Plautus Der Großsprecher ( Miles gloriosus ) Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Leipzig und Heidelberg C. F. Winter'sche Verlagshandlung 1864. Personen. Hauptmann Mauersturm ( bei Plautus Pyrgopolinices). Kuchenknips (Artotrogus), sein Parasit . Palästrio , Sceledrus , Lucrio , Knechte des Hauptmanns . Periplectomenes , Bürger in Ephesus . Pleusides , ein Jüngling von Athen . Comasion (Philocomasion), Geliebte des Hauptmanns . Acrotelis (Acroteleution), ein öffentliches Mädchen aus Ephesus . Phidippe (Milphidippe), ihre Dienerin . Ein junger Sklave . Cario , Koch des Periplectomenes . Andere Sklaven und Gefolge als stumme Personen . Die Handlung geht in Ephesus vor. Eine Straße, worin die Wohnungen des Hauptmanns und des Periplectomenes zusammenstoßen. Im Hintergrunde die Aussicht auf den Hafen und die Schiffe. Erster Act Zweiter Act Dritter Act Vierter Act ————— Sylbenmaße Erster Act. Mauersturm mit einem Gefolge von Knechten. Kuchenknips , sein Parasit. Mauersturm . (zu den Knechten) Sorgt, daß der Glanz von meinem Schilde lichter sei, Als je der Sonne Strahlen, wann es heiter ist, Damit er, falls es nöthig wird, im Handgemeng Dem Feind mit seinem Lichte raubt der Augen Licht. Denn meinen Sarras muß ich jezt begütigen, Auf daß er mir nicht jammert und den Muth verliert, Weil ich so lang ihn feiernd an der Seite trug: Die Feinde möcht' er gar zu gern in Stücke hau'n. Ich lese: fartum facere ex hostibus . Doch Kuchenknips – wo steckt er? Kuchenknips .                                         Hier. Er steht zunächst Dem tapfern Glücksmann mit dem königsgleichen Wuchs, Dem Schlachtenhelden. Mavors Mavors , Mars, der Kriegesgott. selbst verstummt vor dir, Wagt seine Kraft nicht gleichzustellen deiner Kraft. Mauersturm . (scheint sich zu besinnen) Der, den ich rettet' in der Winkeldorfer Schlacht, Wo Brummribum, des Hinterbackenkönigs Sohn, Neptunus' Enkel, Oberfeldherr war? Kuchenknips .                                             Ich weiß: Wohl meinst du den , mit goldner Rüstung angethan, Den, dessen Heer du fortgeweht mit einem Hauch, Wie Wind die Blätter und ein Halmendach zerstäubt. Mauersturm . Das ist noch gar nichts. Kuchenknips .                                       Allerdings ist das noch nichts, Wollt' ich von Thaten sprechen, (bei Seite) die du nie gethan. Wenn Einer einen lügenhaftern Menschen sah, Und einen Prahlhans, windiger noch, als dieser ist, Der soll mich haben und ich will sein Sklave sein, Bekomm' ich, wenn mich's hungert, nur Olivenkost Das Olivengericht ( epityrum ) war eine geringe Speise, wozu sich selbst Parasiten nur im Nothfalle verstanden. Es bestand aus eingeschnittenen Oliven, mit Oel, Essig, Koriander, Kümmel, Fenchel, Raute und Krausemünze angemacht: Columella 12, 49, 9. . Mauersturm . Wo steckst du? Kuchenknips . (hat sich während seiner lezten Worte, die an die Zuschauer gerichtet sind, ein wenig auf die Seite entfernt, und nähert sich nun wieder, um in der Erzählung von den Großthaten seines Herrn und Ernährers fortzufahren)                                         Hier. Dann, wie dem Elephanten du In Indien einst das Schulterblatt mit der Faust zerschlugst. Mauersturm . Was? Schulterblatt? Kuchenknips .                                 Ich irrte; nein, die Hüfte war's. Mauersturm . Da nahm ich's freilich etwas leicht. Kuchenknips .                                                         Ja, hättest du Dich angestrengt, dem Elephanten hätt'st du dann Durch Knochen, Eingeweid' und Haut den Arm gebohrt. Mauersturm . (als ob er die Schmeichelei ablehnen wollte) Jezt laß das. Kuchenknips .       Freilich ist es nicht der Mühe werth, Daß du's erzählst mir, der ich deine Thaten weiß. (bei Seite) Mein Magen schafft mir alle diese Qual. Mein Ohr Muß hören, daß die Zähne mir nicht klappern, und Bejahen muß ich Alles, was der lügen mag. Mauersturm . Was wollt' ich doch gleich sagen? Kuchenknips .                                                       Recht, ich weiß es schon. Du thatest es, ich entsinne mich. Mauersturm .                                     Was? Kuchenknips .                                               Was du meinst. Mauersturm . Schreibtafeln hast du? Die Römer trugen überall Schreibtafeln bei sich, namentlich die Officiere, die darin die Namen der Soldaten aufzeichneten, und den empfangenen oder rückständigen Sold derselben eintrugen. Kuchenknips .                                     Willst du werben »Willst du werben?« Wie wir am Schlusse der Scene sehen, will Mauersturm nach dem Markte gehen, um dort für den König Seleucus Söldner zu werben. ? Auch den Stift. Mauersturm . Vortrefflich schickst du deinen Sinn in meinen Sinn. Kuchenknips . Mir liegt es ob, stets deine Launen auszuspäh'n, Dir vorzufliegen überall wohin du willst. Mauersturm . Was weißt du noch? Kuchenknips .                                   Die Hundert in Cilicien, Die Hundertfünfzig aus dem Feigenräuberland, Die dreißig Sarder, sechzig Macedonier, Sind Leute, die du todtgemacht an Einem Tag. Mauersturm . Wie viel zusammen sind es? Kuchenknips .                                               Siebentausend Mann. Mauersturm . Ja, ja, so viele müssen's sein. Du rechnest gut. Kuchenknips . Ich schrieb mir niemals Einen auf, und weiß es doch. Mauersturm . Ein gut Gedächtniß hast du, Freund. Kuchenknips . (bei Seite)                                         Der Hunger stärkt's. Mauersturm . Wenn du hinfort bist, wie bis jezt, so hast du Brod Bei mir; beständig theil' ich meinen Tisch mit dir. Kuchenknips . In Cappadocien schlugest du mit Einem Streich Fünfhundert nieder, wurde nicht dein Säbel stumpf. Mauersturm . Der Rest vom Fußvolk war es – Kuchenknips . (bei Seite)                                     Hätt' es nur gelebt! (laut) Du bist – warum dir sagen, was ein Jeder weiß? – Du Mauersturm bist einzig auf der Erde, bist An Muth, an Schönheit unbesiegt und Thatenruhm. Dich lieben alle Frauen, und mit allem Recht, Da du so schön bist: wie mich erst noch gestern die Am Mantel zupften – Mauersturm .                     Gestern? Und was sagten sie? Kuchenknips . Sie fragten: ist das nicht Achilles Achilles , der griechische Held vor Troja, der nicht bloß für den Tapfersten im Heere der Griechen, sondern zugleich für den Schönsten galt. ? Sage mir! Ich sagte: nein, sein Bruder; und die Andre nickt. Drum ist er auch, bei'm Castor, (sagte sie) so schön, So fein: o sieh, wie prächtig ihm die Locken steh'n! Die Bramarbas wurden auf der Bühne mit einem mächtigen Haarwuchs und wallenden Locken abgebildet, während die Griechen sonst das Haar kurz um den Kopf zu beschneiden pflegten. Köpke. Das Weib, wie glücklich, das in seinen Armen ruht! Mauersturm . So hieß es wirklich? Kuchenknips .                                 Auch beschwuren Beide mich, Dich heute doch vorbeizuführen, wie zur Schau. Mauersturm . Ein allzugroßes Elend, allzuschön zu sein! Kuchenknips . Sie sind mir lästig, bitten, fleh'n, umlagern mich, Dich seh'n zu dürfen, rufen mich zu sich heran, So daß ich deine Geschäfte nicht besorgen kann. Mauersturm . Nun, glaub' ich, ist die Stunde, nach dem Markt zu geh'n, Daß ich den Neugeworbnen, die ich gestern hier In meine Roll' einschrieb, den Sold berichtige. Denn Fürst Seleucus ging mich ganz inständig an, Ihm Söldner anzuwerben. Ich beschloß sofort, Dem Dienst des Königs mich zu weih'n für diesen Tag. Kuchenknips . So wollen wir denn gehen. Mauersturm .                                             Auf, Trabanten, folgt! Zweiter Act. Erste Scene. Palästrio . (an die Zuschauer) Den Inhalt darzulegen, bin ich gern bereit, Habt ihr, mich anzuhören, die Gewogenheit. Wer nicht verlangt zu hören, hebe sich hinaus, Auf daß ein Andrer sizen kann, der hören will In den älteren Zeiten standen die Zuschauer im Theater; späterhin sorgte jeder Zuschauer für seinen Stuhl, den er selbst mitbrachte; erst lange nachher wurden aufsteigende Treppen mit Bänken angebracht. , Nun, weil ihr euch an diesem lustigen Ort gesezt, Will ich des Lustspiels, das vor euch jezt spielen soll, Inhalt sowohl als Namen euch verkündigen. Alazon Alazon (αλαζών) bezeichnet einen Menschen, der sich Eigenschaften beilegt, die er nie besessen, Thaten von sich rühmt, die er nie gethan hat, und ist mit unserem deutschen »Großsprecher« so ziemlich gleichbedeutend. ist der griechische Name dieses Stücks, Das, was in unsrer Sprache jezt »Großsprecher« heißt. Die Stadt ist Ephesus Die Stadt , wo das Stück spielt, ist Ephesus . In der Regel spielten die Lustspiele zu Athen; unser Dichter bindet sich nicht immer an diese Regel. , und der Soldat mein Herr, Der jezt zum Markte ging, ein frecher Lügenbold, Ein rechter Schweinkerl, voll Betrug und Ehebruch; Sagt, alle Weiber laufen ihm freiwillig nach. Wohin er geh'n mag, ist er aller Leute Spott. Drum auch die Mädchen, die nach ihm den Mund verzieh'n, Die siehst du meist mit schiefen Mäulern hinter ihm. Daß ich in seinen Diensten, ist nicht lange her. Doch wie's gekommen, daß ich an den Herrn gerieth Von meinem andern, frühern Herrn, erfahrt ihr jezt. Merkt auf; denn nun beginn' ich die Historia. In Athen bedient' ich einen wackern jungen Herrn. Der war verliebt in ein athenisch Mädchen, und, Wie's ächte, wahre Liebe pflegt, sie liebt' auch ihn. Der ward einmal von hoher Republik Athen In Statsgeschäften nach Naupactus Naupactus, eine Stadt in Aetolien am korinthischen Meerbusen, das heutige Lepanto. abgesandt. Indessen kommt auch mein Soldat zur Stadt Athen, Schleicht bei der Freundin meines Herrn sofort sich ein, Und fängt mit Wein, Puzwaaren, leckern Gasterei'n Sich bei des Mädchens Mutter Dieselbe Person, die Mutter der Comasion, wird bald Mutter, bald Kupplerin genannt (vgl. V. 30 , 32, 33.), weil sie beides in einer Person ist. einzuschmeicheln an. So wird er bei der Kupplerin bald ganz vertraut. Kaum daß dem Söldner die Gelegenheit sich bot, So wird des Mädchens Mutter, das mein Herr geliebt, Der Kupplerin, das Maul geschmiert; die Tochter wird Von ihm, der Mutter unbewußt, in ein Schiff gelockt, Und wider Willen hergeschleppt nach Ephesus. Doch ich, sobald ich hörte, daß sie von Athen Hinweggeschleppt sei, sehe möglichst schnell mich um Nach einem Schiffe, meinem Herrn es kundzuthun. Als wir, an Bord gestiegen, kaum die hohe See Gewonnen, nahm ein Kaper unser Schiff hinweg. So war ich Sklave noch bevor ich meinen Herrn Erreicht; der Kaper schenkte mich dem Söldner hier. Nachdem mich der in seinen Haushalt eingeführt, Seh' ich die Freundin meines Herrn, die Athenerin. Sie, mich gewahrend, winkte mit den Augen mir Zu schweigen; dann, sobald sich ihr Gelegenheit Darbot, beklagt sie gegen mich ihr Misgeschick. Sie sagt, sie wolle nach Athen aus diesem Haus Entflieh'n, entflieh'n zu meinem Herr, den liebe sie, Und hasse keinen Menschen wie den Söldner hier. Ich aber, als ich ihren treuen Sinn erkannt, Schrieb gleich ein Briefchen, und versiegl' es ingeheim, Und geb' es einem Handelsmann, er soll's dem Herrn, Der Dirne Buhlen in Athen, einhändigen, Daß er sich herbegebe. Der ist gleich bereit: Er kommt und steigt bei seines Vaters altem Freund Im nächsten Haus hier, einem lustigen Alten, ab, Der dem verliebten Gaste sich willfährig zeigt, Und uns ermahnt und unterstüzt mit Rath und That. So spann ich denn da drinnen große Listen aus, Damit das wackre Liebesvolk zusammenkommt. In einer Kammer, die ihr Herr, der Söldner, ihr Anwies, die Niemand außer ihr betreten soll, Hab' ich die Wand durchbrochen, daß die Dirne nun, Wie's ihr beliebt, herüber und hinüber kann. So that ich nach des Alten Rath, er weiß darum. Nun ist ein Nebensklave hier, ein dummer Mensch, Den ihr der Herr als steten Hüter zugesellt. Dem wollen wir mit Kniffen und mit Pfiffen und Mit Schlichen einen blauen Dunst vor's Auge dreh'n, Und ihn verwirren, daß er nicht sieht, was er sieht. Und daß ihr nicht irr werdet, wird bald hier und dort Die Dirne drinn in zweien Rollen sichtbar sein: Es ist nur Eine, scheint es auch, als wären's zwei. So wird des Mädchens Hüter nun das Maul geschmiert. Doch bei dem alten Nachbar hat die Thür geknarrt Da die Hausthüren der Alten nicht einwärts, sondern nach außen gingen, so gab der Heraustretende, wenn er die Thüre öffnen wollte, ein Zeichen mit der Hand oder durch Anpochen, damit sich Vorübergehende in Acht nehmen könnten. ; Er selbst, der lustige Alte, kommt, von dem ich sprach. (er geht schnell auf die Seite.) Zweite Scene. Periplectomenes . Palästrio . Periplectomenes . (spricht zu seinen Sklaven in's Haus zurück) Wenn ihr nicht jedweden Fremdling, den ihr seht auf meinem Dach, Tüchtig durchwalkt, gerb' ich wahrlich Riemenwerk aus eurer Haut! Meine Nachbarn spioniren, was in meinem Haus geschieht, Glozen stets in meinen Hof herein. Ich thu' euch allen kund: Wen ihr immer von des Hauptmanns Leuten auf dem Dache seht, (Den Palästrio nehm' ich aus,) den werft mir auf die Straß' hinab! Sagt er euch von Tauben, Affen, Hennen, die entlaufen sei'n, Weg damit: ihr seid des Todes, schlagt ihr ihn nicht auf den Tod! Daß sie nicht sich mehr ergehen in verbotnem Knöchelspiel Aus Knochen machte man Würfel, und das Würfelspiel soll den Sklaven verboten gewesen sein. Der Sinn ist: Schlagt ihnen die Knochen entzwei, daß sie gleichsam kein Werkzeug mehr zum Knöchelspiele haben. , Sorgt dafür, daß sie zu Hause knochenlos ihr Mahl begeh'n. Palästrio . (für sich) Was die Dienerschaft des Hauses bei dem Alten wohl verbrach, Daß man meinen Kameraden alle Knochen brechen soll? Doch – mich nahm er aus. Was er den Andern thut, das schiert mich nicht. Soll ich auf den Alten zugeh'n? Doch da kommt er selbst heran. Herr, was hast du? Periplectomenes .           Keiner kann mir unter Vielen so erwünscht, Keiner so gelegen kommen, als ich dich jezt treffe. Palästrio .                                                                         Nun? Was allarmst du so mit dem Gesinde da? Periplectomenes .                                             'S ist aus mit uns! Der Vers ist aus den von Angelo Mai aufgefundenen Bruchstücken eingeschaltet; er lautet in der Urschrift: Palästrio . Was fiel vor? Periplectomenes .           Verrathen ist's! Palästrio .                                                 Verrathen? Was? Periplectomenes .                                                                 Vom Dach herab Sah von eurem Haus ich weiß nicht wer in unsern Hof herein, Wie Comasion und unser Gast sich eben küßten. Palästrio .                                                                     Wer Sah es? Periplectomenes . Deiner Kameraden Einer. Palästrio .                                                       Und wer ist der Mensch? Periplectomenes . Weiß es nicht; so plözlich hat er sich davon gemacht. Palästrio .                                                                                                   So bin Ich verloren. Periplectomenes .   Als er forteilt, schrei' ich: he, was willst du mir Auf dem Dach? – »Den Affen such' ich«, ruft er, und entwischt im Flug. Palästrio . Ach, zu Grunde geh' ich Armer um die schnöde Bestie! Doch – Comasion ist bei euch hier? Periplectomenes .                                     Als ich herausging, war sie da. Palästrio . Laß sie schnell herüberkommen, daß sie das Gesinde sieht, Will sie nicht, daß Alle, die wir Diener hier im Hause sind, Daß wir ihrer Liebe wegen uns an's Kreuz genagelt seh'n. Periplectomenes . Also hab' ich's ihr geheißen. Willst du sonst nichts? Palästrio .                                                                                               Sag' ihr auch, Daß sie nicht das Weib verläugnen, jeder Kunst und jeder List Sich bedienen, nie die Farbe wandeln solle. Periplectomenes .                                                   Doch wozu? Palästrio . Daß sie dem, der sie gesehen, zeige, daß er nichts geseh'n. Aber hätt' er hundertmal auch sie geseh'n, sie läugne nur. Hat sie doch ein gutes Mundwerk, kecke Zunge, Dreistigkeit, Festigkeit in schnöder Arglist, Pfiffigkeit, Verwegenheit; Wider Einen, der sie anklagt, tritt sie kühn mit Eiden auf, Ist zu Haus in falschen Reden, falschen Thaten, falschem Schwur, Ist zu Haus in Schmeichelei'n, in Kniffen, Ränken, Lug und Trug. Denn kein Weib geht, wenn sie schlau ist, einen fremden Gärtner an; Hat sie doch im eignen Garten Kraut zu jeder Schelmerei. Periplectomenes . Ist sie da, will ich's ihr sagen. Doch was ist's, Palästrio, Was dir jezt im Kopf herumgeht? Palästrio . (nachdenklich)                       Schweige nur ein bischen still, Bis ich erst den Rath in meinen Kopf berufe, der mir sagt, Wie, mit welcher List ich überliste den verschmizten Kerl, Der sie küssen sah, damit er das nicht sehe, was er sah. Periplectomenes . Sinne nach! Ich will indessen hier bei Seite treten.     (er tritt auf die Seite und beobachtet den Palästrio .)                                                                                                       