Uebersetzungen Die Tanzgilde (Nach Arne Garborg. Dem Dichter gewidmet.) Oihoh du! Ahei! Die Geige fängt an! Komm her, Mädel, komm, zum Tanze tritt an, Zum Tanze mit mir, o du Meine! Der Fiedelbogen springt, Die Geige singt; Hör, hör, wie das klingt! Es ist wie Gelach und Geweine. Wir gingen viel Wochen ein jeds für sich Und dachten so lange Und achten so bange, Jetzt aber im Arm fest halt ich dich, Und warm im Arm dir fühl ich mich, Jetzt gehn wir nicht mehr alleine! Und rundumadum Mit Jodelgejuchz Zu Baßgeschrumm Und Geigengeschluchz! Fest sie im Arm, Dreht er sie warm, Der Bursche sein Mädel im Tanze. Sie stürmen im Braus Mit Sprung und Schwung, Es dröhnt das Haus, Und der Bursche jung Fängt an zu flehn, Sie soll mit ihm gehn, Das Mädel mit ihm – nach dem Tanze. Sie aber, bedacht, Sagt ihm Bescheid, Und alles lacht Und johlt und schreit; Und Rausch und Wut, Und es brennt das Blut, Und es jauchzen die Geigen zum Tanze. Das Hügelweibchen, im Winkel allein, Das murmelt und lächelt leise Und sieht mit gespenstischen Augen hinein In die tummeltanztobenden Kreise. Oh, was da all fliegt Und kraucht und kriecht, Was für Tierzeug im Tanz in der Stube sich wiegt! Jedjedes von ihnen sein Seeltier hat, Das folgt ihm im Rücken getreulich, Von allerlei Farbe und jeder Gestalt, Aber alle sind sie abscheulich. Oh, könnten sie sie schaun! Es würde sie graun; Und würden nicht fürder des Teufels Korn baun. Schopf-Ola vom Hügel, gestriegelt und glatt, Der dort, mit der Taille, der schmalen, Einen dürren Gockel zum Folgevieh hat Mit Sporen und Schwanzfederprahlen; Der Dös-Peter Waaf, Der hat ein Schaf, Aber der schlaue John Sanftland ein Füchslein brav. Der faule Knut Waldkamm, der »laß man«-Knut, Der hat eine Sau zum Geleite, Dem Andree Hochland, dem Mädchenvogt, Springt jappend ein Bock zur Seite. Und dem freundlichen Grein, Der sich dreht so sein, Folgt der graue Wolf auf dürrem Gebein. Den Lüderjahn-John stupst ein hungriger Gaul, Der nicht Wasser noch Heu kriegt zu schauen, Ein Bär sperrt hinter Lars Kraftarm das Maul, Jakob Schlüpfrig'n hörst du miauen; Und, guck mal an: Der grimme Christian, Der hat ein Häslein zum Kumpan. Klatsch-Guri eine Zicke hat, Mit Bommeln an der Kehle, Die dicke Malli ein Ferkel glatt, Zank-Berit eine Töle. Eine Elster dort Hinter Mari Nord; Rackel Langschenkel läuft vor 'ner Stute fort. Die Maren, die Mette, die Lisabet, Auch Stine und Stockbrücks Oline, Die haben nur jede 'ne Leghenne fett, Desgleichen Bergklumps Jorine. Aber die Reiche von Koos, Die mit Silber hinterm Schloß, Die den Hof kriegt: die hat eine Gans riesengroß. So geht es tummelrundum im Tanz, Zweibeinig und auf Vieren; Das schwingt den Arm, das wirft den Schwanz, Es zittern Balken und Spieren. Da trampelt es draus, Und herein mit Gebraus Volks mehr noch ... daß Gott! Berstvoll ist das Haus! Kobold und Zwerg Aus Hügel und Berg, Geister Ertrunkener, Meernachtversunkener, Popanz und Borstentroll, Waldweib und Hügelweib, Dicker Leib, dünner Leib; Alles hinein übern Haufen wie toll. Rappelt die Flügel und plustert sich auf, Schüttelt das Fell, Und mit Geschnober, Geschnufel, Geschnauf, Kletterspechtschnell, Läuft es an Kisten und Kanten hinauf. Stiebend wie Federflaum Macht es sich mitten in Braus und Gelärm, Mitten im Tanzgestampf, Staub und Geschwärm Leiseleicht Raum. Tanzt in