Aischylos Die Schutzflehenden Personen Chor der Danaiden Danaos Pelasgos, König der Argeier Herold (Ufergegend zwischen der See und der Stadt Argos. Der Chor der flüchtigen Danaiden mit den Mägden zieht ein; unter ihnen der greise Danaos) Chorführerin: Zeus, Flüchtlingshort, Schau gnädig herab auf unseren Zug, Der zu Meer von des Nilstroms Mündungen her, Von den feinsandigen, Aufbrach; und verlassend die heilge Heimat, die an Syria grenzt, flohn wir, Um Blutschuld nicht ins Elend zu gehn, Vom Gerichte des Volkes verurteilt; Den verwandten, den bräutigamsflüchtigen Bund, Mit Aigyptos' Söhnen die Hochzeit flohn Voll Abscheu wir; und Danaos selbst, Mein Vater und Rater und Führer zur Tat, Er ersann, er gebot Uns dies' glorwürdigste Trübsal: Rastlos zu entfliehn durch die wogende See Und zu landen am Argosstrande, woher Ja unser Geschlecht von der schweifenden Kuh, Vom Berühren, vom leis anwehenden Hauch Des Kroniden sich rühmt zu entstammen. Drum welch Land wohl, liebreicher denn dies, Könnten betreten wir, Dies bittende, wollenumwundne Gezweig Schutzflehender fromm in den Händen? O droben ihr Himmlischen, deren die Stadt Und das Land und die leuchtenden Wasser, und ihr Schwerstrafenden drunten im Hades, Und Zeus, Heiland, der das Haus, das Geschlecht Du der Frommen bewahrst, Aufnehmet der Fraun schutzflehenden Zug; Doch den männergedrängt frechtrotzenden Schwarm, Des Aigyptos' Geschlecht, Eh ihr Fuß dies sandige Ufer betritt, So verschlagt sie in jagenden Barken hinaus In die offene See, Wo die wettergegeißelte Sturmnacht sie, Wo sie Donner und Blitz, Wo des regengepeitschten Orkanes Gewalt In der brausenden See sie vernichte, Eh das Bett, das Themis ja ihnen versagt, Eh mit ringender Hand das erzwungene Bett Der bewältigten Muhmen sie schänden. Erste Strophe Flehend gewendet zu dir, Sohn des Zeus, du der jenseitigen Heimat Hort, von der blumenweidenden Kuh, Unserer Ahnin, gezeuget von Zeus' Hauch – Denn, der sie rührte, der Hauch, ihn erfüllte im Namen das ewge Verhängnis, Als sie Epaphos' Kraft gebar, glorreich. Erste Gegenstrophe Flehend zu dir denn gewandt, Will ich jetzt, in den grasreichen Aun der hehren Mutter einstige Qual Feiernd, ein unwiderlegliches Zeugnis Sagen, von welchem verschieden und nimmer erwartet sich alles an uns zeigt; Doch begreift mit der Zeit man einst dies auch. Zweite Strophe Stünd in der Näh einer der Einheimischen jetzt Zu Vogelfang und hörte diese Klage, Würd er meinen, in wehklagendem Gram sei es der Tereïschen Gattinnen Gesang, Der falkgejagten Nachtigall, Zweite Gegenstrophe Die von des Bachs Ufern, den Waldbüschen verscheucht, Wehklagt im Gram verlorner Heimat, Hinzusinget des Lieblinges Geschick, welchen sie selbst schlug mit der mordblutigen Hand, Unmütterlichen Zorns verwirrt. Dritte Strophe Ebenso schmerzenbefreundet im Gram iaonischer Klagen, Reiß ich wund mir die nilblühende, weiche Wange, Mein tränenunkundig Herz wund, Des Kummers Blume pflück ich mir, Vor den Meinen in Angst, ob mir der Flucht aus dem umnebelten Land Irgendwer noch denken mag. Dritte Gegenstrophe Höret, o Götter ihr unsres Geschlechtes, ihr kennt das Gerechte, Nur nicht ganz wider Gebühr laßt es an uns zu End gehn; Nur hasset treu allen Frevel, So wahrt ihr wohl der Ehe Recht. Kampfesermüdeten auch wird ein Altar, auch den Entflohnen der Schlacht Rettend Heil der Götter Furcht. Vierte Strophe Möcht ein Gott es uns lassen gedeihn. Ja, der Gedanke des Zeus, schwer ist der zu erjagen; Dennoch flammet er rings Auch in Nacht dem Menschen her aus dunklem Gewölk des Unheils. Vierte Gegenstrophe Vorstürzt siegend und nicht in den Staub, wenn sie gereift in Zeus' Haupt, die Tat der Vollendung; Denn hinzieht sich versteckt Seines Willens Pfad, rings schattendicht, zu erschaun unmöglich. Fünfte Strophe Hinabstürzt hoch von hochgetürmten Hoffnungen er Menschenwahn. Gewalt wappnet nimmer niemand Ungestraft den Ewigen hoch Droben; ein Gedanke schon, ein Blick Dort von den heiligen Thronen kann alles zumal vernichten. Fünfte Gegenstrophe Herabsieh auf den Frevelmut, wie jetzt dieser Stamm dichtgezweigt Ausschlägt meiner Ehe lüstern, Frech in unheilratendem Mut, Der, vom eignen listgewandten Wahn Heftig gepeitscht, betrogen einst traurigstes Los bereun wird. Sechste Strophe Dies harte Los, wir sagen, wir klagen es laut. Dies bittre, gellende, tränenentquellende Weh, Ach weh uns, weh! Im heißen Wehruf jammerlaut! Lebend bejammr ich selbst mich! Flehend zu dir, apischer Holm, ruf ich! Barbarensprache, ja du kennst sie! Und mit geschwinder Hand, Sieh, zerfetz ich das Linnenkleid, sieh, das Sidonerstirntuch! Sechste Gegenstrophe Denn Göttern weiht sich der Glücklichen heiliger Dank, Wenn fern dem Tod, der sie lauernd umdräut, entflohn sie. Ach weh uns, weh! O schwerenträtselt Wehgeschick! Welle, wohin noch treibst du? Flehend zu dir, apischer Holm, rufe ich! Barbarensprache, ja du kennst sie! Und mit geschwinder Hand, Sieh, zerfetz ich das Linnenkleid, sieh, das Sidonerstirntuch! Siebente Strophe Das Ruder trug, des Kieles lein'gebundenes wellensichres Haus, Mich trug es rettend her mit frischem Wind; Nicht beklag ich's, doch den Ausgang wolle mir einst, Allschaunder Allvater, Gnadenreich gewähren. Wollest der vielheiligen Ahnin Kinder Der Ehe, wehe! Unvermählt, unbezwungen lassen fliehn! Siebente Gegenstrophe So schaue froh dann auf mich Frohe wieder die reine Tochter des Zeus, Der heilig pranget unsres Tempels Bau. Mir vor aller Macht und Not nie Wankenden sei, Jungfrau, mir Jungfrau sei Retterin und hilfreich. Wollest der vielheiligen Ahnin Kinder Der Ehe, wehe! Unvermählt, unbezwungen lassen fliehn! Achte Strophe Willst du nicht – wir dunkle, Sonnenglutgewohnte Schar, Wir kehren dann Ein zum erdumnachteten, Ein zum allaufnehmenden Todes-Zeus mit flehendem Zweig, Stumm in Schlingen sterbend, Unerhört euch, ihr Götter droben! O Zeus, Ios Gericht geißelt uns auch