Plautus. Der Schiffbruch. ( Rudens ) Deutsch in den Versmaßen der Urschrift von J. J. C. Donner. Leipzig und Heidelberg C. F. Winter'sche Verlagshandlung 1864. Personen. Arcturus , als Prolog . Dämones , ein Greis . Pleusidippus , ein Jüngling . Palästra und Ampelisca , Mädchen . Labrax , ein Kuppler . Sceparnio und Gripus , Knechte des Dämones . Trachalio , im Dienste des Pleusidippus . Charmides , ein Alter aus Sicilien . Ptolemokratia , eine Priesterin der Venus . Fischer und Sklaven . Ort der Handlung: eine malerische Gegend am Meergestade unweit der Stadt Cyrene. Auf der einen Seite das Landhaus des Dämones, auf der anderen ein Tempel der Venus. Es ist Morgendämmerung. Prolog Erster Act Zweiter Act Dritter Act Vierter Act Fünfter Act ————— Sylbenmaße Prolog. Arcturus Es ist in den Lustspielen des Plautus nicht ohne Beispiel, daß Götter bemüht werden, den Prolog zu sprechen. So der Lar (Hausgott) in der Aulularia (im Goldtopf), der Hülfsgott ( Auxilium ) in der Cistellaria (im Kästchen). Götter treten auf, wenn Menschen nicht helfen können, oder das nicht wissen, worauf es ankommt und nur Götter gehörig von Allem unterrichtet sind. So nimmt auch hier Plautus den Arcturus (der sonst nur ein einzelner Stern ist) als ein Gestirn und macht ihn zum Gott, um ihn, so vergöttert, als Prolog aufzustellen, wie er es mit der Luxuria (Ueppigkeit) und Inopia (Dürftigkeit) im Trinummus (Schaz) macht. – Der Arcturus oder Bärenhüter ist ein glänzender Stern im Gestirne des Bootes an der Hüfte oder vielmehr am Schwanze des Bären. Man glaubte, daß er besonders bei seinem Untergang im Herbste großen Sturm bringe. Nach dem alten römischen Calender, welchem noch Columella folgt, ging er den fünften September auf; nach dem späteren des Julius Cäsar, dem Plinius der ältere folgt, am zwölften September, zwölf Tage also vor der herbstlichen Sonnenwende, die am 24 oder 25 September erfolgt. Er geht unter nach Columella am 29 October. Köpke. . Der alle Völker, alles Meer und Land bewegt, Des Gottes Landsmann bin ich in des Himmels Land. Ich bin ein glänzend heller Stern, wie ihr mich seht, Ein Zeichen, das zu seiner Zeit sich stets erhebt Hier und am Himmel, und Arctur werd' ich genannt. Nachts glänz' ich hell am Himmel bei der Götter Schaar; Tags wandl' ich um auf Erden unter Sterblichen. Auch andre Sterne senken sich zur Erd' herab. Der Götter und der Menschen Herrscher, Jupiter, Schickt durch die Welt uns, diesen hier, den andern dort, Daß wir der Menschen Werke, Sitten, Frömmigkeit Und Treu erspäh'n, und wie der Wohlstand ihnen frommt. Wer vor dem Richter seine Schuld abschwört, und wer Durch falsches Zeugniß falsches Eigenthum erstrebt, Die Namen Solcher bringen wir vor Jupiter. Tagtäglich wird ihm Kunde, wer auf Böses sinnt. Wer hier mit Meineid den Prozeß gewinnen will, Wer vor Gericht böswillig fremdes Gut erwirbt, Die Sache dessen richtet er nochmals und straft Mit größeren Bußen, als Gewinn der Trug gebracht. Der Guten Namen kündet ihm ein andres Buch. Die Bösen aber wähnen oft, Zeus lasse wohl Durch Opfer und Geschenke sich begütigen; Doch sie verlieren Müh' und Geld; denn kein Gebet Von eidvergessenen Frevlern ist ihm angenehm. Viel leichter wird der Fromme, der die Himmlischen Anfleht, Gewährung finden, als der Bösewicht. Euch, die ihr hier seid, mahn' ich denn, ihr Redlichen, Die treu ihr Leben führen und mit Frömmigkeit: So bleibt hinfort auch, daß ihr einst euch dessen freut. Doch nun, warum ich hier erschien, erklär' ich euch: Vernehmt den Inhalt unsres Stücks aus meinem Mund. Vor Allem wollte Diphilus Diphilus, nächst Menander und Philemon einer der Meister der neuen Komödie, dem Plautus dieses Stück nachgebildet hat. , daß diese Stadt Cyrenä heiße. Dort im Feld hat Dämones Im Haus sich angesiedelt, hart am Meeresstrand, Ein Alter, flüchtig aus Athen, ein wackrer Mann, Der nicht um Frevel missen muß sein Vaterland, Nein, Andre rettend, selbst sich in's Verderben riß: Durch Güte kam er um das wohlerworbne Gut. Dem ward die Tochter einst geraubt als kleines Kind; Ein Niederträchtiger kaufte sie dem Räuber ab, Ein Kuppler, der das Mädchen nach Cyrene bringt. Ein junger Mensch, des Alten Landsmann aus Athen, Sah von der Citherschule sie nach Hause geh'n, Erglüht für sie in Liebe, geht zum Kuppler hin, Und kauft um dreißig Minen ihm das Mädchen ab, Gibt ihm das Angeld, und er schwört ihm einen Eid. Der Kuppler, wie natürlich, achtet keine Treu, Noch was er schwörend zugesagt dem Jünglinge. Da war ein Gastfreund seines Schlags aus Agrigent, Ein alter Schuft, Verräther seiner Stadt, um ihn, Fängt ihm der Jungfrau Wohlgestalt zu preisen an, Wie die der andern Dirnen, die der Kuppler hielt, Und räth dem Kuppler, daß er nach Sicilien Mit ihm sich überschiffe; viele Lüstlinge Geb's dort; in kurzem würd' er dort ein reicher Mann; Mit Buhlerinnen wäre dort der beste Markt. Der Kuppler glaubt ihm. Heimlich wird ein Schiff bestellt; All seine Habe bringt der Kuppler Nachts in's Schiff, Und sagt dem Jüngling, der von ihm die Dirn' erstand, Er wolle Venus ein gelobtes Opfer weih'n. Hier ist der Venustempel; hierher lud er ihn Zum Mahl, den Jüngling. Aber er steigt selbst sogleich In's Schiff, und segelt mit den jungen Dirnen weg. Dem jungen Mann erzählen Andre, was gescheh'n: Fort sei der Kuppler. Er geschwind zum Hafen hin; Da war ihr Schiff schon weit hinweg auf hoher See. Als ich die Jungfrau mit Gewalt entführen sah, Schwur ich dem Kuppler Untergang, ihr Hülfe zu. Ich regte Sturm auf, trieb die Meeresflut empor: Denn ich, Arctur, bin aller Sterne heftigster, Wild schon im Aufgang, wilder noch bei'm Niedergang. Nun sizt der Kuppler und sein Gast auf einem Fels, An's Land geschleudert; denn zerschmettert ward ihr Schiff. Doch jene Jungfrau mit der Andern, ihrer Magd, Die sprangen furchtsam aus dem Schiff in einen Kahn. Jezt tragen sie die Fluten von dem Fels an's Land Zu jenem Landhaus, wo der Greis als Flüchtling wohnt, Von dem der Sturmwind abgedeckt das Ziegeldach. Der dort heraustritt vor die Thür, das ist sein Knecht. Auch werdet ihr den Jüngling alsbald kommen seh'n, Der unsre Jungfrau von dem Kuppler sich erstand. Nun lebet wohl, daß euren Feinden bangt vor euch! Erster Act. Erste Scene. Sceparnio im Dienste des Dämones tritt mit Schaufeln und Spaten aus dem Hause, um Lehmerde zu graben. Sceparnio . Ihr guten Götter! Welch ein Ungewitter hat Neptun in dieser jüngsten Nacht uns hergesandt! Der Wind hat abgedeckt das Haus. Was red' ich mehr? Es war kein Wind! Euripides' Alcmene Alkmene hieß ein untergegangenes Trauerspiel des Euripides, worin Zeus in der Nacht, als Alkmene den Herakles gebar, ein solches Ungewitter erregte, daß das ganze Hausdach in Trümmer ging. war's. So stürzt' er alle Ziegel uns vom Dach herab: Ganz licht ward unser Haus, er setzte Lucken ein. Zweite Scene. Während Sceparnio an einen Haufen Lehmerde geht und zu graben und zu schaufeln anfängt, kommt Pleusidippus mit einigen Begleitern von der Stadt her. Bald darauf tritt Dämones aus seinem Hause. Pleusidippus . (zu den Begleitern) Da zog ich euch von eurer Arbeit ab, und doch Ist's nicht gelungen, wessenthalb ich euch geholt. Auch fand ich keinen Kuppler mehr am Hafen dort. Doch wollt' ich meine Hoffnung nicht aus Lässigkeit Aufgeben; darum hielt ich euch noch länger auf. Jezt komm' ich, mich bei'm Venustempel umzuseh'n, Wo, wie es hieß, er sein Gelübde lösen will. Sceparnio . (für sich) Ich muß den Lehm da kneten, so verwünscht mir's ist. Sceparnio mußte den Lehm kneten, um das vom Sturme beschädigte Haus wieder auszubessern. Pleusidippus . Man spricht in meiner Nähe. Dämones . (tritt aus dem Hause)                   He, Sceparnio! Sceparnio . Wer ruft mich? Dämones .                           Einer, der für dich sein Geld bezahlt. Sceparnio . Da meinst du wohl, ich sei dein Sklave, Dämones. Dämones . Wir brauchen viel Lehm; grabe ja recht tüchtig zu! Ich sehe, daß ich das ganze Haus neu decken muß. Denn jezo leuchtet's ärger durch, als wär's ein Sieb. Pleusidippus . Mein Vater, dich, euch Beide grüß' ich! Dämones .                                                                       Schönen Dank. Sceparnio . Du nennst ihn Vater, – bist du Mann, Freund, oder Weib? Pleusidippus . Ein Mann. Sceparnio .                       O dann such' einen andern Vater dir. Dämones . Ich hatte nur ein Töchterlein, das ich verlor. Ich hatte niemals einen Sohn. Pleusidippus .                                 Gott schenk' ihn dir! Sceparnio . Und dir, du seist auch, wer du willst, die Schwerenoth, Der uns mit Schwazen bei'm Geschäft zu schaffen macht. Pleusidippus . Ihr wohnt in diesem Hause hier? Sceparnio .                                                         Was fragst du dies? Spürst du nach einem Orte, wo du stehlen kannst? Pleusidippus . Das muß ein reicher und bewährter Sklave sein, Der so das Wort führt, wenn der Herr zugegen ist, Und gegen einen Freien sich so barsch benimmt. Sceparnio . Das muß ein ungeschlachter, frecher Junge sein, Der so zum fremden Hause kommt und lästig wird, Wenn man doch nichts ihm schuldet. Dämones .                                                 Still, Sceparnio! (zu Pleusidippus ) Was willst du, junger Mensch? Pleusidippus .                                     Für den die Schwerenoth, Der hier so vorschnell vor dem Herrn das Wort ergreift. Doch, ist es dir nicht lästig, möcht' ich gerne wohl Dich kurz befragen. Dämones .                       Bin bereit, auch bei'm Geschäft. Sceparnio . (zu Dämones ) O gingst du lieber in den Sumpf, und schnittest Rohr, Das Dach damit zu decken, weil's nicht regnet! Dämones .                                                                   Schweig! (zu Pleusidippus ) Du sprich, begehrst du was von mir. Pleusidippus .                                             Antworte denn! Kam dir ein Graukopf zu Gesicht mit krausem Haar, Ein Schuft, ein Erzschelm, ein Halunk? Dämones .                                                     So sah ich viel. Denn solcher Leute wegen leb' ich jezt in Noth. Pleusidippus . So mein' ich Einen, der zum Venustempel hier Zwei Mädchen mit sich führte, dann sich rüstete, Ein Opfer auszurichten gestern oder heut. Dämones . Nein, junger Mann; schon viele Tage sah ich dort Niemand ein Opfer bringen; doch kann mir es nicht Entgeh'n, wenn Jemand opfert; denn hier holen sie Stets Wasser, Feuer, Pfannen, Messer, Spieß, den Topf Für's Eingeweide oder sonst Etwas. Genug! Der Venus halt' ich Brunnen und Geschirr, nicht mir. Jezt sind es viele Tage, daß hier Ruhe war. Pleusidippus . Wie du es kundgibst, thust du mein Verderben kund. Dämones . Um meinetwillen darfst du, traun, ganz heiter sein. Sceparnio . Du, der des Magens halber um die Tempel streicht, Du thust am besten, deckst du dir den Tisch daheim. Denn ohne Zweifel lud man dich hieher zu Tisch: Doch der dich einlud, läßt sich nirgends seh'n. Pleusidippus .                                                             Ja wohl! Sceparnio . Du ziehst mit leerem Magen heim, das steht dir fest. Geh doch der Ceres lieber als der Venus nach: Die nährt mit Liebe, Ceres schafft dir Weizen an. Pleusidippus . (zu seinen Begleitern) Der Mensch da trieb ein ganz abscheulich Spiel mit mir. Dämones . Ihr ewigen Götter! Was für Menschen sind denn das Am Ufer dort, Sceparnio? Sceparnio .                                 Mir kommt es vor, Man lud sie wohl zu einem Abschiedsopfer Es gab eine eigene Art von Opfern bei den Römern, » propter viam, am Wege« genannt, das Abreisende zu Ehren des Hercules brachten, und dessen Eigenthümlichkeit darin bestand, daß man die Ueberbleibsel des Opferschmauses nicht aufhob, sondern verbrannte, wo also nichts übrig blieb. ein. Dämones . Wie so? Sceparnio .             Sie nahmen gestern, glaub' ich, nach dem Mahl ein Bad; Ihr Schiff zertrümmert' auf der See – Dämones .                                                   So sieht es aus. Sceparnio . Wie uns das Haus samt Ziegeln auf dem Lande. Dämones . (starrt auf das Meer hin)                                         Hui! Wie winzig seid ihr Leutchen! Wie die schwimmen da! Pleusidippus . Wo sind die Leute? Bitte dich! Dämones .                                                       Zur Rechten hier: Sieh, längs dem Ufer! Pleusidippus .                     Wohl, ich seh's. (zu seinen Begleitern)                             Ihr, kommt mit mir! O wär' es, den ich suche, der verruchte Mensch! – Lebt wohl! (er geht mit seinen Begleitern ab.) Sceparnio .         Wir denken daran selbst, da mahne nicht. Doch, o Palämon Palämon, der Sohn des Athamas und der Ino, der Tochter des Cadmus, der vorher Melicertes hieß, erhielt den Namen Palämon, als seine von dem rasenden Athamas verfolgte Mutter sich mit ihm vom lechäischen Felsen in's Meer stürzte, worauf beide durch Fürbitte der Venus von Neptun in Meergötter verwandelt wurden. , heiliger Gott, Genoß Neptuns, Und den man seinen Gefährten nennt, o Hercules! Was seh' ich, welchen Gräuel? Dämones .                                         Nun, was siehst du denn? Sceparnio . Zwei Mädchen sizen dort allein in einem Kahn. Was sich die Armen ängsten! – Hohoho! Wie schön! Vom Felsen treibt an's Ufer ihren Kahn die Flut: Kein Steuermann vermocht' es jemals trefflicher. Traun, größre Wellen sah ich nie mein Lebenlang. Sie sind geborgen, wenn sie dort der Flut entgeh'n! – Sieh dort: die Eine warf die Flut zum Boot heraus! Doch ist's nicht tief. Leicht schwimmt sie wohl heraus. Hoho! Sie rafft sich auf! Sie kommt heran! Nun steht es gut. – Die Andre sprang vom Nachen an den Strand herauf. Wie sie vor Angst in's Wasser auf die Kniee sank! Sie ist gerettet, kommt heraus, ist schon am Land! Doch wenn sie rechts sich wendet, ist ihr Tod gewiß. Ja, ja! Heut irrt sie wohl noch lang umher. Dämones .                                                 Was kümmert's dich? Sceparnio . Nimmt sie den Weg zum Felsen, stürzt sie dort hinab; Dann hat sie jeden weitern Irrweg abgekürzt. Dämones . Wenn du von ihrem Abendbrod heut zehren willst, Sceparnio, sei dann immerhin für sie besorgt; Wenn du bei mir willst essen, acht' auf mein Geschäft. Sceparnio . Was du verlangst, ist billig. Dämones .                                               Gut, so komm! Sceparnio .                                                                       Sogleich. (Beide gehen ab.) Dritte Scene. Palästra . (tritt auf) Viel weniger herb erscheint doch das Leid Der Sterblichen, wenn man's schildert im Wort, Als wenn wir's durch die That erfahren. Das wollte der Gott? Ich sollte, gebannt In entlegenes Land, voll Zittern und Angst, In solchem Aufzug hier einhergeh'n? Und zu solchem Geschick, ach! kam ich an's Licht? Das wäre mein Loos, das wäre mein Lohn, Daß ich Arme so fromm, so treu mich bewährt? Denn Qual wär' es mir nicht, ertrüg' ich die Qualen, Nachdem ich an Eltern, an Gott mich versündigt. Indeß wenn ich nie müde ward, dies zu meiden, Verhängt ihr mit Unrecht, unbillig, unwürdig, Mir das, große Götter! Was soll denn noch mit den Bösen gescheh'n In Zukunft, wenn ihr in solcher Art Schuldlose belohnt? Denn wüßt' ich nur, Daß ich oder daß meine Eltern gesündigt, Ich beklagte mich nicht. Doch die Schande des Herrn, die drückt mich hinab; Auch ich muß büßen um seine Vergeh'n. Sein Schiff und Alles verlor er im Meer. Was ihm von Gütern übrig blieb, steht hier. (auf sich selbst deutend)                                                                       Auch sie , Die mit mir fuhr im Kahn, sank hinab in die Flut. Nun bin ich ganz allein. Wäre nur sie noch da, lebte sie noch im Licht, Wäre mein böses Loos leichter durch ihren Trost. Wo geh' ich nach Hoffnung, nach Rath, wo nach Hülfe, So einsam in einsame Gegend verstoßen? Hier starrt ein Fels! Hier braust das Meer! Kein Mensch, der mir entgegentritt! Dies Gewand, das mich deckt, ach, es ist all mein Gut! Speise nicht weiß ich hier, keinen Ort, der mich schüzt. Welchen Trost hab' ich noch, der in mir Lebenslust Weckt? Den Ort kenn' ich nicht, war zuvor niemals hier. Träf' ich doch Einen nur, der mir aus dieser Schlucht Wo den Weg oder Steg zeigte! So weiß ich nicht, Ob ich hier, ob ich dort, wo mich hinwenden soll. Weit und breit kann ich kein Ackerfeld hier erspäh'n: Schauder, Angst, Zweifel, Schreck fesseln mir jedes Glied. Ach, ihr armen Eltern wißt nicht, wie ich jezt so arm geworden. Freigeboren mehr denn Eine bin ich, doch ich war's umsonst. Denn bin ich minder Sklavin, als wär' ich geborne Sklavin? Euch konnt' ich niemals Liebes thun, die mich für sich erzogen! Vierte Scene. Ampelisca nähert sich von der entgegengesetzten Seite. Palästra . Ampelisca . Was beginn' ich Bess'res nun, was frommt mir mehr, als wenn ich sterbe? So im Elend leb' ich, so viel Sorge zehrt an meinem Herzen. Länger schon' ich nicht des Lebens; jeder Trost schwand, jede Hoffnung. Ueberall bin ich gelaufen, durchgekrochen alle Winkel, Um mit Ohren, Augen, Stimme die Genossin aufzuspüren. Doch ich fand sie nirgends, weiß nicht, wo ich geh'n soll, wo sie suchen, Und ich kann auch Keinen finden, der mir dient auf meine Fragen. Oeder ist kein ödes Land, als dieser Ort, als diese Gründe. Wenn sie lebt, so rast' ich nicht, bis ich sie lebend wiederfinde Palästra . Welcher Laut scholl mir so nah? Ampelisca . Ich erschrack! Wer spricht so nahe? Palästra .                                                             