Maccus Titus Plautus Asinaria oder Eseleien Übersetzt von Dr. Artur Brückmann Zur Komödie Im Prolog der Asinaria nennt sich der Dichter Maccus, nach einer der feststehenden Figuren der italischen (ursprünglich oskischen) Volksposse, der »Atellane«. Möglicherweise war Plautus als Atellanen-Darsteller bekannt, bevor er begann, Komödien nach griechischen Vorlagen zu schreiben, hat so den Spitznamen Maccus erhalten und dann selbst übernommen. Der ebenfalls im Prolog stehende Hinweis auf eine griechische Komödie als Vorlage ist dunkel und eher verwirrend. Als Dichter einer griechischen Vorlage wird ein Demophilos genannt, doch ist außer hier bei Plautus nirgends ein Komödiendichter namens Demophilos (d. h. Volksfreund) erwähnt. Eine Mystifikation ist keineswegs auszuschließen, schließlich wurde von der Palliata nun einmal eine griechische Vorlage erwartet. Denkbar wäre auch die Benutzung mehrerer Vorlagen, wobei eine von ihnen mehr oder minder willkürlich den griechischen Titel gab. Als griechischer Titel wird, in den Handschriften verschieden überliefert, entweder onagos (Eseltreiber) oder onagros (Wildesel) erwähnt. Trotz aller Deutungskünste der Philologen ist es nicht gelungen, eine wirklich überzeugende Beziehung zum Inhalt der Komödie herzustellen. Dort ist zwar von verkauften Eseln die Rede, aber es sind sicher keine Wildesel, und auch ein Eseltreiber läßt sich ohne sehr gekünstelte Interpretation kaum finden. Der eigentliche Handlungsablauf und auch die meisten Figuren entsprechen zwar durchaus dem, was in der griechischen »Neuen Komödie« üblich war: das ironisch gezeichnete Liebespaar, der verständnisvolle und auch eigennützige Vater, der Parasit. In ihrem geschäftstüchtigen Realismus schon kräftiger gezeichnet ist die Kupplerin Cleareta. Die Hauptgestalten der Komödie aber sind die beiden Sklaven Libanus und Leonida. Auffallend ist. daß sie in der Komödie eigentlich zwei völlig verschiedene Funktionen haben. Einmal sind sie als die Ausführenden des Betrugsmanövers die tragenden Figuren des Handlungsablaufs. Dann aber wirken sie, unabhängig von der Handlung, in der Darstellung ihrer selbst als wilde, satyrhafte Gestalten. Und diese beiden Funktionen stehen durchaus im Widerspruch zueinander. Denn in der Handlung erweisen sie sich als treue, loyale Diener ihrer Herren, Vater wie Sohn. Sie betrügen nicht für sich selbst, sondern nur für ihre Herren und zeigen sich dabei als durchaus gutmütige Burschen, auch wenn sie sich einen Spaß daraus machen, mit dem Liebespaar erst einmal ihr derbes Spiel zu treiben, bevor sie brav das erbeutete Geld abliefern. Ganz im Gegensatz dazu stehen ihre Selbstdarstellungen, in denen sie sich als skrupellose Verbrecher darstellen, die vor nichts zurückschrecken, die in wilder Unbekümmertheit Schläge und Folter in Kauf nehmen und sich sowohl ihrer Verbrechen, gegen ihren Herrn und gegen andere, als auch ihrer Fähigkeit im Ertragen von Strafen und Qualen aller Art rühmen. Was hier zum Ausdruck kommt, ist ein wildes, naturhaft dämonisches Wesen, wie es ursprünglich in den Satyrn und ähnlichen Naturdämonen gesehen, hier aber auf die Figur des Sklaven übertragen wurde. Damit bricht in die bürgerliche Welt der hellenistischen Gesellschaftskomödie etwas Archaisches, Dämonisches ein. Soweit uns bekannt ist, fehlt dieses Element in der griechischen »Neuen Komödie« durchaus. Auch bei Terenz, der sich offensichtlich getreuer an seine griechischen Vorlagen hielt, ist davon nichts zu spüren. Dieses ausgelassen wilde und dämonische Wesen ist nicht nur in den Selbstdarstellungen der beiden Sklaven zu spüren; es bricht auch an anderen Stellen immer wieder durch, etwa in der Szene mit dem fremden Kaufmann, vor allem aber in dem satyrhaft wilden Spiel, das die beiden bei der Geldübergabe mit ihrem jungen Herrn treiben. Hier kommt auch Erotisches, »Obszönes« mit ins Spiel, wie es für die Atellane charakteristisch war. Doch ist das bei Plautus immer in ein doppeldeutig ironisches Spiel umgewandelt, ist gleichsam nur unter einer elegant geglätteten Oberfläche sichtbar, äußert sich in Wortspielen, als immer nur scheinbar verdeckter Nebensinn. So ist der »Ritt« des Sklaven Libanus auf seinem Herrn vordergründig durchaus harmlos: Libanus will von seinem Herrn spazieren getragen werden; aber es kann auch anders gedeutet werden, wenn Libanus etwa sagt: »asta igitur, ut consuetus es puer olim. scin ut dicam?« (Stelle dich also hin, wie du es als Knabe gewohnt warst. Du weißt doch, wie ich es meine?). Auch die Art, wie die beiden Sklaven ihr Spiel und sich selbst genießen, zeigt die ausgelassene Lebenslust, wie sie in den alten Fruchtbarkeitskulten zum Ausdruck kam. Damit ist aber keinesfalls ausgeschlossen, daß mit den ruhmvollen Taten der beiden Sklaven, denjenigen, von denen sie reden und die in erster Linie aus Schlechtigkeiten und erhaltenen Prügeln bestehen, gleichzeitig auf wirkliche Personen und Ereignisse der Zeit angespielt wird. Wie es der »Palliata«, der Komödie im griechischen Gewand, zukam, verwendet Plautus griechische Namen für seine Personen. Zum Teil sind es gewöhnliche, übliche griechische Personennamen, zum Teil aber künstlich gebildete, »sprechende« Namen, oft im ironischen Sinn, die Plautus wohl auch selbst gebildet hat: Demaenetus (der vom Volk gelobte), Diabolus (der Ränkeschmied), Argyrippus (Silberpferd: entweder »Grauschimmel« oder »der sich für Silber reiten läßt«), Libanus (Weihrauch), Leonida (nach dem spartanischen König), Cleareta (die durch Tugend leuchtende!), Philaenium (lieb und geschwätzig), Artemona (die Tugendhafte). Der Kaufmann und der Parasit sind nur als Komödientypen, ohne Eigennamen, überliefert. Den Hetärennamen Philaenium habe ich in Philaenia umgesetzt. Die oft störende und wenig sinnvolle Einteilung in fünf Akte, die nicht zur Überlieferung gehört und erst von J.B. Pius in einem Kommentar aus dem Jahr 1500 hinzufügt wurde, ist weggelassen und durch eine durchgehende Szenennumerierung ersetzt. Artur Brückmann Prolog Ihr da im Publikum, wenn's euch gefällt, so merkt jetzt auf – was mir und euch zum besten soll gereichen, ebenso der Schauspieltruppe, dem Direktor, sowie denen, die für die Komödie hier das Szepter führen. Herold, sorg dafür, daß alles Volk die Ohren spitzt. – Nun setz dich! Keine Angst, du mußt es nicht umsonst tun! Ich sag' euch jetzt, wozu ich herkam und um was es geht: Ihr sollt den Namen dieses Stücks erfahren. Was seinen Inhalt anbelangt, gibt's kaum etwas zu melden. Nun aber sag' ich euch, was ich, wie ich gesagt, euch sagen wollte: Auf Griechisch heißt das Stück »Der Eseltreiber«–»Onagos«; Demophilus hat es geschrieben, Maccus hat es umgewendet ins Barbarische. Er möchte, »Eseleien« soll es heißen, wenn ihr damit einverstanden seid. Und es hat Witz und Spaß in der Komödie: Ihr werdet viel zu lachen haben. Schenkt mir wohlgesinnt nun Aug' und Ohr, daß Mars euch jetzt wie bisher freundlich und gewogen sei. Personen und ihre Masken Libanus , Sklave Demaenetus , alter Mann Diabolus , junger Mann Cleareta , Kupplerin Leonida , Sklave Kaufmann Philaenia , Hetäre Argyrippus , junger Mann Parasit Artemona , Matrone Sklaven Ort der Handlung: Athen Die Szene zeigt die Vorderseite zweier Häuser, das Haus der Cleareta und das des Demaenetus Erste Szene Libanus und Demaenetus treten auf Libanus: So wahr du wünschest, daß dein Sohn, dein einziger, dein Leben überdaure, unversehrt und viele überlebend, beschwör' ich dich bei deinem Greisenalter, ja bei der, die du doch fürchtest, deiner Ehefrau: Wenn du mir heute falsch bist, möge deine Frau ein volles Menschenleben lang dich überleben, aber du, solang du lebst, sollst neben ihr ein Hundeleben führen, Schrecklichem entgegengehen. Demaenetus : Beim Gott der Treue fragst du mich? Mit meinem Eid muß ich dir Red und Antwort stehen, wie ich seh', was du auch immer fragen wirst. So fest entschlossen dringst du auf mich ein, daß ich's gewiß nicht wage, etwas zu verschweigen. Drum sag jetzt schnell: Was ist's, was willst du wissen? Weiß ich es selbst, geb' ich dir gern Bescheid. Libanus: Sag mir im Ernst, wonach ich frage, lüge nicht! Demaenetus: Willst du jetzt endlich fragen? Libanus: Und bringst du mich auch sicher nicht dorthin, wo immerfort ein Stein den andern reibt? Demaenetus: Wo gibt es einen solchen Ort auf Erden? Libanus: Dort, wo selbst die Schurken heulen, die Gerste stampfen müssen, dort, im Land der Prügel, bei den Ketteninseln, dort, wo tote Ochsen sich hermachen über Menschen, welche leben. Demaenetus: Jetzt, Libanus, weiß ich, welchen Ort du meinst: Dort, wo man Gerstengrütze macht. Das wolltest du doch sagen? Libanus: Ah, das sag' ich nicht. Ich mag das Wort nicht! Spuck wieder aus, was du gesagt hast! Demaenetus spuckt aus Demaenetus: Gut, es sei. Du siehst, es ist geschehen, wie du's wolltest. Libanus: Noch mehr, mehr! Und huste gründlich! Demaenetus: Immer noch? Libanus: Noch mehr! Tief aus dem Innersten der Kehle! Ich bitte dich: noch mehr! Demaenetus: Wielange soll ich noch? Libanus: Von mir aus – bis zum Tode ¼ Demaenetus: Hüte dich! Das nimmt ein schlimmes Ende. Libanus: Bis zum Tode deiner Frau – wollt' ich doch sagen. Niemals meint' ich deinen Tod! Demaenetus: Dank diesem Wort sei dir verziehen, hast du nichts zu fürchten. Libanus: Die Götter mögen dir gewähren, was du wünschst! Demaenetus: Doch höre du nun mir zu! Was du tatest, ohne daß ich davon wußte: Warum soll ich es erfragen, warum soll ich dir deswegen drohen? Warum schließlich soll ich meinem Sohne zürnen, wie es andre Väter tun? Libanus: (für sich) Was Sonderbares ist denn das? Gespannt bin ich, was es wohl ist, in Sorge auch, worauf's hinauswill. Demaenetus: Seit langem weiß ich, daß mein Sohn eine Hetäre liebt, grad in dem Haus hier neben unserem. Ihr Name ist Philenia. So ist's doch, nicht, Libanus? Libanus: Ja, du bist da auf der rechten Spur. Es ist so. Aber eine schwere Krankheit ist's, die ihn erwischt hat. Demaenetus: Was für eine Krankheit? Libanus: Was er geben kann, genügt nicht dem, was er versprach. Demaenetus: Und du bist dem verliebten Sohn ein Helfershelfer? Libanus: In der Tat. Und außer mir auch noch Leonida. Demaenetus: Da tut ihr recht daran; damit, was mich betrifft, erwerbt ihr meine Gunst. Doch meine Frau - weißt du denn nicht, Libanus, von welcher Gattung meine Frau ist? Libanus: Du vor allem hast das ja zu spüren. Aber wir, wir kriegen unsern Teil doch auch. Demaenetus: Ich muß gestehen, sie ist rücksichtslos – und sehr