytio/ der erst an zartem munde Ein gelbes baͤrtlein kriegt: E s haͤtt E neens faust/ Der mitten in dem heer des feindes zornig braust/ Zu boden dich gefaͤllt/ und haͤttest muͤssen ligen Erbaͤrmlich auff dem plan ohn lieb und wolvergnuͤgen/ Daran du allezeit trugst deine freud und lust ; Wenn deine bruͤder nicht einmuͤhtig und getrost ; Und sieben an der zahl dir waͤren zugelauffen/ Und dich in solcher noht gezogen aus dem hauffen ; Sie liessen sieben spieß auff den Eneen gehn: Umbsonst ! E r bliebe doch ohn allem schaden stehn ; Sie sprungen theiles ab vom schild und helm zuruͤcke/ Theils wandte Venus sie zu sonderbarem gluͤcke Eneens ihres sohns/ ohn daß sie ritzten nur Ein wenig seine haut: Eneas aber fuhr Heraus und sagte zu Achaten seinem frennde. Gib mir die spiesse/ die im leibe meiner feinde Der griechen auf dem feld fuͤr Troja stecketen: Es sol mir gleichfalls traun kein schuß leer abegehn. Auff Das Zehende Buch. Auf diese noht: Hiemit griffer nach einem spiesse/ D er war sehr groß/ den er von haͤnden gehen liesse Derselbe flog und fuhr den M æ on durch den schild/ Der war vom kupffer schoͤn gemacht/ doch nicht verguͤld/ Und drung den harnisch durch und dañ die brust/ da lieffe Sein bruder eilend zu Alcanor und ergriffe Ihn/ als er fiele hin/ mit seiner rechten hand; Ward aber ploͤtzlich/ da er sich ein wenig wandt/ Gefchossen in den arm mit einem scharffen spiesse/ Der weiter fuͤr sich gieng/ so gar/ daß er zerrisse Die sehnen/ und ihn laͤhmt: Da hieng er gleichsam todt/ Und kunte selber nicht ihm helffen aus der noht. Als nun der Numitor aus rachbegier bewogen Den spieß aus M æ ons leib in hoͤchster eil gezogen/ Schoß er ihn nach dem held/ auf den er war erpicht/ Kunt aber ihn/ wie gern er wolte/ treffen nicht; Doch schrammer er die huͤfft Achatens/ der im streite E neen pflegte stets zu stehen an der seite. Da kommt der Lausus her/ der buͤrtig aus der stadt/ Die Cures wird genennt/ zwar jung/ doch kuͤhn von that/ Von fern auf Dryopen/ und ihn mit seinem spiesse Aus gantzer leibeskrafft so ungehewer stiesse/ Daß er das eysen ihm hinein druͤckt unters kinn/ Daruͤber er zugleich verlohr die sprache/ sinn Ja leben/ weil ihm war die gurgel durchgeschnitten/ Und also wurde schnell geraͤumet aus der mitten/ In dem er fiel zur erd/ und spie dickes blut/ E r drunge ferner durch und schlug mit frischem muth Drey Das Zehende Buch. Drey Thracier zu todt/ die waren vom geschlechte Des grossen Boreas/ wie auch drey ritterknechte/ D ie vater Idas hat geschickt von Ismar her: E s koͤmpt Halesus auch in weg mit seiner wehr/ Auch der Auruncer heer/ Neptunus sohn ingleichen/ Messap der tapffre held/ der nicht gewohnt zu weichen/ Ein mann der sich verstund auff reiten und gefecht/ Und wuste/ wie man solt im sattel sitzen recht. Sie streben unter sich einander zu verjagen/ Bald lassen diese sich/ bald jen in kampff und schlagen. In summa/ es geht schon in graͤntzen weidlich an Des lands Italien: E s kaͤmpffet wer nur kan/ Und geht nicht anders her/ als wenn auf allen seiten In luͤfften wider sich die winde hefftig streiten/ Mit gleichem muth und krafft: Sie sind auf sich erpicht/ Und wollen unter sich einander weichen nicht. Die wolcken stehen sest/ das meer streubt sich entgegen/ Und keines wil den zorn und wuͤte niederlegen ; Da schwebet unter sie der bittre kampff und streit Sehr lang/ und kan man nicht absehn/ auf welche seit D er sieg sich lencken wil/ weil sie so hart fest stehen/ Und keins dem andern wil erst aus dem wege gehen: So kaͤmpffen diese heer zusammen auf dem plan/ Da stunde fuß an fuß gantz fest/ und mann an mann: Als aber Pallas sah/ da wo der strom gerissen hat stein und baͤume loß und weit vom strand geschmißẽ/ D aß sein Arcadier/ die nicht gewohnt im streit Zu fuß zu gehn/ doch zwang des ortes ranhigkeit Zu Das Zehende Buch. Zu lassen ihre pferd/ und den Latinern wandten Den ruͤcken/ welche drauf frisch hinter ihnen rannten Und sie verfolgeten; da that er was man kan In solchem kummerstand und fing bald bittlich an Sie frisch zu muntern auff/ bald wust er anzustellen Gar ernstlich seine red: Ihr lieben spießgesellen/ Sagt er) wo wollet ihr doch endlich fliehen hin? Bedenckt eur schaͤndlich thun doch selbst in eurem sinn. Ich bitt euch umb euch selbst/ und eure tapffre thaten Umb des Evanders ruhm und namen/ der euch rathen Zu allen guten kan/ ich bitt euch umb den krieg/ Den ihr vollendet habt mit schoͤnem lob und sieg/ Ja umb die hoffnung/ die ihr moͤget zu mir haben/ Daß ich des vaters lob und schoͤne tugend gaben Gedencke nach zuthun ; Vertraut doch nicht der flucht/ Ihr seyd ja in dem krieg bewaͤhret und versucht. Ihr muͤsset mit gewalt euch durch die feinde schlagen/ Und wo der hauffe steht am dicksten/ tapffer wagen/ Dadurch muͤsst ihr und ich/ als euer fuͤhrer/ ziehn Zuruͤck ins vaterland/ nicht aber schaͤndlich fliehn. Es sind nicht Goͤtter/ die uns dringen oder jagen: Sie muͤssen auch wie wir den todt am halse tragen: So viel sind unser auch/ als ihrer moͤgen seyn; Wir haben muth und faust wie sie/ zuschlagen drein. Zu dem bedenckt/ daß wir vom meere sind umbgeben/ Und koͤnnen durch die flucht uns nicht von hinnen heben: Zu land ist uns versperrt der weg: Sol man denn nu Zu wasser wiederumb auff Troja ziehen zu ? So Das Zehnde Buch. So sagt er/ und ist erst begierig anzulauffen/ Und setzet mitten durch der feinde dicken hauffen: Fuͤr allen stoͤßt ihm auf zu seinem ungeluͤck Der Lagus/ welcher sich bemuͤht ein felsenstuͤck Zu reisen ab/ den schoß er mitten durch den ruͤcken Mit einem spieß/ daß er in staub sich muste buͤcken; Drauff zoch er wieder aus den spieß/ der tieff hinein Gleich bey dem ruͤckgrad war gefahren ins gebein. Der Hisbon meynte zwar/ in dem er mit verweilen Mit diesem war bemuͤht/ er wolt ihn uͤbereilen. D och als er lieff hinzu und sehr ergrimmet war Durch seines feindes tod/ kam er selbst in gefahr Aus unbehutsamkeit; D em Pallas/ der sich schwunge Behend herumb/ kam vor/ und stach ihm durch die lunge. Nach diesem nahm er fuͤr den kuͤhnen Helenum/ Und als er fertig war mit ihm/ Anchemolum. Ihr beyde/ Laride und Thymber/ die erkohren Dem Daunischen geschlecht und zwilling seyd geboren/ Die ihr einander wart gar aͤhnlich am gesicht/ Und derentwegen fast zu unterscheiden nicht Von ewren E ltern selbst/ die aber drumb nicht minder Gefallen liessen sich die wunderlichen kinder/ Im fall sie einen fuͤr dem andern sahen an/ Ihr/ sag ich/ mustet auch hier sterben auff dem plan. Der Pallas aber hat mit hartem unterscheide Euch von einander bracht/ in dem er alle beyde Mit seinem schwerdte hieb/ das seines vaters war: dem Thymbeꝛ schlug eꝛ weg das haupt mit haut undhaaꝛ J i Lari- Das Zehende Buch. Laridi seine hand/ die gleichsam suchte wieder D er sie gefuͤhret hat/ es regten sich die glieder Der todten finger noch und griffen nach dem schwerdt/ D aß dieser juͤngeling zufuͤhren war wol / werth. Als die Arcadier/ die vorhin durch die reden Pallantis angereitzt die feinde zu bevheden/ Des tapffern juͤngelings beruͤhmte thaten sehn/ Da werden sie behertzt loß auff den feind zugehn/ D ie theils der bittre schmertz/ theils tugendscham erreget/ Da ward der Rheteus von dem Pallas stracks erleget/ In dem er jagete mit dem geschirr fuͤrbey/ Und so viel zeit und frist hat Ilus annoch frey. Denn Pallas hat den spieß auff Ilum hingerichtet/ Weil aber Rheteus kam dar zwischen/ als gefluͤchtet/ Von tapfferm Teuthras und desselben bruder auch/ So fuhr er ohn gefehr ihm mitten durch den bauch; Und fiel danieder tod von seinem kriegeswagen Und kunte noch aus grimm mit beyden fuͤssen schlagen Auff der Latiner feld. Und wie ein Ackersmann/ Im fall der sommer sich nach seinem wuntsch laͤßt an/ Und grosse hitze bringt/ darzu der wind entstehet/ Die stoppeln zuͤndet an/ da denn die flamme gehet Und faͤhrt behende durch/ ja durch die felder sich E rstrecket weit und breit. Der baur sitzt ruhiglich Und achtets nicht gar groß/ wenn so das feuer wimmert/ Und uͤbers gantze feld mit vollem glantze flimmert/ D ieweil es also geht nach seinem wuntsch und sinn: So wandte sich das volck Pallantis alles hin Zu Das Zehende Buch. Zu seinen obersten/ und koͤmmet zugelauffen Ihn zu entsetzen/ als der von dem hellen hauffen Der feinde war umbringt: Allein der tapffre mann Halesus macht sich auff/ und legt den schild fest an Und haͤlt ihn so gantz fuͤr/ begegnet ihnen allen/ Und schlaͤget ihrer drey/ daß sie zu boden fallen/ Den Ladon/ Phereta und den Demodocum/ Den Strymon aber jagt er eine weil herumb/ Und hiebe mit dem schwerdt die rechte hand ihm abe/ Damit er seiner kunst zu fechten urlaub gabe/ D er erstlich dem Haleß fast bey der gurgel war/ Zielt aber gar zu lang und kam selbst in gefahr Faͤhrt fort/ nimt einen stein/ der schwer war an gewichte: Und wirfft den Thoas gleich damit ins angesichte: D asselbige geschoß faͤhrt endlich durch die stirn/ Zerschmettert das gebein/ und mischt mit blut und hirn D asselbe greulich sehr: Sein vater kuͤnte sehen Und sagen was da wuͤrd in kuͤnfftig noch geschehn; D er legte seinen sohn in wald verborgner weis/ Daß er nicht zog in krieg: Als nun der alte greiß Sein augen zu gethan und abgedanckt von hinnen/ D a haben sich an sohn die lebens spinnerinnen Gemacht und ihn verbannt/ daß er von dem gewehr E vandri sterben solt: Als nun Halesus sehr Begunte grimmiglich die feinde zu zertreten/ Da fienge Pallas an/ eh er ihn schoß/ zu beten: O vater Tybris/ gib doch meinem spieß geluͤck/ Den ich auf den Hales mit gantzer krafft abdruͤck. J i 2 Auf Das Zehende Buch. Auff daß er moͤge recht sein hartes hertze ruͤhren ; Ich wil dein eiche dann mit seinen waffen zieren/ Und diese beute dir zum denckmahl hencken an. Als nun der Pallas hat dis sein geluͤbd gethan/ E rhoͤrte Tibris ihn: In dem nun gleich herunder Halesus ziehen wil Imaons seinen plunder/ Da gab er seine brust zu bloß des Pallas spieß/ Und seinen schild so gar unachtsam ligen ließ. Der Lausus/ an dem viel im kriege war gelegen/ Ließ seine voͤlcker nicht gerahten derentwegen/ Daß dieser tapffre held so blieb/ in furcht und noht; E r macht sich erstlich an den Abas/ schlaͤgt ihn todt/ Der sich satzt wider ihn. E r war den kriegesschaaren/ Die mit in diesen krieg zu fuß gezogen waren/ E in fester widerhalt/ und hielt der feinde lauff Und einbruch muhtiglich mit grossen kraͤfften auff. Da blieben Arcader/ da blieben viel Tuscaner ; Nicht minder kommen umb viel leute der Trojaner/ Die von den Griechen nicht gerieben waren auf ; Die voͤlcker beyderseits hier nahmen ihren lauff Zusammeu freudiglich/ und giengen am vermoͤgen An macht und obersten einander gleich entgegen. Die da zu hinderst sich befunden in der meng/ Die machten uͤberall ein schrecklich groß gedraͤng/ Und ließ das volck nicht zu/ zu regen hand und waffen/ Auf seiner seite muͤht sich Pallas raum zu schaffen/ Und setzt dem feind hart zu/ der andern seite war Der Lausus fuͤrgesetzt. Es waren ihre jahr Nicht Das Zehende Buch. Nicht von einander weit; Sehr schoͤne juͤngelinge/ Doch aber das geluͤck hat ihnen schlechter dinge Die wiederkunfft versagt ins liebe vaterland ; Doch hat der himmelsherr sie itzt noch abgewandt/ Und sie nicht lassen in den kampff zusammen gehen/ Sie solten beyderseits bald groͤsserm feinde stehen/ Und ihnen seyn ihr end mit groͤsserm ruhm beschehrt. In des die goͤttin sich Juturna eilend kehrt Zu ihrem bruder hin dem Turnus/ Lausi wegen/ Daß er ihm huͤlffe thaͤt/ ihn bittlich anzuregen; Der rennte durch das volck mit seinem wagen her/ Und als er seine leut ersah/ sagt er nicht mehr/ Als dieses: Es ist zeit/ daß ihr auffhoͤrt zu schlagen; Es wil mit Pallas nur zu kaͤmpffen mir behagen; Ich wil auf Pallas gantz allein/ sonst niemand/ gehn; Er muß mir gantz allein mit seinen waffen stehn. Ich moͤchte wuͤntschen/ daß sein vater solte sehen/ Wie ich mit seinem sohn ein gaͤnglein wolte gehen: Drauff traten auf geheiß die voͤlcker auf die seit/ Und machten raum und platz zum fuͤrgesetzten streit. Der junge Pallas steht und wundert sich der dinge/ D aß auf so stoltze red das volck zuruͤcke gienge : E r sieht den Turnum an mit grimmigen gesicht Von fuß an bis auffs haupt/ verwendt kein auge nicht/ Dann gibt er antwort ihm auf seine red und prangen: E ntweder werd ich nun bald schoͤnen ruhm erlangen/ D aß einen obersten ich uͤberwunden hab/ Und seine waffen/ als ein held genommen ab; I i 3 Doch Das Zehende Buch. D och oder daß ich sey gestorben als die helden/ Von denen anders man nichts kan als ehre melden. Mein Vater wird sich wol zu schicken wissen drein/ E s komme wie es woͤll. D rumb laß dein drewen seyn: Als er geredet das/ da trat er in die mitten Ins feldt/ und ließ sich nicht zu stehen ab erbitten. Den Arcadern erstarrt im leibe das gebluͤt/ Und nam die kalte furcht gefangen ihr gemuͤht. Der Turnus steigt herab von seinem kriegeswagen/ Und schickte sich zu fuß mit faͤusten sich zu schlagen/ Und wie ein lew/ der von der warte hat gesehn Vom weiten einen stier in gruͤnem felde stehn und ruͤsten sich zum streit/ sich schnell pflegt auffzuraffen/ Und laͤufft/ als ob er floͤg. So gleich war auch beschaffen Der Turnus/ da er kam und auff den Pallas gieng ; A ls nun vermeinete der kuͤhne juͤngeling/ Daß Turnus wehr so nah/ daß er ihn wuͤrde koͤnnen Erreichen mit dem spieß/ war gaͤntzlich sein beginnen Zu thun den ersten schuß: vielleicht huͤlff ihm das gluͤck/ Ob er schon schwaͤcher wehr zu wagen dieses stuͤck/ Und redet also nach dem hohen himmelsthrone: O grosser Hercules/ der helden zier und krone ; Ich bitt dich umb das pfand der gastwirth freundligkeit/ Die dir mein vater hat erwiesen jederzeit/ D a du als frembdeling bist zu denselben kommen/ Und bey ihm an dem tisch viel wolthat eingenommen; E y lieber stehe mir in diesem schusse bey/ Daß mein feind halb tod seh/ daß ich sein sieger sey: Ja Das Zehende Buch. Ja muͤsse sehen zu/ daß ich ihm koͤnne raffen/ Und nehmen freudig ab den starcken schild und waffen. D er Hercul hoͤrte zwar den Juͤngling/ wie er bat/ Weil aber er nicht dorfft/ er einen seufftzer that Aus tieffem hertzengrund und ließ viel milde zaͤhren/ Die aber kunten nicht erfuͤllen sein begehren: D a sagte Jupiter im hohen himmelsthron Mit freundlichem gespraͤch zum Hercul seinem sohn: Es hat ein jeder mensch gewisse maß zu leben/ Und eine kurtze zeit ist allen menschen geben Zu leben in der welt/ die alles in sich schlingt/ Und wenn sie einmal hin/ sie keiner wiederbringt Wer aber sein geruͤcht weit von den eiteln sachen Mit ruͤhmlichen verdienst und thun kan groͤsser machen/ D er thut ein tugendwerck/ und welcher dieses kan/ D er ist und bleibet wol ein hochgeliebter mann. Fuͤr der gewaltigen stadt Troja sind geblieben/ Viel goͤtter soͤhne tod. Ja den ich pflag zu lieben Mit hertzlicher begier/ der ist geraffet hin/ Sarpedon: was wird denn der Turnus fuͤr gewinn Erlangen kuͤnfftig bald ? E s zeucht ihn schon das ende Und ist zum ziel gelangt des lebens fast behende. So sagt er/ und wandt sich zum heer der Rutuler/ Der Pallas aber warff mit kraͤfften einen speer Und zoch vom leder drauff. D er spieß fuhr gar behende Und fiel/ da wo der schild die schultern deckt am ende. D aselbst arbeitet er sich durch den obern rand Und ritzt den Turnum nur/ weil er von schwacher hand J i 4 Ge- Das Zehende Buch. Geworffen kam: da ließ auch Turnus einen gehen Der starck von eysen war/ mit dem er kunt bestehen/ Den er schwung lange gnung auff den Pallantem zu/ Und fieng also zu ihm zu reden an: sieh nu/ Ob besser mein geschoß/ als deins/ den schild durch dringe. Mehr wolt er sagen nicht: Hiemit die spitze ginge Mit einem starcken schuß immitten durch den schild/ D er mit so vielem ertz und platen war verhuͤllt/ Da so viel doppelt haͤut umbhergezogen waren/ Und kunte durch die blech und starcken harnisch fahren/ Und endlich durch das hertz: Der Pallas aber riß Aus dieser grossen wund den annoch warmen spieß/ Doch aber wars umbsonst und wolte nicht gelingen/ Dem blut und seele hindurch einen weg auß giengen/ Da fiel er fuͤrwerts auff das angesicht dahin/ Die schweren waffen drob erthoͤnten uͤber ihn: Und als er jtzo lag in toͤdlicher beschwerde/ Biß er mit blutgem mund ins feindes land und erde. Der Turnus aber stund auff ihn und fieng so an: Ihr guten Arcader/ sagt/ was ich hab gethan/ E vandro wiederumb: Und denckt ihm meine rede Zumelden/ weil ich steh mit ihm in krieg und vhede: A ls schick ich wieder so ihm Pallas seinen sohn/ Wie er umb mich verdient ; Diß sey sein rechter lohn. So viel er ehre nur/ so viel er trost kan haben/ Wenn er zur erde kan ihn bringen und begraben ; Ich goͤnn es ihm gar gern. E s werden theur zu stehn D en Koͤnig kommen an E neens herbergen. Hie- Das Zehende Buch. Hiemit trat er auff ihn/ und riß den gurt ihm abe/ Der herrlich/ schoͤn und groß/ den ihm sein vater gabe; Auff dem die schaͤndliche history war gemacht/ Wie eine grosse meng gesellen in der nacht Von ihren weiberen/ im bette/ da sie lagen Und schlieffen/ wurden abgewuͤrget und erschlagen. Dieselbige geschicht war schoͤn gebildet fuͤr Von dem E urytion mit voller goldes zier. Der Turnus freute sich/ daß er den sieg bekommen/ Und diese schoͤne beut dem Pallas abgenommen. Des menschẽ hertz weiß nicht/ wies ihm noch moͤchte gehn/ Und was von goͤttlichem geschick ihm ist vorsehn/ Kan sich nicht maͤßigen/ ist trotzig und vermessen/ Und kan in frend und gluͤck bald seiner selbst vergessen. E s wird noch mit der zeit dem Turno gehen so/ Daß er der beute wird nicht seyn mehr uͤbrig froh/ Er wlrd noch wuͤntschen drumb ein grosses geld zu geben/ D aß er dem Pallas nicht genommen haͤtt das leben Und gurt: Ja es wird ihm der tag abscheulich seyn/ Da er mit Pallas ist den kampff gegangen ein. Da kamen nun herbey die Arcader mit klagen/ Mit weinen und geseufftz den leichnam weg zutragen: Sie namen seinen schild und legten ihn darauff Und trugen ihn so weg: E s folgt ein grosser hauff Mit leid und traurẽ nach. mit was fuͤr leid und schmertzẽ/ O juͤngling/ wird dein tod dem vater gehn zu hertzen? Doch wird ihm dieser fall auch bringen ehrund ruhm/ Weil du von Turno bist in kampff gekommen umb. J i 5 D iß Das Zehende Buch. Diß ist der erste tag/ an dem du trugst belieben Zugehen in den streit der dich auch auffgerieben. Jedennoch hast du auch verlassen hinter dich Viel hauffen/ die du hast erschlagen ritterlich. Es kam E neen nun nicht nur allein zu ohren Der ruff/ daß Pallas haͤtt im kampff den sieg verloren/ Ja umbgekommen wehr. Es kam auch wahre post Von seines krieges-heers erlittenen verlust. Mit fernerem bericht/ es waͤre hoch von noͤhten/ Wenn sie der grimme feind nicht alle solte toͤdten/ Daß man doch rettung schaff dem volcke/ welches schon Dem feinde kehrte sich und haͤuffig lieff davon. D a schlug mit jedem hieb Eneas alles nieder/ Was ihm zu handen kam/ nichts kunt ihm stehen wider. Er macht ihm durch den feind mit voller grimmigkeit Ein weites feld/ und raum/ und suchte dich zum streit/ O Turnus/ der du nun des neuen steges wegen Dich kuntest stoltz genug und uͤbermuͤhtig regen; Evander/ Pallas; ja was ihm zu gut geschehn Das schien fuͤr augen ihm Eneen nun zu stehn. Die gast-freundschafft/ da er erst zum Evander kommen/ D er Bund/ den er mit ihn gemacht und angenommen Mit handgelobter treu/ die zusag/ daß er wolt Auff Pallas haben acht gar fleißig/ wie er solt. Als er nun alles diß ihm schmertzlich fuͤhrt zu sinnen/ Beginnet er mit grimm vier juͤngling anzurennen. Sulmonis soͤhn/ auch vier die Ufens hat gezeugt/ An denen sich ein lob der guten art eraͤugt/ Und Das Zehende Buch. Und schleppt sie lebendig/ daß sie ein opffer wehren Pallantis/ dessen tod er raͤchen wolt und ehren/ Und solt ihr blut/ als der gefangnen leute/ seyn Darzu gebraucht/ daß mans ins feuer sprenget ein. Als dieses war verbracht/ wolt er erzuͤrnter massen Von weitem seinen spieß auff Magum gehen lassen: E r aber buͤckte sich gar listig und geschwind/ Da ging der spieß leer ab und zitternd in den wind/ E rgriff ihm an die knie hinfallend auff die erde/ Und sagt. Ich bitte dich umb gnade/ die mir werde Umb deines vaters tod und deinem lieben sohn Jul/ in welchem blinckt die tugendflamme schon/ E rzeiget unverdient: erhalte mich beym leben Den meinigen zu trost/ ich wil dir alles geben/ Was ich vermag und bin zu meinem loͤsegeld/ Wenn ich von dir sol seyn auff freyen fuß gestellt. Ich hab ein fuͤrstlich hauß/ da liget tieff vergraben E in sonderbarer Schatz/ den keiner leicht mag haben/ An silber/ gold-geschmeid/ geschirr und edelstein/ Und was an kunstgeschick hochschaͤtzbar pflegt zu seyn/ Es haͤngt ja nicht an mir der Troer sieg so eben/ E s wird nicht eine seel so grossen außschlag geben. Drauff gab Eneas ihm antwortlich den bescheid: Laß mich mit deinem gold und silber ungeheit/ Hebs deinẽ kindern auff. Es gilt nicht mehr der handel: Der Turnus hat vorerst den kriegesbrauch und wandel Gehoben auff/ in dem er den Pallantem hat Getoͤdtet ; dieses ist auch meines vaters raht Und Das Zehende Buch. Und meines sohnes sinn. Als er diß aus gesprochen/ Wil er des Pallas tod nicht lassen ungerochen: E r hielte mit der hand den helm und beuget ihm Den halß/ und stieß darauff mit zorn und ungestuͤmm Den degen tieff hinein/ so weit er kunte gehen. Nicht weit davon sah er des Febus priester stehen/ Der eine priester haub mit einem heilgen band Auff hatte/ schoͤn bekleid mit koͤstlichem gewand/ Und waffen außstaffiert/ den bracht er in die mitten Und tricb ihn auff dem platz: Aͤls er nun außgeglitten Zur erden nieder fiel/ stund er auff ihm und stieß D as schwerd ihm durch den leib/ daß er das leben ließ. Als er ihn seinem grimm nun auffgeopffert hatte/ Legt er auff ihn den schild/ des uͤbergrosser schatte Den grossen leib bedeckt. Die schoͤnen waffen traͤgt Serest davon/ und sie als siegeszeichen legt Dem grossen Kriegsgott bey. Der C æ culus gebohren Von stamm des schmiedegotts und zu den krieg erkohren/ Und Umbro/ welcher war entsprungen von gebirg D er Marsen/ richteten auffs neue das gewuͤrg Und blutig kaͤmpffen an. Eneas hier entgegen Fuhr fort in seinem grimm/ und hieb mit seinem degen Dem Anxur ab die hand/ daß ihm entfiel der schild D er viel wahrsagerey gab fuͤr/ und von sich hielt Mehr/ als sein thun auswieß/ in meinung/ dieses solte Ihm bringen groͤssre krafft und gar zu hoch naus wolte/ Und ließ beduͤncken sich zu seyn was sonderlich Fuͤr allen anderen und traute thoͤricht sich/ Er Das Zehende Buch. Er wuͤrde grau und alt ohn sorgen und beschwerden Mit sonderbahrem ruhm durch solches fuͤndlein werden. D er Tarquitus erzeigt sich auff der andern seit Mit blinckendem gewehr sehr muthig in dem streit. E s hatte Fauus ihn der Waͤldergott gezeuget/ Und Driope die Nimf gebohren und geseuget/ Derselbe stoͤsset auff mit ploͤtzlicher gefahr Eneen/ da er gleich so sehr ergrimmet war; Eneas sctzoß auff ihn mit einem langen spiesse/ Der ihn verhinderte und nicht gebrauchen liesse D en grossen schild/ in dem derselbe sticken blieb; Wie in dem pantzer auch/ er hohlet aus und hieb Hernach den kopff ihm ab/ ob er gleich zu ihm trate Mit klaͤglicher gestalt/ und ihn umbs leben bate/ Und noch viel sagen wolt/ den warmen strumpff weltzt er Mit fuͤssen fuͤr sich hin und redte feindlich sehr Frolockend uͤber ihn: Da magst du bleiben ligen/ D a laß dich fuͤrchten nun/ und dir daran genuͤgen. D ie gute mutter wird dich nun nicht scharren ein/ Noch legen in das grab des vaters dein gebein Da magst du ligen nun den voͤgeln und den thieren ; Doch oder mag ein fluß und wasser dich wegfuͤhren/ D amit das schupenheer sein hungrige begier An deinem blut erfuͤll und labe sich an dir. Gieng fuͤrbaß/ und erlieff den Lycam und Antheen/ Die er in Turni heer sah an der spitze stehen/ Auch Numam und Camert; der hat ein gelbes haar/ Volscens der tapffre held desselben vater war/ Be- Das Zehende Buch. Beynah der reichste fuͤrst in dem Latiner lande/ Regierete die stadt/ die noch traͤgt ihre schande/ Weil sie der feind gewann/ da sie so stille saß/ Und ihres eignen heils so liederlich vergaß. D enn als zum oͤfftern man von feindes ankunfft sagte/ Und gleichwol sich der feind zu kommen an nicht wagte/ D a that man scharff verbot/ nicht mehr zu thun bericht/ Es moͤchte kommen an des feinds heer oder nicht. Als sie nun schwiegen still und gar zu sicher waren/ Da kam der feind mit sturm gantz unversehns gefahren. Da kompt das sprichwort her: das stille schweigen hat Verderbet und geschleifft Amyclens grosse stadt: Gleich wie E geon war der ungeheure riese D er (wie man giebet vor) aus funfftzig haͤlsen bliese Und so viel bruͤsten auch/ viel feuer rauch und dampff; Als er mit so viel schild- und schwerdtrn botte kampff Dem grossen Jupiter/ und wider ihn sich machte Wenn er von himmel plitzt und mit dem donner krachte Gleich also wuͤtete Eneas auff dem Plan/ Und siegte manchem held mit grossem eyffer an. (worden So bald ihm nur das schwerdt war einmahl warm ge. D a fuhr er zornig fort mit wuͤrgen und mit morden/ Ja gieng Niph æ o auch/ der anff ihn war gericht Und mit vier rossen fuhr/ recht unters angesicht. Als nun die pferde sahn vom weiten ihn herschreiten/ Und hoͤrten wie er braust aus eifferssucht zu streiten/ D a lieffen sie zuruͤck und warffen ungestuͤm Fuͤr grosser furcht und scheu den mann und wagen uͤm/ Und Das Zehende Buch. Und lieffen zum gestad und schleppeten den wagen: In des fuhr Lucagus mit ungestuͤmen jagen Auf einem wagen her/ daran zwey roß gespannt/ Sein bruder Liger mit ihm in die feinde rannt/ Sein bruder aber nahm den zuͤgel und regierte Die pferde/ Lucagus den blossen degen fuͤhrte und schwung ihn um den kopff mit unerschrocknem muth. Eneas aber ließ das ihnen nicht seyn gut/ Und kunte leiden nicht ihr uͤbermuͤthig toben/ D aß sie sich unters volck so ungestuͤm erhoben/ gieng auff sie grimmig loß/ und stundt mit langem spieß Gerichtet wider sie und sich behertzt er wieß. Zu dem fieng Liger an vermessentlich zu reden: Du siehst die pferde nicht fuͤr dir des Diomeden/ Achillens wagen nicht; Auch nicht der Phryger feld/ E s wird dir nun das ziel des krieges fuͤrgestellt/ Und deines lebens end in diesem unsern lande: Man hoͤrte diese red/ die er aus unverstande Und tollem sinn bracht fuͤr/ in lager weit und breit/ Doch wolt Eneas nicht mit worten thun bescheid/ Schwung lieber seinen spieß mit gantzen leibeskraͤfften/ Und wolte seinem feind eins auf die gosche hefften/ Als nun der Lucagus/ in dem er fuͤrwerts hieng Und auf die pferde zu zuschlagen jtzt anfieng/ Auch mit dem spiesse dreut/ den lincken fuß recht setzte: Zum streit/ da kam der spieß und ihn sehr hart verletzte: Denn er gieng durch den rand des schildes/ und fuhr ihm lincks bey der scham ins beim mit sehwerer pein und grim̃ / Und Das Zehende Buch. Und stuͤrtzte sterbend itzt im feld aus seinem wagen/ Dem must Eneas noch verweißlich dieses sagen: E s haben/ Lucage/ nicht etwan faule pferd Verleitet dein geschirr/ noch einige beschwerd Der naͤchtlichen gespenst hat dich vermocht zu jagen. Nein. Sondern du bist selbst gesprungẽ von dem wagen/ Und bist gestanden ab von fahren ohne noht/ D rumb ruͤck ich billicher dir auff den herben tod. Darauff hielt er die pferd. Der arme bruder Liger Sprang von dem wagen auch/ erkandte seinen sieger/ Warff sein gewehr hinweg/ und hub die haͤnd empor/ Und fieng an sein gebet zu tragen also vor: O Troer held/ ich bitt mit medrigen gebaͤrden Umb deine gaben/ die an dir geruͤhmet werden/ Umb deinen vater/ der dich tapffern mann gezeugt/ Umb deine mutter/ die dich frommen sohn gesaͤugt/ Ach schencke mir nur jtzt mein lieb und junges leben/ Erbarme dich doch mein/ ich kan dir sonst nichts geben/ Als ein demuͤthig hertz. Da er noch ferner bat/ Redt ihm Eneas ein und naͤher zu ihm trat: Haͤttst du mir solche wort fuͤr eine weile geben ; So wolt ich jtzo dich erhalten bey dem leben: Nun aber stirb und gib dem bruder das geleit/ Weil du auch bist mit ihm gezogen in den streit. D rauff stieß er ihm durchs hertz den degen/ daß der seele Stund offen freyer paß zu fliehn aus ihrer hoͤhle. Solch wuͤrgen uͤbet aus Eneas/ solchen mord Auf offenbarem plan/ als sieger hier und dort/ Und Das Zehende Buch. Und wuͤtete/ gleich wie ein wasser/ das von oben Herstuͤrtzt mit grosser macht und ungezaͤhmten toben: Doch oder wie ein wind mit wolckenschwartzer nacht Und dicken regenguß herfaͤhret/ stuͤrmt und kracht. Als endlich der Ascan und seine leut erfahren/ Da fielen sie heraus/ als die vergebens waren B elaͤgert/ liessen bloß die stadt und lager stehn/ Und wolten gleichfalls mit aus dem gefechte gehn. Immittelst redete der grosse himmelsvater/ Der stern und menschen Gott/ der guͤtigste berather Die Juno erst so an in seinem himmelssaal/ O meine schwester/ und mein hochgeliebt gemahl/ D ie Venus (wie du vorhin meiutest unbetrogen) E rhaͤlt das Troer volck/ dem sie ist stets gewogen/ Bey ihrem reich und macht/ nicht ihr der leute muth Noch kriegerische faust zu faͤrben sich von blut D er feinde/ noch ihr hertz in noͤthen aus zu tauren Und zuverthaͤdigen ihr leben stadt und mauren. Dem Juno wiederumb demuͤhtig gab bescheid: Mein schoͤnster ehgemahl/ wie kanst du mir mehr leid Anthun/ die ich vorhin empfinde noth und plagen/ Und furcht und scheue fuͤr dein harte reden tragen? Wenn unsre liebe krafft/ wie vormals sie gehabt/ Da eines ans andre sich mit treuem sinn gelabt/ Noch haͤtt und haben solt/ ich wolte kuͤhnlich sagen/ Du wuͤrdest mir das nicht/ warumb ich bitt/ abschlagen D er du allmuͤgend bist/ das nemblich ich haͤtt macht Zu bringen Turnen weg aus dieser harten schlacht/ K k Und Das Zehende Buch. Und seinem vater noch dem D aunus zuerhalten zumtrost: Nun aber weils nicht seyn kan/ magstu walten ; E r sterbe nur/ wenns ja umb sein so frommes blut/ D aß er dem Troer volck haͤlt her/ von noͤthen thut. Er stam̃t gleichwol von uns/ und hat zum großuhrahnen Pilumnum/ fuͤhret auch sein wappen/ schild nud fahnen/ Zu dem hat er gar offt mit mild- und reicher hand Dem tempel und altar viel gaben zugewand. D er himmelsfuͤrst gab ihr kurtz diese gegensage: Wo du nur bittest das/ worzu ich willen trage/ D aß ihm dem juͤngeling ein auffschub fuͤr dem tod Und eine kleine frist zu fliehn die harte noth Gegeben werde frey/ der sonst das kurtze leben/ Wenn zeit und stunde koͤm̃t/ dem tod doch her muß geben/ Und deine meinung ist/ daß ich diß heisse gut/ So bringe Turnum weg und rette bald sein blut Und leben mit der flucht von dieser noth zu sterben/ Dieweil obhanden steht das grimmige verderben/ So viel hab ich noch raum ihm nach gelegenheit Ohn nachtheil des geschicks zu fristen seine zeit. Wofern du aber suchst ein mehrers durch dein bitten/ Und meinest/ daß der krieg gantz koͤnne seyn vermitten Und werden abgeschafft/ geaͤndert leichtiglich/ Ist deine hoffnung falsch und du betriegest dich. D arauff antwortete die himmelsfrau mit weinen: Wie? Wenn du es mit mir so guͤtlich woltest meinen Und gaͤbst mirs mit dem sinn/ was du mit worten dich Beschwerst und Turno blieb gantz unveraͤnderlich Des Das Zehende Buch. Des lebens nießgebrauch? Nun aber muß er dulden Den bitterschweren tod ohn mißthun und verschulden/ Es wehre dann/ daß ich mich irrt in meinem wahn: Ja lieber wolt ich/ daß mir falsche furcht leg an/ Und triege mich mein sinn/ und moͤchte werden innen/ Daß du verendertest/ wie du kanst/ dein beginnen. Als sie diß aus geredt/ fuhr sie von hoher bahn Der sternen also bald bekleidt und angethan Mit einer wolcken deck/ und trieb in hohen luͤfften Ein ungewitter auff mit duͤstern nebelduͤfften Und fuͤgt sich an den ort/ wo beyde heere sich Im felde jagten umb/ und stritten grimmiglich. Da kunt/ als Goͤttin/ sie aus einer wolcken machen E in nichtiges gespenst (o wunderseltne sachen!) D as sah E neen gleich/ und gab ihm solch gewehr/ Wie er gebraͤuchlich fuͤhrt in zuͤgen schlacht und heer. E s schien der schild und helm auch eben so polieret/ Und mit gemaͤhlden außgestochen und gezieret/ Wie des Eneens war/ den er gewoͤhnlich trug Auff seinem ehrenhaupt/ im fall er zu dem zug Und streit sich ruͤstete: Sie kunt ihm hier beneben Wort ohne krafft mit schall und ohn verstande geben/ Und macht auch seinen gang/ wie des Eneens war/ So gleich und eigentlich/ und allerdinges zwar/ Gestalt man giebet fuͤr/ daß auch des leibes leben/ Die seelen/ in gestalt der leiber umbher schweben ; Und wie die traͤume/ die den schlaffenden mit schein Betrieglich kommen fuͤr und scheinen menschen seyn. K k 2 D as- Das Zehende Buch. Dasselbige gespenst ließ freudig sich im treffen Forn sehen an der spitz/ und kunte Turnen aͤffen Sehr artig/ schoß nach ihm und fodert ihn heraus; Der Turnus setzt drauff zu mit bitterm zorn und straus/ Er/ schoß nach ihm/ und meint/ der schuß solt ihm geluͤcken/ D a flohe das gespenst/ und kehret ihm den ruͤcken: Da laͤsset Turnus sich betriegen von dem wahn/ Er hab Eneen weg getrieben von dem plan: Macht leere hoffnung ihm und sagt vermessner weise; Wo hast du hin gesetzt/ E neas/ deine reise ? Wo fleuchst du hin ? Verlauff doch deine heyrath nicht/ Die mit dir kraͤfftiglich ist worden auffgericht. Mit dieser faust wil ich das koͤnigreich dir geben/ Wornach du auff dem meer hast immer wollen streben/ So rieff er laut/ und folgt dem schatten bilde nach Mit blossen schwerdt/ und wolt aus uͤben ernste rach/ Und merckte nicht/ wie daß gantz eitel seine freude Verstaͤubt in leeren wind mit unmuth/ reu und leide. Es stunde da ein schiff mit einem langen seil Gebunden an dem felß/ daß man in schneller eil Auff eine leiter kunt und bruͤcke darauff steigen: Es war den koͤnigen Osin und Clus zu eigen Die darauff kamen an: Auffs selbte schiff stuͤrtzt sich Eneens schattenbild/ und fleucht so schnelliglich/ Als haͤtt es sich entsetzt und sich verbergen wolte. Der Turnus auch nicht faul/ nicht anders/ als er solte/ Setzt ihm begierlich nach/ saͤumt in geringsten nicht/ Springt uͤber hin die bruͤck und mit sich selber ficht; Die Das Zehende Buch. Die Juno reist entzwey das seil/ so bald er kommen ; D a wird in eil das schiff zu ruͤcke weg genommen/ Und faͤhret durch die bahn der wilden wellen hin/ E neas aber traͤgt begierig seinen sinn Mit ihm/ der nunmehr war abwesend einzugehen Den lang gewuͤntschtẽ kampff/ und als ein mañ zu stehen Und toͤdtete viel volck/ das ihm in wege war/ Und schluge sich behertzt durch mancherley gefahr. Nun wieder auffs gespenst mit wenigen zukommen/ So hat dasselbe zwar die flucht auffs schiff genommen/ Und sich darein versteckt. Nun faͤhrt es in die lufft/ Wird eine schwartze wolck und dicke nebeldufft. In des traͤgt Turnen weg ein sturm herumb in meere Unwissend/ auff was weiß er weg genommen wehre/ Sah umb sich/ wissend nicht wie ihm geschehen war/ Und wust auch wenig danck dem/ der ihn aus gefahr Gerettet hatte so/ und aus dem streit geuommen/ Da so viel volckes war von seinem schwerdt umbkom̃en; Hebt seine hand hinauff gen himmel/ betet an: O vater Jupiter/ des allmacht alles kan Und kraͤfftiglich vermag/ hast du mich so betrachtet/ Und solche schand und schimpff zu tragẽ werth geachtet? Hast du zur straffe mich gezogen der gestalt ; Wo fuhr ich hin ? Wo kam ich her? Was fuͤr gewalt/ was flucht hat mich hinweg von meinem volck genom̃en? Wer werd ich seyn geacht/ wenn ich werd wiederkom̃en? Wie? Sol ich wieder mich erheben nach Laurent Die stadt und mauren anzusehn? Zu welchen end? K k 3 Was Das Zehende Buch. Was wuͤrde mir das volck/ das mir ist nachgezogen/ Wol anders sagen nach/ als daß ich sie betrogen/ Als die ich haͤtt (o schand ! ) gelassen in dem stich/ Und wehr entlauffen aus dem streit gar schnoͤdiglich? Mich duͤnckt/ ich sehe schon/ wie sie mit grossem hauffen Zerstreuet hier und dort ohn maaß und ordnung lauffẽ; Mich duͤnckt/ ich hoͤre das geseufftze derer leut/ Die von dem feind erwuͤrgt hinfallen in dem streit. Was mach ich ? Oder wie ? kan nicht die klufft der erden Mich zu verschlingen weit gnung auffgesperret werden? Ihr winde tragt vielmehr erbarmung gegen mir (Ich ruff euch sehnlich an und ehr euch nach gebuͤhr) Und lasset dieses schiff an stein und klippen gehen Zuscheitern/ oder auff den seiten faͤhrlich stehen Und stuͤrtzen in den grund/ daß nicht die Rutuler Mir folgen koͤnnen nach/ noch von mir sagen mehr Wo ich geblieben sey: So sagend ließ er wancken Sein hertze hin und her mit wuͤtenden gedancken/ Ob er sol fallen in sein eigne wehr und schwerdt zu meidẽ schimpff und hohn (sein siñ war gantz verkehrt) Doch oder ob er solt ins meer vom schiffe springen/ Vielleicht dann moͤcht es ihn mit schwim̃en so gelingen/ Daß er kaͤm an den strand/ und koͤnt ins freye feld Sich wieder stellen ein den Troern als ein held. E r unterstunde sich wol dreymal beyde stuͤcken Zu nehmen fuͤr: Bald wolt er uͤber sich selbst zuͤcken D as schwerdt und fallen drein/ bald springẽ in das meer D amit er kaͤm nur ab der leidigen beschwer. Allein Das Zehende Buch. Allein die Juno ließ aus beyleid sich bewegen/ Und wehrt ihm allemahl die hand an sich zu legen. D a fuhr er mit dem strom und gutem winde fort/ Daß er durch huͤlffe kam der goͤttin an den port Und seines vaters stadt/ dem man des alters wegen Und koͤniglichen pracht mußt billich ruhm beylegen; War Ardea genandt: Immittelst aber kam Der grimmige Mezentz/ und Turni ampt annahm Aus Jupiters befehl; da hettest du gesehen/ Wie er kunt in das volck der Troer wuͤtig gehen/ D ie wegen ihres gluͤcks frolockten ziemlich sehr/ Es lieff zusammen das Tyrrhensche kriegesheer/ Und waren allesampt mit einigem gemuͤhte E rherbt auff diesen mann mit haß und grosser wuͤte/ Und schiessen auff ihn zu von allen seiten her; Er aber stehet fest gleich wie ein felß im meer/ An den der winde grimm und wellen hefftig schlagen; E r bleibet unbewegt/ und kan noch wol vertragen des meers und him̃els zorn/ ihr draͤuen staͤrck und macht ; E r toͤdtet ihrer viel in dieser harten schlacht/ Als Hebrum/ Latagum und Palmum/ der sehr zagte/ Und sich selbst blind hinein ins feindes eysen jagte. Den Latagum warff er mit einem grossen stein/ Den er vom berge brach/ recht ins gesicht hinein ; Den Palmum aber hieb er in die kniescheibe/ Und ließ ihn portzeln hin/ und muste von dem leibe Die waffen lassen ziehn dem Lausus seinem sohn/ Die schenckt der vater ihm als seiner tugendlohn ; K k 4 Es Das Zehende Buch. E s must Evantes/ auch der Phryger/ ihm herhalten/ Auch Mimas/ welcher war aus Paris nebenalten Und mittgesellen/ den Theano in der nacht Zur welt gebohren hat/ da Paris auch gebracht Ist an des tageslicht vom koͤniglichen weibe Der Hecuba/ die sich beduͤnckt bey schwerem leibe Im sorgenfreyen schlaff/ wie eine fackel sie Gebehre zu der welt mit grosser angst und muͤh. Der Paris liget zwar nach seinem fuͤrstenstande Begraben praͤchtiglich in seinem vaterlande ; Der Mimas aber ligt im Laurentiner sand Ob er vom stande schon ist schlecht und unbekand/ Und wie ein wildes schwein/ das von den bergen jagen Die hunde grimmiglich und unablaͤßig plagen/ Dem viele jahr Vesul der berg zum auffenthalt Gedienet und beschuͤtzt fuͤr anlauff und gewalt/ D as auch gemaͤstet war im Laurentiner lande Im roͤhricht lange zeit beim pful und uferstrande; Wenn nun dasselb im netz gefangen sich befindt/ So ist es eine weil gantz still und nichts beginnt. Bald saͤhrets aber auff in seinem muht ergrimmet/ Und mit erboßtem schlund fuͤr zorren gleichsam glim̃et Die borsten steigen ihm erschrecklich in die hoͤh/ Und niemand hat das hertz/ daß er zu ihm frisch geh/ Und sich entgegen ihm stell muhtig ohne schewen/ Sie setzẽ ihm von fern stets zu mit schieß- und schreyen/ Das nemblich ihnen deucht am sichersten zu seyn: Nicht anders liessen sie mit dem Mezentz sich ein, Da Das Zehende Buch. Da sie doch hatten fug denselbigen zu hassen/ Und keiner hat das hertz ihn naͤher an zu sassen Mit blinckendem gewehr. Sie zerrten ihn von fern Mit spiessen und geschrey/ und keiner wolte gern Gehn muhtig auff ihn zu: E r aber unverzaget/ Ob er schon allerseits gezwackt ward und geplaget; Wand sich bald hin bald her/ knirscht mit den zeenẽ hart/ Und schuͤttelt von dem schild die spiesse mancher art. Acron war aus der stadt Corito hergekommen/ Ein Grieche von geburt/ der/ als er hatt genommen Aus seinem vaterland die flucht ließ seine braut Dahinden/ die ihm war gebraͤuchlich anvertraut. Als nun Mezentius an ihn kam etwas nahe/ Und bey der feder ihn und purpurkleide sahe Das seine braut ihm schenckt/ und innen ward/ daß er Viel schaden richtet an in seinem kriegesheer: Da war er wie ein leu/ der lange nicht gefuͤttert/ der auff der weide hin und her schleicht offt und wittert; Denn ihn die hungersgier sehr wuͤtend treibet an/ Und so er ohngefehr sieht auff der wildnuͤß bahn ein schuͤchtern reh und hirsch mit schoͤnen grossen zweigẽ/ sperrt er den schlund weit auff/ uñ kan sich freudig zeigẽ/ Er laͤsset in die hoͤh die maͤhne grimmig stehn/ Setzt in das eingeweid die klawen und die zeen/ Ligt mit dem leibe drauff/ und waͤscht den rohen rachen mit dickẽ schweiß uñ blut ; so kunts Mezentz auch machẽ; E r flel immitten durch die feinde mutiglich/ Wo sie am dickesten versamlet hatten sich. K k 5 Da Das Zehende Buch. Da ward der Acron auch zu boden hingeschlagen D er ungluͤckhaffte mann/ den niemand dorffte klagen/ Als seine liebe Braut/ die er daheim verließ; Als er nun seinen geist mit todesangst außbließ/ strampfft er noch auff die erd und zappelt mit dẽ fuͤssen/ Dadurch man sah das blut auff seinem spiesse fliessen Der nun zerbrochen war. D a floh herumb Orod/ Den achtete Mezentz nicht wehrt zu machen tod Zu geben einen stich ihm haͤmisch in den ruͤcken/ Mit seinem scharffen schwerdt zu hauen ihn in stuͤcken/ Besondern laͤufft und trit ihm unter augen recht Und wil als mann mit mann mit ihm gehn ins gefecht/ Der nicht so fertig war mit schlimmer list und fuͤnden/ Als mit bewehrter faust den feind zu uͤberwinden/ Als er ihn hatte nun gefaͤllt und unterbracht/ Da trat er mit dem fuß auff ihn mit sieges macht/ Und hielt die hand am spieß/ der tieff stack in Oroden/ Und sagt: ihr tapffre pursch/ ihr seht/ wie ich zu boden Oroden hab gelegt: Hie ligt der tapffre mann/ Orodes/ der genug bey diesem krieg gethan. D ie pursche folgte nach mit siegsgesang und freuden: Als aber der Orod von hinnen wolte scheiden Und sprach zu letzt diß wort: Du sieger/ wer du bist/ Der du mich haͤltest noch so grimmig angespiest; Mein tod wird dermaleins nicht ungerochen bleiben/ Und deine froͤligleit wirst du nicht lange treiben: E s wird dir eben auch seyn solcher todt beschert/ Und wirst in diesem fold auch liegen ungeehrt. Da Das Zehende Buch. D a sagt Mezentz im zorn und bittersuͤssen lachen: Gott mag das/ wie er wil/ mit mir inkuͤnfftig machen/ Du aber stirb nur fort; In dem er dieses sprach/ Zoch er den spieß aus ihm/ da lieff viel blut hernach. Ihm aber schlosse zu der tod die augenlieder Mit eisenfestem schlaff/ von dem er nimmer wieder Wird wachen auff. Nachdem kam Cedicus heran/ Der schlug Alcathoum den tapffern rittersmann. Es war itzt beyderseits fast gleiche niederlage/ Verlust/ beschwer und tod und stund in gleicher wage Das gluͤck in diesem streit: sie schlugen gleich am macht/ Und wurden gleich an zahl von andern umbgebracht. D er sieger blieb so wol als der besiegte ligen; Wer itzund unten lag/ kunt balde wieder siegen ; Sie stunden also fest aus toller eyferssucht/ Daß keiner beydestheils lust hatte zu der flucht. Die goͤtter jammerte in Jovis sternenhause/ D aß beyder theil mit so erherbtem zorngebrause/ Ohn vortheil und gewinn einander schlugen tod/ Und daß die menschen so sich braͤchten selbst in noht/ Muͤh/ elend und beschwer. Auff der Trojaner seiten Sah Venus sorgsam sie mit ihren feinden streiten ; D ie Juno aber sah auff der Latiner heer; Die hellsche wuͤterin tobt immer mehr und mehr Immitten diesem volck und streitenden heerschaaren/ D ie beyderseits an zahl viel tausend tausend waren ; Allein Mezentius ging auff dem kampffplan her/ Und war in seinem sinn uͤbergrimmet uͤbersehr. Schwung Das Zehende Buch. Schwung einen grossen spieß/ wie der Orion pflegte/ Wenn er sich mitten durch das meer zu gehen regte Zu fuß und gleichwol ihm die schultern ragten hoch Herfuͤr/ da er so tieff im meere gienge doch. Denselben kunte man den baͤumen auch vergleichen/ Wie hoch sie kunten auch an hoͤchste berge reichen: Geht mit den fuͤssen zwar auff niedrer erdengrufft Hebt aber hoch das haupt weit durch der wolcken dufft So ging Mezentus mit seinem grossen spiesse Einher/ und seinem feind sich schrecklich sehen liesse/ E neas schickte sich demselbigen zu stehn/ So bald er ihn nur hat im heer von fern gesehn. Er aber unverzagt stund fest und unbeweget/ Und wie ein harter felß im minsten sich nicht reget/ Erwartet seines feinds/ den er fuͤr tapffer haͤlt/ Und sich hinwiderumb auff seine tugend stellt. Und als er so viel wegs mit augen abgesehen So weit/ als ihm beduͤnckt der spieß wol koͤnte gehen Zu reichen an den feind/ da fieng er laͤsterlich Zu brechen in dis wort und zu vermessen sich: Schau diese meine faust/ der spieß und diese wehre/ Die ich fuͤr meinem gott und helffer einig ehre/ D ie wollen mir anitzt im kampffe stehen bey ; So laß ich diesen spieß abgehen frisch und frey. Thu hiemit diß geluͤbd dich/ Lausus/ mit den waffen/ Die ich dem raͤuber werd von seinem leibe raffen/ Zukleiden/ zum gemerck/ daß ich hab diesem mann E neen in dem kampff mit ruhin gesieget an: Da Das Zehende Buch. Da schoß er ab den spieß ! dem er viel kraͤffte gabe/ Der fuhr mit schnurren hin/ kam/ glipffet wieder abe An des E neen schild und fuhr noch ziemlich weit Dem tapfferen Anthor in leib hart bey der seit/ Dem Anthor/ welcher war des Herculis begleiter/ Ein guter rittersmann und wolbehertzter streiter Von Argos her geschickt/ war stets ans koͤnigs seit Evandri/ satzte sich hernachmals mit der zeit In des Pallantis stadt in ruhe sich zu nehren: Kunt aber diesen spieß nicht ab-vom leibe-wehren/ Der einem andern war von thaͤter zugedacht/ Er sah an himmel noch/ eh er gantz zugemacht D ie augen hat/ und da er itzo wolte geben Sein liebes leben auff/ erinnert er sich eben Noch seines vaterlands/ da er in froͤligkeit Und gutem wolergehn gelebt hat lange zeit. Eneas warff auch loß/ da kam der spieß geschwungen mit gantzer kraft/ uñ kam schnell durch dẽ schild gedrungẽ D er mit dreyfachem blech gemacht war starck und fest/ Mit dreyen haͤuten auch bezogen auff das best. E r war mit leinwad auch wohl etlich mahl umbgeben; ein treflich werck/ und kunt hindurch der spieß doch strebẽ/ Fuhr unten in den bauch/ und hatte keine krafft D aß er zu dringen durch was haͤtte mehr geschafft. Eneas froh/ als er des feindes blut erblickte/ Und von der seite stracks den scharffen degen zuͤckte/ Und setzt ihm zu/ in dem er sehr erschrocken war: Als nun der Lausus sah fuͤr augen die gefahr; Hub Das Zehende Buch. Hub er zu seufftzen an umb seines vaters wegen/ Und fieng sich an die lieb in seiner brust zu regen Und weinet bitterlich. Ich wil/ o junger held/ D ein schoͤnes tugendwerck nicht lassen ungemeldt. Hier wil ich deinen fall und herben tod erzehlen/ Und deine fromme that und tugend nicht verheelen/ Wenn diß dein ruͤhmlich werck die nachgeborne welt Wie sichs begeben hat/ nur auch fuͤr glaͤublich haͤlt. Als nun Eneas lieff/ Mezentium zu schlagen/ Da wiche dieser aus/ und wolte sich nicht wagen/ Als der untauglich sich must aͤussern der gefahr/ Weil ihm der schild und spieß an leib gehefftet war. Er zoch den spieß heraus/ der juͤngling lieff darzwischen/ Und warff den degen fuͤr/ daß er ihn nicht erwischen Noch uͤberfallen kunt: Und als Eneas gleich Itzt seine faust hub auff zu geben einen strich Dem feinde/ lieff er stracks ins schwerdt/ und ihn so hielte/ Daß er dem vater nicht/ auff den er einig zielte/ Koͤnt eines hefften an: Die pursche hinder her/ Und schossen auff ihn loß und schrien graͤßlich sehr. Sie muͤhten sich den feind mit schiessen abzukehren/ So lange bis Mezentz durch seines sohns verwehren Und schild kam sicher durch. D er Troer held ward gar E rbittert/ deckte sich doch wider die gefahr. Wie wenn ein hagel faͤllt; da lauffen/ die da pfluͤgen Vom felde weg/ es laͤßt der bauer alles ligen/ D er wandersmann laͤufft hin zu einem sichern dach/ Und wil auff diese weis entgehn dem ungemach. Ein Das Zehende Buch. E in andrer nimpt die flucht aus ufer sich zu legen Bey einen baume hin/ ein ander fleucht fuͤrm regen In eine felsenhoͤl/ damit sie/ wenn das liecht Der sonne wiederumb durchs zelt der wolcken bricht/ Den uͤberrest des tags zur arbeit koͤnnen wenden: So that Encas auch/ da ihm von allen enden Gesetzet wurde zu mit spiessen und geschoß/ Da schuͤttelt er vom schild den kriegeshagel loß/ Ließ alles uͤbergehn/ kunt alle puͤffe tragen Vermittelst dieses schilds und frendiger sich wagen: Gab Lauso harte wort/ und dreut ihm grimmiglich: Wie lauffst du denn so toll und giebest selber dich In toͤdliche gefahr ? wilst du an groͤßre sachen/ Als du verrichten kanst/ dich so verwegen machen. O deine froͤmmigkeit/ die treue kindespflicht Dem vater darzu thun/ betreugt dich; sie kan nicht D ir helffen in gefahr. Blieb gleichwol unterdessen Bey seinem frechen sinn und thoͤrichten vermessen. Da wurde mehr und mehr der Troer fuͤrst ergrimmt/ Und Lausi lebenszeit ihr end und ziel bestimmt/ Und stieß ihm mittẽ durch den leib mit macht den degen/ Ging beydes durch den schild/ der/ wie er sich verwegen Offt kunte mit geschrey/ viel zu geringe war/ Und durch das roͤckelein/ das seine mutter klar Gewircket hat vom gold: und ward so weit gehuͤllet D ie brust und busem ein/ mit rohtem blut erfuͤllet: Nach diesem fuhr sein geist vom leibe durch die lufft Zum unter irrdischen durch finstre weg und dufft. Als Das Zehende Buch. Als nun E neas sah des sterbenden gebehrden/ Und wie er wunderlich erblasset kunte werden ; D a seufftzet er gar tieff aus beyleid/ reicht ihm dar D ie hand/ und dachte dran/ wie ihm gewesen war: Da ihm stieg gleiche treu und liebe zu gemuͤthe Als ihm sein vater starb; Es wallte das gebluͤte Ihm eben so/ als er ihn sahe ligen tod/ Was sol ich/ guter knab/ der du in sterbens noth Itzt ligest/ fuͤr dein werck/ das herrlich ist zu preisen/ Zum ewig-werthen lohn fuͤr ehre dir beweisen; Was sol ich geben dir/ als der ich ohne scheu Hab meinen vater auch erzeiget solche treu/ Das deiner edlen art gemaͤß sey zu er kennen? Ich kan dir anders nichts/ als deine waffen goͤnnen: Dieselbigen behalt/ an welchen du gehabt Hast einig deine lust/ und dein gemuͤth gelabt. Du magst verscharret seyn in deiner eltern grabe/ Wo nur dein vater auch diß nimmt fuͤr eine gabe Mit gutem willen an/ und dafuͤr sorge traͤgt Daß dein gebeine werd in erden schoß gelegt/ D u kanst/ unseliger/ den trost von hinnen tragen/ Daß dich der tapffre held E neas hat erschlagen: E r schalt das kriegsvolck auch des Laust haͤrtiglich/ Das sie den todten weg zu tragen saͤumten sich/ Und richtet ihm selbst auff das haar/ das sonst geputzet Und schoͤn gekaͤmmet gilss/ vom blut sehr war beschmutzet Als sie den Lausum nun befoͤrdern itzt zu grab ; Da stund sein vater an dem fluß und wusch sich ab. Vom Das Zehende Buch. Vom blut/ und sauberte die hart geschlagne wunde/ Und richtet auff den leib/ den er sehr matt befunde/ Und lehnt an einem baum sich an mit schwerer last/ Sein helm hing aber nicht sehr weit an einem ast. E s ruhen gleichsam auch die waffen von dem streite Und ligen auff der wies; Es stehn an seiner seite Viel junge tapffre pursch; Er aber kranck und schwach Keicht kuͤmmerlich und schwer und fuͤhlt viel ungemach hielt mit deꝛ hand das haupt/ sein langeꝛ baart ihm hienge Hinunter auff die brust; E r fragete viel dinge Von wegen seines sohns; E r schickt an manchen ort/ Und ließ ihm melden an/ er solte schleunig fort Sich machen auff/ es wehr ihm so und so gegangen/ Leg kranck an einer wund/ die er im streit empfangen Das kriegsvolck aber traͤgt den Lausum tod daher Auff seinem schildt/ und weint/ und ihn beklaget sehr/ Als einen tapffern held; D er/ ob er schon gestorben An einer wunde war/ doch schoͤnes lob erworben/ Als der bezwungen ward von einem solchen held Des unverweßlich lob geht durch die gantze welt. Sein hertz/ das ihm schon vor-kunt dieses ungluͤck-sagen Merckt ihr geseufftz von fern/ und ihre trauerklagen/ B eschmutzt sein graues haar mit staub/ hebt beyde haͤnd Zum himmel/ und dahin sein augen seufftzend wendt. Bald faͤllt er auff die leich und hebet an zu klagen ; Hab ich denn solche last zu leben koͤnnen tragen/ O vielgeliebter sohn/ daß ich dich ließ im streit An meiner statt stehn aus der feinde grausamkeit/ L l Der Das Zehende Buch. Der ich dich hab gezeugt? soll ich dein vater leben Erloͤst von deiner wund/ und du den geist auffgeben ? Nun (leider!) wird die flucht mich hochbetruͤbten mañ/ Wenn ich verjagt muß seyn/ beschwerlich kommen an! Die wund ist allzutieff und gehet schwer zu hertzen/ Und kan dieselbige so leichtlich nicht verschmertzen/ Ja deinen namen hab ich auch/ o sohn/ befleckt/ In dem ich mir den neid durch boͤses thun erweckt/ Der ich verstossen bin von meines vaters throne/ Und mir von meinem haupt genommen ist die krone ; Mein volck und vaterland/ dem ich verhasset bin Durch meine schuld/ hat mich zur straffe sollen ziehn. Ich haͤtte sonder scheu des todes leib und leben In allerley gefahr/ als schuldig/ sollen geben: Nun aber leb ich noch/ und kan gleichwol noch nicht Verlassen diese welt/ die menschen/ und das licht; D och will ich sterben nur. Hiemit wolt er nicht laͤnger So ligẽ/ uñ sich selbst durch schwermnht machen baͤnger: Da richtet er sich auff/ wiewol das krancke bein Und tieffer wunden schmertz ihn nicht ließ gehn herein ; Doch war er unverzagt/ und hieß sein roß herfuͤhren; D as war sein zieraht noch/ an selbten kunt er spuͤren Und schoͤpffen seinen trost. Es stund ihm ohne scheu In allem streit und schlacht als tapffrem sieger bey. Als er dasselbe nun sich traurig sahe tragen/ Hub ers an solcher weiß zu troͤsten und zu sagen; Wir haben/ rh æ be/ lang gelebet (wo die welt Noch anders etwas lang in ihrem kreyse haͤlt) E ntwe- Das Zehende Buch. Entweder solt du heut mit mir den sieg wegtragen Und mit Eneens haupt viel raub und beut erjagen/ Und das durch Laust todt mir zugefuͤgte leid Mit mir zu raͤchen scharff stehn unverzagt im streit. Wo aber ich durchaus durch meine staͤrck und waffen/ Durch meine tugendkrafft nichts werde koͤnnẽ schaffen/ Solstu auch sterben mit ; Denn du wirst/ wie ich mein/ Als ritterliches pferd nicht koͤnnen dienstbar seyn/ Noch dem Trojanervolck dich unterwuͤrffig machen: Denn dieses wehren ja fuͤr dich zu schlechte sachen. Da neiget sich das pferd/ gleich wies gewohnet war/ Mit sonderbahrer ehr/ und bot den ruͤcken dar. Er stiege muhtig auff/ und setzte sich zu rechte Zu ziehen wiederumb gewapnet ins gefechte/ Nahm so viel spieß/ als er kunt tragen/ in die hand/ Weil er sie noͤthig hat zu diesem harten stand. Trug seinen blancken helm und federn/ welche waren Mit sonderbahrer art gemacht von pferdehaaren: So ritt er sporenstreichs in hauffen mitten ein/ E s macht ihm noch die scham im hertzen grosse pein/ D a er juͤngst in der schlacht Eneen muste weichen/ Und da er seinen sohn ermordet sah erbleichen/ Das hertzleid wird vermischt mit grossem zorn und grim̃/ D er laͤßt sich mehr und mehr heraus mit ungestuͤmm/ Und ruͤhret sein gemuͤht mit unerhoͤrtem schmertzen Wenn er des sohnes lieb und treue nimmt zu hertzen/ Da er mit seinem leib ihn schuͤtzt in hartem streit: Drauff faßt er wiederumb/ wie vor/ die tapfferkeit/ L l 2 Und Das Zehende Buch. Und ruffet etlich mahl mit lauter stimm E neen. Eneas kant ihn bald/ ward froh/ und bliebe stehen: Fieng wuͤnschend also an: Das gebe Jupiter Und Febus/ daß du koͤmmst mit mir zu kaͤmpffen her. Mehr wort zu machen hier das wolte gar nicht taugen ; Ging stracks mit seinem spieß ihm freudig unter augen; Da sprach Mezentius: was? wilst du schrecken mich/ O grausamer/ der du mich hast so grimmiglich Gebracht umb meinen sohn? Diß war das mittel eben/ D adurch du koͤntest mich auch bringen umb das leben. D enn weil du hast getoͤdt so grausam meinen sohn/ Bin ich des lebens satt und uͤberdruͤßig schon: D er todt macht mir nicht scheu/ ich acht auch keine goͤtter D aß ich sie bitten solt umb huͤlff/ als meine retter: Laß nur dein schrecken seyn. D enn ich bin kommen her/ Daß ich nach meinen sohn zu sterben auch begehr. Ich aber bringe dir zuvor noch diese gaben/ An denen magst du dich mein zngedencken laben. Stracks schoß er einen spieß auff seinen feind mit macht/ Bald einen andern/ und noch einen andern bracht. Und schoß sie in den schild/ und flohe mit dem rosse In einem kreyß herumb/ und hefftig auff ihn schosse. Allein der guͤldne schild haͤlt aus/ bleibt unverwand/ Er ritte dreymahl umb ihn nach der lincken hand/ Der nur zu fusse stund/ und schoß auff ihn viel spiesse: E neas aber ! der diß alles gehen liesse/ Trug gleichsam einen wald mit seinem schild umbher Von pfeilen: E ndlich als es ihm wolt fallen schwer/ So Das Zehende Buch. So lange zu verziehn/ und trug verdruß die spiesse Zu reissen aus dem schild/ das sich schwer handeln liesse/ Auch der ungleiche streit ihn machte grossen drang/ Gedacht er hin und her/ und sanne bey sich lang/ Bricht aber endlich loß/ und trifft mit einem spiesse Das pferd durch beyden schlaff/ davon es umb sich stiesse Und in die hoͤhe sprang/ schlug forn und hinten aus. Der reuter saß darauff mit grosser furcht und graus/ Da warff es ihn herab/ und muste selber fallen Auff ihn mit ungestuͤm: Da wurde stracks von allen Im feld ein groß geschrey erregt/ da schrie der feind Daß es in luͤfften schallt/ da schrie zugleich der freund. Eneas lieff hin zu und zog heraus den degen/ Und sagte: wo ist nun der tapffre mann zugegen Mezentius? Wo ist sein harte wuͤtigkeit ? Wie laͤßt er so bald ab von angefangnem streit! E r aber/ da er sich gen himmel auffgehoben Mit seinen augen hat/ und frische lufft von oben Geschoͤpfft und wiederumb ein wenig sich vernam Mit seinem krancken sinn/ und zu sich selber kam. Wie kanstu (saget er) du bittrer feind/ mein leben Verfolgen dergestalt und solche schmaͤhwort geben ? was dreustu mir den tod ? der todt bringt mir nicht scheu Du magst mich toͤdten nur: Es stehet dir nun frey. Ich hab anff solchen sinn/ und eingebildte massen Mich nicht mit dir in streit gewagt und eingelassen/ Daß ich nicht sterben wolt; es hat mein sohn auch nicht Mit dir zum besten mir die buͤndnuͤß auffgericht/ L l 3 Nur Das Zehende Buch. Nur dieses einige bitt ich durch das verzeihen Und gnade/ die man mag den feinden auch verleyhen/ Wenn sie bezwungen sind/ laß meinen leichnam seyn/ Daß er werd in das grab gescharret ehrlich ein. Ich weiß den bittern haß der meinen gar zu eben/ Die mir fuͤrdessen offt gestrebt nach leib und leben. D erselben wuͤten halt von meinen leichnam ab/ Und laß mich werden ein geleget in ein grab Mit meinem sohn (bitt ich) so redet er/ und reckte Die gurgel willig hin/ der degen ihn nicht schreckte D en ihm E neas stieß hinein/ und gab von sich Mit blut/ das haͤuffig floß/ die seele jaͤmmerlich. Das Eilffte Buch. I Mmittelst kam herfuͤr die morgenroͤthe gangen: Eneas (ob er wol mit sorgen war befangen/ D en todten seines volcks zu goͤnnen ihre zeit/ D aß ihnen man nach recht gemeiner sterbligkeit Ihr grab bereitete/ und war in seinem hertzen Ob des Pallantis leich mit kummer/ noht und schmertzen Beruͤhrt) bezahlete mit fruͤher tages zeit Den Goͤttern sein geluͤbd/ nach dem er aus dem streit Als sieger wiederkam. Er ließ ein hohe eiche Behauen umb und umb/ und machen glat und gleiche/ Und richten in die hoͤh: Da wurde zeug und wehr/ Und was Mezentius der fuͤrst verlor im heer/ Ge- Das Zehende Buch. Gehencket an (dir/ Mars/ zum schoͤnem sieges zeichen Dem keiner ist am macht im kriege zu vergleichen) Die federpuͤsche/ die noch troffen sehr vom blut/ D ie setzet er ihm auff/ wie auch den eisenhut/ Und that ihm in die hand die abgebrochne spiesse/ D ie der Mezentius im streit auch hinterliesse/ E r band den harnisch auch ihm an die brust/ der gar S ehr an zwoͤlff orthen durch-in streit-geboret war/ Und an den lincken arm den schild/ den blancken degen In helffenbeinern scheid laͤßt er ihm auch umblegen: Als dis geschehn/ vermahnt er seiner voͤlcker schaar (Die mit den obersten bey ihm versamlet war) Und fieng an der gestalt sie ernstlich zuvermahnen/ Die sieges halben froh frey schwungen ihre fahnen: Ihr tapffern leut/ es ist das groͤsseste gethan; Last euch nur keine sorg und kummer ligen an; Was annoch uͤbrig ist/ schaut an/ ihr guten leute/ D as sind die erstlinge/ der schoͤne raub und beute Dem stoltzen Koͤnige gezogen siegreich ab! D as ist Mezentius/ den ich erwuͤrget hab Mit dieser meiner hand. Nun haben wir beschlossen Zu reisen zum Latin/ dem Koͤnig/ unverdrossen/ Und nach der stadt Laurent: Wolan! so seyd bereit Mit tapfferem Gemuͤth/ und ruͤstet euch zum streit ! In hoffnung/ sieg und ruhm des krieges zugewinnen/ Und lasset keine furcht verhindern eur beginnen Noch schnoͤd unwissenheit/ wenn euch von Goͤtter saal Gegeben wird ein winck/ die faͤhnlein allzumahl L l 4 Zu Das Eilffte Buch. Zuziehen aus der erd/ und in das feld zufuͤhren D ie junge ritterschafft: anitzt wil uns gebuͤhren Die leichnam unsrer pursch zu scharren in die erd/ Welch letztes ehrengrab man achtet hoch und werth In unterm hellenreich. Geht hin/ sprach er/ und zieret Mit dieser letzten ehr/ inmassen sichs gebuͤhret/ Der tapffern seelen schaar/ die uns mit ihrem blut E rworben dieses land und hoch geschaͤtztes gut. Fuͤr allen lasset uns Pallantem seinem vater Evandern schicken zu/ als unserem berather Und hoch geneigten freund/ in seine burg und stadt/ Da er sein regiment und herrschafft annoch hat; Den Pallas/ sag ich/ den als tapffern krigeshelden/ Von dem man anders nicht als ruhm und lob kan meldẽ/ Die finstre sterbensstund in seiner jungen zeit Genoͤthigt hat zugehn den weg der sterbligkeit; So redet weinendt er/ beruͤhrt von leid und jammer/ Verfuͤget sich hierauff ins losament und kammer/ Da wo der alt Acet Pallantis leib verwahrt/ Der sonst zu dienen hat noch fleiß noch treu gespart Als waffentraͤger des Pallantis vorger zeiten: War aber damals gleich geordnet zu begleiten Den Pallas/ dem er stund als hoffemeister fuͤr/ Mit fleißgem unterricht und aller zucht-gebuͤhr/ Wiewol mit minderm gluͤck. E s stunden umb die leiche Die diener alle sampt/ das Troervolck zu gleiche/ Trojanerinnen auch mit auffgeloͤstem haar/ Und zogen trauriglich/ wie damals braͤuchlich war. Als Das Eilffte Buch. Als nun der Troer fuͤrst zur thuͤr hinein gegangen/ Da wurde groß geheul und trauren angefangen/ Sie schlugen an die brust mit seufftzen/ klag und leid/ Der koͤnigliche hoff erschallte weit und breit. Eneas/ als er selbste in augenschein/ genommen Den Pallas/ wie er lag verblichen/ und bekommen An seine zarte brust ein offne schwere wund/ D ie er von Turnus spieß mit grossem weh empfund. Fieng so mit thraͤnen an: Ach du clonder knabe/ Sagt er/ hat denn das gluͤck mir nicht gegoͤnnt die gabe/ Da es so froͤlich zu mir kam/ daß ich an dir Haͤtt meine freud und ehr gehabet nach begier? Hab ich dich laͤnger nicht im leben moͤgen sehen/ Da mein gelůck begunt in vollem flor zustehen? Hast du mein koͤnigreich nicht muͤssen schauen an/ Noch kommen wieder heim/ als tapffrer siegesman? So ist dein vater nicht von mir versichert worden/ Dem ich versprach/ daß du von feindes hand und morden Verschonet soltest seyn. Ich dencke noch daran/ Da ich von ihm zog weg/ was er mir guts gethan: In dem er mich umbfieng/ erwiese lieb und guͤte/ Und ließ mich offen sehn sein koͤniglich gemuͤthe/ Und mit ansehnlicher gewalt verschickte zwar/ Doch sorgsam warnete fuͤr mancherley gefahr. E s waͤr in Latien ein hartes volck zu finden/ Und schwer dasselbige mit ruhm zu uͤberwinden: Nun hat sein hoffnung ihn betrogen (leider!) sehr/ Die er zu mir gesetzt/ und thut vielleicht noch mehr L l 5 Geluͤbd Das Eilffte Buch. Geluͤbd und opfferdienst und fuͤllt mit reichen gaben D en heilgen altar an: weil wir nun fuͤr uns haben D en todten juͤngeling/ und der nun nichtes mehr D en Goͤttern schuldig ist; So wollen wir die ehr Ihm thun zu guter letzt/ und schicken ihn zu grabe Wiewol es an sich selbst ist fast vergebne gabe. O ungluͤckhaffter mann/ nun wirst du sehen an/ Wie jaͤmmerlich es sey mit deinem sohn gethan ; Und wie er lig im sarg ertoͤdtet und verblichen/ Von dem der schoͤne geist des lebens ist gewichen! O schoͤne wiederkunfft/ triumpf und sieges pracht/ Wornach sich mancher groß verlangen hat gemacht! Wie schoͤn hat sich mein wort im außgang nun befunden! Doch wirst du/ Koͤnig/ nicht ihn sehn mit solchen wunden Geschlagen/ deren man zu schaͤmen haͤtte sich/ Auch ist dein sohn im streit nicht blieben schnoͤdiglich. Er hat von seinem feind erlanget ruhm und ehre/ Daß du sein vater/ wenn er noch am leben waͤre/ Nicht ursach habest ihm zu wuͤntschen boͤses ding/ Als einem sohne/ der nichts ruͤhmlichs begieng Ach leider! wie ist dir/ Italien/ abgangen E in theurer mañ ! wie wird dein hoffnung und verlangẽ/ Mein sohn Jul/ betruͤbt ; Als er nun ausgeredt Mit weinen/ heisset er auffheben vou der stett Den jaͤmmerlichen leib/ und nam von gantzem heere E in tausentmann/ die ihn mit letzter lieb und ehre Begleiteten zum trost/ wie sehr gering und klein In solchem grossen leid derselbe moͤchte seyn/ Der Das Eilffte Buch. Der doch aus schuld und pflicht geleistet muste werden Dem vater/ welchen traff mit leidigen beschwerden Am meisten dieser fall: Da siehet man wie sie Geschaͤfftig sind hierzu mit unverdrossner muͤh. Ein theil nimmt ruͤthelein von hagebuch- und eichen/ Und machten flechten/ wie gebraͤuchlich war bey leichen Und eine todtenbahr/ darauff der todte fein Sanfft wurde hingelegt/ das bette ward mit meyn Bestecket umb und umb/ da nehmen sie und heben Den juͤngling auff das laub/ der zuvergleichen eben Mit einer blume war/ die mit den fingern fein Von stengel wird gepfluͤckt von einem jungfraͤulein/ Es sey viole gleich/ doch oder mertzenblume/ Die ihren glantz nicht mehr hat mit so schoͤnem ruhme Und gleichwol auch noch nicht verlohren ihre zier/ Das erdreich gibt ihr nicht mehr krafft undsafft herfuͤr. Eneas hieß heraus zwey purpur kleider bringen Gemachet und geziert mit borten/ hefft-und schlingen Und starreten vom gold: Die Dido hatte sie Fuͤrweilen selbst gemacht mit kunst verstand und muͤh/ Dazu sie hatte lust/ weil ihr diß thun geluͤcket/ Und hat es artiglich durchaus mit gold gesticket. D erselben kleider eins zeuch er dem juͤngling an/ Und wil den letzten dienst/ so viel er immer kan/ Ihm leisten trauriglich/ bedeckt auch seine haare Mit einer haube/ da er liget auff der bahre/ D ie jtzt verzehren sol des feuers grimmigkeit/ That haͤuffig auch hinzu viel dings/ was er im streit/ Da Das Eilffte Buch. D a er sich mit dem volck der Laurentiner schluge/ Mit unbeflecktem ruhm erwarb und mit sich truge/ Und hiesse diesen raub mit langer pracht und reyh Herbringen/ laͤsset auch die pferde fuͤhren bey/ Und waffen derer feind/ die er hat uͤberwunden: Man sahe denen auch die haͤnde fest gebunden: Die als ein opffer ihm man solte schlachten ab/ Und mit der todten blut besprengen feur und grab; Und heißt die obersten an grosse stacken tragen Die waffen derer feind/ die er hat tod geschlagen; Und ihre namen laͤßt er oben setzen an ; Man fuͤhrte bey der hand den armen alten mann Aceten/ da sah man/ wie er mit vollen haͤnden Schlug an die brust/ wie er mit naͤgeln kunte schaͤnden Fuͤr leid das angesicht: ja endlich fiel er gar In ohnmacht auff die erd fuͤr weh/ wie lang er war. Sie fuͤhren mit sich auch den blutbespruͤtzten wagen Der Rutuler/ die er im felde hat erschlagen: Sein reitpferd Aethon/ das er vormals braucht im streit/ gieng hinden her ohn schmuck und weint fuͤr grossem leid/ Und netzte das gesicht mit grossen milden thraͤnen/ Und gabezu verstehn sein innigliches sehnen Nach seinen rittersmann. Ein ander trug den spieß/ Ein ander seinen helm; Das andre/ was er ließ Dahinden/ nahm fuͤr sich der Turnus/ als der fieger: Nach diesem folgeten gar trauriglich die krieger Und voͤlcker in gemein: D ie Troer obersten Mit den Hetruriern und volck der Arcadern Mit Das Eilffte Buch. Mit umbgewandter wehr: Als nun in ordnung gienge Das saͤmptliche geleit/ und hielte nicht geringe Des jungen heldens tod; da blieb Eneas stehn/ Und liesse diß geseufftz aus tieffem hertzen gehn. Die ebenselbige hartgrimme noht zu kriegen Zwingt uns von hinnen zu den andern/ welche ligen E rschlagen noch im feld/ daß wir dieselben auch Bestaͤttigen zur erd nach uͤblichen gebrauch. O Pallas theurer held/ sey mir zu ewgen zeiten Gegruͤsst und lebe wohl in steten gluͤckligkeiten! Mehr sagt er nicht/ und gieng auff gleichgefuͤhrtem pfad Mit hochbetruͤtem sinn zur maur und lagerstatt. Bald darauff kamen an vom koͤnige legaten Mit belbaums zweige/ so da umb erlaubnuͤß baten/ Daß ihnen stuͤnde frey die todten/ die zerstreut Im felde lagen/ zu begraben ungescheut. Es ließ sich ja nicht mehr mit uͤberwundnen schlagen/ Noch denen/ welche sind entleibet/ feindschafft tragen : E r moͤchte schonen doch der freunde/ die ihn sonst Bewirthet hiebevor/ erzeiget lieb und gunst; Und deren koͤnig von ihm schwaͤher sey gennet: Als nun der Troer fuͤrst fuͤr gut und recht erkennet Ihr bitten/ laͤst er diß unweigerlich geschehn/ Gibt ihnen uͤber das so viel noch zuverstehn; Und sagt: Ihr guten leut/ was ungluͤckhafft beginnen/ Hat euch in solchen krieg und noht verwickeln koͤnnen/ In dem ihr unsre lieb und freundschaͤfft setzt beyseit/ Und suchet an umb fried fuͤr die/ so in dem streit Sinn Das Eilffte Buch. Sind umbgekommen? Den wolt ihnen ich gern goͤnnen Auch wenn sie lebten noch: Ich habe mein beginmen Bis da-gerichtet hinzukommen in eur land/ Wenn das verhaͤngnuͤß nicht mir haͤtte zuerkand Darinne raum und sitz. Ich hab auch keine vhede Mit dem Latinervolck diß land zu machen oͤde. E ur Koͤnig aber hat verlassen unsern bund Und gastfreundschafft/ in dem/ wie offenbahr und kund/ Er sich des Turnus schutz hat anvertrauen wollen ; E s haͤtte Turnus sich in tod sich wagen sollen/ Als das er in gefahr braͤcht seine buͤrgersleut/ Im fall er war gesinnt zu enden selbst den streit Und krieg mit eigner faust/ die Troer zuverjagen/ So haͤtt er moͤgen nur ein gaͤnglein mit mir wagen Mit solcherley gewehr/ wie ich in haͤnden hab/ Da haͤtte moͤgen der/ dem gluͤck und tugend gab/ Das leben bringen weg: Ihr moͤcht nun ziehn und haben Erlaubnuͤß eure leut und buͤrger zubegraben. Als nun Eneas so geredet tapfferlich/ Da schwiegen sie gantz still/ und sahen unter sich Ein ander wundrend an; do Drames/ der von jahren War hoch und hatte viel gesehen und erfahren/ Der diesem jungen held dem Turno allezeit Auffsetzig war/ und hielt ihm immer gegenstreit; Fieng also muͤndlich an sein antwort abzulegen: O Troer held/ der du mit thateu uͤberwaͤgen Kanst