gottverhängt; Das Unheil deines olympmächtgen Gemahls kenn ich; ein grauser Haß Weht mir diesen Sturm zu. Achte Gegenstrophe Dann mit böser Rede Wird man dein gedenken, Zeus, Wenn du der Kuh Knäbelein mißehretest, Das du selbst dir einst gezeugt, Wenn du von uns kehretest Trotz unsres Flehns dein Antlitz! Droben, Zeus! Hör in Gnaden unser Flehn! (O Zeus, Ios Gericht geißelt uns auch gottverhängt! Das Unheil deines olympmächtgen Gemahls kenn ich; ein grauser Haß weht mir diesen Sturm zu.) Danaos: Verständig, Kinder! Denn mit mir verständigem Kamt ihr, dem meerfahrtkundgen, treuen Vater her. Jetzt auf dem Land auch Schutz zu finden, rat ich euch, Seid voller Vorsicht, meiner Worte wohlgedenk. Ich seh des Heers lautlosen Boten schon, den Staub; Auch schweigt der Naben achsentreibend Eilen nicht; Und eine lanzentragende, schildbewehrte Schar Seh ich mit Roß und Wagen prunkvoll schon sich nahn. Die Fürsten dieses Landes werden wohl, gelockt Durch schnelle Botschaft, selbst sich nahn, um uns zu sehn. Doch mag in Frieden oder voll der ganzen Wut Grausamer Roheit jener Zug herniederziehn, Doch ist's, o Mädchen, jedenfalls geratener, An dieser Kampfgottheiten Herd zu sitzen. Mehr Als Turm und Burgwall schützt des Altars feste Burg. Auf, scharet schnell euch, faßt den weißumwundenen Ölzweig, den ehrfurchtheilgen Schmuck des hehren Zeus, In frommer Demut an mit ehrfurchtlautrer Hand; Antwortet schamhaft, kummervoll das Nötige Den Herrn in diesem Lande, wie's Fremdlingen ziemt; Erzählt verständig eure blutschuldlose Flucht; In eurer Stimme möge ja nichts Freches sein, Vielmehr ein sittsam Wesen sonder Eitelkeit Aus eurem anspruchslosen Aug sanftmütig schaun; Auch weder vorlaut noch zu breit und schleppend sei Im Reden. Solch ein Wesen ist gar sehr verhaßt. Nachgeben müßt ihr, flüchtig, fremd, bedürftig hie, Denn kecke Rede ziemt den Unglückselgen nie. Chorführerin: Verständig, Vater, sprachst du zu uns Verständigen; So werd ich sorgsam deiner treu besorglichen Weisung gedenken; Vater Zeus, du sieh darein! Danaos: Ja, gnadenreichen Auges mag er schaun zu euch; O Zeus, erbarm dich, eh die Gefahr uns ganz erdrückt! Chor: Dir will ich nah mich setzen an des Altares Rand. Danaos: So säumet nicht mehr, möchte glücken dieser Gang. Chor: Wenn er geneigt ist, endet noch dies alles froh. Danaos: Zeus' lichtbeschwingten Adler rufet betend an. Chor: Anflehn wir, vielerrettend Sonnenauge, dich! Danaos: Des Himmels Flüchtling Phoibos auch, den lautren Gott. Chor: Des Loses kundig, fühlt er mit uns unsern Gram. Danaos: Mitfühlen, mit euch streiten mag er gnädiglich. Chor: Wen ruf ich weiter unter jenen Göttern an? Danaos: Ich seh den Dreizack, hehren Gottes Zeichen, dort. Chor: Hertrug's mich freundlich, freundlich nehm es hier mich auf! Danaos: Und da der fremde Hermes nach Hellenenbrauch! Chor: Wollst uns Befreiten Herold froher Kunde sein! Danaos: Begrüßt mit Andacht all der Hochgewaltigen Alleinen Altar, setzt an heilge Stätte euch Wie ein Taubenschwarm, vor gleichbeschwingten Falken bang, Den blutverwandten Feinden, unsres Stammes Fluch! Der Vogel, der vom Vogel fraß, wie wär er rein? Und der ein sich sträubend Weib vom sträubenden Vater freit, Der sollte rein sein? Nimmer, selbst im Totenreich Nicht wird, der das tat, seiner Tat Gericht entfliehn. Auch dort, so glaubt man, richtet über alle Schuld Ein andrer Zeus der Toten einst ein Jüngst Gericht.- So seid bedachtsam und verlaßt nicht diesen Ort, Damit in Freuden eure Sache siegen mag. – (Pelasgos, der König von Argos, tritt zu Wagen mit Gefolge auf) Pelasgos: Woher gebürtig soll ich den ungriechischen, In fremder Kleidung und Verhüllung prangenden Barbarenschwarm begrüßen? Nicht argolisch ist Der Weiber Anzug, nicht hellenischem Brauch gemäß; Und daß dem Land ihr sonder Herold, führerlos, Niemandem gastbefreundet, hier dennoch zu nahn Getrost gewagt habt, wunderbar erscheint es mir. Zwar liegen nach der Schutzgewärtigen frommem Brauch Ölzweige bei euch auf der Kampfgottheiten Herd; Dies einzig kann entziffern ein hellenisch Aug; Auf vieles sonst noch raten ließe Tracht und Art, Wär uns zurechtzuweisen nicht dein Mund bereit, Darum, so gib Antwort und sprich getrost zu mir. Chor: Von meiner Kleidung sagtest du kein irrig Wort; Wie aber nenn ich dich denn? einen Bürgersmann, Des Tempels hütenden Priester, Oberhaupt der Stadt? Pelasgos: Ich bin Palaichthons Sohn, des erdgeborenen, Pelasgos heiß ich, dieses Landes Fürst und Herr; Ein Volk, Pelasger nach mir selbst, dem Könige, Ruhmvoll geheißen, pflügt die Fluren meines Reichs; Und alle Lande, welche tränkt der Axios, Der Strymon, nenn ich mein vom fernsten Westen her. In meinen Marken liegen der Perrhaiber Gau'n, Liegt Pindos' Abhang bis Paionias Feldern, liegt Dodonas Bergland; Grenze setzt erst meinem Reich Des Meeres Brandung. Dies zu jenem nenn ich mein. Doch dieser Landschaft Boden wird seit alter Zeit Zu seines Heilands Ehren Apia genannt; Denn aus Naupaktia war es, daß Apollons Sohn, Der Seherheiland Apis kam und unser Land Von menschenmordenden Ungeheuern säuberte, Die von alter Blutschuld grausenhaft der Erde Schoß Befruchtet zeugte, eine fluchempörte Brut, Ein drachenwimmelnd, allvernichtend Mordgenist. Daß Apis truglos wider sie ausrottende Und sühnende Mittel diesem Land anwendete, Drum feiert dankbar sein Gedächtnis unser Dienst. Nachdem du also weißest, was mich anbetrifft, Nenn dein Geschlecht auch und erzähl das weitere; Doch sind dem Volk weitschweifige Reden nicht beliebt. Chor: Hör's kurz und klar. Argiverinnen dürfen wir Uns rühmen, Enkel jener hochbeglückten Kuh; Das alles läßt dich wahr erfinden mein Bericht. Pelasgos: Unglaublich sagt ihr, unerhört, ihr Fremdlinge, Daß dies Geschlecht von Argos euch sei stammverwandt; Den Weibern Libyens seid ihr wahrlich ähnlicher, Doch nun und nimmer unsren hier einheimischen; Eh mag der Nilstrom nähren solche Blumenflur, Der