beschwerlich. Libanus: Ich glaub's dir, ehe du's gesagt. Demaenetus: Wenn sie ein wenig auf mich hörten, o Libanus, gäben alle Eltern ihren Kindern viel mehr nach. Denn freundlicher und wohlgesinnter wäre ihnen dann ihr Nachwuchs. Ich auf jeden Fall bemühe mich, es so zu halten: Will ich doch, daß mich die meinen lieben. Meinem Vater will ich gleichen, der, verkleidet als Matrose, die Geliebte mir mit List und Tücke aus dem Haus des Kupplers holte. Und er schämte sich nicht im geringsten, noch im Alter Gaunerstreiche auszusinnen, um mit Freundesdiensten sich die Liebe seines Sohns zu kaufen. Entschlossen bin ich, es nun meinem Vater gleichzutun. Denn heute kam mein Sohn zu mir, mein Argyrippus, bat mich, ihm in Liebesangelegenheiten beizustehn – mit Geld. Ich möchte meinem Sohn den Willen tun, obwohl die Mutter ihn so streng und knapp hält, wie es sonst die Väter tun. Ich lass' ihm freien Lauf. Zumal er mich für würdig hielt, mir zu vertrauen, steht es mir an, daß seiner guten Wesensart auch ich die Ehre nun erweise, welche ihr gebührt. Da er in dieser Sache sich an mich gewandt, als braver Sohn an seinen Vater, wünsch' ich, daß er dieses Geld bekommt, das er für die Geliebte braucht. Libanus: Ein frommer Wunsch, doch wie ich fürchte, ein vergeblicher. Der Sklave Saurea, den deine Frau mit in die Ehe brachte, hat mehr Verfügungsrecht als du. Daß der »servus dotalis«, den die Frau mit in die Ehe brachte, hier von dem Hausherrn keine Befehle entgegennehmen muß, sondern in Vermögenssachen lediglich der Frau gehorcht, entspricht weder römischem, noch griechischem Recht, sondern wohl einfach den realen Machtverhältnissen in der Familie des Demaenetus. Daran darf sich die Komödie denn auch halten, ohne auf juristische Skrupel eingehen zu müssen. Demaenetus: Geld hab' ich angenommen; für die Mitgift aber die Herrschaft preisgegeben über dieses Haus. Doch nun in Kürze, was ich von dir will: Mein Sohn braucht zwanzig Minen Silber. Sorg dafür, daß er sie auch bekommt. Libanus: Woher in aller Welt soll ich die nehmen? Demaenetus: Hier von mir, betrüge einfach mich! Libanus: Ein guter Witz! Den Rock ihm ausziehn soll ich. Dem Nackten seinen Rock ausziehn? Betrügen soll ich dich? Flieg du mal ohne Flügel! Betrügen soll ich dich, der selbst nichts hat, es sei denn, du betrügst die eigne Frau? Demaenetus: Beschaff es irgendwie! Von mir, von meiner Frau, vom Sklaven Saurea. Betrüge! Stehle! ich bin dir da nicht im Wege, Ich versprech' es dir, wenn du's nur heut noch machst. Libanus: Du kannst mir auch befehlen, in der Luft zu fischen, mittendrin im Meer auf Jagd zu gehen mit dem Wurfgarn. Demaenetus: Zum Helfer nimm dir den Leonida. Mach etwas Schlaues, denk dir etwas aus! Und schaff es irgendwie, daß heute noch mein Sohn das Geld bekommt, das er für seine Freundin braucht. Libanus: Doch sage mir – Demaenetus: Was noch? Libanus: Wenn ich per Zufall nun in einen Hinterhalt – Kaufst du mich frei, falls mich die Feinde fangen? Demaenetus: Ich kauf' dich frei. Libanus: Nun gut! Dann kümmre dich um anderes, ganz nach Belieben. Ich geh' auf den Markt, wenn du nichts andres mit mir vorhast. Demaenetus: Geh, mach's gut! Doch – hörst du noch? Libanus: Ja, sicher! Demaenetus: Wenn ich etwas von dir will, wo bist du dann? Libanus: Wo's mir grad in den Sinn kommt. Jetzt, nachdem du deine Sinnesart mir offen dargelegt, muß ich nichts fürchten, kann mir niemand schaden. Selbst auf dich kann ich nicht große Rücksicht nehmen, wenn ich's zustandebringen soll. Ich führe durch, was ich begonnen, schmiede meine ränkevollen Pläne. Demaenetus: Ich bin beim Wechsler Archibulus. Libanus: Also auf dem Markt? Demaenetus: Dort bin ich, falls du mich für etwas brauchst. Libanus: Ich denke dran. Libanus geht ab Demaenetus: Noch schlimmer kann ein Sklave gar nicht sein als der und nicht verschlagener – geradezu zum Fürchten! Dem kannst du jeden Auftrag geben, den du unbedingt erledigt haben willst, auf Biegen oder Brechen. Eher wird er qualvoll sterben, als daß er zurückkehrt, ohne daß er ausgeführt, was er versprochen hat. Mein Sohn bekommt das Geld. Das ist so sicher, wie ich diesen Stock da vor mir sehe. Der Stock gehört auf der Bühne zu den Requisiten, die den Alten, den »senex« kennzeichnen. Da Stock auf Lateinisch »scipio« heißt, ist aber gleichzeitig eine Anspielung auf einen Angehörigen des Geschlechts der Scipionen denkbar. Doch was säum' ich, auf den Markt zu gehen? Gehen will ich und will dort beim Wechsler warten. Demaenetus geht ab Zweite Szene Diabolus kommt aus dem Haus der Cleareta Diabolus: So macht man das? Vor die Tür wirft man mich? Ist das der Dank für den, der sich so sehr um euch verdient gemacht hat? Wer gut zu dir ist, dem bist du übel gesinnt, gut dagegen dem, der dir übel will. Aber übel soll dir das bekommen! Von hier aus geh' ich nämlich direkt zur Stadtbehörde. Anzeigen will ich euch, und dann geht es euch schlecht, dir und deiner Tochter! Mit Hexenkünsten zieht ihr an euch, was euch nicht gehört. Verführerinnen! Unheilbringerinnen, Unglück aller Jugend! Das Meer ist harmlos gegen euch: Ihr seid der allerschlimmste Ozean! Im Meer fand ich Gewinn, aber hier aber wurden alle meine Güter weggeschwemmt. Ich sehe schon, alles, was ich euch gab, was ich euch Gutes getan habe, war vergeblich und bleibt ohne Dank. Von jetzt an füg' ich dir Übles zu, soviel ich kann, und das verdienst du auch! Dorthin stoß' ich dich zurück, woher du kamst, in äußerste Armut, in bitterste Bedürftigkeit. Wahrhaftig, dafür sorg' ich, daß du zu spüren kriegst, wie du zuvor gelebt hast, wie gut du's durch meine Hilfe hattest. Früher, bevor ich zu deiner Tochter kam, bevor ich ihr als Liebender mein ganzes Herz gab, hast du dir dein Dasein mit faulem Brot ergötzt, in Lumpen, in Bedürftigkeit, in Armut. So schlecht es war, wußtest du doch den Göttern großen Dank für alles. Jetzt geht es dir besser, und du denkst nicht mehr an mich, dem du's zu verdanken hast, du Miststück! Aber warte nur, dich Bestie bring' ich durch Hunger wieder dahin, daß du zahm wirst. Hüte dich vor mir! Doch zürn' ich auch deiner Tochter? Keineswegs! Durch nichts verdient sie das, sie gehorcht nur dem, was du befiehlst; sie muß wohl, sie steht ja unter deiner Herrschaft. Du bist ihre Mutter, du bist ihr auch die Herrin. An dir will ich mich rächen, dich richt' ich zugrunde, wie es dir angemessen ist, wie du es verdient hast. Seht die Verbrecherin! Nicht einmal soviel wert bin ich ihr, daß sie herauskommt, und mir wenigstens Red und Antwort steht, meinen Zorn etwas besänftigt. Cleareta kommt aus ihrem Haus Sieh, da kommt sie endlich, die Kupplerin! Ich denke, hier draußen vor der Tür kann ich auf meine Weise mit ihr reden, so, wie ich will. Im Haus drinnen war mir das ja nicht erlaubt. Dritte Szene Cleareta: Kein einz'ges dieser Worte könnt' ein Käufer von mir kriegen, käm' auch einer, nicht für viele Münzen aus Gold, geprägt mit König Philipps Kopf. Was Schlimmes uns du sagst, ist reines Gold und Silber: Angeheftet ist dein Herz hier mit dem Nagel Cupidos. Beeil' dich nur mit Ruder und mit Segelwerk. Flieh' so schnell du kannst! So sehr du strebst, das offne Meer dir zu gewinnen: Die Flut treibt dich zurück in unsern Hafen. Diabolus: Keinen Hafenzoll verdient an mir dein Zöllner. Da du mich gar nicht nach Verdienst behandelst, mich aus dem Haus jagst, will ich dich behandeln, wie du's um mich und meine Sache hast verdient, Cleareta: Gesagt ist sowas leichter als getan. Diabolus: Ich ganz allein zog euch hervor aus Armut, aus Verlorenheit. Dürft' ich sie ganz allein besitzen, niemals wär' es Dank genug. Cleareta: Dir ganz allein soll sie gehören, wenn du allein mir geben kannst, was ich verlange. Das Versprechen geb' ich dir und will es immer halten, unter der Bedingung, daß du mehr gibst als die andern. Diabolus: Und wo hat das Geben eine Grenze? Unersättlich bist du. Kaum hast du was eingesackt, denkst du schon nach, was du noch fordern könntest. Cleareta: Und du? Wenn du sie liebst und mit ihr schläfst, wie unersättlich bist du da? Kaum ist sie von dir zurück willst du schon wieder, daß sie zu dir kommt. Diabolus: Hab' ich dir doch gegeben, was wir abgemacht. Cleareta: Und ich, ich schickte dir das Mädchen. So bekamst du deinen Gegenwert. Geld gegen Leistung. Diabolus: Übel bist du mit mir umgesprungen! Cleareta: Nur weil ich mein Geschäft betreibe, klagst du mich an? Doch nirgendwo steht es geschrieben in der Dichtkunst, noch ist es gemalt, auch nicht in Stein gehauen, daß die Kupplerin, die ihr Geschäft sorgsam betreibt, es gut mit dem Verliebten meinen soll. Diabolus: Mir gegenüber wär' es durchaus angemessen, mich zu schonen, daß ich länger dir bestehen kann. Cleareta: Weißt du das nicht? Die Frau, die den Verliebten schont, die schont sich selber wenig. Der Verliebte ist der Kupplerin grad wie ein Fisch: Er taugt ihr nichts, wenn er nicht frisch ist. Er hat Saft, hat Wohlgeschmack, wie du ihn zubereitest, ob mit Brühe in der Schüssel oder nur grilliert. Du kannst das übertragen, wie es du willst: Der Frischverliebte will noch geben, will, daß man etwas von ihm begehrt. Er merkt nicht einmal, was er gibt, was er verschwendet; eines nur erstrebt er: der Geliebten zu gefallen, mir dazu, der Zofe und den Dienerinnen, auch der Magd. Der Katze gar – der Neuverliebte schmeichelt ihr, daß sie sich freuen soll, wenn sie ihn sieht. So ist das. So treibt jeder sein Geschäft, so schlau er es vermag. Diabolus: Nur allzu gründlich mußt' ich lernen, daß es so ist, mit großem Schaden. Cleareta: Hättest du noch was zu geben, würdest du auch anders reden. Jetzt – weil du nichts hast – willst du durch Schimpfen sie bekommen. Diabolus: Das ist nicht meine Art. Cleareta: Und meine ist es nicht, sie dir umsonst zu geben. Doch deiner Jugend, deiner Ehre wegen sei dir zugestanden: Bekäm' ich nur von irgendwoher zwei Talente Silber, bar in meine Hand, ich schickte sie heut' nacht, um dich zu ehren, ganz umsonst zu dir. Denn du warst mehr für unseren Gewinn besorgt als für dein Ansehn, deinen guten Ruf. Diabolus: Wenn nicht? Cleareta: Kann ich sie dir nicht überlassen. Dann geht sie zu einem andern. Diabolus: Aber alles, was ich euch bisher gegeben? Cleareta: Ist verbraucht. Hätt' ich davon noch irgendetwas, würd' ich dir das Mädchen schicken, nichts verlangen. Aber so – ja, Sonne, Mond und Wasser, Tag und Nacht, das kann ich haben ohne Geld. Für alles, was wir sonst noch brauchen, traut man uns nach griechischer Manier: Verlangen wir vom