Versunkenheit Dies war ein Traum, in dem ich mich erkannte Oh holde Schwäche, da ich mich ermannte Und mein Geheimstes offenbarlich sah. Neue Liebe Wer diese Verse liest, die nur von Liebe singen, Der wisse wohl: es ist kein heißer Atem, Der ihre Flügel hebt, und kein Begehren. Das Glück hat sie gesungen, nicht der Wunsch. Vielleicht ist Sehnsucht ganz von ferne drin, Doch also fern, daß nur ein leises Rauschen Aus diesem weiten Meere tröstlich klingt, Nicht brausend, drohend. Bin ich doch ein Mönch In Mauerfrieden, Stille um mich her Und rings ein Glanz von milden Zärtlichkeiten. Beruhigung hat endlich mich erquickt, Versunkenheit ward mir so ganz zu teil, Daß all mein hingegangen Leben nun Dem Herzen wie ein Wolkenbild erscheint, Dem nachzublicken mir Erfreuung ist. So falt ich meine Hände voller Dank Und will nichts mehr, als daß es also bleibe. Ich habe mich; ich fühle innerlichst: So wachs ich recht aus meines Wesens Kern, Und eine Sonne ist mir glänzend hold, Die nicht versengt und nimmermehr vergeht. Anrufung von Ferne Du mit deinem goldenen Haare Schönes Mädchen, Wunderbare: Da du mir gewogen bist Und mir deine Sonnen scheinen, Darf ich, und ich will es, meinen, Daß dies Leiden und mein Weinen Nur ein Traum gewesen ist. Nur ein Traum, und jetzt ist Leben, Und ich darf es mir vergeben, Daß so häßlich ich geträumt. Alles wird im Lichte helle, Das Verdrießlichste geht schnelle, Trittst du über meine Schwelle, Hat der Grimm das Feld geräumt. Deine Schöne, deine Güte, Daß sie lange mich behüte! Weiter wünscht mein Herz nichts mehr. Mir den Abend zu bereiten, Mich durch tiefste Seligkeiten Ins Vergessen zu begleiten, Kamst du mir vom Himmel her. Pulchra ut sol, clara ut lux In einer Kirche sah ich goldne Statuen Von Engeln, die auf ihrer Schultern Macht und Pracht Das Chorgewölbe trugen. Wie aus Griechenland, Mit klarem Antlitz, rosenkranzgeschmückt, Goldlockig, edel standen sie und lächelten. Vier Engel warens, und von goldnen Lettern schien Aus dämmerigem Dunkel leuchtend dieser Satz: Pulchra ut sol, clara ut lux. Ich träumte oft Von diesen Engeln, und voll Andacht war mein Herz, Wenn ich die Augen schloß und mir das holde Bild In seiner strengen Schönheit hell aufsteigen ließ Und ganz umfaßte. Aber niemals wagt ich es, An sie zu glauben, ja, ein großes Trauern war In meiner Seele, daß aus Gold nur oder Stein Der Künstler solche Schönheit selig bilden kann, Indes Natur sie ewig strenge uns versagt. Jetzt ist es anders. Heiter, aller Gnaden voll Geh ich umher und bin ein selig Wissender, Und, schließe ich die Augen, denk ich jetzt nicht mehr An jene goldnen Vier in Kirchendämmerung. Beata In ekle Mißgestalt verstellt, Als schäbiger Schächer schlich sich feig Das böse Schicksal in mein Haus Und stahl mit kalter krummer Hand Scheeläugig, hinterlistig mir Der Seele goldnes Heiligtum. Da war ich viele Wochen lang Vor Schrecken stumm und war so leer, Daß es mir schien, es sei mein Herz Von dieses Unholds dürrer Hand Mir aus lebendgem Leib geraubt. Jetzt aber fühl ichs wieder heiß Und Schlag für Schlag und Klang für Klang; Und Reime reihen sich im Tanz Des Lebens, das von innen quillt; Und alles ist so gut, so gut, Als wär ich reicher, wie zuvor. Wer hat dies Wunder mir gethan? Wer schloß die Wunde mir so zu, Daß keine heiße Narbe