Süße Hoffnung, komm und rette! Ampelisca . Ja, ein Weib ist's, eines Weibes Laut berührt mein Ohr: du wirst mich Arme von der Furcht befrei'n! Palästra . Traun, eine Frauenstimme drang zu meinem Ohr. Sollt' es Ampelisca sein? Ihr Götter! Ampelisca .                                                 Hör' ich dich, Palästra? Palästra . Doch warum ruf' ich ihr nicht geschwind, daß sie's hört? Ampelisca! Ampelisca .         Wer ist da? Palästra . Deine Palästra ruft. Ampelisca . Rede, wo bist du denn? Palästra .                                           Bin in gar großem Leid. Ampelisca . So ich auch; denn mich traf, wahrlich, kein bess'res Loos. Mich verlangt, dich zu seh'n. Palästra .                                       Gleiches ist mein Begehr. Ampelisca . Gehen wir der Stimme nach! Rede, wo bist du? Palästra .                       Hier. Tritt zu mir, komm heran! Ampelisca .                               Das geschieht unverweilt. Palästra . Deine Hand! Ampelisca .                   Nimm sie hier! Palästra .                                               Bitte, sprich! Lebst du noch? Ampelisca . Dir, ja dir dank' ich's nur, daß ich noch leben mag, Weil ich dich, Herzchen, anrühren darf. Glaub' ich's doch Kaum mir selbst, daß ich dich halte. Komm, küsse mich, Du, mein Trost! Allen Schmerz, alle Noth linderst du! Palästra . Was ich selbst sagen will, nimmst du mir aus dem Mund. Aber jezt laß uns geh'n! Ampelisca .                             Kind, wohin sollen wir? Palästra . Folgen wir hier dem Strand! Ampelisca .                                           Wo du willst, folg' ich dir. Palästra . So mit durchnäßtem Kleid schwärmten wir hier umher? Ampelisca . Was du nicht ändern kannst, trage nur in Geduld! Doch was ist dieses? Palästra .                           Was? Ampelisca .                                 Siehst du? Palästra .                                                     Was siehst du denn? Ampelisca . Siehst du den Tempel hier nicht? Palästra .                                                         Und wo? Ampelisca .                                                                     Rechter Hand. Palästra . Ein Haus gewahr' ich, wie es Göttern wohl geziemt. Ampelisca . Nicht weit von hier, Kind, müssen Menschen sein; der Ort Ist gar zu schön. Ich flehe, welcher Gott es sei, Ihn an, er mög' uns gnädig aus der Noth befrei'n, Mit seiner Hülfe nahe sein uns Armen hier. Fünfte Scene. Die Priesterin tritt aus dem Tempel. Ampelisca . Palästra . Die Priesterin . Wer ist's, der den Schuz meiner Göttin hier anruft? Der Laut frommer Beter entführt mich dem Hause. Die Herrin ist wohlwollend, huldreich, gefällig; Ihr habt euch zur huldvollsten Schuzfran gewendet. Palästra . Gegrüßt seist du, Mutter! Die Priesterin .                               Gegrüßt seid, ihr Mädchen! Doch sagt mir, von wannen Kommt ihr her, so mit durchnäßtem Kleid? Seid ihr doch Recht traurig zugerichtet! Palästra . Eben nicht gar so weit kommen wir her zu dir; Doch der Ort, wo wir her fuhren, ist fern von hier. Die Priesterin . Wohl mit hölzernem Gespann fuhrt ihr durch blaue Bahn? Palästra . Allerdings. Die Priesterin .         Aber dann schickte sich's mehr für euch, Daß ihr im weißen Kleid kämet und ein Opferthier Weihtet. Nicht so, wie ihr, tritt man im Tempel ein. Palästra . Die der Sturm eben erst aus dem Meer auf den Strand Warf, woher nähmen wir beide wohl Opfer? Sprich! Flehend umfah'n wir Hülflosen dein Knie, o Frau, Die wir am fremden Ort, ohne Trost, ohne Rath, Fremde sind: rettend nimm unter dein Dach uns auf, Fühle Mitleid mit uns beiden Unglücklichen; Es winkt uns kein Obdach, uns winkt keine Hoffnung, Und nichts weiter, als was du hier siehst, ist unser. Die Priesterin . So gebt mir die Hand denn, erhebt euch, ihr Mädchen; So mitleidig war keine Frau noch, als ich's bin. Doch hier wohnt nur Armuth, nur Elend, o Kinder. Kaum das eigne Leben frist' ich; Venus lebt von meinem Brod. Ampelisca . Ist dies der Venus Tempel? Die Priesterin .                                       Ja. Ich bin bekannt Als dieses Tempels Priesterin. Doch was ich kann, Werd' ich freundlich euch gewähren, wie's mein Vorrath mir erlaubt. So folgt mir! Palästra .             Wie schirmst du so liebreich, so gütig, O Mutter, unsre Ehre! Die Priesterin .                   Das ist meine Pflicht. (Alle drei gehen ab.) Zweiter Act. Erste Scene. Einige Fischer mit Nezen und Angelruthen treten auf. Ein Fischer . Den arm gebornen Leuten geht's in jeder Art erbärmlich, Vor allen dem, der nichts erwirbt und keine Kunst erlernt hat. Er muß mit dem, was er besizt, aus Noth sich gnügen lassen. Wie reich wir sind, das könnt ihr wohl schon seh'n an unserm Aufzug. Die Ruthen und die Angeln hier sind uns Erwerb und Zierde. Tagtäglich geh'n wir aus der Stadt an's Meer auf unsre Nahrung. Wir tummeln uns nicht auf dem Plan mit Rennen, Ringen, Fechten. Meerigel, Austern fangen wir, Meereicheln, Perlenmuscheln, Seenessel, Felsenschnecken und gestreifte Buttenfische. Dann greifen wir zum Angelfang, wir fischen unter Klippen. Viele Fische werden in den Felshöhlen mit der Hand gefangen. Dies ist die Klippenfischerei, wobei die Fischer ganz entkleidet sind, und also ziemlich durchnäßt werden, wie in den folgenden Versen angedeutet wird. Wir holen unser Brod im Meer. Wenn's uns einmal mißlungen, Wenn wir von Fischen nichts erhascht, so geh'n wir wohlgesalzen Und reingewaschen still nach Haus, um nüchtern auszuschlafen. Doch wie das Meer heut Wogen wirft, ist nichts für uns zu hoffen. Glückt uns kein Austernfang, so zieh'n wir ab mit leerem Magen. Laßt uns zur guten Venus fleh'n; sie woll' uns freundlich helfen! Die Fischer stehen zu Venus, die, als die Meergeborne, auch eine Göttin des Meeres war, und deßhalb Tempel am Meere hatte. Zweite Scene. Trachalio . Die Fischer . Trachalio . Ich hatte sorgsam Acht, am Herrn ja nicht vorbeizulaufen. Denn als er wegging, sagt' er mir, er gehe nach dem Hafen; Ich solle hier bei'm Heiligthum der Venus ihn erwarten. Doch Leute, die ich fragen kann, steh'n dort: ich gehe näher! Gruß euch, ihr Meeresdiebe, Gruß euch, Muscheljäger, Angler, Ihr hungerleidend Menschenvolk! Was macht ihr? Wie verderbt ihr? Ein Fischer . Wie's Fischern ziemt, vor Hunger, Durst und Warten. Trachalio .                                                                                       Habt ihr etwa, So lang ihr hier steht, keinen Mann, roth, kräftig, streng von Anseh'n, Mit ihm drei Andre gehen seh'n in Mänteln und mit Dolchen? Der Fischer . Von solchem Ausseh'n, wie du sagst, kam Keiner, daß ich wüßte. Trachalio . Auch keinen Kahlkopf, untersezt, mit aufgestülpter Nase, Mit großem Bauch, verdrehten Brau'n und Runzeln vor der Stirne, Der Götter und der Menschen Haß, von Schande voll und Lastern, Ein altes Füchslein, und mit ihm zwei ziemlich hübsche Dirnchen? Der Fischer . Ein Mensch, mit solchen Gaben und Verdiensten ausgestattet, Der soll zum Henker eher geh'n, als in der Venus Tempel! Trachalio . Doch, saht ihr ihn, so sagt's. Der Fischer .                                           Hieher kam Keiner dieses Schlages. Lebwohl! Trachalio .       Lebtwohl! (die Fischer entfernen sich.)                                   Ich dacht' es gleich; wie ich's gedacht, geschah es. Mein Herrchen ist geprellt; der Schuft, der Kuppler, zog von dannen. Er stieg zu Schiff; die Mädchen nahm er mit; ich traf es richtig! Die Lasterbrut! Er lud den Herrn sogar hieher zu Tische. Was kann ich jezt wohl Bess'res thun, als hier den Herrn erwarten? Und sollt' ich dann die Priesterin der Venus seh'n, so will ich Sie fragen, ob sie Weit'res weiß; sie gibt mir sicher Auskunft. Dritte Scene. Ampelisca tritt aus dem Tempel. Trachalio . Ampelisca . (spricht in's Haus zurück) Ich weiß schon: an der Villa hier zunächst dem Venustempel, Da soll ich pochen und um Wasser bitten. Trachalio .                                                         Welche Stimme Drang da zu meinem Ohre? Ampelisca .                                 Wer spricht hier? Wen seh' ich? Himmel! Trachalio . Ist das nicht Ampelisca, die vom Tempel kommt? Ampelisca .                                                                               Ist das nicht Trachalio, den ich sehe dort, der Knecht des Pleusidippus? Trachalio . Sie ist's. Ampelisca .             Er ist's. Trachalio, willkommen! Trachalio .                                                                   Danke, – gleichfalls! Wie geht dir's? Ampelisca .               Schlecht, so jung ich bin. Trachalio .                                                         O sage mir was Bess'res! Ampelisca . Vernünftigen Leuten ziemt es nur die Wahrheit sich zu sagen. Doch sprich, wo Pleusidippus ist, dein Herr. Trachalio .                                                             Ei, ei! Als ob er Nicht drinnen wäre. Ampelisca .                     Sicher nicht; auch kam kein andrer Mensch her. Trachalio . So kam er nicht? Ampelisca .                           Du redest wahr. Trachalio .                                                       s' ist sonst nicht meine Sache. – Doch – ist das Morgenmahl bereit? Ampelisca .                                             Welch Morgenmahl? Ich bitte – Trachalio . Ihr opfert hier, so viel ich weiß. Ampelisca .                                                   Freund, sprichst du das im Traume? Trachalio . Nun, Labrax hat den Pleusidipp zum Schmaus hieher geladen, Dein Herr den meinen. Ampelisca .                           Was du sagst, ist, traun, nichts Wunderbares. Betrügt er Gott und Menschen, das ist alte Kupplersitte. Trachalio . Ihr opfert nicht, so wenig ihr, als euer Herr? Ampelisca .                                                                       Du trafst es. Trachalio . Was machst du sonst denn hier? Ampelisca .                                                   Aus Angst und vielfach herbem Leide Und aus Gefahr des Todes nahm uns Arme, ganz Verlass'ne, Die Venuspriesterin zu sich, mich selbst und die Palästra. Trachalio . So ist Palästra, meines Herrn Geliebte, hier? Ampelisca .                                                                       Ja freilich. Trachalio . Gar lieblich, Ampelisca, klingt dies Wort aus deinem Munde. Doch möcht' ich gern von der Gefahr, in der ihr wart, vernehmen. Ampelisca . In jüngster Nacht, Trachalio, ist unser Schiff gescheitert. Trachalio . Was? Euer Schiff? Was schwazest du? Ampelisca .                                                             So hast du nicht vernommen, Daß uns der Kuppler ingeheim von hier entführen wollte Fern nach Sicilien, und gesammt einschiffte seine Habe? Dies Alles ging jezt unter. Trachalio .                                 Dank, Neptunus, großen Dank dir! Kein Würfelspieler ist geschickt, wie du! Du hast in Wahrheit Den allerschönsten Wurf gethan, in Grund gebohrt den Gaudieb. Wo steckt der Labrax jezt? Ampelisca .                                 Ich glaub', er zechte sich zu Tode. Auf große Becher hat Neptun ihn diese Nacht geladen. Trachalio . Da leert' er nothgedrungen wohl sein Glas. Mein Ampeliskchen, Wie lieb' ich dich! Wie hold du bist! Wie honigsüß du redest! Wie wardst du mit Palästra denn gerettet? Ampelisca .                                                         Gleich vernimmst du's. Wir sprangen angstvoll aus dem Schiff in's Boot, sobald wir sahen, Daß unser Schiff an Klippen trieb; ich löste flugs das Seil ab; Indeß die Andern zagten, riß der Sturm uns samt dem Boote Rechts ab von ihnen, und so sind wir mannigfach von Winden Und Wogendrang die ganze Nacht graunvoll umhergeschleudert: Mit Mühe trug uns endlich heut der Sturm halbtodt an's Ufer. Trachalio . Ja, ja, so macht's Neptunus gern; er ist ein strenger Zöllner; Wenn Waaren nicht ganz sauber sind, (mit einem schelmischen Blick auf Ampelisca )                                                             verschüttet er sie alle. Ampelisca . Zum Henker du mit dem Geschwäz! Trachalio .                                                           Nein, du, mein Ampeliskchen! Ich wußte längst und sagt' es oft: so wird's der Kuppler machen. Die Haare trag' ich künftig lang und spiele den Propheten. Bei Römern und Griechen trugen Dichter, Wahrsager und Gaukler langes fliegendes Haar. Ampelisca . Habt ihr's gewußt, du und dein Herr, was ließet ihr ihn fortgeh'n? Trachalio . Was sollt' er thun? Ampelisca .                             Das fragst du noch, wenn er sie liebte? Täglich Und nächtlich sie bewachen, auf der Lauer steh'n! In Wahrheit, Schlecht hat er hier, wie Viele schon, gesorgt, der Pleusidippus. Trachalio . Wie meinst du das? Ampelisca .                               Es ist ja klar. Trachalio .                                                     Nun, weißt du? Wer in's Bad geht, Der wird, und wenn er sorgsam auch auf seine Kleider achtet, Bestohlen Kleiderdiebstahl beim Bade kam bei den Griechen oft vor, und die athenischen Geseze sezten Todesstrafe darauf. ; denn vor wem er sich soll hüten, weiß er niemals. Der Dieb kennt seinen Mann genau; der Hüter kennt den Dieb nicht. Doch führe mich zu ihr! Wo ist sie? Ampelisca .                                               Geh nur in den Tempel! Da siehst du, wie sie sizt und weint. Trachalio .                                                 Das seh' ich wahrlich ungern. Was weint sie denn? Ampelisca .                       Ich sage dir's. Sie härmt sich ab im Herzen, Daß ihr der Kuppler ein Kästchen nahm, in dem die Zeichen waren, Woran sie ihre Eltern einst erkennen kann. Sie fürchtet, Das sei verloren. Trachalio .                   Und wo war das Kästchen? Ampelisca .                                                               Auch im Schiffe. Nun, meint sie, sei es samt dem Schiff auf hoher See versunken. Auch war darin des Kupplers Gold und Silber sammt und sonders. Er schloß es selbst im Koffer ein, damit sie ihre Eltern Ja nicht erkennen könnte. Trachalio .                               Ha, welch unerhörter Frevel! Ein freigebornes, freies Weib, die zwingt er in die Knechtschaft. Ampelisca . Den Koffer holt' ein Taucher wohl herauf; da weint die Arme, Daß ihr das Ding abhanden kam. Trachalio .                                           Nun, desto mehr ist's nöthig, Daß ich sie trösten gehe, daß sie nicht so sehr sich abhärmt. Viel Gutes ward ja Vielen schon auch wider ihr Verhoffen. Ampelisca . Doch weiß ich auch, daß Viele, die gehofft, die Hoffnung täuschte. Trachalio . Drum ist des Gleichmuths heitrer Sinn der Mühsal beste Würze. Ich gehe, willst du weiter nichts. Ampelisca .                                         Geh nur! (Trachalio geht.)                                     Ich will besorgen, Was mir die Priesterin gebot, bei'm Nachbar Wasser holen. Bät' ich in ihrem Namen drum, bekäm' ich's alsbald, sagt sie. – Noch sah ich niemals eine Frau (dünkt mir) von solcher Würde, Die mehr verdiente, daß ihr Gott und Menschen freundlich wären. Wie artig, ach, wie liebevoll, wie edel und wie willig Sie uns, die Scheuen, Nassen, Ausgeworf'nen, Halbentseelten, Aufnahm in's Haus, als wäre sie die Mutter, wir die Töchter! Wie sie geschürzt zum Bad sogar selbst uns das Wasser wärmte! Nicht aufzuhalten, hol' ich gleich, wie sie's befahl, das Wasser. (sie pocht an das Landhaus des Dämones .) Heda! Ist Jemand hier im Hause, der aufschließt? Erscheint denn Niemand? Vierte Scene. Sceparnio . Ampelisca . Sceparnio . (noch im Hause, ohne gesehen zu werden) Wer übt so ausgelassen frech an unsrer Thüre hier Gewalt? Ampelisca . Ich bin es. Sceparnio .                   