Seht, Wie er dasteht, wie er grübelt und die Stirn in Falten legt! Seht, er klopft an seine Brust, ich glaub', er ruft sein Herz heraus. Schaut, er dreht sich: auf die Hüfte stüzt er jezt die linke Hand, Mit der Rechten rechnet er an allen Fingern, schlägt sich rechts Auf die Hüfte, will verzweifeln, weiß ja nirgends aus und ein. Mit den Fingern schnalzt er, quält sich, wechselt stets die Stellungen. Schaut, er wackelt mit dem Kopfe; was er fand, gefällt ihm nicht. Was es sei, nichts Ungekochtes gibt er; was er gibt, ist gar. Seht, nun fängt er an zu bauen; eine Säule stüzt das Kinn. Mir gefällt die Bauerei nicht, nein, gewiß nicht; weg damit! Denn ein fremder Dichter »Ein fremder Dichter«, barbarus poeta . In den Lustspielen der Römer, welche griechischen Ursprungs sind und griechisches Thun und Treiben nachzubilden scheinen, (in den fabulis palliatis ) bezeichnet barbarus immer das Italische oder Römische, im Gegensaze des Griechischen. Dieser Dichter ist hier kein anderer, als Nävius , welcher nach dem Grammatiker Festus und den späteren Commentatoren gerade damals, als Plautus seinen »Großsprecher« gab, im Gefängnisse saß, weil er in einem seiner Lustspiele das römische Volk oder nur die Familie der Meteller beleidigt hatte. Er ward erst wieder freigelassen von den Volkstribunen, als er in zwei anderen Stücken seine Schmähungen widerrufen oder wieder gut gemacht hatte. Wie weit entfernt waren und blieben die Römer von der Freiheit der alten griechischen Komödie! Plautus verdient aber Lob, daß er durch diese Erwähnung hier an seinen armen gefangenen Freund und Zunftgenossen zu erinnern und wo möglich eine günstige Stimmung für ihn zu wecken den Muth hatte. Köpke. , hör' ich, halte so sein Kinn gestüzt, Und die beiden Wächter »Die beiden Wächter« sind die Arme, auf welche der Dichter nachsinnend sich stüzt. wachen ihm zur Seite Tag und Nacht. Ei! Fürwahr, jezt steht er schön da, wie der Knecht im Possenspiel. Heute ruht er nicht, bevor er, was er will, herausgebracht. Traun, er hat's! Frisch auf an's Werk! Wach' auf, und denke nicht an Schlaf, Willst du nicht vielleicht mit Ruthen bunt und blau gestriegelt sein. Rühre dich, sei nicht so träge! Hörst du nicht, Palästrio?     ( Palästrio hat nachdenkend die Augen geschlossen.) Munter, sag' ich! Wache, sag' ich! Denn es tagt schon, sag' ich. Palästrio .                                                                                           Recht! Periplectomenes . Siehst du nicht, daß Feinde da sind, daß es deinem Halse gilt? Schaffe Rath hier, schaffe Rettung! Eile ziemt, nicht Weile hier. Komm dem Feind zuvor, umgeh' ihn, überflügl' ihn, wie du kannst, Schließ' ihn ringsum ein, und unsern Leuten schaffe Sicherheit! Alle Zufuhr schneide flugs den Gegnern ab; dir mache Bahn, Daß der Zugang und die Zufuhr dir und deinen Schaaren stets Ungehindert offen bleibe! So betreib's, die Sache brennt. Denke nach, ersinne was, gib ungesäumt uns guten Rath, Daß Geseh'nes ungesehn, Gescheh'nes ungeschehen bleibt! Du beginnst ein großes Werk hier, große Mauern thürmst du, Mensch! Wenn du das auf deine Hörner ganz allein nimmst, hoff' ich fest, Daß wir unsre Feinde schlagen. Palästrio .                                           Nun, ich nehm's auf mich allein. Periplectomenes . Gut, so sollst du auch erhalten, was du willst. Palästrio .                                                                                       Zeus segne dir's! Periplectomenes . Theile nun mir auch die List mit, die du ausgesonnen, Freund. Palästrio . Still! Ich führe dich in meiner Kniffe Werkstatt, mache dich Zum Vertrauten meines Planes. Periplectomenes .                             Unversehrt bewahr' ich ihn. Palästrio . In des Elephanten Haut Die Elephanten haben eine sehr dicke Haut. Dickhäutig ist auch bei den Neueren mit dumm und albern so ziemlich gleichbedeutend. , nicht in der seinen, steckt mein Herr, Und besizt nicht mehr Verstand, als dieser Kloz. Periplectomenes .                                                         Das weiß ich wohl. Palästrio . Also spinn' ich nun die Fäden, richte so mein Plänchen ein: Eine Zwillingsschwester, sag' ich, sei es von Comasion, Die mit ihrem Buhlen heute von Athen hier angelangt, Ihr so ähnlich, als ein Tropfe Milch dem andern, und bei dir Wohne sie als ihrem Gastfreund – Periplectomenes .                                   Schön! Den Einfall lob' ich mir. Palästrio . Daß, im Fall mein Kamerad sie bei dem Hauptmann dort verklagt, Daß er sie mit einem fremden Mann sich habe küssen seh'n, Ich dagegen ihm beweise, daß es ihre Schwester war, Die den Bräutigam umarmt' und küßte. Periplectomenes .                                         Trefflich ausgedacht! Und das Gleiche sag' auch ich, wenn mich der Hauptmann fragt. Palästrio .                                                                                             Sie seh'n Sich auf's Haar gleich, mußt du sagen; auch der Comasion schärf' es ein, Daß sie ja nicht stottert, wenn er sie befragt. Periplectomenes .                                                   List über List! Wenn er aber Beide nun zusammensehen will, wie dann? Palästrio . Pah! Da wird leicht Rath geschafft sein; tausend Gründe gibt es da: »Auswärts ist sie, ging spazieren, schlummert, badet, zieht sich an, Hat zu thun, sie zecht, sie frühstückt, ist verhindert, hat nicht Zeit.« Solchen Aufschub gibt's genug, wenn wir's zuerst dahin gebracht, Daß er nimmt als baare Münze, was man ihm vorlügen wird. Periplectomenes . Mir gefällt das. Palästrio .                                       Geh hinein denn; ist sie da, so heiße sie Schnell in's Haus herübergeh'n; was wir beredet, schärf' ihr ein, Daß sie unsern Plan ergreife, wie wir Alles angelegt, Mit der Zwillingsschwester. Periplectomenes .                         Wacker eingeübt erhältst du sie. Willst du sonst was? Palästrio .                         Daß du gehst. Periplectomenes .                                   Ich gehe. (er geht fort.) Palästrio .                                                               Auch ich will nach Haus. Doch ich lasse mir's nicht merken, daß ich den aufspüren will, Der von meinen Kameraden heut dem Affen nachgejagt. Ohne Zweifel hat er's einem Hausgenossen mitgetheilt, Daß er unsers Herrn Geliebte hier in nächster Nähe sah, Wo sie sich mit einem fremden jungen Herrn herumgeküßt. Weiß ich doch, wie's heißt: »ich kann nicht schweigen, weiß ich was allein.« Find' ich den, der's sah, so richt' ich Schanz' und Schirmdach wider ihn. Alles ist bereit, im Sturme nehmen wir den Menschen ein. Find' ich so ihn nicht, so geh' ich wie ein Rüde schnüffelnd um, Bis ich auf der Fährte spürend endlich meinen Fuchs erwischt. Doch es knarrt bei uns die Thüre. Zunge, jezt bezähme dich! Denn es tritt mein Kamerad, Comasion's Hüter, hier heraus.     (er tritt auf die Seite.) Dritte Scene Sceledrus . Palästrio . Sceledrus . (für sich) Wenn ich heute nicht in Träumen auf dem Dach gewandelt bin, Sah ich, traun, mit eignen Augen in der nächsten Nähe hier, Wie die Freundin unsers Herrn sich einem andern Freund ergab. Palästrio . (für sich) Dieser ist's, der sah sie küssen, wenn ich anders recht gehört. Sceledrus . Wer ist hier? Palästrio .                       Dein Kamerad. Was machst du, Freund? Sceledrus .                                                                                       Es freut mich sehr, Dich, Palästrio, zu treffen. Palästrio .                                   Nun? Was ist's denn? Sage mir's. Sceledrus . Mir ist bang – Palästrio .                           Warum? Sceledrus .                                         Daß heute, was im Hause Diener heißt, Daß wir alle noch den Kreuzsprung machen. Palästrio .                                                               Springe du allein; Denn ich liebe solchen Sprung nicht, nicht hinaus und nicht hinab. Sceledrus . Weißt du nicht, welch neue Unthat heute sich bei uns begab? Palästrio . Welche Unthat? Sceledrus .                         Eine Schandthat. Palästrio .                                                     Die behalte nur für dich! Sage mir's nicht; mag's nicht wissen. Sceledrus .                                                 Nein, du mußt es wissen. Heut Hab' ich auf dem Dach des Nachbars unserm Affen nachgesezt. Palästrio . Sceledrus, da hat ein schlimmer Bursch ein schlimmes Thier verfolgt. Sceledrus . Daß der Henker dich! Palästrio .                                       Ja dich , Mensch, weil du so zu schwazen wagst! Sceledrus . Durch den Hofraum sah ich ganz zufällig in des Nachbars Haus; Und da sah ich, wie Comasion mit einem jungen Herrn, Einem Fremden, sich verküßte. Palästrio .                                         Welchen Gräuel hör' ich da? Sceledrus . Ja, ich sah's. Palästrio .                       Du selber? Sceledrus .                                         Ich mit meinen beiden Augen hier. Palästrio . Geh, du schwazest, was ich niemals glauben kann, du sahest nichts. Sceledrus . Meinst du denn, ich wäre blind? Palästrio .                                                       Da fragst du besser einen Arzt. Aber soll kein Gott dir zürnen, laß das Mährchen – Mährchen sein: Deinen Beinen, deinem Kopfe machst du sonst das schlimmste Spiel. Denn dir droht zwiefach Verderben, wenn du nicht dein dumm Geschwäz Unterdrückst. Sceledrus .             Warum denn zwiefach? Palästrio .                                                     Das erklär' ich dir. Zuerst Mußt du sterben, wenn du die Comasion falsch beschuldigtest; Zweitens stirbst du, wenn es wahr ist, weil man dich als Hüter ihr Beigesellt. Sceledrus .         Was mir geschieht, das weiß ich nicht, nur was ich sah. Palästrio . Armer Mensch, du fährst noch fort? Sceledrus .                                                         Ich darf doch sagen, was ich sah. Ja, sie ist auch jezt noch drüben. Palästrio .                                           Was? Sie wäre nicht daheim? Sceledrus . Geh und sieh selbst nach! Ich will nicht, daß man mir blind glauben soll. Palästrio . Gut, ich thu's. (er geht in's Haus.) Sceledrus .                       Ich warte deiner, und – belausche sie zugleich, Wann die Färse von der Weide wieder nach dem Stalle geht. Was beginn' ich nun? Der Hauptmann gab mich ihr als Hüter zu. Zeig' ich's an, bin ich des Todes; schweig' ich, geht mir's ebenso, Wenn's bekannt wird. Was ist schlimmer und verweg'ner, als ein Weib? Die, indeß ich auf dem Dache stecke, huscht zur Thür hinaus. Welch ein freches Unterfangen! Wenn der Hauptmann dies erfährt, Packt er, glaub' ich, unser ganzes Haus und schleppt's hinaus an's Kreuz. Was auch komme, lieber will ich schweigen, als vergeh'n in Schmach. Kann ich doch die nicht behüten, die sich selbst feilbietet. Palästrio . (aus dem Hause zurückkommend)                                   He! Sceledrus! Sceledrus .         Wer ruft so drohend? Palästrio .                                             Gibt es einen keckern Schuft, Den die Götter mehr verabscheu'n, als du bist? Sceledrus .                                                                 Was hast du denn? Palästrio . Laß dir doch die Augen blenden, welche seh'n, was nirgends ist! Sceledrus . Nirgends? Was? Palästrio .                             Jezt gäb' ich für dein Leben keine taube Nuß. Sceledrus . Nun, was ist's denn? Palästrio .                                   Kannst du fragen, was es ist? Sceledrus .                                                                                 Wie sollt' ich nicht? Palästrio . Soll man dir die gar zu rege Zunge nicht abhau'n sofort? Sceledrus . Und warum? Palästrio .                       Sie ist zu Hause, die du bei dem Nachbar doch Sahest, wie sie mit dem Fremden sich geherzt und sich geküßt. Sceledrus . Wunder, daß dir Lolch Die Alten glaubten, daß der Genuß des Lolches den Augen schädlich sei. behagt, wo man das Korn so billig kauft! Palästrio . Was da? Sceledrus .               Du hast blöde Augen. Palästrio .                                                     Kerl, du bist nicht blöde nur, Nein, du bist stockblind: das Mädchen ist im Hause, sag' ich dir. Sceledrus . Was? Im Haus? Palästrio .                             Wahrhaftig! Sceledrus .                                               Geh, du spielst mit mir. Palästrio .                                                                                       Dann müßt' ich's wohl An den Händen seh'n. Sceledrus .                         Warum das? Palästrio .                                               Weil ich dann mit Koth gespielt. Sceledrus . Wehe dir! Palästrio .                   Nein, wehe dir, Mensch! Dieses Loos steht dir bevor, Wenn du dir kein bess'res Auge, keine bess're Zunge schaffst. Doch es pocht an unsrer Thür. Sceledrus .                                       Ich achte nur auf jene Thür;     (indem er auf die Thüre des Periplectomenes deutet) Denn sie kann nicht anders als auf diesem Weg zu uns herein. Palästrio . Sceledrus, sie ist zu Hause: welcher Dämon treibt dich um? Sceledrus . Mir nur seh' ich, mir nur weiß ich, Glauben schenk' ich nur mir selbst. Keiner soll mich glauben machen, daß sie nicht im Hause sei; Und hier bleib' ich, daß sie mir nicht unverseh'ns herüberschleicht. Palästrio . (bei Seite) Diesen hab' ich; von der Schanze treib' ich ihn alsbald hinweg.     (laut zu Sceledrus ) Soll ich machen, daß du selbst bekennst, du seist blödsichtig? Sceledrus .                                                                                         Thu's! Palästrio Daß du thöricht seist von Herzen, an den Augen blind? Sceledrus .                                                                                     Wohlan! Palästrio . Sagst du nicht, das Mädchen sei da drüben? Sceledrus .                                                                       Und behaupte noch, Daß ich sie mit einem fremden Manne dort sich küssen sah. Palästrio . Weißt du, daß kein Gang von dort zu uns herüberführt? Sceledrus .                                                                                       Ich weiß. Palästrio . Weder Söller, weder Garten, außer durch den Hof? Sceledrus .                                                                                 Ich weiß. Palästrio . Ist sie nun im Haus, und mach' ich, daß sie aus dem Hause kommt, Bist du da nicht Schläge werth? Sceledrus .                                         Gewiß. Palästrio .                                                       Bewache denn die Thür, Daß sie nicht geheim sich durchschleicht und zu uns herüberkommt. Sceledrus . Ja, das will ich. Palästrio .                             Nun, so soll sie gleich vor deinen Augen steh'n. Sceledrus . Geh nur zu! ( Palästrio geht ab.)                               Ich möchte wissen, ob ich sah, was ich geseh'n, Oder ob er sein Versprechen hält, daß sie zu Hause steckt. Denn ich habe selber Augen, borge sie nicht außerm Haus. Aber der scherwenzelt ihr den ganzen Tag, ist stets um sie, Wird zuerst zu Tisch gerufen, und erhält zuerst den Brei. Ist er doch nicht länger als drei Jahre nur in unserm Haus, Und es hat's doch Keiner besser von der ganzen Dienerschaft. Aber was ich thue, muß ich eilig thun: am Thore hier Lausch' ich unverwandt, und Niemand soll mir eine Nase dreh'n!     (er stellt sich an die Hausthüre des Periplectomenes .) Vierte Scene. Sceledrus . Palästrio und Comasion treten aus dem Hause des Hauptmanns. Palästrio . (heimlich zu Comasion. ) Vergiß nicht, was ich dir gebot. Comasion .                                         Warum so oft mich mahnen? Palästrio . Mir bangt, du bist nicht schlau genug. Comasion .                                                           Ich will die Schlau'sten lehren. Wie böse Weiber böse sind, weiß ich, und ich bin schlimmer. Palästrio . Auf, gehe nun an deine List! Ich trete hier zur Seite.     (er geht zu Sceledrus hin.) Was stehst du da? Sceledrus .                   Das thu' ich, ja. Ich habe Ohren; rede! Palästrio . In dieser Stellung wirst du bald vor's Thor hinauszieh'n, denk' ich, Sceledrus steht lauernd da mit aufgehobenen Armen, deren flache Hände gegen das Haus des Periplectomenes gerichtet sind. Er hält daher die Arme, gleich einem Sklaven, der seinen Galgen oder sein Kreuz vor das Thor trägt, das die Verurtheilten selbst tragen müssen an den Ort ihrer Hinrichtung. Mit dieser aber droht ihm Palästrio, weil er ihn wegen seiner Beschuldigung der Comasion einschüchtern will. – Vor dem metischen oder esquilinischen Thore wurden in Rom die Hinrichtungen vollzogen. Wenn du das Kreuz mit ausgespreizten Armen hältst. Sceledrus .                                                                           Warum denn? Palästrio . Schau doch einmal zur Linken! Wer ist die? Sceledrus . (erstaunt)                                                       Gerechte Götter! Das ist des Herrn Geliebte ja. Palästrio .                                         Gewiß, mir scheint es auch so. Wohlan, wenn dir's beliebt – Sceledrus .                                     Was meinst du? Palästrio .                                                                 Laß dich eilig hängen! Comasion . Wo ist der wackre Sklave denn, der mich bei voller Unschuld Der Buhlerei geziehen? Palästrio .                               Hier! Der sagte mir's. Comasion .                                                                 Verruchter! Wen, sagst du, hast du mich im Haus des Nachbars küssen sehen? Palästrio . Er sagt's, und einen fremden Herrn. Sceledrus .                                                         