kyprische Zug in euer mädchenhaft Gesicht Von dem Stempel eingepräget sein, der euch gezeugt; Für Inder, die nomadisch auf der trabenden Kamele Saumtierrücken fern das Heideland Längs Aithiopias Marken scheu durchschweifen solln, Für mannentwöhnte, menschenbluteslüsterne Amazonen würd ich, wärt ihr Bogenschützen, ehr Euch halten. Wissen möcht ich drum genau belehrt, Wiefern nach Argos dein Geschlecht und Stamm gehört. Chor: Es soll des Heratempels Schlüsselwalterin In Argos' Landen Io einst gewesen sein, Die, wie es gleichfalls aller Menschen Sage weiß – Pelasgos: Und weiter, heißt's nicht, daß sie Zeus umarmet hat? Chor: Ja, ihre Liebe ward vor Hera offenbar. Pelasgos: Und welches Ende nahm der Götter Zwist darauf? Chor: Es schuf zur Kuh sie Argos' Göttin zürnend um. Pelasgos: Nicht wahr, es ging nun Zeus zur schöngehörnten Kuh? Chor: So sagt man; ein kuhbrünstger Stier war's an Gestalt. Pelasgos: Was tat des Zeus Gemahlin drauf in ihrer Macht? Chor: Den allesschaunden Hüter sandte sie der Kuh. Pelasgos: Wie nennst du den einsam allerspähnden Hirten, sprich? Chor: Argos, den Sohn der Erde, den drauf Hermes schlug. Pelasgos: Und was verhing sie nun der unglückselgen Kuh? Chor: Den Stich der Bremse, den brennenden, rastlos jagenden – Pelasgos: Der aus der Heimat weit in weiter Flucht sie trieb. Chor: Jawohl; du sagest dies völlig überein mit mir. Pelasgos: Und gen Kanobos floh sie, floh gen Memphis' Stadt – Chor: Da berührt' sie Zeus Hand und erweckt' den Samen ihr. Pelasgos: Wer rühmt sich, Zeus' Knäblein zu heißen und der Kuh? Chor: Epaphos, in Wahrheit alles Heiles Hort genannt. ( Pelasgos: Wer führte weiter sein Geschlecht? Sag's mir genau!) Chor: Er zeugte Libya, weiter Lande Königin. Pelasgos: Wie nennst du wieder ihres Schoßes jungen Sproß? Chor: Belos, den Vater unsres Vaters, unsres Ohms. Pelasgos: So nenn des Vaters allenthüllenden Namen mir. Chor: Danaos, der Bruder unsres fünfzigsohnigen Ohms. Pelasgos: Auch dessen Namen vorenthalt uns länger nicht. Chor: Aigyptos. – So nun kundig meines alten Stamms, Gedenk emporzurichten uns Argiverschar. Pelasgos: Wohl scheinet ihr ursprünglich teil an diesem Land Zu haben; aber was hat euch vermocht, das Haus Zu fliehn der Väter? Welch Geschick kam über euch? Chor: O Fürst, des Grams Gestalten sind unzählige, Und Leiden siehst du neu und neuen Fluges nahn. So wer gedachte dieser unerhörten Flucht, Zu landen einst in Argos' urverwandtem Land, In tiefstem Abscheu beides fliehend, Eh und Bett? Pelasgos: Wie sagst du, warum flehst du um dieser Götter Schutz, In der Hand den weißumwundnen frischgepflückten Zweig? Chor: Um Magd Aigyptos' Söhnen nimmermehr zu sein. Pelasgos: Weil du sie hassest? Oder schreckt ein Frevel dich? Chor: Wer kann Verwandte über sich als Herren sehn? Pelasgos: Dann wird den Mächtgen sehr erhöht die eigne Macht. Chor: Dann wird den Schwachen leicht, zu enden ihre Not! – Pelasgos: Wie kann ich euch barmherzig mich erzeigen, sprecht? Chor: Gib, wenn sie es fordern, nicht den Feinden gib uns preis. Pelasgos: Du forderst Schweres, daß ich beginne neuen Krieg! Chor: An deiner Schutzgenossen Seite kämpft das Recht! Pelasgos: Wenn's nur von Anfang eures Tuns Geleiter war! Chor: Fürst, scheu den so umlaubten Altar deiner Stadt! Pelasgos: Mich entsetzt es, zweigumschattet diesen Sitz zu schaun. Chor: Der Zorn des Schützlingshortes Zeus ist streng und schwer. Erste Strophe Palaichthons teurer Sohn, höre du Mich mit geneigtem Sinn, Pelasgerkönig; Sieh mich, die Flehende, Bangfliehnde, die Zitternde, mich Wie ein weißglänzendes Lamm, das um des Felsenhangs Schwindelnden Scheitel irrt; harrend auf Hilfe blökt es, Dem Hirten sein Leid zu sagen! Pelasgos: Mit frischgepflückten Zweigen schattig überlaubt Seh ich der Kampfgottheiten neugeselligen Herd. – Laßt uns gefahrlos dieser Flüchtigen Nähe sein, Nicht unerwartet, unvorherbedacht die Stadt In Fehde fallen, nicht verlangt darnach das Volk! Erste Gegenstrophe Chor: Laß, Themis, frei von Schuld unsre Flucht, Du fluchtschirmend Kind des Losschüttlers Zeus! Und von den Jüngeren hör du es, erfahrner Greis: Wenn du den Flehnden ehrst, wird es dir wohlergehn; Opfer zu nehmen geneigt ist der Unsterblichen Gnade Von jegliches Frommen Händen! Pelasgos: Doch sitzt ihr nicht am Herde meines eigenen Palastes; trifft die Stadt gemeinsam jede Schuld, So sorg gemeinsam auch das Volk für Sicherung; Ich aber darf euch kein Versprechen geben, eh Mit meinem Volk ich nicht zu Rat gegangen bin. Zweite Strophe Chor: Du bist die Stadt, du das gesamte Volk, Du unrichtbarer Herr; Den Altar nennst du dein, des Landes Herd; Alleinherr mit dem Auge, wenn du winkst, Alleinherr mit dem Zepter, das du schwingst – Dein ist alles; hüte dich vor Blutschuld! – Pelasgos: Mag solche Blutschuld treffen meiner Feinde Haupt! Euch aber beistehn kann ich nicht ohn Ungemach; Und wieder hart wär's, euch zu weigern euern Wunsch. Ich schwanke; Furcht trübt meinen Blick; soll ich es tun? Soll ich es nicht tun, erst des Zufalls Gunst erspähn? – Zweite Gegenstrophe Chor: So scheue, Fürst, droben den Hüter mein, Aller Bekümmerten Hort, Die gramvoll ihren Nächsten flehend nahn, Ihr Recht nicht, nicht des Unglücks Recht empfahn; Doch einst straft der Zorn des Flüchtlingshortes Zeus, Wen der Angstschrei nicht erbarmt des Armen. Pelasgos: Wenn Aigyptos' Söhne dein sich nun bemächtigen Und nach der Heimat Sitten ihr Verwandtenrecht Ansprechen, wer vermöchte wider sie zu sein? Führ deinen Streit durch nach des Vaterlandes Brauch, Daß keinen Rechtsgrund wider dich sie je gehabt. Dritte Strophe Chor: Nimmer dann könnten wir, nein, von der Männer Macht Nimmer bewältigt sein; der Sternkreise Bahn Wies mir in schneller Flucht vor liebloser Eh Mein Heil. Treu dem Recht richte nun über mich, über den Schutz der Gottheit! Pelasgos: Ein schweres Richtamt! Wollet mich zum Richter nicht! Ich sagte sonst schon, ohne meiner