Plautus. Parasit Kornwurm. ( Curculio ) Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Leipzig und Heidelberg C. F. Winter'sche Verlagshandlung. 1865. Personen. Phädromus , ein Jüngling . Palinurus , sein Sklave . Kornwurm , sein Parasit . Planesium im Hause des Cappadox, die Geliebte des Phädromus . Eine alte Kupplerin . Therapontigonus , ein Soldat . Cappadox , ein Kuppler . Lyco , ein Wechsler . Ein Koch . Der Aufseher über die Theatergarderobe . Der Schauplatz ist in Epidaurus. Erster Act Zweiter Act Dritter Act Vierter Act Fünfter Act ————— Sylbenmaße Erster Act. Erste Scene. Palinurus . Phädromus . ( Phädromus ist in Schifferkleidern und trägt eine Fackel. Ihm folgen mehrere Sklaven, die Wein und Anderes dergleichen tragen. ) Palinurus . Wo willst du noch hinwandern in so später Nacht, In solchem Kleide, solchem Aufzug, Phädromus? Phädromus . Wohin mir Venus und Cupido winken, wo Mich Amor hinlockt. Mag es sein um Mitternacht, Sei's, wenn der Abend dämmert, oder sei's ein Tag, Den man dem Gegner im Gerichte zugesagt – Selbst wider Willen muß man geh'n auf ihr Gebot. Palinurus . Doch endlich – endlich! Phädromus .                                     Endlich bist du mir zur Last. Palinurus . Das find' ich gar nicht lobenswerth, nicht schön: du machst Selbst deinen Diener, trägst gepuzt die Leuchte selbst! Was sonst Obliegenheit der Sklaven war, ihren Herren die Fackel vorzutragen, thut hier Phädromus selbst. Phädromus . Das Werk der Bienen »Das Werk der Bienen« ist das Wachs. Phädromus trägt eine Wachsfackel. , das der Süßigkeit entsproß, Ich brächte das nicht meiner Honigsüßen Die »Honigfüße« ist Planesium, die Geliebte des Phädromus. selbst? Palinurus . Was soll ich denken, wo du hingehst? Phädromus .                                                         Frage mich, So sag' ich dir's. Palinurus .                 Ich frage; was erwiederst du? Phädromus . Das ist der Tempel Aesculap's. Palinurus .                                                     Das weiß ich längst. Phädromus . Hier nebenan ist eine dichtverschloss'ne Thür. (er geht darauf zu) Willkommen! War dir's immer wohl, verschloss'ne Thür? Palinurus . Du wurdest wohl seit kurzem erst von Fieber frei, Und aßest gestern wieder was? Phädromus .                                       Du spottest mein? Palinurus . Wie toll, die Thür zu fragen: war dir's immer wohl? Phädromus . 's ist wahrlich eine schöne, gar verschwiegne Thür, Muxt nicht ein einzig Wörtchen: öffn' ich sie, sie schweigt; Und kommt die Theure heimlich Nachts heraus zu mir, Sie schweigt. Palinurus .             Du thust wohl etwas, sinnst aus einen Streich, Der dir und deinem Hause, Herr, Unehre bringt? Suchst wohl ein keusches Mädchen, oder welches keusch Sein soll, in's Nez zu locken? Phädromus .                                   Keine Seele, nein! Da soll mich Zeus behüten! Palinurus .                                   Gleiches wünsch' ich auch. Wenn du gescheit bist, richte so dein Lieben ein, Daß keine Schmach dich treffe, wenn es ruchtbar wird. Sorg' immer, daß du deinen guten Ruf behältst, Und immer liebe, was du liebst, vor aller Welt. Phädromus . Was willst du damit sagen? Palinurus .                                               Daß du jederzeit Vorsichtig geh'n sollst. Phädromus .                         Wohnt ja doch ein Kuppler hier. Palinurus . Kein Mensch verwehrt dir, wenn's an Geld dir nicht gebricht, Zu kaufen, was man offen zum Verkaufe beut. Kein Mensch verbeut auf offner Straße dir das Geh'n; Nur durch verzäunte Gründe brich dir keinen Weg. Enthältst du dich von Ehefrauen, ehrbaren Jungfrau'n und Wittwen, magst du lieben, was du willst. Phädromus . Dies Haus ist eines Kupplers Haus. Palinurus .                                                             Zum Henker mag Es geh'n! Phädromus .   Warum denn? Palinurus .                             Weil's im Dienst des Lasters steht. Phädromus . (erzürnt) O, widersprich! Palinurus .                 Mit vollem Recht. Phädromus .                                           Schweig' ungesäumt! Palinurus . Du wolltest ja, ich solle widersprechen. Phädromus .                                                               Jezt Verbiet' ich dir's. Nun, was ich sagen wollte: der Hat eine Magd – Palinurus .                   Der Kuppler hier? Phädromus .                                             Du hast's erwischt. Palinurus. Ich fürchte nicht, daß mir's entwischt. Phädromus .                                                         So schweige doch! – Die soll zur Meze werden, und mich liebt sie so. Ich bin zu dieser Mäkelei nicht aufgelegt. Palinurus . Wie so? Phädromus .           Mir eigen will ich sie: ich liebe sie Nicht minder als sie selbst mich liebt. Palinurus .                                                   Ein böses Ding Geheime Liebe, richtet nichts als Schaden an. Phädromus . (seufzend) Du sagst die Wahrheit. Palinurus .                           Hat sie nicht schon mitgemacht? Phädromus . Sie ist von meiner Seite rein und unversehrt, Wie meine Schwester, wenn das viele Küssen ihr Nicht schon geschadet. Palinurus .                             Merke dir: das Feuer ist Dem Rauche stets sehr nahe. Zwar mit Rauche kann Man nichts verbrennen, mit der Flamme geht es wohl. Du mußt die Nuß aufknacken, wenn du aus der Nuß Den Kern verlangst. Durch Küsse bricht sich seine Bahn, Wer auf das Kissen kommen will. Phädromus .                                           Doch dieses Kind Ist viel zu sittsam, buhlte noch mit keinem Mann. Palinurus . Wenn Kuppler sittsam wären, Herr, dann glaubt' ich es. Phädromus . Was denkst du von dem Mädchen? Kann sie sich zu mir Wegstehlen Einmal, küßt sie mich und huscht davon. Das thut sie, weil in Aesculapius' Tempel hier Der Kuppler krank liegt Die Alten pflegten sich in den Tempel eines Gottes zu legen, dessen Hülfe sie in Anspruch nahmen, und erwarteten wachend oder im Traume Belehrung von ihm. So legten sich die Kranken in den Tempel des Aesculap, des Gottes der Heilkunde, um im Traume Mittel von ihm zu erhalten. , Hu! Der quält mich recht! Palinurus .                                                                           Wie so? Phädromus . Bald will er dreißig Minen, und ein andermal Verlangt er ein Talent für sie. Nichts Billiges Kann ich von ihm erlangen. Palinurus .                                   Und du thust nicht recht, Verlangst von einem Kuppler, was kein Kuppler hat. Phädromus . Nun sandt' ich meinen Parasit nach Karien, Mir Geld von meinem Freunde dort auf Borg zu leih'n. Wenn der es mir nicht bringt, wo wend' ich dann mich hin? Palinurus . Rechts, denk' ich, wenn du deinen Gruß den Göttern bringst. »Rechts, denk' ich, wenn du deinen Gruß den Göttern bringst.« Vgl. die Anmerkung zu 3, 20 . Wenn man den Göttern seine Verehrung bezeigte, pflegte man sich rechts zu wenden. Phädromus . Nun, ein Altar der Venus ist vor'm Hause hier, Und ihr gelobt' ich heute schon ein Morgenbrod. Palinurus . Zum Morgenbrode willst du dich der Venus weih'n? Phädromus . Mich, dich und alle diese »Alle diese,« d. i. alle Vorübergehenden. . Palinurus .                                                 Daß sie speien muß? Phädromus . (zu einem der begleitenden Sklaven) Gib mir die Flasche, Bursch! Palinurus .                                       Wozu? Phädromus .                                               Das hörst du gleich. Am Thore hier liegt eine graue Kupplerin Als Wache; die trinkt gerne viel, und lauteren. Palinurus . Ein Faß von altem Chierwein, das Odem hat! Phädromus . Mit Einem Wort: es ist die ärgste Säuferin. Bespreng' ich diese Thüre nur mit wenig Wein, Gleich riecht sie meine Gegenwart und öffnet schnell. Palinurus . Ihr bringt man diese Flasche mit dem Wein? Phädromus .                                                                   Im Fall Du's nicht verwehrst. Palinurus .                         Ei, freilich wohl! Ich wollte, der Sie trägt, er bräche sich den Hals. Ich dachte mir, Die Flasche sei für uns bestimmt. Phädromus .                                          So schweige doch! Im Falle sie was übrig läßt, das ist für uns, Für Zwei genug. Palinurus .                 Wo ist der Fluß wohl, den das Meer Nicht faßte? »Wo ist der Fluß wohl, den das Meer nicht faßte?« Der Sinn ist: es mag in der Flasche noch so viel Wein sein, die Alte wird ihn dennoch austrinken so wie das Meer auch die größten Flüsse in sich aufnimmt. Phädromus .             Komm, Palinurus, an die Thür mit mir. Palinurus . Recht gern. Phädromus . (indem er vor der Thüre Wein aufgießt)                             Wohlan jezt, allerliebste Thüre, trink: Trink wacker, sei mir aber auch recht hold dafür! Palinurus . (thut nachspottend) Verlangst du nicht Oliven, Braten, Kapern auch? Phädromus . Erwecke deine Hüterin, sie rufe mir! Palinurus . Du strömst den Wein aus: aber, Herr, was ficht dich an? Phädromus . O laß mich! Siehst du, wie das allerliebste Haus Sich öffnet? Muxt die Angel auch ein Bischen nur? Das ist doch schön. Palinurus .                       So küsse sie. Phädromus .                                         Sei stille doch! Laß uns das Licht, laß uns die Stimme bergen. Palinurus .                                                                 Gut! (sie verbergen die Fackel.) Zweite Scene. Die Kupplerin . Phädromus . Palinurus . Die Kupplerin . Mir duftet die Blume von altem Wein In die Nase herauf: mich Lüsterne lockt Sein Reiz hierher in der finsteren Nacht. Nun wo, wo ist er? Er ist mir nah. Ich hab' ihn, o Wonne! Willkommen, mein Herz! Bacchus' Stolz! Wie sehn' ich mich Nach dem uralten Stoff! Balsam riecht gegen dich, Wie Unflat im Schiffsgrund. Myrrhenöl bist du mir, Zimmet und Rose du, Duftest, wie Casia, Crocus und Bdellium. Die arabische Casia, deren zimtartige Rinde schon Theophrast unter den Würzen wohlriechender Salben nennt, ist wahrscheinlich der wilde oder Mutterzimt, verwandt mit dem edlen Zimt oder Kanelbaum; sie wuchs in römischen Kunstgärten, wo sie Columella (3, 8) sah, und nach Plinius (12, 19, 42) an der Reichsgränze des Rhenus, in hölzerne Bienenrümpfe gepflanzt, aber unvollkommen an Farbe und Geruch: Voß zu Virg. LB. 2, 466. und die Ausleger zu Plin. 1. 