Bei'm großen Gott, ich sagt' es. Comasion . Mich sahst du? Sceledrus .                           Mit den Augen hier. Comasion .                                                           Die sollst du bald verlieren, Die mehr geseh'n, als sie geseh'n. Sceledrus .                                             Nie lass' ich mich verblüffen, Das nicht geseh'n zu haben, was ich sah. Comasion .                                                       Ich arge Thörin! Ich rede mit dem Narren da! Er büßt mit seinem Kopfe. Sceledrus . Laß ab zu droh'n! Wohl weiß ich, daß das Kreuz dereinst mein Grab wird Die Kreuzigung war bei den Römern die gewöhnlichste Todesstrafe für Sklaven. . Dort ruh'n auch meine Ahnen, Vater, Groß- und Urgroßvater. Mit deinem Droh'n vermagst du mir das Auge nicht zu blenden. Ein kurzes Wort, Palästrio! Wo kam sie denn, ich bitte, Daher? Palästrio .     Woher? Vom Haus. Sceledrus .                                     Vom Haus? Palästrio .                                                           Ich hab's geseh'n. Sceledrus .                                                                                       Ich merke. Höchst sonderbar, wie die von dort herüber kommen konnte! Ist doch bei uns kein Söller, noch ein Garten, noch ein Fenster, Das nicht vergittert wäre. Nein! Ich sah sie richtig drinnen. Palästrio . Wie? Fährst du fort, Verruchter, klagst das Mädchen an? Comasion .                                                                                         Ihr Götter! So hat der Traum von lezter Nacht mich doch nicht ganz betrogen! Palästrio . Was träumte dir? Comasion .                           Ich sage dir's; doch bitt' ich aufzumerken. Mir träumte diese lezte Nacht, daß meine Zwillingsschwester Mit ihrem Buhlen von Athen nach Ephesus gekommen; Die Beiden sei'n als Gäste hier beim Nachbar abgestiegen. Palästrio . (bei Seite an die Zuschauer) Da wird der Traum Palästrio's erzählt D. i. den Traum, der jezt von ihr erzählt wird, habe ich (Palästrio) ausgesonnen. . (zu Comasion )                                                                 Erzähle weiter. Comasion . Mir war es dann, ich freute mich ob meiner Schwester Ankunft; Doch müßt' ich ihretwegen auch den schlimmsten Argwohn leiden. Ein Hausgenosse gab im Traum mir Schuld, so wie es eben Gescheh'n, ich hätte mich geküßt mit einem fremden Jüngling, Da's doch die Zwillingsschwester war, die ihren Buhlen küßte. Und also ward ich ohne Grund, falsch angeklagt im Traume. Palästrio . Nun? Trifft es nicht im Wachen ein, was dir im Traum begegnet? Vollkommen! Geh alsbald hinein, und opfre Dank den Göttern. Du mußt den Vorfall auch dem Herrn berichten. Comasion .                                                                 Ja, das will ich. Man soll mich solcher Frevelthat nicht ungeahndet zeihen!     (sie geht in's Haus.) Sceledrus . (bei Seite) Mir bangt, ich machte dummes Zeug; mein ganzer Rücken juckt mich. Palästrio . (zu Sceledrus ) Du bist verloren; merkst du's? Sceledrus .                                       Jezt ist sie gewiß im Hause. Nun will ich unsre Thür bewachen, wo sie steckt. Palästrio .                                                                       Wie drollig, Freund Sceledrus! Wie paßt ihr Traum so ganz zu der Geschichte! Ihr träumte gar von deinem Wahn, du hab'st sie küssen sehen. Sceledrus . Du meinst, ich habe sie nicht geseh'n? Palästrio .                                                               Besinne dich doch endlich! Denn kommt der Handel vor den Herrn, so bist du schön verloren. Sceledrus . Nun merk' ich erst, ein Nebel schwamm vorhin vor meinen Augen. Palästrio . Es war für mich schon lange klar; sie war ja stets im Hause. Sceledrus . Ich weiß nicht, was ich sagen soll; ich sah sie nicht, und sah sie. Palästrio . Durch deine Thorheit hast du, traun, uns fast zu Grund gerichtet. Dem Herrn dich treu zu zeigen, gingst du fast in dein Verderben. Doch halt, des Nachbars Thüre hat geknarrt; ich werde schweigen. Fünfte Scene. Comasion tritt aus dem Hause des Periplectomenes. Palästrio . Sceledrus . Comasion . (spricht die ersten Worte in's Haus zurück) Bring' auf den Altar Feuer, daß ich nach dem Bad Dianen Von Ephesus mit Preis und Dank verehre Die ephesische Diana wird hier verehrt, weil der Schauplaz des Stückes Ephesus ist, wo der Dienst der Diana heimisch war und der berühmteste Tempel der Göttin stand. , süßen Weihrauch Ihr spende, die im Reich Neptuns durch sturmbewegte Meere Mich rettend führte, wo mich wild die wilde Flut umherwarf. Sceledrus . Palästrio! Palästrio! Palästrio .                                   He, Sceledrus! Was willst du? Sceledrus . Die eben aus dem Hause kommt, ist doch des Herrn Geliebte, Comasion? Oder ist sie's nicht? Palästrio .                                           Ich glaube, ja; so scheint es. Doch ist es seltsam, wie sie hier herüberkommen konnte, Wofern sie's ist. Sceledrus .                 Du zweifelst noch daran? Palästrio .                                                           Mir scheint, sie ist es. Auf, geh'n wir, sprechen wir sie an! Sceledrus .                                                 Comasion! Was soll das? Was hast du hier in diesem Haus zu suchen? Was zu schaffen? Was schweigst du jezt? Ich rede doch mit dir. Palästrio . (zu Sceledrus , da Comasion nichts erwiedert)                                                                           Nein, mit dir selber, Da sie dir nicht antwortet. Sceledrus .                                 Mit dir red' ich, Lasterdirne, Die bei den Nachbarn sich herumtreibt! Comasion . (sich fremd stellend)                     Wem gilt deine Rede? Sceledrus . Wem sonst als dir? Comasion .                                 Wer bist du? Was hab' ich mit dir zu schaffen? Sceledrus . Fragst du danach? Comasion .                               Darf ich denn nicht fragen, was mir unbekannt? Palästrio . Wer bin ich denn, wenn du den nicht kennst? Comasion .                                                                       Verhaßt mir, wer du seist, Du und der! Sceledrus .           Uns kennst du nicht? Comasion .                                           Nein, Keinen. Sceledrus . (leise zu Palästrio )                                       Ich besorge sehr – Palästrio . Was besorgst du? Sceledrus .                             Daß wir uns am Ende selber eingebüßt »Daß wir uns am Ende selber eingebüßt«, d. i. nach dem Sprachgebrauche des Plautus, daß wir verwandelt worden, in eine andere Gestalt übergegangen sind. , Da sie weder dich noch mich mehr kennen will. Palästrio .                                                                     Da muß ich seh'n, Sceledrus, ob wir – wir selbst noch oder Andre sind, ob uns Nicht ein Nachbar unversehens ingeheim verwandelt hat. Sceledrus . (sich selbst forschend betrachtend) Ich bin sicher noch ich selbst. Palästrio .                                       Ich auch. (er wendet sich an Comasion )                                                               Du gehst auf Böses aus, Weib! Ich meine dich, Comasion. Comasion .                                             Welcher Wahn berückte dich, Daß du mich mit einem falschen Namen nennst? Palästrio .                                                                   So sage mir, Wie du wirklich heißest. Comasion .                               Holdchen ist mein Name. Palästrio .                                                                         Lügnerin! Wie, Comasion? Du legst dir einen fremden Namen bei? Das geziemt sich nicht, und unrecht thust du dann auch meinem Herrn. Comasion . Ich? Palästrio .           Ja, du! Comasion .                     Die gestern Abend von Athen in Ephesus Erst mit ihrem Buhlen ankam, einem Jüngling aus Athen? Palästrio . Sage mir, was hast du hier für ein Geschäft? Comasion .                                                                       Ich hörte, daß Meine Zwillingsschwester hier sei; diese such' ich. Sceledrus .                                                                         Schelmin du! Comasion . Nein, ich bin wohl eine Närrin, daß ich schwazen mag mit euch. Darum geh' ich. Sceledrus .                 Nein, du gehst nicht! (er hält sie fest) Comasion .                                                   Laß mich! Sceledrus .                                                                     Klar ist der Betrug: Nein, du darfst nicht! Comasion .                         Warte, gleich rauscht mir die Hand, die Backe dir, Wenn du mich nicht lässest. Sceledrus . (zu Palästrio )               Kerl, was gaffst du? Halte sie doch auf! Palästrio . Meinem Rücken will ich keine Händel machen; weiß ja nicht, Ob sie's wirklich ist; vielleicht auch ist es nur ihr Ebenbild. Comasion . (zu Sceledrus ) Willst du mich loslassen oder nicht? Sceledrus .                                                 Ich schleppe mit Gewalt, Wider Willen, dich in's Haus hier, wenn du nicht gutwillig gehst. Comasion . (auf das Haus des Periplectomenes deutend) Da hinein geht meine Thür. Mein Haus und Gut ist in Athen. Euer Haus, das schiert mich nicht; auch weiß ich gar nicht, wer ihr seid. Sceledrus . Gut, verklage mich! Du kommst nicht los, bevor du fest versprichst, Daß du, lass' ich dich, hineingeh'n willst. Comasion .                                                         Du zwingst mich mit Gewalt. Lässest du mich los, versprech' ich dir, zu geh'n, wohin du willst. Sceledrus . Nun, ich lasse dich. Comasion .                                 So geh' ich.     (sie läuft, statt durch die Thüre des Hauptmanns zu gehen, in das Haus des Periplectomenes .) Sceledrus .                                                     Also halten Weiber Wort. Palästrio . Sceledrus, dein Raub entflog dir aus der Hand. Das Mädchen ist Sicher unsers Herrn Geliebte. (er besinnt sich)                                                 Willst du, was ich sage, thun? Sceledrus . Was denn? Palästrio .                     Hole mir den Säbel drinn heraus! Sceledrus .                                                                           Was willst du mit? Palästrio . Stracks hinein in's Haus mich stürzen; wen ich mit Comasion Drinnen sich vergnügen sehe, den ermord' ich ungesäumt! Sceledrus . Glaubst du, daß sie's war? Palästrio .                                             Sie war es sicher. Nein, wie dieses Weib Sich verstellt! Geh, hole mir den Säbel doch! Sceledrus .                                                               Den Augenblick.     (er geht in das Haus des Hauptmanns.) Palästrio . (allein) Wahrlich, kein Soldat zu Pferde noch zu Fuß war je so keck, Je so zuversichtlich Etwas auszuführen, als die Frau'n. Wie geschickt, wie fein in beiden Rollen sie die Worte stellt, Wie geschickt dem schlauen Hüter, meinem Freund, ein Näschen dreht! Gar zu herrlich, daß der Weg uns durch die Mauer offen steht! Sceledrus . (kommt aus dem Hause zurück) He, Palästrio! Wir brauchen keinen Säbel – Palästrio .                                                             Wie? Was ist's? Sceledrus . Denn Comasion ist zu Hause. Palästrio .                                                 Wie? zu Haus? Sceledrus .                                                                         Sie liegt im Bett. Palästrio . Wenn's an dem ist, hast du wahrlich dir ein böses Spiel gemacht. Sceledrus . Ich? Warum? Palästrio .                         Weil du die Fremde anzutasten dich erkühnt. Sceledrus . Freund, du machst mir bang. Doch Niemand soll mir das bestreiten, daß Sie Comasion's Zwillingsschwester ist. Palästrio .                                                       Die hast du küssen seh'n. Ja, sie war's, es ist am Tage, wie du sagst. Sceledrus .                                                           Hätt' ich dem Herrn Es gesagt, was lag mir näher, als mein Tod? Palästrio .                                                               Sei also klug, Schweige lieber! Wissen mehr als reden muß ein wackrer Knecht. Ich verlasse dich, an deinen Kniffen hab' ich keinen Theil, Und zum Nachbar geh' ich alsbald; dein Gewirr behagt mir nicht. Kommt der Herr und fragt nach mir, dort bin ich, dorther hole mich!     (er geht in das Haus des Periplectomenes .) Sechste Scene. Sceledrus . Bald darauf Periplectomenes . Sceledrus . Da geht der Schelm und kümmert sich um seines Herrn Geschäft so viel, als stünd' er nicht in seinem Dienst. Jezt ist die Dirne doch gewiß im Hause drinn. Denn eben traf ich selber sie daheim im Bett. Nun aber muß ich wacker auf der Lauer steh'n. Periplectomenes . (tritt aus dem Hause) Die halten mich für ein altes Weib, für keinen Mann, Die Kerle da, die Knechte des Soldaten hier: So narren die mich! Meinen Gast, der von Athen Erst gestern mit dem Freunde kam, hohnneckt und narrt Man auf dem Weg, sie, freier Eltern freies Kind! Sceledrus . (bei Seite) Weh mir! Gerades Weges kommt er los auf mich! Mir bangt, der Spaß da trägt mir schwere Prügel ein, So weit ich aus des Alten Rede merken kann. Periplectomenes . (für sich) Ich will ihn angeh'n. (laut)                                   Sceledrus, du Haupthalunk, Hast eben mir vor'm Hause meinen Gast verhöhnt? Sceledrus . Ich bitte, Nachbar, auf ein Wort! Periplectomenes .                                         Ein Wort von dir? Sceledrus . Entschuldigen möcht' ich mich. Periplectomenes .                                       Du dich entschuldigen? Der solcher Unthat, solcher Frechheit sich erkühnt? Steht ihr im Wahne, weil ihr Lanzenknechte seid, Du Schlingel, dürft ihr Alles thun, was euch beliebt? Sceledrus . (bittend) Erlaube – Periplectomenes .   Strafen Götter mich und Göttinnen, Wenn nicht um meinetwillen du den langen Tag Von früh zu Nacht mit Ruthen abgestrichen wirst, Dieweil du mir die Rinnen und mein Dach zerbrachst, Da du dem Affen, deinem Bruder, nachgesezt, Und weil du's mit ansahest, wie mein Gast im Haus Mit seinem Liebchen sich geherzt und sich geküßt, Weil du die Freundin deines Herrn, die züchtige, Der Schande, mich der tiefsten Schmach beschuldigtest, Dann vor dem Hause meinen Gast antastetest! Ja, wirst du nicht mit Stacheln Der Stachel , ein mit einer scharfen Spize versehenes Werkzeug, womit die Sklaven zur Strafe gestochen wurden. tüchtig durchgestäupt, So wälz' ich, häuf' ich größre Schmach auf deinen Herrn, Als wie das Meer bei starkem Winde Wellen wirft. Sceledrus . Recht in der Enge bin ich, Periplectomenes, Weiß gar nicht, ob ich eher streiten soll mit dir, Noch ob ich besser mich bei dir entschuldige, Wenn jene da nicht diese, die nicht uns're ist, So wie ich noch bis jezt nicht weiß, was ich geseh'n So ähnlich ist die deine da der unseren, Wenn's nicht sie selbst ist. Periplectomenes .                       Komm herein; dann siehst du's wohl. Sceledrus . Darf ich? Periplectomenes .     Ich will's ja haben. Sieh sie ruhig an! Sceledrus . Das will ich. (er geht in das Haus des Periplectomenes .) Periplectomenes . (er läuft eilig nach dem Hause des Hauptmanns, und ruft hinein, doch so, daß Sceledrus es nicht hören kann)                                   He du, laufe schnell, Comasion, Zu uns herüber; denn ich brauche dich, es gilt. Wenn Sceledrus dann weggegangen ist von uns, So laufe hurtig wieder in dein Haus zurück. (für sich) Ich fürchte nur, sie macht mir Etwas ungeschickt; Denn sieht er nicht das Mädchen, ist der Trug am Tag Sceledrus . (kommt zurück) Gerechter Gott! Ein Mädchen, jenem ähnlicher, Das mehr dasselbe wäre, nur nicht selbst es ist, Erschafft kein Gott. Periplectomenes .           Nun? Sceledrus .                                 Ich verdiene Strafe wohl. Periplectomenes . Nun, ist sie's? Sceledrus .                                     Ja, sie ist es, und doch wieder nicht. Periplectomenes . Du sahst sie? Sceledrus .                                   Ja, sie sah ich und den Fremden, der Sie küßt' und herzte. Periplectomenes .             Und sie ist's? Sceledrus .                                               Ich weiß es nicht. Periplectomenes . Willst du's gewiß erfahren? Sceledrus .                                                           Ja. Periplectomenes .                                                     So geh sofort Zu euch in's Haus; sieh nach, ob Eure drinnen ist. Sceledrus . Das kann ich; räthst mir gut; ich komme gleich zurück.     (er geht hinein.) Periplectomenes . Nie hab' ich einen Menschen, traun, so lustig und So sonderbar am Narrenseile führen seh'n. Doch sieh, da kommt er wieder. Sceledrus .                                           Ich beschwöre dich Bei Gott und Menschen und bei meiner Albernheit Und meinen Knie'n – Periplectomenes .             Weßwegen? Sceledrus .                                             Meinem Unverstand Und meiner Dummheit zu verzeih'n! Jezt seh' ich erst, Wie blind, gehirnlos, wie gedankenlos ich war; Comasion ist drinnen. Periplectomenes .               Wie, du Galgenbrand? Du sahst sie beide? Sceledrus .                       Beide. Periplectomenes .                       Rufe mir deinen Herrn. Sceledrus . Ja, ich bekenn's, der schwersten Strafe bin ich werth, Bekenne, daß ich deinen Gast beleidigte. Doch glaubt' ich, daß es meines Herrn Geliebte sei, Der ich vom Herrn als Hüter beigegeben ward. Kein Tropfen Eines Brunnens kann dem andern je So ähnlich sehen, als die Fremde dieser ist. Auch daß ich von dem Dache sah durch deinen Hof, Bekenn' ich. Periplectomenes .   