Bäcker Brot, Wein aus der Schenke: Erst Geld, dann Ware, heißt es. An die Methode halten wir auch uns. Unsre Hände haben Augen. Sie glauben, was sie sehen. Wie ein alter Spruch uns sagt: Nichts ist zu holen - nun, du weißt, von wem. Und weiter sag ich nichts. Diabolus: Ganz anders predigst du mir jetzt, dem Ausgeplünderten, ganz anders jetzt als früher, als du hin zu dir mich locktest, schmeichelnd und mit schönen Worten. Kam ich da zu dir, dann lächelte mir gar dein Haus entgegen; mich allein von allen liebst du, mich allein liebt sie, so sagtest du. Und bracht' ich etwas mit: wie junge Tauben holtet ihr in einem fort das Futter euch aus meinem Schnabel. Eure Leidenschaft war's, meiner Leidenschaft zu dienen. Oh, wie hingt ihr doch an mir: Ihr tatet, was ich wollte, was mir mißfiel, was ich verboten hatte, miedet ihr mit Sorgfalt, wagtet nicht einmal, es zu versuchen, jetzt – es kümmert euch nicht viel, ob mir etwas mißfällt, ob ich es will, ihr übles Pack! Cleareta: Weißt du's noch immer nicht? Unser - Gewerbe ist die Vogelfängerei. Der Vogelfänger richtet seinen Fangplatz, streut Futter aus, die Vögel, die gewöhnen sich daran: Will man Gewinn, hat man dafür was aufzuwenden, und die Vögel fressen viel. Doch sind sie dann gefangen, bezahlen sie dem Vogelfänger seinen Aufwand. Und so ist es hier bei uns: Dies Haus hier ist der Fangplatz, Vogelfängerin bin ich, was anlockt, ist das Bett, das Mädchen ist der Köder. Die Verliebten sind die Vögel. Gern gewöhnen sie sich! Freundlich werden sie begrüßt und schmeichelnd angeredet, dann geküßt, verwöhnt mit lieblicher und anmutsvoller Rede. Wenn die Brust er hübsch betastet, läuft das gar nicht gegen die Int'ressen einer Vogelstellerin. Und hat er erst mit Küssen angefangen, fängt man ihn ganz ohne Netz. Vergessen hast du alles das und gehst so lange schon in diese Schule? Diabolus: Das ist nur deine Schuld, wenn du den Schüler halbgelehrt entläßt. Cleareta: Hast du das Lehrgeld dann beisammen, komm nur wieder. – Jetzt aber geh! Diabolus: So warte doch und höre! Sag mir: Wieviel muß ich geben, wenn sie dies ganze Jahr nur mir allein gehören soll – und keinem andern? Cleareta: Zwanzig Minen Silber. Und diese Klausel: Zahlt ein andrer zwanzig Minen vor dir: Weg mit dir! Diabolus: Doch eines möcht' ich noch mit dir besprechen, bevor du gehst. Cleareta: So rede, wie es dir gefällt! Diabolus: So ganz bin ich noch nicht verloren. Mehr noch hab' ich zu verlieren und noch reicht's für deine Forderung. Doch gilt auch meine Klausel, daß du's weißt: Nur mir dient sie das ganze Jahr hindurch, und keinen andern Mann empfängt sie, mich allein! Cleareta: Das ist dir sicher. Wenn du willst, so werden alle Sklaven hier im Haus kastriert. Du kannst auch schriftlich niederlegen, wozu du uns verpflichten willst. Mach uns Gesetze, wie es dir beliebt: Ich nehme alles auf mich, schaffst du zugleich das Geld herbei. Schließlich gilt in jedem Hafen das Gesetz: Zahlst du den Zoll, leg an; wenn nicht, bleib draußen. An der Tür der Kupplerin gilt haargenau das gleiche. Cleareta geht ins Haus zurück Diabolus: Das ist mein Untergang, wenn ich jetzt nicht an diese zwanzig Minen komme. Wirklich, wenn ich das Geld nicht verlieren kann, bin ich selbst verloren. Sofort geh' ich zum Markt, versuche alles, setze jedes Mittel ein. Ich bitte, flehe. Welchen Freund ich auch sehe, würdig oder nicht: Ich geh' zu ihm, versuche, was ich kann. Gelingt's mir nicht, das Geld als Freundesdienst aufzutreiben, leih' ich's mir halt gegen Zins. Diabolus geht ab Vierte Szene Libanus tritt auf Libanus: Ja, Libanus, jetzt, beim Herkules, wird's Zeit, daß du erwachst und irgendeine Gaunerei ersinnst, das Geld zu kriegen. Zu viel Zeit ist schon vergangen, seit du vom Herrn dich trenntest, auf den Markt gingst. Dort hast du den ganzen Tag verschlafen, mit Nichtstun zugebracht. Wie wär's, wenn du nun Faulheit, Trägheit von dir wirfst, den alten Witz, die Gaunerschlauheit wiederfändest? Dien dem Herrn und mach es nicht wie andre Sklaven, die ihren abgeschlagnen Scharfsinn zum Betrug an ihrem Herrn nur nutzen. Wohin lenk' ich nun mein Schiff? - Durch Götterzeichen muß ich es erfahren, muß den Vogelflug befragen: Ja, die Vögel, sie erlauben es! Der Specht, die Krähe dort von links, von rechts der Rabe und die Eule raten zu, sie geben gute Zeichen; eurer Weisung folg' ich gern. Jedoch was klopft der Specht an dieser Ulme? Nicht von ungefähr. Wie ich die Seherkunst verstehe, sind Ulmenruten irgendwo bereit, vielleicht für mich - vielleicht auch für den Hausverwalter Saurea. Leonida kommt Jedoch was kommt Leonida da angerannt, ganz außer Atem? Hoffentlich ist das kein böses Zeichen für die schlimmen Pläne, welche sich in mir zusammenbrauen! Fünfte Szene Leonida: Wo find' ich bloß den Libanus? Wo den Sohn des Hauses? Denn lustiger will ich sie machen als die Lust selbst, die göttliche. Gewaltig ist die Beute, riesig der Triumph! All das schlepp' ich mit meiner Ankunft daher. – Wie sie mit mir saufen und zu den Dirnen gehen, so teil' ich jetzt auch die Beute mit ihnen, die sich zeigt. Libanus: (für sich) Hat er's auf seine Art gemacht, hat der Kerl ein ganzes Haus geplündert. Wehe dem, der seine Tür unsorgfältig hütete. Leonida: So lang ich lebe, wollt' ich Sklave sein, wenn ich jetzt nur den Libanus träfe. Libanus: (für sich) Wenn's auf mich ankommt, wirst du gewiß nicht schneller frei. Leonida: Von meinem Rücken würd' ich ihm gern zweihundert Schläge als Geschenk verehren, recht gehörige. Libanus: Ein Vermögen wird da verschenkt! Was er auf seinem Rücken trägt, ist alles, was er hat. Leonida: Wenn sich die Zeit für die Gelegenheit davonmacht: Nicht mit weißen Viergespannen Das weiße Viergespann war das Gefährt des Siegers beim Triumphzug, gleichzeitig auch Symbol für große Schnelligkeit. wird man ihr wieder habhaft. Unsern Herrn läßt er in Bedrängnis, vermehrt den Übermut des Feindes. Aber wenn Libanus mit mir zusammen und mit Feuereifer die Gelegenheit ergreift, die sich bietet, wird er mit mir gemeinsam seinen Herren, dem Vater und dem Sohn, die größte Herrlichkeit bereiten, so reiche Freude, daß sie beide uns beiden immerdar verpflichtet sind, durch unsre Wohltat in Dankbarkeit an uns gefesselt sind. Libanus: Von Fesseln sagt er etwas. Das gefällt mir nicht! Ich fürchte, der Schlimme hat etwas Schlimmes ausgeheckt, einen Betrug, den er mit mir gemeinsam vorhat. Leonida: Verloren bin ich, wenn ich den Libanus jetzt nicht finde. Wo in aller Welt steckt er nur? Libanus: Der Mensch sucht wirklich einen Genossen für eine üble Tat, will sich mit ihm verbinden. Das gefällt mir nicht. Wenn einer schwitzt und zittert, heißt das, daß etwas Ungeheuerliches bevorsteht. Leonida: Was säum' ich mit den Füßen, eilig wie ich bin, und lasse meiner Zunge freien Lauf? Was gebiet' ich ihr nicht Schweigen? Mit Reden stiehlt sie mir den Tag. Libanus: Wie arm der Mensch doch dran ist: Seiner Schutzpatronin muß er Gewalt antun. Wenn er etwas verbrochen hat, ist es doch die Zunge, die für ihn den Meineid schwört. Leonida: Jetzt aber muß ich mich beeilen. Wenn ich zu spät dran bin, verhelf' ich selber der Beute zur Flucht. Libanus: Was für eine Beute ist das wohl? Ich muß zu ihm, muß herausbringen, was das ist. – He du, ich grüße dich, so laut ich kann! Leonida: Hallo! Du Peitschenübungsplatz! Sei gegrüßt! Libanus: Was treibst du, du Zuchthauszellenhüter? Leonida: Du Kettenpächter! Libanus: Du Wollust aller Weidenruten! Leonida: Wieviel wiegst du, wenn du nackt bist? Libanus: Das weiß ich nicht. Leonida: Ich dachte mir, daß du's nicht weißt. Doch ich, ich weiß es, denn ich habe dich gewogen. Nackt und gefesselt wiegst du deinen vollen Zentner, wenn du's mit den Füßen abwägst. Libanus: Warum das? Leonida: Wie und warum, das will ich dir sagen: Hat man ein Gewicht von einem Zentner an deine Füsse gebunden, stecken die Hände in Eisenfesseln und sind am Balken hübsch festgemacht: Exakt gerade hängst du, pendelst weder vorwärts noch zurück und wiegst nicht mehr und nicht weniger, als der Nichtsnutz, der Schuft, der du eben bist. Libanus: Weh dir! Leonida: Dein Sklaventum ist es, das dir das alles als unveräußerliches Erbgut zuerkennt. Libanus: Schluß jetzt mit dem Wortgeplänkel. Um was geht es? Leonida: Ganz im Vertrauen! Libanus: Das kannst du ohne weiteres wagen. Leonida: Nun gut! Du könntest dem Sohn des Hauses helfen, der verliebt ist. Unversehens zeigt sich uns nämlich ein großes Glück, allerdings vermischt mit Schlimmem. Die Henkersknechte werden gute und belebte Tage mit uns haben. Deshalb, Libanus, brauchen wir Erfindungsgeist und Kühnheit, alle List, zu der wir fähig sind. Ich hab' da einen Streich ausgedacht, der uns, wenn es uns dabei erwischt, wenigstens der Marter und der Folter so richtig würdig machen soll, die dann auf uns zusammenkommt. Libanus: Mich wundert's die ganze Zeit schon, weshalb mir die Schultern so seltsam jucken: Schlimmes prophezeien sie, das irgendwo für sie bereit ist. Was ist es: Berichte! Leonida: Die Beute ist groß, aber groß ist auch das Übel, das uns droht. Libanus: Sollte sich auch alle Marter und alle Qual vereinigen, verschworen gegen mich: Ich habe einen Sklavenrücken, der zum Haus gehört. Ich muß mir nicht draußen erst einen suchen. Leonida: Wenn du so standhaft bleibst, kann uns nichts passieren. Libanus: Wenn ich mit meinem Rücken zahlen kann, beraub' ich auch den Staatsschatz. Ich leugne durch und durch, halt' alles aus und schwöre schließlich falsch. Leonida: Das ist wahre Tugend: Übel standhaft ertragen, wenn es unumgänglich ist. Wer Schlimmes standhaft aushält, hält nachher auch das Glück in seinen Händen. Libanus: Schnell nun, los mit deinem Vortrag! Ich bin begierig, an das Schlimme dran zu kommen. Leonida: Ruhig aber, frag bitte langsam, schön der Reihe nach, damit ich ausruhen kann. Siehst du nicht, daß ich vom Laufen immer noch außer Atem bin? Libanus: Los, mach schon! Wenn's nach dir geht, muß ich warten, bis du krepierst! Leonida: Wo ist der Herr? Libanus: Der alte auf dem Marktplatz, der junge hier im Haus. Leonida: Das ist reicht mir schon. Libanus: Du wurdest also plötzlich reich? Leonida: Laß den Blödsinn jetzt! Libanus: Gut, gut! Meine Ohren warten schon begierig, was du zu bringen hast. Leonida: Dann paß gut auf, daß du begreifst, um was es geht. Libanus: Ich bin schon still! Leonida: Welches Glück! Erinnerst du dich, daß unser Hausverwalter Esel nach Pella verkauft hat? Libanus: Ich kann mich erinnern. Was weiter? Leonida: Dieser Kaufmann hat das Kaufgeld für die Esel soeben unserm Saurea zugesandt. Der junge Mann, der es ihm überbringen soll, ist gerade angekommen. Libanus: Wo ist der Kerl? Leonida: Du willst ihn gleich verschlingen, wenn du ihn siehst? Libanus: Das gewiß. Du redest aber doch von diesen alten, lahmen Eseln, welche die Hufe schon bis an die Beine abgenutzt haben? Leonida: Von denen, welche Ulmenruten hergeschafft haben vom Land, mit denen du verprügelt wurdest. Libanus: Richtig, und die dich dann gefesselt zur Bestrafung auf das Land geführt haben. Leonida: Dein Gedächtnis ist nicht schlecht; doch zur Sache: Wie ich eben beim Barbier in der Stube sitze, fragt mich einer, ob ich nicht den Demaenetus, den Sohn des Straton, kenne. Ich darauf: Den kenn' ich wohl, ich bin sein Sklave. Dann beschreib' ich ihm unser Haus. Libanus: Und dann? Leonida: Er sagt, er sei gekommen, um dem Hausverwalter Saurea das Geld für die verkauften Esel zu bezahlen, zwanzig Minen, diesen Saurea hab' er aber noch nie gesehen. Doch den Demaenetus, den kenn' er genau. Wie er das sagte – Libanus: Was dann? Leonida: So hör doch, gleich wirst du's erfahren! Ich also spiele augenblicklich den feinen, würdevollen Herrn und sage, dieser Hausverwalter, das sei ich selbst. Er sagt darauf: »Ich kenne diesen Saurea nicht und weiß nicht, wie er aussieht. Nimm's mir nicht übel, aber bitte, bring mir deinen Herrn, diesen Demaenetus; den nämlich kenn' ich. Dann zahl' ich dir sofort die Summe aus.