1. Aus der Casia, die man in Oel auflöste, welches Gerüche sehr leicht annimmt und behält, wurden im Alterthum die köstlichsten Salben bereitet. – Crocus , Safran. – Bdellium , Gummi, das aus dem gleichnamigen schwarzen Baume quillt, von dem Plinius spricht 12, 9, 19. Ja, wo du ausgegossen bist, da möcht' ich wohl begraben sein. Phädromus . Durst hat das Weib. Palinurus .                                   Wie viel? Phädromus .                                                 Nicht viel; ihr gnügt an einem Eimer. Palinurus . Dann wächst allein für sie nicht Wein genug in einem Jahre. Die Kupplerin . Doch da du , süßer Duft, mir in die Nase stiegst, Schaffe nun, Theurer, auch meinem Gaum eine Lust! Bleib mir jezt ferne! Wo ist er selbst? Seinen Saft Will ich in langem Zug aus der Flasch' in mich zieh'n. Laß mich ihn schlürfen! Weg ist er: ich folg' ihm nach. Palinurus . Zu einem Jagdhund hätte die recht gut gepaßt: Hat eine feine Nase, die . Die Kupplerin .                       Wen hör' ich da von ferne? Phädromus . Muß sie anreden, die Strunzel da. Komm daher, Sieh mich an, Kupplerin! Die Kupplerin .                         Welcher Mensch herrscht mich an? Phädromus . Bacchus, der liebliche Spender des Weines, Der, wenn du dich räusperst und dürstest halb schläfrig, Dir den Trunk bringen, dir deinen Durst löschen will. Die Kupplerin . Ist er weit weg von mir? Phädromus . (zeigt ihr die Flasche)           Sieh doch hier, sieh das Licht! Die Kupplerin . Ungesäumt komm zu mir, komm, verdopple deinen Schritt! Phädromus . Guten Tag! Die Kupplerin .               Guten Tag, wenn man vor Durst vergeht? Phädromus . Gleich sollst du trinken. (er geht zu seinen Sklaven) Die Kupplerin .                                   Lange währt's. Phädromus . (kommt mit der Flasche zurück)                 Hier hast du, gute Alte. Die Kupplerin . Willkommen, Allerliebster! Palinurus .                                                     Auf, schnell gieße das in deinen Schlund, Und spühle frisch die Gurgel aus. Phädromus .                                           O schweige doch! Du darfst ihr Nichts Uebles sagen. Palinurus .                         Also will ich's lieber thun. Die Kupplerin . (indem sie Wein auf den Altar tröpfelt) Von Wenigem, Venus, geb' ich dir dies Wenige, Nicht gerne Vom vollen Becher gießt sie der Venus einen Tropfen aus; aber auch diesen Tropfen gibt sie, wie sie hinzusezt, »nicht gerne.« ; denn Verliebte, Tischgenossen, Zechgesellen, Sie geben alle dir; mich trifft dergleichen Erbschaft selten. (sie trinkt) Palinurus . Da sieh mir an, mit welcher Gier die Vettel in den vollen Schlund Den lautern Wein hinunterstürzt! Phädromus .                                         Ich bin des Todes, weiß nicht, Was ich zuerst ihr sagen soll. Palinurus .                                       Gerade, was du mir gesagt. Phädromus . Das ist? Palinurus .                 Daß du des Todes seist. Phädromus .                                                     Daß dich der Henker hole! Palinurus .                                                                                                   Das Sag' ihr. Die Kupplerin . (trinkend)               Ah, ah! Palinurus .                   Wie steht es, Alte? Schmeckt dir's noch? Die Kupplerin .                                                                             Es mundet. Palinurus . Mir mundet's auch, ein Bischen dich zu prügeln. Phädromus .                                                                           Nicht doch! Schweige. Palinurus . Ich schweige schon. Doch siehe nur, der Regenbogen trinkt: es wird Noch heute regnen. »Siehe, wie der Regenbogen trinkt: gewiß wird's heute regnen.« Die Alten glaubten, der Regenbogen ziehe Dünste aus Meer und Landgewässern zu den Wolken hinauf, und verursache dadurch Regen. Einige fabelten, sagt Stobäus ecl. 1, 31, daß er mit einem Stierhaupte die Flüsse ausschlürfe: Voß zu Virgil's LB. 1, 380. Wahrscheinlich spielt Palinurus zugleich auf die gekrümmte Stellung der alten Kupplerin an. Phädromus .                   Soll ich's ihr jezt sagen? Palinurus .                                                             Was denn? Phädromus .                                                                             Daß es ganz Um mich gescheh'n ist. Palinurus .                           Sag' es nur. Phädromus .                                           Hör', Alte, dieses will ich dir Zu wissen thun: ich bin verloren. Die Kupplerin . (forttrinkend)               Aber ich, Ich bin gerettet. Doch warum soll's denn um dich geschehen sein? Phädromus . Was ich liebe, muß ich, ach! entbehren. Die Kupplerin .                                                           Lieber Phädromus, Weine nicht, ich bitte dich! Sorge nur, daß ich nicht dürste: gleich will ich dir Bringen, was du liebst. (geht in's Haus) Phädromus .                         Und dir Sez' ich, wenn du dein Versprechen Lösest, für ein goldnes Standbild Eine Statue von Wein als Monument für deine Gurgel. Palinur, wer auf der Erde wird so glücklich sein, als ich, wenn Sie zu mir kommt? Palinurus .                   Traun, wer liebt und arm ist, ist in schlimmer Lage. Phädromus . Dem ist nicht so; denn ich hoffe, heute wird mein Parasit noch Mit dem Gelde kommen. Palinurus .                               Du hast große Dinge, Herr, im Kopfe, Wenn du was erwartest, was doch nirgendwo zu finden ist. Phädromus . Soll ich an die Thüre geh'n und singen? Palinurus .                                                                   Wenn es dir beliebt, Meinethalben; weder will ich's dir gebieten, noch verbieten; Denn ich sehe, Herr, du bleibst bei deiner Sitte, deiner Denkart. Phädromus . Riegel, ihr Riegel, euch grüß' ich, aus Herzensgrund. Lieb' ich euch, wünsch' ich euch, such' ich euch, fleh' ich euch, Seid mir zu Willen doch, liebliche, dem liebenden: Tanzet nach meinem Wunsch lustigen Lydertanz Die Lyder waren im Alterthum durch ihre Tanzsucht und Trunkliebe bekannt. , Springet auf, hüpfet auf, sendet mir sie heraus, Die dem unglücklichen Freund das Blut ausgesaugt. Häßliche Riegel, ihr! Seht, wie fest schlafen sie! Wollt ihr nicht schneller euch regen, ach! mir zulieb? Nichts macht ihr euch aus meiner Gunst, ich seh' es nun. Doch stille, still! Palinurus .                   Ich bin ja still. Was ist es denn? Phädromus .                                                                   Ich höre Ein Rasseln. Endlich werden doch die Riegel mir gehorsam. Dritte Scene. Die Kupplerin . Planesium . Phädromus . Palinurus . Die Kupplerin . (zu Planesium ) Komm behutsam, daß die Thür nicht lärmt, daß nicht die Angel knarrt. Was wir hier thun, darf der Herr nicht merken, meine Planesium. Halt, ich gieße Wasser drauf. (sie begießt die Thüre mit Wasser Die Kupplerin begießt die Thüre mit Wasser, damit sie kein Geräusch macht. ) Palinurus . (zu Phädromus )                                                 Herr, siehst du, wie die zitternde Alte da die Thür kurirt? Sie trinkt den Wein, die Thüre muß Wasser trinken. Planesium .               Nun, wo bist du, der vor Venus' Richterstuhl Mich gefordert, Liebesklage wider mich erhoben hat? Siehe da, hier bin ich, habe mich gestellt vor deinen Stuhl, Rathe dir nun aber auch, dich mir zu stellen. Phädromus .                                                           Ich bin da. Wenn ich wegblieb, dann verdient' ich Strafe wohl, mein Honigkind. Planesium . Liebes Herz, dem Liebenden geziemt es nicht, entfernt zu sein. Phädromus . Palinur! Palinurus .                 Was rufst du mich? Phädromus .                                             Ein allerliebstes Mädchen! Palinurus .                                                                                           Ganz Allerliebst! Phädromus .       Ich bin ein Gott, Freund. Palinurus .                                                 Nein, ein Mensch von wenig Werth. Phädromus . Sahst du jemals etwas, oder kannst du jemals etwas seh'n, Was den Göttern näher käme? Palinurus .                                       Daß du krank bist, macht mir Schmerz. Phädromus . Bist mir schlecht zu Willen; schweige! Palinurus .                                                                   Selber schlägt sich an das Kreuz, Wer in Liebchens Auge sieht, und, wenn er kann, sie nicht genießt. Phädromus . (für sich) Hat ganz Recht. (laut)             So sehnlich und so lange wünscht' ich nichts wie das. Planesium . (geht auf ihn zu) Nun, umarme mich! Phädromus .                   Allein dies macht mir noch das Leben werth. Weil es dir dein Herr verwehrt, so soll es heimlich sein. Planesium .                                                                                 Verwehrt? Kann es, soll es nie verwehren; nur der Tod trennt mich von dir. Phädromus . Königen gönn' ich ihre Länder, Reichen lass' ich gern ihr Gold: Habe Jeder seine Würden, seine Schlachten, seinen Kampf; Wenn sie mich nur nicht beneiden, gönn' ich Jedem, was er hat. Palinurus . (für sich) Nein, es ist nicht auszuhalten, tadeln muß ich meinen Herrn. Gut ist's, mit Vernunft zu lieben; unvernünftig liebt der Thor. Aber lieben bis zum Wahnsinn, das vermag mein Herr allein. (laut) Phädromus, hast wohl der Venus eine Nachtwach' angelobt? Denn gewiß, nicht lange währt's, so graut der Tag. Phädromus .                                                                   