Plautus. Die Kriegsgefangenen. ( Captivi ) Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Leipzig und Heidelberg C. F. Winter'sche Verlagshandlung. 1865. Personen. Ergasilus , ein Parasit. Hegio , ein ätolischer Bürger. Philopolemus , dessen Sohn. Philokrates , Tyndarus , und Aristophontes , Kriegsgefangene aus Elis. Stalagmus , ein entlaufener Sklave. Gefangenwärter und andere Sklaven des Hegio. Der Ort der Handlung ist in einer Stadt Aetoliens vor dem Hause des Hegio. Mit einer Unterbrechung von einigen Wochen am Schlusse des dritten Actes geht die Handlung an zwei verschiedenen Tagen vor sich. Prolog Erster Act Zweiter Act Dritter Act Vierter Act Fünfter Act ————— Sylbenmaße Prolog. (Man sieht innerhalb des Hauses zwei Gefangene an die Wand geschlossen, Tyndarus und Philokrates , die während des Prologes stumm dastehen.) Die dort ihr steh'n seht, jene zwei Gefangenen, Die, weil sie stehen beide, steh'n und sizen nicht. Daß ich die Wahrheit rede, seid ihr Zeugen mir. Der, der hier wohnt, ist dessen Vater Hegio.     (auf Tyndarus deutend) Wie's aber kam, daß der dem eignen Vater dient, Das will ich euch gleich sagen, wenn ihr hören wollt. Zwei Söhne schenkte seine Frau dem Alten hier; Den einen, kaum vierjährig, stahl ein Sklave weg, Der, flüchtig, an den Vater dieses zweiten ihn     (auf Philokrates deutend) Verkauft in Elis. Habt ihr das verstanden? – Schön! – Dort hinten der ruft wahrlich: nein! – Komm näher doch! Eine überraschende Wendung an einen Zuschauer, der im Theater nicht zur Ruhe kommen kann, da er zu spät kam, um noch einen Plaz zum Sizen zu finden, durchaus in der Form eines Einfalls aus dem Stegreif. Da aber die Sache gewiß in den alten, wie in den neuen Theatern, sehr oft wiederkehrte, konnte die Wendung auch recht gut vorher berechnet sein. »Ich wünsche, sagt er, daß du lieber das Theater verlässest, als mir ein Geräusch machst, welches mich zwingt, mir die Lunge zu sprengen, und dann, heiser geworden und zum Schauspieler unbrauchbar, mir mein Brod zu betteln.« Köpke . Fehlt dir's an Plaz zum Sizen, hast du Plaz zum Gehn; Du zwingst ja den Künstler, daß er sich zum Bettler schreit. Traun, dir zuliebe spreng' ich mir die Lunge nicht! Ihr aber, würdige Bürger, die ihr Steuern zahlt, Mit diesen Worten will er versteckt andeuten, daß der vorhin Angeredete zu der Classe der Proletarier gehöre, die vom Bürgerrechte ausgeschlossen waren und zu den Staatslasten nicht beitrugen. Nehmt hin den Rest: ich mag nicht gerne schuldig sein. An dessen Vater also, wie gesagt, verkauft Der flüchtige Knecht den hier gestohl'nen Sohn des Herrn. Und jener, als er ihn gekauft, gibt ihn dem Sohn, Dieweil er gleiches Alters war, zum Eigenthum. Jezt dient er seinem Vater, und der weiß es nicht. So spielen Götter, wie mit einem Ball, mit uns. Wie er den einen Sohn verlor, das wißt ihr nun. Als dann Aetoler kriegten mit den Eliern, Da wird gefangen, wie's so geht, der andre Sohn. Ihn kauft in Elis sich der Arzt Menarchus. Nun Kauft unser Alter elische Gefangene, Ob er vielleicht mit ihrer einem seinen Sohn Auslöse; denn daß der sein Sohn ist, weiß er nicht. Und weil er gestern hörte, daß ein elischer Vornehmer Ritter ersten Rangs gefangen sei, Schont er, den Sohn zu schonen, keinen Preis, und kauft, Ihn um so leichter wieder heim zu bringen, hier Die Beiden (auf die Gefangenen deutend)                     aus der Beute den Quästoren ab. Die Quästoren hatten die den Feinden abgenommene Kriegsbeute, zu welcher auch die Gefangenen gehörten, öffentlich zu versteigern und das dafür erlöste Geld in die Staatskasse abzuliefern. Die haben nun zusammen eine List erdacht, Wie dieser Sklave seinen Herrn heimfördern soll. Sie tauschen darum Namen und Gewande; der Wird Tyndarus geheißen, der Philokrates, Und jener stellt heut diesen, der stellt jenen vor. Der Sklave führt gar listig den Betrug hinaus, Und gibt die Freiheit seinem Herrn noch heut zurück. Auch seinen Bruder rettet er in gleicher Art, Bringt ihn als Freien wieder heim in's Vaterhaus, Ohn' es zu wissen, wie man oft unwissentlich Mehr Gutes thut an manchem Ort, als wissentlich. Unwissend also haben sie den ganzen Plan Durch eigne List ersonnen und zurechtgelegt, Und so das Stückchen angefaßt nach eignem Sinn, Daß er bei seinem Vater hier als Sklave bleibt. So dient er seinem Vater jezt und weiß es nicht. Was sind die Menschlein doch so klein, bedenk' ich's recht! Dies führen wir euch heute vor, für euch ein Spiel. Doch hört noch wenig Worte zur Erinnerung! Gewiß, es frommt euch, wenn ihr hübsch aufmerken wollt. Nichts Abgedroschenes, wie die andern Stücke sind, Noch schmuzige Verse hört ihr, die man gern vergißt: Kein eidvergessener Kuppler, keine Buhlerin, Auch kein Bramarbas läßt sich seh'n. Auch seid nicht bang, Weil ich vom Krieg der Elier und Aetoler sprach; Die Schlachten gehen außerhalb der Bühne vor. Unziemlich wär' es, führten wir im komischen Costüm mit Einem Male vor ein Trauerspiel. Wenn also Jemand Schlachten wünscht, er suche Zank; Bekommt er einen Widerpart, der stärker ist, So lass' ich ihn ein solches Treffen seh'n, bei Gott, Daß ihn in Zukunft keine Schlacht zu seh'n verlangt. Ich gehe nun; Lebt wohl, und richtet über mich gerecht daheim, Und seid beherzte Streiter, wenn's zum Kriege kommt. Erster Act. Erste Scene. Der Parasit Ergasilus . Das junge Volk nennt mich das Liebchen, weil man mich Bei allen Gastgelagen ungerufen sieht. Der Parasit spielt, bei der Vergleichung eines Schmarozers mit einem öffentlichen Mädchen, mit dem Worte invocatus, welches un gerufen und auch an gerufen heißen kann. Das Mädchen erscheint freilich bei dem Trinkgelage ihrer Liebhaber auch ungerufen oder uneingeladen. Aber da es Sitte ist, beim Auswurf der Würfel, einem Lieblingsspiel bei Trinkgelagen, den Namen seines Mädchens zur guten Vorbedeutung auszusprechen, um den besten Wurf (den Venuswurf) zu thun, bei welchem nämlich jeder Würfel eine andere Nummer zeigt, so ist das Mädchen insofern auch angerufen oder eingeladen, und hat also ein Recht zu erscheinen. Köpke . Ich weiß, die Spötter nennen das recht abgeschmackt; Mir scheint der Name passend; wenn ein Liebender Bei'm Mahle würfelt, ruft er stets sein Liebchen an. Sprecht: ist sie nun gerufen oder nicht? Sie ist's. Fürwahr, auf uns Schmarozer paßt dies besser noch; Uns ruft am Mahle Keiner an, noch ruft man uns. Wir laben uns, wie Mäuse, stets am fremden Tisch. Steh'n die Geschäfte stille, geht's auf's Land hinaus, Zur Zeit der Ferien und der Götterfeste stehen die öffentlichen Geschäfte still, da keine Staatsangelegenheiten auf dem Forum betrieben werden und die reicheren Bürger Roms sich auf ihre Landgüter begeben. Steh'n auch für unsre Zähne die Geschäfte still. Wie bei der Hize sich versteckt der Schnecken Volk, Und lebt vom eignen Safte, wenn der Thau nicht fällt; So stecken wir Parasiten im Verborgenen An Feiertagen, nähren uns vom eignen Saft, Wenn auf dem Lande weilen, die wir sonst beleckt. An Feiertagen sind wir dürr, Windhunden gleich; Doch fängt die Arbeit wieder an, dann sind wir dick, Wie Bullenbeißer, lästiglichst, verdrießiglichst. Jezt wandre nur der Schmarozer, der's nicht leiden kann, Daß er beohrfeigt, oder ihm ein Krug am Kopf Zerbrochen werde, vor das Thor mit dem Bettelsack! Vor dem Thore (und zwar vor der porta Ostiensis oder porta trigemina, so genannt von dem Kampfe der drei Horatier mit den drei Curiatiern,) pflegten sich in Rom die Bettler aufzuhalten, mit Säcken versehen, in welche sie, was ihnen geschenkt ward, hineinsteckten. Am Ende, fürcht' ich, wird es mir kaum besser geh'n. Denn da mein Herr gerathen in des Feindes Hand »Mein Herr,« in der Urschrift: mein König. Könige nannten die Parasiten ihre Ernährer und Kostgeber. Gemeint ist der Sohn des Hegio, Philopolemus, der im Kriege von den Eliern gefangen ward. In diesem Krieg der Aetoler mit den Eliern: (Hier ist Aetolien; dort in Elis fing man ihn, Philopolemus, den Sohn des alten Hegio, Der wohnt in diesem Hause, das mir Klagen weckt, Und das ich niemals ohne Thränen sehen kann; Der Anblick des Hauses preßt dem Parasiten Thränen aus, weil er es nicht mehr betreten kann, um sich gütlich zu thun. ) Fing der, dem Sohn zuliebe, jezt ein schlimm Gewerb, Das nicht zu seinem Sinne paßt, zu treiben an. Er kauft Gefang'ne zusammen, ob er nicht vielleicht Wo findet Einen, der den Sohn einbringen kann. Ich wünsche recht von Herzen, daß ihm das gelingt; Denn wenn er ihn nicht wiederkriegt, wo krieg' ich was? Vom jungen Volke hoff' ich nichts, das liebt nur sich; Der war der einzige Junge noch von altem Schlag; Ihm hab' ich seine Grillen nie umsonst verjagt. Und dem entspricht auch seines Vaters Sinnesart. Ihn such' ich eben; doch es öffnet sich die Thür, Aus der ich satt und trunken oft nach Hause ging.     (er tritt auf die Seite.) Zweite Scene. Hegio tritt aus dem Hause. Ein Sklave als Gefangenwärter. Ergasilus . Hegio . (zu dem Sklaven) Nun wohl gemerkt, Freund! Diesen zwei Gefangenen, Die gestern ich vom Quästor aus der Beut' erstand, Leg' ihnen leichtere Fesseln an: die schwereren, Womit sie noch gebunden sind, nimm ihnen ab. Laß sie herumgeh'n, draußen und im Hause, wie Sie wollen: aber daß du sie genau bewachst! Ein freier Sklav' ist einem wilden Vogel gleich; Erhält er Einmal nur Gelegenheit zu flieh'n, Dann ist's genug; du fängst ihn nie zum zweiten Mal. Der Sklave . Wir Alle wollen lieber frei als Knechte sein. Hegio . Das scheint mir eben nicht der Fall bei dir. Der Sklave .                                                             Ich kann Kein Silbergeld dir geben »Ich kann kein Silbergeld dir geben,« um mich von der Knechtschaft frei zu kaufen: willst du, daß ich entfliehen soll? : willst du Fersengeld? Hegio . Ei, wenn du das gibst, geb' ich bald was Andres dir. Der Sklave . Ich will ein wilder Vogel sein, so wie du sagst. Hegio . Ganz wie du willst; dann geb' ich dich in den Käfig ab. Doch – g'nug der Worte! Was ich sagte, thu und geh! Ich muß zum Bruder, wo die andern Sklaven sind, Will sehen, ob sie heute Nacht nichts angestellt. Wenn das gethan ist, komm' ich gleich nach Haus zurück.     (der Sklave geht ab.) Ergasilus . (bei Seite, ohne von Hegio bemerkt zu werden) Mich jammert's, daß der Alte da dies Schergenamt Unter dem Schergenamt ist der Sklavenkauf gemeint, zu dem sich Hegio seines Sohnes wegen herbeiließ. Des armen Sohnes wegen treibt, der arme Mann! Doch schafft er ihn nur irgendwie nach Haus zurück, So treib' er meinethalben gar das Henkeramt! Hegio . Wer spricht denn hier? Ergasilus .                                 Ich, der um deinen Harm sich härmt: Ich werde hager, mager, alt, verdorre ganz. Vor lauter Schwindsucht bin ich Haut und Knochen nur. Was ich daheim auch essen mag, das hilft mir nichts; Der kleinste Bissen außerhalb bekommt mir gut. Hegio . Ergasilus, willkommen! Ergasilus .                                   Herr, Gott segne dich!     (er fängt an zu weinen.) Hegio . Du weinst? Ergasilus .               Ich soll nicht weinen, nicht todt weinen mich Um solchen Jungen? Hegio .                             Immer merkt' ich's doch, du warst Freund meines Sohnes, wie er stets der deine war. Ergasilus . Wir Menschen, wir erkennen dann erst unser Glück, Wenn wir verloren haben, was einst unser war. So fühl' ich, seit in Feindes Hand dein Sohn gerieth, Erst, was er mir gewesen, jezt betraur' ich ihn. Hegio . Wenn du, der Fremde, sein Geschick so schmerzlich fühlst, Was soll der Vater, dessen einziger Sohn er ist? Ergasilus . Ein Fremder ich? Ein Fremder ihm? Ach, Hegio! Das solltest du nie sagen; so was denke nicht. Dir ist er einzig, mir der einzig einzigste. Hegio . Ich lob' es, daß dir Freundes Noth als eigne gilt. Jezt sei nur gutes Muthes! Ergasilus .                                 