« Drauf sag' ich, ich wolle meinen Herrn holen und hier im Haus auf ihn warten. Jetzt ist der Fremde noch im Bad, doch von dort kommt er gleich hierher. Was, meinst du, was wäre jetzt zu tun? Libanus: Ich denke schon darüber nach, wie dem Fremden und dem Saurea das Geld abzujagen wäre. Aber das muß exakte und gekonnte Arbeit sein; denn wenn der Fremde das Geld hierherbringt, bevor wir bereit sind, ist für uns nichts mehr zu holen. Höre: Vorhin führte mich der Herr allein vors Haus. Er drohte mir und dir Stockhiebe an mit Ulmenstöcken für den Fall, daß wir dem Argyrippus nicht noch heute zwanzig Minen Silber verschaffen würden. Er befahl mir, seine Frau oder den Hausverwalter zu hintergehen, und versprach, selber dabei mitzuhelfen. Geh nun schnell zum Markt und sag' dort dem Herrn, was wir im Schild führen: Sag ihm schnell, daß du, Leonida, den Hausverwalter spielen würdest, um dem Kaufmann das Geld für diese Esel abzunehmen. Leonida: Wie du befiehlst! Libanus: Ich werde den Kaufmann hier solange unterhalten, falls er eher kommt. Leonida: Doch eins noch! Libanus: Was ist? Leonida: Wenn ich dich nachher übel mit der Faust traktieren muß, weil ich ja den Saurea spiele – hüte dich, mir das zu verübeln! Libanus: Hüten wirst du dich, mich auch nur anzurühren, wenn du klug bist – und wenn dein Spiel mit fremdem Namen dir nicht Vorzeichen sein soll für Schlimmes. Leonida: Bitte! Laß es dir doch mit Gleichmut gefallen. Libanus: Laß du es aber auch dir gefallen, wenn ich dir alles zurückerstatte. Leonida: Ich rede doch nur von dem, was so gewöhnlich vor sich geht. Libanus: Und ich rede nur davon, was ich nachher machen will. Leonida: Bitte, weigere dich nicht! Libanus: Ich sage bloß, daß ich dir alles nach Verdienst zurückerstatte. Leonida: Gut, dann geh' ich. Ich weiß, du wirst es dir gefallen lassen. Aber wer ist das? Er ist es, er! Ich komm' gleich zurück. Halt du ihn auf; ich will dem Alten berichten, was er wissen muß. Libanus: Tu, was nötig ist und was dir als Sklave ohnehin obliegt: Lauf weg! Leonida geht ab Sechste Szene Ein Kaufmann tritt auf mit einem Sklaven Kaufmann: Nach der Beschreibung ist dies das Haus, wo dieser Demaenetus wohnen soll. Geh, Knabe, klopf an die Tür und ruf mir den Hausverwalter Saurea heraus, falls er zu Hause ist. Libanus: Wer demoliert da unsre Tür? He du, dich frag' ich, falls du hören kannst! Kaufmann: Bis jetzt hat niemand die Tür angerührt! Bist du bei Verstand? Libanus: Weil du so gradewegs den Weg auf uns zu nahmst, meint' ich, du hättest an die Tür geschlagen. Ich hab's nicht gern, wenn unsre Tür mißhandelt wird, die dem Haus dient, wie auch ich. Ich bin nämlich ein wahrer Freund von allem, was zu uns gehört. Kaufmann: Wahrhaftig: Diese Tür läuft kaum Gefahr, aus den Angeln zu gehen, wenn du jedem, der hier nachfragt, auf solche Art Antwort gibst. Libanus: Das eben ist die Eigenheit dieser Tür: Sowie sie sieht, daß sich ihr so ein Polterer naht, ruft sie gleich den Pförtner. Aber warum kommst du? Was ist dein Begehren? Kaufmann: Den Demaenetus such' ich. Libanus: Wär' er im Haus, würd' ich's dir sagen. Kaufmann: Ist sein Hausverwalter da? Libanus: Kein bißchen mehr zuhause ist der. Kaufmann: Wo ist er denn? Libanus: Er wollte zum Barbier, wie er sagte. Kaufmann: Ja, dort traf ich ihn. Ist er noch nicht zurück? Libanus: Nein, wirklich nicht. Was willst du von ihm? Kaufmann: Die zwanzig Minen sollt' er entgegennehmen, wär' er da. Libanus: Wofür das? Kaufmann: Für Esel, die er neulich einem Kaufmann aus Pella verkauft hat. Libanus: Ja, ich weiß. Und du bringst nun das Geld? Er wird bald wieder da sein. Kaufmann: Dieser Saurea, wie sieht der denn aus? Wenn's der ist, den ich sah, erkenn' ich ihn sofort. Libanus: Ein hageres Gesicht, rotes Haar, dickbäuchig, ein finst'rer Blick, von mittlerer Statur und immer mürrisch. Kaufmann: Wahrhaftig, dieser Kerl! Kein Maler könnt' ihn besser treffen. Leonida kommt Libanus: Und, beim Herkules, da kommt er selber! Da rückt er an und schüttelt den Kopf. Wer dem und seiner Wut in den Weg kommt, hat seine Prügel sicher. Kaufmann: Wenn er auch zornerfüllt und drohend wie Achill daherkommt: Rührt er mich an in seiner Heftigkeit, kriegt er eben heftig Prügel. Siebte Szene Leonida kommt Leonida: Was für ein Laden ist denn das? Wieso macht niemand hier, was ich befehle? Libanus sollte zum Barbier, doch wer nicht kam, war er! Wahrhaftig, gar nicht wohlanständig hat er Rücksicht auf seinen Rücken, auf die Beine da genommen! Kaufmann: Ein herrischer Geselle! Libanus: Wehe mir! Leonida: Nahm ich heut Abschied von Libanus schon, dem Freigelassenen? Du bist bereits kein Sklave mehr? Libanus: Oh, ich beschwöre dich! Leonida: Beim Herkules! Zu deinem Übel läufst du mir grad in den Weg! Weshalb kamst du nicht zum Barbier, wie ich es dir befohlen? Libanus: Der hier hat mich aufgehalten. Leonida: Ah, beim Herkules, auch wenn du sagst, Jupiter selbst sei es gewesen, der dich aufgehalten, wenn er in eigener Person hier für dich bitten würde: Nie könntest deiner Strafe du entkommen. Tagedieb! So wenig galt dir mein Gebot? Libanus: Mit mir ist's aus! O Fremder, hilf! Kaufmann: Verschon ihn doch um meinetwillen, Saurea, und schlag ihn nicht. Ich bitte dich. Leonida: Ah, hätt' ich doch nur einen Stachel in der Hand – Kaufmann: Ich bitte dich, sei ruhig! Leonida: – dir die Seiten wund zu prügeln, welche ohnehin durch all die Schläge schon dickhäutig, unempfindlich wie aus Leder sind. Geh du zur Seite, Fremder, laß mich diesen Kerl noch ganz zugrunde richten, diesen Schuft, der stets aufs neue meinen Zorn erweckt. Denn diesem Schurken einmal etwas zu befehlen, nützt überhaupt nichts. Hundertmal muß ich es sagen, schreien gar. Vor lauter Ärger und Geschrei kann ich fast selber meine Arbeit nicht mehr tun. Schuft! Hab' ich dir nicht befohlen, diesen Mist da wegzuschaffen von der Tür? Hab' ich dir nicht befohlen, das Spinngewebe von den Säulen wegzuwischen? Hab' ich dir nicht befohlen, diese Knöpfe an der Tür auf Hochglanz zu polieren? Doch umsonst! Den ganzen Tag muß ich mit einem Prügel in der Hand umhergehn, so, als wär' ich lahm. – Drei Tage lang bemüh' ich mich nun ständig auf dem Markt, jemand zu finden, der sich Geld auf Zinsen leihen will: Und ihr liegt hier im Haus herum und schlaft. In einem Saustall wohnt der Herr und nicht in einem rechten Haus. Dann also, da – nimm das! Er schlägt auf ihn ein Libanus: O Fremder, bitte, halt ihn ab! Kaufmann: Komm, Saurea, mir zu Gefallen laß ihn laufen! Leonida: Antworte mir: Ist für die Fuhre mit Oliven die Bezahlung eingetroffen? Libanus: Ja, das Geld ist da. Leonida: Wem wurd' es abgegeben? Libanus: Deinem Stellvertreter Stichus. Leonida: Du versuchst, mich zu beschwichtigen; ich weiß – ja, er vertritt mich, und kein Sklave ist im Hause unsres Herrn geeigneter dazu als er. Wie steht es mit dem Wein, den ich an Exaerambus gestern erst verkauft? Hat der das Geld an Stichus auch bezahlt? Libanus: Ich glaube, denn ich sah, daß Exaerambus selbst den Wechsler hierher führte. Leonida: Ja, so hab' ich's gern. Denn wenn ich früher Geld verlieh, bekam ich's grad mit Müh und Not im Jahr darauf zurück. Jetzt läuft es wie geschmiert. Unaufgefordert bringt der Stichus mir den Wechsler grad ins Haus, und läßt das Geld verbuchen. Hat Dromo seine Ware schon bezahlt? Libanus: Die Hälfte ungefähr, soviel ich weiß. Leonida: Und was ist mit dem Rest? Libanus: Er zahle, sagt er, wenn er selbst sein Geld bekommen habe, das zurückgehalten werde, bis er mit der Arbeit fertig sei. Leonida: Hat Philodamus schon die Becher hergebracht, die ich ihm ausgeliehen? Libanus: Nein, noch nicht. Leonida: So, so, noch nicht! So geht es einem, wenn man einem guten Freund gefällig ist. Kaufmann: (für sich) Jetzt reicht's mir dann! Der Kerl vertreibt mich noch mit seinem widerwärtigen Getue. Libanus: (leise) Du, es ist genug! Hörst du nicht, was er sagt? Leonida: (leise) Ich hör' es schon – und bin ganz still! Kaufmann: Ich glaube, jetzt wird er endlich still. Es wird das beste sein, ich geh' zu ihm, bevor er noch einmal anfängt loszukrähen. (zu Leonida) Hast du etwas Zeit für mich? Leonida: Ah, Freund, seit wann bist du da? Ich hatte dich, beim Herkules, gar nicht bemerkt, nimm's mir nicht übel, meinen Augen stand der Zorn im Weg. Kaufmann: Das ist kein Wunder. Aber ich hätte den Demaenetus gern gesprochen, wenn er im Haus ist. Leonida: Der ist nicht da. Aber wenn du mir das Geld bezahlen willst, quittier' ich dir und erklär' in seinem Namen, daß die Sache erledigt ist. Kaufmann: Mir ist es lieber, ich zahle dir das Geld im Beisein deines Herrn. Libanus: Du, der Herr kennt den genau, wie er auch den Herrn. Kaufmann: Ich zahle, wenn der Herr dabei ist. Libanus: Gib's ihm doch, auf meine Gefahr! Ich stehe dafür ein, daß alles in Ordnung ist: Wenn nämlich unser Herr erfährt, du wärst mißtrauisch ihm gegenüber gewesen, dem er selbst alles anvertraut: Er würd' es schrecklich übelnehmen. Leonida: Mir macht das nichts. Wenn er nicht will, soll er's bleiben