Im Balladenton Die Ballade vom Tod und dem Zecher (Herrn Fritz Neff zugeeignet.) Stell die Uhr ab, Freund Hein, Schenk zum letzten Mal ein Meinen gläsenen Becher Mit tiefrotem Wein! Laß dein Sensengeschwank, Setz dich her auf die Bank, Bin ein friedlicher Zecher Und trinke nicht Zank. Gelt, der Wein da ist gut? Burgunderisch Blut! Molk oft mir im Keller Aus dem Fasse Mut. Warum trinkst du denn nicht? O du kalkig Gesicht! Trink aus doch, trink schneller, Langweiliger Wicht! Herrgott, bist du fad! Es ist tief jammerschad, Daß der Tod so'n langweiliger Zechkamerad! Hätt es nimmer gedacht, Daß der Tod bei der Nacht Ein Gesicht wie ein heiliger Marabu macht. Gestorben muß sein, Doch ich sehe nicht ein, Warum so steifleinene Zeremonein. Nur näher gerückt! Nur die Glatze gebückt! Sei die hell elfenbeinene Rosengeschmückt! Na, was fehlt noch? Vielleicht, Daß ein Fiedelmann geigt? Los, Ländler und Lieder! Der Sensenmann schweigt. Wie, noch immer verstimmt? Tief scheinst du ergrimmt! Doch die Lust kommt dem wieder, Der ein Mädel sich nimmt. Komm herein, Leonor', Tanz dem Tode was vor, Indessen Belinde Ihn kraue am Ohr. Und es kommen zu Zwein Die Mädchen herein, Und es singen gelinde Geig und Schalmein. Ist ein lustiger Takt, Und die Mädchen sind nackt, Und den Tod hat der Zecher Am Arme gepackt. Da eist ihm das Blut, Und es schrickt ihm der Mut, Und er greift nach dem Becher, Im Becher ist Blut. Ist Blut, – aber blaß, Ein eisschaurig Naß. Trink, trink doch, du Frecher, Der Tod schänkt dir das! Will nit lumpen sich lân, Auch zum Tanz tritt er an, Hat auch Fräulein zweie Geladen zum Plan. Sind auch splitternackt, Tanzen auch nach dem Takt, Und des Todes Schalmeie Die flötet vertrackt. Ist ein Menschengebein, Gedrechselt fein, Ihre Tanzlieder klingen Wie Fegfeuerschrein. Und es schrillt die Schalmei, Und es packen die Zwei Und drehen und schwingen Im Tanze ihn frei. Leeräugig und kalt Und mißgestalt Sind die Tänzerinnen Und moderalt. In grinsender Ruh, Turulu, Turulu, Spielt der Sensenmann selber Den Hopser dazu, Bis der Atem vergeht, Und das Herz stille steht, Und die Seele dem Tänzer Zur Hölle weht. Die Legende vom Hadernburger Wein (Für Frau Lisette Stremel zur Erinnerung an die Eppaner Zeit.) Christoph Patzeber ein Bauer war, Der hat getrunken wunderbar Von ururalten Weinen; Die waren gelb wie Oel und klar, Er hat getrunken über ein Jahr, Mit ihm sein Weib und die Seinen. Er kam dazu, wußte selbst nicht wie, Und eure ganze Philosophie, Die wirds auch nicht erklären. Schaut nur und hört wies ihm geschah: Er ging halt hin, und der Wein war da; So sind die alten Mären. Christoph Patzeber in einer Nacht Hat sich mal auf den Weg gemacht, Wollte nach Wälschmichel gehen. Da führte was ihn in die Quer, Nach Wälschmichel kam er nicht mehr, Denn er hat Wein gesehen. Wein! Achtzehn Faß mit Hahn und Krahn Sahn ihn wie achtzehn Augen an Recht freundlich und mit Winken. Sie lagen in einem Keller tief, In den hell eine Treppe lief; Patzeber, der thät trinken. Sakra! das schmeckt! Doch aus der Hand Den Wein zu trinken ist Sünd und Schand. Was giebts da zu besinnen! Christoph holt sich zwei Flaschen groß, Steigt wiederum in das alte G'schloß Und läßt voll Wein sie rinnen. Gemächlich will er wieder gehn, Da