Ach! (auf seinen Bauch deutend)           Den schmerzt es tief, Daß jezt des Essens leckres Heer entlassen ist. Hegio . Wie? Fandst du Keinen unterdeß, der dir das Heer, Das jezt entlass'ne, wieder auf die Beine bringt? Ergasilus . Was denkst du? Scheu'n sich Alle doch, wer's je versucht, Vor diesem Dienste, seit dein Sohn gefangen ist. Hegio . Kein Wunder wahrlich, daß sie vor dem Dienst sich scheu'n. Bedarfst du doch gar vieler und gar vielerlei Soldaten; erstens brauchst du die von Bäckersdorf; Der Bäckersdorfer gibt es dann viel Arten noch. Da brauchst du denn Brodheimer, Kuchenberger auch, Brauchst Lerchenfelder, brauchst das Volk aus Schnepfenthal, Dann brauchst du noch Seetruppen aller Art für dich. Ergasilus . Wie oft die größten Geister ungekannt verblüh'n! Welch großer Feldherr ohne Heerstab hier verdirbt! Welch ein großer Feldherr, meint der Parasit, wäre ich an der Spize solcher Völker, und jezt muß ich in einem unrühmlichen Privatstande untergehen! Hegio . Sei nur getrostes Muthes; denn ich hoffe fest, In diesen Tagen bring' ich ihn nach Haus zurück. Hier steht ein Jüngling, ein gefangner Elier, Von hohem Geschlechte stammend, unermeßlich reich; Für diesen, hoff' ich, tausch' ich meinen Sohn mir ein. Ergasilus . O gäbe das der Himmel! Hegio .                                             Bist du nirgendwo Zu Tisch geladen? Ergasilus .                     Nirgendwo, so viel ich weiß. Doch wie? Was fragst du? Hegio .                                       Mein Geburtstag ist, und da Wünscht' ich zu Mittag dich an meinem Tisch zu seh'n – Ergasilus . Ein feiner Einfall! Hegio .                                   Wenn du nur mit Wenigem Zufrieden sein kannst. Ergasilus .                           Mit dem Allerwenigsten! Von dieser Speise zehr' ich Tag für Tag daheim. Hegio . So bitt' ich dich. Ergasilus .                     Ich komme, wenn nichts Bess'res kommt, Das mir und meinen Freunden mehr behagt; ich selbst Verkaufe mich wie einen Grund, so nimm mich hin! Hegio . Als einen Ungrund, nicht als Grund, erständ' ich dich. Ich verkaufe mich dir, sagt Ergasilus, als einen liegenden Grund; worauf Hegio erwiedert: nicht als Grund, vielmehr als Ungrund, der nicht auszufüllen, nicht zu sättigen ist. Doch kommst du, komm bei Zeiten. Ergasilus .                                               Bin gleich jezt bereit. Hegio . Geh, jage nach dem Hasen; hier hast du den Hund; Da der Parasit nur mit dem Vorbehalte, wenn er nichts Besseres finde, mit dem Tische des Hegio vorlieb nehmen will, erwiedert Hegio: sieh dich nach einem besseren Mahle um; das meinige, das schlechtere, bleibt dir immer noch, wenn du nichts Besseres aufzutreiben vermagst. Statt des Hundes nennt die Urschrift ictim, eine Art Wiesel, von welcher Plinius spricht H. N. 29, 4. Mustelarum duo genera sunt: alterum sylvestre, distans magnitudine; Graeci vocant ictidas. Denn rauhen Weg muß gehen, wer mein Mahl genießt. Ergasilus . Du schreckst mich dadurch nicht zurück, das glaube nicht; Ich sehe mich mit wohlbeschuhten Zähnen vor. Hegio . Rauh wahrlich ist mein Essen – Ergasilus .                                               Ißt du Dorne, Herr? Hegio . Recht ländlich. Ergasilus .                   Auch ein Ferkel ist ein ländlich Thier. Hegio . Mit viel Gemüse. Ergasilus .                       Gib den Kranken dies daheim. Sonst Etwas? Hegio .                     Komm bei Zeiten. Ergasilus .                                             Daran denk' ich selbst.     (geht ab.) Hegio . Ich will hineingeh'n, rechne dort ein Bischen nach, Wie viel an Geld mir bei dem Wechsler stehen bleibt. Zu meinem Bruder geh' ich dann, wie ich gesagt.     (ab.) Zweiter Act. Erste Scene. Die beiden Kriegsgefangenen Philokrates und Tyndarus . Der Gefangenwärter und andere Sklaven. Der Gefangenwärter . Wenn euch die Götter auserseh'n, daß ihr erdulden sollt die Schmach, Müßt ihr gefaßt es tragen; thut ihr das, so wird die Bürde leicht. Zu Hause wart ihr, glaub' ich, frei. Kommt jezt die Knechtschaft, schickt ihr euch in sie; so schickt es sich für euch; Und waltet selbst ein strenger Herr, so macht sie sanft durch euren Sinn. Was euer Herr thut, müßt ihr gut aufnehmen, selbst Unwürdiges. Philokrates . O weh uns! O weh uns! Der Gefangenwärter . Was soll das Heulen? Euer Anblick schon erweckt Mitleid genug. Wenn man im Unglück guten Muth behält, das hilft. Philokrates . Wir schämen uns, weil wir in Ketten sind. Der Gefangenwärter .                                                   Und später grämte sich Unser Herr, ließ' er euch eurer Haft ledig zieh'n, Daß ihr frei sprängt umher, die er um's Geld gekauft. Philokrates . Von uns – was kann er fürchten? Wir Kennen schon unsre Pflicht, wenn er uns ledig läßt. Der Gefangenwärter . Ja, ihr denkt durchzugeh'n; was ihr wollt, ahn' ich wohl. Philokrates . Wir entflieh'n? Wohin entflieh'n? Der Gefangenwärter .                                     Nach Hause. Philokrates .                                                                         Pfui! Das wäre schimpflich, Wollten wir Ausreißer werden. Der Gefangenwärter .                     Geht es an, verarg' ich's euch nicht. Philokrates . Eines nur, bitt' ich euch, Eins gewährt uns! Der Gefangenwärter .                                                     Und was? Philokrates . Daß ihr uns, fern von euch, ohne die Zeugen hier, Unter uns gönnt ein Wort. Der Gefangenwärter . Sei es drum! Tretet fern!     (zu den anderen Sklaven)                             Ziehen wir uns hieher!     (zu den beiden Gefangenen) Aber kurz fasset euch! Philokrates .                         O, von selbst thun wir das.     (zu Tyndarus ) Tritt hieher! Der Gefangenwärter . (zu den Sklaven)                     Lasset ihr Diese nun ganz allein. Tyndarus .                           Beide wir schulden euch Großen Dank, daß ihr uns Alles, was wir gewünscht, Sonder Arg gern gewährt. Philokrates . (zu Tyndarus ) Weiter noch tritt zurück, wenn's gefällt, und so fern, Daß keines fremden Lauschers Ohr auf unsre Worte lauschen kann; Unsre List würde sonst aller Welt offenbar. Kein Betrug ist Betrug, wird er nicht schlau gepflegt, Nein, ein groß Ungemach, wird er kund vor der Welt. Denn wenn du mein Herr bist, ich als deinen Sklaven Mich stellen soll, ist nöthig, daß wir überall Mit großer Umsicht, ganz geheim, Mit Sorgfalt, mit Fleiß und Gewandtheit zu Werk geh'n. So groß ist das Wagniß: es will nicht im Schlafe Vollbracht sein. Tyndarus .                 Ich bin, was du wünschest. Philokrates .                                                         So hoff' ich. Tyndarus . Du siehst mich bereit hier: für dein theures Leben Biet' ich mein theures Haupt willig als Opfer dar. Philokrates . Das weiß ich. Tyndarus .                           Doch vergiß es auch nicht, daß du's weißt, Wenn du, was du willst, erreichtest. Denn die Menschen haben fast alle den schlimmen Brauch: Nur so lang sind sie gut, bis erkämpft ist, wonach Sie gestrebt; wenn sie dann ihren Wunsch seh'n gekrönt, Werden selbst Gute nichtswürdig, voll Lug und Trug. Aber jezt sag' ich dir, was du mir werden sollst. Andern Rath weiß ich nicht, wärst du mein Vater selbst. Philokrates . Ziemte sich's, wahrlich, gern nennt' ich selbst Vater dich; Denn nach ihm bist du mir Vater, bist nächster Freund. Tyndarus . Wohl. Philokrates .       Und deßhalb mahn' ich öfters, daß du dich daran erinnerst: Ich bin nicht dein Herr, ich bin dein Sklave. Darum bitt' ich Eines: Weil uns jezt die hohen Götter ihren Willen kundgegeben, Daß ich, der zuvor dein Herr war, jezt dein Sklave bin, so fleh' ich, Während ich nach meinem Recht dir sonst befahl, nunmehr dich an, Bei des Glückes Wankelmuth, bei meines Vaters Huld für dich, Bei der Knechtschaft, die zumal uns beide gab in Feindes Hand, Ehre mich nicht minder jezt als da du noch ein Sklave warst, Und bedenke, wer du warst und wer du jezt geworden bist. Tyndarus . Nun, ich weiß, jezt bin ich du, und du bist ich. Philokrates .                                                                       Bedenkst du dies Wohlbedächtig, dann gelingt uns, so vertrau' ich, unsre List. Zweite Scene. Hegio kommt aus dem Hause. Philokrates . Tyndarus . Hegio . (in der Thüre zu seinen Sklaven im Hause) Gleich komm' ich wieder, wenn ich die ausfragte, was ich wissen will. Wo sind die Bursche, die ich hier vor meine Thüre führen hieß? Philokrates . Du hast dich vorgesehen, daß du uns nicht lange suchen darfst, So wie wir hier in Ketten rings und Wachen eingemauert sind. Hegio . Wer vor Betrug sich schüzen will, ist kaum geschüzt bei allem Schuz; Und wenn er oft auch noch so sehr geschüzt sich glaubt, er wird berückt. Wie? Hab' ich nicht gerechten Grund, streng über euch zu wachen, da Ich euch mit schwerem Gelde, das ich baar bezahlte, mir erstand? Philokrates . Nicht billig wär' es, wollten wir dir zürnen, daß du uns bewachst, So wenig als du zürnen kannst, daß wir davongeh'n, wenn es geht. Hegio . Wie ihr bei mir, ganz ebenso wird dort bei euch mein Sohn bewacht. Philokrates . Er ist gefangen? Hegio .                                     Ja. Philokrates .                                 So waren wir doch nicht allein so feig. Hegio . (zieht den Philokrates bei Seite) Tritt her! Ich möchte Vielerlei von dir allein erkundigen; Doch möcht' ich nicht, daß du mir Lügen sagtest. Philokrates .                                                                 Lügen werd' ich nicht, So weit ich's weiß, und weiß ich's nicht, so sag' ich dir, daß ich's nicht weiß. Tyndarus . (bei Seite) Im Baderstübchen sizt der Herr; nun sezt er ihm das Messer an, Wirft nicht einmal ein Tuch ihm um, damit er nicht sein Kleid beschmuzt. Doch ob er ihn bis auf die Haut, ob über'n Kamm nur, scheeren wird, Das weiß ich nicht; ist er gescheidt, so richtet er ihn tüchtig zu. Hegio . (zu Philokrates ) Du – wärst du lieber Sklave, wärst du lieber frei? Das sage mir. Philokrates . Das, was dem Glück am nächsten steht und was dem Unglück möglichst fern, Das wünsch' ich, wenn die Knechtschaft auch mir nicht besonders lästig war, Und du mich niemals anders hielt'st, als deines Hauses ächten Sohn. Tyndarus . (bei Seite) Ei, ei! Den Thales von Milet kauft' ich hinfort um kein Talent; Denn im Vergleich zu dem Talent (auf Philokrates deutend)                                                       war seine Weisheit Pfuscherei. Wie wizig hat er das Gespräch jezt auf die Sklaverei gebracht! Hegio . Von welchem Hause stammt er ab – Philokrates? Philokrates .                                                                     Von Reichmanns Haus, Das dort in hohen Ehren steht, vor allen andern mächtig ist. Hegio . Er selbst, wie wird er dort geehrt? Philokrates .                                               Sehr hoch, von Männern höchsten Rangs. Hegio . Nun, wenn er denn in Elis' Volk so gar beliebt ist, wie du sagst, Wie steht sein Beutel? Ist er fett? Philokrates .                                         Daß man daraus Talg sieden kann. Hegio . Sein Vater aber – lebt er noch? Philokrates .                                         