Plautus. Das Kästchen. ( Cistellaria ) Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Leipzig und Heidelberg C. F. Winter'sche Verlagshandlung. 1865. Personen. Der Gott der Hülfe als Vorredner . Demipho , ein Kaufmann aus Lemnos, jezt in Sicyon . Phanostrata , seine Frau . Silenium , beider Tochter . Alkesimarchus , Liebhaber der Silenium . Lampadiskus ( oder Lampadio ), Sklave des Demipho . Melänis , Pflegemutter der Silenium . Eine Kupplerin . Gymnasium , ein öffentliches Mädchen, deren angenommene Tochter . Haliska , Sklavin der Melänis . Die Scene ist ein öffentlicher Platz in Sicyon. Erster Act Zweiter Act Dritter Act Vierter Act ————— Sylbenmaße Erster Act. Erste Scene. Silenium . Gymnasium . Die Kupplerin , Pflegemutter der Gymnasium . ( Sie liegen oder sizen bei Tische, und haben eben abgespeist. ) Silenium . (zu Gymnasium ) Wiewohl dir von jeher mein Herz angehörte, Wiewohl ich dich allzeit, so wie deine Mutter, Als Freundin erkannte, so habt ihr's doch heut erst Mir sattsam bekundet, du, wie deine Mutter. Ja, wärest du selbst meine leibliche Schwester, Ich wüßte nicht, wie du mich mehr ehren könntest. Ja, wie ich's einmal betrachte, kommt mir das unmöglich vor. Alles andre ließt ihr außer Acht, und sorgtet nur für mich. Dafür lieb' ich euch und fühle mich zu großem Dank verpflichtet. Gymnasium . In Wahrheit, für solch einen Preis Der Preis ist hier ein gutes Mahl, eine wohlbesezte Tafel. kann man unschwer Zu dir sich bemühen, ist gern dir zu Dienste: Du hast uns am Frühmahl so fein und geschmackvoll Bewirthet, wir werden's dir niemals vergessen. Silenium . Wie gern, wie von Herzen geschah dies! Ich werde Mich allzeit bemüh'n, euch in Allem zu Willen Zu sein, was ich sehe, daß ihr's euch gewährt wünscht. Die Kupplerin . Wie jener Mann wohl sagte, der mit gutem Winde, Bei stiller See, fuhr: »daß ich hier bin, Gott, wie freut mich's!« So ging es uns auch heute, freundlich sind wir hier Bei dir bewirthet worden, und wenn etwas uns In deinem Hause nicht gefiel, so war es nur Des Hauses wohlbemess'ne Zucht. Silenium .                                               Wie meinst du das? Die Kupplerin . Nur gar zu sparsam bot sie Wein zu trinken an, Und dieses Wenige fälschte sie mit Wasser noch. Gymnasium . (mit einiger Verlegenheit) Wie ziemt das dem Gaste zu sagen, o Mutter? Die Kupplerin . Warum nicht? Ich darf das gewiß, und wir Frauen Sind ganz unter uns hier. Silenium . (mit Leichtigkeit)     Ich lieb' euch, und ihr habt's Verdient, weil ihr mich liebt und hoch habt in Ehren. Die Kupplerin . (zu Silenium ) Wohl ziemt es unserm Stande, daß wir unter uns Zusammenhalten und einander fest vertrau'n. In diesem Stücke herrscht, wie in den meisten plautinischen Stücken, eine Vermischung griechischer und römischer Sitten und Verfassung. Hier ist eine Anspielung auf römisches Wesen. Nur aus den Töchtern der Freigelassenen gingen die öffentlichen Mädchen hervor; patricische Töchter würden dadurch, daß sie sich für Geld hingaben, eine Infamie auf sich geladen haben, von welcher die freigelassenen Mädchen frei blieben. Dafür ruhte aber auch auf diesen der volle Haß der römischen Matronen, welche in ihnen die Verführerinnen ihrer Ehemänner sahen. Darum ermahnt die Kupplerin, durch enges Zusammenhalten ihres Standes gegen die vornehmen römischen Frauen einen Bund zu machen. Köpke. Betrachte nur die Frauen aus den edelsten Geschlechtern, wie sie alle sich befreundet sind, Und unter sich in enggeschloss'nem Bunde steh'n. Doch machten wir's auch also, thäten's ihnen nach, Gleichwohl verfolgt uns allezeit Mißgunst und Haß. Sie möchten gerne, daß wir ihrer Hülfe stets Bedürften, nichts verdankten unsrer eignen Kraft. Von ihrer Gnade sollen wir in allem Thun Abhängen, stets an ihrer Thüre bittend steh'n. Kommt man zu ihnen, ginge man bald lieber weg, Als hin. Sie thun gar freundlich uns in's Angesicht; Im Rücken gießt man, bietet sich Gelegenheit, Eiskaltes Wasser über uns heimtückisch aus. Da heißt's, ihre Männer, die halten's mit uns, und Wir sei'n ihre Kebsen; sie woll'n uns verderben. Denn Freigelassene sind wir. Ich, das wisse nur, Und deine Mutter waren einst Lustmädchen. Sie Erzog dich, meine Silenium, ich diese da. Doch eure Väter kennt man nicht. Auch hielt ich nur, Vor Hunger uns zu schüzen, nicht aus Uebermuth, Zum Dienst der Buhlerinnen meine Tochter an. Silenium . Doch wär' es besser, wenn du sie an einen Mann vermähltest. Die Kupplerin . Ei! Sie vermählt sich jeden Tag, vermählte sich schon heute, Vermählt sich nächste Nacht; ich ließ sie nie allein zu Bette. Denn bliebe sie ledig, stürbe mir das ganze Haus vor Hunger. Gymnasium . Ja, meine Pflicht ist, so zu sein, wie du mich wünschest, Mutter. Die Kupplerin . Nun, bist du so, wie du versprichst, ich mag es gerne leiden, Kind. Denn thust du stets nach meinem Wunsch, so wirst du niemals Hekale Hekale, eine arme alte Frau, die im Alterthum durch ihre Armuth sprichwörtlich geworden. ; Nein, immer bleibst du, so wie jezt, in hübschem Anseh'n, frisch und jung, Bringst Vielen Schaden, mir Gewinn, und kostest mich nicht einen Deut. Gymnasium . Der Himmel geb' es. Die Kupplerin .                               Ohne dich vermag er hier gar nichts zu thun. Gymnasium . Es soll an mir nicht fehlen, traun! Doch während dieser Rede, sprich, Was widerfuhr dir denn? Warum verläßt dich alle Heiterkeit, Silenium, mein Augenstern? Ich sah dich niemals so betrübt. Auch bist du nicht so schmuck, wie sonst. Seh' Einer nur, wie tief sie seufzt Aus tiefer Brust! Du siehst so blaß. Bedeut' uns doch, wo fehlt es dir, Wo können wir dir dienen, daß wir wissen, was dein Herz begehrt. Mit deinen Thränen locke mir nicht ihrer eine gleiche Schaar Aus meinen Augen. Silenium .                       Freundin, ach! Mir ist so weh, ich leide schwer. Im Herzen Qual, vor Augen Qual, Qual, Höllenqual allüberall! Ja, meine Thorheit (sag' ich's nur!) reißt mich in diesen Jammer hin. Gymnasium . Laß deine Thorheit eben da, wo sie entstand, begraben sein! Silenium . Was soll ich thun? Gymnasium .                         Verbirg sie tief im tiefsten Winkel deiner Brust, Daß du allein, kein Zeuge sonst um deine Thorheit wisse. Silenium .                                                                                   Doch – Ich hab' ein Herz. Gymnasium .               Du hätt'st ein Herz? Wie käme das? Erkläre mir's. Ich lese nach Bothe's Verbesserung: Der Gedanke, daß die Frauen kein Herz haben, findet sich auch im Großsprecher Act. 3. sc. 1. v. 189. , wo zwischen pectus und cor unterschieden wird: Eine nur, die lebt vom Handwerk, die den Leib vom Leib ernährt, Deren Brust recht wizig ist – Herz sag' ich nicht, das hat sie nicht. Denn weder ich, noch sonst ein Weib, hat, wie die Männer sagen, Herz. Silenium . Nun, hab' ich eins, so schmerzt es; hab' ich keins, so schmerzt es dennoch hier. (sie zeigt auf die Brust.) Gymnasium . Das Mädchen liebt. Silenium .                                     