Maccus Titus Plautus Epidicus oder Die falsche Tochter übersetzt von Dr. Artur Brückmann   Zur Komödie Der typische »Held« der volkstümlichen Komödie ist eine Person von »niederem«, meist »dienendem« Stand, der sich aber durch seinen Witz, seine Schlauheit und seine Natürlichkeit den Höherstehenden überlegen zeigt. Er ist ein Typus, ob er nun Arlecchino, Kasper oder Hanswurst heißt. In der antiken Komödie hat er keinen feststehenden Namen, aber der Typus ist der gleiche: Er ist der Sklave, in seinem rechtlosen Stand ganz auf sich und seine Fähigkeiten angewiesen. Moralische Kriterien haben für ihn, der außerhalb des »bürgerlichen« Rechtssystems steht, keine Bedeutung. Er behauptet sich und beweist dabei trotzdem eine gewisse Treue und Anhänglichkeit nicht den eigentlichen Repräsentanten der Gesellschaft gegenüber, sondern gegenüber deren Söhnen, die im patriarchalischen System ebenfalls in Abhängigkeit leben, so daß sich im Verhältnis zu »ihrem« Sklaven neben dem Herrschaftsverhältnis so etwas wie Komplizenschaft entwickelt, vor allem was die Liebesbeziehungen der jungen Herren anbelangt. Auch im Epidicus finden wir diese Grundsituation. Strattipocles, der junge Herr des Sklaven Epidicus hat diesen beauftragt, für ihn die Harfenspielerin Acropolistis freizukaufen, während er selbst, als Athener, an einem Feldzug gegen Theben teilnehmen muß. Woher das Geld für diesen Freikauf kommen sollte, ist natürlich Sache des Sklaven, denn die jungen Herren verfügen über keine eigenen Mittel, und die Väter sind in der Regel nicht bereit, für solche Ausgaben aufzukommen. Epidicus weiß, daß der verwitwete alte Herr eine uneheliche Tochter hat und macht ihm nun weis, er habe diese als Sklavin ausfindig gemacht. Der alte Herr ist sofort bereit, sie freizukaufen und gibt Epidicus die erforderliche Summe. Wen er dann als angebliche Tochter in sein Haus aufnimmt, ist allerdings die Harfenspielerin Acropolistis. Für Epidicus wird jedoch die Situation kritisch, als sein flatterhafter junger Herr sich während des Feldzugs in Telestis, eine junge Gefangene verliebt, diese für sich loskauft und die erforderliche Summe in Theben als Kredit aufnimmt. Nun soll Epidicus auch noch diese Summe herbeischaffen, wobei er obendrein nicht weiß, wie es mit der angeblichen Tochter des alten Herrn weitergehen soll. Hier kann nur der Zufall weiterhelfen, und in der Komödie ist dieser ja glücklicherweise jeweils prompt zur Stelle: Die junge Gefangene, die Strattipocles von Theben mitbringt, entpuppt sich als die wirkliche Tochter des alten Herrn, und nach der großen Verwirrung kann sich Epidicus die Erleichterung, daß die Verlorene doch gefunden wurde, zwar unverdientermaßen, aber eben doch zunutze machen. Der Name Epidicus (epi = danach, dikaios = verdientermaßen) muß, wie die übrigen Namen und wie es die Palliata verlangt, in erster Linie griechisch tönen, einige sind aber auch »sprechende« Namen, so Periphanes (der Berühmte) und Telestis (die Vollkommene), während etwa bei der Harfenspielerin Acropolistis (Anklang an Akropolis) und Strattipocles (strateia = Feldzug, Kriegsdienst, hippos = Pferd) die Anklänge an Griechisches wohl eher ironischen Charakter haben. Die oft störende und wenig sinnvolle Einteilung in fünf Akte, die nicht zur Überlieferung gehört und erst von J.B. Pius in einem Kommentar aus dem Jahr 1500 hinzufügt wurde, ist weggelassen und durch eine durchgehende Szenennumerierung ersetzt. Personen und ihre Masken Epidicus , Sklave Thesprio , Sklave Stratippocles , junger Mann Chaeribulus , junger Mann Periphane s, alter Mann Apoecides , alter Mann Ein Sklave Eine Harfenspielerin Ein Söldner Philippa , Frau aus Theben Acropolistis , Harfenspielerin Ein Geldverleiher Telestis , Jungfrau Ort der Handlung: Athen Die Szene zeigt die Vorderseite zweier Häuser, das Haus des Periphanes und das des Chaeribulus Erste Szene Epidicus und Thesprio treten auf Epidicus: He, junger Mann – Thesprio: Wer hält mich, der ich eilig bin, zurück am Mantel? Epidicus: Ein Kollege. Thesprio: Das gewiß, denn ganz kollegial bist du mir lästig. Epidicus: Schau doch hinter dich, he, Thesprio! Thesprio: Epidicus, dich seh' ich? Epidicus: Du siehst richtig. Thesprio: Sei gegrüßt! Epidicus: Die Götter mögen dir gefällig sein. Es freut mich, daß du heil zurück bist. Thesprio: Und was weiter? Epidicus: Was so üblich ist: Daß eine Mahlzeit dir spendiert wird. Thesprio: Ich versprech' es dir. Epidicus: Was? Thesprio: Daß ich komme, wenn du sie spendierst. Epidicus: Was machst du so? Wie geht's? Thesprio: Das Beispiel vor dir – Epidicus: – seh' ich. Mm – viel dicker, wohlgenährt! Thesprio: Dank der da. Epidicus: Die schon lange dir verdorren sollte. Thesprio: Nicht so diebisch bin ich mehr als früher. Epidicus: Wie denn das? Thesprio: Ich raube jetzt in aller Offenheit. Epidicus: Die Götter sollen dich – mit deinen Riesenschritten! Sowie ich dich am Hafen sah, rannt' ich im vollen Lauf dir nach: Und kaum war ich imstand, dich einzuholen. Thesprio: Ein verwöhntes Bürschchen bist du. Epidicus: Du dagegen so ein rechter Militär. Thesprio: Was du getrost behaupten kannst. Epidicus: Wie geht es? Lebst du immer gut? Thesprio: Buntscheckig. Epidicus: Wer buntscheckig lebt, gefällt mir nicht, gestriemt-gefleckt wie Ziegen oder Panther. Thesprio: Warum soll ich's anders sagen, als es ist? Epidicus: Wie steht es sonst? Thesprio: Ganz ordentlich. Epidicus: Und mit dem Sohne unsres Herrn? Thesprio: Lebt prächtig als Athlet im Ringkampf! Epidicus: O Thesprio, welch angenehme Botschaft bringst du mir bei deiner Ankunft! Und wo ist er? Thesprio: Mit mir zugleich kam er hier an. Epidicus: Wo ist er also? Wenn du ihn nicht hergebracht in deiner Reisetasche oder da im Honigwein. Thesprio: Daß dich alle Götter – Epidicus: Dich – dich will ich etwas fragen. Tu, was man von dir verlangt, dann wird das gleiche dir auch widerfahren. Thesprio: Das Gesetz persönlich spricht! Epidicus: Wie's mir geziemt. Thesprio: Du trägst du bei uns die Würde eines Richters? Epidicus: Wen wohl anders achtest du zur Zeit für würdiger hier in Athen als mich? Thesprio: Doch eines fehlt noch, mein Epidicus, zum Richteramt. Epidicus: Was denn? Thesprio: Du sollst es wissen: zwei Liktoren – und zwei Bündel Ulmenruten! Epidicus: Wehe dir! Doch sag mir – Thesprio: Und? Was willst du wissen? Epidicus: Wo das Kampfgerät ist des Stratippocles. Thesprio: Das lief wahrhaftig zu den Feinden über. Epidicus: Was? Das Kampfgerät? Thesprio: In größter Eile noch dazu. Epidicus: Sprichst du im Ernst? Thesprio: Ich sag's im Ernst: Die Feinde haben es. Epidicus: Oh, was für eine üble Tat! Thesprio: Die auch schon andere begingen. Ehrenwert wird diese Sache wohl auch ihm sein. Epidicus: Wie? Thesprio: Weil sie zuvor den anderen auch ehrenwert war. Gott Vulkan, glaub' ich, der Erz zerschmilzt, verfertigte die Waffen, die Stratippocles benutzte: In Windeseile flogen sie zum Feind hinüber. Epidicus: Laß den Sohn der Thetis seine Rüstung nur verlieren: Eine andre werden ihm des Nereus Töchter Thetis war eine Tochter des Meergottes Nereus. Achilleus überließ seine Rüstung seinem Freunde Patroklos. Hektor tötete diesen und nahm die Rüstung an sich. Thetis brachte ihrem Sohn eine neue, von Hephaistos geschmiedete Rüstung. (Ilias, 16. und 17. Gesang) bringen. Eines nur ist zu beachten: daß die Waffenschmiede auch genügend Vorrat haben, wenn pro Feldzug eine ausgezogen er den Feinden überläßt. Thesprio: Laß du jetzt diese Dinge ruhen! Epidicus: Du, wenn's dir beliebt, mach Schluß damit. Thesprio: Hör auf mit deiner Fragerei! Epidicus: Sag nur noch das: Wo ist Stratippocles? Thesprio: Da gibt es einen Grund. Aus diesem Grund nun hatte er Bedenken, jetzt mit mir hierherzukommen. Epidicus: Welcher Grund ist das? Thesprio: Er will jetzt seinem Vater nicht begegnen. Epidicus: Warum das? Thesprio: Du sollst es wissen: Eine der Gefangenen, in jugendlichem Alter, hübsch und vornehm von Gestalt, hat er sich aus