Wir ließen lebend ihn zurück Bei'm Scheiden: ob er jezt noch lebt, das weiß doch wohl die Hölle nur. Tyndarus . (bei Seite) Nun geht es gut! Jezt ist er nicht blos Lügner, er philosophirt. Hegio . Wie hieß er denn? Philokrates .                     Sie nannten ihn Schazgüldenkrallenharpago Schazgüldenkrallenharpago, d. i. der goldene Schäze mit den Krallen zusammenrafft. Eine Zusammensezung in der Manier des Aristophanes. . Hegio . Von seinem Reichthum wurde wohl ihm dieser Name beigelegt? Philokrates . Ich meine, mehr von seinem Geiz, von seinem zähen Schmuze nur. Hegio . Was sagst du da? Sein Vater ist so geizig? Philokrates .                                                           Ja, noch etwas mehr. Nur Eine Probe: wenn er je dem Genius sein Opfer bringt, So nimmt er samisch Topfgeschirr als Weihgeräth Aus Geiz, der ihn gegen seinen eigenen Schuzgott mißtrauisch macht, bedient er sich irdener Topfgeschirre, die aus der Thonerde der Insel Samos verfertigt sind, während sonst auch minder Begüterte sich bei Opfern goldener und silberner Gefässe bedienen. , damit der Gott Selbst ihm es nicht entwende. Hier erkennst du, wie er Andern traut. Hegio . (zu Tyndarus ) Nun komm du her. (bei Seite)                               Ich will auch den ausfragen, was ich wissen will.     (zu Tyndarus ) Philokrates, der hat gethan, wie's einem braven Menschen ziemt. Durch ihn erfuhr ich, welches Stamms du bist; er hat es mir bekannt. Willst du dasselbe mir gesteh'n, so wird es nicht dein Schade sein, Obwohl du weißt, daß ich's von ihm erfuhr. Tyndarus .                                                             Er that nur seine Pflicht, Wenn er die Wahrheit dir gestand, wiewohl ich ernstlich mein Geschlecht Und meinen Reichthum, meinen Stand verbergen wollte, Hegio. Doch weil ich jezt mein Vaterland und meinen freien Stand verlor, So find' ich's billig, daß er jezt nicht minder dich als mich verehrt. Gewalt des Feindes hat mich ihm ganz gleich gemacht nach Rang und Stand. Mit Worten wagt' er's früher nicht, jezt darf er kränken durch die That. Hier kannst du seh'n, das Schicksal formt und modelt uns, wie's ihm gefällt; Mich Freien macht's zum Knechte, stürzt mich tief hinab aus Glückes Höh'n; Der sonst zu herrschen pflegte, fügt sich einem andern Herrscher jezt. Doch wäre mein Gebieter, wie ich gegen mein Gesinde war, Dann bangt mir nicht, daß er mich hart und ungerecht beherrschen wird. Nur Eines sagt' ich gerne noch, wenn dir es nicht zuwider ist. Hegio . Sprich's offen aus. Tyndarus .                         Ich bin vordem so frei gewesen, wie dein Sohn, Und mir so gut, als ihm, entriß die Freiheit nur des Feindes Hand. Er dient bei uns als Sklave, wie ich's jezt in deinem Hause bin. Doch lebt ein Gott, der Alles, was wir Menschen schaffen, hört und sieht. Der wird an deinem Sohne thun, ganz wie du hier an mir gethan. Vergelten wird er gute That, doch Uebelthat vergilt er auch. Wie du nach deinem Sohne, sehnt mein Vater sich nach seinem Sohn. Hegio . Das weiß ich; doch gestehst du mir das Gleiche, was der mir gestand? Tyndarus . Ich läugne gar nicht, daß das Haus des Vaters reiche Schäze birgt, Und ich von hohem Stande bin; doch, Hegio, beschwör' ich dich, Laß meines Vaters Schäze doch dich nicht zur Habsucht reizen, daß Ihm's nicht am Ende besser dünkt, obgleich ich nur sein Einz'ger bin, Ich esse hier als Sklave satt, von dir gekleidet und genährt, Als daß ich dort als Bettler mich hinschleppe, wo's ihm Schande sei. Hegio . Durch meiner Ahnen Kraft bin ich, Dank sei's den Göttern, reich genug; Auch glaub' ich nicht, daß jeder Art Gewinn den Menschen Nuzen bringt. Wohl weiß ich, schwang sich Mancher schon durch Wucher und Gewinn empor; Doch gibt es Fälle, wo Verlust noch besser ist, als der Gewinn. Das Gold veracht' ich: Manchen hat's zu manchem Argen oft verführt. Jezt höre mich, daß dir genau kund werde, was mein Herz bewegt. Bei euch in Elis dient mein Sohn, sizt dort als Kriegsgefangner fest. Schaffst du mir ihn zur Stelle, fordr' ich keinen Heller sonst von dir. Dich geb' ich frei und jenen dort; doch anders kommst du hier nicht los. Tyndarus . Was du begehrst, ist edel und gerecht; du bist ein edler Mann. Doch ist der Staat dort oder ist ein Bürger deines Sohnes Herr? Die Kriegsgefangenen, welche in Masse gemacht waren, wurden in den griechischen Städten als eine Beute des Staates angesehen, und entweder öffentlich verkauft, so daß das dafür erhobene Geld in die Staatskasse fiel; oder sie mußten zu öffentlichen Arbeiten dem Ganzen dienen, dessen Eigenthum sie waren. Der Kriegsgefangene hingegen, der von dem einzelnen Krieger gemacht war, gehörte diesem als Eigenthum, und es stand bei ihm, ihn entweder für ein Lösegeld frei zu geben, oder zu verkaufen, oder als Sklaven in seinem Hause zu behalten. Hatte der Kriegsgefangene Vermögen in der Heimat, so wählte er gewöhnlich das erste. Köpke . Hegio . Ein Bürger, Arzt Menarchus. Philokrates . (freudig bei Seite)           Das ist herrlich, der ist sein Client. Das läuft dir in die Hände, wie der Regen, der zur Erde fällt. Hegio . Mach, daß ich ihn auslöse. Tyndarus .                                     Gern; doch Eines bitt' ich, Hegio. Hegio . Sei's was es sei, ich thu' es, wenn's der Sache dient. Tyndarus .                                                                               So höre denn. Zwar daß du mich freilassen sollst, eh' er zurückkehrt, will ich nicht; Doch überlaß mir jenen dort; (auf Philokrates deutend)                                                 ihn send' ich meinem Vater zu; So wird dein Sohn frei. Hegio .                                   Nein, da schick' ich lieber einen Andern hin, Wenn endlich Waffenruhe wird, der dort mit deinem Vater spricht, Und Alles, was du ihm befiehlst, nach deinem Wunsch bestellen kann. Tyndarus . Ihm einen Fremden schicken, das ist nichts; verlorne Mühe wär's. Nein, diesen mußt du schicken; der macht, wenn er hinkommt, Alles recht. Auch kannst du keinen treuern Mann ihm senden, keinen, dem er mehr Vertraute, keinen Sklaven, der so sehr nach seinem Herzen ist, Und dem er dreister deinen Sohn befehlen kann. Sei ohne Furcht. Für seine Treue will ich dir mit meinem Kopfe Bürge sein; Auf ihn vertrau' ich; denn er weiß, wie sehr ich ihm gewogen bin. Hegio . Auf deine Bürgschaft will ich ihn denn schicken, wenn du's willst. Tyndarus .                                                                                                     Ich will's; Nur, daß so schnell als möglich er sich auf den Weg dorthin begibt! Hegio . Und willst du zwanzig Minen mir für ihn erlegen, wenn er nicht Heimkehren sollte? Tyndarus .                       Herzlich gern. Hegio . (zu den Knechten)                         Löst ihm die Fesseln, oder gleich Den Beiden! Tyndarus .             O daß alle Götter alle deine Wünsche dir Gewährten, weil du so mich ehrst, und aus den Banden mich befreist!     (die Knechte lösen ihm die Fesseln.) Wohl find' ich's gar nicht lästig, daß an meinem Hals die Kette fehlt. Hegio . Das Gute, das man Guten thut, das bringt dem Thäter reichen Dank. Jezt, willst du dorthin senden ihn, sag' ihm, bedeut' ihm, schreib' ihm vor, Was er dem Vater melden soll. Darf ich ihn rufen? Tyndarus .                                                                         Ruf' ihn nur! Hegio . (zu Philokrates , welcher vortritt) So möge mir's und meinem Sohn gedeih'n und euch! Dein neuer Herr will, daß du, was dein alter Herr »Dein neuer Herr,« Hegio, »dein alter Herr,« Philokrates. Von dir bestellt wünscht, pflichtgetreu bestellen sollst. Auf zwanzig Minen hab' ich ihm dich angesezt. Er schickt von hier zu deinem Vater dich zurück, Um auszulösen meinen Sohn, daß so ein Tausch Mit unsern Söhnen zwischen uns zu Stande kommt. Philokrates . Gleich sehr nach beiden Seiten ist mein Sinn gewandt, Zu dir und jenem; als ein Rad gebraucht mich denn; Ich rolle hierhin oder dort, wohin ihr wollt. Hegio . So thut dir deine Sinnesart den größten Dienst, Wenn du die Knechtschaft also trägst, wie sich's geziemt Tritt her zu mir. (zu Tyndarus )                           Hier ist der Mensch. Tyndarus .                                                   Ich danke dir, Wenn du mir Anlaß bietest und Gelegenheit, Daß ich nach Hause schicken kann den Boten da, Der, was ich hier beginne, was ich wünsche hier, Dem Vater Alles ganz genau berichten kann.     (zu Philokrates ) Ja, Tyndarus, wir wurden mit einander eins, Daß du zu meines Vaters Haus nach Elis gehst, Und daß ich zwanzig Minen ihm erlege, falls Du nicht zurückkommst. Philokrates .                         Ei, da habt ihr klug gethan. Der Vater wird mich oder einen Boten sonst Von hier erwarten. Tyndarus .                     Darum merke dir's genau, Und bring' es meinem Vater heim in's Vaterland. Philokrates . Was ich that bis diese Stunde, thu' ich auch hinfort mit Fleiß. Alles, was dir irgend Vortheil schaffen kann, Philokrates, Das betreib' ich, führ' ich aus mit Herz und Sinn, mit aller Kraft. Tyndarus . Was dir ziemt, das thust du da. Jezt achte wohl auf mein Gebot: Meinem Vater und der Mutter bringe meinen Gruß zuerst, Auch den Freunden und Verwandten, die du sonst vielleicht erblickst; Daß ich wohl sei, hier im Dienste stehe bei dem besten Herrn, Der mich stets in hohen Ehren hält und stets gehalten hat. Philokrates . Brauchst mir das nicht vorzusagen; denk' ich doch leicht selbst daran. Tyndarus . Denn ich würde frei mich achten, hätt' ich hier den Wächter nicht. Sage dann, in welcher Art ich wegen seines Sohns mit dem Mich verglichen. Philokrates .               Was ich weiß, zu wiederholen, hält nur auf. Tyndarus . Daß er ihn freiläßt und hierher schickt an unser Beider Statt. Philokrates . Gut! Hegio .                   Indeß, so schnell es sein kann; frommt es doch uns Beiden gleich. Philokrates . Wohl ersehnst du deinen Sohn nicht heißer, als er seinen Sohn. Hegio . Jedem ist der seine lieb, mir meiner. Philokrates . (zu Tyndarus )                             Meld' ich sonst noch was An den Vater? Tyndarus .               Daß die Eintracht unter uns kein Streit getrübt, Daß du niemals was verbrochen, noch ich dir mich widersezt, Daß du, selbst in Noth und Drangsal, deinem Herrn willfährig warst, Daß du nie von mir gewichen, nicht im Wort noch mit der That, Bei Gefahren und in Mangel. Wenn der Vater dies erfährt, Tyndarus, wie du gesinnt warst gegen seinen Sohn und ihn, Wird er nimmerdar so karg sein, nein, er läßt umsonst dich frei. Und er thut dies noch gewisser, (komm' ich heim,)s von mir bestimmt. Deinem Eifer, deiner Treue, Männlichkeit, Entschlossenheit, Dank' ich's ja, daß ich zu meinen Eltern wiederkehren darf, Da du dem hier mein Geschlecht und meinen Reichthum offenbart. Also machte deine Klugheit deinen Herrn der Bande frei. Philokrates . Wie du sagst, so that ich, und es freut mich, daß du dessen so Eingedenk bist. Was ich that, verdientest du, Philokrates. Wollt' auch ich erzählen, wie viel Gutes du gethan an mir, Ginge mir der Tag vorüber. Wärest du mein Sklave selbst, Hätt'st du mir nicht treuer folgen können. Hegio . (für sich)                                               Bei der Götter Treu! Welche Menschen, welcher Edelmuth! Es preßt mir Thränen aus. Wie sich die so herzlich lieben! Welches Lob gab hier der Knecht Seinem Herrn! Philokrates .           