lassen. Laß ihn nur weiter so herumstehen. Libanus: (leise zum Kaufmann) Bitte, gib's ihm! Uah, ich fürchte, mir geht's schlecht, wenn er auf den Gedanken kommt, ich hätte dir eingeredet, man könne ihm nicht trauen. Gib's ihm, bitte, hab keine Furcht: Das Geld ist bei ihm sicher. Kaufmann: Sicher bleibt es auch, solang' es in meiner Hand ist. Ich bin fremd hier, kenn' den Saurea nicht. Libanus: Lern ihn doch jetzt kennen! Kaufmann: Ich kann nicht wissen, ob er's ist, ob nicht. Ist er's, umso besser für ihn; doch eins weiß ich sicher: Dieses Geld kriegt keiner, den ich nicht sicher kenne. Leonida: Die Götter mögen ihn verderben! Hüte dich, ihn auch nur mit einem Wort weiter zu bitten. Der Kerl ist stolz darauf, daß er die zwanzig Minen, die mir gehören, herumtragen darf. Es nimmt sie ihm niemand ab! Scher dich nach Haus! Verschwinde! Sei nicht lästig! Kaufmann: Du bist doch wohl allzu jähzornig. Es ziemt sich nicht für einen Sklaven, sich so stolz und übermütig zu geben. Leonida: (zu Libanus) Los, antworte ihm – auf rechte Art, sonst geht's dir schlecht. Libanus: Nichtsnutz, dreckiger! Siehst du nicht, wie er zornig wird? Leonida: Gut! Weiter so! Libanus: Du Schandmensch! Gib ihm das Geld, nicht daß er dich Schlimmes hören läßt. Kaufmann: Das Schlimme fordert ihr doch wohl für euch selbst heraus! Leonida: (zu Libanus) Ich brech' dir wahrlich alle Knochen, wenn du dem Unverschämten nicht Beine machst. Libanus: Ich bin verloren! Los, Unverschämter, los, Schuft, getraust du dich nicht, mir beizustehen, einem andern armen Schuft? Leonida: Du bittest diesen Lumpen noch? Kaufmann: Wo gibt's denn das: ein Sklave beschimpft einen freien Mann? Leonida: Verprügelt sollst du werden! Kaufmann: Was, verprügelt ich? Das steht dir selber bevor, sobald ich heute deinen Herrn treffe, diesen Demaenetus. Vor ihn lass' ich dich rufen, angeklagt wirst du vor ihm. Leonida: Ich geh' nicht hin. Kaufmann: Du gehst nicht, was? Bedenk, was du sagst! Leonida: Ich weiß es wohl! Kaufmann: Das Sühnegeld dafür zahlt euer Rücken! Leonida: Oh, du Strolch, du Galgenvogel! Was? Wir sollen Sühnegeld zahlen? Kaufmann: Auch für euer wüstes Schimpfen werdet ihr heute noch zur Bestrafung an einem Balken aufgehängt. Leonida: Was, Schurke, Galgenstrick, was sagst du? Du meinst, wir hätten unsern Herrn zu scheuen? Geh doch, geh jetzt gleich zu meinem Herrn, wohin du mich ja ohnehin willst rufen lassen, wohin du die ganze Zeit schon willst! Kaufmann: Endlich? Doch du kriegst keine einzige Sesterze, ohne daß mir der Demaenetus selber sagt, ich soll's dir geben. Leonida: Gut, dann mach es so! Geh also los! Meinst du, du könntest andere beleidigen, und selber wirst du nicht beleidigt? Schließlich bin ich auch ein Mensch wie du. Kaufmann: Natürlich, da hast du recht. Leonida: Dann folge mir. Das kann ich unberufen sagen: Niemand hatte je Grund, mir etwas Böses nachzusagen. In ganz Athen wirst du nicht einen finden, dem man mehr vertraut als mir. Kaufmann: Mag sein. Und doch bringst du mich heute nicht dazu, daß ich dir, der du mir unbekannt bist, das Geld anvertraue. Denn der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, kein Mensch. Das gilt zum mindesten solange, als man sich nicht kennt. Leonida: Sieh, jetzt bist du mir schon freundlicher gesinnt. Ich wußte doch, du würdest mir für das begangene Unrecht Genüge tun. Wenn meine Kleidung auch schmutzig ist, bin ich doch ein rechter Mann. Und was mein eigenes Vermögen anbelangt: Das kann man gar nicht zählen. Kaufmann: Kann schon sein. Leonida: Und noch eins: Periphanes aus Rhodos, der dort ein angesehener Herr ist, der übergab mir ein Talent von Silber, als mein Herr gerade nicht am Ort war, und ohne Zeugen. Der vertraute mir, und er sah sich nicht getäuscht. Kaufmann: Kann sein. Leonida: Auch du, da bin ich sicher, hättest mir anvertraut, was du zu bringen hast, wenn du dich zuvor bei anderen erkundigt hättest. Kaufmann: Gut, ich leugne das ja keineswegs. Alle gehen ab Achte Szene Cleareta und Philenia kommen aus dem Haus der Cleareta Cleareta: Kann ich dich nicht dazu bringen, dich zu fügen, wenn ich dir etwas verbiete? Oder bedeutet es dir schon überhaupt nichts mehr, wenn die Mutter etwas befiehlt? Philenia: Wohin soll ich mit meiner Kindespflicht, wenn ich mich, um dir zu gefallen, auf solche Art bemühen muß, wie du von mir verlangst? Cleareta: Heißt das die Kindespflicht erfüllen, wenn du die Herrschaft deiner Mutter minderst? Ziemt es sich, daß du dich meinen Anordnungen stets widersetzen muß? Philenia: Wie das? Ich schelte niemanden, der recht tut, und wer sich vergeht, den lieb' ich nicht. Cleareta: Du bist recht naseweis und schnippisch, du verliebtes Ding! Philenia: Mutter, das ist mein Geschäft: Die Zunge muß verlangen, der Leib muß locken. Die Seele bittet, aber die Sache fordert. Cleareta: Schelten wollt' ich dich, und jetzt willst du Anklägerin sein. Philenia: Ich klage dich nicht an, habe dazu sicher auch kein Recht. Ich klage über mein Geschick, das mir verwehrt, den zu lieben, den ich liebe. Cleareta: Bleibt mir vielleicht zum Reden auch ein kleiner Teil von diesem Tag? Philenia: Ich füge meinen Teil an Redezeit dem deinen gern dazu. Gebiete du über Reden oder Schweigen: Gib du den Takt beim Rudern an. Aber wenn ich das Ruder einfach so zur Seite lege, in den Schlafraum gehe, um nichts zu tun, nur zu ruhen, dann sitzt dir unser ganzer Haushalt augenblicklich auf dem Trockenen. Cleareta: Was sagst du? Ein unverschämtes, freches Weibstück bist du, wie ich noch keines sah! Wie oft hab' ich dir schon verboten, dich dem Argyrippus, dem Sohn des Demaenetus, anzutragen, ihn zu streicheln, mit ihm dich abzusprechen und ihm Blicke zuzuwerfen? Was gab er uns denn? Was ließ er uns ins Haus schicken? Nimmst du seine Schmeicheleien für pures Gold? Sein kluges Blabla für Geschenke? Einfach so willst du ihn lieben, verlangst nach ihm aus eigenem Antrieb, läßt selber ihn zu dir holen! Die etwas geben wollen, die verlachst du, in die, die dich zum besten haben, bist du zum Sterben verliebt. Rechnest du damit, daß er dich reich macht, wenn seine Mutter stirbt, wie er dir versprochen hat? Da laufen wir Gefahr, daß wir, während wir auf ihren Tod warten, samt dem ganzen Hausstand vorher vor Hunger sterben. Schluß jetzt! Bringt er mir nicht die zwanzig Minen, wird dein tränenreicher Freund weggejagt von dieser Tür. Ab heute ist Schluß mit der Entschuldigung, er habe selber nichts. Philenia: Ich muß es dulden, Mutter, auch wenn du mir befiehlst, ich müsse mich der Nahrung enthalten. Cleareta: Nun, die etwas geben, die darfst du ruhig lieben, nur die nicht, die dich umsonst haben wollen. Philenia: Aber wenn mein ganzes Herz davon erfüllt ist, was nur, Mutter, soll ich machen? Rate mir! Cleareta: An meinen Kopf wirst du dich halten, wenn du dir das ganze zu deinem Vorteil noch einmal überlegst. Philenia: Sogar der Schafhirt, der eine fremde Herde hüten muß, hat doch dazu sein eigenes Tier, das seine enttäuschte Hoffnung tröstet. Laß mich doch nur den einen, den ich will, den Argyrippus, lieben, weil mein Herz es will. Cleareta: Ins Haus mit dir! Es gibt nichts Unverschämteres als dich! Philenia: Nun, Mutter, daß sie deinem Wort gehorcht, dahin hast du die Tochter gebracht, Beide gehen ins Haus zurück   Pause. Neunte Szene Libanus und Leonida kommen Leonida trägt einen Geldsack Libanus: Lob und Dank der Göttin Gaunerei! Verdientermaßen! Denn durch Betrug, durch Arglist und durch Schlauheit, durch Zuversicht auf unsrer Schultern Dauerhaftigkeit, auf unsre Ulmenrutentüchtigkeit vertrauend, konnten wir dem Schlimmem trotzen, das uns drohte, als da ist: der spitze Stachel, Eisenfesseln, Folter, Fußring, Halsring, Lederriemen, Ketten, Kerker, dann die wohlgeübten, scharfen Prügelknechte, die unsre Rücken oft mit schlimmen Narben zeichneten. All die Legionen, Truppen, dieses Heer von Plagen: Alle mußten sie nach hartem Kampf – dank unsrer Fähigkeit zu jedem Meineid - schließlich doch die Flucht ergreifen. Dies geschah durch die erprobte Tüchtigkeit hier des Kollegen und durch meine – muntere Bereitschaft: Wer ist stärker im Ertragen aller Züchtigung als ich? Leonida: Wer könnte deinen Heldentaten – verübt zuhause wie im Krieg auf schlimme Art – wer könnte besser wohl als ich ihr Lob nun singen? Wirklich, vieles ließe sich zu deinem Ruhme in Erinn'rung rufen: Wie du betrogen hast, wenn einer dir vertraut; wie schlimm den Herrn du hintergingst, wie leicht der Meineid, abgefaßt in bester Rechtsform, dir stets fiel, wie Mauern du durchbrochen hast! Und wenn man beim Verbrechen dich erwischt: Wie wacker hast du deine Sache dann geführt, an einem Balken hängend, gegen – acht kräftige, gedrungene, verwegene Gesellen, die ihr Rutenhandwerk gut verstanden. Libanus: Zugeben muß ich dir's, Leonida, wahrhaftig: Alles stimmt, was du da sagst. Doch wahr ist auch, daß sich von dir recht viele Übeltaten, wiederholt begangene, berichten lassen: Wie du wissentlich dem Treuen untreu warst, wie man auf frischer Tat beim Diebstahl dich ertappt – und durchgeprügelt – wie du falsch geschworen, wie du am Heiligsten dich hast vergriffen, wie deinen Herren Ärger du und Schaden, Schande brachtest, wie du unterschlagen hast, was man dir anvertraut, wie der Geliebten du stets treuer warst als deinem Freund, und schließlich, wie oft du durch die hart gegerbte abgeschlagne Haut acht starke Prügelmeister hast ermatten lassen, wenn sie dich mit zähen, dauerhaften Ulmenruten prügelten. Hab' ich dich schlecht genug gemacht? Dir meinen Dank erstattet, als Kollegen dich auch recht gerühmt? Leonida: Wie mich hast du auch dich gerühmt, wie es dem Genius gebührt, der in uns wohnt. Libanus: Doch laß das jetzt. Antworte auf meine Frage. Leonida: Frag, was du fragen willst. Libanus: Die zwanzig Minen, hast du sie? Leonida: Rate doch! Der alte Demaenetus war hübsch gefällig: Wie elegant er tat, als ob ich Saurea wäre! Ich konnte mir das Lachen kaum verbeißen, wie er den Fremden anfuhr, weil mir der nicht hatte trauen wollen, ohne daß er selbst dabei war. Und wie sorgsam er daran dachte, mich stets als Hausverwalter Saurea anzureden! Libanus: Halt! Warte noch! Leonida: Was ist? Philenia und Argyrippus kommen aus dem Haus der Cleareta Libanus: Ist das nicht die Philenia, die aus ihrem Haus kommt? Und mit ihr zusammen Argyrippus? Leonida: Halt den Mund! Es ist so. Wir wollen sie belauschen. Libanus: Oh, sie weint. Und hält den Weinenden am Zipfel des Gewands fest. Was ist davon zu