Maccus Titus Plautus Truculentus oder Hetärenliebe übersetzt von Dr. Artur Brückmann   Zur Komödie Im Mittelpunkt des Truculentus steht die Hetäre Phronesia . Die Liebe ist für sie ein Geschäft, das sie ohne jeden Skrupel und mit Erfolg betreibt. Sie ist eine großartige Psychologin, die jeden in der jeweiligen Situation genau richtig zu nehmen weiß. So zeigt sie der Dichter, so stellt sie sich auch selbst dem Publikum dar. Um sie herum tanzen ihre Opfer: ihr städtischer Liebhaber Diniarchus, der bereits den größten Teil seines Vermögens an sie verloren hat, seine Lage im Grunde einsieht und doch nicht imstande ist, sich ihrem Bann und ihren bewußt eingesetzten Künsten zu entziehen, dann der Bauernsohn Strabax, der, noch völlig neu und unerfahren, bereit ist, alles für sein Liebesglück hinzuwerfen, was ihm unter die Hände kommt, und schließlich der Miles , der Söldner aus Babylon, der mit seinem vorgetäuschten Vaterglück geprellt wird, durch die Vergeblichkeit seiner großzügigen Schenkungen aber nicht etwa entmutigt, sondern höchstens zu noch größeren Aufwendungen angestachelt wird. Auf der sozial tieferstehenden Sklavenebene spielt sich Ähnliches ab, aber sinnlich wilder, satyrhafter. Da ist die Magd der Hetäre, Astaphia, die einmal im Dienste ihrer Herrin den Verkehr mit deren Freiern zu regeln, je nach Lage der Dinge abzuweisen oder einzulassen hat, dann aber auch selbst das gleiche Geschäft betreibt. Ihr Gegenspieler und Partner ist der bäurische Sklave Truculentus, der erst mit groben Reden den Sohn seines Herrn vor den Hetären abzuschirmen versucht, dann aber selbst, in der gleichen ungezügelten und groben Art, um Astaphia wirbt, natürlich mit Erfolg. Die beiden Szenen zwischen Astaphia und Truculentus zeigen volkstümliche italische Tradition, hervorgegangen aus den ländlichen Fruchtbarkeitsriten, in denen es immer recht derb und auch »obszön« zuging. Plautus hat diese italische Tradition mit der verfeinerten, »bürgerlichen« Welt der griechischen »Neuen Komödie« verschmolzen und eben damit einen neuen Typus der komischen Kunst geschaffen, der dann zum Ausgangspunkt der europäischen Komödie der Neuzeit geworden ist. Wer aufmerksam hinhört, spürt hinter dem ganzen Treiben den großen komischen Dichter, der in seinen Figuren nicht das Gute oder Schlechte, das Schöne oder Häßliche hervorhebt, sondern eben immer das Komische, das sich in der habgierigen und verschlagenen Hetäre genauso zeigt, wie im verliebten Jüngling, wie im würdevollen Bürger. Die Größe eines Plautus liegt in der inneren Heiterkeit, die es braucht, um die Welt zu sehen, wie sie ist, sie aber nicht zu verdammen, sondern sie in ihrer Komik darzustellen. Die Personennamen sind auch hier griechisch, mit der bezeichnenden Ausnahme Truculentus , der ein »sprechender« lateinischer Name ist, einen Grobian, einen wilden, grimmigen Menschen bezeichnet und zu dem erotischen Wortspiel mit »truncus lentus« (truncus = Schaft, Stamm; lentus = träg, lahm) Anlaß gibt. Für die Hetärennamen Phronesium und Astaphium wähle ich auch hier die uns gewohntere Form Phronesia und Astaphia . Diniarchus tönt zwar griechisch, ist aber als Name nirgends belegt; Callicles und Strabax sind gewöhnliche griechische Namen, letzterer nur für einfache Leute belegt. »Sprechend« sind Phronesia (die Schlaue) und Stratophanes (der im Heer Hervorleuchtende), gewöhnliche Sklavennamen sind Astaphia (die Rosine), Cyamus (die Bohne) und Syra (die Syrerin). Die oft störende und wenig sinnvolle Einteilung in fünf Akte, die nicht zur Überlieferung gehört und erst von J.B. Pius in einem Kommentar aus dem Jahr 1500 hinzufügt wurde, ist weggelassen und durch eine durchgehende Szenennumerierung ersetzt. Personen und ihre Masken Diniarchus , junger Mann Astaphia , Magd Truculentus , Sklave Phronesia , Hetäre Stratophanes , Söldner Cyamus , Sklave Strabax , ländlicher junger Mann Callicles , alter Mann Magd des Callicles Syra , Sklavin der Phronedia Ort der Handlung: Athen Die Szene zeigt die Vorderseite zweier Häuser, das Haus der Phronesia und das des Strabax Prolog Nur einen kleinen Teil von eurer großen, schönen Stadt beansprucht Plautus jetzt als Platz, wohin er ohne Architekt – Athen euch hinverlegen will. Was nun? Wollt ihr ihn geben – oder nicht? Sie nicken, stimmen zu. Es wundert mich, daß ich so ohne weiteres von euch erhalten soll, was ich begehre. Doch wenn von eurem Eigenen ich mir etwas erbitte? Aha, da schüttelt ihr den Kopf, jetzt heißt es Nein! Beim Herkules, in euch sind alte Sitten noch lebendig: Abzuschlagen eine Bitte, braucht ihr eure Zunge schnell. Doch nun zu dem, wozu wir eigentlich hierher gekommen sind: Den Platz da, den versetz' ich von Athen hierher, so daß er unsre Bühne bildet, wenigstens solange, bis unsere Komödie zu End' gespielt ist. Hier, in diesem Haus, wohnt eine Frau: Phronesia heißt sie. Sie hat – und übt – die Sitten dieser Zeit: Nie fordert sie von dem Verliebten – was sie schon hat. Und was das übrige betrifft – sorgt sie dafür, daß gar nichts übrig bleibt. Sie fordert, schleppt hinweg, wie das der Frauen Brauch ist; alle machen das, sobald sie merken, daß ein Mann sie liebt. Hier die gibt vor, sie hätte einem Söldner einen Sohn geboren, nur, um schneller abzustauben, was er hat, bis auf das kleinste Stäubchen. Wozu viele Worte? Seht und hört es selbst! Erste Szene Diniarchus tritt auf Diniarchus: Ein ganzes Leben reicht dem Liebenden nicht aus, zu lernen, auf wieviele Arten er zugrunde gehen kann. Nicht einmal Venus selbst, die doch Register über alles führt, was Liebende betrifft, vermöchte Rechnung abzulegen, wieviele Möglichkeiten sind, den Liebenden zu narren, wieviele Wege ihn in sein Verderben führen, wieviele Mittel sind, durch Bitten, schmeichelndes Erbetteln ihn dahin zu bringen, daß er gibt und gibt und gibt. Wieviele Schmeicheleien, Zornausbrüche kommen da zum Zuge! Welche Sühnegelder sind zu zahlen, ihr getreuen Götter, hui! Was muß man zu den üblichen Geschenken noch hinzutun! Erst einmal die Jahrestaxe: Der erste Fischzug, dafür werden dir – drei Nächte dann gestattet. In der Zeit hast du zu liefern: Geld, Wein, Öl und Weizen; so erprobt sie, ob du sparsam, haushälterisch mit Geld umgehst, ob du verschwenderisch, großzügig bist. Dann geht es haargenau so zu, wie wenn man Fische fängt: Das Wurfnetz in den Fischteich: Ist es auf den Grund gesunken, zieht man die Schnur; wenn sich ein Fisch darin gefangen hat, sorgt man dafür, daß er nicht mehr entkommen kann. Man dreht das Netz bald so, bald so, umschlingt, umwickelt so die Fische, bis man sie aus dem Wasser ziehen kann. Gradso ergeht es dem Verliebten. Hat er gegeben, was sie wollte, hat er nicht als sparsam, als verschwenderisch sich so erwiesen, werden weit're Nächte zugefügt: Den Angelhaken schluckt er. Hat er den unvermischten Trank der Liebe ganz genossen, ist dieser tief ins Herz gedrungen, dann geht alles ihm zugrunde: er selbst, sein Hab und Gut, und sein Kredit noch obendrein. Ist die Hetäre ihrem Freier böse, geht es ihm doppelt schlecht: Er leidet Not an seiner Seele, dazu muß noch sein Beutel büßen. Und wenn auch eins dem anderen von Herzen zugetan ist: Er hat in jedem Fall zu leiden. Sind die gewährten Nächte selten, leidet seine Seele, kriegt er mehr, hat er zwar seine Lust, sein Hab und Gut jedoch, das schwindet ihm dahin. So geht es zu im Hause der Verführerin: Bevor du einen Wunsch erfüllt, heckt sie schon hundert neue aus. Sie hat den Schmuck verloren, Kleidchen ist zerrissen, eine Magd gekauft, die Silberschale muß sie haben, das Gefäß aus Bronze, alt und wertvoll, dann das Bett, geschnitzt und reich verziert, das Kästchen modisch, griechisch, dann – ja, und so weiter und so weiter, was immer der Verliebte der Hetäre, die ihm angehört, zu leisten hat, was er, so meint sie, schuldig sei. Wir aber sind mit Fleiß bestrebt, das alles zu verheimlichen, damit es Eltern und Verwandte nicht erfahren, wenn wir auch Hab und Gut, Kredit, uns selbst zugrunde richten. Ließen wir es, statt es zu verheimlichen, die wissen, welche unsrer Jugend Zügel noch zur rechten Zeit anlegen würden, (schon deswegen, daß Erworbenes auch denen noch erhalten bliebe, welche nach uns kommen) – dann, das kann ich euch versichern, gäb' es weniger Hetären, Kuppler – und auch weniger Verschwender, als es heute gibt. Denn Kuppler und Hetären hat es mehr als Fliegen in der Sommerhitze. Wenn sie nirgends sonst zu finden sind: Die Dirnen wie die Kuppler sitzen jeden Tag rund um die Wechelstuben, ihre Zahl ist unermeßlich. Ich bin sicher, Dirnen hat es mehr als Meßgewichte. Wozu wohl Dirnen in den Wechselstuben zu gebrauchen sind? Vielleicht benützt man sie als Rechnungsbücher, worin Zahlungen verzeichnet werden. Einnahmen, wohlbemerkt: Ausgaben zu verbuchen, eignen sie sich nicht. Ja nun, in einem großen Volk mit vielen Menschen, wo Friede herrscht und Ruhe, da der Feind bezwungen ist, darf jeder lieben, – wenn er hat, was er dafür bezahlen muß. Zum Beispiel mir hat die Hetäre, die hier wohnt, aus meinem Kopf entführt, wonach sie heißt: Phronesia ist ihr Name, und auf Griechisch heißt Phronesia »die Schlaue, mit Vernunft begabte«. Ich gestehe, ich war ihr engster, ihr vertrautester und bester Freund, was allerdings für das Vermögen des Verliebten das weitaus Schlechteste zu sein pflegt. Einen andern hat sie nun gefunden, der verschwenderischer ist als ich, der mehr zu geben noch verspricht. An meinen Platz hat sie ihn nun gesetzt, das Luder, hn, von dem sie einst gesagt, sie hasse ihn. Ein Söldner ist er, stammt aus Babylon. Er komme aus der Fremde nun zurück, so sagt man. Einen Streich hat sie ersonnen, wie sie ihn betrügen könnte. Sie tut, als habe sie ein Kind geboren, setzt mich vor die Tür; dem Söldner aber gibt sie vor, er sei der Vater dieses Knaben. Sie will sich allein mit ihm vergnügen. Ich bin sicher: Unterschieben will sie ihm den Knaben, dieses Miststück! Glaubt sie, mich, mich könne sie betrügen? Mir, so denkt sie, könne sie's verheimlichen, wenn sie je schwanger würde? Heut' ist der dritte Tag, seit ich von Lemnos nach Athen zurückgekommen bin. In öffentlichem Auftrag war ich dort. Astaphia kommt aus dem Haus der Phronesia Da kommt Astaphia, ihre junge Magd! Mit der stand ich ja auch einmal in – sozusagen – geschäftlichem Verkehr. Zweite Szene Astaphia: (ins Haus) Paßt an der Türe auf! Bewacht das Haus, daß unser Kunde reicher nicht das Haus verläßt, als er hereingekommen ist; nicht leere Hände hat bei seiner Ankunft und mit vollen Händen geht! Ich weiß, wie diese Kerle sind. Zur Zeit ist das der Trick der jungen Leute: Fünf, sechs von diesen Spießgesellen suchen die Hetären auf, und alles ist genau geplant. Sind sie ins Haus gelangt, so bietet einer der Hetäre Kuß um Kuß, als Diebe sind in dieser Zeit die andern tätig. Merken sie, daß man sie überwacht, so scherzen sie und treiben Schabernack, um