Ach! Ist der Anfang in der Liebe schon so herb? Gymnasium . Ja wahrlich, überreich an Gall' und Honig ist der Liebesgott. Zu kosten gibt er Süßes erst, dann Herbes bis zur Sättigung. Silenium . Von dieser Art ist auch die Krankheit, die mich quält, Gymnasium. Gymnasium . Die Lieb' ist treulos. Silenium .                                       Also treibt sie wohl mit mir auch Unterschleif. Gymnasium . Sei gutes Muths! Es wird gewiß mit deiner Krankheit besser. Silenium .                                                                                                       Ja, Das hoff' ich, kommt der Arzt einmal, der meine Krankheit heilen kann. Gymnasium . Er kommt. Silenium .                       Ein allzuträges Wort: »er kommt,« für eine Liebende, Im Fall 'er nicht kommt! Aber ich Unsel'ge weiß, durch meine Schuld, Durch meine Thorheit kam ich jezt in größ're Noth, als Andere, Weil ich mir Einen auserkor, mit dem allein ich leben will. Gymnasium . Für eine Hausfrau mag es wohl gerath'ner sein, Silenium, Nur Einen Mann zu lieben, nur mit dem allein zu leben, dem Sie sich einmal vermählte. Doch ein Mädchen unsres Standes gleicht Der reichen Handelstadt: sie kann sich ohne viele Männer nicht Erhalten. Silenium .       Jezt zur Sache: hört, warum ich euch zu mir beschied. Da mir der Name Buhlerin mißfällt, so ging's die Mutter ein, That meinen Willen, weil auch ich ihr überall zu Willen bin, Daß sie mit dem mich leben ließ, dem ich mein ganzes Herz geweiht. Die Kupplerin . Da that sie thöricht. Aber sprich: hast du mit einem Manne dich Schon eingelassen? Silenium .                       Außer mit Alkesimarch, mit keinem sonst. Kein Mann hat meiner Ehre noch Gewalt gethan. Die Kupplerin .                                                             Ich bitte dich: Wie schlich der Mensch bei dir sich ein? Silenium .                                                           Es war am Dionysosfest, Da nahm mich meine Mutter mit, den Zug zu seh'n. Als ich nach Haus Mich wende, sieht er mich, und folgt mir heimlich bis zu meiner Thür. Durch Schmeicheleien sezt er dann, durch Gaben und Geschenke sich Bei meiner Mutter und bei mir in Gunst. Gymnasium .                                                   Den Burschen wünscht' ich mir. Den wollt' ich recht umtummeln! Silenium .                                             Kurz, bei längerm Umgang fing ich ihn Zu lieben an, er liebte mich. Die Kupplerin .,                             Ei, ei, Silenium! Silenium .                                                                   Was ist's? Die Kupplerin . Nur Liebe heucheln solltest du. Denn wenn du gleich ihn wirklich liebst, Dich gleich verräthst, dann sorgst du mehr für den Geliebten, als für dich. Silenium . Doch er hat meiner Mutter jüngst mit feierlichem Eid gelobt, Er nehme mich zu seiner Frau. Jezt muß er eine Andre frei'n, Aus Lemnos, die, mit ihm verwandt, hier gleich im nächsten Hause wohnt. Denn also will's sein Vater. Nun ist meine Mutter über mich Ganz böse, daß ich nicht zu ihr nach Haus zurückgekommen bin, Seitdem mir kund geworden, daß mein Freund mit einer Andern sich Vermählen will. Die Kupplerin .           Die Liebe weiß von einem falschen Schwure nichts. Nihil amori injurium est, wo injurium für perjurium zu nehmen ist: »der Liebe gilt ein falscher Eid für nichts.« Andere erklären: der Liebe ist nichts unrecht, der Liebe ist Alles erlaubt. Silenium . Nun bitt' ich dich, gestatte doch, daß diese hier (auf Gymnasium zeigend)                                           drei Tage nur Das Haus besorgt an meiner Statt; ich muß zu meiner Mutter hin. Die Kupplerin . Wohl werden die drei Tage mir recht lästig und zum Schaden sein; Gleichwohl gestatt' ich es. Silenium .                                   Du bist recht gütig. – Du, Gymnasium, Wenn, während ich abwesend bin, Alkesimarchus käme, schilt Ihn nicht so heftig. Was er auch um mich verdient, ich lieb' ihn doch. Nein, sprich mit ihm ganz sanft: er darf nichts hören, was ihm wehe thut. Hier hast du noch die Schlüssel: was du nöthig hast, nimm dir heraus. Jezt will ich geh'n. Gymnasium .                 Wie pressest du mir Thränen aus! Silenium .                                                                             Gymnasium, Kind, lebewohl! Gymnasium .               Denk' auch an dich! In solchem Anzug wolltest du Vonhinnen geh'n? Silenium .                     Ein trübes Loos verlangt ein schmucklos trüb Gewand. Gymnasium . Nimm doch den Mantel auf! Silenium .                                                   O laß ihn schleppen; schlepp' ich doch mich selbst. Sine trahi, quum egomet trahor: o laß ihn schleppen; schlepp' ich doch mich selbst . »Ich selbst schleppe in meiner Unlust das Leben nur so hin, wie Eine, die sich dem Tode weiht und ihrer Auflösung entgegenharrt.« Eine andere Erklärung findet sich bei Lambinus. »Liebende werden geschleppt,« sagt er, »die, zur Liebe gezwungen, dem geliebten Gegenstande wider ihren Willen folgen.« (Dicuntur trahi amantes, qui amore coacti atque impulsi, id quod amant, inviti sequuntur.) Gymnasium . Willst du's nicht anders, lebe wohl! Silenium .                                                               Ich wollt' es gerne, könnt' ich nur. (geht ab.) Gymnasium . Verlangst du sonst was, Mutter? Ich will jezt hinein. Bei'm Kastor, die Ist recht verliebt. Die Kupplerin .           Drum schrei' ich auch tagtäglich dir die Ohren voll: Verliebe dich in keinen Mann! Nun geh hinein. Gymnasium .                                                             Sonst hast du mir Nichts mehr zu sagen? Die Kupplerin .                   Lebe wohl! Gymnasium .                                         Auf Wiederseh'n! (geht ab.) Zweite Scene. Die Kupplerin allein. Die Kupplerin . Den Fehler, der so manchen Frauen eigen ist, Die mein Gewerbe treiben, hab' auch ich. Sobald Wir vollgestopft sind, werden wir gesprächig; dann Wird mehr geplaudert als genug. So ging es mir, Nachdem ich heute mich gestopft nach Herzenslust, Und mit des Weingotts edlem Saft mich vollgefüllt, Daß ich die Zunge laufen ließ, wie's ihr gefiel. Ich Arme kann nie schweigen, wo ich schweigen soll. Das Mädchen, das hier weinend fortgegangen ist, Das hob ich einst als ausgeseztes kleines Kind In einem engen Gäßchen auf. Ein junger Mensch Vornehmen Standes hält sich auf in unsrer Stadt; Sein Vater wohnt in Sicyon Sicyon , eine Stadt im Peloponnes, nicht weit von Korinth, an den Gränzen von Argolis. , ein Mann von Rang. Der Junge hat sich sterblich in das Kind vergafft, Das eben weinend weiter ging; nicht minder liebt Sie selbst den Jungen. Als ich einst die Kleine fand, Da gab ich sie der Freundin Die Freundin ist Melänis, von welcher auch der Gott der Hülfe in der dritten Scene ( V. 23 ) berichtet, und die im zweiten Act auftritt. , die das nämliche Gewerbe treibt, als Eigenthum, weil die mir oft Anlag, ein neugebornes Kind ihr irgendher Zu schaffen, ob's ein Mädchen, ob's ein Knabe sei, Das die sich unterschieben möcht' als eignes Kind. Wie nun Gelegenheit sich bot, da säumt' ich nicht, Gewährte willig, was sie einst von mir erbat. Und als sie dieses Mädchen dann von mir empfing, Gebar sie sonder Hülfe leicht und ohne Schmerz Dasselbe Mädchen, das sie nahm aus meiner Hand, Wie Frau'n gebären, die daraus Vortheile zieh'n »Wie Frau'n gebären, die daraus Vortheile zieh'n,« indem sie durch das Vorgeben einer Niederkunft die Liebhaber bestimmen, ihre Geschenke noch zu steigern. Wir lesen: quae malo quaerunt sibi, d. i. rem quaerunt.   . Denn ihr Geliebter, sagte sie, sei weit von hier, Und seinetwegen habe sie den Trug verübt. Wir Zweie wissen dies allein: ich, die's ihr gab, Und jene, die's von mir empfing; (an die Zuschauer)                     euch nehm' ich aus. So ging die Sache. Sollt' es einmal nöthig sein, Erinnert euch an dieses Wort. Ich gehe heim. (geht ab.) Dritte Scene. Der Gott der Hülfe tritt als Vorredner auf. Der Gott der Hülfe . Im Schwazen und im Trinken ist die Alte stark. Dem Gotte ließ sie kaum noch was zu sagen Plaz. So hastig hat sie's von dem unterschobnen Kind Herausgeplaudert. Wenn sie schwieg, hätt' ich, der Gott, Es euch gesagt, und ich vermocht' es besser; denn Ich bin der Gott der Hülfe. Nun schenkt mir Gehör, Daß ich den Inhalt deutlich euch verkündige. Einst war das Dionysosfest in Sicyon. Um anzusehn die Spiele, kam ein Handelsherr Aus Lemnos. Jung noch, schwächte der ein Mädchen hier Auf offner Straße, weinberauscht, in tiefer Nacht. Sobald er merkte, daß er da was Uebles sich Verdiente, sucht' er in den Füßen Heil, und floh Nach Lemnos, wo er wohnte. Die Geschwängerte Gebar im zehnten Monde drauf ein Töchterchen. Und weil sie gar nicht wußte, wer der Thäter war, Vertraute sie sich einem Knecht des Vaters an, Und übergab ihm unverweilt ihr Töchterchen, Zum Tod es auszusezen. und der Sklave that's. Die Alte hob das Mädchen auf. Der Sklave merkt Sich ingeheim, wohin, zu welchem Hause sie Die Kleine bringt. Die Alte, wie sie selbst vor euch Bekannte, gibt Melänis, einer Buhlerin, Das Kind, und die erzog es, wie ihr eigenes, Gar fein und sittsam. Da vermählt sich der Lemnier Mit einer Anverwandten aus der Nachbarschaft. Die starb, und ihrem Manne war dies ganz erwünscht. Nachdem er drauf die lezten Ehren ihr erzeigt, Da zieht er fürbaß, kommt hieher, und ehlicht hier Dasselbe Mädchen, das er einst zu Fall gebracht, Und bald darauf erkannte, daß es diese war. Die denn bekennt ihm, daß sie nach der Uebelthat Ein Kind geboren, das sie gleich dem Knechte gab, Es auszusezen. Und er gibt alsbald Befehl, Den Sklaven auszusenden, ob's nicht möglich sei, Die Frau zu finden, die es aufgenommen einst. Der gibt sich alle Mühe nun und rastet nicht, Ob er vielleicht nicht irgendwo die Buhlerin Erspähe, die er aus dem Hinterhalt belauscht, Da sie das Kind genommen, als er's ausgesezt. Nun will ich euch bezahlen, was noch übrig ist; Dann löscht ihr meinen Namen aus »Dann löscht ihr meinen Namen aus,« ihr streicht meinen Namen aus dem Schuldbuche, nachdem ich euch das Schuldige bezahlt, d. i. Alles erzählt habe, was euch zu wissen nöthig ist. ; ihr habt hinfort Nichts mehr an mich zu fordern. Hier in Sicyon Wohnt bei dem Vater, der noch lebt, ein junger Mensch: Der liebt zum Sterben dieses ausgesezte Kind, Das weinend jezt zu seiner Mutter ging, und sie Liebt, was die schönste Liebe doch, ihn ebenso. Doch wie der Menschen Dinge sind, nichts hat Bestand. Der Vater will den Sohn mit einer andern Frau Vermählen. Wie des Mädchens Mutter das erfährt, Da ruft sie gleich ihr Kind zurück. So hat sich Das Begeben. Nun lebt wohl, und, was ihr allezeit Gethan, besiegt durch wahre Tapferkeit den Feind! Das Stück wurde wahrscheinlich im Verlaufe des zweiten punischen Krieges zum erstenmal aufgeführt, und so konnte der patriotische Dichter es nicht unterlassen, dem Hülfsgott eine kräftige Ermahnung an das römische Volk zu männlichem Kampfe gegen die Rivalin Karthago in den Mund zu legen. Erhaltet euch die Bundsgenossen, alt und neu! Mehrt durch gerechtes Walten eurer Freunde Zahl, Schlagt eure Feinde, windet frisch des Ruhmes Kranz, Daß euch Karthago büße, wenn ihr Sieger bliebt! Zweiter Act. Erste Scene. Alkesimarchus . Melänis (bei Seite). Alkesimarchus . Amor hat die erste Folter, glaub' ich, auf der Welt ersonnen. An mir selbst erfuhr ich solches, brauch' es auswärts nicht zu suchen; Denn an Herzensplackereien übertreff' ich alle Menschen. Mich wirft es, mich martert's, mich treibt es, mich stachelt's, mich dreht es umher auf dem Rade der Liebe; Mich reißt es, mich zerrt es, mich schleppt es, mich viertheilt's; Mein Geist ist umwölkt von ewiger Nacht. Da, wo ich bin, da bin ich nicht, und wo ich nicht bin, ist mein Kopf. So steh'n mir alle Gedanken: was ich will, das will ich gleich nicht mehr. So spielt die Lieb' ihr Spiel mit mir; sie jagt, sie treibt, sie lockt, sie packt Mich Lebensmatten, zieht mich an, hält mich zurück, und stößt mich fort. Und was sie gibt, das gibt sie nicht; sie ködert mich, und foppt mich nur. Sie widerräth, wozu sie mir erst rieth, und was sie widerrieth, Das beut sie mir. Sie treibt mich um, dem sturmempörten Meere gleich, Und wirft mich hin, und wirft mich her, zerscheitert mir das lecke Schiff Des Herzens. Ach, mir Armen fehlt kein Leid, als noch zulezt der Tod. So hielt mich die sechs Tage lang mein Vater auf dem Lande fest, Und unterdessen durft' ich, ach! mein Kind mit keinem Auge seh'n. Ist das nicht ganz entsezlich? Melänis . (vortretend) Bist du so spaßhaft, weil du jezt die Zweite freist, die reiche Braut Aus Lemnos? Nimm sie! Freilich sind wir nicht so angesehen hier, Noch haben wir so vieles Geld, wie du. Indessen fürcht' ich nicht, Daß irgend Jemand irgendwann uns eines Meineids zeihen wird. Wenn dir's in Zukunft übel geht, so weißt du jezt, woher es kommt. Alkesimarchus . Mögen mich die Götter strafen – Melänis .                                                                 Was du wünschest, werde dir! Alkesimarchus . Wenn ich je die Frau mir nehme, die mein Vater mir bestimmt! Melänis . Und auch mich, im Fall du meine Tochter je zum Weib erhältst! Alkesimarchus . Kannst du's dulden, daß ich Meineid schwöre? Melänis .                                                                                       Lieber, als ich mich Und mein Haus zu Grunde richten und die Tochter narren will. Geh und suche dir ein Pläzchen, wo dein Schwur noch etwas gilt; Hier bei uns, Alkesimarchus, brachst du selbst die Scherb' entzwei. »Hier bei uns, Alkesimarchus, brachst du selbst die Scherb' entzwei,« d. h. die Gastfreundschaft und Liebe, die bisher unter uns bestand, hast du selbst aufgehoben. Das Zeichen einer unter zwei verschiedenen Familien oder Individuen geschlossenen Gastfreundschaft war eine Scherbe ( tessera ), welche die beiden Gastfreunde in zwei Theile brachen und so unter sich theilten. Jeder von beiden hob seine Hälfte auf, um sich und seine Nachkommen bei jenem und dessen Nachkommen legitimiren zu können, wenn die einst gestiftete Freundschaft vielleicht in Vergessenheit gerathen war. Die beiden Stücke paßten in einander, wenn die Sache ihren Grund hatte. Man vergleiche Pœnul. 