Was gibt's Gutes hier? Ei, ei, ein allerliebstes Kind! Ampelisca . Guten Morgen, junger Mann! Sceparnio .                                               Den besten Morgen, junge Frau! Ampelisca . Zu euch komm' ich. Sceparnio . Gern gewähr' ich dir ein Obdach, wenn du mich zu Nacht besuchst, Wie du da bist; denn fürwahr, jezt halt' ich dich nicht auf bei mir. Doch – was willst du, schmuckes, holdes Dirnchen? Ampelisca .                                                                         Halt, du thust mit mir Gar zu traulich! Sceparnio .                 Götter! Dies ist Venus' wahrstes Ebenbild. Welcher Muthwill' in den Aeuglein! Welcher wunderschöne Wuchs! Wie der Geier – (sich selbst verbessernd)                             wie der Adler, wollt' ich sagen, leicht und schlank! Dann, o Gott! welch schöne Brüstchen! Ach, und welcher Honigmund! Ampelisca . (ihn abhaltend) Mensch, ich bin kein Bauernbissen. Hältst du nicht die Hand zurück? Sceparnio . Darf ich denn nicht fein und sachte dich berühren, feines Kind? Ampelisca . Hab' ich einmal Muße, bin ich dir zu Scherz und Spiel bereit. Aber jezt – weßhalb ich komme, thu' es, oder weigre mir's. Sceparnio . Nun, was willst du? Ampelisca .                                 Dem Gescheidten sagt mein Aeußres, was ich will. Sceparnio . (verliebt die Hände nach ihr ausstreckend) Also sagt wohl auch mein Aeußres dem Gescheidten, was ich will. Ampelisca . Wasser hier bei euch zu holen, sandte mich die Priesterin. Sceparnio . Aber ich bin Herrscher hier. Wenn du nicht bittest, kriegst du nichts. Mit Gefahr nur gruben wir mit unserm Karst den Brunnen aus. Schmeichelst du mir nicht besonders, trägst du keinen Tropfen weg. Ampelisca . Was versagst du mir das Wasser, das der Feind dem Feinde gibt? Sceparnio . Was versagst du mir die Dienste, die der Freund dem Freund erzeigt? Ampelisca . Alles will ich ja gewähren, was du forderst, lieber Schaz. Sceparnio . (bei Seite) Ei, der Daus! Ich bin geborgen. Nennt sie mich doch ihren Schaz! – Wasser kriegst du. Nicht umsonst sollst du mir gut sein. Gib den Krug! Ampelisca . Da! (sie gibt ihm den Krug)                   Doch bring' ihn ohne Säumen! Sceparnio .                                                         Warte, Schaz, bin gleich zurück. (er geht in das Haus.) Ampelisca . (allein) Was sag' ich nun der Priesterin, weßhalb ich hier so lange blieb? (sie sieht nach dem Strande) Wie muß ich jezt noch zittern, ach, erblickt mein Auge nur das Meer! Doch was gewahr' ich Arme fern am Strande dort? Den Kuppler seh' ich, meinen Herrn, und aus Sicilien seinen Gast, Die beide, wie ich wähnte, längst das Meer verschlang. So lebt für uns mehr Ungemach, als wir gedacht. Was zaudr' ich? Fort in den Tempel, daß ich's ungesäumt Palästren melde, daß wir zum Altare flieh'n, Bevor er herkommt, dieser Schuft, und uns ergreift! Ich eile fort; hier gilt es wohl geschwind zu sein. (ab.) Fünfte Scene. Sceparnio kommt mit dem Wasser zurück. Sceparnio . Ich glaubte nie, bei'm Himmel, daß so viele Lust Im Wasser stecke! Ha, wie gern zog ich's heraus! Der Brunnen schien mir minder tief als sonst zu sein. Ganz mühelos zog ich's herauf! Doch – ohne Ruhm – Ich bin ein Schlingel, daß ich heut zum erstenmal Zu lieben anfing. Hier das Wasser, schönes Kind! Trag's so, wie ich, anständig, daß du mir gefällst. Wo bist du, Schäzchen? Nimm es hier! Wo bist du denn? Sie liebt mich, glaub' ich – ja! Der Schelm hat sich versteckt. Wo bist du? Nimm doch hier den Krug! Wo steckst du denn? Sei doch gescheidt! Mach' endlich einmal Ernst mit mir! Du willst den Krug noch immer nicht? Wo steckst du denn? Die seh' ich nirgends. Ihren Spott treibt die mit mir. So stell' ich hier denn mitten auf den Weg den Krug. Wenn aber hier nun Einer ihn entwendete, Der Venus' heil'gen Krug? Ein schlimmes Spiel für mich! Sie legt mir Schlingen, fürcht' ich fast, damit man gar Mit Venus' heiligem Kruge mich ertappen soll. Mit vollstem Rechte ließe mich die Obrigkeit Im Kerker tödten, sähe man den Krug bei mir. Er ist gezeichnet »Er ist gezeichnet« mit dem Bilde der Göttin, deren Tempeldienst er gewidmet ist. , schreit von selbst, wem er gehört. Jezt ruf' ich mir die Venuspriesterin heraus, Daß sie den Krug nimmt. An die Pforte tret' ich hier. (er klopft an die Thüre des Tempels.) He, Ptolemocratia! Holla! Nimm den Krug mir ab! Ein unbekanntes Dirnchen hat ihn hergebracht. (da Niemand heraustritt:) Muß selbst hinein ihn tragen. Hab' ein neu Geschäft, Wenn ich das Wasser denen auch noch tragen soll. (er geht in den Tempel.) Sechste Scene. Labrax . Bald darauf Charmides . Labrax . Wer sich in Noth, am Bettelstabe sehen will, Vertraue nur sein Leben dem Neptunus an. Denn wer einmal mit diesem angebunden hat, Den schickt er, zugerichtet so wie mich, nach Haus. Wie klug, o Freiheit, warst du, daß du nie den Fuß In's Schiff zu sezen dir getraut mit Hercules! Anspielung aus einen uns nicht mehr bekannten, vielleicht moralisirenden Mythus, wie sich viele dieser Art an den Namen des Hercules anknüpften. (sich umsehend) Wo steckt mein Gastfreund, der mir all die Noth erschuf? Ah sieh, da kommt er! Charmides .                         Wo (zum Henker!) eilst du hin? Denn dir so rasch zu folgen bin ich außer Stand. Labrax . O wärst du doch, eh meine Augen dich geseh'n, Am höchsten Kreuz verendet auf Sicilien! Durch deine Schuld nur widerfuhr mir solches Leid. Charmides . Wär' ich des Tages, da du mich in deinem Haus Einführtest, lieber tief gesteckt im Kerkerloch! Die Götter bitt' ich, daß sie dir dein Lebenlang Nur solche Gäste schicken, die dir ähnlich sind. Labrax . Als bösen Dämon führt' ich in mein Haus dich ein. Was hab' ich dir, Verruchter, auch mein Ohr gelieh'n? Was mußt' ich fortgeh'n? Was bestieg ich doch ein Schiff? Wo ich des Gutes mehr verlor, als ich besaß. Charmides . Kein Wunder wahrlich, daß dein Schiff in Trümmer sprang, Das dich, du Dieb, samt deinem Diebesgute trug! Labrax . Dein schmeichlerisch Gerede war mein Untergang. Charmides . Du botst an deinem Tische mir ein schnöd'res Mahl, Als man's dem Tereus und Thyestes vorgesezt. Tereus, König von Thrakien, hatte Philomela, die Schwester seiner Gemahlin Prokne, entehrt, und ihr die Zunge ausgeschnitten. Aus Rache tödtete Prokne den eigenen Sohn Itys, und sezte ihn dem Vater zum Mahle vor. – Den Ehebruch seines Bruders Thyestes zu rächen, schlachtete Atreus dessen eigene Söhne, dem Vater selbst zum Mahle. Labrax . Ach, Götter! Mir wird übel! Halte mir den Kopf! Charmides . Ha, spiest du, mußt du speien, dir die Lungen aus! Labrax . Palästra, Ampelisca, weh! Wo seid ihr jezt? Charmides . Die sind der Fische Futter wohl auf hoher See. Labrax . Durch deine Schuld nur kam ich an den Bettelstab, Da deinen stolzen Lügen ich mein Ohr erschloß. Charmides . Du solltest mir noch danken, ich verdiente das, Daß ich im Meer dich salzte, ungesalz'ner Wicht! Labrax . Auf, daß du fortkommst! Fort von hier an's höchste Kreuz! Charmides . Geh selber: ich war eben schon daran, zu geh'n. Labrax . Weh mir! Gibt's einen Menschen, der im Elend lebt wie ich? Charmides . Ich bin noch viel elender, als du's bist, Labrax! Labrax . Wie so? Charmides . Weil ich es nicht verdiente; du verdientest es. Labrax . O Binse, Binse, wie beneid' ich dein Geschick, Daß du den Ruhm der Trockenheit dir stets bewahrst! Die Binse wird auch mitten im Wasser nicht durchnäßt. Charmides . Ich übe mich ganz artig auf's Scharmüzeln ein; Denn Alles sprech' ich zitternd aus vor lauter Frost. Labrax . Ein kalter Badherr bist du doch, Neptun; ich ging Von dir mitsamt den Kleidern, und es friert mich noch. Für warm Getränke richtet er kein Zimmer ein; Nur kaltes und gesalznes Wasser reicht er uns. Charmides . Gott! Wie die Eisenschmide doch so glücklich sind, Die bei den Kohlen sizen! Immer sind sie warm. Labrax . O hätt' ich jezt doch einer Ente Glück, so daß Ich trocken würde, wie ich aus dem Wasser bin! Charmides . Wie, wenn ich als Nußknacker im Theater mich Verdänge? Der Nußknacker, in der Urschrift manducus, gehörte zu den theils lächerlichen, theils schreckenden Spuckgestalten, welche bei den öffentlichen Spielen der Römer gezeigt wurden, deren Maske sich besonders durch einen weit offenen zum Verschlingen geöffneten Mund und durch lange öfters zusammenklappende Zähne auszeichnete. Köpke nach Festus. Labrax .             Weßhalb? Charmides .                       Klappr' ich mit den Zähnen doch So hell. Gebadet ward ich heut mit vollem Recht. Labrax . Weßwegen? Charmides .               Weil ich mich mit dir in's Schiff gewagt, Der du von Grund aus alles Meer mir aufgewühlt. Labrax . Ich folgte deinen Reden; du versprachest mir, Daß dort mit Buhlerinnen großer Handel sei; Ich könne da recht Geld verdienen, sagtest du. Charmides . Da wolltest du schon, ungeschlachte Bestie, Auf Einen Schluck einschlingen ganz Sicilien! Labrax . Ha, welch ein Hai verschluckte meinen Koffer mir, Worin ich all mein Gold und Silber eingepackt? Charmides . Derselbe, denk' ich, der den Beutel mir verschlang, Der voll von Geld in meinem Reisekoffer war. Labrax . Weg, Alles weg bis auf das Eine Röckchen hier Und diesen Wisch von Mantel! 's ist um mich gescheh'n! Charmides . Dann mach' ich Brüderschaft mit dir, das darf ich wohl: Wir geh'n zu gleichen Theilen. Labrax .                                           Wenn die Mädchen nur Gerettet wären, lebte mir doch noch ein Trost. Doch wenn der junge Pleusidipp mich jezt gewahrt, Von dem ich für Palästra schon ein Pfand erhielt; So richtet der mir widerliche Händel an. (er bricht in Thränen aus.) Charmides . Was weinst du, Narr? Um Jeden auszuzahlen, hast Du noch genug, so lange deine Zunge lebt. Siebente Scene. Sceparnio . Charmides . Labrax . Sceparnio . (kommt aus dem Tempel zurück) Himmel, was soll das bedeuten, daß die beiden Mädchen dort Weinend in der Venus Tempel fest umfah'n der Göttin Bild, Fürchten sich weiß nicht vor wem? Sie sagen, in der jüngsten Nacht Trieb der Sturm sie lang umher, und warf sie morgens an den Strand. Labrax . Junger Mensch, ich bitte dich, wo sind die Mädchen, die du meinst? Sceparnio . Hier im Tempel. Labrax .                                 Wieviel sind es? Sceparnio .                                                       Just so viel als ich und du. Labrax . Die sind mein. Sceparnio .                     Das weiß ich nicht. Labrax .                                                         Wie ist ihr Ausseh'n? Sceparnio .                                                                                       Ziemlich hübsch. Alle beide könnt' ich lieben, hätt' ich wacker mich bezecht. Labrax . Nun – es sind doch Mädchen? Sceparnio .                                             Du bist lästig: geh hinein und sieh! Labrax . Charmides, gewiß, da drinnen müssen meine Mädchen sein. Charmides . Mögen dich die Götter strafen, sind sie drinnen oder nicht! Labrax . Eilig brech' ich ein im Tempel. Charmides .                                             Lieber noch im Todtenreich! (Labrax geht in den Tempel.) Charmides . (zu Sceparnio ) Schaffe mir doch eine Stätte, Freundchen, wo ich schlafen kann. Sceparnio . Schlafe hier, wo dir's beliebt; es ist Gemeingut; Niemand wehrt's. Charmides . Doch du siehst, in welchem Stand ich mit den nassen Kleidern bin. Nimm mich auf in deinem Hause; schaffe mir ein trocknes Kleid, Während ich die meinen trockne; will dafür erkenntlich sein. Sceparnio . Dieser Lumpen, sieh, allein ist trocken: nimm ihn, wenn du willst! Der vertritt mir Alles, Hut und Mantel, wenn es regnen will. Gib mir deins; ich will es trocknen. Charmides .                                               Willst du, daß zum zweitenmal Auch zu Land mir abgespült wird, was ich schon im Meer verspielt? Sceparnio . Ob du's abspülst oder einsalbst, keinen Deut verschlägt mir das. Dir vertrau' ich nicht das Kleinste, wenn ich nicht ein Pfand erhielt. Schwize, oder stirb vor Kälte, sei gesund, sei krank: ich mag Keinen fremden Gast im Hause; gibt es doch schon Streit genug. (ab.) Charmides . (ihm nachrufend) Gehst du schon? – Ein Sklavenhändler ist der Mensch, sei's wer es sei; Denn er kennt kein Mitleid. Doch was steh' ich Armer hier so naß? Will doch lieber in den Tempel, und verschlafe dort den Rausch, Den ich wider meine Neigung nothgedrungen gestern trank. Wie bei Griechenweinen, goß Neptunus uns Meerwasser zu Das Feuer der griechischen Weine suchte man dadurch zu mäßigen, daß man Meerwasser dazu goß. , Hoffte so mit seinem Salztrank uns den Durchgang aufzuthun. Was bedarf's der Worte weiter? Wenn der Gott uns länger noch Nur ein wenig zugesprochen hätte, lägen wir daselbst Eingewiegt in tiefen Schlaf: jezt schickt er uns halbtodt nach Haus. Muß jezt nachseh'n, was der Kuppler drinnen macht, mein Tischgenoß. (er geht in den Tempel.) Dritter Act. Erste Scene. Dämones . Die Götter spielen mit den Menschen sonderbar, Und schicken uns gar wundersame Träume zu. Selbst wenn wir schlafen, lassen sie uns keine Ruh. So träumt' auch ich in dieser jüngstverwichnen Nacht Gar einen wundersamen und einfält'gen Traum. Mir däuchte, daß an einem Schwalbennest herauf Zu klettern sich ein Affe große Mühe gab; Doch ihm gelang's nicht, seinen Raub zu nehmen. Drauf, So träum' ich, kommt der Affe grad' auf mich heran, Und bittet mich, ich möcht' ihm eine Leiter leih'n. Worauf ich meinem Affen dies erwiedere: »Die Schwalbe stammt von Philomel' und Procne her,« Philomela und Prokne waren Töchter des attischen Königs Pandion. Nach der gewöhnlichen Sage ward Philomela in eine Nachtigall, Prokne in eine Schwalbe verwandelt, während nach anderen Sagen Philomela zur Schwalbe ward. Dämones nennt V. 13 die Schwalben seine »Landsmänninnen« ( populares ) als geborener Athener. Und bitte, meinen Lieben ja kein Leid zu thun. Der Affe wird darüber immer wüthender, Und fängt sogar mit Schlägen mir zu drohen an. Er ruft mich vor den Richter. Da, nicht weiß ich wie, Faßt mich der Zorn, ich packt' ihn mitten um den Leib, Und schloß das niederträcht'ge Thier in Ketten ein. Und nun – worauf sich dieser Traum beziehen soll, Das bring' ich heut troz allem Sinnen nicht heraus. Doch welcher Lärm entsteht in meiner Nähe hier Im Venustempel? Was es ist, begreif' ich nicht. Zweite Scene. Trachalio . Dämones . Trachalio . (aus dem Tempel stürzend) Ho! Ihr Bürger aus Cyrenä! Euren Beistand ruf' ich an, Ackerbauer und ihr Nachbarn aus der ganzen Gegend hier, Bringt den Hülfsbedürft'gen Hülfe! Rottet arg den Argen aus! Rächt das Unrecht, daß der Bosheit Macht hinfort nicht mächt'ger sei, Als der Unschuld Recht, die nicht durch Schande Ruhm erlangen will! Stellt den Frevel auf zum Schreckbild, gebt der Tugend ihren Preis! Gönnt dem Recht allein die Herrschaft, dem Gesez, nicht der Gewalt! Eilt hieher zum Venustempel! Eure Hülfe ruf' ich an, Die ihr in der Nähe wohnet, die ihr mein Geschrei vernahmt! Helft den Leuten, die der Venus und der Venuspriesterin Ihre Hab', ihr Haupt zur Obhut anvertraut nach altem Brauch! Dreht dem Frevelmuth den Hals um, eh' er hingelangt zu euch! Dämones . (tritt aus dem Hause) Nun, was gibt's? Trachalio .                 Bei deinen Knieen, alter Mann, beschwör' ich dich, Wer du sein magst – Dämones .                         Laß die Kniee; sage lieber, was es ist, Was du lärmst? Trachalio .               Ich bitte dich inständig, wenn du dieses Jahr Eine reiche Lese hoffst von Sirpe und von Silphium Sirpe, Silphium, Magudaris ( V. 19 ) waren die bedeutendsten Landeserzeugnisse Cyrene's. , Wenn du hoffst, daß deine Waare glücklich kommt nach Capua, Wenn du hoffst, daß deiner Augen Fluß für immer sich verliert – Dämones . Bist du toll, Mensch? Trachalio .                                   Oder hoffst du, daß du viel Magudaris Erntest – weigre mir die Hülfe nicht, um die ich bitte, Greis. Dämones . Aber ich beschwöre dich bei deinen Beinen, deinem Kreuz, Deinen Knöcheln, wenn du heuer reiche Ruthenernten hoffst, Wenn du hoffst, daß dieses Jahr mit Prügeln dir gesegnet sei, Sage mir einmal den Handel, was es ist, warum du lärmst. Trachalio . Aber weßhalb fluchst du mir? Ich wünschte dir ja Gutes nur. Dämones . Gutes wünsch' auch ich, ich bitte, daß dir wird, was du verdienst. Trachalio . Höre mich doch erst! Dämones .                                   