halten? Leonida: Schweig jetzt! Und hören wir! Libanus: Ah! Da fällt mir ein, ich sollte einen rechten Knüttel haben! Leonida: Wozu? Libanus: Die Esel zu verprügeln, falls sie aus dem Beutel da ihr IAA schreien sollten. Zehnte Szene Argyrippus: Was hältst du mich zurück? Philenia: Ich liebe dich. Wenn du gehst, muß ich dich entbehren. Argyrippus: Leb wohl! Philenia: Ach, wieviel besser würd' ich leben, wenn du dabliebest! Argyrippus: Bleib gesund! Philenia: Gesund zu bleiben wünschst du mir – und machst mich krank, indem du gehst. Argyrippus: Deine Mutter hat mir die letzte Stunde angekündigt: Sie befahl mir, heimzugehen. Philenia: Den frühen Tod hat sie mir zugedacht, wenn ich dich lassen muß. Libanus: (Zu Leonida) Der Mensch wurde vor die Tür gesetzt. Leonida: (Zu Libanus) So ist's. Argyrippus: O bitte, laß mich gehen! Philenia: Und wohin gehst du? Warum bleibst du nicht? Argyrippus: Nun gut, die Nacht bleib' ich noch, wenn du es willst. Libanus: (Zu Leonida) Hör, wie großzügig er sich zur Nachtarbeit bereit erklärt? Tagsüber ist unser Solon natürlich sehr beschäftigt, muß er doch Gesetze machen, die das Volk befolgen soll. Possen! Wer sich anschickt, sich an die Gesetze dieses Kerls zu halten, der taugt nicht mehr viel: Tag und Nacht säuft er. Leonida: (Zu Libanus) Der könnte sich keinen Schritt von ihr entfernen, auch wenn sie es zuließe. Auch wenn er jetzt noch so eilig tut und droht, wegzugehen. Libanus: (Zu Leonida) Laß jetzt dein Geschwätz. Dem Geschwätz der beiden will ich zuhören. Argyrippus: Leb wohl! Philenia: Wohin so eilig? Argyrippus: Leb wohl! Ich seh' dich wieder in der Unterwelt. Gewiß: Ich spreche mir selber das Leben ab, so schnell ich kann. Philenia: Warum, bitte, willst du mich dem Tod weihen, ohne daß ich schuldig bin? Argyrippus: Ich dich dem Tod weihen, dich? Mein eignes Leben würd' ich dir geben, wüßt' ich, daß dein Leben in Gefahr ist, dir meines noch hinzutun zu deinem. Philenia: Warum drohst du dann, dir das Leben zu nehmen? Was meinst du, was ich mache, wenn du das wirklich tust, was du gesagt hast? Was du dir antust, tu ich alles auch mir an: Das steht fest für mich. Argyrippus: Oh, süßer bist du als Honig! Philenia: Du, mein Leben! Komm, umarme mich! Argyrippus: Wie gern tu ich das! Philenia: Oh, könnten wir so sterben! Leonida: (zu Libanus) Libanus, wie schlimm ein Mensch doch dran ist, wenn er liebt! Libanus: (zu Leonida) Wer hängt, ist, beim Herkules, weitaus übler dran. Leonida: (zu Libanus) Ich weiß es wohl, oft hab' ich's riskiert. Wir wollen sie umstellen: Der eine redet sie von da, der andere von der Seite an. Er tritt vor Sei mir gegrüßt, Herr! Das Mädchen, das du in den Armen hältst: Ist es aus Rauch? Argyrippus: Wieso? Leonida: Ich frage nur, weil deine Augen voll Tränen sind. Argyrippus: Den künftigen Schutzpatron, der ich euch war, habt ihr verloren. Leonida: Verloren hab' ich nichts; ich hatt' ihn ja noch gar nicht. Libanus: (ebenfalls hervortretend) Philenia, sei gegrüßt! Philenia: Die Götter mögen euch gewähren, was ihr wünscht! Libanus: Nun, eine von deinen Nächten, einen Krug voll Wein, das wär's so, was ich mir wünschte, wenn Wünsche in Erfüllung gingen. Argyrippus: He, paß auf, was du da sagst, du Taugenichts! Libanus: Dir hab' ich es doch gewünscht, nicht mir! Argyrippus: Dann allerdings, dann sag, was dir beliebt. Libanus: Belieben würde mir es – den da zu verprügeln. Leonida: Wer denn wird auf dich hören, du Wollüstling mit eingebrannten Locken! Was? Schlagen willst du mich? Du, der täglich als Nahrung deine Tracht Schläge kriegst? Argyrippus: O Libanus, wie ist euer Schicksal doch besser als das meine. Nicht einmal bis zum Abend hab' ich noch zu leben. Libanus: Wieso das? Argyrippus: Der Grund ist: Ich liebe die hier, sie liebt mich, aber nirgends findet sich, was ich dafür geben könnte. Deshalb hat mich, der ich sie liebe, ihre Mutter aus dem Haus gejagt. Zwanzig Minen treiben mich ins Grab, die zwanzig Minen nämlich, welche Diabolus, ein junger Mann, der Mutter zu zahlen eben jetzt zugesagt hat – zu der Bedingung, daß sie diese das ganze Jahr hindurch nur ihm allein, keinem andern überlassen darf. Seht ihr nun, was zwanzig Minen fertigbringen, was sie alles können? Wer sie verliert, ist gerettet, ich, der ich sie nicht verliere, bin verloren. Libanus: Hat er das Geld bereits gezahlt? Argyrippus: Noch nicht. Libanus: Dann sei guten Muts. Fürchte nichts! Leonida: (zu Libanus) Libanus, komm mal her! Libanus: (Zu Leonida) Wie du willst. Argyrippus: He, ihr, umarmt euch doch gleich, wenn ihr miteinander reden wollt! Leonida: Nicht allen ist das gleiche angenehm, mußt du wissen, Herr! Euch Verliebten mag es reizend sein, miteinander zu reden, während ihr euch in den Armen liegt. Argyrippus: Mir liegt auch nicht viel daran, von dem umarmt zu werden. Leonida: Wie sie auf meine Umarmung auch verzichten wird. Drum machst du besser selbst, was du uns rätst. Argyrippus: Ich – zu gern nur und mit Vergnügen. Ihr könnt unterdessen ja beiseite treten, um euch zu besprechen. Wenn ihr das wollt, wie es scheint. Sie treten beiseite Leonida: (leise zu Libanus) Was meinst du, sollen wir den Herrn noch ein wenig zum Narren halten? Libanus: (Zu Leonida) Ja, verdient hat er's. Leonida: (Zu Libanus) Soll ich es soweit treiben, daß Philenia mich in seiner Gegenwart umarmt? Libanus: (Zu Leonida) O ja, das möcht' ich sehn! Leonida: (Zu Libanus) Dann komm! Sie gehen wieder zu Argyrippus Argyrippus: Gibt es Hilfe oder nicht? Ihr habt ja genug geredet. Leonida: So hört auf meine Worte, achtet aufmerksam auf sie, verschlingen sollt ihr sie! Zunächst: wir leugnen nicht, daß wir noch immer deine Sklaven sind. Wie wirst du uns aber benennen, wenn wir dir zwanzig Minen beschaffen? Argyrippus: Freigelassene! Leonida: Nicht Patrone? Argyrippus: Ja, das wäre wohl noch besser. Leonida: In dem Beutel hier sind zwanzig Minen. Wenn du willst, kann sie dir geben. Argyrippus: Alle Götter mögen dich beschützen! Du Hüter deines Herrn, du Zierde deines Volks, Schatzkammer für alle Güter, höchstes Heil dieses Leibs und Herrscher über alles Liebesglück: Hier leg ihn hin, leg den ganzen Sack einfach hier auf meinen Nacken. Leonida: Nein, nein, ich will doch nicht, daß du, mein Herr, für mich die Last tragen mußt. Argyrippus: Was machst du dich nicht los von der schweren Bürde, weshalb willst du sie nicht auf meinen Rücken übertragen? Leonida: Ich trage diese Last, du gehst bürdelos vor mir, wie es dir als meinem Herrn gebührt. Argyrippus: Was ist nun? Leonida: Was noch? Argyrippus: Wieso legst du den Beutel, der dich doch drückt, nicht auf meine Schultern? Leonida: Dann sag ihr , daß sie das Geld von mir fordern und erbitten soll, sie, für die du's haben willst. Schlimm steht's um dich: Abwärts gerichtet, kraftlos ist dein Schicksal, das ich nach deinem Willen wiederum aufrichten soll zur vollen Größe. Philenia: Gib, du mein Augenstern, mein Verlangen, meine Rose, meine Freude, gib mir doch das Geld, Leonida. Trenne nicht zwei Liebende! Ich bitte dich! Leonida: Nenn mich dein Spätzlein, Hühnchen, Lämmlein – oder besser Böckchen – sag, ich sei dein Kälbchen, an den Ohren faß mich, füg deine Lippen an die meinen. Argyrippus: Was, geküßt willst du werden, du Schuft? Leonida: Oho, werde ich dessen nicht für würdig erachtet? Nun, so wirst du eben nichts erhalten – es sei denn, du bemühst dich, meine Knie zu reiben, bittflehend vor mir zu knien. Argyrippus: Die Not gebietet es mir. Ich knie. Gibst du mir nun, um was ich bitte? Philenia: Bitte, Leonida, verhelf deinem Herrn, der doch so sehr liebt, zu seinem Heil. Kauf dich mit dieser Wohltat frei, kauf ihn selbst mit diesem Geld. Leonida: Was bist du hübsch und liebenswert! Wenn das Geld hier mir gehörte, müßtest du mich heute nicht erst darum bitten, aber es wird besser sein, du bittest diesen darum: Er nämlich gab es mir nur zum Aufbewahren. Nun, kämpf mir hübsch darum! Komm, Libanus, nimm es wieder zu dir! Argyrippus: Du Schuft! Zu allem Übel hältst du mich auch noch zum Narren? Leonida: Ich hätt' es nie getan, wenn du mir die Knie nicht so liederlich gestreichelt hättest. (zu Libanus) Los, besorg du jetzt deinen Teil. Fopp ihn so richtig und umarme sie! Libanus: (zu Argyrippus und Philenia) Still jetzt und auf mich geschaut! Argyrippus: Komm, Philenia, wir wenden uns an den. Der ist gewiß ein rechter Kerl, kein Schuft wie der da. Libanus: Und nun spazier' ich hin und her: Die beiden sollen jetzt abwechselnd auf ihren Knien um meine Gunst flehen. Argyrippus: Ich bitte dich beim Herkules, laß deinen Herrn gerettet werden durch dein Verdienst! Gib mir die zwanzig Minen! Sieh: Ich liebe, ich bin in Not! Libanus: Es wird sich zeigen. Eigentlich will ich ja schon. Komm ums Morgengrauen nochmal zu mir. Und sag dieser da, sie soll es solange von mir fordern, soll mich recht gründlich drum bitten. Philenia: Willst du, daß ich's durch Küssen erbitte oder gar durch Lieben? Libanus: Eigentlich dacht' ich an beides. Philenia: Also, aber bitte, rette uns dann auch beide! Argyrippus: O Libanus, mein Patron, mir gib den Beutel. Mir doch, dem Freigelassenen, kommt es zu, diese Last auf der Straße zu tragen, nicht dir, dem Patron. Philenia: Mein Libanus, mein goldener Augenstern, du Geschenk und Zier der Liebe, bitte, ich will alles tun, was du willst. Gib uns das Geld! Libanus: Sag mir Entchen, Täubchen, Hündchen, Schwälbchen, nenn mich deine Dohle, deinen kleinen Bübchenspatz, mach mich zur wilden Schlange, so daß ich so zwei Zungen habe, umschling mich mit deinen Armen, umfass meinen Hals. Argyrippus: Umschlungen willst du werden, du Schuft? Libanus: Oho, ich werde wohl für unwürdig erachtet? Damit du nicht umsonst so ungerecht zu mir geredet haben sollst, mußt du mich auf dir reiten lassen, wenn du hoffst, doch noch zu dem Geld zu kommen. Argyrippus: Reiten lassen, dich? Libanus: Wenn du das Geld auf andre Art nicht von mir kriegst? Argyrippus: Ich bin verloren! Wenn es recht und schicklich sein soll, daß der Herr sich von seinem Sklavenreiten läßt – so steig auf! Libanus: Siehst du, so werden Übermütige gezähmt. Stell dich hin, wie du's als Knabe ja wohl gewohnt warst. Du verstehst doch, was ich sagen will? Aha! Gut so. Kein Pferdchen ist gescheiter als du. Argyrippus: So mach schnell, steig auf! Libanus: Ich komm' schon. Aber was ist das? Wie läufst du denn? Ich kürze dir das Gerstenfutter, wenn du im Schritt gehst statt im Trab! Argyrippus: Libanus, bitte, es ist genug! Libanus: Mit Bitten wirst du