so durch Spaß und Spielerei uns abzulenken. Oft zehren sie von dem, was uns gehört: Die Säcke stopfen sie sich voll, grad wie der Metzger seine Würste füllt. Ja, ja, so ist's! Ein Teil von euch, die ihr da sitzt, weiß nur zu gut, daß ich nicht lüge. Listig und verdienstvoll scheint es ihnen, die Plünderer zu plündern. Aber wir, beim Kastor, wir bedanken uns bei denen, die uns so bestehlen, wiederum auf artige und hübsche Weise. Sie sorgen selbst dafür, daß wir uns holen, was sie nur besitzen, ohne unser Zutun schleppen sie es selbst herbei. Diniarchus: Mit diesen Worten trifft sie mich; denn wirklich, was ich hatte, trug ich eigenhändig hier hinein. Astaphia: (ins Haus zurück) Ja, ja, ich denk' dran! Ist er im Haus, bring' ich ihn gleich mit. Diniarchus: He, du, Astaphia, nur einen Augenblick, bevor du gehst! Astaphia: Wer ruft mich da zurück? Diniarchus: Schau hierher; sogleich erfährst du's! Astaphia: Wer ist's? Diniarchus: Einer, der euch viele Güter wünscht! Astaphia: Her damit, wenn du das wünschst! Diniarchus: Ich sorge schon dafür. Doch jetzt schau endlich her! Astaphia: Ah, du, wer du auch bist, du bringst mich Ärmste um! Diniarchus: Du Schlechte, warte doch! Astaphia: Mein Guter, was bist du lästig! Doch halt, ist das nicht Diniarchus? Ja, er ist's wirklich! Diniarchus: Sei gegrüßt! Astaphia: Auch du! Diniarchus: Streck mir die Hand entgegen, lauf los, grad zu mir her! Astaphia: Ich höre den Befehl und gehorche. Diniarchus: Was machst du denn? Astaphia: Ich bin gesund, halte mich wacker. – Da du aus der Fremde zurückgekehrt bist, steht dir eine Mahlzeit zur Begrüßung zu. Diniarchus: Großzügig redest du, für die Einladung bedank' ich mich. Astaphia: Nun bitte, laß mich gehen, wohin zu gehen meine Herrin mir befahl. Diniarchus: So geh – aber, was ist nun? Astaphia: Was willst du bloß? Diniarchus: Sag mir, was hast du vor? Wohin geht dein Weg? Wer ist es, den du holen sollst? Astaphia: Archilis, ihre Hebamme. Diniarchus: Du schlechtes Frauenzimmer! Du zeigst, aus welcher Schule du stammst! Auf frischer Tat hab' ich dich beim Lügen ertappt. Astaphia: Wieso das? Ich bitte dich! Diniarchus: Weil du vorhin gesagt hast, ihn, nicht sie, wolltest du ihr ins Haus ihr bringen. Aus dem Mann hast du jetzt flugs eine Frau gemacht! Du bist eine schlimme Taschenspielerin. Doch sag jetzt, Astaphia, wer ist der Mann? Ein Neuer, der es mit ihr treibt? Astaphia: Du hast wohl nichts zu tun und bist allzu müßig. Diniarchus: Warum das? Astaphia: Weil du bekleidet bist, zu essen hast, dich trotzdem um fremde Dinge kümmerst. Diniarchus: Ihr habt mir diese Muße verschafft. Astaphia: Ich bitte dich: Wieso denn? Diniarchus: Ich will's dir erklären: Mein Vermögen hab' ich hier bei euch verloren, und damit habt ihr mir auch die Beschäftigung genommen. Hätt' ich mir Hab und Gut bewahrt, so wär' noch etwas da, was mir zu tun gäbe. Astaphia: Hast du erwartet, du könntest das öffentliche Gut vom Staat der Venus oder Amors Dieser Vergleich bezieht sich wie die folgenden auf die römische Einrichtung der Staatspacht, wonach öffentlicher Besitz oder öffentliche Forderungen (Steuern) gegen einen festen Betrag an Private verpachtet wurden, die dann auf eigene Rechnung (und mit Gewinn) für die Verwertung zu sorgen, Steuern einzutreiben oder Weideland weiter zu vermieten hatten. zu anderer Bedingung in Pacht nehmen, als daß du die anderen Geschäfte verlierst? Diniarchus: Sie ist es doch, nicht ich, die hier den Staatsbesitz der Venus verwaltet. Völlig falsch legst du das aus. Das Weidegeld hab' ich bezahlt, und nun konfisziert sie mir gegen alles Recht das Schaf auf ihrer Weide. Astaphia: Was du jetzt tust, tun die meisten, wenn sie ihre Wirtschaft schlecht geführt haben. Können sie das Weidegeld nicht mehr bezahlen, soll der Pächter schuld gewesen sein. Diniarchus: Daß ich bei euch geweidet habe, ist mir wahrlich schlecht bekommen. Doch nun hätt' ich den Wunsch, daß ihr mich zum Ausgleich bei euch ein wenig pflügen laßt, auf einem winzigkleinen Stück Ackerland, soviel ihr mir eben überlassen könnt. Astaphia: Das Land ist nicht zum Pflügen da, es wird nur zum Weiden vermietet. Wenn du Acker suchst, der es gewohnt ist, bepflügt zu werden, gehst du besser zu den Knaben. Wir sind nur Staatspächter auf Weideland, doch jene verfügen über – öffentlichen Ackergrund. Diniarchus: Ich habe beide Arten kennengelernt, zu gründlich nur. Astaphia: Und darum eben hast du jetzt nichts mehr zu tun; denn dort wie hier hast du dich ruiniert. Doch was gefällt dir besser? Unsre Art? Die Art der Knaben? Diniarchus: Unverschämter, frecher seid ihr, begehrlicher und verlogener sind jene. Was man den Knaben gibt, ist verloren, nichts davon kommt jemals wieder zum Vorschein. Was ihr euch holt, verpraßt ihr wenigstens beim Essen und Trinken. Schließlich : Sind jene falsch und lügenhaft, seid ihr nichtsnutzig, aufgeblasen und eitel. Astaphia: Du solltest dir selber sagen, womit du uns beschimpfst, nicht den Knaben oder uns. Diniarchus: Wie das? Astaphia: Ich will es dir begründen: Wer andern Übeltaten vorwirft, sollte auch selber in Tugend erstrahlen. Du, so klug und weise, hast nichts in Besitz, was uns gehörte; wir dagegen, nichtsnutzig, wie wir sind, wir haben viel von dir. Diniarchus: Ah du, Astaphia, früher, als ich selber noch besaß, was jetzt bei euch ist, hast du nie so mit mir geredet, nur geschmeichelt hast du. Astaphia: Solang' er lebt, anerkennt man den Mann, wenn er tot ist, läßt man ihn besser ruhn. Als du noch lebtest, galtst du mir viel. Diniarchus: So hältst du mich für tot? Astaphia: Bitte – kann man es noch offensichtlicher sein? Du, den sie einst am meisten liebte, du, der ihr ein und alles war, kommst zu der Geliebten, um ihr Klagelieder vorzutragen. Diniarchus: Nein, beim Herkules, ihr habt damals nicht richtig gehandelt, als ihr es so eilig hattet. Weitaus besser wär' es für euch gewesen, nur maßvoll zu rauben, so daß ich euch länger am Leben geblieben wäre. Astaphia: Nein, der Geliebte gilt wie eine Stadt in Feindesland. Diniarchus: Was willst du damit sagen? Astaphia: Je schneller man sie erobern kann, umso besser ist es – auch für die Hetäre. Diniarchus: Ja, das geb' ich zu; aber ein Freund zu sein, ist doch ganz etwas anderes als nur ein Buhler. Und der älteste ist auch der beste Freund. Auch bin ich noch nicht ganz am Ende: Schließlich hab' ich noch Haus und Land! Astaphia: Warum stehst du wie ein Unbekannter, wie ein Fremder vor der Tür? Geh doch hinein! Ein Fremder bist du uns sicher nicht. Beim Kastor, keinen liebt sie mehr als dich, mit ganzer Seele, ganzem Herzen – wenn du doch Land und Haus als Eigentum hast! Diniarchus: Eure Rede ist süß wie Honig, was ihr tut und denkt aber herb wie Galle und scharf wie Essig. Ihr redet mit süßer Zunge, aber dann handelt ihr mit gallenbitterem Gemüt. Astaphia: Das, mein Lieber, solltest du nicht sagen, großherzig, wie du bist! So reden Leute, die immer im Krieg mit sich selbst sind, sich niemals etwas gönnen. Diniarchus: Wie immer bist du schlimm und zugleich verführerisch. Astaphia: Nun bist du wieder da, aus fremdem Land zurückgekehrt; wie sehnlichst wurdest du erwartet! Wirklich, wie wünschte meine Herrin dich zu sehen! Diniarchus: Nein, wirklich? Astaphia: Dich liebt sie vor allen anderen! Diniarchus: Wie schön! Ja, Haus und Land, ihr seid mir zur rechten Zeit in den Sinn gekommen! Aber sag, Astaphia – Astaphia: Was denn? Diniarchus: Phronesia, ist sie im Haus? Astaphia: Wenn sie's für andre ist, dann ganz sicher auch für dich. Diniarchus: Geht es ihr recht? Astaphia: Ich hoffe, es geht ihr augenblicklich besser, sobald sie dich vor Augen hat. Diniarchus: Ja, das ist unser schlimmstes Übel: Wenn wir lieben, verlieren wir vor Liebe gleich den Verstand. Sagt man uns, was wir nur allzu gern hören, so glauben wir's, obwohl die Lüge offensichtlich ist, und wir geraten nicht einmal in Zorn, wie es doch eigentlich geschehen sollte. Astaphia: Heia! So ist's doch nicht! Diniarchus: Sie liebt mich wirklich, sagst du? Astaphia: Ja, wahrhaftig, dich ganz allein! Diniarchus: Wie ich hörte hat sie ein Kind geboren? Astaphia: Diniarchus, bitte, rede nicht davon! Diniarchus: Warum denn nicht? Astaphia: Redet man auch nur von dieser schrecklichen Geburt, so schaudert's mich Ärmste. Wie wenig fehlte, und Phronesia wäre dir verloren. Geh jetzt nur hinein, daß du sie selber siehst. Aber warte noch! Sie wird gleich fertig sein. Sie hat nämlich gebadet. Diniarchus: Was erzählst du da? Wie kann sie geboren haben, da sie niemals schwanger war? Ich weiß es doch: Nie hab' ich gespürt, daß sie zugenommen hat an Leibesumfang. Astaphia: Sie hat dir's verheimlicht: Sie fürchtete, du würdest sie überreden, abzutreiben und das Kind zu töten. Diniarchus: Dann ist also wirklich dieser Soldat aus Babylon der Vater des Kindes, der, auf dessen Ankunft sie jetzt so sehnlich wartet? Astaphia: Gewiß; und wie man uns berichtet hat, soll er hier jeden Augenblick erscheinen. Mich wundert, warum er noch nicht da ist. Diniarchus: Dann geh' ich jetzt ins Haus? Astaphia: Warum denn nicht? So unbeschwert, wie in dein eignes Haus; schließlich gehörst doch immer noch zu uns, Diniarchus. Diniarchus: Und du? Wielange bleibst du fort? Astaphia: Ich bin gleich wieder da. Es ist ganz in der Nähe, wo ich hin muß. Diniarchus: Komm nur wirklich gleich zurück! Ich warte dann hier in eurem Haus – auf dich! Diniarchus geht ab Dritte Szene Astaphia: Ha, nun hab' ich meine Ruhe: er ist drinnen, dieser Unausstehliche. Allein bin ich nun endlich und kann frei und nach Belieben reden, was ich will und wie es mir gefällt. Dem heißverliebten Gecken hat die Herrin schon für Hab und Gut den Grabgesang gesungen: Haus und Land, verpfändet sind sie, sind nun Amors Pfandbesitz. In Wahrheit: Jetzt eröffnet meine Herrin ihm in aller Offenheit den kecken Anschlag, den sie vorhat. Er ist dabei mehr beratender als tätiger und hilfsbereiter Freund. Solang' er jemand war, solange gab er. Jetzt besitzt er nichts: Was er einst hatte, haben wir, dagegen er hat das, was wir zuvor besessen, nichts. Das ist der Lauf der Welt. Schnell ändern die Geschicke sich, das Leben zeigt sich launisch wechselhaft: Wie reich er war daran erinnern wir uns, er denkt jetzt an unsre Armut: Ihren Platz vertauschten die Erinnerungen: ein Dummkopf, wer sich wundert. Ist er in Not jetzt, müssen wir es nehmen, wie es ist: Er hat geliebt; was ihm geschah, ist nichts als recht und billig. Mitleid mit Menschen, die ihr Hab und Gut so wenig achten, wär' für unsresgleichen eine Übeltat. Wer Männer anlockt und die Sache gut versteht, hat jedem zuzulächeln, hat ein freundliches Gesicht zu zeigen, wer auch kommt, ihm schmeichelnd zuzureden, angenehm zu plaudern, dabei Schlimmes doch im Sinn zu haben. Eine Dornenhecke muß die Hetäre sein, muß Schlimmes tun, muß jedem Mann, mit welchem sie sich einläßt, Schaden