der Beute losgekauft. Epidicus: Was hör' ich da von dir? Thesprio: Das, was ich sage. Epidicus: Warum denn hat er sie gekauft? Thesprio: Nun, eine Herzensangelegenheit! Epidicus: Wieviele Herzen hat denn dieser Mensch? Denn in der Tat, bevor er von zuhause weg zum Heer ging, gab er selber mir den Auftrag, ihm ein Harfenmädchen, das er liebte, vom Kuppler freizukaufen. Sein Verlangen hab' ich ihm erfüllt. Thesprio: Wie immer auf dem offnen Meer der Wind bläst, danach wendet man das Segel. Epidicus: Weh, ich Armer, wüst zugrundgerichtet hat er mich. Thesprio: Wieso? Was ist? Epidicus: Die er gekauft hat, um wieviel denn hat er sie gekauft? Thesprio: Sehr günstig. Epidicus: Danach hab ich nicht gefragt. Thesprio: Wonach denn sonst? Epidicus: Wieviele Minen? Thesprio: Soviel: Vierzig Minen. Und dazu noch hat er dieses Geld in Theben sich bei einem Geldverleiher ausgeliehen gegen Zins: Zwei Drachmen jeden Tag für jede Mine. Epidicus: Ah! Thesprio: Und dieser Geldverleiher kam mit ihm zusammen, sein Geld zu fordern. Epidicus: Ihr Götter – o wie prächtig bin ich doch zugrund gerichtet! Thesprio: Wie denn das? Was ist, Epidicus? Epidicus: Er hat mich ruiniert. Thesprio: Wer denn? Epidicus: Derselbe, der sein Kriegszeug ruiniert hat. Thesprio: Wieso das? Epidicus: Weil er vom Heer mir täglich Briefe schickte – nein, das beste ist, ich schweige. Dienlicher ist es dem Sklaven, mehr zu wissen als zu sagen. Diese Weisheit gilt. Thesprio: Ich weiß nicht, warum du, Epidicus, so ängstlich bist, so zitterst. Ein Gesicht machst du, als hättest du dir Schlimmes eingebrockt, solang ich weg war. Epidicus: Kannst du mich in Ruhe lassen? Thesprio: Gut, ich gehe. Epidicus: Bleib! Du sollst nicht weg von hier! Thesprio: Warum hältst du mich jetzt zurück? Epidicus: Die er gekauft hat aus der Beute, liebt er sie? Thesprio: Das fragst du? Er zergeht vor Liebe. Epidicus: Mir zergeht das Fell von meinem Rücken. Thesprio: Jedenfalls liebt er sie mehr, als er dich jemals liebte. Epidicus: Jupiter soll dich verderben! Thesprio: Laß mich jetzt, denn er verbot mir, ins Haus zu gehn. Zum Nachbarn, zu Chaeribulus, soll ich. Da soll ich warten, so befahl er mir. Er selber werde dorthin kommen. Epidicus: Warum das? Thesprio: Ich sag's dir: Weil er seinem Vater nicht begegnen will, von ihm auch nicht gesehen werden will, bevor er dieses Geld gezahlt hat, das er für das Mädchen schuldet. Epidicus: Ah, gibt das ein Durcheinander! Thesprio: Laß mich, daß ich endlich gehen kann. Epidicus: Ah, wenn das der Alte weiß, zerschmettert's mir das ganze Hinterdeck. Thesprio: Wie du zugrunde gehst, was geht das mich an? Epidicus: Weil ich nicht allein kaputtgehn will. Daß du mit mir kaputtgehst, möcht' ich, du, so freundlich mir gesinnt, mit mir, der dich so herzlich liebt. Thesprio: Zum Henker geh mit deinem Vorschlag! Epidicus: Geh doch selbst, wenn du's so eilig hast! Thesprio: Von keinem Menschen komm' ich lieber fort. Thesprio geht ab Epidicus: Der ist weg. Allein bist du, mußt selber schauen, wie's um diese Dinge steht. Kannst du dir selbst nicht helfen, o Epidicus, bist du verloren, stehst du vor dem völligen Ruin. Du kannst hier nicht bestehn, hältst du dich nicht entschlossen aufrecht. Ganze Berge voller Übel stürzen auf dich herab, und gar kein Einfall paßt, wie du aus der Verwicklung los dich wickeln könntest. Ich Unglücksrabe bracht' den alten Herrn dazu, zu glauben, seine eigne Tochter, kauf' er, während er in Wirklichkeit dem Sohn das Harfenmädchen kaufte, welches dieser liebte. Es für ihn zu kaufen, gab mir dieser Auftrag, als er ging. Bringt er nun eine andere vom Kriegszug mit nach Haus, sieht der Alte sich betrogen: Mit Ruten plündert er mir meinen Rücken. Das mußt du verhüten! Aber ja – bah, nein, das ist nichts. Dieser Kopf taugt wirklich gar nichts mehr. – Epidicus, du bist ein Nichtsnutz! – Was treibt dich, so mit dir zu schimpfen? – Weil du dich selbst im Stich läßt. – Was soll ich denn tun? – Mich fragst du das? Und liehest früher andern deinen Rat. – Irgendwie muß irgendetwas in den Sinn mir kommen. Doch ich säume, meinen jungen Herrn zu suchen, zu erfahren, was nun los ist. Stratippocles und Chaeribulus kommen aus dem Haus des Chaeribulus Ah, da ist er ja, ganz traurig, mit Chaeribulus, dem Freund der Jugendzeit. Zweite Szene Stratippocles: Nun hab' ich dir alles berichtet, meinen Kummer, meine Liebe, alles hab' ich dir kundgetan, mein Chaeribulus. Chaeribulus: Stratippocles, du bist doch dumm, wie's weder deinem Alter, noch deiner Tüchtigkeit ziemt. Du schämst dich, weil du aus der Beute eine freigeborene Gefangene aus gutem Haus gekauft hast? Wer wird dir ein Vergehen daraus machen? Stratippocles: Alle, die mir neidisch sind. Sie alle hab' ich bei dieser Angelegenheit mir feindlich gesinnt gefunden. Dabei hab' ich diesem Mädchen nie Gewalt, nie Schande angetan. Chaeribulus: Wenn du dich in der Liebe beherrschen kannst, macht dich das in meinen Augen nur ehrenwerter. Stratippocles: Der ist ein Freund, der Hilfe bringt, wenn Hilfe nötig ist. Wer den Verzweifelnden mit Worten tröstet, tut im Grund nichts. Chaeribulus: Was willst du, was soll ich tun? Stratippocles: Silber sollst du geben, vierzig Minen! Silber für den Geldverleiher, von dem ich es auf Zins geliehen habe. Chaeribulus: Wenn ich Silber hätte, noch so gern. Stratippocles: Was lag dir daran, mir mit Worten Gutes zu erweisen, wenn die wahre Hilfe nachher tot ist? Chaeribulus: Wo mich doch selber das Geschrei der Gläubiger fast umbringt, mich zerschlägt. Stratippocles: Ja, Freunde dieser Art, so heiß entzündet: Wären sie im Ofen statt auf dem Marktplatz! Aber nun will ich mir die Dienste des Epidicus kaufen, ihn mit wahrhaft teurem Lohn bestechen: Durchgeweicht mit Prügeln steck' ich den Kerl in die Mühle, wenn er mir nicht diese vierzig Minen herschafft, bevor ich die letzte Silbe ausgesprochen habe. Epidicus: (für sich) Das sieht gut aus! Hoffentlich hält er auch Wort. Ganz ohne Kosten krieg' ich meine Schultern verziert. Ich geh' hin zu ihm. (laut) Epidicus entbietet seinem aus dem Feld heimgekehrten Herrn Stratippocles den Gruß. Stratippocles: Wo ist er? Epidicus: Hier. – Daß du gesund zurück – Stratippocles: – glaub' ich dir ebenso wie mir. Epidicus: Und warst du immer wohlauf? Stratippocles: Mein Körper schon, aber krank an der Seele war ich. Epidicus: Nun, was mich betrifft, ich habe für dich gesorgt: Dein Auftrag ist erfüllt, das Mädchen gekauft, derentwegen du mir ständig Briefe schicktest. Stratippocles: Die Mühe war umsonst. Epidicus: Wieso umsonst? Stratippocles: Weil sie meinem Herzen nichts mehr gilt, weil sie mir nicht mehr gefällt. Epidicus: Wozu machtest du mir dann soviel Mühe, wozu schicktest du mir Brief um Brief? Stratippocles: Einst liebt' ich sie; nun aber schwebt eine andre Liebe über meinem Herzen. Epidicus: Ah, wie übel ist das! Ohne Dank bleibt, was gut zu machen man sich bemühte. Ich habe nun schlecht vollbracht, was ich gut vollbracht habe, nur weil die Liebe einfach so den Platz vertauschte. Stratippocles: Als ich dir die Briefe schickte, hatt' ich den Verstand verloren. Epidicus: Ist es recht, daß ich nun das Sühneopfer für deine Dummheit werden soll, daß ich stellvertretend meinen Rücken deiner Dummheit unterschieben soll? Stratippocles: Was sollen die Worte? Ich muß vierzig Minen Silber haben, augenblicklich frisch herbeigeschafft, damit ich den Geldverleiher damit auszahlen kann, und das schnell!. Epidicus: Sag mir nur: woher, woher soll ich sie beschaffen? Von welchem Bankherrn fordre ich sie? Stratippocles: Woher du willst. Wenn du sie mir vor Sonnenuntergang nicht herschaffst, mußt du gar nicht erst nach Hause kommen: Mach grad selber, daß du in die Mühle kommst. Epidicus: Wie leicht, wie gefahrlos, ohne Sorge, mit freiem Herzen kannst du reden! Ich kenn' das Pack in unserm Haus. Und mir tut's weh, wenn man mich prügelt. Stratippocles: Und was nun? Kannst du's mit ansehn, daß ich mich selber