Wie auch läugnen, was ich selbst geseh'n? Sceledrus . Ich glaubte ja Comasion zu seh'n. Periplectomenes .                                           So hast Du mich für einen solchen Schuft gehalten, daß Ich's dulden sollte, daß man meinen Nachbar hier Bei mir mit meinem Wissen so mißhandelte? Sceledrus . Jezt seh' ich freilich, daß ich recht einfältig that, Nun ich's begriffen; doch aus Bosheit that ich's nicht. Periplectomenes . Unwürdig war es jedenfalls; dem Sklaven ja Geziemt es, Händ' und Augen und die Zunge stets Im Zaum zu halten. Sceledrus .                     Falls ich je nach diesem Tag Noch muckse, wenn ich etwas auch ganz sicher weiß, So laß mich foltern, Herr, ich liefere selbst mich aus; Nur heut vergib mir. Periplectomenes .             Ich bezwinge meinen Zorn, Will glauben, daß du solches nicht aus Tücke thatst, Und dir verzeih'n. Sceledrus .                   Der Himmel segne dich dafür! Periplectomenes . Wenn dir die Götter gnädig sind, so zähmst du, traun, Hinfort die Zunge, daß du nicht weißt, was du weißt, Nicht sahest, was du sahest. Sceledrus .                                   Wohl ermahnst du mich. Das werd' ich halten. Aber bist du ganz versöhnt? Verlangst du sonst was? Periplectomenes .                 Reize mich nicht weiter mehr.     (geht ab.) Sceledrus . (allein) Der täuschte mich. Wie gütig schien er zu verzeih'n, Als ob er gar nicht zürnte! Weiß, was er betreibt: Mich soll der Hauptmann, wenn er heim vom Markte kommt, Gleich binden lassen. Dieser und Palästrio Verkaufen mich. Das weiß ich, hab' es längst gemerkt. Ich hole heut aus dieser Reuse keinen Fisch. In alle Weiten flücht' ich, und verstecke mich, Bis dieser Sturm verrauschte, bis der Zorn verglüht; Denn Strafe gnug verdient' ich, ja mehr als genug. Doch lauf' es ab, wie's wolle, jezt muß ich in's Haus. Periplectomenes . (zurückkommend) Der trollte sich! Das weiß ich sicher, daß ein Schwein, Am Spieß gebraten, mehr Gehirn hat, als der Kerl, Den man mit leichter Mühe dahin bringen kann, Was er geseh'n hat, nicht geseh'n zu haben. Denn Sein Augenpaar und Ohrenpaar und sein Verstand, Die sind zu uns entlaufen. Gut ging's bis daher. Gar fein und pfiffig stellte sich das Mädchen an. Ich geh' in unsern Rath zurück; Palästrio Ist jetzt bei mir im Hause, fort ist Sceledrus. So kann der Rath vollzählig werden. Jetzt hinein, Daß nicht mein Aussenbleiben ihn verzögere! Dritter Act. Erste Scene. Palästrio (aus dem Hause tretend). Dann Pleusides und Periplectomenes , die zuerst noch innerhalb der Thüre zurückbleiben. Palästrio . Haltet euch doch nur ein Weilchen noch im Hause, Pleusides; Laßt mich erst ein wenig umschau'n, ob kein Hinterhalt uns droht, Wenn wir Rathsversammlung halten. Eines sichern Orts bedarf's, Wo der Feind aus unserm Rathe keine Beute sich erschnappt. Denn der wohlberathne Rath ist schlimmberathen, wenn der Feind Ihn sich dienstbar macht, und was dem Feinde nüzt, das schadet mir. Und ein wohlberathner Rath wird manchmal heimlich weggeschnappt, Wenn man nicht mit schlauer Vorsicht zur Berathung wählt den Ort. Wenn dem Feind von deinem Plane Kunde ward, so fesselt er Dir mit deinem Plan die Zunge, bindet dir die Hände fest, Und dasselbe, was du ihm zu thun gedachtest, thut er dir. Späh' ich denn, ob nicht ein Weidmann, hier versteckt, links oder rechts, Mit geöhrten Jägernezen »Mit geöhrten Jägernezen«, d. i. mit den Ohren, die, wie Jägerneze, zum Fange gerüstet sind. unsern Plan wegschnappen will.     (er sieht sich überall um) Menschenleer, so weit ich seh'n kann, bis zur lezten Gasse hin, Ist der Ort. Nun will ich rufen. Kommt heraus, ihr Herren, kommt! Periplectomenes . Siehe da, uns, dir gehorsam! Palästrio .                                                           Ueber Gute herrscht sich's leicht. Doch ich möchte wissen, ob es bei dem Plane bleiben soll, Den wir drinnen abgeredet. Periplectomenes .                       Bess'res finden läßt sich nicht. Palästrio . (zu Pleusides ) Und was meinst du? Pleusides .                       Sollte mir mißfallen, was euch wohlgefällt? Welcher Mensch denn wäre so mein Mann, wie du? Periplectomenes .                                                             Gar fein gesagt! Palästrio . Also steht's ihm wohl. Pleusides .                                     Doch Eines martert mich Unseligen, Und zerreißt mir Leib und Seele. Periplectomenes .                                 Sage mir: was quält dich so? Pleusides . Daß ich dir in deinem Alter solche Knabenstreiche noch Aufzubürden mich erdreiste, daß ich, was für deinen Sinn Nicht geziemt, von dir verlange, daß du mir hülfreiche Hand Reichst in meinem Liebeshandel und mit Eifer Dinge thust, Die ein Mann von deinem Alter eher flieh'n als hegen muß. Solches deinen grauen Haaren aufzubürden, schäm' ich mich. Periplectomenes . Freund, du liebst auf neue Weise. Wenn dir graut, so was zu thun, Liebst du gar nicht, nein, du bist nur Schatten eines Liebenden. Pleusides . Konnt' ich so dein Alter plagen meiner Liebe wegen? Periplectomenes .                                                                           Was Willst du denn? So nahe, glaubst du, steh' ich schon dem Acheron Acheron, der bekannte Fluß der Unterwelt, der oft auch für die Unterwelt selber steht. ? Schein' ich dir so reif zur Bahre, schon so alt und abgelebt? Bin ich doch erst vierundfünfzig Jahre nur auf dieser Welt, Sehe noch hell aus den Augen, bin gelenk mit Hand und Fuß. Palästrio . Trägt der Herr auch weiße Haare, doch sein Kopf ist jugendlich; Ungebrochen lebt in ihm des Geistes angeborne Kraft. Pleusides . Ich erkenne wohl, es ist so, wie du sagst, Palästrio; Denn des Mannes lautre Güte macht ihn ganz zum Jünglinge. Periplectomenes . Freund, in deiner Liebesnoth, je mehr du prüfst, je besser auch Lernst du meine Güte kennen. Pleusides .                                       Braucht es da der Proben mehr? Periplectomenes . Suche nicht an fremden Orten, was du bei dir selbst erfuhrst; Denn wer selber nicht geliebt hat, kennt den Sinn Verliebter nicht. Mir auch steckt ein bischen Liebessaft und Kraft im Leibe noch; Noch ist nicht mein Herz vertrocknet gegen Lust und Fröhlichkeit; Finde noch an heitern Scherzen Freude, bin gesellig froh Am Gelag, und falle Niemand bei der Tafel dreist in's Wort. Daß ich andern Gästen Unlust schaffe, davor hüt' ich mich, Weiß in Alle mich zu schicken, rede wohl zu seiner Zeit Auch ein Wörtchen mit, und schweige wieder, wenn ein Andrer spricht, Spucke nicht und räuspre nicht und geifre nicht; kurz, Ephesus Nenn' ich meine Heimat, nicht Apulien, nicht Animula Animula, ein Städtchen in Apulien. Die Apulier standen in dem Rufe der Rohheit und Plumpheit. . Pleusides . Selt'ner Alter, wenn er auch das Gute selbst übt, das er nennt! Ja, die Liebesgöttin säugt' ihn selbst an ihrem Busen auf. Periplectomenes . Mehr mit Thaten als mit Worten zeig' ich dir, wie fein ich bin. Nicht Gesez und Statsgeschichten handl' ich lärmend ab bei Tisch, Kose nie bei'm Mahle mit dem Liebchen eines Anderen, Nehme nie die besten Stücke, schiebe nie den Becher vor, Fange nie, vom Wein befeuert, Händel an bei'm Gastgebot. Ist mir Einer dort zuwider, geh' ich heim und rede nichts. Frohen Sinn und Liebeslust und Scherze treib' ich gern am Mahl. Pleusides . Deine ganze Sinnesweise neigt sich hin zur feinsten Art. Gib mir noch drei solche Männer, ich wäge sie mit Gold dir auf. Palästrio . Keinen Zweiten wirst du finden, der in seinem Alter steht, Der in 'Allem so gefällig und dem Freund so freundlich ist. Periplectomenes . Selbst bekennen sollst du mir's, daß ich an Sinn ein Jüngling bin: So in allen Dingen will ich helfend dir zur Seite steh'n. Brauchst du einen finstern Anwalt, barsch und hizig? Komm zu mir. Oder einen sanften? Ich bin sanfter, als die stumme See; Leiser lispeln meine Lüftchen, als der Wind aus Westen weht. Auch verwandl' ich mich vor dir bald in den angenehmsten Gast, Bald in einen Hauptschmarozer, einen ausgelernten Koch, Und der weichste Stuzer dreht sich nicht so schön im Tanz wie ich. Palästrio . (zu Pleusides ) Bleibt dir was zu diesen Künsten auf der Welt zu wünschen noch? Pleusides . Daß ich ihm in gleichem Maße danken könnt' um sein Verdienst Und dir selbst; ich weiß ja, welche Noth ich euch bereitete,     (zu Periplectomenes gewendet) Daß ich dir so vieles koste, thut mir weh. Periplectomenes .                                             Du bist ein Thor. Was man auf ein schlechtes Weib, auf einen Feind verwendet, das Ist verthan; bei'm wackern Gaste, bei den Freunden ist's Gewinn. Was man Göttern opfert, ist dem Weisen eine Segenssaat. Froh den Gastfreund aufzunehmen, gönnte mir der Götter Huld. Iß und trink' und laß dir wohlsein, und belaste dich mit Lust Frei mein Haus, frei bin ich selbst, frei (wünsch' ich) lebe man bei mir! Durch der Götter Gnade, die mir großen Reichthums Fülle lieh, Könnt' ich wohl ein reiches Weib aus einem hohen Hause frei'n; Doch ich will mir eine Widerbellerin nicht zieh'n in's Haus. Pleusides . Freund, warum nicht? Kinder sind doch immer eine süße Last. Periplectomenes . Aber wahrlich, frei zu bleiben, acht' ich doch viel süßer noch. Palästrio . Du verstehst es, Andre weise zu berathen und dich selbst. Periplectomenes . Eine wackre, brave Frau, wenn eine je ward heimgeführt, Wo vermag ich die zu finden? Oder soll ich eine frei'n, Welche nie sagt: »kaufe Wolle, Männchen, daß ich dir daraus Einen weichen, warmen Mantel machen kann, ein tüchtig Wams, Daß dich's nicht den Winter friert!« Das hörst du nie von einer Frau. Nein, bevor die Hähne krähen, weckt sie schon dich aus dem Schlaf: »Gib mir, Mann, für meine Mutter«, sagt sie, »was zum Neuenjahr Am Neuenjahr, dem ersten März, mit welchem die älteren Römer das Jahr begannen, opferten die Ehefrauen der Juno, und Freundinnen und Verwandte sandten einander Geschenke zu. ; Gib mir Köche, gib mir Bäcker; gib mir auf der Pallas Fest Für die kluge Frau, die Zaub'rin, Traum- und Zeichendeuterin! Der weibliche Aberglaube hatte an solchen Festen einen ganzen Hofstaat von klugen Frauen, Zauberinnen, Traumauslegerinnen und Zeichendeuterinnen um sich. – Das Fest der Pallas (Minerva), quinquatria genannt, wurde gleichfalls im März gefeiert. Eine Schand' ist's, nichts zu schicken. Was sie für Gesichter macht! Auch die Frau muß ich bedenken, die das Kind entsündigt hat Am neunten Tage nach der Geburt pflegte man den Knaben ihre Vornamen zu geben, (bei den Mädchen geschah es einen Tag früher,) wobei gewisse heilige Handlungen vorgenommen wurden. Eine derselben war, daß man die Kinder reinigte oder mit den Göttern versöhnte. Danz. . Lange grollt uns schon die Wartfrau, daß sie nichts von uns bekam. Auch die Wehfrau ließ mir sagen, daß ich sie zu karg bedacht. Willst du nichts der Amme schicken, so die Sklavenkinder säugt?« Dies und andres Ungemach, das eine Frau mir bringt in's Haus, Schreckt mich ab, ein Weib zu nehmen, das mir solche Reden führt, Palästrio . Traun, der Himmel ist dir gnädig; denn verlorest du einmal Deine Freiheit, kommst du nicht leicht wieder in den alten Stand. Pleusides . Aber ruhmvoll ist es, wenn ein Mann von Reichthum und Geschlecht Kinder aufzieht, seinem Stamm ein bleibend Denkmal und sich selbst. Periplectomenes . Wenn ich viel Verwandte habe, was bedarf's der Kinder da? Wie ich bin, so leb' ich glücklich, lebe ganz nach meinem Sinn. Sterb' ich einst, fällt mein Vermögen meinen Anverwandten zu. Diese sind bei mir zu Tische, pflegen mich, seh'n stets nach mir, Was ich will, sind schon vor Tag da, fragen, wie ich schlief die Nacht. Sie, ja sie sind meine Kinder, schicken mir Geschenke zu. Opfern sie, dann krieg' ich einen größern Antheil, als sie selbst Was von den Opferthieren übrig blieb, ward unter die Priester und den Opfernden vertheilt, der davon entweder ein Gastmahl veranstaltete, oder an Verwandte und Freunde verschenkte. , Ziehen mich zum Opfermahle, laden mich zum leckern Schmaus. Der bedünkt sich völlig elend, der das Mind'ste mir geschickt. In die Wette schenken sie; ich murmle dann in mich hinein: »Die verlangt nach meinem Gelde; darum füttern, schenken sie.« Palästrio . Sie betreiben's fein und listig; aber du siehst doch hindurch; Zwill- und Drillingskinder hast du, wenn du dich so glücklich fühlst. Periplectomenes . Hätt' ich die, die Kinder machten wahrlich mir viel Herzeleid. Dann zerquält' ich mich beständig, ging' einmal ein Fieber um; Oder wenn mir einer trunken oder wo vom Pferde fiel, Stürb' ich fast vor lauter Sorge, daß er Hals und Beine brach. Palästrio . Solch ein Mann ist seines Reichthums, eines langen Lebens werth, Der sein Gut zusammenhält und glücklich lebt, der Freunde Lust. Pleusides . Theurer Freund! So wahr die Götter leben, wär' es besser, traun, Hätt' ein Gott das Maß des Lebens nicht für Alle gleich bestimmt, Wie man auch den Preis der Waare stets nach ihrer Güte schäzt, Und die schlechte, weil sie schlecht ist, dem Besizer schlecht bezahlt. Hätten doch die Götter auch der Menschen Leben so bestellt, Einem Manne wackern Sinnes langes Leben zugetheilt, Und dem ruchlos schlechten alsbald ausgelöscht des Lebens Licht! Wenn's die Gottheit also fügte, gäb' es minder schlechtes Volk, Schelmen übten ihre Streiche minder frech, und billiger Kaufte, was von wackern Leuten bliebe, seinen Unterhalt. Periplectomenes . Wer mit Schmäh'n und Tadel angeht wider das, was Götter thun, Ist ein Thor, einfältig, albern. Aber nun genug davon! Denn ich will einkaufen gehen, daß ich dich, mein Gast, wie dir's Ziemt und mir, in meinem Hause gut und fein bewirthen kann. Pleusides . Mich beschämt es wahrlich, wie viel Kosten ich dir schon gemacht. Denn ein Gast ist nimmerdar so gerngeseh'n bei Freunden auch, Daß er nicht beschwerlich fiele, bleibt er auch drei Tage nur. Sezt er gar zehn volle Tage sich im Freundeshause fest, Murrt das Hausgesinde sicher, wenn's der Herr auch leiden mag. Periplectomenes . Diener nur, die mich bedienen, nahm ich mir, mein Freund, in's Haus, Solche nicht, die mir befehlen, denen ich gehorsam bin. Widert ihnen, was mir ansteht, fahr' ich doch nach meinem Sinn. Auch Verhaßtes müssen sie bei Strafe thun, wenn ungern auch. Nun zum Markte, wie ich sagte! Pleusides .                                           Wenn du's denn nicht anders thust, Kaufe mäßig, nicht zu kostbar, ein; für mich ist Alles gut. Periplectomenes . Daß du doch das abgedroschne alte Lied nicht lassen kannst! Denn du sprichst wahrhaftig jezt, wie die gemeinsten Leute, Freund. Diese sagen wohl, sich lagernd an den schon gedeckten Tisch: »Was bedurft' es unsertwegen denn so viel Unkosten, Freund? Hercules! Du bist verrückt! Zehn Menschen hätten da genug.« Was man ihretwegen einkauft, tadeln sie, und essen's doch. Palästrio . Ja, so macht man's. (bei Seite)                                         Wie geschickt und fein er Alles sich gemerkt! Periplectomenes . Doch die Leute sagen niemals, steht der Tisch auch noch so voll: »Weg damit! Nimm fort die Schüssel! Laß den Schinken! Mir genügt. Laß die Würstchen weiter tragen; dieser Meeraal schmeckt auch kalt. Geh, trag' ab!« Das hörst du nie von ihnen; nein, mit halbem Leib Stürzen sie, nach etwas langend, gierig auf die Tafel her. Palästrio . Wie ein Guter böse Sitten schildert! Periplectomenes .                                               Nicht das Hundertste, Was ich sagen könnte, sagt' ich; hätt' ich Zeit, ich sagte mehr. Palästrio . Nun vor Allem müssen wir besprechen, was geschehen soll. Beide merkt euch, was ich sage. Dich, Periplectomenes, Brauch' ich nun: ersonnen hab' ich eine lustige Gaunerei, Wie der Hauptmann troz der langen Mähne Von den Locken des Hauptmanns war schon 1, 64. die Rede. glatt geschoren wird, Und wie der hier zum Besize der Comasion gelangt, Um mit ihr davon zu laufen. Periplectomenes .                         Theile mir dein Plänchen mit. Palästrio . Gib mir erst den Ring an deinem Finger. Periplectomenes .                                                     Und was soll's damit? Palästrio . Hab' ich ihn, dann geb' ich euch von meinem Plane Rechenschaft. Periplectomenes . Nimm, gebrauch' ihn. Palästrio .                                                 Nimm dafür den schlauen Plan, den ich entwarf. Periplectomenes . Nun, wir stehen beide mit geräumten Ohren dir zu Dienst. Palästrio . Mein Soldat ist solch ein Frauenjäger, daß zu keiner Zeit Seines Gleichen weder war noch kommen wird. Periplectomenes .                                                         Das glaub' ich dir. Palästrio . Brüstet er sich doch, er wäre schöner selbst als Paris Paris, der Sohn des Priamos, ist seiner Schönheit wegen schon aus Homer bekannt. war; Prahlt er doch, ihm laufen alle Weiber nach in Ephesus. Pleusides . Was bedarf's da vieler Worte? Weiß ich doch, du redest wahr. Periplectomenes . Und auch ich weiß, daß es also sich verhält, Palästrio; Ziehe du denn deine Red' in's Kurze, wie dir's möglich ist. Palästrio . Weißt du mir kein Mädchen aufzufinden, reizend von Gestalt, Das an Leib und Seele voll von Schwänken und von Pfiffen ist? Periplectomenes . Eine freigeborenen Standes, oder nicht? Palästrio .                                                                             