Und traun, er lobt mich nicht ein Hunderttheil von dem, Was er selbst um mich verdient hat, laut von mir gelobt zu sein. Hegio . Da du dich so wacker hieltest, ward dir heut Gelegenheit, Dein Verdienst dadurch zu krönen, daß du dem dich treu bewährst. Philokrates . Besser kann mein Wille nicht sein, als die That ihn zeigen soll. Daß du's glaubst, ruf' ich den höchsten Zeus für mich als Zeugen an, Daß ich dem Philokrates nicht ungetreu sein werde – Hegio .                                                                                   Bravo! Philokrates . Und für ihn hinfort nicht anders handeln will, als für mich selbst. Tyndarus . Was du da gesagt, erprobe durch die That, durch Werke nun. Doch ich will von dir noch Andres, was ich dir noch nicht gesagt. Höre denn; der Worte wegen darfst du mir nicht böse sein. Nein, bedenke wohl, du wirst auf mein gegebenes Wort von hier Heimgesandt, ich habe selbst mein Leben eingesezt für dich. Und vergiß mein nicht, sobald du meinem Auge dich entrückt, Da du mich statt deiner hier als Knecht zurückgelassen hast, Noch betrachte dich als Freien, laß dein Pfand hier nicht im Stich, Und betreib' es, daß an meiner Statt zurückkehrt dessen Sohn. Wisse, daß um zwanzig Minen du geschäzt von hinnen gehst. Sei getreu dem, der getreu ist; achte nicht die Treue leicht. Alles, weiß ich, thut der Vater, was ihm hier zu thun gebührt. Bleibe stets mein Freund, und sei es diesem auch,     (auf Hegio deutend)                                               dem neuen Freund. Darum fass' ich deine Rechte, flehe dich bei dieser an, Sei mir niemals ungetreuer, als ich dir's gewesen bin. Thu das Deine: bist du doch mein Herr, mein Schuz, mein Vater jezt. Dir befehl' ich all mein Hoffen, all mein Gut. Philokrates .                                                           Genug davon! Führ' ich aus, was du mir auftrugst, bist du dann zufrieden? Tyndarus .                                                                                     Ja. Philokrates . Komm' ich wieder, bring' ich, was ihr Beide wünscht, was Beide freut. Willst du sonst was? Tyndarus .                         Daß du recht bald wiederkehrst. Philokrates .                                                                           Versteht sich doch. Hegio . Folge mir zum Wechsler, dort empfängst du dann dein Reisegeld; Und zugleich besorg' ich dir den Paß vom Prätor. Tyndarus .                                                                     Welchen Paß? Hegio . Den er gleich in's Lager mitnimmt, daß man heim ihn ziehen läßt. Geh hinein! Tyndarus . (zu Philokrates )                     Nun reise glücklich! Philokrates .                                         Lebe wohl!     ( Tyndarus geht in's Haus) Hegio . (für sich)                                                       Jezt hab' ich's doch Wahrlich wohl getroffen, als ich die Gefangnen hier gekauft. Aus der Knechtschaft hab' ich meinen Sohn erlöst, wenn Gott es will. Und doch säumt' ich lange noch, sollt' ich sie kaufen oder nicht.     (zu den anderen Sklaven) Drinnen den bewacht mir »Drinnen den bewacht mir.« Hegio meint den Tyndarus, den er für den Philokrates hält. , Bursche, daß er aus dem Hause mir Keinen Schritt geht ohne Wächter! Werde bald zu Hause sein, Will nur noch zum Bruder gehen, nach den andern Sklaven seh'n, Dort erfrag' ich auch, ob Einer nicht den jungen Menschen kennt.     (zu Philokrates ) Folge mir, damit du fortkommst: dies muß jezt mein Erstes sein.     (geht mit Philokrates ab.) Dritte Act. Erste Scene. Ergasilus . Schlimm hat's der, der sich sein Essen sucht, und kaum es finden kann Schlimmer noch, wer sich's mit Mühe sucht, und gar nichts finden kann, Und am schlimmsten, wer zu essen wünscht, und nichts zu essen hat. Ging' es nur, dem heut'gen Tage krazt' ich gern die Augen aus: So mit Bosheit hat er alle Menschen wider mich erfüllt. Ja, so nüchtern, so gestopft mit Hunger, sah ich keinen Tag, Keinen noch, wo mir so wenig glückte, was ich unternahm. Also feiern Mund und Magen heute Hungerferien. Fort mit ihr, an's höchste Kreuz fort mit der Parasitenkunst! Einen armen Lustigmacher meidet jezt das junge Volk. Man verachtet uns Lakonen, die's am Tafelrande sich Gnügen lassen, Prügelleider Ergasilus nennt die Parasiten Lakonen und Prügelleider, weil sie alle Beschwerden freiwillig ertrugen, ja sogar Prügel und überhaupt jede Schmach sich gefallen ließen. , Schwäzer ohne Gut und Geld. Solche sucht man, die's erwiedern, wenn man sie gefüttert hat. Auf dem Markte kauft man selbst ein, – sonst der Parasiten Amt. Ja, mit frecher Stirne geh'n sie dann vom Markt zum Kuppler hin, Wie sie, schuldig selbst, (o Frechheit!) Schuldige strafen im Gericht. Keinen Deut mehr sind wir ihnen werth; sie lieben nur sich selbst. Als ich fortging eben, traf ich auf das junge Volk am Markt; »Guten Tag! Wo geh'n wir hin zum Frühmahl?« ruf' ich. Alles schweigt. »Wer sagt: hierher? Lädt mich Niemand?« Alle bleiben still und stumm. Keiner lacht. »Wo speisen wir zu Nacht?« Da schütteln sie den Kopf. Einen Wiz dann, einen aus der bessern Sorte, geb' ich preis, Der mir sonst auf viele Wochen einen Freitisch eingebracht. Keiner lacht. Da merk' ich, daß der Handel abgeredet war. Nicht einmal gereizten Hunden hätt' es Einer gleich gethan, Daß doch, wer nicht lachen wollte, fletschend mir die Zähne wies. Als ich merke, daß man mich zum Besten habe, ging ich fort, Trat zu Andern, wieder Andern, dann noch Andern: Alles Eins! Alles pfeift auf Einem Tone, wie die Höker auf dem Markt. Auch noch andre Parasiten streifen dort umsonst herum. Eben komm' ich, weil ich sehe, daß man mich verhöhnt, zurück. Jezt verfolg' ich, und mit aller Strenge, gleich mein ganzes Recht. Die Verschwornen, die das Essen, die das Leben uns verkürzt, Klag' ich an; sie müssen mir zur Strafe troz der theuren Zeit Ganz nach meiner eignen Wahl zehn Schmäuse geben: also sei's! Jezt zum Hafen! Dort erblüht noch Eine Hoffnung auf ein Mahl; Bricht auch die den Hals, so bleibt mir nur des Alten rauhe Kost.     (er geht zur Seite ab.) Zweite Scene. Von der anderen Seite kommt Hegio , gefolgt von Aristophontes . Hegio . Was kann schöner sein, Als mit Glück etwas ausführen, das auch dem Staat Nuzen bringt? So wie ich's gestern that, als ich da Die Beiden erstand. Wo mich Einer erblickt, Kommt er mir entgegen, wünscht mir Glück um dieses Falles willen, Daß sie durch ihr Stillesteh'n und Halten mich Armen Mann ganz müde machten. Ich kam nur mit Noth aus den Glückwünschen los. Doch Endlich ging's zum Prätor. Dort ruh' ich ein wenig, Verlang' einen Paß, Erhalt' ihn, und alsbald Erhält ihn der Tyndar. Der zieht eilig heimwärts. Nachdem dies gescheh'n war, Geh' ich schnell zum Bruder, wo die andern Kriegsgefangnen sind, Frage nach Philokrates aus Elis, ob ihn Keiner kenne; Der hier ruft, er sei sein Freund; ich sage, daß er bei mir sei. Dann beschwört er mich und bittet um Erlaubniß, ihn zu seh'n. Gleich macht' ich ihn der Bande frei und ging.     (zu Aristophontes )                                         Nun folge du mir, Auf daß dir werde, was du dir gewünscht: du sollst ihn sprechen. ( Beide gehen in's Haus. Zu einer anderen Thüre desselben kommt, unbemerkt von ihnen, Tyndarus heraus. ) Dritte Scene. Tyndarus . (bestürzt) Nun ist es aus, nun möcht' ich todt weit lieber als lebendig sein. Rath, Hülfe, Hoffnung trennen sich von mir, verlassen, fliehen mich. Das ist der Tag, wo kein Entrinnen mehr für mich zu hoffen ist. Im Elend ist kein Ende, mir wehrt keine Hoffnung diese Furcht. Für meine schlauen Lügen weiß ich nirgends eine Hülle mehr, Für Gaunereien, Schliche, Ränk' und Schwänke kein Deckmäntelchen. Abbitte sühnt nicht den Verrath, die Missethat schüzt keine Flucht. Der Keckheit öffnet sich kein Port und keine Freistatt meiner List. Verdecktes ist jezt aufgedeckt; am Tage liegt mein Gaukelspiel. Denn Alles ward jezt offenbar; kein Zweifel ist, Daß ich sterben und verderben muß für meinen Herrn und mich. Mich verderbt Aristophontes, der so eben trat in's Haus. Denn er kennt mich, ist ein Freund und Vetter des Philokrates. Selbst des Heiles Göttin kann mich, wollte sie's, nicht mehr befrei'n, Erspür' ich nicht im Herzen eine Schelmerei. Doch was? Der Henker! Was beginn' ich? Was ersinn' ich? Albernheit, Die tollste Tollheit brütet da mein armer Kopf: da steck' ich nun!     (er geht ängstlich nachsinnend auf und nieder.) Vierte Scene. Hegio . Aristophontes . Tyndarus . Gefangenwärter . Hegio . Wohin der Mensch wohl aus dem Haus jezt vor die Thür hinausgerannt? Tyndarus . (für sich) Nun, Tyndar, ist es wahrlich aus mit dir: der Feind dringt auf dich ein! Was erklär' ich nun? Was schwaz' ich? Was verläugn' ich? Was gesteh' ich? Jezt weiß ich nicht wo aus noch ein. Worauf verlassen soll ich mich? O daß die Hölle dich geholt, eh dich der Feind aus Elis stahl, Aristophontes, der (o Schmach!) zu nichte macht mein schönes Werk! Verloren ist's, ersinn' ich nicht ein ganz entsezlich Schelmenstück. Hegio . Komm her, da steht er, red' ihn an! Tyndarus . (für sich)                                   Wer ist so schlimm als ich daran? Aristophontes . (zu Tyndarus ) Tyndarus, was ist es, daß du meinen Augen dich entziehst, Mich verschmähst, wie einen Fremdling, den du nie zuvor gekannt? So wie du, bin ich ein Sklave, war ich auch zu Hause frei; Aber du warst Knecht in Elis, als du noch ein Knabe warst. Hegio . Ist es doch kein Wunder, wenn er dich und deine Blicke flieht, Oder gar dich haßt: du nennst ihn Tyndar, nicht Philokrates. Tyndarus . (leise, indem er den Hegio auf die Seite zieht) Hegio, den Menschen hielt in Elis alle Welt für toll. Schüze dich an beiden Ohren, was er auch vorbringen mag: Denn die Mutter und den Vater hat er mit dem Spieß verfolgt, Und die Krankheit, die man anspuckt, Tyndarus meint die fallende Sucht ( morbus comitialis von den Römern genannt, weil der Eintritt eines epileptischen Anfalles die Comitien auflöste). Die mit ihr behaftet waren, glaubte man durch Anspucken heilen zu können. überfällt ihn manchesmal. Darum bleib' ihm fern vom Leibe. Hegio . (zieht sich zurück)                       Weg von mir! Aristophontes .                                                             Was sagst du, Schuft? Was? Ich toll? Ich hätte meinen Vater mit dem Spieß verfolgt? An der Krankheit soll ich leiden, die man anzuspucken pflegt? Hegio . Fürchte nichts: wie manchen Mann hat diese Krankheit schon geplagt, Welchem angespie'n zu werden frommte! Tyndarus .                                                         That auch Andern gut. Aristophontes . Wie? Du glaubst ihm gar noch? Hegio .                                                                 Was ihm glauben? Aristophantes .                                                                                 Daß ich rasend sei? Tyndarus . Sieh, wie feindlich er dich anblickt! Weichen wir ihm lieber aus! Herr, es kommt, was ich gesagt, die Raserei wächst: hüte dich! Hegio . Hielt ich ihn doch gleich für rasend, als er Tyndar dich genannt. Tyndarus . Oft vergißt er seinen eignen Namen, weiß nicht, wer er ist. Hegio . Doch behauptet er, du seist sein Kamerad. Tyndarus .                                                             Ich wüßte nicht. Auch Lykurg, Alkmäon und Orestes Lykurgus, (ein thrakischer König,) Alkmäon, Orestes, drei berühmte Wahnsinnige aus der mythischen Zeit, über die jedes mythologische Wörterbuch Auskunft gibt. sind in dieser Art Meine Freunde, ganz wie dieser. Aristophontes .                                     