5, 2, 88 folg. Wer seine Hälfte zerbrach oder verlor, konnte die frühere Verbindung dem Anderen nicht darthun. Daher sagt hier Melänis bildlich: »du zerbrachst die Marke unserer früheren vertrauten Verbindung, wir sind fortan für immer geschieden.« Köpke. Alkesimarchus . Nur noch eins »Nur noch eins versuch' es.« Eins für Einmal hat Luther. Hos. 3, 1. »gehe noch eins hin.« versuch' es! Melänis .                                                         Oft schon that ich's und beklag' es jezt. Alkesimarchus . Gib sie wieder! Melänis .                                       Bei dem neuen Falle gilt der alte Spruch: Was ich gab, o hätt' ich's noch! Was übrig ist, behalt' ich hübsch. Alkesimarchus . Schickst du sie mir nicht zurück? Melänis .                                                                 Du gibst dir selbst Antwort für mich. Alkesimarchus . Soll sie mir nicht wieder werden? Melänis .                                                                   Meine Meinung kennst du längst. Alkesimarchus . Dein Entschluß steht fest? Melänis .                                                     Ich denke jezt an ganz was Anderes. Traun, für keines deiner Worte hab' ich mehr ein offnes Ohr. Alkesimarchus . Nicht? Was sagst du? Melänis .                                               Lieber denke drauf, zu wissen, was du thust. Alkesimarchus . Nun, so sollen alle Götter mich und alle Göttinnen Auf der Oberwelt und Unterwelt und aus der Mittelwelt, Soll die königliche Juno, Zeus', des allerhöchsten, Kind In seiner leidenschaftlichen Hize macht Alkesimarchus einen mythologischen Fehler um den anderen. So ist Juno die Schwester und Gemahlin des Zeus, nicht seine Tochter, Saturnus nicht sein Oheim, sondern sein Vater, wie Ops, die Gemahlin des Saturnus, seine Mutter ist. , Soll Saturnus mich, sein Oheim – Melänis .                                               Nein, sein Vater, meinst du wohl. Alkesimarchus . Soll mich Ops, des Gottes Urgroßmutter – Melänis .                                                                               Mutter, meintest du. Alkesimarchus . Tochter Juno, dann der Ohm Saturnus, dann der höchste Zeus – – Du verwirrst mich; deinethalben fehl' ich immer. Melänis .                                                                       Weiter nur! Alkesimarchus . Nicht erfahren soll ich, was du meinethalb beschließen wirst? Melänis . Weiter doch! Ich gebe sie nicht wieder: fest ist mein Entschluß! Alkesimarchus . Nun, so soll der höchste Zeus mich, soll Saturn, soll Juno mich – Was ich hier noch sagen soll, ich weiß es nicht. – Jezt weiß ich es. Ja, vernimm noch, Weib, damit du meine Meinung gründlich kennst. Alle groß' und kleine Götter, alle Schüsselgötter Schüsselgötter , dii patellarii sind die Laren und Penaten, denen man Speisen und Getränke in kleinen Schüsseln vorzusezen pflegte. auch, Sollen mir's verwehren, daß ich lebend noch Silenium Küsse, wenn ich deine Tochter, dich und mich nicht heute noch Tödte Der Schwur des Alkesimarchus hat drei Abtheilungen, von denen die beiden lezteren in's Lächerliche fallen und sich selbst widersprechen, wenn das erste Drittheil des Schwures in Erfüllung gegangen ist; denn im ersten Drittheil schwört er schon, daß er sich und die beiden anderen Frauen tödten will; er wird also das zweite und dritte Andringen zum Morde der beiden sparen können. Köpke. , dann mit Tagesanbruch morgen euch nicht alle zwei Morde, dann bei'm dritten Anlauf nicht (so wahr mich Herkules!) Alle niederstrecke, falls du jene mir nicht wiederschickst! Was ich wollte, sagt' ich dir. Jezt lebe wohl! (er geht in's Haus,) Melänis .                                                                 Er ging erzürnt Weiter. Was beginn' ich nun? Geht sie zu ihm zurück in's Haus, Steh'n wir auf dem alten Flecke. Wenn es Einmal Hader sezt, Dann verstößt er sie, und führt die Lemnerin als Gattin heim. Doch ich will ihm nach, ihn hüten, daß er nicht im Zorne was Tolles macht. Und weil's so schwer ist, daß ein Armer Recht behält Einem Reichen gegenüber, will ich lieber mein Verdienst Hier verlieren, als von meiner Tochter lassen. Aber wer Ist es, der gerades Wegs die Straße dort gelaufen kommt? Jenes schreckt mich, dieses fürcht' ich, bin (o Graun!) stets voller Angst. (ab.) Zweite Scene. Lampadiskus , Sklave der Phanostrata , tritt auf. Lampadiskus . Der Alten folgt' ich mit Geschrei die Gassen durch: Ich sezt' ihr unablässig zu, Doch wie gewandt Sie sich beherrschte, that vergeßlich, stellte sich, Als wüßte sie von Allem nichts! Was hab' ich ihr Geschmeichelt, wie viel Schönes ihr nicht zugesagt! Wie viele Listen sezt' ich an die Mauer an! Wie viele Fallen legt' ich ihr! Mit Mühe nur Bracht' ich's heraus am Ende, daß sie mir gestand, Als ich ein Faß voll süßen Weines ihr versprach. Dritte Scene. Phanostrata . Lampadiskus . Melänis (im Hintergrunde). Phanostrata . Ich hörte, dünkt mich, eben vor dem Hause hier Die Stimme meines Knechtes Lampadiskus. Lampadiskus .                                                     Frau, Du bist nicht taub; du hörtest recht. Phanostrata .                                         Was hast du denn? Lampadiskus . Du wirst darob dich freuen. Phanostrata .                                               Und was wäre das? Lampadiskus . Ich sah, es ist nicht lange her, aus diesem Haus Ein Weib herausgeh'n. Phanostrata .                       Jene, die mein Töchterchen Aufnahm? Lampadiskus .   Du trafst es richtig. Phanostrata .                                     Was geschah hernach? Lampadiskus . Ich sag' ihr, daß ich's von der Rennbahn aus geseh'n, Wie sie die Tochter unsers Herrn vom Boden hob. Phanostrata .                                                                   Erschrack sie da? Melänis . (bei Seite)   Mein Leib erstarrt, mir hüpft das Herz. Ich weiß es wohl noch, wie man einst ein kleines Kind Mir von der Rennbahn brachte, daß ich dieses Kind Für meines ausgab. Phanostrata . (zu Lampadiskus )   Rede fort, ich bitte dich! Mich brennt es recht, zu hören, wie das weiter ging. Melänis . (bei Seite) O könntest du's nicht hören! Lampadiskus .                             Nun, ich fahre fort, Ich lese mit Bothe: Pergo illam subagitare blandis, benedicis Dictis. Illaec Forti Fortuna fortius Aures obturat. Ergo alumnam voco foras. Nam illaec tibi nutrix est; ne matrem censeas! Ego te reduco et voco ad divitias, ubi Tu locere in luculentam familiam. Mit liebevollen Worten, glatten Schmeichelei'n Ihr zuzusezen. Sie verstopft noch mehr das Ohr, Und stellt sich tauber, als das Glück. Ich rufe dann Die Pflegetochter selbst heraus. Die Alte da Ist, sagt' ich ihr, nicht deine rechte Mutter, nein, Ist deine Pflegemutter nur. Ich rufe jezt Zu großem Reichthum dich zurück, ich führe, Kind, In ein beglücktes, angesehenes Haus dich ein, Wo zwanzig Goldtalente dir dein Vater einst Mitgibt zum Brautschaz, daß du nicht nach schändlicher Etruskersitte Die Etrusker, bemerkt Köpke, stammten von den Lydiern in Kleinasien, von denen Herodot meldet, was hier gesagt wird, daß ihre Töchter durch Preisgebung ihres Körpers sich die Mitgift zusammen verdient hätten. ( Herodot. 