bringen. Und keinen Einspruch des Verliebten muß sie gelten lassen, wenn die Hetäre ihn, der nichts mehr bringt, aus ihrem Dienst wie einen Fahnenflüchtigen entläßt, mit Schimpf und Schande ihn nach Hause schickt. Liebhaber ihr zu sein, ist der nur tauglich, welcher selbst der Feind des eigenen Besitzes ist. Solang' er etwas hat, solange mag er lieben; hat er nichts mehr, soll er sich mit anderem beschäftigen. Wer selbst nichts hat: Gelassen räume er den Platz und überlass' ihn denen, die etwas haben. Nur der taugt uns, der gleich, nachdem er abgeliefert, begierig ist, von neuem wiederum zu geben. Wer gleich gelöscht hat im Gedächtnis, was er gab, den lieben wir besonders. Der ist uns der rechte Freier, der vertut, was er besitzt, und nicht an eigne Interessen denkt. Die Männer, sagen nun, schlecht gingen wir mit ihnen um, habgierig seien wir. Wieso? Was ist denn schlecht daran, was wir mit ihnen tun? Noch nie hat ein Verliebter der Geliebten genug gegeben, niemals haben wir genug bekommen, nie genug gefordert. Ist nun der Verliebte ausgemolken, sagt er uns, er habe nichts mehr, was er bringen könne, müssen wir auf Treu und Glauben, ohne Sicherheit Kredit ihm geben, hat er nichts, was er verpfänden könnte: Dann ist's Zeit, daß man sich neue Gönner sucht, die noch aus unverbrauchter Kasse zahlen können. Zum Beispiel dieser Bauernsohn, der in dem Haus hier wohnt, ist wirklich allerliebst und wie kein anderer geeignet, das Spenderamt zu übernehmen. In der Nacht schleicht er zu uns, ganz heimlich durch den Garten, daß sein Vater nichts bemerken sollte. Aufsuchen will ich ihn. Doch ist ein Sklave da, ein Grobian, ein wilder Kerl, der uns verjagen will, sowie von unserm Haus er eine sich nähern sieht, grad wie man Gänse mit Geschrei und Lärm verscheucht aus einem Weizenfeld. Ein rechter Bauernlümmel das! Doch klopf' ich an die Tür, was immer auch geschehen mag. (Sie schlägt gegen die Türe) He, hütet hier jemand die Tür? Kommt irgendwer heraus? Vierte Szene Truculentus kommt aus dem Haus des Strabax Truculentus: Wer rennt da so unverschämt wie ein Schafsbock gegen das Haus? Astaphia: Ich bin's; schau her, da bin ich! Truculentus: Was heißt hier »Ich«? Astaphia: Bin ich für dich kein »Ich«? Truculentus: Was hast du dich dem Haus zu nähern, anzuklopfen, he? Astaphia: Ich grüße dich, wünsche dir, daß es dir gut geht. Truculentus: Pah, auf deine Grüße pfeif' ich; nichts liegt mir an ihnen, auch geht es mir nicht gut. Und außerdem: Ich wäre lieber krank, als daß dein Gruß mir Besserung verschaffen sollte. Aber ich will wissen, was du hier in unsrem Haus zu suchen hast. Astaphia: Lass' deinen Zorn! Mußt du es so herrisch treiben? Truculentus: Was? Mit deiner Herrin soll ich's treiben? Im lateinischen Text: As: comprime sis eiram. Tr: eram quidem hercle tu, quae solita's, comprime. Truculentus »mißversteht« im erotischen Sinn. Hier statt »eira« (altlateinisch für ira = Zorn) »era« = die Herrin; dazu kommt der Doppelsinn von comprimere: sowohl »beherrschen« als auch »beischlafen, vergewaltigen«. Treib es lieber selber mit ihr, wie ihr es gewöhnlich tut. Du Schamlose, die einfach so zum Spaß den Bauernsohn zu Schande und Unzucht verleiten willst. Astaphia: Nicht Herrin, herrisch hab' ich doch gesagt!. Was für ein Gaukler du bist! Die Laute hast du mir vertauscht. Fürwahr ein rechter Grob-i-an! Truculentus: Beschimpfst du mich noch immer? Schlechtes Frauenzimmer, du? Astaphia: Beschimpf' ich dich denn? Truculentus: Wie hast du mich genannt? Propf und lahm? Im lateinischen Text: As:nimi' quidem truculentust ...Tr: quia enim truncum lentum nominas. Wortspiel mit dem Namen des Sklaven, Truculentus = Grobian, das dieser wieder erotisch »mißversteht«; truncus = Stamm, Schaft, lentus = langsam, träge. Jetzt höre: Wenn du nicht augenblicklich verschwindest oder mir ganz schnell erklärst, was du hier suchst, dann, Mädchen, zerquetsch' ich dich, wie eine Sau ihre Jungen im Saustall manchmal zertrampelt mit den Füßen. Astaphia: Oh, das unverfälschte, reine Land! Truculentus: Du solltest dich wahrhaftig schämen, du Affenvieh! Hast du deinen dürftigen Leib mit Schmuck behängt und bist hergekommen, dich zu zeigen, weil du dein Mäntelchen mit einem wüsten braunen Fleck besudelt hast? Oder bist du etwa deshalb schön, weil du die Arme mit Kupferringen vollgehängt hast? Astaphia: Ausgezeichnet steht dir das, wenn du so wüst auf mich los schimpfst. Truculentus: Und wie steht es damit: Diese Kupferringe trägst du wohl mit dir herum, damit du immer dein Stückchen Kupfer bei dir hast, wenn du ganz formgerecht Eigentum erwerben willst – he, Sklavin du? Beim formellen Kaufvertrag vor mindestens fünf Zeugen, die volljähjrig und römische Bürger sein mußten, schlug anstelle der Barzahlung der Käufer mit einem Kupferstück an die Wage. Astaphia stand als Sklavin ein solches Kaufrecht natürlich nicht zu. Truculentus verspottet sie also mit diesen Worten, weil sie Sklavin ist. Und – wetten wir? – Hübsch angemalt aus Holz sind die Victoriamünzen, die an dir hängen. Astaphia: He, greif mich nicht an! Truculentus: Vergreifen sollte ich mich an dir? Nein, bei meiner Harke: Lieber auf dem Landgut irgendeine liebestolle Kuh umarmen und auf dem Stroh die ganze Nacht mit ihr verbringen, als sich von dir hundert Nächte – samt den Abendessen – schenken lassen. Was? Daß ich vom Land bin, machst du mir zum Vorwurf? Ja, du hast wirklich einen vor dir, der sich wegen dieser Untat schrecklich schämt! Doch nochmals, Mädchen, sag mir, was du hier in unserm Haus zu suchen hast. Und was kommst du immer dahergelaufen, so oft wir in der Stadt sind? Astaphia: Eure Mädchen will ich besuchen. Truculentus: Mädchen? Was? Was redest du bloß von Mädchen, da hier im ganzen Haus nichts Weibliches zu finden ist, nicht einmal eine Fliege? Astaphia: Was? Nicht eine Frau ist hier im Haus? Truculentus: Aufs Land sind alle gegangen, sag' ich dir. Und jetzt ab! Verschwinde! Astaphia: Warum schreist du denn, du Spinner? Truculentus: Wenn du dich nicht beeilst, mit großen Schritten von hier wegzukommen, reiß' ich dir wahrhaftig die ganze Lockenpracht, gefärbt, gekünstelt, eingeschmiert, gekräuselt, wie sie ist, bis auf die Haut vom Kopf herunter! Astaphia: Und warum das? Truculentus: Weil du dich unterstehst, mit Salben vollgeschmiert hier an die Tür zu kommen, weil du deine zarten Backen gar zu schön mit Purpurschminke angestrichen hast. Astaphia: Ich Arme wurde rot, weil du so wüst schreist, beim Kastor! Truculentus: Wirklich, rot bist du geworden? Du? Du Schamlose! Wie wenn du deinem Leib die Möglichkeit gelassen hättest, überhaupt noch eine Farbe anzunehmen! Die Ba-cken hast du rot verschmiert, alles übrige in Kreideschminke eingetaucht. Bösartige, Verderbenbringende seid ihr! Astaphia: Was fügen die Verderbenbringenden, Bösartigen euch denn Schlimmes zu? Truculentus: Ich weiß mehr, als du denkst. Astaphia: Bei allen Göttern, was denn? Was glaubst du zu wissen? Truculentus: Daß Strabax, der Sohn unseres Herrn, bei euch in sein Verderben rennt, daß ihr ihn zu Übeltat, zu Betrug, zu schlimmer, schändlicher Verirrung verlockt. Astaphia: Wärst du normal und erschienst du mir bei Verstand, ich würde sagen: Schmähung und Beleidigung ist das, was du sagst. Kein Mensch geht hier zugrunde. Sein Vermögen wohl; doch wenn er dieses losgeworden ist, steht es ihm frei, gesund und munter abzuziehen, wann immer er will. Doch euer junger Herr, der ist mir ganz unbekannt. Truculentus: Wirklich? Ganz im Ernst? Was sagt wohl die Mauer dazu in unserm Garten? Die allnächtlich einen Ziegel nach dem anderen verliert, genau dort, wo jener seinen Weg in sein Verderben sucht? Astaphia: Eure Gartenmauer ist alt. Kein Wunder, wenn die alten Ziegel mit der Zeit zusammenbrechen. Truculentus: Was? Die alten Ziegel? Was? Du meinst, sie würden zusammenbrechen? Wahrhaftig, niemand soll mir auch nur zwei Dinge glauben, wenn ich euer Tun nicht sofort dem alten Herrn berichte! Astaphia: Ob er genauso bissig ist wie du? Truculentus: Er hat sich sein Vermögen doch nicht mit Sparsamkeit und harter Arbeit erworben, daß sich Hetären daran ergötzen sollen: Heimlich wird es zu euch hinüber aus dem Haus geschafft! Ihr miserables Pack! Nun verpraßt ihr es mit Fressen, Saufen, teuren Salben! Dazu soll ich schweigen? Nein, jetzt sofort geh' ich auf den Markt und berichte meinem Herrn, was sich hier tut, nicht daß sich der Schwarm von Übeln, der sich da zusammenbraut, ungerufen auf meinem Rücken entlädt. Truculentus geht ab Astaphia: Huh, wenn sich der Kerl von Senf ernährte, er könnt' nicht schärfer sein, nicht grimmiger. Doch ist er seinem Herrn gewogen und ihm treu gesinnt. Ich aber krieg' ihn trotzdem noch herum, da bin ich sicher. Ist er jetzt auch grob und heftig: Schmeicheleien, Bitten und die übrigen Hetärenkünste liessen auch schon andre ungezähmte Bestien zahm und folgsam werden. Nun will ich wieder nach der Herrin schauen. Diniarchus kommt aus dem Haus Aber sieh, der Unausstehliche ist wieder da! Mit finsterem Gesicht kommt er heraus; der hat wohl die Phronesia noch immer nicht zu sehn bekommen. Fünfte Szene Diniarchus: Fische baden, solang sie leben, aber damit baden sie immer noch nicht so lang, wie diese da, die Phronesia! Ach, wäre die Zeit, die eine Frau im Bad verbringt, doch das Maß, nach welchem sie ihre Liebe verschenkt. Alle, die sie lieben, würden sich nur allzugern um ihr Bad bemühen. Astaphia: Kannst du nicht geduldig sein und eine kurze Zeit mit Warten zubringen? Diniarchus: Ich bin ja schon erschöpft vor lauter Dulden, bräuchte vor Erschöpfung selber ein Bad, ich Armer. Aber bitte, geh hinein, Astaphia, und sag ihr, ich sei da. Red ihr zu, sie solle sich beeilen, lang genug hab' sie gebadet! Astaphia: Gut, schon recht! Diniarchus: Hörst du mich noch? Astaphia: Was ist? Diniarchus: Die Götter mögen mich verderben, daß ich dich zurückrief. Hab' ich dir nicht schon gesagt, du solltest gehen? Astaphia: Was hältst du mich zurück, unsinnig, wie du bist, Taugenichts? Nur tausend Schritte Verzögerung hast du dir eingebrockt. Astaphia ab in das Haus der Phronesia Diniarchus: Was stand sie solang vor der Tür? Auf irgendjemand hat sie gewartet; wohl auf den Soldaten. Um ihn bemühen sie sich jetzt. Wie Geier ahnen sie schon drei Tage voraus, an welchem Tag sich ihnen reiche Mahlzeit bieten wird: Auf ihn starren sie schon alle mit gierig aufgesperrtem Maul, nach ihm geht ihr ganzes Trachten; mich beachtet niemand mehr, wenn er da ist. Als wär' ich seit zweihundert Jahren tot. Ach, wie angenehm das ist, sein Hab und Gut zu bewahren: Nun ist es geschehen, nun hab' ich verloren, was ich einmal ererbt habe, nun wandelt sich mein Sinn. Ganz sicher, fiele jetzt mir eine große, reiche Erbschaft zu, jetzt, da ich weiß, wieviel Süße und welche Bitterkeit vom Geld ausgeht: Jetzt würd' ich es hüten, würde so sparsam leben, daß – nun