den Ecken, Keiner kanns sehn, Zinken und Becken Spielen Verstecken, Zauberwunderschön. Klirr und kling, Tingelingeling! Leise, ganz leise, Geisterliche Weise, Keiner kanns hören, Keiner kanns sehn: Wassertropfengluck, Quellgeriesel tief, Windgewein von West, Wellenwurf von Nord. Winkelflüstern leis, ungesprochen Wort, Raschellaub vom Baum, das im Falle rief ... Trippelt nun, trappelt nun, Graumännerchen, Grauweiberchen, Tippelt nun, tappelt nun, Die Sonne die schläft fest. Humpelt nun, hampelt nun, Herr Grauschopf und Frau Grauschopfin, Zumpelt nun, zampelt nun, Hei, Weihnachtsfest! Bummel, Bammel, Spinneräderrockentanz, Rockentanzgeschrammel. Dunkel nah und ferne. Bammel, Bummel, Rücken-Rücken-Reihetanz, Rückentanzgetummel. Dunkel Mond und Sterne. Und wild und wilder, hei, so recht! Zur Ecke schwing! Zur Decke spring! Mannshoch, hopp! so! Hei, bück dich, Knecht! Jetzt geht es ohne Maßen. Noch nie sahst du ein Tanzen so, So Lust und Lärm, So Schwung und Geschwärm, Es braust in die Nacht, in die Ferne, oh, Es ist im Rausch ein Rasen. Juchen, Jachen, Tummeltanz und Krachen, Krachen im Bärenpelze. Hier ist ein rechter Kerl, ahei! Durch Felsen gekommen, Durchs Feuer geschwommen; Willst du mich haben? Da hast du mich! Ei! Ich winke nur: Komm! Und ich kriege. Her mit dem Mund! Ich küß ihn, hoh, So einen wie mich, Wünscht jede sich! Und rittst du bis Rom, findst keinen so, Der wie ich im Tanze sich wiege. Zieber, Zaber, Flackertanzgewaber, Schön ist die dunkle Weihnacht. Das Hügelweibchen sitzt und starrt, Schwer geht die Brust: in Flammen Zur Hölle rast die tolle Fahrt, Gespenster und Menschen zusammen. Das Licht wird matt; oh, mehr und mehr Umringelt sie das Dunkel; Kobolde kommen ein ganzes Heer – Hui, glüht Springtanzgefunkel: Schatzeinziger mein, Komm, willst du mich frein, Spieltraudel mir sein Im Dudeli-dudelidei? Du, du nur allein, Oh, warte du mein, Und dein will ich sein Im Dudelidei. Um mich ists geschehn, Dein'n Weg muß ich gehn, Zu Diensten dir stehn Im Häusela-Häusela-hei. Mußt zu mir nun auch stehn, Mit mir nun auch gehn, Dein Spinnrädel drehn Im Häusela-hei. Flachs sollst du spinnen, Zwirn sollst du zwirnen, Strümpf sollst du stricken, Surelilei. Ich will dich tragen, Wiegen und wagen, Hegen und pfle- gelileia. Lein wolln wir weben, Den Webebaum heben, Wachholder soll brennen, Surelilei. Die Wiege wird knacken, Renntier wird schmecken, Brot wolln wir bak- kelibeia. Schatzeinziger mein, Ja, willst du mich frein, Spieltraudel mir sein, Im Dudeli-dudelidei!? Du, du nur allein, Ja, du warte mein, Dein, dein will ich sein Im Dudelidei! Die Harfe singt; Wie Weinen klingt Ihr Lied, gelind Wie Sommerwind. Wiegt sich so weich, Hebt sich so reich, Fällt in Traum, wird still und stiller. Nun, wieder erwacht, Schwillt es mit Macht, Brandet herauf Wie Wogengetrauf: Tief aus dem Traum, Schaukelnder Schaum, Ringt sich ein schluchzender Triller. Ein blauer Kobold, reich und schön, Im Strähnhaar goldene Spangen, Tanzt her mit buhlendem Getön, Das Hügelweibchen zu fangen: Oh du Zauberschön, Du sollst mit mir gehn, Dein silbernes Spinnrad im Blauhügel drehn. Bei Tage, da bin ich der braune Bär Und trolle im Walde, dem weiten, Bade tief im Waldsee mein Zottelfell schwer Und muß durchs Wildwasser schreiten. Spiel am Ufer hinan, Bin der Herr vom Tann, Soweit Dein Auge