1, 93. ) Aber nicht blos der lydischen Stammväter wegen sind die Etrusker hier auf diese Weise angezogen; auch sie selbst waren in Rom übel berüchtigt. Gaukler, Tänzer, Flötenspieler und überhaupt Menschen, welche für Geld dem öffentlichen Vergnügen dienten, kamen den Römern aus Etrurien; ja selbst öffentliche Mädchen, von denen wahrscheinlich die frühesten in Rom, oder die meisten derselben aus Etrurien gekommen waren, füllten nebst männlichen Dienern der Unzucht in Rom eine Straße, welche die etrurische hieß ( vicus tuscus ). S. Horat. sermon. 2, 3, 288. mit dem eignen Leibe hier Dir deine Mitgift schaffen mußt. Phanostrata .                                       Ich bitte dich: Ist, die sie aufgenommen, eine Buhlerin? Lampadiskus . Sie war es; doch jezt höre nur, wie's weiter ging. Schon überredet hatt' ich sie durch meine Kunst: Da schmiegt' an ihre Kniee sich die Alte, bat Mit Thränen, nicht von ihr zu geh'n. Sie sei ihr Kind, Sie habe sie geboren, das beschwor sie mir Mit allen Eiden. Jene, sprach sie, die du suchst, Die gab ich meiner Freundin, die sie jezt erzieht Als eigne Tochter. Und sie lebt. Wo? rief ich gleich. Phanostrata . (freudig bewegt) Ihr Götter, schafft mir Hülfe! Melänis . (bei Seite)                       Mich vernichtet ihr. Phanostrata . Wem sie das Kind gegeben, hast du das gefragt? Lampadiskus . Das that ich, und sie nannte mir die Buhlerin Melänis. Melänis . (bei Seite)   Meinen Namen sprach er aus: ich bin Verloren! Lampadiskus .   Als sie das gesagt, so fragt' ich gleich: Wo wohnt Melänis? Führe mich zu ihr. »Sie zog Von hinnen, wohnt jezt außer Lands,« erwiedert sie. Melänis . (bei Seite) Jezt schöpf' ich wieder Athem! Lampadiskus .                                   »Und wo zog sie hin? Wir folgen ihr,« versez' ich. »Foppen willst du mich? Du bist des Todes! Wahrlich, lange treibst du's nicht.« So fuhr ich fort zu drängen, bis die Alte schwur, Sie wolle mich hinführen. Phanostrata .                             Doch du hättest sie Nicht lassen sollen. Lampadiskus .                 Kann sie doch nicht los von mir. Sie müsse nur mit einer guten Freundin erst Sich noch besprechen, sagte sie; denn diese sei In das Geschäft verwickelt. Und ich weiß, sie kommt. Melänis . (bei Seite) Die wird mich jezt verrathen und ihr eigenes Unheil zu meinem fügen. Phanostrata .                           Laß mich wissen, Freund: Was soll ich jezt beginnen? Lampadiskus .                             Geh hinein und sei Nur gutes Muthes! Kommt dein Mann, so soll er mich Zu Haus erwarten, daß ich ihn nicht suchen darf, Im Fall ich ihn was fragen will. Ich laufe jezt Zu meiner alten Frau zurück. Phanostrata .                                 Lampadio, Ich bitte dich, bestell' es gut. Lampadiskus .                               Ich werde dir Es alles wohl vollenden. Phanostrata .                           Auf die Götter und Auf dich vertrau' ich. Lampadiskus .                   Auf die Götter bau' ich auch, Daß du sie bald nach Hause führst – ( Phanostrata geht hinein) Melänis . (tritt plözlich vor)         Halt, junger Mensch, Und höre! Lampadiskus .   Frau, mich rufst du? Melänis .                                               Ja. Lampadiskus .                                           Was soll es sein? Ich habe schrecklich viel zu thun. Melänis .                                               Wer wohnt denn dort Im Hause? Lampadiskus .   Demipho, mein Herr. Melänis .                                               Derselbe wohl, Der seine Tochter dem Alkesimarch verlobt Mit großer Mitgift? Lampadiskus .                 Eben der. Melänis .                                           So sage mir: Was habt ihr denn für eine zweite Tochter jezt Zu suchen? Lampadiskus .   Das erklär' ich dir: es ist das Kind Der Gattin, das die Gattin nicht geboren hat. Lampadiskus faßt seine Antwort als ein Räthsel ab; das mußte sie wenigstens der Melänis sein. Die Gesuchte ist allerdings der Gattin (Phanostrata) Tochter; allein die Gattin hat sie nicht geboren, d. h. Phanostrata nicht als Gattin. Demipho wird daher als Einer vorgestellt, der gleichsam dreimal verheirathet gewesen ist: 1) mit der Phanostrata, von welcher er die Silenium hat, 2) mit der Lemnierin, und 3) abermals mit der Phanostrata. Melänis . Das heißt? Lampadiskus .           Von seiner ersten Frau ward meinem Herrn Ein Kind geboren. Melänis .                         Doch du sagtest ja vorhin, Du suchst des Weibes Tochter, das hier eben sprach. Lampadiskus . Die such' ich. Melänis .                                 Wie kann aber die die früh're sein, Die jezt mit ihm vermählt ist? Lampadiskus .                                 Wer du seist, o Weib, Du bringst mit deinen Reden mich noch um. Die Frau, Die er in zweiter Ehe nahm, gebar ihm einst Die Tochter, die Alkesimarchus freit. Indeß Die Frau ist todt. Verstehst du jezt? Melänis .                                                   Das ist mir klar; Doch kann ich mir's nicht deuten, wie die erste Frau Die lezte, wie die lezte dann die erste wird. Lampadiskus . Sie wurde Frau, ward schwanger, und gebar sodann Von ihm die Tochter, eh' er sich mit ihr vermählt. Kaum war das Kind geboren, da ward's ausgesezt. Mir ward der Auftrag, eine Frau hob's auf, ich selbst War Zeuge. Mein Gebieter nahm sie dann zur Frau. Dies Mädchen also, ihre Tochter, suchen wir. Was guckst du jezt mit offnem Munde himmelan? Melänis . Wohin du geh'n willst, gehe nun; ich will dich jezt Nicht länger mehr aufhalten; ich verstand dich schon. Lampadiskus . Den Göttern allen sei's gedankt! Denn hättest du Mich nicht verstanden, ließest du mich schwerlich los. (geht ab.) Melänis . (allein) Jezt muß ich wider Willen etwas Gutes thun; Wohl thu' ich's ungern; doch die Sache liegt am Tag. So will ich denn weit lieber mir bei jenen selbst Den Dank verdienen, als von dieser Alten mich Verrathen lassen. Ohne Säumen geh' ich heim, Und ihren Eltern bring' ich die Silenium. (ab.) Dritter Act. Melänis . Silenium . Haliska . Hernach Alkesimarchus . Melänis . (mit einem Kästchen) Alles hab' ich dir erzählt: jezt folge mir, Silenium, Zu den Deinen; haben die doch größ'res Recht an dich, als wir. Wohl verlier' ich dich nur ungern: doch es sei! Dein Bestes ja Muß ich stets im Auge haben, deinem Glück nicht feindlich sein. Hier das Spielzeug, das die Frau mir gab, die dich zu mir gebracht, Gemeint ist das Kinderspielzeug samt Allem, was das ausgesezte Kind um und an sich trug, die crepundia. Da im Alterthum (bemerkt Köpke in der Einleitung zu seiner Uebersezung dieses Stückes) die Rechte der Eltern über die Kinder viel weiter gehen, als in der neueren Zeit, und sie als die unbedingten Urheber des Lebens ihrer Kinder angesehen werden, so haben ihnen auch nur wenige Gesezgeber das Recht beschränkt, die neugebornen Kinder zu tödten oder auszusezen. Wir