ja, ihr könnt mir's glauben, daß in ein paar Tagen schon – nichts mehr vorhanden wäre. Sonst hätt' ich die zum Schweigen bringen können, die mir jetzt selber Schuld an meinem Unglück geben. Doch ich sehe: Die heiß versengende, unheilvolle Tür öffnet sich, die alles einschlürft und verschlingt, was hinter ihre Riegel kommt. Phronesia kommt mit zwei Mägden aus ihrem Haus Sechste Szene Phronesia: Geliebter! Glaubst du auf einmal, meine Tür beiße dich, daß du dich scheust, einzutreten? Diniarchus: Sieh, der Frühling selbst! Wie das blüht und glänzt und duftet! Phronesia: Was bist du derart ungehobelt: Gerade zurückgekehrt von Lemnos, hast du nicht einmal einen Kuß für die Geliebte übrig? Diniarchus: Weh mir, jetzt geh' ich zugrunde, mein Verderben steht mir bevor! Phronesia: Was wendest du dich ab? Diniarchus: Phronesia, sei gegrüßt! Phronesia: Auch ich grüße dich! Du wirst heute doch bei mir zu Abend essen? Zur Feier deiner heilen Rückkehr! Diniarchus: Nein! Ich bin schon versprochen. Phronesia: Und wo, wo wirst du essen? Diniarchus: Wo du befiehlst! Phronesia: Dann hier. Viel Vergnügen wirst du mir damit machen. Diniarchus: Mir noch viel mehr! Phronesia, Geliebte, wirst du dann auch die meine sein? Phronesia: Ich will, wenn es geschehen kann. Diniarchus: Die Sandalen her, weg der Tisch, beeilt euch, Knaben! Phronesia: He, bist du noch bei Verstand? Diniarchus: Unmöglich kann ich trinken, mir schwinden die Sinne! Phronesia: Warte doch! Das Gewisse, das du willst, wird geschehen. Geh nicht weg! Diniarchus: Mit Wasser hast du mich besprengt. Ich komme wieder zu mir. Nimm die Sandalen wieder weg, gib mir zu trinken! Phronesia: Beim Kastor, du bist doch immer der gleiche. Aber sag mir, hattest du auch eine gute Reise? Diniarchus: Zu dir hin ganz gewiß, sie verschafft mir deinen Anblick! Phronesia: Komm, umarme mich! Diniarchus: Oh, noch so gern! Heia! Süßer als Honig ist das! Damit, Jupiter, ist mein Glück noch weitaus größer als deines! Phronesia: Gibst du mir jetzt einen Kuß? Diniarchus: Sicher, zehn sogar! Phronesia: Und siehst du, drum bist du arm; denn du versprichst stets mehr, als ich verlange. Diniarchus: Hättest du von Anfang an mein Vermögen so geschont, wie du jetzt auf meine Küsse verzichtest. Phronesia: Was ich dir ersparen kann, will ich dir gern ersparen. Diniarchus: Und bist du nun sauber? Phronesia: Mir und meinen Augen schon. Komm' ich dir etwa schmutzig vor? Diniarchus: Mir sicher nicht; doch früher, als ich dir noch etwas galt, da gab es eine wilde Zeit, in der es schon schmutzig zuging zwischen uns, da waren wir schmutzig, eins vom anderen. Doch wie ich ankam, was für einen Streich bekam ich da zu hören? Was hast du getrieben, als ich fort war? Was für neuen und seltsamen Geschäften bist du nachgegangen? Phronesia: Was soll das sein? Diniarchus: Zunächst: Ich freue mich, daß du ein Kind bekommen, daß du alles heil und unbeschadet überstanden hast. Phronesia: (zu den Sklavinnen) Ihr zwei, verschwindet ins Haus und macht die Tür zu. Die Mägde gehen ins Haus Nun bist du der einzige, der meine Worte hört. Schon immer hab' ich dir anvertraut, was ich im geheimsten im Sinn hatte. In Wahrheit: Diesen Knaben hab' ich nicht geboren, war auch niemals schwanger. Dennoch tat ich so, als sei ich's: Das streit' ich nicht ab. Diniarchus: Warum nur, mein geliebtes Leben? Phronesia: Wegen dieses Söldners aus Babylon, mit dem ich vergangenes Jahr wie eine Ehefrau zusammenlebte, als er hier war. Diniarchus: Das hab' ich wohl gemerkt. Aber wozu das alles? Was hast du davon, so zu tun, als hättest du ein Kind geboren? Phronesia: Es soll ihm eine Schlinge, eine Kette um den Hals sein, um ihn aufs neue an mich zu binden, um ihn zur Rückkehr zu bewegen. Als Antwort bekam ich neulich einen Brief, er wolle sich selbst überzeugen, wieviel er wirklich für mich bedeute: Wenn ich das Kind geboren hätte, es nicht töten würde, sondern es aufzöge als mein Kind, so sollt' ich sein ganzes Hab und Gut bekommen. Diniarchus: Mit Vergnügen hör' ich das. Und ihr, was tatet ihr darauf? Phronesia: Der zehnte Monat war schon nahe. Meine Mutter befahl ihren Mägden, überall nach einem Knaben oder einem Mädchen Ausschau zu halten, nach einem Kind, das man mir unterschieben könnte, dafür zu sorgen, daß man es uns – reserviert. Was verlier' ich viele Worte? Unsre Haareschneiderin, die Syra, kennst du doch? Diniarchus: Die hier gegenüber wohnt? Die kenn' ich. Phronesia: Als sie bei ihrer Tätigkeit so überall in den Familien herumkam, fand diese tatsächlich einen Knaben und bracht' ihn heimlich zu mir; man hab' ihn ihr einfach überlassen, sagte sie. Diniarchus: Ein schlimmer Handel! Nun hat ihn nicht die geboren, welche ihn zuerst gebar, sondern du, die ihn sozusagen im Nachhinein geboren hat. Phronesia: Genau hast du das ganze erfaßt. Wie er mir Nachricht gab, wird mein Soldat in Kürze hier erscheinen. Diniarchus: Und du wirst dich inzwischen so pflegen, ganz als wärst du eine Wöchnerin. Phronesia: Warum auch nicht, wenn sich die Sache so hübsch und ohne Beschwer machen läßt? Wenn es um Gewinn geht, darf jeder gerissen und schlau sein. Diniarchus: Aber was wird aus mir, wenn der Soldat da ist? Muß ich dann ohne dich leben, von dir verlassen? Phronesia: Nun – sobald ich habe, was ich von ihm will, fällt mir schon etwas ein, wie ich es zwischen uns zu Streit und Trennung kommen lasse. Dann, Geliebter, bin ich wieder dein, dann sollst du mich ganz und gar besitzen. Diniarchus: Noch lieber wollt' dich – beliegen. Phronesia: Aber nun will ich den Göttern etwas für den Knaben opfern – am fünften Tag, wie es sich gehört. Diniarchus: Ja, das ist gut. Phronesia: Und du – hast keine Lust, mir ein Geschenk zu machen? Diniarchus: Oh du meine Lust! Gewinn ist es mir, wenn du etwas von mir verlangst. Phronesia: Mir, wenn ich es kriege. Diniarchus: Augenblicklich wird es hier sein, ich will dafür sorgen, meinen Sklaven schick' ich damit her. Phronesia: Ja, tu das! Diniarchus: Du sollst zufrieden sein, was er dir auch bringt. Phronesia: Ich weiß, du wirst dafür sorgen, daß es mir keinen Verdruß macht, was du mir schickst. Diniarchus: Willst du sonst etwas von mir? Phronesia: Nur, daß du mich besuchst, sobald du Zeit hast. Leb wohl für jetzt! Diniarchus: Auch du! Phronesia geht ins Haus Diniarchus: Ihr Götter, ihr Unsterblichen! Sie hat mir anvertraut, was nicht einmal die Schwester ihrer Schwester eignen Blutes anvertrauen würde, diese Unterschiebung eines Knaben. Nicht als Liebende, nein, als Verbündete, Vertraute, hat sie gehandelt, die ein Herz und eine Seele mit mir ist. Ihr Innerstes hat sie mir nun enthüllt: Solang' sie lebt, wird sie mir niemals untreu werden. Ich – ich sollte sie nicht lieben? Ihr nicht wohlgesinnt sein? Nein, ich will mich lieber selbst nicht lieben, aber sie soll meine Liebe nicht entbehren müssen. Ich soll das Geschenk nicht zu ihr senden? Oh, vom Fleck weg will ich Sorge tragen: Fünf Minen Silber werden ihr gebracht, dazu noch Speis und Trank für eine volle, abgezählte Mine. Ihr, die mir so wohl will, soll es besser gehen als mir selbst, der ich mir selber Übel nur bereite. Diniarchus geht ab   * Pause * Siebte Szene Phronesia kommt aus ihrem Haus Mägde stellen das Bett vor die Türe Phronesia: Dem Knaben gebt die Brust! Wie sind wir Mütter doch bekümmert, sorgenvoll und aufgeregt im Herzen, ach, wie quälen wir uns ab! Wahrhaftig, schlimm ersonnen war das! Wenn ich überlege: Man hält uns lange nicht so schlimm und boshaft von Gemüt, als wir tatsächlich sind. An mich denk' ich dabei zuerst, belehrt durch eigene Erfahrung. Angst und Kummer mach' ich mir, wie ist das Herz bedrückt, der Knabe könnte sterben, und – damit mein Plan. Grad weil ich nur zum Schein die Mutter bin, bemüh' ich mich so sehr, daß er am Leben bleibt. Ich, die ich diesen Streich gewagt, bin nun dabei, den nächsten anzugehn. Habgierig, um Gewinn, beging ich diese Untat, machte fremde Schmerzen mir zu eigen. An eine solche Sache, voller Arglist und Betrug wie diese, darf man sich nur machen, wenn man sie sorgfältig und verschlagen bis zu Ende führt. Ihr seht ja selbst, in welchem Aufputz ich erscheine: Ich muß tun, als sei ich krank vom Wochenbett. Das Schlimme, was nur immer eine Frau in Gang gesetzt: Führt sie es nicht zu Ende, ist es ihr wie Krankheit, Kummer, schlimmstes Unglück ist es für die Arme. Hat sie Gutes angefangen: allzubald nur ist's ihr überdrüssig. Wenige sind schnell ermattet, wenn sie Schlimmes tun. Wenn sie Gutes in die Wege leiten: wenige vollenden es. Viel nützlicher ist es uns Frauen, schlimm zu handeln anstatt gut. Ja, ich bin schlimm, durch das Bemühen meiner Mutter wie durch eigne Arglist, ich, die ich den babylonischen Soldaten glauben machte, daß ich schwanger wäre. Diese Arglist, durchgeführt mit Sorgfalt, soll mein Söldner nun erfahren. Lang wird es nicht dauern, bis er da ist. Deshalb hab' ich mich vorsorglich schon so ausgerüstet, daß es scheint, als ob ich krank im Wochenbette läge. Bringt mir Myrrhenöl, macht Feuer dort auf dem Altar, Lucina zu verehren, Göttin mir und Helferin bei meiner ach so schweren – Geburt. Legt es dahin und dann – aus meinen Augen mir. He, du, Pitecium, bring mich zu Bett, komm her und hilf! Ja, so gehört es sich für eine Wöchnerin. Archilis, zieh mir die Sandalen aus und bring' mir meinen Umhang. Wo bist du, Astaphia? Trag Myrtenzweige her für den Altar, und Nüsse, Obst und süßen Wein, auch Wasser für die Hände! So, beim Kastor, jetzt hab' ich nur einen Wunsch noch: Daß mein Söldner alsbald hier erscheine. Achte Szene Stratophanes kommt mit einem Sklaven und zwei Sklavinnen Stratophanes: Ihr im Publikum, erwartet nur nicht, daß ich jetzt meine Kriegstaten ausposaune: Mit den Händen verkünd' ich meine Schlachten, nicht mit Worten. Ich weiß: Wie viele Krieger haben nicht schon die Lügenmärchen ihrer Taten erzählt: An den Herrn Homer-Nachahmer Ob mit dem »Homeronida« eine bestimmte Person gemeint ist, läßt sich nicht ermitteln. kann man erinnern und in seinem Anhang an tausend andere, die man als Lügner entlarvt hat, deren falsche, erlogene Heldentaten sich als nichtig erwiesen haben. Nein, der gefällt mir nicht: Laut gepriesen wird er von denen, die von ihm hören, aber nicht von denen, die ihn sehen. Denn ein Zeuge, der gesehen hat, ein einziger, ist mehr wert als zehn Zeugen, die ihre Sache nur durchs Hören kennen. Wer hört, bringt nur Gehörtes vor, wer aber sieht, der weiß es wirklich. Nein, die Sorte kann mir nicht gefallen: Marktschwätzer loben sie, aber ihre Kameraden schweigen. Auch von denen halt' ich nicht viel, deren Zunge – zuhause – schärfer ist als die Schärfe ihres Schwerts. Wer wacker tätig ist, nützt dem Volke mehr, als wer sich mit Schlauheit hervortut und mit Pfiffigkeit. Herzhaftigkeit und Mut finden leicht das rechte Wort, doch ohne sie gilt mir ein Bürger nur als ein Klageweib, mag er