Und was denn gibt es? Trachalio .                                                                       Zwei unschuldige Mädchen sind im Tempel drinnen, die nach deinem Schuz verlangt, Denen wider Recht und Sazung unerhörte Schmach geschah Und geschieht im Venustempel. Auch die Venuspriesterin Wird mishandelt. Dämones .                   Welcher Mensch auf Erden ist so frech und wagt's, Eine Priesterin zu kränken? Aber wer sind jene Frau'n? Welches Unrecht that man ihnen? Trachalio .                                           Hörst du mich, so sag' ich es. Sie umschlangen Venus' Bildniß: der erfrecht sich, reißt sie weg – Dämones . Und wer ist es, der die Götter so verachtet? Sag' es kurz. Trachalio . Nun, ein Mensch voll Trug und Meineid, der den Vater einst erschlug, Das Gesez bricht, keine Scham kennt, keine Schmach und Schande scheut, Kurz, mit Einem Wort, ein Kuppler. Was zu sagen brauch' ich mehr? Dämones . Einen Menschen nennst du da, der jedes Ungemach verdient. Trachalio . Hat der Schuft nicht bei der Gurgel selbst die Priesterin gefaßt? Dämones . Doch zu seinem größten Unglück that er's, traun! Ihr, kommt heraus, Sparax, Turbalo! Wo seid ihr? Trachalio .                                       Geh hinein, hilf ihnen doch! Dämones . Nicht zum zweiten Male ruf' ich: kommt hieher und folgt mir! Trachalio .                                                                                                 Auf! Laß die Augen ihm zerquetschen, wie der Koch dem Dintenfisch! Dämones . (zu den Knechten) Schleppt ihn her an beiden Füßen, wie ein abgestoch'nes Schwein! (er geht mit den Knechten in den Tempel.) Trachalio . Welch ein Lärm! Der Kuppler, denk' ich, wird mit Fäusten jezt gekämmt Kämmen , ein komischer Ausdruck für »prügeln«, findet sich auch bei Terenz. . Schlügen die doch dem Halunken alle Zähn' im Rachen aus! Doch da flüchten, schau, die Mädchen zagend aus dem Tempelthor. Dritte Scene. Palästra . Ampelisca . Trachalio . Palästra . Dahin, ach, kam's mit uns, daß wir, baar alles Raths, Ohne Schuz, ohne Trost, hoffnungslos zieh'n umher. Nirgendwo blüht uns Heil; Nirgendwo winkt der Pfad, welchen ich wandeln kann. Denn in endloser Noth schweben wir Armen hier! Solche feindsel'ge That, solche graunvolle Schmach Ward vom Herrn eben im Heiligthum wider uns Ausgeübt. Frevelhaft faßt' er die Greisin dort, Stieß sie hierhin, stieß sie dorthin – eine Schandthat ohne Gleichen! – Riß sodann mit Gewalt uns von dem Bild hinweg. Doch wie jezt unser Loos sich gewandt, ist es viel Besser, wir sterben. Im bittern Leid ist der Tod Der süßeste Trost. Trachalio . Was ist es? Welche Rede das? Was säum' ich sie zu trösten? He! Palästra! Palästra .               Wen verlangt nach mir? Trachalio .                                                   He! Ampelisca! Ampelisca .                                                                           Wer Ruft mich? Palästra .           Wer nennt meinen Namen? Trachalio .                                                   Sieh dich um, so wird dir's kund. Palästra . (den Trachalio gewahrend) Meines Heils Hoffnung du! Trachalio .                                   Schweige! Sei gutes Muths! Sieh mich an! Palästra .               Wär' es nur möglich, daß uns Gewalt nicht befällt, Die mich zwingt Gewalt mir selber anzuthun. Trachalio .                                                               O schweige, Närrin! Palästra . Laß ab, mit leeren Worten mich in meinem Leid zu trösten! Denn schaffst du nicht uns Hülfe mit der That, sind wir verloren. Viel lieber will ich sterben, als die Wuth des Kupplers dulden. Indeß – ich bin ein Mädchen; denk' ich an den Tod, ich Arme, Fällt Zittern meine Glieder an. Trachalio .                                       Wie herb auch euer Loos sei, So seid doch gutes Muthes! Palästra .                                     Ach! Wo fänd' ich den, o Götter? Trachalio . O fürchtet nichts! Sezt euch hieher auf den Altar. (er deutet auf einen Altar, der außerhalb des Tempels steht.) Palästra .                                                                                 Wie könnte Uns der Altar mehr helfen, als der Göttin Bild im Tempel, Das wir umschlangen, und von dem Gewalt uns fortgerissen? Trachalio . Sezt euch nur her; ich werde schon euch schüzen; der Altar soll Euch Schanze, soll euch Mauer sein; ich streit' an eurer Seite. Im Schuz der Venus zieh' ich aus, des Kupplers Wuth bekämpfend. Palästra . Dir folgen wir. (sie knieen am Altar nieder)                                 Und alle zwei fleh'n wir dich an, o Venus, Auf unsern Knieen, thränenvoll umschlingend deinen Altar, Nimm uns in deinen heiligen Schuz, und leih' uns deine Hülfe! An jenen Frevlern aber, die dein Heiligthum verachtet, Nimm Rache! Uns, die heute Nacht Neptunus rein gebadet, Uns laß in deinem Frieden am Altare hier verweilen! Ach, zürne nicht, und laß es uns nicht büßen, wenn noch Etwas An uns zurückblieb, das vor dir nicht rein genug erscheine! Trachalio . Was billig ist, erbitten sie. Du mußt sie wohl erhören, Und ihnen Nachsicht schenken: Furcht zwang sie zu dieser Bitte. O nimm dich ihrer Muscheln an: stammst ja von einer Muschel! Doch recht erwünscht kommt hier der Greis, mein Schirmherr und der eure. Vierte Scene. Dämones kommt aus dem Tempel zurück. Hinter ihm Labrax , der von einigen Knechten fortgeschleppt wird. Die beiden Mädchen . Trachalio . Dämones . Fort vom Tempel, du Verrucht'ster Aller, seit es Menschen gibt! – Sezet ihr euch auf den Altar! Doch wo sind sie? Trachalio .                                                                   Sieh nur her! Dämones . Schön! Das eben wollt' ich ja. Ein Knecht .                                             Bedeut' ihn, daß er näher kommt! Dämones . (zu Labrax ) Du verlangst, daß wir mit dir den Göttern opfern, Bösewicht? (zu einem Knecht) Mit der Faust ihm in's Gesicht! Labrax .                                             Dafür bekommst du deinen Lohn! Dämones . Wie? Der Freche will sogar noch droh'n? Labrax .                                                                       Mir ist mein Recht geraubt: Meine beiden Mägde raubst du mir. Trachalio .                                                 Wohlan, so wähle dir Einen angeseh'nen Schiedsmann aus dem Rath Cyrene's hier, Der entscheidet, ob sie frei sein sollen, ob dein Eigenthum, Oder ob es billig sei, daß man dich in den Kerker wirft, Dort dein Lebenlang zu wohnen, bis dein Tritt ihn ausgehöhlt. Labrax . Konnt' ich ahnen, daß ich heute schwazen soll mit einem Dieb? (an Dämones sich wendend) Mit dir red' ich. Dämones .                 Rede nur zuerst mit jenem, der dich kennt. Labrax . Mit dir recht' ich. Trachalio .                         Nein, mit mir erst! – Sind das deine Mägde? Labrax .                                                                                                   Ja. Trachalio . Auf denn, rühre mir nur Eine mit dem kleinsten Finger an. Labrax . Wenn ich's thäte? Trachalio .                         Traun, so schleudr' ich dich sogleich als Ball hinaus, Bösewicht, und hoch in Lüften bläu' ich dich mit Fäusten durch. Labrax . Was? Ihr wehrt mir meine Dirnen wegzuführen vom Altar? Dämones . Ja; so will's bei uns die Sazung. Labrax .                                                       Eure Sazung, – kann sie mich Kümmern? Nein, ich schaffe deine Dirnen beide fort von hier. Liebst du sie, mein alter Herr, so brauchst du blankes Geld dafür. Dämones . Doch die Göttin liebt sie. Labrax .                                             Beide stehen ihr zu Dienst – für Geld. Dämones . Dir noch Geld?! – Mensch, wenn du jezt auch meine Meinung wissen willst – Unterfange dich, die Mädchen anzurühren, nur im Scherz, Und du gehst so zugerichtet heim, daß du dich selbst nicht kennst. (zu den Knechten) Und auch ihr, sobald ich winke, schlagt ihr nicht das Aug' ihm aus, Wie das Binsenreis die Myrte, bind' ich euch mit Ruthen fest. Labrax . Wie? Du brauchst Gewalt? Trachalio .                                         Du wirfst uns noch Gewalt vor, Bösewicht? Labrax . Dreimalgalgenstrick, du wagst es, loszufahren wider mich? Trachalio . Dreimalgalgenstrick, das bin ich, und du bist ein Ehrenmann. Müssen darum diese hier wohl minder frei sein? Labrax .                                                                       Diese frei? Trachalio . Wohl, und du ihr Knecht; sie stammen aus dem ächten Griechenland. In Athen ist die geboren, (auf Palästra deutend)                                         freier Eltern freies Kind. Dämones . Wie? Was hör' ich? Trachalio .                                 Diese hier ist freigeboren, aus Athen. Dämones . Was? Mit mir aus Einem Lande? Trachalio .                                                     Kein Cyrener wärest du? Dämones . Nein, geboren und erzogen in Athen, in Attica. Trachalio . Deine Landsmänninnen, Alter, schüze sie! Dämones . (bei Seite)                                                   Mein Töchterchen! Diese (auf Palästra deutend)           weckt mein Leid um dich Entfernte, die, dreijährig kaum, Mir entschwand. Wenn du noch lebtest, wärest du so groß, wie die. Labrax . Ihren Herrn, dem sie gehörten, zahlt' ich für die Beiden baar. Ob Athen, ob Theben ihre Heimat ist, was kümmert's mich, Wenn sie mir gehörig ihre Dienste thun? Trachalio .                                                       So unverschämt Greifst du hier, du Mädchenmarder, Eltern ihre Kinder auf, Und mißbrauchst die freigebor'nen zu dem schmählichsten Erwerb? Denn das Heimatland der Andern (auf Ampelisca deutend)                                                       freilich ist mir unbekannt; Doch ich weiß, viel edler ist sie, denn du selbst, unsaub'rer Wicht! Labrax . Wirklich? Trachalio .             Zeig's an deinem Rücken, wer von uns wahrhafter ist. Wenn du nicht mehr Angedenken, als ein Lastschiff Nägel hat, Auf dem Rücken zeigst, so will ich, traun, der ärgste Lügner sein. Hab' ich deinen angesehen, siehe du den meinen an; Ist er nicht so rein und sauber, daß dir jeder Flaschner sagt, Für die Lederflaschen lief're der das beste, reinste Zeug: Darf ich dann mit Ruthen dich zerbläuen bis zur Sättigung? – Was begaffst du die? Die Augen kostet dir's, berührst du sie. Labrax . Weil du mir's verbietest, führ' ich beide jezt mit mir davon. (er läuft fort.) Dämones . Was beginnst du? Labrax .                                 Den Vulcanus hol' ich; er ist Venus' Feind. Es war bei den Alten nicht erlaubt, Jemanden, der sich an einen Altar geflüchtet hatte, davon wegzureißen; doch durfte man alle übrigen Mittel versuchen, ihn wegzubringen, wenn nur der Flüchtling nicht dabei berührt wurde. Man pflegte daher in solchen Fällen um die Altäre ein großes Feuer anzuzünden, wodurch der Unglückliche, vom Altar vertrieben, in die Hände seiner Feinde fiel. So droht in einem Trauerspiele des Euripides Hermione Andromachen, welche sich zur Bildsäule der Thetis geflüchtet hatte, daß sie ringsumher Feuer anzünden wolle. Dies droht auch Labrax zu thun. Vulcanus heißt der Feind der Venus, weil er sie mit Mars im Neze gefangen hatte. Danz. Dämones . Wohin will er? Labrax . (pocht an Dämones' Haus an)                                   Ist hier Jemand? He! Dämones .                                                           Berührst du meine Thür, Hagelt dir in dein Gesicht, Mensch, eine Saat von Prügelholz. Ein Knecht . (im Hause, da Labrax inzwischen hineingesprochen hat) Feuer gibt es keins im Hause; trockne Feigen essen wir. Dämones . (zu Labrax ) Kann ich dir's auf deinem Kopf anzünden, geb' ich Feuer dir. Labrax . Will mir sonstwo Feuer suchen, wo es sei – Dämones .                                                                   Und, fandest du's –? Labrax . Mach ich hier ein mächtig Feuer. Dämones .                                                   Für ein Menschenopfer wohl? Labrax . Ja, die zwei verbrenn' ich lebend am Altar hier. Dämones .                                                                           Thu' es nur! Denn ich packe dich am Barte, stoße dich in Feuersglut, Und geröstet werf' ich dann den Vögeln dich als Futter vor. (für sich) Wenn ich's so bei mir bedenke, ist der Kerl der Affe wohl, Der die Schwalben aus dem Neste stehlen wollte mir zum Troz, Wie es mir die Nacht geträumt hat. Trachalio . (zu Dämones )                         Höre, Greis, ich bitte dich! Schüze die, wehr' ab Gewalt! Indessen hol' ich meinen Herrn. Dämones . Suche, bring' ihn! Trachalio .                             Aber der hier – Dämones .                                                       Wenn er sie mir nur berührt, Soll der Henker ihn – Trachalio .                           Im Ernste? Dämones .                                             Wird nicht fehlen. Eile nur! Trachalio . Auch auf ihn gib Acht, damit er nicht entwischt. Denn ich versprach Heut ein schwer Talent dem Henker, oder liefr' ich diesen ihm. (er geht ab.) Fünfte Scene. Dämones . Labrax . Palästra . Ampelisca . Knechte . Dämones . Jezt, Kuppler, willst du, nun die Wahl dir offen steht, Mit Schlägen oder ohne Schläge ruhig sein? Labrax . Ich, Alter, achte, was du sagst, nicht einen Deut. Die Meinen reiß' ich, dir, der Venus und dem Zeus Zum Troz, am Haare vom Altar. Dämones .                                           Ja, rühre sie Nur an! Labrax .       Bei Gott, sogleich! Dämones .                                   Wohlan denn, komm heran! Labrax . (auf die beiden Knechte zeigend) Die Beiden laß ein bischen auf die Seite geh'n! Dämones . Nein, näher treten sollen sie! Labrax .                                                   So meint' ich's nicht. Dämones . Was thust du, geh'n sie näher? Labrax .                                                     Dann tret' ich zurück. Doch treff' ich einmal in der Stadt auf dich, o Greis, So nennt fürwahr kein Mensch mich einen Kuppler mehr, Wenn ich dich nicht heimschicke ganz mit Schmach bedeckt. Dämones . Dann thu mir Alles, was du drohst. Doch wenn du sie Jezt auch nur anrührst, trägt es dir viel Prügel ein. Labrax . Wie viele denn? Dämones .                         So viele, wie's ein Kuppler braucht. Labrax . All deine Drohungen, Alter, acht' ich keinen Deut. Zum Troz dir raub' ich Beide. Dämones .                                       Rühre sie nur an! Labrax . Das thu' ich. Dämones .                   Rühre sie doch an! Doch weißt du, wie? (zu einem Knecht) Geh du hinein, Turbalio, bring' uns ungesäumt Zwei Keulen. Labrax . (für sich)   Keulen? Dämones .                           Aber tüchtige. Laufe schnell! (der Knecht geht. Zu Labrax ) Ich will dich heut empfangen, wie du's würdig bist. Labrax . (für sich) Weh mir! Ich armer Schuft verlor im Schiffe meinen Helm. Jezt wär' er mir willkommen, hätt' ich ihn zur Hand. (zu Dämones ) Darf ich die Mädchen mind'stens doch anreden? Dämones .                                                                     Nein. Ei sieh, da kommt mein Keulenträger recht erwünscht. Labrax . (für sich) Schon tönt's in meinen Ohren hell wie Glockenklang! Der Kuppler hört schon zum voraus die Schläge sausen. Dämones . Tritt her da, Sparax, nimm die andre Keule da. Wohlan! Der Eine stehe hier, der Andre dort! (er stellt den Turbalio und den Sparax zu beiden Seiten des Altars.) Nicht weiter rührt euch! Recht so! Nun vernehmt von mir: Wenn der da die da (auf den Labrax und die Mädchen deutend)                                   wider ihren Willen nur Mit dem Finger anrührt, und ihr ihn mit diesen da (auf die Keulen deutend) Nicht so bewillkommt, daß er nicht nach Hause weiß, Seid ihr verloren beide! Wenn er Eine dann Anspricht, erwidert ihr ihm statt der Mädchen da; Und will er selbst von hinnen, dann umklammert ihm Mit Knitteln beide Beine gleich, so fest ihr's könnt. Labrax . Auch nicht von hinnen sollen sie mich lassen? Dämones . (zu den Knechten)                                           Ihr Versteht mich! Kommt der Sklave dann mit seinem Herrn, Der fortging, ihn zu holen, geht sogleich in's Haus; Besorgt mir Alles recht genau, wenn's euch gefällt. (geht ab.) Sechste Scene. Labrax . Palästra . Ampelisca . Knechte . Labrax . Ei, ei! Wie schnell der Tempel sich verwandelt hat! Gehörte sonst der Venus, jezt dem Hercules. Drum stellt der Alte zwei Statü'n mit Keulen auf. Zwei Statüen, nämlich des Hercules, welchem die beiden Sklaven mit ihren Keulen gleichen, die sie drohend in den Fäusten tragen. Fürwahr, ich weiß nicht, wo hinaus ich fliehen soll. So wüthet Beides, Land und Meer, jezt gegen mich. Palästra! Ein Knecht .   