entleibe? Epidicus: Nein, das sollst du nicht. Lieber geh' ich selber die Gefahr und das Wagnis an. Stratippocles: Nun lob' ich dich! Nun gefällst du mir. Epidicus: Was auch geschehen mag, ich will's erdulden. Stratippocles: Was soll also mit dem Harfenmädchen werden? Epidicus: Irgendetwas wird sich finden, ich werde das irgendwie lösen. – Irgendetwas bring' ich schon heraus. Stratippocles: Einfälle hast du ja noch und noch. Ich kenn' dich wohl. Epidicus: Da ist ein Söldner aus Euböa. Er ist reich und verfügt über viel Gold. Wenn der erfährt, daß du das Harfenmädchen gekauft hast – jetzt aber diese andre hergebracht hast – ja, der kommt gleich von selbst und bittet dich, sie ihm zu überlassen. Aber wo ist die, die du mit hierhergebracht hast? Stratippocles: Sie wird gleich da sein, ich besorge das. Chaeribulus: Und was tun wir nun? Stratippocles: Zu dir ins Haus gehen, uns einen schönen Tag machen. Chaeribulus und Stratippocles gehen in das Haus des Chaeribulus Epidicus: Geht nur hinein, was diese Silberangelegenheit betrifft, will ich in meinem Herzen den Senat zusammenrufen, zur Beratung, wem vor allen andern Krieg nun anzusagen ist, von wem das Geld ich holen soll. Epidicus, nun mußt du sehen, was zu tun ist, derart plötzlich kam dies Ding quer in den Weg. Nun gut, es ist so, weder Schlafen hilft, noch Zaudern. Auf ihn los muß ich. Beschlossen ist's: Den Alten greif' ich an. Ich geh' hinein, dem jungen Herrn, dem Sohn des Alten, aufzutragen, ja nicht aus dem Haus zu gehn, dem Alten ja nicht in den Weg zu kommen. Er geht in das Haus des Chaeribulus Dritte Szene Apoecides und Periphanes kommen Apoecides: Die meisten Menschen schämen sich, wenn es nichts zu schämen gibt. Wenn sie sich aber wirklich schämen sollten, verläßt die Scham sie ganz. Gradso steht's mit dir. Worüber müßtest du dich schämen, wenn du eine Frau aus gutem Hause ehelichst, die aber arm ist? Vor allem, wenn sie, wie du selber erwähnst, dir die Tochter gebar, die du in deinem Hause hast. Periphanes: Ich schäme mich vor meinem Sohn. Apoecides: Mir schien eher, du folgtest mit Scham der Leiche deiner Gattin, als du sie zu Grabe trugst. Sooft du ihr Grab siehst, bringst du schnell dem Orkus ein Opfer. Sicher nicht zu Unrecht, war es dir doch vergönnt, sie durch dein Überleben zu besiegen. Periphanes: Herkules war ich, solang sie lebte. Dem war die sechste Arbeit nicht bitterer als das, was mir durch sie geschah. Apoecides: Geld ist eine schöne Mitgift. Periphanes: Sicher – ohne Frau dazu. Vierte Szene Epidicus kommt aus dem Haus des Chaeribulus Epidicus: (ins Haus zurück) Pst! Seid still, nur Mut! Links die Vögel: Die Zeichen sind sicher, unter denen ich ins Feld ausrücke. Und ein scharfes Messer hab' ich bereit, den Geldsack des Alten auszuweiden. Da seh' ich ihn ja – vor dem Haus, mit ihm Apoecides, grad so, wie ich mir die beiden wünsche. Zum Blutegel werd' ich nun, will das Blut dieser Stützen des Senats saugen. Apoecides: Du solltest sehen, daß er eine Frau bekommt, und zwar sogleich. Periphanes: Ich lobe deinen Rat. Wie ich hörte, ist er verliebt und klebt bei irgendeiner Harfenspielerin fest. Das quält mich. Epidicus: (für sich) Die Götter stehn mir bei, sie stärken mich, sie lieben mich! Die beiden zeigen selber mir den Weg, wie ich das Geld von ihnen holen kann. Nun, los, Epidicus, mach dich bereit, das Mäntelchen wirf dir nach hinten, tu, als hättest du ihn kreuz und quer die Stadt hindurch gesucht. Nun los, wenn du schon etwas unternehmen willst! (laut) Ihr Götter, ihr Unsterblichen! Wenn ich nur den Periphanes zu Hause finde, ihn, den ich gesucht, die ganze Stadt hindurch, erschöpft: beim Arzt, beim Haareschneider, auf dem Markt, dem Turnplatz, bei den Salbenhändlern, bei den Metzgern, überall in allen Wechselstuben. Heiser hab' ich mich geschrien bei all dem Fragen, beinah wär' ich auf dem Weg ermattet hingestürzt. Periphanes: Epidicus! Epidicus: Wer ruft hier nach Epidicus? Periphanes: Ich bin es, ich, Periphanes. Apoecides: Und ich – Apoecides. Epidicus: Und ich, wahrhaftig, bin Epidicus. Doch Herr, wie gut, daß ich euch beide grad zur rechten Zeit da kommen sehe. Periphanes: Was ist los? Epidicus: Geduld! Laß mich verschnaufen, bitte! Periphanes: Komm nur zur Ruhe. Epidicus: Mir ist schlecht. Ich muß erst Atem holen. Periphanes: Nur gemächlich, ruh dich aus! Epidicus: Hört: Von Theben sind alle aus dem Heeresdienst nach Haus entlassen worden. Apoecides: Wer behauptet das? Epidicus: Ich selber, es ist so. Periphanes: Weißt du das genau? Epidicus: Ich weiß es. Periphanes: Wieso weißt du's? Epidicus: Weil ich die Soldaten durch die vollen Straßen gehen sah. Sie trugen Waffen, führten Wagen mit daher. Periphanes: Das ist ja prächtig. Epidicus: Und was an Gefangenen sie mit sich führten! Knaben, Mädchen, manche zwei oder drei, ein anderer fünf. Das war ein Laufen durch die Straßen; jeder schaute nach seinen Söhnen aus. Periphanes: Das ist gut gegangen, beim Herkules! Epidicus: Dann die Hetären noch dazu, soviel es in der Stadt nur hatte: In vollem Putz lief jede ihrem Liebsten entgegen, fing ihn auch. Und worauf achtete ich ganz besonders? Hatten doch die meisten unter ihrem Kleid ein Fangnetz bei sich. Wie ich nun zum Hafen komme, seh' ich sie auch schon bereitstehen, ihn in Empfang zu nehmen, und Flötenspielerinnen liefen mit ihr, vier an Zahl. Periphanes: Mit wem liefen sie, Epidicus? Epidicus: Mit ihr, in die dein Sohn vernarrt ist, die er viele Jahre schon zum Sterben liebt. Wobei er's eilig hat, das Vermögen samt dem Kredit, sich selbst und dich zu ruinieren. Sie war's, die am Hafen auf ihn wartete. Periphanes: Sieh, die Hexe, die Giftmischerin! Epidicus: Wie allerliebst, elegant und nach allerneuster Mode war sie gekleidet. Herausgeputzt und goldgeschmückt! Periphanes: Was hatte sie an? Ein Königskleid? Ein Bettelkleid? Epidicus: Ein Regenwasserbeckenkleid – solche Namen geben die den Kleidern. Periphanes: Was? Wie kann man ein Wasserbecken anziehen? Epidicus: Was ist da verwunderlich? Viele laufen ja durch die Straßen, mit ganzen Ländereien geschmückt. Wenn aber eine Steuer auferlegt ist, heißt's, man kann nicht zahlen; denen aber, denen man die weitaus größeren Steuer zahlt, denen kann man zahlen. Ah, das Pack, das sich für die Kleider Jahr für Jahr neue Namen ausdenkt: Glattschurkleid, Flaumwollkleid, Glanzleinenkleid Unterröckchenkleid, Goldbortenkleid, Ringelblumen- oder Krokuskleid. Da gibt's ein Mini- oder Maxi-Unterkleid, ein Kopftuchkleid, ein Prachtkleid, Exotikkleid, Meerblaukleid, Federflaumkleid, Nußbraunkleid, ein Wachsgelbkleid – was das für Possen sind! Sogar dem Hund stehlen sie noch den Namen. Periphanes: Wie das? Epidicus: Sie nennen's Windhundkleid. Im Text: vocant Laconicum. Lakonien war im Altertum berühmt wegen seiner Zucht von Windhunden. Und diese Wörter bringen die Männer dazu, daß sie Hab und Gut versteigern. Periphanes: Willst du nicht sagen, was du eigentlich sagen wolltest? Epidicus: Also, hinter mir begannen nun zwei andre Frauen ein Gespräch; ich entfernt mich bewußt etwas von ihnen und tat so, als ob ich mich um das, was sie besprachen, überhaupt nicht kümmerte. Sehr viel konnt' ich zwar nicht verstehen, doch es entging mir nicht, wovon sie sprachen. Periphanes: Das interessiert mich sehr. Epidicus: Die andre sagte dann zu der, mit der sie ging – Periphanes: Was denn? Epidicus: Schweig, damit du hören kannst! Nachdem sie also jene sahen, die, in die dein Sohn so verliebt ist: »Oh, wie günstig, wie glücklich kommt's bei der heraus! Der Geliebte will ihr die Freiheit schenken.« – »Wer denn ist ihr Liebster?« fragt die andere, und sie, sie nennt den Stratippocles, den Sohn des Periphanes. Periphanes: Ich bin verloren! Was hör' ich da von dir? Epidicus: Was geschehen ist. Ich selber wandte mich nach ihnen um, als ich sie das reden hörte und begann so nach und nach an sie heranzukommen, so, als ob die Gewalt der Menschenmenge mich gegen meinen Willen nach hinten stieße. Periphanes: Ich verstehe. Epidicus: Dann fragt die andere: »Woher weißt du das? Wer hat es dir gesagt?