mich heute nicht rühren. Jetzt nämlich will ich dich mit meinem Sporn im Galopp auf diesen Hügel jagen, dann kommst du mir in die Mühle, wo du dich quälen und im Kreis laufen mußt. – Halt an, so daß ich bequem absteigen kann, wenn du auch immer noch ein Nichtsnutz bist. Argyrippus: Was nun, ich bitte dich: Nachdem ihr nach Belieben euer Spiel mit uns getrieben habt: Gibst du mir nun das Geld? Libanus: Wenn du mir eine Statue errichtest und den Altar dazu, mir wie einem Gott als Opfer einen ganzen Ochsen darbringst. Salus nämlich bin ich, die Göttin deines Heils. Leonida: Jetzt, Herr, schick den da weg, wende dich an mich! Willst du nicht mir weihen, was der für sich verlangt, nämlich Statue und Bittgebet? Argyrippus: Und welchen Götternamen hast du? Leonida: Fortuna, Göttin deines Glücks, – und dir Willfährige. Argyrippus: Noch besser bist du als er! Libanus: Wer ist dem Menschen besser als die Göttin seines Heils? Argyrippus: Ich darf Fortuna preisen, will Salus aber nicht mißachten. Philenia: Gut sind beide! Ja, beim Kastor! Argyrippus: Daß sie gut sind, weiß ich, wenn sie uns Gutes gebracht haben. Leonida: So wünsch dir, was du willst. Was soll dir zuteil werden? Argyrippus: Und was geschieht, wenn ich dir meinen Wunsch genannt habe? Leonida: Er geht dir in Erfüllung. Argyrippus: Dann wünsch' ich mir, daß sie in diesem ganzen Jahr nur für mich da sein soll. Leonida: Erhört ist deine Bitte! Argyrippus: Du sprichst wahr? Leonida: Ganz sicher wahr. Libanus: Zu mir nun wieder: Versuch es mit mir. Erbitte dir, was du am meisten wünschst. Es wird geschehen. Argyrippus: Was soll ich anderes wünschen, als das, was mir so sehr fehlt? Verschaffe mir die zwanzig Minen Silber, die ich ihrer Mutter geben soll. Libanus: Du wirst sie erhalten. Sei guten Muts, dein Wunsch wird in Erfüllung gehen. Argyrippus: Die Göttinnen von Glück und Heil – zu oft lassen sie die Menschen vergeblich warten. Leonida: Nun, ich war der Kopf, der dir heute dieses Geld erwarb. Libanus: Und ich der Fuß. Argyrippus: Es scheint mir, eure Rede hat weder Kopf noch Fuß. Ich verstehe weder, was ihr sagt, noch weiß ich, warum ihr mich zum Narren halten müßt. Libanus: Genug des Spiels, denk' ich, das wir mit dir getrieben haben. Wir wollen dir sagen, wie sich alles in Wirklichkeit verhält. So höre, Argyrippus! Dein Vater hat uns aufgetragen, dir dieses Geld zu überbringen. Argyrippus: Ah, ihr bringt mir das zur rechten Zeit, im rechten Augenblick! Libanus: Hier drin sind zwanzig Minen Silber. Gutes Silber, beschafft auf schlechte Art. Dein Vater trug uns auf, sie dir zu geben, aber – mit Bedingungen! Argyrippus: Und welche? Libanus: Ein Abendessen sollst du ihm spendieren – und eine Nacht mit ihr. Argyrippus: Heiß ihn kommen! Aufs höchste hat er verdient, daß wir ihm seinen Wunsch erfüllen, ihm, der die Herde unsrer Liebesgötter wieder zusammentrieb, die in alle Winde schon zersprengt war. Leonida: Du duldest, Argyrippus, daß dein Vater sie umarmt? Argyrippus: Der Beutel macht es mir leicht. Lauf schnell, Leonida, sag meinem Vater, er soll kommen. Leonida: Er ist schon längst in ihrem Haus. Hier kam er nicht vorbei, denn er schlich heimlich durch den Garten zur Hintertür, nicht daß aus jemand unserer Familie ihn sehen könnte, wie er dorthin ging. Er hatte Angst, seine Frau könnten etwas erfahren. Ja, wenn deine Mutter wüßte, wie es um das Geld hier steht – Argyrippus: O nein, beschwöre das Schlimme nicht! Libanus: Schnell ins Haus – Argyrippus: Lebt wohl! Leonida: – und liebt euch recht! Argyrippus und Philenia gehenin das Haus der Cleareta, Libanus und Leonida ab zur Seite Elfte Szene Diabolus und der Parasit kommen Diabolus: Fang an, laß mich sehen, was für ein Dokument du zustand gebracht hast, welches die Beziehung zwischen mir, der Kupplerin und dem Mädchen peinlich genau festlegen soll. Verlies die Paragraphen! Als Verfertiger von solchen Sachen bist du einzigartig. Parasit: Die Kupplerin soll vor Schreck erschauern, wenn sie liest, was für Gesetze ich ihr auferlege. Diabolus: Komm schon, lies das ganze vor! Parasit: Bist du bereit? Diabolus: Ich höre. Parasit: Gut: Diabolus, des Glaucus Sohn, hat heute der Kupplerin Cleareta zwanzig Minen reinen Silbers als Zahlung übergeben, auf daß ihre Tochter Philenia ihm alle Nächte, alle Tage in diesem ganzen Jahr angehören soll. Diabolus: Und keinem anderen! Parasit: Soll ich das noch hinzutun? Diabolus: Ja, füg es bei und schreib so, daß alles klar und deutlich ist. Parasit: Kein fremder Mann darf während dieser Zeit ihr Haus betreten, nenne sie ihn nun Beschützer, Freund oder sonstwie, oder sei er der Freund der Freundin: Nur du hast Zutritt, allen anderen sind die Türen fest verschlossen. An der Tür muß angeschrieben stehen, sie sei besetzt. Und falls sie sagt, sie habe aus der Ferne einen Brief bekommen: Es darf im ganzen Haus kein Brief zu finden sein, nicht einmal eine Tafel Wachs. Und hat sie irgendwo ein Bild aus Wachs, das nicht mehr brauchbar ist, soll sie es verkaufen. Hat sie's nach vier Tagen nicht entfernt, gerechnet ab dem Tag, an welchem du bezahlt hast, steht es dir frei, es nach Belieben zu verbrennen. Das, damit überhaupt kein Wachs da ist, worauf sie Briefe schreiben könnte. Sie darf nie jemanden zum Gastmahl bitten: Du bist es, der einlädt; nicht daß sie allzusehr mit deinen Gästen liebäugelt. Schaut sie einen andern auch nur an, erblinde sie sogleich. Dann weiter: Trinken darf sie immer nur so viel wie du. Von dir nimmt sie den Becher in Empfang: Sie trinkt dir zu, dann leerst du ihn, so daß sie nicht mehr, nicht weniger Geschmack bei dieser Sache hat als du. Diabolus: Ja, das gefällt mir gar nicht schlecht. Parasit: Sie lasse alles, was Verdacht erregen könnte. Wenn sie aufsteht, soll sie nie mit ihrem Fuß den Fuß eines anderen Mannes drücken. Setzt sie sich aufs Lager oder steigt davon herunter, darf sie nie ihrem Nachbar die Hand als Stütze reichen. Aufgepaßt, daß sie ihm keinen Ring gibt, sich keinen erbittet! Ihr Fuß darf sich nur dir nähern, keinem andern Mann. Und falls sie würfelt, darf sie nie einfach sagen: Dir gilt es. Stets hat sie ausdrücklich deinen Namen zu nennen. Die Gunst einer Göttin Gunst mag sie erflehen, so oft es ihr beliebt, niemals aber bete sie zu einem Gott! Wenn ihrer Frömmigkeit das nicht genügt, soll sie es dir sagen. Du bittest dann bei dem Gott für sie, daß er ihr gnädig sei. Nie darf sie einem Mann zunicken, winken, mit den Augen zwinkern. Sowie die Lampe abends ausgelöscht ist, darf sie im Dunkeln ihre Glieder nicht mehr bewegen. Diabolus: Vortrefflich! So soll sie es halten! Aber halt – im Bett – das mußt du streichen! Im Bett hab' ich es nämlich gern, wenn sie sich viel bewegt. Ich möchte nicht, daß sie dann sagt, es sei ihr verboten durch den Vertrag. Parasit: Ah, ich verstehe! Du befürchtest, du könntest so betrogen werden. Diabolus: Richtig! Parasit: Gut, wenn du willst, lass' ich es weg. Diabolus: Warum nicht? Parasit: Und nun den Rest! Diabolus: Lies, ich höre. Parasit: Nie sage sie ein Wort, das unverständlich, dunkel oder zweideutig ist. Auch darf sie nur attischen Dialekt benutzen. Muß sie einmal husten, so huste sie nicht so, daß sie beim Husten irgendwem die Zunge zeigt. Falls gelegentlich der Schnupfen ihre Nase fließen läßt, mache sie's nicht mit der Zunge. Besser, du bemühst dich selbst und wischst ihr die Lippen ab. Lieber das, als daß sie unverhohlen ihre Zunge zeigt und zum Küssen reizt. Die Mutter Kupplerin hat nichts bei dir zu suchen, wenn du mit dem Mädchen beim Wein sitzest. Nie darf sie ein böses Wort verlauten lassen. Tut sie's trotzdem, sei dies die Strafe: Die nächsten zwanzig Tage kriegt sie keinen Tropfen Wein. Diabolus: Das hast du schön gemacht. Ein ganz gescheites Dokument! Parasit: Es geht noch weiter: Schickt sie ihre Magd mit Blumen, Kränzen und Salböl in den Tempel, der Venus zu opfern oder auch dem Cupido, achte einer deiner Sklaven stets darauf, ob sie das wirklich für Venus spendet oder für einen Mann. Sagt sie einmal, sie wolle sich deiner aus Frömmigkeit enthalten, hat sie dir für die reinen Nächte – unreine in gleicher Anzahl zu erstatten. So, das war nicht getändelt, war auch keine Leichenrede! Diabolus: Ja, die Paragraphen, welche du verfaßt hast, gefallen mir sehr. Komm jetzt mit mir! Parasit: Ich folge dir! Diabolus und der Parasit gehen in das Haus der Cleareta * Pause Zwölfte Szene Diabolus und der Parasit kommen aus dem Haus der Cleareta Diabolus: Komm, folge mir! Muß ich das dulden und dazu noch schweigen? Sterben will ich lieber, aber nicht darauf verzichten, seiner Frau das alles auf der Stelle mitzuteilen. Was sagst du? Bei einem Mädchen spielst du dich als Jüngling auf, verwaltest dessen Amt, und bei der eignen Frau entschuldigst du dich stets mit deinem Alter? Einen Liebenden beraubst du der Geliebten, wirfst dafür der Kupplerin das Geld so vor die Füße? Im Haus bestiehlst du heimlich deine eigne Ehefrau? Nein, lieber hängen will ich, als es dulden, daß du still und heimlich dich mit deinem Raub davonmachst. Augenblicklich geh' ich jetzt zu deiner Frau. Ich weiß, wenn du es könntest, wenn sie dir zuvor nicht kommt: Totschlagen würdest du sie morgen schon, für deine Zügellosigkeit die Mittel zu beschaffen. Parasit: Das find' ich auch, so sollte man es machen. Aber besser ist's, wenn es durch mich bekannt wird. Damit die Frau nicht meint, du machtest dies mehr aus verschmähter Liebe als um ihretwillen. Diabolus: Sicher, recht hast du! Mach du das! Sorg dafür, daß ihm die Suppe recht versalzen wird. Aufwiegeln sollst du sie zum Streit: Sag ihr, mit seinem eignen Sohn und dessen Liebchen zech' er am hellen Tag schon, sie bestehl' er. Parasit: Was mußt du mich noch lange bitten? Das besorg' ich. Diabolus: Ich indessen warte dann in meinem Haus auf dich. Der Parasit geht in das Haus des Demaenetus, Diabolus geht ab zur Seite Dreizehnte Szene Sklaven bringen Polster und einen Tisch aus dem Haus der Cleareta. Nachher kommen Argyrippus, Demaenetus und Philenia. Argyrippus: Komm, Vater, legen wir uns hier an den Tisch! Demaenetus: Wenn du willst, mein Sohn, nun gut. Argyrippus: Knaben, deckt den Tisch! Demaenetus: Ist es sehr schlimm für dich, mein Sohn, wenn sie so bei mir liegt? Argyrippus: Die Liebe des Sohns zum Vater hindert die Augen, allzusehr zu schmerzen. Obwohl ich sie sehr liebe, bring' ich's übers Herz und duld' es ohne Groll, daß sie an deiner Seite liegt. Demaenetus: Bescheidenheit, mein Argyrippus, steht einem Jüngling