Maccus Titus Plautus Mercator oder Ein Kauf aus Liebe übersetzt von Dr. Artur Brückmann   Zur Komödie Im Prolog des Mercator wird als Vorlage zu dieser Komödie der Emporos des Philemon angegeben. Sowohl im ganzen Ton wie auch in der Handlungsführung nimmt der Mercator eine besondere Stellung in den Komödien des Plautus ein. Die Hauptgestalten des Stücks, der Jüngling Charinus und sein Vater Demipho, sind in ihrem Charakter ernsthafter gezeichnet, als man es sonst in den plautinischen Komödien findet. Natürlich entbehrt die Gestalt des verliebten und elegischen Jünglings durchaus nicht der Komik, ebensowenig wie die Figur des von später Liebe heimgesuchten Alten, aber irgendwie haben diese Charaktere doch einen gewissen seelischen Tiefgang. Die Liebe des Charinus ist durchaus echt, und wir glauben ihm, daß ihm die Welt verleidet ist, wenn er seine Geliebte verliert. Aber auch die Gestalt des Vaters ist im echten Sinn tragikomisch. Er erlebt die seinem Alter unangemessene Leidenschaft in vollem Bewußtsein, und wenn er in seiner Traumerzählung oder im späteren Monolog seine Gefühle offenbart, wirkt auch er überzeugend. In der Handlungsführung fällt die betont epische Darstellung des Geschehens auf, so etwa die lange Eingangserzählung des Charinus. Aber auch sonst ist in dieser Komödie weniger wichtig, was geschieht, sondern vielmehr, was die Personen sagen und wie sie es sagen. Die eigentliche Handlung wird in der Traumerzählung des Demipho schon früh vorweggenommen, so daß der Zuschauer schon ungefähr weiß, wie die Sache ausgehen wird. So kann er die einzelnen Szenen als solche auf sich wirken lassen, etwa den Bericht des Sklaven Acanthio am Anfang der Handlung, der eine Parodie auf den "Botenbericht" der Tragödie ist, dann den Wettstreit zwischen Vater und Sohn, bei dem keiner der beiden die eigentliche Absicht des andern kennt, den köstlichen Dialog zwischen Lysimachus und Pasicompsa und schließlich den Auftritt des Kochs. Die oft störende und wenig sinnvolle Einteilung in fünf Akte, die nicht zur Überlieferung gehört und erst von J.B. Pius in einem Kommentar aus dem Jahr 1500 hinzufügt wurde, ist weggelassen und durch eine durchgehende Szenennumerierung ersetzt. Personen und ihre Masken Charinus , junger Mann Acanthio , Sklave Demipho , alter Mann Lysimachus , alter Mann Sklave des Lysimachus Eutychus , junger Mann Pasicompsa , Hetäre Dorippa , Matrone Syra , alte Sklavin Koch Ort der Handlung: Athen Die Szene zeigt die Vorderseite zweier Häuser, das Haus des Demipho und das des Lysimachus Erste Szene Charinus tritt auf Charinus: Zwei Dinge soll ich nun zugleich verrichten: Ich soll euch sagen, was in diesem Stück geschieht, dazu will ich von meinen Liebesangelegenheiten reden. Doch nichts dergleichen tu' ich, was in den Komödien ich andere im Bann der Liebe tun sah: Die erzählen ihre Leiden stets der Nacht, dem Tag, dem Mond, der Sonne. Aber die, glaub' ich, die machen sich aus unsern menschlichen Beschwerden, was wir wollen, was uns gegen unsern Willen widerfährt, nicht einmal so viel, nicht das geringste! Besser, ich erzähl' nun meine Leiden euch. Im Griechischen heißt die Komödie »Emporos«, »Der Kaufmann« und sie wird Philemon zugeschrieben. Lateinisch heißt sie nun »Mercator«, und sie ist von Maccus Titus. Mein Vater schickte mich nach Rhodos auf den Handelsmarkt. Zwei Jahre sind vergangen, seit ich aufbrach von zuhause. Dort in Rhodos aber hab' ich mich verliebt in ein ganz ungewöhnlich schönes Mädchen. Und von ihr und wie ich mich verwickelte in diese Sache, will ich euch berichten, wenn ihr nun so freundlich seid, mir dafür euer Ohr und euer Interesse zuzuwenden. Ich bin nun wenig nach der Art Verliebter vorgegangen: Am Anfang schon hab' ich hinausposaunt, um was es geht. Nun, alles Schlimme pflegt die Liebe zu begleiten: Sorge, Gram, aufwendig übertriebener Geschmack; der straft mit großem, schwerem Unheil nicht nur den, der liebt, nein, jeden, der davon gepackt wird. Wer auch immer solchen Luxus trieb: Er tat es niemals, ohne schlimmes Übel zu erleiden, wenn er mehr ausgab dafür, als sein Vermögen zuließ. Vieles kommt hinzu zur Liebe, was ich nicht erwähnt: Schlaflosigkeit und Mühsal, Irren, Wirren, Schrecken, wilde Flucht. Wie albern, dumm und unbesonnen, kopflos unbedacht, wie unbescheiden, frech, begehrlich, neidisch macht uns doch die Liebe. Faules Schwelgen, Trägheit, Gier, vergebliches Verlangen, Schmach und Schaden bringt sie uns – und viel Geschwätzigkeit. Soviel auch der Verliebte redet: Er sagt zu wenig, denn zur falschen Zeit sagt er, was gar nicht nötig ist, zur Sache nicht gehört. Nichtssagend nenn' ich die Geschwätzigkeit, weil der Verliebte nie die Sprache zu gebrauchen weiß, etwas zu sagen, was ihm nützlich wäre. Doch ihr sollt wegen meiner eigenen Geschwätzigkeit mir nun nicht böse werden: Venus selbst war es, die mir Geschwätzigkeit am gleichen Tage auferlegt, an dem sie zum Verliebten mich gemacht. Ich bin entschlossen, auf die Sache selbst zu kommen, will die Geschichte nun erzählen, die ich angefangen. Kaum daß ich das erste Jünglingsalter hinter mir gelassen, den Sinn von Knabendingen abgewandt, verliebt' ich mich schon heftig hier am Ort in eine liebliche Hetäre, und sogleich ging auch des Vaters Geld ganz heimlich hin zu ihr, in die Verbannung sozusagen. Der rücksichtslose, unverschämte Kuppler, der des Mädchens Herr war, riß, was er nur konnte, in sein Haus hinüber. Mein Vater schalt mich deshalb Tag und Nacht; er legte dar, wie falsch, wie hinterlistig diese Kuppler seien. Bös verschleudert werde sein Vermögen, das des Kupplers wachse. So ertönte das mit heftigem Geschrei. Bisweilen aber brummte er auch anderes: Er wolle nichts mit mir zu schaffen haben, als seinen Sohn mich nicht mehr anerkennen. In der ganzen Stadt schrie er herum und warnte jeden, mir weiter Geld zu leihen. Liebeswahnsinn habe zur Verschwendung mich verlockt. Zur Zügellosigkeit, zur Unbesonnenheit, zu allem Frevel führ' er mich. Was ich nur könne, schlepp' ich aus dem Haus. Durch meine Unvernünftigkeit verschleud're ich, was er mit Sparsamkeit und harter Arbeit sich erworben. Für meine Liebelei verderbe und verschwend' ich alles. Eine Schande sei's, daß er schon viele Jahre mich auf seine Kosten füttere. Schämt' ich mich nicht, verdient' ich nicht zu leben, Er, aus dem Knabenalter grad herausgewachsen, er habe nicht wie ich der Liebe und dem Müßiggang sich hingegeben, hab' die Möglichkeit gar nicht gehabt; sehr streng hab' ihn sein Vater stets gehalten: Bei Feldarbeit in Schmutz und Dreck hab' er sich abgemüht. Die Stadt, die hab' er einmal nur gesehen, zu Athenes großem Fest, um das Gewand der Göttin, den zur Schau gestellten Peplos anzusehen. Doch sein Vater hab' ihm nach gewohnter Weise befohlen, gleich aufs Land zurückzukehren. Dort hab' er geschuftet mehr als alle andern. Sein Vater hab' ihm stets gesagt: Du pflügst, du eggst, du säst für dich, für dich wirst du auch ernten, schließlich wird dir deine Müh' Befriedigung und Freude noch bereiten. Als nun seines Vaters Leben aus dem Leib entwichen, hab' er Land verkauft, für den Erlös ein Schiff erworben – dreihundert Faß groß sei der Laderaum gewesen – und von überall hab' er sich Waren kommen lassen, bis er das Vermögen, das er jetzt besitze, sich erworben habe. Es nun ebenso zu machen, das sei meine Pflicht, wenn ich so wäre, wie es sich gehöre. Wie ich merke, daß ich meinem Vater ganz verhaßt war, ihm Ärger nur bereitete, – ihm, dem ich doch zur Freude leben sollte – wie ich merke, daß ich sinnlos meinen Sinnen lebte, reiß ich mich mit aller Kraft zusammen, schlag' ihm vor, ich wolle gleich auf eine Handelsreise gehen, wenn er einverstanden sei: Mein Liebesabenteuer woll' ich so beenden, ihm zu Willen sein. Er dankte mir und lobte meinen Einfall, unterließ es aber nicht, dem, was ich ihm versprochen, selbst noch kräftig nachzuhelfen: Er ließ für mich ein großes Segelschiff erbauen, kaufte Waren ein, womit das Schiff beladen wurde. Eigenhändig gab er mir dazu noch ein Talent von Silber. Mit mir schickte er den Sklaven auf die Reise, welcher einst, als ich ein kleiner Knabe war, als Pädagoge mich erzogen hatte, noch jetzt gewissermaßen als mein Hüter. Derart ausgerüstet lösten wir das Schiff vom Ufer, brachen auf auf unsre Reise. Nach Rhodos kamen wir, und ich verkaufte alle Waren, die ich zu diesem Zweck hierher gebracht. Und der Gewinn war außerordentlich; er übertraf bei weitem das, womit mein Vater, der die Waren eingeschätzt, gerechnet hatte. Auf diese Weise bracht' ich es ganz groß zu einem eigenen Vermögen. Wie ich dort einmal am Hafen auf und ab spaziere, trifft ein Freund mich, lädt mich ein zum Essen. Ich geh' hin, begebe mich zu Tisch und werde freundlich aufgenommen, reichlich auch bewirtet. Wie wir nachts dann schlafen gehen, kommt zu mir ein Mädchen, wunderschön, wie es sonst keines gibt. Und wie mein Gastfreund ihr befohlen, verbrachte sie die ganze Nacht bei mir. Wie sehr sie mir gefiel, könnt ihr aus folgendem ersehen: Schon am nächsten Tag geh' ich zu meinem Freund und bitte ihn, das Mädchen – mir zu verkaufen. Sag' ihm, wie ich dankbar wäre, wie er in Zukunft ganz mit meiner Dienstbereitschaft rechnen könne. Wozu viele Worte: Ja, ich kaufte sie, und gestern bracht' ich sie mit mir hierher. Doch daß mein Vater nicht erfährt, was ich mir mitgebracht von meiner Reise, ließ ich sie mit meinem Sklaven auf dem Schiff zurück. Acanthio kommt Was muß ich seh'n? Mein Sklave kommt vom Hafen angerannt dem hab' ich doch verboten, wegzugehn vom Schiff. Ich fürchte, da ist etwas schiefgegangen. Zweite Szene Acanthio: Mit aller Anstrengung, mit aller Kraft versuch' es, setz alles ein, den jungen Herrn zu retten. Los, Acanthio, weg mit der Müdigkeit! Und hüte dich, Unlust und Trägheit vorzuschützen. – Alles bringt mich um: Mein Keuchen – kaum kann ich noch Atem holen – dann alle, die auf diesem vollgestopften Fußsteig mir entgegenkommen. Weg mit ihnen! Dränge, treibe, stoße sie hinab vom Fußweg auf die Straße! Miserable Sitten sind das hier! Kein Mensch hält es für nötig, einem Platz zu machen, der daherrennt, der in Eile da gelaufen kommt! – Drei Dinge muß ich nun auf einmal tun, wo ich doch eines nur in Angriff nahm: Muß laufen, um mich schlagen und dazu noch schimpfen. Charinus: (für sich) Was soll das, daß der Kerl ungeniert freien Lauf für sich verlangt? Ich bin neugierig und auch besorgt, was da los ist, was er melden wird. Acanthio: Ich mühe mich umsonst ab! Je länger ich hier hängenbleibe, um so mehr kommt alles in Gefahr! Charinus: (für sich) Was der wohl zu melden hat? Irgend etwas Schlimmes. Acanthio: Die Knie versagen dem Läufer jetzt ihren Dienst. Mit mir ist's aus! Die Milz ist im Aufruhr, greift das Zwerchfell an. Mit mir ist's aus. Ich finde keinen Atem mehr: Als Flötenspieler wär' ich jetzt kaum zu brauchen. Alle