Plautus. Der Hausgeist. ( Mostellaria ) Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Leipzig und Heidelberg C. F. Winter'sche Verlagshandlung. 1865. Personen. Theuropides , ein reicher Handelsmann in Athen . Philolaches , dessen Sohn . Tranio , Haussklave und Vertrauter des Philolaches . Grumio , Sklave im Hause und auf dem Landgut des Theuropides . Philematium , Geliebte des Philolaches . Skapha , ihre Magd . Kallidamates , Freund des Philolaches . Delphium , Geliebte des Kallidamates . Phaniskus , Sklave des Kallidamates . Ein anderer Sklave desselben . Simo , ein alter Hausbesizer, Nachbar des Theuropides . Silberfeind ( Misargyrides ), ein Wucherer . Sklaven . Die Scene ist eine Straße in Athen. Erster Act Zweiter Act Dritter Act Vierter Act Fünfter Act ————— Sylbenmaße Erster Act. Erste Scene. Grumio . Tranio . Grumio . (ruft in's Haus hinein) Marsch aus der Küche! Fort mit dir, du Galgenbrand! Was wirfst du bei den Schüsseln mir Spottreden zu? Fort, du Verderben deines Herrn, zum Haus hinaus! Wart! Auf dem Dorfe bläu' ich dich noch tüchtig durch. Fort, sag' ich, Küchendunst! Warum versteckst du dich? Tranio . (kommt hinter ihm aus der Küche) Was, Wetter, soll der Lärmen vor der Thüre hier? Du glaubst dich auf dem Dorfe. Pack vom Haus dich weg! Fort auf das Dorf! Zum Henker! Weg von der Thüre da! (er schlägt ihn) Nun? Hast du, was du wolltest? Grumio .                                             Au! Was schlägst du mich? Tranio . Du willst es ja. Grumio .                         Gut! Warte nur, der Alte kommt; Er kommt gesund heim, (warte nur!) indeß ihr ihn Abwesend aufzehrt. Tranio .                           Weder wahr noch glaublich ist's, (Wie magst du doch nur solchen Unsinn schwazen, Strolch?) Daß Einer einen Andern, der abwesend ist, Aufzehren kann. Grumio .                     Du Possenreißer aus der Stadt, Du Liebling alles Pöbels, wirfst das Dorf mir vor? Vermuthlich, Tranio, weil du weißt, sie werden bald Dich in die Mühle sperren Die Mühle ist der Plaz, wo das Getreide auf Handmühlen gemahlen wird. Dahin geschickt zu werden, galt für eine der härtesten Strafen bei Sklaven. Die mahlenden Sklaven hatten eine Maschinerie um den Hals, durch welche sie gehindert wurden, auch nur mit den Händen in das Gesicht zu kommen, damit sie nicht vom Getreide essen konnten. Vgl. die Anmerkung zur Andria des Terenz 1, 2, 28. ; wenig Tage noch, So mehrst du sicher auf dem Dorf die glänzende Geschloss'ne Schaar der Kettenreiber Sklaven, die etwas verbrochen hatten, wurden auch an Ketten gelegt. Solche Sklaven heißen bei Plautus Kettenreiber, ferriteri und ferritribaces, oder, wie in unserer Stelle, genus ferratile. , Tranio. Jezt noch, so lange dir's beliebt, so lang es geht, Verschleudre, trink dich toll und voll, verführe noch Den besten Jungen von der Welt, den Sohn des Herrn: Zecht, schlemmet Tag' und Nächte durch nach Griechenart: Kauft Freudendirnen, macht sie frei, und füttert euch Schmarozer: schmaust wie Götter, lebt in Saus und Braus! Hat das der Alte, wie er in die Fremde fuhr, Dir aufgetragen? Soll er einst in dieser Art Sein Haus bestellt antreffen, wenn er wiederkommt? Wie? Hältst du das für eines treuen Knechtes Pflicht, Daß er zu Grunde richte Gut und Sohn des Herrn? Denn ganz zu Grunde geht er, wenn er also haust. Er, dem von allem jungen Volk Athens zuvor Kein Andrer gleichkam in Bescheidenheit und Zucht, Er hat im Gegentheile nun den Preis erlangt. Das dankt er deinem Treiben, deinem Unterricht. Tranio . Was geht (um alle Wetter!) dich mein Treiben an? Gibt's auf dem Dorf nicht Ochsen, die du ziehen kannst? Ich zeche, liebe, gehe gern nach Mädchen aus, Und meine Haut, nicht deine, läuft dabei Gefahr. Grumio . Wie frech er redet! Tranio .                                 Strafte dich doch Jupiter Und alle Götter! Pfui, du riechst nach Zwiebelsaft! Du ächter Unflat! Bauer! Bock! Du Schweinestall! Bastard von Hund und Ziege! Grumio .                                         Was verlangst du denn? Nicht Alle können duften von Lavendelöl, Noch obenan zu Tische sizen, so wie du; Nicht Alle kosten seine Leckerei'n, wie du. Die Tauben, Fische, Vögel, die behalte du; Laß mir das mir Beschied'ne, mein Knoblauchgericht. Du lebst im Glück, ich elend: gern ertrag' ich dies. Mein Glück, es soll noch kommen, wie dein Ungemach. Tranio . Fast kommt mir's vor, als wärst du neidisch, Grumio, Weil mir's so wohl, dir übel geht. Das ist gerecht. Mir ziemt's zu lieben, dir, der Ochsenknecht zu sein; Mir ziemt ein flottes Leben, dir ein ärmliches. Grumio . O Sieb der Henkersknechte! Traun, das wirst du noch. So werden sie mit Stacheln unter'm Kreuz die Haut Dir auf dem Weg durchlöchern »Die Henkersknechte werden dir mit Ochsenstacheln den Rücken so durchlöchern, daß er zum Siebe werden wird, wenn du dein patibulum, worunter man die Querbalken des Kreuzes zu verstehen hat, auf offener Straße tragen wirst.« , wenn der Alte kommt. Tranio . Wie kannst du wissen, ob dich das nicht eher trifft? Grumio . Weil ich es nie verdiente, du schon oft, wie jezt. Tranio . Erspare dir die Worte, wenn dich's nicht verlangt, Von einem großen Uebel Unter dem »großen Uebel« sind Schläge gemeint. heimgesucht zu sein. Grumio . Bekomm' ich Wickenfutter für das Vieh? Wo nicht, So gebt mir Geld, zu kaufen. Sonst macht immer fort, Wie ihr's begonnen, zecht und schlemmt nach Griechenart »Zecht und schlemmt nach Griechenart.« Die Griechen der späteren Zeit (bemerkt Köpke zu V. 21 ) standen in dem Rufe, große Säufer zu sein, wovon auch das hier nach ihrem Volksnamen gebildete Wort ( pergraecari ) zeugt, welches Cicero umschreibt durch graeco more bibere (in Verr. I. c 26. ). Der Scholiast (Asconius Pedianus) erklärt dies entweder von den größeren Bechern, deren sie sich bei ihren Trinkgelagen bedient hätten, oder (vielleicht wahrscheinlicher) von der Sitte, die Götter und die einzelnen anwesenden Freunde in unvermischtem Weine hoch leben zu lassen, und bei dieser Gelegenheit also mehr zu trinken, als sie ertragen konnten. Zur Erläuterung kann vielleicht auch die Stelle in den Tusculanen (5, 41) dienen, wo Cicero sagt, es sei bei den griechischen Gastmahlen Gesez: »Sauf oder lauf.« (πίθι η άπιθι), durch welches also alle Nichtzecher ausgeschlossen, und die Nüchternen den Angriffen der Trunkenen entzogen werden sollten. ; Freßt, mästet euch, und schlachtet, was gemästet ward. Tranio . Sei still, und geh auf's Dorf! Ich will zum Hafen geh'n, Um Fische mir zu kaufen für das Abendmahl. Das Futter bringt man morgen dir auf's Gut hinaus. – Was siehst du mich denn immer an, du Galgenbrand? Grumio . So nennt dich demnächst alle Welt, bedünkt es mich. Tranio . Wenn's nur so fortgeht, kümmert dein » demnächst « mich nicht. Grumio . Mag sein; doch Eines merke noch: viel schneller kommt Uns stets, was widerwärtig ist, als was man wünscht. Tranio . Du bist mir lästig; packe dich auf's Dorf hinaus, Und wisse, fortan hältst du mich nicht länger aus. (er geht ab.) Grumio . Da geht er, und beachtet all mein Reden nicht. – Ihr ewigen Götter, eure Hülfe fleh' ich an, Macht, daß der Alte möglichst bald heimkommt – er ist Drei Jahre schon von Hause weg – eh' Alles hier, Haus, Hof und Feld, zu Grunde geht! Denn kommt er nicht, So bleibt auf wenig Monde nur Vorrath für uns. Ich will auf's Land geh'n. Denn da kommt mein junger Herr, Der, einst der beste Junge, jezt der schlimmste ward. (geht ab.) Zweite Scene. Philolaches . Mir ging's lang im Kopf um, und lang sann ich drüber, Und vielfach bedacht' ich's und viel überlegt' ich's, Besprach es im Geist, wenn der Mensch einen Geist hat, Erwog alle Gründe dafür und dawider: Womit ich den Menschen, sobald er geboren, Als Abbild vergliche, so daß es ihm ähnle. Nun fand ich das Abbild. Der Mensch kommt mir vor, wie ein neues Gebäude, Nachdem er geboren. Ich will es beweisen. Und mag dies für jezt euch nicht wahrscheinlich dünken, Doch will ich es darthun, so daß ihr mir's glaubet, Will, daß sich's verhält, wie ich sage, bewähren. Ihr selbst auch, ich weiß das gewiß, ihr bekennt mir, (So wie ich's im Voraus erkläre,) sobald ihr Gehört, was ich sage, bekennt unverhohlen, Es sei gar nichts anders. Vernehmt nun die Gründe für meine Behauptung, Auf daß ihr die Sache so gut, wie ich selbst, wißt. Sogleich, wenn ein Haus aufgerichtet, gemauert, Gezimmert, und wohl nach dem Richtmaß gefügt ist, So lobt man den Meister, lobt was er geschaffen, Und Jeder will ein Muster sich am fremden Werke nehmen, wünscht Das Gleiche sich für's eigne Geld, und wendet alle Mühe dran. Aber wenn dann ein unsaubrer, unnüzer Mensch, Faul und unordentlich, es bezieht, und mit ihm Hausgesinde, träg und schmuzig; dann bekommt das Haus sofort Einen Riß, so gut es sonst war, weil es schlecht gehalten wird. Oefter auch trifft sich's wohl, Sturm und Unwetter tobt, Reißt die Ziegel und die Rinnen auf dem Dache knack entzwei; Und da will unser fahrläss'ger Herr nicht daran, Daß er neue machen läßt. Regen kommt, tränkt die Wand, mächtig dringt Wasser die Balken durch, an der Luft fault des Werkmeisters Kunst. Schlimmer ist's um das Haus jezt bestellt; doch die Schuld Trägt des Werks Meister nicht; nein, es ist dies die Art Mancher Menschen, wenn man was um einen Pfennig flicken kann, Thun sie nichts und zögern immer, bis die Wand zusammenstürzt. Und so wird zulezt das ganze Haus von Grund aus neu erbaut. So viel sag' ich euch vom Hause. Jezt erklär' ich weiter noch, Wie ihr euch die Menschen einem Hause gleich zu denken habt. Zuerst sind die Eltern die Bauherrn der Kinder; Sie legen den Grund für die Kinder, erzieh'n sie, Und bilden mit Sorgfalt und schaffen ein festes Besteh'n, daß sie, brauchbar, dem Volk auch gefallen. Sie sparen nicht Mühe noch Geld; aller Aufwand Ist ihnen kein Aufwand. Sie bilden, sie lehren Schrift, Recht und Geseze. Mit Aufwand und Arbeit Streben sie, daß mancher Mann sich Kinder wünscht, den ihren gleich. Und geht es zum Heere, Dann geben sie zur Stüze wohl den Söhnen einen Vetter mit. So zieh'n sie hin, und sind vorerst von Zimmerern und Meistern frei, Ist drauf ein Jahr im Feld vorbei, Erkennt sich's an der Probe leicht, wohin der Bau sich neigen will. Ich selbst benahm mich immer fromm und tadellos, So lang der Bauherr mich bewahrt' in seiner Hut. Doch später, als ich meinen eignen Kopf bezog, War meines Meisters lange Müh mit Eins dahin. Es kam die Trägheit; diese war für mich der Sturm, Der Hagel und Plazregen mir herbeigeführt. Der hat die Scham mir und der Tugend Maß zerstört, Und Alles wie mit Einem Schlage bloßgedeckt. Es auszubessern war ich dann zu träg. Sofort Kam, gleich dem Regengusse, Lieb' in meine Brust; Sie drang in ihre Tiefen ein, durchweichte mir Das Herz. Da schwand Ruf, Ehre, Gut, der Tugend Schmuck Dahin; im Leben ward ich viel nichtswürdiger. Und traun, in nassem Moder fault und morscher stets Wird dies Gebälk, unmöglich scheint es mir, das Haus Noch auszubessern, ohne daß es ganz und gar Zusammenstürzt, und samt dem Grundstein untergeht, Da Niemand mehr ihm helfen kann. Schmerz erfüllt meine Brust, denk' ich dran, was ich war, Was ich bin. Keiner war unter allen Jünglingen, Der sich auf Scheibe, Speer, Ball und Lauf, Kampf und Roß, Mehr, denn ich, eingeübt. Ha, wie froh lebt' ich da! Andre lernten Mäßigkeit und harte Lebensart von mir, Und die besten Menschen drängten sich um mich zum Unterricht. Jezt bin ich ein Taugenichts, und ward es ganz durch eigne Schuld. (er tritt auf die Seite.) Dritte Scene. Philematium und Skapha treten von der anderen Seite vor die Hausthüre. Philolaches wird von Beiden nicht bemerkt. Philematium . Seit lange hab' ich nicht so gern im Kalten mich gebadet, Noch fühlt' ich jemals saubrer mich gewaschen, liebe Skapha. Skapha . In diesem Jahr glückt Alles, wie die Ernte groß gewesen. Philematium . Was aber hat die Ernte denn mit meinem Bad zu schaffen? Skapha . Gerade so viel, als dein Bad mit der Ernte. Philolaches . (aus der Entfernung)                               Holde Venus! Das ist mein Sturm, der alle Zucht, mit der ich einst bedeckt war, Mir abgedeckt, den Amor und Cupido tief in's Herz mir Geregnet hat: und nirgends mehr vermag ich zuzudecken. Feucht sind des Herzens Wände schon; dies Haus geht völlig unter. Philematium Betrachte mich, sieh, ob das Kleid mir ansteht, liebe Skapha. Ich möchte gern Philolaches gefallen, meinem Liebsten. Skapha . Du bist so schön: was willst du dich durch schönen Anzug schmücken? Des Kleides Inhalt lieben nur die Buhler, nicht die Hülle. Pilolaches . (bei Seite) Die Schelmin ist doch recht gewandt, die Skapha, die versteht es, Weiß Alles, was ein Liebender sich wünscht, wie's ihm um's Herz ist. Philematium . Wie nun? Skapha .                         Was ist es? Philematium .                                   Sieh mich an, und schau, wie das mich kleidet. Skapha . Das dankst du deiner Schönheit, Kind, daß, was du trägst, dir gutsteht. Philolaches . (bei Seite) Für diese Worte, Skapha, werd' ich heute dich beschenken. Die meine Lust ist, sollst du nicht umsonst gepriesen haben. Philematium . Still! Keine Schmeichelei'n! Skapha .                                                       Du bist auch gar zu närrisch, Mädchen. Willst lieber falschen Tadel wohl, als wie mit Recht gelobt sein! Ich will, und wär's auch ohne Grund, mich lieber loben lassen, Als daß man über mich mit Grund loszieht und mich verspottet. Philematium . Ich liebe Wahrheit; Wahrheit will ich hören; Lügner hass' ich. Skapha . So wahr du mich, Philolaches dich liebt, du bist gewiß schön! Philolaches . (bei Seite) Was sagst du, Mensch? Was schwurst du denn: »so wahr als ich sie liebe?« Warum nicht auch: »so wahr sie mich?« Nichts wird aus dem Geschenke. Du gehst zum Geier! Was ich dir versprochen, ist verloren. Skapha . Mich wundert's, daß ein Mädchen, so gescheidt, so fein erzogen, Wie du, so dumme Streiche macht. Philematium .                                         