Nun, was willst du? Labrax .                                         Lassen wir den Streit! Palästra, die hier eben sprach, ist meine nicht. He! Ampelisca! Der andere Knecht .   Nimm vor Schlägen dich in Acht! Labrax . (für sich) Wie's möglich ist! Die Schufte geben guten Rath. (er wendet sich an die Knechte) Euch red' ich an, euch. Höret! He! Beschwert es euch, Tret' ich den Mädchen näher? Der erste Knecht .                         Uns beschwert es nicht. Labrax . Wird mich's beschweren? Der andere Knecht .                       Nimmst du dich in Acht, o nein! Labrax . Wovor in Acht? Der erste Knecht . (auf die Keulen zeigend)                                 Vor einem dicken Ungemach. Labrax . Ich bitte, laßt mich näher hin! Der andere Knecht .                             Wenn dir's beliebt. Labrax . Das nenn' ich schön, fürwahr! Ich sag' euch großen Dank. Jezt tret' ich näher. (er geht auf die Mädchen los.) Der erste Knecht . (bedroht ihn mit der Keule)                                 Nein, du bleibst zur Stelle steh'n! Labrax . Bei Gott, in allewege kam ich übel weg! Die muß ich heute zwingen durch Belagerung. Siebente Scene. Pleusidippus . Trachalio . Palästra . Ampelisca . Labrax . Die Knechte . Später auch Charmides . Pleusidippus . (zu Trachalio) Mein Mädchen wollte mit Gewalt der Kuppler mir Von Venus' Altar reißen? Trachalio .                                 So geschah es, Herr. Pleusidippus . Was brachtest du nicht gleich ihn um? Trachalio .                                                                 Mir fehlt' ein Schwert. Pleusidippus . Doch gab es Knittel, Steine gab's. Trachalio .                                                           Wie einen Hund, Fiel' ich mit Steinen einen Menschen an? Pleusidippus .                                                   Den Schuft? Labrax . (für sich) Ich bin des Todes! Pleusidippus seh' ich da: Der fegt mich samt dem Staube ganz zum Haus hinaus. Pleusidippus . Und saßen auch noch, als du mich zu holen gingst, Die Mädchen am Altare? Trachalio .                               Ja, noch sind sie da. Pleusidippus . Wer schüzt sie dort? Trachalio .                                       Ein alter, mir ganz fremder Mann, Der Venus' Nachbar. Dieser that uns guten Dienst. Er wacht mit seinen Knechten; ich befahl sie ihm. Pleusidippus . Gradaus zum Kuppler führe mich! Wo steckt der Mensch? Labrax . (zitternd) Ich grüße – Pleusidippus .     Weg mit deinem Gruß! Schnell wähle dir, Ob man dich köpflings reißen oder schleppen soll. Was willst du? Wähle, solang du kannst! Labrax .                                                             Von Beiden keins. Pleusidippus . Geh hurtig an das Ufer hin, Trachalio. Bedeute jenen, die ich heut herausgeschleppt, Um den (auf Labrax zeigend)               dem Henker abzuliefern, daß sie mir Am Thore drinnen in der Stadt entgegengeh'n. Dann kommst du wieder, übernimmst die Wache hier; Ich schleppe den entlaufnen Schurken vor Gericht. (zu Labrax ) Fort! Vor den Richter! Labrax .                               Was verbrach ich denn? Pleusidippus .                                                             Du fragst? Du, der das Angeld für das Mädchen nahm von mir, Und sie davonführt? Labrax .                           Nicht davon – Pleusidippus .                                         Was läugnest du's? Labrax . Nein, nur hinausführt; konnte nicht davon mit ihr. Ich sagte dir, bei'm Venustempel würdest du Mich treffen: hielt ich nicht mein Wort? Da bin ich ja. Pleusidippus . So rede vor dem Richter: hier braucht's weiter nichts. Komm mit! Labrax .             O eile mir zu Hülfe, Charmides! Man schleppt mich an der Kehle fort. Charmides . (der sich am Meeresufer ein Lager bereitet hatte, kriecht jezt unter dem Schilfe hervor)                                                             Wer ruft mich hier? Labrax . Sieh, wie man mich fortschleppt! Charmides .                                                 Ich seh's, und seh' es gern. Labrax . Du wagst mir nicht zu helfen? Charmides .                                           Wer denn schleppt dich fort? Labrax . Der Pleusidippus. Charmides .                       Wie du's hast, so nimm es hin. 's ist besser, wenn du gutes Muths in den Kerker gehst. Dir ist geworden, was so Mancher sehnlich wünscht. Labrax . Was wäre das? Charmides .                   Nun, daß er findet, was er sucht. Labrax . Komm mit, ich bitte. Charmides .                             Wie du selbst bist, räthst du mir. Dich schleppt man in den Kerker, und du willst, ich soll Dir folgen. Wie? Du hältst mich gar? (er macht sich von ihm los.) Labrax .                                                     Ich bin des Todes! Pleusidippus .                                                                           Wär' es wahr! Palästra du und Ampelisca, bleibet hier, Bis ich zurück bin, Ein Knecht .                   Lieber, mein' ich, sollten sie In unser Haus geh'n, bis du wiederkommst. Pleusidippus .                                                       Ja, ja! Recht klug! Labrax . (zu den Knechten)                     Ihr seid mir Diebe! Ein Knecht .                                       Diebe? Pleusidippus .                                                 Fort mit ihm! Labrax . Bitt' ihn, Palästra, sprich für mich! Pleusidippus .                                                 Fort, Henkersknecht! Labrax . (zu Charmides ) Mein Gast! Charmides .       Bin nicht dein Gast, will nichts von deinem Tisch. Labrax . Verschmähst du so mich? Charmides .                                   Freilich. Einmal trink' ich nur. Anspielung auf den Schiffbruch. Ich fuhr nur einmal mit dir, und da wäre ich bald ertrunken; jezt habe ich keinen Durst mehr. Labrax . Daß dich ein Gott verdamme! Charmides .                                           Wünsche das dir selbst! (der Kuppler wird von den Knechten fortgeführt. Pleusidippus folgt.) In eine Bestie, denk' ich, wird ein jeder Mensch Verwandelt, und der Kuppler wird zum Hund dereinst. Nicht lange dauert's, und er sizt im Hundeloch; Da kann er immer heute noch sein Nest sich bau'n. Doch will ich gehen, vor Gericht ihm beizusteh'n, Daß ihn der Richter schneller noch durch mein Bemüh'n Dem Pleusidippus zuerkennt als Eigenthum. Vierter Act. Erste Scene. Dämones . Recht gut und schön ist's, daß ich heut den Mädchen half; So hab' ich doch zwei Schuzgenossen mir geschafft, Und beide sind gar hübsche junge Dingelchen. Doch mich belauert überall mein böses Weib, Damit ich ihnen nirgends auch nur winken kann. Mich wundert nur, was Gripus, unser Sklave, treibt, Der diese Nacht schon an die See zu fischen ging. Wohl that er klüger, wenn er heut ausschlief daheim; Denn Müh und Neze wendet er vergeblich auf, Wie jezt das Wetter stürmt, und wie's die Nacht gestürmt. In meinen Fingern koch' ich, was er heute fängt; Denn wie ich sehe, wogt die See noch heftig auf. Doch meine Frau ruft mich zu Tisch: ich muß nach Haus: Die schwazt mir sicher wieder recht die Ohren voll. (ab.) Zweite Scene. Gripus fährt im Nachen an, steigt aus, und bindet ihn an's Gestade. Gripus . Den Dank bring' ich dar meinem Schuzherrn Neptunus, Der haust unter Fischen in salzreichen Räumen, Und aus seinem Seereich mich, schön ausgestattet, Mit Reichthum belastet, zur Heimat gesendet, Den Kahn mir gerettet, in schaumweißer Meerflut Mit solch seltnem Fischfang so reich mich beglückt hat. Gar wunderbar unglaublich gelang Mir der glückliche Zug, und ich habe doch heut Kein einziges Loth an Fischen erhascht, Nichts, als was hier in dem Neze mir hängt. Denn als ich bei Nacht unverdrossen vom Lager Erstand, galt der Vortheil mir höher als Ruhe; So wild auch der Sturm schnob, doch wollt' ich versuchen, Die Armuth des Herrn, meine Knechtschaft zu lindern, Und ließ mich keine Mühe reu'n. Gar nichts werth ist, wer der Trägheit fröhnt: ich hasse dies Geschlecht. Wachsam sei der Mann, der seine Pflichten will zur Zeit erfüllen; Darf er doch nicht säumig warten, bis der Herr zur Pflicht ihn aufruft. Denn, die Schlummer lieben, ruhen ohne Segen, sich zum Schimpfe. Ich errang durch meinen Fleiß was, könnte träg sein, wenn ich wollte. Dieses hier fand ich im Meere: (auf eine Kiste deutend, die er mit seinem Neze aus dem Meer hervorgezogen)                                                   was es sei, schwer wiegt es. Gold wohl Ist darin, und Niemand weiß darum, als ich. Jezt ward, o Gripus, Dir das Glück, daß dir der Prätor vor dem Volke schenkt die Freiheit. Nun ist so mein Plan: ich gehe schlau und listig meinen Herrn an, Biete nach und nach ein Sümmchen Geld ihm an, daß er mich freiläßt. Bin ich frei, dann kauf' ich nur ein Haus, Gebäude, Sklaven, Aecker, Treibe Handel auf dem Meere, werd' ein König unter Kön'gen. Dann zu meiner Lust erbau' ich mir ein Schiff, wie Stratonicus Stratonikus soll Schazmeister des Königs Philippus von Macedonien und seines Sohnes Alexander gewesen, und seines Reichthums wegen sprichwörtlich geworden sein, wie Crösus und Crassus. , Und besuche rings die Städte. Hat sich dann mein Ruhm verbreitet, Gründ' ich eine große Veste, nenne sie mit Namen Gripus, Als ein Denkmal meines Ruhms, will dort ein großes Reich errichten. Großes brütet mein Gehirn. Doch jezt verberg' ich meinen Schaz hier. Heute frühstückt Salz und Essig ohne Zuthat König Gripus. (er zieht den Nachen zum Lande.) Dritte Scene. Trachalio . Gripus . Trachalio . He da, du! Halt! Gripus . (ohne umzublicken)           Warum? Trachalio .               Bis ich das Tau dir, das du nachschleppst, aufgewunden. Gripus . Laß es nur! Trachalio .               Nein! Was man Guten Gutes thut, ist unverloren. (er hilft ihm das Tau aufwinden.) Gripus . Ein großer Sturm war gestern, Freund. Mir fehlt es ganz an Fischen; die Verlange nicht; ich habe nichts. Sieh doch, ich bring' ein nasses Nez Zurück, und ohne Schuppenvieh. Trachalio . Nach Fischen ja verlangt mich nicht; Zu sprechen wünsch' ich nur mit dir. Gripus . Du quälst mich halb zu Tode, Mensch, Mit dem Gewäsche, wer du seist. Trachalio . Du darfst von hier nicht weiter. Bleib! (er zieht ihn mit Gewalt zurück.) Gripus . Nimm dich in Acht! Was, Schurke, ziehst du mich zurück? Trachalio .                                                                                         So höre! Gripus . Ich höre nicht. Trachalio .                   Du hörst mich doch. Gripus .                                                         Sprich später, was dir einfällt. Trachalio . Nein, nein! Es ist der Mühe werth, was ich dir will erzählen. Gripus . So sprich! Was ist es? Trachalio .                                 Sieh, ob Niemand lauscht in unsrer Nähe. Gripus . Ist es denn Etwas, das mich betrifft? Trachalio .                                                       Allerdings. Aber sprich: hast du wohl auch für mich guten Rath? Gripus . Sage doch, was es ist. Trachalio .                               Wohl, ich sag's, (schweige nur,) Gibst du dein Wort darauf, daß du's nicht weiter sagst. Gripus . Nimm mein Wort, wer du seist: ich bin still. Trachalio .                                                                   Höre denn! Ich sah's mit an, wie Jemand stahl, Und kannte den Herrn, dem solches geschah. Dann geh' ich zum Dieb, ich selbst in Person, Und rede mit ihm, und schlag' ihm vor: »Ich kenne den Mann, Freund, den du bestahlst. Doch wenn du die Hälfte des Raubs mir gibst, Dann sag' ich dem Herrn nicht, was du gethan.« Er aber entgegnet darauf kein Wort. Was soll er mir nun wohl geben davon? Ich denke: die Halbscheid. Gripus .                                       Nein, noch mehr! Denn gibt er es nicht, so sagst du's dem Herrn. Trachalio . Gut; was du mir räthst, das will ich thun. Doch nun merk' auf; denn Alles bezieht Sich allein auf dich, Gripus .                             Was ist denn gescheh'n? Trachalio . Wem der Koffer da gehört, das weiß ich längst – Gripus .                                                                                   Was weiter? Trachalio .                                                                                                   Weiß Auch, wie er verloren ging. Gripus .                                       Ich aber weiß, wie man ihn fand, Kenne den auch, der ihn fand, und weiß auch, wem er jezt gehört. Traun, nicht mehr geht dich mein Wissen an, als deines mich berührt. Wem er jezt gehört, das weiß ich, wer ihn früher hatte, du. Keinem Menschen tret' ich den ab; hoffe du auch nicht zu früh. Trachalio . Auch dem Herrn nicht, wenn er käme? Gripus .                                                                   Merke dir's, ich bin allein Herr davon, kein Andrer sonst; er wurde mein durch meinen Fang. Trachalio . Wirklich? Gripus .                       Oder meinst du wohl, die Fisch' im Meere wären mein? Fang' ich sie, dann sind sie mein, mein Eigenthum, weil ich sie fing. Niemand spricht sie an als eigen, Niemand will sein Theil davon. Auf dem offnen Markte biet' ich sie als meine Waare feil; Denn Gemeingut Aller ist gewiß das Meer. Trachalio .                                                           Ich stimme bei. Aber so wird auch der Koffer mir und dir gemeinsam sein. Ward er doch im Meer gefunden, ist Gemeingut. Gripus .                                                                       Frecher Wicht! Wäre das Recht, was du vorbringst, gingen alle Fischer drauf. Denn sobald sie mit den Fischen auf den Fischmarkt kämen, traun, Kaufte Niemand, Jeder holte von den Fischen seinen Theil; Denn sie sind im allgemeinen Meer gefangen. Trachalio .                                                               Ha, wie frech! Wie? Du wagst den Koffer mit den Fischen zu vergleichen? Sprich: Scheint dir das Eins und Dasselbe? Gripus .                                                   Steht's doch nicht in meiner Hand. Werf' ich einmal Nez und Angel, zieh' ich heraus, was hängen blieb; Was mir Nez und Angel fingen, das gehört vollständig mein. Trachalio . Nimmermehr, wenn's ein Geschirr ist, was du fingst. Gripus .                                                                                         O Philosoph! Trachalio . Aber hast du denn, du Gaudieb, einen Fischer je geseh'n, Der als Fisch fing einen Koffer, oder ihn zum Markte fuhr? Denkst du denn in jede Zunft hineinzupfuschen, Bösewicht, Wie's dir einfällt, willst zugleich ein Büttner und ein Fischer sein? Zeigen mußt du mir entweder, welcher Fisch ein Koffer ist, Oder gibst heraus, was nicht im Meer erwuchs noch Schuppen trägt. Gripus . Wie? So hast du nie vernommen, daß es Kofferfische gibt? Trachalio . Schurke, nie! Gripus .                           Wohl gibt es welche: ich, ein Fischer, kenne sie. Doch man fängt sie selten: keiner treibt so spärlich an den Strand. Trachalio . Faselei! Du, Schlingel, hoffst wohl eine Nase mir zu dreh'n. Sprich, wie sieht er aus? Gripus . (auf den Koffer deutend) Von dieser Farbe fängt man wenige. Andre gibt's von rothem Leder, andre groß und schwarz. Trachalio .                                                                                 Ja, ja. Hüte dich, sonst wirst du sicher selbst ein solcher Kofferfisch. Denn dein Fell wird erst sich röthen, später wird es schwarz und blau. Gripus . Welchen Schurken traf ich da? Trachalio .                                             Wir schwazen, und der Tag verstreicht. Sieh dich um, wen wir zum Schiedsmann nehmen. Gripus .                                                                           Nun, der Koffer hier Sei der Schiedsmann! Trachalio .                         So? Du bist ein Narr! Gripus .                                                                 Willkommen, weiser Mann! Trachalio . Du bekommst den heute nimmer, stellst du keinen Mittelsmann, Dessen Ausspruch hier entscheidet. Gripus .                                                     