finden ausser den Spartern, wo es sogar gesezlich ist, schwächliche oder mißgestaltete Kinder auszusezen oder zu tödten, auch bei den meisten der übrigen griechischen Staaten und auch bei den Römern, denen das Zwölftafelgesez diese Erlaubniß gibt, dieses Recht gehandhabt. Man kann daher denken, daß von demselben noch häufiger da Gebrauch gemacht wurde, wo man die Frucht eines beschämenden Abenteuers der Kenntniß der Mitbürger entziehen wollte. Da aber gleichwohl sich bei den Eltern Mitleid regte für das unglückliche Kind, welches preisgegeben werden sollte, so war es bei dem Aussezen der Kinder, welche nicht geradezu getödtet oder den Raubthieren vorgeworfen werden sollten, allgemeine Sitte, sie in oder mit einer Kiste ( cistella ) auszusezen, in welcher, ausser Kinderzeuge von feinem Gewebe (υφάσματα, σπάργανα u. s. w.), welches zuweilen den vornehmen Stand der Mutter ankündigte, manches köstliche Kleinod oder Kinderspielzeug, oft von edleren Metallen eingelegt war, welches als Kinderklapper zur Ergözung des Kindes benüzt werden konnte. Daher der Name crepundia, griechisch παίγνια. Diese Dinge sollten besonders dazu dienen, das Kind vielleicht dereinst daran wieder zu erkennen, wenn sich die Lage der Eltern änderte, daher die Findenden, welche die Pflegeeltern des Kindes wurden, die Humanität hatten, diese Krepundien als ein Heiligthum unverlezt zu bewahren, auch wenn sie sonst den Findling durchaus als eigenes Kind sich unterschoben. Daher heißen dieselben bei den Griechen Kennmittel , γνωρίσματα, so wie bei den Römern auch signa und monumenta. Man kann denken, wie oft diese Kästchen mit Kinderspielzeug für das Lustspiel benüzt sind, da die Aussezungen zu dramatischen Verwickelungen so oft beliebt wurden, und Wiedererkennungen ausgesezter und verloren geglaubter Kinder nun durch diese kleinen Monumente begründet wurden. Schon im heroischen Alterthum der Griechen kommen dergleichen vor, wovon besonders der Ion des Euripides ein Beweis ist, welcher nur durch die ihm beigefügte Kiste als ein Sohn der Kreusa wiedererkannt wird. Dort enthält dieselbe ein feines Gewand, in welches eine Medusa gewebt und von Schlangen umgeben ist, eine goldene Halskette durch zwei in einander verschlungene Drachen gebildet, und einen Kranz vom attischen Oelbaum. In unserem Stücke sind diese Krepundien nicht genannt; desto genauer sind sie im Schiffbruch des Dichters aufgeführt, wo es ihrer eine ganze Menge gibt. Es werden uns genannt ein kleines goldenes Schwert, in welches der Name des Vaters der Tochter eingegraben ist, ein kleines zweischneidiges Beilchen, gleichfalls von Gold, mit dem Namen der Mutter, eine kleine Sichel, zwei kleine in einander verschlungene Hände, ein kleines Schwein von Silber, und eine goldene Bulla. S. Schiffbruch 4, 4, 112 –127. Daß dereinst die Mutter um so leichter dich erkennen kann. (zu Haliska ) Nimm, Haliska, nimm das Kästchen; poche keck an jene Thür! Sage dort, ich lasse bitten, daß sich Jemand unverweilt Aus dem Haus zu mir bemühe. Alkesimarchus . (tritt in einiger Entfernung auf, ein Schwert in der Hand)                                                   Nimm zu dir mich auf, o Tod, Deinen Freund, der dein begehrt! Silenium . (ihn erblickend)                     Weh, weh! Wir sind des Todes, Mutter! Alkesimarchus . Stoß' ich rechts in meine Seite, stoß' ich links das Schwert hinein? Melänis . (zu Silenium ) Was gebricht dir? Silenium .                     Siehst du nicht Alkesimarchus mit dem Schwerte? Alkesimarchus . (sich selbst ermuthigend) Was beginnst du? Säumst du noch? Verlaß das Licht! Silenium .                                                                             Ach, eilt heran, Daß er sich nicht tödtet! (sie stürzt auf ihn zu, und fällt ihm um den Hals.) Alkesimarchus .                     O mein Heil, heilvoller, als das Heil! Ob ich will, ob nicht, allein du kettest mich an's Leben fest. Melänis . Wolltest du die Grausamkeit begeh'n? Alkesimarchus .                                                   Ich habe nichts mit dir, Bin für dich todt. Diese hab' ich, lasse sie nicht mehr von mir. Denn ich will sie jezt, bei'm Himmel! ganz mit mir zusammenleimen. (er ruft in's Haus) Knechte, he! Wo seid ihr? Schließt das Haus mit Schlössern und mit Riegeln, Wenn ich sie hineingetragen! (er nimmt Silenium auf den Arm, und trägt sie in sein Haus) Melänis . (ihm nachblickend)           Er ist fort, und trägt das Mädchen Mir davon; ich eile nach, ich will hinein, ihm Alles sagen, Was geschah; vielleicht gelingt mir's, seiner Wuth ein Ziel zu sezen. ( sie eilt ihm nach, hinter ihr die Sklavin Haliska , die in der Eile das ihr anvertraute Kästchen fallen läßt. ) Vierter Act. Erste Scene. Lampadiskus . Nachher Phanostrata . Lampadiskus . Sah ich doch kein Weib auf Erden, die des Kreuzes werther wäre, Als die Alte da: sie läugnet, was sie mir vorher gestanden! Doch da kommt ja meine Herrin. (er stößt auf das Kästchen, das an der Erde liegt.)                                                     Aber hier – was soll das Kästchen Mit dem Spielzeug? Und ich sehe keinen Menschen auf der Straße? Muß es nur wie Kinder machen, und mich an das Kästchen hocken. (er sezt sich nieder und schüttelt das Kästchen.) Phanostrata . He! Was machst du, Lampadiskus? Lampadiskus .                                                       Ist das Kästchen hier von uns? Hier an unsrer Thüre lag's; da hob ich's auf. Phanostrata . (ohne auf seine Frage zu achten)       Was meldest du Von der Alten? Lampadiskus .         Auf der Welt ist kein verruchtes Weib, wie die . Alles läugnet die mir ab, was sie mir erst vorhin bekannt. Herkules! Von dieser Alten soll ich so mich narren lassen? Eher wollt' ich doch am Galgen sterben. Phanostrata . (nachdem sie das Kästchen näher betrachtet hat)                                                                 Götter, seid mir gnädig! Lampadiskus . Was beschwörst du denn die Götter? Phanostrata .                                                             Rettet uns! Lampadiskus .                                                                             Was hast du? Phanostrata .                                                                                                     Dies Ist das Kinderzeug, womit du meine Tochter ausgesezt. Lampadiskus . Bist du bei Verstand? Phanostrata .                                     Es ist es. Lampadiskus .                                                   Meinst du das im Ernst? Phanostrata .                                                                                           