So rathe, wenn ich fehle. Skapha . Du fehlst, bei'm Himmel, wenn du nur zu Willen lebst dem Einen, Nur ihm dich hingibst, ihm nur dienst, und Andre gar verachtest. Nicht Buhlerinnen, Frauen ziemt's, nur Einem Mann zu dienen. Philolaches . (wie vorhin) Gerechter Gott! Welch böser Geist geht um in meinem Hause? Die Götter alle sollen mich mit allen Qualen tödten, Wenn ich das Weib durch Hunger nicht, durch Durst und Kälte tödte! Philematium . Mit deinen schlechten Lehren sei mir still! Skapha .                                                                             Wohl bist du thöricht, Zu glauben, daß er dein Galan, dein Freund auf ewig bleibe. Hat er dich lang, hat er dich satt, so wird er dich verlassen. Philematium . Ich hoff's nicht. Skapha .                                   Ungehofftes kommt viel öfter, als Gehofftes. Kurz, kann ich dich durch Worte nicht bestimmen, mir zu glauben, Wohlan, so lehre dich die That! Was bin ich, und was war ich? Wie du, so ward auch ich geliebt, willfahrte nur dem Einen, Der dennoch, als die Haare hier vor Alter grau sich färbten, Treulos mich aufgab. Glaube mir: so wird's auch dir ergehen. Philolaches . (wie vorhin) Kaum halt' ich mich, der Hezerin die Augen auszukrazen. Philematium . Er ganz allein hat mich allein befreit mit seinem Gelde. Ihm ganz allein bin ich allein, denk' ich, Ergebung schuldig. Philolaches . (wie vorhin) Du großer Gott! Welch holdes Kind, wie sittsam und wie züchtig! Wie lob' ich's und wie freut mich's, daß ich ihretwegen arm bin! Skapha . Bei Gott, du bist nicht klug! Philematium                                       Warum? Skapha .                                                             Weil du dich darum kümmerst, Daß er dich liebt. Philematium .               Wie sollte mich's nicht kümmern? Skapha .                                                                               Was du wolltest, Errangst du ja, du wurdest frei; will er dich nicht mehr lieben, Verlor er, was er ausgelegt an Geld, um dich zu lösen. Philolaches . (wie vorhin) Ich will verflucht sein, wenn ich die nicht jämmerlich erwürge, Die Kupplerin, die mir das Kind verführt, die Schlangenzunge. Philematium . Nie recht verdanken kann ich ihm, was er um mich verdient hat. O rathe mir nicht, Skapha, daß ich ihn geringer schäze. Skapha . Bedenke nur dies Eine, wenn du ihm allein dich hingibst, So lang dir noch die Jugend blüht, beklagst du's einst im Alter. Philolaches . (wie vorhin) Ich möchte jezt zur Bräune mich verwandeln, in die Gurgel Der Hexe fahren, und den Balg, die Kupplerin, erwürgen. Philematium . Ich muß, nachdem er mir willfahrt, so dankbar mich beweisen, Als ehedem, bevor ich mir's errang durch Schmeicheleien. Philolaches . (wie vorhin) Der Himmel soll mich strafen, kauft' ich nicht zum zweiten Male Dich wegen dieser Rede los, erwürgte nicht die Skapha! Skapha . Wenn dir's verbürgt ist, daß es dir am Brode nie gebreche, Und daß er dein treueigner Freund durch's ganze Leben bleibe, Willfahre dann nur ihm allein, und laß die Haare wachsen! »Willfahre dann nur ihm allein, und laß die Haare wachsen.« Buhlerinnen trugen das Haar gewöhnlich kurz verschnitten, während ehrbare Hausfrauen und wohl auch bessere Buhlerinnen, die nur Einem Manne sich hingaben, die Haare wachsen ließen. Philematium . Nachdem ein Mensch im Rufe steht, erwirbt er sich Vermögen. Bewahr' ich mir den guten Ruf, so werd' ich reich genug sein. Philolaches . (wie vorhin) Und muß ich was verkaufen, soll mein Vater eher feil geh'n, Als daß du mir, so lang ich bin, je darbest oder bettelst. Skapha . Den Andern, die dich lieben, wie soll's diesen geh'n? Philematium .                                                                             Sie werden, Sobald sie meine Dankbarkeit seh'n, um so mehr mich lieben. Philolaches . (wie vorhin) O käme mir die Kunde jezt, mein Vater sei gestorben! Ich würde mich enterben und nur sie zur Erbin machen. Skapha . Ihr schmaust, ihr zecht bei Tag, bei Nacht, als wolltet ihr euch mästen; An Sparen wird nicht mehr gedacht; bald wird das Gut verthan sein. Philolaches . (wie vorhin) So will ich doch zuerst an dir mit Sparen es versuchen! Du sollst bei mir in nächster Zeit nichts essen und nichts trinken. Philematium . Wenn du von ihm was Gutes sagen willst, so kannst du's sagen; Doch wenn du Böses sprichst von ihm, bekommst du wahrlich Schläge: Damit du siehst, wie herzlich ich ihn liebe. Philolaches . (wie vorhin)                                     Bin doch wacker: Den Anwalt hab' ich freigemacht, für mich das Wort zu führen. Traun, hätt' ich auch dem höchsten Zeus mein baares Geld geopfert, Das ich, sie freizukaufen, gab, wär's nicht so gut verwendet. Skapha . Ich sehe, daß Philolaches dir höher gilt, als Alle. Jezt, daß du seinetwegen mich nicht schlägst, bin ich's zufrieden, Wenn du gewiß bist, daß er dir auf ewig eigen sein wird. Philematium . Bringe mir geschwind den Spiegel und das Kästchen mit dem Schmuck, Skapha, daß ich hübsch geschmückt bin, kommt mein Herz, Philolaches. Skapha . Frauen, die an ihrer Schönheit zweifeln, dient der Spiegel wohl, Dir gewiß nicht, die du selbst der Spiegel schönster Spiegel bist. Philolaches . (wie vorhin) Für dies Wort, damit du, Skapha, nicht umsonst was Hübsches sagst, Sollst du heut was Hübsches kriegen, – theure Philematium! Der Skapha wird das Geschenk versprochen, und doch geht die Rede des Philolaches mit den Worten aus: »theure Philematium!« Diese ist es doch eigentlich nur, die seine ganze Seele füllt, und in Bezug auf diese können auch nur die Aeusserungen der Skapha Werth für ihn haben, und Belohnung zu verdienen scheinen. Daher kommt auch das volle Herz des liebenden Jünglings auf sie wieder zurück, sollte er auch weiter nichts, als einen entzückten Ausruf über sie, zum Besten geben. Köpke. Philematium . Sieh doch: sind die Locken alle, zierlich, wie sich's ziemt, gelegt? Skapha . Glaube mir, so zierlich, wie du selbst, sind deine Locken auch. Philolaches . (wie vorhin) Saht ihr jemals was Verrucht'res auf der Welt, als dieses Weib? Gegnerin noch eben, macht die Arge jezt die Schmeichlerin. Philematium . Gib mir Bleiweiß! Skapha .                                       Wozu Bleiweiß? Philematium .                                                           Mich zu schminken im Gesicht. Skapha . Kommt mir vor, als färbtest du das Elfenbein mit Schwärze weiß. Philolaches . (wie vorhin) Elfenbein und Schwärze, bravo! Skapha, das war schön gesagt. Philematium . Gib mir denn die rothe Schminke! Skapha .                                                               Nimmermehr! Du bist nicht klug. Wie? Mit neuer Schminke fälschen wolltest du das schönste Werk? Keine Schminke darf berühren, wer in deinem Alter steht, Weder rothe, weder weiße, weder eine Tünche sonst. Nimm den Spiegel! (Philematium nimmt den Spiegel, und nachdem sie ihr Bild wohlgefällig darin beschaut hat, küßt sie ihn.) Philolaches . (wie vorhin)   Wehe mir! Sie gab dem Spiegel einen Kuß. Hätt' ich einen Stein, dem Spiegel schlüg' ich gleich die Augen ein. Skapha . Nimm das Leintuch, wische dir die Hände mit! Philematium .                                                                   Wozu denn dies? Skapha . Daß sie nicht nach Silber riechen, weil du da den Spiegel hieltst, Die Spiegel der Alten, die das Scheibenglas nicht kannten, waren von Metall, besonders von geglättetem Silber. Da man auch schon im Alterthum das Silber mit Kupfer versezte, so ließ die Berührung des Spiegels einen Geruch zurück, den Skapha durch Waschen der Hände auszutilgen räth. Und Philolaches nicht argwöhnt, daß du Silber dir verdient. Philolaches . (wie vorhin) Nein, so listig sah ich keine Kupplerin mein Lebenlang! Wie gescheidt und schlau der Einfall eben mit dem Spiegel war! Philematium . Meinst du nicht, ich sollte mich mit Salben salben? Skapha .                                                                                           Laß es sein! Philematium . Und warum denn? Skapha .                                       Weil ein Mädchen gut riecht, wenn es gar nicht riecht. Denn die Vetteln ohne Zähne, die, versalbt in Salbenduft, Aufgepuzt, des Leibes Mängel decken mit der Schminke Dach, Riechen gleich, sobald die Salben mit dem Schweiße sich vermählt, Eben so, als göß' ein Garkoch viele Brüh'n in Einen Topf. Wie sie riechen, weißt du nicht; nur Eines, daß es übel riecht. Philolaches . (wie vorhin) Die versteht doch Alles auch! Nichts geht an Schlauheit über sie. Das ist wahr. (an die Zuschauer)                       Gewiß erkennt dies auch der größte Theil von euch, Die ihr alte Weiber habt, die durch die Mitgift euch erkauft. Philematium . Skapha, sieh doch, ob Geschmeid' und Mantel mir gehörig läßt! Skapha . Dafür brauch' ich nicht zu sorgen. Philematium .                                               Wer denn sonst? Skapha .                                                                                   Das hörst du gleich: Nur Philolaches, damit er dir nur kauft, was dir gefällt. Denn mit Gold und Purpur kauft sich der Galan des Liebchens Herz. Nun, – wofür ihm Etwas zeigen, was er nicht besizen will? Nur das Alter birgt der Purpur: Gold und Schmuck steht Mädchen schlecht. Schöne Frau'n sind ohne Hülle schöner, als im Purpurkleid. Und umsonst ist aller Puz auch, wenn sie schlecht gesittet sind. Schlechte Sitte schändet mehr, als Koth, beschmuzt den schönsten Puz. Wenn sie schön ist, hat sie Schmuck genug. Philolaches . (tritt aus seinem Hinterhalte hervor, und geht auf sie zu)                                                                       Was säum' ich lange noch? Ihr, was treibt ihr hier? Philematium .                         Ich schmücke mich für dich. Philolaches .                                                                         Bist schön genug. (zu Skapha ) Geh hinein du, nimm den Schmuck mit! – Theure Philematium, Gar zu gerne möcht' ich einmal mit dir zechen, süßes Herz! Philematium . Wohl, und ich mit dir; denn Alles, was du willst, das will ich auch, Mein Geliebter! Philolaches .               Dieses Wort ist seine zwanzig Minen werth. Philematium . Gib mir zehn, ich bitte; gern erlass' ich dir's um diesen Preis. Philolaches . Hast du doch zehn Minen jezt noch; rechne nur ein wenig nach. Dich zu lösen, gab ich dreißig aus. Philematium .                                         Was wirfst du das mir vor? Philolaches . Daß man mir's vorwürfe, wünsch' ich; keinen Vorwurf mach' ich dir; Denn ich habe lange schon kein Geld so trefflich angelegt. Philematium . Und ich fand für meine Liebe nirgends einen schönern Plaz. Philolaches . Nun, so gleicht sich Soll und Haben zwischen uns vortrefflich aus. Du liebst mich, ich liebe dich, und Jedes glaubt hier recht zu thun. Wer darob sich freut, er möge stets sich seines Glückes freu'n. Wer's beneidet, dem beneide nimmerdar ein Mensch ein Glück. Philematium . (auf Polster deutend, die vor das Haus getragen worden sind) Seze dich! (zu einem Sklaven )                   Bursch, Wasser für die Hände! Stell' ein Tischchen her. Hole mir die Würfel drinnen! (zu Philolaches )                   Willst du Salben, Freund? Philolaches .                                                                               Wozu Salben? Ruh' ich doch am Myrrhenbaume. – Doch erblick' ich da Meinen Freund nicht, der mit seinem Liebchen hier gegangen kommt? Ja, er ist's: Kallidamates! Schön, mein Kind! Da kommen, sieh, Waffenbrüder; ihren Antheil an der Beute wollen sie. »Ihren Antheil an unserer Freude verlangen sie, als einen Theil der ihnen zustehenden Beute.« Der Dichter spielt auf das Kriegswesen an, so wie er die beiden ankommenden Freunde manuplares nennt. Köpke. Vierte Scene. Philolaches . Philematium . Kallidamates . Delphium . Kallidamates . (schwankend und mit lallender Stimme zu dem begleitenden Sklaven ) Ich will, man soll in Zeiten bei Philolaches Mich abholen. Hörst du's? Du, laß dir's gesagt sein! Denn da, wo ich war, dort entlief ich in Eile; So sehr hat das Mahl, das Gespräch mich verdrossen. Es geht nun zum Schmaus bei Philolaches. Der wird Gewiß uns vergnügt und mit Freuden empfangen. (zu Delphium , die ihn bedenklich ansieht) Mein Kind, wa – was meinst du? Ich sei be – be – betrunken? Delphium . (ironisch) In der Weise solltest du stets dich betragen! Kallidamates . Mein Schaz, soll ich dich und du mich nicht umfangen? Delphium . Wenn es dir Freude macht, immerhin! Kallidamates .                                                       Liebes Herz! Bitte dich, führe mich. Delphium .                           Falle nicht, steh doch fest! Kallidamates . Ja, ja, du bist mein Augenstern; ich bin dein Säugling, Honigkind! Delphium . Sieh dich vor, daß du nicht auf dem Weg liegen bleibst, Eh wir dort angelangt, wo man uns hingedeckt! Kallidamates . Laß mich nur, laß mich nur fallen. Delphium .                                                             Ich lasse dich – Kallidamates . ( Delphium umklammernd) Aber das, was mir im Arme ruht, lass' ich nicht. Delphium . Wenn du fällst, fällst du nicht, außer ich falle mit. Kallidamates . Dann hebt wohl ein Dritter uns auf, wenn wir liegen. Delphium . Der Mensch ist betrunken. Kallidamates .                                     Ich be – be – betrunken? Delphium . Gib die Hand! Möchte nicht, daß du zur Erde kämst. Kallidamates . Da, mein Kind! Delphium .                                 Mache nun, komm mit mir! Kallidamates . Weißt du, wohin es geht? Delphium .                                                 Freilich. Kallidamates .                                                         Jezt fällt mir's ein: Nach Hause geht's zum Zechgelag. Delphium .                                               Versteht sich. Kallidamates .                                                               Just besann ich mich. Philolaches . (zu Philematium ) Meinst du nicht, liebes Herz, soll ich ihnen nicht Näher geh'n? Der ist mein bester Freund. Ich bin Bald zurück. Philematium .       