deines namens ruhm/ wie sol ich gnungsam dich Erheben/ und dein lob außbreiten wuͤrdiglich ? Wor- Das Eilffte Buch. Woruͤber soll ich doch verwundern mich am meisten; Ob dein gerechtes thun/ dadurch du allen leisten Wilst ihr gebuͤhrlich recht? Wie ? Oder sol ich mehr Ertheilen deiner staͤrck und manheit lob und ehr? Wir wollen danckbahrlich diß auch zu ruͤhmen wissen Und an zumelden alls dem Koͤnig seyn beflissen In vaͤterlicher stadt/ auch fleißig darob seyn/ Wenn uns das gluͤcke nur wird weg und maß verleyhn/ Dich mit dem Koͤnig auff das neue zu verbinden; E s mag der Turnus sohn/ wo er kan buͤndnuͤß finden/ Wies ihm am besten duͤnckt ; wir wollen huͤlff und hand Dir bieten gern zur stadt/ die dir ist zu erkand Vom goͤttlichem geschick/ dieselbig auffzubauen: Uns solt fuͤr keiner last noch muͤhewaltung grauen Wir wollen nehmen auff die schultern holtz und stein/ Und nach vermoͤgen dir mit fleiß bedienet seyn/ D ie andern nahmen auff mit beyfall/ gunst und schallen D es Dranees gegenwort/ und liessens sich gefallen. Zwoͤlff tage wurden an gesetzt zum stillestand/ Von beyden theilen wurd fuͤr recht und frey erkand Zu gehen aus und ein: Da sahe man mit hauffen Im walde hin und her sie durch einander lauffen; D a hewt man mit der axt die hohen eichen ab/ D ie cedern/ sicht/ und eich ein grosses krachen gab/ Die mit den wipffeln sich biß an die wolcken tragen; Man laͤdet selbig auff/ und laͤsset sie auff wagen Weg fuͤhren/ daß sie sich fuͤr schwere biegen fast/ Da geht mit knarren fort die ungeheure last Der Das Eilffte Buch. Der ruff/ als bothe/ lieff den leid-fall anzudeuten/ D er mit dem Pallas sich begeben/ allen leuten; Er koͤmpt E vandern fuͤr/ er fuͤllt sein hauß und stadt In welcher neulich erst man außgegeben hatt/ Es haͤtt in Latien der Pallas sieg und ehre Erworben/ und anitzt zum einzug ruͤstig waͤre. Das volck der Arcader laͤufft eilend nach dem thor Und traͤget fackeln/ die man nach gebrauch trug vor D en leichen ; da wird stracks der weg von langen reihen Der fackeln hell und licht/ die strahlen sich weit streuen/ So weit die graͤntzen gehn. Das volck der Troer kam Entgegen ihnen/ und mit trauren zu sich nam Das heer der Arcader. Als sie nun sahen ziehen Die weiber in das schloß/ da thaten sie und schrien So schrecklich/ daß die stadt in wunderschneller eil Erfuͤllet wurde gantz mit klagen und geheul. Der koͤnig aber ließ sich nichts zu ruͤcke halten/ Noch schwaches alter/ noch sein koͤniglich verwalten/ Noch groͤsse seines leids ; gieng/ wo der hauffe war Am dicksten/ legte sich hin auff die todtenbahr (chen und leichnam seines sohns: kunt anfangs kein wort spre- Fuͤr weinen und geseufftz/ biß man ihn hoͤrte brechen/ D a kaum das hertzeleid der stimme liesse statt/ In diese wort; Mein sohn/ wo bleibet nun die that? Von dem/ was du mir hast versprochen in dem streiten Dich wollen lassen nicht zu sehr und weit verleiten ? Heist das behutsam dich gewaget in dem streit ? D as wust ich gar zu wohl/ was fuͤr gefaͤhrligkeit Die Das Eilffte Buch. Die neue seuche hat zu blincken in den waffen/ Und was die suͤßigkeit des ruhms vermag zu schaffen/ Wenn anfangs wol gelingt bey junger pursch der streit. O Anfang voller klag und voller bitterkeit Denn du/ o junges blut/ und außbund schoͤner jugend Gemacht! O hartes jahr der lehr und scharffen tugend Des allzunahen kriegs ! Ach daß der goͤtter schaar Fuͤr mein gebaͤt und wuntsch verstopfft die ohren gar. Und du mein frommes weib/ wie wol ist dir geschehen Durch deine todesfarth/ daß du nicht darffest sehen Diß schwere hertzeleid/ und nicht gesparet bist Auff diesen grossen fall/ der mir fuͤr augen ist: Ich aber muß den lauff und ordnung uͤberstreben/ Der kindern geben ist den stamm zu uͤberleben. Ich/ der ich vater bin/ leb uͤber meinen sohn/ Ach daß ich selber doch mit den Trojanern schon Laͤngst fort gezogen waͤr/ so haͤtten mich erschossen Die Rutuler/ und haͤtt als kriegsman unverdrossen Mein leben in dem streit gelassen fuͤr dem sohn/ Und dieses leichgepraͤng haͤtt ich zum ehren-lohn/ Und doͤrffte sehen nicht mit leid/ wie man heimbfuͤhret Pallantem meinen sohn/ der mir mein hertze ruͤhret. Doch will ich/ Troer/ euch nicht geben dessen schuld Noch dem gemachten bund/ noch gastfreundschafft und Die uns verbundẽ bleibt mit treugegebnen haͤnden: (huld Es ist ein ungeluͤck/ das ich nicht habe wenden Noch endern je gekunt/ das mir bescheret war In meinem Alterthumb. Weil denn dein sohn hat zwar M m Sein Das Eilffte Buch. Sein leben muͤssen hin-in bester bluͤthe-geben/ Und fuͤr der zeit in noth des harten todes schweben: So sol mir noch diß leid zur troͤstung dienstlich seyn/ Daß er sein leben hat da erst gebuͤsset ein/ Als er so manchem mann und Rutuler genommen Zu vor das leben hat und siegreich ist gekommen Mit dem Trojaner heer/ das er mit grosser macht In der Latinerland mit edlem ruhm gebracht. Ich kan dir zwar/ mein sohn/ nach tragender begierde Kein besser leichgepraͤng mit groͤssrer wurd und zierde Zu richten/ als gethan E neas/ und dann mehr Die obersten des volcks/ und der Tyrrhener heer. Sie bringen zwar mit sich die schoͤne siegeszeichen Und waffen derer leut/ die du auch hast zu leichen Gemacht mit tapffrer faust. Es solten aber auch/ O Turnus/ stehen hier an stacken nach gebrauch Dein waffenzeug und wehr: wenn ich dir waͤr an jugend Und gruͤnen kraͤfften gleich/ und koͤnte meine tugend Noch zeigen/ wie ich pflag vor zeiten/ da ich war E in junger rittersmann/ uud kunte der gefahr Begegnen freudiglich in manchem kampff und streite. Was aber halt ich auff die tapffre Troers leute In ihrem kriegeswerck/ ich ungluͤckhaffter mann ? Sie koͤnnens lassen doch nicht laͤnger stehen an. Derhalben ziehet hin/ und saget eurem Koͤnig Daß ich zwar lebe noch/ acht aber gleichwol wenig Mein leben/ welches mir nun bringt verdrießligkeit/ Weil mein sohn Pallas ist geblieben in dem streit. Daß Das Eilffte Buch. Daß aber ich noch bleib in diesem jammerleben/ Sey seine tapffre faust dran ursach/ die mir geben Und meinem sohne kan die hoffnung/ schuld und pflicht/ Und uns am Turnus sich zu raͤchen scheuen nicht. Nichts besser koͤnt er uns durch sein verdienst und gluͤcke Zuwege bringen/ als diß einge freundschafft stuͤcke/ D aß er hinwiederumb dem Turnus eins versetz Und durch desselben tod uns beyderseits er getz. Ich suche zwar ja nicht in diesem meinem leben E rgetzung oder freud/ begehr auch nicht zu streben Nach solcher eiteln lust/ die mir unziemlich scheint: Ich bin begierig nur und einiglich gemeint Zu bringen meinem sohn hin untter in die hoͤlle D ie angenehme post/ daß Turnus der geselle Hat muͤssen seiner that erfahren grimme rach. In deß die morgenroͤth herfuͤr am himmel brach/ Und brachte wiederumb die suͤssen liechtes gaben/ Den armen sterblichen/ und ihre muͤh zu laben/ Ihr werck und arbeits brauch. Es ließ E neas nur Und Tarchon todtenfeur am strande richten zu/ Da bracht ein jeglicher die todten hingetragen Die er nach altem brauch mit schmertzen muste klagen: Als sie nun unten feur anlegten/ war die lufft Verfinstert umb und umb von dickem rauch und dufft/ Man sahe dreymal sie in blancken waffen lauffen Umbs leichenlager her/ und angezuͤndte hauffen: Sie ritten dreymal auch mit tieffer traurigkeit Umbs leichenfeuer her und heulten sehr fuͤr leid. M m 2 Sie Das Eilffte Buch. Sie netzten das gewehr und erde mit viel thraͤnen/ Und liessen das geschrey und kuͤmmerliche sehnen Mit der posaunen schal auff-steigen in die lufft Hernach dann warffen sie hin in die feuersdufft Die beuten/ welche sie den feinden abgenommen/ Als schoͤne degen/ helm/ und was sie sonst bekommen An wagen/ zaum und zeug/ desgleichen schild und wehr/ D amit sie kein geluͤck gehabt/ das lieb und hehr Gewesen ihnen war. Es wurden auch nicht minder Zum opffer abgeschlacht viel schoͤne fette rinder; Entkehlten borstge schwein/ und rein vieh allerhand/ Das hin und wieder war geraubet auff dem land Und warffens in das feur/ da stunden sie am strandte Auff allen seiten her und sahen/ wie da brandte Das feuer ihrer leut/ und gaben achtung drauff/ Biß auff die helffte war verbrand der gantze hauff/ Und kunten gaͤntzlich nicht sich da von lassen bringen/ So lange/ bis die nacht gab diesen trauerdingen Ihr ende/ ziel und maß/ die allen glantz und schein Des himmels/ der versetzt mit lichten sternelein/ Verwandelt und verkehrt. Man sahe gleichfalls lauffen Die traurgen Rutuler und bauen scheiterhauffen In ungezehlter meng an einem andern orth ; Theils rafft der leichnam viel zur grufft und erden fort/ Und scharren sie da ein; Theils fuͤhren die bekandten Hinweg ins nachbahrs land und einen jeden sandten In seine heimat hin: was aber von der schaar Gemeiner kriegesleut und schlechten poͤbel war/ Und Das Zehende Buch. Und welche hier und da mit grossen hauffen lagen/ Verbranden sie nach brauch ohn ordnung/ ehr und klagen/ Da leuchtet allerseits das feuer uͤbers feld/ D as mit behendem fleiß ward haͤuffig angestellt. Als nun der dritte tag war jtzund angebrochen/ Und sich die sternelein am himmelszelt verkrochen; Da nahinen sie die asch und die vermischten bein/ So viel ihr kunten noch vom feuer uͤbtig seyn/ Mit hoch betruͤbtem muth und traurigen gebaͤhrden/ Und scharreten sie ein in warmen schoß der erden. Man hoͤret aber gleich in des Latini stadt des koͤnigs/ der noch sehr viel macht und reichthumb hatt/ E in groß gethoͤn vom leid und lauten jammerschlagen/ Von weinen und geseufftz/ von winseln/ weh und klagen/ Die muͤtter klagen hier mit ungestuͤmmen leid/ Daß ihre soͤhne sind geblieben in dem streit; Die weiber/ daß sie nun in wittben-stand gekommen/ Und ihnen sind so bald die maͤnner weg gemommen Und in dem krieg erwuͤrgt. D ie schwestern sehnen sich Nach ihren bruͤderen und trauren jaͤmmerlich Die kinder/ die beraubt der eltern sind geworden/ Beweinen ihren stand und ungluͤckhafften orden/ Verfluchen allesammt den krieg/ gezeug und wehr/ D es Turnus heyrahtswerck/ und aufgebrachtes heer Er solte (sagten sie) stch selber kecklich wagen/ Und mit dem Troerheld sich in dem felde schlagen/ Und heben auff den krieg/ als dessen hoch gemuͤth Stund nach dem Welschen reich/ kron/ titul und gebiet M m 3 Dis Das Eilffte Buch. D iß mutzet Drances auff noch sehrer/ ist ergrimmet/ Und sich der andern an-mit bittern reden-nimmet/ Giebt fuͤr/ der Turnus sol stehn in dem streit allein/ E neas nur mit ihm sich woͤlle lassen ein. Hingegen waren viel der andern andrer sinnen Und redten Turno nur sein bestes zu gewinnen; Nicht wenig schuͤtzt ihn auch das ansehn/ ruhm und ehr D er koͤnigin/ die ihn fuͤr audern liebte sehr; Sein grosser nahm und ruff/ daß er so offt geschlagen Die feinde von dem plan/ kunt ihm auch viel bey tragen: Als dies empoͤrung nun sich regt mit tollem wahn/ D a kommen noch darzu (schau!) die gesandten an Und bringen aus der stadt des grossen D iomeden Gar traurigen bescheid: Es wolte zu bevehden Die Troer klecken nichts/ die kosten thaͤtens nicht/ Und waͤhr mit aller muͤh durchaus nichts außgericht/ Man haͤtte nichts vermocht durch gaben zuerlangen E s haͤtte wollen auch kein bitten was versangen: Man muste sich thun umb nach andrer huͤlff und rath/ Und den Trojanerheld anslehen umb genad Und friedlichen vergleich. Es wurde selbst der Koͤnig Latinus uͤber der begebenheit nicht wenig Betruͤbet und verzagt. Es waͤre zeugnuͤß satt/ Daß dieser Troer fuͤrst nach Gottes heilgen rath In Welschland kommen sey/ wenn man besinnen wolte Der Goͤtter ungenad und zorren/ wie man solte/ Und die begraͤbnuͤsse/ die man fuͤr augen hat. Gab demnach anbefehl/ damit der gntze rath Und obersten des lands nach hoffe schlennig kaͤmen/ Und allen umbstand nach die sach in rathschlag naͤhmen Sie Das Eilffte Buch. Sie stelleten sich ein mit uͤbergrosser meng/ Und wuͤrde solchem volck die strasse fastzu eng Der alte koͤnig saß hoch mitten in und praͤchtig Und trug den scepter in der hand/ und sah bedaͤchtig/ Doch nicht gar froͤlich aus: D a laͤßt die bothen er/ Die er nach Arpis hatt verschicket/ sagen her Was sie guts bringen mit sie sollen ihm erzehlen Nach ordnung alle ding/ und gaͤntzlich nichts verheelen Ein jeder schwiege still ; der Venulus fieng an/ D aß nicht des koͤniges befehl blieb ungethan: Ihr lieben buͤrger ihr/ wir haben unsre reise Vollzogen nach erheisch und anbefohlner weise: Wir haben D iomed und alles zeug und heer Der Griechen angesehn/ wir haben was noch mehr. Desselben hand beruͤhrt/ die Troja hat zerstoͤret: Er baute nach den sieg/ da er das reich verheeret In Jaͤpygia/ da wo man siehet stehn D en hohen Gurgansberg/ die stadt Argiripen Die er hat so genennt nach seinem vaterlande/ In welchem er nun frey regiert in frieden stande Als wir nun kamen fuͤr und funden willig ohr/ Da liessen wir zuerst die gaben tragen vor/ Thun unsern namen kund/ und aus was vaterlande Wir sind gekommen an berichten/ in was stande Und wesen wir itzt seyn was uns fuͤr feind und macht Den ungluͤckhafften krieg hab uͤbern halß gebracht; Aus was fuͤr ursach wir nach Arpos sind gekommen. Als Diomedes nur der koͤnig dis vernommen/ Gab er mit sanfftem muht uns freundlichen bescheid. O ihr gluͤckseligen und wolgediegne leut/ M m 4 Ihr Das Eilffte Buch. Ihr alten Latier/ die bey Saturnus zeiten. Und guͤldnem regiment in tausend gluͤckligkeiten Gelebet und geschwebt ; was unfall/ was fuͤr leid Bekuͤmmert euch/ die ihr bißher gewesen seyd So still und unbetruͤbt? was reitzt euch anzutasten Ein unbekandtes volck? koͤnnt ihr nicht laͤnger rasten ? So viel der unsern sich an das Trojansche land Vergriffen mit dem schwerdt mit raubẽ mord und brand; (Das laß ich ungemeld; was wir in zehen jahren Fuͤr Trojens fester stadt erlitten und erfahren/ Was Simois der strom fuͤr ritterliche leut Und helden hat verschluckt in diesem langen streit ) Die sind ja allesampt fuͤr solchem krieg und morden/ Am leibe/ gut und blut gestrafft erschrecklich worden/ So gar/ daß Priamus/ als abgesagter feind/ Hett moͤgen gegen uns nicht uͤbel seyn gemeint. Das weiß das hefftige gewitter/ das Minerve (schaͤrffe/ Auffs heer der Griechen schoß mit gantzem grimm und Das zeugt Caphareus auch/ an dessen klippen brach Manch hohes schiff entzwey: das war Minervens rach. Nach diesem kriege sind wir hier und da hinkommen/ Und haben unsern lauff durch manchen weg genommen Mit vielerley gefahr. Der Menelaus nam Zum Pharos seinen weg/ und an die seulen kam Des Proteus/ auff dem meer vom ungestuͤm verschlagen/ Da er noch ausserhalb des vaterlands muß tragen Das elend und beschwer. Der Ithacus ist gar An E tna kommen hin mit eusserster gefahr. Was Das Eilffte Buch. Was soll ich sagen viel vom Pyrrhus reich und landen/ Die er verloren sah mit grossem schad- und schanden/ Ia eignem untergang ? was soll ich meldung thun Von Creter koͤnigs-fall/ wie er mit schimpff und hohn Hat muͤssen wenden sich von seinem hauß und lande? Und wie der Locrer volck am Africanschen strande Wohnhafftig sitzen muß/ weil ihm der weg verrannt Zu kommen wiederumb ins liebe vaterland? Der Agamemnon selbst des Griechenlands regierer Und wieder Phrygien der ober kriegsheer fuͤhrer/ Ist/ da er wieder heim gekommen neulich war/ Von seiner eignen frau mit ploͤtzlicher gefahr Des lebens umbgebracht: als er nun umbgekommen/ Und Troja durch die muͤh Atridens eingenommen/ D a hat E gysthus sich gesetzt an seine stett/ Der ehdieb/ und mit list desselben ehebett Genommen ein: was sol ich mehr vom ungluͤck sagen/ Daß Venus hat zu mir zorn/ haß und neid getragen/ In dem sie mir nicht hat gegoͤnnt den ruhestand/ D aß ich kaͤm wieder heim ins liebe vaterland/ Und fuͤnde meine frau und unser ehebette/ So keusch und unbefleckt/ wie ich gewuͤnschet hette/ Und moͤchte Calydon die wunderschoͤne stadt Noch sehen wiederumb. Was schrecklich ding und that Sol ich auffs neue nun/ was greuliches beginnen? Da ich erfahren muß/ mit leid/ und werden innen/ Wie meine kriegespursch verkehrt ins vogelheer Schwebt oben in der lufft/ an fluͤssen und am meer ? M m 3 O grim. Das Eilffte Buch. (O grimme straff und plag der meinigen!) sie schreyen An klippen jaͤmmerlich: Das hab ich muͤssen schewen Und fuͤrchten von der zeit/ da ich war so verkehrt In meinem tollen muht/ daß ich mit meinem schwerdt Auch nach den Goͤttern hieb/ und eine grosse wunde Schlug Venus in die hand: Von selbter zeit und stunde Hab ich kein gluͤck gehabt. Ach nein ! ach reitzt mich nicht Zu einem solchen krieg/ der wider recht und pflicht ; Ich wil nicht haben mehr mit diesen voͤlckern vhede/ Weil einmal Troja ist zerstoͤrt und worden oͤde/ Ja gantz verwuͤstet ligt/ noch an den alten groll Gedencken/ weil ich mich nicht frewen kan noch sol Der Troer ungeluͤcks: Ihr moͤget diese gaben Die ihr habt mitgebracht/ E ueen lassen haben/ Dem wendet sie nur zu: Ich hab beids in der weit Und in der naͤhe mich mit ihm in kampff und streit Gelassen und versucht. Ich weiß ihr moͤgt mir trawen/ Wie maͤchtig er sich laͤßt in schild und waffen schaweu/ Und wie er auff den feind mit tapfferm muhte dringt/ Und wie er seinen spieß mit gantzen kraͤfften schwingt: Wenn andre zweene noch dergleichen tapffre krieger Der Troer land gehabt: so haͤtten sie als sieger/ Das gantze Griechenland wol moͤgen nehmen ein/ Und wuͤrde so ihr gluͤck verkehret worden seyn In leid und klagbeschwer. D aß aber wir so lange Fuͤr Troja lagen/ da wol manchem ward sehr bange ; So wisset/ daß den krieg und sieg das helden-paar/ Hector und Eneas. Das Troja hat geschuͤtzt/ bis in das zehnde jahr. Mit Das Eilffte Buch. Mit ritterlicher faust gehalten und verschoben: Sie waren alle beid an staͤrck und muht zu loben; Sie kunten beyde wol umbgehn mit dem gewehr. E neas aber hat das erste lob und ehr/ Was froͤmmigkeit betrifft. Ihr moͤget friede machen/ Und rahten/ wie man kan/ das beste zu den sachen; Doch aber huͤtet euch/ daß es nicht komm zum streit/ Und machet euch nicht selbst beschwer und hertzeleid/ Was/ grosser koͤnig/ nun uns Diomed gegeben Fuͤr antwort und bescheid/ das hast du kurtz und eben Von uns gehoͤret an/ auch seinen sinn und raht/ Den uͤber diesen krieg er uns eroͤffnet hat. D er abgesandte hat dis kaumlich außgesprochen/ Und sein wort/ das er kurtz gefasset/ abgebrochen ; Da war mit bloͤdem muht erschrocken maͤnniglich/ Und hatten mit gebrauß viel redens unter sich/ Gleich wie das rauschen ist/ wen strenge stroͤme schiessen/ Und ihnen stein und fels den freyen paß verschliessen: Es macht auch ein geraͤusch der nechstgelegne strand Vom wasser/ wenn es schlaͤgt mit ungestuͤm amrand. So bald sie hatten nun den muht gestillt ein wenig/ Und liessen vom gespraͤch/ da setzet sich der koͤnig Auff seinen hohen thron/ und redet sie so an: Ihr lieben Latier/ es waͤre baß/ daß man Haͤtt vorhin ernst gebraucht in diesen hauptes sachen/ Und einen rechten schluß darinnen wollen machen/ Und hielte keinen raht zu eben solcher zeit/ Da man belaͤgert ist von feinden allbereit. Zur Das Eilffte Buch. Zur unzeit kriegen wir/ ihr lieben unterthanen/ Und wollen wider die außziehn mit unsern fahnen/ D ie von der goͤtter stamm ihr ankunfft fuͤhren her/ Und unobsieglich sind/ die keine macht noch wehr Kan schlagen von dem plan/ die nimmer muͤde ligen Zu feld/ und nimmer mit dem feind sich muͤde kriegen ; Und wenn dieselben gleich verlieren gluͤck und sieg/ So koͤnnen sie doch nicht ablassen von dem krieg; So einge hoffnung ihr geschoͤpfft von Diomeden Und den Etoliern die Troer zu bevheden/ Die lasset fahren nur. E in jeder setz auff sich Sein hoffnung: gleichwol doch seht ihr/ wie kuͤmmerlich Und schlecht es sey gethan; was wir fuͤr noht und plage Gehabet hier und da/ ja was fuͤr niederlage Wir haben muͤssen sehn an unserm kriegesheer/ D as ist fuͤr augen noch und was des unrahts mehr/ Geb aber keinem schuld. Denn alle tapffre tugend/ D ie immer nur kan seyn bey unterwießner jugend/ Ist worden angewand. Wir haben alle macht/ Im gantzen koͤnigreich zum kriegszug auffgebracht Nun was ich endlich hab in meinem sinn beschlossen/ Das wil ich sagen kurtz (gebt achtung unverdrossen) E s ligt am Tyberstrom ein altes stuͤcke land/ D as mir durch erbfall ist geworden zuerkand/ Reicht in die laͤnge hin bis nach den abendlande/ Da die Sicaner vor gewohnt bey gutem stande/ Es wird von Rutulern besaͤet und gepfluͤgt ; E s ist ein hartes land/ doch noch zum acker tuͤgt/ Und Das Eilffte Buch. Und weiden/ da es ist sehr rauhe/ hart und wilde. D is gantze stuͤcke land mit wald/ geheg/ gefilde Gebirg und zugehoͤr mag der Trojaner seyn Daß sie mit uns in bund und freundschafft treten ein/ Und wollen ihnen vor-zum frieden mittel-schlagen/ Und bundsgenossenschafft des koͤnigreichs antragen. Da moͤgen sie sich dann zu wohnen setzen hin; Wo anders sie hierzu traͤgt ihre lust und sinn ; Und moͤgen ihnen nach beliebnuͤß staͤdte bauen. Wofern sie aber nicht zu wehnen sich getrauen In diesem harten land/ und meinen anderswo Zu werden ihrer muͤh und hoffnung besser froh/ So/ daß sie koͤnnen wohl aus diesem lande kommen/ Als die der goͤtter raht und außspruch laͤngst vernom̃en/ So sollen zwantzig schiff/ die in Italien Von bestem holtze sind/ fuͤr sie gebauet stehn. Ja oder wol nochmehr/ so sie sie koͤnnen fuͤllen ; D ie zugehoͤr am holtz ligt schon nach ihrem willen Am wasser/ nur daß sie den leuten thun gebot/ Wieviel ihr sollen seyn/ wie viel/ und was die noht Erfoder ingemein: wir wollen zeug und waffen Und alle zugehoͤr an ertz und leuten schaffen. Ich seh fuͤr gut auch an/ daß etwan hundert mann Verordnet werden/ so die bottschafft nehmen an Von obersten des volcks/ die ihnen unser sinnen Und meinung tragen fuͤr und sie belehren koͤnnen/ D aß wir gemeinet seyn/ zu haben fried und ruh ; Wenn sie auch wolten nur dem vorschlag stimmen zu. Sie Das Eilffte Buch. Sie sollen reiser auch vom oelbaum in den haͤuden Mittragen zum gemerck und treuen friedens-pfaͤnden/ Darnebenst auch geschenck an gold und helffenbein/ Ein koͤniglicher stuel und purpur-rock sol seyn D enselben bey gefuͤgt/ als unsers reicheszeichen: Wolan/ getrewe raͤht/ ihr scht mit mir ingleichen Der sachen schwerigkeit/ erwegts mit reiffem raht/ Und kommt zu huͤlffe nun dem schwachen reich und staat Da stunde Drantes auff/ der wider diesen ritter D en Turnus truge haß/ der heimlich war und bitter; Des Turni hoher ruhm stach ihn mit schnoͤdem neid/ War am vermoͤgen groß/ an wolberedsamkeit Noch groͤsser/ aber kalt und traͤger faust zu fechten/ D och gut zu geben raht und nachzugehn den rechten/ An anhang maͤchtig gnug. Sein adeliches blut Vom muͤtterlichem stamm macht ihm gar stoltzen muht. Von seinem vater war gewisses nicht zu sagen : Er stund auff/ wie gesagt/ und kunte praͤchtig tragen D en hochgesinnten geist. Er fuͤhrte wider ihn Den Turnum harte wort und macht ihm kopff und sinn Viel toͤller als er war des koͤnigs rede wegen: O frommer koͤnig du/ du traͤgst zu uͤberlegen Uns eine sache fuͤr mit wolbedachtem raht/ D ie niemand unbewust/ und nicht von noͤthen hat Zu reden viel davon. Denn jederman gestehet/ Daß er gut wissen hat/ wies her-im reiche-gehet Und was gemeiner staat erfodre nach gebuͤhr: Doch wil fast niemand gern die sache tragen fuͤr/ Und Das Eilffte Buch. Und sagen frey heraus: Er moͤcht uns freyheit goͤnnen Zu reden/ wie man sol die sache recht erkennen/ Und lege seinen muht und auffgeblasenheit/ Durch dessen uͤbelangefangnen krieg und streit/ Ja widersinnisch art (ich wil es warlich sagen/ Er mag mir bittern haß bis in den tod nachtragen/ Und drewen mit dem schwerdt) wir sehen und verstehn/ Daß mancher tapffrer held hat muͤssen untergehn Und fallen in der schlacht: Wir sehen/ daß die bawren Und buͤrger sind behafft mit grossem leid und trauren/ In dem er an das heer der Troer sich versucht ; Wonns aber geht an streit/ ergreifft er selbst die flucht/ Und gleichwol wil er noch/ wenn er sich hat verkrochen/ Den him̃el schrecken selbst mit poltern trotz-und pochen. D u wollest eines noch/ o frommer koͤnig du/ Den gaben/ die du schickst in grosser menge zu Den Troern/ legen bey/ und dich an niemand kehren/ Noch dir von jemands trotz zu geben lassen wehren D ein kind Laviniam dem tapssern Troerheld/ Der dieser heyraht sich hat wuͤrdig eingestellt/ Und also schaffen/ daß in diesem reich und lande Der friedensbund verbleib mit ewigfestem bande. Im fall man aber traͤgt fuͤr Turnus furcht und schew/ Daß man die warheit nicht heraus wil sagen frey/ So laß uns zu ihm selbst mit tieffer demuht gehen/ Und bitten ihn umb gnad/ daß er doch wolle stehen Von seinem fuͤrsatz ab/ und treten ab sein recht D em koͤnig und dem land/ als ein getrewer knecht. Was Das Eilffte Buch. Was fuͤhrst du/ Turne/ doch das arme volck und schaaren So offt und ohne noth in scheinbahre gefahren ? O der du alles leids und ungluͤcks stiffter bist/ Wie solches offenbahr und klar fuͤr augen ist Krieg bringet uns nichts guts/ wir fodern ruh und friede/ O Turne/ allesamt/ des krieges sind wir muͤde; E rfreue wieder doch mit frieden dieses land Und tritt E neen ab das theure friedens pfand/ D ie koͤnigliche braut. Ich will fuͤr andern allen Dich bittlich suchen an/ ja gar zu fusse fallen/ (Denn du dir bildest ein/ als truͤg ich haß zu dir: Und wenn diß ja seyn sol/ wer kan denn was dafuͤr? Laß dir der deinigen beschwer zu hertzen gehen/ Die dich umb fried und ruh/ umb heil und wol fahrt flehẽ/ Leg deinen stoltzen muth/ und weil du hast das feld Verlohren/ ey so schaff/ daß auch werd abgestellt Der ungluͤckhaffte krieg: Wir/ die wir sind geschlagen/ Die haben leichen gnung gesehn von hinnen tragen/ Es ist ja dieses land erschoͤpffet allzusehr An waffen/ volck und geld/ nichts ist ja uͤbrig mehr. Wo aber dirs zu thun ist umb der leute rede/ Umb grossen ruhm und ruff zu uͤben diese vhede Mit strengem eiffer aus/ und hast im leibe noch So starckes hertz und muht; ey nun so wag es doch: Wenn dir diß reich und braut so sehr ist an gelegen/ Und biete deinem feind/ die spitze von dem degen/ Und geh mit frischem muth ihm unters angesicht/ Wilst du da hinden stehn ? Ey ja das gehet nicht! Ja Das Eilffte Buch. Ja freylich! Sollen wir als ungeachte schaaren/ Die unbeerdiget und unbeweinet waren/ Im felde fallen hin/ und fuͤrchten unsrer haut/ Daß Turnus habe nur die koͤnigliche braut ? Wolan hast du ein hertz und denckest nachzuschlagen Den tapffern elteren/ so nimm dir fuͤr zu wagen Ein gaͤngelein mit dem/ der dich zum kampff begehrt/ Und laß verrosten nicht dein ritterliches schwerdt. Durch solche red erzuͤrnt der Turnus bittrer massen/ Der ohne das nicht kunt sich viel vexieren lassen/ E r seufftzte tieff und brach mit worten so heraus: du machest/ Drance/ stets viel wort mit zanck und graus/ Bevorab aber wenn die zeit erheischt mehr fechten Als schwatzen/ mehr die faust/ als plauderey und rechten/ Und wenn die staͤnde sind des reichs geladen ein/ E rscheinest du geschwind und wilst der erste seyn. Das rahthauß muß man nicht mit losen worten fuͤllen/ D amit du sicher prangst nach deinem frechen willen/ So lange wall und maur dem feind entgegen stehn/ Und man die graben noch nicht kan erfuͤllet sehn Von der erschlagnen blut. D erhalben magst du krachen Mit deiner donnerstimm/ gestalt du pflegst zu machen/ Du D rance/ leg auff mich die schuld der furchtsamkeit/ Weil du der jenge bist/ der in dem ktieg und streit Viel hauffen Troer hat mit tapffrer faust erschlagen/ Und solchen edlen ruhm und lob davon getragen/ Daß er das weite feld geschmuͤcket hin und her Mit siegeszeichen hat/ und was der gleichen mehr. N n. Was Das Eilffte Buch. Was ritterliche faust und lebendige staͤrcke Vermag und schaffen kan fuͤr hochgeruͤhmte wercke/ Das magst du selber nur erfahren in der that Und sehen eigentlich/ was dieses auff sich hat. So doͤrffen wir den feind auch suchen nicht gar ferne/ Er steht rings umb die stadt herumb/ und wolte gerne Mit uns gehn an den streit. Wir gehen loß auff ihn: Komm mit/ hast du ein hertz/ was wilst du hier verzichn? Ist dir das streitbarkeit von viel verlognen sachen Groß ruͤhmen ! plauderey und pralwort herzumachen ? Ist dir das streitbarkeit zu fliehen von dem plan/ Im fall der feinde heer gezogen kommet an? Hab ich/ du loser mann/ jemals die flucht genommen ? Kan je ein mensch mit fug deßwegen an mich kommen/ Und mich beschuldigen/ daß ich getragen schew Und fuͤr der feinde heer geworden fluͤchtig sey/ Im fall er sehen wird/ daß groͤsser ist geworden Die Tybur von dem blut der Troer durch das morden Und metzeln meiner faust? E s ligt das gantze hauß E vanders mit dem stamm/ und ist mit ihm gar aus. So bin ich uͤbers volck der Arcader auch kommen/ Und hab ihm sein gewehr und waffen abgenommen. So schlimm hat mich auch nicht das grosse Pan darus und Bitias. Riesenpaar Befunden/ denen ich so uͤberlegen war/ Daß ich sie niederwarff ; Und tausent wol der andern Die von mir umbgebracht zur hoͤllen musten wandern/ Und zwar in einem tag/ als nemlich mit gefahr Ich zwischen einer maur und wall umbgeben war. Krieg Das Eilffte Buch. Krieg bringet uns nichts guts. Das magstu propheceyẽ E neen auff den kopff/ und dich dafuͤr selbst scheuen ; Darumb so fahr nur fort zu machen alles irr Mit schrecken/ furcht und schew/ mit allerley gewirr/ Und heb die macht empor der voͤlcker/ die geschlagen Nun sind zum zweitem mal/ und dencke viel zu sagen Verkleinerlich vom zeug und waffen des Latin. Der Griechen obersten sind nun mit bloͤdem sinn Erschrocken fuͤr dem feind und der Trojaner waffen: Nun scheut Tydides sich; E s koͤnte nun nichts schaffen Achilles/ wenn er noch bey uns am leben waͤr/ Der Aufid fleust zuruͤck von Adriatschem meer. Auch da der schlauhe dieb fuͤr meinem zorn und drewen Sich stellet listiglich denseldigen zu schewen/ Straͤngt er noch haͤrter an die anklag wider sich/ Und machet seine tuͤck noch vielmehr scheinbarlich. D och wil ich nimmermehr aus deines leibeshoͤhle (O fuͤrchte dich nur nicht!) Dir reissen deine seele Mit dieser meiner fanst ; Weil du ein solcher bist/ Der wider tugend nur gebrauchet arge list. Sie mag in deiner brust und laͤnger bey dir wohnen Und dir nach deinem neid und unart billich lohnen. Nun wend ich meine red/ herr vater/ gegen dir/ Und deine mittel/ die du hast geschlagen fuͤr. Im fall du fuͤhrohin kein hoffnung mehr wilt bawen Auff unset heer und zeug/ noch deinen kraͤfften trawen/ Und wo dich etwan deucht/ daß wir nun gantz und gar Durch eine niederlag in eusserste gefahr N n 2 Ge- Das Eilffte Buch. Gerahten/ also daß wir uͤberall verlassen Und das erzuͤrnte gluͤck in keinem weg noch massen Sich wenden wil noch kan ; So lasset uns die knie D er Troer fassen an und umb genade sie Und friede flehen nur. Wiewol was sol ich sagen ? Wenn wir nur wolten was nach alter tugend fragen/ Und haͤtten von ihr noch ein kleines fuͤnckelein/ Wir wolten nicht so traͤg/ so zag und laͤßig seyn. Gluͤckselig kan ich die fuͤr andern billig schaͤtzen/ Und in die edle zunfft der tapffern leute setzen/ Die ihrer muͤhe froh geworden dergestalt/ Daß sie gesichert sind gewesen fuͤr gewalt Und schnoͤder dienstbarkeit ; D ie lieber haben geben Ihr leben wollen auff/ als solche schmach erleben. Wo aber wir noch wol an macht und mannschafft stehn/ Und staͤdt und voͤlcker noch sind in Italien/ Wo auch dem Troervolck der sieg/ den sie gewonnen/ Viel blut gekostet hat/ das haͤuffig ist geronnen/ Und ihre todten auch in gleicher anzahl sind/ Nicht minder schad und leid bey ihnen gleich sich findt; Was wollen wir denn flugs verzagen auff der schwelle Des angefangnen kriegs und treten von der stelle Mit schandẽ/ schimpff und hohn ? was schreckt uns fuͤr ein E h mit der trompte wird geblasen zu dem streit? (leid/ Der menschen muͤh und zeit/ die immer wechselt abe/ Und unterworffen ist der endrung bis zum grabe/ Hat viel dings wiederumb gebracht in bessern stand: D as gluͤck/ das diesem bald/ bald jenem beut die hand/ Und Das Eilffte Buch. Und freundlich blicket an/ hat manchen sehr verletzet/ Und nachmahls wiederumb in guten stand gesetzet. Wird uns nicht Diomed zur huͤlffe kommen an/ So wirds Messapus thun der tapffre rittersmann/ Wie auch Tolumnius/ der bißher sein beginnen Zum fuͤrgesetzten zweck hat gluͤcklich richten koͤnnen/ Und ander-obersten/ die manches land und stadt Zur beyhuͤlff/ schutz und trutz uns zugeschicket hat. Auch wird der außschuß der Latein- und Laurentiner Uns bringen grossen ruhm und machen desto kuͤhner: So ist nicht weniger Camilla bey der hand Die von dem edlen stamm der Volscer ist bekandt. D ie fuͤhret reuterey/ die schoͤn staffiert und gleisen/ Ja die von fuß auff sind bewehrt von stahl und eysen: Duͤnckts aber euch seyn gut/ daß ich geh gantz allein In streit/ und lasse mich mit dem E neas ein/ Und man mich fodert aus von dem Trojaner theile/ Wil ich nicht hinderlich seyn dem gemeinen heile. D as gluͤck im kampff und streit hat sich von dieser hand/ Den feind zu siegen an/ noch nicht gar abgewandt/ Daß ich umb zuversicht und schoͤner hoffnung willen Mich einig dings/ wie schwer es moͤchte zu erfuͤllen Und zu versuchen seyn/ sol wegern schnoͤdiglich: Ich wil mit frischem muht dem feinde zeigen mich Und gehen auff ihn loß/ und solt er uͤberwegen/ Achill/ den grossen held/ und ihm seyn uͤberlegen ; Und truͤg er waffen gleich/ die Mulciber gemacht/ So bin ich doch mit ihm in streit zu gehn bedacht. N n 3 Ich Das Eilffte Buch. Ich Turnus/ der ich denck den vorzug zu behalten An muht und tapfferkeit/ und keinem von den alten Wil geben was bevor ; Gelob ohn trug und list Euch und dem koͤnig/ der mein schwiegervater ist/ Zu opffern meine Seel/ mein junges blut und leben/ Das ich zum besten euch wil in den tod hingeben; Begehrt Eneas mein und fodert mich zum streit; Ich wuͤntsche/ daß ers thu/ ich bin hierzu bereit. Der Drances mag nur gehn: Er sol mit mir nicht theilẽ Mein gluͤck noch ungeluͤck ; Wenn mich moͤcht uͤbereilen D er goͤtter zorn und grimm/ sol er nicht desto mehr Sein leben buͤssen ein: Erlang ich aber ehr Von meiner tapffern faust; Sol er das kleinste stuͤcke/ Als ein verzagter kerl nicht tragen von dem gluͤcke/ Das mir bescheret ist. Solch handlung pflogen sie Mit hadder und gezaͤnck/ mit zweiffelhaffter muͤh. E neas ruͤckte fort sein lager/ zeug und wagen: Da kam der both und bracht in eil die post getragen Ins koͤnigliche schloß mit schrecken und geschrey/ Und machte hie und da den leuten furcht und schew ; E s kaͤm am Tyburstrom lang uͤbers feld gezogen Tyrrhensch- und Troervolck. Und dis war nicht erlogen: D ie leute wurden irr/ bestuͤrtzet und erschreckt Und ungestuͤmiglich zu grossem zorn erweckt. Sie foderten in eil fuͤr sich gewehr und waffen/ Und griffen alle zu/ und wolten fort-sich raffen ; D ie junge mannschafft schrie nach waffen und gewehr; Der gantze raht sah aus betruͤbt und weinte sehr; Doch Das Eilffte Buch. Doch sagten sie nicht viel. Hier hub sich bis in himmel Ein hefftiges geschrey mit murrendem getuͤmmel Und mancher streitigkeit/ daß fast nicht anders war Als wenn die voͤgelein mit uͤbergrosser schaar Sich lassen in den wald mit manchen stimmen nieder/ Und wenn die heische fchwaͤn auf seen hin und wieder Und an dem Padusstrom sich haͤuffig lassen sehn/ Und heben an zugleich ein uͤberlaut gethoͤn Ja wol (sagt Turnus drauff) der zeit sich zu bequaͤmẽ/ Und die gelegenheit hier recht zur hand zu nehmen: Ihr guten buͤrger ihr/ halt/ haltet itzo raht Und lobt den frieden fein/ was er fuͤr nutzen hat. Immittelst da der raht auf stuͤlen wird gepflogen/ Kompt der Trojaner heer in unser land gezogen. Mehr sagt er nicht; Hiemit hub er von