sieht Weißbärte drei er stehn, Die haben nichts in Händen Als eine Tafel und Kreide weiß, Es wird ihm eisig bald, bald heiß: Jesus! wie wird das enden! Hebt drum zu vaterunsern an; Da tröstet ihn der älste Mann: Wir thun dir nichts zu leide! Hol Wein dir nur, so oft du willst, Es schreibt nicht auf, wie oft du füllst Das Flaschenpaar, die Kreide. Patzebern dünkt das wunderbar, Doch angenehm. Ein ganzes Jahr Hat er mit allen Seinen Tagtäglich sich gefüllt aufs neu Die Flaschen ohne Reu und Scheu Mit Hadernburger Weinen. (Denn in der Hadernburg geschah Die seltsame Historia. Ist bei Salurn gelegen; Dietrich von Bern hielt Hochzeit drin Mit einer schönen Kurtaatscherin, Der alte Niblungdegen.) So trank er voller Freudigkeit, Bis daß ein' hohe Obrigkeit Dahinter ist gekommen. Erbarmte sich der Seele sein Und hat: woher, von wem der Wein, Ihn ins Gebet genommen. Ob er nicht gar vom Teufel wär? Patzeber bracht die Flaschen her. Sie kosteten gar schnelle: Nicht aus Salurn ist dieser Wein, Drum kann er nicht gestohlen sein, Und schmeckt auch nicht nach Hölle. Patzeber! Wo fließt dieser Quell? Christoph bekannte auf der Stell, Wo er den Wein thät finden. So gehe hin und hol aufs neu, Daß nochmals wir nach Pflicht und Treu Behördlich ihn ergründen! Patzeber lief. Doch sonderbar: Wo gestern Trepp und Keller war, Da gähnte schwarze Leere, Und Schläge sausten hageldicht, Patzeber fiel aufs Angesicht Und fürchtete sich sehre. Dann sah er tief, tief unter sich Den lieben Keller; schauerlich Saßen darin die dreie Und murmelten in ihren Bart Und kritzelten nach Kaufmannsart Viel Ziffern Reih an Reihe. Sprach dumpf der Aelteste: es stimmt! Sein Nachbar ein Stück Kreide nimmt, Durchstreicht die Ziffernreihen, Daß es wie eine römsche Zehn Oder ein Andreaskreuz zu sehn, Mit dicken Strichen zweien. Dann, als dies stumm geschehen war, Zählte auf in Silbermünze bar Der dritte dreißig Thaler, Drückt sie Patzebern in die Hand, Wimmert ein bißchen und verschwand. Aufdämmerte ein fahler Lichtschein, und durch die graue Luft Zog hin und her ein Moderduft; Patzebern wollt es scheinen, Als ging ein Leichenzug vorbei; Mit Fackeln sah er noch die drei Und hörte leise weinen. Weiß Gott, ihm war nicht wohlgemut, Obwohl in seinem alten Hut Die dreißig Thaler klangen. Er lief davon wie hundsgejagt, Mit Stottern hat er ausgesagt, Was Grauens ihm ergangen. Die Thaler gingen rundherum Im hohen Ratskollegium, Ob sie nach Schwefel röchen? Nein, nein: sie waren blinkeblank Und hatten keinerlei Gestank Und klangen nicht nach Blechen. Christliche Thaler! Gut und recht! Doch Christoph hatte ausgezecht, Er starb nach zehen Tagen; Das hatte wohl die römische Zehn, Die er in jener Nacht gesehn, Vorkündend wollen sagen. Nach Christoph hat in mancher Nacht Manch Bauer sich noch aufgemacht, Zu trinken alte Weine Im Keller Dieterichs von Bern; Ich selber thät es herzlich gern: Indes, es fließen keine. Die Obrigkeit ist schuld daran! Ich klage die Salurner an, Daß sie den Wein vertrieben. Nun ist für jenen Malvasier Zur Strafe ein recht saurer ihr, Ihr eigner Wein verblieben. Oh heilige Bureaukratie, Vergiß der Märe Lehre nie: Laß ferne deine Hände Von Dingen wunderbarer Art! Sonst seng dir saurer Wein den Bart! Das ist der Märe Ende.