Bäder bringen mir diese Müdigkeit nicht aus meinen Gliedern! Charinus: (für sich) Nimm den Zipfel deines Umhangs, um dir den Schweiß abzuwischen! Acanthio: Ob ich Charinus, meinen Herrn, im Haus oder draußen suchen muß? Charinus: (für sich) Unruhig schwankt mein Gemüt. Aus Sorge und aus Furcht verlangt es mich zu wissen, was geschehen ist, daß ich Gewißheit habe. Acanthio: Noch immer steh' ich da? Säume, die Tür da in Stücke zu hauen! He, macht endlich auf! Wo ist Charinus, mein Herr? Im Haus? Draußen? Findet irgendeiner es nötig, sich an die Tür zu bemühen? Charinus: Hier bin ich, Acanthio, hier bin ich, den du suchst! Acanthio: Noch fauler kann man nicht sein als die hier! Charinus: Was für schlimme Dinge jagen und bedrängen dich denn? Acanthio: Oh, viele, Herr, dich und mich! Charinus: Was ist los? Acanthio: Wir sind verloren! Charinus: Deinen Feinden komme so! Acanthio: Aber dir hat es das Schicksal zugedacht! Charinus: Was ist geschehen? Sag es, was es immer ist! Acanthio: Nur ruhig, erst muß ich zur Ruhe kommen. Deinetwegen hab' ich mir schon die Lunge zersprengt. Blut muß ich längst schon spucken! Charinus: Schluck ein wenig ägyptisches Harz, in Honig eingetaucht, das hilft dir sicher! Acanthio: Und du säufst am besten heißes Pech, deinen Kummer zu vertreiben! Charinus: Jähzorniger fand ich niemand als dich. Acanthio: Schmähsüchtiger fand ich niemand als dich. Charinus: Was? Wenn ich dir rate, was dir heilsam ist? Acanthio: Bleib mir vom Leib mit einem Heil, das einem Qual und Marter bringt. Charinus: Sag mir, kann es irgend etwas Gutes geben, ohne daß es mit Übel vermischt ist? Ist es nicht immer mit Mühe verbunden, wenn du etwas erreichen willst? Acanthio: Davon weiß ich nichts. Philosophieren hab' ich nie gelernt, und nach Gutem, das mir Schlimmes zufügt, trag' ich kein Verlangen. Charinus: Gib mir die Hand, Acanthio, los, mach schon, gib sie! Acanthio: Hier, da hast du sie; nimm sie! Charinus: Willst du mir zu Willen sein, willst du es nicht? Acanthio: Was ich getan habe, erlaubt mir, das aus Erfahrung zu wissen. Hab' ich mir doch die Lunge zersprengt. Deinetwegen bin ich so gerannt, daß du möglichst rasch erfahren solltest, was ich erfahren habe. Charinus: Frei will ich dich machen, schon in den nächsten Monaten. Acanthio: Du schmeichelst mir doch nur! Charinus: Würd' ich es wagen, dir irgend etwas irgendwann anzukündigen, das unwahr wäre? Daß ich lügen will, würdest du merken, bevor ich ein Wort gesagt habe. Acanthio: Ah, dein Geschwätz ermüdet mich, du bringst mich um! Charinus: So bist du mir also zu Willen? Acanthio: Was denn nur? Was soll ich? Charinus: Das, was ich will. Acanthio: Was also, was ist es, was du willst? Charinus: Ich will's dir sagen. Acanthio: So sag es doch! Charinus: Ganz sanft und ruhig aber. Acanthio: Fürchtest du, du würdest das eingeschlafene Publikum aus seinen Träumen aufwecken? Charinus: Wehe dir! Acanthio: Das allerdings bring' ich dir vom Hafen – Charinus: Was? Was bringst du? Sag es! Acanthio: Gewalt, Angst und Qual, Sorge, Streit und Not. Charinus: Mit mir ist's aus! Huh, was für eine Ladung voll Übel hast du mir angeschleppt! Ich bin nichts mehr! Acanthio: Doch, doch, du bist – Charinus: Ich weiß schon: Unglücklich bin ich, wirst du sagen. Acanthio: Nun, ich schwieg, aber gesagt hab' ich es dir Charinus: Was für ein Übel ist es? Acanthio: Frag nicht! Ein Unheil schlimmster Art! Charinus: Bitte – gib mir Gewißheit! Meine Seele schwankt zu lange schon zwischen Furcht und Hoffnung. Acanthio: Ruhig! Erst will ich noch vieles in Erfahrung bringen, bevor ich meine Prügel kriege. Charinus: Prügel kriegst du wahrhaftig, wenn du jetzt nicht redest oder ganz schnell von hier verschwindest! Acanthio: Oh, wie sanft gestreichelt! Niemand schmeichelt besser, wenn er einmal damit angefangen hat. Charinus: Ich fleh' dich an, ich bitte dich, sag mir augenblicklich, was los ist. Ich sehe, meinen eignen Sklaven muß ich auf den Knien darum bitten. Acanthio: Und dessen bin ich dir würdig? Charinus: Doch, für würdig, wirklich! Acanthio: Das hab' ich doch gemeint! Charinus: Was ist, bitte, ging etwa das Schiff verloren? Acanthio: Nein, das Schiff ist heil, fürchte nichts! Charinus: Das Segelwerk? Acanthio: In bester Ordnung. Charinus: Willst du mir endlich erklären, weshalb du durch die Stadt rennst und mich suchst? Acanthio: Du läßt mich ja nicht reden, du reißt mir das Wort vom Mund weg! Charinus: Ich bin schon still! Acanthio: Dann schweige! Wie heftig würdest du mich wohl bestürmen, wenn ich eine gute Nachricht brächte, da du mich jetzt, wo es Schlimmes zu hören gibt, so zum Reden drängst. Charinus: Beim Herkules beschwör' ich dich, offenbare mir dieses Unheil! Acanthio: Nun gut, ich will es sagen – wenn du mich schon darum bittest. Nun, dein Vater – Charinus: Was – was ist mit meinem Vater? Acanthio: – hat dein Mädchen – Charinus: Was? Er hat sie – was – ? Acanthio: Gesehen hat er sie! Charinus: Er sah sie? Weh mir! Ich Unglücklicher! Antworte mir jetzt, wonach ich frage! Acanthio: So frag doch, wenn du etwas wissen willst! Charinus: Wie konnt' er sie nur sehen? Acanthio: Mit den Augen. Charinus: Wie war das möglich? Acanthio: Er hatte sie gerade offen, die Augen. Charinus: Geh zum Henker! Machst du Witze, wo's um mein Leben geht? Acanthio: Verdammt, mach ich Witze, wenn du fragst und ich dir antworte? Charinus: Bist du sicher, daß er sie gesehen hat? Acanthio: So sicher, wie ich dich und wie du mich siehst. Charinus: Wo hat er sie gesehen? Acanthio: Drin im Schiff. Als er ganz nahe bei ihr stand; er hat mit ihr gesprochen. Charinus: O Vater, ins Verderben hast du mich gestürzt! Und du, du Schuft? Wieso hast du nicht dafür gesorgt, daß er sie nicht zu Gesicht bekam? Warum, du Verbrecher, hast du sie nicht versteckt, so daß mein Vater sie nicht entdecken konnte? Acanthio: Weil wir mit unsern Angelegenheiten so beschäftigt waren: Wir waren eifrig dabei, die Segel einzuholen und zusammen zu falten, und noch während dies geschah, kam dein Vater plötzlich in einem kleinen, schnellen Boot angefahren. Keiner sah ihn, bis er auf einmal das Schiff betrat. Charinus: O Meer, umsonst bin ich deinen Stürmen entkommen! Ich glaubte mich auf festem Boden und in Sicherheit; nun aber seh' ich, wie mich tobende, aufgewühlte Fluten auf die Felsen tragen. Aber erzähle weiter, was geschehen ist. Acanthio: Nachdem er sich das Mädchen angesehen hatte, fing er an, sie auszufragen, wem sie gehöre. Charinus: Und was sagte sie? Acanthio: Ich sprang sogleich hinzu, fiel ihr in die Rede und sagte, du hättest sie deiner Mutter als Magd gekauft. Charinus: Und glaubte er das? Acanthio: Das fragst du noch? Aber dann begann der alte Sünder, sie rundum zu betasten. Charinus: Zu betasten? Sie? Acanthio: Sicher nicht mich. Charinus: O weh, mein armes Herz! Es tropft dahin, schwindet, wie sich Salz in Wasser löst. Mit mir ist's aus! Acanthio: Ein allzu wahres Wort! Was für eine dumme Sache das ist! Charinus: Was soll ich tun? Ich glaube nicht, daß mir mein Vater glaubt, wenn ich ihm sage, daß ich sie für meine Mutter gekauft habe. Es scheint es mir auch nicht recht, wenn ich den Eltern eine Lüge erzähle. Und dann – er glaubt es nicht – es ist auch nicht glaubhaft, daß ich mir ein so hübsches Mädchen nur darum gekauft habe, um es meiner Mutter als Magd zu überlassen. Acanthio: Willst du still sein, Dummkopf? Sicher glaubt er es. Er hat es auch mir geglaubt! Charinus: Ich fürchte, Argwohn wird ihn ergreifen, ob das alles auch stimmt. Antworte mir auf eine Frage noch! Acanthio: Bitte, was hast du zu fragen? Charinus: Schien es dir, er hätte Verdacht geschöpft, das Mädchen könne meine eigene Geliebte sein? Acanthio: Nein, das schien mir gar nicht so. Er hat mir schließlich alles ohne weiteres geglaubt. Charinus: Ja, ja, das schien dir so! Acanthio: Nein, wirklich, er hat's mir geglaubt! Charinus: Ich Unglücklicher, mit mir ist's aus! Aber, was will ich hier mit Klagen zugrunde gehen? Warum geh' ich nicht zum Schiff? Komm mit! Acanthio: Wenn du in die Richtung gehst, läufst du dem Vater gerade in den Weg. Wenn er dann sieht, wie du voll Angst bist und ganz entgeistert: Grad auf der Stelle hält er dich zurück und fragt dich aus. Von wem hast du sie gekauft? Wieviel hast du bezahlt? Du bist verwirrt, und er wird dich in die Enge treiben. Charinus: Lieber dann in die andre Richtung. Meinst du, mein Vater ist bereits vom Hafen weggegangen? Acanthio: Deswegen bin ich doch vorausgerannt, daß dein Vater dich Nichtsahnenden nicht so überrascht und alles aus dir herauslockt. Charinus: Das war gut. Beide gehen ab Dritte Szene Demipho tritt auf Demipho: Wie seltsam treiben doch die Götter ihre Spiele mit uns Menschen. Wie seltsam schicken sie in unsern Schlaf die Träume. So hatt' ich im Traum vergangne Nacht der Aufregung genug und war ein schwer geprüfter Mann. Im Traum sah ich mich selbst, wie ich mir eine Ziege kaufte. Damit ihr jene andre Ziege, die bereits in meinem Haus war, nicht ein Leid zufügen könnte, auch damit kein Streit entstünde zwischen ihnen, wenn sie beide nun zusammen wären, gab ich – wie gesagt, in meinem Traum – die neugekaufte Ziege in die Obhut eines Affen. Kurz darauf kommt dieser Affe dann zu mir, verwünscht mich und beschimpft mich: Wegen dieser Ziege, sagt er, weil sie in sein Haus gekommen sei, hab' er sich Schande zugefügt und Schaden – und nicht wenig. Diese Ziege nämlich, sagt er, die zur Pflege ich ihm anvertraut, hab' ihm die Mitgift seiner Frau bis auf das letzte Restchen aufgefressen. Das erschien mir denn doch seltsam: Die eine Ziege sollt' dem Affen in der kurzen Zeit die Mitgift seiner Frau gefressen haben? Der Affe bleibt dabei, so sei es, schließlich sagt er noch, wenn ich sie augenblicklich nicht aus seinem Hause schaffe – ohne jeglichen Verzug – so werde er die Ziege in mein Haus, zu meiner Ehegattin bringen. Ich aber war – in meinem Traum – der kleinen Ziege herzlich zugetan, hatt' aber niemand, dem ich sie jetzt anvertrauen konnte; und die Sorge, was ich machen sollte, quälte mich so mehr und mehr. Doch unterdessen kam – in meinem Traum – ein junger Bock dahergesprungen; er begann, zu mir zu reden, sagte, diese Ziege hab' er selbst bereits vom Affen weggeführt, und fing dann an, mich auszulachen. Ich dagegen trauerte, mußt' es mit Ingrimm dulden, daß die Ziege weggeführt und mir genommen wurde. Es gelingt mir nicht, herauszufinden, worauf dieser Traum hinauswill. Eines nur, so scheint mir, hab' ich schon herausgefunden: Wer die Ziege ist, was sie in meinem Traum bedeutete. Bei Tagesanbruch ging ich heute früh hinaus zum Hafen. Nachdem ich dort erledigt, was ich zu besorgen hatte, seh' ich das Schiff, mit dem mein Sohn aus Rhodos gestern hergesegelt kam. Aus irgendeinem Grund bekomm' ich Lust, es zu besichtigen. Ich steig' ins Boot, ich fahre rasch zum Schiff, erblicke