dannen sich/ Und gieng vom schloß hinab in eil und zorniglich. Du/ Volusus/ sprach er/ gebiete meinetwegen Der Volscer faͤhnrichen/ daß sie sich schleunig regen Und bringen ihre leut und voͤlcker ins gewehr/ Und wenn sie auffgebracht/ so fuͤhre du sie her. Und dir/ Messapus/ wil ich geben dis zu schaffen/ Daß du die Rutuler stellst eilend in die waffen. Du Coras und Catill/ ihr bruͤder/ seid bereit/ Und fuͤhr ein jeder aus die seinen zu dem streit Ins offenbare feld. Es sollen theils verwahren Die stadt/ im fall der feind moͤcht kommen angefahren/ Die thuͤrn auch wol versehn/ das andre theil sol ziehn Geruͤstet mit mir fort/ wo ich sie werde hin N n 4 Ver- Das Eilffte Buch. Verordnen alsobald lieff alles auff die mauren Und kunte niemand fast in seinem hause dauren. Der gute alte herr Latin hub auff den rath/ Legt alle sorgen hin fuͤr die gemeine stadt Und wolte diß sein thun fuͤr hefftiges betruͤben Und leidiges beschwer zur andern zeit verschieben E r muste selber offt gestehn zu haben schuld/ Daß er Eneen nicht mit groͤssrer gunst und huld Begegnet hiebevor/ da er war angekommen Aus goͤttlichem getrieb/ und haͤtt ihn nicht genommen Zu seinem eydam an/ noch daß er diesen held Als mit-regenten fuͤr-den land und stadt-gestellt Es machten etliche fuͤrm thore tieffe gruben/ Und andre brachten stein und sie mit lasten huben Und weltzeten herzu. Sie schlugen pfaͤhl auch ein/ Daß es moͤcht eine wehr zum ersten anlanff seyn. Man bließe die trompet zum feld und kriegeszeichen ; Da sahe man das volck der weiber gantz erbleichen: Die kinder lieffen mit den ihren nach der maur/ Es kam sie allesammt an schrecken furcht und schaur. Die letzte noͤthigkeit kunt einen jeden regen Zu thun/ wo zu er noch war tauglich nach vermoͤgen. E s fuhr die Koͤnigin mit einer grossen meng Matronen in die kirch gar schlecht und ohn gepraͤng; Sie brachte mit geschenck die Goͤttin zu bedienen/ Und hatte bey ihr auch das fraͤuelein Lavinen/ Die dieses ungeluͤck fast einig angericht/ Und schlug zur erden hin ihr schoͤnes angesicht. Die Das Eilffte Buch. Die frauen kommen an mit andacht hingetreten/ Und raͤuchern in der kirch und fangen an zu beten Schon in dem eingang so. O tapffre jungfrau du/ O Pallas/ die du lenckst den krieg zu fried und ruh/ Zerbrich des raͤubers spieß mit deiner hand und staͤrcke/ der zwar von Troja koͤm̃t/ doch sich ruͤhmt grosser wercke/ Stuͤrtz ihn auffs angesicht/ und laß ihn doch zuvor/ Eh er uns uͤberfall/ zu grunde gehn im thor/ Nach diesem sahe man/ wie Turnus zog mit brausen/ Und schnauben in den streit. Es muste manchen grausen Wer ihn in waffen sah: Er zog den harnisch an/ Der starrete von ertz/ er hat auch an gethan D ie guͤldnen stieffelen/ wolt aber annoch gehen Mit blossen haupt ohn helm/ und in der schlacht so stehen/ D och aber guͤrtet er das schwerd an seine seit/ Lieff also von dem schloß mit grosser freudigkeit Vnd glaͤntzete vom gold/ und kunte sich vergnuͤgen Mit hoffnung/ die er ihm einbildet obzusiegen Dem feinde: wie ein hengst/ der alles reist entzwey D nd aus dem stalle koͤmmt/ geworden endlich frey/ Da er befindet sich ein raumes feld zu haben/ Und kan mit freyer lust nach seinen willen traben/ Verfuͤgt sich zu der weid/ da wo die roßheerd geht Bald aber freut er sich/ wenn er in wasser steht und badet sich nach brauch/ springt freudiglich und hebet Zugleich den halß empor/ die maͤhne glaͤntzt und bebet. So war der Turnus auch/ da man den rath hub auff/ Vnd wiederumb bekam zum feldzug freyen lauff. N n 5 Dem Das Eilffte Buch. Demselben kommet nun Camilla im geleite Der Volscer in dem weg/ mit denen sie zum streite Als ihrem kriegsheer zog/ da stieg die fuͤrstin ab Vom gaul gleich in dem thor und ihm die ehre gab. Ihr volck machts eben so und sprungen auff die erde Mit ehrerbietigkeit ein jeder von dem pferde; D arauff/ so fienge sie mit diesen worten an: O Turnus/ so ein mensch selbst fuͤr sich sol und kan Vertrauen seiner staͤrck/ so darff ichs kuͤhnlich wagen/ Verheisse dir hiemit/ daß ich mich tapffer schlagen Mit den Trojanern wil/ gestalt ich bin bedacht Zu ziehen wider sie mit meiner heeres macht Und zwar fuͤr mich allein. Ich wil den rentereyen Des lands Hetrurien mich keines weges scheuen Zu gehen ins gesicht: Laß mich im freyen feld Den ersten angriff thun/ dieweil mirs so gefaͤllt/ Bleib du nur hier zu fuß mit deinen kriegesschaaren Die koͤnigliche stadt und festung zu verwahren. Es sahe Turnus an die kriegerische D am Mit unverwandtem aug/ und ihr entgegen kam Mit diesem ehrenwort: O jungfrau/ pracht der zeiten O zierde dieses lands! Was sol ich dir bereiten Fuͤr unvergaͤnglich lob? Was sol ich bringen dir Fuͤr danck/ fuͤr ehrenthumb nach meiner schuld gebuͤhr? Nun aber weil dein muth und tugend hoͤher gehet Als mein verstand begreifft und mein gehirn verstehet So theile nur mit mir des kriegesbuͤrd und last: Ich geh es ein ! wie du mir fuͤrgeschlagen hast. Eneas Das Eilffte Buch. Eneas (wie man wil fuͤr gantz gewiß berichten/ D as auch die boten nicht/ die wiederkommen tichten/ Die aus geschicket sind zu hohlen kundtschafft ein) Hat reuterey/ wie viel ihr etwan moͤgen seyn/ Zu setzen fort den steg/ mit leichter wehr und waffen/ Vorangeschickt/ damit sie desto eh zu schaffen Uns geben/ und dem land einjagen furcht und scheu/ Er selber zeucht herab durch wald und pusch herbei Gerad auff unsre stadt: Da hab ich nun beschlossen Ihm zu begegenen mit einem kriegespossen/ Und fuͤr zubeugen ihm im zuge durch den wald/ So/ daß ich umb und umb mit einem hinterhalt Besetz den engen paß/ dadurch sie ziehen muͤssen/ D a wirst du deines orts den reißgen zeug wol wissen Zu kriegen in die klopp/ und die Hetrurier E mpfangen der gestalt/ daß sie nicht kommen mehr. Der tapffere Messap soll dir zur seite stehen/ Und der Latiner roß und zeug zuhanden gehen/ Wie auch die hauffen/ die Tiburtus hat gesand; Nimm du auch/ wie ich thu/ das regiment zur hand/ Und steh/ als oberster/ fuͤr diesem ampt und sorgen; D is hab ich sollen dir nicht lassen seyn verborgen. So sagend mahnet er Messapum treulich an/ Auch ander obersten/ die man ihm beygethan; Sie solten in dem streit als tapffre leute taugen ; Und zoge seines wegs den feinden unter augen. Es ist ein thal/ der hat fast schreckliche gestalt Ist krnm̃ und sehr bequem zum trug und hinterhalt ; Ge- Das Eilffte Buch. Bewachsen beyderseits mit dicken straͤuch- und baͤumen/ Es geht dadurch ein weg mit gar zu engen raͤumen ; Deßgleichen ist der paß/ durch den man muß hinein/ Gefaͤhrlich/ eng und schwer/ und voller sand und stein; Hoch uͤber diesem thal/ als nemblich auff den hoͤhen Des bergs/ ist eine flaͤch/ und ebnes feld zu sehen/ E in unbekandter ort/ ohn baum/ gewaͤchs und frucht/ D a fuͤr dem feind man kan hinnehmen sichre flucht: Entweder daß man woͤll zur lincken oder rechten Sich stellen in den streit/ und mit dem feinde fechteu/ Doch oder von der hoͤh sich wehren maͤchtiglich Und weltzen grosse stein herab: E s kehrte sich Der junge fuͤrst dahin durch wolbekandte wege Und nahm zum vortheil ein denselben ort und stege/ Und lagerte sich da in dick- und finsterm wald/ Den Troern/ welchen er passt auff/ zum hinderhalt. Immittelst redete bey diesem kriegsgetuͤmmel D er Goͤtter jaͤgerin Diana in dem himmel D ie schnelle Opis an/ die von der nimpfen schaar Als ihre kammermagd stets uͤmb und bey ihn war; Und ließ aus ihrem mund ihr traurge wort vernehmen: O jungfer Opis/ wie muß ich mich itzo graͤmen! Camilla zeucht in krieg und geht das streiten ein/ Und fuͤhret/ das ihr doch kan wenig nuͤtzlich seyn/ Den koͤchet/ bogen/ pfeil/ den wir gebraͤuchlich tragen; Ich laß fuͤr andern sie mir einig wol behagen: Denn diese lieb ist mir nicht newlich kommen an/ Nicht ploͤtzlich ist mein hertz ihr worden zugethan. Als Das Eilffte Buch. Als Metabus aus haß/ dieweil er sich ergetzet An harter wuͤtigkeit/ des reiches wurd entsetzet/ Und aus der alten stadt Privernum itzo wich/ Nahm er zur selbten zeit sie als sein kind mit sich/ Immitten in dem krieg/ als er must endlich flichen/ Und in ein ander land mit ihr ins elend ziehen: Casmillam nennt er sie/ wie ihre mutter hieß/ Wurd aber draus hernach/ das er geschehen ließ/ Camilla: wurd also umb einigen buchstaben Verkuͤrtzt der nahm; Er wolt das kind alleine haben/ Und tragen in dem schoß; lieff mit erhitztem schnauff Den weit entlegnen berg durch wuͤsten wald hinauff/ Die Volscer hinden her mit einem grossen hauffen/ Und schossen dick nach ihm: sieh ! mitten in dem lauffen Kam er zum Amasen dem weitberuͤhmten fluß/ Der damahls uͤberlieff/ so grosser regenguß Fiel vom dem wolckenzelt: E r waͤre geru geschwommen Hinuͤber mit dem kind in sicherheit zu kommen: Allein des kindes lieb hielt ihn/ und bracht ihm schew/ Die liebe buͤrd und last legt ihm viel sorgen bey. In dem er alles nun bey sich genaw erwegte/ Und in gedancken scharff die sachen uͤberlegte/ Ergriff er diesen schluß: Er trug mit starcker faust So einen grossen spieß/ daß einem dafuͤr graust; (ten War knoͤrricht und sehr hart/ den er gebraucht in schlach- Als guter kriegesmann in zuͤgen und in wachten. An selbten spieß bandt er dis kleine toͤchterlein/ Und windets wol in borck und baumes rinden ein. Als Das Eilffte Buch. Als er nun nahm den spieß/ und ihn fieng an zuschwingen Mit seiner grossen faust/ und daß es moͤcht gelingen/ Redt er gen himmel so: O keusche Goͤttin du/ D iana/ die du legst viel fleiß und sorge zu Den waͤldern und gepuͤsch ; Ich dieses kindes vater/ Das meine tochter ist/ der ich bin ihr berahter/ Gelobe sie zur magd dir fest und heiliglich: Sie/ die traͤgt dein geschoß als erste flehet dich/ Die fuͤr den grimmen feind fleugt durch die lufft hinuͤber Sich haltend an den spieß elendiglich: Ach lieber Nimm/ bitt ich/ sie doch an als deine dienerin/ O goͤttin/ die nun wird geworffen mißlich hin/ Durch ungebaͤhnte lufft: So viel sagt er und schwunge Den spieß und warff ihn hin D er wurff mit gluͤck gelun- Der spieß flog uͤbern fluß und brauste maͤchtiglich; (ge/ Da flog das arme kind Camilla haltend sich Gebunden an den spieß: Als aber auff ihn drange Der feinde grosse meng/ und ihm sehr machte bange/ Sprang er in sluß/ und zog mit samt dem maͤgdelein (Als der sich seines wuntschs beduͤnckte maͤchtig seyn) Den spieß aus gruͤner erd; In welcher zu erhalten D em vater dieses kind nach gnaͤdigen allwalten Der goͤttlichen Dian/ der spieß so wunderlich Blieb stecken: Weder hauß noch stadt erbarmte sich D es mannes/ niemand wolt ihn in sein huͤttlein nehmen Er haͤtte sich auch nicht begehret zubequaͤmen Noch fahren lassen sein tyrannisch thun und art: Drumb floh er ins gebirg und brachte rauh und hart Sein Das Eilffte Buch. Sein leben einsam zu/ gleich wie die schaͤffer pflegen/ E r naͤhrete sein kind in puͤschen und gehegen/ In wilder thiere hoͤhl/ melckt aus ein wildes pferd/ Und gab dem kind in mund die milch und es so nehrt. So bald als nun das kind kunt setzen seine fuͤsse Und gehen steiff herein/ that er demselben spiesse In seine zarte hand/ und henckt/ wie klein sie war/ Ihr pfeil und bogen an/ fuͤr gold das lange haar Zu flechten/ und an statt der schaube/ welche pflegen Nach landsgeuͤbten brauch die weiber umbzulegen/ Hieng eine tiegerhaut ihr uͤbern ruͤcken ab/ Die er zu reit en sie zur tapfferkeit ihr gab. Sie schoß zur selben zeit schon kleine kinder spiesse Mit ihrer zarten hand/ und eine schleuder liesse Gehn dreymal umb den kopff an einem festen band Und schoß offt einen kranch an Strimons uferstraud/ Bißweilen einen schwan ; Viel weiber in den staͤdten Des lands Hetrurien dieselbe gerne haͤtten Zur sehnur gehabt/ doch wars vergebens/ denn sie laͤßt Genuͤgen ihr allein an der Dianen fest/ Bleibt unbefirckt/ und traͤgt bestaͤndiges belieben Zum jungfraͤulichen stand/ und wil sich lieber uͤben In waffen und gefecht. Ich wolte/ daß sie waͤhr In einen solchen krieg gekommen nimmermehr/ Noch haͤtte sich erkuͤhnt die Troer zu bekriegen/ Ich liebe sie und kan mein hertz an ihr vergnuͤgen: Sie waͤr itzt meine nimpff und kammermaͤgdelein: Doch weil ihr ende dringt mit harter noht herein! So Das Eilffte Buch. So fahr/ o liebe nimpff/ hinunter und verfuͤge Dich auff die graͤntzen hin des Welschlands/ da die zuͤge Der voͤlcker gehen vor/ und wo die harte schlacht Zur unzeit gehet an und werden wird verbracht: Nim̃ hin und lang heraus den staͤrcksten von den pfeilen/ Der sol den jenigen erlangen und ereilen Mit schwerer rach/ der nur Camillen leib verwundt/ So mir geheilget ist. Ich wil ihn stracks zur stund Zur straffe ziehn ; Er mag von Troja seyn gekommen/ D och oder haben her ans Latien genommen Sein ankunfft und geschlecht. Nach diesem wil lch dann Wegfuͤhren ihren leib und waffen von dem plan In einer wolcken/ daß sie nicht gepluͤndert werde/ Und wil sie btingen in ihr vaterland zur erde; D a sol sie seyn verscharrt. Hiemit bracht sie zu end Ihr sorgsames gespraͤch. Die Opis fuhr behend Vom himmel durch die lufft/ daß man sie hoͤret eben/ Wie sie kam mit geraͤusch: ihr leib war gantz umbgeben Mit einer schwartzen wolck. Allein das Troerheer Zog unterdessen fort/ und nahte mehr und mehr D er stadt Laurentum sich/ da sahe man darneben Die gantze reuterey der Thuscer sich erheben Mit allen obersien/ sie waren ordentlich Fein in geschwader gleich getheilet unter sich ; Die pferde trabten her und strampfften auff den bodem/ Sie bliefen dampff und rauch mit gantz erhitztem odem/ Sie kewten das gebiß/ und schaͤumten muhtiglich/ In dem sie hieher bald/ bald dorthin kehrten sich. Das Das Eilffte Buch. Das land ist uͤber das voll lauter schwerd und spiessen E rfchrecklich anzusehn die strahlen wider schiessen Von waffen uͤbers feld: hingegen zeucht herbey Messapus mit dem heer der Welschen reuterey/ Auch Coras und Catill gebruͤder/ und Camille D as heldenfraͤuelein/ bey der stch regt der wille Mit ihrer reuterey zu gehen an den streit/ D ie lantzen strecken sie fuͤr sich/ und stehn bereit. E s schwingen etliche die spiesse/ daß sie beben/ E s brauset roß und mann und muhtig sich erheben ; Als beyde theile so gekommen waren nah/ Daß eins dem andern fast das weiß in augen sah/ Und mit dem wurffspieß an einander kunten gehen/ Da blieben sie im feld ein wtnig stille stehen; Uhrploͤtzlich brechen sie mit grimmigem geschrey Herfuͤr und stechen an die pferde/ die aus scheu Des waren ungewohnt. Sie heben an zustreiten/ Und werffen ihre spieß zuglelch von allen seiten/ Und zwar in solcher meng/ als schnie es haͤuffiglich/ Daß auch am sternen thron das liecht verlohre sich; Bald sah man den Tyrrhen und Aconteus sich kehren Zusammen ritterlich mit eingelegten speeren: Den angriff thaten sie gar ungestuͤmiglich Mit schrecklichem gethoͤn: Auch lieffen wider sich Die pferde mit der brust so grimmig/ daß bey nahe Sie beyde waͤhren auffgeborsten ; Da man sahe/ Wie Aconteus flog aus dem sattel wie der plitz/ Und wie ein boltze faͤhrt getrieben vom geschuͤtz O o E r Das Eilffte Buch. E r stuͤrtzte ziemlich weit von seinem gaul herabe/ Und von sich in die lufft den geist und seele gabe. Stracks trennte sich das heer auff der Latiner seit/ Und traten sacht und sacht ab von dem harten streit/ Sie warffen hinderruͤcks die schilder sich zu decken/ Und kehrten nach der stadt die pferde/ doch ohn schrecken Und schnoͤder Furchtsamkeit: Die Troer hinden her Asyl verfolgte sie vorerst mit seinem Sper. D a sie nun kamen fast bis an die stadt und thoren/ D a meinte maͤnniglich/ sie haͤtten nun verlohren ; Allein sie wandten sich mit graͤßlichem geschrey/ Und schwungen sich herumb; Da kam die Troerschew Und ploͤtzlich schrecken an/ und rissen aus mit hauffen/ Und wolten sporenstreichs sich retten und entlauffen ; Weil eines hinterhalts sie sich besorgeten/ Und die Latiner ab- so ploͤtzlich kunten-stehn: (del Gleich wie das meer/ wenn sichs mit abgetauschtem stru- Ergeust/ bald nach dem land zulaͤufft mit grossem brudel- Und wird so hoch/ daß es die hohen felsen deckt/ Und uͤberhin den strand zu eusserst sich erstreckt ; Bald laͤufft es ungestuͤm hinwiederumb zuruͤcke/ Verlassend beyds den strand und hohe felsenstuͤcke/ Und fleust hindurch den furth/ von welchem es die fluth Abfuͤhret wiederumb/ und/ wie es taͤglich thut ; Verschluckt in seinen grund. Zwier haben die Tuscaner Mit unerschrocknem muth/ ingleichen die Trojaner Die Rutuler die flucht zu nehmen nach der stadt Gezwungen/ beydemal dieselbe wieder hat Das Das Eilffte Buch. Das heer der Rutuler genoͤhtiget zu fliehen/ Daß sie stracks aus der schlacht ab-musten saͤmptlich-zie- Und decken ruͤckelings mit ihren schilder sich/ (hen/ Als aber drittens sie getroffen ritterlich Zusammen/ mengten sich die beyde kriegesheere Gantz in einander ein/ als wenns ein hauffen waͤre; Ein jeder nahm ihm fuͤr und suchte seinen mann/ Mit welchem er den kampff getrawt zu nehmen an; D a war zu hoͤren nichts als ach! und jammerklagen Derjenigen/ die hin und wieder todt geschlagen Auffgaben ihren geist: E s ward in tieffem blut Geweltzt gewehr und leib/ arm/ beine/ kopff und hut. Darzu halb todte roß bey denen Leuten lagen/ Die auff der wahlstadt man da funde todt geschlagen: Kurtz; E s gieng scharfdaher. Orsiloch schwung uñ schoß Mit einem schweren spieß nach Remuls tapfferm roß/ (Weil er ihn selber anzugreiffen must erschrecken) Da bliebe hinderm ohr der spieß im kopffe stecken ; Von welchem schuß das pferd mit gantz entbrandtem Gerieth in wuͤtigkeit und richtet sich hoch auff/ (schnauf Und schlug aus ungedult von wegen schwerer wunde Mit fuͤssen in die lufft/ die brust empor ihm stunde: D er reuter kunte sich nicht halten auff dem pferd/ Fiel aus dem sattel hin/ und weltzt sich auf der erd. Catill schlug Joͤlam/ Herminium desgleichen/ D er groß am muht nicht leicht wolt einem ritter weichẽ/ War auch von leibe groß und ritterlicher that/ Der bloß am haupte gieng und gelbe haare hat/ O o 2 An Das Eilffte Buch. A n schultern gleichfals bloß/ uñ scheut sich nit fuͤr stoͤsse: Weil er so groß nun war/ und stund in solcher bloͤsse/ So kunte man ihn auch verwunden desto baß/ Und faͤllen/ daß er biss/ wie andre/ in das graß/ Demnach so fuhr ein spieß mit solcher krafft und poltern/ Daß er gantz bebete/ durch seine breite schultern: Es kruͤmmte sich der mann fuͤr schmertzen und das blut Floß allenthalben mild/ wie eine rohte fluth. Sie machten beyderseits viel leichen durch das schiessen mit allerhand gewehr/ mit schwerdtern und mit spießen/ Und starben einen tod/ der schoͤn und ruͤhmlich war/ Und giengen freudiglich durch schiessen und gefahr. So ließ Camilla sich als ein’ Amazon sehen Sehr muhtig mitten in dem streit und kampff zu stehen: Die ihre lincke seit hat immer frey und bloß/ Wenn sie legt auff den pfeil und wolte schiessen loß/ Sie warff auch untern feind bald viel und grosse spiesse/ Bald mit der hellepart viel feinde niederstiesse/ Die fuͤhrte sie behertzt mit unermuͤdter faust Der koͤcher und geschoß D ianen klingt und saust/ Der umb die schultern hieng: Auch wenn sie je bißweilẽ Aus noht den ruͤckẽ wandt/ braucht sie sich doch der pfeilẽ Und bogens so behend/ daß sie unfehlbarlich In fliehen ab-ließ-gehn den bogen hinter sich; Allein der nimpffen zunfft/ die sich an ihrer seite Befunden/ wo sie gieng/ mit stattlichem geleite/ Larina/ Tulla und Tarpeja/ welche fuͤhrt Ein axt in kuͤhner hand/ und deren ankunfft ruͤhrt Von Das Eilffte Buch. Von den Latinern her/ die ihr zum schmuck und zierde Camilla hat ersehn nach fuͤrstlicher begierde/ Als die sie hatte beids daheim und dann zu feld In fried- und kriegeszeit zu ihrem dienst bestellt: Die sah man dergestalt im treffen ehr einlegen/ Gleich wie in Thracien die Amazonen pflegen/ Im fall sie ziehen her mit schrecklichem gethoͤn Am fluß Thermodoon und ihren feinden stehn In bunten ruͤstungen: Es sey daß sie begleiten Hippolyten die fraw und heldin zu dem streiten; D och oder wenn im kampff die tochter Martis faͤhrt Penthesilea/ die als hertzogin man ehrt. Da sieht man/ wie das heer der Amazonen gangen Koͤmpt praͤchtiglich daher/ und wie sie koͤnnen prangen Mit ihren schildern/ die wie monden sind gestalt/ Wie sie ihr jauch tzgeschrey erheben/ daß es schallt. Wenn hast du nun/ o zier der streitbaren jungfrawen Camilla/ erst erlegt mit tapfferem vertrawen Und blinckendem gewehr/ und wenn hast du zuletzt Mit siegesreicher pracht vom gaul herab gesetzt ? Wie manchen rittersmann hast du im feld erschlagen ? Wer kan nach wuͤrdigkeit von deinen thaten sagen? E umenius der von dem Clytio entsproß/ D er war der erste/ den sie durch die brust erschoß Mit einem langen spieß/ die damals offen stunde: Der fiel dahin/ und floß das blut ihm aus der wunde Als waͤr es eine bach ; Er biss aus bitterm grimm Ins erdreich/ das besprengt mit blut/ und kehrt sich uͤmm O o 3 Als Das Eilffte Buch. Als er itzt sterben solt in seinem warmen blute Nach diesem griffe sie mit unerschrocknem muthe D en Lyr und Pegas an/ von welchen als der ein/ In dem er faßt den zaum (die weil mit einem bein Das pferdt gestrauchelt hat/ und er so fiel herabe/ ) D er andre da er gleich lieff zu und selbtem gabe Die unbehuͤlfflich hand/ da fielen alle beyd Von der Camillen spieß getoͤdtet in dem streit ; Zu diesem thate sie Amastrum/ der entsprossen War von dem Hippota/ verfolgend unverdrossen Von weitem mit dem spieß den kuͤhnen Tereum/ Chromim/ Demophoon/ und den Harpalicum So manchen spieß verschoß die jungfrau/ so viel toͤdte Sah man in seindesheer ; E s blieben auff der stete Viel Troer in gemein/ der Ornith welcher war Ein guter jaͤgersman/ durchgangen viel gefahr/ Und frembde waffen trug/ der ritt hin etwas weiter Auf einen braven gaul/ ein wolversuchter reiter/ Hat uͤmgethan ein faͤll von einem stoͤßgen stier/ Und stellte sich also den feind zuschrecken fuͤr. An statt des helms satzt er auff einen kopff vom wolffe Des rachen auffgesperrt (wiewol es ihn nicht hulffe) Die zeene stacken noch und bloͤcketen herfuͤr/ Trug einen bauren spieß: Theils sah er wie ein stier/ Theils wie ein wolff; Er kam mit vielen nun geritten/ War laͤnger eines kopffs/ und tummelt sich im mitten/ Da wo der bauffe war/ demselben kam sie fuͤr ( D as ihr nicht schwer zu thun/ weil sie hat alles schier Von Das Eilffte Buch. Von voͤlckern aufgeraͤumt) und schoß ihn mit dem spiesse Daß er das frische blut mit seiner seele liesse: Und redet uͤber ihm also mit bitterm sinn ; Tuscaner/ wo hast du gedacht doch irgend hin? Was hat dich fuͤr ein wahn und jrrthum doch besessen/ Daß deiner selber du so schaͤndlich hast vergessen/ Wie? meinst du/ daß du fuͤr dir habest wilde thier/ Daß du gezogen koͤmpst gleich wie ein wolff und stier ? Die zeit ist kommen an/ die euer grosses prachen durch weibsche waffen kan zu nichtund schanden machen; Doch laß dir dieses nicht seyn einen schlechten ruhm/ Behalte du ihn nur zum steten eigenthum/ Du kanst ihn nehmen mit/ und deiner vaͤter seelen Das/ was sich hat mit dir verloffen itzt/ erzehlen/ Daß dich Camilla hat ein weibsbild umbgebracht; Sie satzte weiter fort den muth in dieser schlacht/ Und schlug von Troern zween/ Orsilochum und Buten/ Sehr starck und grosse kerl/ dergleichen sie vermuthen Sich haͤtte sollen nicht: Den Buten aber stieß Sie zwischen pantzer und dem helm forn mit dem spieß/ Da man zu roß ihm sah den halß herfuͤr bloß ragen/ D a er am lincken arm den schild sonst pflegt zutragen; D ann stellet sie sich an/ als nehme sie die flucht Fuͤr dem Orsilochus und mit ihm seltzam socht: Denn als sie erst mit ihm in einem weiten kreise Gelanffen war herumb/ lieff sie verschlagner weise In einen engern ring/ und jagten beyde sich E inander so herumb: Da hub sie maͤchtiglich O o 4 Den Das Eilffte Buch. D en arm hoch auff/ und hieb ihn mit der axt so dichte D urch seinen helm und kopff/ daß uͤbers angesichte D as warme hirn ihm floß. E r bat und flehte zwar/ Doch halff ihn alles nichts/ er war betaͤubet gar. Darnach gerieth an sie der Aunus vom gebirge/ Das man nennt Apennin/ der sahe das gew uͤrge Als guter kriegsmann an/ der auff die raͤnck und list/ Wie in Ligurien dieselbe gangbar ist/ Wol abgerichtet war/ so lang der himmel wolte/ Daß er mit solcher ley betrug umbgehen solte: Als er so ploͤtzlich nun der heldin ward gewahr/ Ward er in seinem sinn bestuͤrtzet gantz und gar. Und als er fahe/ daß er keines weges kunte Entlauffen aus dem streit/ wie er sich unterstunde Noch von sich kehren ab die grimme Koͤnigin/ Die albereit drang zu mit ungestuͤmm auff ihn; Kam er mit vorbedacht und witz behender massen Auff diesen ranck/ sich ein mit ihr in streit zulassen: Fieng an: und was ist das (sagt er) groß ruͤhmens werth Wenn du verlaͤssest dich als weib auff ein gut pferd ? Halt stand/ und dencke nicht zu rosse zu entgehen/ Und trau dir gegen mir auff ebnem plan zu stehen/ Und fechten hand an hand: strebst du nach tapfferkeit/ So ruͤste dich zu fuß/ und stelle dich zum streit D a solt du spuͤren dann/ und bald viel anders sagen/ Welch theil verdienet hab den preiß davon zutragen/ Und wer betrogen sey von seinem stoltzen wahn Und eiteln pralerey/ gestalt du faͤhrst heran. So Das Eilffte Buch. So viel sagt er ; Hierob empfand sie bittre schmertzen/ Und ließ ihr diese red ergrimmet gehn zu hertzen; Gab ihren leuten hin das pferd und war bereit/ Mit gleicher wehr zu fuß zu nehmen an den streit/ Und trug das blosse schwert und weisen schild ohn scheuẽ/ Da dacht der junge kerl/ er wolte sich befreyen/ Und ihrem grimm entgehn/ in meinung/ daß er schon Durch solchen kriegesranck den sieg gebracht davon. E r wand das pferd herumb/ und floh ohn alles saͤumen und wolte spoꝛenstꝛeichs das feld und kampffplan ꝛaͤumẽ. O du Ligurier/ du leicht- und loser mann/ Umbsonst erhebst du dich in deinem stoltzen wahn. E s sol dir nuͤtzen nicht/ daß du mit losen stuͤcken Nach deiner landes art mich meinest zu beruͤcken/ Und deine schluͤpffrigkeit/ die du dir brauchst zum schutz/ Sol dir erspriessen nicht zum vortheil oder nutz. Diß war der jungfrau wort/ die voller zorn und wuͤte Ihn wolte ziehn zur rach und kuͤhlen ihr gemuͤthe/ Lieff auff ihn angefeurt fuͤr seinem pferde bey/ Mit schnellen fuͤssen/ als ein vogel/ ohne scheu E rgriff das pferd beym zaum/ trat mit erhitztem muthe Hinzu/ und wusch die hand in ihres feindes blute/ In dem sie ihm so leicht vom pferd herunter schlug/ Als leicht ein sperber koͤmmt mit ungestuͤmen flug Von einem hohen berg zu saͤttigen sich von raube/ Und in der hohen lufft im fliegen eine taube Erreicht/ ergreifft und mit den krummen klauen haͤlt/ Zerreist sie/ daß das blut hinab zur erde faͤllt O o 5 Und Das Eilffte Buch. Und in der lufft herumb zerstreut die federn fliegen. D er grosse Jupiter sah aber diesen kriegen Nicht sonder obacht zu: Der gute vater saß Auff seinem hohen thron/ und sahe diß und das/ Wie alles gienge her/ und wie es mit den sachen Der Troer war bestellt/ daß sie nichts kunten machen Noch schaffen in dem streit: Erweckete demnach/ die weil das volck umringt/ und nunmehꝛ waꝛ zuschwach/ Den Tarchon in den kampff/ der sich auff allen seiten Ließ grimmig sehen an/ und gab ihm muth zu streiten Mit unermuͤdtem ernst. Da ritte Tarchon fort Theils zwischen todte hin/ theils wichen hier und dort D ie voͤlcker aus dem weg/ und redet einen jeden Mit seinem namen an/ sie solten nicht ermuͤhden; Und reitzte sie gleich als von neuen wieder an Zum fechten/ welche schon gejaget von dem plan. O ihr Tuscaner ihr/ sagt/ was sol das bedeuten/ Daß ihr euch jagen laßt von solchen kriegesleuten? Wolt ihr denn tragen nicht deswegen scham und reu? Wolt ihr denn immerdar mit solcher furcht und scheu Erwarten eures tods? Woher kommt solches zagen In eure hertzen doch/ daß ihr nichtswollet wagen ? Ein weib ist/ die euch so erschrecket und zerstreut/ Und euch so grosses volck und heer in ruͤcken hewt/ Worzu denn tragen wir die degen an der seiten ? Was sollen uns die spieß in faͤusten ohne streiten ! Ja wol zur Venuslust und naͤchtlichem gefecht Seyd ihr nicht faul und traͤg/ und koͤñt euch schicken recht. Und Das Eilffte Buch. Und wo ihr werdet eingeladen zu pancketen/ D a geht es lustig zu mit pfeiffen/ zinck-und floͤten/ Bey gutem fetten mahl und leckerbisselein/ Bey koͤstlichem getraͤnck und suͤssen Creterwein Ey das ist eure lust/ da moͤgt ihr gerne haben Die haͤnde mit darbey/ wenn nur die opffer gaben Der priester spricht fuͤr gut/ und nimmt das opffer an/ Berichtend/ alles sey mit gutem gluͤck gethan; Und solche froͤliche verrichtet opffer wercke Und gute deutung drauff/ und gluͤckliche gemercke/ D ie geben anlaß euch zu gehen in den wald/ Zutreiben euer fest auff mancherley gestalt Als er diß außgeredt/ gibt er dem gaul die sporen/ Und schlaͤget in die schantz sein leben/ als verlohren/ Setzt mitten in den feind/ da wo der schaͤrffste streit Und koͤmmt dem Venulus in solcher wuͤttigkeit Entgegen zorniglich/ reist ihn herab vom pferde/ Als seinen feind/ mit macht und laͤst ihm nicht zur erde/ Besondern setzet ihn auff seinen gaul fuͤr sich/ Und hebet sich mit ihm von dannen schnelliglich. Da wurd ein groß geschrey/ das biß am himmel gienge/ Und der Latinervolck sah stutzig diese dinge Mit grossen augen an: Der Tarchon flohe fort/ Und brachte/ wo er ihn wolt haben an den orth. D a brach ers eysen ab daforne von dem spiesse Des Venulus/ und sucht/ wo er dasselbe stiesse Dem feind in seinem leib/ ein offne luͤck und stell; Hingegen Venulus der arme gut gesell Wehrt Das Eilffte Buch. Wehrt sich/ und hielte fest die hand ab von der kehle Und steurte der gewalt mit kraͤfften seiner seele/ Gleich wie ein adeler/ der durch die wolcken dringt/ Und bis an sternen sitz sein gelb gefieder schwingt/ Wenn selbter ohngefehr erwischet eine schlange/ Setzt er die klauen ein/ und macht ihr schmertzlich bange/ Sie aber windet sich/ nach dem sie ist verwund Und ruͤmpfft die schuppenhaut/ und zischt mit rohem Reckt auch das haupt empor/ der adler aber setzet (schlund Ihr dennoch hefftig zu/ und greulich sie zerfetzet Mit seines schnabels grimm/ ob sie schon widerstrebt/ Er klappert noch darzu/ und in die lufft sich hebt. Nicht anders fuͤhrete der Tarchon aus dem hauffen Tyburten seinen raub mit freudigkeit und lauffen. Die Thuscer folgeten dem beyspiel freudig nach Und sahen wie die that mit gutem gluͤck geschach. drauff satzten sie an feind mit gleichem muth und massen Und wolten sich nicht mehr so schnoͤde schrecken lassen: Da stellte Aruns der Camillen grimmiglich Nach leib und leben/ der dem tode selber sich Ergeben solte schier/ und war ihr allerwegen/ Die sonst behende gnung/ in schiessen uͤberlegen/ Und schneller listigkeit/ und suchte wie er gar Bequemen fug und orth moͤcht finden ohn gefahr. Wohin die jungfrau nur sich mitten in den hauffen Der feinde wendete/ da kam er nach gelauffen/ Und folgt derselben nach: Ja wo sie gienge nur/ Da ließ er finden sich dahinden auff der spur: Wo Das Eilffte Buch. Wo die Camilla her geluͤcklich wieder kaͤme/ Und ihre flucht vom heer und dicken hauffen name/ Desselben wegs ritt auch der juͤngling wieder hin Gantz unvermerckter weis und nam in seinem sinn Bald hier bald dort ihm fuͤr dieselbe zuerlangen/ Und war fast allerseits die hauffen durch gegangen Mit unverdrossner muͤh/ und suchte fug und zeit Zu thun gewissen schuß auf sie gantz ungescheut. Es ließ sich ohn gefehr nicht weit der Choreus sehen Der weyland eingeweyht als priester pflag zu stehen D em tempel Rhe æ fuͤr/ der glaͤntzet umb und an Mit Troer zeug und wehr gar koͤstlich angethan/ Und ritt auff einem pferd/ das keck und ungescheuet/ Daruͤber eine deck von leinwad war gestreuet/ So uͤberher besetzt mit eysen blaͤchlein war/ Und schupen/ die verguͤldt nach art und weise gar/ Wie eine feder auff der andern ligen pfleget; Er aber hat ein kleid von purpur angeleget/ Ein kleid von koͤstlicher und frembder zier und pracht/ Den bogen/ den er fuͤhrt/ war schoͤn und starck gemacht Im lande Lycien/ die pfeile zu Cortynen Von Cretern/ welche wol zu solcher arbeit dienen: Der bogen rauschete auff seinen schulteren: So gleichfals war der helm den Choreus hatte stehn/ Auff seinem haupt verguͤldt: Kunt auf warsagereyen Sich ziemlich wol verstehn/ und manchem propheceyen Und faßt den reuterrock und weite falten ein/ Der gelb von theurem tuch/ mit guͤldnen hefftelein; Sein Das Eilffte Buch. S ein roͤcklein/ und was er zoch uͤber beyde schenckel War schoͤn mit gold gestickt/ und hatte guͤldne senckel: Als nun die jungfrau sein in treffen name war/ Folgt sie mit unbedacht in sichtliche gefahr Demselben einig nach/ war/ wie sich weiber tragen/ Begierig einen raub am selbten zu erjagen/ Entweder daß sie henckt die waffen auf zur zier Im tempel/ oder doch nach tragender begier Mit dem geraubtem gold moͤcht einher praͤchtig gehen/ Wenn sie zoͤg auf die jagt. Als Aruns nun erschen Zu letzt gelegenheit aus einem hinderhalt/ Schoß er nach dieser frau/ und schwunge mit gewalt D en stahlgeschaͤrfften spieß/ und rieff zuvor die Goͤtter Umb beystand also an als sein in noͤthen rerter: Du hoͤchster Jupiter/ und Gott Apollo du/ D er du den heilgen berg Soract in fried und ruh Mit deinem schirm bedeckst/ und wilst ihm schutz gewehrẽ Den wir mit heilgen sinn fuͤr allen andern ehren/ Dem wir von sichtenholtz stets halten grosses feur/ Und mitten durch hin gehn/ der wahren treu zu steur/ Auf rothem kohlenherd/ aus bruͤnstigem vertrauen/ D u werdest auf dis werck mit gnadenaugen schauen/ O vater/ dessen macht kein ziel noch graͤntzen hat Und unermaͤßlich ist/ gib mir doch diese gnad D aß diese schmach von uns vermittelst unsrer waffen Werd gaͤntzlich abgethan. Ich will sonst nirgend gaffen Noch raffen einen raub von dieser jungfrau hin: Kein siegeszeichen wil ich auch in meinem sinn Zu Das Eilffte Buch. Zu setzen nehmen fuͤr/ daß sie von mir erschlagen/ Wil keinen plunder auch von dannen mit mir tragen. E s wird ein andre that mir ruhm und herrligkeit Erwerben/ wenn ich nur der jungfraw/ die groß leid Und schaden uns gethan/ kan eine wunde geben Mit diesem spies und wurff/ daß sie geb auff ihr leben Und stracks danieder fall: So wil ich gern mit schand Hinwiederumb davon ziehn in mein vaterland. Der Febus hoͤrete sein bitten wunsch und flehen/ Und ließ in seinem sinn ein theil desselben gehen Mit gutem fortgang ab: E in theil fand keine statt; Daß er Camillam solt auff pfeilgeschwinder that/ Als die verwirret war mit hefftiger begierde Nach des Trojaners zeug und seiner waffen zierde/ Durch einen schnellen schuß erlegen: In dem stuͤck Erhoͤrt er seinen wuntsch: D aß aber er mit gluͤck Kaͤm in sein vaterland/ das ließ er platz nicht finden/ Und wurde dieses stuͤck des wuntsches von den winden In leere lufft gefuͤhrt. Als nun durchs himmelsmeer Der spieß fuhr aus der hand/ uñ schnurrte sehrecklich sehr/ Da nahm das streitend heer in obacht solch beginnen/ Und alle Volscer sahn mit scharffen aug- und sinnen/ Nach ihrer koͤnigin/ die aber nicht gedacht An spieß/ noch was er in der lufft fuͤr brausen macht. So lange bis er kam hoch durch die lufft geschwungen/ Und fuhr ihr in die brust/ als er nun tieff gedrungen Sich hatte da hinein und soff das jungferblut/ Da lieffen ihre leut hinzu mit bloͤdem muht/ Und Das Eilffte Buch. Und nahmen ihre frau/ die erdwarts fiel danieder/ Mit treuen haͤnden auff/ und wolten selbter wieder Verhelffen auff die bein. Der A runs wurde mehr E rschreckt als andre drob/ und hub sich aus dem heer Theils froͤlich/ daß er sie gefaͤllet zu der erden/ Theils fuͤrchtend/ daß die wund geheilet moͤchte werden/ Und sie sich raͤchen wuͤrd/ und traute nun nicht mehr/ Daß er das seinge wol verrichtet mit dem sper Und dorffte nicht so noch mehr zu der jungfrau schleichẽ/ Sie moͤchte dann vielleicht ihn mit dem spieß erreichen. Wie/ wenn der wolff erwuͤrgt hat einen grossen stier/ Ja auch den hirten selbst mit grimmiger begier/ Stracks auff die berge sich verkriechet/ eh die bauren Ihm ruͤstig setzen nach und im gehegen lauren; Als der sich allzuwol weiß schuldig kuͤhner that Und nicht mehr trauen will/ noch keinen muth mehr hat/ und schlagend unterm bauch den schwantz mit furcht und Laͤufft nach dem holtze zu ; (scheuen So kundte Aruns auch nicht lang mit furcht verziehn/ Ver gnuͤgend sich daran daß er noch moͤcht entfliehn; Verkroch sich mitten ein/ da wo die voͤlcker waren/ Und muste sich nur stets des ungeluͤcks befahren. Camilla ob sie gleich verwundt war auff den tod/ So wolte sie doch gern entgehn der harten noth/ D ie sie zwar scheute sehr/ doch kunte nicht entfliehen/ Wie sehr sie muͤhte sich den spieß heraus zuziehen Allein die spitze gieng von eysen tieff hinein Bis an die rippen/ durch die knochen und gebein. Es Das Eilffte Buch. E s kam sie ohnmacht an/ fiel hin/ daß ihr die augen Erkaltet von dem tod nicht wolten fast mehr taugen/ Und ihre purpurroͤth/ damit sie vorhin war Begabt/ verlore sich an ihren wangen gar. Als sie nun ihren geist anitzo wolt auffgeben/ Und kaumlich hatte noch das fuͤsse licht und leben/ Da redte sie noch an die Accam/ welche schier Von erster wiegen auffgewachsen war mit ihr/ Die ihr fuͤr andern treu/ die sie all ihrer sachen Anliegen/ thun und rahts theilhafftig pflegt zu machen/ Und sagte dieses wort: O liebe schwester/ hoͤr/ Bißher hab ich gekunt mit meiner faust und wehr Die Troer halten auff. Mehr wird mir nicht gestattet/ Weil mich die bittre wund und sterbensnoht abmattet. E s koͤmpt mir alles schwartz und finster fuͤr gesicht. Lauff risch zum Turnus hin/ und thu ihm des bericht/ Daß er an meine statt sich stracks hieher erhebe/ Und in dem streit befehl und maaß dem volcke gebe/ Und halte von der stadt das heer der Troer ab/ Hiemit zu guter nacht und froͤlich dich gehab! Als sie diß außgeredt/ da ließ sie mit beschwerde (erde/ Den zaum/ und sprang vom gaul mit willen nicht zur Dann wurd ihr gantzer leib erkaltet allgemach/ Daß sie sich in den tod neigt mit dem hals hinnach Und fast erstorbnem haupt. D a kunte sie nichts finden D em tod zu widerstehn/ und liesse so dahinden Die waffen/ zeug und raub. Da fuhr die seel hinab Mit ach und ungedult ins finstre hellengrab. P p Da Das Eilffte Buch. D a hub sich ein geschrey bis an die guͤldne sterne/ Daß mans vernehmen kunt im lager weit und ferne/ Und gieng der streit auffs new sehr grimmig wieder an. Als die Camilla war geblieben auff dem plan/ Da kam das Troervolck und obersten gelauffen/ Tyrrhener/ Arcader und des E vandri hauffen Zu roß in dicker meng auf die Latiner zu/ Und liessen ihnen nun mehr keine rast noch ruh; Die Opis aber/ die her von D ianen kame/ Und die Camill in acht/ wie sie befehlicht/ nahme/ Saß auff dem berge schon vorlaͤngst und sah herab/ Wies in dem streit gieng zu/ und was fuͤr stoͤß es gab; Und als sie unter dem geschrey der jungen leute/ Als welche tobeten aus hoffnung guter beute/ Sah/ daß Camilla so war jaͤmmerlich ermordt/ Da seufftzte sie sehr tieff/ und redte diese wort: Ach/ jungfraw/ gar zu schwer/ zu schwer hastu so muͤssen/ Daß du gereitzet hast das volck der Troer/ buͤssen; Und hat dir nichts genuͤtzt/ daß du in einsamkeit In jungfraͤwlichen stand und wesen lange zeit D ianen hast geehrt in waͤldern/ puͤsch und hecken/ Und ihr gewartet auf mit ehrerbietungs schrecken Und heilgen gottesdienst/ mit opffer und gebet/ Noch/ daß du unser zeug pfeil/ bogen und geraͤth Gefuͤhret und gebraucht: D och wird in letzten zuͤgen Dich deine koͤnigin noch ehren und vergnuͤgen; Und dieser tod wird dir/ inmassen sichs geziemt/ Bey manchem volck und land nicht bleiben ungeruͤhmt. Ja Das Eilffte Buch. Ja es sol nimmermehr auf dieser weiten erden/ Daß dein tod blieben sey ohn rach/ gesaget werden. Denn wer mit seiner hand hat deinen leib versehrt/ Sol werden wiederumb mit gleichem tod beschwert. E s war ein grosses grab von erd hoch auffgefuͤhret Des koͤniges D ercenn/ der weyland hat regieret/ D as Laurentiner reich/ an einem hohen berg/ Und war dasselbige hochauffgebawte werck Mit einer schattichten steineich umbher bedecket. An selbten ort stellt sich die Goͤttin/ und verstecket/ Sich als in hinderhalt/ und schwung sich ohn verzug/ Auf diesen hohen berg mit pfeilgeschwindem flug/ Und wurd Aruntis da mit scharffen augen innen. Als sie bemerckte nun sein eiteles beginnen/ Und wie er trotzig ritt auf seinem gaul herein/ Und ließ sich duͤncken groß in blancken waffenschein: Wo wilst du/ sagte sie/ so abwerts dich verschleichen ? E y komm doch besser her/ daß ich dich kan erreichen/ D er du must sterben itzt/ und kanst nicht fliehn davon: Camilla giebet dir den wolverdienten lohn. Sol dir auch werden noch die ehr und ruhm zu theile/ Daß du solt kommen umb von der Dianen pfeile? Mehr sagt sie hiemit nicht: Und langt in schneller eil Als eine Amazon heraus Dianens pfeil/ Und spannte zorniglich den krumgehoͤrnten bogen/ Daß er wurd uͤberweit die sehn herab gezogen/ Und giengen beyde koͤpff und enden unter sich Zusammen/ und zugleich ruͤhrt eben maͤßiglich P p 2 Mit Das Eilffte Buch. Mit beyden haͤnden sie. Die lincke ruͤhrt die spitze Des eysens an dem pfeil/ die rechte sehn und zitze. So bald als Aruns hoͤrt in luͤfften das geraͤusch D es abgeschossnen pfeils/ da stack er ihm in fleisch. Als er nun starb dahin/ und seinen geist auffgabe/ Ließ er zum letztenmal noch einen seufftzer abe Aus seinem munde gehn. E s kehrte sich an ihn Die pursche keineswegs/ und schlugen aus dem sinn/ Daß er geblieben war/ und liessen ihm mit schande Da ligen unverscharrt an frembden ort und lande/ Die Opis aber kehrt zum guͤldnen sternenthron Mit ihren sittichen und schwunge sich davon Die reuterey floh erst/ und wolte nicht mehr stehen/ So bald sie ihre frau zu grunde sahen gehen: Die Rutuler fliehn auch mit schrecken aus dem streit/ Der tapffre Atinas macht sich vom feinde weit. Die obersten sind weg/ so viel derselben waren: A uch weil die faͤhnriche mit ihren heeresschaaren Gelassen stehn allein/ so fliehn sie aus dem streit/ Zerstreuet hier und da/ und suchen sicherheit/ Sie kehrten zu der stadt mit uͤmbgewandten pserden/ Und waren anzusehn im ziehn/ wie grosse heerden; Da kunte keiner thun den Troern widerstand/ Die in sie drungen dicht/ und alles fuͤr der hand E rwuͤrgten: Keiner war bastant sie auf zu halten/ Die bogen waren schlaff/ und wenig fast mehr galten ; Sie thun sie wieder umb die schultern muͤd und matt/ Und rannten uͤbers feld hinuͤber nach der stadt. Es Das Eilffte Buch. E s zog ein dicker staub sich auff: Die auf den mauren Des außgangs warteten/ kam zittern an und schauren/ Die weiber schlugen an die bruͤste jaͤmmerlich/ Und machten ein geschrey/ das bis an himmel sich Erhube/ die fuͤrerst einlieffen in die thoren/ Mit denen war es stracks geschehen und verlohren ; D enn ihnen folgte schnell ein feindes hauffe nach/ Die in der pforte sie gar grausam niederstach; D a sie vermeineten ihr leben zu gewinnen/ Vermochten aber nicht dem tode zuentrinnen. Das gieng erbaͤrmlich zu/ im vaterlande drinn Und zwischen haͤuseren das leben geben hin. E s machten etliche die thore zu und liessen Ihr eigen buͤrgervolck versperren und verschliessen/ Und kunten sie durch aus nicht nehmen in die stadt/ Wie sehr und aber sehr ein jeder fuͤr sich bat. Daher erhub sich dann ein sehr erbaͤrmlich schlachten Beids derer/ die in thor vertheidigten die wachten/ Und die da lieffen ein gejaget von dem feind/ Und wurden umbgebracht von ihrem volck und freundt/ D ie fuͤr den augen nun der eltern musten bleiben Verschlossen/ sahe man erbaͤrmlich wesen treiben; Theils sprungen uͤber halß und kopffe von der bruͤck/ Weil sie so draͤngete der andern ungeluͤck/ Theils lieffen blind und toll/ als wolten sie die thoren Und riegel mit dem kopff durch rennen oder bohren. Die weiber gleichesfalls/ die in der harten noth/ Umbringet allerseits mit unfall/ leid und tod P p 3 Mit Das Eilffte Buch. Mit sam̃t den maͤnnern keck auf wall und mauren stun- Zu fechten fuͤr die stadt/ zu scheuen keine wunden (den ( Denn sie die liebe reitzt fuͤrs liebe vaterland Zuhalten muthig aus in diesem schweren standt) Als sie bedencken der Camillen tapffre wercke/ Da schiessen sie in feind mit grossem muth und staͤrcke D ie spiesse haͤuffiglich/ die vorhin trugen scheu/ Weil die gefahr/ wies pflegt zukommen/ war noch neu. Und an der spiesse statt/ die solche wehr nicht hatten Kam ihnen knuͤttel/ pfahl und stacken wol zustatten/ Gantz eiffrig thaten sies mit streiten andern nach Zu streiten fuͤr das land/ zu rilgen hohn und schmach. Da kam dem Turnus fuͤr in walde boͤse maͤhre Wie das Camilla in dem streit geblieben waͤre/ Die Volscer biß auffs haupt erleget in der schlacht/ Der feind setz ihnen nach mit grossen grimm und macht Und haͤtte siegreich ein-das gantze feld-genommen/ Und wuͤrde nun die stadt in angst und noͤthen kommen ; D iß war die trauerpost/ die Acca brachte bey Dem jungen kriegesheld mit lermen und geschrey. D erselbe nun gantz toll zeucht wiederumb zuruͤcke/ (Weils je erheischte so das zornige geschicke Des Jupiters) verlaͤßt den rauhen pusch und wald Sampt huͤgel/ da er lag versteckt im hinterhalt. E r hatte seinen weg kaum von dem ort genommen/ Daß er ihn nicht mehr sah/ und war nunmehr gekom̃en Ins offenbare feld. Denselben paß und wald Zeucht nun Eneas zu/ der von dem hinterhalt War Das Eilffte Buch. War wiederumb befreyt. Als er nun war gekommen Auf dieses berges hoͤh und seinen zug genommen Aus diesem dunckeln wald/ da zogen beyde theil Mit gantzer macht zur stadt in sehr geschwinder eil/ Und war ein kleiner raum nur zwischen beyden heeren ; Doch wolte keiner nicht zum andern naͤher kehren: So bald E neas sah das Laurentiner volck/ Und daß ein dicker staub zog auff wie eine wolck In weitem feld und plan/ und Turnus den Eneen Den unverzagten held an waffen kunte sehen Und kennen eigentlich/ auch hoͤrte kommen an Das fußvolck und den zeug der reissgen auff den plan Mit ihrer pferde schnauff/ da haͤtten sie gefangen Alßbald das treffen an/ und auf einander gangen/ Wenn nicht der sternen-printz/ der Febus/ in dem meer Und Spannschen Ocean schon unter gangen waͤr/ Und also dann herein die finstre nacht gebrochen/ Weil sich das tagelicht und susser schein verkrochen. Sie machen fuͤr der stadt ein lager/ schantz und wehr/ Und ruͤsten beyderseits auffs neu ihr kriegesheer. Das Zwoͤlffte Buch. A Ls Turnus sahe nun/ daß auf des koͤnigs seiten Das volck geschwaͤchet war durch ungluͤckhafftes streiten/ Und liessen sincken hin die hertzen/ muth und hand/ Und wolten nicht mehr thun dem feinde widerstand; P p 4 D aß Das Zwoͤlffte Buch. Daß man auff ihn nun sah/ und gaͤntzlich darauff zielte/ D amit er/ was er hat versprochen ihnen/ hielte/ E ntbrandt er bey sich selbst mit unversoͤhntem grimm/ Und regte seinen muht/ war boͤß und ungestuͤmm ; Gleich wie ein loͤwe thut im Libyschen gefilde/ Der alsdann wird ergrimmt/ und sich erzeiget wilde/ Wenn er von jaͤgern wird verwundet in die brust/ E r ruͤstet gleichsam sich zur gegenwehr mit lust/ D a schuͤttelt er die maͤhn auff seinem dicken nacken/ Und bricht den jaͤgerspieß entzwey/ daß er muß knacken/ Faͤhrt unerschrocken her/ und bruͤllt so schrecklich sehr/ Mit blutgem schlund/ daß weit das heitre himmelmeer Davon erfuͤllet wird: A uff gleichen schlag und massen Kunt Turnus sich nunmehr in harnisch bringen lassen/ Und ward vom bittern zorn und grimm gefeuret an/ Weil nun zum zweytenmal der feind erhielt den plan. Drauff fieng er an verwirrt zum koͤnig so zu sagen: An Turno sol es nicht ermangeln sich zu schlagen: Das feige lumpenvolck/ die Troer moͤgen sehn/ D aß/ was sie einmal sich erboten einzugehn/ Sich dessen weigern nicht/ noch ziehn ihr wort zuruͤcke; Ich bin zum kampff bereit/ und wag es auffs geluͤcke: Herr vater/ opffre nur und fasse zum vertrag Artickel ab/ darauff der kampff bestehen mag. Ich wil den fluͤchtigen Trojaner/ der ( o schande!) Dem feind entflohen ist aus seinem vaterlande/ Entweder schicken ab mit dieser hand zur hoͤll Und unser kriegesvolck sol sitzen auff der stell/ Und Das Zwoͤlffte Buch. Und sehn dem fechten zu. Ich wil mit meinen waffen Die allgemeine schand selbst aus dem wege schaffen. Wil dieses gehen nicht/ und ich sol buͤssen ein/ So mag er uͤber die Latiner koͤnig seyn. Die moͤgen fuͤhlen dann sein joch und dienstbeschwerden/ Und mag Lavinia zum ehgemahl ihm werden. Der koͤnig brachte drauff sein antwort glimpfflich ein/ Und wolte gerne sehn dem werck gerahten seyn. O tapffrer juͤngeling/ wie weit du andern gehest An muht und tugend fuͤr/ und auf dem sinn bestehest/ Des sonderbaren streits ; Umb so viel mehr wil mir Der sachen wichtigkeit obliegen nach gebuͤhr/ Daß ich mit reiffem raht dieselbe vor betrachte/ Und unterschiedliche zufaͤlle sorgsam achte: Dein vater Daunus hat gelassen dir ein reich/ Das diesem unserm ist an macht und ansehn gleich; Hast land und staͤdte gnung/ die du mit deiner staͤrcke Und faust erobert hast; E s sind dir/ wie ich mercke/ Die leute wolgeneigt/ und haben grosses gut; E s sind mehr fraͤwelein von edlem stamm und muth Im Laurentiner kreiß/ die dir nicht uͤbel solten Anstehen/ wenn es so die goͤtter schicken wolten: Laß mich dis sagen frey ohn trug und arge list/ Was dir nicht angenehm vielleicht zu hoͤren ist/ Und sey auf meine red zu mercken unverdrossen/ Es war im goͤtter-raht vorsehen und beschlossen/ Es solte keiner je/ der/ eh E neas kam/ Umb meine tochter warb/ seyn dero braͤutigam. P p 5 Diß Das Zwoͤlffte Buch. Dis sageten vorher/ die viel dings kunten sehen Aus der weissagerey/ wies kuͤnfftig moͤchte gehen ; Dahero hab ich dann aus liebe gegen dir/ Weil mit verwandschafft du verbunden warst mit mir/ Und wegen meines weibs betruͤbnuͤß/ leid und thraͤnen/ Die ich sah fuͤr und fuͤr sich einig nach dir sehnen/ Von meinen augen weg gethan die schuld und pflicht/ Und was Eneen ich versprach/ gehalten nicht; Den ich zum eydam mir laͤngst außerkohren hatte/ Der meiner tochter sey von gott bestimpter gatte: D aher ich wider recht/ gesetz und billigkeit Mich eingelassen hab in harten krieg und streit. Was nun/ o Turne/ mir seither zuhanden kommen/ Und was ich fuͤr verlust und schaden eingenommen/ Und was mir auf dem hals noch ligt fuͤr kriegeslast/ Das siehest du/ und wie du selber lange hast Fuͤr allen anderen erlitten spat und fruͤhe Viel sorgen/ noht/ gefahr/ und hast noch taͤglich muͤhe/ Beschwer und ungemach. Wir sind in harter schlacht Zum zweytenmal erlegt: D ie uͤberbliebne macht/ Warauff Italien noch hoffet fest zu stehen; Kan man in dieser stadt kaum halten und versehen; Die Tybur ist noch warm von leichnam/ blut und schwal/ Und grosse felder stehn von knochen weiß und kahl. Wie laß ich doch so offt umbstimmen meine sinnen/ Wie bin ich so bethoͤrt/ daß ich mein vorbeginnen So offt verendern kan? Wenn ich entschlossen bin Nach deinem tod/ wenn du wirst seyn getragen hin/ Die Das Zwoͤlffte Buch. Die Troer in den bund und freundschafft anzunehmen. Warumb verzieh ich dann mich hierzu zubequemen Bey seiner lebenszeit? Warumb denn thu ich nicht Zuvor den krieg hinweg nach fodrung meiner pflicht? Was werden unsere verwandten darzu sagen D ie Rutuler ? Wird nicht in Welschland darnach fragẽ Das andre volck/ wo ich (dafuͤr die Goͤtter seyn/ Daß meine rede nicht/ als wahr/ mag treffen ein ) Dich gebe hin in tod? D er du dich an vermaͤhlen Mit unsrer tochter wilt. Ich wil dir nichts verheelen/ Gedencke doch zuruͤck/ und achte fleißig drauff/ Wie wandelbar doch sey der krieg und dessen lauff. Laß dir den alten mann und vater doch zu hertzen Mit schuldger liebe gehn/ der kummerhaffte schmertzen Und sorgen traͤgt fuͤr dich/ der weit in seiner stadt Von hier entlegen ist und sein gebiete hat. Durchaus ließ Turnus sich nicht beugen oder brechen/ War frech und ungestuͤm/ und wolte sich nur raͤchen/ Ja wolt umb so viel mehr nur fahren oben aus/ Und triebe viel gezaͤnck mit poltern und gebraus. Je mehr der koͤnig ihm mit guten worten riethe/ Je mehr erherbet er sein grimmiges gemuͤhte ; So bald er nun den mund kunt loͤsen nach dem grimm/ Gab er bescheid von sich mit etwas saͤnfftrer stimm: Die sorge/ die du traͤgst fuͤr mich o frommer vater/ Der du begehrst zu seyn im friede mein berahter/ Die lege/ bitt ich dich/ nur meinentwegen hin/ Und laß mich sterben/ daß ich ehr und lob gewinn. Wir Das Zwoͤlffte Buch. Wir haben/ vater/ auch pfeil/ spiesse/ faͤust und degen/ Und koͤnnen einen bald zu boden niederlegen. E s sind auch meine schuͤss nicht ohne krafft und muht/ Und wo ich einen treff/ da folget auch wol blut. D aß seine mutter ist von goͤtterstamm geboren Und von dem Jupiter zur tochter außerkohren/ D as sol sie helffen nicht/ wenn sie denselben auch Mit einer wolcken deckt/ nach muͤtterlichen brauch/ Im fall er fluͤchtig wuͤrd und sich unsichtbar machte: Allein die koͤnigin/ da sie den sachen dachte Mit schaͤrffern sinnen nach/ und sahe wie es gieng/ Und wies gefaͤhrlich waͤr umb dieses new beding/ Zu nehmen an den kampff/ kunt sie sich nicht erwehren Des schreckens/ und vergoß nach diesem milde zaͤhren/ Bemuͤhend sich gar sehr ihn ihren schwiegersohn/ Der fast fuͤr eiffer brandt/ zu wenden ab hiervon/ Was er sich setzte fuͤr/ und drewt ihr eigen leben Mit grimmiger gewalt dem tode hinzugeben; O Turnus/ sagte sie/ wo ich/ als koͤnigin/ Noch einig ansehn hab in deines hertzens sinn; So bitt ich hoͤchlich dich umb diese meine zaͤhren/ Laß dein gemuͤhte doch von solchem fuͤrsatz kehren/ Der du mein einger trost in meinem alter bist/ Auf deu mein traurig hertz sich lehnt und ruhsam ist/ Bey welchem dieses reich Latini steht erhaben/ In seiner herrligkeit/ macht/ ehr und andern gaben/ Die uns der himmel schenckt; D er du die seule bist/ Darauf dis fuͤrstlich hauß sich steurt und standhafft ist: D iß Das Zwoͤlffte Buch. Diß eingo bitt ich dich/ steh ab bedingter massen Mit den Trojaneren in streir dich in einzulassen; Denn alles was dir kan begegnen in gefecht/ Das sol mir/ Turnus/ auch mit gleichem fall und recht Begegnen/ ich wil nebst und mit dir dieses leben/ Daran ich eckel trag/ dem grimmen tod hingeben ; Und wil Eneen nicht/ so viel ich immer kan/ Zu meinen schwirger sohn gezwungen nehmen an. Da hub Lavinia ob ihrer mutter roden Und aͤngstiges geseufftz ihr hertz an zu erbloͤden Und naͤtzt aus scham und zucht mit milder thraͤnen fluth D ie wangen/ deren zier ihr purpurrothes blut Vermehrte scheinbarlich. Gleich wie E lfanten zeene/ Wenn sie vom purpur sind bespruͤtzet/ glaͤntzen schoͤne: Und wie die lilien bey rothen rosen stehn; So gleiche farbe kunt man an dem fraͤulein sehn. Der liebe hefftigkeit macht Turno viel gewirre/ D aß er in seinem sinn wurd stoͤrrig/ tumm und irre/ Er sah das fraͤulein an steiff in das angesicht/ Und den noch war sein sinn mehr auff den kampff erpicht/ Und ließ mit wenigen sich aus in diese rede: O mutter/ laß mich doch bey der beschlossnen vhede; Ich bitte/ weine mir nicht also hefftig nach/ Und prophecey mir auch kein leid noch ungemach/ In dem ich itzo denck in harten kampff zugehen. Ich kan ja nimmermehr dem tode widerstehen/ D enn ich/ als solcher mann/ bin ja durchaus nicht frey Zu eussern mich des kampffs und tragen dessen scheu. Geh Das Zwoͤlffte Buch. Geh/ Idmon/ und verkuͤnd Eneen meine rede/ Die ihm schwer duͤncken wird/ und sag ihm diese vhede Von meinetwegen an: So bald des tagesschein Von hohen himmelszelt wird morgen brechen ein/ Sol er sein kriegesheer nicht gegen unsers fuͤhren/ Sie sollen beyderseits in minsten sich nicht ruͤhren Von ihrer stell und ort: Es sol der krieg allein D urch unser blut und tod stracks auffgehoben seyn. Wer die Lavinia begehrt zu seinen gatten/ Der mag sie suchen da im felde/ nicht im schatten. Als er diß außgeredt/ gieng er stracks ins loster/ Und hieß ihm seine pferd die knechte reiten fuͤr. Da schoͤpfft er freud und lust/ daß sie so freudig gingen/ und zeigtẽ ihren muth mit wiehern/ schnauff und springẽ/ Die Orythyia selbst Pilumno gab zur zier/ Als er auch zog zu feld mit muhtiger begier ; Sie waren/ als der schnee/ viel weiser anzusehen Und kunten schneller/ als der wind und wolcken gehen ; D ie knechte stunden umb sie fertig und behend/ Und strichen mit der hand dieselben zu dem end/ Auff daß sie ihren muth und freudige begierde Erwiesen zu dem kampff: Sie kaͤmmeten zur zierde Denselben auch die maͤhn und schoͤne lange haar: Er legt den harnisch an/ der dick verguͤldet war ; Er guͤrtet auch zugleich das schwerdt an seine seite/ Und nim̃t den schild zur hand/ und ruͤstet sich zum streite Auffs beste wie er kan/ und setzt mit federn auch (brauch Den blancken helm auffs haupt/ nicht nur aus blossem Zur Das Zwoͤlffte Buch. Zur ritterlichen zier: E r wolt auch mit Eneen/ Wie er ihm fuͤrgesetzt/ mit ernst den kampff eingehen/ Das schwerdt hat Dauno selbst der Gott Vulcan ge- Und zu verfertigen dasselbe sich ermuͤdt. (schmiedt/ E r zoch es gluͤend aus dem fewr und leschts im brunnen/ D er aus der hoͤlle kompt vom flusse Styx gerunnen/ Damit er wuͤrde starck und spruͤnge nicht entzwey; Es legte Turnus auch ihm eine lantze bey/ Die stund in seinem hanß an einer grossen seulen/ Nahm sie dem Actor ab/ als er sich ließ ereilen In einem harten kampff: D erselbe spieß war schwer/ Faßt ihn mit starcker hand/ und schwung ihn hin und her/ Der schrecklich bebete/ und sprach mit lauter stimme: O lieber spieß/ der du hast meinem zorn und grimme Gedienet jederzeit/ und niemals/ was ich hab Begehrt an dich/ gefehlt/ noch mir geschlagen ab. Der tapffre Actor hat dich hiebevor gefuͤhret; Nun fuͤhret Turnus dich/ der deine staͤrcke spuͤret. Nun ist es zeit/ hilff mir des widersachers leib Zu boden faͤllen/ daß ich mich an ihn recht reib/ Und schaffe/ daß ich ihm den Pantzer moͤg abreissen/ Dem halben Troermann/ mit starcker hand zerschmeißẽ/ Und seine haare/ die vom eysen auffgekraͤusst/ Und naß vom balsam sind/ der von dem Myrrhen fleust/ Im staube feilen rumb/ und in dem koth beschmitzen: So grimmig tobet er/ und kunte sich erhitzen/ Und war ihm das gesicht so roth/ und gleichsam gluͤet/ Und fehlete nicht viel/ daß es nicht funcken spruͤet. Die Das Zwoͤlffte Buch. D ie augen funckelten im kopffe/ gleich wie flammen. Wie/ wenn ein stier wil gehn mit anderen zusammen/ Macht er ein groß gebruͤll/ versucht mit beydem horn/ Wie grimmiglich er wil beweisen seinen zorn/ In dem er ungestuͤm laͤufft wider stock und eiche/ Und machet in die lufft vergebne spruͤng und streiche/ Und uͤbet sich zuvor zum kuͤnfftgen kampff und streit Mit scharren in dem sand und wilder grimmigkeit. Eneas/ welcher mit den muͤtterlichen waffen Viel thaten allbereit hat ruͤhmlich koͤnnen schaffen/ Schaͤrfft unterdessen auch nicht minder seinen muht/ Und hub zu duͤrsten an nach seines feindes blut Mit selbsterwecktem zorn/ erfreuet/ daß der friede Ihm angeboten wurd/ und maͤnniglich war muͤde Des allgemeinen kriegs/ der nunmehr solte seyn Durch sonderbaren kampff gestellet gaͤntzlich ein; Bald troͤstet er sein volck die Troer/ dann ingleichen D en lieben sohn Ascan/ als welcher zu erbleichen Fuͤr truͤben unmuht schien/ und seines vaters leid Empfinden selber must mit sehwerer traurigkeit. D er fuͤrst hielt ihnen fuͤr/ daß nach der goͤtter willen Er wuͤrde siegen ob/ und alle spruͤch erfuͤllen D er priesterlichen zunfft/ und hieß durch treue leut Dem koͤnig bringen zu bestaͤndigen bescheid/ Und schicken ein bericht von den verlauffnen sachen/ Mit was bedinge man haͤtt friede wollen machen. E s war der tagefuͤrst kaum wieder aus dem meer Mit seinem lichten schein und pferden kommen her ; Da Das Zwoͤlffte Buch. Da machten beyde heer zu foͤrdern diß gefechte/ Den kampffplan bey Laurent der grossen stadt zu rechte/ Und massen ab den raum/ und machten mitten dar Den Goͤttern beyder theil von wasen ein altar Und einen herd darauff: Die herold einhergiengen Mit leinen roͤcken an gethan und umb sich hiengen Das opfferzeug nach brauch/ mit kraͤntzen auch geziert Von eysen kraut/ wie sichs beim opfferdienst gebuͤhrt/ Das Troerheer zog fort/ und gieng in grosser menge Mit langen spiessen außgeruͤstet mit gedraͤnge Zum thor hinein/ darnach zog das Trojaner heer Und der Tyrrhener hauff mit mancherley gewehr Gewapnet/ anders nicht/ als wenn sie solten gehen In streit und vor dem feind bereit und fertig stehen Immittelst sahe man die obersten bekleidt Mit gold und koͤstlichem gewand/ die auff der seit Herritten freudiglich: Als nun wurd außgeblasen/ D aß sich ein jedes theil solt ruͤstig finden lassen An seiner stell und ort/ da steckten auff dem plan Sie ihre spiesse tieff ins erdreich/ lehnten dran Die schilder nach der reyh. E s kamen da mit hauffen D ie weiber und gesind/ auch maͤnner horgelauffen/ Die wehrloß schwach und alt/ begierig zu zusehn/ Wies mit dem zwey kampff her-im felde wuͤrdte-gehn. Sie hatten thuͤrn und dach der haͤuser eingenommen ; Auch waren etliche hoch auf die thoren kommen. Die Juno aber schaut von einem huͤgel her/ Der seinen namen hat von volck der Albaner. Q q Zur Das Zwoͤlffte Buch. (Zur selbten zeit war er ohn nahmen/ ruhm und ehre ) Und sah den kampffplan an und beyde kriegesheere/ Wie auch des koͤnigs stadt/ da redte sie alsbald Des Turni schwester an: Juturna/ die gewalt Hat uͤber fluͤß und see/ (der Jupiter verletzte Ihr ihre jungfrawschafft/ deßwegen er sie setzte In solchen ehrenstand) o nimpffe/ die du bist Der fluͤsse zier und schmuck/ die mir erkohren ist. Zu meines hertzens lust : D u weissest/ welcher massen Fuͤr allen weibern ich dich mir gefallen lassen Und fuͤrgezogen hab. So viel der Jupiter Beschlaffen jemals hat/ der mir macht groß beschwer/ Und wie ich gerne dich in himmel eingenommen/ Und du an einem theil die Gottheit hast bekommen. D erhalben lerne doch dein eigen hertzeleid Erkennen/ daß dir steht obhanden dieser zeit Und gib mir nicht die schuld hernach/ wenn dus versehen/ Und dir nach deinem wuntsch und sinnen nicht wil gehẽ. So weit die Goͤttinnen des lebens nachgesehen/ Und das geluͤck es hat so lassen hin geschehn ; Daß dem Latinervolck gelingen ihre thaten/ Hab ich die stadt beschirmt und Turno eingerahten. Nun aber weil ich sch den jungen held im streit Mit einem/ der am gluͤck und gunst der Goͤtter weit Ihm uͤberlegen ist/ und immer naͤher koͤmmet Die zeit und frist/ so ihm vom himmel ist bestimmet/ Und das so strenge recht der Goͤtter ruͤckt herbey/ So muß ich fuͤr dem streit und buͤndnuͤß tragen schew/ D ie Das Zwoͤlffte Buch. Die auffgerichtet wird/ und kan es nicht ansehen/ Wiees in diesem kampff dem Turnus wird ergehen: Wo du nun wilst fuͤr ihm/ als deinem bruder/ stehn/ So magst dus kuͤhnlich thun und nur geschwinde gehn; Es wil geziemen dir ; Vielleicht ists baß getroffen/ Als daß ihr armen leut es haͤttet doͤrffen hoffen. Die Juno hatte kaum dis wort recht außgesagt/ Da die Juturna das mit thraͤnen sohr beklagt/ Und schlug an ihre brust mit ach und jammerklagen. Es ist nun keine zeit/ fieng Juno anzusagen/ Zu weinen; E ile doch/ und rette/ wo du hast E in einig mittel noch/ den bruder/ der itzt fast Dem tod in rachen ist; Doch oder bring zuwegen/ Daß sie sich beyderseits in streit zu selde legen/ Und schaffe/ daß der bund sich wiederumb zerschlag/ Und komme nicht zu werck der newliche vertrag. Drum wag es auf mein wort: Als sie nun solcher mas- Sie angereitzet hat/ hat sie sie stehen lassen (sen Und ist gegangen weg. Sie aber kunte sich In ihren sinnen nicht begreiffen eigentlich/ Was sie beginnen solt/ und war in ihrem hertzen Bestuͤrtzet und verwirrt mit schwerem leid und schmertzẽ. Immittelst zogen auf die koͤnige mit macht Aus ihrer lagerstatt/ und hatten auffgebracht Ein schoͤn staffiertes volck: Latinus kam getragen Mit grosser majestaͤt auf einem schoͤnen wagen/ Vier rosse giengen dran/ trug eine guͤldne kron Mit hellen strahlen auff/ weil er der enckel sohn Q q 2 Der Das Zwoͤlffte Buch. Der lichten sonne war; Der Turnus kam gefahren A uf einem wagen her/ daran gespannet waren Zwey schoͤne weisse roß/ und truge zweene spieß/ Die er mit eisen forn sehr breit beschlagen ließ. Der theure Troerfuͤrst kam gleichfalls angezogen/ Und hatte mit dem heer zur seite sich gebogen/ Der als ein stammherr hat des Roͤmschẽ reichs verdient/ Daß sein gedaͤchtnuͤß stets mit ruhm und ehren gruͤnt. Derselbe hatte sich geruͤstet aus mit waffen/ Die seine mutter ihm die Venus kunte schaffen (schoͤn/ Durch des Vulcani hand: Der schild blinckt gleich so Als Titans heller schein/ wenn man ihn sichet stehn Am heitern firmament. Iuͤlus/ welcher neben D em frommen vater gieng/ die andre hoffnung eben Des grossen Roͤmer reichs: D a kam ein priester auch/ Mit einem leinen rock bekleidet nach gebrauch/ Darbringend eine brut von einem borstgem schweine/ D eßgleichen auch ein schaaff/ das unbeschoren/ reine Und ohne mangel war/ und fuͤhrten beyde sie Zum brennendem altar/ als gutes opffervich. Sie wandten ihr gesicht/ da wo sich Titan zeiget Des morgens wiederumb/ und aus dem meere steiget; Sie sprengten selber ein das saltzmehl nach gebrauch/ Und strichen uͤberhin die stirn und schnitten auch Die haare darauff ab/ und gossen aus der schale Den wein auff den altar zum heilgen opffermahle ; Da hielt der fromme fuͤrst Eneas in der hand Sein blosses schwerdt und sich zum hohen him̃el wandt/ Und Das Zwoͤlffte Buch. Und betet folgender gestalt: Ich ruff zum zeugen D en printz der sternen an/ die sonne/ die sich neigen In meine bitte woͤll/ und dieses gantze land/ Umb dessen willen ich so manchen harten stand Gehabt und so viel muͤh und noht erdulden koͤnnen: Und du/ Gott Jupiter/ sey zeug in dem beginnen/ Was ich mir nehme fuͤr ; Und du/ o Koͤnigin Der goͤtter Juno du/ laß endlich deinen sinn Durch sanfftmuht milder seyn: Auch du/ o Gott der krie- D er du gewalt und recht hast uͤber alle zuͤge/ (ge/ Und giebest gluͤck und sieg/ ich ruff zu zeugen an Die brunnen/ baͤche/ stroͤm/ ja alles was ich kan/ Die Goͤtter allesampt im himmel und auf erden/ Die recht und unschuld nicht zuschanden lassen werden: E s hoͤre mich das meer/ das nasse wunderfeld/ D as Gott Neptun mit macht regieret und erhaͤlt: Wo Turnus etwan solt in diesem kampff gewinnen/ So sol aus diesem land das Troervolck von hinnen Ziehn in E vanders stadt; D eßgleichen sol mein sohn Iulus ziehen ab aus diesem land davon/ Und sollen sich hernach die Troer nicht empoͤren/ Noch dieses koͤnigreich mit heeresmacht versehren Noch zwacken; A ber so uns Mars wird gnaͤdig seyn Und ( wie ich vielmehr hoff und bitte ) sieg verleyhn; So wil ich weder das von Italern begehren/ Daß sie dem Troervolck gehorsam sollen schweren/ Noch mich anmassen je der koͤniglichen macht/ Die beyden voͤlckern/ die man billich haͤlt in acht/ Q q 3 Umb Das Zwoͤlffte Buch. Umb daß sie keiner kan mit kriegsmacht uͤberwinden/ D ie sollen sich hinfort mit gleichem recht verbinden Und ewigfester treu : Ich wil mir nur allein Die Goͤtter meiner stadt zu fuͤhren fuͤr mich ein Behalten haben vor/ des Gottesdiensts zupflegen: Mein schwiegervater mag dem feind sich widerlegen Und fuͤhren das gewehr: Er sol das reich und rath Behalten wie zuvor: Mir sollen eine stadt Die Troer bauen auff/ dieselbe will ich nennen Laͤvinium. Also beschwur mit heilgen sinnen Eneas den vertrag: Darauff alsbald geschach/ D aß ihm Latinus auch so eben folgte nach/ Sah auch gen himmel auf und hub empor die rechte. Diß eben schwer ich dir bey diesem zweygefechte/ Und ruff den himmel/ erd und meer zu zeugen an/ Auch dem zweyfachen stamm sey dieser schwur gethan/ Apollo und Dian/ die von Laronen kommen/ Bey Janos ebenfalls/ von dem man har vernommen D aß er zwo stirnen hab/ ja bey der hellschen macht Und Plutons heiligthum (da wo die duͤstre nacht Sich strecket weit und breit: E s hoͤre meine rede Der grosse Jupiter/ der alle bund und vhede Mit seinem donerknall befestigt und bewehrt/ Ich ruͤhr das feuer an und heilgen altars herd/ Und ruff zu zeugen an die in gesampte Goͤtter/ Die fuͤr den frommen stehn als starcker schutz und retter: Es sollen meine leut das volck der Italer Auffloͤsen diesen bund und frieden nimmermehr; E s Das Zwoͤlffte Buch. Es mag auch/ wie es woͤll/ aus schlagen mit den sachen/ Sol mich doch keine macht davon abwendig machen Mit willen nimmermehr: Nein/ wenn auch solte gleich Bedecken eine fluth das erdenland und reich/ So/ daß kein unterscheid sey zwischen meer und erde/ Und die gestirnte lufft vermischet wieder werde Mit vorger finsternuͤß und duͤstrer mißgestalt. Schau diesen scepter an/ der als verdorrt und alt Wird spriessen nimmermehr herfuͤr und schatten geben/ Weil er gehauen ist vom stamm/ und weder leben Noch krafft zu wachsen hat: Er war ein baum vorhin ; Nun aber hat ihn schon des kuͤnstlers kluger sinn Und hand gefasset ein den koͤnigen zufuͤhren Und deren regiment zu zeigen und zu zieren. Mit diesen worten wurd bestaͤttiget der bund In gegenwart der staͤnd auff gnungsam starcken grund. Drauf wurd dem opffervieh nach alten brauch und sttten, Ehe man es legt auffs feur/ die gurgel abgeschnitten: Man nam das eingeweyd/ weil noch in ihnen war Das leben/ und trugs weg und legts auff den altar. Allein den Rutulern beduͤnckte diß gefechte Vorlaͤngst/ es gienge zu ohn gleich getheiltem rechte/ Und war ihr sinn verwirrt mit manchen boͤsen wahn/ Und ließ die sache sich zum auffruhr sehen an/ Und diß uͤmb desto mehr/ dieweil sie sahen stehen Von leibe nicht so starck den Turnus beym Eneen: D er Turnus staͤrcket sie in diesem ihren wahn Da er so stille trat herein auff freyen plan/ Q q 4 In Das Zwoͤlffte Buch. In dem er das gesicht schlug nieder zu der erden/ Und ehrte den altar mit niedrigen gebaͤrden: Auch seiner jugendzier/ und daß er war so bleich/ Vermehrte diesen wahn/ der kampff waͤr gar nicht gleich. So bald Juturna nun die schwester Turni merckte/ Daß solche red und sinn nur mehr die hertzen staͤrckte/ Und das gemeine volck zu glaͤuben itzt begann/ Trat sie inunitten in das heer auf offnen plan/ Und hatte die gestalt Camertis angenommen/ D er von den ahnen her aus hohem stamm gekommen/ Und seines vaters nahm war wegen tapfferkeit Beruͤhmt/ er selber auch versucht in manchem streit; A uf solche weise trat sie mitten untern hauffen/ Und wuste wol wie sie befoͤrdern solt das rauffen Und newe schlaͤgerey/ ja wie die sache waͤr Zu greiffen listig an/ daß des Latini heer Die Troer wiederumb anfiengen zu bevheden: Sie sprenget hier und da aus manche boͤse reden. Ihr Rutuler/ (sagt sie) habt ihr aus ewrem sinn Verbannet alle scham ? Wo dencket ihr doch hin ? Wolt ihr so liederlich eins eintzeln menschen leben Fuͤr euch so brave leut in schnoͤden tod hingeben? Sind wir dem Troerheer an anzahl nicht bastant? Ists denn mit unsrer macht und muht so schlecht bewand? Schaut! alle Troer und Arcadjer sind zugegen Wie auch der Tuscerheer/ so des Mezenti wegen Auf Turnum ist ergrimmt; Sie doͤrffen ziehn nicht fort/ Wenn sie es thaͤten nicht auff ihrer Goͤtter wort Und Das Zwoͤlffte Buch. Und ernstlichen befehl. So viel ihr sind zugegen D er feinde/ sind sie doch an anzahl und vermoͤgen Bey weitem uns nicht gleich: Wenn jeder seinen mann Von uns schon nehme fuͤr zu treffen auff den plan ; So wuͤrden unsrer viel doch