Es ist's. Lampadiskus . Sagte das ein andres Weib, ich sagte, daß sie trunken sei. Phanostrata . Keine leeren Worte red' ich. Aber wie kam dies hieher? Welch ein Gott warf dies vor unsre Thüre? Wie gerufen kommt Eben jezt die Göttin Hoffnung, und erfüllt mir meinen Wunsch. Zweite Scene. Phanostrata . Lampadiskus . Haliska . (Haliska tritt suchend auf der anderen Seite der Bühne auf, und wird von den Anderen eine Weile beobachtet. ) Haliska . Wenn Götter mir nicht Helfen, bin ich hin; ich weiß nicht, wo ich Hülfe mir erbitte. Also hat in schweres Elend meine Thorheit mich gestürzt; Und ich fürchte, fürchte sehr, sie prallt auf meinem Rücken ab, Wenn's die Herrin inne wird, wie unbedachtsam ich gewesen. In den Händen hielt ich hier das Kästchen, vor dem Haus empfing' ich's; Jezt ist's fort; wo's hingekommen, weiß ich nicht; ich muß es, glaub' ich, Hier herum verloren haben. (zu den Zuschauern)           Meine Herrn hier auf den Bänken! Sagt mir doch, wenn's Einer sah, wer's aufgehoben, oder wer es Weggetragen, ob er hierhin, oder dorthin seinen Weg nahm. – Doch werd' ich denn klüger mit Fragen, mit Bitten? Ich red' in den Wind. Denn die Männer frohlocken Bei'm Unglück der Frauen. Jezt will ich doch forschen, Ob nicht eine Spur hier von menschlichen Tritten Sich zeigt. Denn wenn Niemand, seitdem ich hineinging, Vorbeikam, so müßte das Kästchen hier liegen. – Was? Hier? – 's ist verloren! Ja, jezt ist es aus! O ich elende Thörin! 'S ist hin; ich bin auch hin, Verloren mit dem Verlor'nen! Doch ich will noch weiter suchen. Im Busen zittert mir die Angst, und auf der Stirne bebt die Furcht. Ueberall treibt es mich ohne Rast hin und her. Darin sind wir Menschen doch jämmerlich elend. Wer es sei, der es fand, der ist jezt hocherfreut, Da es ihm doch zu nichts nüzen kann, so wie mir. Indeß was verweil' ich mich selbst mit dem Plaudern? Haliska, sieh nur auf die Erde, Schau hier und schau dort um, Mit den Augen wittre listig, einem Zeichendeuter gleich! Lampadiskus . (leise zu Phanostrata ) O Frau! Phanostrata .   Was ist's? Lampadiskus .                   Hier ist sie. Phanostrata .                                         Wer? Lampadiskus .                                                 Die da verlor das Kästchen. Denn den Ort, wo's ihr entfallen, deutet sie ganz richtig an. Phanostrata . So scheint es. Haliska . (immer suchend)     Hierher ging er: eine Spur Der Sole seh' ich noch im Staube hier. Ich will sie verfolgen. Hier hat sich ein Zweiter Ihm gesellt. Weiterhin ging er wohl keinen Schritt; Nein, er blieb stehen, ging dann nach dort. Abermals Wurde hier Rath gepflegt. Diese Spur paßt auf Zwei. Aber wer sind die Zwei? Wiederum seh' ich hier Einzelspur. Meinem Blick schwindelt's, ach! Aber nein, Einer doch drehte sich dorthin. Will weiter seh'n. Von hier ging er dahin; von da ging's nicht weiter. Alle Müh' ist umsonst. Denn hin ist, was hin ist: mein Fell und das Kästchen. Ich gehe heim. (sie will gehen) Phanostrata . (ihr nachrufend)                         Bleib, Mädchen; hier sind Leute, die mit dir sich Besprechen wollen. Haliska .                           Wer verlangt nach mir? Lampadiskus .                                                       Ein gutes Weib und Ein böses Mannsbild wünschen dich. Haliska .                                                     Den Bösen auf die Seite! Den Guten brauch' ich. Der mich ruft, weiß doch am Ende besser, Warum er ruft, als der, nach dem er ruft. Ich will zurückgeh'n. Sprich, hast du nicht Jemanden hier aufheben seh'n ein Kästchen Mit Kinderspielzeug, welches ich Unsel'ge hier verloren? Denn als wir zum Alkesimarch hinrannten eben, daß er nicht Den Tod sich anthat, glaub' ich, ist es mir in meiner Herzensangst Entfallen. Ich Elende, weh! Was soll ich meiner Herrin Nun sagen, die das Kästchen mir auf's Leben anbefohlen, Damit Silenium dereinst die Eltern desto leichter Erkennen könnte; meine Frau nahm die von einer Buhlerin Zu sich an Kindesstatt. Lampadiskus . (leise zu Phanostrata )                                     Nun, die erzählt, was uns begegnet. Die weiß, wo deine Tochter ist, nach Allem, was sie vorbringt. Haliska . Sie will das Kind den Eltern nun freiwillig wiedergeben. ( Lampadiskus spricht mit Phanostrata ) Mein Freund, du denkst an Andres, hast nicht Acht auf meine Worte. Lampadiskus . Wohl hab' ich Acht, und was du sagst, ist mir ein Leckerbissen. Jezt gab ich meiner Herrin nur Bescheid auf ihre Fragen. Ich kehre nun zu dir zurück; bedarfst du was, gebeut nur. Was suchtest du? Haliska .                     Mein lieber Mann, mein liebes Weib, ich grüß' euch. Phanostrata . Wir dich. Doch sprich, was suchst du denn? Haliska .                                                                               Ich forsche, wo mir Eine Damit entfloh'n in alle Welt. Phanostrata .                                 Womit? Was wäre dieses? Haliska . Ein Ding, das Andern Schaden bringt, dem eignen Hause Trauer. Lampadiskus . (leise zu Phanostrata ) Das, Herrin, ist ein schlimmes, ein verschlagnes Stück. Phanostrata .                                                                           So scheint es. Lampadiskus . (wie vorhin) Sie macht es, wie das böse Thier. Phanostrata .                                         Von welchem Thiere sprichst du? Lampadiskus . (wie vorhin) Der Wickelraupe, die gekrümmt in Rebenlaub sich einhüllt. So hüllt sich, wickelt die sich ein in krummgewundne Reden. (laut zu Haliska ) Was suchst du denn? Haliska .                             Ein Kästchen ist mir hier davongeflogen. Lampadiskus . In einen Käfig mußte das. Haliska .                                                   's ist keine große Beute. Lampadiskus . Es sollte wohl ein ganzes Heer von Sklaven drinnen stecken? Phanostrata . Freund, laß sie reden. Lampadiskus .                                   Wenn sie will. Phanostrata . (zu Haliska )                                           Was war in deinem Kästchen? Haliska . Spielzeug. Lampadiskus .         Ich weiß Jemanden hier, der weiß, an welchem Orte Dein Kästchen ist. Haliska .                       Der könnte, traun, sich einen Dank verdienen Von einem Mädchen, wenn er ihr's entdeckte. Lampadiskus .                                                         Doch der Jemand, – Der wünscht sich einen Lohn dafür. Haliska .                                                   Und Jene, die das Kästchen Verlor, behauptet, daß sie nichts besizt, um's ihm zu geben. Lampadiskus . Und Jener fordert Geld dafür. Haliska .                                                           Geld fordert er vergebens. Lampadiskus . Und Jener, meine Theure, pflegt nie was umsonst zu leisten. Phanostrata . Gib ihm ein gutes Wort! Es ist dein Nuzen. Wir bekennen, Daß wir das Kästchen haben. Haliska .                                         Heil, Heil über euch! Wo ist es? Phanostrata . Hier ist es unversehrt. Indeß – ich habe noch was Wichtiges Mit dir zu reden. Leiste mir Beistand zu meinem Glücke! Haliska . Was wäre dies? Wer bist du denn? Phanostrata .                                                 Ich bin des Kindes Mutter, Das dies (auf das Kästchen deutend)               getragen. Haliska .                       Also wohnst du hier? Phanostrata .                                                 Du hast's getroffen. Doch sonder Umschweif sage mir, ich bitte dich, Geschwind: woher kam dieses Zeug in deine Hand? Haliska . Die Tochter eben meiner Frau spielt' einst damit. Lampadiskus . Du lügst! Die Tochter meiner und nicht deiner Frau Spielt' einst damit. Phanostrata .                 