dort ein Mädchen, oh, von einer Schönheit – wunderbar! Mein Sohn hat es aus Rhodos mitgebracht als Magd für seine Mutter. Kaum hab' ich sie gesehen, lieb' ich sie. Nicht so, wie Menschen von Vernunft zu lieben pflegen, nein, auf solche Art, wie nur Verrückte lieben. Einst, in meiner Jugend, hab' ich doch wahrhaftig auch geliebt, doch nie auf solche Weise, wie ich jetzt vor Liebe toll und närrisch bin. Beim Herkules, das eine weiß ich: Ganz und gar bin ich zugrund gerichtet. Seht doch selbst, wieviel noch an mir ist! Doch das ist sicher so: Das Mädchen ist die Ziege. Was der Affe und der Bock mir Übles bringen, was von ihnen ich zu halten habe, das weiß ich nicht. Lysimachus tritt aus seinem Haus, mit ihm ein Sklave Doch schweig' ich jetzt: Mein Nachbar kommt soeben aus dem Haus. Vierte Szene Lysimachus: Wahrhaftig, diesen Bock, kastrieren lass' ich ihn, der euch auf unserm Landgut soviel Ärger macht! Demipho: (für sich) Das Zeichen, dieses böse Omen will mir nicht gefallen. Ob die eigne Frau am Ende mich wie einen Bock kastriert? Der Nachbar dann die Rolle jenes Affen spielt? Lysimachus: Geh du hinaus aufs Landgut und sieh zu, daß du die Hacken Gutsverwalter Pistus übergibst. Und richte meiner Frau noch aus, ich hätte in der Stadt noch ein Geschäft; sie soll mich also nicht erwarten. Sag ihr, heute seien im Gericht noch drei Prozesse zu entscheiden. Geh, und denk daran, es ihr zu sagen. Sklave: Noch etwas? Lysimachus: Nein, das ist alles. Der Sklave geht ab Demipho: (tritt vor) Sei gegrüßt, Lysimachus! Lysimachus: Vortrefflich! Ich grüße dich, Demipho! Wie geht's dir? Was ist los? Demipho: Ganz Entsetzliches. Lysimachus: Mögen die Götter es zum Guten wenden! Demipho: Die Götter haben es mir doch beschert. Lysimachus: Was ist denn? Demipho: Ich will es dir erzählen, wenn ich sehe, daß du Zeit und Muße dafür hast. Lysimachus: Ich bin zwar beschäftigt, doch wenn du etwas von mir willst, mein Demipho: Zu keiner Zeit bin ich verhindert, für den Freund Zeit und Muße zu haben. Demipho: Deine oft erprobte und bewährt Güte sagst du mir an. Nun gut, wie alt komm' ich dir so vor? Lysimachus: Reif für die Unterwelt, ein Greis, so ziemlich abgelebt. Demipho: Ganz falsch siehst du das! Ein Knabe bin ich, gerade sieben Jahre alt! Lysimachus: Bist du noch bei Verstand, dich einen Knaben zu nennen? Demipho: Ich sage dir die Wahrheit. Lysimachus: Jetzt begreif' ich, was du sagen willst: Wenn ein Greis nicht mehr denken kann, weil er den Verstand verloren hat, sagt man von ihm, er werde wieder zum Kind. Demipho: Im Gegenteil! Zweimal so geistesstark als früher bin ich. Lysimachus: Gut, das freut mich! Demipho: Wenn du erst wüßtest: Auch mit meinen Augen seh' ich besser als je zuvor. Lysimachus: Das ist gut! Demipho: Von etwas Schlimmem ist die Rede. Lysimachus: Dann ist es nicht gut. Demipho: Aber – kann ich's wagen, dir etwas im Vertrauen mitzuteilen? Lysimachus: Sicher kannst du das. Demipho: Dann hör mir zu! Lysimachus: Ich bin ganz Ohr! Demipho: Erst heute morgen hat für mich die Schule angefangen und – die ersten Wörter hab' ich bereits gelernt. Lysimachus: Und welche sind das? Demipho: Ich und Liebe: Ich, ich liebe. Lysimachus: Du? Du liebst – mit deinem grauen Kopf? Ein Greis, obendrein der größte Nichtsnutz? Demipho: Ob grau, ob rot, oder schwarz: Ich liebe. Lysimachus: Demipho, ich glaube, jetzt hältst du mich zum Narren. Demipho: Hau den Kopf mir ab, wie ich da stehe, wenn ich etwas sage, was nicht wahr ist. Oder nimm ein Messer, schneide mir Finger, Ohren, Nase, Lippen ab, um dich zu überzeugen, daß ich liebe. Wenn ich mich dabei irgendwie bewege oder spüre, wie du schneidest, dann, Demipho, dann – bring du mich statt des Mädchens um durch Lieben. Lysimachus: Habt ihr das körperlose Bild, den bloßen Schatten eines Liebestollen gesehen? Da habt ihr ihn.Wirklich, meiner Meinung nach ist so ein abgelebter Greis nur ein Bild, ein Schatten an der Wand. Demipho: Nun willst du mich wohl, tüchtig ausschelten? Lysimachus: Was? Ich dich? Demipho: Es gibt ja auch nichts, weswegen du mir zürnen könntest: Tu ich doch nur das, was auch andre Männer, höchst angesehene, vor mir taten. Menschlich ist es, wenn man liebt, menschlich ist es, zu verzeihen; schließlich trifft die Liebe uns durch die Macht der Götter. Drum tadle mich nicht: Mein Wille war es nicht, der mich dazu gebracht hat. Lysimachus: Ich tadle dich ja nicht. Demipho: Und denk deswegen auch nicht schlechter von mir! Lysimachus: Ich von dir? Das mögen die Götter verhüten! Demipho: Tu's auch wirklich nicht! Lysimachus: Sicher nicht! Demipho: Gewiß? Lysimachus: Ah, du bringst mich um! Der Kerl ist vor Liebe ganz verrückt. Willst du sonst noch etwas? Demipho: Dann leb wohl! Lysimachus: Zum Hafen geh' ich. Ich habe dort zu tun. Demipho: Viel Glück dazu! Lysimachus: Viel Glück auch dir! Leb wohl! Lysimachus geht ab Demipho: Viel Glück auch dir! Auch ich hab' am Hafen noch ein Geschäft. Auf! Dorthin will ich gehn. Charinus kommt Doch halt, das trifft sich gut! Da seh' ich gerade meinen Sohn. Ich will ihn hier erwarten. – Jetzt muß ich ihn, so gut ich kann, überreden, das Mädchen wieder zu verkaufen, es nicht der Mutter zu übergeben. Wie ich gehört habe, hat er es ja als Geschenk für sie hergebracht. Aber Vorsicht ist geboten! Nicht daß er irgendwie dahinterkommt, wie sehr ich mein eignes Denken und Trachten schon auf sie gerichtet habe. Fünfte Szene Charinus: Kein Mensch ist, glaub' ich, schlimmer dran als ich, und keinem widerfahren Mißgeschicke mehr als mir. Ist es nicht so, daß alles, was ich auch beginne, mir mißlingt und daß ich nichts erreiche, was ich will? So stellt sich immer irgend etwas Übles mir entgegen, das zunichte macht, was ich so gut geplant. Ich Unglückseliger hab' eine Liebste, meinem Herzen folgend, mir erworben, sie für einen teuren Preis an mich gerissen, war überzeugt, verborgen halten könn' ich es vor meinem Vater. Er – entdeckt es, sieht sie und vernichtet mich. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, wenn er mich fragt: – Zehn Seelen scheiden unentschieden sich in meiner Brust. Ich weiß nicht, wie mit klarem Kopf Entschlüsse fassen, so bin ich verwirrt und voller Sorge. Bald gefällt mir dieser Ratschlag meines Sklaven, bald nicht, und daß der Vater je dahin zu bringen ist, zu glauben, ich hätt' dieses Mädchen nur erworben, sie als Magd für meine Mutter – nein, unmöglich –. Wenn ich ihm sage, wie sich das in Wirklichkeit verhält, ihm eingestehe, daß ich sie für mich gekauft, was wird er von mir denken? Mir entreißen wird er sie, sie übers Meer wegschaffen, dort verkaufen: Weiß ich doch aus eigener Erfahrung, wie er streng und unerbittlich sein kann. Lieben – also das ist Lieben? Lieber pflügen als auf diese Weise lieben! Damals schon hat er mich gegen meinen Willen von zu Hause weggejagt, zu dieser Handelsreise mich genötigt: Dieses Unglück hab' ich mir so eingehandelt. Wo Kummer jede Lust besiegt, was ist dort angenehm und lieblich? Ganz umsonst hab' ich sie nun verheimlicht, sie versteckt, vor ihm verborgen: Eine Fliege ist mein Vater; überall ist er, und nichts kann man vor ihm verborgen halten. Sei irgend etwas heilig, oder auch profan: Er ist sogleich dabei. Ich weiß nicht, wie ich da noch zuversichtlich sein soll, wie mir da noch irgendeine Hoffnung bleibt. Demipho: Was redet mein Sohn so vor sich hin? Über irgend etwas scheint er erregt, ja verstört zu sein. Charinus: Heieieiei! Da ist tatsächlich mein Vater! Ich geh' zu ihm, sprech' ihn an. (Er geht zu Demipho) Wie geht es, Vater? Demipho: Woher kommst du? Was hast du's so eilig? Charinus: Schon recht, Vater. Demipho: Du kommst mir gerade gelegen. Doch was hast du? Weshalb bist du bleich? Fehlt dir etwas? Charinus: Ich weiß nicht was, irgend etwas liegt mir auf der Seele, Vater. Diese Nacht hab' ich nicht gut geschlafen, war nachher nicht so richtig ausgeruht, wie ich es gern gewesen wäre. Demipho: Du warst zu lange auf dem Meer, deine Augen sind das feste Land nicht mehr gewohnt. Charinus: Ich glaube eher – Demipho: Doch, das ist es – sicher. Es geht schnell vorüber. Also deshalb bist du so blaß. Wenn du vernünftig bist, gehst du nach Haus und legst dich hin. Charinus: Dazu hab' ich wirklich keine Zeit. Aufträge, die mir übertragen wurden – ich will sie zuvor erledigen. Demipho: Ah, mach das morgen – oder übermorgen! Charinus: Hab' ich es doch oft, Vater, von dir gehört: Dem klugen Kaufmann ziemt es, gleich sofort, vor allem andern, zu erledigen, was ihm übertragen wurde. Demipho: Nun gut, dann tu es. Auf keinen Fall will ich mich deinem Willen widersetzen. Charinus: (für sich) Ich bin gerettet, wenn ich diesem Wort für alle Zeit und unbedingt vertrauen kann. Demipho: (für sich) Was ist nur, weshalb wendet er sich von mir ab, geht mit sich selbst zu Rat? Er kann doch kaum schon herausgefunden haben, daß ich dieses Mädchen liebe; ich habe mich doch auch nicht läppisch und dumm benommen, wie Verliebte es tun. Charinus: (für sich) Bis jetzt jedenfalls ist noch alles sicher. Ich bin ganz sicher, von der Geliebten hat er keine Ahnung. Wüßt' er schon davon, würd' es ganz anders tönen. Demipho: (für sich) Los, was mach' ich mich nicht an ihn wegen ihr? Charinus: (für sich) Los, was mach' ich mich nicht fort von hier? (laut) Ja, ich, ich geh' nun, etwas zu erledigen, was mir die Freunde als Freund aufgetragen haben. Demipho: Warte! Ich muß dich erst noch etwas fragen – ein paar Worte nur. Charinus: Was willst du? Frage! Demipho: Hm – ja, ging es dir immer gut auf deiner Reise? Charinus: Immer – wenigstens, solang ich auf der Reise war. – In der Tat, seit meiner Ankunft hier im Hafen lastet mir irgend etwas irgendwie auf der Seele. Demipho: Ja – die Seekrankheit! Die wird schuld daran sein. Aber das geht schnell vorüber. Übrigens – du hast da irgendeine Magd aus Rhodos mitgebracht für deine Mutter? Charinus: Ja, das hab' ich. Demipho: Und? Was hältst du von dem Mädchen? Charinus: Nun, sie ist nicht häßlich. Demipho: Ihr Charakter? Charinus: Könnte nicht besser sein, glaub' ich. Demipho: Nun, mir, als ich sie sah, schien es doch... Charinus: Ah, du hast sie schon gesehen, Vater? Demipho: Ja, aber das ist nichts für uns, sie gefällt mir ganz und gar nicht. Charinus: Aber warum denn? Demipho: Weil sie – weil sie so eine Art hat, die für unser Haus nicht paßt. Wir brauchen eine Magd, die nichts als webt, Getreide mahlt, Holz spaltet, ihre Wollarbeit erledigt, unser Haus sauber hält, verprügelt wird, täglich das Essen für den ganzen Haushalt kocht: Von dem allem scheint die mir nicht viel zu verstehen. Charinus: Richtig. Gerade deshalb hab' ich sie ja gekauft, um sie der Mutter als Geschenk zu geben. Sie soll ihr als Zofe dienen. Demipho: Nein, gib sie ihr nicht! Und sag ihr auch nicht, daß du sie mitgebracht hast. Charinus: (für sich) Die Götter stehen mir bei. Demipho: (für sich) So nach und nach krieg' ich ihn weich! (laut) Und dann, was ich noch sagen wollte: Sie könnte niemals als Begleiterin der Mutter gebührend und schicklich auf der Straße folgen. Ich würde das auch nicht gestatten. Charinus: Aber warum nur? Demipho: Es wär' doch ein Skandal, wenn sie – mit ihrem Aussehen – hinter unsrer Mutter herginge. Wenn sie durch die Straßen geht, betrachten sie doch alle, gaffen, nicken, pfeifen, foppen sie und sticheln, zwinkern mit den Augen, rufen ihr nach, belästigen sie gar. Vor unsrer Tür ertönen schmachtende Gesänge, aufgemalt mit Kohle werden Liebeslieder unsern Eingang verzieren. Schließlich, die Menschen sagen uns nur allzugern Böses nach, wirft man uns noch vor, wir würden Kuppelei betreiben, ich und meine Frau. Was soll das nur? Charinus: Beim Herkules, ja, irgendwie hast du recht. Ich muß dir zustimmen. Aber was wird nun mit dem Mädchen? Demipho: Das kommt schon in Ordnung. Deiner Mutter kauf' ich eine Magd, eine handfeste und tüchtige, die aber häßlich ist, wie es sich für eine Ehefrau und Mutter schickt, aus Syrien eine oder aus Ägypten. Die mahlt, macht ihre Wollarbeit, kocht, kriegt ihre Prügel, bringt uns aber keine Schande über das Haus. Charinus: Wie wär' es, wenn das Mädchen dem Mann zurückgegeben würde, von dem ich sie gekauft habe? Demipho: Niemals, nein, auf keinen Fall! Charinus: Er sagte mir, wenn sie uns nicht gefalle, nehm' er sie wieder zurück. Demipho: Das muß nicht sein, nein. Ich will in keinen Streit verwickelt werden, will auch nicht, daß man sich über deine Zuverlässigkeit beschweren kann. Wenn etwas geschehen muß, will ich lieber den Schaden auf mich nehmen, als daß Schimpf und Weiberschande aus unserm Hause öffentlich bekannt wird. Auch glaub' ich, daß ich sie dir mit etlichem Gewinn verkaufen kann. Charinus: Wenn du sie nur nicht billiger verkaufst, als ich sie kaufte. Demipho: Gib dich zufrieden. Ein gewisser alter Herr gab mir bereits den Auftrag, sie für ihn zu kaufen, – ich meine, eine von ihrer Art. Charinus: Auch mir gab ein gewisser junger Mann den Auftrag, eine ihrer Art, genauso wie das Mädchen ist, für ihn zu kaufen, Vater. Demipho: Ich glaube, zwanzig Minen könnt' ich für sie bekommen. Charinus: Wenn ich wollte, ich – mir würden siebenundzwanzig Minen für sie bezahlt. Demipho: Ich aber – Charinus: Ich doch, wie ich dir sage – Demipho: Ah, du weißt ja gar nicht, was ich sagen will! Schweig jetzt! Er wendet sich um und blickt ins Publikum Drei Minen kann ich noch dazutun, daß es dreißig werden. Charinus: Wohin schaust du denn? Demipho: Zu meinem Käufer. Charinus: Wo in aller Welt ist der Mensch? Demipho zeigt auf einen Zuschauer Demipho: Da seh' ich ihn, grad dort sitzt er! Noch fünf Minen soll ich dazutun, wie er mir soeben anzeigt. Charinus: Die Götter mögen ihn dafür bestrafen, wer er auch sei! Demipho: Und eben nickt er mir zu, sechs Minen soll ich noch dazutun. Charinus: Mir winkt meiner: sieben! Demipho: Nie kann der mich heute überbieten. Charinus: Schwere Minen bietet er mir! Demipho: Vergebens bietet er. Ich will sie, und ich werde sie haben! Charinus: Aber – meinem Käufer wurde sie zuerst versprochen. Demipho: Ist mir egal! Charinus: Er bietet fünfzig Minen! Demipho: Nicht für hundert kriegt er sie! Hörst du jetzt endlich auf, gegen meinen dringenden und ernsten Wunsch zu bieten? Kannst du das? Ein riesiger Gewinn ist dir sicher: denn so ist der Alte, der sie kaufen will; vor Liebe zu dem Mädchen hat er bereits den Verstand verloren. Was immer du forderst: du bekommst es. Charinus: Aber der junge Mann, für den ich sie kaufe, stirbt vor Liebe zu dem Mädchen. Demipho: Wenn du wüßtest: Viel heftiger noch liebt sie der Alte. Charinus: Nein, einen Alten, der so verrückt vor Liebe ist wie der Jüngling, für den ich mich bemühe, den hat es nie gegeben, wird es nie geben. Demipho: Und ich sage dir, sei endlich still. Ich bringe die Sache selbst in Ordnung. Charinus: Hör doch! Demipho: Was ist? Charinus: Rechtskräftig und vor Zeugen hab' ich sie noch gar nicht übernommen. Demipho: Jener wird sie übernehmen. Laß das jetzt! Charinus: Nach dem Gesetz kannst du sie gar nicht verkaufen! Demipho: Irgend etwas fällt mir schon ein. Charinus: Und überhaupt gehört sie mir ja gar nicht allein. Sie ist gemeinsamer Besitz von mir und einem anderen. Wie kann ich wissen, welcher Meinung der ist? Will er sie verkaufen? Will er nicht? Demipho: Er will. Das weiß ich sicher. Charinus: Wie ich ihn kenne, will er nicht. Demipho: Warum soll mich das etwas kümmern? Charinus: Weil es ihm zusteht, über das, was ihm gehört zu verfügen. Demipho: Was soll das? Höre... Charinus: Wie ich doch sagte, sie gehört mir gemeinsam mit ihm. Er ist aber jetzt nicht hier am Ort. Demipho: Du gibst die Antwort, bevor ich frage. Charinus: Und du, du kaufst, bevor ich verkaufe, Vater. Wie ich dir sage: ich weiß nicht, ist er bereit sie wegzugeben oder nicht. Demipho: Was? Wenn sie von dem gekauft wird, der dich beauftragt hat, dann ist er einverstanden? Wenn ich für meinen Auftraggeber sie kaufen will, dann nicht? Damit erreichst du nichts! Wahrhaftig, niemals soll ein anderer sie haben als der Mann, den ich will. Charinus: Ist das sicher? Demipho: Zweifelst du daran? Augenblicklich geh ich zum Schiff. Dort wird sie verkauft. Charinus: Soll ich mit zum Hafen gehen? Demipho: Nein, das will ich nicht. Charinus: Gefällig bist du nicht gerade. Demipho: Besser, du erledigst jetzt erst einmal, was man dir aufgetragen hat. Charinus: Du hältst mich ja davon ab! Demipho: Gib mir die Schuld dafür: Ich hätte dich mit anderem beschäftigt. Aber eines sag' ich dir: Zum Hafen gehst du nicht! Charinus: Ich muß gehorchen. Demipho: Und ich geh' zum Hafen. (im Abgehen für sich) Aber – ich muß größte Vorsicht walten lassen, nicht daß er am Ende noch was merkt. Ich will sie drum nicht selber kaufen: Meinem Freund Lysimachus will ich dazu den Auftrag geben. Er sagte doch vorhin, er wolle auch zum Hafen gehen. Doch ich halte mich nur auf, wenn ich hier länger stehen bleibe. Demipho geht ab Sechste Szene Charinus: Jetzt ist's aus! Das ist mein Untergang! In Stücke rissen rasende Mänaden aus dem Schwarm des Bacchus einst den Pentheus, wie es mich nun auseinanderreißt, hierhin und dorthin. Warum leb' ich noch? Warum soll ich nicht sterben? Was kann ich vom Leben Gutes noch erwarten? Nein, es ist entschieden: Wenn mir das entrissen wird, was mir als einziges das Leben lebenswert erscheinen läßt, so such' ich einen Arzt auf, und bei ihm geb' ich mit einem Gift den Tod mir. Eutychus kommt aus dem Haus des Lysimachus Eutychus: Charinus, warte, warte doch! Charinus: Wer ruft mich zurück? Eutychus: Eutychus, dein Gefährte, dein Freund, dein nächster Nachbar noch dazu. Charinus: Eutychus, weißt du, was ich Schlimmes ertragen muß? Eutychus: Ich weiß alles. Von der Tür aus hab' ich alles angehört, ich kenne die ganze Sache. Charinus: Was weißt du denn? Eutychus: Dein Vater will verkaufen – Charinus: Und damit hast du alles. Eutychus: – die Geliebte – Charinus: Allzuviel weißt du. Eutychus: – zu deinem Leid. Charinus: Unendlich viel weißt du. Doch – die Geliebte? Woher weißt du, daß das Mädchen meine Geliebte ist? Eutychus: Du hast mir doch alles gestern selber erzählt! Charinus: Ich hab' es dir erzählt? Und es schon vergessen? Eutychus: Das ist wirklich kein Wunder. Charinus: Einen Rat will ich von dir. Antworte mir: Womit soll ich mich töten, daß ich mich am sichersten umbringe? Eutychus: Willst du schweigen? Hüte dich, so etwas zu sagen. Charinus: Was willst du, was soll ich denn sagen? Eutychus: Deinen Vater leg' ich schon herein. Willst du, daß ich das tue? Ich könnt' ihn ganz schön anschmieren. Charinus: Natürlich will ich das! Eutychus: Willst du? Ich geh' zum Hafen – Charinus: Warum fliegst du nicht? Eutychus: – und hole sie heraus, mit Geld. Charinus: Warum wiegst du sie nicht gleich mit Gold auf? Eutychus: Und woher soll das kommen? Charinus: Den Achilles bitt' ich, er soll mir das Gold schenken, womit man ihm Hektors Leichnam aufwog. Eutychus: Bist du bei Verstand? Charinus: Wär' ich es, müßt' ich dich nicht bitten, mein Arzt zu sein. Eutychus: Ich soll sie für ebensoviel kaufen, wie er selbst vorhin geboten hat? Charinus: Gib ihm lieber tausend Silbermünzen mehr, als er fordert. Eutychus: Schluß damit! Was soll das alles? Woher soll das Geld kommen, das du geben mußt, wenn es dein Vater fordert? Charinus: Das findet sich; man sucht, und irgend etwas wird geschehen. Du bringst mich um damit! Eutychus: Grad dieses »irgend etwas wird geschehen« macht mir große Sorge. Charinus: Hörst du endlich auf damit? Eutychus: Ich schweige; du sagst, was zu tun ist. Charinus: Ist mein Auftrag klar? Eutychus: Kannst du jetzt an etwas anderes denken? Charinus: Nein, das kann ich nicht. Eutychus: So lebe wohl! Charinus: Auch das ist nicht möglich, bis du wieder da bist. Eutychus: Besser, du bist vernünftig! Charinus: Lebe wohl, hab Erfolg und rette mich! Eutychus: Ich werde das schon schaffen! Warte im Haus auf mich! Charinus: Mach nur schnell, daß du bald die Beute heimbringst! Eutychus geht ab in Richtung Hafen, Charinus geht in das Haus des Demipho Siebte Szene Lysimachus und Pasicompsa kommen Lysimachus: Freundschaftlich hab' ich mich dem Freund erwiesen, habe meinem Nachbarn die Ware eingekauft, die er wünschte. Du bist mein, folge mir. Weine nicht: Dumm ist das von dir; so verdirbst du deine schönen Augen. Hast du doch mehr Grund zum Lachen als zum Klagen. Pasicompsa: Bitte, sag mir, mein alter Herr – Lysimachus: Frage, was du willst! Pasicompsa: Warum hast du mich gekauft? Lysimachus: Ich dich? Damit du tust, was dir befohlen wird – dasselbe, was auch ich tun will, wenn du's von mir verlangst. Pasicompsa: Ich will sicher alles tun, was du, wie ich vermute, von mir willst – so gut ich es vermag und verstehe. Lysimachus: Mühsames werd' ich von dir auf keinen Fall verlangen. Pasicompsa: Vom Lasten tragen, Tiere hüten auf dem Land versteh ich freilich nichts, alter Herr, auch Kinder großziehen kann ich nicht. Lysimachus: Wenn du immer anständig sein willst, wird es dir auch immer gut ergehen. Pasicompsa: Weh, ich Arme, dann geht's mir schlecht. Lysimachus: Wieso denn? Pasicompsa: Weil es dort, von wo man mich hierher gebracht hat, meistens denen gut geht, welche – unanständig sind. Lysimachus: Du sagst, anständig sei – in dem Sinn – gewissermaßen keine Frau. Pasicompsa: Das sag' ich nicht. Es ist nicht meine Art, zu sagen, was jeder weiß, wie ich glaube. Lysimachus: Die Art, wie das Mädchen redet, ist ja mehr wert als das Geld, das man für sie bezahlt hat. Eines noch will ich dich fragen. Pasicompsa: Wer fragt, dem will ich antworten. Lysimachus: Sag mir, wie du heißt. Pasicompsa: Ich heiße Pasicompsa. Pasicompsa ist ein »sprechender« griechischer Name: »in allem fein und witzig«. Lysimachus: Dein Name ist fein und witzig wie du selbst. Doch, Pasicompsa, sag mir: Kannst du, wenn es sich so gibt, auf feine Art – den Faden spinnen? Pasicompsa: Oh, das kann ich schon. Lysimachus: Ich bin sicher, wenn du's auf feine Art verstehst, kannst du's auch auf – auf ergiebigere Weise. Pasicompsa: Was Wollarbeit betrifft, jeglicher Art, muß ich keine fürchten, die in meinem Alter ist. Lysimachus: Mädchen, ich glaube, du bist wirklich gut und wacker, wenn du in deinem frühen Alter schon so gut den Dienst verrichten kannst. Pasicompsa: Was das betrifft: Darauf versteh' ich mich vorzüglich. Nie lass' ich es zu, daß jemand Grund hat, sich über meine Dienste zu beklagen. Lysimachus: Nun, du weißt, was deine Sache ist. Ich überlasse dir ein Schaf als Eigentum; schon etwas alt, so sechzig Jahre. Pasicompsa: Was? So alt, mein Herr? Lysimachus: Herkunft und Art sind eben – griechisch. Wenn du dich gehörig um es kümmerst und es recht pflegst, ist es ganz gut und läßt sich von dir ganz artig – scheren. Pasicompsa: Dich zu ehren, Herr, wird mir willkommen sein, was du mir gibst. Lysimachus: Doch, Mädchen, daß du dich nicht täuschst: Nicht ich bin es, dem du gehörst; das darfst du nicht glauben. Pasicompsa: Dann sag mir bitte: Wem gehör' ich denn? Lysimachus: Du wurdest eigentlich von deinem Herrn gekauft, der dich bereits besaß. Ich habe dich nur gekauft, weil er mich darum gebeten hat. Pasicompsa: Ich lebe wieder auf, wenn er mir seine Treue doch bewahrt hat. Lysimachus: Sei guten Muts. Der Mann läßt dich sicher bald frei. Obwohl er dich heute zum ersten Mal sah, ist er schon zum Sterben in dich verliebt. Pasicompsa: Was sagst du? Es ist doch schon zwei Jahre her, seit er die Sache mit mir anfing. Jetzt darf ich's dir ja sagen, da ich weiß, daß du sein Freund bist. Lysimachus: Wie? Zwei Jahre schon betreibt er die Sache da mit dir? Pasicompsa: Gewiß. Und gegenseitig haben wir uns geschworen – ich ihm wie er mir – daß keiner von uns beiden sich durch Treubruch das Haupt besudeln und mit andern schlafen soll: Ich mit keinem Mann und er mit keiner Frau; nur er mit mir und ich mit ihm. Lysimachus: Was? Nicht einmal mit seiner Frau – darf er schlafen? Pasicompsa: Was redest du von einer Ehefrau? Die hat er nicht. Und er wird sie auch nicht haben! Niemals wollt' ich das. Lysimachus: Der Kerl hat falsch geschworen. Pasicompsa: Keinen Jüngling lieb' ich mehr als ihn! Lysimachus: O ja, er ist sicher noch ein Knabe, du Törin! Lang ist's ja noch nicht her, seit ihm die Zähne ausgefallen sind. Pasicompsa: Die Zähne? Was? Lysimachus: Nun, das hat nichts zu sagen. Komm jetzt mit! Für den einen Tag nur hat er mich gebeten, dich in mein Haus zu nehmen, weil die Frau gerade auf dem Landgut ist. Lysimachus und Pasicompsa gehen in das Haus des Lysimachus   * Pause * Achte Szene Demipho kommt Demipho: Nun hab' ich es erreicht, mich selbst mach' ich zuschanden: Die Geliebte ist gekauft, und ohne Wissen meiner Frau und meines Sohnes. Nun ist es beschlossen: Alte Zeiten will ich nun aufleben lassen, leben mir zur Lust. Kurz ist die Zeit, die mir noch bleibt. Wohlan, so will ich mich noch einmal freuen – an Wollust, Wein und Liebe. Kann man in meinem Alter doch nichts Bess'res tun, als es sich wohl sein lassen. Wenn du ein Jüngling bist mit frischem Blut, so ziemt es dir, dich anzustrengen, ein Vermögen zu erwerben. Doch endlich, alt geworden, widmest du der Muße dich; du liebst, solange du noch kannst: Gewinn ist, daß du überhaupt noch lebst. Und dieser Rede will ich nun auch Taten folgen lassen. Doch erst muß ich nach meinem Haus hier sehen: Meine Frau wird auf mich warten, längst schon hungrig sein. Komm' ich nach Hause, bringt sie mich mit Schimpfen um. Kurzum, wie das auch immer ist, ich geh' jetzt trotzdem nicht. Eh' ich nach Hause geh', besuch' ich noch den Nachbar. Ich will, daß er ein Haus mir mietet, irgendeines, wo das Mädchen wohnen könnte. Sieh, da kommt er. Neunte Szene Lysimachus kommt aus seinem Haus Lysimachus: (ins Haus) Wenn ich ihn treffe, bring' ich ihn zu dir! Demipho: Ah, da ist von mir die Rede! Lysimachus: Hör, Demipho! Demipho: Das Mädchen – ist es hier im Haus? Lysimachus: Was gedenkst du nun zu tun? Demipho: Wie wär' es, wenn ich sie besuchen würde? Lysimachus: Warum hast du's so eilig? Demipho: Was soll ich denn tun? Lysimachus: Tu, was wirklich nötig ist; bedenke das genau! Demipho: Was hab' ich noch zu bedenken? Hier ist nur eines zu tun: Daß ich zu ihr hineingeh'. Lysimachus: Tatsächlich? Du kastrierter Hammel! Du willst bei ihr hineingehen? Demipho: Was sonst? Lysimachus: Zunächst ist es dringender, daß du mir zuhörst, bei der Sache bist: Dringender ist es, das zu tun, was mir jetzt das richtige für dich scheint. Wenn du bei ihr bist, willst du das Mädchen doch umarmen, mit ihr Mund an Mund plaudern, sie dabei küssen. Demipho: Du kannst ja in meiner Seele lesen: So genau weißt du, was ich grad im Begriff bin zu tun. Lysimachus: Um das Verkehrte zu machen. Demipho: Soll man denn nicht küssen, was man liebt? Lysimachus: Umso weniger, je mehr man liebt. Du alter Kerl, mit leerem Magen, mit schlechtem Atem, stinkend wie ein Bock, willst du das Mädchen küssen? Willst du sie zum Erbrechen bringen, wenn du ihr nahst? Jetzt weiß ich wirklich, daß du liebst, nachdem du sagst, was du im Sinn hast. Demipho: Was also, wenn ich folgendes machen würde? Wir beschaffen uns schnell einen Koch, der uns ein Essen zubereitet, hier, bei dir im Haus. Das kann dann von jetzt an dauern bis zum Abend. Lysimachus: So sollst du es halten, das denk' ich auch. Jetzt redest du vernünftig, wie ein rechter Liebender. Demipho: Was stehen wir hier herum? Warum nicht sofort gehen, Fisch und Fleisch besorgen, es uns so richtig wohl sein lassen? Lysimachus: Gewiß will ich dir folgen. Aber wenn du klug bist, beschaffst du dir für das Mädchen eine Unterkunft. Über diesen Tag hinaus darf sie auf keinen Fall in meinem Haus sein. Sonst könnte meine Frau, wenn sie morgen vom Landgut zurückkommt, das Mädchen hier im Haus finden. Demipho: Wird besorgt, komm mit! Beide gehen ab zur Seite Zehnte Szene Charinus kommt aus dem Haus des Demipho Charinus: Ein unglückseliger, bejammernswerter Mensch bin ich, der nirgends Ruhe finden kann. Bin ich im Haus, ist meine Seele draußen, bin ich draußen, dann ist meine Seele hier im Haus. In meinem Herzen, meiner Brust entfacht die Liebe mir ein wahres Feuermeer. Wenn meine Tränen es nicht hindern, wird bald der Kopf in Flammen stehn. Die Hoffnung halt' ich fest, mein Glück hab' ich schon aufgegeben. Ob es wiederkehrt, ob nicht: Ich weiß es nicht; denn setzt mein Vater durch, was er mir angekündigt, ist mein Glück dahin. Gelingt jedoch dem Freund, was er versprochen, ist mein Glück mir nicht verloren. Doch Eutychus sollte vom Hafen längst zurück sein, trotz der Gicht in seinen Beinen. Ist es doch sein größter Fehler, daß er allzu langsam ist, entgegen meinem heftigen Verlangen. Eutychus kommt Doch da, ist er das nicht, den ich da laufen sehe? Ja, er ist's! Entgegengehn will ich ihm. O Venus, Überwinderin der Götter und der Menschen, Herrin auch zugleich den Menschen: Ich danke dir, daß du mir Hoffnung zeigtest! Siehe Philologische Anmerkungen: Anmerkung zu Vers 598a/598b Weshalb er stehen bleibt – o weh, verloren bin ich ganz und gar, denn seine Miene, die verspricht nichts Gutes: Traurig naht er mir – mir klopft das Herz, mein Atem stockt – er schüttelt seinen Kopf! Eutychus! Eutychus: He, Charinus! Charinus: Nur ein Wort, bevor du zu Atem kommst, ein Wort nur: Wo bin ich? Bin ich noch hier oder schon bei den Toten? Eutychus: Bei den Toten bist du nicht, aber auch nicht hier. Charinus: (für sich) Ich bin gerettet; Unsterblichkeit ist mir ja dann verliehen. Er hat sie gekauft, hat den Vater hereingelegt, hat ihn schön angeschmiert. Darin ist kein Sterblicher tüchtiger als er. (laut) Doch bitte, sag mir: Wenn ich hier nicht bin, auch nicht in der Unterwelt, wo bin ich dann? Eutychus:  Du bist nirgends mehr. Charinus: Das ist das Ende; mit einem Wort tötet mich deine Rede. Eutychus: Die Rede, die kein Ende findet, ist verdrießlich, wenn man dann doch zur Sache kommen muß. Charinus: Was es auch ist, komm jetzt zum Hauptpunkt! Eutychus: Vor allem anderen: Mit uns ist's aus! Charinus: Warum berichtest du nicht, was ich noch nicht weiß? Eutychus: Das Mädchen ist verkauft, es ist dir verloren. Charinus: O Eutychus, ein todeswürdiges Verbrechen begehst du. Eutychus: Warum das? Charinus: Weil du den Gefährten, den Jugendfreund, den freien Bürger tötest. Eutychus: Die Götter mögen es verhüten! Charinus: Das Schwert hast du mir in die Kehle gestoßen: Mag ich nun fallen. Eutychus: Beim Herkules, bitte, verliere nicht den Mut! Charinus: Da ist nichts mehr, was ich noch verlieren könnte. Sag mir nun, was es weiter an Schlimmem gibt: Wer ist es, wer hat sie gekauft? Eutychus: Ich weiß es nicht. Als ich zum Hafen kam, war sie schon zugesprochen und weggeführt. Charinus: Ah, weh! Übel schleuderst du in mich hinein wie glühende Vulkane. Fahr' fort und foltere mich weiter, du Henkersknecht, wenn du schon damit angefangen hast. Eutychus: Dein Schmerz ist nicht größer, als es meiner vorhin war. Charinus: Nun bitte, sag mir: Wer hat sie gekauft? Eutychus: Ich weiß es wirklich nicht. Charinus: Das nennst du einem guten Freund einen Dienst erweisen? Eutychus: Was willst du? Was soll ich tun? Charinus: Das gleiche, was du mich tun siehst: Geh zugrunde! Warum hast du nicht gefragt, was für ein Mann es war, der sie kaufte? Wie er aussah? Auf diese Weise hätte man das Mädchen vielleicht noch ausfindig machen können. Weh, ich Unglückseliger! Eutychus: Das einzige, was du tust, ist Weinen: Laß das doch! Was hab' ich dir denn getan? Charinus: Zerstört hast du mich, zerstört das Vertrauen, das ich in dich setzte. Eutychus: Die Götter wissen, daß mich keine Schuld an diesem Unheil trifft. Charinus: Vortrefflich! Die Götter rufst du als Zeugen an. Nur sind sie leider abwesend. Wie soll ich dir da glauben? Eutychus: Es steht in deiner Macht, was du glauben willst. In meiner Macht steht, was ich sagen will. Charinus: Ja, darin bist du schlau: Schlagfertig kannst du Antwort geben. Aber darin, was dir aufgetragen wurde, darin bist du lahm und blind, stumm, gebrechlich, schwach und mutlos. Du hattest mir versprochen, meinen Vater übers Ohr zu hauen, und ich glaubte, die Sache einem klugen Mann zu übergeben; aber – wem hab' ich sie anvertraut? Dem dümmsten Klotz! Eutychus: Was sollte ich denn machen? Charinus: Was du machen solltest? Fragst du mich? Nachforschen solltest du! Du solltest fragen, wer der Käufer sei, woher er sei, aus welcher Sippe, ob er Bürger sei oder ein Fremder. Eutychus: Er sei attischer Bürger, sagte man. Charinus: Und wenn du schon den Namen nicht erfahren konntest, hättest du doch wenigstens ausfindig machen können, wo