Bürger Rat Tät ich es niemals, dürft ich auch; es sage nie Mein Volk zu mir, wenn's irgend minder glücklich geht: Fremdlingen hilfreich gabst du preis die Vaterstadt! Dritte Gegenstrophe Chor: Uns beiden verwandt, mit gleichschwebender Waage schaut Sorgend uns beide Zeus; gerecht wirft er hier Frommes zu Frommen, dort Schuld zu der andern Schuld, Und du säumst, da gleichschwebend die Waage schwankt, säumst mit gerechter Tat noch? – Pelasgos: Wohl muß in tiefe, vielbewegte Sorge jetzt, Gleich einem Taucher fluthinab, versenken sich Der offenspähnde, schwindelunverwirrte Blick, Wie dies gefahrlos alles meiner Stadt zunächst, Sodann für euch auch froh und glücklich enden kann, Und weder Kampf so heilges Unterpfand entziehn, Noch wir, die, so dem Götterherde sich vertraut, Preisgebend, selbst uns einen allvernichtenden, Den Gott des Zorns uns wecken mögen zu Schmach und Qual, Der selbst im Hades nimmer frei den Schatten gibt! – Scheint tiefe Sorge so dir nicht gerecht zu sein? Vierte Strophe Chor: Sorge du! Sei du uns Allgerecht, fromm und treu, unser Hort! Nicht verrat mich Flüchtige, Mich Verstoßne, die ich zu dir Floh vor gottloser Schmach! Vierte Gegenstrophe Diesen Kampfgöttern nah, Diesem Herd nah mich zu fahn, duld es nie! Allgewaltger du im Reich, Sieh der Männer Frevelmut, Hüte dich vor ihrer Wut! Fünfte Strophe Duld es nie, mich, die um Schutz Flehende, frech, Mich von den Bildern fort, Mich wie ein Roß mit Schmach Beim stirnumflochtenen, Lockigen Schmuck, beim Kleid fort mitgeschleppt zu sehn! Fünfte Gegenstrophe Wiß es wohl, deinen Kindern, deinem Haus, Was du auch wählen wirst, Bleibet ein gleich Gericht In gleichem Kampf verhängt! Drum so gedenk an Gottes ewig gerechte Macht! – Pelasgos: Ich hab's erwogen; dahin treibt es mich; der Kampf Mit diesen oder jenen, ein gewaltger Kampf, Ist unvermeidlich. Mein Entschluß steht fest und stark In meiner Brust Schiffswerften da mit Kiel und Mast; Jetzt keine Rückkehr weiter ohne Schmach und Gram. – Wer aus des Glückes Trümmern ärmlich Hab und Gut Auf seines Schicksals schwankend Schiff sich trug und barg, Dem läßt vielleicht Zeus' Gnade neu sein Heil erblühn; Wem nicht, was nottut, seiner Lippe Pfeil erzielt, Dem kann ein Wort des Wortes Zorn besänftigen; Denn was den Zorn aufflammen ließ, ist bittrer Schmerz. Daß aber Blutschuld nun und nimmer Stätte find, Drum soll man opfern, soll den Göttern allzumal Hekatomben weihen, alles Unheils Sühn und Wehr. – Ja, dieser Fehde weich ich allen Ernstes aus; Unkundig lieber denn gewitzigt will ich sein Des Leides. Mag's denn wider Hoffnung glücklich gehn! – Chor: So höre meiner schamverhohlnen Worte Schluß! Pelasgos: Ich höre; sag mir's offen; nichts soll mir entgehn. Chor: Ich trage Gurt und Gürtel um mein Kleid geschnürt – Pelasgos: Dem Los der Mädchen ziemt und schickt sich diese Tracht. Chor: So beut sich, wiß es, mir ein Werkzeug gut und schön – Pelasgos: Sag, welch ein Werk soll offenbaren dieses Wort? Chor: Wenn du ein Pfand uns deiner Treue nicht gewährst – Pelasgos: Beut welch ein Werkzeug dir sich in deinem Gürtel, sprich? Chor: Den Götterbildern niegeschauten Schmuck zu weihn! Pelasgos: Dein Wort, es birgt ein Rätsel; sag mir, was du meinst! Chor: An jenen Göttern aufgeknüpft schnell tot zu sein! Pelasgos: Ein grauses, herzdurchbohrendes Wort, das du gesagt! Chor: Du hast's gehört, aufschlug den Blick mein blödes Wort. Pelasgos: Von allen Seiten unbezwingbar dräuende Not! Der Leiden Unzahl schwillt, ein Strom, auf mich herein; In Ates abgrundtiefes, unfahrbares Meer Bin ich, zum Hafen nicht gelangt des Mißgeschicks. Denn wenn ich euch nicht euren Wunsch gewährt', so droht Ihr Greuel, das keines Rates höchster Pfeil erreicht; Und zieh ich wieder gegen eure Vettern aus, Den Streit zu enden nah der Stadt in offnem Kampf, Wie müßte mir nicht solch ein Opfer bitter sein, Wenn Männerblut für Weiber unsre Felder tränkt. Und doch, ein Zwang ist's, Zeus', des Flüchtlingshortes, Zorn, Dem aller Menschen höchste Furcht sich beugt, zu scheun! – Du, greiser Vater dieser Jungfraun, sammle denn In deinen Armen schleunig ihre Zweige auf; Den Landesgöttern leg sie auf die anderen Altäre, daß die Zeichen eurer Flucht zu uns Fremd keinem Bürger bleiben noch kundwerden mag Mein Wort; denn gern häuft Schuld das Volk auf seinen Herrn. Auch möchte Mitleid bei dem Anblick eurer Not Den Trotz verabscheun jener frechen Jünglinge, Euch aber desto wohlgesinnter sein das Volk; Denn jeder hegt Zuneigung für die Schwächeren. Danaos: Mit höchstem Danke soll's von uns gepriesen sein, Daß wir zum Schutzherrn fanden solchen edlen Mann. So gib Geleit und Führer mir, die mich des Wegs Geleiten, wie ich der stadtbeschützenden Götter Herd Im Tempelvorhof, wie der stadtbeschirmenden Allheilige Zellen finden, sicher durch die Stadt Hinschreiten könne; fremd ist meine Tracht und Art; Der Nil und Inachos nähren nicht ein gleich Geschlecht. Du sorge, daß sich mein Vertraun nicht kehrt in Furcht; Auch seinen Freund schlug mancher aus Unkunde tot. Pelasgos: So geht denn, Männer; weise sprach der edle Gast; Zeigt ihm der Stadt Altäre, unsrer Götter Sitz, Und haltet nicht Neugierige vieler Worte wert, Da ihr den Schutzbefohlnen führt zum Götterherd. (Danaos mit Begleitern ab) Chorführerin: Dem gibst du Weisung; mög er ungefährdet ziehn! Was soll denn ich tun? Schutz und Trost, wo find ich ihn? Pelasgos: Dort liegen laß die Zweige, Zeugen deiner Not! Chor: Ich lasse sie auf deinen Wink, auf dein Gebot. Pelasgos: Und komm herab jetzt auf die freie Reigenflur! Chor: Wie soll mich schützen dort der offne Raum der Flur? Pelasgos: Glaub, Kind, ich setz dich nicht den Geiern aus zum Raub! Chor: Doch Feinden, grausiger als der Drachen wilde Brut! Pelasgos: Mit heitrem Wort gebeten, sprich du heiter auch! Chor: Kein Wunder, wenn es in meiner Herzensangst mich bangt! Pelasgos: Stets schützt die Ehrfurcht vor dem