Sei still! Palinurus .                                                                                     Warum? Willst du noch nicht schlafen geh'n? Phädromus .                                             Ich schlafe schon; nur schreie nicht! Palinurus Nein, du wachst. Phädromus .                         Das ist mein Schlaf; ich schlafe so nach meiner Art. Palinurus . (zu Planesium ) Höre: Wohlthat nicht vergelten, Mädchen, das ist Unverstand. Planesium . Zürntest doch, wenn dich dein Herr vom Essen jagte. Palinurus .                                                                                       Meinethalb! Beide lieben sich zum Sterben, seh' ich, beide sind verrückt. Sehe nur ein Mensch, wie kläglich die sich winden, wie sie sich Nicht genug umarmen können! Wollt ihr aus einander geh'n? Planesium . Keinem Menschen ward ein ungestörtes Glück. Auch unsrer Lust Haftet diese Qual (auf Palinurus deutend)                               beständig an. Palinurus .                                           Was sagst du Nikel da? Du sogar mit deinen Eulenaugen nennst mich eine Qual? »Du sogar mit deinen Eulenaugen nennst mich eine Qual?« Schwarze Augen, bemerkt Danz, standen bei den Römern in größtem Ansehen; blaue Augen schon weniger; den wenigsten Beifall hatten die grünen Augen, die daher auch Eulenaugen ( oculi noctuini ), Grasaugen ( herbei ), oder auch Kazenaugen ( felini ) genannt wurden. Du versoffne Gans, du Kröte! Phädromus .                                   Meine Venus schimpfst du mir? Daß ein durchgepeitschter Sklave solchen Hohn mir bieten soll! Mensch, zu deinem größten Unheil, wahrlich, hast du das gesagt! (er schlägt ihn) Da für deine bösen Reden, daß du dich ein andermal Mäßigst! Palinurus .       Hilf, Nachtwächt'rin Venus! Phädromus .                                                 Machst du noch, du Schlingel, fort? (er schlägt ihn wiederholt) Planesium . (zu Phädromus ) Laß den Kloz, mein Lieber, daß dir nicht die Hand zu Schanden geht. Palinurus . Du vergehst dich schwer, verübst hier eine Schandthat, Phädromus: Schlägst mit Fäusten, der dir Gutes räth, und liebst das eitle Ding. Kannst du dich in deiner Zügellosigkeit nicht mäßigen? Phädromus . Bringe mir Einen, der mit Maß liebt, und ich zahle Gold dafür. Palinurus . Bringst du mir 'ne kluge Herrschaft, kriegst du mehr als Gold von mir. Planesium . Lebe wohl, mein Herz! Ich höre, wie der Riegel knarrt und dröhnt; Denn der Küster schließt den Tempel auf. Wie lange werden wir Den verstohl'nen Liebeshandel unter uns noch pflegen? Phädromus .                                                                           Nicht Lange mehr. Ich sandte meinen Parasiten wohl vor vier Tagen schon nach Carien, Geld zu holen: der kommt heut zurück. Planesium . Gott, wie spät! Phädromus .                       So wahr mir Venus gnädig ist, ich lasse dich Länger als drei Tage nicht in diesem Haus: dann wirst du frei. Planesium . Halte Wort! Da nimm zulezt noch, eh' ich scheide, diesen Kuß. Phädromus . Diesen Kuß, ich gäb' ihn nicht, und böte man ein Königreich Mir dafür! Wann werden wir uns wiederseh'n? Planesium .                                                                 O kaufe mir Nur die Freiheit. Liebst du mich, so löse mich um jeden Preis. Lebe wohl! (sie geht in's Haus) Phädromus .       Nun steh' ich einsam. Ich vergehe, Palinur! Palinurus . Und ich auch: mich tödten Schlaf und Schläge. Phädromus .                                                                       Komm in's Haus mit mir. Zweiter Act. Erste Scene. Cappadox . Palinurus . Cappadox . (tritt aus dem Tempel des Aesculap) Nun geh' ich unbedenklich aus dem Tempel fort, Weil ich den Sinn des Aesculap einmal erkannt, Der meiner gar nicht achtet, mir nicht helfen will. Die Körperkräfte nehmen ab, die Schmerzen zu. Denn wie ein Gürtel, drückt mich schon die Milz im Geh'n, Und Zwillingskinder hab' ich, scheint's, in meinem Bauch. Ich fürchte nichts, als daß ich Armer mitten durch Zerplaze. Palinurus . (im Heraustreten zu Phädromus , der in seinem Hause zurückbleibt)                 Bist du recht gescheit, so folgst du mir, Und schlägst dir deine Grillen aus dem Sinn. Du bist In Sorgen, weil dein Parasit aus Carien Noch nicht zurück ist. Doch er bringt gewiß das Geld. Denn wenn er das nicht brächte, hielt' ihn keine Macht, Kein eisern Schloß hielt ihn zurück, ohn' Aufenthalt Zum Fraß an seine Krippe heimzukehren. Cappadox .                                                       Wer Ist da? Wer spricht hier? Palinurus .                               Wessen Stimme hör' ich? Cappadox .                                                                     Ist Das nicht der Knecht des Phädromus? Palinurus .                                                   Wer ist der Mensch Mit seinen grünen Augen und der Bauchgeschwulst »Mit seinen grünen Augen,« cum oculis herbeis. S. die Anmerkung zu 1, 3, 38 . ? Den Burschen kenn' ich von Gestalt, von Farbe nicht. – Nun kenn' ich ihn. Es ist der Kuppler Cappadox. Ich geh' ihn an. Cappadox .               Willkommen! Palinurus .                                       Schön Dank, Erzhalunk! Was treibst du? Cappadox .               Nun, ich lebe. Palinurus .                                       So, wie du's verdienst. Was ist dir denn? Cappadox .                   In den Nieren sticht's, mich drückt die Milz, Die Leber schmerzt, die Lunge reißt entzwei, das Herz Zerspringt mir fast, die Gedärme thun mir alle weh. Palinurus . (spöttisch) So bist du, wenn nicht Alles trügt, an der Leber krank. Cappadox . Des Armen spotten – das ist leicht. Palinurus .                                                           Gedulde dich Nur wenig Tage, bis dir' dein Gekrös verfault. Stieg nun die Lack' im Preise, dann erlösest du Für dein Gekröse wahrlich mehr, als für dich selbst. Cappadox . Die Milz zerplatzt mir. Palinurus .                                       Treibe dich im Freien um: Das ist das Beste für die Milz. »Treibe dich im Freien um: das ist das Beste für die Milz.« Nach Celsus 4, 9 werden die Fehler der Milz durch Ruhe schlimmer gemacht, durch Bewegung und Anstrengung vermindert ( vitium lienis quiete augetur, exercitatione et labore minuitur. ) Cappadox .                                           Laß dies für jezt; Antworte mir auf meine Frage. Könntest du's Wohl deuten, wenn ich meinen Traum von jüngster Nacht Dir schildern wollte? Palinurus . (auf sich deutend)   Siehe da, hier steht der Mann, Der einzig Träume deuten kann! Wahrsager selbst Befragen mich um meinen Rath. Was meinem Mund Entströmte, das gilt Allen als Orakelspruch. Zweite Scene. Ein Koch . Cappadox . Palinurus . Phädromus . Der Koch . Was stehst du da, Palinurus? Bringst du bald heraus, Was nöthig ist, damit der Kornwurm essen kann, Sobald er ankommt? Palinurus .                         Warte nur, ich lege dem Erst seinen Traum aus. Der Koch .                            Und du selbst trägst mir ja vor, Was dir geträumt hat! Palinurus .                           Allerdings. Der Koch .                                             Geh, hole nur! Palinurus . (zu Cappadox ) Indeß erzähle deinen Traum dem Koche da. Hier stell' ich einen Bessern dir an meiner Statt. Denn was ich weiß, hab' ich von ihm. Cappadox .                                                   Und hört er? Palinurus .                                                                         Ja. (geht ab.) Cappadox . Der thut, wie Wenige, daß er seinem Meister folgt. (zum Koch ) Nun höre mich! Der Koch .               Obschon ich dich nicht kenne, sei's! Cappadox . Im Traume glaubt' ich heute Nacht den Aesculap Zu seh'n: in weiter Ferne saß der Gott von mir; Er kam zu mir nicht näher und bekümmerte Sich nicht um mich. Der Koch .                       Das thäten andre Götter auch. Sie stimmen trefflich unter sich zusammen. Kann's Dich Wunder nehmen, wenn es dir nicht wohler ist? Im Haus des Zeus zu schlafen war gerathener, Der dir bei deinen Schwüren durchgeholfen hat. Cappadox . Nicht Raum zu schaffen wäre mehr im Capitol, Wenn dort ein Jeder schliefe, der Meineide schwur. Der Koch . Nun merke, was ich sage: bitte den Aesculap Um Gnade, daß dir nicht ein großes Ungemach Begegne, das dir vorbedeutet ward im Traum. Cappadox . Hast Recht. Ich gehe beten. (ab.) Der Koch .                                               Sei's zu deinem Fluch! Palinurus . (aus dem Hause zurückkommend) . Du großer Zeus! Wen seh' ich? Wer kommt dort daher? Ist's nicht der Kornwurm, den mein Herr nach Carien Geschickt? Heraus! He! Phädromus! Geschwind heraus! Phädromus . (kommt aus dem Hause) Was machst du da für einen Lärm? Palinurus .                                               Dein Parasit Kommt, seh' ich, dort am Straßenende hergerannt: Wir wollen hier doch lauschen, was er thut. Phädromus .                                                           Ja, ja. (sie treten auf die Seite.) Dritte Scene. Parasit Kornwurm . Phädromus . Palinurus . Kornwurm . (kommt hastig gelaufen) Schaffet Plaz da, Freunde, Fremde, während ich hier meine Pflicht Thue! Drückt euch, fliehet alle, packet euch vom Wege weg! Daß ich Keinen doch im Lauf an Kopf, an Arm, an Brust und Knie Stoße! Denn ich habe jezt ein eilig, rasch und schnell Geschäft. Sei er noch so reich und mächtig, wer mir hier im Wege steht, Sei er Feldherr, oder König, oder Feldgeschworener, Viertelsmeister, oder Schulze, sei er noch so hoch geehrt, Wenn er mir den Weg verrennt, ich werf' ihn auf das Pflaster hin, Daß er auf dem Kopfe steh'n soll! Dann die Herrn aus Griechenland, Die, das Haupt verhüllt, in langen Mänteln durch die Straße zieh'n »Jene Griechen, die in langen Mänteln durch die Straße zieh'n.