Auch dein » Bald « währt mir allzulang. Kallidamates . Jemand hier? Philolaches .                           Ganz gewiß. Kallidamates .                                             Ei, Philolaches! Guten Tag, liebster Freund, der mir auf Erden lebt! Philolaches . Guten Tag, Kallidamates! Nimm Plaz bei uns! Nun, woher kommst du denn? Kallidamates .                                 Daher, wo Trunk'ne sind. Philolaches . Bravo! Komm, Delphium, seze dich neben uns! Kallidamates . Einen Trunk schenkt ihr ein; ich will jezt schlafen geh'n. Philolaches . Was er da thut, ist nichts Neues. Doch sage mir: Was fang' ich später an mit ihm? Delphium .                                           O laß ihn nur! Philolaches . (zu einem Sklaven ) Du füll' indeß den Becher, und laß schnell herum Ihn gehen, Bursch; beginne bei der Delphium. Zweiter Act. Erste Scene. Philolaches , Philematium und Delphium sitzen vor der Hausthüre der Philematium und zechen, von einem Sklaven bedient. Kallidamates schläft auf der Seite. Tranio kommt außer Athem gelaufen. Tranio . Zeus, der Allerhöchste, will mit aller Macht und allem Fleiß Mich und meinen jungen Herrn verderben, den Philolaches. Unsre Hoffnung ist dahin, Vertrauen findet keine Statt. Retten kann uns, wenn sie wollte, selbst Fortuna nimmermehr. Solch ein groß Gebirg von Jammer sah ich eben jezt am Strand: Unser Herr ist wieder da, du bist verloren, Tranio. Gäb' es einen Menschen doch, der etwas Geld gewinnen will, Und dafür an meiner Stelle sich zu Tode martern läßt! Sagt, wo ist der Kettenreiber schlägeduldendes Geschlecht, Oder die für drei Denare Mauern stürmen mit dem Speer, Wo sich wohl ein Duzend Lanzen durch ihr Eingeweide bohrt? Wer zuerst an's Kreuz hinankriecht, dem verehr' ich ein Talent, Doch nur dann, wenn Fuß und Arm ihm zweimal festgenagelt wird. Ist denn das gescheh'n, so fordr' er sich von mir sein baares Geld. Doch – ich bin ein rechter Thor; was lauf' ich nicht schnurstracks in's Haus? Philolaches . (den Tranio gewahr werdend) Jezt gibt es was zu essen: da kommt Tranio vom Hafen her. Tranio . O Herr! Philolaches .     Was ist's? Tranio .                             Mit mir und dir – Philolaches .                                                 Was? Mir und dir? Tranio .                                                                                       Ist Alles aus. Philolaches . Wieso? Tranio .                     Der Vater kam. Philolaches .                                       Was hör' ich da? Tranio .                                                                         Es ist um uns gescheh'n. Dein Vater, sag' ich, kam zurück. Philolaches .                                         Wo ist er? Sprich doch! Tranio .                                                                                       Wieder da. Philolaches . Wer sagte dir's? Wer sah ihn? Tranio .                                                         Ich, ich selber, sag' ich. Philolaches .                                                                                       Wehe mir! Was thu' ich? Tranio .                 Was (der Henker!) fragst du, was du thust? Du sizest hier. Philolaches . Du sahest ihn? Tranio .                                 Ja wohl. Philolaches .                                       Gewiß? Tranio .                                                           Gewiß. Philolaches .                                                               Ich bin des Todes, wenn Du mir die Wahrheit sagtest. Tranio .                                         Wenn ich löge, Herr, was hülfe mir's? Philolaches . Was soll ich jezt beginnen? Tranio .                                                     Laß dies Alles auf die Seite thun. Wer schläft denn dort? Philolaches .                         Kallidamates. Tranio .                                                       Weck' ihn auf, o Delphium. Delphium . (rüttelt ihn auf) Wach' auf, Kallidamates! Auf! Kallidamates .                                   Ich wache. Gebt zu trinken her! Delphium . Wach' auf! Philolaches' Vater kam jezt eben an. Kallidamates .                                                                       Er lebe wohl! Philolaches . Er lebt, und wohl; und ich bin todt. Kallidamates .                                                     Du todt? Wie soll das möglich sein? (er sinkt wieder um und schläft ein.) ., Philolaches . So steh nur auf, ich bitte dich. Mein Vater kam. Kallidamates .                                                                         Dein Vater kam? Bedeut' ihm, daß er wieder geht. Was kam er auch hieher zurück? Philolaches . Was soll ich thun? Mich Armen trifft mein Vater gleich betrunken hier, Trifft unser Haus von Gästen und von Frauen voll. Ein böses Ding, Den Brunnen erst zu graben, wenn der Durst bereits die Kehle schnürt! So wie ich jezt, da der Vater kam, erst frage, was ich machen soll. Tranio . Sieh, wieder hängt der hier den Kopf, ist eingeschlafen. Weck' ihn auf! Philolaches . (den Kallidamates aufrüttelnd) Nun, wache doch! Mein Vater wird gleich hier sein. Hörst du? Kallidamates .                                                                                   Vater? Was? Die Solen her! Ich waffne mich. »Die Solen her. Ich waffne mich.« Die Helden bei Homer und Hesiodos binden sich zuerst die Solen an, wenn sie in die Schlacht eilen. Ich schlage stracks den Vater todt. Philolaches . Du machst es schlimm. Sei stille! Schafft ihn ungesäumt in's Haus hinein! Kallidamates . Gebt einen Nachttopf, oder ich mach' euch zum Nachttopf, weiß es Zeus! (er wird weggetragen.) Philolaches . Ich bin des Todes! Tranio .                                       Fasse Muth! Für diesen Schrecken find' ich Rath. Philolaches . Aus ist es! Tranio .                           Still! Ich sinne nach, wie ich den Sturm beruhige. Bist du's zufrieden, wenn ich mache, daß dein Vater, wenn er kommt, Nicht nur in's Haus nicht gehen will, nein, weit hinweg vom Hause flieht? Ihr gehet nur in's Haus hinein, und schafft die Sachen eilig weg! Philolaches . Wo soll ich bleiben? Tranio .                                           Wo du stets am liebsten bist, bei der und der . (auf die beiden Mädchen deutend) Delphium . Was thun wir nun? Wir gehen fort! Tranio .                                                             Nicht gar zu ferne, Delphium! Deßwegen zecht im Hause nur um keinen Tropfen weniger. Philolaches . Weh mir! Vor Angst vergeh' ich noch, was aus den glatten Worten wird. Tranio . Und kannst du denn nicht ruhig sein, und thun, was ich dir heiße? Philolaches .                                                                                               Wohl. Tranio . Vor Allem, Philematium und Delphium, geht ihr in's Haus! Delphium . Wir beide thun, was du verlangst. Tranio .                                                           Ja, gebe das der große Gott! (Beide Mädchen gehen in's Haus.) Vernimm du jezt und merke, was ich wünsche, daß geschehen soll. Vor allen Dingen sorge, daß das Haus sogleich verschlossen wird, Daß innen keine Seele muckst, kein Mensch sich rührt – Philolaches .                                                                             Das soll gescheh'n. Tranio . Als ob im ganzen Hause kein lebendig Wesen wohnte. Philolaches .                                                                               Gut. Tranio . Auch darf kein Mensch antworten, wenn der Vater an die Thüre pocht. Philolaches . Begehrst du sonst was? Tranio .                                             Gib Befehl, daß man den Sparterschlüssel »Der Sparterschlüssel,« clavis laconica. Die Hausthüren der Alten wurden häufig von innen und von aussen verschlossen, aber gewöhnlich nur durch vorgelegte Stangen und Ballen oder durch Riegel, nicht durch künstliche Schlösser, wie die neuere Welt sie hat. Die Schlüssel der Alten haben daher die Bestimmung, durch eine Oeffnung der Thür eingesteckt, den Riegel herauszustoßen und so die Thür zu öffnen. Der lakonische Schlüssel unterscheidet sich von den gewöhnlichen Schlüsseln dadurch, daß er drei Zacken oder Bärte hat, und mithin sich vielfacher benüzen läßt, und daher nicht bloß für eine Hausthür paßt, sondern die Stelle eines Hauptschlüssels oder gar Dieterichs vertritt. Daß er drei Bärte oder Zähne hat, sagt Aristophanes in den Thesmophoriaz. V. 430, wo die Weiber darüber klagen, daß die Männer, seitdem diese Erfindung gemacht wäre, nicht mehr betrogen werden könnten. Suidas unter Λακων. κλειδες führt auch eine Stelle aus dem Menander an, wo Einer sagt, daß der lakonische Schlüssel mit herumgetragen werden müsse, weil die Thür von aussen durch vorgelegte Riegel verschlossen würde, so daß sie von den Leuten drinnen nicht geöffnet werden könne. – In unserer Stelle soll die Thür von innen und aussen verschlossen werden, um dem Hause den Anschein eines durchaus menschenleeren und verlassenen zu geben; und das Bedürfniß eines lakonischen Schlüssels tritt eben des doppelten Verschließens wegen bei Tranio ein, um heimlich oder gegen die Nacht vielleicht in's Haus zu kommen, und den Seinigen Nachricht zu bringen. Köpke. mir Gleich aus dem Hause bringen soll. Von aussen schließ' ich dann die Thür. Philolaches . In deine Hut befehl' ich mich und meine Hoffnung, Tranio. (er geht ab.) Tranio . (allein) Ich gebe keinen Pfennig drum, ob ein Client, ob ein Patron An eines Mannes Seite steht, wenn ihm kein Muth im Herzen wohnt. Denn jeder Mensch, der beste, wie der schlechteste, Kann leicht in Etwas unvermuthet sich verseh'n; Doch muß er dahin trachten, (das verräth den Kopf,) Daß, was er falsch entworfen und hinausgeführt, Sich Alles ruhig, ohne Lärm, abspinnt und ihm Kein Schaden zustößt, der das Leben ihm vergällt. So soll der Wirrwarr, den ich angerichtet hier, Sich klar und still abwickeln, daß auch hinterher Nichts Ungelegnes sich daraus für uns entspinnt. (Ein Sklave kommt aus dem Hause) Was willst denn du hier aussen? Weh mir! Schön befolgt Der mein Gebot! Der Sklave .               Inständig bittet unser Herr, Den Vater so zu schrecken, daß er nicht in's Haus Zu kommen sich getraue. Tranio .                                   Nun, bedeut' ihm nur: Ich mache, daß er's nicht einmal ansehen mag, Und mit verhülltem Kopfe, voller Angst, entläuft. Gib mir den Schlüssel, geh' hinein, schließ' ab die Thür; Ich will von aussen schließen. (der Sklave geht)                                                   Komm' er jezt heran! Ihm spiel' ich heute bei lebend'gem Leib ein Spiel, Wie keines ihm nach seinem Tode werden wird. Wir haben hier an die Leichenspiele zu denken, welche den Todten zu Ehren gefeiert wurden. Ich trete von der Thüre weg und lausche hier, Wie ich dem Alten diesen Sack anhängen kann. (er tritt auf die Seite.) Zweite Scene. Theuropides mit Sklaven , die sein Gepäck tragen. Tranio in einiger Entfernung. Theuropides . Neptun, ich weiß dir großen Dank, daß du mich heut Halbtodt von dir entlassen! Wenn du je hinfort Erfahren solltest, daß ich einen Finger breit Den Fuß gesezt in's Wasser, magst du sonder Scheu Sogleich mir anthun, was du jezt mir zugedacht. Fort, hebe dich von hinnen! Alles, was ich dir Vertrauen wollte, hab' ich dir bis heut vertraut. Tranio . (für sich) Fürwahr, Neptun, gewaltig hast du dich verseh'n, Daß dir die schöne Gelegenheit umsonst verstrich! Theuropides . Ich komme nach drei Jahren aus Aegypten heim; Wohl sehnten meine Leute sich schon längst nach mir. Tranio . (für sich) Traun, weit ersehnter käme der, der uns von dir Die Kunde brächte, daß du dort gestorben seist. Theuropides . (nähert sich dem Hause) Was ist denn das? Am lichten Tage die Thüre zu? Muß klopfen. Hollah! Oeffnet mir Niemand die Thür? Tranio . (vortretend) Wer ist der Mensch, der unserm Hause so nahe tritt? Theuropides . (für sich) Das ist mein Sklave Tranio. Tranio . (stellt sich überrascht)       Theuropides! Willkommen, Herr! Es freut mich, dich wohlauf zu seh'n. Du warst doch immer wohl? Theuropides .                               Ja, wie du siehst. Tranio .                                                                     O schön! Theuropides . Doch – seid ihr toll? Tranio .                                             Warum das? Theuropides .                                                       Weil ihr vor dem Haus Herumspaziert, und keine Seele drinnen ist, Die Wache hält, aufschließt und Antwort geben kann. Mit Klopfen schlug ich fast die beiden Flügel ein. Tranio . (schaudert zurück) Oho! So hast du dieses Haus berührt? Theuropides .                                     Was sollt' ich's nicht? Mit Klopfen, sag' ich, schlug ich fast die Thür entzwei. Tranio . Berührt? Theuropides .     Berührt und drauf geklopft. Tranio .                                                           Weh, weh! Theuropides .                                                                   Was ist's? Wie konnt' ich denn drauf klopfen, hätt' ich's nicht berührt? Tranio . Da thatst du schlimm. Theuropides .                           Wie käme das? Tranio .                                                               Es läßt sich nicht Mit Worten sagen, welchen Gräul du da verübt. Theuropides . Warum? Was bringst du plözlich mir die Neuigkeit? Tranio . Du hast gemordet – Theuropides .                       Wen denn? Tranio .                                                   Alle die Deinigen. Theuropides . Daß dich die Götter alle für dies böse Wort –! Tranio . Nie kannst du, fürcht' ich, dich und sie entsündigen. Theuropides . Was nun? Tranio .                           Entfleuch, ich bitte, tritt vom Hause weg; Fleuch hierher, näher her zu mir! Auch diese laß (auf die Träger des Gepäckes deutend) Noch weiter auf die Seite geh'n, ich bitte dich. Theuropides . (zu den Trägern) Geht weg von hier! Tranio .                           