Fürsten jeglichen. Chor: Aufheitre meines Herzens Gram mit Wort und Tat. Pelasgos: Nicht lange läßt euch euer Vater mehr allein; Denn ich berufe meines Reiches Völker jetzt, Die Volksversammlung euch zu stimmen treu und mild; Auch eurem Vater sag ich, was er sprechen soll. Darum so bleibt, und zu den Landesgöttern fleht Demütig, euch zu geben, was ihr wünschen mögt. Ich aber geh von hinnen, nützlich euch zu sein; Sei Peitho mit mir und das Glück, das alles schafft! – (Der König mit Gefolge ab) Erste Strophe Chor: Herr aller Herrn, Seligster du der Seligen, Aller Gewalt Gewaltigster, Zeus in den Himmeln droben, Hör uns, erhör uns gnädig! Wend heilgen Zornes ihre Frechheit von uns! Hinabstürz in die purpurne Meerflut Dieser Verruchten Fluchschiff. Erste Gegenstrophe Und unserm Flehn gnädig, der Mädchen nah, erneu Unserem altgefeierten Stamm von der teueren Ahnin Den Ruhm der einstgen Gnade! Ja, treugedenk sei mein, du Buhle Ios, Von der unser Geschlecht sich entstammend Heimisch in diesem Land nennt. Zweite Strophe Ich find hier alte, teure Spuren, Finde die blumigen Aun der Mutter, Das Wiesenbruch hier, von wannen Io, Auf von der Bremse gescheucht, Flüchtig in irrendem Wahn Weit in die Lande der Menschen umher- Schweifte, dem Schicksal gemäß Zweimal zum jenseitigen Strand flüchtend die Fluttore der See benannte. Zweite Gegenstrophe Sie stürmt drauf durch die Asiswiese, Phrygias lämmerbedecktes Feld durch, Durcheilt der Stadt Teuthras mysisch Talland, Über die lydischen Aun, Durch Pamphylias Volk, Durch die Kilikischen Alpen im Flug, Weiter die Zwillingsströme hinab, Weiter zum fruchtseligen Land, weiter zum kornüppigen Reich der Kypris. Dritte Strophe Sie fliegt, fortjagt mit wildem Stachel sie Ihr geflügelter Treiber Zum allnährenden Fruchtland; Den schneegetränkten Fluren, über die herein Vor Typhons Hauch Die Flut des Nils, jeder Seuche rein, schwillt, Naht sie in schmachgehäuftem Schmerz, rasend in geißelblutger Qual Der haßtrunkenen Hera. Dritte Gegenstrophe Wer damals das erlebt in jenem Land, Bleichen Grausens erfaßt ward Sein Geist, ihre verstörte, Grasweidende, grause Menschenmißgestalt zu schaun; Ihr Leib, halb Kuh, Halb Mädchen, anstaunten sie das Wunder. Da, wer erbarmte sich der unseligen, irregetriebenen, Wahnsinnschweifenden Io? Vierte Strophe Der endlos ewgen Zeiten Herrscher, Zeus erlöste die Jungfrau; Vor seiner schmerzlos selgen Kraft, Seinem göttlichen Atem Schmilzt ihr Gram, und die Träne wehmütiger Scham, sie entperlt ihr; Ein Pfand des Gottes, das sie truglos trug im Schoß, Zeugte den hehren Sohn sie: Vierte Gegenstrophe Der endlos ewgen Zeiten Heiland! Rings drum jauchzten die Lande: "Dies lebenspendende, selge Kind, Wahrlich, des Gottes Sohn ist's." Wer sonst hätte der Hera trugspinnenden Haß bewältigt? Zeus war's! Es darf entstammt von dir, du Hauches Sohn, Unser Geschlecht sich rühmen! Fünfte Strophe Drum wen mag, welches Gottes Beistand Ich anflehn mit gerechtrer Bitte? O teurer Sämann, treuer Gärtner, groß und mild, Urweiser, Urgewaltiger, Ahnherr! Du allautrer Born des Heils, Zeus! Fünfte Gegenstrophe Von niemand pflichtgebannt dem Niedern, In Allmacht herrscht er alles Höchsten Und schaut zu niemand dienend aufwärts über sich; Da steht mit seinem Wort das Werk, Was still im Geist kaum ihm keimt, vollbracht ist's! (Danaos kommt mit seinen Begleitern aus der Stadt zurück) Danaos: O Kinder, freut euch! Glücklich steht es in der Stadt; Vom Volk genehmigt sind die Beschlüsse allzumal. Chor: Heil, Vater, dir, du liebster Botschaft Bote mir! Nun aber sag uns, wie beschieden hat der Schluß, Für den der Hände dicht Gedräng das Volk erhob. Danaos: Es stimmten Argos' Bürger ungeteilten Sinns, So daß mir jung und freudig schlug dies greise Herz, Als alles Volkes tausendfacher Arm empor Sich hob gen Himmel, Kraft zu geben diesem Spruch: Wir sollen hier im Lande wohnen frank und frei, Angriffgesichert, aller Welt in heilger Ruh; Es soll hinweg kein Fremdling, kein Einheimischer Uns reißen; würde je Gewalt an uns versucht, So sollte, wer von den Bürgern nicht zu Hilfe eilt, Ehrlos erklärt sein und verbannt durch Volksbeschluß. Für diesen Vorschlag sprach zu unsern Gunsten drauf Der Fürst Pelasgos; an des Schützlingshortes Zeus Schwerdräunden Zorn gemahnt' er, den sich nie die Stadt Erwecken möchte, warnte dann: dies Doppelgreul Zugleich des Gastrechts und der Stadt am eignen Tor, Es würd ein unerschöpfter Born des Jammers sein. Nach diesen Worten, eh der Herold noch gebot, Hob alles Volk die Hände schon: so sollt es sein! – Wohl hörte seine Rede klug und vielgewandt Das Volk; doch Zeus ist's, der es so zum Ziel gewandt! – Chorführerin: Auf! auf! laßt froh dem argivischen Volk Uns Segen erflehn, wie wir Segen empfahn. Du, der Fremdlinge Hort, von der Fremdlinge Wort Laß Ehren und Wunsch, Zeus, gnädig gedeihn Zum erfreulichen Ziel der Vollendung! Erste Strophe Chor: Jetzt mich, wenn irgend je, Höret, ihr Zeusgebornen! Hört dem Geschlecht mich Heil flehn! Wecke der Flammen Brunst nie in Pelasgos' Stadt, Ares, der taumelnd tobt in festschändender Wut, Der sich der Männer Bluternte von fremder Flur mäht – Weil sie mein sich erbarmet, Mein Heil freundlich beschlossen, Zeus' Schutzflehende gescheut in uns neidunwürdiger Herde. Erste Gegenstrophe Nicht zu der Männer Heil Gaben sie jenen Spruch, mißachtend der Mädchen Klage; Sondern sie schaun zu Zeus' rächendem Wächter, der Schuld Unüberwindlichem Fluch, des blutschuldiges Spähn Keiner auf seinem Dach wünscht, denn er lastet schwer dort. Nein, uns, ihre Verwandten, Zeus' Schutzflehende scheun sie, Drum so wird sie die Gottheit stets gern am lautren Altar schaun. Zweite Strophe Drum von dem frommen, laubschattigen Mund empor Flieg ein Gebet der Ehren, Mögen dem teuren Volk nie Seuchen die Stadt verheeren, Nie der Empörung wilde Wut Blutig ihr heimisch Gefild sä'n, Ungebrochen der Jugend Blüte blühn, Aphrodites