« – und sie: »Kam doch heute ein Brief an sie von eben diesem Stratippocles, er habe bei einem Geldverleiher Geld geliehen in Theben, gegen Zins. Das sei bereit, er bring' es zu diesem Zweck mit.« Periphanes: Das ist mein Untergang. Epidicus: Sie sagte, von ihr selbst und aus dem Brief hab' sie es gehört. Periphanes: Was mach ich jetzt? Rate mir bitte, mein Apoecides! Apoecides: Wir müssen irgendeinen Plan ersinnen, der uns rasch zum Ziel führt. Gewiß wird er bald hier sein, glaub' ich – oder er ist sogar schon da. Epidicus: Schickte es sich, daß ich klüger sei als ihr, hätt' ich euch einen geschickten Plan, der Beifall fände von euch beiden – Periphanes: Also was, Epidicus? Epidicus: – und in dieser Sache wohl zum Ziele führte. Apoecides: Was zauderst du zu reden? Epidicus: Ihr seid klüger, euch steht es zu, zuerst zu reden, wir kommen danach. Periphanes: Gewiß! Aber nun rede schon! Epidicus: Ihr werdet mich verlachen. Apoecides: Nein, das tun wir sicher nicht. Epidicus: Ja nun, wenn du Gefallen an dem Plan findest, mach von ihm Gebrauch, wenn nicht, sucht euch einen besseren. Für mich gibt's dabei nichts zu säen und nichts zu ernten. Ich will nur, was deinem Wunsch entspricht. Periphanes: Danke. Aber laß uns nun deine Klugheit hören. Epidicus: Deinem Sohn soll schnellstens eine Ehefrau ermittelt werden, ebenso sollst du die Harfenspielerin bestrafen, der er die Freiheit kaufen will und die ihn verdorben hat. Auch dafür soll man sorgen, daß sie bis zu ihrem Tode Sklavin bleibt. Apoecides: Recht würd' ihr das geschehen. Periphanes: Alles will ich tun, was du willst, wenn es gleich geschieht. Epidicus: Gut. Jetzt, bevor er in der Stadt ist, haben wir noch Gelegenheit zum Handeln. Morgen wird er hier sein, heute noch nicht. Periphanes: Wieso weißt du das? Epidicus: Ein anderer, der auch von dort kam, sagte mir, morgen sei er hier. Periphanes: Sagst du uns, was wir machen sollen? Epidicus: Du sollst so tun, denk' ich, als ob du selbst der Harfenspielerin zu deiner Lust die Freiheit kaufen wolltest, als ob du sie selbst liebtest. Periphanes: Wozu soll das gut sein? Epidicus: Fragst du noch? Um sie mit Geld zu kaufen, bevor dein Sohn kommt. Daß du dann sagen kannst, du hättest sie gekauft, um ihr die Freiheit zu schenken. Periphanes: Ich verstehe. Epidicus: Daß du sie aber, sobald sie gekauft ist, fortschaffen kannst, an einen andern Ort, weg aus der Stadt, oder – nun ja – du willst sonst etwas mit ihr. Periphanes: Sehr klug das, wirklich. Epidicus: Du, Apoecides, was meinst du? Apoecides: Was sonst, als daß du es ungeheuer raffiniert ersonnen hast? Epidicus: Dann nämlich wird ihm alles Zaudern vor der Heirat wie weggeblasen sein, so daß er sich deinen Plänen nicht widersetzen wird. Periphanes: Klug ausgedacht, ja, es gefällt mir. Epidicus: Also dann, was du auch tun willst, tu es rasch. Periphanes: Was? Sag es mir. Epidicus: Auch hab' ich etwas ausgedacht, das den Verdacht von dir fernhalten soll. Periphanes: Laß es mich wissen. Epidicus: Wissen sollst du's; hör! Apoecides: Die Schlauheit! Der schöpft aus dem Vollen. Epidicus: Wir brauchen jemand, der dem Kuppler das Geld für die Harfenspielerin überbringt. Dich will ich nicht, du sollst es nicht tun. Periphanes: Und warum nicht? Epidicus: Damit der Kuppler nicht auf den Gedanken kommt, du tätest es des Sohnes wegen – Periphanes: Klug gedacht! Epidicus: – um ihn von dem Mädchen zu trennen. Nicht daß dieser Verdacht uns noch Schwierigkeiten bereitet. Periphanes: Wer ist dafür wohl geeignet? Epidicus: (auf Apoecides zeigend) Er – er wird der beste dafür sein. Er wird die rechte Vorsicht walten lassen und kennt sich aus in Recht und Gesetz. Periphanes: (zu Apoecides) Oh, du wirst dem Epidicus hübsch danken müssen. Epidicus: Ich mache mich nun mit Eifer daran. Ich such' den auf, dem die Harfenspielerin jetzt gehört, und bring' sie her zu dir, auch will ich mit ihm (zeigt auf Apoecides) das Geld überbringen. Periphanes: Wieviel wird man dafür mindestens rechnen müssen, sie zu kaufen? Epidicus: So etwa vierzig Minen – mindestens; dafür wird sie schon – vielleicht – zu haben sein. Aber wenn du mir mehr mitgibst, bring' ich dir den Rest zurück; kein Nachteil ist dabei. Nicht einmal zehn Tage lang wird dir das Geld gebunden sein. Periphanes: Wie das? Epidicus: Weil sich in dieses Mädchen schon ein andrer junger Mann verliebt hat, reich an Gold, ein großer Kriegsmann, aus Rhodos kommt er, der die Feinde ausraubt, ruhmbedeckt ist; der wird sie von dir kaufen, und das Gold gibt er dir mit Vergnügen. Mach das nur; es bringt dir reichlichen Gewinn. Periphanes: Ich will die Götter darum bitten. Epidicus: Sicher mit Erfolg! Apoecides: (zu Periphanes) Gehst du ins Haus und gibst ihm das Geld heraus? Ich schau mich auf dem Markt ein bißchen um. Komm dann dorthin, Epidicus! Epidicus: Aber geh nicht weg, bevor ich bei dir bin. Apoecides: Ich werde solange warten. Periphanes: (zu Epidicus) Folg mir ins Haus. Apoecides geht ab. Periphanes geht in sein Haus Epidicus: Geh nur und zähl das Geld; ich lasse dich nicht warten. Fünfte Szene Epidicus: Kein Acker in ganz Attika ist so ertragreich, als unser Herr Periphanes es ist. Geld will ich mir nun aus dem Schrank, dem abgeschlossenen, versiegelten, ausschütteln, wie ich immer will. Doch was ich fürchte, wenn der Alte es erfährt: Daß er mir Ulmenruten zu Schmarotzern macht, die kahl mich fressen, rund herum. Doch eine Sache, ein Geschäft macht mir noch Sorge: irgendeine Harfenspielerin zu mieten, dem Apoecides sie vorzuführen. Und auch das hab' ich: Heut früh befahl der Alte mir, ihm eine Harfenspielerin zu mieten, die ihm singen sollte, während er den Göttern opfert. Die wird gemietet, aufs genauste instruiert, wie sie den Alten listig hintergehen soll. Ich geh' hinein, das Geld zu holen von dem Alten, dem verschwenderischen. Er geht in das Haus des Periphanes Sechste Szene Stratippocles und Chaeribulus kommen aus dem Haus des Chaeribulus Stratippocles: Vor lauter Warten, wie die schönen Worte des Epidicus wohl in Erfüllung gehen, bin ich ganz zerrüttet, wie ausgehöhlt. Allzulang schon zerquäl' ich mich, ob etwas draus wird oder nicht. Ich brenne danach, es zu wissen. Chaeribulus: Was die Hilfe anbelangt, solltest du dich besser gleich nach einer andern umsehen. Wußt' ich doch von Anfang an, daß dir von dem keine Hilfe kommt. Stratippocles: Das ist mein Untergang! Chaeribulus: Unsinnig ist es, wenn du dein Herz beklemmst. Hab' ich ihn nur erst erwischt, dann sorg' ich dafür, daß dieser Sklavenkerl uns nie mehr ungestraft verspotten soll. Stratippocles: Was hast du ihn anzuklagen? Den größten Reichtum hast du im Haus – und doch besitzt du keinen Heller. Von dir kommt dem Jugendfreund keine Hilfe. Chaeribulus: Noch so gern spräch' ich es dir zu, wenn ich es hätte. Wird mir irgendein Glück zuteil, irgendwie von irgendwo, dann bleibt dir irgendwie – irgendwoher doch noch Hoffnung. Stratippocles: Weh dir, du untauglicher Geselle! Chaeribulus: Warum willst du mich beschimpfen? Stratippocles: Du plapperst von irgendetwas, das von irgendwoher, von irgendwem, irgendwelchen – das nirgends ist. Dergleichen lass' ich nicht in meine Ohren; Hilfe bist du nicht mehr als einer, der noch nicht einmal geboren ist. Siebte Szene Epidicus kommt aus dem Haus des Periphanes, einen Geldsack auf dem Rücken Man hat sich hier einen Geldsack von beträchtlicher Größe vorzustellen, enthält er doch 50 Minen, d.h. Silbermünzen im Gewicht von mehr als 20 kg. Epidicus: So, du hast dein Werk getan; an mir ist's jetzt, das meine auch zu tun. Was diese Sorge anbetrifft, kannst du beruhigt sein – das ist dir ganz gewiß verloren. Keine Hoffnung bleibt dir, daß du's je zurückbekommst. Zum Begräbnis fertig ist es eingesalbt. Glaub meiner Art: So handle ich, so handelten schon immer meinesgleichen. Ihr Götter, die ihr mir den Prachtstag