wohl an! Argyrippus: Wirklich, Vater, du verdienst es, und so kann ich mich auch bescheiden. Demaenetus: Also: Los mit dem Gelage! Her mit Wein und mit lieblichem Gespräch! Ich will nicht Ehrfurcht. Lieber ist es mir, wenn du mich liebst, mein Sohn. Argyrippus: Und ich erweise dir beides im gleichen Maß, Liebe und Ehrfurcht, wie es sich für einen Sohn gebührt. Demaenetus: Ich würde dir das glauben, sähe ich, daß du wirklich fröhlich bist. Argyrippus: Hältst du mich für traurig? Demaenetus: Wie soll ich nicht? Du siehst aus, als hätte man dir eben den Gerichtstag angekündigt. Argyrippus: Bitte, sag das nicht! Demaenetus: Wär' es nicht so, hätt' ich es nicht gesagt. Argyrippus: Dann schau: Ich lache! Demaenetus: Müßten doch die so lachen, die mir übelwollen! Argyrippus: Ich weiß schon. Du glaubst, ich müsse traurig sein, weil sie die deine ist. Wenn ich ehrlich sprechen darf: Die Sache macht mir auch sehr zu schaffen, wirklich! Nicht, daß ich dir nicht gönnte, was dich glücklich macht; aber sie – ich liebe sie im Ernst. Wär' irgendeine andere bei dir, könnt' ich es leicht ertragen. Demaenetus: Ich will aber die. Argyrippus: Was du wünschst, geschieht: Das, was ich mir selber wünschte. Demaenetus: Nun, ertrag es den einen Tag. War ich es doch, der dir die Möglichkeit verschaffte, daß du nun ein ganzes Jahr mit ihr zusammen bist. Ich war es, der dir das Geld zukommen ließ, das dazu nötig war. Argyrippus: Ja, ja, verpflichtet hast du mich damit in der Tat. Demaenetus: Und warum tust du mir nicht den Gefallen, nun heiter zu sein? Vierzehnte Szene Artemona und der Parasit kommen aus dem Haus des Demaenetus. Artemona: Was sagtest du? – Ich bitte dich! – Mein Mann zeche hier mit seinem Sohn? Und zwanzig Minen hab' er ihm für die Geliebte geschenkt? Und mit Wissen meines Sohns begehe der Vater eine ungeheuerliche Schandtat? Parasit: Nichts, was ich dir von jetzt an noch erzähle, Artemona, von Göttern oder Menschen, sollst du glauben, wenn du merkst, daß ich gelogen habe. Artemona: Unglücklich bin ich – mehr als alle andern. Ich hielt den Mann bisher für einen, der sich daran erfreut, daß er nüchtern, sparsam und maßvoll ist in seinen Leidenschaften. Für einen, der seine Frau von Herzen liebt. Parasit: Von jetzt an weißt du, was er ist: Nichtswürdig wie kein anderer, ein Säufer, ein Wüstling, eine Null, ein Lump, der seine eigne Frau verabscheut. Artemona: Du hast recht. Wenn es nicht so wäre, könnt' er niemals tun, was er jetzt tut. Parasit: Ich hielt ihn bisher auch für einen ruhigen, gesetzten Mann. Aber nun zeigt sich hier die Wahrheit – wenn er mit seinem Sohn zecht, es sogar mit dessen Freundin treibt, der alte, abgelebte Greis. Artemona: Das also ist die Mahlzeit, zu der er fast täglich gehen muß. Und er behauptet immer, zu Archidemus müss' er, zu Chärea, zu Chärestratus, zu Chrinias, zu Chremes, zu Cratinus, zu Dinias, zu Demosthenes. Bei einer Dirne ist er, verdirbt den Sohn, lehrt ihn ein wüstes, ausgelassenes Leben. Parasit: Willst du nicht deine Mägde rufen, daß sie ihn an Armen und Beinen packen, ihn dir ins Haus zurückschleppen? Artemona: Sei still! Beim Kastor, dem wird es übel ergehen! Parasit: Das glaub' ich wohl. Schlimm geht es dem, solange du seine Frau bist. Artemona: Und dabei meint' ich, er habe im Senat so viel zu tun; mit Klienten sei er beschäftigt. Von der Arbeit ermüdet schnarch' er die ganze Nacht. Von einer andern Arbeit ermattet und ermüdet kam er zu mir, die er außerhalb des Hauses verrichtet hat. Den fremden Acker pflügt er, den eignen läßt er unbebaut. Selber verdorben, verdirbt er auch noch den Sohn. Parasit: Dann folge mir! Ich kann machen, daß du ihn auf frischer Tat ertappst. Artemona: Nichts wäre mir lieber als das. Parasit: So warte noch! Artemona: Was ist? Parasit: Kannst du den Mann überhaupt erkennen, wenn du ihn auf einem Lager siehst, bekränzt, eng umschlungen mit der Geliebten? Artemona: Ha! Und ob ich das kann! Er führt sie etwas nach vorn Parasit: Dann bitte, hier – dein Mann! Artemona: Das überleb' ich nicht. Parasit: Warte einen Augenblick! Wir wollen hier, aus dem Hinterhalt, heimlich erfahren, wie die Sache weiterläuft. Argyrippus: Was hast du vor, wie umarmst du denn das Mädchen, Vater? Demaenetus: Ah, mein Sohn, ich muß gestehen – Argyrippus: Du mußt gestehen? Was? Demaenetus: – daß ich von ihrer Liebe gepackt und auch – erledigt bin. Parasit: Hörst du, was er sagt? Artemona: Und wie ich höre! Demaenetus: Soll ich ein Prachtskleid entwenden, das Lieblingskleid meiner Frau, es dir bringen? Darauf kann ich nicht verzichten, auch wenn es ein ganzes Lebensjahr kosten sollte; eines – meiner Frau. Parasit: Was meinst du, ist es heute wohl das erste Mal, daß er zu diesem vertrauten Lustort geht? Artemona: Er war es, in der Tat, der mich bestohlen hat, und ich verdächtigte die Mägde, quälte sogar die Armen, die doch gar nicht schuldig waren. Argyrippus: Vater, sorg dafür, daß wieder eingeschenkt wird. Lang ist's schon her, daß ich den ersten Trunk getan. Demaenetus: He, Knabe, los, schenk ein! Fang oben am Tisch an, und du, Philenia, du gibst mir von der andern Seite einen Kuß. Artemona: (beiseite) Weh mir! Wie der Schurke küßt! Dabei ist er reif zum Grab. Demaenetus: Wieviel angenehmer dein Atem ist als der meiner Frau! Philenia: Nein, sag mir, stinkt er wirklich, der Atem deiner Frau? Demaenetus: Wenn es schon sein muß: Ich trinke lieber aus der Schiffskloake, als daß ich sie küsse. Artemona: (beiseite) Das schmeiß' ich ihm mit Wucherzinsen ins Gesicht zurück. Kommt er nach Haus, folgt heut nacht die Rache: Kuß auf Kuß muß er von mir entgegennehmen! Philenia: Beim Kastor, du bist übel dran. Artemona: (beiseite) Beim Kastor, Übles hast du verdient! Argyrippus: Was sagst du, Vater? Liebst du die Mutter überhaupt? Demaenetus: Jetzt schon, weil sie nicht da ist. Argyrippus: Und wenn sie da ist? Demaenetus: Wär's mir recht, sie wäre tot. Parasit: Der Mann scheint dich sehr zu lieben, so wie er dich rühmt. Artemona: Auch das? Zu deinem großen Übel hast du das gesagt. Warte! Komm nur nach Haus! Dir will ich zeigen, was es heißt, schändlich von der Frau zu reden, der du die Mitgift verdankst. Argyrippus: Wirf du zuerst die Würfel, Vater, daß auch wir dann würfeln können. Demaenetus: Bestens: Dann – auf dich, Philenia, auf daß du mir gehörst – und auf den Tod der Ehefrau. Ein Meisterwurf – der Venus zugedacht. Klatscht Beifall. Knaben, bringt mir für diesen Wurf süßen Honigwein im großen, weitgebauchten Krug. Artemona: Das ist nicht auszuhalten! Ah, wie hart! Parasit: Da wundert man sich nicht, wenn du's noch nicht verlernt hast, wie man Wäsche walkt und weich macht. Das beste wird sein, wenn wir uns jetzt zeigen. Los, drauf auf ihn! Artemona: (hervortretend) Ich lebe noch! Und dein Trinkspruch wird dir übel bekommen! Parasit: (beiseite) Soll man jetzt nicht einen Leichenbalsamierer rufen? Argyrippus: Mutter, sei gegrüßt! Artemona: Ein schöner Gruß! Parasit: (beiseite) Der Demaenetus nämlich ist so gut wie gestorben. Aber jetzt ist es Zeit, daß ich mich rasch und heimlich entferne. Der Kampf ist ganz hübsch entbrannt. Ich geh' nun zu Diabolus. Mein Auftrag ist, ihm zu berichten, was hier inzwischen geschah. Auch möcht' ich ihn überreden, daß wir hübsch und gut zusammen essen, während die hier sich streiten. Morgen will ich ihn dann zur Kupplerin begleiten, um ihr die zwanzig Minen zu geben. Damit sie ihm erlaubt, das Mädchen wenigstens zum Teil zu besitzen. Ich hoffe, Argyrippus findet sich dazu bereit, sich abwechselnd mit ihm in ihre Nächte zu teilen. Bring' ich's nicht zustande, ist mir mein Gönner verloren. Soviel Not und Verderben macht dem Menschen die Liebe! Der Parasit geht ab Artemona: Du wagst es, meinen Mann zu dir ins Haus zu nehmen? Philenia: Weh, ich Arme! Die bringt mich um in ihrer Wut! Artemona: Steh auf, Liebhaber – geh nach Haus! Demaenetus: Mit mir ist's aus! Artemona: Das allerdings! Nicht leugnen will ich's. Nichtswürdiger bist du als alle anderen. Da also liegt der Vogel! Auf, du Liebhaber, geh nach Haus! Demaenetus: Weh mir! Artemona: Richtig prophezeit. Steh auf, Liebhaber, geh nach Haus! Demaenetus: So tritt bloß ein wenig zur Seite! Artemona: Auf, Liebhaber, geh nach Haus! Demaenetus: Ach, Frau, ich bitte dich – Artemona: Sieh an, da fällt es dir wieder ein, daß ich deine Frau bin. Und vorhin? Als du Wüstes über mich sagtest? Ein Abscheu war ich dir, nicht deine Frau. Demaenetus: Ich bin verloren – ganz und gar! Artemona: Und wie war das? Stinkt der Atem deiner Frau? Demaenetus: Nein, nein, er duftet wie Myrrhe! Artemona: Hast du's mir etwa schon gestohlen, das Kleid, das du der Dirne schenken willst? Philenia: Beim Kastor, er hat mir versprochen, es zu stehlen. Demaenetus: Halt du jetzt endlich den Mund! Argyrippus: Ich, Mutter, ich riet ihm davon ab. Artemona: Ein schöner Sohn! Geziemt es sich für einen Vater, dem Sohn alles zu erlauben? Schämst du dich nicht? Demaenetus: Doch, doch, ich schäme mich. Wenn nicht für etwas anderes, schäm' ich mich doch deiner, Frau! Artemona: Mit deinem grauen Haar muß dich die Ehefrau wie einen Gimpel aus dem Sumpf zerren. Demaenetus: Hör, das Essen wird gekocht. Soll ich nicht warten, bis ich essen kann? Artemona: Beim Kastor! Schlimmes Übel wirst du heute verspeisen, wie du's verdienst! Demaenetus: Welch ein schlimmes Essen, welch schlimme Nacht steht mir bevor! Verurteilt bin ich, die Frau schleppt mich nach Haus! Argyrippus: Ich, Vater, ich habe dich gewarnt, du sollst nicht so rücksichtslos von Mutter reden. Philenia: Denk mir bitte an das Kleid! Demaenetus: (zu Argyrippus) Kannst du mir die vom Leib schaffen? Artemona: Ab, nach Haus jetzt! Philenia: Gib mir noch einen Kuß, bevor du gehst! Demaenetus: Zum Henker geh! Philenia: Geh besser selber dorthin! Artemona und Demaenetus gehen ins Haus des Demaenetus (zu Argyrippus) Komm mit, Geliebter! Argyrippus: Noch so gern komm ich mit dir! Argyrippus und Philenia gehen ins Haus der Cleareta Die Schauspieltruppe: Wenn dieser Alte insgeheim und hinterm Rücken seiner Frau etwas Vergnügliches sich gönnte, ist das doch nichts Neues, nichts Besonderes, nichts anderes, als was auch andere zu machen pflegen. Wer ist von Natur aus schon so hart, so fest und sicher, daß er, gibt sich die Gelegenheit, sich nicht ein bißchen gehen läßt. Wenn ihr für diesen Alten nun um Gnade bitten wollt', daß er nicht allzusehr mißhandelt werde: Wir hoffen, daß wir das zustande bringen, wenn ihr uns jetzt kräftig applaudiert.