Menschenmordender Buhle nie, Ares, dieses Gefild mähn! Zweite Gegenstrophe Greisen vertraut zur Hut, flammend in froher Glut Möge des Landes Herd sein, Für der Gemeinde Wohlfahrt Zeus, der Erhabene, geehrt sein, Aber zumeist der Fremden Hort, Der an ein ewig Gesetz ihr Los weist; Mag der Führer Geschlecht stets Führer wieder erzeugen, Hilfreich Artemis nahn den Fraun, wenn ihr kreißender Schoß reißt. Dritte Strophe Nimmer ein menschenhinraffender Schwindel mag Spaltend sich auf sie stürzen, Tränenerzeugenden Kampf sonder Gesäng und Gepräng, Ein aufruhrblutig Netz zu schürzen; Der Schwarm frevler Begier laß Fernab sich grausig nieder; Gnädig sei der Lykeier Gott aller Jugend des Landes! Dritte Gegenstrophe Reifende Frucht im Feld, jedes zu seiner Zeit, Zeitige Zeus zur Reife, Mehr' in den Triften umher segnend der Herden Gedeihn; Die Gottheit, euch gewähr sie alles! Dreinjauchz hellen Gesanges Der Götterchor der Musen, Lautren Lippen entschweb ihr Lied leierbeschwingten Klanges. Vierte Strophe Entehrend hüte seiner Ehren Das freie Volk, des Geheiß die Stadt lenkt Behutsam willengleicher Lenkung; Den Fremden gönnt wohlbedacht, Bevor der Kampf wild erwacht, Ihr gutes Recht sonder Schmach und Kränkung! Vierte Gegenstrophe Der Heimat Götter immer ehre, Wer wohnt im Land, nach dem Brauch der Väter Lorbeergeschmückt im Opferstiergeleite. Der Älteren Furcht fort und fort, Das ist der drei drittes Wort, Die Dike vorschrieb, die hochgeweihte! – Danaos: So weise Wünsche, liebe Kinder, lob ich ganz. Ihr aber müßt nicht bange werden, wenn ihr jetzt Ein unerwartet neues Wort vom Vater hört. Von dieser flüchtlingschützenden Warte seh ich dort Ihr Schiff – denn nicht trügt's, leicht erkennbar, meinen Blick –, Der Segel Flattern und das stolze Doppeldeck, Die Stirn des Kiels, fernher den Blick auf uns gewandt, Des Steuerruders allgewaltgem Machtgebot Nur zu gehorsam, aber gar feindselig uns. Schon ist die Mannschaft kenntlich, ihre schwärzlichen Gestalten blicken unter weißen Hemden vor, Schon auch die andern Schiffe dort, der Verbündeten Geschwader; jetzt das Vorschiff unterm Ufer zieht Das Segel ein, fährt schweren Ruderschlags ans Land. Jetzt mögt bedachtsam, ungestörten Ernstes ihr, Den Blick zum Ufer, unverwandt zu den Göttern flehn. Ich aber will euch Hilf und Schutz zu holen gehn. Chorführerin: Doch könnt ein Herold oder Bote leicht sich nahn, Der uns zurückheischt, mit sich uns als Sklavin reißt! Danaos: Nein, das geschieht nicht, Kinder, zittert nicht davor. Chor: Doch besser, aufzuschieben noch den Hilferuf, Um deiner Hilfe, Vater, nicht entblößt zu sein. Danaos: Habt Mut; dereinst muß doch am Tag, der ihm gesetzt, Den Frevel büßen, wer die Gottheit frech verletzt. Chor: Ich zittre, Vater! Ihre Schiffe schnellbeschwingt, Sie nahn! Dahin fliegt schnell die allzu kurze Zeit! Erste Strophe Ja, und es hält mich bangzweifelnde Angst gebannt, Ob mir ein Heil nicht fernbergende Flucht noch beut! Und ich vergeh vor Angst, Vater, oh! Danaos: Weil Argos' Ausspruch fest und abgeschlossen, Kind, Sei ruhig; für dich kämpfen sie, ich weiß es klar. Chor: Entsetzlich sind Aigyptos' Söhne, frevelkühn, Kampfunersättlich, Vater, ach, du weißt es ja! Erste Gegenstrophe Und in den Schiffen, schwarzbordig und weitgebaucht, Schifften sie her in kühn glückendem Frevelmut, Ein ungezählt, ein schwarzwimmelnd Heer! Danaos: Und viele gleichfalls finden sie hier, die kampfgeübt Im Schweiß des Mittags abgehärtet Brust und Arm. Chor: Nur laß allein mich, Vater, nicht; ich bitte dich! Allein vermögen Mädchen nichts, uns fehlt der Mut. Zweite Strophe Niedrigen Sklavensinns, niedrigen Truges voll, Werden sie Raben gleich im ruchlosen Geist Nicht des Altares achten! Danaos: Gar schön, o Kinder, wird es uns zunutze sein, Wenn euch und die Gottheit sie zugleich anfeindeten. Chor: Nicht diesen Dreizack, nicht der Götter Heiligtum Scheun, Vater, die, nicht lassen sie von uns ihre Hand. Zweite Gegenstrophe Jene, zu stolz bewußt ihrer verruchten Macht, In wahnsinniger Gier hündischen Blickes frech, Scheuen die Götter nimmer! Danaos: Es heißt das Sprichwort: Wölfe seien mächtiger Denn Hunde; Byblos' Schilf bezwingt die Ähre nicht. Chor: Es nährt ihr Sinn graunhafter, allentsetzlicher Scheusale Wut; drum mußt du hüten ihre Macht. Danaos: Nein, so geschwind ist nicht der Schiffsgeschwader Fahrt Und Landung, nicht der Taue sichrer Halt so schnell Ans Land zu bringen, noch vertraun dem Ankergrund Der Schiffe wohlbedächtge Hirten sich sogleich, Zumal da hier sie hafenlosen Ufern nahn. Die Nacht, zu der schon Helios niedersteigt, sie pflegt Dem treuen Bootsmann Furcht zu bringen und Gefahr, So wäre selbst, sich auszuschiffen, nicht dem Heer Ratsam, eh gut geredet. Habe du nur acht, In deiner Angst die Götter nicht zu lassen, bang Nach Hilfe. Selbst der Stadt ein Bote, geh ich fort, Obschon ein Greis, doch Jüngling noch an Geist und Wort. – (Danaos kehrt mit Gefolge zur Stadt zurück) Erste Strophe Chor: Du holmreich Land! Du teures Heiligtum! Was werd ich dulden, ach, in Apia wohin Entfliehn, wo dunkle Stätte finden, auszuruhn? Ein schwarzer Rauch möcht ich fliehn, Zeus' Wolken nah von hinnen ziehn, Lautlos verschwinden, Möcht ein leiser, leichter Staub, Emporgeweht, flügellos verfliegen! Erste Gegenstrophe Nein, fluchtlos bliebe hier nicht meine Furcht! Und dunkelwogend pocht das Herz in meiner Brust! Des Vaters Wort, es traf mich, ich vergeh vor Angst! – So werd der Tod eh mein Teil, Hoch aufgeknüpft im bittren Seil, Eh diesen Busen Rührt der Gottverfluchten Hand, Eh will ich tot, will ich des Todes Raub sein! Zweite Strophe Wo find ich einen Ort mir hoch in luftger Höh, Um den die nebelfeuchte Wolke wird zu Schnee, Ein stilles, jähes, gemseneinsames, abgrundschwindelndes, Adlernistendes Felsgehäng, Tiefen Sturzes Zeuge mir, Eh dieser Brautnacht dunkelem Fluch mein brechend Herz anheimfällt? Zweite