Berührt das Haus nicht; nein, berührt Die Erde! Es war Sitte, bei Allem, was die Götter der Unterwelt und die Todten betraf, die Erde zu berühren, weil in ihrem Schooße die Götter der Unterwelt und die Geister der Verstorbenen hausen. Theuropides .     Sprich, was sollen wir denn nicht in's Haus? Tranio . Jezt sind es sieben Monde, daß kein Mensch den Fuß Hereingesezt hat, seit wir ausgezogen sind. Theuropides . Sprich doch, warum das? Tranio .                                                   Sieh dich um, ob Niemand hier Auf unsre Worte lauschen kann. Theuropides .                                     Ganz sicher ist's. Tranio . Sieh noch einmal! Theuropides .                     Kein Mensch ist nahe; rede nur! Tranio . Ein Mord ward hier begangen. Theuropides .                                         Ich begreif' es nicht. Tranio . Ein Hauptverbrechen, sag' ich, ward vorlängst verübt – Theuropides . Vorlängst? Tranio .                             Und dieses haben wir jezt erst entdeckt. Theuropides . Und welcher Art denn? Oder wer beging die That? Tranio . Hier hat ein Gastfreund einen Gastfreund umgebracht Die Ermordung eines Gastfreundes galt im Alterthum als eines der größten Verbrechen, über welches nur der Vatermord selbst ging. , Derselbe, glaub' ich, der an dich das Haus verkauft – Theuropides . Was? Umgebracht? Tranio .                                           Und alles Geldes ihn beraubt, Und dann den Gastfreund ebenhier im Haus verscharrt. Theuropides . Was war es, das euch diese That vermuthen ließ? Tranio . Ich will dir's sagen. Abends war dein Sohn einmal Auswärts zu Gaste. Wie er dann nach Hause kam, So geh'n wir allesammt zu Bett und schliefen ein. Die Lampe hatt' ich aus Verseh'n nicht ausgelöscht. Da fing er plözlich mörderlich zu schreien an. Theuropides . Wer schrie? Mein Sohn? Tranio .                                                   Still! Schweige! Höre nur! Im Schlaf Erschien der Todte deinem Sohn, so sagt' er uns. Theuropides . Im Schlafe war es? Tranio .                                           Allerdings. Doch höre nur! Der Todte (sprach er weiter) hab' ihm dies gesagt – Theuropides . Im Schlafe? Tranio .                               Freilich sollt' er's wohl im Wachen thun, Er, der vor sechzig Jahren schon ermordet ward! Nein, manchmal fehlt' dir's hier im Kopf, Theuropides. Theuropides . Ich schweige schon. Tranio .                                           Nun höre, was der Todte sprach: »Ich bin der überseeische Gast, Diapontios, Und hause hier; die Wohnung ist mir zugetheilt. Mich nahm in seine Räume nicht der Orcus auf, Weil ich zu früh das Leben ließ. Wer durch einen gewaltsamen Tod vor der Zeit hinweggerafft wurde, konnte nach den Begriffen der alten Welt nicht in den Orkus aufgenommen werden, sondern blieb in der Vorhalle desselben. Vgl. Virg. Aen. 6, 428 ff. Durch Freundestrug Ward ich getäuscht: mein Wirth erschlug mich, und vergrub Mich unbestattet ingeheim im Hause hier, Der Schalk, des Goldes wegen. Zeuch du jezt hinweg: Das ist ein Haus des Gräuels, ist verflucht.« (die Zecher im Hause verrathen sich durch Geräusch)                                                                       Das Grau'n, Das hier umgeht, zu schildern, reicht ein Jahr nicht aus. Still! Still! Theuropides .    Was ist geschehen? Tranio .                                             Eben hat die Thür geknarrt. Theuropides . Hat's hier geklopft? (außer sich vor Angst, bei Seite)   Ich habe keinen Tropfen Blut. Lebendig holen die Todten mich in den Acheron. Tranio . (für sich) Weh! Die verwirren heute mir das ganze Spiel. Mir bangt gewaltig, der ertappt mich auf der That. Theuropides . Was sprichst du mit dir selber? Tranio .                                                             Geh von der Thüre weg: Entfleuch, entfleuch doch! Theuropides .                             Und wohin? Fliehst du denn auch? Tranio . Ich fürchte nichts; ich habe vor den Todten Ruh. Theuropides . He! Tranio! Tranio .                               Wenn du klug bist, rufe mich nicht an. Ich habe nichts verbrochen, nicht an die Thür gepocht. Theuropides . Was fehlt dir aber, Tranio? Was treibt dich um? Mit wem verkehrst du? Tranio .                                 Warst du's, der mich eben rief? So wahr mich Zeus – ich glaubte, daß der Todte sich Beschwere, weil ich (meint' er wohl) an die Thür gepocht. Du bleibst noch immer stehen, thust nicht, was du sollst? Theuropides . Was soll ich? Tranio .                                 Nicht umblicken, flieh'n mit verhülltem Haupt. Theuropides . Was fliehst du nicht? Tranio .                                             Ich habe vor den Todten Ruh. Theuropides . Das weiß ich. Aber was erschreckte dich so sehr? Tranio . Du darfst um mich nicht sorgen, bin schon selbst besorgt. Du fleuch, wie du begonnen, fleuch, so weit du kannst, Und rufe zu Hercules! Herkules ward als ein Abwehrer böser Zufälle (αλεξίκακος, averruncus ) verehrt, und deßhalb bei plözlichem Schrecken angerufen. Theuropides .                         Hercules, dich ruf' ich an! (er geht ab.) Tranio . (für sich) Ich ruf' ihn auch an, daß er heut dir Eins versezt. Ihr ewigen Götter, eure Hülfe fleh' ich an! – Was (Henker!) macht' ich heute doch für tolles Zeug! (er geht ab.) Dritter Act. Erste Scene. Silberfeind , ein Wucherer. Tranio . Bald darauf Theuropides . Silberfeind . In meinem Leben hab' ich doch ein schlecht'res Jahr Für Geldgeschäfte nie geseh'n, als dieses ist. Von früh bis Abend treib' ich auf dem Markt mich um, Und bringe keinen Dreier Geld auf Zinsen an. Tranio . (für sich) Jezt ist es, ach! für alle Zukunft aus mit uns! Hier ist der Mäkler, der das Geld uns vorgestreckt Zum Kauf des Mädchens und wozu's sonst nöthig war. Die Sache wird verrathen, komm' ich nicht zuvor, Damit's der Alte nicht erfährt. Ich will nur hin. (er sieht den Theuropides kommen) Was aber geht er so geschwind nach Haus zurück? Mir bangt, er hat schon von der Sache was gehört. Ich muß ihn doch anreden. Ach, wie fürcht' ich mich! Nichts schlimmer wahrlich, als ein schuldbewußtes Herz, Wie ich es habe. Doch wie auch die Dinge steh'n, Ich spiele den Wirrwarr weiter fort. Sonst geht es nicht. (zu Theuropides ) Wo warst du? Theuropides .         Bei dem Manne, der das Haus mir einst Verkauft. Tranio .           Was ich dir sagte, hast du ihm davon Gesagt? Theuropides .   Ich sagt' ihm Alles. Tranio . (für sich)                             Ich Unseliger! Mit meinen Kniffen, fürcht' ich, ist's auf ewig aus. Theuropides . Was sprichst du da bei Seite? Tranio .                                                           Nichts; doch sage mir: Du sagtest's? Theuropides .       Alles sagt' ich ihm der Reihe nach. Tranio . Bekennt er das vom Gaste? Theuropides .                                   Nein, er läugnet fest. Tranio . Er läugnet? Theuropides .           Freilich. Tranio . (für sich)                     Denk' ich das, ist's aus mit mir. (laut) Gesteht er's nicht? Theuropides .               Wenn er's gestände, sagt' ich es. Was, meinst du, soll ich machen? Tranio .                                                 Was du machen sollst? Nimm, rath' ich, einen Richter an mit ihm zugleich; (bei Seite) Doch einen solchen, der mir glaubt; (laut)                                                           dann findest du Dein Recht so sicher, als der Fuchs die Birne frißt. Silberfeind . Da seh' ich ja Philolaches' Sklaven, Tranio, Die nichts bezahlen, weder Zins noch Kapital. Theuropides . (zu Tranio , der fortlaufen will) Wo willst du hin? Tranio .                         Ich? Nirgends. (bei Seite)                                   Ich Unseliger! Ich Schalk! Geboren ward ich in der Götter Zorn. Jezt mahnt er mich in seiner Gegenwart. O weh! Da bin ich in der Enge rechts und links. Ich will Zuerst ihn angeh'n. Silberfeind . (bei Seite)   Nun ist's gut; er kommt zu mir. Jezt hoff' ich auf mein Geld. Tranio . (bei Seite)                         Er freut sich ohne Grund. (laut) Willkommen mir von ganzem Herzen, Silberfeind! Silberfeind . Gleichfalls. Wie steht's mit dem Gelde? Tranio .                                                                       Pack dich, Ungethüm! Gleich bei der Ankunft 'wirfst du deinen Spieß nach mir. Silberfeind . Der Mensch ist leer. Tranio .                                         Der Mensch ist sicher ein Prophet. Silberfeind . Laß deine Narrenpossen! Tranio .                                                 Sprich, was willst du denn? Silberfeind . Wo steckt Philolaches? Tranio .                                               Fürwahr, du hättest nie Erwünschter kommen können, als du jezt mir kommst. Silberfeind . Wie so? Tranio . (ihn auf die Seite ziehend)                           Tritt hierher! Silberfeind .                                     Krieg' ich denn mein Geld zurück? Tranio . Ich weiß, du hast 'ne gute Stimme. Schrei nicht so! Silberfeind . Ich werde dennoch schreien. Tranio .                                                     Ei, so höre nur! Silberfeind . Was soll ich hören? Tranio .                                       Geh nach Haus, ich bitte dich. Silberfeind . Nach Haus? Tranio .                           Und komm dann gegen Mittag wieder her. Silberfeind . Und dann bekomm' ich meinen Zins? Tranio .                                                                 Ja, geh nur fort. Silberfeind . Was lauf' ich so viel hin und her und mühe mich? Wie, wenn ich lieber bis zu Mittag bliebe? Tranio .                                                               Nein! Ich sag's im Ernste, geh nach Haus, ja geh nach Haus. Silberfeind . So gebt mir einmal meinen Zins! Was foppt ihr mich? Tranio . Zum Henker! Geh doch endlich heim, und folge mir. Silberfeind . (schreiend) Ich rufe den da gleich herbei. Tranio .                                           Brav! Lauter noch! Jezt bist du glücklich, daß du schreist. Silberfeind .                                                 Ich will mein Geld. Wie viele Tage foppt ihr so mich schon herum! Wenn ich zur Last bin, gebt das Geld, dann zieh' ich ab. So sezt ihr allem Hinundhergered' ein Ziel. Tranio . Dein Kapital soll – Silberfeind .                         Nein, den Zins will ich zuerst. Tranio . Du größter Schalk von Allen, die geboren sind, Du kommst hieher, dich auszuschrei'n? Thu, was du kannst. Er zahlt dir nichts, er schuldet nichts. Silberfeind .                                                 Er schuldet nichts? Tranio . Nicht einen Deut erhältst du. Oder soll er gar Des Zinses wegen aus der Stadt als Exulant, Der kaum das Hauptgeld zahlen kann? Silberfeind .                                                 Das will ich nicht. Die Zinsen will ich; ungesäumt die Zinsen her. Tranio . Mensch, quäl' uns nicht! Wir zahlen nichts. Thu, was du willst. Du bist der Einzige, glaub' ich, der auf Zinsen leiht. Silberfeind . Gebt mir den Zins! Bezahlt den Zins! Den Zins heraus! Gebt ihr mir auf der Stelle nicht die Zinsen her? Die Zinsen will ich. Tranio .                             Zinsen hin und Zinsen her! Der weiß von nichts zu schwazen als vom Zinse nur, Der alte Gaudieb! Hab' ich doch mein Leben nie Ein solch verruchtes Ungethüm als dich geseh'n. Silberfeind . Mit solchen Reden kannst du mich nicht schrecken, Mensch. Theuropides . (näher tretend, zu Tranio ) Was sind denn das für Zinsen, sprich, die der verlangt? Tranio . (zu Silberfeind ) Da siehst du seinen Vater, der vor kurzem erst In's Land zurückkam; er bezahlt dir Zins und Stamm. So kannst du nicht mehr länger uns belästigen. Sieh, ob er zögert. Silberfeind .                   Krieg' ich was, so nehm' ich es. Theuropides . (zu Tranio ) Du, sprich! Tranio .               Was hast du? Theuropides .                           Wer ist das? Was will der Mensch? Warum erwähnt er meines Sohns Philolaches? Was wirft er dir denn solchen Schimpf in's Angesicht? Was seid ihr ihm denn schuldig? Tranio .                                                 Stopf', ich bitte dich, Mit Geld dem schmuzigen Ungethüm den Rachen zu. Theuropides . Ich? Tranio .                 Ja, mit Silberstücken schlag' ihm auf das Maul. Silberfeind . Sehr gerne leid' ich Schläge, die von Silber sind. Tranio . Nun – hörst du? Scheint dir dieser Kerl zum Wucherer Nicht ganz geschaffen, der verruchtesten Menschenart? Theuropides . Mich kümmert's gar nicht, wer er ist, woher er ist; Eins sage mir zur Stelle, danach frag' ich dich, Was das für Geld ist. Tranio .                               Etwas Weniges schuldet ihm Dein Sohn. Theuropides .     Wie viel denn? Tranio .                                         Vierzig Minen ungefähr. Theuropides . Das wäre wenig? Tranio .                                       Achte das für nicht so viel. Theuropides . Auch mußt' ich hören, daß man Zinse schuldig sei. Tranio . An vierundvierzig Minen macht die ganze Schuld, Hauptgeld und Zinsen. Silberfeind .                         So viel ist's. Mehr fordr' ich nicht. Tranio . Ich wollte, du verlangtest einen Dreier mehr. »Ich wollte, du verlangtest einen Dreier mehr.« Dieser Wunsch des Tranio ist in seiner Art sehr aufrichtig gemeint; denn nach römischem Gesez werden diejenigen sogleich mit ihrer Klage abgewiesen, oder verlieren den ganzen Prozeß und auch den rechtlichsten Theil ihrer Forderung, welche von dem Beklagten überführt werden, das Mindeste über die Gebühr gefordert zu haben. (zu Theuropides) Versprich zu zahlen, daß er geht. Theuropides .                                       Ich sollte das? Tranio . Ja. Theuropides .   Ich? Tranio .                     Du selber. Sag' es zu, und folge mir. Versprich es; auf, ich rathe dir's! Theuropides .                                       Antworte mir: Wie ging's mit jenem Geld? Tranio .                                       Es ist geborgen. Theuropides .                                                       