seine Rede noch so kunstvoll setzen. Ein Klageweib, das andere zu loben hat, sich selber aber niemals rühmen kann. Nun komm' ich, neun Monate danach, um nach der Geliebten zu sehen, hier im attischen Athen. Wie es ihr wohl geht, ihr, die ich hier zurückgelassen habe, schwanger durch mein Umarmen? Phronesia: (Zu Astaphia) Schau doch, wer hier in der Nähe spricht. Astaphia: Dein Söldner ist es, Phronesia, Stratophanes stellt sich bei dir ein. Du mußt tun, als seist du krank! Phronesia: Schweig! Du solltest mich an Arglist übertreffen, du, der ich bis jetzt die Einbläserin in allem Schlimmen war? Stratophanes: Ich glaube, die Frau hat das Kind zur Welt gebracht. Astaphia: Willst du, daß ich ihm entgegengehe? Phronesia: Ja, ich will. Astaphia geht Stratophanes entgegen Stratophanes: Oh, sieh da, wie schön! Astaphia kommt mir entgegen. Astaphia: Sei gegrüßt, Stratophanes! Wie freut es mich, daß du gesund und wohlbehalten kommst! Stratophanes: Ich weiß: Doch Phronesia – sag mir, – hat sie geboren? Astaphia: Sie hat! Einen allerliebsten Knaben! Stratophanes: Ist er mir ein wenig ähnlich? Astaphia: Fragen kannst du? Gerade erst geboren, verlangte er schon Schwert und Schild. Stratophanes: Ja, er ist mein Sohn! Überzeugt bin ich durch Beweise. Astaphia: Ungemein ähnlich ist er dir! Stratophanes: Ei, so etwas! Ist er schon groß? Ging er schon zum Heer? Bracht' er Beute heim? Astaphia: Was redest du dummes Zeug! Fünf Tage nach der Geburt! Stratophanes: Ja und? In so viel Tagen kann allerhand geschehen sein! Was muß er auch aus dem Mutterleib schlüpfen, bevor er kampfbereit ins Treffen ziehen kann? Astaphia: Komm jetzt! Begrüße sie und gratuliere ihr zu der Geburt. Stratophanes: Ich folge dir. Sie gehen zu Phronesia Phronesia: Wo ist sie nur, die mich allein zurückgelassen hat, weggegangen ist? Wo ist sie nur? Astaphia: Da bin ich ja! Und den Stratophanes bring' ich, nach dem du dich gesehnt hast! Phronesia: Wo ist er, bitte? Stratophanes: Mars, zurückgekehrt aus fremden Landen, grüßt seine Gattin Neria! Ich bringe dir meinen Glückwunsch, daß alles gut abgelaufen ist und daß du ein Kind geboren hast. Mir und dir hast du Ehre, Glück und Stolz geboren. Phronesia: Ich grüße dich, der mich fast um Leben, Lebenslicht und Lebenskraft gebracht hast. Mit deiner Wollust hast du Schmerz in meinen Leib hineingetan. Jetzt noch bin ich krank und elend davon. Stratophanes: Heia! O du meine Wollust, nicht ohne Nutzen ist dir diese Mühsal widerfahren: Einen Sohn hast du geboren, dein Haus wird er mit Beute füllen. Phronesia: Besser wär' es mit Weizenkörnern angefüllt, daß wir nicht vor Hunger sterben, bevor er Beute machen kann. Stratophanes: Sei doch guten Mutes! Phronesia: Komm zu mir für deinen Kuß – ah – den Kopf kann ich nicht heben, so schmerzt er mich; kaum kann ich ihn bewegen. Auch gehen kann ich nicht aus eigner Kraft, kann kaum auf meinen Füßen stehen. Stratophanes: Mitten aus dem Meer würd' ich zu dir eilen, meinen Kuß zu holen: Nie könnte es mich verdrießen, meine Süße, mein Honig! Du hast bereits erfahren, daß es so ist. Aber nun, überzeuge dich, wie sehr ich dich liebe!! Zwei Mägde führ' ich aus Syrien her, ein Geschenk für dich. (zu seinem Sklaven) Los, führ sie her! In ihrer Heimat waren beide Königinnen, aber ich habe ihr Land vertilgt mit eigner Hand. Hier, ein Geschenk für dich! Phronesia: Wieviele Mägde ich ernähren muß kümmert dich wohl gar nicht. Was hast du obendrein noch mehr zu bringen, die mir das Essen verzehren? Stratophanes: Das Geschenk war unwillkommen. – He, Knabe, gib mir schnell die Reisetasche! – Liebste, schau, dies Mäntelchen hab' ich aus Phrygia mitgebracht für dich. Nimm es! Phronesia: So wenig schenkt man mir, für soviel Mühsal, für soviel Schmerz? Stratophanes: O weh, ich Armer geh' zugrunde. Der Sohn kostet mich sein Gewicht bereits in Gold, und daß ich noch Purpur hinzugefügt, gilt ihr gar nichts. – Aus Arabien hab' ich dir diesen Weihrauch und aus Pontos diesen Balsam mitgebracht, bitte, nimm es, mein geliebtes Leben! Phronesia: Nimm's, Astaphia, und schaff mir diese Syrerinnen aus den Augen. Astaphia mit den Sklavinnen ab ins Haus Stratophanes: Liebst du mich ein wenig? Phronesia: Nein; nicht im geringsten, und du verdienst es auch nicht. Stratophanes: Genügt ihr denn gar nichts? Nicht einmal ein gutes Wort hat sie gesagt. Zwanzig Minen ist es wert, was was ich ihr geschenkt habe, das ist sicher. Und nun ist sie heftig erzürnt auf mich; ich merk' es. Es wird wohl das beste sein, ich gehe. – Was meinst du, geliebter Schatz, du hast doch nichts dagegen, wenn ich nun zum Abendessen dorthin gehe, wo ich eingeladen bin? Bald komm' ich hierher zurück – zum Schlafen – was schweigst du? Oh, jetzt ist alles klar! Mit mir ist's aus! Cyamus tritt auf mit einem Zug von Lastträgern Doch was gibt's da Neues? Wer ist der Mensch, der den feierlichen Aufzug da heranführt? Ich muß sehen, wo das alles hingetragen wird. Ihr, glaub' ich, bringt man es. Bald weiß ich mehr. Neunte Szene Cyamus: Los, vorwärts, lauft! Tragesel seid ihr für Verlust und Schaden eures Herrn, ihr Haus-Ausräumer, Hab-und-Gut-Wegschlepper! Wirklich, muß denn ein Verliebter gar nichts taugen, muß er so mit arger Kunst sich selber plündern? Keiner muß mich fragen, woher ich das weiß. In unserm Haus ist er, der so unselig handelt, der verliebte Narr, dem Hab und Gut nicht mehr als Mist bedeutet, der befahl, es aus dem Haus zu schaffen. Fürchtet er die Polizei? Ganz sauber, ausgefegt sein soll das Haus, das will er. Was drinnen an Besitz ist, wird hinausgeworfen – weg damit! Da er sich selbst so sehr beeilt, um Hab und Gut zu kommen, steh' ich ihm insgeheim ein wenig bei. Durch mein Bemühen soll er ebenso rasant zugrundegehn, als er es selber fertigbringt. Von diesem Einkauf hier, der eine Mine kosten sollte, hab' ich fünf Silberstücke schon verschwinden lassen: Zehn Prozent, den Anteil, den man Herkules zu opfern hat, hab' ich in meinen Beutel abgezweigt. Das ist nichts anderes, als wenn man Wasser für sich selbst aus einem Fluß ableitet: Tust du's nicht, so fließt das ganze Wasser nur ins Meer. So fließt auch das ins Meer, geht jämmerlich verloren, ohne Dank und Nutzen. Weil ich sehe, wie das vor sich geht, so stehl' ich, plündere und mache Beute von der Beute. Dem Meer gleicht die Hetäre: Was du hineinwirfst, wird verschlungen. Niemals läuft es über. Jedoch das Meer bewahrt es wenigstens, und dann und wann kommt das und das zum Vorschein wieder. Doch was die Hetäre hat: Es kommt nicht mehr zum Vorschein, nicht bei dem Spender, nicht bei der, die es bekam. Genauso bringt nun die Hetäre da mit ihren Schmeicheleien meinen Herrn, den Unglückseligen, in Armut und Entbehrung. Sie wird ihn noch um alles bringen: Um Besitz, um Ruf, um Ehre, um die Freunde. Hei, da ist sie ja, ganz in der Nähe! Ob sie mich gehört hat? Bleich ist sie, hat einen Knaben erst geboren. Ich rede nun zu ihr, als wüßt' ich nichts von allem. Er tritt zu Phronesia Ich wünsche dir, du seist wohlauf und bei Gesundheit! Phronesia: Ah, unser Cyamus! Was machst du denn? Wie gehts? Cyamus: Mir geht's gut, aber ich komm' hier zu einer, der es weniger gut geht. Ich bring' ihr etwas, wodurch es ihr besser gehen soll. Mein Herr, dein Augenstern, hat mir befohlen, alle die Geschenke, die du diese tragen siehst, dir zu bringen, dazu noch die fünf Minen Silber da. Phronesia: Beim Pollux, kein Verlust ist es, daß ich ihn so sehr liebe! Cyamus: Er befahl mir, dich zu bitten, alles möge dir willkommen sein. Phronesia: Es ist mir willkommen und sehr zufrieden bin ich, aber Cyamus, geh und befiehl, daß mir diese Sachen ins Haus hinein getragen werden. Cyamus: (zu den Trägern) Habt ihr gehört, was sie befiehlt? (zu Phronesia) Doch die Gefäße sollen nicht auch hineingetragen werden. Laß sie also leeren! Phronesia: Unverschämt bist du, Cyamus! Cyamus: Was, ich? Phronesia: Ja, du! Cyamus: Das meinst du wirklich, du? Mich nennst du unverschämt, die doch selbst ein ganzer Stall von Lastern bist? Phronesia: Nun, bitte, sag mir: Wo ist Diniarchus jetzt? Cyamus: Zu Hause. Phronesia: Sag ihm, für die Geschenke, die er mir schickte, liebt' ich ihn vor allen Menschen am meisten. Ihn schätzte ich von allen auch am höchsten; und dann bitt ihn noch, er soll zu mir kommen. Cyamus: Alles soll sogleich geschehn.Aber wer ist dieser Kerl, der sich da selbst verzehrt, der bös und verdrießlich dreinschaut? Wer der Mensch auch ist, beim Herkules, in seinem Herzen sieht es schlimm aus. Phronesia: Der verdient nichts anderes. Beim Kastor, der taugt nicht das geringste. Kennst du denn den Söldner nicht, der einmal bei mir war? Er ist der Vater dieses Knaben. Fortgejagt hab ich ihn noch und noch. Zu verschwinden hab' ich ihm befohlen, aber er blieb. Cyamus: Den hab' ich zu gut nur kennengelernt. Zugehört hab' ich ihm, ihm auch zugesehen. Den Nichtsnutz kenn' ich; der also ist's. Phronesia: Der ist's. Cyamus: Mit Stöhnen schaut er zu mir her; er schnauft und ächzt aus seinem aufgeschwollenen Bauch. Schau doch: Mit den Zähnen knirscht er, haut sich auf die Schenkel! Ein Wahrsager ist er wohl, der in frommer Raserei sich selber schlägt. Stratophanes: Dem Zorn in meiner Brust, dem Zorn in meiner aufgebrachten, ergrimmten Seele lass' ich freien Lauf! Sag: Woher kommst du? Wem gehörst du? Wie kannst du's wagen, derart schonungslos und grob von mir zu reden? Cyamus: Es macht mir Vergnügen. Stratophanes: Das mir zur Antwort! Cyamus: Genau: Nicht das geringste mach' ich mir aus dir. Stratophanes: (Zu Phronesia) Und du? Wie kannst du mir sagen, daß du einen andern liebst? Phronesia: Weil es mir so gefällt. Stratophanes: So? In der Tat? Aber das eine möcht' ich einmal wissen: Nur wegen dieses Geschenkeplunders, nur wegen Kraut und Rüben, Essiglimonade, Soße, Fleisch und Fisch liebst du diesen Schürzenjäger, diesen Lockenkopf, den verzärtelten Weichling, der faulenzt, sich herumtreibt, höchstens brauchbar ist, das Trommelfell zu streicheln? Den Kerl, der keine taube Nuß wert ist? Cyamus: Was ist das? Du Lump getraust dich, schlecht von meinem Herrn zu reden? Du Ursprung des Lasters, der Lüge! Stratophanes: Ein Wort noch, dann hau' ich dich – hick hack – in kleine Stücke! Beim Herkules, ich bring' dich um! Cyamus: Rühr mich nur an, dich nehm' ich mir auf der Stelle wie ein Lämmchen, hau' dich mittendurch auseinander! Giltst du beim Heer als Schlagetot: ich bin einer in der Küche. Phronesia: Tätest du, was recht und billig ist, würdest du nicht die beschimpfen, die zu mir kommen und deren Gaben mir angenehm und hochwillkommen sind. Was ich von dir bekam, war mir höchst unwillkommen! Stratophanes: So bin ich die Geschenke los und hab' dazu noch das Spiel verloren. Phronesia: Offensichtlich ist das so. Cyamus: Du Lästiger, was bist du noch immer hier, nachdem dir die Felle davongeschwommen sind? Stratophanes: Mein Ende ist das, wenn