schenktet! Wie leicht, wie mühelos ging das vonstatten! Doch ich säume wegzugehn, das Heer mit dem Proviant hier zu versorgen. Ich verspäte mich, weil ich herumsteh. Aber was ist das? Grad vor dem Haus dort seh' ich ja die beiden, meinen Herrn und auch Chaeribulus. Was tut ihr? Nimm das hier! Stratippocles: Wieviel ist drin? Epidicus: Genug – mehr als genug: Etwas bleibt sogar noch übrig. Zehn Minen mehr sind es, als du dem Geldverleiher schuldest. Aber – während ich dir deinen Willen tue und dir gefällig bin, hab' ich wenig acht auf meinen Rücken. Stratippocles: Warum das? Epidicus: Weil ich deinen Vater zum Vatermörder mache. Stratippocles: Was für ein Wort! Epidicus: Ich hab' nichts gegen alte, oftgebrauchte Wörter. Der Kuppler hat sein Geld für diese Harfenspielerin; ich hab' es ihm bezahlt. Und jetzt ist mir noch etwas eingefallen, wie dein Vater zu betrügen und dir zu helfen war. Ich habe den Alten überredet und ihm weisgemacht, daß sie dir auf diese Weise entzogen wäre, wenn du zurückkämst. Stratippocles: Gut! Epidicus: Dabei hat er sie im Haus und hält sie für seine Tochter. Stratippocles: Ich verstehe. Epidicus: Den Apoecides gab er mir als mein Berater mit in dieser Sache. Der ist auf dem Markt und wartet dort auf mich – um auf mich aufzupassen! Stratippocles: Gar nicht schlecht das! Epidicus: Der Bewacher ist nun selber gefangen. Und dein Vater lud den Geldsack mit eigenen Händen auf meinen Rücken. Doch jetzt bereitet er alles vor, damit du gleich, wenn du nach Hause kommst – ein Ehemann wirst. Stratippocles: Dazu kann er mich nur überreden, wenn der Orkus mir vorher die weggenommen hat, die ich hierhergebracht habe. Epidicus: Nun hab' ich mir folgendes ausgedacht: Ich such' allein den Kuppler in seinem Haus auf und bring ihm bei, falls jemand zu ihm kommt, soll er bestätigen, daß er das Geld für diese Harfenspielerin bekommen habe, vielmehr, daß er fünfzig Minen in Empfang genommen habe. Ich hab' ihm doch vorgestern das Geld für deine Ex-Geliebte bezahlt, für das Mädchen, das dein Vater jetzt für seine Tochter hält. Der Kuppler wird nun nichtsahnend seinen verruchten Kopf zum Pfand setzen, daß er das Geld für die bekommen habe, welche du hierher gebracht hast. Stratippocles: Du bist wendiger als eine Töpferscheibe. Epidicus: Jetzt muß ich noch irgendeine listenreiche Harfenspielerin auftreiben, die für etwas Geld zu mieten ist und tut, als habe man sie gekauft, welche klug die beiden Alten narren wird. Apoecides wird dann mit ihr zu deinem Vater gehen. Stratippocles: Gut ausgedacht! Epidicus: Ich schick' sie los, wohl abgerichtet und bepackt mit meinen Listen und meinen Ränken. Doch ich schwatze zu viel. Ihr habt mich lang aufgehalten. Was geschehen wird, wißt ihr nun. Ich gehe. Stratippocles: Geh mit Glück! Epidicus geht ab Chaeribulus: Ungemein geschickt ist der, wenn es etwas Schlimmes anzustellen gibt. Stratippocles: Mich jedenfalls hat er mit seinen Plänen gerettet. Chaeribulus: Gehen wir hinein zu mir. Stratippocles: Weitaus lieber tu ich das, als ich herauskam. Dank der Tüchtigkeit und dem klugen Handeln des Epidicus kehr' ich voll mit Beute ins Lager zurück. Chaeribulus und Stratippocles gehen ins Haus des Chaeribulus   * Pause * Achte Szene Periphanes kommt aus seinem Haus Periphanes: Wie gut, daß Menschen Spiegel haben, nicht nur, das Gesicht sich anzuschauen, auch die Fülle der Gedanken zu betrachten. Hätten sie's getan, dann wüßten sie, wie sie einst in der Jugendzeit ihr Leben lebten. Wirklich nützlich wär' das ihnen, wie ich glaube. Ich zum Beispiel, der ich eben drauf und dran war, mich abzuquälen meines Sohnes wegen, so, als ob mein Sohn sich gegen mich vergangen hätte, so, als ob in meiner Jugendzeit nicht oft genug die tollsten Streiche auf mein Konto gingen. Wir Alte denken manchmal doch entsetzlich dummes Zeug. Apoecides kommt mit einer Harfenspielerin Ah – da kommt mein Kompagnon Apoecides mit seiner Beute. Daß der Kaufherr mit Erfolg zurückkommt, freut mich. Nun, wie läuft's? Apoecides: Die Götter stehn dir bei! Periphanes: Ein Zeichen, das mir wohl gefällt. Apoecides: Und alle Zeichen stehen deiner Sache günstig! Doch laß erst die ins Haus jetzt bringen. Periphanes: (ruft ins Haus hinein) He, komm einer mal heraus! Ein Sklave kommt aus dem Haus Und führ das Mädchen da hinein! Und höre! Sklave: Was befiehlst du? Periphanes: Achte drauf, daß sie mit meiner Tochter Nicht zusammenkommt, sie nicht zu sehen kriegt. Verstanden? Ganz für sich allein soll sie in einer Kammer eingeschlossen werden. Ganz verschieden sind in ihrer Art die Jungfrau und die Dirne. Apoecides: Klug und weise sprichst du. Seiner Tochter Sittsamkeit kann niemand gut genug behüten. Grad zur rechten Zeit noch haben die wir deinem Sohn noch weggeschnappt. Periphanes: Wieso? Apoecides: Wie einer mir erzählte, hab' er deinen Sohn schon hier gesehn. Die Sache mit dem Freikauf hat er wohl schon sorgsam vorbereitet. Periphanes: Offensichtlich hat er das. Apoecides: Doch wirklich, einen Sklaven hast du, raffiniert – von unschätzbarem Wert, mit Gold nicht aufzuwiegen. Wie er's diese Harfenspielerin nicht wissen ließ, daß er für dich sie doch erstanden hatte! Heiter und mit lachendem Gesicht kam sie mit ihm daher, als er sie brachte. Periphanes: Ein Wunder, wie er's fertigbrachte. Apoecides: Er sagte ihr, du wolltest hier im Haus den Göttern opfern, für den Sohn, weil der von Theben heil zurückgekehrt. Periphanes: Geschickt hat er das angestellt! Apoecides: Er hat ihr nämlich weisgemacht, sie sei gemietet, dir beim Opfer hier zu assistieren. Ich darauf tat meinerseits, als sei das wirklich so; ganz tölpelhaft und dumm hab' ich mich produziert. Periphanes: Das paßte gut. Apoecides: Ein wichtiger Prozeß wird auf dem Forum abgehandelt, einen Freund betrifft er, ihm will ich als Anwalt beistehn. Periphanes: Aber bitte, wenn du Zeit hast, komm sofort zurück. Apoecides: Gleich bin ich wieder da. Apoecides geht ab Periphanes: Nichts ist dem Menschen freundlicher als grad zur rechten Zeit ein Freund: Nicht die geringste Mühe hast du, trotzdem wird erledigt, was du wolltest. Hätt' ich einen weniger gescheiten Mann in dieser Sache losgeschickt, nicht so gewandt wie er, ich wäre angeschmiert, und lachend würd' mein Sohn die weißen Zähne sehen lassen: Auslachen würd' er mich – verdientermaßen. – Aber – es ist doch eine Dummheit, zum Verbrechen ihm zu machen, was ich selber noch und noch getan in meiner Jugend, als ich ein Söldner war. Den Leuten redet' ich die Ohren taub sobald ich anfing, meine Streiche zu erzählen, Ein Söldner tritt auf, begleitet von einem Sklaven Wer ist der junge Mann, den ich da kommen sehe? Der mit seinem Schlenkergang den Reisemantel wallen läßt? Neunte Szene Söldner: Geh an keinem Haus vorbei, ohne daß du fragst, ob hier Periphanes Platenius wohnt. Hüte dich, den Fuß zurück zu wenden, wenn du nicht Bescheid weißt. Periphanes: Junger Mann, wenn ich dir zeige, wen du suchst, verdien' ich damit von dir irgendwelchen Dank? Söldner: Als Waffenheld hab' ich es durch meine Taten verdient, daß alle Sterblichen mir Dank zu sagen haben. Periphanes: Hör, junger Mann, hier hast du keinen ungestörten Ort gefunden, wo du deine Taten breit auseinanderfalten kannst, wie's dich gelüstet. – Rühmt sich ein an Tüchtigkeit Geringerer seiner Kriegestaten: Armselig werden sie gegenüber den Taten eines Tüchtigeren. Aber wenn du den Periphanes Platenius suchst: Ich bin es selber, wenn du was von ihm willst. Söldner: Der bist du, von dem man sich erzählt, wie er in der Jugend bei den Königen durch seine Waffen und durch seine Kriegskunst sich großen Reichtum erwarb? Periphanes: Wirklich: Händewerfend läufst du nach Haus, wenn du meine Taten hörst. Söldner: Ich möchte einen, dem ich meine verkünden kann, nicht einen, der mir die seinen erzählt. Periphanes: Dafür ist hier nicht der Ort; such besser einen anderen, wo du deine Lumpen zusammenflicken kannst. Söldner: Hör jetzt zu, damit du