Das gilt mir gleich; Eine nur, die lebt vom Handwerk, die den Leib vom Leib ernährt, Deren Brust recht wizig ist – Herz sag' ich nicht, das hat sie nicht. Periplectomenes . Eine schon gewasch'ne »Eine schon gewaschene« bezeichnet eine, die schon ein Wochenbett durchgemacht hat, weil auf eine Niederkunft viele Bäder zu folgen pflegten. willst du? Palästrio .                                                                         Saftig sei sie, nicht zu feist, Und so jugendlich, so reizend, als du sie nur finden kannst. Periplectomenes . Nun, da hab' ich meine Clientin, eine junge Buhlerin. Doch wozu soll diese dienen? Palästrio .                                       Führe sie zu dir in's Haus, Bringe sie sofort hieher, ganz angethan nach Frauenart, Mit geschmücktem Haupt, mit Locken und mit Haube Die Frauen in Rom unterschieden sich von den unvermählten Frauenzimmern vornehmlich auch durch den Kopfpuz. Ihre Haare waren geflochten und mit einer Haube bedeckt. . Schärf' ihr ein, Daß sie sich als deine Frau anstelle. Periplectomenes .                                     Wo soll das hinaus? Palästrio . Wirst es hören. Hat sie eine Magd? Periplectomenes .                                             Ein recht verschlagnes Ding. Palästrio . Auch die brauch' ich. Schärfe nun dem Mädchen ein, wie ihrer Magd, Daß sie sich als deine Frau und ganz verliebt in meinen Herrn Stellen soll, als habe sie durch ihre Zofe diesen Ring, Um dem Hauptmann ihn zu geben, mir geschickt als Mittelsmann. Periplectomenes . Schrei mich nur nicht taub; ich höre schon. Palästrio .                                                                                   So geb' ich ihm den Ring Ungesäumt als ein Geschenk von deiner Frau, (so sag' ich ihm,) Um bei ihm sie einzuführen. Ist er doch, der Näscher, gleich Bei der Hand, er sinnt den langen Tag auf nichts als Buhlerei. Periplectomenes . Bätest du die Sonne selbst, sie triebe nicht zwei Mädchen auf, Die dazu geschickter wären, als die Zwei. Drum sei getrost!     (er geht ab.) Palästrio . Eile gilt es jezt und Vorsicht. Höre du nun, Pleusides. Pleusides . Bin zu Diensten. Palästrio .                             Merke dieses: wenn mein Herr nach Hause kommt, Darfst du nicht Comasion sie nennen. Pleusides .                                                   Wie denn? Palästrio .                                                                     Nenne sie Holdchen. Pleusides .         Wie wir's neulich abgeredet. Palästrio .                                                         Stille, geh hinein! Pleusides . Will daran gedenken. Doch was dient es mir? Ich werde doch – Palästrio . Das erfährst du, wenn es nöthig ist; indessen schweige nur. Spiele dann auch deine Rolle, wie sich der um dich bemüht. Pleusides . Geh' ich denn hinein! Palästrio .                                     Und ordne nüchtern, was ich dir befahl.     ( Pleusides geht in das Haus des Periplectomenes .) Zweite Scene. Palästrio . Bald darauf Lucrio . Palästrio . Was wirr' ich Alles! Welch Getriebe reg' ich auf! Dem Söldner reiß' ich heute noch sein Liebchen weg, Wenn nur mein Herr zum Kampfe wohl geordnet ist. Doch – ruf' ich den! He, wenn du Zeit hast, Sceledrus, Komm vor die Hausthür! Ich Palästrio rufe dich. Lucrio . Der Sceledrus hat nicht Zeit. Palästrio .                                           Warum? Lucrio .                                                             Er schluckt im Schlaf. Palästrio . Wie? Was? Er schluckt? Lucrio .                                             Ich wollte sagen – schnarcht; indeß Das Schlucken und das Schnarchen kommt auf Eins hinaus. Palästrio . He! So schläft der Sceledrus drinnen? Lucrio .                                                 Seine Nase nicht; Die lärmt gewaltig. Sie vertiefte sich in's Glas; Als Kellner, hat er Nardenwein ein Faß gezapft. Palästrio . He! Bist du nicht sein Unterkellner, Galgenbrand? Lucrio . Was willst du? Sprich! Palästrio .                                   Wie kam ihn denn das Schlafen an? Lucrio . Ich denke, mit den Augen. Palästrio .                                       Schuft, das frag' ich nicht. Komm her. Du bist des Todes, wenn du nicht gestehst. Du holtest ihm den Wein? Lucrio .                                     Ich nicht. Palästrio .                                                 Du läugnest noch? Lucrio . Ja freilich; er verbot mir's ja zu sagen. Und Ich habe nicht vier Nösel in den Krug gethan, Noch hat ihn der zum Frühmahl glühend Gewürzte Weine, besonders Nardenwein, d. i. Wein, mit Narden oder Nardengeist gemischt, waren bei den Alten sehr beliebt. ausgezecht. Palästrio . Du trankest nicht? Lucrio .                                 Ich sei des Todes, wenn ich trank, Ja, wenn ich's konnte! Palästrio .                           Wie denn das? Lucrio .                                                       Ich schlürfte nur. 's war mir zu glühend, brannte mir die Kehle durch. Palästrio . Wir trinken Kräzer, Andre dann besaufen sich Auch Glühwein, warmen Wein, liebten die Alten, und es gab eigene Laden, worin derselbe bereitet und verkauft wurde. . Gar feinen Kellnern wurde doch der Wein vertraut! Lucrio . Du thätst gewiß dasselbe, wär' er dir vertraut; Nun bist du neidisch, weil du nicht mitzechen kannst. Palästrio . He! Hat er früher nie gezapft? Antworte, Kerl! Und daß du's wissest, so bedeut' ich dir hiemit: Ich martre dich zu Tode, wenn du lügst, Halunk! Lucrio . So? Daß du mich verriethest, als hätt' ich's gesagt, Und daß sie dann mich würfen aus der Kellermast, Daß du dir einen andern Knecht zum Zapfen wählst? Palästrio . Das thu' ich niemals; rede nur getrost zu mir. Lucrio . Ihn sah ich nie Wein holen; nein, so war das Ding.: Er hieß es mir, und ich – ich holte dann den Wein. Palästrio . Du Loser hast die Fässer auf den Kopf gestellt? Lucrio . Bei Gott, die Fässer waren nicht so wackelig. Doch war ein Plaz im Keller, klein, gar schlüpferig. Dort, nahe bei den Fässern, stand ein großer Krug; Der füllte wohl des Tages oft zehnmal sich an; Ich sah ihn voll und wieder leer; er schwelgte fort Und soff sich voll; die Fässer nickten und wackelten. Palästrio . Geh, geh hinein! Ihr, seh' ich, habt ein Saufgelag Im Keller. Nun, ich hole gleich den Herrn vom Markt. Lucrio . Ich bin des Todes! Kommt er heim und hört den Streich, Von dem ich nichts ihm sagte, schlägt der Herr mich todt. Die Schläge spar' ich mir für heut und laufe fort.     (an die Zuschauer) Ach, sagt ihm nichts; bei eurer Treue bitt' ich euch!     (will gehen.) Palästrio . Wohin du? Lucrio .                       Bin wohin geschickt; bin bald zurück. Palästrio . Wer schickte dich? Lucrio .                                     Comasion. Palästrio .                                                   Komm gleich zurück. Lucrio . Und wenn es Prügelsuppe gibt, nimm du für mich, Indeß ich wegbin, meinen Antheil in Empfang.     (geht ab.) Palästrio . Ich merke nun, was unsre Freundin ausgeheckt. Indeß der schnarcht, schickt sie den Unterwächter fort, Daß sie von hier hinüberschleichen kann. Wie fein! Doch sieh, da bringt der Alte schon, wie ich's gewünscht, Ein gar zu nettes Mädchen. Zeus hilft uns, bei Gott! Wie sittsam ist sie ausgeschmückt! Gar nicht verbuhlt! Wie herrlich uns doch Alles aus den Händen geht! Dritte Scene. Periplectomenes mit Acrotelis und Phidippe . Palästrio . Periplectomenes . Ich habe dir, Acrotelis, und dir zugleich, Phidippe, Die ganze Sache schon zu Haus erklärt. Wenn ihr das Schelmstück Nicht ganz begriffen, will ich's euch von neuem deutlich machen; Doch wenn ihr's recht verstanden, laßt uns über Andres sprechen. Acrotelis . Das wäre doch höchst abgeschmackt, der Gipfel aller Thorheit, Nähm' ich ein fremdes Werk auf mich, verhieße dir zu helfen, Und hätte doch nicht Schick genug noch List in dieser Werkstatt. Periplectomenes . Nun! Mahnen ist doch immer gut. Acrotelis .                                                                   Ein Mädchen – mich zu mahnen? Ich weiß nicht, was das helfen soll. Wie? Hab' ich dir denn immer, Nachdem mein Ohr den langen Salm von deinem Wort getrunken, Umsonst erklärt, wie dein Soldat zerhobelt werden könne? Periplectomenes . Kein Mensch ist klug genug allein. Schon Viele, sah ich, schoßen Am Land des guten Raths vorbei, bevor sie's aufgefunden. Acrotelis . Soll eine Frau ein Schelmenstück mit Trug und List vollführen, Ist ihr Gedächtniß ewig und kennt weder Maß noch Ende. Doch gilt es, etwas Löbliches, was Gutes auszurichten, Vergessen sie's den Augenblick, und ihr Gedächtniß schwindet. Periplectomenes . Drum wird mir eben bange, weil ihr Beides heute thun sollt; Was ihr dem Söldner Böses thut, das dient zu meinem Nuzen. Acrotelis . Wenn nur von uns nicht wissentlich was Gutes soll geschehen Der Sinn ist nach Köpke: ich und Andere müssen mit dem schlechtesten Getränke unseren Durst löschen, und diese haben Wein zum Uebermaß. , Sei unbesorgt. Schlecht zeigt sich ja kein Mädchen, und enthält sich Des Schlechten immer, stößt sie noch auf Schlecht're, denn sie selbst ist Ich lese: dum ne scientes quid bonum. . Periplectomenes . So ziemt es euch. Kommt mit!     (er will mit beiden Mädchen fortgehen.) Palästrio . (für sich)                                               Was säum' ich noch, sie anzugehen?     (zu Periplectomenes ) Ich freue mich, dich wohl zu seh'n. Schön aufgepuzt erscheinst du. Periplectomenes . Erwünscht, gelegen kommst du mir, Palästrio. Da sind sie, Die du verlangtest, angethan, wie du's bestelltest. Palästrio .                                                                       Herrlich! Sei mir gegrüßt, Acrotelis! Acrotelis . (zu Periplectomenes )   Wer ist der Mensch, o Himmel! Der mich so wohlbekannt begrüßt? Periplectomenes .                                   Der hier ist unser Meister. Acrotelis . Willkommen, Meister! Palästrio .                                     Sei gegrüßt! Doch sage mir, ob der dich Mit Regeln recht befrachtet hat. Periplectomenes .                             Wohl zugestuzt sind beide. Palästrio . Ich möchte doch auch wissen, wie; sonst macht ihr eine Dummheit. Periplectomenes . Wie du's befahlst. Ich habe nichts dazu gethan von Meinem. Acrotelis . Du willst, wir sollen deinen Herrn, den Hauptmann, prellen? Palästrio .                                                                                                   Richtig! Acrotelis . Dein Plan ist fein und schlau, geschickt und artig ausgesonnen. Palästrio . Da mußt du dich als dessen Frau (auf Periplectomenes deutend)                                                               anstellen. Acrotelis .                                                                     Soll geschehen. Palästrio . Als hätt'st du dich in meinen Herrn verliebt, den Hauptmann. Acrotelis .                                                                                                 Richtig. Palästrio . Als sei's durch mich als Mittelsmann und deine Magd gegangen. Acrotelis . An dir verdarb wohl ein Prophet: du sagst, was künftig sein wird. Palästrio . Als hätte deine Magd den Ring von dir an mich zu bringen, Daß ich in deinem Namen ihn dem Hauptmann gebe. Acrotelis .                                                                           Recht so. Periplectomenes . Wozu bedarf's des Redens, da sie's weiß? Acrotelis .                                                                                 Es ist so besser. Denn, mein Patron, bedenke nur: wenn ein geschickter Meister Einmal den Kiel recht nach der Schnur gezimmert und gefügt hat, Dann ist es leicht, das Schiff zu bau'n auf wohlgelegtem Grunde. Nun, unser Kiel ist gut und fest gegründet und gezimmert, Und tüchtige Zimmerleute sind von dir und mir zugegen. Wenn uns der Herr nicht sizen läßt, der uns das Bauholz liefert, So kenn' ich unsres Geistes Kraft: bald läuft das Schiff vom Stapel. Palästrio . Du kennst den Hauptmann, meinen Herrn? Nicht wahr? Acrotelis .                                                                                         Wie kannst du fragen? Ich kennte nicht des Volkes Spott? Den Prahler mit den Locken, Den Salbenhengst, den Buhler? Palästrio .                                         Kennt er dich? Acrotelis .                                                                 Er sah mich niemals. Wie sollt' er wissen, wer ich bin? Palästrio .                                             Das ist ja gar zu niedlich. So wird es um so leichter geh'n. Acrotelis .                                           Du schaffe mir den Mann nur; Für's Andre laß mich sorgen. Wenn ich ihn nicht tüchtig prelle, Dann wälz' auf mich die ganze Schuld. Palästrio .                                                     So tretet denn im Haus ein, Und treibt mit Klugheit euer Werk. Acrotelis .                                               Sei deßhalb unbekümmert. Palästrio . Die führe nun hinein, Periplectomenes; ich werd' ihn Jezt auf dem Markte treffen, bring' ihm deinen Ring, und sag' ihm, Er rühre her von deiner Frau, die recht in ihn verliebt sei. Die (auf Phidippe deutend)         schicke dann zu uns, sobald wir heim vom Markte kommen, Als hätt' ich Heimliches mit ihr. Periplectomenes .                               Schon gut! Sei unbekümmert. Palästrio . Nein, kümmert ihr euch nur: ich will ihn wohlbeladen bringen. Periplectomenes . Zieh' hin im Glücke; mach' es gut! (an Acrotelis gewendet)                                                                             Doch, bring' ich das zu Stande, Daß wir des Hauptmanns Mädchen heut noch unser'm Gast verschaffen, Und er sich einschifft nach Athen – gelingt uns dieser Anschlag, Wie soll ich dirs' dann lohnen? Acrotelis .                                         Ob uns auch das Mädchen mithilft? Palästrio . Recht fein und schlau. Acrotelis .                                     Ich bin gewiß, dann werden wir's vollbringen. Sobald wir unsre Schelmerei'n einmal beisammen haben, Dann ist mir gar nicht bange, daß uns fremde List belistet. Periplectomenes . Laßt uns hineingeh'n, daß wir wohlbedächtig uns berathen, Um nicht zu schwanken, wenn der Hauptmann kommt. Acrotelis . (zu Palästrio .)                                                       Du, Freund, verweil' ihn, Daß wir genau und listig, was geschehen muß, vollführen. Vierter Act. Erste Scene. Mauersturm . Palästrio . Mauersturm . Welche Lust, wenn, was wir treiben, fein gelingt nach Herzenswunsch! Heute hab' ich meinen Tischfreund an Seleucus abgeschickt, Daß er ihm die Söldner alle, die ich anwarb, übergibt: Mögen die sein Reich beschüzen, während ich in Ruhe bin! Palästrio . Kümmre dich um deine Sachen mehr als um den König da! Welch ein neues Glück wird dir durch mich gebracht als Mittelsmann! Mauersturm . Nun, so lass' ich alles Andre jezt beiseit' und höre dich. Rede: traun, mein Ohrenpaar hier geb' ich ganz in deine Macht. Palästrio . Sieh dich um, daß unsrer Rede nicht ein Vogelsteller lauscht! Denn man band mir's auf die Seele, ganz geheim zu Werk zu geh'n. Mauersturm . Hier ist Niemand. Palästrio .                                     Nimm zuerst dies Liebesunterpfand von mir. Mauersturm . Was soll das? Woher? Palästrio .                                           Von einer schönen und gar feinen Frau, Die dich liebt, sich schmachtend sehnt nach deiner Reize hohem Reiz. Diesen Ring gab ihre Magd mir, daß ich dir ihn bringe. Mauersturm .                                                                         Sprich: Ist sie freigeboren, oder durch des Prätors Ruthe frei? Den Sklaven, den sein Herr in Freiheit sezen wollte, berührte der Prätor mit einer Ruthe ( vindicta oder festuca ), und erklärte ihn für frei, indem er die Formel aussprach: ajo te liberum more Quiritium. Palästrio . Pah. Von einer Freigelass'nen sollt' ich sein der Mittelsmann, Da du freigebornen Frauen, die dich wünschen, nicht genügst? Mauersturm . Ist sie Ehfrau oder Wittwe? Palästrio .                                                   Beides. Mauersturm .                                                           Wie kann dieses sein? Frau zugleich und Wittwe? Palästrio .                                   Sie ist jung und einem Greis vermählt. Mauersturm . Bravo! Palästrio .                   Schön und reizend ist sie. Mauersturm .                                                       Hüte dich, unwahr zu sein. Palästrio . Sie allein ist deiner Schönheit würdig. Mauersturm .                                                         Traun, dann ist sie schön. Und wer ist's? Palästrio .               Des alten Nachbars Frau, des Periplectomenes. Die hat sich vergafft an dir; sie haßt den Greis, will weg von ihm. Aber ich soll nun dich bitten, dich beschwören, daß du dich, Deine Lieb' ihr schenken mögest. Mauersturm .                                       Herzlich gern, wenn sie es wünscht. Palästrio . Innig wünscht sie's. Mauersturm .                           Aber was jezt machen mit Comasion? Palästrio . Laß sie zieh'n, wohin sie will, zumal da ihre Schwester auch Samt der Mutter, sie zu holen, angelangt in Ephesus. Mauersturm . Was du sagst! Kam ihre Mutter? Palästrio .                                                           