Ihr Bezahlt denn, wenn's geborgen ist! Tranio .                                                   Dein Sohn erstand Ein Haus dafür. Theuropides .             Ein Haus? Tranio .                                       Ja. Theuropides .                                   Schön, Philolaches! Der artet seinem Vater nach, treibt Handel schon. Tranio . Denn als dies Haus so wurde, wie ich dir gesagt, Erstand er ohne Säumen sich ein andres Haus. Theuropides . Du sagst, ein Haus? Tranio .                                           Ein Haus, ja. Weißt du, was für eins? Theuropides . Wie kann ich's wissen? Tranio .                                                 Pah! Theuropides .                                               Was ist es? Tranio .                                                                             Frage nicht. Theuropides . Wie ist's denn? Tranio .                                     Hell wie Spiegel, nichts als lauter Glanz. Theuropides . Da that er wohl. Doch – um wie viel erstand er es? Tranio . Just um so viel Talente, wie wir beide sind. Er gab als Angeld jene vierzig Minen her; Von diesem (auf Silberfeind deutend)                     hat er sie geborgt. Verstehst du mich? Theuropides . Da that er wohl. Silberfeind . (zu Tranio )           He, du! Der Mittag kommt heran. Tranio . (zu Theuropides ) Schaff' uns den Wicht vom Halse; sonst erstickt er uns. Theuropides . (zu Silberfeind ) Freund, mach's mit mir ab. Silberfeind .                               Also krieg' ich's wohl von dir? Theuropides . Bis morgen. Silberfeind .                       Bin zufrieden, wenn du's morgen zahlst. (geht ab.) Tranio . (bei Seite) Daß alle Himmelsmächte den vernichteten, Der alle meine Plane mir verdorben hat! Traun, heut zu Tage gibt es keine Menschenart, Ruchloser, ungerechter, als die Wucherer. Theuropides . In welcher Gegend hat mein Sohn das Haus gekauft? Tranio . (bei Seite) Nun bin ich weg! Gott! Theuropides .                       Sagst du, was ich dich gefragt? Tranio . Gleich, gleich! Des Hausbesizers Namen nur, dem sinn' ich nach. Theuropides . So magst du dich besinnen! Tranio . (bei Seite)                                       Was beginn' ich jezt? (er sinnt nach) Die Lüge bau' ich in die nächste Nähe hier; Das Haus des Nachbars, sag' ich, hat der Sohn gekauft. Die heißgebackne Lüge soll die beste sein; Eine Lüge aus dem Stegreif ( mendacium calidum ), durch den Drang der Verlegenheit erzeugt, ist nach Tranio's Meinung gleichsam ein Werk einer höheren Inspiration, der man um so dreister folgen darf, da sie von den Göttern kommt. Köpke. Und diese macht mir heiß, und brennt von ferne schon. Wohl darf ich sagen, was ein Gott in's Herz mir gibt. Theuropides . Nun? Hast du dich besonnen? Tranio .                                                         Daß das Wetter ihn –! (bei Seite, auf Theuropides deutend) Nein, lieber diesen! – (laut)                                     Von dem nächsten Nachbar hier Erstand Philolaches das Haus. Theuropides .                                   Wie? Ganz gewiß? Tranio . Ja, ganz gewiß, Herr, wenn du zahlen willst für ihn; Doch wenn du deß dich weigerst, dann nicht ganz gewiß. Theuropides . Nicht auf dem besten Plaze steht's. Tranio .                                                                 Das mein' ich doch. Theuropides . Ich möcht' es gerne besehen. – Klopfe doch einmal, Und (hörst du, Tranio?) rufe dir Jemand heraus. Tranio . (für sich) Jezt bin ich weg, weiß gar nicht, was ich sagen soll. Die Welle wirft mich wieder an den alten Fels. Wie nun? Ich weiß nicht, was ich jezt beginnen soll. Ich bin ertappt. Theuropides .           Nun, rufe mir Einen da heraus, Der mich herumführt. Tranio .                               Aber hier sind Frauen ja: Erst muß ich sehen, ob die wollen oder nicht. Theuropides . Das find' ich recht und billig. Geh und frage sie; Ich wart' indeß hier aussen, bis du wiederkommst. (er tritt ein wenig zurück.) Tranio . (bei Seite) Daß alle Himmelsmächte dich verderbten, Mensch, Der alle meine Plane so schmachvoll bestürmt! – Vortrefflich! Sieh, da kommt der Hausherr selbst heraus, Der alte Simo. Nach der Seite tret' ich hier, Bis ich in meinem Kopfe mir den Rath berief. Ich sprech' ihn an, sobald ich etwas Rechtes fand. (er tritt auf die Seite.) Zweite Scene. Simo . Theuropides (im Hintergrunde). Tranio (zur Seite). Simo . Dies ganze Jahr ward mir's nie so gut daheim, Kein Essen hat mir so gut geschmeckt, wie heut. Meine Frau tischte mir köstlich auf, und verlangt Jezt, ich soll schlafen geh'n; aber das will ich nicht. Dacht' ich doch gleich, es sei nicht von ungefähr, Daß sie mir besser, als sonst, zu essen gab. Wollte mich gleich zu Bett bringen, das alte Weib. Doch der Schlaf nach dem Mahl schmeckt nicht gut, Fort damit! Ingeheim schlich ich mich aus dem Hause weg. Ganz gewiß ist sie jezt wüthend über mich. Tranio . (bei Seite) 'ne böse Nacht wartet auf den Alten heut; Denn kommt er heim, ißt er schlecht und schläft er schlecht. Simo . Um so mehr denk' ich im Herzen dran: Wer ein reiches altes Weib hat L. Si quis dotatum uxorem atque anum homo habet. , den verlockt Nie der Schlaf. Schlafengeh'n widert ihm. Aber jezt bleibt's dabei: lieber will ich doch Auf den Markt, als daheim ruh'n im engen Bett. (an die Zuschauer) Wie eure Frau'n umgeh'n mit euch, weiß ich freilich nicht; Aber wohl weiß ich, wie meine Frau mir's macht; Daß es noch schlimmer wird, als es war, weiß ich auch. Tranio . (bei Seite) Wenn es dir schlecht bekommt, daß du weg von Hause gingst, Darfst du deßhalb, o Greis, keinen Gott beschuldigen; Nein, mit vollkomm'nem Recht klagst du dann dich selber an. An der Zeit ist es jezt, anzugeh'n den Alten hier. (nachsinnend) Halt, das trifft! Weiß ich doch, wie ich ihn belisten kann, Daß ich durch meine List mich der Last entledige. List und Last , wie in der Urschrift dolus und dolor. Geh' ich hin! (laut)         Simo, Gott walte segnend über dir! Simo . Sei gegrüßt, Tranio! Tranio .                               Geht dir's wohl? Simo .                                                             Ziemlich wohl. Aber dir? Tranio . (nimmt ihn bei der Hand)                 Einen gar wackern Herrn halt' ich hier. Simo . Für das Lob dank' ich – Tranio .                                     Nur Schuldigkeit! Simo .                                                                     Aber ich Halt' in dir keinen gar braven Knecht. Tranio .                                                       Ei! Wie so? Simo . Sage, was treib ihr? Tranio .                               Nun? Simo .                                           Was ihr da drinnen macht? Aber nein, ganz im Ernst sag' ich dir, Tranio. Wie du die Menschen siehst, mußt du sie nehmen. Doch Denke dann auch, wie kurz menschliches Leben ist. Tranio . Also dies war es? Jezt merk' ich's erst: Unser Hauswesen ist's, was du da im Auge hast. Simo . Ihr vertreibt eure Zeit recht galant, so paßt es sich: Bringt ihr doch bei'm Gelag, Wein und Fisch und Leckerei'n, Alle Tag' in Freuden hin. Tranio .                                     So lebten wir wohl ehemals: Jezt, o Herr, ist alles das für uns verloren – Simo .                                                                     Aber wie Käme das? Tranio .             So stürzten wir aus unserm Himmel allzumal. Simo . Schweige doch! Ging denn euch Alles bis diesen Tag Nicht nach Wunsch? Tranio .                             Allerdings; was du sagst, läugn' ich nicht. Wahrlich, wir lebten flott, lebten nach Herzenslust; Aber jezt ward der Wind unserm Schiff ungetreu, Simo. Simo .         Wie wäre dies möglich? Tranio .                                             Ein Jammer ist's. Simo . Euer Schiff war ja schon sicher auf's Land gebracht. Tranio . Ach! Simo .             Was ist's? Tranio .                           Weh, mit mir ist es aus! Simo .                                                                     Freund, warum? Tranio . Ach, ein Schiff kam, zerbrach unserm Schiff Mast und Kiel. Simo . Tranio, das thut mir leid. Aber was gibt's denn? Sprich! Tranio . Unser Herr kam zurück. Simo .                                           Und man dreht dir den Strick, Legt dir dann Ketten an, und zulezt folgt das Kreuz. Tranio . Auf den Knie'n fleh' ich dir: sage doch meinem Herrn Nichts davon. Simo .                     Fürchte nichts; denn von mir soll er nichts Hören. Tranio . ( Simo's Hand ergreifend)             Mein Schuzpatron! Simo .                                         Schüzlinge deiner Art, Mögen die fern von mir bleiben; ich mag sie nicht. Tranio . Nun höre, weßhalb unser Herr zu dir mich schickt. Simo . Antworte mir vor Allem, was ich fragen will, Hat euer Alter von dem Handel nichts gemerkt? Tranio . Nichts weiß er, gar nichts. Simo .                                               Hat er auf den Sohn geschmäht? Tranio . Er ist so still und heiter, wie der heitre Tag. Jezt hat er mir geheißen, dich inständiglich Zu bitten, daß du ihm erlaubst, in deinem Haus Sich umzuseh'n. Simo .                         Es ist nicht feil. Tranio .                                               Daß weiß ich; doch Der Alte will in seinem Haus ein Frau'ngemach, Lustgänge, Säulenhallen, Badezimmer bau'n. Simo . Was träumt er da zusammen? Tranio .                                             Ich bedeute dir's. Er will den Sohn vermählen, so geschwind er kann; Da will er denn das neue Frau'ngemach sich bau'n. Er sagt, ich weiß nicht welcher Bauverständige Hab' ihm den Bau von deinem Hause sehr gelobt; Jezt nimmt er sich's zum Muster, wenn du's ihm erlaubst. Simo . Da nimmt er von etwas Schlechtem sich das Muster ab. Tranio . Gar schön, vernahm er, lebe man den Sommer hier, Im Freien ohne Sonnenschein den ganzen Tag. Simo . Im Gegentheil, wenn allerorten Schatten ist, So liegt von früh bis Abend stets die Sonne hier, Und wie ein Mahner, hält sie Stand vor meiner Thür. Ich habe nirgends Schatten, als im Brunnen dort. Tranio . Fehlt dir's an Schatten, nimm dir Eine von Schattenstedt. Simo . Laß mich in Ruhe. Wie ich dir gesagt, so steht's. Tranio . Doch – möcht' er's anseh'n. Simo .                                                 Immerhin, wenn's ihm beliebt. Und wenn daran ihm was behagt, so mag er bau'n Nach meinem Muster. Tranio .                               Soll ich gleich ihn rufen? Simo .                                                                           Ja. Tranio . (bei Seite) Es heißt, daß Alexander und Agathokles Die größten Dinge thaten; ich, der ganz allein Der Thaten allergrößte thut, was wird mit mir? Der Alte da trägt seinen Lügensattel hier, Der hat sein Aufgebinde dort. So hab' ich denn Ein allerliebst Gewerbe neu mir zugelegt. Die Müller haben Mäuler mit Packsätteln nur; Ich sattle Menschen, denen ich manch schwere Last Aufpacke; was ich aufgepackt, das tragen sie. Nun weiß ich gar nicht, ob ich ihn anreden soll. Ich thu' es. – He, Theuropides! Theuropides .                                   Wer ruft mich hier? Tranio . Ein Knecht, allezeit seinem Herrn treuergeben. Wonach du mich schicktest, das ist dir bewilligt. Theuropides . Warum bist du, sprich doch, so lang ausgeblieben? Tranio . Der Mann war beschäftigt; da mußt' ich denn warten. Theuropides . Du bliebst doch der Alte, der Säumer von Ehmals. Tranio . O möchtest du doch an das Sprichwort gedenken: »Nicht leicht ist's, zu blasen zugleich und zu schlürfen.« Ich konnte ja doch nicht zugleich hier und dort sein. Theuropides . Was ist's jezt? Tranio .                                   Besieh dir das Haus nach Gefallen. Theuropides . Wohlan, geh voran! Tranio .                                           Soll nicht fehlen. Theuropides .                                                             Ich folge. Tranio . Der Mann, sieh, erwartet dich selbst an der Hausthür. Doch daß er's verkauft hat, das macht ihn bekümmert. Theuropides . Was will er? Tranio .                                 Ich soll dem Philolaches rathen, Daß der ihm das Haus wieder läßt. Theuropides .                                           Das bezweifl' ich. Ein Jeder mäht sein Feld für sich. Wenn unser Kauf Schlecht ausgefallen wäre, ständ' es auch nicht mehr In unsrer Macht, den Handel hinter sich zu dreh'n. Was man gewonnen, schaffe man sogleich nach Haus! Mitleid in diesen Zeiten würde thöricht sein. Tranio . Du hältst mit deinen Reden auf. Komm doch! Theuropides .                                                               Es sei! Ich bin zu deinem Dienste. Tranio . (zu Simo , indem er ihm seinen Herrn vorstellt)                                           Sieh den Alten hier! Da bring' ich ihn. Simo . Wie freut es mich, Theuropides, daß du gesund zurückgekehrt! Theuropides . Recht schönen Dank! Simo .                                               Der Sklave sagt, du möchtest gern dies Haus beseh'n. Theuropides . Wenn dir's nicht ungelegen ist. Simo .                                                               Tritt nur hinein, und sieh dich um. Theuropides . Die Frauen aber – Simo .                                           Ich bitte dich, bekümmre dich um keine Frau. Geh überall im ganzen Haus herum, als wär's das deinige. Theuropides . (bei Seite zu Tranio ) Als wär's das meine? Tranio . (leise zu Theuropides )   Bring' ihn jezt in seinem Kummer nicht darauf, Daß du's gekauft. Du siehst ja, wie betrübt er ist, der alte Mann. Theuropides . (wie vorhin) Das seh' ich wohl. Tranio . (wie vorhin)       Damit er nun nicht meint, du wollst ihn foppen gar, Erwähne nicht, daß du das Haus gekauft hast. Theuropides . (wie vorhin)                                       Ich verstehe schon. Für deine Warnung dank' ich dir, und lobe deinen edlen Sinn. (laut zu Simo ) Erlaubst du? Simo .                   