Wagst du gar, du Galgenstrick, Mich zu schmäh'n? Ich kennte dich nicht? Hegio .                                                               Nun, das liegt am Tage doch, Daß du den nicht kennst: du nennst ihn Tyndar statt Philokrates. Den du siehst, den kennst du nicht, und den du nennst, den siehst du nicht. Aristophontes . Nein, er will sein, der er nicht ist; wer er ist , das läugnet er. Tyndarus . Ja, du bist der Mann, du bist wahrhafter, als Philokrates. Aristophontes . Wie die Sache steht, so bist du's, der die Wahrheit Lügen straft. Doch ich bitte, sieh mir einmal in's Gesicht. Tyndarus .                                                             Nun? Aristophontes .                                                             Läugnest du, Daß du Tyndar seist? Tyndarus .                         Ich läugn' es. Aristophontes .                                       Nennst du dich Philokrates? Tyndarus . Ja, so heiß' ich. Aristophontes . (zu Hegio )   Und du glaubst ihm? Hegio .                                                                 Mehr gewiß als dir und mir. Denn der Mann, von dem du sprichst, ging heut von hier nach Elis fort Zu dem Vater dessen. (auf Tyndarus deutend) Aristophontes .                   Wessen? Dieses Sklaven? Tyndarus .                                                                     Bist doch du Auch ein Sklav' und warest frei: so hoff' ich einst auch frei zu sein, Wenn ich dessen Sohn zur Freiheit wiederum verhelfen kann. Aristophontes . Galgenstrick, was sagst du? Sagst, du wärst ein Freier von Geburt? Tyndarus . Freier In der Urschrift ist hier ein Wortspiel mit liber, frei, und Liber, einem anderen Namen des Bacchus bei den Römern. Im Deutschen hat das Wort »Freier« doppelte Bedeutung, indem es einen Freien und einen Freier bezeichnen kann. heiß' ich nicht, ich heiße nur Philokrates. Aristophontes .                                                                         Der Kerl, Hegio, der hat dich nur zum Besten! Denn der Sklave, das Ist er selbst, und hatte niemals einen Sklaven, als sich selbst. Tyndarus . Weil du selbst im Vaterlande darbst und nichts zu leben hast, Willst du, daß die ganze Welt dir ähnlich sei: mich wundert's nicht. Armes Volk ist voller Mißgunst, gönnt dem Bessern nicht sein Glück. Aristophontes . Hegio, nimm dich in Acht, und traue dem nicht unbedacht. Denn so viel ich merke, hat er dir bereits was angehängt. Daß er deinen Sohn befreien will, gefällt mir nimmermehr. Tyndarus . Daß du das nicht wünschest, weiß ich; doch so Gott hilft, geb' ich dem Seinen Sohn, er gibt in Elis meinem Vater mich zurück. Darum sandt' ich Tyndarn auch zum Vater ab. Aristophontes .                                                       Der bist du selbst; Außer dir ist ja kein Knecht in Elis, der den Namen trägt. Tyndarus . Fährst du fort, mich Knecht zu schelten, weil ich fiel in Feindsgewalt? Aristophontes . Nein, ich kann nicht mehr mich halten. Tyndarus . (warnend zu Hegio )                                       Hörst du's? Heda! Fliehst du nicht? Bald verfolgt er uns mit Steinen, wenn du nicht sogleich gebeutst, Ihn zu greifen. Aristophontes .       O der Qual! Tyndarus .                                 Sein Auge glüht: auf, Stricke her!     (zu Hegio ) Siehst du, wie sein ganzer Leib von gelben Flecken fleckig wird? Schwarze Galle packt den Mann. Aristophontes .                                     Dich sollte, wäre der Alte klug, Schwarzes Pech bei'm Henker packen, und dein Kopf in Flammen glüh'n. Menschen, die gefoltert wurden, besonders Sklaven, pflegte man siedendes Pech auf den Leib zu träufeln, oder es ihnen auf dem Kopfe anzuzünden. Danz . Tyndarus . Ganz im Wahnsinn spricht er jezt, ihn treiben Nachtgespenster um. Hegio . Wenn ich ihn jezt fesseln ließe? Tyndarus .                                             Traun, das Klügste wäre das. Aristophontes . Weh mir, daß ich keinen Stein hier habe, diesem Schuft das Hirn Einzuschmettern, der mit seinen Lügen mich zum Narren macht! Tyndarus . (zu Hegio ) Hörst du da? Nach Steinen sucht er. Aristophontes . (zu Hegio )                       Gönne mir ein Wort mit dir Ganz, allein. Hegio . (schiebt ihn zurück)                     Sprich nur von dort; ich höre dich von ferne schon. Tyndarus . (zu Hegio ) Wenn du näher trätest, traun, er bisse dir die Nase glatt Aus dem Antliz. Aristophontes .         Glaube ja nicht, daß ich toll bin, Hegio, Oder daß ich's je gewesen, oder krank bin, wie mir der Angedichtet. Laß mich fesseln, wenn du was von mir besorgst: Gerne leid' ich's, wenn man ihn auch fesselt. Tyndarus .                                                             Den nur, Hegio, Der es will, laß fesseln! Aristophontes .                       Schweige, falscher Philokrates: ich will Machen, daß du heute noch als wahrer Tyndarus erscheinst. Warum winkst du? Tyndarus .                     Winken ich? Was thät' er, ständst du nicht dabei? Hegio . Wenn ich jezt zu diesem Tollkopf träte? Tyndarus .                                                           Possen, tolles Zeug Wird er dir vorkau'n, woran du weder Hand noch Fuß erkennst. Nur die Rüstung fehlt, den Ajax siehst du leibhaft, siehst du den. Die Rüstung bezeichnet das ganze tragische Costüm, in welchem der rasende Ajax auf die Bühne gebracht wurde. Hegio . Das thut nichts; ich geh' ihn dennoch an. Tyndarus . (für sich)                                             Nun ist's mit nur vorbei! Schon am Altar vor dem Steine steh' ich »Schon am Altar vor dem Steine steh' ich,« d. h. an meine Rettung ist nicht mehr zu denken, ich bin verloren, wie das Opferthier, das bereits neben dem Altare steht, und wider welches der Opferpriester schon den Stein aufgehoben hat, der es tödten soll. , weiß nicht, was ich soll. Hegio . (nähert sich dem Aristophontes ) Jezt, Aristophontes, hör' ich, wenn du was zu sagen hast. Aristophontes . Wahrheit sollst du von mir hören, die du jezt für Lügen hältst. Aber erst muß ich dir Eins ausreden: nicht an Raserei Leid' ich noch an andrer Krankheit, außer daß ich Sklave bin. Doch so wahr mich Zeus zurück in meine Heimat führen soll, Dieser ist Philokrates so wenig als ich oder du. Hegio . Aber wer denn ist er? Aristophontes .                       Den ich gleich von Anfang dir genannt. Wenn du dies unwahr erfindest, mögen meinethalb bei dir Vaterland, Freiheit und Eltern ewig mir verloren sein. Hegio . (zu Tyndarus ) Was sagst du? Tyndarus .               Daß ich dein Sklave, du mein Herr. Hegio .                                                                             Das frag' ich nicht. Warst du frei? Tyndarus .               Das war ich. Aristophontes .                             Nein, das war er nicht; er faselt nur. Tyndarus . Woher weißt du's? Standst du meiner Mutter als Hebamme bei, Daß du das so keck behauptest? Aristophontes .                                   Schon als Knaben sah ich dich. Tyndarus . Und ich sehe dich erwachsen. Alle Wetter über dich! Kümmre dich nicht mehr um mich; ich kümmre mich ja nicht um dich. Hegio . Hieß des Menschen Vater nicht Schazgüldenkrallenharpago? Aristophontes . Nein! Ich hörte solchen Namen niemals bis auf diesen Tag. Theodoromedes hieß der Vater des Philokrates. Tyndarus . (für sich) Ha, ich sterbe! Still, mein Herz: was klopfst du? Geh, erhänge dich! Ja, du hüpfst noch, ich vermag, o Jammer! kaum vor Furcht zu steh'n. Hegio . Ist es auch ganz ausgemacht, daß er in Elis Sklave war, Nicht Philokrates? Aristophontes .             So sicher, daß es niemals anders wird. Doch wo ist jezt der? Hegio .                               Wo mir's nicht lieb, und ihm am liebsten ist. So bin ich denn ganz zerhobelt, ganz verstümmelt durch die List Dieses Buben, der nach Willkühr mich am Narrenseil geführt. Doch bedenke – Aristophontes .           Was ich sprach, ist wohl erwogen und bedacht. Hegio . Ganz gewiß? Aristophontes .         So daß du nichts Gewiss'res findest auf der Welt. War Philokrates doch immer mein Genoß von Jugend auf. Hegio . Welches Ausseh'n aber hat dein Kamerad Philokrates? Aristophontes . Blasses Antliz, spize Nase, schwarze Augen, weiße Haut, Haare, zierlich und gelockt, ein wenig röthlich. Hegio .                                                                       Alles paßt. Tyndarus . (für sich) Daß ich heut (endloses Unheil!) hierher kam! Weh über euch, Arme Ruthen, die noch heut an meinem Fell zu Schanden geh'n! Hegio . Offenbar, ich bin geprellt! Tyndarus . (für sich)                       Ihr Fesseln, weßhalb säumt ihr noch? Kommt, umarmt jezt meine Beine, daß ich euch bewachen kann! Hegio . (erzürnt) Schändlich haben heut die Schufte, die Gefang'nen, mich genarrt! Jener stellte sich als Sklaven, dieser gab für frei sich aus. Aufgesprungen ist der Kern, die Schale blieb als Pfand zurück. Also ward das Maul mir Gimpel auf und ab mit Trug beschmiert. Doch – der foppt mich nie mehr. Corax, Colaphus, Cordalio! Kommt heraus und bringt die Stricke! Einer der Gefangenwärter .                       Werden wir in's Holz geschickt? Fünfte Scene. Hegio . Tyndarus . Aristophontes . Knechte mit Stricken. Hegio . Auf, eilig legt dem Schufte da Handfesseln an! Tyndarus . Was soll das heißen? Was verbrach ich denn? Hegio .                                                                               Du fragst? Du, der das Unheil säte, hackt' und erntete! Tyndarus . Was sagtest du nicht eher, daß ich's auch geeggt? Denn immer eggt der Bauer erst, bevor er hackt. Hegio . Wie mir der Mensch so trozig gegenübersteht! Tyndarus . Der Sklave, wenn er schuldlos ist und nichts versah, Darf ohne Scheu sein, und zumal vor seinem Herrn. Hegio . (zu den Knechten) Auf! Bindet ihm die Hände nur recht fest! Tyndarus .                                                         Ich bin Dein Knecht: die Hände darfst du mir abhau'n sogar. Doch sage mir, was gibt es? Weßhalb grollst du mir? Hegio . Weil du, so viel du konntest, mir mein ganzes Werk Durch deine ruchlos lügenhaften Schelmerei'n Zerrissest, meine Habe mir zerstückeltest, Und alle meine Plane nur zerrüttetest. So stahlst du mir durch Ränke den Philokrates. Du seist der Freie, glaubt' ich, und er sei der Knecht. So sagtet ihr und tauschtet darum unter euch Die Namen aus. Tyndarus .                 Dies Alles, ich bekenn' es frei, Ist so geschehen, wie du sagst, er hat von dir Durch mein Bemühen, meine List sich weggemacht. Deßwegen also grollst du mir? Ich bitte dich. Hegio . Wohl hast du das zu deiner größten Qual gethan. Tyndarus . Verschuld' ich nur nicht meinen Tod, dann acht' ich's nicht. Und muß ich hier auch sterben, kehrt er nicht zurück, Wird noch im Tode diese That mir Ruhm verleih'n, Daß ich den Herrn aus seiner Sklaverei befreit, Aus Feindeshand zu seinem Vater heimgeführt, Und daß ich eher meinen Kopf in die Gefahr Gewagt, bevor ich seinen Tod verschuldete. Hegio . Wohl! Suche du denn deinen Ruhm am Acheron. Tyndarus . Wer für die Tugend endet, kann nicht untergeh'n. Hegio . Hab' ich dich erst mit allen Qualen abgequält, Und dich für deine Schelmerei'n an's Kreuz geschickt, So mag man's Ende nennen oder Untergang: Bist du nur todt, so mag man sagen, daß du lebst. Tyndarus . Wahrhaftig, thust du solches, bleibt's nicht ungestraft, Wenn jener, was ich sicher hoffe, wiederkehrt. Aristophontes . Ihr Götter! Nun versteh' ich erst, nun seh' ich ein, Was da gescheh'n ist. Mein Genoß Philokrates Ist frei, daheim, bei'm Vater. Nun, das nenn' ich schön. Ich kenne Niemand, dem ich das so sehr gegönnt. Nur schmerzt mich, daß ich diesem that den schlimmen Dienst, Der meiner Worte wegen jezt in Fesseln ist. Hegio . Hab' ich dir nicht verboten, mir ein falsches Wort Zu sagen? Tyndarus         Ja. Hegio .                   