glüht? Die Hand, die dies that, weiß es nicht, Das Wesen, das mich so erhob, That seine Gnade unbewußt, Wie Gott wohl sein Erbarmen übt, Wenn irdend wer in Leiden liegt. Läßt seine Sonne drüber gehn, Umschließt die Welt und macht gesund. Patrona navis Nun darf ichs sagen, daß ich viele Jahre Verworfen war und schlimm umhergetrieben In Tiefen, die voll Schlamm und Grauensind. Jetzt geht mein Weg ins hingebreitet Klare, Und kaum Erinnrung ist mir mehr geblieben An jene Jahre wüst und leer und blind. Glück heißt das Schiff, auf dem ich selig fahre, Dein Name ist ihm golden aufgeschrieben, Und alle Segel sind voll gutem Wind. Zwei Träume 1. Ich hört ein himmlisch Lachen Heute nacht im Traum: Das ließ mich froh erwachen. Wie schlug mein Herz geschwinde! Kamst du mir nicht her? –: Der Vorhang ging im Winde. Ich neigte seinem Saume Nahe meinem Mund, –: Und ich bin noch im Traume. 2. Ach, was sah ich im Traum: Du hast die Hand mir gegeben, Und stumm sprach mir dein Mund: Ja, ich fühle wie du. Tief im Walde geschahs: Es sangen um uns die Vögel, Sonne küßte das Moos Und deinen seidenen Schuh. Nahe warst du mir so, Daß deinen Atem ich fühlte. Und ich sah dir ins Aug, Und ich weinte vor Glück. Mädchen, was mir der Tag An Kümmernissen mag bringen: Lächelnd denk ich des Traums, Selig denk ich an dich. Ihr Mund Ihr Mund ist schön. Nicht vieles auf der Welt Ist schön wie dieser Mund, so völlig schön, Daß ich ergriffen bin, denk ich daran. Ihr Mund ist schön. Aus diesem Munde kann Kein schlechtes Wort, kein böses Lachen wehn; Von diesem Mund zu träumen ist schon Glück. Ich werd ihn wiedersehn. Dann bin ich froh, Wie nach dem Winter, wenn es Frühling ist: Oh Leben, allerseligstes Geschenk! Reinheit und Güte sind auf ihm gepaart, Dort hat die kleinste Lüge keine Statt; Mein höchster Eid ist Schwur bei ihrem Mund. Wie glücklich bin ich! Stößt mich Gram und Leid, So denk ich, wie sie schön ist, wie ihr Mund Klar lächeln kann, und alles ist verscheucht. Abseits Vorspruch: Sieh, ringsum Glanz, und nur mein, Haus und Garten In Wolkenbann ... »Geniess auch das! Dem kommt das Licht, der warten Und Wolkenschatten aus der Höhe sehen kann.« Wenn, stolzes Mädchen, du mich fragen würdest, Das nie mich fragen wird: Was giebst du mir, Daß ich dir meine Jugend schenken soll, Mein Mädchenleben und dies reine Herz ...? Was könnt ich sagen?! Ach, ich habe nichts. Bin allzulange schon kein Knabe mehr, Nicht schön, nicht reich, kein großer Herr und Held, Doch auch kein wunderlicher, feiner Narr; Trag keinen Orden, hab kein hohes Amt, Und kam nicht unbeschmutzt aus diesem Kampf, Der mein Geschick war, und in dem mein Herz Hart ward und grimmig als ein Kriegerherz. Auch bin ich müde und kein Tänzer mehr, Ein Lächler ward ich, der ein Lacher war, Und manchmal ist mein Lächeln gar nicht gut. Ja, stolzes Kind, für eine Königin, Wie du es bist, bin ich ein armer Tropf; Im Hofstaat deiner Schönheit war mein Platz Im finstern Winkel, wo die Bettler stehn, Die ihre welke, abgehärmte Hand Vergeblich strecken, daß von all dem Glanz Ein Schimmer darauf falle. Bettelarm, Nimm dieses Wort mit aller Schandenlast, Wär ich bei dir, – drum will ich ferne sein. Denn sieh: Ich hab ein Reich, drin bin ich Herr; Ein Reich und Glück, das ist so voller Glanz, Daß deine Schönheit selbst davor