ich dir diesen Kerl nicht mit Gewalt aus den Augen schaffe! Cyamus: Komm doch! Ja los, mach schon! Stratophanes: Du Schuft, auch noch drohen mußt du mir? Jetzt augenblicklich hau ich dich in Stücke! Was hast du hierherzukommen, sag? Was hast du hier zu suchen, was hast du dich um die zu bekümmern, die ich liebe? Er zieht das Schwert, Cyamus ein Küchenmesser Sei des Todes, wenn du dich mit der Waffe in der Hand gegen mich behaupten willst! Cyamus: Was? mich behaupten, mit der Waffe in der Hand? Stratophanes: Tu, was ich dir befahl! Nein, bleib nur! Ich bring' dich um, ich hau dich in Stücke. Das beste ist, dich gleich totzuschlagen! Cyamus: Halt, das ist Betrug! Dein Metzgermesser ist länger als das meine. Laß mich erst einen Bratspieß holen! Wenn du so versessen bist auf diese Schlägerei, halt' ich mich besser fern von dir Schlagetot, bis ich auch etwas in der Hand habe, das die Sache zwischen uns mit gleichem Maß entscheiden kann. – Was säum' ich, mich abzusetzen, solang ich das noch mit heilem Bauch machen kann? Er geht mit seinen Leuten ab Zehnte Szene Phronesia: (Zu ihren Mägden) Wollt ihr mir nicht die Sandalen geben? Führt mich ins Haus, denn von dem bösen Wind hier schmerzt mich der Kopf. Phronesia und ihre Mägde gehen ins Haus Stratophanes: Was wird mit mir, den diese beiden Mägde schmerzen, die ich dir geschenkt! Bist du schon weg? Sie ist es wirklich. Ich konnte deutlicher nicht abgewiesen werden. Schön hat man mich genarrt; laß nur – viel braucht's nicht mehr, und allen in dem Haus da brech' ich nun die Knochen. Was ist so wechselhaft als das, was Frauen wollen? Seit sie das Söhnchen in die Welt gesetzt, trägt sie den Kopf so hoch. Es ist, als sagte sie zu mir: Ich heiß' dich nicht hineinzugehn, jedoch verboten ist's dir auch nicht. Aber nein, jetzt will ich nicht. Ich gehe nicht hinein. Ich will es so weit bringen, daß sie, ein paar Tage später schon, mir sagt, wie grausam, wie gefühllos ich doch sei. (zum Sklaven) Genug der Worte. Folge mir! Stratophanes und sein Sklave ab   * Pause * Elfte Szene Strabax tritt auf Strabax: Grad heute morgen in der Früh befahl der Vater mir, aufs Land hinauszugehn, Bucheckern, Eicheln und dergleichen herzuschaffen, unsern Rindern für die Morgenfütterung. Kaum war ich dort, da kam – was ist nicht alles möglich, wenn die Götter wollen – einer doch zu mir aufs Landgut. Schafe, tarentinische, hat er gekauft von meinem Vater und das Geld dafür war er noch schuldig. Nach dem Vater fragt er mich. Ich sage, der sei in der Stadt. Warum er ihn denn suche, frag' ich ihn. Da nimmt der Mann den Geldsack, den er um den Hals gehängt, und gibt mir zwanzig Minen Silber. Freudig nehm' ich sie und stecke sie in meinen Sack. Der andre geht; ich sofort los und trage schleunigst diese blanken Minenschafe Wortspiel durch die doppelte Bedeutung von »mina«: am Bauch kahl geschoren , aber auch ein Geldwert, ein Pfund Silber. Die Schafe wurden vor dem Verkauf am Bauch kahlgeschoren, damit man ihren Gesundheitszustand besser sehen konnte. in meinem Beutel weg, hier in die Stadt. Erzürnt war Mars auf meinen Vater, seine Schafe nämlich: Allzu nah sind sie den Wölfen jetzt. Die aufgeputzten, liebestollen – Zierbengel aus der Stadt will ich mit diesem Streich grad aus dem Rennen werfen und sie vor die Türe setzen. In der Tat: Wie Unkraut will ich so den Vater bis auf die Wurzel aus dem Boden reißen, dann die Mutter: Dieses Geld will ich sogleich zu der hier tragen, die ich mehr als meine Mutter liebe. Bum! Ist jemand hier im Haus? Will jemand mir die Türe öffnen? Astaphia kommt aus dem Haus der Phronesia Astaphia: Was ist denn das? Mein Strabax, bist du denn ein Fremder? Was kommst du nicht einfach herein? Strabax: Hätte sich das denn gehört? Astaphia: Für dich ganz sicher! Du bist doch hier zuhause! Strabax: Dann gehen wir. Ich denk' nicht dran, zu zögern. Astaphia: Daran tust du gut. Strabax geht ins Haus der Phronesia Zwölfte Szene Truculentus kommt aus dem Haus des Strabax Truculentus: Es wundert mich, daß Strabax, der Sohn unsres Hauses, noch immer nicht vom Land zurückgekommen ist. Wenn er nur nicht wieder heimlich der Verführung hier erlegen ist! Astaphia: Der poltert gleich gehörig los, wenn er mich sieht. Truculentus: Nein, nein, Astaphia, ich bin nicht grimmig, wie ich vorher war. Heute bin ich weder Grob-i-an, noch ist mein Pfropf mir lahm. Wiederaufnahme des Wortspiels aus der ersten Szene zwischen Astaphia und Truculentus. Befürchte nichts! Was sagst du nun? Astaphia: Was willst du denn? Truculentus: Ich erhoffe sehnlichst deine – Kissen-Kuß-Willfährigkeit. Sag, befiehl mir, was du willst, was dir beliebt. Neue Sitten hab' ich angenommen, die alten abgetan. Lieben kann ich jetzt, kann es richtig mit den Dirnen treiben. Astaphia: Eine hübsche Nachricht ist das ja, beim Kastor, aber, sag mir, hast du... Truculentus: ...einen wackeren Gesellen dabei, willst du wohl sagen? Astaphia: Ganz hübsch hast du begriffen, was ich sagen wollte. Truculentus: He, seitdem ich öfters in die Stadt komme, bin ich witzig-elegant geworden. Wahrhaftig, ich bin jetzt ein ganz wackrer Stechler geworden. Astaphia: Was ist denn das? Laß doch die Possen! Von Sticheleien, denk' ich, willst du reden? Truculentus: Sticheleien, Stecheleien, nur klein ist der Unterschied. Das Wortspiel beruht im Lateinischen darauf, daß Truculentus das Wort »cavillator« (Stichler, Humorist) zu »caullator« (con caulis = Stengel, Schaft) zusammenzieht und ihm dadurch einen erotischen Sinn gibt. Astaphia: Jetzt, Liebster, bitte komm herein. Truculentus: Dann nimm einmal das: Du sollst hier deinen Schuß bekommen, auf daß du mein seist diese Nacht! Astaphia: Weh mir, einen Schuß! Wie soll ich dieses Ungeheuer nennen? – Willst du nicht lieber »Vorschuß« sagen? Truculentus: Das »Vor« hab' ich mir geschenkt. Man sagt ja wohl auch »Teil« und meint eigentlich seinen »Vor-Teil«. Im Text ist hier ein unübersetzbares Wortspiel, das ich durch ein anderes erestzt habe. Astaphia: Dann bitte, komm jetzt mit! Truculentus: Den Strabax will ich noch erwarten, wenn er vom Landgut kommt. Astaphia: Der Strabax ist hier bei uns. Grad vorhin kam er vom Landgut zurück. Truculentus: Bei euch früher als bei seiner Mutter? Ah, was für ein Nichtsnutz das! Astaphia: Auch jetzt dasselbe Lied wie sonst? Jetzt noch, in der Tat? Truculentus: Nein, nein, ich sag' ja nichts! Astaphia: Dann bitte, komm herein! Gib mir die Hand! Truculentus: Da hast du sie! In ein Quartier führt man mich jetzt, wo mir ein Empfang wird – ein schlimmer für mein Geld und Gut. Astaphia und Truculentus gehen ins Haus der Phronesia Dreizehnte Szene Diniarchus tritt auf Diniarchus: Nein, der ist nicht geboren, kann auch nicht geboren oder je gefunden werden, dem ich mehr – in Wort und Tat – verpflichtet wäre als, o Venus, dir! O große Götter! Wie bin ich froh, vergehe fast vor lauter Freude! Hat mir doch mein Sklave Cyamus so großes Glück verkündet: Dank und Gefallen fanden meine Gaben bei Phronesia! Wollust ist mir das doch über alle Maßen süß wie Honigwein, daß die Geschenke dieses Söldners ihr so nichts bedeuteten, ungnädig aufgenommen wurden. Über alle Maßen froh macht mich das alles: Jetzt bin ich am Ball: Ganz wörtlich: mea pila est: Der Ball ist in meinem Besitz. Weist sie den Söldner ab, dann ist sie mein! Gerettet bin ich, weil ich so zugrunde gehe; mein Verderben wäre, wenn ich nicht zugrunde ginge. Schauen will ich, was hier weiter vor sich geht: Wer geht hinein, wer kommt? Von ferne, hier von meinem Platz aus, will ich auskundschaften, wie es steht mit meinem Glück. Weil ich nichts habe – alles hab' ich weggegeben – muß ich aufs Bitten mich verlegen. Vierzehnte Szene Astaphia kommt aus dem Haus Astaphia: (ins Haus) Hübsch walt' ich hier draußen meines Amtes, tu das deine ebenso im Haus drinnen. Liebe dein Hab und Gut, wie es sich gehört, und plündere den Kerl tüchtig aus. Jetzt hat er noch Spaß an der Sache, jetzt besitzt er noch etwas, jetzt ist die Stunde dafür günstig. Entfalte deinen Liebreiz, daß der Verliebte wenigstens Vergnügen dabei hat, wenn du ihn schon zugrunde richtest. Ich bin unterdessen als Wache für dich tätig, während er sein Haus ausräumt und alles zu dir her schafft; ich schicke jeden weg, der euch stören könnte. Fahre nur fort, dein Spiel mit diesem Kerl zu treiben, wie es dir gefällt. Diniarchus: Wer ist es denn, Astaphia, der da in sein Verderben rennt? Astaphia: Oh, nein, bitte, warst du die ganze Zeit schon hier? Diniarchus: Bin ich euch lästig? Astaphia: Mehr als je. Wer uns nichts taugt, ist uns lästig. Aber bitte, laß mich erzählen – Diniarchus: Was ist es denn? Betrifft es mich? Astaphia: Ich will's dir nicht verschweigen. Drinnen im Haus: Ein großer Fang ist ins Netz gegangen! Diniarchus: Was? Ein Neuer, der es mit ihr treibt? Astaphia: Auf eine volle, unversehrte Kasse ist sie da losgegangen. Diniarchus: Ja? Wer ist es denn? Astaphia: Ich will's dir erzählen will, aber schweige dann. Du kennst doch diesen Strabax da? Diniarchus: Wie nicht? Astaphia: Er allein hat bei uns im Augenblick den ersten Platz; er ist unser neues Ackerfeld. Mit gutem Mut sorgt er schlecht für seine eigenen Interessen. Diniarchus: Beim Herkules, der ist verloren, genauso, wie ich einst verloren habe, was ich besaß. Schlimmes eingehandelt hab' ich dafür. Zum letzten Dreck bin ich durch euch geworden. Astaphia: Ein Dummkopf bist du. Mit Worten willst du ungeschehen machen will, was geschehen ist. Sogar Thetis hörte einmal auf, ihren Sohn zu beklagen. Diniarchus: Darf ich jetzt nicht zu euch hinein? Astaphia: Warum du eher als der Söldner? Diniarchus: Weil ich mehr gab. Astaphia: Du wurdest immer noch für mehr hereingelassen, als du gabst. Laß zur Abwechslung auch einmal andere an ihrer Mühe Freude haben. Du hast dein ABC gelernt. Nun laß es auch andere erlernen. Diniarchus: Das mögen sie ja tun, aber ich sollte wiederholen, üben dürfen, daß ich's nicht verlerne. Astaphia: So, und während du am Üben bist, was wird aus der Lehrerin? Auch sie will schließlich üben. Diniarchus: Was üben? Astaphia: Wie man Geld einnimmt, stets von neuem, immer wieder! Diniarchus: Heute hab' ich doch bereits gegeben, und wie! Befahl ich doch, ihr fünf Minen Silber zu bringen, dazu Fisch und Fleisch und Wein für nochmals eine Mine. Astaphia: Ich weiß, es wurde auch gebracht. Dank deiner Tüchtigkeit können wir es uns wohl sein lassen. Diniarchus: Meine Feinde sollen mein Gut verprassen? Lieber will ich tot sein, als das dulden. Astaphia: Dumm bist du. Diniarchus: Wieso? Astaphia: Ich will es dir erklären. Diniarchus: Also wie? Astaphia: Lieber, meine Feinde sind auf mich neidisch, als ich müßte sie beneiden. Schlimm ist es, wenn es dir schlecht geht und du andere beneiden mußt, die im Wohlstand leben. Wer neidisch ist, hat meistens nichts; wen man beneidet, der ist reich. Diniarchus: Von all dem guten