Tritt hinein, und sieh dir Alles nach Belieben an. Theuropides . Gar gütig und wohlwollend bist du gegen uns. Simo .                                                                                       Das will ich auch. Tranio . Siehst du vor dem Haus den Vorhof hier, und dort den Tummelplaz? Theuropides . In der That ganz herrlich Alles! Tranio .                                                             Sieh dir auch die Säulen an! Welchen Umfang haben sie! Wie festgegründet steh'n sie da! Theuropides . Keine schönern sah ich jemals, dünkt mich. Simo .                                                                                   Ja, sie wurden einst Auch mit schönem Geld bezahlt. Tranio . (bei Seite zu Theuropides )       Vernahmest du's: »sie wurden einst? « Kaum enthält er sich der Thränen. Theuropides .                                         Und wie theuer kamen sie? Simo . Diese beiden hier drei Minen, und die Fracht noch obendrein. Theuropides . (leise zu Tranio ) Doch bei Gott, viel schlechter sind sie, denn ich sie mir erst gedacht. Tranio . Und warum denn? Theuropides .                     Weil der Holzwurm beide schon am Fuß benagt. Tranio . Wohl zur Unzeit ausgehauen, leiden sie den Schaden nun. Doch sie sind noch immer brauchbar, wenn man sie mit Pech bezieht. Der sie schuf, war kein Barbar, er hat sich nicht mit Brei genährt. Die römischen Lustspieldichter nennen als Nachbildner der Griechen alles Römische und Italische barbarisch. So sind hier unter den Barbaren Römer und Italer gemeint, die, was Kunstwerke und mechanische Fertigkeit betrifft, gegen die Griechen, wie rohe Barbaren, in den Schatten treten. Ebendieselben werden hier als Breiesser bezeichnet, da Brei ( puls ) das älteste Nationalgericht der Italer war, das bei ihnen, besonders in früheren Zeiten, sogar die Stelle des Brodes vertrat, und auch später noch die Speise der Armen war. Schau die Fugen an den Thüren! Theuropides .                                       Wohl. Tranio .                                                           Wie fest sie schlafen, sieh! Theuropides . Schlafen? Tranio .                           Nein, ich wollte sagen, wie sie festgeschlossen sind! Hast du g'nug? Theuropides .           Je mehr ich's sehe, desto mehr behagt es mir. Tranio . Siehst du das Gemälde dort: die Krähe, die zwei Geier foppt? Schau, sie zaust die beiden Geier, einen nach dem andern, durch, Unter den beiden Geiern verspottet Tranio die beiden Alten, Theuropides und Simo, die er in demselben Geschäft, wiewohl jeden auf eigene Weise, betrügt. Sieh einmal hierher zu mir, dann wirst du gleich die Krähe seh'n. Siehst du sie? Theuropides .         Fürwahr, ich sehe nichts von einer Krähe dort. Tranio . Blicke denn nach eurer Seite, weil du keine Krähe siehst, Ob du nicht die beiden Geier da vielleicht erkennen kannst. Theuropides . Ein für allemal, ich sehe von gemalten Vögeln nichts. Tranio . Laß es gut sein; deine Schuld ist's nicht; vor Alter siehst du nicht. Theuropides . Was ich sehen kann, gefällt mir alles hier ganz ungemein. Simo . Weiter fortzugehen, lohnt sich erst der Mühe. Theuropides .                                                             Räthst mir gut. Simo . (ruft einem Sklaven zu) Bursche, heda! Führ' ihn durch das Haus und die Gemächer durch. Gerne thät' ich's selber, hätt' ich auf dem Markte kein Geschäft. Theuropides . Geh mir doch mit deinem Führer! Angeführt sein mag ich nicht. Theuropides will nichts von einem Führer wissen, weil die Ausdrücke ducere, perducere, circumducere im Lateinischen (wie im Deutschen verführen und anführen ) eine böse Seite des Führens bezeichnen, und mithin einer Zweideutigkeit unterworfen sind. Ueberdies standen diese Führer, weil sie oft von dem Tempel der Venus Urania weit wegführten, in üblem Rufe, und sind mit den Kupplern fast gleichbedeutend. Simo . Durch das Haus nur. Soll dich Niemand führen? Theuropides .                                                                 Fort! Ich will es nicht. Was es sei, viel lieber irr' ich, als mich Jemand führen soll. Simo . Wie du willst. Theuropides .           So darf ich ohne Führer gehen? Simo .                                                                           Immerhin. Theuropides . Geh' ich denn! Tranio .                                   Erst will ich seh'n, ob nicht ein Hund Die Hunde, welche den Tag über an der Kette lagen, wurden in der Nacht losgelassen. In den Häusern, wo man solche Hunde hielt, wurde zur Warnung der Unbedachtsamen die Vorsicht gebraucht, daß man über der Hausthüre mit großen Buchstaben die Aufschrift anbrachte: cave canem, hüte dich vor dem Hunde. Danz. – Theuropides .                                                                                           Ja, geh und sieh! Tranio . Halt! Da ist er. Theuropides .               Wo? Tranio .                                 Geh dort herüber, geh (bei Seite)                                                       zum Geier fort! (laut) Bleibst du steh'n? Was gehst du nicht von hinnen? Simo .                                                                             Darfst nichts fürchten. Geh! Ruhig ist er, wie das Wasser. Sieh! Du kannst getrost in's Haus. Ich geh' auf den Markt. Theuropides .                       Und ich bedanke mich. Glück auf den Weg! ( Simo geht ab.) Tranio, verstehst du? Schaffe nur den Hund vom Thore weg, Wenn er auch nicht beißt. Tranio .                                     O sieh nur, wie er da so ruhig schläft!' Laß ihn doch! Sonst giltst du nur für feig und krittlig. Theuropides .                                                                       Nun, es sei! Komm nur hinter mir! Tranio .                               Ich gehe keinen Schritt von dir hinweg. (Beide gehen in's Haus hinein.) Vierter Act. Erste Scene. Theuropides und Tranio (kommen aus dem betrachteten Hause wieder zurück). Tranio . Nun, was hältst du von dem Handel? Theuropides .                                                 Ich bin ganz entzückt davon. Tranio . Scheint das Haus dir nicht zu theuer? Theuropides .                                                   Traun, ich sah noch nie ein Haus Um ein Spottgeld weggeworfen, so wie dies. Tranio .                                                                   Gefällt es dir? Theuropides . Ob es mir gefalle, fragst du? Mir gefällt es ungemein. Tranio . Welch ein Frauenzimmer! Welch ein Säulengang! Theuropides .                                                                     Unsinnig schön! Keiner in der ganzen Stadt wird, wie ich glaube, größer sein. Tranio . Ja, Philolaches und ich, wir maßen jeden Säulengang In der Stadt aus – Theuropides .               Nun? Tranio .                                 Und der hat weit die größte Länge. Theuropides .                                                                               Gott Welch ein allerliebster Handel! Käme mir jezt Einer her, Böte sechs Talente schweren Goldes blank und baar dafür, Nähm' ich's nicht. Tranio .                       Und wolltest du's auch nehmen, Herr, ich wehrte dir's. Theuropides . Unser Geld ist wahrlich gut bei dem Geschäftchen angelegt. Tranio . Sage kühn, auf meinen Rath, auf meinen Antrieb sei's gescheh'n. Denn ich trieb ihn, daß er sich vom Mäkler Geld auf Zinsen nahm, Das wir dem zum Angeld gaben. Theuropides .                                     Du erhieltst mein ganzes Schiff. Achtzig Minen sind wir ihm noch schuldig? Tranio .                                                                 Keinen Pfennig mehr. Theuropides . Heute soll er's noch bekommen! Tranio .                                                             Gut, damit kein Streit entsteht. Oder kannst es mir bezahlen; ich bezahl' es dann an ihn. Theuropides . Wenn ich dir's vertraue, daß nur kein Betrug dahinter steckt! Tranio . Ich mit Worten oder That dich täuschen, auch im Scherze nur? Theuropides . Ich vor dir mich nicht verwahren, daß man dir was anvertraut? Tranio . Hab' ich doch, seitdem ich dein bin, dich, o Herr, niemals berückt! Theuropides . Weil ich mich vor dir gehütet. Meiner Klugheit dank' ich das. Lob genug, wenn ich vor dir allein mich hüte. Tranio .                                                                   Das ist wahr. Theuropides . Geh auf's Land jezt, melde meinem Sohn, ich sei gekommen. Tranio .                                                                                                         Gut. Theuropides . Laufe schnell: er soll mit dir zugleich zur Stadt aufbrechen. Tranio .                                                                                                       Gut. ( Theuropides geht ab.) Tranio . (im Weggehen für sich) . Jezt zu meinen Spießgesellen schleich' ich durch die Hinterthür, Melde, daß es ruhig ist, und ich den Alten fortgeschafft. (geht ab.) Zweite Scene. Phaniskus , der Sklave des Kallidamates , tritt auf, und geht auf das Haus des Theuropides zu. Phaniskus . Sklaven, die, wenn auch von Schuld frei, doch sich stets vor Schlägen fürchten, Sind für ihre Herrn ein Nuzen. Aber die vor nichts sich fürchten, Wenn sie Schläge gleich verdienten, sinnen nur auf tolle Streiche, Ueben sich im Laufen ein, und flieh'n davon in alle Weite. Sind sie dann ertappt, so häufen Sie von Schlägen einen Schaz auf, weil sie's nicht an Geld vermochten. Also mehren sich die Zinsen, und der Schaz wird immer reicher. Doch in meinem Herzen ist es so bestellt: ich bin entschlossen, Schlägen lieber auszuweichen, und den Rücken recht zu schonen. Wie bis jezt, so bleibe künftig Ungewalkt und glatt mein Fell; Ich verbitte mir die Schläge. Beherrsch' ich den Mund nur, so juckt mich die Haut nicht. Wenn's Schläge sonst regnet, bin ich doch im Trocknen. Wie Knechte den Herrn haben wollen, so ist er: Gut gegen die guten, hart gegen die schlechten. So liegen bei uns auch daheim viele Schurken, Des Spartopfs Verächter, den Prügeln befreundet. Ruft man ihnen: »kommt, wir wollen unserm Herr entgegengehen, Heißt es: nein, ich gehe nicht, laß mich in Ruhe, weiß, wohin du Eilst; du sehnst dich; auf die Weide willst du, Maulthier, wohl hinausgeh'n. Solcher Lohn ward mir für all mein Wohlverhalten. Unverweilt Ging ich fort; ich unter Vielen hole meinen Herrn allein. Wenn der Herr morgen das inne wird, Wird er, ha! mit Ochsenziemern ohn' Erbarmen sie zerbläu'n. Kurz und gut, ihr Rücken gilt mir minder, als der meinige; Ihnen gönn' ich ihre Rindshaut lieber, als die Stricke mir. (er will gehen.) Dritte Scene. Phaniskus . Ein zweiter Sklave . Theuropides . Der Sklave . Halt du da, Phaniskus; alsbald bleibe steh'n, und sieh dich um! Phaniskus . Laß du mich in Ruhe! Der Sklave .                                 Sieh doch, wie sich da der Affe bläht! Phaniskus . Nun, ich bin für mich, und so beliebt mir's! Was bekümmert's dich? Der Sklave . Auf der Stelle bleibe stehen, schmuziger Schmarozer du! Phaniskus . Ein Schmarozer bin ich dir? Warum? Der Sklave .                                                           Vernimm, ich sage dir's. Weil man dich mit Leckereien locken kann, wohin man will. Spielst du darum hier den Stolzen, weil der Herr dich liebt? Phaniskus .                                                                                     Dir thun Wohl die Augen weh! »Dir thun die Augen weh,« vor Neid, meint Phaniskus, weil der Herr mich liebt. Statt dessen folgt aber die Antwort: »weil der Rauch dir lästig fällt.« Der Sklave .                           Warum denn? Phaniskus .                                                     Weil der Rauch dir lästig fällt. Der Sklave . Falscher Münzer, schweige still: du prägst ja nur Bleimünzen aus. Die sprichwörtliche Redensart bezeichnet den Scheinheiligen, der sich in die Gunst seines Herrn gesezt hat, indem er unter einem verlockenden schönen Aeusseren, wie das Gepräge auf Münzen, ein schlechtes Inneres (Blei statt Gold oder Silber) verbirgt. Phaniskus . Was du willst, versuche: doch du zwingst mich nicht, auf dich zu schmäh'n. Meinem Herrn bin ich bekannt. Der Sklave .                                       Wohl kennt er dich, und weiß warum. Phaniskus . Wärst du nüchtern, schmähtest du mich nicht. Der Sklave .                                                                       Was soll ich dir den Hof Machen, während deine Zunge mein nicht schont? Phaniskus .                                                                     Laß endlich ab, Mir von solchen Dingen ewig vorzureden, Bösewicht! Komm mit mir dem Herrn entgegen! Der Sklave .                                             Klopf' ich an die Thüre denn! (er klopft) Hollah! Ist Niemand hier, um die Thüre da vor großer Schmach Zu schüzen? Kommt Niemand heraus und öffnet mir? (er schlägt auf die Thüre) Da kommt einmal kein Mensch heraus! Vollkommen so, Wie's Schurken ziemt, so sind sie. Desto mehr bedarf's Der Vorsicht, daß mir Keiner kommt und mich zerbläut. (er legt das Ohr an die Thüre) Weder hör' ich hier Geräusch von Gästen, so wie's früher war, Weder eine Flötnerin; kein lebend Wesen rührt sich hier. ( Theuropides , der sich im Hintergrunde der Bühne auf eine Bank gesezt, wird aufmerksam und kommt näher.) Theuropides . Was ist das? Was suchen jene Leute da vor meiner Thür? Was sie wollen? Was sie gucken? Der Sklave .                                           Klopfen muß ich noch einmal. – He, schließt auf! He, Tranio, mach doch auf! Theuropides .                                                         Was soll die Posse da? Der Sklave . Mach doch auf! Alsbald! Wir holen unsern Kallidamates ab. Theuropides . Bursche, he! Was macht ihr da? Was schlagt ihr da die Thüren ein? Phaniskus . Unser Herr zecht hier im Haus. Theuropides .                                               Was? Euer Herr? Phaniskus .                                                                               Ja, sag' ich dir. Theuropides . Bursch, du bist doch gar zu spaßhaft. Phaniskus .                                                               