Und dennoch logst du mir? Warum? Tyndarus . Weil dem die Wahrheit, dem ich diente, schädlich war; Jezt frommt die Lüge. Hegio .                               Doch sie schadet dir. Tyndarus .                                                           Es sei! Den Herrn gerettet hab' ich doch, (wie freut mich das!) Ihn, dem zur Hut mich beigesellt mein alter Herr. Und hältst du diese That für schlecht? Hegio .                                                         Für ganz verrucht. Tyndarus . Ich denke da ganz anders, halte sie für gut. Bedenke nur, wenn deiner Sklaven einer dies Gethan an deinem Sohne, wie verdanktest du's? Sprich, gäbst du dem wohl seine Freiheit, oder nicht? Und würde jener Sklave nicht dein liebster sein? Antworte! Hegio .             Freilich. Tyndarus .                     Nun – warum denn grollst du mir? Hegio . Weil du dem Alten größre Treu als mir bewahrst. Tyndarus . Was willst du denn? Ich erst gefangner, neuer Knecht Soll mich von dir in Einer Nacht und Einem Tag Zurichten lassen, daß ich dir ergebner sei, Als ihm, mit dem ich als ein Kind zusammen war? Hegio . So fordre dir von ihm den Dank. Nun fort mit ihm, Legt ihm die dicken, centnerschweren Ketten an; Dann geht's mit dir in meine Steinbruchhöhlen fort. Und graben Andre täglich nur acht Steine dort, So schaffst du sechzehn jeden Tag, und schaffst du's nicht, Dann sollen dir sechshundert Prügel sicher sein. Aristophontes . Bei Gott und Menschen, Hegio, beschwör' ich dich: O quäl' ihn nicht zu Tode! Hegio .                                       Dafür wird gesorgt. Nachts liegt er mir in Ketten, da bewacht man ihn; Bei Tage gräbt er Steine mir vom Boden aus. Lang quäl' ich ihn; mit Einem Tag ist's nicht gethan. Aristophontes . Das hast du fest beschlossen? Hegio .                                                             Fest, wie Tod und Grab. Führt ihn zum Schmid jezt eilig, zum Hippolytus; Sagt, daß er ihn in dickes Eisen schmiden soll. Dann führet ihn zu meinem Pächter Cordalus In meinen Steinbruch außerhalb der Stadt vor's Thor, Und sagt, ich wolle, daß er ihn so halten soll, Daß Keiner, dem's am schlimmsten geht, es schlimmer hat. Tyndarus . Wie kann ich Rettung hoffen wider deinen Wunsch? Wenn in Gefahr mein Leben ist, so bist du's auch. Im Tode fürcht' ich nach dem Tod kein Uebel mehr. Und leb' ich auch zum höchsten Alter fort, ich muß Dennoch erdulden, was du drohst, auf kurze Frist. Nun lebe glücklich, wenn du das auch nicht verdienst. Aristophontes, gehe dir's, wie du's um mich Verdient; durch dich nur ward mir dies! Hegio . (zu den Knechten)                                 Ihr, führt ihn fort! Tyndarus . Nur Eine Bitte: kehrt Philokrates zurück, Daß, ihn zu seh'n, zu sprechen, mir verstattet sei! Hegio . (zu den Knechten) Ihr seid des Todes, schafft ihr ihn nicht gleich hinweg!     (er stößt den Tyndarus von sich, die Knechte führen ihn ab.) Tyndarus . Zugleich gestoßen und geschleppt! Das heißt Gewalt. Sechste Scene. Hegio . Aristophontes . Hegio . Der ist gerad' in den Kerker fort, wie's ihm gebührt. Das soll ein Beispiel für die Kriegsgefangnen sein, Daß Keiner so was wieder anzustellen wagt. Wenn dieser hier (auf Aristophontes deutend)                             nicht wäre, der mir's aufgedeckt, Sie führten mich noch immer recht am Narrenseil. Nun steht es fest, ich traue keinem Menschen mehr. Mir ist's an Einem Trug genug. Ich hoffte schon, Ich Armer, aus der Knechtschaft sei mein Sohn befreit: Hin ist die Hoffnung! Schon verlor ich einen Sohn Im vierten Jahre, welchen mir ein Sklave stahl, Und hörte nie vom Sklaven, nie vom Sohne mehr. Der ältre fiel in Feindsgewalt. Ha, welche Schmach! Als zeugt' ich Kinder nur um kinderlos zu sein!     (zu Aristophontes ) Komm mit, – zurück an deinen Plaz! Mit Niemand mehr Fühl' ich Erbarmen, da sich Niemand mein erbarmt. Aristophontes . Zu böser Stunde kam ich aus den Ketten her: Zu böser Stunde muß ich jezt in sie zurück.     (Beide ab.) Vierter Act. Erste Scene. Ergasilus . Hocherhabner Zeus, du rettest mich und mehrest meine Macht; Denn die fettsten Bissen und die reichsten Schäze beutst du mir: Lob und Gewinn, Spiel, frohen Scherz, Festtage, heitre Ferien, Gastmahle, Zechgelage, Lust und Sättigung und Seligkeit! So hat der holde, wonnige Tag mit holder Wonne mich erfüllt; Denn sonder Abzug wurde jezt ein vollgestopftes Erbe mein. »Ein Erbe wurde mein sonder Abzug,« d. i. ohne daß ich eine besondere Auslage dabei gehabt hätte. Da jede Familie zu Rom ihren eigenen häuslichen Gottesdienst hatte, so war derjenige, an den eine Erbschaft überging, verpflichtet, auch die Opfer zu verrichten, die in der Familie gebräuchlich waren, von welcher ihm die Erbschaft zufiel, eine Verpflichtung, die oft sehr kostspielig werden konnte. Wer also eine Erbschaft ohne solche Opfer antrat, durfte sich mit Recht freuen. Nun steht es fest, ich gebe keinem Menschen mehr ein gutes Wort; Denn nüzen kann ich meinem Freund, Verderben bringen meinem Feind. Jezt wend' ich hierher meinen Schritt, zum alten Hegio, bring' ihm Glück, So viel er von den Göttern selbst sich wünschen kann, und auch noch mehr. Nun thu' ich, was die Sklaven auf der Bühne thun, ich werfe mir Den Mantel um die Schulter, daß er's ja von mir zuerst erfährt, Und hoffe, dafür hab' ich dann für ewige Zeiten freien Tisch. Zweite Scene. Hegio . Ergasilus . Hegio . (ohne den Ergasilus zu bemerken) Je mehr ich das Ding da herumwälz' im Kopfe, Je mehr schwillt die Gall' auf und steigt mir der Aerger, Daß heute so derb mir das Maul angeschmiert ward, Und ich es nicht durchschaute. Erfährt man's, so werd' ich ein Spott vor der Stadt sein. Ich tret' auf den Markt kaum, und gleich zischelt Alles: »Der Schlaukopf, der Graukopf, der jüngst so genarrt ward!« Doch – ist das Ergasilus, der dort in der Ferne? Er hat seinen Mantel geschürzt! Was hat der vor? Ergasilus . (tritt auf von der anderen Seite) Hier gilt keine Säumniß, Ergasilus! An's Werk jezt! Ergasilus kommt von der anderen Seite in voller Hast gelaufen, und spricht mit sich selbst, ohne den Hegio gewahr zu werden. Ich verwarn' euch, ich bedroh' euch, komme Keiner mir daher, Als wer etwa glauben sollte, daß er lang genug gelebt! Wer mich hemmt, den werf' ich auf die Nase. Hegio . (für sich)                                                     Der will boxen, scheint's. Ergasilus . (immer fortschreiend) Das geschieht, ja, ja! Nun stelle Jeder seine Reisen ein! Daß kein Mensch in dieser Straße sein Geschäft zu treiben wagt! Meine Faust ist mein Geschoß, mein Ellenbogen mein Geschüz, Meine Schulter ist ein Sturmbock: wen mein Knie trifft, liegt im Sand. Wer es sei, der mir dahertritt, sammle seine Zähn' im Staub! Hegio . Was bedeutet solche Drohung? Götter! Ich begreif' es nicht. Ergasilus . Diesen Tag und diesen Ort und mich vergißt er nimmermehr! Wer mich hemmt in meinem Laufe, hemmt den eignen Lebenslauf. Hegio . Was bezweckt der tolle Mensch mit seinen tollen Drohungen? Ergasilus . Daß ihr euch durch eigne Schuld nicht Schaden thut, verkünd' ich euch: Haltet euch fein still zu Hause! Hütet euch vor meiner Wuth! Hegio . Traun, ein Wunder, wenn die Keckheit diesem nicht im Bauche sizt! Weh dem Armen, dessen Tisch ihn aufgenährt zu solchem Muth! Ergasilus . Und ihr Bäcker, Schweinemäster, die mit Klei'n die Schweine zieh'n, Deren Mahlstatt keine Nase vor Gestank sich nahen kann, Werd' ich jemals auf der Straße solch ein Vieh von euch gewahr, Klopf' ich auf den Herren selbst mit meiner Faust die Kleien aus. Hegio . Wie ein König, wie ein Feldherr, läßt er ausgeh'n sein Gebot; Tüchtig satt wohl ist der Mensch; ihm sizt der Uebermuth im Bauch. Ergasilus . Und ihr Fischer, die den Leuten faule Fische zum Verkauf Bieten auf der hagern Mähre, die sich auf drei Beinen schleppt, Daß ihr Dunst die Pflastertreter alle wegtreibt auf den Markt: Euer Maul werd' ich mit Reusen eurer Fische so zerbläu'n, Daß ihr wisset, welche Qual ihr andrer Leute Nasen schafft. Dann ihr Fleischer, die ihr alte Schafe reißt vom Lamm und sie Hinterher als Lämmerfleisch und um den Doppelpreis verkauft, Die ihr abgelebte Böcke zugeschnittne Hämmel nennt: Werd' ich jemals auf der Straße solchen alten Bock gewahr, Leiden Bock und Herr zusammen mir den jämmerlichsten Tod. Hegio . Wahrlich, der erläßt Gebote, gleich der hohen Polizei! Wunder, daß ihn die Aetoler nicht zur Marktaufsicht bestellt. Ergasilus . Jezt bin ich kein Parasit mehr, nein, der Fürsten fürstlichster: Solche Zufuhr ist im Hafen angelangt für meinen Bauch. Doch was säum' ich, meinem alten Hegio die Wonnelast Aufzuladen? Ist doch er auf Erden jezt der Glücklichste. Hegio . Was ist das für eine Wonne, die er wonnig mir verheißt? Ergasilus . (pocht an die Hausthüre des Hegio ) He! Wo seid ihr? Oeffnet Niemand mir die Thüre? Hegio .                                                                             Traun, der Mensch Will zu mir zum Abendessen. Ergasilus .                                       Schließt die beiden Flügel auf, Eh ich euch mit meiner Faust die Thür in tausend Splitter schlug. Hegio . Auf! Ich red' ihn an. Ergasilus! Ergasilus .                                             Wer ruft: Ergasilus? Hegio . Sieh dich um nach mir! Ergasilus . (ohne sich umzusehen)   Was dir das Glück nie that, noch künftig thut, Soll ich thun? Ergasilus will sagen: »du verlangst von mir, daß ich thun soll, was dir das Glück niemals thut? Das Glück sieht sich niemals um nach dir, sieht dich niemals an.« Der Blick der Götter, auf Sterbliche geworfen, galt als ein Zeichen ihrer Gunst. Wer bist du? Hegio . Sieh dich um nach mir, nach Hegio. Ergasilus .                                                     Sieh da! Du, der besten Menschen Bester, kommst mir da gerade recht. Hegio . Irgendwen am Hafen trafst du, der dich lud. Nun thust du stolz. Ergasilus . Gib mir deine Hand. Hegio .                                       Die Hand? Ergasilus .                                                   Ja, deine Hand, und gleich. Hegio .                                                                                                     Wohlan!     (er gibt ihm die Hand.) Ergasilus . Freue dich! Hegio .                         Warum mich freuen? Ergasilus .                                                     Weil ich's will. Auf, freue dich! Hegio . Ach, die Trübsal steht mir näher, als die Freude. Ergasilus .                                                                         Sorge nicht: Denn die Trübsalsflecken alle treib' ich aus dem Leibe dir. Freu dich keck! Hegio .                       Ich will mich freuen, ob ich gleich nicht weiß warum. Ergasilus . Recht! Befiehl! Hegio .                               Und was befehlen? Ergasilus .                                                         Daß man großes Feuer macht. Hegio . Großes Feuer? Ergasilus .                   Wohl, ein großes! Hegio .                                                     Geierhals, was denkst du denn? Soll ich deinethalb mein Haus anstecken? Ergasilus .                                                         