« Die Griechen, bemerkt Danz, legten einen großen Werth auf eine geschickte Umwerfung des Mantels, und hatten sogar ein eigenes Wort (ευσχημοσύνη) für den guten Anstand im Wurfe dieses Theiles der Kleidung. Die Römer trugen dieses pallium nicht, und palliatus bezeichnet daher bei ihnen immer den Griechen. , Mit der Wulst von Büchern und mit fetten Bissen vollgepackt, Die zusammensteh'n und plaudern, das verlaufne fremde Volk »Das verlaufne fremde Volk,« drapetae, Flüchtlinge, Abenteurer, die ihr Vaterland verlassen, um auswärts ihr Glück zu machen. , Die mit ihren weisen Sprüchen allerwärts im Wege steh'n, Die man immer in den Schenken zechen sieht, die, wenn sie was Wegstipizt, in warmem Wein sich gütlich thun, das Haupt bedeckt »Das Haupt bedeckt,« wie V. 10 . Die Römer gingen gewöhnlich mit unbedecktem Haupte. Man sieht an der Wiederholung, wie anstößig jene griechische Sitte den Römern war. , Daß sie mürrisch und betrunken weiter zieh'n – – begegn' ich die, Stoß' ich sicher Jeden einzeln, daß es ihm im Bauche knurrt. Dann die Knechte jener Stuzer, die sich auf der Gasse dort Bei dem Ballspiel tummeln, streck' ich samt den Herrn auf's Pflaster hin. Bleiben die denn nur zu Hause, hüten sich vor Ungemach! Phädromus . Der versteht es, wenn er nur befehlen dürfte. Doch es ist Mode so, so sind die Sklaven jezt; es ist nicht auszusteh'n. Kornwurm . Sagt mir hier Niemand, wo treff' ich meinen Schuzgeist Phädromus? Eile hat's; ich muß mit ihm zu sprechen suchen – augenblicks. Palinurus . (zu Phädromus ) Der sucht dich. Phädromus .             Wir wollen hingeh'n. Kornwurm, he! Dich will ich. Kornwurm .                                                                                               Wer Ruft mich? Wer nennt meinen Namen? Phädromus .                                                 Einer, der dich sprechen will. Kornwurm . Kannst es wohl nicht stärker wünschen, als ich selbst. Phädromus .                                                                                     Mein süßes Glück! Heißersehnter, sei gegrüßt! Kornwurm .                                 Ich danke dir. Phädromus .                                                       Dich wohl zu seh'n, Freut mich recht. Gib mir die Hand. Wie steht's um meine Hoffnungen? Sage mir's, ich bitte dich. Kornwurm .                               Herr, sage mir, wie steht's um mich? Phädromus . Fehlt dir was? Kornwurm .                         Nacht wird's vor mir; vor Hunger sinkt mein Knie mir ein. Phädromus . Vor Ermattung, – will ich glauben. Kornwurm .                                                         Halt mich, halt, ich bitte dich. Phädromus . Wie er blaß wird! Gebt ihm einen Sessel, daß er sizen kann! Hurtig! Ein Gefäß mit Wasser! Schnell! Kornwurm .                                                     Es wird mir übel. Phädromus .                                                                                 Freund, Willst du Wasser haben? Kornwurm .                             Ja, wenn Brod darin ist, gib es her, Daß ich's essen kann, ich bitte. Phädromus .                                       Wenn dich doch der Geier – Kornwurm .                                                                                       Macht, Daß ich mich des guten Windes freue, der mich hergebracht! Phädromus . Herzlich gern. ( Phädromus und Palinurus blasen aus vollen Backen) Kornwurm .                         Was macht ihr denn? Palinurus .                                                             Wir machen Wind Kornwurm .                                                                                         Mit eurem Wind Könnt ihr mir zu Hause bleiben. Phädromus .                                       Nun, was willst du denn? Kornwurm .                                                                                 Ich will Essen und mich meiner Ankunft freuen. Phädromus .                                                   Daß dich Jupiter Strafe, wie du's würdig bist! Kornwurm .                                   Ich sterbe, sehe schon nicht mehr Bitter schmeckt es mir im Mund, stumpf sind die Zähne, dürr der Schlund, Und vor lauter Speisemangel schlottern die Gedärme mir. Phädromus . Gleich bekommst du was. Kornwurm .                                           Ich will nicht was ; ich möchte lieber viel . Phädromus . Wenn du wüßtest, was für Ueberbleibsel da sind. Kornwurm .                                                                                 Wüßt' ich doch, Wo sie sind! Die Zähne wünschen was mit ihnen abzuthun. Phädromus . Schinken, Schmeerbauch, Lendenbraten, Schweinehalsstück. Kornwurm .                                                                                                 Alles das? Auf der Fleischbank meinst du wohl? Phädromus .                                               Mit nichten, auf den Schüsseln schon: Alles ward für dich bereitet, als wir hörten, daß du kämst. Kornwurm . Spotte nicht! Phädromus .                     Nicht lieben soll mich meine Liebste, lüg' ich dir! Doch du sagst von deiner Sendung mir kein Wort. Kornwurm .                                                                   Ich bringe nichts. Phädromus . Bin verloren! Kornwurm .                       Doch ich kann dich finden, wenn du hören willst. Wie du mir befohlen, reist' ich ab und kam nach Carien. Dort erblick' ich deinen Freund, und bitte den um Geld für dich. Und da hätt'st du sehen sollen, wie er dir gefällig sein Wollte, dich nicht täuschen mochte, wie's dem wahren Freunde ziemt. Nur mit wenig Worten sagt' er unverholen mir heraus, Ihm ergeh' es ganz wie dir, er habe selbst kein Geld wie du. Phädromus . Freund, du tödtest mich mit deinen Reden. Kornwurm .                                                                     Nein, ich rette dich. Als mir der Bescheid geworden, geh' ich auf den Markt, betrübt, Daß ich fruchtlos hingekommen. Da begegnet mir sofort Ein Soldat. Ich geh' ihn an, und grüß' ihn. Er wünscht guten Tag, Schüttelt mir die Hand, und führt mich auf die Seite, fragt, warum Ich nach Carien gekommen. Zum Vergnügen bin ich hier, Sag' ich ihm. Dann fragt er weiter, ob ich in Epidaurus nicht Einen Wechsler Lyco kenne. Lyco ist mir wohlbekannt, Sag' ich ihm. Auch Cappadox, der Kuppler? Hab' ihn oft geseh'n. Doch was soll der? – Um den Preis von dreißig Minen hab' ich einst Ihm ein Mädchen abgekauft; zehn kommen noch für Schmuck dazu. »Hast du ihm das Geld gegeben?« – Bei dem Wechsler Lyco liegt's »Bei dem Wechsler Lyco liegt's.« Die Alten, bemerkt Lambinus, pflegten ihr Geld, auch dasjenige, das sie Niemanden schuldig waren, bei den Wechslern niederzulegen. , Den ich dir vorhin genannt. Dem trug ich auf, wenn Einer ihm Einen Brief mit meinem Ringe zugesiegelt brächte, dem Dirne, Schmuck und Kleider, – Alles von dem Kuppler mitzugeben. Als ich das vernommen, ging ich. Doch er ruft mich schnell zurück, Ladet mich zu Tisch, ich kann's ihm nicht versagen. »Geh'n wir gleich! Wollen uns zu Tische sezen,« sagt er dann. Das war mir recht. Denn ich darf den Tag nicht feiern, und der Nacht nicht Abbruch thun. Alles ist bereit, und wir, für die's bereitet war, sind da. Als wir satt gegessen und getrunken, herrscht er Würfel her, Fordert mich zu spielen auf; ich seze meinen Mantel, er Sezt dagegen seinen Ring aus, wirft und ruft: Planesium. Phädromus . Meine Liebste? Kornwurm .                           Schweig' ein bischen still. Er wirft den Geierwurf Der Geierwurf, auch der Hundewurf ( canis ) genannt, war der unglücklichste Wurf im Würfelspiele; der glücklichste war der Königswurf ( basilicus ), auch Venus genannt. . Ich ergreife dann die Würfel, rufe meinen Nährer an, Hercules »Ich rufe meinen Nährer an, den Hercules.« Bei dem Würfelspiele pflegte man irgend eine Gottheit anzurufen, um durch ihre Verwendung einen glücklichen Wurf zu thun. Soldaten riefen den Kriegsgott an, Verliebte die Göttin der Liebe oder die Geliebte selbst (vgl. V. 81 ), Parasiten den Hercules, weil man diesem Gott einen gewissen Zehnten opferte, wovon die ärmere Klasse der Bürger speiste, zu welcher gewöhnlich auch die Parasiten gehörten. Auch war Hercules durch seine Gefräßigkeit bekannt, inter πολυφάγους nominatissimus. , und werfe gleich den Königswurf. Dann trink' ich ihm Einen großen Becher zu. Er leert ihn, legt sich auf das Haupt, Und schläft ein. Nun zieh' ich ihm den Ring vom Finger, schleiche mich Ingeheim vom Polster weg; er merkte nichts. Die Knechte zwar Fragen mich, wohin ich wolle. Wo die Satten hinzugeh'n Pflegen, rief ich. Und die Thür erblickend, husch' ich flugs hinaus. Phädromus . Bravo! Kornwurm .             Rufe bravo, wann ich erst vollbracht, was du verlangst. Geh'n wir jezt hinein, und siegeln dort den Brief! Phädromus .                                                                   Ich säume nicht. Kornwurm . Doch wir schmausen erst noch etwas, Lendenbraten, Schinken, Speck, (Unsres Magens ächte Stüzen!) Brod, gebrat'nes Ochsenfleisch, Weite Töpfe, große Humpen, daß es nicht an Geist gebricht. Mache du den Brief zurecht; der (auf einen der Knechte deutend)                                                     wartet auf, ich esse dann. Wie du schreiben sollst, bedeut' ich dir. Nun komm. Phädromus .                                                                       