er wohnt. Eutychus: Das konnte niemand sagen, niemand wußte es. Charinus: Du hättest doch erfragen können, wie er aussah. Eutychus: Das hab' ich getan. Charinus: Wie sah er aus, Eutychus, wie hat man ihn beschrieben? Eutychus: Ich will es dir sagen: Graues Haar, krumme Beine, volle Backen, ein dicker Bauch, klein von Gestalt, die Augen schwarz, lange Kinnbacken, auch ein wenig plattfüßig. Charinus: Das ist kein Mensch, den du da schilderst, das ist eine Sammlung schlimmer Eigenschaften. Gibt es sonst irgend etwas, was du über ihn sagen könntest? Eutychus: Das ist alles, was ich weiß. Charinus: Beim Herkules, der mit seinen krummen Beinen ist übel mit mir umgesprungen. Nein, ich kann es nicht ertragen, beschlossen ist es: Ich muß weg von hier. Doch welches Land, welche Bürgerschaft soll ich wählen? An Korinth, Megara, Eretria, denk' ich da, auch an Chalchis, Zypern, Kreta, Lesbos, Knidos und Böotien. Eutychus: Wie kommst du auf den Gedanken? Charinus: Weil mich die Liebe quält! Eutychus: Was soll denn das? Wenn du angekommen bist, wohin zu gehen du dich anschickst, wenn auch dort das Schicksal will, daß dich wiederum die Liebe packt und sie dir ebenfalls versagt ist, die du liebst, wohin fliehst du von dort aus? Und von dort aus wohin, wenn es dir wieder geschieht? Welch letztes Ziel wird dir in der Verbannung werden, welches Ende deiner Flucht? Und welches Land und welches Haus kann dir auf Dauer zur Heimstatt werden? Sag mir das. Und sag mir: Wenn du weggehst aus der Stadt, glaubst du, die Liebe ließest du hier zurück? Wenn es in deiner Seele feststeht, daß du gehen wirst, wenn es gewiß ist oder dir als gewiß gilt – wieviel besser wär' es dann für dich, irgendwohin aufs Land zu gehen, dort zu leben, zu bleiben, bis dich das Verlangen nach dem Mädchen, bis dich die Liebe aus ihrem Bann entlassen hat? Charinus: Hast du ausgeredet? Eutychus: Ich hab' alles gesagt. Charinus: Vergebens hast du es gesagt. Mein Entschluß ist unumstößlich. Ich geh' jetzt ins Haus, begrüße den Vater, die Mutter und die meinen, dann entflieh' ich meinem Vaterland ohne Wissen meines Vaters – es sei denn, ich ergreife – einen anderen Ausweg. Charinus geht in das Haus des Demipho Eutychus: Wie schnell hat er sich aufgerafft. Plötzlich ging er weg! O weh, ich Unglückseliger! Wenn Charinus wirklich fortgeht, werden alle sagen, dies sei meiner Trägheit zuzuschreiben. Das steht fest: Ich will Ausrufer bestellen, alle, die es in der Stadt zu mieten gibt, um das Mädchen aufzuspüren, es wieder aufzutreiben. Dann geh' ich gleich zum Prätor, bitt' ihn, daß er mir Häscher zur Verfügung stellt, sie in alle Dörfer auszusenden. Ich sehe wohl, nichts anderes bleibt mir übrig. Eutychus geht ab Elfte Szene Dorippa kommt Dorippa: Ein Bote kam von meinem Mann zu mir aufs Land, er komme nicht aufs Landgut. Ich nun folge rasch dem Einfall, der mir kam, und bin zurückgekommen in die Stadt, ihm forschend nachzugehen, der mich flieht. Jedoch ich seh', daß unsre alte Syra mir nicht folgt. – Doch da, Syra kommt da kommt sie langsam. Warum gehst du denn nicht schneller? Syra: Weil – beim Kastor – ich nicht schneller kann. So schwer ist sie, die Last, die ich zu tragen habe. Dorippa: Welche Last denn? Syra: Meine vierundachtzig Jahre; auch mein Sklavenstand, dann Mühe, Schweiß und Durst. Auch drückt mich nieder, was ich tragen muß. Dorippa: Gib irgend etwas her, womit ich den Altar Apollos dort bei unserm Haus bereichern kann. Gib diesen Lorbeerzweig! Gut so, dann geh hinein ins Haus. Syra: Ich gehe. Syra geht ins Haus des Lysimachus Dorippa: Apollo, höre mein Gebet! Ich bitte dich, du mögest wohlgesinnt uns sein, uns deine Gnade schenken, unserm ganzen Haus Gesundheit, Heil und Segen, und verschone gnädig mir in deiner Güte meinen Sohn. Syra stürzt aus dem Haus Syra: Ich bin verloren, wehe, o ich Unglückselige! Weh mir: Vernichtet bin ich ganz und gar! Dorippa: Ich bitte dich! Bist du bei Sinnen? Warum jaulst du so? Warum dies Wehgeschrei? Syra: Dorippa, o Dorippa! Dorippa: Was schreist du so, ich bitte dich? Syra: Im Haus ist irgendeine Frau. Dorippa: Was? eine Frau? Syra: Ja, eine Frau – eine Hetäre! Dorippa: Wirklich? Ganz im Ernst? Syra: Wie klug du warst, daß du nicht auf dem Land bliebst. Der Dümmste merkt sogar, daß sie das Liebchen deines allerliebsten Ehemannes ist. Dorippa: Beim Kastor, ja, das glaub' ich auch. Syra: Komm, meine Iuno, geh mit mir, daß du Alkmene siehst, dir Nebenbuhlerin. Dorippa: Hinein geh' ich, so schnell ich es vermag. Beide gehen ins Haus Zwölfte Szene Lysimachus kommt Lysimachus: Ist es nicht schlimm genug, daß dieser Demipho verliebt ist? Muß er noch obendrein sein Geld verschwenden? Hätt' er auch zehn Männer, die bedeutendsten und angesehensten, zum Essen eingeladen: Was er eingekauft hat, wäre viel zu viel gewesen. Die Köche trieb er an, wie der Rudermeister auf dem Schiff die Ruderknechte antreibt. Ich hab' uns inzwischen einen Koch gemietet. Es wundert mich, daß er noch nicht kommt, wie ich's ihm aufgetragen habe. Doch wer kommt da aus unserm Haus? Die Tür öffnet sich. Dorippa kommt aus dem Haus Dreizehnte Szene Dorippa: Nie gab es eine Frau, nie wird es eine geben, die bejammernswerter ist als ich, die ich mir einen solchen Kerl zum Manne nahm, ich Unglückselige! Da hast du ihn, dem du dich selbst und alles, was du hast, in gutem Glauben anvertraut, da hast du ihn, dem zehn Talente du als Mitgift zugebracht, damit du das nun ansehn mußt und solche Schmach erdulden! Lysimachus:   (für sich) Das ist mein Untergang! Die Frau ist schon vom Landgut zurück. Gewiß hat sie im Haus das Mädchen gesehen. Was sie sagt, kann ich von hier aus nicht verstehen. Ich muß näher hin. Dorippa: Ach, was bin ich unglücklich! Lysimachus:   (für sich) Ich wahrhaftig auch. Dorippa: Das ist mein Tod! Lysimachus:   (für sich) Und meiner. Ich bin erledigt. Sie hat sie gesehen. O Demipho! Daß dich die Götter verderben! Dorippa: Also das war der Grund, weshalb mein Mann heute nicht aufs Landgut kommen wollte! Lysimachus:   (für sich) Was kann ich anderes tun, als zu ihr gehen, mit ihr reden? Er tritt zu ihr Der Ehegatte grüßt die Ehefrau! Werden die Landbewohner auf einmal zu Städtern? Dorippa: Anständigeres machen sie dabei als jene, welche – nicht aufs Landgut gehen wollen! Lysimachus: Was haben denn die Sklaven auf dem Landgut wieder angestellt? Dorippa: Beim Kastor, weniger als gewisse Leute in der Stadt; und weitaus weniger Übel handeln sie sich ein. Lysimachus: Die Leute in der Stadt? Was haben die denn verbrochen? Sag's mir doch! Dorippa: Wem gehört das Mädchen im Haus? Lysimachus: Du hast sie schon gesehen? Dorippa: Das hab' ich. Lysimachus: Und du fragst, wem sie gehört? Dorippa: Ich bring' es doch heraus, ich bin begierig es zu wissen. Aber du, du fragst mich, obwohl du ganz genau Bescheid weißt! Lysimachus: Wem sie gehört, soll ich dir sagen? Sie gehört – sie – sie – weh mir! (für sich) Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll! Dorippa: Aha! Du stockst! Lysimachus: (für sich) Und wie! Dorippa: Willst du jetzt reden? Lysimachus: Wenn ich reden darf – Dorippa: Du hast zu reden! Lysimachus: Ich kann doch nicht, so bedrängst du mich! Du setzt mir zu, als hätt' ich etwas verbrochen. Dorippa: Ich weiß, du bist ganz und gar unschuldig! Lysimachus: Das kannst du ohne weiteres sagen! Dorippa: Also rede! Lysimachus: Ich rede ja schon. Dorippa: Und reden sollst du auch! Lysimachus: Sie gehört – du willst, ich soll dir den Namen sagen? Dorippa: Nichts erreichst du damit. Auf frischer Tat hab ich dich bei deiner Untat ertappt. Lysimachus: Bei welcher Untat denn? Sie gehört – das Mädchen – Dorippa: Wer ist sie? Lysimachus: Sie – Dorippa: Nun, sie gehört? Lysimachus: Gut, dann – wenn es nicht dringend nötig ist, möcht' ich es lieber nicht sagen. Dorippa: So, aha, du weißt nicht, wer sie ist? Lysimachus: Natürlich weiß ich's. Ich bin als ihr Richter eingesetzt. Dorippa: Als Richter? Ja, ich weiß! Und gerade jetzt hast du sie zu einem amtlichen Termin vorgeladen. Lysimachus: Genau so ist es! Als Streitobjekt hat man sie mir in Verwahrung gegeben. Dorippa: Ja, genauso denk ich's mir! Lysimachus: Nein, es ist nichts dergleichen, was du dir denkst. Dorippa: Du hast es recht eilig, dich von dem Verdacht zu reinigen! Lysimachus: (für sich) Ah, welchen Ärger hab' ich mir aufgelesen! Jetzt sitz' ich in der Tinte. Ein Koch tritt auf mit Lastträgern Vierzehnte Szene Koch: Beeilt euch, los, ich muß doch diesem alten Neuverliebten die Mahlzeit zubereiten. Doch, bedenk ich's recht: Für uns wohl kochen wir, und nicht für den, der uns gemietet. Hält ein Liebender in seinen Armen, was er liebt, genügt ihm diese Mahlzeit: die Geliebte anzuschauen, sie zu umarmen, sie zu küssen, süß mit ihr zu plaudern. Darauf kann ich mich verlassen: Heimzu ziehen wir, beladen mit den ganzen Waren da. Hierhin damit! Da ist der Alte ja, der uns gemietet hat. Lysimachus:   (für sich) Auch das! Jetzt kommt der Koch. Aus ist es. Koch: Da sind wir. Lysimachus: Ab, verschwinde! Koch: Ich soll gehen? Lysimachus: Pst! So geh doch! Koch: Gehen soll ich? Lysimachus: Geh! Koch: Wollt ihr denn nicht essen? Lysimachus: Nein, wir sind satt. Koch: Aber – Lysimachus: Das ist mein Untergang. Dorippa: Was nun? Die dich zum Richter eingesetzt haben, die haben wohl auch veranlaßt, daß man dir alles das bringen soll? Koch: Ist das nun dein Liebchen, die, von der du mir vorhin erzählt hast? Daß du so in sie verliebt bist? Vorhin, als du das Essen eingekauft hast. Da Demipho das Essen eingekauft, Lysimachus dagegen den Kochgemietet hat, verwechselt der Koch offensichtlich – ob mit oder ohne Absicht – die beiden. Lysimachus: Kannst du nicht schweigen? Koch: Sie ist ganz hübsch gebaut, nur ziemlich alt, beim Herkules! Lysimachus: Zum Henker mit dir! Koch: Schlecht ist sie nicht. Lysimachus: Du bist es! Koch: Im Bett, glaub' ich, stellt die sich geschickt an – wohlerfahren. Lysimachus: Warum nur gehst du nicht? Ich bin nicht der, der dich gemietet hat. Koch: Was soll das? Natürlich bist du's, in Person! Lysimachus: O weh, ich Unglückseliger! Koch: Denn deine Frau ist auf dem Land, hast du gesagt. Verhaßt sei sie dir und ein Drache obendrein. Lysimachus: Was? Das hätt' ich gesagt? Koch: Beim Herkules, das hast du. Lysimachus: Frau, Nie hab' ich das gesagt, so wahr Jupiter mich lieben soll! Dorippa: Was? Du leugnest? Was hier zutage kommt, zeigt doch nur zu sehr, wie du mich hassest. Lysimachus: Nein, das ist nicht wahr! Koch: Nein, wirklich nicht! Er meinte doch nicht dich! Die Ehefrau, haßt er, wie er sagte, und die ist auf dem Landgut. Lysimachus: Die, die ist es doch! Was machst du mir solchen Ärger? Koch: Weil du leugnest, mich zu kennen; wenn du nicht gar Angst vor der da hast. Lysimachus: Ich weiß, daß ich es muß, sie ist doch meine einzige. Koch: Was ist, willst du's mit mir