Bist du denn bei Sinnen auch? Trachalio . Ich bin nieswurztoll. Gripus .                                       Und ich verrückt; doch lass' ich nicht von ihm. Trachalio . Sprich ein Wort noch weiter, und ich schlage dir das Hirn entzwei! Wenn du nicht alsbald ihn lässest, sieh, so press' ich wahrlich dir, Was von Saft in deinem Leib ist, aus, wie einen neuen Schwamm. Gripus . Rühr mich an, so schlag' ich dich am Boden ab, wie einen Fisch. Willst du raufen? Trachalio .                   Was bedarf's dies? Theile lieber deinen Raub. Gripus . Schlage nur, sonst kannst du nichts hier naschen; Andres hoffe nicht. Ich will fort. (er will zum Kahne gehen.) Trachalio .             Ich drehe das Schiff um, daß du nicht fortgehst: du bleibst! Gripus . Bist du bei dem Schiff der Lootse, dann bin ich der Steuermann. Laß das Tau jezt los, Verruchter! Trachalio .                                             Wohl: so laß den Koffer los. Gripus . Nicht um eine Feder, wahrlich, gehst du heute reicher weg. Trachalio . Durch dein Weigern schreckst du mich nicht. Gibst du mir nicht meinen Theil, Geh' ich vor den Richter, oder wird er mit Beschlag belegt. Gripus . Den ich dort im Meer gefangen? Trachalio .                                               Und ich sah's vom Ufer aus. Gripus . Und mit meiner Müh' und Arbeit, meinem Nez und meinem Kahn? Trachalio . Würd' ich wohl, wenn jezt der Herr erschiene, dem er zugehört, Weil ich aus der Ferne zusah, wie du diesen Fang gethan, Nicht für einen Dieb gehalten, so wie du? Gripus .                                                             Nicht minder. Trachalio .                                                                               Halt! Weßhalb soll ich jezt nicht theilen, aber doch Dieb sein, wie du? Sprich! Gripus .       Das weiß ich nicht, und eure Stadtgeseze kenn' ich nicht. Nur behaupt' ich, daß er mein ist. Trachalio .                                           Und ich, daß er mir gehört. Gripus . Halt! Nun weiß ich, wie du weder Dieb bist noch die Beute theilst. Trachalio . Wie denn? Gripus .                       Laß mich jezt von hinnen: geh du schweigend deinen Weg. Zeige du mich nirgends an: ich gebe dir von Meinem nichts. Schweige still; ich muckse nicht. So wird es recht und billig sein. Trachalio . Welchen Vorschlag kannst du machen? Gripus .                                                                   Den ich dir vorlängst gemacht: Daß du fortgehst, mir das Tau hier lässest, mir nicht lästig fällst. Trachalio . Warte, hör' auch meinen Vorschlag. Gripus .                                                             Geh doch fort, ich bitte dich! Trachalio . Kennst du wen in dieser Gegend? Gripus .                                                           Meine Nachbarn sollt' ich doch – Trachalio . Und wo wohnst du? Gripus .                                     Weit von hier weg, auf den lezten Feldern dort. Trachalio . Nimmst du den, der hier im Landhaus wohnt, als unsern Richter an? Gripus . Laß das Tau ein wenig nach, indeß ich seitwärts mich besinne. Trachalio . Wohl! Gripus . (bei Seite)   O schön! Ich bin geborgen! Dieser Fang bleibt ewig mein. Zwischen meinen Pfählen ruft er meinen Herrn als Richter an. Nimmermehr (Gott weiß es!) urtheilt der mir einen Dreier ab. Dieser weiß nicht, welchen Vorschlag er mir that. Zum Richter denn! Trachalio . Nun? Gripus .               Wiewohl ich sicher weiß, ich habe hier das größte Recht, Thu' ich's lieber, als ich mit dir streite. Trachalio .                                                     So gefällst du mir. Gripus . Zwar den Richter, den du anrufst, kenn' ich nicht; doch, glaubt er mir, Ist er, unbekannt, Bekannter; glaubt er nicht, das Gegentheil. Vierte Scene. Dämones . Palästra . Ampelisca . Knechte . Trachalio . Gripus . Dämones . Bin ich euch auch ganz gewogen, Kinder, fürcht' ich doch im Ernst, Daß mich euretwegen meine Frau noch aus dem Hause jagt. Dirnen, wird sie sagen, schlepp' ich vor den Augen ihr in's Haus. Besser, ihr flieht zum Altar, als ich. Die Mädchen .                                           Es ist um uns gescheh'n. Dämones . Fürchtet nichts; ich werde schon euch schüzen. (zu den Knechten)                                                     Doch was folget ihr Mir heraus? So lang ich hier, thut ihnen Niemand was zu Leid. Gehet nur, ihr beiden Wächter; zieht von eurer Wache heim. (die Knechte ab.) Gripus . Gruß dir, Herr! Dämones .                     Willkommen, Gripus! Nun, wie geht's? Trachalio . (zu Dämones)                                                             Ist das dein Knecht? Gripus . Schämt sich nicht. Trachalio .                         Ich spreche nicht mit dir. Gripus .                                                                     So geh! Trachalio .                                                                             Antworte doch, Greis! Ist das dein Knecht? Dämones .                                   Er ist es. Trachalio .                                                 Herrlich, wenn es deiner ist! Abermals willkommen! Dämones .                             Dank dir! Bist du's nicht, der eben erst Ging, um seinen Herrn zu holen? Trachalio .                                           Ja, ich bin's. Dämones .                                                                 Was willst du jezt? Trachalio . Der gehört dir also? Dämones .                                   Freilich. Trachalio .                                                 Herrlich, daß er dir gehört! Dämones . Nun, was gibt's? Trachalio .                           Er ist ein Schurke. Dämones .                                                           Was hat dieser Schurke denn Dir gethan? Trachalio .         Ich wollte, daß man alle Knochen ihm entzwei Schlüge! Dämones .       Weßhalb hadert ihr denn unter euch? Trachalio .                                                                 Ich sage dir's. Gripus . Nein, ich sag's. Trachalio .                     Ich, mein' ich; denn ich ging zu klagen. Gripus .                                                                                       Wärst du nicht Ohne Scham, du gingst von hinnen. Dämones .                                               Gripus, hör' und schweige still. Gripus . Der soll eher sprechen? Dämones . (zu Gripus drohend)     Höre! (zu Trachalio )                             Rede du! Gripus .                                                                 Dem Fremden da Gibst du vor dem eignen Knecht das Wort? Trachalio .                                                           Dem schließt man nicht den Mund! – Also was ich sagen wollte, – von dem Kuppler, den du kaum Warfest aus dem Venustempel, hat der Mensch den Koffer hier. Gripus . Nein, ich nicht. Trachalio .                     Du läugnest, was ich doch mit Augen sehe? Gripus .                                                                                               Seh'n Sollst du's nicht. Ich hab' ihn, oder hab' ihn nicht: was rührt es dich? Trachalio . Wie du ihn bekamst, das fragt sich, ob mit Unrecht oder Recht. Gripus . Wenn ich ihn nicht fing, so schlage meinetwegen mich an's Kreuz! Wenn mein Nez im Meer ihn auffing, ist er dann dein mehr als mein? Trachalio . Er belügt dich. Wie ich's sage, so geschah's. Gripus .                                                                           Was schwazest du? Trachalio . (zu Dämones ) Wenn ich als der Kläger spreche, schließe deinem Knecht den Mund. Gripus . Was? Du willst, mir soll gescheh'n, was dir geschieht von deinem Herrn? Wenn er dir den Mund zu schließen pflegt, so thut's der unsre nicht. Dämones . Darin hat er garnicht Unrecht, (zu Trachalio )                               Doch – was willst du? Sage mir's. Trachalio . Was ich will? Ich fordre weder einen Theil am Koffer da, Noch behaupt' ich, daß er mein ist. Doch ein Kästchen ist darin, Von dem Mädchen, das, wie ich dir sagte, freien Standes ist. Dämones . Meinst du jene, die du neulich meine Landsmännin genannt? Trachalio . Freilich; und das Kinderspielzeug, das sie einst als Kind besaß, Steckt in diesem kleinen Kästchen, das er hier im Koffer hat. Keinen Nuzen hat's für ihn; ihr bringt es Hülfe, gibt er's ihr, Um die Eltern aufzusuchen. Dämones .                                   Still! Ich mache, daß er's gibt. Gripus . Hercules! Ihm geb' ich gar nichts. Trachalio .                                                 Nur das Kästchen will ich, will Nur das Spielzeug. Gripus .                         Aber wenn's von Gold ist? Trachalio .                                                               Ei! Was macht dir das? Gold wird dann für Gold gegeben, Silber geht mit Silber auf. Gripus . Zeige mir zuerst das Gold; dann zeig' ich dir das Kästchen auch. Dämones . (zu Gripus ) Hüte dich und schweige still! (zu Trachalio )                     Du rede fort, wie du begannst! Trachalio . Eines bitt' ich, daß du Mitleid mit dem armen Mädchen hast, Wenn der Koffer hier dem Kuppler, wie ich glaube, zugehört. Sprech' ich doch nur nach Vermuthung; etwas Sich'res weiß ich nicht. Gripus . (zu Dämones ) Sieh, der Schurke will dich fangen! Trachalio .                                               Laß mich reden, wie ich begann. Wenn der Koffer hier dem Schurken, den ich meine, zugehört, Werden ihn die Mädchen kennen. Heiß' ihn zeigen! Gripus .                                                                           Zeigen ich? Dämones . Allerdings, das ist nicht mehr als billig, Gripus, zeig' ihn nur. Gripus . Nein, fürwahr, ganz unerhört unbillig. Dämones .                                                         Weßhalb? Gripus .                                                                             Zeig' ich ihn, Werden die gleich sagen: ja, sie kennen ihn. Trachalio .                                                             Verdammter Schuft! Wie du bist, so, glaubst du, seien Alle, du meineid'ger Wicht? Gripus . Alles will ich gerne leiden, spricht nur der nicht gegen mich. (auf den Koffer deutend) Trachalio . Wohl, er steht auf deiner Seite: doch das Zeugniß kommt von dort. (auf die Mädchen deutend) Dämones . Gripus, gib auf diesen Acht! (zu Trachalio )                             Du sage kurz, was du verlangst. Trachalio . Nun, ich sagt' es schon; doch wiederhol' ich's, wenn du's nicht verstandst. (auf die Mädchen deutend) Diese Zwei da müssen frei sein, wie ich schon vorher gesagt. (auf Palästra deutend) Diese ward als kleines Kind noch aus Athen geraubt. Gripus .                                                                               Doch sprich, Was denn das den Koffer angeht, ob sie frei, ob Sklaven sind. Trachalio . Soll ich zweimal Alles sagen, Kerl, damit der Tag verstreicht? Dämones . Laß das Schimpfen, und erkläre deutlich, was ich dich gefragt. Trachalio . Dort, in jenem Koffer mein' ich, muß ein Kästchen sein von Holz, Wo die Zeichen sind, woran sie ihre Eltern kennen kann, Die mit ihr verloren gingen in Athen, wie ich gesagt. Gripus . Daß die Götter dich verdammen! Lasterbalg, was sagst du da? Können die denn für sich selbst den Mund nicht öffnen? Sind sie stumm? Trachalio . Nein, sie schweigen; besser ist's, ein Mädchen schweigt, als daß sie spricht. Gripus . Dann bist du nach deiner Rede weder Mann noch Weib für mich. Trachalio . Und warum? Gripus .                           Weil weder still noch redend du was nüze bist. (zu Dämones ) Aber sprich, wird heute mir nicht auch einmal das Wort gegönnt? Dämones . Sprichst du fürder noch ein Wörtchen, schlag' ich dir das Hirn entzwei. Trachalio . Wie ich schon vorher bemerkte, laß ihn jenes Kästchen, Greis, Doch den Mädchen wiedergeben; wenn er einen Lohn dafür Fordert, ich verweigr' ihn nicht; was sonst darin ist, schenk' ich ihm. Gripus . Nun erst führst du solche Sprache, weil du jezt mein Recht erkennst. Früher wolltest du die Hälfte. Trachalio .                                       Die verlang' ich auch noch jezt. Gripus . Oft verlangen sah ich schon den Geier, und er fing sich nichts. Dämones . Kann ich ohne Schläge nicht den Mund dir stopfen? Gripus .                                                                                       Wenn er schweigt, Schweig' ich auch; doch wenn er spricht, so laß auch mir mein Theil am Wort. Dämones . Gib mir jezt nur jenen Koffer, Gripus. Gripus .                                                                 Dir vertrau' ich ihn. Ist das Zeug nicht drin, so gib mir ihn zurück. Dämones .                                                                 Das werd' ich. Gripus .                                                                                             Nimm! Dämones . Jezt, Palästra du und Ampelisca, merkt mir auf und hört! Ist das hier der Koffer, wo dein Kästchen drin sein sollte? Palästra .                                                                                     Ja. Gripus . Ach, ich Armer bin verloren! Ehe sie ihn recht beseh'n, Ruft sie schon: er ist's! Palästra .                             Ich mache dir sogleich die Sache klar. Hier, in diesem Koffer mein' ich, muß ein Kästchen sein von Holz; Was darin ist, zähl' ich Alles einzeln auf, du brauchst mir da Nichts zu zeigen. Red' ich unwahr. soll's für mich verloren sein: Alles, was darin sich findet, nehmt ihr euch als Eigenthum. Red' ich wahr, dann bitt' ich, gebt das Meine mir zurück. Dämones .                                                                                 Es sei! Klares Recht nach meiner Meinung. Gripus .                                                     Klares Unrecht, wie mir scheint! Wenn das Mädchen eine Hex' ist, eine Zauberin, und uns, Was darin ist, richtig angibt, kriegt sie's dann, die Zauberin? Dämones . Spricht sie unwahr, kriegt sie nichts; die Zauberei hilft ihr zu nichts. Nur den Koffer auf, damit ich gleich, was wahr ist, sehen kann! Gripus . (öffnet den Koffer) Offen ist er. Wehe mir! Ich seh' ein Kästchen. Dämones . (zu Palästra )                                           Ist es dies? Palästra . Ja, das ist's. O meine Eltern! Euch verschlossen trag' ich hier. Hier verbarg ich Glück und Hoffnung, daß wir einst uns wiederseh'n. Gripus . Nun, da müssen dir die Götter wahrlich zürnen, wer du seist, Daß du deine Eltern in so engen Raum zusammensteckst. Dämones . Gripus, tritt hieher! Dein Glück steht auf dem Spiele. (zu Palästra )                                                                       Mädchen, du Gib uns dort von fern, was drin ist, und wie's aussieht, Alles an. Fehlst du mir auch nur ein Bischen, und verlangst dann hinterher Nach der Wahrheit umzulenken, Mädchen, mühst du dich umsonst. Gripus . Gutes Recht verlangst du. Trachalio .                                     Nicht von dir; denn du bist ungerecht. Dämones . (zu Palästra ) Nun, mein Kind! Jezt rede. – Gripus, du gib Acht und schweige still. Palästra . Kinderspielzeug ist's. Dämones .                                   Ich seh' es. Gripus . (bei Seite)                                         Schon im ersten Treffen todt! – Halt da, zeig' es nicht! Dämones .                           Wie sieht es aus? Erwiedre Punkt um Punkt! Palästra . Erst ein kleines goldnes Schwert mit Lettern. Dämones .                                                                       Wohl! Nun sage mir, Was für Lettern auf dem Schwert sind. Palästra .                                                       Meines Vaters Namenszug. Dann am andern End' ein Beilchen, doppelschneidig, auch von Gold Und bezeichnet. Auf dem Beilchen steht der Mutter Name. Dämones .                                                                                   Halt! Sage mir des Vaters Namen auf dem Schwerte. Palästra .                                                                   Dämones. Dämones . Götter! Wo steht meine Hoffnung? Gripus .                                                           Nein, wo steht die meine nun? Dämones . Fahre fort, gleich fort! Gripus .                                         Gemach nur: oder geht zum Henker fort! Dämones . Nenne mir der Mutter Namen, wie er auf dem Beilchen steht. Palästra . Dädalis. Dämones .             