Ich folge dir. (Alle ab in's Haus.) Dritter Act. Lyco . Kornwurm . Cappadox . Lyco . Man hält mich für begütert: ich berechnete, Was ich an Geldern habe, was ich schuldig bin. Bezahl' ich meine Schulden nicht, so bin ich reich; Und falls ich sie bezahlen will, so krieg' ich noch Mehr Schulden. Wenn ich's gründlich überlege, muß Ich vor den Prätor, wenn man mich noch weiter drängt. Die meisten Wechsler haben's bei sich eingeführt, Sie mahnen sich einander und bezahlen nicht: Den, der zu laut mahnt, zahlen sie mit Fäusten aus. Ein Mensch, der zeitig etwas sich erworben hat, Muß zeitig hungern, wenn er nicht auch zeitig spart. Jezt kauft' ich gern ein Schäzchen, dessen Dienste mir Etwas verdienen könnten; denn ich brauche Geld. (er tritt vor die Bildsäule des Aesculap, um den Gott zu begrüßen) Kornwurm . (kommt aus dem Hause des Phrädromus , und ruft diesem auf der Schwelle zu) Du brauchst mich nicht zu mahnen; denn jezt bin ich satt. Da merk' ich gut, vergesse nichts. Ich werde dir's Nach Wunsch bestellen, ohne Fehl; nur schweige still. (er tritt vor) Jezt hab' ich doch da drinnen mich recht vollgestopft: Nur Ein Behälter ließ ich noch im Magen frei, Wo ich die Reste von den Resten bergen kann. (er wird den Lyco gewahr) Doch wer begrüßt denn mit bedecktem Haupte »Mit bedecktem Haupte« bezeigte man den Göttern seine Verehrung, indem man den Körper rechtsum drehte. In salutandis et adorandis diis stantes capite operto, corpus dextroversum in orbem circumagebant, procumbebant etiam, dextramque ori admoventes, osculum labris premebant, tum deinde sedebant. Brisson. dort Den Aesculap? Ah! Der ist's, den ich suchte. (zu Cappadox , den er mitgebracht hat)           Komm! Als ob ich ihn nicht kennte, ja, so stell' ich mich. (zu Lyco ) Ich will zu dir. He! Lyco .                             Guten Tag, Einäugiger »Ich glaube, du bist vom Geschlecht der Koklier; die haben nur Ein Auge.« Varro 6, 3. ab oculo cocles quasi ocles dictus, qui unum haberet oculum. Plin. 11, 37. Qui altero lumine orbi nascerentur, Coclites vocabantur, qui parvis utrisque, Ocellae. ! Kornwurm . Du spottest mein? Lyco .                                       Ich glaube, du bist vom Geschlecht Der Koklier; die haben nur Ein Auge. Kornwurm .                                                 Nun, Mir schlug ein Wurfzeug eines aus bei Sicyon. Lyco . Was geht es mich an, ob ein Aschentopf es dir Zerschlug? Kornwurm . (bei Seite)   Das ist ein Seher wohl; er spricht so wahr. Denn solches Wurfzeug trifft mich oft an meinen Kopf. (zu Lyco ) Sprich nicht verächtlich von der Ehrenmarke da, Der Wunde, Menschlein, die ich für den Staat empfing. Lyco . Nun, wenn ich von der Marke dir nicht reden darf, So darf ich's doch vom Markte? Kornwurm .                                       Weg mit dem Geschwäz Von deinem Markt und deiner Marke! Wenn du mir Den, den ich suche, zeigen kannst, verdienst du dir Von mir den vollsten, größten Dank. Ich spräche gern Den Wechsler Lyco. Lyco .                               Sage mir, warum du jezt Nach dem verlangst: wo kommst du her? Kornwurm .                                                     Vernimm: mich schickt Der Held Therapontigonus Platagidor. Lyco . Wohl kenn' ich seinen Namen, weil der Name mir Vier volle Zeilen allemal bei'm Schreiben füllt. Was soll der Wechsler Lyco dir? Kornwurm .                                         Man trug mir auf, Ihm diesen Brief zu bringen. Lyco .                                           Und wer bist du denn? Kornwurm . Sein Freigelass'ner, der im Haus Langfinger heißt. Lyco . Langfinger? Woher wurde dir der Name? Sprich! Kornwurm . Weil, wenn der Herr betrunken eingeschlafen ist, Ich lange Finger mache, wo's zu mausen gibt. Lyco . Such' anderswo dir Unterkunft, ich rathe dir's, Weil hier bei uns kein Plaz für lange Finger ist. Doch den du suchst, Freund, der bin ich. Kornwurm .                                                     Im Ernst? Du bist Der Wechsler Lyco? Lyco .                               Freilich bin ich der. Kornwurm .                                                       So läßt Der Held Therapontigonus den besten Gruß Dir sagen und dir diesen Brief zustellen. Lyco .                                                               Mir? Kornwurm .                                                             Ja, dir. Da nimm! Erkennst du dieses Siegel? Lyco .                                                         Ei! Wie sollt' ich nicht? Ein Söldner, mit dem Schild bewehrt, Haut einen Elephanten mit dem Schwert entzwei. Kornwurm . Er läßt dich bitten, was im Brief geschrieben steht, In's Werk zu sezen, liege dir an seiner Gunst. Lyco . Gib her; ich will doch sehen, was er schreibt. Kornwurm .                                                               So lies, Wie dir's gefällt – (bei Seite)           bekomm' ich das nur, was ich will. Lyco . (liest den Brief) »Soldat Therapontigonus Platagidor Entbeut dem Lyco, seinem epidaurischen Gastfreunde, seinen besten Gruß.« Kornwurm . (bei Seite)                           Den hab' ich, der Schnappt nach der Angel. Lyco . (fährt fort zu lesen)         »Ich ersuche dich, dem Mann, Der diesen Brief dir überbringt, das Mädchen, das Ich dort in deiner Gegenwart und auf dein Wort Erstanden, auszuliefern, auch was ihr gehört, Den Schmuck, die Kleider. Weißt du doch, wie's unter uns Beredet ward. Dem Kuppler übergib das Geld, Und ihm, dem Ueberbringer, gib das Mädchen.« – Doch Wo ist er selbst? Was kommt er nicht? Kornwurm .                                                 Ich sage dir's. Wir kamen vor vier Tagen erst aus Indien Nach Carien. Da nun will er eine Statue Aus seinem Philippeergold Philippeergold , Gold aus den Bergwerken des Königs Philippus in Macedonien. von sieben Fuß Sich sezen lassen, als ein Denkmal seines Ruhms. Lyco . Warum? Kornwurm .     Vernimm: die Perser, Paphlagonier, Sinoper, Carer, Creter, Syrer, Araber, Die Lycier, Rhodus, Fresserland, Saufejerland, Centanrenkampfland, Amazonenheeresland, Das ganze Weinbeerküstenland von Libyen, Den halben Theil von allen Völkern aus der Welt Hat er allein in zwanzig Tagen unterjocht. Lyco . (verwundert) Ei! Ei! Kornwurm .   Was staunst du? Lyco .                                       Hätte man die Völker auch, Wie Hühner, all' in einen Käfig eingesperrt, Er kam in Einem Jahre nicht damit herum. Ich glaub's, du bist an seinem Tisch »Ich glaub's, du bist an seinem Tisch,« credo te esse i. e. edere ab illo, parasitum illius esse. : so lügst du da. Kornwurm . Ich kann dir mehr noch sagen, wenn du's haben willst. Lyco . O laß es gut sein. Folge mir: ich will dich gleich Abfertigen. Doch der Kuppler, sieh, da ist er ja. Willkommen, Kuppler! Cappadox .                           Danke schön Lyco .                                                         Was meinst du wohl, Was mich zu dir führt? Cappadox .                           Sage, was? Lyco .                                                     Nimm hier das Geld, Und schicke mit dem Burschen da das Mädchen fort. Cappadox . Das Mädchen, das ich Phädromus zu geben schwur? Lyco . Kann das dich kümmern, wenn du nur dein Geld bekommst? Cappadox . (für sich) Zurathen ist dem Zuthun gleich. (laut)                                     Jezt kommet nur Mit mir. Kornwurm .   Und, Kuppler, halte du mich ja nicht auf. (Alle ab.) Vierter Act. Erste Scene. Der Aufseher über die Theatergarderobe . Phädromus hat, traun, an Kornwurm einen feinen Schalk erwischt. Soll ich ihn Halunk betiteln, oder lieber Sykophant? Was ich hierher lieh, die Kleider, fürcht' ich, krieg' ich nicht zurück. Zwar mit Kornwurm hab' ich nichts; ich borgte sie dem Phädromus. Dennoch will ich auf der Hut sein. Aber bis er wiederkommt, Zeig' ich euch, an welchem Ort ihr jeden Menschen finden könnt, Daß ihr euch nicht lange mühen dürfet, wenn ihr Einen sucht, Einen Schlechten oder Guten, Schelmen oder Biedermann. Sucht ihr wen, der falsch geschworen, gehet in's Comitium Comitium hieß ein öffentlicher Plaz in Rom am Markte, wo die Volksversammlungen gehalten wurden. Auf demselben befand sich das puteal Libonis (die Brunneneinfassung des Scribonius Libo), das auch schlechthin puteal hieß, der Ort, bei welchem die Wucherer sich versammelten, die am meisten wegen Meineids berüchtigt waren. , Nach dem Tempel Cloacina's Eine besondere Kapelle der Venus Cloacina befand sich im Comitium. , wenn ihr Lügner, Prahler sucht. Ehemänner, die verschwenden, findet ihr am Königsplaz. Auch die alten Buhlerinnen, auch die Kuppler trefft ihr dort, Auf dem Fischmarkt Alle, die bei Pickenicks sich gütlich thun; Biedre reiche Leute seht ihr an des Marktes Ende geh'n. Mitten am Kanale steh'n Großsprecher und Bramarbasse. Stolze Gecken, Schwäzer und Verläumder seht ihr über'm Teich, Die den Nächsten kühn verlästern, ohne Grund, um nichts, indeß Doch genug an ihnen haftet, was des Tadels würdig ist. Bei den alten Buden Bei den alten Buden ( sub veteribus sc. tabernis )s stand nach Livius 44, 16 die Statue des Vertumnus, bei welcher Bücher und Gartenfrüchte feilgeboten wurden. Hier wurden auch Geldgeschäfte abgemacht. borgt man oder leiht auf Zinsen aus. Leute, denen schwer zu trau'n ist, steh'n an Castors Heiligthum Auf der Seite des Marktes, wo der Tempel des Castor stand, hatten die öffentlichen Geldmäkler ihren Stand. Danz. . Solche, die sich selbst verkaufen, hegt die Tuskergasse In der Tuskergasse hatten Kuppler, feile Dirnen und ähnliches Gesindel ihre Niederlage. Vgl. die Anmerkung zum Kästchen 2, 3, 26 . dann. Im Velabrum Den Namen Velabrum führten zwei Gegenden in Rom, die durch das Beiwort minus und majus unterschieden wurden; das kleine wurde zur achten, das größere zur elften Region gerechnet. Jenes stieß an das forum boarium, dieses an das Ufer der Tiber, und der Fischmarkt lag zwischen beiden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die ganze Gegend zwischen dem größeren und kleineren überhaupt das Velabrum genannt wurde, wiewohl einzelne Pläze, die dazu gehörten, von ihrer besonderen Bestimmung auch ihren eigenen Namen hatten. Alle Arten von Eßwaaren und alle möglichen Bedürfnisse der Ueppigkeit waren hier zu Kauf. S. Wieland zu Horaz Sat. 2, 3, 229. trefft ihr Bäcker, Fleischer, Zeichendeuter und Die am Unglück Andrer schaffen, die dazu die Mittel leih'n. Doch indessen knarrt die Thür: ich muß die Zunge bändigen. (geht ab.) Zweite Scene. Kornwurm . Cappadox . Lyco . Planesium . Kornwurm . (zu Planesium ) Geh du voran; ich kann nicht seh'n, was hinten ist, o Mädchen. (zu Cappadox ) Was sie besize, Schmuck und Puz, gehör' ihm, sagt er, alles. Cappadox . Das läugnet Niemand. Kornwurm .                                   