Die es wissen, sagen es. Mauersturm . Ha! Gelegen ist der Anlaß, ihrer los zu werden. Palästrio .                                                                                   Sprich: Willst du das mit guter Art thun? Mauersturm .                                     Rede, gib mir deinen Rath. Palästrio . Willst du sie sogleich entfernen, daß sie sich in Güte trollt? Mauersturm . Allerdings. Palästrio .                         So mach' es so! Geld hast du mehr als nöthig ist. Laß sie, was du ihr verehrt hast, Gold und Schmuck, als dein Geschenk Immerhin, wohin sie will, mitnehmen! Ist dir's so genehm? Mauersturm . Gut. Doch sieh nur, daß ich die nicht ziehen lass' und jene mir Untreu wird! Palästrio .             Kleingläub'ger Schwächling! Die dich wie ihr Auge liebt! Mauersturm . Venus liebt mich! Palästrio .                                   Still! Die Thür geht auf. Tritt sacht bei Seite hier! Die da herkommt, ist ihr Jachtschiff Jachtschiff, ein leichtes, schnellsegelndes Schiff, das zur schnellen Ueberbringung dringender Botschaften gebraucht wird. , das von ihr Botschaften bringt. Mauersturm . Was? Ihr Jachtschiff? Palästrio .                                         Ihre Magd ist's, die heraustritt vor die Thür, Die den Ring mir zugesteckt, den ich dir gab. Mauersturm .                                                         Ein hübsches Kind, Wahrlich! Palästrio .         Die ist nur ein Affe gegen sie, ein Eulenkopf. Wie sie mit dem Aug' umherjagt, mit den Ohren Neze stellt!     (Beide stellen sich lauschend an die Seite.) Zweite Scene. Phidippe . Mauersturm . Palästrio . Phidippe . (für sich) Ausgesteckt ist schon der Rennpfahl hier, um den ich laufen muß. Ich verstelle mich, als säh' ich nichts, noch wüßt' ich, wo sie sind. Mauersturm . (zu Palästrio ) Schweige still; wir wollen lauschen, ob sie meiner nicht gedenkt. Phidippe . (wie für sich) Ist wohl Jemand in der Nähe, der um fremde Sachen mehr, Als um eigne, sich bekümmert, der mit Aug' und Ohren lauscht, Was ich treibe, der vom eignen Abendbrode zehren kann? »Der vom eignen Abendbrode zehren kann«, d. i. der sich selbst beköstigt und von Niemandes Gnade zu zehren braucht, aber zugleich auch, weil er sich in dieser Beziehung unabhängig fühlt, oft mehr um fremde Angelegenheiten, als um die eigenen, sich bekümmert. Solche Leute fürcht' ich jezt, sie möchten mir im Wege sein, Wenn sie vor die Thür heraustritt, die sich um den Helden härmt, Die für ihn in Liebe glüht, den gar zu feinen, schönen Mann, Mauersturm, den Kriegeshelden. Mauersturm .                                       Ist auch die vergafft in mich? Meine Schönheit rühmt sie. Solche Rede braucht der Lauge nicht. Die Metapher ist von Gefässen genommen, die man mit Lauge oder Asche reinigt und glänzend macht: was nicht beschmuzt ist, bedarf der Lauge nicht. Vgl. V. 12 , wo der Dichter selbst die Erklärung beigefügt hat. Palästrio . Herr, wie so? Mauersturm .                 Weil sie so rein und lauter, wie gewaschen, spricht. Auch sie selbst ist gar zu niedlich, ist ein allerliebstes Kind. Nachgerade sticht mich schon die Lust nach ihr, Palästrio. Palästrio . Eh du sie mit Augen sahst? Mauersturm .                                       Mit deinen Augen seh' ich hier; Auch was die geredet, zwingt mich, sie zu lieben ungeseh'n. Palästrio . Meine Braut ist diese; laß sie! Wenn die Frau dich heute freit, Nehm' ich mir die Magd zum Weibe. Mauersturm .                                             Weßhalb sprichst du nicht mit ihr? Palästrio . Tritt hinter mich! Mauersturm .                       Als dein Bedienter. Phidippe . (halblaut)                                               Daß ich ihn doch fände, Ihn sprechen könnte, dem zulieb' ich vor das Haus gegangen, Palästrio . Was du wünschest, wird dir werden: fürchte nicht, sei gutes Muthes! Einer ist, der weiß zu finden, was du suchst. Phidippe .                                                               Wen hör' ich eben? Palästrio . Den Gefährten deiner Ränke, den Gehülfen deiner Kniffe. Phidippe . Dann verberg' ich nicht, was ich verberge. Palästrio .                                                                     Dennoch bleibt's verborgen. Phidippe . Wie denn das? Palästrio .                         Du birgst es vor Verräthern; ich bin dein Getreuer. Phidippe . Zeig' es, ob du eingeweiht bist. Palästrio .                                                   Eine Frau liebt einen Mann hier. Phidippe . Das thun Viele. Palästrio .                         Doch nicht Viele schicken einen Ring vom Finger. Phidippe . Nun versteh' ich, was du meinst; du machtest mir es eben deutlich. Ist hier Jemand? Palästrio .                   Ja und nein. Phidippe .                                       Laß mich allein mit dir allein sein! Palästrio . Hast du viel zu reden? Phidippe .                                     Nur drei Worte. Palästrio . (zu Mauersturm )                                     Bin gleich wieder bei dir. Mauersturm . Was? Ich soll mit meiner Schönheit, meinem Ruhm so lang umsonst hier Steh'n? Palästrio .     Gedulde dich! Für dich ja handl' ich nur. Mauersturm .                                                               Vor Eile sterb' ich. Palästrio . Sachte doch! Du weißt ja, wie man solche Händel muß behandeln. Mauersturm . Auf, so thu, wie dir's am besten dünkt. Palästrio . (bei Seite)                                                   Kein Kloz ist dumm, wie dieser.     (zu Phidippe ) Wieder bin ich hier. Was willst du? Phidippe . (heimlich zu Palästrio )               Wie wir jüngst es abgeredet, Bring' ich's jezt. Palästrio .                 Als wäre sie vergafft in ihn – Phidippe .                                                                 Das weiß ich sicher. Palästrio . Lobe seinen Wuchs und seine Bildung, preise die Verdienste – Phidippe . Darauf bin ich ganz bereitet, wie ich dir schon jüngst bewiesen. Sei du nur im Andern auf der Hut, und lausch' auf meine Worte. Mauersturm . (ärgerlich zu Palästrio ) Schenke mir doch auch ein bischen deine Muße, komm herüber! Palästrio . Hier! Gebeut, was soll ich? Mauersturm .                                       Was erzählt sie dir? Palästrio .                                                                             Die arme Frau dort, Sagt sie, härme sich, zermart're sich, vergehe fast in Thränen, Weil sie dein bedarf; du fehlst ihr; darum sei sie hergekommen. Mauersturm . Laß sie näher treten! Palästrio .                                         Weißt du was? Du mußt dich stolz geberden, Als ob dich's anwidre; schilt mich, daß ich so gemein dich machte. Mauersturm . Gut; ich folge deiner Weisung. Palästrio .                                                         Soll ich nun das Mädchen rufen? Mauersturm . Will sie was, so mag sie kommen! Palästrio . (zu Phidippe )                                         Tritt heran! Phidippe .                                                                                 Willkommen, Schönster! Mauersturm . (bei Seite) Meinen Namen nennt sie! (laut zu Phidippe )                                         Gebe dir der Himmel, was du wünschest! Phidippe . Ach, mit dir zu leben! Mauersturm .                               Ist zu viel gewünscht. Phidippe .                                                                         Ich meine mich nicht; Meine Herrin mein' ich, die dich sterblich liebt. Mauersturm .                                                               Das wünschen Viele, Denen's nicht geworden ist. Phidippe .                                     Kein Wunder, traun, daß du dich hoch hältst, Ein so schöner Mann, so seltner Art durch Muth, Gestalt und Thaten! Welcher Mensch verdiente mehr ein Mensch zu sein? Palästrio . (bei Seite)                                                             So gibt es keinen; Denn ein Geier hat mehr Menschliches. Mauersturm . (bei Seite)                                 Nun will ich breit mich machen, Weil sie mich so lobt. Palästrio . (bei Seite)           Jezt seht den Schlingel an, wie der sich aufbläht!     (zu Mauersturm ) Wirst du nichts antworten? Kommt die doch von ihr, von der ich eben – Mauersturm . Welcher? Mich bestürmen gar so Viele; kann mich nicht entsinnen. Phidippe . Herr, von ihr, die ihre Hand beraubt, um deine Hand zu schmücken. Diesen Ring bracht' ich von ihr an diesen hier, damit er weiter – Mauersturm . Was willst du, Weib? Laß hören! Phidippe .                                                             Du mögst doch nicht sie verachten, die liebend In dir nur lebt; ihr Hoffen, ihr Sein, ihr Nichtsein, ruht auf dir nur. Mauersturm . Was will sie von mir? Phidippe .                                           Will reden mit dir , will dich liebkosen, umarmen; Denn wenn du nicht ihr Hülfe gewährst, so verzweifelt sie, scheidet vom Leben. Mein trauter Achilles, erhöre mein Fleh'n; mein Schöner, errette die Schöne! Enthüll' uns dein barmherziges Herz, Eroberer, Fürstenerwürger! Mauersturm . O verhaßtes Gewäsch! Weg, weg! Wie oft hab' ich's dir verboten, du Schlingel, Beihülfe von mir dem Pöbelgeschlecht, den Frau'n, zu verheißen? Palästrio . (zu Phidippe )                                                                           Da hörst du's! Ich erklärte dir schon und erkläre dir noch: versagst du dem Eber die Löhnung, Dann wird er dir nicht an der Bache Gezücht den befruchtenden Samen verstreuen. Phidippe . Man gibt ihm, was er verlangt. Palästrio .                                                 Er verlangt zweihundert goldne Philippe; Denn weniger nimmt er von Niemand. Phidippe .                                                     Ha! Das ist doch wahrlich zu wohlfeil. Mauersturm . (abwehrend) Ich kannte das Treiben der Habsucht nie; Reichthümer besiz' ich genügend; Ja, mehr als tausend Scheffel an Gold steh'n mir zu Gebote. Palästrio .                                                                                       Dazu noch Der Schaz; dann Berge von Silber; so hoch ragt nicht in die Lüfte der Aetna. Phidippe . (bei Seite zu Palästrio ) . Ei, lüge, du Maul! Palästrio . (zu Phidippe ) Wie fopp' ich den Kerl! Phidippe .                                                             Und ich? Wie schmeichl' ich ihm? Palästrio .                                                                                                                   Weidlich. Phidippe . (zu Palästrio ) Jezt, bitt' ich, entlaß mich ohne Verzug. Palästrio . (zu Mauersturm )                           O gib ihr einen Bescheid doch, Ob dir es gefällt, zu willfahren, ob nicht. Was marterst du, quälst du die Arme, Sie, die dir nie was Böses gethan? Mauersturm .                                         Sie soll herkommen, verkünd' ihr! Ich werde bewilligen, was sie verlangt. Phidippe .                                                       Jezt thust du, was sich zu thun ziemt, Weil nun dein Wille zum ihrigen stimmt – Palästrio . (bei Seite)                                           Der ist doch nicht so vernagelt! Phidippe . Und weil du nicht mein Flehen verschmäht und mich willfährig erhört hast.     (zu Palästrio ) Nun? Fopp' ich ihn recht? Palästrio .                                 Bei Castor, ich kann mich nicht mehr halten vor Lachen. Nur deßhalb kehrt' ich den Rücken dir zu. Mauersturm .                                                     Fürwahr, mein Mädchen, du weißt nicht, Wie gewaltige Ehr' ich erweise der Frau. Phidippe .                                                           Ich weiß und will's ihr berichten. Palästrio . Wohl konnte der Herr noch anderen Frau'n um Gold sich verkaufen. Phidippe .                                                                                                             Ich glaub' es. Palästrio . Frau'n, die er umarmt, die bringen zur Welt ausbündige Krieger und Helden, Die acht Jahrhunderte leben – Phidippe .                                         O schweig', unleidlicher Schwäzer! Mauersturm .                                                                                             Was sagst du? Nein, zehn Jahrhunderte leben sie fort im rollenden Kreise der Jahre. Palästrio . Ich nannt' ihr weniger, daß ich vor ihr nicht als Aufschneider erscheine. Phidippe . Hilf, Himmel! Wie lang mag leben er selbst, von solcherlei Söhnen der Vater! Mauersturm . Tags drauf, nachdem der olympische Zeus zur Welt kam, ward ich geboren. Palästrio . Ja, kam er den Tag vorher in die Welt, dann wär' er Beherrscher des Himmels. Phidippe . Nun ist es genug; jezt laßt mich von euch, wenn möglich, lebend davongeh'n. Palästrio . So geh nur, da du die Antwort hast. Phidippe .                                                           Ich geh' und führe die Frau her, Von der ich gesandt bin. (zu Mauersturm )                                         Sonst noch was? Mauersturm .                                                     Ach, wär' ich weniger reizend! Die Schönheit macht mir Kummer genug. Palästrio . (zu Phidippe )                                     Was zauderst du? Geh doch! Phidippe .                                                                                                         Ich gehe. Palästrio . Doch – hörst du noch? Sag's ihr herzlich und fein! Phidippe .                                                                                 So daß ihr im Leibe das Herz hüpft. Palästrio . (heimlich zu Phidippe ) Und bedeute Comasion, der sei hier, und berufe sie eilig nach Hause. Phidippe . Schon ist sie mit meiner Gebieterin hier, und beide belauschten uns heimlich. Palästrio . Da thaten sie klug; nun werden sie wohl um so sicherer hier sich benehmen.     (er will sie küssen.) Phidippe . Geh, halte mich nicht. Palästrio .                                   Ich halte dich nicht, ich berühre dich nicht, ich – schweige. Mauersturm . (ihr nachrufend) He, heiße sie alsbald kommen zu mir! Phidippe .                                                     Gleich werden wir Alles besorgen.     (geht ab.) Dritte Scene. Mauersturm . Palästrio . Mauersturm . Was räthst du, daß ich machen soll, Palästrio, Mit meinem Mädchen? Denn in keinem Falle darf, Eh diese weg ist, jene mir in's Haus herein. Palästrio . Was fragst du mich um meinen Rath? Ich sagte dir Vorhin, wie das sich machen läßt auf's Glimpflichste. Das Gold, den ganzen Weiberpuz behalte sie; Was sie von dir hat, nehme sie, und trag' es fort; Sag' ihr, es sei die höchste Zeit, nach Haus zu geh'n; Sag' ihr, die Schwester und die Mutter seien hier; Mit ihnen könne sie bequem nach Hause zieh'n. Mauersturm . Wie weißt du, daß sie da sind? Palästrio .                                                         Ihre Schwester sah Ich hier mit meinen Augen. Mauersturm .                               Kam sie zum Besuch? Palästrio . Ja freilich. Mauersturm .             Ist sie wohlgenährt, recht voll? Palästrio .                                                                     Du willst Doch Alles auch. Mauersturm .               Wo, sagt sie, daß die Mutter sei? Palästrio . Die liegt im Schiff mit rothgeschwollnen Augen da; So sagte mir der Schiffer, der sie hergebracht. Der Schiffer ist bei'm Nachbar gastlich eingekehrt. Mauersturm . Und dieser – ist's ein hübscher Bursch? Palästrio . (mit Widerwillen)                                           Ei, packe dich; Du hättest recht in eine Stuterei getaugt; Auf Männer und auf Weiber bist du gleich erpicht. Die Verse erinnern an die lasterhafte Männerliebe der griechischen und römischen Vorwelt, auf welche in den Lustspielen der Alten, eben weil sie das wirkliche Leben jener Zeit wiedergeben, so häufige Anspielungen vorkommen. Köpke. Mauersturm . (abbrechend) Nein, höre noch! Palästrio .                   Nun? Mauersturm .                       Weil du wohl zu rathen weißt, So wünsch' ich, daß du selber dich mit ihr besprichst; Mit ihr zu sprechen, paßt sich doch ganz wohl für dich. Palästrio . Geh selbst zu ihr und führe deine Sache selbst: Sag' ihr, du seist genöthigt, eben jezt zu frei'n; Verwandte riethen's, und die Freunde zwängen dich. Mauersturm . Und dieses meinst du wirklich? Palästrio .                                                         Und warum denn nicht? Mauersturm . Ich geh' hinein; du bleibe vor dem Haus indeß, Und späh' umher, um mich zu rufen, wann sie kommt. Palästrio . Besorge du nur dein Geschäft. Mauersturm .                                           Das ist besorgt. Und geht sie nicht gutwillig, werf' ich sie hinaus. Palästrio . Das mußt du bleiben lassen; nein, in Güte soll Sie zieh'n; du gibst ihr, was ich dir gesagt: das Gold, Den Puz, Geschenke deiner Hand, behalte sie. Mauersturm . Das will ich gern. Palästrio .                                     Dann gibt sie, glaub' ich, sicher nach. Doch geh hinein und säume nicht. Mauersturm .                                       Ich folge dir.     (geht ab.) Palästrio . (an die Zuschauer) Nun? Ist er anders, als ich ihn euch schon vorlängst Geschildert habe, der verbuhlte Kriegesheld? Jezt aber ist es nöthig, daß Acrotelis Und ihre Magd und Pleusides sich herbemüh'n. – Ihr Götter! Wie mir überall beisteht das Glück! Denn die ich mir vor Allen jezt zu seh'n gewünscht, Die treten dort zusammen aus dem nächsten Haus. Vierte Scene. Palästrio . Acrotelis . Phidippe . Pleusides . Acrotelis . Folgt mir nur und seht euch um, daß uns kein Zeuge hier belauscht. Phidippe . Keinen seh' ich rings als den wir uns gewünscht. (auf Palästrio deutend) Palästrio .                                                                             