Die Götter segnen mich. Gripus .                                                       Und mich verderben sie. Dämones . Gripus, das muß meine Tochter sein. Gripus .                                                               Sie sei es meinethalb! (zu Trachalio ) Daß die Götter dich verdammen, weil du heute mich geseh'n, Und mich Dummkopf, daß ich nicht mich hundertmal umsah vorher, Ob kein Mensch da sei, bevor ich aus dem Wasser zog das Nez! Palästra . Dann von Silber eine Sichel, zwei verschlungne Händchen dann, Und ein Schweinchen – Gripus .                                 Geh zum Galgen samt den Ferkeln und dem Schwein! Palästra . Auch ein Goldherz Kinder trugen eine Herzfigur von Gold oder anderem Stoff als Amulet und zur Zierde um den Hals. Dies nannte der Römer bulla. , das der Vater zum Geburtstag mir beschert. Dämones . Ja, sie ist's! Sie zu umarmen, halt' ich mich nicht länger mehr. Tochter, sei gegrüßt! Ich bin dein Vater, der dir Leben gab. Ich bin Dämones, und hier wohnt deine Mutter Dädalis. Palästra . Heil dir, unverhoffter Vater! Dämones .                                             Heil dir! Komm in meinen Arm! (sie umarmen sich.) Trachalio . Mich erfreut's, daß solcher Lohn euch ward für eure Zärtlichkeit. Dämones . Nimm da, trage diesen Koffer schnell in's Haus, Trachalio. Trachalio . Seht die Schelmerei des Gripus! Da dir's hier so schlecht bekam, Wünsch' ich Glück. Dämones .                       Nun, Tochter, wollen wir zu deiner Mutter geh'n, Die das Ding mit bessern Gründen noch von dir erforschen kann, Weil sie mehr mit dir verkehrt hat, deine Zeichen besser kennt. Trachalio . Alle kommt hinein; wir alle nehmen Theil an deinem Glück. Palästra . Ampelisca, folge mir! Ampelisca .                                 Mich freut's, die Götter sind dir hold. (Alle ab außer Gripus .) Fünfte Scene. Gripus allein. Gripus . O ich Dummkopf, daß ich heut den Koffer aus dem Wasser zog, Oder ihn nicht, that ich's einmal, heimlich irgendwo vergrub! Ahnt' ich's doch, bei dieser Beute sezt es Sturm und Wetter ab, Weil sie mir bei solchem Sturm und Wetter in die Hände lief. Traun, ich glaube, daß darin noch reichlich Gold und Silber steckt. Was beginn' ich? Will in's Haus geh'n, knüpfe da mich heimlich auf, Mindestens doch auf so lange, bis der Aerger mir vergeht. Fünfter Act. Erste Scene. Dämones allein. Dämones . Ihr ewigen Himmelsmächte! Wer ist glücklicher, Als ich, der unvermuthet seine Tochter fand? Wenn Götter einem Menschen Gutes zugedacht, Dann ist's ein Frommer; dessen Wunsch gewähren sie. Ich hab' es heute nicht gehofft und nicht gedacht, Und fand doch meine Tochter nun ganz unverseh'ns. Die geb' ich einem jungen Mann von edlem Stamm, Der aus Athen ist und zugleich mit mir verwandt. Woher kennt Dämones den Pleusidippus jezt als seinen Verwandten, von dem er doch vorher noch nichts wußte, und den er noch nie gesehen zu haben schien? Palästra selbst, sollen wir uns denken, hat es ihrem Vater im Hause gesagt, daß Pleusidippus sie liebe, und bei dieser Gelegenheit ist es durch Nennung seines Namens und der Angabe seiner sonstigen Verhältnisse an's Licht gekommen, daß Pleusidippus ein geborener Athener und ein Verwandter des Dämones sei. Köpke. Ihn will ich rufen lassen, daß er ungesäumt Herkommt zu mir, und habe deßhalb seinem Knecht Bereits bedeutet, daß er nach dem Markte geht. Mich wundert, daß er unser Haus noch nicht verließ. Ich trete näher an die Thür. (er öffnet die Thüre ein wenig)                                             Was seh' ich da? Mein Weib umarmt die Tochter, hängt ihr fest am Hals. Nein, gar zu toll und widrig ist die Zärtlichkeit. (er ruft in's Haus hinein) 's wäre doch gescheidter, Frau, du hieltst einmal mit Küssen ein. Triff doch Anstalt, daß ich alsbald, komm' ich wiederum hinein, Unsres Hauses Göttern opfre, weil sie unser Haus vermehrt. Opferschwein' und Lämmer habt ihr. Aber was verweilt ihr Frau'n Den Trachalio? Doch sieh, da kommt er recht erwünscht heraus. Zweite Scene. Dämones . Trachalio . Trachalio . Wo er sei, ich such' ihn auf, und bringe dann ihn her zu dir, Meinen Herrn. Dämones .               Erzähl' ihm Alles, wie's mit meiner Tochter ging. Bitt' ihn, daß er alles Andre läßt und hierher kommt. Trachalio .                                                                         Schon gut. Dämones . Sage weiter, meine Tochter geb' ich ihm zur Frau. Trachalio .                                                                               Schon gut. Dämones . Seinen Vater kenn' ich, und er sei mit mir verwandt. Trachalio .                                                                                   Schon gut. Dämones . Eile nur! Trachalio .               Schon gut. Dämones                                 Er soll zum Abendbrod hier sein. Trachalio .                                                                                     Schon gut. Dämones . Alles gut? Trachalio .                 Schon gut. Doch weißt du, was ich weiter will von dir? Denk' an dein Versprechen, daß ich heute frei sein soll. Dämones .                                                                               Schon gut. Trachalio . Sprich für mich, daß Pleusidippus mir die Freiheit schenkt. Dämones .                                                                                               Schon gut. Trachalio . Deine Tochter soll ihn bitten: sie erbittet's leicht. Dämones .                                                                               Schon gut. Trachalio . Daß Ampelisca, wenn ich frei bin, mich zum Manne nimmt. Dämones .                                                                                               Schon gut. Trachalio . Daß mir durch die That gelohnt wird, was ich Gutes that. Dämones .                                                                                           Schon gut. Trachalio . Alles gut? Dämones .                   Schon gut. Was du mir thatest, geb' ich dir zurück. Aber eile jezt zur Stadt, und eilend komm zurück. Trachalio .                                                                     Schon gut. Werde gleich hier sein. Du rüst' indessen Alles zu. Dämones .                                                                         Schon gut. Trachalio . Hol' ihn doch samt seiner Güte Hercules! Noch immer gellt Mir das Ohr: ich mag ihm sagen, was ich will, so heißt es: gut! (ab.) Dritte Scene. Dämones . Gripus . Gripus . Wann kann ich mit dir sprechen, Herr? Dämones .                                                           Was gibt es denn? Gripus . Wenn du Verstand hast, hab' ihn bei dem Koffer hier: Was gute Götter dir gegönnt, das halte fest. Dämones . Und scheint's dir billig, daß ich andrer Leute Gut Das meine nenne? Gripus .                         Wenn ich's nun im Meere fand? Dämones . Nun, desto besser ist's für den, der es verlor; Doch wird der Koffer darum um nichts weiter dein. Gripus . Du hast zu viel Gewissen; darum bleibst du arm. Dämones . O Gripus, Gripus! In des Menschen Leben gibt's Gar viele Schlingen, wo man ihn durch Listen fängt. Lockspeise legt man allezeit daneben hin; Und wer in arger Gierde nach der Speise hascht, Der wird für seine Gierde dann der Schlinge Raub. Doch wer bedächtig, klug und sein sich vorgeseh'n, Der darf des Wohlerworbnen wohl und lang sich freu'n. Die Beute wird zur Beute wieder, scheint es mir, Und geht mit reicherem Schaze, denn sie kam, davon. Verbergen soll ich, was man mir als fremdes Gut Gebracht hat? Euer Dämones thut solches nie. Der Weise nimmt sich billig jederzeit in Acht, Daß sein Gesinde nichts erfährt, wenn er gefehlt. Nun mir die Freude wurde, rührt mich kein Gewinn. Gripus . Oft sah ich Lustspieldichter schon in gleicher Art Solch weise Sprüche sprechen, und es ward beklatscht, Wenn sie dem Volk so weise Sitten vorgeführt. Doch, ging für sich dann Jeder seines Weges heim, So that doch Keiner, wie es ihm empfohlen ward. Dämones . Geh heim, und sei nicht lästig, zähme deinen Mund! Ich werde dir nichts geben: hoffe nicht umsonst! Gripus . So mögen die Götter Alles, was im Koffer ist, In Asche wandeln, ob es Gold, ob's Silber sei! (geht ab.) Dämones . Da steckt's, warum die Knechte nichts werth sind bei uns. Denn traf er einen andern Knecht statt meiner hier, Er spannte diesen, wie sich selbst, zum Stehlen an; Und während er die Beute selbst zu haben wähnt, Wird er die Beute; Beute zieht die Beute nach. Will nun hinein und opfern; dann bereitet man Auf mein Geheiß uns ungesäumt das Abendbrod. (geht in's Haus.) Vierte Scene. Pleusidippus . Trachalio . Pleusidippus . Sage mir das Alles noch einmal, mein Herz, Trachalio, Du, mein Freigelass'ner, mein Patron, mein zweiter Vater du! Ist es so? Palästra fand den Vater und die Mutter? Trachalio .                                                                     Ja. Pleusidippus . Ist mir Landsmännin? Trachalio .                                       Ich glaube. Pleusidippus .                                                     Wird mein Weib? Trachalio .                                                                                       Ich denke so. Pleusidippus . Meinst du, daß er sie noch heute mir verlobt? Trachalio .                                                                               Ich meine so. Pleusidippus . Wünsch' ich auch dem Vater Glück, daß er sie fand? Trachalio .                                                                                         Ich meine so. Pleusidippus . Und der Mutter auch? Trachalio .                                         Ich meine. Pleusidippus .                                                       Was denn meinst du? Trachalio .                                                                                               Was du fragst. Mein' ich. Pleusidippus .   Sprich, wie groß ist deine Meinung? Trachalio .                                                                   Nun, ich meine so. Pleusidippus . Laß einmal dein ewig Meinen; nimm was vor! Trachalio .                                                                               So mein' ich auch. Pleusidippus . Soll ich eilen? Trachalio .                             Also mein' ich. Pleusidippus .                                                 Langsam geh'n? Trachalio .                                                                                 Ich meine so. Pleusidippus . Soll ich geh'n und sie begrüßen? Trachalio .                                                         Meine so. Pleusidippus .                                                                     Den Vater auch? Trachalio . Also mein' ich. Pleusidippus .                     Dann die Mutter? Trachalio .                                                       Also mein' ich. Pleusidippus .                                                                           Was hernach? Geh' ich und umarm' ich ihren Vater? Trachalio .                                                 Nein, das mein' ich nicht. Pleusidippus . Ihre Mutter? Trachalio .                           Nein, das mein' ich nicht. Pleusidippus .                                                               Sie selbst? Trachalio .                                                                                     Ich meine nicht. Pleusidippus . Ach! Jezt gibt er Alles auf. Nun ich es wünsche, meint er's nicht. Trachalio . Komm! Du bist nicht klug. Pleusidippus .                                       Mein Schuzherr, führe mich, wohin du willst! (Beide gehen ab.) Fünfte Scene. Labrax . Wo wäre heut ein ärmrer Mann, als ich bin, auf der Erde, Dem Pleusidippus vor Gericht den Handel abgewonnen? Palästra sprach man eben erst mir ab. Ich bin verloren! Die Kuppler, wie ich glaube, sind geboren von der Freude: So freu'n sich alle Menschen, wenn dem Kuppler Leid begegnet. Jezt will ich meine Zweite doch im Venustempel suchen, Die doch für mich zu retten als den Rest von meiner Habe. Sechste Scene. Labrax . Gripus tritt aus dem Hause, mit einem Bratspieß in der Hand. Gripus . (ruft in das Haus zurück) Nein, bis zum Abend seht ihr heut den Gripus nicht mehr lebend, Gebt ihr den Koffer nicht zurück! Labrax . (für sich)                                 Ach! Hör' ich von dem Koffer Ein Wörtchen, ist's, als ob ein Pfahl die Leber mir durchbohrte! Gripus . Der Schurke läuft nun frei herum: ich, dessen Nez im Meere Den Koffer an das Licht gebracht, dem wollt ihr gar nichts geben? Labrax . (für sich) Bei Gott! Mit seinen Reden macht der mich die Ohren spizen. Gripus . Mit ellenlangen Lettern schreib' ich's jezt an alle Wände: Wer einen Koffer wo verlor mit vielem Gold und Silber, Der komme zu Gripus! (gegen das Haus des Dämones )                                     Ihr bekommt ihn nicht, wie ihr es wünschet. Labrax . (für sich) Der weiß gewiß, wer meinen Schaz geborgen hat, vermuth' ich. Ich muß an ihn mich machen: helft, ich flehe, Götter, helft mir! Gripus . (gegen das Haus des Dämones ) Was rufst du mich hinein? Ich will's hier vor der Thüre puzen. Denn dieser Spieß ist lauter Rost, ist nicht gemacht aus Eisen. Je mehr ich puze, desto mehr wird's roth und immer dünner. Wohl ist der Spieß ein Frühlingskind; so welkt er in den Händen. Labrax . Willkommen, Freund! Gripus .                                     Glück über dich, geschorner Kopf! Wer Schiffbruch gelitten hatte, pflegte sich die Haare zu scheeren. Labrax .                                                                                             Was thust du? Gripus . Ich puze hier. Labrax .                       Wie geht es dir? Gripus .                                                   Du bist ein Mediciner? Labrax . Um einen Buchstab reicher, als ein Medicus. Gripus .                                                                         So bist du Mendicus, Bettler? Labrax .                         Trafst es recht. Gripus .                                                 Man sieht's an deinem Aeußern. Was fehlt dir denn? Labrax .                         In jüngster Nacht ward ich im Meer gewaschen. In Trümmer ging mein Schiff, und all mein Gut verlor ich Armer. Gripus . Und du verlorst? Labrax .                           'nen Koffer, wohl gefüllt mit Gold und Silber. Gripus . Und weißt du, was der Koffer auch enthielt, den du verloren? Labrax . Was liegt daran? Verloren ist's! Gripus .                                                     So laß uns Andres reden. Wie, wenn ich wüßte, wer ihn fand? Bezeichne mir ihn näher. Labrax . Achthundert goldne Stücke sind darin in einem Beutel, In einer andern Tasche dann einhundert Philippsminen. Gripus . (für sich) Ein großer Fang, bei'm Hercules! Für mich ein schönes Fundgeld! Die Götter sind den Menschen hold. Da zieh' ich reich von hinnen. Gewiß gehört der Koffer ihm. (zu Labrax. )                           Nun sage noch das Andre. Labrax . Ein schwer Talent von Silber war gerad' in einem Sacke, Ein Schöpfgefäß, ein Trinkgeschirr, auch Schalen, Humpen, Becher. Gripus . Ei, ei! Du warst ein reicher Mann, du hattest große Schäze. Labrax . Das ist ein schlecht armselig Wort: ich hatt', und habe nichts mehr. Gripus . Was gibst du dem, der dir die Spur auffindet und dir anzeigt? Sag's frisch! Geschwind heraus damit! Labrax .                                                       Dreihundert Drachmen. Gripus .                                                                                             Nichts da! Labrax . Vierhundert. Gripus .                       Morsches Spinngeweb! Labrax .                                                             Fünfhundert. Gripus .                                                                                   Taube Nüsse! Labrax . Sechshundert. Gripus .                         Du erzählst mir da von kleinen Roggenwürmern. Labrax . Nun, siebenhundert. Gripus .                                   Brannte dir der Mund, du kannst ihn kühlen. Labrax . Ich gebe tausend. Gripus .                             Träumst du? Labrax .                                                 Mehr nicht! Packe dich! Gripus .                                                                                         So höre! Wenn ich mich packte, bin ich fort. Labrax .                                                   