Essen, das ich euch bringen ließ, soll ich nicht einmal meinen Anteil haben? Astaphia: Wenn du beteiligt sein wolltest, hättest du dir deine Hälfte gleich in dein Haus schaffen sollen. Wie in der Unterwelt steht das Gesetz, nach welchem man hineingelassen wird, auch hier geschrieben: Was hineinwill, wird aufgenommen; ist es aufgenommen, gibt es kein Zurück. Lebe wohl! Diniarchus: Nein, bleibe! Astaphia: Laß mich! Diniarchus: Laß mich jetzt ins Haus! Astaphia: In deines gewiß. Diniarchus: Aber ich – in eures will ich doch! Astaphia: Es ist nicht möglich. Du verlangst zuviel. Diniarchus: Laß mich es trotzdem versuchen. Astaphia: Wirst du wohl warten! Der Versuch schon ist Gewalt! Diniarchus: So sag ihr wenigstens, ich sei da. Astaphia: Verschwinde jetzt! Sie ist besetzt. So steht die Sache. Warte nicht vergebens. Astaphia geht zur Türe Diniarchus: Kommst du wieder? Oder nicht? Astaphia: Nur wenn mich einer ruft, der mehr vermag als du. Diniarchus: Ein Wort nur noch! Astaphia: So rede! Diniarchus: Laß mich hinein! Astaphia: Ein Lügner bist du, geh! Von einem Wort hast du gesprochen, drei gesagt, drei Worte und drei Lügen. Sie geht ins Haus Diniarchus: Gegangen ist sie, ausgeschlossen hat sie mich. Ich soll mir das gefallen lassen? Nein, beim Herkules, jetzt will ich dir auf öffentlicher Straße mit Geschrei und Lärm ein schlimmes Spiel bereiten. Geld hast du, entgegen dem Gesetz, von mehreren zugleich genommen! Anzeigen will ich dich bei der Behörde! Anklagen will ich dich, und vierfach hol' ich meinen Schaden vor Gericht zurück. Giftmischerin du, Kindesunterschieberin! Ja, alle deine üblen Taten bring' ich jetzt ans Licht. Nichts hält mich ab, verloren hab' ich schon, was ich besaß, und deshalb bin ich hemmungslos geworden. Was kümmert mich, ob meine Schuhe grob sind oder städtisch fein. Jedoch, was schrei' ich hier herum. Was ist, wenn sie befiehlt, man solle Einlaß mir gewähren in ihr Haus? Geschworen hab' ich zwar, niemals hineinzugehn, wenn sie mich wieder will. Ach, Unsinn. Schlägst du gegen Stacheln, tun dir nur die Hände weh. Es hat nicht Sinn noch Zweck, derjenigen zu zürnen, die sich doch nichts aus dir macht. Callicles kommt mit zwei gefesselten Mägden die von Sklaven geführt werden Doch wer ist das? Ihr unsterblichen Götter! Der alte Callicles, der fast einmal mein Schwiegervater wurde! Und zwei Mägde führt er herbei, die mit Riemen hart gebunden sind. Die eine ist die Haareschneiderin, die Syra der Phronesia, die andere seine eigene Magd. O weh, jetzt wird mir angst und bang. Nachdem ein Kummer schon mein Herz erregt hat, muß ich fürchten, daß noch dazu längst vergangne Übeltaten ans Licht gekommen sind. Fünfzehnte Szene Callicles: So, so, ich rede schlecht von dir, ich will dir übel? Ihr habt es selbst erfahren, mein' ich, welch ein ruhiger und sanfter Mensch ich bin. Verhörte ich euch beide doch, indem ihr, an dem Balken hängend, durchgeprügelt wurdet. Ich erinn're mich genau: Ich weiß, was ihr gestanden habt und weiß, auf welche Art man euch dazu gebracht. Doch hier und jetzt will ich, daß ihr es gleichermaßen, doch ohne Prügel, mir gesteht. Wenn ihr auch Schlangen seid, sag' ich euch dennoch: Redet mir nicht mit zwei Zungen, wenn ihr nicht wollt, daß ich euch Doppelzüngige nicht ganz zugrunde richte, wenn ihr nicht wollt, daß man euch dorthin bringt, wo Ketten an den Männern klirren. Magd: Die Gewalt zwingt uns, die Wahrheit zu gestehen, so schmerzen uns die Riemen an den Handgelenken. Callicles: Gut, wenn ihr die Wahrheit gestanden habt, werdet ihr von diesen Fesseln befreit. Diniarchus: (für sich) Noch bin ich nicht sicher, noch weiß ich nicht recht, um was es sich da handelt. Aber ich bin voller Furcht, denn ich weiß nur allzugut, was ich angestellt habe. Callicles: Als erstes stellt euch auseinander! Ja, so will ich es. Und gebt euch keine Zeichen! Eine Trennwand bin ich zwischen euch. (Zur Magd) Jetzt rede du! Magd: Was soll ich sagen? Callicles: Was mit meinem Enkel geschehen ist, mit dem Kind, das meine Tochter geboren hat. Das Wichtigste, heraus damit! Und klar und deutlich! Magd: (auf Syra zeigend) Der da gab ich ihn. Callicles: Jetzt schweige. (zu Syra) Du hast ihn von ihr genommen? Syra: Ich nahm ihn. Callicles: Schweig! Gut, mehr brauch' ich vorerst nicht. Gestanden hast du schon genug. Syra: Ich leugne ja auch nichts. Callicles: Und damit besserst du die blauen Stellen auf deinem Rücken eine bißchen aus. Bis jetzt noch stimmt überein, was beide sagen. Diniarchus: (für sich) Weh, jetzt kommen meine Taten ans Licht, von denen ich hoffte, sie mögen verborgen bleiben! Callicles: (zur Magd) Rede du jetzt! Wer hat dir befohlen, ihr den Knaben ihr zu geben? Magd: Meine alte Herrin, deine Frau. Callicles: (zu Syra) Und du – warum hast du ihn genommen? Syra: Meine junge Herrin bat mich, ihr den Knaben zu bringen, so, daß es niemand merken sollte. Callicles: Sag mir jetzt: Was hast du mit dem Kind gemacht? Syra: Ich bracht' es zu meiner Herrin. Callicles: Und was machte deine Herrin mit dem Knaben? Syra: Sie gab ihn meiner Herrin. Callicles: Zum Henker, welcher Herrin? Magd: Sie hat zwei, zwei Herrinnen. Callicles: Du sagst nur, was ich dich frage! (zu Syra) Hier von dir will ich es hören. Syra: Ich meine, daß die Mutter ihn der Tochter als Geschenk gab. Callicles: So, jetzt sagst du mehr als vorhin. Syra: Du fragst jetzt auch mehr. Callicles: Antworte augenblicklich: Was machte jene mit dem Kind? Syra: Sie unterschob es. Callicles: Wem? Syra: Sich selbst. Callicles: Als ihren eignen Sohn? Syra: Als ihren eignen Sohn. Callicles: Ihr Götter, seid mir gnädig! Wieviel leichter hat ihn die eine geboren als die andere. Diese brachte ihn ohne Schmerz, mit fremder Qual auf die Welt. Das ist fürwahr ein reich gesegneter Knabe: Hat er doch zwei Mütter und dazu noch zwei Mütter seiner Mütter: Wieviele Väter mögen sich da wohl beteiligt haben! Jetzt seht nur diese Weiber-Missetat! Magd: Diese Untat ist doch eher Männern anzulasten als Frauen. Ein Mann war es doch wohl, keine Frau, durch den sie schwanger wurde. Callicles: Das weiß ich auch. Und, wahrlich, eine gute Wächterin bist du ihr gewesen! Magd: Wer stärker ist, vermag mehr. Ein Mann war es, der stärker war als ich. Er setzte seinen Willen durch und erreichte, was er wollte. Callicles: Dieser Mann hat dir ebenfalls großes Übel zugetragen. Magd: Das weiß ich, ohne daß du's mir sagen mußt. Am eignen Leib hab' ich's erfahren. Callicles: Doch mit allem konnt' ich dich nicht dazu bringen, mir zu sagen, wer es gewesen ist. Magd: Ich schwieg bis jetzt, aber nun schweig' ich nicht mehr, da er hier zugegen ist und sich nicht selber stellt. Diniarchus: (für sich) Ich bin versteinert, ich wage nicht, mich vom Platz zu rühren. Ja, die ganze unglückselige Geschichte ist ans Tageslicht gebracht. Jetzt geht es mir an Kopf und Kragen: Diese Untat, diese Dummheit geht auf meine Rechnung. Gleich wird sie nun meinen Namen nennen. Callicles: Rede: Wer hat meine unberührte Tochter geschändet? Magd: Oh, ich seh' dich. Du drückst dich wegen deiner Übeltaten an die Wand, grad so, als müßtest du sie mit deinem Leib schützen. Diniarchus: (für sich) Ich bin weder tot, noch leb' ich. Ich weiß nicht, was ich machen soll: Soll ich weg von hier, soll ich zu ihnen hin? Ich bin erstarrt vor Furcht. Callicles: Willst du nun reden oder nicht? Magd: Nun, Diniarchus war's, dem du sie einst anverlobt hast. Callicles: Wo ist der Mensch, den du nennst? Diniarchus: (tritt hervor) Da bin ich, Callicles! Zu deinen Knien lieg' ich, fleh' dich an, du mögest es mit Besonnenheit ertragen, was ich unbesonnen tat. Du mögest mir verzeihen, was ich unbeherrscht, durch die Schuld des Weines verbrochen habe. Callicles: Das gefällt mir nicht. Einem Stummen schiebst du die Schuld zu, einem, der nicht reden kann. Könnt' er nämlich reden, der Wein, er wüßte sich wohl zu verteidigen. Schließlich setzt nicht der Wein dem Mann das Maß, sondern der Mann dem Wein, sofern er wirklich etwas taugt. Wer aber nichts taugt, ist von Natur ein Taugenichts, ob er trinkt, oder ob er meidet, was betrunken macht. Diniarchus: Ich weiß, daß mein Vergehen mich zwingt, mir vieles anzuhören, was ich nicht gern höre. Ich gestehe, daß ich deiner Strafe verfallen bin, daß alles meine Schuld ist. Magd: Bitte, Callicles, sieh zu, daß du nicht großes Unrecht tust: Der Angeklagte führt seine Sache frei, die Zeugen aber hältst du weiter in Fesseln. Callicles: Bindet sie los! Dann ab mit euch! Geh du ins Haus zurück. (zu Syra) Du kannst nach Hause gehn, sag aber deiner Herrin, den Knaben habe sie herauszugeben, wenn ihn jemand von ihr fordert. Die Magd, Syra und die Sklaven ab (zu Diniarchus) Und mit dir nun vor Gericht! Diniarchus: Was willst du mit mir vor Gericht? Bist du doch selbst mein Richter! In Wahrheit, ich beschwöre dich, gib mir deine Tochter zur Frau, o Callicles! Callicles: Ich soll sie dir geben? Ich sehe schon, das Urteil in dieser Sache hast du dir längst vorweggenommen. Du hast nicht gewartet, bis ich sie dir gab, du hast sie dir selber genommen. Nun, du sollst es haben, wie's der Zufall dich erwischen ließ. Zur Strafe bring' ich dich aber um den vollen, ungeteilten Nutzen: Sechs schwere, attische Talente zieh' ich dir von der Mitgift ab wegen deiner Unbesonnenheit. Diniarchus: Mild verfährst du mit mir. Callicles: Und es wird besser sein, du forderst deinen Sohn gleich zurück von der, die ihn jetzt hat. Im übrigen führst du mir deine Frau aus dem Haus, sobald es geht. Ich geh' jetzt: Nachricht muß ich noch dem Vater des Mannes geben, dem sie bisher anverlobt war, damit er eine andere Verbindung ausfindig machen kann für seinen Sohn. Callicles geht ab Diniarchus: Und ich ford're nun von der den Knaben, nicht daß sie's nachher noch leugnet. Zwar hätte das keinen Zweck, hat sie doch selber mir aus freien Stücken bekannt, was geschehen ist. Aber sieh, Phronesia und Astaphia kommen aus dem Haus da kommt sie im rechten Augenblick aus ihrem Haus.Welch langen Stachel hat sie doch, die mir von dort aus das Herz durchbohrt! Sechzehnte Szene Phronesia: Nichtsnutzig ist und albern die Hetäre, die beim Wein nicht mehr an ihre Interessen denkt. Ist auch der Leib vom Weine voll – nüchtern bleiben muß der Kopf. Aufregung und Verdruß hat mir bereitet, daß die Syra, meine Haareschneiderin, so übel zugerichtet wurde. Diniarchus, sagt sie, sei der Vater dieses Knaben, wie sich herausgestellt. Als ich das hörte, fuhr ich auf vom Lager, eilte, voll von Wein, sogleich nach draußen, um mit Diniarchus mich zu treffen, den ich schon vor meiner Türe hier vermute. Diniarchus: Hoffentlich beliebt es ihr, hierher zu kommen, ihr, in deren Händen mein Schicksal liegt und das des Kindes. Siehe »Zur Komödie«: Anmerkung zu Vers858. Phronesia: Ah, da ist er ja, der mich aus lauter Liebe zum Vormund für sein Vermögen eingesetzt hat. Diniarchus: Frau, zu