So wie ich euch. Phidippe . Was beginnst du, Ränkeschmid? Palästrio .                                                     Was? Ich ein Ränkeschmid? Phidippe .                                                                                                   Warum nicht? Palästrio . Nun, mit dir verglichen, schlag' ich keinen Nagel in die Wand. Acrotelis . Ei ja wohl! Palästrio . (zu Acrotelis bekräftigend)   Die weiß zu schwazen, überpfiffig, überfein. Wie zersägte sie den Kriegsmann nicht! Acrotelis .                                                       Noch lange nicht genug! Palästrio . Sei getrost! Der ganze Handel läuft uns wacker von der Hand. Leistet ihr nur, wie bis hierher, fürder uns hülfreichen Dienst! Eben ging er selbst hinein, um sie zu bitten, daß sie sich Samt der Mutter und der Schwester nach Athen einschiffe. Acrotelis . (freudig)                                                                     Schön! Palästrio . Was er ihr an Gold und Puz anschaffte, gibt er alles ihr Zum Geschenk, damit sie fortzieht; diesen Rath gab ich ihm ein. Pleusides . Das wird leicht sein, wenn's das Mädchen wünscht und er sogar es will. Palästrio . Weißt du nicht, wenn man aus tiefem Brunnen sich zum Rande schwang, Dann ist die Gefahr am größten, daß man wieder rückwärts fällt? Jezt steh'n wir am Brunnenrande. Merkt er nur das Mindeste, Zieh'n wir ab mit leerer Tasche. Drum bedarf's vor Allem jezt Schlauer List. Pleusides .             Für unsern Bau hier fehlt es nicht an Zimmerholz: Frauen drei, du viertens, fünftens ich, und sechstens noch der Greis. Palästrio . Welche Kniffe, welche Pfiffe boten wir zu tausend auf! Sicher weiß ich, jede Veste stürmten wir mit unsrer List. Habt nur Acht! Acrotelis .               Wir kamen eben, um zu hören, was du willst. Palästrio . Schön von euch! Jezt übergeb' ich dieses Amt in deine Hand. Acrotelis . Was du mir gebeutst, mein Feldherr, thu' ich, steht's in meiner Macht. Palästrio . Foppe mir (hörst du's?) den Hauptmann schlau und fein und königlich! Acrotelis . Du gebeutst mir meine Freude. Palästrio .                                                   Weißt du, wie du's machen mußt? Acrotelis . Stellen muß ich mich, als stürb' ich fast vor Liebe – Palästrio .                                                                                   Recht so! Schön! Acrotelis . Und als trennt' ich dieser Liebe wegen mich von meinem Mann, Schmachtend nur nach seinen Armen. Palästrio .                                                   Nach der Ordnung hast du's inn. Daß das Haus hier deine Mitgift sei, bedeut' ihm auch zugleich; Wenn das Haus die Mitgift der Frau war, so fiel es nach der Scheidung von dem Manne wieder an die Frau zurück, wie ihr übriges Eigenthum. Dein Gemahl sei weggezogen, als du dich von ihm getrennt; Sonst bedenkt er sich vielleicht noch, in ein fremdes Haus zu geh'n Acrotelis . Richtig! Palästrio .               Wenn der Herr heraustritt, stellst du dich von fern und thust, Als ob du vor seiner Schönheit deine gar nichts achtetest, Thust, als ob du seinen Reichthum tief verehrtest, und zugleich Lobst du seinen feinen Anstand, seine Schönheit, sein Gesicht. Nun – verstandst du mich? Acrotelis .                                   Ja wohl. Genügt dir's, wenn ich dir mein Werk So gefeilt vor Augen stelle, daß dir nichts zu tadeln bleibt? Palästrio . Ganz gewiß. (an Pleusides gewendet)                               Nun hab' ich auch noch dir was aufzutragen. Pleusides .                                                                                           Sprich! Palästrio . Ist das Ding einmal im Gange, ging Acrotelis hinein, Eile du hieher zu kommen, angethan mit Schiffertracht. Eine Binde vor den Augen Eine Binde (ein mit Wolle ausgestopftes kleines Kissen) vor den Augen , wie diejenigen trugen, die an den Augen litten. – Die Seeleute hatten Hüte mit breitem Rande gegen Wind und Sonnenhize. , und mit dunkelbraunem Hut, Einem kurzen Mantel, braun von Farbe, wie's den Schiffern ziemt, Festgeknüpft links auf der Schulter, und mit halbentblößtem Arm, Wie zur Arbeit aufgegürtet, thu, als wärst du Steuermann. Bei dem Alten triffst du dieses Alles, weil er Fischer hält. Pleusides . Wenn ich so herausstaffirt bin – sage mir, was soll ich thun? Palästrio . Komm und auf Geheiß der Mutter hole die Comasion, Daß sie, wenn sie nach Athen will, schnell mit dir zum Hafen geht, Und sofort zu Schiffe fördert, was sie mitzunehmen wünscht. Zaudre sie, so lichtest du die Anker; denn der Wind sei gut. Pleusides . Was du sagst, hat meinen Beifall. Weiter! Palästrio .                                                                   Er ermahnt sie dann, Daß sie nicht die Mutter aufhält, daß sie eilt. Pleusides .                                                               Wie schlau du bist! Palästrio . Ich bedeut' ihr, daß sie mich zum Tragen des Gepäcks verlangt. Sendet er mich dann mit ihr zum Hafen, schiff' ich – merke dir's! – Ohne Säumen nach Athen mich ein mit dir. Pleusides .                                                           Und sind wir dort, Darfst du nicht drei Tage mehr mir dienen, sollst ein Freier sein. Palästrio . Eile, zieh dich an! Pleusides .                               Noch sonst was? Palästrio .                                                           Daß du deiner Rolle denkst! Pleusides . Wohl, ich gehe. (er geht ab.) Palästrio . (zu Acrotelis und Phidippe )                                     Geht auch ihr alsbald hinein! Ich weiß gewiß, Daß der Mann jezt gleich herauskommt. Acrotelis .                                                       Was du willst, ist uns Gesez. Palästrio . Nun, so geht denn! (sie gehen in das Haus des Periplectomenes .)                                         Recht gelegen öffnet sich die Thüre schon. Wie verklärt er da herauskommt! Meint ja wohl, er hab's erreicht; Schnappt nach Etwas, das er nirgends finden wird, der arme Mensch! Fünfte Scene. Mauersturm . Palästrio . Mauersturm . Was ich wünschte, hab' ich nun in Lieb' und Güte ganz nach Wunsch Von Comasion erlangt. Palästrio .                             Was bliebst du denn so lang im Haus? Mauersturm . Niemals noch hat eine Frau mich so geliebt, wie dieses Weib. Palästrio . Wie denn? Mauersturm .             Was vernahm ich Alles! Und wie schwer kam sie dazu! Doch zulezt errang ich, was ich wünschte, gab ihr zum Geschenk, Was sie wollte, was sie ansprach. Dich auch hab' ich ihr geschenkt. Palästrio . Was? Auch mich? Wie soll ich leben ohne dich? Mauersturm .                                                                         Sei gutes Muths! Denn ich will dich schon befreien. Alle Mühe gab ich mir, Sie dahin zu bringen, daß sie dich mir lassen sollte; doch – Sie bestand darauf. Palästrio .                       So hoff' ich auf die Götter und auf dich. Aber ob's auch schmerze, daß ich missen soll den besten Herrn, Freut mich's doch, daß mein Bemüh'n (wie's deiner Schönheit würdig war) Dir die Nachbarin errungen, deren Huld ich dir gewann. Mauersturm . Was bedarf's der vielen Worte? Gold und Freiheit geb' ich dir, Schaffst du sie. Palästrio .                 Dein soll sie werden. Mauersturm .                                               Ach, ich schmachte! Palästrio .                                                                                       Nur gemach! Halte Maß! Nicht allzu hizig! Sieh, da tritt sie selbst heraus. Sechste Scene. Acrotelis . Phidippe . Mauersturm . Palästrio . Phidippe . (zu Acrotelis ) Da steht der Hauptmann, Herrin. Acrotelis .                                           Wo? Phidippe .                                                   Zur Linken hier. Acrotelis .                                                                             Ich sehe. Phidippe . Doch schiele nur nach ihm; er merkt es sonst, daß wir ihn sehen. Acrotelis . Ich seh' ihn, ach! Jezt müssen wir noch schlimmer sein, als Jemals. Phidippe . Dein ist der Angriff. Acrotelis . (laut zu Phidippe )       Bitte dich! Du hast ihn selbst gesprochen? (leise) Sprich nicht so leise, daß er's hört! Phidippe . (laut)                                       Ich sprach ihn selbst, so ruhig, Nach Muße, nach Bequemlichkeit, so frei, wie mir's beliebte. Mauersturm . (zu Palästrio ) Nun, hörst du sie? Palästrio .                     Ja. Voll Entzücken ist sie, weil sie dich sprach! Acrotelis . (zu Phidippe ) Du glücklich Weib! Mauersturm .                   Wie liebt sie mich! O Götter! Palästrio .                                                                         Du verdienst es. Acrotelis . (zu Phidippe ) Ich staune, daß du selbst vor ihn gelangtest, ihn erflehtest. Sonst naht man ihm durch Briefe nur und Boten, wie dem König. Phidippe . Auch hielt es wirklich schwer, an ihn zu kommen, ihn zu stimmen. Palästrio . (zu Mauersturm ) Welch einen Namen hast du bei den Frau'n! Mauersturm .                                                       Die Liebesgöttin Will's also, darum duld' ich es. Acrotelis . (zu Phidippe )                     Der Liebesgöttin dank' ich's, Und gehe sie mit Flehen an, daß sie mir ihn verschaffe, Nach dem ich schmachte, den mein Herz ersehnt, und daß er fortan Mir gnädig sei, daß ihm zur Last nicht werde, was ich wünsche. Phidippe . Das hoff' ich sicher, wenn nach ihm auch viele Frau'n sich sehnen; Denn alle hält er fern von sich, verachtet sie, nur dich nicht. Acrotelis . Mich peinigt nur die Furcht, daß er zu viel verlangt vom Weibe, Und andern Sinnes wird, sobald sein Auge mich gesehen, Daß seine Schönheit mein Gesicht als minder schön verachtet. Phidippe . Das thut er nicht; sei gutes Muths! Mauersturm . (zu Palästrio )                             Wie sie sich selbst herabsezt! Acrotelis . Du hast mich, fürcht' ich, schöner, als ich wirklich bin, geschildert. Phidippe . Ich sorgte, daß du schöner ihm erscheinst, als er vermuthet. Acrotelis . Verschmäht er meine Hand – o Gott! – umklammr' ich seine Kniee, Beschwöre sonst ihn, fleh' ihn an. Und kann ich's nicht erlangen, Sterb' ich von eigner Hand den Tod. Ich kann ohn' ihn nicht leben. Mauersturm . Vom Tode retten muß ich sie. Sprich: soll ich hin? Palästrio .                                                                                       Mitnichten! Du wirst gemein dich machen, wenn du dich freiwillig wegschenkst. Laß sie zuerst an dich heran, sie sehne, schmachte, harre! Wie? Willst du deinen alten Ruhm wegwerfen? Thu das ja nicht! Denn keinem Menschen ward das Glück, so viel ich weiß, als Zweien, Dir und dem Phaon Phaon aus Lesbos war der Geliebte der Dichterin Sappho, die, weil er ihre Liebe nicht erwiederte, sich vom leucadischen Felsen in Akarnanien in's Meer stürzte. , daß ein Weib sie so zum Sterben liebte. Acrotelis . Ich will hinein. Du geh voran, ruf' ihn heraus, Phidippe! Phidippe . Nein, warten wir, bis Jemand kommt! Acrotelis .                                                             Nicht länger kann ich harren; Ich geh' hinein. Phidippe .                 Die Thür ist zu. Acrotelis .                                           So brech' ich auf. Phidippe .                                                                         Du rasest. Acrotelis . Wenn mein Geliebter je geliebt, so edel ist als reizend, So wird er gütig mir verzeih'n, was ich aus Liebe fehlte. Palästrio . Die Arme (Gott!) ist halb verrückt vor Liebe. Mauersturm .                                                                     Wie ich selber. Palästrio . Sie hört es: still! Phidippe . (zu Acrotelis )         Was bleibst du so verduzt hier steh'n und pochst nicht? Acrotelis . Weil mein Galan nicht drinnen ist. Phidippe .                                                         Wie weißt du das? Acrotelis .                                                                                       Ich weiß es. Denn mit der Nase wittert' ich's, wär' er daheim. Mauersturm .                                                                 Wie schwärmt sie! Weil sie mich liebt, hat Venus ihr Weissagekraft verliehen. Acrotelis . Den ich zu seh'n verlange, der muß nahe sein: ich wittr' ihn. Mauersturm . Die sieht mit ihrer Nase mehr, als mit den Augen, wahrlich! Palästrio . Sie ist vor Liebe blind. Acrotelis . (thut, als würde sie ohnmächtig)                                               Ach, halte mich! Phidippe .                                                                 Warum? Acrotelis .                                                                               Ich falle. Phidippe . Wie so? Acrotelis .               Die Füße tragen mich nicht mehr: so ist die Seele Mir durch das Aug' entfloh'n. Phidippe .                                       Du sahst den Hauptmann wohl? Acrotelis .                                                                                         Ich sah ihn. Phidippe . Ich seh' ihn nicht: wo ist er denn? Acrotelis .                                                       Du sähst ihn, wenn du liebtest. Phidippe . Du liebtest ihn nicht heißer, traun, als ich, wenn du's erlaubtest. Palästrio . Die Frauen alle lieben dich, sobald sie dich nur sehen. Mauersturm . Ich weiß nicht, hab' ich dir's gesagt: ich bin der Venus Enkel. Acrotelis . Geh hin, Phidippchen, red' ihn an! Mauersturm .                                                   Wie sie mich scheut! Palästrio .                                                                                           Da kommt sie Auf uns heran. Phidippe .                 Euch such' ich. Mauersturm .                                   Und wir dich. Phidippe .                                                                 Wie du's befohlen, – Hier bring' ich meine Frau. Mauersturm .                             Ich seh's. Phidippe .                                                   Gestatt' ihr denn, zu kommen. Mauersturm . Ich will sie nicht, wie andre Frau'n, verschmäh'n, da du mich batest. Phidippe . Sie bringt gewiß kein Wort heraus, wenn sie zu dir daherkommt: Erblickt sie dich, verstummt, erlahmt die Zung' ihr bei dem Anblick. Mauersturm . Erleichtern muß ich ihren Schmerz. Phidippe .                                                               Ach, wie sie zagt und zittert, Nachdem sie dich geseh'n! Mauersturm .                             Das thun ja Männer selbst in Waffen. Was wolltest du vom Weibe mehr? Doch was ist ihr Verlangen? Phidippe . Du sollst zu ihr geh'n; sie verlangt allein mit dir zu leben. Mauersturm . Ich soll zu ihr, die Gattin ist? Den Gatten muß ich fürchten. Phidippe . Den Mann vertrieb sie deinethalb. Mauersturm .                                                 Wie durfte sie das wagen? Phidippe . Weil dieses Haus ihr Brautschaz ist. Mauersturm .                                                     So? Phidippe .                                                                   Ja. Mauersturm .                                                                   Dann soll sie heimgeh'n. Sag' ihr's; ich folg' ihr gleich. Phidippe .                                       Doch laß dich nicht zu lang erwarten; Sonst ängstet sie sich ab. Mauersturm .                           Ich säume nicht. Geht nur! Phidippe .                                                                           Wir gehen.     (die beiden Frauen ab.) Mauersturm . Was seh' ich da? Palästrio .                                   Was siehst du denn? Mauersturm .                                                               Ich weiß nicht welch ein Fremder Kommt dort in Schiffertracht daher. Palästrio .                                                 Er will zu uns vermuthlich: Es ist der Schiffspatron. Mauersturm . (freudig)           Der holt das Mädchen! Palästrio .                                                                     Ja, so glaub' ich. Siebente Scene. Pleusides . Palästrio . Mauersturm . Pleusides . (als Schiffer gekleidet) Wüßt' ich es nicht, daß Mancher schon manch Schelmenstück Der Liebe wegen aufgeführt, ich scheute mich Noch mehr, in dieser fremden Tracht umherzugeh'n. Doch weil ich weiß, daß Manche manches Böse schon Der Liebe wegen thaten, manch Unehrbares; – (Ich schweige, wie sein Volk Achill geopfert hat Der Zorn des Achilles, dem Agamemnon die schöne Briseis geraubt hatte, war Ursache, daß Achilles sich von dem griechischen Heere entfernte, und kostete dadurch vielen Griechen das Leben. ) – – Doch still, da steht Palästrio, da steht sein Herr: In andre Töne stimm' ich meine Rede nun.     (laut) Ein Weib ist doch aus lauter Zauderei gemacht; Denn andre Zaudereien, die man auch so nennt, Sind gegen alle Zauderei'n der Weiber nichts. Das sind sie, denk' ich, schon gewohnt von Jugend auf. Jezt ruf' ich die Comasion. Ich will am Haus Anpochen. He! Ist Niemand hier? Palästrio . (nähert sich der Thür)           Was gibt es, Freund? Was pochst du? Pleusides .                 