Elfhundert. Gripus .                                                                     Ei! Du schläfst ja. Labrax . Nun – was verlangst du? Gripus .                                         Daß man dich hinfort nicht weiter treibe: Gib mir ein schwer Talent; doch darf daran kein Dreier fehlen. Sprich, ob du ja sagst oder nein. Labrax .                                               Was kann ich thun? Ich muß wohl. Ich gebe dir's. Gripus .                   So tritt hieher! (er führt ihn an den Altar der Venus.)                                                 Die Venus sei dein Zeuge! Labrax . Was dir beliebt, gebeut mir. Gripus .                                               Rühr' an den Altar. Labrax .                                                                             Ich thu' es. Gripus . Nun schwöre hier bei Venus. Labrax .                                               Was? Gripus .                                                         Was ich dir heißen werde. Labrax . So sprich mir vor. (bei Seite)                                     Um das, was mein ist, brauch ich nicht zu bitten. Gripus . Fass' an den Altar! Labrax .                               Gut. (er faßt den Altar an) Gripus .                                         Und schwöre mir das Geld zu geben Des Tages, da den Koffer du zurückbekommst. Labrax .                                                                     Wohlan denn! Gripus . Cyren'sche Venus, dich zum Zeugen ruf' ich an – Labrax . Cyren'sche Venus, dich zum Zeugen ruf' ich an – Gripus . Wenn ich den Koffer, welchen ich im Schiff verlor – Labrax . Wenn ich den Koffer, welchen ich im Schiff verlor – Gripus . Mit Gold und Silber wohlbehalten wiederfand – Labrax . Mit Gold und Silber wohlbehalten wiederfand – Gripus . Und er in meine Hände dann zurückgelangt – Labrax . Und er in meine Hände dann zurückgelangt – Gripus . Dann zahl' ich hier dem Gripus – (zu Labrax )                                                           sprich's und rühr mich an! Labrax . Dann zahl' ich hier dem Gripus – Venus, höre mich! – Gripus . Ein schwer Talent in Silber ohne Säumen aus. Labrax . Ein schwer Talent in Silber ohne Säumen aus. Gripus . Und lügst du mir, verlange, daß dich Venus dann Und dein Gewerb' ausrotte bis auf Haar und Haut. (bei Seite) So mag dir's gehen immerhin, auch wenn du schwurst! Labrax . Und fehl' ich jemals, Göttin, gegen diesen Schwur, So fleh' ich dir, laß alle Kuppler elend sein! Gripus . (bei Seite) Das wird gescheh'n, auch wenn du deinen Schwur mir hältst. (laut) Jezt warte hier; den Alten hol' ich gleich heraus. Von ihm verlange den Koffer ungesäumt zurück. (geht ab.) Labrax . (allein) Und gibt er mir den Koffer hundertmal zurück, Doch heut bekommt er keinen Dreier mehr von mir. Was meine Zunge schwören soll, das steht zu mir. Doch still! da kommt er wieder und mit ihm der Greis, Siebente Scene. Gripus . Dämones . Labrax . Gripus . (zu Dämones ) Folge mir! Wo ist der Kuppler? (zu Labrax )                             Der hat deinen Koffer hier. Dämones . Wohl, ich hab' ihn: ich gesteh' es. Ist er dein, so bleib' er dein! Was darin war, geb' ich alles unversehrt an dich zurück. Ist er dein, nimm ihn. (er gibt ihm den Koffer.) Labrax .                             Er ist es, Gott! Mein Koffer, sei gegrüßt! (er küßt ihn) Dämones . Ist er dein? Labrax .                       Du fragst? Gehört' er selbst dem Zeus, jezt ist er mein. Dämones . Alles ist darin; wir nahmen nur das Kästchen uns heraus Samt dem Spielzeug, das mir heute meine Tochter finden half. Labrax . Wen? Dämones .       Palästra, welche dein war, hab' ich als mein Kind erkannt. Labrax . Nun, bei Gott, das ist vortrefflich! Daß dir das so schön gelang, Wie du's wünschtest, freut mich herzlich. Dämones .                                                         Nicht so leichthin glaub' ich das. Labrax . Traun, damit du siehst, es freut mich, darfst du keinen Dreier mir Ihretwegen zahlen; denn ich schenke sie. Dämones .                                                       Bist gar zu gut. Labrax . Nein, du bist's, bei'm Himmel! Gripus . (zu Labrax )                               He du! Hast du deinen Koffer jezt? Labrax . Ja. Gripus .       So eile! Labrax .                   Was denn eilen? Gripus .                                               Zahle jezt das Geld mir aus. Labrax . Dir bezahl' ich nichts, und bin dir auch nichts schuldig. Gripus .                                                                                         Welch ein Streich! Wie? Du mir nichts schuldig? Labrax .                                           Nein. Gripus .                                                     Beschwurst du mir's nicht feierlich? Labrax . Wohl, ich schwur's, und schwöre dir's noch Einmal, wenn es mir behagt. Denn zum Schuz, nicht zum Verlust des Gutes, ist der Eid erdacht. Gripus . Zahle mir mein schwer Talent von Silber aus, meineid'ger Schuft! Dämones . Gripus, was für ein Talent verlangst du da? Gripus .                                                                           Er schwur, es mir Auszuzahlen Labrax .               So gefiel mir's. Bist du Priester bei dem Eid? Dämones . (zu Gripus ) Und warum versprach er dir das Geld? Gripus .                                                         Wenn ich den Koffer hier Ihm in seine Hand zurückerstatte, schwur er mir dafür Ein Talent von Silber auszuzahlen. Labrax .                                                   Auf, zum Richter denn, Ob du nicht arglistig mich zum Schwur verlockt, ob ich noch nicht Fünfundzwanzig Jahre alt bin. Der Kuppler will sich der Verpflichtung, seinen Eid zu halten, entziehen, indem er vor dem Richter von der Wohlthat der Lex Lätoria (durch den Volkstribun M. Lätorius im Jahr 490 a. u. c. gegeben) Gebrauch machen will, nach welcher Keiner unter dem 25sten Jahre rechtskräftige Stipulationen machen kann. Daher nennt Plautus ( Pseudol. 1, 3, 63 ) dasselbe Gesez auch das fünfundzwanzigjährige ( quina vicennaria ), weil es sich auf das Jahr 25 oder das Jahr der Majorennität bezieht. Der Kuppler will sich also beim Richter durch neue Meineide jünger schwören, als er ist. Köpke. Gripus . (auf Dämones deutend)         Geh an den! Labrax .                                                               Den mag ich nicht. Dämones . Wie? Du willst abziehen? Nein, du sollst mit diesem Koffer hier Nicht davongeh'n, wenn ich nicht als Richter ihn zuvor verurtheilt. Hast du dem das Geld versprochen? Labrax .                                                     Freilich. Dämones .                                                                 Was du meinem Knecht Zugesagt, ist auch das meine. Was Sklaven besaßen oder erwarben, war nach römischen Gesezen Eigenthum des Herrn, und eine Vermehrung des Besizthums der Sklaven war zugleich eine Vermehrung des herrschaftlichen Eigenthums. Glaube ja nicht, daß dir hier Kupplerkniffe helfen, Kuppler! Das geht nicht. Gripus .                                                                     Du dachtest schon, Daß du den betrügen könntest. Nein, du gibst an mich das Geld, Und ich geb' es gleich an den hier, daß er mich frei ziehen läßt. Dämones . (zu Labrax ) Weil ich gegen dich so freundlich war, und Hab' und Gut durch mich Dir gerettet ward – Gripus . (einfallend)       Durch mich nur, nicht durch dich, so sage nicht. Dämones . (zu Gripus ) Wenn du klug bist, schweigst du. (zu Labrax )                               Darum ziemt sich's, daß du deinen Dank Mir für mein Verdienst erstattest. Labrax .                                               Da behauptest du gewiß Nur dein Recht. Dämones .                 Soll ich das deine suchen, mir zum Schaden nur? Gripus . (bei Seite) Bin gedeckt; der Kuppler wankt; schon winkt die Freiheit mir von fern. Dämones . (auf Gripus deutend) Dieser hier fand deinen Koffer: er gehört als Knecht mir zu. Und ich habe mit dem vielen Gelde dir ihn aufbewahrt. Labrax . Danke dir, und das Talent erhältst du ganz unweigerlich, Wie ich dem es zugeschworen. Gripus .                                             Wenn du klug bist, gibst du mir's. Dämones . Bist du still? Gripus .                         Du thust, als sprächest du für mich, und sorgst für dich. Wenn ich auch den andern Fang verlor, von diesem lass' ich nicht. Dämones . Noch ein Wort, so kriegst du Schläge! Gripus .                                                                   Meinetwegen tödte mich! Wenn du nicht mit dem Talent den Mund mir stopfst, so schweig' ich nie. Labrax . Spricht er doch für dich; so schweige! Dämones .                                                           Kuppler, tritt hieher! Labrax .                                                                                               Wohlan! ( Dämones und Labrax sprechen leise zusammen.) Gripus . Sprecht doch laut; denn dies Gemurmel, dies Geflüster mag ich nicht. Dämones . (leise zu Labrax ) Sprich, um welchen Preis erkauftest du das andre Mädchen dir, Ampelisca? Labrax .             Tausend Drachmen gab ich. Dämones .                                                       Willst du, daß ich dir Einen wohldurchdachten Vorschlag mache? Labrax .                                                                 Nun, das wünscht' ich wohl. Dämones . Machen wir aus dem Talent zwei Hälften! Labrax .                                                                         Gut. Dämones .                                                                             Für Jene nimm Eine Hälfte, daß sie frei wird, und die andre gibst du dem. (auf Gripus deutend) Labrax . Schön fürwahr! Dämones .                       Für diese Hälfte lass' ich dann den Gripus frei; Denn durch ihn fandst du den Koffer, ich mein Kind. Labrax .                                                                             Das lob' ich mir. Großen Dank bin ich dir schuldig. Gripus .                                                 Wann bekomm' ich denn mein Geld? Dämones . Gripus, das ist abgethan. Ich hab' es. Gripus .                                                               Hätt' ich's lieber selbst! Dämones . Hier (auf den Kuppler deutend)                   ist nichts für dich zu hoffen. Ihn entbinde seines Schwurs. Gripus . Wehe mir! Ich muß mich alsbald hängen, sonst ist's aus mit mir! Traun, du hast an diesem Tage mich zum lezten Mal geprellt! Dämones . Kuppler, heute speisest du bei mir! Labrax .                                                             Der Antrag sagt mir zu. Dämones . Folgt mir! – Euch, Zuschauer, lüd' ich auch zum Abendessen ein, Wenn ich euch was aufzutischen hätte, was recht Leckeres, Und nicht dächte, daß ihr längst schon anderswo geladen seid. Aber wenn ihr unserm Stücke lauten Beifall klatschen wollt, Kommt zu nur, labt euch an meinem Tische sechzehn Jahre lang! Uebersicht der Sylbenmaße. Prolog. V. 1 –82. Vollständige sechsfüßige Jamben ( trimetri jambici acatalectici ). Erster Act. Erste Scene . V. 1 –6. Sechsfüßige Jamben. Zweite Scene . V. 1 –93. Sechsfüßige Jamben. Dritte Scene . V. 1 –5. Vollständige vierfüßige Anapäste ( dimetri anapaestici acatalectici ). V. 6 . Ein überzähliger vierfüßiger jambischer Vers ( dimeter jambicus hypercatalecticus ). V. 7 –9. Vierfüßige Anapäste. V. 10 –13. Vierfüßige Bakcheen ( tetrametri bacchiaci acatalectici ). V. 14 . Ein zweifüßiger bakcheischer Vers ( dimeter bacchiacus ). V. 15 –17. Vierfüßige Anapäste. V. 18 . Ein vierfüßiger bakcheischer Vers. V. 19 . Ein anapästischer Monometer. V. 20 –22. Vierfüßige Anapäste. V. 23 . Ein sechsfüßiger Jambe. V. 24 . Ein vierfüßiger kretischer Vers ( tetrameter creticus acatalecticus ) V. 25 . Ein zweifüßiger kretischer Vers ( dimeter creticus ). V. 26 . 27. Vierfüßige kretische Verse. V. 28 . 29. Vierfüßige Bakcheen. V. 30 . 31. Vierfüßige Jamben ( dimetri jambici acatalectici ). V. 32 –40. Vierfüßige kretische Verse. V. 41 . Ein vollständiger achtfüßiger trochäischer Vers ( tetrameter trochaicus acatalecticus ). V. 42 . Ein unvollständiger achtfüßiger trochäischer Vers. V. 43 . 44. Unvollständige achtfüßige Jamben ( tetrametri jambici catalectici ). Vierte Scene . V. 1 –9. Vollständige achtfüßige Trochäen. V. 10 . Ein unvollständiger vierfüßiger trochäischer Vers ( dimeter trochaicus catalecticus ). V. 11 . 12. Achtfüßige Trochäen. V. 13 . Wie V. 10. V. 14 . Ein sechsfüßiger jambischer Vers. V. 15 . Ein vollständiger achtfüßiger trochäischer Vers. V. 16 . Ein vierfüßiger Kretiker. V. 17 . Wie V. 10. V. 18 . Ein kretischer Dimeter. V. 19 –21. Vierfüßige kretische Verse. V. 22 . Wie V. 10. V. 23 . Wie V. 18. V. 24 –36. Vierfüßige Kretiker. V. 37 –41. Sechsfüßige Jamben. Fünfte Scene . V. 1 –5. Vierfüßige Bakcheen. V. 6 . Ein zweifüßiger bakcheischer Vers. V. 7 . Ein vierfüßiger Kretiker. V. 8 . Ein unvollständiger jambischer Dimeter. V. 9 –20. Vierfüßige kretische Verse. V. 11 ist die erste Länge des zweiten Kretikers, und V. 13 die zweite Länge des dritten Kretikers in zwei Kürzen aufgelöst. V. 21 –25. Vierfüßige Bakcheen. V. 26 . Ein unvollständiger trochäischer Tetrameter. V. 27 . 28. Sechsfüßige Jamben. V. 29 . Wie V. 26. V. 30 . Ein vierfüßiger bakcheischer Vers. V. 31 . Ein sechsfüßiger Jambus. Zweiter Act. Erste Scene . V. 1 –16. Unvollständige achtfüßige Jamben ( tetrametri jambici catalectici ). Zweite Scene . V. 1 –24. Unvollständige achtfüßige Jamben. Dritte Scene . V. 1 –82. Unvollständige achtfüßige Jamben. Vierte Scene . V. 1 . 2. Vollständige achtfüßige Jamben. V. 3 –26. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 27 . 28. Vollständige achtfüßige Jamben. V. 29 . Ein sechsfüßiger jambischer Vers. V. 30 . Ein vollständiger achtfüßiger Jambe. V. 31 –36. Sechsfüßige Jamben. Fünfte Scene . V. 1 –27. Sechsfüßige Jamben. Sechste Scene . V. 1 –74. Sechsfüßige Jamben. Siebente Scene . V. 1 –35. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Dritter Act. Erste Scene . V. 1 –22. Sechsfüßige Jamben. Zweite Scene . V. 1 –48. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Dritte Scene . V. 1 . 2. Vierfüßige kretische Verse ( tetrametri cretici ). V. 3 . Ein kretischer Dimeter. V. 4 –8. Vierfüßige kretische Verse. V. 9 . Ein vollständiger achtfüßiger trochäischer Vers. V. 10 –12. Vierfüßige Kretiker. V. 13 . Ein jambischer Monometer. V. 14 –16. Unvollständige achtfüßige Trochäen. V. 17 . 18. Vierfüßige kretische Verse. V. 19 . Ein vollständiger achtfüßiger trochäischer Vers. V. 20 –43. Unvollständige achtfüßige Jamben. Vierte Scene . V. 1 –73. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Fünfte Scene . V. 1 –40. Sechsfüßige Jamben. Sechste Scene . V. 1 –18. Sechsfüßige Jamben. Siebente Scene . V. 1 –55. Sechsfüßige Jamben. Vierter Act. Erste Scene . V. 1 –14. Sechsfüßige Jamben. Zweite Scene . V. 1 –6. Vierfüßige Bakcheen. V. 7 –10. Anapästische Dimeter. V. 11 –14. Vierfüßige Bakcheen. V. 15 . Ein vierfüßiger jambischer Vers ( dimeter jambicus ). V. 16 . Ein unvollständiger achtfüßiger trochäischer Vers. V. 17 –33. Vollständige achtfüßige Trochäen. Dritte Scene . V. 1 . 2. Vollständige achtfüßige Trochäen. V. 3 –12. Vierfüßige Jamben. V. 13 –16. Unvollständige achtfüßige Jamben. V. 17 –21. Vierfüßige kretische Verse. V. 22 –35. Anapästische Dimeter. V. 36 –118. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Vierte Scene . V. 1 –139. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Fünfte Scene . V. 1 –7. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Fünfter Act. Erste Scene . V. 1 –15. Sechsfüßige Jamben. V. 16 –20. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Zweite Scene . V. 1 –17. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Dritte Scene . V. 1 –38. Sechsfüßige Jamben. Vierte Scene . V. 1 –16. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Fünfte Scene . V. 1 –7. Unvollständige achtfüßige Jamben. Sechste Scene . V. 1 –50. Unvollständige achtfüßige Jamben. V. 51 –74. Sechsfüßige Jamben. Siebente Scene . V. 1 –67. Unvollständige achtfüßige Trochäen. Ich bemerke noch, daß in den baccheïschen Versen der Uebersezung der Palimbaccheus oder Antibaccheus (– –  ∙ ) sehr oft die Stelle des Baccheus einnimmt, und daß auch der Amphibrachys häufig, und nicht bloß an der lezten Stelle, für den Baccheus eintritt.