nicht zu schlagen kommen: E r zwar wird fahren hin von goͤttern auffgenommen/ Der ihnen sich stellt ein zum opffer fuͤrm altar/ Und giebet sich fuͤr euch in zweykampff und gefahr. Ihm zwar wird wol geschehn/ und wird geruͤhmet werdẽ/ So lange tugend gilt auf diesem kreyß der erden. Wir aber kommen umb das liebe vaterland/ D arinne wir gelebt in ruh und ehrenstand/ Und werden/ die wir hier zu felde muͤßig ligen/ Uns muͤssen unters joch der frembden herrschafft biegeu. Durch solche reden ward der jungen leute wahn Nunmehr und mehr entzuͤndt/ und gienge staͤrcker an Das murmeln in dem heer/ die bloͤden Laurentiner Und der Latinervolck die wurden itzo kuͤhner/ Und anders weit gesinnt/ und hoffeten nunmehr Zu kommen von dem krieg und leidigen beschwer/ Damit sie wiederumb in ihrem vaterlande Sich niedersetzeten mit gutem friedenstande. Nun koͤmmet ihnen lust zu fechten wieder an/ Und wollen allesampt frisch stehn fuͤr einem mann/ Und wuͤntschen/ daß der bund waͤr ungemacht geblieben/ Hingegen klagten sie/ daß Turnus trug belieben Zu halten einen kampff/ und wolten/ daß sein stand Mit besserem geluͤck und hoffnung waͤr bewand/ Q q 5 Ju- Das Zwoͤlffte Buch. Juturna aber that ein groͤsser abendthewer/ Das hatte mehr auf sich/ als opffer/ vieh und fewer/ Und war viel kraͤfftiger zu regen hertz und sinn: Sie ließ ein zeichen sehn von hoher hinunels zinn/ D urch welches sie das heer der Italer so kraͤfftig Verwirret und verfuͤhrt/ so sehr sie war geschaͤfftig/ Und keines besser halff. Ein rohter adeler Kam aus der hohen lufft an strand geflogen her/ Und triebe voͤgel auf/ die nemblich schwaͤne waren Und welche flogen bey dem strand mit grossen schaaren Und hefftigem geraͤusch; Da schoß er aus der hoͤh Gantz unverdrossen her und schwung sich an die see/ Ergreiffend einen schwan mit seinen krummen klawen/ D er groß und trefflich war und wuͤrdig anzuschauen. Das volck der Italer hub die gemuͤhter hin Und sah das wunder an mit unverwandtem sinn: D a wandten sie sich aus der flucht zuruͤcke wieder ( Ein wunder anzusehn ! ) mit rauschendem gefieder/ Und machten dunckel fast das auge dieser welt/ Die sonne/ da sie sich zusammen dicht gestellt/ Und setzten in der lufft dem feinde zu so lange Bis ihm durch grosse macht der schwaͤne wurde bange/ Und durch die schwerigkeit ermuͤdet liesse nach/ Daß ihm fiel dieser raub hinunter in die bach; Da schwung er sich hinauff/ da wo die wolcken schweben/ Darob die Rutuler ein groß geschrey erheben Und nahmen an fuͤr gut dis zeichen hocherfreut/ Und griffen wieder an die waffen ungescheut. Da Das Zwoͤlffte Buch. Da war Tolumnius/ der fieng erst an zu streiten Fuͤr allen anderen und kunt die zeichen deuten. Das/ das (sagt er) war es/ das ich so offt und viel Gewuͤntschet/ das mein sinn ihm hat gesteckt zum ziel. Ich nehm dis zeichen an/ und wil darbey erkennen/ Daß uns die Goͤtter noch ein gutes gluͤcke goͤnnen: Auf meinem raht ergreifft/ ihr bursche/ das gewehr! Der schnoͤde frembdeling sol uns nicht schrecken mehr/ Wie schwache voͤgelschaar/ mit krieg und rauberwaffen/ Der ewer land verheert/ und alles wil wegraffen Mit trotziger gewalt. E r wird bald abeziehn/ Und auff dem meer davon mit schnellen segeln fliehn; Thut euch zusammen dicht mit wollvereinten sinnen/ Und dencket wiederumb den koͤnig zu gewinnen/ Der euch geraubet wird/ gleich wie dort jener schwan Vom adler/ nehmet euch des Turni tapffer an. Mit diesem lieff er vor/ und ließ mit gantzen kraͤfften Abgehen einen spieß den feinden eins zu hefften ; Derselbe floge fort und brauste durch die lufft Gewiß zu treffen an/ gestalt der schuͤtze hofft ; So bald der spieß nun fuhr geschwungen aus den haͤndẽ/ E rhub sich ein geschrey der kriegsleut aller enden/ Das fußvolck/ welches dicht beysammen stund/ wurd irr Und maͤnniglich entbrandt im zorn durch dis gewirr: Der spieß koͤmpt fliegend an/ da wo neun bruͤder stundẽ/ D ie allesampt gleich schoͤn und einig sich verbunden: Es hatte sie gezeugt Gilipp ein Arcader Von einem eingen weib/ die buͤrtig kommen her Aus Das Zwaͤlffte Buch. Aus der Tyrrhener land die war sein treuer gatte/ Derselben einen/ der sehr blancke waffen hatte/ Und in dem hauffen war der schoͤnste juͤngeling/ Traff dieser schnelle spieß immitten/ wo ihm gieng Das guͤrtel umb den leib/ da man am beyden ende D es guͤrtels fuͤget ein den hefft/ und fuhr behende Ihm durch die rippen hin/ und streckt ihn in den sand/ Da das die bruͤder sehn/ als kerl von starcker hand Und unerschrocknem muth in solcher zahl und reyhe/ E rgrimmeu sie im zorn aus bruͤderlicher treue: D erhalben zuͤcken theils den scharff gewetzten stahl/ Theils griffen zu dem spieß/ und fallen allzumal Gantz unbesonnen zu: An diese kommt gelauffen Der Laurentinervolck/ die Troer auch mit hauffen Wie eine wasserflut/ dick von der seite her/ Zu diesen schlaͤget sich das volck der Thuscier. Wie anch die Arcader mit den gemahlten waffen Und schilden/ da sah man/ wie sie sich fort zu raffen Beflissen thurstiglich/ sie hatten dergestalt Zu fechten alle lust/ und fuhren mit gewalt/ Zerrissen den altar: Es flogen pfeil und spiesse In ungebaͤhnter lufft mit haͤuffigem geschiesse/ Und fielen dann herab gleich wie ein wetterguß Und ungestuͤmer sturm von eysen und geschoß. Sie nehmen vom altar das zeug zum opffermahlen Die becher/ die geschirr und die verguͤldte schalen; Sie lassen auch das feur nicht auf den heilgen herd/ Es wird das heiligthumb entheilget und verschrt. La- Das Zwoͤlffte Buch. Latinus flohe selbst und fuͤhrete die Goͤtter Zur stunde wieder heim aus diesem krieges wetter/ Die mit zubrochnem bund beleidigt waren sehr/ Es gienge wiederumb der streit gar grimmig her. Es spannten etliche die pferde vor den wagen/ Und wolten mit dem feind sich auch im felde jagen/ Doch oder huben sich mit einem sprung auffs pferd Und ritten zu geschwind mit schnell gezuͤcktem schwerd. Messapus trug begier den neuen bund zutrennen/ Und fieng mit seinem pferd an sporenstreichs zu rennen Auff den Aulesten zu dem Koͤnig aus dem land Hetrurien/ der trug ein Koͤniglich gewand Und zeichen scines stands/ als nemblich eine binde Umbs koͤnigliche haupt/ er wiche gantz geschwinde/ Und fiel der arme kerl den altar uͤberher/ Auf seinen kopff und hals mit schmertzen und beschwer/ Messap rennt grimmiglich hinzu mit seinem spiesse/ D er einem balcken gleich und ihn darnieder stiesse Hoch von dem pferd herab/ unangesehn/ daß er Umb lebensfristung bat und gnad erbaͤrmlich sehr. Da hat er seinen rest/ das hat er wollen haben! (Sagt er ) den Goͤttern ist aus allen opffergaben Diß besser/ ihnen sol dis opffer seyn geschlacht. D ie Welschen lieffen zu/ als er so uͤmbgebracht/ Und pluͤnderten ihn/ da in ihm noch war ein leben/ Ebuso/ welcher kam dem Chorin æ us zu geben Ein gutes hinders ohr/ kam dieser vor behend Nahm einen brand und stieß ihn mit dem feurgen end Ins Das Zwoͤlffte Buch. Ins angesicht/ daß ihm der bart fieng an zu brennen Gantz lichterloh/ und da er brandte/ ward man innen/ Daß er gab einen ruch/ gleich wie ein braten pflegt ; Der Chorineus fuhr fort und grimmiger sich regt E ntgegen seinem feind/ der stutzig und bestuͤrtzet/ Weil er so uͤbel war geputzt und abgewuͤrtzet; Fast mit der lincken hand ihm seine lange haar/ Setzt ihm auff seine brust das knie/ und hielt so gar Ihn fest zur erde/ daß er sich nicht kunteregen/ Stieß in die seite drauff ihm seinen harten degen. Der Podalirius verfolgt mit blossem schwerdt Den Alsum/ der ein hirt/ und keines wegs sich kehrt Ans schiessen/ der da forn im treffen sich einliesse Mit grosser ungestuͤm/ und durch die pfeil und spiesse Mit vollem rasen lieff/ und nunmehr war daran/ Daß er ihn itzo wolt erstossen auff dem plan/ Da hub der Alsus auf die axt und hieb die stirne Und kinn ihm mitten durch/ daß greulich das gehirne Und blut die waffen netzt: Den zwang ein harte ruh Und eysen-fester schlaff: E r that die augen zu/ Zu schlaffen eine nacht/ die immer waͤhrt ohn ende ; E neas aber streckt empor die blossen haͤnde/ Stund mit entbloͤstem haupt/ und redt den seinen zu/ D aß sie doch moͤchten stehn und halten fried und ruh. Wie lanffet ihr so zu (sagt er) was zanck und streiten Erhebt sich unter euch/ was sol doch das bedeuten? Ach zwinget euren zorn! der bund ist schon gemacht/ Und alle puncten sind mit gutem vorbedacht Ge- Das Zwoͤlffte Buch. Geschlossen und verfaßt: Ich wil krafft aller rechten Mit meinem widerpart allein im felde fechten. Last mich/ seid unbesorgt: Ich wil mit meiner hand Befestigen den bund/ bleibt itzt an ewrem stand. E s muß sich Turnus doch/ vermoͤge heilger pflichten/ D ie er hat lassen itzt so schaͤnden und vernichten/ Bequemen zu den streit/ nnd stehen mir allein. In dem er solches redt/ und lieffe mitten ein; Da kam her auf dem feld ein schneller pfeil geflogen/ Und wuste keiner nicht/ von wessen hand und bogen Er abgeschossen war/ wer dieser mann moͤcht seyn/ Der solche grosse krafft dem pfeil koͤnt druͤcken ein ? Wer den Rutulern doch so grossen ruhm und ehre Gaͤb/ ob er ohngefehr geschehen etwan waͤre/ D och oder durchs geschick und weisen Goͤtter rath; E s wurde nun vertuscht die ehre dieser that/ Und wolte niemand wo/ daß er den tapffern helden Verwundet haͤtte/ was von dieser tugend melden. Als Turnus siehet/ daß Eneas aus dem feld E ntweichet/ und nicht mehr bey seinen voͤlckern haͤlt/ Und dessen obersten sich selber drob entsetzen/ Da denckt er seinen muht begierlich außzuwetzen/ In hoffnung/ grosse ding und thaten zu begehn/ Da muͤssen frische pferdt ihm alsbald fertig stehn/ Zeucht seine ruͤstung an/ und schwingt sich auf den wagen Mit einem schnellen sprung und freudigen behagen/ Regiert den zuͤgel selbst/ nimpt manchem tapffern mann D as leben in der fahrt/ und tobet auff dem plan/ Viel Das Zwoͤlffte Buch. Viel weltzet er halb todt/ viel quetscht er mit dem wagen/ Auch vielen/ die sich stracks von ihm weg liessen jagen/ Reist er von haͤnden weg die waffen/ pfeil und spieß/ Und sie denselbigen hernach in ruͤcken stieß. Wie wenn der grimme Mars mit blutigem beginnen Nimmt einen feldzug fuͤr viel beuten zu gewinnen/ Bey Hebrus kalten fluß/ mit schilden thoͤnt und braust/ Und seine pferde treibt mit ungestuͤmer faust. Da pflegen sie sich schnell im felde zu erheben Und koͤnnen suͤd und west mit lauffen uͤberstreben ; Von ihren huffschlag thoͤnt das gantze Thracien/ Man stehet furcht/ zorn/ grimm und list fuͤr ihm her gehn. Das ist das schreckliche und grewliche geleite/ D as in dem kriege hat der Mars an seiner seite. Auff solche weise trieb der Turnus freudiglich D ie pferde mitten in dem streit und uͤbte sich; Daß beydes roß und mañ fuͤr schweiß und hitze rauchtẽi Und mit entbrandtem schnauff fuͤr mattigkeit kaum E r jagt erbarmlich her auf die erschlagnen zu/ (hauchtẽ. Und ließ die todten auch nicht haben ihre ruh. So gar/ daß seine pferd mit ungestuͤmen fuͤssen/ Sich netzten mit dem blut/ und tropffen fallen liessen/ Vnd war das dicke blut getreten in den sand/ D as anzusehen war ein jaͤmmerlicher stand. Er hatte manchen nun erlegt/ theils mit dem schwerdte/ Theils mit dem spieß und pfeil gefaͤllet zu der erde/ Als nemblich Thamarim und Polim fuͤr der faust Den Stenelum von fern/ auf den der spieß sehr braust/ Und Das Zwoͤlffte Buch. Und ihm das leben nahm. So haben auch das leben Imbrasi beyde soͤhn erschossen auffgegeben/ Die er zog selber auff im lande Lycien/ Und sie mit gleicher wehr und ruͤstung hat vorsehn/ Und außstaffiert zum krieg/ entweder daß sie solten Zu fusse ziehen fort/ doch oder/ so sie wolten Zu rosse seyn bedient: Da ihre pferde dann So schnell sich huben weg/ daß sie auf freyem plan Den winden lieffen fuͤr: Auff einer andern seite Wagt sich Eumedes frisch immitten in dem streite/ Da er am schaͤrffsten war; Ein wolbehertzter sohn D es edlen Dolons/ strebt nach einem ehrenlohn/ (te/ Und nach des nahmenszier dem Großherrn vater gleich- A llein des vaters ruhm mit muht und faust erreichte/ Der ehmals sich erkuͤhnt zu fodern ihm zu lohn A chillis pferdt/ als er auff kundschafft ritt davon Ins Griegsche lager hin. Tydides aber schonet Sein im geringsten nicht/ und ihn sehr schlecht belohnet/ Diß kuͤhne wagestuͤck/ daß er nun nimmermehr Zu haben diese pferd erlangen wird die E hr/ Als Turnus sahe nun E umedem in der ferne/ D a wolt er mit ihm thun ein gaͤnglein trefflich gerne; Nahm einen leichtẽ spieß/ schwung ihn durchs weite feld/ Der fuhr mit schnurren hin/ und traff den kuͤhnen held; Da hielt er seine pferd und sprang herab vom wagen/ Und uͤber ihn daher ihn gaͤntzlich todt zuschlagen/ Der halb todt war dahin gefallen allbereit/ Und setzt ihm auff den hals mit grosser grimmigkeit R r Den Das Zwoͤlffte Buch. Den fuß/ und reist ihm aus der hand den blancken degen: Als er nun keine krafft mehr hatte sich zu regen/ Stieß er ihm durch die kehl den scharffgewetzten stahl/ Und mehrt mit diesem wort ihm seine todesquaal Sieh da/ Trojaner du/ das land/ das du mit kriege Hast feindlich angetast/ ist dieses: Nun so lige Hier selbst/ und miss dir ab dasselbe: solchen lohn Und schoͤnen ehrenpreiß bekommen die davon/ D ie mit dem kriegesstahl sich doͤrffen an mich reiben/ Ja wol so bauen sie auf staͤdte/ daß sie bleiben. Demselben gab er zu den Buten zum geleit/ Den er mit einem spieß traff in die weiche seit/ Zu diesem that er noch funff tapffre rittersleute/ Die er dem Tod und ihm macht zu beliebter beute/ Den einẽ stuͤrtzt das pferd/ das wild und schuͤcht ern war ; Doch waren sie zu gleich in einerley gefahr. Wie/ wenn der nordwind auff dem hohen meere brauset/ Und nach dem strande zu die wellen treibt und sauset Wo sich kehrt alsdann hin der ungestuͤme wind/ Da fliehn die wolcken auch am himmel hin geschwind: So wichen allerwegs dem Turno gantze hauffen/ Ja fast das gantze heer wolt endlich gar entlauffen; Der ungehaltne muth trieb ihn fort ohn verzug/ Und da die pferde schnell getrieben worden/ schlug Die lufft den federpusch zuruͤck und mit ihm spielte/ Der Phegeus kunte das nicht leiden/ sondern fuͤhlte Nicht wenigen verdruß/ daß er so trotzig war/ Und darumb achtet er nicht einige gefahr/ Stellt Das Zwoͤlffte Buch. Stellt gegen wagen sich und haͤlt so fest den zuͤgel/ Und zwar in vollem lauff gleich einem starcken riegel/ Die pferde schaͤumeten und musten wenden sich; In dem er am gebiß nun hienge trotziglich/ D a er ward mit gewalt von pferden fortgezogen/ Da koͤmmt ein spieß gefaßt mit breitem stahl geflogen/ und dringt den pantzer durch/ der starck und zweifach war Mit bleche wol vermacht/ und gieng ab ohn gefahr/ Und ritzt ihn nur in leib/ und kunte sich noch wenden/ Und werffen vor den schild mit annoch starcken haͤnden/ Gieng auf den feind noch zu/ und wolte seine sach Außtragen mit dem schwerdt und uͤben an ihm rach. Die ungestuͤme Achs und rad stieß ihn danieder. Da ließ ihn Turnus nicht zum stande kommen wieder/ War uͤber ihn stracks her/ hieb ihm den kopff glat ab D er zwischẽ helm und krebs sich ihm zum streich bloß gab; Da gieng er weg und ließ den strumpff in sande ligen ; Als sich nun Turnus so mit kriegen und mit siegen Hielt auf dem kampffplan frisch/ da brachten weg beyseit Menestheus und Achat Eneen aus dem streit Und lager sehr verwundt und blutig: Achan gienge Bey ihnen neben her; Eneas aber hienge D en kopff und gieng herein sich haltend an dem spieß/ War ungeduldig sehr und sich erbittern ließ/ Daß er sich laͤnger nicht in felde kunte schmeissen; Daher bemuͤht er sich den pfel heraus zu reissen: E r wolte/ man solt ihm zu helffen wenden an Das nechste mittel/ so man irgend haben kan. R r 2 Sie Das Zwoͤlffte Buch. Sie solten mit dem schwerdt die wunde weiter machen/ So wehre schon genung gerathen zu den sachen/ Und schneiden tieffer/ wo des pfeiles spitze hafft/ Und helffen/ daß er werd auffs nene fort geschafft In streit: Es war nunmehr Jaͤpis angekommen/ Ein sohn des Jaͤsi/ den Phoͤbus auffgenommen Mit sonderbahrer gnad/ und weil er vorger zeit Ihm sehr war zugethan mit lieb und freundligkeit/ Ließ er ihm seine kunst/ geschickligkeit und gaben In harffenspiel/ weyssag-und schiessen gerne haben. Er aber hatte lust zur edlen artzeney/ Und wolte wissen gern/ wie doch beschaffen sey Der blum-und kraͤuterkrafft/ und fleißig nach ihr streben/ Ob sie schon kein gepral mit plaudern kunte geben/ Noch bringen grossen ruhm/ damit er fuͤr gefahr Des vaters leben mocht erlaͤngern auf viel Jahr/ Bey dem die hoffnung sonst schien gar gering zu werden: Eneas aber stund mit hefftigen beschwerden A n einen grossen spieß sich lehnend voller leid/ Voll unmuth und verdruß/ daß er nicht war im streit. Viel junge leute zwar und sein sohn Ascan stunden Umb ihn her trauriglich/ und klagtn seine wunden Mit weinen und geseufftz ; Doch kehrt er sich nicht dran: Der artzt/ der alte man Jaͤpis angethan Mit einem roͤckelein/ das er zuruͤck geschlagen/ Versuchte zwar viel dings mit zittern und mit zagen/ Gestalt die artzte thun mit ihrer kunst und hand/ Mit kraͤutern mancher art/ und kraͤfften mit verstand/ Wie Das Zwoͤlffte Buch. Wie sie Apollo lehrt/ wolt aber nichts verfangen; Versucht auch mit der hand das eysen zuerlangen: Vergebens! Er griffs an mit einem zaͤngelein ; was halffs ? kein mittel ließ das gluͤck ihm dienstlich seyn Apollo der ihm hat die kunst zu artzeneyen Gelehret/ kunt ihm nicht zu heilen gluͤck verleyheu/ Und gleichwol nam itzt das getuͤmmel und gelaͤrm/ D as schreckliche gelaͤuff/ geraͤusch/ gethoͤn/ geschwaͤrm Nur weiter uͤberhand. Das ungluͤck kam gegangen/ Und war fast fuͤr der thuͤr. Wie war es an zu fangen? Es sahen die/ so uͤmb Eneen stunden her/ Daß von dem dicken staub die lusst jemehr und mehr E rfuͤllet ward/ daraus vernuͤnfftig war zu schliessen/ Es gienge scharff daher mit schlagen/ rennen/ schiessen: Die reuter flohen zu dem lager allgemach Und fielen haͤuffilich die pfeil ins lager nach; Man hoͤret schrecklich schreyn in dem gewuͤrg und mordẽ Beyds welche schlugen tod/ und die erschlagen worden ; Da ward die Venus durch das uͤbergrosse leid E neen ihres sohns mit weh und bangigkeit Geruͤhret und bestuͤrtzt. Als sie nun sorge traͤget/ D ie seine mutter war/ und alles uͤberleget/ Was hierzu dienlich sey/ brach sie das dictam ab Auff Creten Idensberg und ihm dasselbe gab; Ist sonst nicht unbekand den hirsch-und wilden ziegen Wenn sie an einem pfeil/ der an sie hafftet/ ligen; D iß kraut hat rothe bluͤth/ des blaͤtter rauch und weich/ Und siehet/ wie man meint/ dem wilden Poley gleich. R r 3 Das Das Zwoͤlffte Buch. Das brachte Venus nun mit dunckler wolck umbgeben/ Daß sie unsichtbar waͤr/ und tunckts genau und eben In ein von kupffer zu bereitet wannenfaß/ D as angefuͤllet war mit blanckem brunnen Naß/ Und gab ihm heimlich ein zu heilen sondre kraͤffte/ That von der Goͤtter speiß hinzu die besten saͤffte/ Wie auch die Panace am ruch und heilsamkeit In mancher seuch und sucht beruͤhmet weit und breit. Mit dieser warmen fluth wusch dieser artzt die wunde/ Unwissend/ was darein gethan: alßbald zur stunde Verschwand an seinem leib der schmertzen dergestalt/ D aß in der wunde stund das blut/ und folgte bald der pfeil des artzten hand ohn eingem zwang und drange/ Und ließ sich ziehn heraus: Das wehrete nicht lange; Die vorge krafft kam ihm auffs neu in sein gebein/ Und kunte besser schier/ als vorhin/ gehu herein. wolan ! bringt her dem mañ flugs ohn verzug die waffen! Was stehet ihr noch lang und wollet hier viel gaffen? (So rieff Japis auf und war der erste/ der Die hertzen wiederumb ermahnte zum gewehr/ D em feind zuwiderstehn) diß sind nicht menschenkraͤffte/ Und keines artzten kunst verrichtet solch geschaͤffte; Und meine hand hat dich/ Eneas/ nicht geheilt/ Es hat ein groͤssrer Gott dir irgend zu getheilt sein huͤlff und sondre krafft/ der als ein mensch ist groͤsser/ Und wircket maͤchtiger/ und hilffet dir nun besser/ Und wieder in den streit/ zu thun noch groͤssre werck. Als nun der tapffre held gewonnen neue staͤrck Und Das Zwoͤlffte Buch. Und trug zum streit begier/ da zoch er an die fuͤsse/ Die guͤldnen stieffelen/ drauf schwung er mit dem spiesse: Es daͤucht ihm allerseits zu wider der verzug/ Und wolte gleichsam gehn mit pfeilgeschwindem flug Als an der seite war am arm der schild gehaͤnget/ Und an den leib genung der harnisch angedraͤnget Umbfing er seinen sohn in dieser ruͤstung so/ Und kuͤßt ihm durch den helm/ und sagte frey und froh: Schau! Lerne nun/ mein sohn/ an mir in deiner jugend Was muͤh und arbeit sey mit froͤmmigkeit und tugend/ Lern aber das geluͤck und seinen unbestand An andern: Nun sol dich beschirmen meine hand In dieser kriegsgefahr/ und bringen wol zu stande Mit herrlichem Triumpff in neuem vaterlande. Du aber mach es so/ daß du gedenckst hieran/ Wenn du erwachsen bist/ und wirst/ wie ich/ ein mann. Laß deinen vater dich und Hector deinen vetter/ Der meines vaterlands war/ weil er kunt/ sein retter/ Zur tugend reitzen an ; laß dir ihr beyspiel seyn E in spiegel/ daß du offt magst an sie dencken fein. Als er vermahnet hat den sohn mit diesen worten/ Ließ er sich hindern nichts/ und gieng hinaus zur pforten/ Schwung einen grossen spieß in seiner starcken faust/ D aß/ da stes sahen an/ den feinden dafuͤr graust Der Autheus und Menesth/ und die gesamten hauffen Die vorhin waren fuͤr dem feind zuruͤck gelauffen/ Itzt eileten zugleich mit ihren obersten Und fuͤrsten an den feind mit frischer krafft zu gehn R r 4 Da Das Zwoͤlffte Buch. Da sah man dicken staub sich auff dem feld erheben/ D a hoͤrte man die erd von ihrem traben beben. D er Turnus sahe sie ankommen von der wart/ Das volck der Welschen sah sie auch/ und drob erstarrt/ Das zittern und die furcht fuhr ihnen ins gebeine/ D aß sie erkalteten und starrten/ wie die steine/ Juturna hoͤrets erst erkennend das gethoͤn/ Erschrack und wich zuruͤck/ und wolte da nicht stehn. E neas aber fleugt und fuͤhrt den dicken hauffen Mit aller eil ins feld/ sich mit dem feind zu rauffen. Wie/ wenn ein siurmwind bricht mit ungestuͤm daher Dem lande zu/ und legt sich mitten uͤbers meer ; D a fuͤhlt der arme bawr in seinem hertzen schrecken/ Als der sich ahnen laͤst/ daß sich ein wind erwecken Und schrecklich toben werd. Ach leider! saget er/ Die winde bringen uns viel schaden und beschwer/ Da werden sie die baͤum außreissen in den waͤldern/ D a werden sie das korn zerschlagen in den feldern/ Und alles weit und breit zu grunde richten hin/ Das hat mir lange schon geahnt in meinem sinn/ D a vorher weht ein wind und nach dem lande sauset. Auff gleiche weise zeucht der Troerfuͤrst und brauset E ntgegen seinen seind. D ie voͤlcker ziehen dicht Zusammen haͤuffig her: Ein jeder ist erpicht Zu treffen auf den feind. Thymbreus zuͤckt den degeñ/ Und kan den starcken mann Osirin niederlegen; Menestheus schlaͤgt Archet/ Achat den E pulon/ Der Ufens wird erwuͤrgt im ersten angriff schon Vom Das Zwoͤlffte Buch. Vom Gyas/ es bleibt selbst der schlimme zeichendeuter Tolumaius/ der erst sich sehen ließ/ als streiter/ Und schoß den ersten pfeil auf der Trojaner heer/ Es wurd ein groß geschrey/ es fliehn die Rutuler/ Und nehmen uͤbers feld die flucht/ das alles staͤubet/ Und sind fuͤr schneller furcht geblendet und betaͤubet/ Eneas aber haͤlt sie nicht der ehrenwerth Zuschlagen selbst und sie verfolgen mit dem schwerdt. Und moͤgen gleich zu fuß seyn oder roß bedienet/ Auch keinen/ der sich mit dem spieß und pfeil erkuͤhnet Zu schiessen in seyn heer. Er suchet nur allein Den Turnus/ wie er bald sein moͤchte maͤchtig seyn. Und sahe sich nach ihm umb in dem dicken staube/ Mit ihm wil er den streit angehn/ an seinen raube E rgetzen seinen sinn: Das macht dem fraͤuelein Juturnen ungemach/ furcht/ knmmer/ sorg und streit ; Doch mahnte sie sich an und stieß den kutscher abe/ Der Turnum fuͤhren solt/ und ihm so eines gabe/ D aß von der deistel er hinweg fiel ziemlich weit/ Und ließ ihn ligen da: Sie aber war bereit A n seiner stell und ort den zuͤgel zu regieren/ Und ihren bruder so/ wie ihr recht duͤncket/ fuͤhren; War allerdinges gleich Metisco an der sprach An leibs gestalt/ manier/ wie auch den waffen nach. wie eine schwartze schwalb/ weñ sie fleugt hin und wieder In eines reicheu hauß/ und schwebt bald auf/ bald nieder/ In dem sie sammelet ein wenig nahrung ein Fuͤr ihre zwitzerend und junge schwaͤlbelein. R r 5 Bald Das Zwoͤlffte Buch. Bald fleugt sie hin und her im hauß/ das forn und hinden Ist offen/ laͤßet sich bald bey den seen finden: So fuhr Juturna mit den pferden durch den streit Und feinde/ kutschte drauff mit grosser schnelligkeit Bald hie/ bald dort hindurch/ und ließ den brnder sehen Bald hier/ bald dort zu feld in blancken waffen stehen/ Der sich sehr frewete/ als wehrs wol aus gericht: Sie wolte gleichwol doch durchaus gestatten nicht/ Daß er absonders sich mit den Trojanern schluͤge/ Fuhr also/ daß sie weit sich von Eneen buͤge: So gieng E neas auch nicht minder in die kruͤmm Zu kommen ihm in weg/ er lieff lang uͤmm und uͤmm/ Gieng ihm nach auff der spur immitten durch die menge Der feinde/ da er ihm macht raum durch das gedraͤnge/ Daß alles stob und flog wie staub hin in die lufft/ Er rieff mit lauter stimm den Turnus: Ja wie offt E r dessen name wahr/ und lieffe nach dem wagen/ So offt kunt anders wo ihn hin Juturna jagen/ Was solt er leider! thun? Er wallet fuͤr und fuͤr In seinem sinn umbsonst mit mancherley begier/ Und fiel ihm immer ein was widrigs in gedancken/ Daß er vom ersten zweg und fuͤrsatz muste wancken; Messapus/ welcher gleich trug zweene schlancke spieß In seiner lincken hand/ und hatte leichte fuͤß/ Die spiesse waren dicht mit eysen forn beschlagen/ E rfasset einen stracks und scheut sich nicht zu wagen Auff ihm zu werffen loß/ er hoffete gewiß/ Er wolte bringen an geluͤcklich seinen spieß E neas Das Zwoͤlffte Buch. E neas stunde still ohn alle furcht und schrecken Und kunt behende sich mit seinem schilde decken/ Buͤckt sich ein wenig nur auffs knie/ doch ruͤhrt der spieß Das oberste vom helm/ und ihm herunter stieß D en schoͤnen federpusch/ der oben stack im kamme/ D a wurd er angefeurt von grimmer zornes flamme/ Und durch die hinterlist gezwungen gar zu sehr: Als er die pferde nun sieht immer mehr und mehr Gehn einen andern weg/ verflucht er diese vhede/ Und rufft den Jupiter mit einer langen rede Zum zeugen druͤber an/ es waͤre beym altar/ D er vorgemachte bund zertrennet gantz und gar ; Da siel er endlich an/ und kam in grimm gelauffen/ Immitten da der feind sich hielt mit dicken hauffen/ Und fieng ein grimmiges gewuͤrg erschrecklich an Ohn allem unterscheid gantz siegreich auf dem plan/ Und liesse seinen zorn den zuͤgel gaͤntzlich schiessen/ So lang er kunte nur mit pfeilen und mit spiessen Die feinde raͤumen auf. was fuͤr ein Gott wil mir Nun helffen thun bericht mit meldung nach begier So mancherley gewuͤrg/ so grosse niederlagen So vieler helden tod und siege fuͤr zu tragen Wie eins umbs andere/ bald Turnus sieget an/ Bald der Trojaner fuͤrst blieb siegherr auf dem plan/ Und sich erherbeten mit langem streit und morden/ Daß viel viel tausend sind im feld erschlagen worden/ Wie hat dir moͤgen das gefallen/ Jupiter/ Daß diese voͤlcker nun so grimmig zogen her/ Sich Das Zwoͤlffte Buch. Sich selbst zu reiben auff/ und wolten nicht ermuͤden Die kuͤnfftig solten seyn verknuͤpfft mit ewgem frieden? E neas/ der sich nicht ließ lange halten auff/ Stieß einem Rutuler Sucroni in dem lauff Den degen in die seit/ der durch die rippen gienge Des hertzens zaun/ da sich der tod kan schlechte dinge Und leichtlich dringen ein: Durch diesen streit geschach/ Daß die Trojaner erst mit hauffen setzten nach/ Und hielten festen stand/ die vor fast fluͤchtig waren/ Fuͤr Sucron ; Dann kam auch der Turnus hergefahrẽ/ Und schlug die bruͤder todt/ D ior und Amycum Die er vom pferde riß/ da er stritt wiederumb Zu fuß/ den einen mit dem umgekehrten spiesse/ Dem andern in den leib die foͤrderspitze stiesse/ Und da er ihnen ab-den kopff-gehauen hat/ Hieng er sie oben auff dem wagen/ noch nicht satt D er rache/ fuͤhrte sie mit sich mit stoltzem muhte/ Die einen fernen Weg noch troffen von dem blute. Eneas stuͤrtzete den Talon/ Tanain Und tapffern Crethea in einem gange hin: Erschlug auch den Onyt/ der ernsthafft anzusehen: D en Turnus sahe man auff zweene bruͤder gehen/ Die waren buͤrtig aus dem lande Lycien/ Wo man des Phoͤbus kirch und gegend siehet stehn ; Auch einen juͤngeling/ Menoͤtes war sein nahme/ Der aus Arcadien zu diesem kriege kame/ Fuͤr dem er abschew ttug/ das doch vergebens war/ E r muste gleichwol dran/ und dißmal lassen haar. Er Das Zwoͤlffte Buch. E r war ein fischer/ eh er sich in krieg begabe Bey Lerna see und hat daselbst geringe haabe Und armes haͤusselein; D orfft aber keine pflicht Noch hoffdienst legen ab/ auch mißgunst schewen nicht ; Sein vater bawete ein stuͤcke feld und acker/ Den er gemiethet hat/ und pfluͤgt ihn frisch und wacker: Gleich wie zwey feuer angelegt in duͤrrer heyd An unterschiednen ort sich strecken weit und breit/ Man hoͤrt das knistern fern der dicken Lorbeerstraͤuche/ Doch oder wenn herab von bergen baͤch und teiche Mit schaͤumenden geraͤusch abschiessen in das meer/ D a jedes was ihm koͤmpt in weg/ erschrecklich sehr Verwuͤstet und verheert. Nicht minder als die flam̃en Und fluthen fuͤhren her auf ihren feind zusammen Die beyden obersten Eneas und der Turn Im newerregten streit/ und wallete der zorn In ihrem sinn und muth nicht anders als die wellen/ Die manches fichtenhauß zerbrechen und zerschellen ; Die hertzen/ welche sich erhaͤrteten im streit/ Und keines wolte hier fuͤr bittre feindligkeit Dem andern geben nach/ die musten gleichsam brechen Von zorn und grimmigkeit/ und suchten fug zu raͤchen Ein jeder seinen schimpff: Es ward da krafft/ verstand Und alle muͤgligkeit versucht und angewandt Zu toͤdten seinen feind/ und wunden anzuhefften/ Daß aus dem leibe fuhr der geist mit allen kraͤfften Des lebens: Dannenher traff hier Eneas an Mit einem grossen stein den trotzigen Murran/ D er Das Zwoͤlffte Buch. Der auf sein alt geschlecht und lange reyh der ahnen Auf wappen/ schild und helm/ auf wagẽ/ zeug und fahnen Viel ruͤhmens machen wolt/ und daß sein elteren Gewesen Koͤnige im lande Latien: Und warff ihn uͤber halß und kopff ergrimmet abe/ Und stuͤrtzt ihn erdenwerts/ daß er den geist auffgabe; Es giengen/ da er fiel/ die raͤder uͤberher/ Und traten erlichmal die pferde/ die nicht mehr An ihren herren nun gedachten in dem lauffen/ Auf seinen leib: D a lag er greulich unterm hauffen Zertreten und zerquetscht; Der Turnus kam daher. Und stieß dem Hilo auf/ der sich zur gegenwehr Stellt unerschrocken ein/ war grimmig anzusehen; Ließ aber einen spieß gewaltig auf ihn gehen/ Und traff ihn an den schlaff/ daß ihm mit starcken schuß D er spieß gieng beydes durch den helm und kopff ; da floß Das blut und hirn heraus. Dein tapfferes beginnen Und ritterliche faust hat gleichwol dich nicht koͤnnen/ O Creteus/ machen frey von Turni grimmigkeit ; E s hat Cupentum/ da Eneas kam in streit/ Sein priesterlicher stand durchaus auch nichts genuͤtzet/ Noch ihn den armen man sein dicker schild geschuͤtzet; Er gab die brust stracks bloß. Man hat auch/ E ol/ dich Im Laurentiner feld gesehen jaͤmmerlich Erschlagen fallen hin und weit die erde decken Mit deines leibes groͤß: Es hat dich koͤnnen strecken Der tod zu boden hin : Dem keiner Griechen macht Hat vormals obgesiegt noch unter sich gebracht. Achilles Das Zwoͤlffte Buch. Achilles selber nicht/ den Priams reich zerstoͤret Und umbgekehret hat: Dein tod war dir bescheret Diß mahl an diesem ort/ hier war es mit dir aus/ An Idens berge stund dein hoch erbautes hauß/ Und in der stadt Lyrness. Dein grab war auf dem grunde D es Laurentiner felds: So gab es manche wunde Bey diesem friedens bruch/ und sielen nicht allein Die beiden Hertzogen ins volck mit wuͤrgen ein; Es waren alle sammt Latiner und Trojaner Verwickelt in dem streit/ das fußvolck der Tuscaner Menestheus und Serest das tapffre helden paar/ Messapus der ein mann versucht in reiten war Nicht weniger Asyl ein wol behertzter streiter/ D es Koͤngs der A rcader Evandri tapffrer reuter; E in jeder muͤhet sich/ so viel er immer kan Und wendt sein euserstes vermoͤgen muthig dran. Es ward kein einge frist noch auffschub hier gelitten/ Es ward mit grossem ernst und eifferssucht gestritten. Damals gab Venus ein E neen in den sinn/ Daß er mit seinem Volck zur Vestung kehrte hin/ Und zwar in aller eil den feinden zu erwecken Mit schnellem uͤberfall ein unvorsehnes schrecken: Denn als er Turnum sucht in hauffen hier und dort/ Und sein gesichte wand an unterschiednen ort Ward er der stadt gewahr/ daß sie in ruhe sasse/ Ohn furcht und krieges frey/ und seiner gantz vergasse/ So bald trug er begier ein wichtiger gefecht Und streit zu fahen an nach krieges list und recht; Er Das Zwaͤlffte Buch. Er liesse fodern fuͤr den Mnesteus und S ergesten/ Die kapffern obersten/ ingleichen den Seresten/ Trat in die hoͤh/ wohin die anderen in eil Auch lieffen haͤuffiglich/ und legten mittlerweil D ie spieß und schild nicht weg. Eneas hub die rede Mit solchen worten an: Ihr wißt/ was newe vhede D er feind uns hat gemacht: Das kein verzug nun sey An dem/ was ich euch wil berichten rund und frey. Es stehet Jupiter bey uns der hoͤchst im himmel ( D enn wir ja haben nicht erreget diß getuͤmmel ) Er hat genommen an den eid von unserm mund/ Und seine Gottheit hat bestaͤtiget den bund. Weil aber nun der feind ist bruͤchig daran worden Und angerichtet hat auffs newe krieg und morden/ So hat er Gott erzuͤrnt/ und traͤget furcht und schew/ Daß ihm die straffe nun nicht auf dem halse sey. Ob ich nun schleunig zwar die sache fuͤrgenommen/ Und euch gefodert hab hieher gesampt zu kommen; Sol keiner darumb doch sich zeigen traͤg und bloͤd; Drumb gebet ferner acht auf diese meine red: Wo diese leute nicht den sieg uns werden goͤnnen/ Noch unser regiment gehorsamlich erkennen: Wil ich heut diese stadt und koͤniglichen sitz/ Als die verursacht hat den kriegessturm und plitz/ Zerstoͤren in den grund/ und machen gleich der erden/ Und sollen die pallaͤst gantz eingeaͤschert werden; Ja ich wil warten drauff/ bis Turnus trag begier Zu gehen in den kampff/ und schlage sich mit mir/ Der Das Zwoͤlffte Buch. Der von mir vorhin schon ist worden uͤberwunden: An dieser stadt hab ich/ ihr lieben Troer/ funden Die ursach dieses kriegs : Der kan mit dieser stadt auch finden ziel und maß. drumb thut nach meinen rath/ Und bringt flugs fackeln her mit feuer sie zu daͤmpffen Damit sie kom̃en nach dem bund und nicht mehr kaͤmpf- Hier schloß er seine red/ und der Trojaner volck (fen. That sich gesammt zugleich/ wie eine dicke wolck/ Und zogen dick und eng zusammen nach den mauren ; Die buͤrger sahens an mit zittern/ furcht und schauren ; Es wurden leitern angeleget zu dem sturm/ Man sahe brennen schon das feuer auff dem thurm/ Es lieffen etliche entruͤstet zu den thoren D a war die foͤrderste wacht allbereit verlohren Vnd mit dem schwerdt erlegt: Viel liessen im gedraͤng Abgehen starcke spieß/ und zwar in solcher meng/ Daß auch der lichte thron des himmels wurd erfuͤllet Von dicker finsternuͤß und gleichsam eingehuͤller; E neas reckte selbst die rechte hand zur stadt Fuͤr allen anderen und eine schutzred that/ Und gab dem koͤnige Latin mit lauter stimme D ie schuld ohn bitteren und unversoͤhntem grimme/ Vnd rufft die Goͤtter an zum zeugen heiliglich/ Man wolt ihn wiederumb erzwingen/ daß er sich Ließ ein in langen streit: E s