Aber doch ist's besser, dran zu mahnen. Lyco . (zu Cappadox ) Vergiß nicht, daß du mir versprachst, wenn irgendwer als Freie Das Mädchen an sich nehme, mir mein Geld zurückzugeben, Die dreißig Minen. Cappadox .                     Werd' es nicht vergessen: sei nur ruhig. Versprech' es wiederholt. Kornwurm .                               Auch ich will dich daran erinnern. Cappadox . Als eigen sprech' ich dir sie zu. Kornwurm .                                                   Von einem Kuppler nähm' ich was Als eigen an? Ein Kuppler hat nichts Eignes als die Zunge nur, Um abzuschwören, was man ihm vertraut. Mit Fremden handelt ihr, Ihr sezt in Freiheit Fremde nur, und über Fremde herrschet ihr. Euch kümmert's nicht, von wem ihr kauft, und keinem Käufer steht ihr ein. Die Kuppler sind vor aller Welt für nichts geachtet, scheint es mir, Nichts weiter, als was Fliegen, Mücken, Wanzen, Flöh' und Läuse sind. Zur Plage, zur Beschwerde nur, und nicht zum Nuzen seid ihr da. Sich auf dem Markte neben euch zu stellen, wagt kein Ehrenmann, Und thut er's, dann beschimpft man ihn, man spuckt ihn an, man schilt ihn aus. Da heißt's, er bringe sich um Ehr' und Geld, auch wenn er nichts verbrach. Lyco . Bei meiner Treu, Einäugiger, du kennst die Kuppler recht genau. Kornwurm . (zu Lyco ) Euch stell' ich an denselben Plaz; ihr gleicht den Kupplern auf ein Haar. Die stecken doch in Winkeln nur; ihr stellt am offnen Markt euch aus. Ihr ruinirt durch Wucher, sie durch Liebesköder und Betrug. Wie viele Staatsgeseze gab um euretwillen schon das Volk! Doch ungescheut durchbrechet ihr das Garn; ihr findet stets ein Loch. Für heißes Wasser achtet ihr die Sazungen, berührt sie keck, Sobald sie kalt geworden sind. Wie das heiße Wasser, bemerkt Lambinus, Niemand zu berühren wagt, so lange es heiß ist, aber kein Bedenken trägt, es zu berühren, sobald es kalt geworden: also ist es auch mit den Gesezen; so lange sie noch neu sind, werden sie gefürchtet und gehalten; bald aber veralten sie, und Niemand achtet ihrer mehr. Lyco .                                                 O hätt' ich doch geschwiegen! Cappadox .                                                                                         Mir, Der nichts Verkehrtes dachte, sagst du Böses und Verkehrtes nur. L. Haud male meditato male dicax es. Kornwurm . Nur wenn es Einer nicht verdient, dann ist das Böse bös gesagt. Doch wenn's verdient ist, ist es, traun, nach meinem Urtheil gut gesagt. (zu Cappadox ) Ich brauche dich so wenig als sonst einen Kuppler zur Gewähr. – Verlangst du noch was, Lyco? Lyco .                                               Nein; leb wohl! Kornwurm .                                                               Leb wohl! (will gehen) Cappadox . (zu Kornwurm )                                                         Du, noch ein Wort! Kornwurm . Was willst du? Cappadox . Sei dafür besorgt, ich bitte, daß ihr's (auf Planesium deutend)                               wohl ergeht. Ich zog sie fein und züchtig auf. Kornwurm .                                       Wenn ihr Geschick dich jammert, sprich, Was gibst du, daß ihr's wohl ergeht? Cappadox .                                               Nun, Schläge. Kornwurm .                                                                     Schläge brauchst du selbst. ( Planesium weint) Cappadox . (zu Planesium ) Was weinst du, Thörin? Fürchte nichts; ich habe dich ganz gut verkauft. Betrage dich nur gut, und folge dem da schön, mein schönes Kind. Lyco . (zu Kornwurm ) Langfinger, willst du weiter was von mir? Kornwurm .                                                       Leb wohl und bleib gesund! Hast mir zulieb dich wacker umgethan, mich wohl mit Geld verseh'n. Lyco . Ich lasse deinen Herrn Patron auf's Beste grüßen. Kornwurm .                                                                     Danke schön. (geht ab.) Lyco . (zu Cappadox ) Verlangst du sonst was, Kuppler? Cappadox .                                           Gib die zehen Minen, mich davon Zu pflegen, bis mir besser wird. Lyco .                                                 Du sollst sie morgen haben; laß Sie holen. Cappadox . (für sich)                 Alles ging nach Wunsch: ich will den Göttern dankbar sein. Die kauft' ich um zehn Minen einst; da war sie noch ein kleines Kind. Den Menschen, der sie mir verkauft, den hab' ich nachher nie geseh'n. Wohl wird er todt sein. Was verschlägt es mir? Ich habe ja das Geld. Ja, wem der Himmel gnädig ist, dem wirft er Gold mit voller Hand In seinen Schooß. An's Opfer jezt! Dann will ich mich recht gütlich thun. (er geht ab.) Dritte Scene. Therapontigonus . Lyco . Therapontigonus . Nicht gering ist, traun, der Zorn, von dem erzürnt ich jezt einher Trete, nein, derselbe, der bei'm Sturm der Städte mich durchflammt. Wenn du nicht die dreißig Minen eilig mir zu geben eilst, Die bei dir ich hinterlegte, legst du flugs dein Leben ab. Lyco . Nicht gering ist, traun, das Unglück, das ich dir bereiten will, Nein, dasselbe, welches strafend die ereilt von meiner Hand, Denen ich nichts schuldig bin. Therapontigonus .                           Nur nicht so trozig! Glaubst du wohl, Daß ich bitten werde? Lyco .                                   Niemals zwingst du mich, was ich bereits Dir bezahlt, dir noch einmal zu zahlen; nein, das thu' ich nicht. Therapontigonus . Als ich dir das Geld vertraute, hab' ich doch sogleich gedacht, Daß du nichts heimzahlen würdest. Lyco .                                                     Was verlangst du's jezt von mir? Therapontigonus . Wissen will ich, wem du's gabst. Lyco .                                                                         Dem blinden Freigelass'nen, der, Wie er sagt, Langfinger heißt, dem zahlt' ich's aus, dem nämlichen, Der mir einen Brief von dir zustellte. Therapontigonus .                                     Brief? Was faselst du Mir von Briefen, Freigelass'nen, was von langen Fingern da? Keinen Freigelass'nen hab' ich, keinen. Was hast du gethan? Lyco . Was du selbst befohlen, that ich nur aus Achtung gegen dich. Konnte doch den Boten, der dein Siegel brachte, nicht verschmäh'n. Therapontigonus . Mensch, du warst der Thoren größter, daß du diesem Brief getraut. Lyco . Hätt' ich dem nicht trauen sollen, was im Staat, im Hause gilt? Geh' ich nun! Du hast dein Geld. Ich wünsche wohl zu leben, Held! Therapontigonus . Wohl zu leben? Lyco .                                             Meinethalb sei immer krank, wenn dir's behagt! (geht ab.) Therapontigonus . Himmel! Was beginn' ich nun? Was hilft es mir, daß Könige Mir gehorchten, wenn ein solcher Stubenkauz mich narren darf? Vierte Scene. Cappadox . Therapontigonus . Cappadox . Wem die Götter gnädig sind, dem, glaub' ich, sind sie nicht erboßt. Nun ich dargebracht mein Opfer, kommt es mir in meinen Sinn, Mir das Geld zu holen, eh der Wechsler aus dem Staub sich macht. Besser ist es doch, ich habe was zu essen, als wie er. Therapontigonus . Ich begrüßte dich. Cappadox .                                         Therapontigonoplatagidor, Sei gegrüßt! In Epidaurus bist du glücklich angelangt; Doch in meinem Hause leckst du heute nicht ein Körnchen Salz. Therapontigonus . Schönen Dank! Ich bin bereits versagt – zu deinem Untergang. Aber was macht meine Waare denn bei dir? Cappadox .                                                           Nichts, nichts bei mir. Rufe keine Zeugen: ich bin nichts dir schuldig. »Bemühe dich nicht um Zeugen, um die Sache vor Gericht anhängig zu machen; es wird dir nichts helfen.« Therapontigonus .                                                       Was ist das? Cappadox . Was ich schwur, das hielt ich. Therapontigonus .                                     Gibst du mir das Mädchen, oder nicht, Ehe dich mein Sarras hier zusammenhaut, du Galgenbrand? Cappadox . Derbe Prügel sollst du mir bekommen: laß dein Drohen nur! Sie ward weggeführt, und du wirst weggetragen, wenn du mich Länger schmähst. Bin ich dir etwas schuldig, sind es Schläge nur. Therapontigonus . Schläge drohst du mir? Cappadox .                                                 Ich drohe nicht, dir geben werd' ich sie, Wenn du fortan mich belästigst. Therapontigonus .                             Was? Ein Kuppler will mir droh'n? Meine tausend Schlachten alle lägen so zertreten da? Ja, so wahr mir Schild und Sarras Helfen soll im Schlachtgewühle: gibst du mir das Mädchen nicht, Schaff' ich gleich, daß hier die Aemsen fort dich schleppen Stück für Stück! Cappadox . Ja, so wahr der Kamm, die Zange, Kräuseleisen, Spiegel mir, Meine Scheere samt dem Handtuch helfen soll bei meinem Puz, Acht' ich deine großen Worte, deine stolzen Drohungen Höher nicht, als meine Dienstmagd, welche mir den Abtritt wäscht! – Der das Geld von dir gebracht hat, diesem gab ich sie zurück. Therapontigonus . Wer ist der? Cappadox .                                 Er gab sich aus für deinen Freigelass'nen, der, Wie er sagt, Langfinger heißt. Therapontigonus .                         Für meinen Freigelass'nen? Ha! Diesen Streich hat (überleg' ich's,) nur der Kornwurm mir gespielt. Er hat mir den Ring entwendet. Cappadox .                                       Einen Ring verlorest du? (bei Seite) Der Soldat, ich merk' es, ist vom abgedankten Regiment. Therapontigonus . Doch wo find' ich jezt den Kornwurm? Cappadox .                                                                           Im Getreide, sag' ich dir, Findest du mit leichter Müh statt Eines Kornwurms hundert. Ich Gehe weiter. Glück und Heil dir! (geht ab.) Therapontigonus .                               