Sprich nicht darein. Lampadiskus .                                               Ich schweige schon. Phanostrata . (zu Haliska ) Sprich weiter, Mädchen! Wo ist die, der das gehört? Haliska . Gleich hier. (sie deutet auf das Haus des Alkesimarchus ) Phanostrata .             Da wohnt ja meines Mannes Schwiegersohn. Lampadiskus . Gewiß – Phanostrata . (zu Lampadiskus )   Du sprichst schon wieder drein? – (zu Haliska )                                                                                   Nun sage noch: Wie viele Jahre zählt sie denn? Haliska .                                             Siebzehn. Phanostrata . (freudig)                                       Es ist Mein Kind. Lampadiskus .   Ja wohl: die Jahre treffen völlig zu. Phanostrata . Das, was ich suchte, meine Tochter, fand ich heut! Haliska . Du fandest, was du suchtest; such' ich Meines auch! »Such' ich Meines auch.« Haliska meint das Kästchen. Lampadiskus . Euch ward das Eure: such' ich jezt ein Drittes mir! »Such' ich jezt ein Drittes mir!« d. i. ein Mädchen für mich. Haliska . Ich hoffe, was wir uns vertraut, bleibt unter uns, Daß mir von meiner Offenheit kein Schaden kommt. »Daß mir von meiner Offenheit kein Schaden kommt.« Sie deutet damit auf Schläge, die sie für ihre Offenheit als Züchtigung fürchtet. Vgl. 4, 2, 4 . 43 . Gewiß ist deine Tochter unser Pflegekind, Und meine Herrin gibt sie dir zurück. Sie ging Deßwegen auch von Hause weg. Das Andre fragt Sie selbst; ich bin die Sklavin nur. Phanostrata .                                         Wohl hast du recht. Haliska . Sie hole dafür euren Dank sich selbst von euch! Indeß das Kästchen bitt' ich mir von dir zurück. Phanostrata . (zu Lampadiskus ) Was soll ich thun? Lampadiskus .               Behalte, was du hast. Phanostrata .                                                   Doch mir Thut's um das arme Mädchen leid. Lampadiskus .                                       So rath' ich dir: Gib ihr das Kästchen, aber geh mit ihr zugleich In's Haus hinein. Phanostrata . Das will ich thun. (zu Haliska )                       Du, Mädchen, nimm Das Kästchen hier. Wir wollen gehen. Aber wie Heißt deine Frau? Haliska .                       Melänis. Phanostrata .                             Geh, ich folge dir. ( Phanostrata und Haliska gehen in's Haus.) Dritte Scene. Demipho . Lampadiskus . Demipho . Wie mag es doch wohl kommen, daß die Menschen auf der Straße sich Erzählen, meine Tochter sei gefunden, und Lampadio Hab' auf dem ganzen Markte mich gesucht? Lampadiskus .                                                     O Herr, wo kommst du her? Demipho . Aus dem Senat. Lampadiskus .                   Mich freut es, daß durch mein Bemüh'n mehr Kinder dir Geworden. Demipho .           Und mich freut es nicht. Durch Anderer Bemühen mag Ich nicht zu Kindern kommen. Doch was gibt es? Sprich! Lampadiskus .                                                                           Geh doch geschwind Zu deinem Schwiegersohn in's Haus; da wirst du deine Tochter gleich Erkennen. Auch ist deine Frau bereits im Hause drinnen. Geh, Geh doch geschwind! Demipho .                           Das freilich, das geht allen andern Dingen vor. (ab mit Lampadiskus .) Epilog der Schauspieler. (an die Zuschauer) Wartet nicht, ihr Herren, bis von diesen Einer wiederkommt. Keiner kommt zurück; sie machen ihr Geschäft da drinnen ab. Ist es dann damit am Ende, ziehen sie die Kleider aus. Schläge kriegt, wer was verseh'n hat »Schläge kriegt, wer was verseh'n hat.« Da die Schauspieler, besonders in den früheren Zeiten, größtentheils Sklaven waren, die ein reicher Unternehmer für das Theater bildete, oder dafür bilden ließ, so darf man sich nicht wundern, daß sie auch als Sklaven behandelt und für schlechtes Spiel gezüchtigt wurden. ; wer's in nichts versah, der trinkt. Jezt, ihr Herrn hier auf den Bänken, bleibt für euch noch Eins zu thun: Wie es eure Väter hielten, klatschet laut am Schluß des Stücks! Uebersicht der Sylbenmaße. Erster Act. Erste Scene . V. 1 –6. Vierfüßige Baccheen. V. 7 . 8. Unvollständige trochäische Tetrameter (achtfüßige Trochäen). V. 9 . Ein vollständiger trochäischer Tetrameter. V. 10 –16. Vierfüßige Baccheen. V. 17 . 18. Ueberzählige sechsfüßige Jamben (jambische Trimeter). V. 19 –24. Vollständige sechsfüßige Jamben. V. 25 –28. Vierfüßige Baccheen. V. 29 –43. Sechsfüßige Jamben. V. 44 . 45. Vierfüßige Baccheen. V. 46 –51. Sechsfüßige Jamben. V. 52 –56. Unvollständige achtfüßige Jamben (jambische Tetrameter). V. 57 –131. Vollständige achtfüßige Jamben. V. 132 . Ein jambischer Trimeter. Zweite Scene . V. 1 –33. Sechsfüßige Jamben. Dritte Scene . V. 1 –57. Sechsfüßige Jamben. Zweiter Act. Erste Scene . V. 1 –3. Vollständige trochäische Tetrameter. V. 4 . Ein überzähliger anapästischer Tetrameter. V. 5 . Ein überzähliger anapästischer Dimeter. V. 6 . Ein vollständiger anapästischer Dimeter. V. 7 –17. Vollständige jambische Tetrameter. V. 18 . Ein unvollständiger jambischer Dimeter. V. 19 –23. Jambische Tetrameter. V. 24 –66. Unvollständige trochäische Tetrameter. Zweite Scene . V. 1 –9. Jambische Trimeter. Dritte Scene . V. 1 –99. Jambische Trimeter. Dritter Act. V. 1 –9. Unvollständige trochäische Tetrameter. V. 10 . Ein vollständiger trochäischer Tetrameter. V. 11 . Ein unvollständiger trochäischer Tetrameter. V. 12 . Ein vollständiger trochäischer Tetrameter. V. 13 –17. Unvollständige trochäische Tetrameter. V. 18 –22. Vollständige trochäische Tetrameter. Vierter Act. Erste Scene . V. 1 –5. Vollständige trochäische Tetrameter. V. 6 –9. Unvollständige trochäische Tetrameter. V. 10 . 11. Vollständige trochäische Tetrameter. V. 12 –18. Unvollständige trochäische Tetrameter. Zweite Scene . V. 1 . Ein anapästischer Monometer. V. 2 . Ein vollständiger trochäischer Tetrameter. V. 3 . 4. Unvollständige trochäische Tetrameter. V. 5 –10. Vollständige trochäische Tetrameter. V. 11 –16. Vierfüßige Baccheen. V. 17 . 19. Baccheische Dimeter. V. 18 . Wie V. 11–16. V. 20 . Ein unvollständiger jambischer Tetrameter. V. 21 . Ein vollständiger jambischer Tetrameter. V. 22 . 24 . 25. Vierfüßige Kretiker. V. 23 . 26 . Vierfüßige Baccheen. V. 27 . Ein überzähliger jambischer Dimeter. V. 28 . Ein baccheischer Dimeter. V. 29 . Ein unvollständiger trochäischer Tetrameter. V. 30 . Ein unvollständiger jambischer Tetrameter. V. 31 . Ein unvollständiger trochäischer Tetrameter. V. 32 . 33. Zehnsylbige Jamben. V. 34 . Ein vierfüßiger baccheischer Vers. V. 35 –40. Vierfüßige Kretiker. V. 41 . Wie V. 34. V. 42 . Ein kretischer Dimeter. V. 43 . Wie V. 34. V. 44 –50. Unvollständige jambische Tetrameter. V. 51 . 52. Vollständige jambische Tetrameter. V. 53 –88. Unvollständige jambische Tetrameter. V. 89 –115. Vollständige jambische Trimeter. Dritte Scene . V. 1 –9. Vollständige jambische Tetrameter. Epilog . V. 1 –6. Unvollständige trochäische Tetrameter.