wehre schon gekommen/ Daß er zum zweitenmal die waffen angenommen/ Und die Latiner ihm die feindschafft boͤten an/ Und waͤr der andre bund schon nichtig abgethan; S s Die Das Zwoͤlffte Buch. D ie buͤrgerschafft kam an erschrecken/ furcht und zagen/ Und kunten unter sich einander nicht vertragen: Es sagten etliche/ man solte nur die stadt Den Troern schliessen auff/ es waͤr der beste raht/ Und oͤffnen thuͤr und thor. Sie zwungen auch zu gehen Den koͤnig selber mit zu wall/ und da zu stehen: E s griffen andre zum gewehr und eileten/ Zu schuͤtzen ihre stadt/ und auff der maur zu srehn. Als wenn ein hirte hat gesuchet auf viel bienen/ D ie ihm zu seiner lust und nutzen koͤnnen dienen/ Und sie in einen felß zusammen scharret ein/ Und laͤsset ihnen rauch und stanck beschwerlich seyn: D ie bienen aber/ die sich ihres zustands wegen Besorgen kuͤmmerlich/ und sich nicht koͤnnen regen Mit freyer lust ins feld/ ergrimmen hefftig sehr/ Und lauffen zorniglich in zellen hin und her D er schwartze rauch zieht fort in ihren engen clausen ; Da hoͤret man/ wie sie in felsen drinnen sausen/ Und summen hefftiglich: Bis endlich allgemach Der rauch zeucht in die lufft. Also auch hier geschach/ Und gieng so eben zu mit den Latiner leuten/ Die matt und muͤde nicht mehr kunten tapffer streiten/ Da sie so uͤberfiel die schwere truͤbsals zeit/ Dadurch die gantze stadt erschrack mit hertzeleid/ Als nun die koͤnigin Amata sahe ziehen Den feind so auf die stadt mit zornigem bemuͤhen/ Und daß sie haben itzt vorhanden lerm und sturm/ Und itzt das feuer flog hinan auff dach und thurm; Hinge- Das Zwoͤlffte Buch. Hingegen ließ kein volck der Rutuler sich sehen/ Noch Turnus fande sich/ dem feind zu widerstehen; D a meint die arme fraw/ der juͤngling waͤr im streit Geblieben/ fiel geschwind/ in grosse traurigkeit/ Und rieff gantz uͤberlaut: E s waͤr ihr beyzumessen Die ursach dieses kriegs/ was itzund und fuͤr dessen Geschehn/ und gienge fuͤr/ das waͤr all ihre schuld/ Sie haͤtte dis und das so leicht nicht thun gesollt. Als sie aus wahnwitz nun und vielheit des getoͤsses/ Das ihr fuͤr ohren war/ geredet hat viel boͤses/ Und endlich gar gerieth in volle rasenheit/ Zerriss sie ihren schleyr und purpurfarbnes kleid. Und weil sie aus verdruß des lebens sich stets kraͤncket/ So hat sie sich allein am balcken auffgehencket/ Und schrecklich angethan den ungestalten tod. A ls nun das frawenvolck dis ungeluͤck und noht Ja tod der koͤnigin erfahren und vernommen/ Sind sie von sinnen fast fuͤr grossem leid gekommen. Lavinia zerriß ihr schoͤn und gelbes haar/ Und wuste nicht/ wie ihr geschach/ und wie ihr war; Zerkratzte grimmiglich die rosenrohte wangen/ Es kamen zu ihr auch die andern weiber gangen/ Die rasen eben so mit solchem grewl und grauß/ Daß davon thoͤnet gantz das koͤnigliche hauß. Von dannen kam der ruff und ungluͤckhaffte sage Durch diese gantze stadt mit allgemeiner klage Und graͤßlichem geheul: Da sancke muth und hand/ Und war mit allem thun elendiglich bewandt. S s 2 Der Das Zwoͤlffte Buch. Der koͤnig selber riß das kleid von seinem leibe/ Als er den schnoͤden tod erfuhr von seinem weibe/ Und dann berichtet ward von zustand und gefahr Der stadt/ daß es so weit nun leider ! kommen war; E r wurde gantz bestuͤrtzt und starrete fuͤr schrecken/ Und kunte weder sich begreiffen noch erwecken Zum ansehn seines stands/ besudelte das haar Im staube hin und her/ das sehr begrawet war/ Und gab ihm selber schuld/ daß er nicht angenommen Eneen haͤtte vor/ daß er zur heyraht kommen Fuͤr Turno waͤre laͤngst. Als dis nun war geschehn/ Verfolgte Turnus noch den rest der fluͤchtigen/ Im eussersten gefild/ war aber nun geworden Was laͤßig/ traͤg und muͤd durch solche jagt und mordẽ; Auch waren seine pferd nicht mehr so frisch zum lauff/ D aher war er betruͤbt/ und nicht so gar wol auff/ Das schreyen war ihm zwar mit blindem schrecken kom- Vermischet zu gehoͤr; Doch hat er nicht genom̃en (men Die ursach dessen ein; D as wars/ daß er kunt sehn Und daraus nehmen ab/ es muͤste so nicht stehn Wie ers gelassen haͤtt/ doch must er zu dem lermen D er sehr verwirrten stadt und ungewoͤhnlich schwermen Die ohren spitzen hin. Was grosse traurigkeit/ Ach leider! ( saget er) mag diese arme leut Betruͤben in der stadt! Wie koͤmpt von allen ecken Der stadt ein groß geschrey ? Wer hat doch solches schre- Und ungestuͤm erregt ? Mit diesem zeucht er an (cken D en zuͤgel/ und haͤlt still/ nicht wissend wie er dran/ Und Das Zwoͤlffte Buch. Und wie er ist bekehrt. Als er nun so muß schweben In tieffem zweiffelmuht/ koͤmpt seine schwester eben Juturna/ die vorhin verstellt sein kutscher war/ Die ihn selbst fuͤhrte/ daß er nicht kaͤm in gefahr/ Und redte mit ihm so: Mein Turne/ laß uns gehen Hiedurch/ da uns der sieg/ dem feind mit gluͤck zu stehen/ A m ersten wird gezeigt. E s sind wol andre dort Zum schutz der stadt bestellt: Es setzt nach fort und fort Eneas in das volck der Welschen und Latiner Und tummelt sich in streit je freudiger und kuͤhner: Laß uns der Troer auch erwuͤrgen gleich so viel Und ebner massen frisch hinwagen dieses spiel. Du wirst nicht weniger Trojaner niederschlagen Noch etwa schlechtern ruhm aus diesem kampffe tragen: D arauff gab Turnus ihr dies antwort und bescheid: O liebe schwester/ wie koͤmpst du in diesen streit ? Ich hab es laͤngst gemerckt/ daß du mich hast betrogen/ Und daß dus waͤrest selbst/ als du kamst auffgezogen/ Da du den bund mit list anfaͤnglich machtest irr/ Fuhrst mitten in dem streit und fiengest solch gewirr In solchen sachen an: Nun kan ich dich recht kennen/ D aß du Juturna bist: Du wirst nun dein beginnen/ Samb du Metiscus seyst/ nicht bergen gegen mir/ Du magst auch was du wilst mir listig bringen fuͤr. Wer hat von Goͤttern doch begehrt/ daß du vom him̃el Kaͤmst her und naͤhmst auff dich in solcherley getuͤmmel So grosse muͤh ? Sag an/ ist das von dir geschehn/ Daß du den bittern tod des bruders moͤchtest sehn? S s 3 Denn Das Zwoͤlffte Buch. Denn was ist sonst mein thun ? was hoff ich doch verge- auf gluͤck/ zu fristung des ohn das sehr kurtzen lebens: (bens Ich hab fuͤr augen selbst gesehen/ daß Murran Der unverzagte held/ dem ich war zugethan Fuͤr allen anderen mit unbefleckte liebe/ An einer grossen wund erleget ruͤhmlich bliebe/ Und mich/ in dem er so mit noth umbgeben war/ Bey meinem namen rieff/ daß ich ihn aus gefahr Des lebens machte frey. Auff ebne weis und massen Hat der unselige man Ufens muͤssen lassen Sein leben auf dem plan/ damit er unsre schmach Nicht doͤrffte sehen an noch ander ungemach. D ie Troer haben nun den leichnam mit den waffen: Sol ich denn geben zu/ daß sie mit-alles-raffen Die stadt geschleiffet werd ( mehr ist ja uͤbrig nicht) Darauff ist ja der feind mit allem grimm erpicht? Sol ichmit meiner faust nicht widerlegen koͤnnen Des Drances pralerey? Sol ich deñ fliehn von hinnen ? Und sol noch dieses land den Turnus fliehen sehn ? Wie wuͤrde dann sein lob und schoͤne thaten stehn ? Ists denn so elend ding umb das gemeine sterben/ Daß einer lieber leb mit schanden/ als erwerben Im sterben ewig lob? Ihr hellischen erzeigt Mir gnade/ weil die gunst der himmlischen sich neigt/ Ja gaͤntzlich hat gewand. E s sol doch meine seele Mit schanden unbefleckt ziehn aus des leibes hoͤhle/ Und zu euch fahren hin in meiner ahnen grab/ D er ich derselben mich unwuͤrdig niemals hab Ver- Das Zwoͤlffte Buch. Verhalten: kaumlich hatt er dieses wort gesprochen/ Der nicht begehrete zusterben ungerochen/ Schau! Da kam Sages her auf einem tapffern roß/ Dem voller helden-gier das maul vom schaume floß/ Der mitten durch den feind kam fluͤchtig her geritten/ Dem das gesichte hat ein scharffer pfeil zerschnitten/ Und rieff/ in dem er rennt/ mit namen Turnus zn: O Turne/ auff dir steht mein heil und lebensruh. Nim̃ dich der deinen an und leiste schutz den schwachen ; Eneas faͤhret her mit waffen plitz und krachen/ Und dreut zu reisen ab und gantz zu tilgen aus/ Die herrligkeit des lands und koͤnigliche hauß Die fackeln fliegen schon hinauff zum thurn und dache/ D as volck sieht nun auff dich und deinen schutz und rache: Der koͤnig schwebet selbst in zweiffelhafftem wahn/ Zu welchen theil er sich sol schlagen/ wen er an/ Zum eydam-nehmen sol; und welches zu beklagen/ So ist die koͤnigin/ die ;u dir hat getragen Rechtschaffne liebestreu/ aus angst und hertzeleid Durch eigne hand ertoͤdt/ und hat der suͤßigkeit Des lichts sich selbst beraubt: Wir haben viel verlohrẽ ; Messap und Atinas beschuͤtzen noch die thoren/ Und widerstehn dem feind mit edler tapfferkeit; Es stehet umb sie her ein grosses volck im streit/ Und zwar auf beyden theil/ da man sieht eysen-spitzen Von spiessen und gewehr mit grossen grausen plitzen In solcher menge/ wie das dicke korn im feld: Was machst du/ Turne/ hier/ du weitberuͤhmter held? S s 4 Wilst Das Zwoͤlffte Buch. Wilst du auff leerem plan dich tummeln mit dem wagẽ/ Und mit den feinden nicht/ wie sonst/ erkecket schlagen? Er aber ward bestuͤrtzt durch vieler dinge schein Und fuͤrgebildtem wahn/ die bey ihm schlichen ein/ Und kamen in den sinn; Stund still und schlug zur erdẽ Mit tieffer rraurigkeit die augen und gebaͤrden; D ie grosse scham/ daß sein das volck vermisste sehr/ Der tolle sinn/ daß nun Eneas trug die ehr/ Und kraͤntzelein davon: D as leid und trawer noͤhten/ Daß sich die koͤnigin hat selber wollen toͤdten/ Die liebe/ die sich nun in grossen grimm verkehrt/ Weil er sah/ daß die braut Eneen war beschert/ Und dann der tapffre muht/ den er bey sich noch fuͤhlte/ Des er sich war bewust/ und noch auff ehre zielte/ Erregt zu innerst ihm im hertzen zorn und wuͤt. So bald er wieder nun begriffe sein gemuͤth/ Und zu sich selber kam nach hingelegtem trauren/ Besann er sich und wand zur vestung wall und mauren Die feurgen augen mit verwirrtem stuͤrmschen sinn/ Und sahe nach der stadt von seinem wagen hin. Da sahe man ein feur mit dickem rauch und flammen/ Das im gehoͤltze war entstanden/ gehn zusammen/ Stieg bis ans wolckenzelt/ und nahm den thurn gantz ein Den Turnus selber hat zum schutz der stadt allein Hach lassen fuͤhren auff/ in dem viel balcken waren Zusammen fest gefuͤgt; Ließ raͤder/ daß man fahren In selbtem kunte fort/ verfertigen daran/ Es wurden bruͤcken auch gebawt und angethan. Nun/ Das Zwoͤlffte Buch. Nun/ liebe schwester/ nimpt das Goͤttliche vorsehen Und ordnung uͤberhand/ ich kan nicht laͤnger stehen/ Halt mich doch nicht mehr auff: Laß uns nur folgen hin Ohn widerspenstigkeit/ wo Gottes will und sinn Und widerwertig gluͤck uns haben wil und leiten ; Ich bin entschlossen mit Eneen nun zu streiten/ Ja alle bitterkeit des todes außzustehn/ Sie mag seyn/ wie sie woͤll: Du solst mich nimmer sehn Einlegen schand und schimpff/ du wollest mir nur goͤnnẽ/ Bitt ich/ daß ich zuvor mag meinen tollen sinnen E in sattes gnuͤgen thun: So sagt der kuͤhne held/ Und sprang darauff geschwind vom wagen ab ins feld/ Ließ seine schwester stehn/ die traurig war/ zuruͤcke/ (stuͤcke Und lieff durch spieß und schwerdt: wie wenn ein felsen- Von seinem berg bricht loß/ entweder durch den wind/ Durch einen starcken guß/ doch oder weil er schwind Durch menge seiner jahr/ und lange hat gehangen/ D a faͤhrt er fort/ wenn er hat einmal angefangen Zu fallen/ laͤufft hinab mit stetem ungestuͤm/ Springt an dem berg offt auff/ und reisset alles uͤmm/ vieh/ menschen/ baͤum und was ihm irgend steht im wege: So machsts der Turnus auch/ als er wurd einmal rege/ Nahm rifch in voller eil den weg zur mauer zu/ Und wolte seinem sinn nun goͤnnen keine ruh. Wo er hin-wolte-durch/ da must ihm alles weichen/ Der fiele gar gewiß/ den er nur kunt erreichen/ Die erde war genetzt vom blut/ das floß daher Und rauschten in der lnfft die spiesse schrecklich sehr. S s 5 Er Das Zwoͤlffte Buch. Er winckte mit der hand/ und rufft mit lauter stimme ; Ihr Rutuler/ steht ab vom ewrem streit und grimme/ Halt/ ihr Latiner/ doch mit ewrem schiessen ein/ E s gehe/ wie es woͤll/ sol die gefahr allein Des kampffs betreffen mich. Es ist vielmehr den rechtẽ Und billigkeit gemaͤß/ daß ihr mich lasset fechten/ Und buͤssen aus fuͤr euch den auffgerichten bund. D a wich das volck zuruͤck/ das ihm im wege stund/ Und machten raum fuͤr ihn. Eneas aber kehrte Stracks von der mawer/ da er Turnum nennen hoͤrte/ Zog von der vestung ab/ und hub sich eilend fort/ Ließ alles kriegsgeschuͤtz und werck an seinem ort Von hertzen sehr erfreut/ daß einmal gehen solte Der kampff mit Turno an/ gestalt er gerne wolte/ Die waffen/ in den man ihn sah geruͤstet gehn Zum kampffe/ macheten ein schreckliches gethoͤn/ Wie groß der Athosberg/ wie groß des E ryx hoͤhen/ Wie hoch auch Apennin mag in den luͤfften stehen/ Der unter allen ist der hochansehnlichste/ Im fall derselbe hoch bedecket ist mit schnee/ Und wenn die baͤum auf ihm ein groß geraͤusch erregen: So gieng E neas steiff mit seinem spiesse/ degen Und blancken waffenzeug. E s kehreten nunmehr Auf diesen helden hin die augen beyde heer/ Mit eiffriger begier/ beyds so die mauren schuͤtzten/ Und die so draussen sich auf die ergebung spitzten/ Und mit dem sturmgezeug die mauren rennten an/ Und ihr gewehr hinweg von schultern abgethan; D er Das Zwoͤlffte Buch. Der koͤnig muste selbst sich wundern hoͤchster massen/ D aß zweene feldherrn sich in kampff ein-wolten-lassen/ Ja helden/ welche her von theilen gantzer welt Zusammen kamen an geruͤstet in das feld Und stritten fuͤr das recht. Der platz war nun bereitet; Ein jeder auf das best hebt an/ und fuͤr sich streitet: E rst schossen sie von fern mit spiessen wider sich/ Nach diesem rennten sie zusammen tapfferlich/ Und giengen an den kampff mit schild und klingewaffen/ Ja auf einander so mit grossen kraͤfften traffen/ Daß auch die erd erbebt/ und schlugen streich umb streich Mit schwerdtern auf sich zu: Hier war der streit noch Und ließzusam̃en sich das gluͤck uñ tugend bindẽ; (gleich; Und kunte beydes man beym held Eneen finden: Wie/ wenn auf Sylaberg/ doch oder auf Taburn Zween ochsen wider sich gehn grimmiglich im zorn ; D ie hirten/ die darob erschrocken etwas waren/ Gehn abseits/ wollen da erwarten und erfahren Den außgang dieses kampffs: D as andre vieh steht D ie kuͤhe stehn mit furcht/ erheben ihr gebruͤll/ (still/ Zu deuten gleichsam an/ wer unter diesen beyden Sich werde nehmen an zu fuͤhren und zu weiden Das vieh/ und welchem noch die heerde folgen sol; Die ochsen gehen nun zusammen blind und toll/ Und stossen auf sich zu mit ihrer hoͤrner kraͤfften/ Mit rennen in den leib und wunden anzuhefften ; Das blut fleust haͤuffig ab von hals und schulteren Der wald auch widerbruͤllt von schrecklichem gethoͤn. So Das Zwoͤlffte Buch. So gingen auch in streit die beyden tapffern helden/ Von welchen man mit fug kan lob und ehre melden ; Sie gaben harte streich einander auff den schild/ Daß von dem grossen knall der himmel wurd erfuͤllt/ D er Jupiter hielt selbst die gleiche wageschaalen/ Und wolt ihr beiderseits geluͤck fuͤr augen mahlen/ Und ihr bescheidnes theil nach Goͤttlichem geschick/ Wer von den beyden wuͤrderhalten sieg und gluͤck/ Und wem das strenge recht der tod bescheeret waͤre: D a sprunge Turnus her zu haben lob und ehre; Und holt aus mit dem schwerdt so hoch er immer kunt/ In meinung/ daß er ihm wolt hefften eine wund D ie ungerochen blieb/ und wurd umb so viel kuͤhner/ Da machten ein geschrey die Troer und Latiner/ Fuͤr furcht und hoffnung zag/ die beyde kriegesheer E rwarteten/ wer doch wuͤrd haben preiß und ehr: D a sprung in huy entzwey die ungetreue klinge/ D arauff er mitten in dem streiche grosse dinge Und hoffnung stellete/ beflammet vom begier/ und ließ ihn stehn im stich mit schimpff und schanden hier In toͤdlicher gefahr/ wenn er nicht waͤr entkommen/ Und haͤtt auff diesesmal die flucht in eil genommen: D enu als er ward gewahr/ daß er in seiner hand Hatt das gefaͤsse nur/ das ihm doch unbekand/ D ieweil es nicht war sein/ und war beraubt der waffen/ Da lieff er wie der wind/ sich aus dem streit zuraffen. Man fagt/ als Turnus ließ zu schleunig spannen an Und zu den ersten kampff beschritt den offnen plan/ Hab Das Zwoͤlffte Buch. Hab er des vaters schwerdt daheim vergessner massen/ In dem er hastig nahm des kutschers schwerdt/ gelassen; Und dieses hielte sich sehr wol und lange zeit/ D ieweil das Troeroolck floh hin und her zerstrewt. Als aber dieses schwerdt/ das menschen haͤnde machen/ Wolt an den waffen/ die Vulcan geschmiedet/ krachen/ Zersprung es von dem schlag: Wie ein gebraͤchlich eyß/ Und lag da glintzerend im sande stuͤckenweis. Da flohe Turnus auf dem platz die laͤng und quere/ Der nunmehr wuste nicht/ wie ihm zu helffen waͤre/ Und lieff bald hin bald her/ bald niederwerts/ bald auf/ Und hielte gang und tritt gar ungewiß im lauff. Denn das Trojanerheer umbgab ihn rings mit hauffen/ D aß er sich kunte nicht entbrechen noch entlauffen ; Theils schleust ihn ein die see und sumpffichte morast Theils wird er von der maur umbringet und gefasst. Nicht minder setzt ihm nach Eneas (ungeachtet Daß ihm die wunde noch verhindrung verursachtet/ Und je zuweilen nicht die knie gern wolten fort ) Und folgt ihm auf den fuß gar eiffrig hier und dort/ Wo er nur flohe hin erschrocken und verwirret: Gleich wie ein zager hirsch/ der hin und wieder irret/ Im fall derselbige hart eingesperret ist Vom wasser/ oder mit dem netz/ das man mit list Von braunen federen dem wild steckt auf zum schrecken/ Umbgeben nirgend weist sich sicher zu verstecken/ Und ihn der jagthund draͤngt mit lauffen und gebell/ E r aber hebet sich anf seine fuͤsse schnell/ Und Das Zwoͤlffte Buch. Und laͤuffet hin und her wol tausent weg und gaͤnge Erschrocken und geschewt/ daß ihm wurd alls zu enge/ Wo er sich wendet hin; Er sieht die schrecke-list Und hohes ufer an/ und weiß nicht/ wie ihm ist: Allein der wackre hund/ so gut als einer kommen Aus Umbria nur kan/ da er die spur vernommen/ Ist hinder ihm noch her mit auffgesperrtem schlund/ Schnappt immer zu nach ihm/ und scheinet ihn itzund Zu haben: Knirschet mit den zeenen/ lechtzt und keichet/ Beißt nach ihm/ doch umbsonst/ den er noch nicht errei- Darauff wurd ein geschrey mit graͤßlicher gestalt/ (chet. Daß da von ufer/ see/ und himmel wiederschallt. Zwar Turnus schallt das volck die Rutuler im fliehen/ weil er des schwerts beraubt dem kampff sich must entzie- Riefjedẽ namentlich/ und wil/ man sol sein schwerdt (hen/ Ihm geben/ daß er steh dem feind/ wie sichs gehoͤrt. Eneas aber drewt denselbigen zu toͤdten/ ( ten; Der ihm wuͤrd vorschub thun/ und huͤlfflich seyn in noͤh- E s solte keiner zu ihm naͤher treten hin: So schreckt er sie/ die schon in ihrem muht und sinn Erzitterten fuͤr furcht/ und ließ sich drewend hoͤren/ E r wolte diese stadt zu grunde gaͤntzlich kehren Und schleiffen/ wo sie ihm dem Turno boͤten hand ! Geht auf den nacken ihm/ zu bringen ihn zum stand/ Ob er gleich selber war verwundet und verletzet/ Sie lieffen umb und umb/ und eins den andern hetzet/ Wol fuͤnffmal auf dem platz herumb/ bald her/ bald hin/ Denn es war nicht zuthun umb schlechten spielgewinn. E s Das Zwoͤlffte Buch. E s ward umb Turni blut und leben hier gestritten. Es hat da ohngefehr gestanden in der mitten E in oͤlbaum auf dem platz mit bittern blaͤtteren/ Der Juno heilig/ daß er solte bleiben stehn ; E s war ein baum/ darauff die guten schifferleute Viel hielten/ und daran zu haͤngen manche beute Und gabem pflegeten: Wenn einer aus gefahr A uff ungestuͤmer see davon gekommen war/ Hieng er die kleider auf zum denckmal und zu ehren Dem Fannus/ dem er sie verlobet/ wenn er kehren Mit gluͤck zu hause wuͤrd: allein es kam so weit Mit diesem heilgen baum/ als ob kein unterscheid Waͤr unter ihm und den gemeinen gartenbaͤumen/ Daß die Trojaner sich nicht scheuten weg zu raͤumen D enselben zu dem end/ auf daß fuͤr rittersleut E r stuͤnde frey und rein zum fechten kampff und streit. In selbtem stamme blieb Eneas spieß bestecken/ So weit noch kunte sich desselben schwung erstrecken/ Und hatte sich daselbst in zaͤher wurtzel tieff Und fest gesetzet ein. Eneas/ welcher lieff Hinzu/ legt sich daran/ und war bemuͤht das eysen Mit gantzer leibeskrafft begierig außzureissen/ Ihn zuverfolgen mit dem spiesse/ weil er mehr Nicht kunte lauffen nach/ und wurd ihn nun zu schwer Ihn zu ereilen: Da stund Turnus so erschrecket Daß er/ wo er gekunt/ sich haͤtte stracks verstecket/ Fieng an und sagte so: Ich bitte/ Faune/ dich/ Erbarm dich meiner doch fuͤr dißmal gnaͤdiglich: Und Das Zwoͤlffte Buch. Und du/ o liebe erd/ behalte hoch das eysen/ Und laß es nimmermehr aus diesem stamme reissen; Ich hab ench alleweg die euch geziemend ehr In acht genommen/ und gehalten wehrt und hehr Hingegen haben dich die Troer durch ihr kriegen Entheiliget/ und sich fuͤr dir nicht wollen biegen ; So redt er und begehrt des Fauni huͤlff und gunst/ Mit ernstlichem gebaͤt/ das auch nicht war umbsonst. Denn als E neas sich so lange mit bemuͤhen Versuchte seinen spieß aus diesem stamm zu ziehen/ Kunt er mit gantzer krafft nicht machen loß den biß Des holtzes ; Da er nun sich nicht verdriessen ließ D ie muͤh und tapffer war zu halten an geflissen/ Kam die Juturna her/ und weil das schwerdt zufehmis- Das nicht des Turni war/ nahm sie an die gestalt (sen/ D es kutschers abermal/ und lieff zu alsobald Und stellte wieder zu dem bruder seinen degen. Die Venus aber ließ ihr dieses seyn entgegen Mit eiffrigem verdruß/ das diefe kuͤhne Nimpff. Sich diese freyheit nahm/ und that ihr diesen schimpff; Trat derowegen hin/ und kunt ohn groß bemuͤhen Den spieß aus diesem stamm/ wie tieff er steckte/ ziehen. Sie hatten beyde nun wie frisch und gut gewehr/ Also auch tapffern muht zu tragen weg die ehr ; Der eine satzt auffs schwerdt sein trotziges vertrauen/ Der andre ließ sich mit dem spieß großmuͤhtig schauen ; Sie stellten beyderseits sich gegenander fest Mit gantz entbrandtem schnauff zu streiten auf das best. Im Das Zwoͤlffte Buch. Immittelst redete der koͤnig aller Goͤtter Der groͤsse Jupiter/ der starcke menschenretter/ Mit Juno/ welche saß auf einer gelben wolck/ Und sah herunter auf den streit und grosses volck: Mein liebes ehgemahl/ wie wills hinaus doch gehen ? Was ist noch uͤbrig ? Was hat man sich zu versehen ? Du weissest selber wol/ daß sich Eneas hat Verdient gemacht zu seyn ein Gott/ und nach dem raht D es Goͤttlichen geschicks sol einmal von der erden Genommen in die zahl und zunfft der Goͤtter werden/ Das weissestu ja wol/ und must bekennen frey Daß du das wissest auch/ und diesem also sey. Was hastu denn nun fuͤr? Was hoffnung/ was vertrauen Haͤlt dich/ daß du hier kanst von kalten wolcken schauen Hinunter auf den streit? Hat sich denn das geziemt/ Daß einer/ der zum Gott gewiedmet und beniemt/ Gleich wie ein sterblicher verwundet solte werden Von einem sterblichen/ und leiden viel beschwerden? Und daß dem Turno/ der sein schwerdt verlohren hat/ E in anders solte seyn gegeben an des statt? Sol ihm ein newer muht/ der uͤberwunden worden/ Nun wachsen wiederumb zu streiten/ wuͤrg-und morden ? (Denn was koͤnnt ohne dir Juturna richten aus/ Wenn du ihr huͤlffest nicht zu solchem zanck und strauß ?) Hoͤr dermaleins doch auff/ und laß dich durch mein bitten Erweichen: Man hat ja bißher genug gestritten: Laß dich von solchem gram nicht heimlich fressen mehr/ Und ich nicht wiederumb mehr sorgen und beschwer T t E mpfin Das Zwoͤlffte Buch. Empfinde/ wenn du laͤst an deiner stirn erscheinen Die susse froͤligkeit/ und wilsts gleichwol nicht meynen: E s ist auffs hoͤchste je gekommen dis beschwer/ D u hast zu land und see das arme Troerheer Geschuͤchtert und gejagt: Du hast ja dein beginnen Mit stifftung grossen kriegs zu wercke richten koͤnnen/ Du hast mit traurigkeit verstellt des koͤnigs hauß/ Die heyraht angefuͤllt mit klagen/ zanck und strauß. E in mehrers wil ich dir hinfuͤro nicht gestatten ; So redte Jupiter mit Juno seinem gatten: Auf seine rede bracht sie dieses wieder ein: Ich wil/ o Jupiter/ bey dir entschuldigt seyn/ Weil mir dein ernster will und meinung unverborgen/ Hab ich deßwegen auch nicht gern die liebessorgen Fuͤr Turno hingelegt/ verlassen auch die erd Ob mir es brachte zwar unwillen und beschwerd. Sonst soltest du mich nicht hier auff der wolcke sehen So einsam/ noch so viel unziemlich dings außstehen Und leiden williglich: Ich wolt im dicken volck Und hauffen stehen forn mit einer feuerwolck. Umbgeben und das heer der Troer grimmig regen Zum feindlichen gefecht: Daß aber hier entgegen Juturna huͤlfflich stund dem armen bruder bey/ Das hab ich ihr/ wie ich bekenne rund und frey/ Gerahten/ und so weit dasselbe gut geheissen/ Daß sie mit wagnuͤß solt eins groͤssern sich befleissen/ Sein leben aus gefahr zu retten schleuniglich: D och darff sie darumb nicht beruffen sich auf mich/ D aß Das Zwoͤlffte Buch. Daß ich ihr mitten in dem streit/ gestalt sie wolte/ Gegeben new gewehr/ auch nicht/ auf daß sie solte Den bogen schlessen ab: Das schwer ich bey der quell Des flusses/ welcher fleust mit abschew durch die hoͤll/ Und unversoͤhnlich ist/ die falschen Eydschwur schwerẽ/ Welch einge furcht ligt ob mit heiligfesten ehren D en grossen Goͤtteren/ daß jeder diesen fluß/ Den Styx/ damit er nicht falsch schwere/ fuͤrchten muß. Nun wil ich weichen zwar vorangeregter massen/ Und diesen streit/ der mir verhaßt ist/ bleiben lassen; Das einge nur/ das an das Goͤttliche vorfehn Gebunden niemals ist/ wil ich fuͤr Latien Und fuͤr die majestaͤt der deinigen mit bitten Dich haben angesucht: Wenn sie nun satt gestritten/ Und werden richten aufdurch gluͤcklich heyrahts pflicht (Es mag nur immer seyn/ ich wil es hindern nicht) Den frieden/ daß sie itzt denselben werden fassen/ Und so bekraͤfftigen/ wie sichs wil handeln lassen; Daß du die Latier/ als eingesessne/ nicht D ie nahmen abzuthun zwingst wider landespflicht/ Noch daß sie Troer seyn und so genennet werden ; Belege sie auch nicht mit knechtischen beschwerden/ Zu endern ihre sprach/ die kleidung/ weis und art/ Denn dieses waͤre zu verfahren allzu hart. Es werde Latium der nahm ihm nur gegoͤnnet/ Und ihre koͤnige Albaner stets genennet ; Laß auch die Roͤmer/ die von ihren kommen her/ Beruͤhmt und maͤchtig seyn durch macht der Italer. T t 2 Weil Das Zwoͤlffte Buch. Weil Troja einmal hat zu grunde sollen gehen/ So laß sie bleiben doch verheert und wuͤste stehen. Der grossen Goͤtter Gott/ der alle ding gemacht/ Sah Juno freundlich an/ antwortet ihr und lacht: Ich bin dein bruder ja: D enn du bist eins von kindern Saturni/ gleich wie ich: Kanstu denn gar nicht lindern Den haͤßig bittern sinn? Wie schwuͤllstu denn alsbald Von zorn und unmuht auf so greulicher gestalt? Wolan doch steh nur ab von deiner grimmen wuͤte/ D ie nur vergebens ist/ und miltre dein gemuͤhte: Ich schencke dir/ was du begehrest williglich/ Und wil in deinen raht und willen geben mich. Die Welschen sollen stets hinfuͤro/ wie die alten/ Ihr angeerbte sprach/ die art und brauch behalten/ Ihr nahm und titul sol gantz unverendert seyn/ Die Troer sollen nur mit ihnen seyn gemein/ Was eh und pflicht betrifft/ und mehren ihren saamen/ Und sollen allgemach vergehen nach dem nahmen: Ich wil die heilgen braͤuch und weise fuͤgen bey/ Und daß der Troervolck Latinisch endlich sey/ Verschaffen: Sollen dann nur haben einen nahmen/ Und sprache: Du wirst sehn das volck/ daß sich besaamẽ Vom Welschen stamme wird/ an trew und froͤmmigkeit D en sterblichen/ wie auch den Goͤttern mit der zeit Gehn fuͤr/ und wird kein volck dein ehre hoͤher mehren: Da willigt Juno ein auf Jupiters begehren/ Erfreut und wendet ab vom Turno ihren sinn/ Immittelst gieng sie weg vom himmel wieder hin. Als Das Zwoͤlffte Buch. Als dieses war verricht/ da sann der hoͤchste vater Der grosse Jupiter und guͤtige berahter Ein ander mittel aus/ und nahm ihm kluͤglich fuͤr/ Des Turni schwester abzuhalten nach gebuͤhr/ Daß sie nichts koͤnte mehr zu seinem schutz beginnen; Es sind zwey ungehewr/ die man uennt wuͤterinnen/ D ie mit Meg æ ren hat die ungestuͤme nacht Gebohren auf einmal/ und sie mit gleicher macht Und gifft geruͤstet aus/ und hat der einen eben/ Als anderer/ so viel erbosste schlangen geben/ Die rings umbschlingen sie ; A uch fluͤgel/ die geschwind Sich koͤnnen in die lufft erheben wie der wind. Sie warten auff fuͤrm thron des Jupiters und stehen Fuͤr seiner thuͤr ; Wenn er sein schelten laͤsset gehen Mit zorn/ da machen sie den armen menschen bang/ Und legen ihnen an angst/ hertzeleid und drang. So auch wenn selbiger hat fuͤr ein grosses sterben Zu schicken in die welt/ und wenn er wil verderben Mit krieg und schreckẽ nach verdienst ein land und stadt; Und also wolt er hier stracks schreiten zu der that ; Schickt deren eine hin von seinem hohen himmel/ Und hieß Juturnen sie erregen kein getuͤmmel/ Und stossen ihr in weg zum boͤsen zeichen fuͤr. Die wuͤterin flog hin und fnhr mit hastger gier Auffs erdenland/ gleich wie ein pfeil/ der straff gezogen Und abgeschossen wird von seiner sehn und bogen; Der von den Parthern wird gerichtet zu mit gifft/ D amit die wunde sey unheilbar/ wenn er trifft. T t 3 Er Das Zwoͤlffte Buch. E r rauschet durch die lufft/ und fleugt also geschwinde Hindurch/ daß man sein nicht gewahr wird/ wie der so fuhr die tochter gleich der duͤster-finstern nacht (winde: Zur erden/ Als sie sah des Turni kriegesmacht/ Wie auch der Troerheer/ und auf das lager kommen/ D a hat sie die gestalt der nachteul angeuommen/ D ie etwan gegen nacht sitzt auf den graͤberen Und haͤusern/ welche wuͤst und unbewohnet stehn/ Und hebt in duͤstrer dufft beschwerlich anzuschreyen/ D aß sich die sterblichen deßwegen offtmahls schewen; In solches vogelbild verwandelt und verstellt Kam dieses ungeheur geflogen in das feld/ Und schwebte Turno fuͤr den augen hin und wieder/ Und schlug ihn an den schild mit rauschendem gefieder/ D a wurd ihm sein gebein fuͤr angst so schlottrig gar/ Daß ihm zu berge stund fuͤr grausen haut und haar: Und kunte nicht ein wort fuͤrbringen fuͤr erstarren. Juturna/ als sie noch vom weiten solches knarren Und fluͤgelrauschen kannt der hoͤllschen wuͤterin/ Zerriss sie ihre haar aus toll-erhitztem sinn/ Zerkratzt das angesicht mit naͤgelen sehr haͤßlich Und schlug an ihre brust mit faͤusten roh und graͤßlich/ Und sprach: Wie kan ich dir/ mein bruder/ stehen bey? Ich armes weib bin ja/ nicht mehr/ wie vorhin/ frey. Was hab ich uͤbrig noch fuͤr mittel und gewalten ? Mit was behendigkeit kan ich dich nun erhalten Beim lehen/ wie mag ich verlaͤngern deine zeit ? Kan ich begegnen wol der starcken wuͤtigkeit Des Das Zwoͤlffte Buch. Des grosseu ungeheurs ? Ich muß nun traurger massen Beraubet aller krafft von streiten abelassen: Du vogel voller schew/ mir ist ohn deinem flug/ Und klappern/ das ich schon erkenne/ bange gnug/ Ich weiß auch wol/ daß dis auff ernstliches befehlen Des grossen Jovis ist geschehen ohn verheelen: Ist dieses das entgelt fuͤr meine Jungfrawschafft ? Worzu hat er mir denn unsterbligkeit und krafft Zu leben stets ertheilt ? Warumb ist mir benommen Zu sterben fug und macht: Ich koͤnte nun abkommen D es grossen hertzeleids mit guter sicherheit/ Und meinem bruder in die hoͤlle das geleit Hinunter/ wenn ich auch noch sterblich waͤre/ geben; Der nun muß in gefahr und harten noͤhten schweben; E s wird mir nichts von dem/ was ich vermag und hab/ Suͤß oder lieblich seyn/ an was ich mich nur lab/ Wenn ich/ mein bruder/ dich/ o Turne/ nicht mehr habe: O daß die erde doch/ ob schon durch Goͤtter gabe Ich eine Goͤttin bin/ mich schluͤng in ihren grund/ Und thaͤte mir itzt auff den weiten hoͤllen-schlund! Als sie so viel geredt/ band sie ihr einen schleyer Umbs haupt/ und seufftzte tieff ob solchem ungehewer/ Verbarg sich wiederumb in ihrem tieffen fluß: E neas aber setzt dem Turno mit geschoß Und grossem spiesse zu/ der einem baum zu gleichen/ Und trachtet ihm stets nach/ wie er ihm moͤcht erreichen/ Und fieng mit rauhem muht also zu reden an: Was hastu noch fuͤr frist ? Wie ists mit dir gethan/ T t 4 O Tur- Das Zwoͤlffte Buch. O Turne ? Oder was weichst du nun so zuruͤcke; Was kanst du lassen sehn nun fuͤr ein tapffer stuͤcke; E s wil mit lauffen nicht mehr außgerichtet seyn/ D u must dich fuͤr der faust zum streit frisch stellen ein. Wolan! verwandle dich in allerley gestalten/ Nimm fuͤr die hand/ womit du meinest dich zu halten An muth und schnelligkeit/ an raͤncken macht und list/ Wie du nur kanst und magst/ und was dir uͤbrig ist/ Ja wuͤntsche/ daß du dich mit fluͤgeln moͤchtest schwingen Gen himmel oder durch den kreyß der erden dringen ; Da schuͤttelt Turnus frech den kopff mit dem bescheid. O stoltzer feind/ es ist mir darumb noch nicht leid/ Dein hitziges geplerr kan mir nicht sehrecken bringen/ So nur die Goͤtter nicht und Jupiter mich dringen/ D er mir gehaͤßig ist/ und schrecken jaget ein ; Mehr sagt er nicht/ und sah sich umb nach einem stein/ D er groß und ungeheur und auff dem platz lag eben/ Und hingeleget war ein grentzmahl abzugeben Dem acker/ damit er entscheidete den zwist Und zanck/ der hiebevor hierumb entstanden ist/ Derselbe haͤtte nicht getragen koͤnnen werden Von zwoͤlffen! wenn sie noch so starck sind/ wie auff erden Nun mehr die leute sind. Der held ergriff ihn bald Mit einer hand und warff ihn hastig mit gewalt/ Sich richtend in die hoͤh und lauffend wenig schritte Zuvor auff seinen feind und aufangs werffend stritte: D och wust er selber nichts von sich/ was er anfieng/ Noch wenn er lieffe fort/ noch wenn er fuͤr sich gieng/ Noch Das Zwoͤlffte Buch. Noch da er mit der hand hub auf das felsenstuͤcke/ Noch da er ihn warff hin ohn fortgang und geluͤcke; Die knien waren ihm von furcht gar welck und schwach/ Und das gebluͤt erfror/ und zog dem hertzen nach. Zu dem fuhr dieser stein von einem eintzeln manne Geworffen in die lufft/ doch gleichwol nicht durchranne D en gantzen raum/ kam auch der wurf so starck nicht an/ Fiel nieder/ daß davon erbebte fast der plan. Gleich wie des nachts im schlaff/ so bald die ruhe druͤcket Die matten augen zu/ daß einer fast ersticket/ Und sich beduͤncken laͤst/ er wolte lauffen gern: Umbsonst! Denn mitten in dem er sich muͤhet fern Zu lauffen/ faͤllet er/ doch oder laͤst sich duͤncken Er waͤre kranck und schwach/ und muͤste niedersincken/ D ie zunge lautet nicht/ die leibeskraͤfft entgehn/ Die rede folget nicht/ die stimme wil entstehn ; So wars mit Turnus auch in diesem kampff beschaffẽ/ Mit was vermoͤgen er sich muͤhte fortzuraffen/ Und an den feind versucht/ ließ ihm doch gar nichts hier Die hoͤllsche wuͤterin gelingen nach begier. Da wurd ihm wunderlich zu muht in seinem hertzen/ Und muste manchen puff und bitterkeit verschmertzen/ Er sah sein kriegsvolck an und koͤnigliche stadt/ War traͤg fuͤr angst und lebt/ gleich wie ein espenblat/ Besorgend/ daß der spieß vielleicht itzt wuͤrde kommen/ Und sahe nicht/ was ihm kunt schaden oder frommen/ Wohin er floͤhe/ mit was mittel oder macht Er seinem feinde zu begegnen sey bedacht. E r Das Zwoͤlffte Buch. Er sahe nirgend mehr sein roß/ geschirr und wagen/ Noch seine schwester/ die noch neulich kunte jagen Als kutscher/ frisch ins feld/ da er nun lange denckt Was etwan waͤr zu thun/ und sich vergebens kraͤnckt/ E rsieht E neas ihm gelegenheit zu schwingen Das toͤdtliche geschoß/ und hofft es sol gelingen/ Schoß demnach weit nach ihm mit gantzer leibesmacht: Kein stein/ der von geschuͤtz geschossen wird/ so kracht Und branset nimmermehr: Auch kan von donnerschlaͤgẽ Kein solcher grosser knall