weißt, weshalb ich zu dir komme. Ich habe gehört, du hast mein Mädchen gekauft. Periphanes: (für sich) Ah, jetzt weiß ich, wer das ist: Der Söldner, den Epidicus mir angekündigt hat. (laut) Nun, junger Mann, es ist, wie du sagst. Ich habe sie gekauft. Söldner: Nur ein paar Worte – wenn es dir nicht lästig ist. Periphanes: Ob's mir lästig ist oder nicht, weiß ich erst, wenn du gesagt hast, was du willst. Söldner: Daß du sie an mich abtrittst – gegen Geld. Periphanes: Hast du's dabei? Söldner: Aus welchem andern Grund bin ich sparsam mit Worten? Als Freigelassene soll sie noch heute das Lager mit mir teilen. Periphanes: Ich will dich kurz abfertigen: Für fünfzig Minen hab' ich sie gekauft; zahlst du mir sechzig, soll das Mädchen deine schlachtenfreie Zeit besitzen. Aber mit der Bedingung, daß du sie aus dieser Gegend wegschaffst. Söldner: Ist sie mir zu diesen Bedingungen verkauft? Periphanes: Von mir aus hast du sie. Und hübsch billig hast du eingekauft! (ins Haus zurück) Heda, bringt die Harfenspielerin heraus, ja die, die ihr vorhin hineingebracht habt! (zum Söldner) Die Harfe, die zu ihr gehört, geb' ich dir noch gratis dazu. Zehnte Szene Die Harfenspielerin kommt aus dem Haus des Periphanes Periphanes: So, da nimm sie! Söldner: Was ist das für ein Gewittersturm? Was für eine schwarze Nacht bringst du da hervor? Läßt du die Harfenspielerin jetzt augenblicklich aus dem Haus führen? Periphanes: Das ist die Harfenspielerin. Hier gibt es keine andere. Söldner: Du kannst mich nicht zum Narren halten. Bring die Harfenspielerin Acropolistis heraus! Periphanes: Das ist sie, sag' ich. Söldner: Ist sie nicht, sag' ich . Glaubst du, ich könne meine Gefährtin nicht erkennen? Periphanes: Die ist's, sag' ich, in welche mein Sohn sich verliebt hat. Söldner: Ist sie nicht. Periphanes: Was? Sie ist's nicht? Söldner: Nein, sie ist's nicht. Periphanes: Woher aus aller Welt kommt dann die ? In der Tat, für die hab' ich das Geld gezahlt. Söldner: Das war dumm, glaub' ich. Ein schlimmer Fehler. Periphanes: Aber die ist's. Ich habe doch den Sklaven hingeschickt, der meinen Sohn stets als Diener begleitet. Und er selbst hat diese Harfenspielerin zum Kauf bestimmt. Söldner: Stückweise hat der Kerl dich auseinander genommen, dein Sklave, glaub mir, Alter. Periphanes: Mich auseinander genommen? Wieso das? Söldner: Es sieht so aus; für die Harfenspielerin hat man dir diese Hirschkuh unterschoben. Alter, man hat dich angeschmiert, rundum und tüchtig. Ich such' nun die richtige, wo sie auch sein mag. Leb wohl, Kriegsmann! Der Söldner und sein Sklave gehen ab Periphanes: So, so, Epidicus, du bist tüchtig, gut gemacht hast du das, ein ganzer Kerl bist du, mich Dummkopf hast du hereingelegt nach Strich und Faden. – (zur Harfenspielerin) Hat dich Apoecides heute vom Kuppler gekauft? Harfenspielerin: Von dem hab' ich nie etwas gehört. Auch konnte mich keiner für irgendeine Summe kaufen; mehr als fünf Jahre bin ich schon frei. Periphanes: Was tust du dann in meinem Haus? Harfenspielerin: Du sollst es hören: Dem alten Herrn beim Opferdienst mit der Harfe zu singen kam ich hierher, dazu hat man mich gemietet. Periphanes: Ich gesteh': Von allen Menschen in ganz Athen bin ich der allerdümmste. Aber du, kennst du die Harfenspielerin Acropolistis? Harfenspielerin: Gradso wie mich. Periphanes: Wo wohnt sie? Harfenspielerin: Seit sie frei ist, weiß ich nicht mehr, wo sie wohnt. Periphanes: Was? Sie ist frei? Wer hat sie freigemacht? Sag mir's, wenn du es weißt. Harfenspielerin: Was ich gehört habe, sollst du hören: Ein Stratippocles, der Sohn des Periphanes, sagt man, habe dafür gesorgt, daß sie frei würde, während er abwesend war. Periphanes: Ganz und gar bin ich verloren, wenn das wahr ist. Beim Herkules: Epidicus hat mir den Geldsack ausgeweidet. Harfenspielerin: So hab' ich's gehört. Brauchst du mich noch? Periphanes: Der Henker soll dich holen! Mach, daß du verschwindest! Harfenspielerin: Meine Harfe krieg' ich nicht? Periphanes: Die Harfe nicht und nicht die Flöte. Wenn die Götter es gut mit dir meinen, machst du schnell, daß du hier wegkommst. Harfenspielerin: Ich geh schon; du wirst mir trotzdem alles wiedergeben müssen, und mit Schmach und Schande. Die Harfenspielerin geht ab Periphanes: Was nun? Ich soll sie ziehen lassen, ungestraft, ich, dessen Name so oft auf Senatsbeschlüssen steht? Und muß ich auch das doppelte an Wert dabei verlieren, lieber das, als daß ich dulde, daß ich ungestraft verlacht und ausgeplündert werde. Ah, vor aller Augen so betrogen sein! Jedoch, was mich betrifft, mach' ich mir weniger daraus, vergleich' ich mich mit dem, den man so rühmt als Schöpfer und Verkünder von Gesetz und Recht. Der redet ja auch immer selbst davon, wie klug er sei. In einem Hammer ohne Stiel ist mehr Verstand! Elfte Szene Philippa tritt auf Philippa: Läßt irgendwo ein Elend die Menschen Mitleid fühlen, ist es in der Tat ein schlimmes Elend. Das erfahre ich, auf die nun alles zusammenschlägt, was meine Brust bedrängt. Vielfache Drangsal drückt die Gequälte, Armut und Angst erschreckt das Innerste der Seele, nirgendwo ist ein sichrer Platz für meine Hoffnung. Meine Tochter ist in der Gewalt der Feinde, und ich weiß nicht, wo sie ist. Periphanes: Wer ist die Frau, die so verzagt hier ankommt aus der Fremde und ihr Schicksal laut beklagt? Philippa: In dieser Gegend soll Periphanes wohnen, sagte man mir. Periphanes: Meinen Namen nennt sie; sie sucht wohl eine Unterkunft. Philippa: Wer mir den Mann zeigen kann oder seine Wohnung: Gern wollt' ich ihn dafür belohnen. Periphanes: Wer ist sie nur? Irgendwo,scheint mir, hab' ich sie schon gesehen. – Ist sie's, oder ist sie's nicht, die meine Seele ahnt? Philippa: Ihr guten Götter! Hab' ich den nicht früher schon gesehen? Periphanes: Ja, gewiß ist sie's, die ich in Epidauros, ich erinnre mich, umarmte mit Gewalt – das arme Wesen. Philippa: Ja, gewiß, das ist er, der in Epidauros mir, der Jungfrau, mit Gewalt als erster meine Unberührtheit nahm. Periphanes: Die schwanger wurde dadurch und die Tochter gebar, die ich nun im Haus habe. Soll ich hingehen? Philippa: Ich bin ungewiß – geh ich zu ihm? Periphanes: Ob sie es ist? Philippa: Ob er der Mann wohl ist? Wie doch die vielen Jahre Ungewißheit schaffen. Periphanes: Lange Zeit verstrich indessen; dies läßt mich schwanken Ob sie es ist, die ich, noch ungewiß, vermute – ich will zu ihr, aber mit List und Vorsicht. Philippa: Weiberlist zu üben scheint mir jetzt angebracht. Periphanes: Ich will zu ihr sprechen. Philippa: Meine Redekunst will ich aufbieten. Periphanes: Sei gegrüßt. Philippa: Den Gruß nehm' ich entgegen, für mich und die meinigen. Periphanes: Und weiter? Philippa: Sei auch du gegrüßt; ich gebe dir soviel, wie du mir anvertraut hast. Periphanes: Gegen Vertrauen hab' ich nichts. Aber – kenn' ich dich? Philippa: Wenn ich dich kenne – ich möchte mich erst überzeugen, daß auch du mich kennst. Periphanes: Wo hab' ich dich gesehn? Philippa: Das ist zu deinem Vorteil: Ungerecht bist du! Periphanes: Wieso das? Philippa: Du hältst es für recht, daß ich dir dein Gedächtnis erkläre. Periphanes: Dein Einspruch ist angemessen. Philippa: Seltsames rufst du mir in Erinnerung. Periphanes: Gut, so ist es besser. Du erinnerst dich? Philippa: An das, woran ich mich erinnere. Periphanes: Auch an das, wie in Epidauros – Philippa: Ah – mit Wassertropfen hast du mir die glühende Brust besprengt. Periphanes: – wie ich dir armem Mädchen und auch deiner Mutter eure Armut – zu erleichtern suchte? Philippa: Du bist es, der schwere Drangsal in mich hineingesät hat durch deine Lust? Periphanes: Ich bin's. Dir wünsche ich, daß es dir gut geht, daß du wohl bist und gesund. Philippa: Wohl bin ich und gesund, weil ich dich gesund vor mir sehe. Periphanes: Gib mir deine Hand! Philippa: Nimm sie; eine Frau hältst du, die Teil hat an Elend, an Not. Periphanes: Weshalb ist deine Miene so verstört? Philippa: Die Tochter, welche ich einst von dir empfing – Periphanes: Was ist mit ihr? Philippa: Aufgezogen hab' ich sie und verloren! In Feindeshand – Periphanes: Sei ruhig und gelassen. Nur still! Hier in meinem Haus ist sie, gesund und wohlbehalten. Denn sobald ich von meinem Sklaven erfuhr, daß sie gefangen sei, gab ich ihm unverzüglich Geld, sie freizukaufen. Und der hat dies sehr besonnen, äußerst ordentlich besorgt, wie er – nun – wie er in andern Dingen über alle Maßen unverschämt ist. Philippa: Oh, laß sie mich sehen, wenn du willst, daß ich gesund und wohl bin! Periphanes: (ins Haus hinein) He, Canthara, laß meine Tochter, laß Telestis vor das Haus kommen, ihre Mutter soll sie sehen! Philippa: Jetzt kehrt meine Seele zurück. Zwölfte Szene Acropolistis kommt aus dem Haus Acropolistis: Was ist, Vater? Du hast mich vor das Haus gerufen? Periphanes: Deine Mutter sollst du sehen, zu ihr gehen und der Angekommenen Gruß und Kuß entbieten. Acropolistis: Welcher meiner Von Mutter auf Mütter geändert. Re. Mütter? Periphanes: Die betäubt und außer sich nach deinem Anblick drängt. Philippa: Wer ist die, die ich küssen soll, wie du meinst? Periphanes: Deine Tochter! Philippa: Diese da? Periphanes: Die. Philippa: Die soll ich küssen? Periphanes: Warum nicht, die du geboren hast? Philippa: Du bist unsinnig! Periphanes: Ich? Philippa: Ja, du! Periphanes: Warum? Philippa: Weil ich von der, die meine Tochter sein soll, überhaupt nichts weiß. Weil ich sie gar nicht kenne, sie nie gesehen habe bis auf diesen Tag. Periphanes: Ich kann mir denken, weshalb du dich irrst: Weil sie andere Kleider trägt und anderen Schmuck. Philippa: Jungen Hunde riechen anders als junge Schweine. Wirklich, die kenn' ich nicht; ich weiß nicht, wer sie ist. Periphanes: Oh, bei der Treue von Göttern und der Menschen. Was? Kuppelei hab' ich betrieben, halte fremde Mädchen in meinem Haus? Geld hab' ich grad so zum Haus hinausgeschüttet? – Aber du, die du mich Vater nennst und mich küßt, was stehst du dumm da und sagst kein Wort? Acropolistis: Was soll ich sagen? Periphanes: Die hier leugnet, daß sie deine Mutter sei! Acropolistis: Wenn sie nicht will, soll sie's halt nicht sein. Ob es ihr paßt oder nicht, meiner Mutter Kind bleib' ich doch. Wenn sie nicht will, möcht' ich sie nicht drängen, mir Mutter zu sein. Periphanes: Warum nanntest du mich dann Vater? Acropolistis: Das ist deine Schuld, nicht meine. Warum soll ich nicht Vater zu dir sagen, wenn du mich Tochter nennst? Auch die hier nenn' ich Mutter, wenn sie Tochter zu mir sagt. Wenn sie leugnet, daß ich ihre Tochter bin – dann ist sie eben nicht meine Mutter. Schließlich ist das alles nicht meine Schuld; gelernt hab' ich alles, was ich sagte. Und Epidicus hat es mir beigebracht. Periphanes: Ich bin verloren, den Wagen hab' ich umgeworfen! Acropolistis: Dabei hab' ich doch nicht gefehlt, Vater? Periphanes: Hör' ich noch ein einziges Mal, daß du Vater zu mir sagst: Beim Herkules, ich bring' dich um! Acropolistis: Ich sag' es nicht. Wenn du Vater sein willst, so sei es, willst du's nicht, bist du eben kein Vater. Philippa: Wenn du sie aus diesem Grund gekauft hast, welche Zeichen hattest du denn, sie zu erkennen? Periphanes: Keine. Philippa: Weshalb hieltest du sie dann für unsere Tochter? Periphanes: Weil Epidicus, mein Sklave, es mir sagte. Philippa: Wenn sich dein Sklave getäuscht hat, weshalb konntest du sie nicht erkennen? Periphanes: Wie sollt' ich? Ich sah sie als Säugling, dann nie mehr. Philippa: Weh, ich Arme! Periphanes: Weine nicht, geh hinein ins Haus, Frau, sei guten Muts; ich will sie ausfindig machen. Philippa: Ein Bürger von Athen hat sie gekauft, ein junger Mann, hat man mir versichert. Periphanes: Sei ruhig; ich will sie finden. Geh nun hinein und paß auf diese Circe auf – die Tochter des Sonnengotts. Philippa und Acropolistis gehen in das Haus des Periphanes Vor allem anderen will ich den Epidicus aufzuspüren. Erwisch' ich ihn – dieser Tag soll ihm zum Tag des Untergangs werden. Er geht ab   * Pause * Dreizehnte Szene Stratippocles kommt aus dem Haus des Chaeribulus Stratippocles: Schlecht dient mir dieser Geldverleiher: Weder fordert er das Geld von mir, noch führt er jene her, die aus der Beute ich gekauft. Epidicus tritt auf Doch sieh, da kommt Epidicus. Was ist mit ihm? Ernst sieht er drein und sorgenvoll. Was runzelt er die Stirn? Epidicus: Sogar wenn Jupiter jetzt kommt und die elf andern Götter mit herbeibringt: Sie selbst werden nicht imstande sein, aus Qual und Marter den Epidicus herauszuholen. Riemen sah ich kaufen den Periphanes; und bei ihm war Apoecides. Nun werden diese beiden nach mir suchen. Sie haben es gemerkt und wissen, daß sie bös betrogen sind. Stratippocles: Was treibst du, meines Glücks Beförderer und Helfer? Epidicus: Etwas Übles. Stratippocles: Und was ist mit dir? Epidicus: Willst du mit Reisegeld mich nicht versehen, damit ich fliehen kann, bevor mich das Verderben eingeholt? Zwei kahlgeschorne Greise suchen in der ganzen Stadt nach mir. Und beide tragen Stricke in der Hand und Riemen. Stratippocles: Sei guten Mutes! Epidicus: Ich gewiß, dem in der weiten Welt doch Freiheit winkt. Stratippocles: Ich werde dich bewahren. Epidicus: Bewahren werden die mich besser, wenn sie mich erwischt. Der Geldverleiher und Telestis treten auf Doch wer ist das hübsche Mädchen da – und der Graukopf, der mit ihr kommt? Stratippocles: Das ist der Geldverleiher. Aber sie ist die, die ich gekauft habe aus der Beute. Epidicus: Die ist's? Stratippocles: Ja, die ist's. Ist sie nicht so, wie ich sagte? Schau sie an, Epidicus, betrachte sie genau. Vom Haar bis zu den Zehen hübsch und niedlich ist sie – unvergleichlich! Ist's nicht, als hättest du ein wunderschönes, gemaltes Bild vor dir? Epidicus: Ein wunderschönes Fell ist's, was du mir mit deinen Worten prophezeist, bemalt von Zeuxis und Apelles – mit den schönsten Ulmenrutenfarben. Stratippocles: (zum Geldverleiher) Ihr Götter! Wie hieß ich dich zu mir zu kommen? Hätte einer Füße aus Blei: Er wäre noch vor dir hier gewesen. Geldverleiher: Die hat mich aufgehalten. Stratippocles: Oh, wenn ihretwegen dich etwas zurückgehalten hat, wenn sie das wollte, bist du über alle Maßen schnell gekommen. Geldverleiher: Also mach schon, fertige mich ab und zähl das Geld, damit ich meine Begleiter nicht muß warten lassen. Stratippocles: Es ist bereits abgezählt. Geldverleiher: Nimm den Beutel da, tu's hinein. Stratippocles: Du kommst zweckdienlich ausgerüstet. Warte hier, bis ich dir das Geld herausbringe. Geldverleiher: Mach nur schnell! Stratippocles: Es ist grad hier im Haus. Stratippocles geht in das Haus des Chaeribulus. Epidicus: Gebrauch ich meine Augen gut genug oder noch zu wenig? Seh' ich recht, daß du Telestis bist, die Tochter des Periphanes, in Theben geboren von Philippa, deiner Mutter, gezeugt aber in Epidauros? Telestis: Wer bist du , der meinen Namen und die Namen meiner Eltern nennt? Epidicus: Kennst du mich nicht? Telestis: Wenn ich mich nur erinnern könnte! Epidicus: Weißt du nicht, daß ich dir zum Geburtstag jenen goldenen Halbmond brachte, dazu einen goldenen Fingerring? Telestis: Daran erinnere ich mich. Du bist derjenige? Epidicus: Ich bin's, und der dich kaufte, ist dein Bruder, vom gleichen Vater, aber von einer andern Mutter. Telestis: Was? Mein Vater? Lebt er? Epidicus: Still! Sei heiter und beruhigt! Telestis: Die Götter wollten, daß ich gerettet sei aus der Verzweiflung, wenn du die Wahrheit sagst. Epidicus: Ich habe keinen Grund, dir etwas Falsches zu erzählen. Stratippocles kommt zurück Stratippocles: Da, Geldverleiher, nimm das Geld! Vierzig Minen sind da drin. Ist ein Geldstück zweifelhaft, so tausch ich's um. Geldverleiher: In Ordnung. Leb wohl! Er geht ab Stratippocles: Nun bist du endlich mein! Telestis: Als deine Schwester wohlbemerkt, damit du im Bild bist. So, Bruder, sei gegrüßt! Stratippocles: Ist die noch bei Verstand? Epidicus: Vollkommen, wenn sie dich Bruder nennt. Stratippocles: Was? In der Zeit, da