Zu Comasion soll ich, bin geschickt Von ihrer Mutter. Will sie mit, so komme sie. Wir wollen die Anker lichten; sie hält Alles auf. Mauersturm . Längst sind wir schon gerüstet. He, Palästrio, Gold, Puz, Gewand, Geschmeide, nimmt sie alles mit: Es nach dem Schiff zu tragen, nimm dir Leute zu. Wohl aufgepackt ist Alles, was ich ihr geschenkt. Palästrio . Ich gehe. (ab.) Pleusides .                 Mach nur hurtig. Mauersturm .                                       Er hält euch nicht auf. – Was hast du da, was ist an deinem Auge, Freund? Vgl. 4, 4, 42 . und die Anmerkung. Pleusides . Da steht es gut. Mauersturm .                     Das linke da – Pleusides .                                                   Das hörst du gleich. Ich hab' ein Aug zu wenig, – sieh, das thut das Meer. Blieb' ich vom lieben Meere fern, dann hätt' ich's noch. Die Zweideutigkeit in den Worten der Urschrift a mare (vom Meere) und amare (lieben) wurde hier, so gut es ging, wiedergegeben. Doch – die da halten lang mich auf. Mauersturm .                                           Hier sind sie schon. Achte Scene. Palästrio . Comasion . Pleusides . Mauersturm . Sklaven mit Gepäck. Palästrio . (zu Comasion , die mit ihm aus dem Hause tritt) Wirst du heut mit Weinen nicht ablassen? Comasion .                                                         Wie vermöcht' ich das? Wo ich meine schönsten Tage lebte, scheid' ich. Palästrio .                                                                     Siehst du? Dort Steht der Mann, den deine Mutter und die Schwester dir gesandt. Comasion . Wohl, ich seh' ihn. Mauersturm .                           Hörst du mich, Palästrio? Palästrio .                                                                           Was soll ich, Herr? Mauersturm . Laß doch Alles aus dem Hause schaffen, was ich ihr geschenkt. Pleusides . Sei gegrüßt, Comasion! Comasion .                                       Willkommen! Pleusides .                                                               Deine Mutter und Deine Schwester grüßen dich auf's Beste – Comasion .                                                           Meinen besten Dank! Pleusides . Bitten dich, du möchtest kommen, weil der Wind die Segel schwellt. Hätte sie nicht Augenschmerzen, kam die Mutter selbst mit mir. Comasion . Geh' ich denn, obwohl mit Sträuben; denn die Pflicht will's. Pleusides .                                                                                                 Wie gescheidt! Mauersturm . Hat sie doch mit mir gelebt; sonst wäre sie's noch heute nicht. Comasion . O wie schmerzt mich's, daß ich mich von solchem Manne scheiden soll! Denn von dir kann Jede lernen, daß sie überfließt von Wiz. Weil ich bei dir leben durfte, darum fühlt' ich mich so groß. Diesen Adel muß ich lassen. (sie fängt an zu weinen.) Mauersturm .                                 Weine nicht! Comasion .                                                           Wie könnt' ich das, Wenn ich dich ansehe! Palästrio . (zu Comasion )       Fasse Muth! Ich weiß, wie mir es ist. Daß du gern' hier warest, ist kein Wunder doch; dich fesselten Seine Schönheit, seine Sitten, seine Tapferkeit an ihn. Ich bin nur ein Knecht und weine, daß ich scheiden soll von ihm. Comasion . (zu Mauersturm ) Darf ich, eh' ich scheide, dich umarmen? Mauersturm .                                                   Ich gestatte dir's. Comasion . Du, mein Auge! Du, mein Leben! (sie stellt sich ohnmächtig.) Palästrio . (zu Pleusides )                                 Himmel! Halte sie doch auf! Denn sie fällt. Mauersturm .         Was ist es? Palästrio .                                 Als sie weg von dir sich wandte, ward' Ihr mit Einmal schlimm zu Muthe. Mauersturm . (zu den Sklaven)               Lauft hinein! Bringt Wasser her! Man pflegte die Ohnmächtigen mit Wasser zu besprizen. Palästrio . Wasser hilft nicht. Geh doch weg, und halte dich so lange fern, Bis sie sich erholt. Mauersturm . (indem er nach Comasion sieht, über die sich Pleusides gebeugt hat)                               Die halten doch die Köpfe gar zu nah. Recht bedenklich! Lipp' an Lippe fügen sie. Was treibst du, Mensch? Ich lese am Schlusse des Verses: quid agis, malum? Pleusides . Horchte nur, ob sie noch athmet. Mauersturm .                                                 Dazu braucht man sonst das Ohr. Pleusides . Willst du's lieber, lass' ich sie – Mauersturm .                                                 Nein, nimm sie mit! Palästrio . (weinend)                                                                       Wie schmerzt mich das! Mauersturm . (zu den Sklaven) Geht und schafft mir Alles aus dem Hause, was ich ihr geschenkt! Palästrio . (auf der Schwelle des Hauses) Nun, o Hausgott, eh' ich scheide, grüß' ich dich zum letztenmal. Abreisende bezeigten vornehmlich auch den Hausgöttern ihre Verehrung. Lebet wohl, ihr Bursch', ihr Mädchen, die ihr hier mit mir gedient! Redet stets von mir das Beste, bin ich auch nicht unter euch. Mauersturm . Sei gefaßt, Palästrio! Palästrio .                                           Die Augen geh'n mir über, nun Ich von dir soll. Mauersturm .             Trag' es als ein Mann! Palästrio .                                                         Ich weiß wohl, was mich schmerzt. Comasion . (aus der scheinbaren Ohnmacht erwachend) Ha, wo bin ich? Was erblick' ich? Holdes Licht, sei mir gegrüßt! Pleusides . Hast du dich erholt? Comasion .                                 O Götter! Welch ein Mann hielt mich umarmt? Bin ich bei mir? Wehe mir! Pleusides .                                   Mein süßes Leben, fürchte nichts! Mauersturm . Was ist dort? Palästrio .                             Aus einer Ohnmacht ist sie eben aufgewacht.     (halblaut bei Seite) Mir ist bange, die Geschichte kommt doch endlich an den Tag. Mauersturm . Was denn? Palästrio . (sich schnell fassend)                                 Wenn wir mit dem Zeug da durch die Stadt zieh'n, wird man dich Schelten. Mauersturm .   Wie? Mein Eigenthum verschenkt' ich, nicht das ihrige. Wenig kümmern mich die Leute. Zieht von hinnen: Gott mit euch! Palästrio . Nur um deinetwillen sag' ich's. Mauersturm .                                             Glaub' es. Palästrio .                                                                     Lebe wohl! Mauersturm .                                                                                   Auch du! Palästrio . (zu Pleusides und Comasion ) Geht; ich folge gleich. Ein Wort nur red' ich noch mit meinem Herrn.     (die Beiden entfernen sich) Wenn du gleich für minder ehrlich, minder treu, denn Andere, Mich gehalten, weiß ich dennoch dir für Alles großen Dank. Und beliebte dir's, ich wollte lieber noch dein Sklave sein, Als ein Freigelass'ner Andrer. Mauersturm .                                   Nur getrost! Palästrio .                                                             Weh über mich, Denk' ich daran, daß ich meine Lebensart verändern muß, Daß ich Weibersitten lernen, Kriegerart vergessen soll! Mauersturm . Sei ein Mann! Palästrio .                               Nicht mehr vermag ich's. Jeder Wonne starb ich ab. Mauersturm . Zögre nicht, folg' ihnen, eile! Palästrio .                                                       Lebe, lebe wohl! Mauersturm .                                                                             Auch du! Palästrio . Denke mein; wenn ich die Freiheit einst erlange, send' ich dir Einen Boten, daß du dann mich nicht versäumst! Mauersturm .                                                               Da kennst du mich. Palästrio . Und gedenk' auch, wie getreu ich immer dir gewesen bin. Dann erkennst du, wer dir taugte, wer es schlimm gemeint mit dir. Mauersturm . Ja, ich weiß, ich sah es oft, auch früher, doch, wie heute, nie. Palästrio . Und noch mehr, als heute, wird dir bald die Wahrheit offenbar. Mauersturm . Freund, ich muß dich hier behalten! Palästrio . (erschrocken)                                           Thue das nicht; alle Welt Sagte dann, du wärst ein Lügner, ohne Glauben, ohne Treu, Sagte wohl, du habest keinen treuen Diener außer mir. Ließe sich's mit Ehren machen, traun, ich riethe selbst dazu. Doch es geht nicht; laß es sein! Mauersturm .                                     So geh; ich dulde, was es sei. Palästrio . Lebewohl! (er küßt ihm Brust und Schultern.) Mauersturm .             Schnell, daß du fortkommst! Palästrio .                                                                 Lebe wohl zum leztenmal! (geht ab.) Mauersturm . (allein) Bis zu diesem Tage hielt ich ihn für einen Schuft, und jezt Find' ich, daß er's treu gemeint hat. Wenn ich's recht bedenke, war's Unverstand, ihn fortzulassen. Aber nun muß ich hinein Zu der Liebsten dort; ich hörte knarrend schon die Thüre geh'n. Neunte Scene. Ein junger Sklave , der aus dem Hause des Periplectomenes tritt. Mauersturm . Der Sklave . (spricht in das Haus zurück) Nicht weiter mahnt mich; denn ich kenne meine Pflicht. Ich will ihn schon auffinden. Wo er stecken mag, Ich spür' ihn auf und spare keine Mühe. Mauersturm .                                                 Der Sucht mich; ich will dem Jungen nur entgegengeh'n. Der Sklave . Dich such' ich. Ei! Willkommen, allerliebster Mann, Mit Wonnen Ueberhäufter, den zwei Götter sich Ersah'n vor Allen. Mauersturm .                 Welche zwei? Der Sklave .                                           Venus und Mars. Mauersturm . Ein feiner Junge! Der Sklave .                               Dich beschwört sie, komm herein, Dich will, dich sucht sie, dich erwartend schmachtet sie. O hilf der Liebenden! Säume nicht, geh doch hinein! Mauersturm . Ich gehe. (er geht in das Haus.) Der Sklave . (ihm nachblickend) Der hat sich selber in die Neze festgerannt. Die Schlingen sind ihm schon gelegt; der Alte steht Bereitet, auf den Ehebrecher loszugeh'n, Der auf vermeinte Körperreize trozt und wähnt, Ihn liebten alle Weiber, die er angeseh'n; Doch alle Frau'n und alle Männer hassen ihn. Jezt schnell, ich höre drinnen Lärm, zur Schlacht hinein!     (er geht in's Haus.) Zehnte Scene. Periplectomenes . Mauersturm . Cario und andere Knechte des Periplectomenes, die den Mauersturm herausschleppen. Periplectomenes . (zu den Knechten) Schleppt ihn fort, und folgt er nicht, hebt ihn empor, werft ihn hinaus, Daß er zwischen Erd' und Himmel schwebt: in Stücke reißet ihn! Mauersturm . Ach, Periplectomenes, ich flehe! Periplectomenes .                                               Mensch, du flehst umsonst. – Siehe zu, daß auch dein Messer scharf genug ist, Cario. Cario . Lange sehnt sich's schon, dem Sünder aufzuschneiden seinen Wanst, Daß er dahängt schlotternd, wie die Klapper um des Kindes Hals. Eine Klapper, die man den Kindern anhängt, um sie zum Schweigen zu bringen. Danz. Mauersturm . (in höchster Angst) Ich bin hin! Cario .                 Noch nicht; doch nächstens. Werf' ich jezt mich auf den Kerl? Periplectomenes . Nein, zuvor noch bläu'n wir ihn mit Knitteln durch. Cario .                                                                                                     Mit aller Macht!     (er prügelt ihn.) Periplectomenes . Was erfrechst du dich, an fremde Frau'n zu rühren, Galgenbrand? Mauersturm . Weiß es Zeus, man kam von selbst zu mir. Periplectomenes . (zu Cario )                                             Er lügt. Schlag' immer zu!     (wiederholte Prügel.) Mauersturm . Höre doch nur erst! Periplectomenes . (zu den Knechten, die indessen inne halten)                                               Ihr zögert? Mauersturm .                                                 Darf ich gar nicht reden? Periplectomenes .                                                                                   Sprich! Mauersturm . Eingeladen hat man mich in dieses Haus – Periplectomenes .                                                               Was nahmst du's an? (er giebt ihm einige Schläge.) Mauersturm . Weh! Ich bin genug geprügelt! Laßt mich endlich! Cario . (zu Periplectomenes )                                                           Schneid' ich bald? Periplectomenes . Wenn's beliebt! Nun dehnt den Kerl recht auseinander, spannt ihn aus. Mauersturm . Ich beschwöre dich, bevor er schneidet, höre mich doch an! Periplectomenes . Sprich, bevor man dich entmannt. Mauersturm .                                                               Für eine Wittwe hielt ich sie: Also sagte mir das Mädchen, unsre Unterhändlerin. Periplectomenes . Schwöre, daß du keinem Menschen fürder was zu Leide thust, Weil man heut dich durchgeprügelt oder noch durchprügeln wird, Wenn wir dich mit heiler Haut fortlassen, Venusenkelchen. Mauersturm . Ja, bei Mars und Venus schwör' ich, Keinem was zu Leid zu thun, Weil man heute mich geprügelt; nein, mir ist mein Recht gescheh'n. Geh' ich unentmannt von hinnen, ist die Strafe nicht zu viel. Periplectomenes . Aber brichst du deinen Eidschwur? Mauersturm .                                                                 Ewig sei ich dann entmannt! Cario . (zu Periplectomenes ) Prügeln wir ihn jezt noch Eins; dann, denk' ich, mag er weiter zieh'n. Mauersturm . Daß du so dich meiner annimmst, lohne dir der Götter Huld! Cario . Nun, so gib uns eine Mine Gold's. Mauersturm .                                             Wofür denn? Cario .                                                                               Daß wir heut Unverstümmelt dich entlassen, dich, der Venus Enkelchen, Sonst wird's nichts; das darfst du glauben. Mauersturm .                                                     Ihr bekommt's. Cario .                                                                                         Jezt bist du klug. Wams und Schwert und Mantel siehst du niemals mehr, das hoffe nicht.     (er nimmt ihm Alles weg.) Bläu' ich ihn, bevor er geht, noch Einmal durch? Mauersturm .                                                               Bin blau genug Von den Prügeln. Ich beschwör' euch – Periplectomenes .                                           Laßt ihn los! Mauersturm .                                                                       Ich danke dir. Periplectomenes . Wenn ich nochmals dich erwische, zäum' ich dich am Nabel auf. Mauersturm . Habe nichts dawider. Periplectomenes .                             Cario, komm in's Haus!     (Beide ab.) Elfte Scene. Mauersturm . Sceledrus mit anderen Knechten. Mauersturm .                                                                             Da seh' ich ja Meine Leute. Sagt mir: ist Comasion abgereist? Sceledrus .                                                                   Schon längst. Mauersturm . Wehe mir! Sceledrus .                         Das riefst du mehr noch, wenn du wüßtest, was ich weiß. Der die Binde vor den Augen hatte, war kein Schiffer. Mauersturm .                                                                         Wer War es denn? Sceledrus .               Comasion's Geliebter. Mauersturm .                                               Woher weißt du das? Sceledrus . Weiß es. Denn sobald sie vor dem Thore waren, fingen sie Sich sofort zu küssen und zu herzen an. Mauersturm .                                                 Ich Armer, weh! Bin geprellt, das seh' ich. Ha, Palästrio, der Bösewicht, Lockte mich in diese Schlinge! Doch es ist mir recht gescheh'n. Ging' es andern Sündern auch so, wären ihrer weniger. Größre Furcht und minder Kizel! Jezt nach Haus! Ihr – (an die Zuschauer)                                                                                         klatschet brav! Uebersicht der Sylbenmaße. Erster Act. V. 1 –78. Sechsfüßige Jamben ( trimetri jambici acatalectici ). Zweiter Act. Erste Scene . V. 1 –77. Sechsfüßige Jamben. Zweite Scene . V. 1 –118. Unvollständige achtfüßige Trochäen ( tetrametri trochaici catalectici ). Dritte Scene . V. 1 –82. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Vierte Scene . V. 1 –56. Unvollständige achtfüßige Jamben ( tetrametri jambici catalectici ). Fünfte Scene . V. 1 –15. Unvollständige achtfüßige Jamben. V. 16 –70. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Sechste Scene . V. 1 –113. Sechsfüßige Jamben. Dritter Act. Erste Scene . V. 1 –215. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Zweite Scene . V. 1 –59. Sechsfüßige Jamben. Dritte Scene . V. 1 –71. Unvollständige achtfüßige Jamben. Vierter Act. Erste Scene . V. 1 –43. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Zweite Scene . V. 1 –18. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 19 –20. Unvollständige achtfüßige Jamben. V. 21 –59. Vollständige achtfüßige Trochäen. V. 60 –102. Unvollständige achtfüßige Anapäste ( tetrametri anapaestici catalectici ). Dritte Scene . V. 1 –43. Sechsfüßige Jamben. Vierte Scene . V. 1 –63. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 3 ist ein vollständiger achtfüßiger Trochäus. Fünfte Scene . V. 1 –16. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Sechste Scene . V. 1 –69. Unvollständige achtfüßige Jamben. Siebente Scene . V. 1 –27. Sechsfüßige Jamben. Achte Scene . V. 1 –68. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Neunte Scene . V. 1 –17. Sechsfüßige Jamben. Zehnte Scene . V. 1 –34. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Elfte Scene . V. 1 –10. Unvollständige achtfüßige Trochäen.