Sei nicht gleich so barsch! Willst du nicht, daß man die Töpf' an's Feuer stellt, die Schüsseln spühlt, Daß man Speck und Zwiebeln schneidet und in heißer Pfanne brät, Daß ein Andrer auf den Fischmarkt geht – Hegio .                                                               Der träumt mit wachem Aug. Ergasilus . Einer Schweinfleisch, Einer Lammfleisch, Einer junge Hühner holt – Hegio . Essen kannst du, wenn du weißt woher. Ergasilus .                                                           Makrelen, Schinken auch, Jungen Thun, Neunaugen, Zander, Störe, süßen Käse dann? Hegio . Dies zu nennen, steht dir frei, doch essen kannst du's nicht bei mir, Freund Ergasilus. Ergasilus .                     Du denkst wohl, meinetwegen sprech' ich so? Hegio . Weder nichts an meinem Tische kriegst du, noch viel mehr als nichts. Darum bringe nur den Magen deiner Alltagskost zu mir. Ergasilus . Nun, so mach' ich, daß du draufgeh'n lässest, und verböt' ich's auch. Hegio . Ich? Ergasilus .   Ja, du! Hegio .                   So bist du denn mein Herr? Ergasilus .                                                         Und gar ein gütiger. Soll ich nun dich glücklich machen? Hegio .                                                       Lieber als das Gegentheil. Ergasilus . Gib die Hand! Hegio .                             Hier. Ergasilus .                                 Alle Götter helfen dir. Hegio .                                                                           Ich merke nichts. Ergasilus . Nun, du bist kein Märker; darum merkst du nichts. Indeß befiehl Rein Geschirr zum heiligen Dienste dir zu bringen, doch geschwind, Auch ein fettes Lamm zu holen – schnell! Hegio .                                                               Wozu? Ergasilus .                                                                     Zur Opferung. Hegio . Welchem Gotte? Ergasilus .                       Mir, ja mir; denn jezt bin ich dein höchster Gott, Deines Glück's und Heiles Schöpfer, deine Sonne, Wonne, Lust; Mache du denn diese Gottheit (auf seinen Bauch deutend)                                                 dir geneigt durch Sättigung! Hegio . Hunger hast du, will mich's dünken. Ergasilus .                                                     Nun, ich hungre mir, nicht dir. Hegio . Wie du willst, ich leid' es gerne. Ergasilus .                                               Kennst du's doch von Jugend auf. Hegio . Gott verdamme dich! Ergasilus .                               Und doch verdient' ich für die Kunde wohl Deinen Dank: so vieles Gute heb' ich aus dem Hafen dir. Hegio . Du gefällst mir nicht; entweiche, Thor! Du kommst für mich zu spät. Ergasilus . Wär' ich eher angekommen, sprächst du so mit größ'rem Recht. Jezt vernimm die Freudenbotschaft: eben sah ich deinen Sohn Philopolemus im Hafen, lebend, munter und gesund, Auf dem öffentlichen Jachtschiff, auch den andern jungen Mann Ebendort, auch den Stalagmus, deinen Knecht, der dir entlief, Und dein erst vierjährig Knäblein, deinen jüngsten Sohn, dir stahl. Hegio . Daß der Henker dich –! Du foppst mich. Ergasilus .                                                           Bei der heiligen Sättigung, Die mich stets mit ihrem Namen schmücken soll, beschwör' ich dir: Ja, ich sah ihn. Hegio .                     Meinen Sohn? Ergasilus .                                       Ja, meinen Schuzgott, deinen Sohn. Hegio . Auch den elischen Gefangnen? Ergasilus .                                             Bei'm Apoll! Hegio .                                                                         Auch meinen Knecht, Der mein Söhnchen stahl, Stalagmus? Ergasilus .                                                   Bei der Kora schwör' ich dir's. Nachdem der Parasit bei dem Apollo geschworen, schwört er bei der Kora, welche sowohl die Göttin Proserpina, als auch eine römische Colonie und Stadt in Campanien sein kann. Diese doppelte Bedeutung des Namens scheint den Wiz herbeizuführen, noch vier andere campanische Städte folgen zu lassen, bei denen er gleichfalls schwört, ohne daß zugleich eine Gottheit dabei verstanden werden könnte. Ob es Zweck des Dichters war, den Einwohnern dieser Städte einen Seitenhieb zu versezen, da sie als barbarische Städte wegen ihrer Rauhheit aufgeführt werden, oder ob jene Städte wirklich unfreundlich, klein und schmuzig waren, und eben deßwegen in Rom zum Sprichworte geworden, oder ob sie vielleicht in dem zweiten punischen Kriege als Bundesgenossinnen des Hannibal und der Karthager den Römern widerwärtig geworden waren, läßt sich jezt nicht mehr mit Sicherheit ausmitteln. Genug, das rauhe Mahl des Alten wird mit ihnen verglichen. Sie heißen barbarische (fremde) Städte, entweder nach der Sitte derjenigen römischen Dichter, die als griechische Nachbildner alles Italische barbarisch nennen, wiewohl sie eigentlich griechische Colonieen waren, oder auch wegen der Unfreundlichkeit ihrer Bewohner und Umgebungen. Köpke . Hegio . Schon vorlängst –? Ergasilus .                           Ja, bei Präneste! Hegio .                                                           Kam er? Ergasilus .                                                                   Ja, bei Signia! Hegio . Auch gewiß? Ergasilus .                 Bei Phrusinon! Hegio .                                               Im Ernste? Ergasilus .                                                           Bei Aletrion! Hegio . Warum schwörst du bei den fremden Städten? Ergasilus .                                                                     Nun, sie sind so rauh, Wie du mir dein Mahl beschrieben. Hegio .                                                     Weh und Jammer über dich! Ergasilus . Freilich, wenn du meinem wahren Worte keinen Glauben schenkst. Doch von welchem Volke war Stalagmus, als er dir entlief? Hegio . Ein Sicilier. Ergasilus .               Jezt nicht mehr; er ist ein Katte, denn er schleppt An der Kette, die man, glaub' ich, ihm als Gattin angetraut. Hegio . Sprachst du das in vollem Ernste, was du da gesagt? Ergasilus .                                                                               Ja wohl. Hegio . Große Götter! Wenn du Wahrheit sprichst, so bin ich neu verjüngt. Ergasilus . Wie? Du willst noch immer zweifeln, nun ichs heilig dir beschwor? Doch am Ende, Hegio, wenn du meinem Schwur nicht glauben willst, Geh zum Hafen. Hegio .                       Gut! Besorge du im Haus, was nöthig ist. Fordre, nimm dir, was du willst; zum Kellermeister mach' ich dich. Der Kellermeister hatte die Oberaufsicht über die ganze Küche, er war Oberspeisemeister: vgl. Scen. 3, V. 1 . Ergasilus . Wenn ich den (auf seinen Bauch deutend)                                 nicht wacker fülle, bläue mich mit Kolben durch. Hegio . Wenn du Wahrheit sprichst, so hast du ewig freien Tisch bei mir. Ergasilus . Wie? Bei wem? Hegio .                                 Bei mir und meinem Sohn. Ergasilus .                                                                       Gelobst du das? Hegio .                                                                                                       Gewiß. Ergasilus . Ich gelobe dir dagegen, daß dein Sohn zurückgekehrt. Hegio . Ordne Alles möglichst gut. Ergasilus .                                       Geh glücklich hin und glücklich her!     ( Hegio geht ab.) Dritte Scene. Ergasilus allein. Ergasilus . (dem Hegio nachblickend) Der ist fort: er hat zum Oberspeisemeister mich ernannt. Großer Gott! Wie will ich nun die Hälse von den Rümpfen hau'n! Wie die Schinken schwinden sollen! Wie viel speck' ich ab vom Speck! Wie die Wampen flammen sollen! Ha, der Schwarten schwere Noth! Wie die Schlächter schwizen sollen! Wie die Schweinehändler gar! Nennt' ich Alles, was dem Bauche winkt, es würde mir zu lang. Jezt enteil' ich in mein Amthaus, halte da dem Speck Gericht, Helfe dann den Schinken, die noch unverurtheilt hängen dort. ( er eilt in die Küche, und wühlt unter den Vorräthen, wo man ihn noch eine Zeit lang wirthschaften sieht. ) Vierte Scene. Ein Sklave des Hegio kommt aus der Küche. Der Sklave . Zeus und die Götter mögen dich und deinen Bauch, Ergasilus, Und euch, Schmarozer, strafen all' und wer Schmarozer künftig nährt! Unwetter, Unheil, Hagelschlag nahm jezt in unserm Hause Plaz. Er that vor Hunger, wie ein Wolf; mir bangte schon, er packe mich. Gewaltig hatt' ich Angst vor ihm: so wies er alle Zähne mir. Eintretend wühlt' er samt dem Fleisch die ganze Speisekammer um, Ergriff ein Beil, und hieb die fettsten Stücke von drei Rümpfen ab, Schlug Töpfe, Flaschen, wenn sie nicht zwei Mezen hielten, all' entzwei. Er fragt den Koch dann, ob man nicht in ganzen Tonnen kochen kann, Bricht alle Vorrathskammern auf, und öffnet jeden Speiseschrank. Ihr Knechte, habt wohl Acht auf ihn; ich will den Herrn jezt suchen geh'n, Auf daß er neuen Vorrath schafft, wenn er davon genießen will. Denn so wie der wirthschaftet, bleibt nichts oder bald nichts mehr zurück.     (er geht ab.) Fünfter Act. Erste Scene. Hegio . Philopolemus . Philokrates . Stalagmus wird in Ketten nachgeführt. Hegio . Dem Zeus und den Göttern verdank' ich's von Herzen, Die dich, meinen Sohn, wieder heimwärts geleitet, Aus Noth, Angst und Trübsal mich huldreich gerettet, Von der ich gebeugt ward, so lang du mir fern warst, Und daß der (auf Stalagmus deutend)                     in unserer Gewalt wieder hier ist, Und der (auf Philokrates zeigend)               seine Treu uns so standhaft bewährt hat. Philopolemus . Schon genug zerriß es mir das Herz mit Schmerz und Sorg' und Thränen, Schon genug von deinem Leide klagtest du mir dort am Hafen: Jezt zur Sache. Philokrates .           Nun – was ist es? Treulich hielt ich dir mein Wort, Habe den (auf Philopolemus deutend)                 dir in die Freiheit heimgeführt. Hegio .                                                               Du thatst an mir, Daß ich niemals dir genug vergelten kann, Philokrates, So wie du's um mich und meinen Sohn verdient. Philopolemus .                                                             Wohl kannst du das, Und wie du, werd' ich es können, Vater. Uns vergönnt ein Gott, Daß du Jedem, der uns wohlthat, nach Gebühr vergelten kannst, Wie du nun auch diesen, Vater, nach Gebühr belohnen wirst. Hegio . Laß doch dies: mir fehlt die Zunge, dir zu weigern, was du willst. Philokrates . Nun, so gib mir meinen Sklaven, den ich als mein Unterpfand Hier zurückließ, der für mich stets besser als für sich gesorgt, Daß ich ihn für seine Wohlthat nach Verdienst belohnen kann. Hegio . Was du Gutes mir gethan, das lohn' ich dir; und nicht allein Dies, auch alles Andre, was du fordern magst, sei dir gewährt. Zürne nur nicht, daß ich ihm in meinem Unmuth Böses that. Philokrates . Böses? Was? Hegio .                                 In Fesseln hab' ich nach dem Steinbruch ihn geschickt, Als ich hörte, daß er mich betrogen. Philokrates .                                             Weh dann über mich, Daß der beste Mensch um meinetwillen solches Leid erfuhr! Hegio . Aber deßhalb will ich keinen Deut für ihn als Lösegeld; Ganz umsonst führ' ihn als Freien fort. Philokrates .                                                 Da thust du schön, fürwahr, Hegio; nun aber bitt' ich, laß den Menschen holen. Hegio .                                                                             Gleich!     (zu den Knechten) He! Wo steckt ihr? Geht geschwind, und holt den Tyndarus hieher! –     (zu Philopolemus und Philokrates ) Tretet ein! Indessen will ich bei der Prügelsäule Hegio nennt den Stalagmus eine Säule , weil er stumm dasteht, eine Prügel säule als den Sklaven, der Schläge verdient, und sie zu voller Genüge einnimmt. hier     (auf Stalagmus deutend) Mich befragen, was mit meinem jüngsten Sohn geschehen ist. Nehmet ihr indeß ein Bad. Philopolemus . (zu Philokrates )   Komm mit hinein. Philokrates .                                                           Ich folge dir     (Beide ab in's Haus.) Zweite Scene. Hegio . Stalagmus . Hegio . He du, komm doch näher her, du wackrer Mann, du feiner Knecht! Stalagmus . Was soll ich beginnen, wenn ein Mann, wie du, zum Lügner wird? War ich doch nie wacker, fein und artig, taugte niemals viel; Daß ich jemals etwas taugen werde, darauf rechne nicht. Hegio . Endlich geht dir wohl ein Licht auf, wie's mit deinen Sachen steht. Wenn du wahr bist, wird es dir statt schlimm ein bischen besser geh'n. Sprich gerad' und offen; freilich – offen und gerade warst Du noch niemals. Stalagmus .                 Glaubst du wohl, ich schäme mich, das zu gesteh'n? Hegio . Wart, du sollst dich schämen; schamroth mach' ich dich am ganzen Leib. Stalagmus . Ho! Mit Schlägen drohst du, meinst wohl, daß ich die nicht kenne? Laß Das beiseit' und sprich, was bringst du? daß du kriegst, was du verlangst. Hegio . Wie beredt du bist! Doch hab' ich jezt die vielen Worte satt. Stalagmus . Wie du willst. Hegio . (bei Seite)               Als Knabe war er folgsam; jezt ist's nicht am Ort. Doch zu Anderm! (laut)                             Höre jezt und sage, was ich wissen will. Sprichst du wahr, wird dir's in deiner schlimmen Lage besser sein. Stalagmus . Possen das! Du glaubst vielleicht, ich wisse nicht, was ich verdient? Hegio . Kannst du Allem nicht entgehen, so doch etwas Wenigem. Stalagmus . Wenigem, ich weiß; denn Vieles wird mich treffen, und mit Recht, Weil ich fortlief, weil ich dir den Sohn gestohlen und verkauft. Hegio . Wem? Stalagmus .   Dem reichen Theodoromedes, der in Elis wohnt, Um sechs Minen. Hegio .                         Ewige Götter! Das ist ja Philokrates' Vater. Stalagmus .   Ja; den kenn' ich besser noch, als dich, und sah ihn oft. Hegio . Großer Zeus, o laß mich nicht verderben, mich und meinen Sohn! Komm heraus, Philokrates! Bei deinem Schuzgeist fleh' ich dir. Dritte Scene. Hegio . Stalagmus . Philokrates (kommt aus dem Hause). Philokrates . (zu Hegio ) Hier bin ich; was befiehlst du mir? Hegio .                                                     Der hier behauptet, daß er einst In Elis deinem Vater für sechs Minen meinen Sohn verkauft. Philokrates . Wie lange wäre das gescheh'n? Stalagmus .                                                     Es werden zwanzig Jahre sein. Philokrates . Da lügt er. Stalagmus .                     Ja, du oder ich. Du warst es, dem dein Vater einst Den Knaben von vier Jahren zum Gespielen gab als Eigenthum. Philokrates . Wie hieß er? Wenn du Wahres sprichst, so sagst du mir den Namen wohl. Stalagmus . Man hieß ihn Pägnium; später gabt ihr ihm den Namen Tyndarus. Philokrates . Warum erkenn' ich dein Gesicht nicht mehr? Stalagmus .                                                                         Es ist der Menschen Art, Den nicht zu kennen, dessen Gunst uns nicht besonders wichtig ist. Philokrates . So sage mir: ist jener, den du meinem Vater einst verkauft, Derselbe, der als eigen mir gegeben ward? Stalagmus .                                                         Des Mannes Sohn.     (auf Hegio deutend) Hegio . Und lebt der Mensch noch? Stalagmus .                                     Ich empfing mein Geld, und sorgt' um weiter nichts. Hegio . (zu Philokrates ) Was sagst du? Philokrates .          Wenn sich Alles so verhält, wie der es vorgebracht, Ist jener Tyndarus dein Sohn; denn dieser ward von Kindheit auf In Zucht und Ehrbarkeit mit mir erzogen bis zur Jünglingszeit. Hegio . Wenn ihr die Wahrheit sagtet, bin ich glücklich und elend zugleich, Deßwegen elend, weil ich an dem eignen Sohne Böses that. O Gott! Warum auch that ich mehr und minder ihm, als billig war? Mich quält das Unrecht, das ich that: o macht' ich's doch nur ungescheh'n! Da kommt er, ach, in einem Schmuck, den seine Tugend nicht verdient! Vierte Scene. Tyndarus , in Ketten geschmidet, mit einer Steinaxt in der Hand. Hegio . Philokrates . Stalagmus . Tyndarus . (für sich) Manche Marter sah ich schon gemalt, die man vom Acheron Sich erzählt; doch solche Höll' ist keine mehr in dieser Welt, Als ich sie bestand im Steinbruch. Dort, ja dort ist recht der Ort, Wo die Mattigkeit durch Arbeit ausgepeitscht wird aus dem Leib. Denn man gab mir, als ich ankam, wie man Kindern von Geburt Kleine Dohlen, Enten, Wachteln, um damit zu spielen, gibt, Diesen Hämmerling (auf die Steinaxt deutend)                                   zu meiner Unterhaltung in die Hand.     (er erblickt den Hegio ) Doch der Herr steht vor der Thür, und auch der andre kam zurück. Hegio . Sei willkommen, mein ersehnter Sohn! Tyndarus .                                                         Wie? Was? Ersehnter Sohn? Ach, ich weiß, du nennst dich meinen Vater und mich deinen Sohn, Weil du heute, gleich den Eltern, mich an's Licht des Tages bringst. Philokrates . Gruß dir, Tyndarus! Tyndarus .                                     Auch dir, um den ich solches Leid erlitt. Philokrates . Dafür wird dir jezt die Freiheit, wird dir Reichthum. Dieser hier Ist dein Vater, hier der Sklave, der dich als vierjährig Kind Stahl, und meinem Vater um sechs Minen dich verkaufte: der Schenkte dich dann, noch ein Kind, mir, seinem Kind, als Eigenthum. So gestand uns der: wir brachten ihn von Elis mit hieher. Tyndarus . Was? Ich wäre dessen Sohn hier? Philokrates .                                                   Drinnen ist dein Bruder auch. Tyndarus . Was du sagst! Du brachtest auch den kriegsgefangnen Sohn zurück? Philokrates . Drinnen ist er, sag' ich. Tyndarus .                                         Nun, das hast du schön und brav gemacht. Philokrates . So ist dies dein Vater, dies dein Dieb, der dich als Kind geraubt. Tyndarus . Und ich liefr' ihn, Mann den Mann, für seinen Raub dem Henker aus. Philokrates . Er verdient's. Tyndarus .                           Drum eben wird ihm nach Verdienst verdienter Lohn.     (zu Hegio ) Doch ich bitte, bist du denn mein Vater? Hegio .                                                             Ja, ich bin's, mein Sohn. Tyndarus . Nun erst kann ich mich entsinnen, denk' ich so bei mir zurück, Nun erst dämmert mir's von ferne, wie ein Nebel, wieder auf, Daß ich einst einmal gehört, mein Vater heiße Hegio. Hegio . Ja, der bin ich. Philokrates . (zu Hegio )   Auf, erleichtre deinen Sohn um diese Last, Und beschwere dort den Sklaven. Hegio .                                                   Ja, dies soll mein Erstes sein! Kommt hinein! Man soll den Schmid uns holen, um die Kettenlast Dir zu nehmen, ihm zu geben. Stalagmus .                                     Recht! So komm' ich doch zu was. Epilog der Schauspieler Werthe Bürger, dieses Stück ist züchtig und von keuscher Art. Keine Buhlschaft, keine Liebeleien finden sich darin, Nichts von unterschobnen Kindern, nichts von abgelocktem Geld; Kein Verliebter kauft ein Mädchen hinter seinem Vater los. Selten nur erfinden Dichter solcher Art Comödien, Wo die Guten besser werden. Aber nun, wenn's euch gefällt, Wenn wir euch gefielen, nicht langweilten, gebt ein Zeichen uns: Ist die Sittsamkeit noch eines Kranzes werth, so klatschet brav! Uebersicht der Sylbenmaße. Prolog V. 1 –68. Vollständige sechsfüßige Jamben. Erster Act. Erste Scene . V. 1 –41. Sechsfüßige Jamben. Zweite Scene . V. 1 –85. Sechsfüßige Jamben. Zweiter Act. Erste Scene . V. 1 . 2. Vollständige achtfüßige Jamben ( tetrametri jambici acatalectici ). V. 3 . Ein vierfüßiger jambischer Vers ( dimeter jambicus acatalecticus ). V. 4 –6. Achtfüßige Jamben. V. 7 . Ein zweifüßiger baccheischer Vers ( dimeter bacchiacus ). V. 8 . Ein achtfüßiger jambischer Vers. V. 9 . Ein sechsfüßiger jambischer Vers. V. 10 . Ein achtfüßiger jambischer Vers. V. 11 . 12. Vierfüßige kretische Verse ( tetrametri cretici ). V. 13 . Ein vierfüßiger jambischer Vers. V. 14 . 15. Vierfüßige kretische Verse. V. 16 . 17. Vollständige achtfüßige Trochäen. V. 18 . 19. Vierfüßige kretische Verse. V. 20 . Ein zweifüßiger Kretiker. V. 21 . 22. Vierfüßige Kretiker. V. 23 . Ein zweifüßiger Kretiker. V. 24 . 25. Vierfüßige Kretiker. V. 26 . Ein zweifüßiger Kretiker. V. 27 . Ein vierfüßiger Kretiker. V. 28 . Ein vollständiger achtfüßiger jambischer Vers. V. 29 –31. Vierfüßige kretische Verse. V. 32 . Ein vierfüßiger baccheischer Vers. V. 33 . Ein sechsfüßiger jambischer Vers. V. 34 . Ein vierfüßiger Jambe. V. 35 –38. Vierfüßige Baccheen. V. 39 . Ein vierfüßiger Kretiker. V. 40 . Ein sechsfüßiger Jambe. V. 41 . Ein vierfüßiger trochäischer Vers. V. 42 –49. Vierfüßige kretische Verse. V. 50 –53. Vollständige achtfüßige Trochäen. V. 54 –60. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Zweite Scene . V. 1 –109. Vollständige achtfüßige Jamben. In der Urschrift sind es unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 110 –133. Sechsfüßige jambische Verse. V. 134 –208. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Dritter Act. Erste Scene . V. 1 –37. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Zweite Scene . V. 1 . Dochmischer Monometer ( ∙ – – ∙ –). V. 2 . 3. Vierfüßige kretische Verse. V. 4 . Ein anapästischer Dimeter. V. 5 . Ein vollständiger achtfüßiger trochäischer Vers. V. 6 . Ein unvollständiger sechsfüßiger trochäischer Vers V. 7 . Ein vollständiger trochäischer Dimeter. V. 8 . Ein vierfüßiger baccheischer Vers. V. 9 . Ein abgekürzter trochäischer Dimeter. V. 10 . Ein überzähliger anapästischer Monometer. V. 11 . Ein dochmischer Monometer. V. 12 . 13. Zweifüßige baccheische Verse. V. 14 . Ein vierfüßiger baccheischer Vers. V. 15 . Ein unvollständiger trochäischer Tetrameter. V. 16 . Ein vollständiger trochäischer Tetrameter. V. 17 . 18. Unvollständige trochäische Tetrameter. V. 19 . 20. Unvollständige jambische Tetrameter. Dritte Scene . V. 1 –9. Vollständige achtfüßige Jamben. V. 10 . Ein sechsfüßiger jambischer Vers. V. 11 –14. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 15 . Ein sechsfüßiger jambischer Vers. V. 16 . 17. Vollständige achtfüßige Jamben. Vierte Scene . V. 1 –8. Vollständige achtfüßige Jamben. V. 9 –125. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Fünfte Scene . V. 1 –92. Sechsfüßige Jamben. Sechste Scene . V. 1 –17. Sechsfüßige Jamben. Vierter Act. Erste Scene . V. 1 . 2. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 3 –13. Vollständige achtfüßige Jamben. Zweite Scene . V. 1 –3. Vierfüßige Baccheen. V. 4 . Ein unvollständiger jambischer Dimeter. V. 5 –10. Vierfüßige Baccheen. V. 11 –120. Unvollständige trochäische Tetrameter. Dritte Scene . V. 1 –8. Unvollständige trochäische Tetrameter. Vierte Scene . V. 1 –13. Vollständige jambische Tetrameter. Fünfter Act. Erste Scene . V. 1 –6. Vierfüßige baccheische Verse. V. 7 . 8. Vollständige trochäische Tetrameter. V. 9 –32. Unvollständige trochäische Tetrameter. Zweite Scene . V. 1 –24. Unvollständige trochäische Tetrameter. Dritte Scene . V. 1 –20. Vollständige jambische Tetrameter. Vierte Scene . V. 1 –31. Unvollständige trochäische Tetrameter. Epilog. V. 1 –8. Unvollständige trochäische Tetrameter.