versuchen? Lysimachus: Nein, Ich will dich nicht! Koch: Dann gib mir meinen Lohn! Lysimachus: Komm morgen, du bekommst ihn, aber jetzt geh! Dorippa: Weh, ich Arme! Lysimachus: Nun erfahr' ich selber, wie wahr das Sprichwort ist: Nah bei einem schlimmen Nachbar lauert Schlimmes. Koch: Weshalb stehen wir hier herum? Gehen wir! Es ist nicht meine Schuld, wenn du Unannehmlichkeiten hast. Lysimachus: Du bringst mich noch ins Grab! Koch: Ich weiß schon, was du willst. Du willst, daß ich gehe. Lysimachus: Genau das will ich! Koch: Nun, dann gehen wir. Aber gib mir erst eine Drachme. Lysimachus: Du bekommst sie! Koch: Sorg dafür, daß ich sie kriege. Man kann sie mir geben, während die hier die Waren auf den Boden setzen. Lysimachus: Gehst du endlich? Hör auf, mich weiter zu belästigen! Koch: Dann vorwärts, legt die eingekauften Speisen dahin, dem Alten vor die Füße. Die Gefäße lass' ich nachher, vielleicht morgen holen. Folgt mir jetzt! Der Koch und die Lastträger gehen Lysimachus: Vielleicht wundert dich der Koch, warum er herkam und warum er das alles brachte. Ich sage dir, was das zu bedeuten hat. Dorippa: Mich wundert's gar nicht mehr, wenn du Abscheuliches, Schändliches verbrichst. Ich aber will auf keinen Fall dulden, derart schändlich verehelicht zu sein. Auch nicht, daß man vor meinen eignen Augen Dirnen in mein Haus schleppt. Syra, geh und bitt' in meinem Namen meinen Vater, er soll sogleich mit dir zusammen zu mir hierher kommen. Syra: Ich gehe. Syra geht Lysimachus: Frau, bitte, du weißt ja gar nicht, worum es sich da wirklich handelt! Nein, ich schwöre dir – bei allem, was mir heilig ist – ich habe mit der nie irgend etwas – Syra – Dorippa geht ins Haus ist sie schon gegangen? Jetzt ist's aus! Auch sie ist weggegangen. Weh mir! Ich Unglückseliger! Und dich, Nachbar, dich sollen alle Götter und Göttinnen verderben, samt deinem Liebchen, samt der ganzen Liebelei! Unverdientermaßen hat er mich Verdächtigungen ausgesetzt, hat Feindschaft in mein Haus gebracht: Die Frau – sie ist bitterböse. Jetzt geh' ich zum Markt und sag' diesem Demipho, ich zerre sein Liebchen an den Haaren auf die Straße, wenn er sie nicht augenblicklich aus meinem Haus schafft, wohin er will. He, Frau! Wenn du auch zornig bist auf mich, sei vernünftig, laß das hier ins Haus schaffen! Schon bald werden wir zusammen richtiger und ordentlicher Mahlzeit halten können. Lysimachus ab zur Seite Fünfzehnte Szene Syra kommt zurück Syra: Die Herrin schickte mich zu ihrem Vater, doch der ist nicht zu Hause; auf das Land sei er gegangen, wurde mir gesagt. Also kehr' ich zurück, das zu berichten. Eutychus kommt Eutychus: Ah, bin ich erschöpft! Die ganze Stadt hab' ich durchjagt, aber keine Spur von dem Mädchen gefunden. Sieh, die Mutter ist vom Land zurückgekommen: die Syra steht vor dem Haus. He, Syra! Syra: Wer ist es, der da ruft? Eutychus: Dein Herr und Pflegesohn ist es! Syra: Sei gegrüßt, mein Söhnchen! Eutychus: Ist die Mutter schon vom Land zurück? Antworte! Syra: Wahrhaftig, zum größten Glück für unser ganzes Haus. Eutychus: Was ist geschehen? Syra: Hat dein allerliebster Vater doch ein Liebchen ins Haus gebracht! Eutychus: Ein Liebchen, was? Syra: Die Mutter hat sie hier im Haus angetroffen, als sie vom Landgut heimkam. Eutychus: Wirklich, ich hätte nie geglaubt, daß Vater solche Sachen macht. Ist diese Frau noch im Haus? Syra: Sie ist noch. Eutychus: Dann folge mir. Eutychus geht ins Haus Sechzehnte Szene Syra: Beim Kastor, unter harter Ordnung leben doch die Frauen, die bejammernswerten, unter einer weitaus ungerechteren auch als die Männer. Treibt ein Mann es nämlich heimlich, hinterm Rücken seiner Frau, mit einer Dirne, und die Frau erfährt davon, geschieht ihm nichts. Wenn ohne Wissen ihres Manns die Frau auch nur das Haus verläßt, so ist das für den Mann ein Grund, sie aus der Ehe zu verstoßen. Gäb' es ein Recht doch, gleichermaßen gültig für den Mann wie für die Ehefrau! Denn wie die Frau, die eine gute Ehefrau ist, sich mit einem Mann begnügt, was sollte dann der Mann mit einer Frau nicht ebenso zufrieden sein? Wahrhaftig, ja, das kann ich euch versichern, würd' auch der Mann bestraft, wenn er es hinterm Rücken seiner Frau mit einer Dirne treibt, würd' er vertrieben aus der Ehe wie die Frau, die sich etwas zuschulden kommen ließ: – Verstoßen wären dann mehr Männer, als es jetzt verstoß'ne Frauen gibt. Syra geht ins Haus des Lysimachus Siebzehnte Szene Charinus kommt aus dem Haus des Demipho Charinus: Euch Schwellen unsres Hauses grüß' ich, sag' euch Lebewohl. Zum letzten Mal ist's heute, daß ich diesen Fuß aus meinem elterlichen Hause setze. Gewöhnung, Nahrung, Pflege und Genuß sind mir gestorben, sind gemordet, mir entfremdet. Nichts mehr bin ich, bin auch mir gestorben. O Götter meiner Väter, dir auch, Schutzgott unsres Hauses, anvertraue ich die Sorge um das Schicksal meiner Eltern, daß ihr sie beschützen möget. Ich will ein andres Haus und einen andren Schutzgott suchen, eine andre Stadt und eine andre Bürgerschaft: Von Attika will ich nun nichts mehr wissen. Wo Schlechtigkeit von Tag zu Tag sich mehr verbreitet, und wo du nicht erkennen kannst, wer dir noch Freund, wer dir schon untreu ist, wo dir entrissen wird, was dir das Liebste ist: Und wenn man mir die Königsherrschaft böte, an diesem Ort ist keine Bürgerschaft, nach der es mich verlangt. Eutychus kommt aus dem Haus des Lysimachus Achtzehnte Szene Eutychus: O Venus, Überwinderin der Götter und der Menschen, Herrin auch zugleich den Menschen: Ich danke dir, daß du mir Hoffnung zeigtest! Kann ein Gott so glücklich sein, wie ich es bin? Im Hause war, was ich verzweifelt suchte: Sechs Gefährten hab' ich so gefunden: Leben, Freundschaft, Bürgerrecht, auch Freude, Spaß und Scherz. Mit ihrer Ankunft hab' ich auch zu Fall gebracht die schlimmen Dinge: Zorn und Feindschaft, Trauer und Verbannung, Tränen, Not und Einsamkeit, Verderben, Torheit, Trotz. O Götter, gebt mir schnell Gelegenheit, mich mit dem Freund zu treffen. Charinus: Ihr seht: Ich bin bereit. Den Stolz, den leg' ich ab, mein eigener Begleiter bin ich und mein eigner Diener, Stallknecht auch zugleich und Roß und Waffenträger. Selbst bin ich mir Herrscher, selber mir gehorsam, selber trag' ich, was zum Leben nötig ist. O Cupido, wie groß ist deine Macht! Du machst den Menschen durch dein Wirken nach Belieben zuversichtlich, gleich darauf denselben Menschen mutlos und verzagt, voll Ängstlichkeit. Eutychus: Wohin bloß muß ich laufen, ihn zu suchen? Charinus: Eines nur ist mir gewiß: Ich werde dieses Mädchen suchen ohne Unterlaß, wohin in alle Welt man sie auch hingeführt. Ich fürchte nichts, was sich in meinen Weg stellt: Nicht Strom, nicht Berg, das Meer nicht, Hitze, Kälte, Sturm und Hagel. – Unwetter auch will ich erdulden, Mühe, Sonnenhitze, Durst ertragen. Niemals lass' ich nach und ruhe weder Tag noch Nacht, bis ich entweder die Geliebte, wenn nicht sie, den Tod gefunden habe. Eutychus: Eine Stimme dringt zu meinen Ohren! Charinus: Euch, ihr Wegegötter, ruf' ich an, gewährt mir euren Schutz! Eutychus: O Götter! Ist das nicht Charinus? Charinus: Mitbürger, nun, lebt wohl! Eutychus: Charinus, halt! Bleib sofort stehen! Charinus: Wer ruft mich zurück? Eutychus: Die Hoffnung und das Heil, der Sieg! Charinus: Was wollt ihr denn von mir? Eutychus: Wir wollen mit dir gehen. Charinus: Sucht euch einen anderen Begleiter. Die Begleiter, die mich halten, lassen mich nicht los. Eutychus: Wer sind sie? Charinus: Sorge, Unglück, Kummer, Tränen, Klage. Eutychus: Trenn dich von ihnen und schau hinter dich, zu mir her, und kehr um! Charinus: Wenn du plaudern willst mit mir, so folge mir. Eutychus: Bleib sofort stehen! Charinus: Schlecht ist, was du tust, mich aufzuhalten. In Eile bin ich doch. Die Sonne geht schon unter. Eutychus: Du tätest besser, würdest du nach hier zurück statt dorthin eilen: Hier bläst jetzt der Wind, der günstige. Kehr sofort um! Ist hier doch heit'res, laues Westwindwetter, dort ein Wind aus Süd, er Regen, schlechtes Wetter bringt. Hier liegt das Meer in Ruh', dort wogt erregt die Flut. Charinus, geh zurück an Land, hierher zu mir! Siehst du nicht dort, grad gegenüber, schwarz, gewitterbringend dir die Wolke drohen? Schau hierher nach links! Siehst du denn nicht, wie hier der ganze Himmel klar ist? Charinus: Ja, ein Zeichen stellt er mir entgegen. Hierhin wend' ich mich zurück. Eutychus: Danit handelst du klug. Nun aber, Charinus, wende den Schritt, komm schnell zu mir! Gib mir den Arm! Charinus: Nimm ihn. Hast du ihn? Eutychus: Ich halte ihn. Charinus: Halt ihn nur. Eutychus: Wohin wolltest du denn? Charinus: In die Verbannung. Eutychus: Was wolltest du dort? Charinus: Was immer ein Unglückseliger... Eutychus: Pst! Laß jetzt ab von deiner Angst, ich will dich wieder aufrichten, daß du in alter Fröhlichkeit leben sollst. Höre nun, was dich erfreuen wird, du hörst, was du am liebsten hören wirst. So bleib doch stehen, als Freund komm ich zu dir, bin dir wohlgesinnt! Die du liebst... Charinus: Was ist mit ihr? Eutychus: Ich weiß, wo sie ist. Charinus: Du weißt es? Ich fleh' dich an! Eutychus: Gesund und wohlbehalten. Charinus: Wo denn nur? Eutychus: Ich weiß es. Charinus: Es wäre mir lieber, ich wüßte es. Eutychus: Kannst du nicht zur Ruhe kommen? Charinus: Was denn – mein Seele wogt unruhig. Eutychus: Ich werde sie dir zur Ruhe, zu Stille und Sicherheit bringen. Fürchte nichts. Charinus: Sag mir doch: Wo ist sie? Wo kann ich sie sehen? Was schweigst du? Rede! Mit deinem Schweigen bringst du mich um! Eutychus: Sie ist gar nicht weit entfernt. Charinus: Wenn du sie siehst, warum zeigst du sie mir nicht? Eutychus: Jetzt seh' ich sie nicht! Doch grad eben hab' ich sie gesehn. Charinus: Warum läßt du sie mich nicht sehen? Eutychus: Du wirst sie sehen! Charinus: Das dauert zu lange für einen Liebenden. Eutychus: Du fürchtest immer noch? Ich werde dir alles erklären. Keiner ist mir freundlicher gesinnt als er, der sie in Verwahrung hat, und bei keinem andern könnt' ich sie lieber wissen als bei ihm. Charinus: Was kümmert der mich? Sie ist's, nach der ich frage. Eutychus: Von ihr auch red' ich zu dir! Ich dachte in der Tat gar nicht daran, dir zu sagen, wo sie ist. Charinus: Wo ist sie? Wo? So sag es! Eutychus: Hier in unserm Haus. Charinus: Ein gutes Haus, wenn du wahr gesprochen hast, und schön gebaut. Aber wie soll ich dir Glauben schenken? Hast du sie selbst gesehen? Oder sagst du nur, was du gehört hast? Eutychus: Ich habe sie selber gesehen. Charinus: Sag mir, wer hat sie zu euch gebracht? Eutychus: Mußt du das wissen? Charinus: Ja. Eutychus: Vor nichts hast du Respekt, Charinus! Was ist dir daran gelegen, zu wissen, wer sie hergebracht hat? Charinus: Wenn sie wirklich da ist. Eutychus: Sie ist es. Charinus: Wünsche dir für diese Nachricht, was du willst. Eutychus: Wenn ich wünsche, was ist