ich ins Haus geh' und wieder herauskomme, bin ich ihr Bruder geworden? Epidicus: Schweig darüber, was von Gutem ist. Trag es still und freue dich. Stratippocles: Verloren hast du mich, als Schwester hast du mich wiedergefunden? Epidicus: Sei still, was bist du dumm! Drin im Haus steht dir die Harfenspielerin zu Diensten, daß du lieben kannst: Mein Werk. Und ebenfalls mein Werk: Der Schwester die Freiheit zu verschaffen. Stratippocles: Ich gestehe, Epidicus – Epidicus: Geh jetzt hinein. Sorg dafür, daß man ihr Wasser wärmt. Das übrige mach' ich dir bekannt, wenn wir Zeit dafür haben. Stratippocles: Kommt mit mir, Schwester! Epidicus: Ich geb' Thesprio Bescheid, er soll zu euch hinüberkommen. Aber bitte, denk nachher auch daran, mir zusammen mit der Schwester Beistand zu leisten, wenn die Alten ihre Wut an mir auslassen wollen. Stratippocles: Das wird leicht zu machen sein. Stratippocles und Telestis gehen in das Haus des Periphanes. Epidicus öffnet die Tür zum Haus des Chaeribulus und ruft hinein: Epidicus: He, Thesprio, geh durch den Garten, dort hinüber. Du mußt mir im Haus helfen. (für sich) Das ist bedeutend! – Weniger mach' ich mir nun aus diesen Alten als zuvor. Ich kehr' ins Haus zurück, damit den Angekommenen mit aller Sorgfalt aufgewartet wird. Zugleich erteil' ich dem Stratippocles ausführlich Auskunft über alles, was ich weiß. Ich fliehe nicht; entschieden ist's: Ich bleib' im Haus; der bringt mich nicht dazu, mit ihm im Wettlauf mit den Füßen mich zu messen. – Ich geh' hinein; zu lange red' ich schon. Epidicus geht in das Haus des Periphanes Vierzehnte Szene Periphanes und Apoecides treten auf Periphanes: Hält dieser Kerl uns zwei abgeklapperte Alte nun genug zum Narren? Apoecides: Wahrhaftig, du schleppst mich, mich Jammervollen, jämmerlich mit dir herum. Periphanes: Sei still! Ah, laß mich ihn nur erwischen, diesen Kerl! Apoecides: Ich sag's dir gleich, damit du's weißt: Such dir erst einen anderen Begleiter. Krampfadern füllen meine Knie mit Müdigkeit und Schmerzen, während ich dir folge. Periphanes: Was mich dieser Kerl heute genarrt hat – nach Strich und Faden, und dich auch! Und mir hat er mir die Finanzen ausgeweidet. Apoecides: Geh mir bloß mit dem! Der Sohn des zornigen Vulkans ist der; wohin er langt, versengt er alles. Wenn du nur in seine Nähe kommst, setzt er dich durch seine Glut in helle Flammen. Epidicus kommt aus dem Haus des Periphanes Epidicus: (für sich) Ein Dutzend Götter mehr, als der Himmel an Unsterblichen zu bieten hat, sind meine Helfer und kämpfen mir zur Seite. Was ich auch an Schlimmem tat: Im Haus drinnen ist mir Hilfe und Beistand. Alle meine Feinde stoß' ich mit Füßen von mir. Periphanes: Wo such' ich ihn nur? Apoecides: Wenn du ihn ohne mich suchst, dann such ihn von mir aus mitten im Meer. Epidicus: (laut) Was suchst du mich? Was mühst du dich ab und plagst diesen da? Ich bin doch hier. Bin ich etwa entflohen? Bin ich nicht hier im Haus? Verberg' ich mich etwa vor deinen Augen? Auch bitt' ich dich keineswegs um Gnade. Fesseln willst du mich? Da, bitte, die Hände halt' ich hin. Riemen hast du ja; ich sah doch, wie du sie kauftest. Was zögerst du? Bind sie zusammen! Periphanes: Jetzt hört doch alles auf! Stellt der sich aus freien Stücken zum Gericht! Epidicus: Warum bindest du mich nicht? Apoecides: Schau den verruchten Sklaven! Epidicus: Dich, Apoecides, will ich auf keinen Fall bemühen, ein gutes Wort für mich einzulegen. Apoecides: Da mußt du nicht lang bitten. Epidicus: (zu Periphanes) Machst du endlich? Periphanes: Das willst du ? Epidicus: Ganz recht, nach meinem Willen mußt du mir heute die Hände binden, nicht nach deinem. Periphanes: Aber ich – ich will nicht! Ich tu's nicht. Apoecides: Der führt was im Schild gegen dich. Da steckt doch irgendeine List dahinter. Epidicus: Du verschwendest deine Zeit, wenn ich ungefesselt da stehe. Also los, sag' ich, binde mich schon! Periphanes: Mir paßt es nun einmal, dich ungefesselt zu befragen. Epidicus: Dann erfährst du nichts. Periphanes: (zu Apoecides) Was mach' ich? Apoecides: Was du machen sollst? Tu ihm den Willen! Epidicus: Du, Apoecides, bist doch ein rechter, vernünftiger Mann. Periphanes: Halt also die Hände hin! Epidicus: Da, bitte! Aber mach es kunstgerecht! Meine nicht, du müßtest Rücksicht – Periphanes: Meine das, wenn ich fertig bin! Epidicus: Ja, das hält gut. Beginne, mich auszufragen – nach Belieben! Periphanes: Dann zuerst: Worauf vertrauend konntest du es wagen, das Mädchen, welches wir vor zwei Tagen gekauft haben, als meine Tochter auszugeben? Epidicus: Es gefiel mir so. Darauf vertrauend. Periphanes: Was sagst du? Es gefiel dir? Epidicus: Sicher. – Setz ein Pfand zur Wette, daß sie nicht Tochter ist Periphanes: Und ihre Mutter leugnet, sie zu kennen? Epidicus: Also, setz du dein Talent als Pfand gegen meinen Groschen, daß sie nicht die Mutter ihrer Tochter sei. Periphanes: Ein Schwindel ist's auf jeden Fall. Wer ist das Mädchen? Epidicus: Damit du alles weißt: Die Geliebte deines Sohns. Periphanes: Gab ich dir die dreißig Minen für meine Tochter? Epidicus: Ich gestehe, du gabst sie mir für deine Tochter, aber ich kaufte für das Geld das Harfenmädchen, die Geliebte deines Sohns, anstelle deiner Tochter. Und zu dem Zweck erleichterte ich dich um dreißig Minen. Periphanes: Und wie hast du mich mit der Harfenspielerin zum Narren gehalten, die du gemietet hat! Epidicus: Ja, so war das in der Tat – zu Recht, mein' ich. Periphanes: Was geschah mit diesem Geld? Epidicus: Ich will's dir sagen. Keinem schlechten, verschwenderischen Menschen gab ich's: Deinem Sohn Stratippocles. Periphanes: Wie konntest du das wagen? Epidicus: Es gefiel mir so. Periphanes: Verdammt, was für eine Unverschämtheit! Epidicus: Jetzt werd' ich auch noch angeschrien – wie ein Sklave. Periphanes: Es freut mich, daß du frei bist. Epidicus: Es zu werden, hab' ich wohl verdient. Periphanes: Hast du verdient? Epidicus: Schau im Haus. Daß es so ist, wirst du schon merken. Periphanes: Was ist los da drin? Epidicus: Die Sache selber wird es dir sagen. Geh nur hinein. Apoecides: Geh schon, da ist was dran! Periphanes: Paß mir auf den da auf! Periphanes geht in sein Haus Apoecides: Was ist los, Epidicus? Epidicus: Ein ungeheuerliches Unrecht ist's, daß ich gefesselt dastehe, ich, durch dessen Werk heute die Tochter aufgefunden wurde. Apoecides: Was sagst du? Du hättest seine Tochter aufgefunden? Epidicus: Das hab' ich. Drin im Haus ist sie. Aber bitter ist's, wenn man für gute Taten eine schlimme Ernte erntet. Apoecides: Die, die wir beide heute durch die ganze Stadt gesucht haben bis zur Erschöpfung? Epidicus: Ja; ihr seid erschöpft vom Suchen, ich vom Finden. Periphanes kommt aus seinem Haus Periphanes: (ins Haus zurück) Ist schon gut, was braucht es da viele Bitten? Ja, er hat's verdient, ich weiß es, für das, was er getan hat. (zu Epidicus) Los, gib her, damit ich dir die Hände lösen kann. Epidicus: Rühr mich nicht an! Periphanes: Halt sie schon hin! Epidicus: Ich will nicht. Periphanes: Hör, das ist nicht recht! Epidicus: Wenn du mir nicht Genugtuung und Sühne leistest, lass' ich es niemals zu, daß man mir meine Fesseln löst. Periphanes: Es ist recht und billig, was du verlangst. Ich gebe dir Schuhe, Kleid und Mantel. Epidicus: Und was noch? Periphanes: Die Freiheit. Epidicus: Und danach? Ein eben Freigelassener braucht etwas zum Mampfen. Periphanes: Das bekommst du. Die Nahrung reich' ich dir. Epidicus: Ohne zu bitten wirst du heute niemals meine Fesseln lösen. Periphanes: Ich bitte dich, Epidicus, verzeihe mir, wenn ich unbedacht durch meine Schuld strafbar geworden bin. Du sollst dafür die Freiheit haben. Epidicus: Die Erlaubnis geb' ich dir widerwillig, der Not gehorchend. Also, bind mich eben los, wenn du's so haben willst. Die Schauspieltruppe: Hier dieser Mensch ist einer, der die Freiheit sich erwarb durch seine Schelmerei. Nun klatscht und lebet wohl, lupft euren Hintern und erhebt euch!