dir wollt' ich gerade. Phronesia: Und was treibt dich zu mir, mein Liebling? Diniarchus: Nein, nicht »Liebling«, laß den Unsinn! Nichts dergleichen führt mich hierher. Phronesia: Beim Kastor, ich weiß, was du willst, begehrst und forderst: Sehen willst du mich, du begehrst – daß ich dich liebe, aber fordern mußt du von mir den Knaben. Diniarchus: Ihr Götter, wie du das so klar und deutlich sagst, wie kurz und treffend kommst du zur Sache! Phronesia: Außerdem weiß ich, daß du eine Braut hast, einen Sohn von deiner Braut dazu, und daß du sie bald als Ehefrau in dein Haus nimmst. Daß dein Herz schon an einem andern Ort ist, so daß du mich schon bald als eine betrachtest, die für immer verlassen und vergessen ist. Bedenk' aber, daß die winzigkleine Maus, die eben doch ein kluges Tier ist, ihr Leben nie einer Lagerstatt allein anvertraut. Ist ihr der eine Eingang einmal zugesperrt, kann sie immer noch einen andern Zufluchtsort aufsuchen. Diniarchus: Die Zeit wird kommen, da wir uns darüber ausführlicher unterhalten können. Aber nun: Gib den Knaben zurück! Phronesia: O nein, bitte, laß ihn bei mir – nur ein paar Tage noch! Diniarchus: Auf keinen Fall! Phronesia: Oh, bitte! Diniarchus: Was willst du bloß mit ihm? Phronesia: Er ist mir von großem Nutzen. Drei Tage wenigstens laß ihn bei mir, bis dieser Söldner recht geprellt ist; bitte, laß mir ihn für diese Zeit. Wenn ich ihn haben kann, soll es auch für dich von Vorteil sein. Nimmst du mir den Knaben weg, ist meine Hoffnung dahin, was diesen Söldner anbetrifft. Diniarchus: Nun gut, es soll so sein. Etwas anderes zu wollen, ist nicht am Platz, selbst wenn ich es wollte. Also gut, nutze dir den Knaben, sorge auch für ihn, wenn du um deine Beute besorgt bist. Phronesia: Oh, überaus lieb bist du mir für dein Entgegenkommen. Wenn du zuhause dann einmal Schlimmes zu befürchten hast, flüchte dich hierher zu mir: Als Freund und altes Beutestück wenigstens sollst du mir noch bleiben. Diniarchus: Nun, Phronesia, leb wohl! Phronesia: Und deinen »Augenstern« nennst du mich schon nicht mehr? Diniarchus: Der Name wird sich mit der Zeit insgeheim auch wieder in Erinnerung bringen. Also geh' ich jetzt? Phronesia: Mach's gut und – lebe wohl! Diniarchus: Bei passender Gelegenheit lass' ich mich wieder bei dir blicken! Diniarchus geht ab Phronesia: Er ist weg, ging seines Wegs. Jetzt kann ich reden, wie ich will. Der Spruch, der mir in den Sinn kommt, stimmt immer noch: Wo Freunde sind, ist Hilfe; dank ihm kann ich hoffen, diesen Söldner noch einmal zu prellen, ihn, den ich doch mehr liebe als mich selbst – solang ich von ihm kriege, was ich will. So viel wir auch ergattert haben: Was man uns gab, davon kommt nicht viel irgendwo wieder zum Vorschein. Das sind die Ruhmestaten der Hetären. Stratophanes kommt Astaphia: Sei doch still! Phronesia: Was ist denn? Astaphia: Er ist da, den du zum Vater deines Knaben gemacht hast. Phronesia: Laß ihn kommen, laß ihn nur, wenn er es wirklich ist. Astaphia: Er ist's. Phronesia: Ja, laß ihn kommen, wenn es ihn danach verlangt. Astaphia: Er kommt geradewegs hierher. Phronesia: Nun, beim Kastor, wenn ich den jetzt nicht mit abgefeimtem Lug und Trug noch gänzlich ruiniere! Siebzehnte Szene Stratophanes: Zur Sühne bring' ich nun eine Mine Gold als Bußgeld zu der Geliebten: Dies will ich ihr zu allem noch obendrein geben, damit ihr doch noch angenehm erscheint, was ihr vorhin unwillkommen war. Doch, was seh' ich? Magd und Herrin sind vor dem Haus. Ich muß hin zu ihnen. – Was macht ihr hier? Phronesia: Red mich nicht an! Stratophanes: Was bist du grausam! Phronesia: Ja, so ist es nun einmal. Kannst du mich nicht in Ruhe lassen? Stratophanes: Du, Astaphia, warum zankt sie so mit mir? Astaphia: Sie ist erzürnt auf dich, und das mit Grund. Phronesia: Und sollt' ich nicht? Viel zu wenig bin ich ihm böse! Stratophanes: O Geliebte, wenn ich auch zuerst gesündigt habe, hier bring' ich dir als Sühnegeld diese Mine Gold. Wenn du nicht glaubst, so schau doch! Phronesia: Die Hand verbietet mir, etwas zu glauben, bevor sie's genommen hat. Nahrung braucht das Kind, und die Mutter braucht jemand, das Kind zu baden. Eine Amme braucht es, welche Tag und Nacht genügend alten Wein trinken muß, daß sie Milch hat. Brennholz braucht es, Kohlen, Binden, Kissen, eine Wiege, Windeln. Öl muß da sein, Mehl, und immer weiter so, den ganzen Tag. Immer braucht es irgendetwas: Nie kann man an einem Tag beschaffen, was es alles nötig wäre, immer braucht es doch noch etwas. Schließlich geht es nicht, daß Söhne von Soldaten aufgezogen werden wie die jungen Vögel. Stratophanes: Schau doch: Nimm das hier; alles, was der Knabe braucht, kannst du damit beschaffen. Phronesia: Gib her – wenn es auch wenig ist. Stratophanes: Ich füge später noch eine weit're Mine Gold hinzu. Phronesia: Zu wenig immer noch. Stratophanes: Was du für nötig hältst: Verlang es; du sollst es bekommen. Nun aber gib mir einen Kuß! Phronesia: Laß mich in Ruhe, sag' ich, du bist mir unausstehlich! Stratophanes: Ah, nichts wird draus, ich kriege keine Liebe, nutzlos vergeht der Tag. Schon mehr als zehn Pfund Liebe hab' ich in der kurzen Zeit schon eingebüßt. Phronesia: (zu Astaphia) Nimm das, schaff es weg ins Haus. Strabax kommt aus dem Haus der Phronesia Strabax: Wo in aller Welt ist meine Spielgefährtin? Auf dem Feld nicht und auch nicht hier komm' ich dazu, die Arbeit recht zu tun. Ich komm' ja aus der Übung. Bald bin ich nicht mehr brauchbar. Das Warten auf dem Bett spielt übel mit mir, dieses Liegen ohne Sinn und Zweck! Da ist sie, hallo Schatz, was machst du mit dem Helden da? Stratophanes: Was ist das für ein Kerl? Phronesia: Beim Kastor, einer, den ich liebe – mehr als dich. Stratophanes: Mehr als mich? Wie das? Phronesia: So sehr, daß du dabei nicht stören sollst. Stratophanes: Was ist das? Du gehst doch jetzt nicht weg, nachdem du Gold von mir bekommen hast? Phronesia: Was du gabst, ist längst im Haus drinnen. Strabax: Also, da bist du, Schatz, jetzt aber will ich dir was sagen. Phronesia: Ich komm' ja schon zu dir, mein Liebling. Strabax: Ganz im Ernst, beim Herkules: Auch wenn du mich für reichlich dumm hältst, will ich doch Vergnügen an der Sache haben, so gut es geht.Wenn du noch so allerliebst und munter bist: Wenn ich nicht auch Gefallen daran finde, fährst du schlecht dabei. Phronesia: Was willst du? Soll ich dich umarmen? Küssen? Strabax: Mach irgendetwas, was du willst, wenn ich nur meinen Spaß dran habe. Stratophanes: Ich soll dulden, daß sie hier – vor meinen Augen – einen anderen umarmt? Lieber heute noch sterben. Deine Hand weg, Frau, wenn du nicht willst, daß du durch meine Hand und mit diesem Schwert zu Tode kommen sollst, und er mit dir. Phronesia: Zieh besser Geld aus deiner Scheide, du Kriegsheld, wenn du willst, daß man dich liebt. Mit Gold, Stratophanes, nicht mit Eisen kannst du verhindern, daß ich den da liebe. Stratophanes: Überhaupt, zum Henker, wie kannst du, hübsch und niedlich wie du bist, einen solchen Mistkerl lieben? Phronesia: Kommt dir das Wort nicht in den Sinn, das neulich auf der Schauspielbühne fiel: »Menschen, die sich auf ihren Vorteil verstehen, ekeln sich vor nichts«? Stratophanes: Diesen struppigen, verdreckten Kerl kannst du umarmen? Phronesia: Mag er schmutzig und struppig sein: Mir ist er hübsch und allerliebst. Stratophanes: Und ich gab dir kein Geld? Phronesia: Du mir? Das Kostgeld gabst du mir für deinen Sohn. Wenn du mich selbst haben willst, kostet dich das eine weitere Mine Gold. Strabax: (zu Stratophanes) Scher dich zum Henker! So schnell und gründlich du kannst! Besorg dir schon das Reisegeld dafür! Stratophanes: Was schuldest du ihm denn? Phronesia: Drei Dinge. Stratophanes: Welche drei? Phronesia: Salböl, eine Nacht und einen Kuß. Stratophanes: Der bekommt den Gegenwert für das, was er dir gab. Wenn du ihm schon deine Liebe schenkst, gibst du mir dann auch etwas von deinen Köstlichkeiten, wenn es auch nur ganz wenig ist? Phronesia: Was, sag's mir bitte, was soll ich dir geben? Strabax: Nichts kriegt er, auch nicht, was im Überfluß vorhanden ist! Stratophanes: Mit Worten willst du deine Sache verfechten, ich sorge mit Gewalt und Kraft für meine Liebe, merk dir das, du Kerlchen. Strabax: (zu Phronesia) Gib acht, daß der dich nicht bös verletzt. Aus Eisen sind seine Zähne! Stratophanes: Die läßt doch vor aller Welt zu sich herein, wer will. Nimm deine Hand jetzt weg! Strabax: Was bist du unternehmungslustig! Aber zu deinem Übel wirst du eine böse Schlappe erleiden. Stratophanes: Gold hab' ich gegeben! Strabax: Silber ich. Stratophanes: Ich Mantel – und Purpur obendrein! Strabax: Ich Schafe, Wolle; ich will auch alles andere geben, was sie nur fordert. Besser ist es jedenfalls, wenn ich dich mit dem Geldsack bekämpfe, anstatt mit leeren Worten zu drohen. Phronesia: Weiter so, mein lieber Strabax. Du bist der prächtigste von allen.Weiter, ich beschwöre dich! Astaphia: Wie dumm und unvernünftig die um ihren eignen Schaden streiten: Wir sind dabei wohlbehalten und in Sicherheit. Stratophanes: Fang an, büße du zuerst was ein! Strabax: Nein, mach du den Anfang mit dem Verlieren, mit dem Zugrundegehen! Stratophanes: Gut, ich gebe dir ein Talent Silber, mit König Philipps Kopf geprägte Münzen. Nimm sie, sie sollen dir gehören. Phronesia: Um vieles stehst du besser da! Zu uns gehörst du wieder – was du zum Leben brauchst, mußt du natürlich selber bezahlen. Stratophanes: (zu Strabax) So, und du, wo ist das, was du zu geben hast? Mach deinen Geldgurt auf, du Duellant! Du forderst mich heraus, was fürchtest du nun? Strabax: Du bist hier fremd; ich aber wohne hier und laufe nicht mit Geld im Gurt herum. Das Vieh, das ich ihr bringen kann, ist in dem Sack, der hier um meinen Nacken hängt. Was hab' ich da gegeben! Den Kerl hab' ich erledigt! Stratophanes: Nein, ich war es, der schon gegeben hat! Phronesia: (zu Strabax) Geh du hinein, bitte, geh nur, genießen sollst du meine Liebe! (zu Stratophanes) Und du dann später auch. Stratophanes: Was soll das? Was sagst du? Er soll zuerst – und ich nach ihm? Ich, der ich schon gegeben habe? Phronesia: Eben. Du hast schon gegeben, er muß noch geben. Deines hab' ich, seines muß ich erst noch kriegen. Aber wirklich, euch beiden soll euer Wille so geschehn, wie ihr es wünscht. Stratophanes: Es sei. Ich seh' schon, wie die Sache steht, muß ich nehmen, was ich kriege. Strabax: Ich lass' nicht zu, daß du das Bett besetzen sollst! Beide gehen ins Haus der Phronesia Phronesia: Ein hübscher Vogelfang war das, beim Kastor, ganz nach meinem Wunsch. Doch will ich nun, wie ich für mein Wohl eben sorgte, für das eure ebenfalls besorgt sein. Will von euch hier jemand tätig sein für Amor: Ich bin dabei, so gut ich es verstehe. Um der Venus willen applaudiert! Denn unter ihrem Schutz steht unsere Komödie. Und nun lebt wohl, klatscht und erhebt euch!