Alles Unheil über dich! Was beginn' ich? Bleib' ich? Geh' ich? So geprellt und angeschmiert? Dem versprech' ich ein Geschenk, der von dem Kerl mir Kunde gibt. (ab.) Fünfter Act. Erste Scene. Kornwurm . Ein Poet aus alten Zeiten schrieb in einem Trauerspiel, Daß zwei Frauen schlimmer seien, als nur Eine. Ja, so ist's. Aber schlimmer, als die Liebste meines Herrn, des Phädromus, Sah ich nichts und hört' ich nichts, und Schlimmres kann auch nichts erdacht Oder ausgesprochen werden. Kaum erblickte sie den Ring, Fragte sie, woher ich ihn denn hätte? – Was, erwiedert' ich, Fragst du danach? – Weil ich danach fragen muß. – Du fragst umsonst, Sagt' ich drauf. Da beißt sie mich, den Ring zu kriegen, in die Hand. Kaum entrann ich durch die Thür noch. Fort, du kleine Bestie! Zweite Scene. Planesium . Phädromus . Kornwurm . Therapontigonus . Planesium . (indem sie dem Kornwurm nachläuft) Phädromus, geschwind! Phädromus .                           Warum? Planesium .                                           Daß du den Kornwurm nicht verlierst. 's ist von großem Werth. Phädromus .                           Für mich nicht. Was ich Werthes hatte, ward' Schnell verzehrt. Planesium .                 Ach, halt' ihn auf! Phädromus .                                             Warum? Was willst du denn mit ihm? Planesium . Frage, woher er diesen Ring hat: denn ihn trug mein Vater einst – Kornwurm . Nein, die Schwester meiner Mutter. Planesium .                                                           Dem ihn meine Mutter gab. Kornwurm . Und dein Vater wieder mir. Planesium .                                               O Possen! Kornwurm .                                                               Ja; durch Possen wird Mir das Leben leichter. Was nun? Planesium .                                             Willst du meine Eltern mir Vorenthalten? Kornwurm .           Deine Eltern? Trag' ich die im Ring versteckt? Planesium . Ich bin freigeboren. Kornwurm .                                 Wie viel' Andre, die jezt Sklaven sind. Planesium . Mensch, du machst mich bös. Kornwurm .                                               Ich sagte dir bereits, auf welchem Weg Ich den Ring bekam. Wie oft muß ich's noch sagen? Ich gewann Einem Kriegsmann ihn im Spiel ab. Therapontigonus . (von der Seite kommend)   Ah, wie schön! Da ist der Mensch, Den ich suchte. Guter Freund, wie geht's? Kornwurm .                                                       Ich höre. Hast du Lust Mit drei Würfen um den Mantel? Therapontigonus .                               Packe dich zum Geier fort Mit den Würzen, mit den Würsten! Gib sogleich das Mädchen mir, Oder gib das Geld zurück! Kornwurm .                               Was denn für Geld? Was schwazest du Da für Räthsel? Welches Mädchen forderst du von mir zurück? Therapontigonus . Die du heute von dem Kuppler weggeführt hast, Erzhalunk. Kornwurm . Keine hab' ich weggeführt. Therapontigonus .                                 Da ist sie ja; ich sehe sie. Phädromus . Das ist eine freie Jungfrau. Therapontigonus .                                   Meine Sklavin wäre frei, Die ich niemals freigelassen? Phädromus .                                     Sprich, woher erstandst du sie? Oder wer gab sie dir eigen? Therapontigonus .                         Habe baar das Geld für sie Ausgezahlt durch meinen Wechsler. Von dem Kuppler und von dir Will ich's vierfach wiedernehmen. Wer eines offenbaren Diebstahls ( furtum manifestum ) überführt wurde, mußte außer der gestohlenen Sache den Werth vierfach ersezen. Phädromus .                                               Weil du's denn so gut verstehst, Freigeborne Mädchen, die gestohlen sind, zu kaufen, komm Vor Gericht. Therapontigonus .   Mit nichten. Phädromus .                                 Soll ich Zeugen rufen? Therapontigonus .                                                             Kannst es nicht. Soll ich, fragt Phädromus den Soldaten, Einen von denen, die hier gegenwärtig sind, auffordern, mir zu bezeugen, daß ich dich vor Gericht geladen habe? Das kannst du nicht, erwiedert der Soldat, weil kein Freier zugegen ist, der als Zeuge auftreten kann. Vgl. V. 28 . Phädromus . Möge Zeus dich strafen: lebe, daß du nimmer zeugen kannst! Kornwurm . Ich, der's kann, will dich – Phädromus . (zu Kornwurm )                     Tritt her! Therapontigonus .                                                   Ein Knecht soll zeugen? Nimmermehr! Kornwurm . (schlägt ihn) Hier! Daß du nur weißt, daß ich frei bin! Therapontigonus .                                   Fort zum Richter! (er zerrt den Kornwurm )                                             Willst du geh'n? Kornwurm . (schreiend) Leute, helft! Therapontigonus .   Was schreist du? Phädromus .                                         Was vergreifst du dich an diesem Mann? Therapontigonus . Weil ich will. Phädromus . (zu Kornwurm )           Tritt her zu mir! Therapontigonus .                                                   Ich den dir überlassen? Nein! Kornwurm . Phädromus, beschüze mich! Phädromus .                                             Wie mich, und wie mein Leben selbst. (zu Therapontigonus ) Sage mir, Soldat, woher du diesen Ring bekommen hast, Welchen dir der Parasit hier abgeluchst. Planesium . (fällt dem Therapontigonus zu Füßen)   Ja, laß es uns Wissen, ich beschwöre dich. Therapontigonus .                         Was geht das euch an? Fragt doch auch Nach dem Mantel und dem Schwert, wie ich dazu gekommen bin. Kornwurm . Wie der Fant großthut! Therapontigonus . (zu Phädromus )   Ich sag' euch Alles; aber laß ihn los. Kornwurm . Was er sagt, sind Lügen. Planesium . (noch immer knieend)         Laß mich's wissen, ich beschwöre dich. Therapontigonus . Steh' auf! Ich will's euch sagen. Hört aufmerksam zu, Und wendet hierher euren Sinn. Periphanes, Mein Vater, hat den Ring gehabt. Planesium .                                           Periphanes? Therapontigonus . Vor seinem Ende gab er ihn, wie's billig war, Mir, seinem Sohne – Planesium .                         Hilf, gerechter Jupiter! Therapontigonus . Und sezte mich zum Erben ein. Planesium .                                                             O frommer Sinn, Bewahre mich, wie ich dich allzeit treu bewahrt! Willkommen, Bruder! Therapontigonus .               Kann ich das auch glauben? Wer War deine Mutter? Sprichst du wahr, so nenne sie. Planesium . Cleobule. Therapontigonus .     Deine Amme war –? Planesium .                                                   Archestrata. Die trug mich aus, die Dionysien anzuseh'n. Sobald wir hingekommen und uns hingesezt, Entsteht ein Wirbelwind; die Size brechen ein. Ich zittre, zage: da ergreift mich irgendwer; Ich weiß vor Angst nicht, ob ich todt, ob lebend bin, Und kann nicht sagen, wie mich der hat fortgebracht. Therapontigonus . Ich weiß von diesem Sturme noch: doch sage mir, Wo kam der Mann hin, der dich stahl? Planesium .                                                   Das weiß ich nicht. Doch diesen Ring behielt ich immerfort bei mir; Mit ihm verschwand ich. Therapontigonus .                   Laß ihn seh'n. ( Planesium gibt ihm den Ring) Kornwurm . (zu Planesium )                             Bist du gescheit, Ihn dem zu geben? Planesium .                   Laß mich nur! Therapontigonus .                               O Jupiter! Derselbe, den ich zum Geburtstag dir geschickt! Ich kenn' ihn, wie mich selbst. Willkommen, Schwesterchen! Planesium . Willkommen, Bruder! (sie umarmen sich) Phädromus .                                   Mögen euch die Götter dies Zum Glücke wenden. Kornwurm .                       Ja, zum Glück uns allen hier! (zu Therapontigonus ) Du gibst der Ankunft wegen heut ein Schwestermahl »Ein Schwestermahl« ( coena sororia ) ist ein Mahl, das der wiedergefundenen Schwester gegeben wird. ; Der (auf Phädromus deutend)         hält die Hochzeit morgen: das versprechen wir. Therapontigonus . Du schweige! Kornwurm .                                 Nein, ich schweige nicht, nun Alles sich So gut gemacht hat. (zu Therapontigonus )                                 Du versprich die Schwester dem ; Der Soldat wird aufgefordert, seine Schwester dem Phädromus zu verloben, weil nach dem Tode des Vaters der Bruder der gesezliche Vormund der Schwester war. Ich will die Mitgift geben. Therapontigonus .                     Was? Mitgift? Kornwurm .                                                       Mich selbst! Daß er mich immer füttern mag sein Lebenlang. Therapontigonus . Da hat er Recht. Du magst es meinetwegen thun. Und dreißig Minen schuldet uns der Kuppler hier. Phädromus . Wie so? Wofür das? Therapontigonus .                         Weil er mir versprochen hat, Erweise Jemand, daß sie freigeboren sei, Mir ohne Widerrede das empfangne Geld Zurückzugeben. Phädromus .             Geh'n wir denn zum Kuppler! Therapontigonus .                                                   Schön! Phädromus . Doch möcht' ich gern mein eignes Beste noch zuvor Bestellen. Therapontigonus .   Was denn? Phädromus .                               Daß du diese mir verlobst. Kornwurm . Soldat, was hindert's, daß du sie mit ihm vermählst? Therapontigonus . Wenn sie es wünscht. Planesium .                                               Ja, Bruder. Therapontigonus .                                                       Nun, so mag's gescheh'n! Kornwurm . Da thust du recht. Phädromus . (zu Therapontigonus )   Versprichst du diese mir zur Frau? Therapontigonus . Du sollst sie haben. Kornwurm .                                           Aber ich verspreche mich Bei dir zur Kost, Herr! Therapontigonus .               