Neue Liebe, neues Leiden Rückkehr Zuckt nicht die Achseln, grüßt nicht so höhnisch Und wendet euch nicht spöttisch ab! Ich will kein Geld von euch entlehnen, Will nicht zurück, was ich euch gab. Nicht euern Liebsten mehr gefährlich Bin ich und nimmer eurem Ruhm; Der Kummer nahm mir meine Schönheit Und all mein Unglück macht mich dumm. Ich komm' zu euch, weil fortgetrieben Vom sichern Strand mein Lebensschiff; Ganz soll es scheitern, darum lenk' ich's Zurück zu euch –: ihr seid das Riff! Auf dem Maskenballe 1. Ei, wie schön du warst, als Laune, Wein und Lust im Aug' dir glühte! Wofür hältst du mich denn plötzlich, Daß du schwärmst jetzt von Gemüthe? Lasse, Freund, doch die Komödie – Wir sind viel zu klug zum schwärmen, Heut' sich küssen, morgen scheiden, Gibt uns keinen Grund zum härmen. Dort die kurzgeschürzten Weiber Mit den kecken Schellenmützen Werden vor Gemüthsbewegung Und vor Trennungsschmerz dich schützen. Diese flinken Ballerinen, Diese schönen nackten Sünden Werden schwatzhaft, freundlich-boshaft Was ich war und bin dir künden. Sieh', ich schütz' dich vor Enttäuschung; Um uns wogt und rauscht das Leben: Was das Heute rasch dir bietet, Mag das Morgen nimmer geben. 2. Du schaust mein Antlitz ohne Maske, Und doch verlässest du mich nicht; So reizt dich noch das thränenblasse Verhärmte Leidensangesicht? Du drängst dich auch zu dem Gelage, Das meiner Wiederkehr geweiht; Du hörst es still und seltsam lächelnd, Wie Jeder meinen Namen schreit. Du sprichst so ruhig mit den Männern, Die frech mir Mund und Arme küssen; Du stimmst mit ein in die Toaste, Womit sie jauchzend mich begrüßen. Was willst du mit den starren Blicken – Ist's Spott, der mir entgegenschaut? Laß ab von mir! Du bist ein Wesen, Vor dem mir bangt, vor dem mir graut! 3. In deiner Stimme bebt ein Ton, Der Alles überklingt, Und der mir wie ein schneidend Weh Zum tiefsten Herzen dringt. Wie riß doch dieser eine Ton Mir auf die alten Wunden; O daß ich nimmer ihn gehört Und nimmer dich gefunden! O laß das Heut' vergessen sein Und mich sammt meinen Scherzen; Es sind ja doch die Schreie nur Der unheilbaren Schmerzen! Erklärung Ich hörte heute deine Schwüre – Und es bewegt das Herz mir nicht, Glaub' ich auch selbst, daß heiße Liebe Aus jedem deiner Worte spricht. Denn unwillkürlich muß ich denken Der Zeit, wo du dich wirst bemühn, Mit leeren Phrasen zu verhüllen, Des leeren Herzens matt'res Grün. Wo endlich du des Kämpfens müde Und satt der selbstgewählten Ketten, Schamlos dein eignes Wort verleugnend, Ein Judas vor mich hin wirst treten. Mahnung Es beugt das stolze Haupt sich schwer, Und schwer der starre Sinn, Und dennoch fühl' ich, daß ich längst Nicht mehr ich selber bin. Ich weiß nicht, was noch kommen wird, Doch ist mir oft so bang; Oft reißt mich dir zu Füßen hin Ein mächt'ger Seelendrang. Dein Aug' ist treu; du siehst mich an So innig und so tief – Und dennoch ist's, als ob hinweg Von dir mich mein Engel rief'. Bitte Sei nicht so hart, wenn aus der Brust Ein Mißton sich mir ringt, Wenn oft ein trotzig-wildes Wort Gar zu unweiblich klingt. Hab' sonst nicht viel danach gefragt, Was zahme Weiberart, War niemals sanft und selten still – O sei darum nicht hart! Ich müh' mich jetzt, so recht zu sein Wie andre Weiber sind, Und der Beweis, wie sehr mir's Ernst, Ist wohl mein kleines Kind. Mein Kind Ich habe keine Schmerzensworte, Hab' keine Thränen, kühlend lind, Hab' nicht Gebete, stille fromme – Sterbend liegt vor mir