Gegenstrophe Dann auch der Hunde Beute, dann der nagenden Raubvögel Mahl zu werden, ich erduld es gern! Der Tod allein, er macht von wehklagebittrem Jammer frei! Komme, Tod, denn! Komm herbei, Vor der Brautnacht mach mich frei! Wo kann ich einen Weg mir erspähn, wo dieser Banden Lösung? Dritte Strophe Oh, jammert laut zum Himmel empor Den Ewigen flehenden Gesang, Allendenden mir, zuwendenden mir, Was mir fehlt; was mich quält, o Vater, du sieh's! – Gewalt zu schaun, dein allgerecht Auge begehrt es nicht; zu uns schaue; wir flehn Zu dir, Zeus, Walter der Welt, Allmächtger! – Dritte Gegenstrophe Aigyptos' Söhne, frevelerfrecht, Zu unerträglichem Gelüst Nachstürmend in wilder Jagd, mich zu fahn, Mich Scheue scheuchen sie wilden Geschreis, Gewalt bereit mir anzutun. Dein ist der Waage Zünglein; was könnte der Mensch, Wenn du, Zeus, nicht es erfüllst, erfüllen? – Da, die Räuber von den Schiffen am Gestad! Räuber, eh versinket! Neue landen! Ich erhebe lauten Angstruf! Sie rüsten, ich seh es genau, schon zu unserm Unheil Gewalt! Weh uns! Weh uns! Komm und errett uns Flüchtge! Fürchterlich wimmelt's und schwillt's, grausig vom Schiff zum Ufer! Fürst! Fürst! Beschirm uns! – (Der Chor flüchtet auf den Hügel an die Altäre; ein ägyptischer Herold kommt mit dem Heroldstab und zahlreichen Begleitern vom Strand her) Herold: Fort nun, fort, in die Barken geschwind! geschwind! Ihr säumt? ihr säumt? fortreißt, fortschleift, Peitscht sie fort, mit dem Blutbeil Schneidet das blutende Haupt vom Rumpf! – Erste Strophe Fort denn, fort in das Verderben, Verderben, fort an Bord! Wandert zum Ufer hinab, Längs den Weg am Gestad, Herrischen Hohnes verlacht, Während des Wegs mit geknotetem Riem Blutig gepeitscht, so kommt ihr an Bord, Sklavinnen jetzt und allezeit; Ich gebiet euch, der Macht zu weichen! Es betrog euch Wunsch und Schicksal. Chor: Weh uns! Weh uns! Herold: Fort von den Sitzen, in die Barken fort! Du der heimischen Weihen Entweiherin! Erste Gegenstrophe Chor: Nie seh ich wieder den fruchtüppigen heimischen Strom, Der ein verführerisch Blut Liebesempfänglicher Lust entzündet! Ich Ahnenerlauchte bin heilig Am Altar, am Altar, o Greis! Herold: Zu den Barken, den Barken geschwind hinweg, Ob du magst, ob versagst. Mit Gewalt, mit Macht und Gewalt hinweg jetzt! Und herabsteigt, eh zuvor ihr es büßt, Eh bewältigt ihr sinkt! – Zweite Strophe Chor: Wehe! Wehe! Sinken mußtest du selbst unrettbar In die peitschende Meerflut, Zu den vielsandigen Untiefen Sarpedons hinaus, Von den Stürmen der Nacht verschlagen. Herold: Wehklag und schrei und jammre nach der Götter Schutz, Du entrinnst Aigyptos' Barken nun und nimmermehr! Wehklag und schrei noch jammerlauter deinen Schmerz! Zweite Gegenstrophe Chor: Wehe! Wehe! Grausiges Unheil gähnt vom Strand her! Der du sprachst, du erfreust dich In Verruchtheit; daß, o Allfrechster, des Nil Flutengrab Dich hinabschläng im Gericht des Frevels. Herold: Fort! fort! gebiet ich! fort zum Schiff, schon steht's gewandt Fort! fort! beeilt euch! säume länger keine hier! An den Haaren fortgerissen, zwingt man sonst sie leicht. Dritte Strophe Chor: Weh, Vater! Fluch war mir der Schutz des Altars! Langschreitend, spinnegleich, Gespenst, Gespenst, so schwarz! – Gâ! Gâ! Gnad uns! Wend ab dieses entsetzliche Graun! O Zân, Gâs Sohn, hilf! Herold: Ich fürchte nicht die Götter dieses fremden Volks, Die nicht mich nährten, nicht mich schützend altern sahn! Dritte Gegenstrophe Chor: Zweifüßige Schlange, schleicht es, züngelt's Wutzischend, viperngleich, Gift beißt es, beißt es ein! Gâ! Gâ! Gnad uns! Wend ab dieses entsetzliche Graun! O Zân, Gâs Sohn, hilf! – Herold (den Stab schwingend:) Und gehst du nicht zum Schiffe, so erprobst du den! Kein Fetzen soll uns dauern an deinem Prunkgewand! Chor: Ihr Herrn in der Stadt! Ihr Fürsten! Helft! Helft! Gewalt! Herold: So reiß ich endlich euch denn bei den Haaren fort, Da ihr von selbst nicht folgen mochtet meinem Wort! Chor: Wir sind verloren! Herr! Herr! Gewalt dulden wir! Herold: Ja, viele Herren, Aigyptos' Söhne, habt ihr gleich! Fort! Nicht um Herrenlosigkeit beklagt ihr euch. (Pelasgos mit Gefolge tritt auf) Pelasgos: Holla! Was machst du! Welche Frechheit kommt dir bei, Daß du pelasgischer Männer Land also entweihst? Was! Dachtest du in einer Weiberstadt zu sein? Barbar du, vor Hellenen trotzest du so frech? Trotz aller Frechheit richtet doch nichts aus dein Witz! Herold: Was nennst du Frechheit? Was ich beging ich sonder Recht? Pelasgos: Als Fremder selbst nur dich zu nahn verstehst du nicht. Herold: Wie das? Da ich Verlornes aufzusuchen her – Pelasgos: Auf welchen Schutzherrn hier im Land berufst du dich? Herold: Der größte Schutzherr, Hermes Allerforscher ist's. Pelasgos: Du sprichst von Göttern, die du ja selbst nicht scheuen willst. Herold: Die Götter an des Niles Ufern ehren wir. Pelasgos: Doch nicht die unsern, eben hört ich's selbst von dir. Herold: Ich will sie achten, falls mir niemand diese raubt. Pelasgos: Du sollst's beweinen, wenn du sie anrührst, und das gleich. Herold: Das heiß ich kein gastfreundlich Wort, das du mir sagst. Pelasgos: Auch bin ich Gastfreund Heiligtumesschändern nicht. Herold: So komm und tu das selbst Aigyptos' Söhnen kund. Pelasgos: Dafür zu sorgen wäre meines Amtes nicht. Herold: Damit ich dessen kundig besser sagen kann – Denn freilich Pflicht ist's, daß der Herold alles klar Berichte –, wie, von wem beraubt denn nenn ich uns Der verwandten Mädchen, wenn ich an Bord zurückgekehrt? Glaub nicht, mit Zeugen oder Spruch wird Ares hier Entscheiden, nicht pflegt solchen Streit Vertrag und Gold In Frieden enden; nein, es muß entschieden sein Durch manches Tapfern Ende, manches Lebens Tod. Pelasgos: Wozu dir meinen Namen? Wenn du einst ihn hörst, Wirst du ihn kennen und die mit dir hergeschifft. – Mit ihres Herzens Wunsch und Willen magst du die Heimführen, falls dein ehrerbietig Wort es kann. Vom