ihn sehen kann. Doch, wenn die Zeit gen Mitternacht neigt Und der Tag in den Hügel gegangen, Oh, wie es dann glöckelt, oh, wie es dann geigt! Dann bin ich in Tönen gefangen. Und schleiche mich ein, Zu dir mich hinein Und schlafe in deinen warm Armen ein. Meine Braut im Blauhügel sollst du sein, Sollst Silber und Seide tragen, Und eitel Glück soll um dich sein In allen deinen Tagen. Oh du Zauberschön, Du sollst mit mir gehn, Dein silbernes Spinnrad im Blauhügel drehn. Aus streckt er die blasse, die blaue Hand, Ihr ist, sie müsse vergeben. Doch wie sie zum Kusse dem Mann sich gewandt, Hat ein Rattenmaul spitz sie gesehen. Ach Jesus! Oh Gott! Oh Gott! Oh Not! Sie fällt von der Bank und liegt wie tot. Lyng-Lun (Nach dem Vlämischen des Pol de Mont. Dem Dichter gewidmet.) Durch Li-yo-ing, wo aus morastiger Erde Der Riesenbambus aufschießt wie ein Wald, Ging, in Gedanken ganz verstrickt, der Weise, Der Dichter Lyng-Lun. Kümmerlich sein Leib; Doch seine Seele, die war gottesstark. In breiten Stößen, osther, rauschten an Die Winde voller Kraft und bliesen laut Durch dieses Röhrichts palmenhohe Stämme; Und wundersame Weisen weckten sie Aus ihnen, daß es wie vom Menschen klang. Ein Singen, Jauchzen und ein Klagen wars. Bis zu des Weisen Füßen beugten sich Die schlanken Schäfte, seinen Wangen längs Schwebten wie Schmeichelhände ihre Blätter, Die langen, schmalen. Und es hielt Lyng-Lun In Schweigen sinnend einen Stamm zurück. Und zwischen zweien Knorren schnitt er sich, Genau inmitten schnitt ein Stück er sich Heraus, und sieh: Da seinen Atem er Dem Rohre einblies, schwoll ihm sanft ein Klang Sehr tief und voll aus diesem Rohr entgegen, Ein Klang, lebendig wie die eigne Stimme. Und wunderbar: als hätte rings um ihn In Luft und Erden alles nur geschwiegen, Bis daß ihm Stimme gab sein Menschenmund, Ward nun mit eins die ganze Welt Gesang. Der Hoangho, der seinen grünen Strom Wie eine Flut von Schlangen vor ihm wälzte, Er wieherte wie ein gepanzert Roß, Wenn es zum erstenmal im Lärm der Schlacht Auf Schild und Brünne Schwerter klirren hört. Der Fung-hoan, der rote Zaubervogel, Schwang sich mit seinem Weibchen auf den Ast, Und seiner Liebe süße Sehnsucht klang Wie lebend Gold. Da rief Lyng-Lun, der Weise, Begeistert laut: Ah, huldreiche Natur, Ich höre deine Stimme. Brülle, Strom! Sing, singe, roter Vogel! Winde, braust Und rauscht Akkorde durch das schwanke Rohr, Daß ich erlausche deiner Stimme Klang Und in mich berge, denn es wird fortan Mitklingen und mitsingen die Natur, Wo seiner Seele Tiefgefühl der Mensch, Der leidende, ausklagt, ausjauchzt, aussingt. Und sorgsam lauschend schnitt er Rohr auf Rohr Sich aus dem großen, schwanken Bambuswald Und stimmte sie genau: sechs nach dem Rauschen Des Stroms, des Röhrichts und der wilden Bäume, Sechs andre aber nach der Vögel Sang Und dem Insektensummen; band sie alle Andächtig an einand und brachte sie Voll hellen Jubels dem, der unterm Himmel Als Sohn der Sonne diese Welt regiert, Und niederknieend sprach er: Nimm dies, ha! In diesen Rohren lebt des Weltalls Seele. Mond in der Kammer Nach Li-tai-po. Hell liegt der Mondenschein vor meinem Bette, Als wenn die Erde weiß mit Schnee bedeckt sich hätte. Ich hebe mein Haupt empor: der Mond steht klar und rein. Mein Haupt ich senke Und dein gedenke Ich, Dorf, du kleine Heimat mein.