Ihn zu holen, kommen wir. Theuropides . Wen denn? Phaniskus .                       Unsern Herrn. Wie oft verlangst du das zu hören? Theuropides .                                                                                                   Freund, Hier wohnt Niemand. Denn du scheinst mir doch ein wackrer Kerl zu sein. Denn du scheinst mir doch ein wackrer Kerl zu sein . »Du scheinst es zu verdienen, daß man dich vor Schaden und Unglück warnt, das du hier zu fürchten hättest, wenn du ein solches Haus mit frevelnder Hand auch nur aus Unkunde berührtest.« Phaniskus . Wie? So wohnt in diesem Hause nicht der junge Philolaches? Theuropides . Wohnte hier; doch schon vor langer Zeit verließ er dieses Haus. Habitavit; verum emigravit pridem ille ex hisce aedibus. Der Sklave . (zu Phaniskus bei Seite) Diesem Alten spukt's im Hirn. Phaniskus . (zu Theuropides )           Du irrst gewaltig, Väterchen. Wenn er nicht heut oder gestern ausgezogen ist, so wohnt Er gewiß hier. Theuropides .         Seit sechs Monden wohnt hier Niemand mehr. Der Sklave .                                                                                     Du träumst. Theuropides . Ich? Der Sklave .           Ja, du. Theuropides .                   Laß mich in Ruhe: red' ich doch mit diesem nur. (auf Phaniskus deutend) Hier wohnt Niemand. Phaniskus .                         Allerdings wohnt Jemand hier; denn immerfort Ward gegessen und getrunken, gestern, ehegestern, dann Immer weiter noch zurück; seitdem der Alte fortgereist, Ließ man nicht drei Tage ruhen, ohne daß man fortgezecht. Theuropides . Wie? Phaniskus .             Das Schmausen und das Zechen ließ man nicht drei Tage sein, Tanzte, buhlte, schwärmte griechisch, Lautenspiel und Flötenspiel Zog man her. Theuropides .       Wer that denn das? Phaniskus .                                         Philolaches. Theuropides .                                                         Und welcher denn? Phaniskus . Dessen Vater, wie mich dünkt, Theuropides sich nennt. Theuropides . (bei Seite)                                                                     O weh! Spricht er wahr, bin ich des Todes. Doch ich frage weiter noch. (laut) Der Philolaches, wer er sein mag, (sagst du,) hat mit eurem Herrn Hier gezecht? Phaniskus .             Ja. Theuropides .               Mensch, du bist ein größrer Dummkopf, als du scheinst. Bist du denn wohin zu Mittag eingekehrt, und hast vielleicht Einen Schluck dort über Durst dir beigelegt? Phaniskus .                                                             Wie meinst du das? Theuropides . Nun, ich meine, daß du nicht zu fremden Thüren dich verirrst. Phaniskus . Weiß ich doch, wohin ich geh'n soll, und wohin ich wirklich kam. Philolaches wohnt hier, und dessen Vater ist Theuropides; Seit der Alte fortgereist ist, hat der Sohn die Flötnerin Losgekauft. Theuropides .     Philolaches? Phaniskus .                               Ja, ja, die Philematium. Theuropides . Um wie viel? Der zweite Sklave .             Um dreißig Talente. Phaniskus .                                                           Gott bewahre! Minen nur. Theuropides . Um den Preis von dreißig Minen, sagst du, hat er sie gekauft? Phaniskus . Ja. Theuropides .   Und hat sie freigelassen? Phaniskus .                                                 Ja. Theuropides .                                                   Und hat seit jener Zeit, Da sein Vater in die Fremde reiste, stets mit deinem Herrn Hier gezecht? Phaniskus .             Ja. Theuropides .               Weiter! Hat er hier des Nachbars Haus gekauft? Phaniskus . Nein. Theuropides .       Er gab doch vierzig Minen ihm darauf als Unterpfand? Phaniskus . Nein. Theuropides .       Du machst mich todt. Phaniskus .                                             Der Sohn hat hier den Vater todtgemacht. Theuropides . (für sich) Leider wahr! O daß du lögest! Phaniskus .                                       Ist das nicht ein wackrer Sohn? Theuropides . Wohl mit Recht nennst du den Vater elend. Phaniskus .                                                                         O, das ist noch nichts, Dreißig Minen, gegen das, was sonst von ihm verschwendet wird! Theuropides . (seufzend für sich) Mit dem Vater ist's am Ende. Phaniskus .                                     Da ist sein verdammter Knecht, Tranio; der könnte selbst des Herkules Erwerb verthun. Dem Herkules fielen in Rom reiche Opfer: namentlich erhielt er den zehnten Theil von allen Eßwaaren, der bei seinem Altar (der ara maxima ) auf dem forum boarium niedergelegt wurde. Gott, wie jammert mich der Vater! Wenn der Arme das erfährt, Was in seinem Haus geschehen, frißt der Gram das Herz ihm ab. Theuropides . Wenn es wahr ist. Phaniskus .                                   Was gewänn' ich denn mit einer Lüge, Herr? Der zweite Sklave . (tritt wieder an die Thüre und pocht) Heda, ihr! Mach' Einer auf! Theuropides .                               Was polterst du, wo Niemand hört? Phaniskus . Werden wohl zu einem andern Schmause sein. (zu dem zweiten Sklaven )                                           Wir wollen geh'n. Theuropides . Wie? Du gehst schon, Bursch? – (ihm nachblickend)                                   Die Freiheit ziert dich, wie dein Mantel, »Die Freiheit ziert dich, wie der Mantel, den du trägst.« Ein Einfall, wie man ihn hier von dem Vater, dem man Betrübniß zumuthen muß, schwerlich erwarten sollte, und der nichts Anderes sagt, als: »du hast eben so wenig einen Mantel, armer Bursche, als die Freiheit.« Worauf dieser erwiedert: ich brauche keinen Mantel; denn ich decke mir den Rücken durch Gehorsam gegen die Befehle meines Herrn. Danz. Phaniskus .                                                                                                                             Wenn Ich dem Herrn gefalle, brauch' ich nichts, was meinen Rücken deckt. (er geht mit dem zweiten Sklaven ab.) Vierte Scene. Theuropides . Bald darauf Simo . Theuropides . Aus ist's mit mir! Was braucht es Worte noch? Nach dem, Was ich vernommen, war ich nicht in Aegypten nur; In Wüsten, an den fernsten Küsten bin ich weit Umhergeschifft. Jezt weiß ich nicht mehr, wo ich bin, Doch will ich's bald erfahren. Denn hier kommt der Mann, Von dem mein Sohn das Haus erstand. Wie geht es dir? Simo . Vom Markte komm' ich eben heim. Theuropides .                                           Fiel heute nicht Was Neues auf dem Markte vor? Simo .                                                   Gewiß. Theuropides .                                                   Und was? Simo . Ein Todter ward bestattet. Theuropides .                               Große Neuigkeit! Simo . Er lebte jüngst noch, hieß es. Theuropides .                                   Daß der Henker dich –! Simo . Was fragst du, Müßiggängern gleich, nach Neuigkeit? Theuropides . Weil ich von Reisen eben erst heimkam. Simo .                                                                               Ich bin Versprochen außer'm Hause; darum kann ich dich, Bei mir zu speisen, heute nicht einladen. Es war Sitte, Freunde, die von Reisen zurückkamen, zu sich einzuladen. Theuropides .                                                       Das Verlang' ich nicht. Simo .                           Doch morgen, wenn kein andrer Freund Vorher mich bittet, nehm' ich wohl das Mahl bei dir. Theuropides . Auch das verlang' ich nicht. Doch wenn kein wichtiges Geschäft dich abhält, schenke mir Gehör. Simo .                                                                 O gern. Theuropides . Bekamst du vierzig Minen nicht, so viel ich weiß, Von meinem Sohne? Simo .                                 Keinen Deut, so viel ich weiß. Theuropides . So war's vom Sklaven Tranio? Simo .                                                               Noch weniger. Theuropides . Er gab sie dir als Unterpfand? Simo .                                                             Was träumst du da? Theuropides . Ich? Keineswegs! Dir träumt es, der in solcher Art Das Ding durch Läugnen ungescheh'n zu machen hofft. Simo . Wie? Was? Theuropides .       Den Handel, den mein Sohn abschloß mit dir, Seitdem ich fort war. Simo .                                 Einen Handel der mit mir , Seitdem du fortwarst? Welchen denn? An welchem Tag? Theuropides . Ich bin dir achtzig Silberminen schuldig. Simo .                                                                               Mir Wahrhaftig nicht! Doch, bist du's schuldig, gib es her. Ein Mann, ein Wort! Die Schuld verläugnen darfst du nicht. Theuropides . Traun, nie verläugn' ich meine Schuld, ich zahle sie; Doch läugne du nicht den Empfang der vierzig ab. Simo . Ich bitte, sieh einmal mich an, und gib Bescheid. Du wolltest, sagt' er, deinen Sohn verehlichen. Deßwegen, sagt' er, müßtest du im Hause bau'n. Theuropides . Ich wollte bauen? Simo .                                           Also sagte mir der Knecht. Theuropides . Ich bin des Todes! Mir versagt der Athem! Ach! Ich gehe zu Grunde: Nachbarn, helft! Simo .                                                         Hat Tranio Den Streich gespielt? Theuropides .                     Nein, Alles hat er ausgespielt, In schnöder Weise heute dich und mich genarrt. Simo . Was sagst du? Theuropides .           Wie ich dir gesagt, verhält es sich. Auf ewig hat er heute mich genarrt, geprellt. Nun bitt' ich, hilf mir, mühe dich in meinem Dienst. Simo . Was soll ich? Theuropides .           Geh sogleich mit mir, ich bitte dich. Simo . Es sei! Theuropides .   Und schaffe Knechte mir und Stricke her! Simo . Du sollst sie haben. Theuropides .                   Dann erzähl' ich dir zugleich, Wie unerhört er heute mich genarrt, der Schalk! (Beide gehen ab.) Fünfter Act. Erste Scene. Tranio . Bald hernach Theuropides mit Sklaven , die hinter der Scene bleiben. Tranio . Wer in Nöthen zagt und zittert, gilt mir keinen Pfifferling. Was ein Pfifferling bedeutet, weiß ich freilich selber nicht. Als der Herr, um seinen Sohn zu holen, mich auf's Land geschickt, Schlich ich durch das enge Gäßchen still nach unserm Garten hin, Und den Ausgang in das Gäßchen öffn' ich dann, die Gartenthür, Führe da das ganze Heer, die Männer und die Frau'n, heraus. Als ich meine Spießgesellen, die Belagerten, entsezt, Da beruf' ich die Genossen allzumal in einen Rath. Doch sie schließen mich vom Rath aus, und ich stehe nun allein. Als ich sehe, daß das Wetter sich ergießt auf meinen Kopf, Mach' ich's, wie die meisten Menschen, die in Angst und Nöthen sind: Alles wirr' ich durch einander, daß man nicht zur Ruhe kommt. Denn ich weiß wohl, vor dem Alten bleibt es nun nicht mehr geheim. Doch warum knarrt hier des Nachbars Thüre? Sieh, da kommt mein Herr. Ah, da muß ich doch ein wenig kosten, was er sagen wird. (er schleicht sich seitwärts.) Theuropides . (zu den Sklaven ) Da bleibt auf der Schwelle stehen, daß ihr, wenn ich rufe, gleich Aus der Thüre brecht, und flugs ihm Fesseln an die Hände legt! Vor dem Hause will ich ihn erwarten, der mich striegelte, Und so wahr ich lebe, striegl' ich ihm das Leder tüchtig durch! Tranio . (für sich) Alles ist am Tage! Nun, Freund Tranio, siehe, was du thust! Theuropides . (für sich) Klug und fein muß ich dem Menschen, wenn er kommt, entgegengeh'n, Rücke nicht mit meiner Meinung gleich heraus, ich werfe nur Erst die Angelschnur allmählig aus, und stelle mich, als sei Mir von all den Dingen nichts bekannt. Tranio . (für sich)                                           Der schlaue Bösewicht! Nein, in ganz Athen ist doch kein Andrer abgefeimt, wie der! Den heut anzuführen, ist so wenig möglich, als – den Kloz. »Den heut anzuführen, ist so wenig möglich,« d. h. ist ebenso leicht, »als den Kloz« oder, wie die Urschrift sagt, den Stein. Beide Worte, Kloz und Stein, werden oft von dummen, unbehülflichen, gefühllosen Menschen gebraucht. Muß ihn angeh'n, muß ihn sprechen. Theuropides . (für sich)                             O jezt wünscht' ich, käm' er nur. Tranio . Wenn du mich vielleicht verlangst, ich stehe hier zu deinem Dienst. Theuropides . Ei, mein Tranio, wie geht's? Tranio .                                                       Die Bauern kommen bald vom Land. Auch dein Sohn wird ungesäumt hier sein. Theuropides .                                                     Er kommt mir ganz erwünscht. Unser Nachbar hier ist, glaub' ich, ein verwegner, böser Mensch. Tranio . Wie? Theuropides .   Er läugnet euch zu kennen. Tranio .                                                       Läugnet? Theuropides .                                                             Sagt, ihr hättet nie Einen Heller ihm gegeben. Tranio .                                       Treibst du Spaß? Das sagt er nicht. Theuropides . Wie? Was meinst du? Tranio .                                             Daß du scherzest, denn er läugnet sicher nichts. Theuropides . Läugnet allerdings, und sagt auch, daß er meinem Sohn das Haus Nicht verkauft. Tranio .                     Er will es läugnen, daß man ihm das Geld bezahlt? Theuropides . Wohl, und ist zum Eid erbötig, wenn ich's etwa fordere, Daß er nicht sein Haus verkaufte, noch das Geld von uns empfing. Ich erbot mich auch zum Eid. Tranio .                                           Und er? Theuropides .                                               Versprach mir zum Verhör Alle seine Knechte. Tranio .                           Das sind Possen! Diese stellt er nie. Theuropides . Doch – er stellt sie. Tranio .                                           Fordr' ihn vor Gericht. (er stellt sich, als wolle er gehen.) Theuropides .                                                                       O bleib'! Ich rechte schon Selbst mit ihm, das darfst du glauben. Tranio .                                                       