ganzen Volk einstimmig ward auf vollem Markt Beschlossen, niemals auszuliefern keiner Macht Die Mädchen; fest und unverrückt an festem Stift Wahrt dieses Volksbeschlusses Täflein jede Brust, Der nicht in ehernen Tafeln eingeschrieben steht, In Pergamentes Falten nicht versiegelt schweigt, Nein, klar von meines Mundes unverhohlnem Wort Hast du's gehört. Jetzt schnell aus meinen Augen fort! Herold: Dies eine hör noch: du entflammst dir selbst den Krieg; Zu uns, den Männern, wird sich wenden Ruhm und Sieg! (Herold ab) Pelasgos: Als rechte Männer sollt ihr dieses meines Reichs Bewohner sehn, nicht ärmlich, gerstenmostberauscht. – (Zu den Danaoskindern) Ihr aber alle nebst den treuen Mägden geht Getrosten Mutes nach der wallumschirmten Stadt, Die sicher zuschließt ihrer Türme fester Bau. Und manch Gebäude findet ihr des Volkes dort, So wie ich selbst auch nicht mit karger Hand gebaut. Es ist so heimlich, eine Wohnung dicht und still Zu haben mit den andern; doch gefällt's euch mehr, So stehn zerstreute Häuschen auch für euch bereit. Von alledem das Beste und Behaglichste Steht euch zu Diensten. Wählet! Euer Schirm bin ich Und alle Bürger, welche jenen Schluß gefaßt. Erwartet nun ihr beßre Freunde noch denn uns? (Pelasgos ab) Chorführerin: Was an uns du getan, dir lohn es sich reich, Du Pelasgierfürst! So send huldreich uns unseren treu Versorgenden Vater zurück, des Rat Und Gebot uns führt; der muß es zuvor Noch bedenken, wo uns es zu wohnen sich paßt. Denn an jeglichem Ort, wie er gastlich auch sei, Sind Fremdlinge bald Zum Gespött; doch es ende zum Besten! – Erste Halbchorführerin: Mit der Feier des Ruhms, mit dem Gruß des Gesangs Für des Volks Heil wollen wir einziehn. Zweite Halbchorführerin: Schart, teuere Mägde, zu uns euch so, Wie Danaos einst euch jeder von uns Als Dienerin schenkte zur Mitgift. (Danaos kommt mit Geleit aus der Stadt zurück) Danaos: O Kinder, Argos' Bürgern müßt ihr weihn Gebet Und Dank und Opfer und wie Göttern im Olymp Gelübde; wahrlich eure Retter nennt ihr sie. Was uns von unsrer übermütigen Vettern Stolz Geschehn, sie hörten's mit gerechtem Zorn von mir; Mein greises Haupt zu ehren, gaben sie sodann Mir diese Lanzenknechte und Geleiter mit, Daß unerwartet nicht ein feindlicher Speer den Tod Mir brächte, Blutschuld nicht ihr Land besudelte. Wenn's so begann, wird euer Antlitz doppelt gern, Der schöne Spiegel eurer Seele, dort begrüßt. Drum schreibet dies euch ins Gedächtnis sorglich ein Zu eures Vaters andern Sprüchen und bedenkt, Daß neue Freundschaft erst die Zeit bewähren muß. Denn Schutzbedürftigen wird behend ein jeder Mund Leumund, Gerücht macht leicht berüchtigt und verhaßt. Euch drum ermahn ich, nicht zur Schande werdet mir, Erblüht zum Alter, das der Männer Blicke lockt; Nicht leicht zu hüten ist der reifen Frucht Genuß; Gar gern verletzt und kostet sie Getier und Mensch, Und was die Luft durchflieget, was am Boden schleicht. Kypris ist Herold, wie die Traube saftig reift, So hüte du dich fein vor jedem Traubendieb; Denn nach der Jungfraun liebesüßem Blumenflor Pflegt jeder Wandrer jenen zaubermächtgen Pfeil Des Blicks zu senden, von Verlangen süß berauscht. Drum duldet jetzt nicht, dem zu entgehn soviel Gefahr, So weiten Meeres ferne Bahn ihr duldetet; Laßt uns Beschimpfung, unsrer Feinde Lust und Spott, Vermeiden. Wohnung ist ja zwiefach uns bereit, Die uns Pelasgos, die die Stadt uns geben will, Von Last und Pflicht frei. Wohl zustatten kommt es uns. Was treu der Vater jetzt dir riet, bewahr es treu, Daß Scheu und Scham dir teurer als das Leben sei. – Chor: In allem sonst sei mein der ewgen Götter Schutz, Um meine Jugend, Vater, sei du unbesorgt. Denn hat mir andres nicht verhängt der Götter Rat, Ich lasse niemals meines Sinnes alten Pfad. Erste Strophe Nun wohlan! Preiset die hochseligen Schutzgötter, der Stadt Hüter, der Burg Wächter und alljeden, des Wohnung Erasinos' alter Strom netzt. Mit Gesang folget, Gefährtinnen, und hoch preiset die Heimat des Pelasgos, doch der Nilschwellen gedenkt In des Festgesanges Preis nicht; Erste Gegenstrophe Nur der Quellströme, die dies Land mit der kühllabenden Flut tränken, die keimweckend in allnährender Windung Durch die Aun hin lachend strömen. Mag herab Artemis mitleidig, die Allkeusche, zu uns schaun, Aphrodite in das Brautbett mich nicht zwingen. Mir ein Greul ist ihr nächtlich Kampfspiel. Zweite Strophe Nicht den herzwilligen Bund Kyprias haß ich, Denn mit Hera, denn mit Zeus thront sie, die Höchste, Und in ehrwürdiger Pflicht waltet die vielsorgliche Göttin. Doch zugleich naht mit der holdlächelnden Mutter Sich die Sehnsucht, sich die allzaubernde Siegrin Überredung, Und der Hingebung gepaart, folgt Aphroditen Des Verlangens flüsternd Zögern. Zweite Gegenstrophe Der Begier Jagen nach uns Flüchtgen, der Schmach Dräun, Der in Mord triefende Blutkampf, mich entsetzt er; Ach, warum glückte die Meerfahrt der zu schnell nahenden Verfolgung? Es gescheh denn, was verhängt uns vom Geschick ward; Unumgehbar ist des Zeus ewiger, nie wankender Ratschluß; Doch in alljeglicher Eh zeige sich dies End, Daß des Weibes sei die Herrschaft! Dritte Strophe Ja, hinweg wende von uns Zeus Der Aigyptos-Söhne Hochzeit! Am erfreulichsten geschäh's so; Doch wer rührt den nie Gerührten? Dir verhüllt naht sich die Zukunft! Dritte Gegenstrophe Wie vermöcht ich es, des Zeus Rat, Wie den Abgrund zu ergründen? So erheb mäßig Gebet jetzt! – So belehr mich, was ich flehn soll! – Wie es Gott gebe, zu schweigen. Vierte Strophe Wende du, Zeus, dieser Eh bräutigamverhaßten Bund, Wie du in Io ehemals Allen Kummer lind gestillt, rührend sie mit der Hand, die alles heilt, Herzend sie in süßer Kraft. Vierte Gegenstrophe Macht gewähr den Fraun; ergeht's besser dann mir nur denn schlecht, Nur erträglich mir, gern lob ich's. Daß mir Recht um Recht gescheh, das erfüll mein Gebet um freies Los, Das der Götter heilger Rat! –