Allerliebst! Doch siehe da, Hier treff' ich auf den Kuppler, meinen werthen Schaz Der Soldat nennt den Cappadox seinen Schaz, entweder weil er die dreißig Minen bei ihm niedergelegt hat, oder weil er von ihm so viel Geld aufnehmen kann, als er will. . Dritte Scene. Cappadox . Therapontigonus . Phädromus . Planesium . Cappadox . Wer behauptet, Wechslern sei nicht wohl zu trau'n, der redet Lug. Wohl und nicht wohl traut man ihnen »Wohl und nicht wohl traut man ihnen,« d. i. man thut wohl und man thut übel, wenn man ihnen traut. : eben heut erfuhr ich das. Weil sie nie bezahlen, ist's nicht schlecht vertraut, verloren ist's. Der Sinn ist: man legt sein Geld nicht übel an bei solchen, die nie bezahlen, sondern man wirft es weg. Lyco trieb, um mich zu zahlen, sich an allen Tischen »An allen Tischen,« d. i. Wechslertischen. um; Als es nichts ist, und ich laut ihn mahne, da verklagt er mich. Wie besorgt' ich doch, er möchte mich bezahlen vor Gericht! »Wie besorgte ich doch, erst auf dem langen und gefährlichen Wege des Rechtes mein Geld suchen zu müssen!« Doch die Freunde halfen ihm Es war eine schöne, wahrhaft humane Sitte bei den Griechen, bemerkt Casaubonus, arme Freunde zu unterstüzen. Da gab es Gesellschaften, die einen gemeinsamen Kasten hatten, in welchen die Einzelnen jeden Monat etwas Gewisses legten, um, wenn Jemanden aus der Gesellschaft irgend ein Unglück traf, ihn daraus unterstüzen zu können. Die vom Unglück heimgesuchten Genossen erhielten eine gewisse Summe Geldes, die sie wieder erstatteten, sobald sie in bessere Umstände kamen. Dieser also zusammengebrachte Beitrag hieß έρανος, und die Handlung selbst ερανίζειν. , und er bezahlt mich nun zu Haus. Aber eil' ich jezt nach Hause! Therapontigonus .                           Kuppler, he! Ich will zu dir. Phädromus . Und auch ich. Cappadox .                           Ich aber will zu Beiden nicht. Therapontigonus .                                                               Steh' ungesäumt, Und das Geld gib flugs von dir! Cappadox .                                         Was hast du denn mit mir zu thun? Oder ich mit dir? Therapontigonus .       Ich will dich heute, noch, wie einen Spieß, An ein Tau gebunden schnellen, wie's die Wurfmaschinen thun. Phädromus . Und ich bitte dir, galantes Herrchen, einen Hund zu Gast, Einen Hund von Eisen. Catellus oder catulus ist eine Art Band, Kette, sonst auch canis genannt. Festus sagt: catulus genus quoddam vinculi, qui interdum canis appelatur. Cappadox .                               Und ihr Beide sollt im Kerkerloch Sterben! Therapontigonus . (zu Phädromus )               Fass' ihn bei der Gurgel, und zum Henker fort mit ihm! Phädromus . Was? Er wird schon selber hingeh'n. ( Therapontigonus fällt über den Kuppler her.) Cappadox .                                                             Götter, Menschen, seid mir hold! Mich in solcher Art zu schleppen ohne Zeugen und Verhör! Phädromus und du, Planesium, ich bitt' euch, helft mir doch! Planesium . Bruder, richt' ihn nicht zu Grunde, mag er immer schuldig sein! Fein und sittsam hielt er mich daheim. Therapontigonus .                                         Es war nicht sein Verdienst. Hier dem Aesculap verdank' es, daß du noch unschuldig bist. »Hier dem Aesculap verdank' es, daß du noch unschuldig bist.« Dem Aesculap, der dem Kuppler nicht von seiner Wassersucht helfen wollte, und ihm dadurch den Sinn für alle Liebeshändel abstumpfte. Wäre der gesund gewesen, hätt' er dich vor lange schon Hingeschickt, wohin er konnte. Phädromus .                                     Merket auf, ich kann vielleicht Unter euch den Handel schlichten. (zu Therapontigonus )                     Laß ihn los! (zu Cappadox )                                                     Du, Kuppler, tritt Hierher! Hört nun meine Meinung, wenn ihr Folge leisten wollt. Cappadox . Deinem Urtheil stellen wir es völlig heim, wofern du nur Also richten willst, daß Niemand mir das Geld entreißen kann. Therapontigonus . Was versprachst du? Cappadox .                                               Wie versprach ichs? Phädromus .                                                                               Mit dem Munde. Cappadox .                                                                                                             Mit dem Mund Läugn' ich's ab. Mir ward der Mund gegeben, um zu reden, nicht Zu verlieren. Therapontigonus .   's hilft ihm nichts. (zu Phädromus )                           Du, fass' ihn bei der Gurgel. Cappadox .                                                                                         Gleich Will ich thun, was du befiehlst. Therapontigonus .                             Auf meine Frage gib Bescheid; Bist du doch ein Mann von Ehre. Cappadox .                                           Frage nur, was dir beliebt. Therapontigonus . Hast du nicht versprochen, alles Geld zurückzugeben, wenn Einer dir erweise, daß das Mädchen freigeboren sei? Cappadox . Kann mich nicht entsinnen. Therapontigonus .                                 Was? Du läugnest? Cappadox .                                                                             Ja, ich läugne. Wo Sagt' ich's zu? Wer war zugegen? Therapontigonus .                                 Ich und Wechsler Lyco. Cappadox .                                                                                   Schweig! Therapontigonus . Nein, ich schweige nicht. Cappadox .                                                     Ich achte dich für nichts; du schreckst mich nicht. Therapontigonus . Vor mir selbst und Wechsler Lyco sagt' er's zu. Phädromus .                                                                                     Ich glaube dir's. Also jezt, damit du, Kuppler, meine Meinung wissen kannst: Die ist frei, der ist ihr Bruder, seine Schwester sie und bald – Meine Frau; gib ihm das Geld zurück. So lautet mein Bescheid. Cappadox . Wahrlich, treulos hast du diesen Streit entschieden, Phädromus, Dir zum Schaden. Dir, Soldat, dir alles Unheil auf den Kopf! Therapontigonus . Wenn ich nicht mein Geld erhalte, wanderst du sogleich in's Loch. Cappadox . Folge mir! Therapontigonus .       Wohin ich folgen dir? Cappadox .                                                       Zu meinem Wechsler, Herr, Zu dem Prätor »Zu meinem Wechsler, dem Prätor,« wo ich meiner Schulden los werde, ohne sie bezahlen zu müssen, indem ich sie abschwöre. . Dort bezahl' ich Jeden, dem ich schuldig bin. Therapontigonus . In das Loch, nicht vor den Prätor, mußt du, wenn du nicht bezahlst! Cappadox . Und ich wollte, daß dich alle Wetter schlügen, daß du's weißt! Therapontigonus . Wirklich? Cappadox .                             Ganz im Ernste. Therapontigonus .                                           Nun, ich kenne meine Fäuste hier. Cappadox . Und was dann? Therapontigonus .               Was dann? Du fragst? Mit diesen (er zeigt die Fäuste)                                                         will ich heute dich Kirre machen, wenn du mich in Harnisch jagst. Cappadox .                                                                 Da nimm sogleich. (er gibt ihm das Geld.) Therapontigonus . Schön! Phädromus .                       Soldat, du speisest heut bei mir: heut soll die Hochzeit sein. Therapontigonus . Möge mir's und euch gedeihen! (an die Zuschauer)                                         Hat es euch gefallen, klatscht! Uebersicht der Sylbenmaße. Erster Act. Erste Scene . V. 1 –102. Vollständige jambische Trimeter. Zweite Scene . V. 1 –5. Vollständige anapästische Dimeter. V. 6 . Ein unvollständiger trochäischer Dimeter. V. 7 . Ein kretischer Tetrameter. V. 8 . Ein bakcheischer Dimeter. V. 9 . 10. Kretische Tetrameter. V. 11 . Ein vollständiger jambischer Tetrameter. V. 12 . 13. Unvollständige jambische Tetrameter. V. 14 –18. Kretische Tetrameter. V. 19 . Ein jambischer Trimeter. V. 20 . Ein unvollständiger jambischer Tetrameter. V. 21 . 22. Kretische Tetrameter. V. 23 . Ein unvollständiger daktylischer Tetrameter. V. 24 . Ein bakcheischer Tetrameter. V. 25 . 26. Kretische Tetrameter. V. 27 . Ein Vers, zusammengesezt aus einem kretischen Dimeter und einem unvollständigen trochäischen Dimeter. V. 28 . Ein kretischer Tetrameter. V. 29 . Ein unvollständiger jambischer Tetrameter. V. 30 . Ein vollständiger jambischer Tetrameter. V. 31 . Wie V. 29. V. 32 . 33. Jambische Trimeter. V. 34 . 35. Wie V. 29. V. 36 . Wie V. 30. V. 37 . Wie V. 29. V. 38 . 39. Wie V. 30. V. 40 . 41. Wie V. 29. V. 42 –44. Wie V. 30. V. 45 . Ein jambischer Trimeter. V. 46 . Wie V. 30. V. 47 . Ein unvollständiger trochäischer Tetrameter. V. 48 . Ein unvollständiger trochäischer Dimeter. V. 49 . Ein kretischer Tetrameter. V. 50 . Wie V. 48. V. 51 . 52. Vollständige trochäische Dimeter. V. 53 –57. Vollständige trochäische Tetrameter. V. 58 . 59. Unvollständige trochäische Tetrameter. V. 60 . 61. Wie V. 53 ff. V. 62 –69. Kretische Tetrameter. V. 70 . Ein jambischer Trimeter. V. 71 . 72. Unvollständige jambische Tetrameter. Dritte Scene . V. 1 –62. Unvollständige trochäische Tetrameter. Zweiter Act. Erste Scene . V. 1 –37. Jambische Trimeter. Zweite Scene . V. 1 –30. Jambische Trimeter. Dritte Scene . V. 1 –96. Unvollständige trochäische Tetrameter. Dritter Act. V. 1 –96. Jambische Trimeter. Vierter Act. Erste Scene . V. 1 –24. Unvollständige trochäische Tetrameter. Zweite Scene . V. 1 –7. Unvollständige jambische Tetrameter. V. 8 –47. Vollständige jambische Tetrameter. Dritte Scene . V. 1 –24. Unvollständige trochäische Tetrameter. Vierte Scene . V. 1 –18. Unvollständige trochäische Tetrameter. V. 19 . Ein vollständiger trochäischer Dimeter. V. 20 –36. Wie V. 1 ff. Fünfter Act. Erste Scene . V. 1 –9. Unvollständige trochäische Tetrameter. Zweite Scene . V. 1 –38. Unvollständige trochäische Tetrameter. V. 39 –83. Jambische Trimeter. Dritte Scene . V. 1 –53. Unvollständige trochäische Tetrameter.