sich in den wolcken regen/ Alß des E neens spieß: E r fuhr mit solcher macht Gleich wie ein wettersturm/ und Turns ploͤtzlich bracht Den tod und untergang: Trang durch den krebs behende Und loͤset auff den schild am rand und ensserm endej Der sieben doppelt war/ fuhr rauschend durch die lufft/ Und gienge mitten durch dem Turnus in die hufft Da fiel der tapffre held/ mit eingebognen knien Zur erden von den schuß/ und kunte nicht entflichen D es feindes grimmigkeit/ das volck der Rutuler Stund auff und seufftzete; Der gantze berg umbher Erthoͤnte vom geschrey/ das so viel voͤlcker machten/ Die waͤlder nah und fern vom wiederschalle krachten. E r wurd demuͤthig nun/ und suchte bey ihm gnad/ Hub sein gesicht und hand empor und ihn so bat ; Ich hab den tod verdient und bitte nicht umbs leben; Gebrauch dich deines gluͤcks/ das dir nun ist gegeben: Wo aber noch die sorg fuͤr meinem vater gilt/ D er meinetwegen ist mit angst und leid erfuͤllt/ So Das Zwoͤlffte Buch. So bitt ich (denn du hast auch einen solchen vater Der hoch bejahret war/ gehabet zum berahter ) Laß dir zu hertzen gehn des D auni alterthumb/ Und gib mich/ oder wo du wilst ihm wiederumb Nur meinen todten leib: Du hast mich uͤberwunden/ Und hat der Welschen heer gesehen und befunden/ D aß ich/ als uͤberstrebt/ mich dir ergeben hab. Lavinia ist dein gemahl und ehren-gab/ Laß doch nicht weiter gehn den haß und tolle wuͤte. E neas stunde da mit kapfferem gemuͤthe/ Und hielte das gewehr in seiner rechten hand Zuruͤcke/ sah ihn an da ligen in dem sand/ Und hat ihn allbereit des Turni letzte rede Je mehr und mehr bewegt/ daß er wurd etwas bloͤde: In dem er sich nun hielt zu thun den letzten stoß/ Und haͤtt vielleicht ihn noch gegeben frey und loß/ Da aber er noch sah das guͤrtel an ihm hangen/ Auff welchem glaͤntzeten die wolbekandten spangen/ Der des Pallantis war gewesen/ den er schlug Mit einem streich zu todt/ und ihn zur pracht noch trug/ Und solcher massen nun das feindliche gemercke Und denckmahl seines leids verspuͤrte selbst im wercke: Da war er grimmig boͤß und zornig an zusehn. Wie: ( sagt er) soltest du von meiner hand entgehn/ Der du bist angethan vom raube meiner freunde Schau! Pallas giebet dir hiemit als seinem feinde Den rest/ und nimmet rach von deinem leichten blut; D a er zu letzt diß sagt/ stieß er mit vollem muth ; D en Das Zwoͤlffte Buch. Den degen ihm ins hertz; Da streckt er haͤnd und fuͤsse D ie laͤnge vor sich weg/ und mit geseufftze liesse Das leben fahren hin/ mit schmertzen/ weh und ach; Die seele flog hinab in Plutons hoͤllenbach. Ende der Trojanischen Geschichte des Poeten Virgilij. Der Der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius von den Trojanischen Geschichten. Summarischer Inhalt. Das Erste Buch. D Er streitbare verstaͤndige und fromme fuͤrst Eneas gehet/ nach dem die maͤch- tige stadt Troja neun jahr lang belaͤ- gert/ erobekt und zerstoͤret worden/ mit den seinigen und vielen Trojanern mit zwantzig schiffen zu segel/ und wird durch bittern haß der Juno/ welche von dem Eolus wider denselben die winde erbittet/ auff dem meere hin und her ge- trieben/ so gar/ daß er auch schiffbruch leidet. Als er nun an das land Libyen kommet/ steiget er aus/ erhohlet sich etwas wieder/ nimmet seinen bogen und pfeil an die hand/ und erleget sieben grosse stuͤcken hirsche/ die vertheilet er auff eben so viel schiffe/ die ihm nach dem sturm waren uͤbrig ge- blieben/ vermahnet hernach seine durch viel und lang- Summarischer Inhalt langwieriges herumbschweiffen ermuͤdete ge- fehrten/ was noch fuͤr arbeit und beschwer hin- terstellig seyn moͤchte/ mit gedult zu ertragen/ in hoffnung/ daß die kuͤnfftige ruh und ergetzligkeit alles wieder einbringen werde. Immittelst handelt die Venus ihres Eneen und der Troja- ner sache beym Jupiter/ und wendet die schuld alles ungluͤcks und unfugs auff die Juno. Ju- piter hingegen nachdem er die ordnung und ge- heimnuͤsse der ewigen Vorschung entdecket/ troͤ- stet seine tochter durch fuͤrgehaltene hoffnung ih- rer gluͤckseligen nachkommen/ die das Roͤmische reich mit anschnlicher macht beherrschen werden. Nach diesen schicket Eneas gesandte an die koͤ- nigin Dido/ und klaget wegen zugefuͤgter ge- walt ihrer leute/ und bittet umb herberge. Ge- gen demselben erbeut sich die koͤnigin mit aller hoͤffligkeit/ nimmet ihn auff/ thut ihm grosse eh- re/ laͤsset seine Trojaner keinen mangel leiden/ zet- get ihm ihren koͤniglichen pracht/ schoͤne gemaͤhl- de/ guͤldene tresur und tapetzereyen/ beschenckt den vermeinten jungen printz Ascanius/ dessen ge- stalt und habit Cupido betrieglicher weise durch antrieb der Venus an sich genommen/ mit gold- gestickten und koͤstlichen kleidern/ haͤlt ein gros- ses Panquet/ und ladet darzu beydes die Troja- ner der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. ner und ihre leute zu pflegen aller lust und froͤ- ligkeit/ mit beygeordneter kunstgelehrten harf- fen-musick. Endlich nach vielen gespraͤch bit- tet sie Eneen ihr den gantzen verlauff vom ersten anfang der Trojanischen belaͤger-eroͤber-und zer- stoͤrung zu erzaͤhlen, Dieses thut Eneas im fol- genden buche. Das Andere Buch. N Ach dem nun alles stille worden/ erzaͤhlet Eneas den schrecklichen untergang der weltberuͤhmten stadt Troja/ wie sie durch list und blindheit der Trojaner nach neunjaͤhri- ger belaͤgerung sey erobert und zerstoͤret worden/ da nemblich die Griechen/ als ihre macht geschwaͤ- chet worden/ ihrer tugend mißtrawet und zum betrug und kriegs-raͤncken ihre zuflucht genom- men haben. Als sie sich nun stellen die flucht zu nehmen/ verstecken sie sich in dem Haven Te- nedos: Hiemit lassen sie da zimmern ein groß ungehewer hoͤltzernes pferdt. Da lassen sich die Trojaner von dem gefangnen Griechen Si- non dem verraͤhter einschwatzen/ dasselbe haͤtte die heilige Goͤttin den Trojanern zum schutz bawen lassen; Reissen also ein stuͤcke von der mawer/ und fuͤhren das pferdt mit heiliger an- dacht/ Summarischer Inhalt dacht/ furcht und ehre auff dem schloß-hoff. Als dis geschehen/ halten die Trojaner ein freuden- fest/ tantzen/ springen/ schlemmen und demmen/ bis sie vom harten schlaff uͤberfallen werden: Da gibt Sinon den Griechen mit einer außge- steckten fackel die losung/ da kommen sie wieder und nehmen mit hellen hauffen die stadt ein; Zu- vor aber schleusset der verraͤhter das pferd auff/ da steigen heraus die tapffersten helden aus Grie- chenland bey funfftzig/ die hawen die wachten/ wo sie noch waren/ nieder. Da wird alles mit blut/ mord und feuer erfuͤllet/ Eneas aber wird im tranm von dem geist des tapffern verstorbe- nen Commandantens und Obergebietigers des Hectors erinnert und vermahnet also bald zu flie- hen; Da machet sich Eneas auff/ nimmet sei- nen alten vater Anchisen auff die achsel/ und traͤ- get ihn durch das fewer/ den kleinen sohn Asca- nium fuͤhret er bey der hand/ seine ehegemahlin aber die Craͤusa/ die ihm folgen solte/ hat er nicht wieder gesehen. Ihr geist aber ist ihm erschie- nen/ der hat ihn getroͤstet/ und geweissaget/ er wer- de/ nach kurtzer zeit/ jedoch mit noch außstehung vieler gefahr und ungemach/ in Italien gelan- gen/ daselbst ein newes reich und eine andere ge- maͤhlin bekommen. Das der Zwoͤlff Buͤcher Virgilins. Das Dritte Buch. E Neas faͤhret fort/ und erzaͤhlet/ wie er nach der zerstoͤrung mit seinen geferthen sich habe auff das meer begeben/ ungewiß/ wohin ihn das verhaͤngnuͤß der Goͤtter fuͤhren moͤchte/ da gedencket er erstlich des ungetrewen wirths/ des koͤniges in Thracien Polymestorts/ dem der Trojanische koͤnig Priamus den juͤng- sten printz Polydorum mit einem grossen schatz vor der belaͤgerung zugeschicket/ denselben zu er- zichen; Er Polymestor aber habe aus verfluch- tem geitz das printzlein ermordet und den schatz zu sich genommen/ darnach berichtet er/ wie er viel Insulen in Joͤnischem Meer durchsegelt und herumb geirret habe/ an welchem orte gros- se und abscheuliche raubvoͤgel/ die Harpyien ge- nandt/ sich befunden/ welche/ als sie am gestade gegessen/ mit grossem ungestuͤmm auff sie herge- fahren/ das essen bemackelt und geraubet haben/ auch ihnen propheceyet/ sie wuͤrden nicht eher/ als bis sie die eusserste hungersnoht triebe/ die teller (die sie vom brodte macheten) auff zuessen/ in Italien gelangen: weiter erwehnet er/ wie durch die gemeine sage ihm sey zu ohren gekom- men/ daß Hectors gemahlin Andromache des U u fein- Summarischer Inhalt feindes Pyrrhi erstlich magd/ darnach seine frau/ Helenus aber des koͤniges Priami sohn desselben haußhalter und nach desselben tode eines laͤnd- lein herr und regent geworden/ und vorgemeldte Andromache zur ehe genommen habe. Endlich meldet Eneas wie er den Helenum/ als der ein prophete war/ gebeten ihm raht zu ertheilen/ wie und wohin er seine schiffart hinrichten sol; Der- selbe habe ihm einschlag gegeben/ wie er die ge- faͤhrlichen oͤrter in Sicilien meiden koͤnne/ und ihn fuͤrder zur prophetin Sibyllen gewiesen/ da er sich ihres rahts erholen solte/ habe ihm auch viel silberne und guͤldene gefaͤsse/ pantzer/ helm und federpuͤsche/ auch den gefehrten wehr und waffen verehret/ so habe auch Andromache den printz Ascanium mit einem goldgestickten kleide und reiter-rocke stattlich beschenckt: Als sie nun wieder zu segel gegangen/ haben sie das land Italien erblicket/ aber dem fewerspeyenden Berg Etna nahe gekommen/ dessen etgenschafften von ihm beruͤhret werden. Dann meldet er/ wie sie von den Cyclopen seyn angegriffen und verfol- get worden/ beschreibet den ungehewren Riesen Polyphemum/ dem sie das auge an der stirn auß- stochen. Letztens erzaͤhlet er/ wie sein vater An- chises gestorben. Als er nun von seiner beschwer- lichen der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. lichen schiffahrt und vielen umbschweiffen auff dem meer meldung gethan/ schweiget er stille und man begiebet sich zur ruhe. Das Vierdte Buch. D Ie koͤnigin Dido entbrennet je mehr und mehr durch liebe gegen dem Eneen ; Bald aber verschweret sie sich/ von keiner an- dern liebe wissen wollen/ als ihres vorigen ehe- gemahls/ derselbe moͤge sie im grabe behalten. Ihre schwester aber machet sie durch bewegliche uͤberredung wanckelmuͤhtig/ ja gar ruͤckwendig/ daß sie alle furcht und scham fahren laͤsset. Dar- auff stellet sie der Juno/ als der ehe vorsteherin/ ein Opffer an; Nach demselben aber raset sie in der U ebe/ und laͤuffet wie ein verwundter hirsch in der stadt herumb/ zeiget dem Eneas ihre herr- ligkeit und koͤniglichen pracht/ stellet eine jagt an/ da faͤnget es an zu wittern/ und faͤllet ein grosser platzregen; Da laͤuffet maͤnniglich zu rande. Diese beyde aber verkriechen sich in eine hoͤhle/ und verloben sich miteinander. Davon weiß hernach jederman zu reden/ und wird die Goͤttin Fama/ oder das gemeine geschrey nach seinen eigenschafften artig von dem Poeten be- schrieben. Immittelst schicket Jupiter Mereu- U u 2 rium Summarischer Inhalt rium zum Eneas mit endlichen befehl/ er solte da nicht stille ligen/ sondern an sein bescheidnes reich Italien gedencken und fortsegeln. Eneas koͤmmet dem befehl eilend nach/ und ruͤstet sich wieder zum auffbruch. Die Dido mercket sein vorhaben/ und verweiset ihm solches mit den al- lerbeweglichsten worten. Eneas/ aber entschuldi- get sich bester massen/ und bedancket sich fuͤr alle erwiesene wolthaten/ und zeucht davon. Als das geschehen/ wird Dido von rasender liebe und wuͤte eingenommen/ und laͤsset einen scheiterhauf- fen zurichten/ mit fuͤrwendung/ sie des Ene æ hinterlassene kleider und waffen verbrennen wol- le/ endlich berahtschlaget sie bey sich/ ob sie ihm sol nachziehen und umb seine liebe bitten/ oder ob sie ihm sol als einen feind mit aufffoderung ih- ter voͤlcker verfolgen: Wird aber schluͤßig zu sterben. Hiemit steiget sie auff den scheiter hauf- fen/ nimmet des Ene æ schwerdt/ zeucht es aus/ und ersticht sich/ da sie zuvor den scheitterhauf- fen mit einer fackel angezuͤndet hat. Das Fuͤnffte Buch. E Neas schiffet fort und koͤmmet in Sicili- en/ da wird er von dem Acestes freundlich empfangen/ auffgenommen und mit allen ge- der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. gefehrten wol gehalten. Dem Anchises des E- neens verstorbenen vater wird zu ehren und ge- daͤchtnuͤß ein opffer und allerley ritterspiele ge- halten/ und werden/ die das beste gethan/ mit stattlichen gewinsten und Pr æ senten angesehen und verehret. Hier ist insonderheit zu beobach- ten des jungen Dares vermessene verwegenheit/ der den alten und versuchten fechter Entellen zum kolbenstreit heraus fodert/ aber von demsel- ben uͤberwunden/ schimpff und schande einleget. Nach diesem befiehlet Eneas seinem Sohn As- canio sein Knabenheer auffzufuͤhren/ und eben- maͤßig seine hurtigkeit in spielstreit und ehren- kampffe erscheinen zu lassen. Hernach werden die weiber fuͤr liebe in diesem lande zu bleiben/ und fuͤr verdruß weiter zu reisen toll und unsinnig/ und stecken vier schiffe in brand. Da hebet E- neas seine haͤnde auff gen himmel und betet; Darauff faͤllet ein grosser platzregen und leschet die fewersbrunst. Gleichwol aber wancket er in seinem gemuͤhte/ und weiß nicht ob er in Si- cilien bleiben sol oder weiter ziehen/ da wird ihm gerahten von seines vaters geiste er sol mit der frischen und freudigen mannschafft fort nach Italien ziehen/ die weiber aber und das unbe- wehrte furcht a me voͤlcklein in Sicilien lassen/ s U u 3 daß Summarischer Inhalt daß sie sich daselbst eine stadt bawen. Das thut Eneas/ und nachdem sich das wetter wol anlaͤs- set/ nimmet er abscheid vom Acestes und faͤhret davon/ verleuret aber seinen guten schiff-und steuermann Palinuren/ der von suͤssen schlaff uͤberfallen das stewer sincken laͤsset und in das meer faͤllet. Das Sechste Buch. E Neas traͤget verlangen seinen verstorbenen vater Anchisen in den Elyseischen lustwaͤl- dern und feldern zubesuchen; Darzu ist ihm bedient die weise jungfraw Sibylla/ die fuͤh- ret ihn vermittelst eines guͤldenen zweigs zwar ohne schaden/ doch nicht ohne grosse furcht und schew erst durch die hoͤlle: Da siehet er im vor- hofe erstlich die nagenden sorgen/ die traurigkeit/ die bleichen kranckheiten/ das traurige alter/ die furcht/ den hunger/ den kummer/ die arbeit/ die zwytracht/ den krieg und den tod. Nicht weit davon schauet er die drey Rach-Goͤttinnen mit ihren schlangen/ fackeln und peitschen/ fuͤr- der siehet er die schrecklichen ungehewer/ unge- thuͤme und gespensie/ also daß er auch den degen zuͤcket/ und umb sich hawen wil. Hernach koͤm- met er an die hoͤllischen fluͤsse/ da der schiffmann Cha- der Zwoͤlff Buͤcher Virgilins. Charon auff seinem schwartzen kahne die seelen in grosser menge uͤberfuͤhret/ derselbe wegert sich Eneam uͤberzusetzen/ mit fuͤrwandt/ er fuͤhre nicht lebendige leiber/ sondern die seelen uͤber; Wird aber durch fuͤrzeigung des guͤldenen zweiges angenommen. Als nun Eneas koͤm- met an die hoͤlle/ siehet er den dreykoͤpffichten hoͤl- lenhund Cerberum vor der thuͤr ligen/ der ihn mit schrecklichem gebelle anfaͤhret und zuruͤcke haͤlt. Die Sibylla aber wirffet ihm honigku- chen fuͤr/ und bringet einen festen schlaff uͤber ihn/ da machen sie die Thuͤr auff und gehen hinein in die hoͤlle; Da siehet Eneas die drey hoͤllischen richter/ welche die seelen verhoͤren/ verdammen und mit mancherleyen straffen belegen/ da wird er gewahr vieler tapfferen helden/ wie sie in tief- fen gedancken und betruͤbt herein gehen. End- lich gelanget er in die Eliseischen lustwaͤlder und felder/ da die seligen seelen in vollen freuden und lieblichen gespraͤchen leben und schweben/ da wird Eneas vom Pocten Mus æ o zu seinem vater An- chisen gefuͤhret/ dieser lehret ihn viel sachen in der natuͤrlichen wissenschafft/ zeiget ihm der Al- baner und Roͤmischer Koͤnige geschlecht-register/ und koͤmmet bis auff den Jul. Cæs. und Augu- stum, deren thaten er mit sonderbarem lobspruch U u 4 erhe- Summarischer Inhalt. erhebet und der ewigkeit einverleibet. Als nun Anchises seinen sohn Eneam gnugsam/ was ihm noͤhtig/ unterrichtet/ laͤsset er ihn wieder von sich; Da kommet er durch die helffenbeinerne pforte wiederumb in die obere welt/ besuchet seine gefchrten/ verlaͤsset die stadt Cumas und gehet nach dem Haven Cajeta. Das Siebende Buch. E Neas laͤsset seine amme Cajetam ehrlich begraben/ und leget dem ort ihren namen auff. Hernach faͤhret er der zauberin Cir- ce wohnung fuͤrbey/ und koͤmmet mit gluͤcklichem lauff an den Tyberstrom/ und kurtz drauff an das Laurentimsche gefilde/ daselbst als er durch nach- denckliche wort seines sohns Ascanii sich besin- net/ daß dasselbige land durch außsage des goͤtt- lichen geschicks ihm gehoͤre/ schicket er zum koͤ- nig Latinus/ welcher dasselbige reich innen hat- te/ eine botschafft von hundert personen/ daß sie demselben geschencke braͤchten/ und umb eine stel- e baͤten/ eine stadt zu bawen. Der Latinus nun als er die gesandten angehoͤret/ erbeut sich frey- willig dem Ene æ uͤber alles andere begehren auch seine tochter Laviniam/ (welche er nach seines vaters Fauni außspruch und der vogeldeuter be- richt der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. richt einem frembden manne zu geben befehlicht ward) zu vermaͤhlen. Immittelst ruffet Juno/ als die durch gluͤcklichen fortgang der Trojaner sich beleidiget fande/ die Rach-Goͤttin und hoͤlli- sche Furie Alecto, den friede zu zerstoͤren/ aus der hoͤlle; Dieselbe erfuͤllet mit ihrer raserey erst die Amatam des Koͤniges Latini gemahlin/ her- nach den Turnum/ und von dannen kehret sie sich zu der jungen Trojanischen manschafft/ wel- che damahls gleich dem jagen oblag/ und wirfft ihnen in weg einen zahmen hirsch/ der insonder- heit des koͤniglichen hirtens Tyrrhei kindern lieb war. Als nun denselben Ascanius mit einem pfeil verwundet hatte/ ergreiffen die bawren die waffen/ und fallen die Trojaner an: In dem- selben tumult und streit bleibet Tyrrhei aͤltester sohn und Galesus/ welcher der reichste bawer des gantzen landes war: Welche als sie todt in die stadt gebracht wurden/ reitzet Turnus und die koͤnigin den koͤnig Latinum krieg anzufangen/ und die zugefuͤgte schmach und gewalt mit ge- wapneter faust zu raͤchen. Als aber der koͤnig beydes des Goͤttlichen willens und des mit den Trojanern newlich eingegangenen bundes sich erinnerend darzu nicht stimmet noch bringen laͤs- set/ daß er ihnen krieg ankuͤndige/ stoͤsset die Ju- U u 5 no Summarischer Inhalt no selbst mit gewalt die kriegspforte auff. Als dis geschehen/ begiebet sich Mezentius zugleich mit seinem sohn Lauso/ des gleichen auch Aven- tinus des Herculis sohn/ so wol auch Catillus und Coras bruder/ und insonderheit die tapffere und aus dem geschlecht der Volscer entsprossne heldin Camilla zu des Turni panier und feldzu- ge. Und noch viel andere mehr/ die am ende die- ses buchs erzaͤhlet werden. Das Achte Buch. T Urnus stecket die kriegsfahne vom Lau- rentiner schlosse heraus/ und nimmet des gantzen Latiums und der benachbarten staͤdte huͤlffe zu sich: Der Venulus wird auch nach Arpos zum Diomede geschicket/ daß er mit fñrhaltung gleicher gefahr ihn mit in den krieg zu ziehen reitze. Eneas dadurch bewogen und gleichwol seinen schwachen kriegsvoͤlckern nicht trawend/ faͤhret auff erinnerung des Gottes Ty- berini gegen den strom an die oͤrter/ da wo her- nach Rom ist gebawet worden/ und flehet den koͤnig Evandrum/ welcher aus Arcadien fluͤchtig gekommene und auff dem berg Palatino eine stadt mit nahmen Pallanteum gebawet hatte/ umb huͤlffe an/ der ihn auch/ als er die ursache seiner der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. seiner ankunfft vernommen/ freundlich auffge- nommen und beherberget. Als nun Eneas durch eine bey huͤlffe von vierhundert pferden gestaͤrcket ward/ denen Pallas des koͤnigs Evandri einiger sohn fuͤrgesetzet befehl gabe/ schicket er einen theil der kriegsvoͤlcker den strom hinab zu den seini- gen/ er aber begiebet sich nach der herrlichen stadt der Tyrrhener mit nahmen Agyllam/ die mit dem Mezentio/ als den sie wegen unertraͤglichen grausamkeit vom reiche gestossen/ in toͤdtlichem haß und feindschafft lag. Immittelst laͤsset sich Vulcanus durch schmeicheley seiner Fraw der Venus bewegen/ und schmiedet seinem stieffsoh- ne Eneen eine ruͤstung/ und wird dieselbige ihm von seiner mutter Venus zugebracht. Eneas nun belustiget sich an den schoͤnen waffen/ und verwundert sich insonderheit uͤber den schild/ auff weichem die tapffern thaten/ die von seinen nach- kommen solten außgeuͤbet und verrichtet werden/ gestochen und abgebildet waren. Das Neunde Buch. A Ls Eneas abwesend in Tuscia huͤlffe auff- zubringen beschaͤfftiget ist/ wird Turnus durch die Iris von der Juno erinnert/ er moͤchte die gelegenheit die sache wol zu verrich- ten Summarischer Inhalt ten je nicht fahren lassen. Darumb ruͤcket er mit seinen voͤlckern sehr nahe an die feinde/ wel- che als sie sich in ihren ringmauren hielten/ und auff dem flachen felde nicht stehen wolten/ setzet er sich fuͤr ihnen alle hoffnung der flucht zu be- nehmen/ und die schiffe in brand zu stecken. Der Jupiter aber rettet sie von der vorstehenden feu- ersbrunst/ und verwandelt sie in Meer Nimpfen. Nach diesem als die nacht herbey nahete/ stellet Turnus wider der feinde außfall an die pforte der stadt starcke wachten/ und setzet uͤber selbige den Messapum. Hier entzwischen als die obersten der Trojaner rahtschlagen/ wem sie fuͤrnemblich zum Eneen schicken solten/ der ihm von der ge- fahr der seinigen bericht thue/ da bieten sich frey- willig Nisus und Euryalus an/ dieses ampt auff sich zu nehmen. Diese waren zweene treue und enge verknuͤpffte freunde/ welche/ als sie hinaus gelassen worden/ und der feinde wachten von trunck und schlaff uͤberfallen befunden/ toͤdteten sie Rhamneten mit grosser anzahl der Rutulier und braviren mit ihren waffen und kleidern. Als sie aber mit itzt herannahendem morgen in siche- rung zu kommen sich unterfangen/ und von den reutern der Volscer geschen werden/ fliehen sie in den wald: Da geraͤhtet Euryalus durch schwe- der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. schwerigkeit der waffen/ und daß er der wege un- kundig/ unter die feinde/ und wird von dem Volscens durchstochẽ. Es wird auch Nisus/ als er den Volscens erschossen/ und also des Eury- ali tod tapfferlich raͤchet/ mit vielen wunden getoͤdtet/ daß er auff seines freundes leib faͤllet. Ihre haͤupter werden auff die spiesse ge- stecket und in das lager getragen. Als sie nun auff der stadtmaur von den Trojanern erkennet werden/ entstehet in der stadt ein groß trauren und wchklagen. Immittelst setzet Turnus den feinden mit gantzer macht zu/ und geschicht bey- derseits grosse niederlage. Ascanius der junge printz erschiesset den Numan/ der sich trotziglich ruͤhmete. Pandarus und Bitias erheben sich ihrer gluͤcklichen thaten/ und machen das thor auff/ und als die feinde hinein dringen/ trei- ben sie dieselben mit vielem blutvergiessen zu- ruͤck. Als Turnus dieses vernimmet/ dringet er durch das offene thor in die stadt/ und schlaͤget die Trojaner in die flucht: Als er aber endlich von der menge uͤmbringet wird/ weichet er all- maͤhlich nach dem ort der stadt/ da der Tyber- strom fleust/ laͤsset sich hinein/ schwimmet in waffen durch/ und kehret wieder ohne schaden zu den seinigen. Das Summarischer Inhalt. Das Zehende Buch. J Upiter beruffet die Goͤtter auff eine zu- sammenkunfft/ und vermahnet sie zur ein- traͤchtigkeit. Da beschweret sich die Ve- nus wegen ihres leidigen zustandes/ und klaget uͤber den unersaͤttlichen haß der Goͤttin Juno/ und bittet endlich umb einige ruhe nach so vielem erstandenen ungluͤck und elende. Hingegen schie- bet die Juno die ursache alles uͤbels auff die Tro- janer/ als uhrheber dieses kriegs/ und auff die Venus selbst. Derowegen als Jupiter nach vergebens fuͤrgenommener versoͤhnung des zan- ckens kein ende absiehet/ bezeuget er oͤffentlich/ damit er nicht entweder seine ehegemahlin/ oder die tochter beleidige/ er wolle es mit keiner par- they halten/ sondern nach seiner glimpffligkeit alles dem Ewigen Geschicke anheim stellen. Im- mittelst nehmen die Rutuler wieder mit gantzen kraͤfften die bestuͤrmung fuͤr. Die belaͤgerten aber ruͤsten sich mit nicht geringerer hertzhafftig- keit zur gegenwehr. Als dieses in Latien fuͤrge- het/ kommet Eneas/ nach dem er seine sachen in Hetrurien nach hertzens-wuntsch verrichtet/ und viel voͤlcker zum beystande zu sich genommen hatte/ mit einer von dreyßig schiffen außgeruͤste- ten der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. ten flotte zu den seinigen wieder: Da begegnen ihm die wasserfraͤwelein/ die kurtz zuvor in solcher gestalt aus seinen schiffen waren verwandelt worden; Von denselbigen wird er beydes von verlierung der schiffen/ und dann der seinigen gefahr verstaͤndiget und berichter. Als er nun den feinden unter augen koͤmmet/ setzet er seine voͤlcker aus; Da lassen die Rutuler ab von der bestuͤrmung/ lauffen an den haven/ und bemuͤ- hen sich die feinde vom lande abzuhalten; Da wird beyderseits mit grossem verlust gestritten/ und wird der Pallas des koͤniges Evanders ei- niger sohn/ als der zuvor eine grosse niederlage der feinde gethan hatte/ von dem Turno erle- get und umbgebracht. Daruͤber wird Eneas mit bitterm zorn entruͤstet/ und schicket grosse hauffen Rutuler seinem freunde zum seelenopffer in die hoͤlle; Es schlaͤget sich auch Ascanius/ als er einen außfall gethan/ mit seinen voͤlckern zum vater: Dadurch wird Juno/ als die fuͤr dem Turno grosse sorge trug/ bewogen/ daß sie ihn nach erlangten vom Jupiter erlaubnuͤß aus gegenwaͤrtiger gefahr reisset/ indem sie ihm faͤlschlicher weise die gestalt des Eneen vorhaͤlt/ welcher in dem er ihn bis in ein schiff flichenden verfolget/ wird das seil von der Juno abgehawen/ und Summarischer Inhalt und er wird durch den sturm des ungewitters bis zu den nechsten haven Ardea gefuͤhret. Im- mittelst vertritt desselben stelle auff Jupiters be- fehl der Mezentz/ der erleget eine grosse anzahl so wol der Trojaner als Hetrurier/ bis er von dem wurffspieß Eneens verwundet und von sei- nem sohn Lauso verwahret/ kuͤmmerlich aus der schlacht koͤmmet die wunde zu verbinden: Da wird auch Lausus/ in dem er sich unterstehet sei- nen vater zu raͤchen/ von Eneen umbgebracht. Als nun Mezentz diese bothschafft vernommen/ setzet er sich auffs pferd/ und verfuͤget sich wieder in den streit. Da er nun des sohnes tod raͤchen wil/ wird er eben durch die faust/ durch welche der sohn geblieben/ niedergemacht. Das Eilffte Buch. A Ls uun Mezentz von Eneen umbkommen/ richtet dieser/ als siegmann/ dem Mars ein siegszeichen auff/ und schicket den leichnam des entleibten Pallas mit grosser pracht nach des Evanders stadt/ da wird er mit grossem leidwe- sen beydes seines vaters und der lieben seinigen angenommen. Immittelst erlangen die von den Latinern abgeordnete gesandten auff zwoͤlff tage anstand der waffen/ innerhalb welcher zeit beyde der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. beyde theile ihre todten suchen und begraben. E- ben zu dieser zeit kommet auch der Venul/ wel- cher im anfange des krieges die Latiner an Dio- meden gesandtweise geschicket hatte/ wieder zu den seinigen/ und berichtet/ daß ihm huͤlffe sey versaget worden. Latinus nun dieser hoffnung entsetzet/ beruffet die raͤhte und rahtschlaget mit ihnen/ was bey diesem kriege zuthun sey/ siehet auch fuͤr gut an/ daß man an dem Eneen frie- dens-fuͤrschlaͤge lasse abgehen. Da schelten sich miteinander Drances und Turnus nach ihren gegen einander tragenden haß und feindschafft. Immittelst als Eneas seine unterschiedliche voͤl- cker in zwey theil vertheilet/ schicket er die reuter von leichter ruͤstung auff gleichem weg nach der stadt voran; Er aber zeucht mit dem uͤbrigen kriegsheer durch oͤrter/ da man wegen waͤlder und berge schwerlich kommen kan/ gegen das hoͤhere theil der stadt. Als nun diese post nach Lau- rent koͤmmet/ wird der raht von einander gelaßẽ/ und das jenige fuͤr die hand genommen/ was zu beschuͤtzung der stadt noͤhtig erachtet wurde. Turnus aber als er durch die kundschaffer des E- neens vorhaben erfaͤhret/ ordnet er sein kriegs- heer gleichergestalt in zwey theil ab/ und setzet uͤber die reuterey Messapen und die Camille/ und X x ordnet Summarischer Inhalt. ordnet sie wider der feinde reuterey- Er aber nimmet mit dem fußvolcke die engen oͤrter ein/ da Encas nohtwendig seinen zug zur stadt nehmen muste/ und liget da stille. Hier entzwischen ge- het der streit zu roß an/ und wird beyderseits mit ungewissem außschlag lange weil gefochten: Da wird die Camille/ als sie zuvor viel feinde erleget hatte/ da sie sich an den priester der Cy- bele Chloreus und an seinen schoͤnen waffen ver- gaffete und einnehmen liesse/ unvorschens aus dem hinterhalt vom Aruns mit einem pfeil ge- troffen und umbgebracht. Diese that aber und ermordung dieser heiligen Jungfraw ist an dem Aruns nicht lange ungerochen geblieben; Denn er auch hernach von Opi der Dianen dienerin mit einem pfeil durchschossen wegen beleidigter Goͤttin ist gestrafft worden. Die Rutuler aber durch den tod Camillen bestuͤrtzet nehmen die flucht/ und die Trojaner nehmen sich fuͤr/ die stadt zu stuͤrmen. Als nun die traurige zeitung dem Turnus von der Acca der Camillen geferthin ge- bracht wird/ verlaͤsset er die engen paͤsse/ die er eingenommen hatte/ und eilet den seinigen zu huͤlffe zu kommen. Durch diesen weg folget auch Eneas/ und weil bey bevorstehender nacht der der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. der streit nicht wieder angehen kunte/ schlagen beyde ihr lager vor der stadt und ligen stille. Das Zwoͤlffte Buch. N Achdem der Latiner macht durch zwo wi- derwertige schlachten sehr verringert und ihr muht gebrochen wurde/ wird Turnus/ als er siehet/ daß seine hoffnung auff ihm allein beruhet/ ob ihm schon solches der koͤnig wider- raͤhtet/ und die koͤnigin ihn vergebens mit vielen threnen von seinem vorhaben abhaͤlt/ schluͤßig/ sich mit dem Eneen in einen absonderlichen kampff einzulassen. Schicket derowegen an denselben den Idmon ihn dessen zu berichten. Encas nimmet den fuͤrschlag an/ und wird auff beyden theilen ein bund mit einem thewren eyd- schwur gemachet und befestiget. Derselbige a- ber wird durch anstifftung der Juno von dem wasserfraͤwlein Juturnen des Turnus schwester/ welche in des Camertes gestalt verwandelt wird/ zerschlagen und zertrennet/ und ist Tolumnius ein vogelschawer unter allen der erste/ der durch falsche propheecyung den seinigen den sieg ver- heissen/ und einen pfeil auff die Trojaner ab- scheust/ und den einen sohn des Gylippi nieder- machet. Es muß auch Eneas/ in dem er unwis- send Summarischer Inhalt send der ursachen dieses tumults die seinigen zu- ruͤcke zu raffen sich bemuͤhet/ und ohngefehr von einem pfeil getroffen und verwundet wird/ aus dem streit entweichen. Als dieses Turnus ver- nimmet/ meinet er/ es sey ihm erwuͤntschte gele- genheit den streit tapfferlich zu fuͤhren an die hand gegeben/ und thut also unter den feinden eine grosse niederlage, Mitlerweile bricht die Venus auff dem berge Ida das kraut Dictam ab/ und heilet damit ihres sohnes wunde. Als nun Eneas wiederumb zu kraͤfften kommen/ mah- net er seinen sohn Ascan durch sein eigen Exem- pel zur tugend an/ machet sich eilend fort den sei- nigen zu huͤlffe/ und fodert namentlich Turnum zum streit heraus. Als sich aber Turnus nicht stel- lete/ (deñ seine schwester Juturne/ welcheden fuhr- man Metiseum vom wagen herab gestuͤrtzet hat- te/ regierete die pferde an desselben statt/ also/ daß sie bald hieher/ bald dorthin lenckete/ und sie nicht zusammen wolte kommen lassen/) wird er Eneas schluͤßig die stadt zu stuͤrmen/ ruͤcket derowegen mit seinem heer an die mawren/ und wirfft an die bollwercke und haͤusser fewer. Als nun die koͤ- nigin Amata vermeinet/ daß Turnus umbkom- men sey/ erhencket sie sich fuͤr grossen zorn und schmertzen. Als Turnus aber siehet/ daß es so weit der Zwoͤlff Buͤcher Virgilius. weit gekommen/ daß er den zweykampff noht- wendig eingehen muͤsse/ und nicht koͤnne zusehen/ daß die stadt in der feinde haͤnde kaͤme/ stehet er mit Eneen nach inhalt des auffgerichteten bundes einen sonderbaren kampff zu halten. Als sie nun zusammen gehen/ und Eneas durch seines itzt gefallenen und uͤberwunde- nen feindes bitten sich fast zur erbaͤrmbde bewe- gen laͤsset/ und aber umb desselben schultern das guͤrtel und wehrgehencke/ welches Turnus dem umbgebrachten Pallanti abgezogen hatte/ erbli- cket/ stoͤsset er ihn alsbald von zorn ergrim- met den degen durch die brust/ und nim- met ihm das ltben. Die Die fuͤrnembsten Druckfehler also zu verbessern. Liß p. 18. v. 20. dich reut/ fuͤr/ dir reut. p. 22. v. 12. liß mich fuͤr/ auch. p. 30. v. 7. liß ruͤstig/ p. 73. v. 23. liß Tisander p, 82. v. 8. liß Griegisch/ p. 95. v. 25. liß inne p. 123. v. 20. liß pusch/ p. 127. v. 25. liß trawer- wein p. 146. v. 2. liß decke/ p. 152. v. 7. liß immer/ p. 171. v. 24. liß hart/ p. 192. v. 1. liß ergriffe/ p. 193. v. 12. liß/ in solcher noht. p. 208. v. 3. werde das woͤrt- lein und außgelassen. v. 5. liß geust/ p. 274. v. 22. liß hencken/ p. 278. v. 15. liß dreygeleibte/ p. 304. v. 27. liß buͤrd/ p. 307. v. 12. liß werden/ p. 308. v. 17. liß unge- pfaͤhlten/ p. 326. liß hochgestuͤtzet. p. 327. v. 22. liß/ kaͤmpfften. p. 328. v. 4. liß/ rock. p. 338. v. 25. liß/ ihrer. p. 345. v. 9. liß sieh. v. 27. liß/ sich. p. 346. v. 23. liß/ ihm. p. 352. v. 5 , liß hirtenschaar. p. 362. v. 25. liß er- zogen. p. 365. v. 27. liß/ sich. p. 379. v. 23. liß riegel. v. 26. liß fassen. p. 395. v. 23. liß lincken/ fuͤr/ rechten. p. 411. v. 18. liß haͤuffig/ p. 423. v. 7. liß Troer. p. 434. v. 18. liß koͤnnen. p. 443. v. 6. liß/ spies. p. 447. v. 24. liß/ im. p. 475. v. 23. liß/ ists deiner meinung nach. p. 481. v. 25. liß/ mir. p. 487. v. 15. liß oberster. p. 489. v. 22. liß/ haͤuffig. p. 491. v. 21. liß/ von diesen. p. 494. v. 1. liß/ auff diese rott. p. 513. v. 5. liß/ dis fuͤr/ der. p. 523. v. 28. liß/ ergrinunet. p. 575. v. 21. liß/ un- befleckt. Sonst Sonst was in gemein die handlung und die verferti- gung dieses buchs anlanget/ wisse der guͤnstige leser/ daß im 7. und 11. buche etliche wenig verse wegen viel eige- ner nahmen deren/ die in scharmuͤtzeln und schlachten umbkommen/ und in unsre teutsche reime sich nicht schliessen lassen/ ausgelassen worden. Uber das sind fol- gende oͤrter/ durch hernach erst einfallende gedancken also von mir verbessert werden. Nemblich p. 312. v. 15. lese man fuͤr das wort Pyr- rhen/ Persen/ und in folgender zeile fuͤr die wort: Achil- les tapffern sohn/ Achills verwandtes blut. p. 365. lese man den 6. vers also: Mit kuͤrissen/ und gliss von eysen und von stahl p. 369. werde der 18. vers also gelesen: Den du auf tieffem strom siehst uͤbers ufer gehen. p. 372. kan der 13. vers besser also gelesen werden: Und raffte risch zur hand mit sich den schild und degen. p. 376. sol der erste vers also lauten: An leibesgroͤsse gieng Anchises vor fuͤr allen. p. 588. v. 4. lese mann: Sein roth gesieder schwingt. p. 602. v. 28. werde also gelesen: Nach Turnus tod/ wenn er wird seyn getragen hin. D enn der koͤnig Latinus redet drey verse. Quò referor toties? quæ mentem insania mutat ? \&c. Heimlich bey sich selbst/ wie etwan in den Com æ dien o- der Trag æ dien zu geschehen pfleget/ daß der andere nicht vernehmen sol. p. 636. v. 20. lese man: Tapfferen Cetheg fuͤr Cretea.