dann? Charinus: Dann fleh zu den Göttern, sie mögen dir dazu verhelfen. Eutychus: Du spottest! Charinus: Meiner Sorge bin ich erst dann ledig, wenn ich sie gesehen habe. Aber was werf' ich diesen Reiseschmuck nicht von mir? He, ihr da im Haus! Komm einer schnell vor die Tür und bring mir mein Alltagskleid. Eutychus: Schau her, nun gefällst du mir. Ein Sklave kommt aus dem Haus und bringt das Gewand Charinus: Du kommst zur rechten Zeit, Knabe. Nimm den Reisemantel, bleib aber noch hier stehen, damit ich, sollte das alles sich als Täuschung erweisen, die Reise weiterführen und vollenden kann, die ich angetreten habe. Eutychus: Du glaubst mir nicht? Charinus: Ich glaube alles, was du mir sagst – ganz bestimmt, doch warum führst du mich nicht zu ihr hinein, daß ich sie sehen kann? Eutychus: Warte noch ein wenig! Charinus: Warum denn? Eutychus: Es ist jetzt nicht die Zeit, ins Haus hineinzugehen. Charinus: Du bringst mich um! Eutychus: Ich sage dir, es wäre – unzweckmäßig, jetzt hineinzugehn. Charinus: Antworte mir: Warum? Eutychus: Es geht jetzt nicht. Charinus: Warum? Eutychus: Weil ihr es nicht gelegen käme. Charinus: Wirklich? Nicht gelegen käm' es ihr, die mich liebt, die ich genauso liebe? Alles narrt mich auf unerhörte Weise. Was bin ich doch ein Esel, das alles zu glauben! Er hält mich nur auf. Den Reisemantel nehm' ich erneut. Eutychus: So warte ein wenig, hör dies: – Charinus: Hier, Knabe, nimm den Umhang! Eutychus: Meine Mutter zürnt dem Vater heftig, er habe unter ihren Augen eine Dirne ins Haus gebracht, als sie auf dem Landgut war. Sie glaubt, das Mädchen sei sein Liebchen. Charinus: Auch den Geldgurt hab' ich mir genommen – Eutychus: Das untersucht sie nun – jetzt gerade drin im Haus. Charinus: Das Schwert nehm' ich zur Hand – Eutychus: Und brächte ich dich jetzt ins Haus – Charinus: Nun nehm' ich noch die Reiseflasche und geh' weg von hier. Eutychus: So bleib doch, Charinus, bleib! Charinus: Du irrst dich. Du kannst mich nicht täuschen. Eutychus: Ich will es ja auch nicht! Charinus: Warum läßt du mich nicht meines Weges ziehen? Eutychus: Ich lass' dich nicht! Charinus: Ich selber halte mich auf. Du, Knabe, gehst zurück ins Haus! Der Sklave geht ins Haus Den Wagen hab' ich schon bestiegen, halte schon in meiner Hand die Zügel. Eutychus: Du bist nicht bei Sinnen! Charinus: Auf, ihr Füße, warum setzt ihr euch nicht gleich in Lauf, geradewegs nach Zypern, da mein Vater mir nun einmal die Verbannung zugedacht hat? Eutychus: Ein Narr bist du! Du solltest das nicht sagen. Charinus: Es zu tun, bin ich entschlossen. Alles setz' ich ein, herauszufinden, wo sie ist. Eutychus: Hier im Haus ist sie doch! Charinus: Gelogen ist, was du auch sagst! Eutychus: Die Wahrheit hab' ich gesagt, bestimmt! Charinus: Auf Zypern bin ich nun! Eutychus: So geh doch mit mir, daß du sie sehen kannst, nach der es dich verlangt. Charinus: Gesucht hab' ich sie dort, doch nicht gefunden. Eutychus: Nun acht' ich nicht auf den Zorn der Mutter. Charinus: Und weiter reis' ich nun auf meiner Suche, bin in Chalchis jetzt und treffe dort den Gastfreund aus Zakynth, erzähl' ihm, weshalb ich hierhergekommen, frag' ihn, wer sie weggeführt, wer sie jetzt habe, falls er dort etwas erfahren hat. Eutychus: Warum läßt du die Possen nicht? Und gehst mit ins Haus? Charinus: Der Freund sagt, in Zakynth die Feigen, sie gediehen gar nicht schlecht. Eutychus: Das war wenigstens nicht gelogen. Charinus: Doch von der Geliebten, so behauptet er, hab' er gehört, hier in Athen sei sie. Eutychus: Ein wahrer Kalchas ist dein Zakynthier, was die Seherkunst betrifft. Charinus: Das Schiff besteig' ich, fahre sogleich los. Zuhause bin ich nun, zurück aus der Verbannung. Freund Eutychus, sei gegrüßt! Wie geht es dir? Wie meinen Eltern? Vater, Mutter, sind sie auch wohlauf? Du lädst mich ein zum Essen, o wie freundlich! Morgen dann bei dir, doch heute bist du erst einmal bei mir zu Gast. Denn so gehört es sich, so soll es sein. Eutychus: Heia! Was faselst du da? Der Mensch ist nicht bei Sinnen. Charinus: Weshalb beeilst du dich als Freund nicht, mich zu heilen? Eutychus: Folge mir! Charinus: Ich komme. Eutychus: Doch ruhig, bitte, du trittst mir ja auf die Fersen! Hörst du überhaupt? Charinus: Ich habe schon längst gehört. Eutychus: Meinem Vater will ich nun Frieden verschaffen mit meiner Mutter. Die ist nämlich erzürnt – Charinus: Geh jetzt schon! Eutychus: – wegen des Mädchens. Charinus: Geh jetzt schon! Eutychus: Du mußt dich darum kümmern! Charinus: Geh jetzt endlich! Ich will sie ihm so gewogen machen, wie die Juno ihrem Jupiter gewogen ist. Beide gehen in das Haus des Lysimachus Neunzehnte Szene Demipho und Lysimachus kommen Demipho: Du tust, als hättest du so etwas nie getan! Lysimachus: Wahrhaftig, niemals! Ich habe mich gehütet, so etwas zu machen. Kaum leb' ich noch. Wegen ihr ist meine Frau in wildem Aufruhr. Demipho: Ich kann dich doch rechtfertigen, so daß sie nicht mehr zürnen wird. Lysimachus: Dann komm mit! Eutychus kommt aus dem Haus des Lysimachus Aber sieh, mein Sohn kommt aus dem Haus. Zwanzigste Szene Eutychus: (ins Haus) Zum Vater will ich, damit er weiß, daß sich der Zorn der Mutter besänftigt hat. Gleich komm' ich zurück. Lysimachus: Der Anfang ist nicht schlecht. Was ist los, Eutychus? Eutychus: Ihr zwei kommt mir grad zur rechten Zeit. Lysimachus: Was ist geschehen? Eutychus: Deine Gattin ist besänftigt und versöhnt. Nun reicht mir die Hände. Lysimachus: Die Götter sind mir gnädig! Eutychus: (Zu Demipho) Dir aber hab' ich zu melden: Aus ist's mit der Liebschaft. Demipho: Alle Götter sollen dich verderben! Was ist los? Was meinst du damit? Eutychus: Ich will's euch sagen. Hört beide zu! Lysimachus: Und wie wir hören! Eutychus: Wer edler Herkunft ist, doch von Charakter schlecht, verliert durch eigne Schuld den Adel, seine Herkunft schändet er durch den Charakter. Demipho: Das ist wahr! Lysimachus: Und gilt besonders dir! Eutychus: Umso wahrer ist der Satz für ihn. War es recht, daß du in deinem Alter deinem eignen Sohn, der liebte, die Geliebte entrissen hast, die er mit seinem Geld gekauft hatte? Demipho: Was sagst du? Sie? Die Geliebte von Charinus? Eutychus: Wie sich der Schuft verstellt! Demipho: Er sagte mir doch selber, er habe sie als Magd gekauft für seine Mutter. Eutychus: Und drum hast du diesen Kauf getätigt, du neuverliebter alter Knabe? Lysimachus: Ja, gut, nur weiter! Ich setz ihm von der andern Seite zu. Er hat es verdient, daß wir beide ihm nun gehörig – was zu hören geben. Demipho: Ah, mit mir ist's aus! Lysimachus: Dem Sohn, der dir doch nichts getan hatte, ein solches Unrecht zuzufügen! Eutychus: Ihm, den ich ins Haus zurückgeführt habe, als er in die Verbannung gehen wollte. Denn er wollte fortgehen, um in der Verbannung zu leben. Demipho: Ist er denn gegangen? Lysimachus: Mußt du noch reden, du Gerippe? Deinem Alter ziemt es, Gewohnheiten dieser Art endlich zu entsagen. Demipho: Ich geb' es ja zu, ich habe wirklich schlecht gehandelt. Eutychus: Immer noch hast du zu reden, Gerippe du? Deinem Alter hätte es angestanden, Vergehen dieser Art zu meiden. Wie die Jahreszeiten dem Jahr, so kommt auch jedem Lebensalter anderes, ihm gemäßes Handeln zu. Wenn es erlaubt ist, daß noch Greise in ihrem Greisenalter es mit den Dirnen treiben, wo bleibt da das Wohl des Staates? Demipho: Weh, ich Armer bin verloren! Lysimachus: Sich mit so etwas zu beschäftigen, ist doch wohl eher Jünglingssache! Demipho: Nehmt sie doch ums Himmelswillen, samt Schweinen, samt Mist! Eutychus: Dann gib sie ihm zurück! Demipho: Er soll sie haben, wie er will. Von mir aus kann er sie ganz allein für sich haben. Eutychus: Du besinnst dich zur rechten Zeit: Jetzt, da du nicht mehr anders kannst. Demipho: Als Sühne für das Unrecht soll er sich nehmen, was er will. Euch bitt' ich, macht Frieden zwischen ihm und mir, daß er nicht mehr zürnt. Denn wirklich, hätt' ich gewußt, daß er sie liebt, hätt' er es nur durch ein Scherzwort angedeutet, niemals hätt' ich sie dem Liebenden weggenommen. O Eutychus, bitte, du bist sein Freund, hilf mir, sei mein Retter! Ich, ein Greis, bitte um deinen Schutz: Nie will ich dir die Wohltat vergessen. Lysimachus: Bitt' ihn, daß er dir deine Missetaten und dein jugendliches Alter verzeiht. Demipho: Machst du immer weiter? Heia! Komm nur stolz daher! Ich hoffe, es kommt die Zeit, da ich dir das mit gleicher Münze zurückzahlen kann. Lysimachus: Derlei Tätigkeiten hab' ich längst entsagt. Demipho: Auch ich von jetzt an. Eutychus: Das wirst du doch nicht! Die Gewohnheit treibt dich in den alten Stall zurück. Demipho: Ich bitt' euch, laßt es genug sein. Sonst fällt euch noch ein, mich mit Riemen zu peitschen! Lysimachus: Recht hast du, aber das wird wohl die Ehefrau besorgen, wenn sie davon hört. Demipho: Es ist doch nicht nötig, daß sie es erfährt! Eutychus: Was soll's? Keine Angst, sie wird es nicht erfahren. Gehen wir hinein! Der Ort hier ist nicht sehr geeignet; während wir von ihnen reden, könnten die, die hier des Weges kommen, Ohrenzeugen von deinen Taten werden. Demipho: Recht hast du. Dann dauert die Komödie auch nicht so lang. Gehen wir! Eutychus: Dein Sohn ist hier bei uns im Haus. Demipho: Das ist ausgezeichnet. Gehen wir hier durch den Garten ins Haus! Lysimachus: Eutychus, warte! Eines will ich erst noch erledigen, bevor ich meinen Fuß ins Haus setze. Eutychus: Und das ist? Lysimachus: Jeder denkt doch an seine eigne Sache. Antworte mir: Bist du sicher, daß mir deine Mutter nicht mehr zürnt? Eutychus: Ganz sicher. Lysimachus: Überleg es gut! Eutychus: Du kannst mir trauen! Lysimachus: Das genügt mir. Doch – ich bitte dich um eines: Denk noch einmal nach! Eutychus: Glaubst du mir nicht? Lysimachus: Doch, doch, ich glaube dir. Trotzdem hab' ich gräßlich Angst. Demipho: Kommt, gehen wir hinein! Eutychus: (zum Publikum) Ich aber meine, wir erlassen, bevor wir gehen, für die Alten ein Gesetz, an das sie sich zu halten haben und mit dem sie sich zufrieden geben müssen. Hat einer sechzig Jahre überschritten, und wir erfahren, daß er es mit Dirnen treibt: Ob er nun ledig sei oder ehelich verbunden, wir verfahren mit ihm nach folgendem Gesetz: Als unzurechnungsfähig gilt er uns, und wer auf solche Art sein Hab und Gut verschwendet, soll auch wirklich in Not geraten; dafür wollen wir sorgen. Niemand soll von nun an dem Sohn im Jünglingsalter verbieten wollen, daß er liebt und es mit den Hetären hält, wenn es mit Maß geschieht und auf gute Art. Verbietet es einer trotzdem, soll er heimlich mehr verlieren, als er öffentlich verausgabt. Dieses Gesetz, so will ich es, soll bereits diese Nacht zum ersten Mal für alle Alten gelten. Nun lebt wohl! Ihr aber, die ihr jung seid: Wenn ihr an dem Gesetz Gefallen findet, steht es euch wohl an, dem eifrigen Bemühn der Alten, sich an das Gesetz zu halten, laut zu applaudieren!