verbleicht. Dies Reich ist mein, weil ich sein Schöpfer bin, Ein Himmelreich mit mir als seinem Gott; Du selber bist darin nur Kreatur. In grader Säule steigt der Opferrauch Von meinem Betherd, der der Schönheit dampft, Und, steh ich hier, ein Priester und ein Herr, Sehn meine Augen bis zum tiefsten Grund Des großen Meeres, das ihr Leben heißt. Dich, Königin, erkenn ich und das Kind, Das bleiche, das im Gassenkot verkommt, Das große Weltrund und den Primelnkelch, Und mir ist alles gleich verwandt und hold. Umfassung ist mein Glück in diesem Reich, Die ganze Welt zieh ich an meine Brust, In die ein Gott mir eine Sonne gab, Um die sich alles selig drehen muß. Du lächelst, wie ihr Mädchen lächeln könnt, Die grausam wie das liebe Leben sind, Und denen gern Verachtung stolz und fein Die schönen Lippen schürzt. – Ich seh auch das Und nehm auch diese Schönheit in mein Reich Und stehe vor mir selbst in deinem Spott Und lächle still, lächle gottväterlich. Könnt ich so lächeln, wäre ich dir nah? Entsagung Fahl zieht der Strom in letzter Abendhelle, Bald wird es Nacht und Alles Schweigen sein. Nun kommt die Zeit, daß ich mein Glück bestelle, Dies schwarze Aehrenfeld, dies Dein und Mein. Das ist viel stiller, als das tiefste Schweigen Und ist viel schwärzer als die tiefste Nacht; Die hohen Halme beugen sich und neigen Ehrfürchtig ihrer schweren Aehren Pracht. Denn du bist dort. In deinem weißen Kleide, Von dem ein Leuchten wie von Sternen weht Und ein Gesang vom Rauschen deiner Seide, Wenn leis dein Fuß durch diese Aehren geht. Via mala Sie tragen eine Leiche Aus meinem Hause; Helle Haare hangen Ihr über die Stirne; Ueber den weißen Brüsten Klafft eine Wunde. Aber ein leises Lächeln liegt, Lockt, als träumte es Liebe, süß, Schmachtend auf den wunderschönen Lippen. Warum erdolchte ich die Königliche, Die mir im Tod noch lächelt ...? Warum erfaßt ich nicht das mädchenstolze Glück An dieser wunderweißen, wunderschlanken Hand? Warum so blöd ein Frevler, feig und kalt? Der Zug biegt in den Wald, das große Schwarz, Das voll von grauen, stummen Vögeln ist, Die mit den krummen Schnäbeln eintönig An braunen Stämmen hämmern, wo das Moos Grau ist wie Tannenflechte, und das Wild Blind. Warum schlag ich die Hände vors Gesicht Und stehe hier und stürze mich nicht tot Vom höchsten Felsen der Verzweifelung? Mir quillt ein trübes Lied im Sinn: Hast du dein Glück erschlagen, Sollst du dein Leben tragen Zu leeren, grauen Tagen, Ein greiser Büßer, hin. Hans im Gehäuse Ach, daß mein Herz noch einmal beben könnte In dieser ungestümen Seligkeit, Daß ich das Glück noch einmal leben könnte Der unbedachten Hingegebenheit. Als ich mein Leben auf zwei Augen setzte, In denen ich die Himmel leuchten sah, Als ich Verstand wie einen Strohwisch schätzte, Wie war ich Narr, wie war ich König da. Heut weiß ich viel und bin so voll Verstande, Daß Wahn und Glück mir gleich verboten sind; Mein Leben rinnt kalt und bedacht im Sande, Und meine Augen sind den Himmeln blind. Ich gäbe viel um jene Thorennächte, Da in die Kissen ich geweint, gestöhnt; Gebenedeit, wer mir es wiederbrächte, Dies Thränenglück, das mein Verstand verhöhnt. Da sitz ich nun und bastele Figuren, Und mir heißt Glück, daß ich ein Meister bin; Mein Meisterstück: Zwei gräßliche Lemuren Verscharren eine blonde Königin.