Ueberlaß den Menschen mir. Oder laß ihn auf Besiz des Hauses klagen. Theuropides .                                                     Nein, zuerst Nehm' ich zum Verhör die Knechte. Tranio .                                                     Ja, da thust du, mein' ich, recht. Theuropides . Wenn ich gleich die Leute riefe? Tranio .                                                               Sollte längst geschehen sein. Unterdeß nehm' ich den Altar ein. Theuropides .                                         Warum? Tranio .                                                                 Du merkst doch nichts. Daß die Knechte nicht hieherflieh'n, die er zum Verhöre gibt. Wache halt' ich hier, damit doch das Verhör zu Stande kommt. (er sezt sich auf einen Straßenaltar.) Theuropides . Steh doch auf! Tranio .                                   Nein, nein! Theuropides .                                             O nimm doch nicht den Altar ein! Tranio .                                                                                                             Warum? Theuropides . Weil ich gar sehr wünsche, daß sie dahin fliehen. Laß es zu! Desto sichrer, denk' ich, legt der Richter ihm das Zahlen auf. Tranio . Wie du willst. Doch sprich, warum du's jezt noch weiter treiben willst. Weißt ja, welch ein ängstlich Ding es ist, den Richter anzugeh'n. Theuropides . Steh doch einmal auf! Ich möchte was mit dir berathen. Tranio .                                                                                                 Gut: Auch von hier aus kann ich rathen. Sizend hab' ich mehr Verstand. Mehr Gewicht auch hat der Rathschlag, der von heil'ger Stätte kommt. Theuropides . Steh doch auf! Laß doch die Possen! Sieh mich an! (er macht dem Tranio ein freundliches Gesicht) Tranio .                                                                                           Nun? Theuropides .                                                                                           Siehst du wohl? Tranio . Wohl, ich sehe. Käme noch ein Dritter, er verhungerte. Theuropides . Und warum? Tranio .                               Der könnte nichts verdienen. Wir sind beide schlau. Wir beide, will Tranio sagen, sind so listig und fein, einander zu prellen, daß ein Dritter, der zu uns käme, uns um etwas zu betrügen, aus Mangel an Erwerb Hungers sterben müßte. Theuropides . Wehe mir! Tranio .                             Was ist dir? Theuropides .                                       Hast mich angeführt. Tranio .                                                                                 Wie so? Theuropides .                                                                                     Mich derb Ausgeschneuzt. Tranio .                     Nun? Macht' ich's wacker? Ist die Nase noch im Fluß? Theuropides . Hast sogar mein ganzes Hirn mir aus dem Kopfe weggeschneuzt. Eure Schelmereien alle fand ich bis zur Wurzel auf, Aber nicht bloß bis zur Wurzel, sondern von der Wurzel aus. Doch fürwahr, du sollst mir heut nicht ungestraft von dannen geh'n. Nein, mit Holz und Feuer lass' ich dich umgeben, Henkersknecht! Der Altar ist in der alten Welt für alle Hülfesuchenden, selbst für Verbrecher, eine Freistätte, und es war nicht erlaubt, Jemanden, der sich an einen Altar geflüchtet hatte, mit Gewalt davon wegzureißen; doch durfte man alle übrigen Mittel anwenden, ihn wegzubringen, wenn nur der Flüchtling nicht dabei berührt wurde. Tranio konnte also nur durch ein rund umher angelegtes Feuer vom Altare vertrieben, oder durch den Qualm desselben erstickt werden. Tranio . Thu' es nicht; gesotten schmeck' ich besser als gebraten noch. Theuropides . Will an dir ein Beispiel geben. Tranio .                                                             Weil ich dir gefalle, wohl? Theuropides . Als ich wegging, Schurke, sprich, wie ließ ich meinen Sohn zurück? Tranio . Mit den Händen, Füßen, Fingern, mit den Ohren, Augen, Mund. Theuropides . Etwas Andres fragt' ich eben. Tranio .                                                           Und ich antwort' Anderes. Doch da kommt Kallidamates, seh' ich, deines Sohnes Freund. Hast du was mit mir zu sprechen, sprich's in seiner Gegenwart. Zweite Scene. Kallidamates . Theuropides . Tranio . Kallidamates . (für sich) Als ich allen Schlaf begraben, ausgeschlummert meinen Rausch, Sagte mir Philolaches, sein Vater wäre wieder da, Und in welcher Art sein Knecht ihn bei der Ankunft angeführt. Doch er scheue sich, zu treten vor des Vaters Angesicht. Nun bin ich von allen Freunden ganz allein erseh'n, um ihn Mit dem Vater auszusöhnen. Doch da steht er ganz erwünscht. (zu Theuropides ) Sei willkommen! Daß du glücklich heimgekehrt, Theuropides, Freut mich recht. Nimm heut bei uns dein Abendmahl, ich bitte dich. Theuropides . Mögen dich die Götter segnen! Für die Mahlzeit dank' ich dir. Kallidamates . (dringend) Komm! Tranio .       Versprich's; ich geh' an deiner Stelle, wenn dir's nicht beliebt. Theuropides . Kerl, du willst noch spotten? Tranio .                                                         Weil ich gehen will an deiner Statt? Theuropides . Sollst nicht geh'n; du wirst getragen, wie du's wohl verdient, an's Kreuz. Kallidamates . Laß das; komm mit mir zu Tische! Tranio .                                                                   Sage zu! Was schweigst du, Herr? Kallidamates . (zu Tranio ) Aber weßhalb bist du, Dummkopf, an den Altar hingefloh'n? Tranio . Angst befiel mich, als er ankam. (zu Theuropides )                             Sage nun: was that ich denn? Sieh, da steht für Beide jezt der Richter da. Sprich du zuerst! Theuropides . Meinen Sohn hast du verführt, behaupt' ich. Tranio .                                                                                 Höre jezt auf mich. Ich bestreite nicht, er zechte, kaufte sich ein Mädchen frei, Als du fortwarft, borgte Geld auf Zinsen, und verthat es dann. That er da, was nicht auch Söhne selbst der besten Häuser thun? Theuropides . Traun, ich muß vor dir mich hüten; denn du redest gar zu schlau. Kallidamates . Laß mich hier entscheiden. (zu Tranio )                                       Du, steh' auf: ich seze mich dahin. Theuropides . Recht so! Führe du die Sache. Tranio . (vom Altar aufstehend)                       Traun, dahinter steckt Betrug. »Dahinter steckt Betrug.« Tranio glaubt, man wolle ihn vom Altar weglocken, um seiner habhaft zu werden, und ihn züchtigen zu können. (zu Kallidamates ) Daß ich aller Angst entrückt sei, übernimm du meine Furcht. Theuropides . Alles Andre nehm' ich leichter, als die Art, mit welcher der Mich gefoppt. Tranio .                   Wahrhaftig, das war wohlgethan, und freut mich recht. Wenn man schon ein graues Haupt hat, sollte man wohl klüger sein. Theuropides . Was zu thun, wenn meine Freunde, Demipho, Philonides – Tranio . Denen sage, wie dein Knecht dich heut am Narrenseil geführt. Wohl die reichsten Stoffe bietest du zu Possenspielen dar. Kallidamates . (zu Tranio ) Schweig' ein wenig! Laß auch mich ein Wörtchen reden! (zu Theuropides )                                                             Höre mich! Theuropides . Nun? Kallidamates .         Du weißt, ich bin der beste Freund von deinem Sohne. Der Ging mich an: er schämt sich, selbst zu treten vor dein Angesicht. Denn er weiß wohl, daß du weißt, was er gethan. Nun bitt' ich dich: Seine Thorheit, seine Jugend sieh ihm nach; er ist dein Sohn. Weißt du doch, daß dieses Alter solches Spiel zu spielen pflegt. Was er that, er that's vereint mit uns: wir tragen alle Schuld. Zinsen, Hauptgeld, allen Aufwand, was das Mädchen kostete, Das bezahl' ich Alles, bring' ich Alles auf; dich kostet's nichts. Theuropides . Kein Fürbitter konnte kommen, der mich mehr für sich gewann, Als wie du. Ich zürne nicht mehr, habe nichts mehr wider ihn. Buhl' er denn vor meinen Augen, zeche, thue, was er will; Schämt er sich nur der Verschwendung, ist er mir bestraft genug. Kallidamates . Er vergeht vor Scham. Tranio . (für sich)                                 Ihm ist verziehen. (laut)                                                                     Was wird jezt aus mir? Theuropides . Hängend lass' ich dich mit Ruthen geißeln, Kerl – Tranio .                                                                                         Auch wenn mich's reut? Theuropides . Tödte dich, so wahr ich lebe! Kallidamates .                                               Mache deine Gnade voll, Und vergib um meinetwillen seine Schuld dem Tranio. Theuropides . Alles Andre will ich leichter dir gewähren, als ich dem Schurken da für böse Thaten bösen Tod erlassen will. Kallidamates . Bitte, laß ihn laufen. Theuropides . (da Tranio ganz keck sich umsieht und Grimassen schneidet)                                                   Siehst du, wie er dasteht noch, der Schuft? Kallidamates . Tranio, wenn du gescheidt bist, ruh' einmal! Theuropides .                                                                         Freund, ruhe du Nur mit Mahnen. Bläu' ich ihn, dann bring' ich ihn zur Ruhe schon. Kallidamates . Dessen wird es nicht bedürfen. Bitte! Laß dich doch erfleh'n! Theuropides . Bitte nicht! Kallidamates .                   Ich bitte dennoch. Theuropides .                                                 Bitte nicht! Kallidamates .                                                                   Du wehrst umsonst. Diesen Einen Fehl erlaß ihm, mir zulieb', ich bitte dich. Tranio . Was bedenkst du dich? Bis morgen stell' ich schon was Neues an. Kannst du dann doch Beides, Alt und Neues, derb abzüchtigen. Kallidamates . Laß dich doch erfleh'n! Theuropides . (zu Tranio )                       So geh, geh ungestraft, und dank' es dem! – (an die Zuschauer) Meine Herren, unser Stück ist jezt am Ende. Klatschet uns! Uebersicht der Sylbenmaße. Erster Act. Erste Scene . V. 1 –84. Vollständige sechsfüßige Jamben. Zweite Scene . V. 1 –6. Vollständige vierfüßige Bakcheen. V. 7 . Ein zweifüßiger bakcheischer Vers. V. 8 –15. Vierfüßige Bakcheen. V. 16 . Ein zweifüßiger bakcheischer Vers. V. 17 –21. Vierfüßige Bakcheen. V. 22 . 23. Vollständige achtfüßige Jamben. V. 24 . 25. Vierfüßige kretische Verse. V. 26 . 27. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 28 . Ein vierfüßiger kretischer Vers. V. 29 . Ein unvollständiger achtfüßiger trochäischer Vers. V. 30 . Ein vierfüßiger kretischer Vers. V. 31 . Ein unvollständiger vierfüßiger trochäischer Vers. V. 32 –35. Vierfüßige Kretiker. V. 36 –40. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 41 –47. Vierfüßige Bakcheen. V. 48 . Ein unvollständiger achtfüßiger trochäischer Vers. V. 49 . Ein zweifüßiger Bakcheus. V. 50 . 51. Vollständige achtfüßige Jamben. V. 52 . Ein vollständiger vierfüßiger jambischer Vers. V. 53 . Ein achtfüßiger jambischer Vers. V. 54 –70. Sechsfüßige Jamben. V. 71 . Wie V. 52. V. 72 –75. Vierfüßige Kretiker. V. 76 –78. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Dritte Scene . V. 1 –90. Unvollständige achtfüßige Jamben. V. 91 –154. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Vierte Scene . V. 1 . Ein sechsfüßiger jambischer Vers. V. 2 –9. Vierfüßige Bakcheen. V. 10 . 11. Vierfüßige Kretiker. V. 12 . Ein vollständiger achtfüßiger jambischer Vers. V. 13 –17. Vierfüßige Kretiker. V. 18 . 19. Vierfüßige Bakcheen. V. 20 . Ein vierfüßiger kretischer Vers. V. 21 . Ein dreifüßiger Kretiker. V. 22 . Wie V. 20. V. 23 . Ein vollständiger achtfüßiger jambischer Vers. V. 24 –27. Verse, bestehend aus zwei Kretikern und zwei Trochäen mit einer überzähligen Sylbe. V. 28 –33. Vierfüßige kretische Verse. V. 34 –36. Sechsfüßige Jamben. Zweiter Act. Erste Scene . V. 1 –15. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 16 –61. Vollständige achtfüßige Jamben. V. 62 –82. Sechsfüßige Jamben. Zweite Scene . V. 1 –98. Sechsfüßige Jamben. Dritter Act. Erste Scene . V. 1 –154. Sechsfüßige Jamben. Zweite Scene . V. 1 . 2. Verse, bestehend aus zwei Jamben und drei Trochäen mit einer überzähligen Sylbe. V. 3 . 4. Vierfüßige Kretiker. V. 5 . 6. Verse, bestehend aus zwei Kretikern und zwei Trochäen mit einer überzähligen Sylbe. V. 7 . 8. Vierfüßige Kretiker. V. 9 . 10. Wie V. 5. 6. V. 11 . 12. Wie V. 1. 2. V. 13 . Ein dreifüßiger Kretiker. V. 14 . Ein unvollständiger sechsfüßiger trochäischer Vers. V. 15 . Wie V. 13. V. 16 . 17. Wie V. 5. 6. V. 18 . Ein Vers, bestehend aus einem jambischen Dimeter (oder einem vierfüßigen jambischen Vers nach römischer Messung) und zwei Trochäen mit einer überzähligen Sylbe. V. 19 . Wie V. 5. 6. V. 20 . Ein vierfüßiger kretischer Vers. V. 21 –27. Verse, bestehend aus zwei Kretikern und drei Trochäen mit einer überzähligen Sylbe. V. 28 –35. Vierfüßige Kretiker. V. 36 . Ein dreifüßiger kretischer Vers. V. 37 –39. Wie V. 21 ff.. V. 40 –42. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 43 –57. Vierfüßige kretische Verse. V. 58 –96. Sechsfüßige Jamben. V. 97 –110. Vierfüßige Bakcheen. V. 111 –116. Sechsfüßige Jamben. V. 117 –129. Vollständige achtfüßige Jamben. V. 130 –169. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Vierter Act. Erste Scene . V. 1 –28. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Zweite Scene . V. 1 –4. Vollständige achtfüßige Trochäen. V. 5 . Ein vierfüßiger trochäischer Vers. V. 6 –9. Vollständige achtfüßige Trochäen. V. 10 . Wie V. 5. V. 11 . Ein unvollständiger vierfüßiger trochäischer Vers. V. 12 . Wie V. 5. V. 13 –18. Vierfüßige Bakcheen. V. 19 –21. Vollständige achtfüßige Trochäen. V. 22 . 23. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 24 . Ein dreifüßiger Kretiker. V. 25 –27. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Dritte Scene . V. 1 –74. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Vierte Scene . V. 1 –47. Sechsfüßige Jamben. Fünfter Act. Erste Scene . V. 1 –73. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Zweite Scene . V. 1 –59. Unvollständige achtfüßige Trochäen.