mein Kind! Es preßt mir Kopf und Herz zusammen, Die Luft, sie flimmert blutig roth – Stirb nicht! Mit dir stirbt Alles, Alles – Mein letzter Halt wär' mit dir todt! – – Ist todt! – Ein leiser, kurzer Schrei – Das Köpfchen sinkt, das bleiche, Und an die schmerzerstarrte Brust Drück' ich die kleine Leiche. Todt Mir ist, als wär der Himmel leer, Die Erde nur ein weites Grab, Und jeder Stern rings ausgeglüht, Dem Herzen gleich, das Alles gab. Und ich, das Grabmal meines Ich's, Steh' öd' und still und ganz allein; Es braust der Wind, der Regen weint Kalte Thränen auf kalten Stein. Erwachen Mir war, als ob in dumpfem Schmerz Die Seele wollt' erlahmen – Da plötzlich, schier halb unbewußt, Nannt' still ich deinen Namen. Und nun im selben Augenblick Hat es mich überkommen, Hab' mehr dich als mein Kind geliebt, Drum ward es mir genommen. Erkenntniß Wenn mir's oft wie kalter Wahnsinn Durch das öde Denken rinnt, Wenn die Seele, Hilfe suchend, Das Unmögliche ersinnt; Wenn aus abgrundtiefen Schmerzen Sie empor zum Himmel schreit: Fühl ich ganz und voll den Fluch erst, Der da heißt » Vergangenheit .« Muth! Zahmer Narrheit wässrig Seufzen, Feiges, kindisch-weiches Beten; Was man thöricht selbst verschuldet, Daraus soll uns Gott erretten! Unser Gott ist vielbeschäftigt, Läßt uns jammern hier auf Erden, Sagt: »wer viel geliebt (gelitten), Dem wird viel vergeben werden.« So ist es Du kennst mich nicht, du liebst mich nicht, Und Alles bist du mir; Du hältst mich wie ein Spielzeug nur, Und Alles zieht mich zu dir. Aus Moder, Schutt und Elend Schlagen heilige Flammen, Dich wärmen sie nicht; – mein Leben Brennen sie zusammen. Sehnsucht Die Nacht ist ruhig und duftig, Die Luft weht lau und lind; Unter den Sternenaugen Such' ich die deinen, mein Kind! Ich möchte dich sehen und küssen, Mein Einz'ges, das Alles mir gab, Ich möchte still bei dir liegen Im kleinen stillen Grab. Logik Es liegt voll seichter Logik Dein Brief in meinen Händen; Du meinst, was einen Anfang gehabt, Das müss' auch wieder enden. Ich kann mit solcher Weisheit Mich heute nimmer raufen; Doch meine beste Logik wär', Mir einen Strick zu kaufen. Nichts mehr Nicht mehr die heißen, süßen Küsse, Nicht mehr die Worte mild und warm, Nicht mehr den treuen Blick der Augen, Nicht mehr den Druck von deinem Arm. Nichts mehr von allen jenen Wonnen Die Liebe hat und Liebe giebt, Nichts will ich – um noch fortzuleben – Sag' nur, daß du mich einst geliebt! Grau 1. Ist denn mein ganzes Sein verwirrt, Daß Alles ich jetzt anders schau'; Erscheint mir doch die ganze Welt Ein schmutzig Bild nur, Grau in Grau. Ich lebte gern und lachte gern Wie sonst ein Menschenkind – Doch Alles glotzt so fratzenhaft – Dies Grau, es macht mich blind. 2. Ein trüber, grauer Regentag, Kalt und unheimlich öde; Der Himmel starrt so grau herein, Die grauen Menschen so blöde. O schnell ein rothes Licht herein – Den rothen Vorhang herab – Da hust' ich helles, rothes Blut – Bestellt mir ein graues Grab! Wiedervereinigung 1. Küsse mich, denn, ach! sie bluten Alle noch die alten Wunden, Küsse mich, daß ich vergesse Alle die verfluchten Stunden! Laß mich von den süßen Lippen Wieder Glück und Liebe saugen, Laß mich sterben, überstrahlet Von dem Himmel deiner Augen! 2. Nein, ich will dich nimmer fragen, Ob du mich auch wirklich liebst; Mit geschlossnen Augen nehmen Will ich, was du gnädig giebst. Mit gebundnen Händen stelle Ich mich schweigend deiner Macht, Nichts mehr hoffend, nur befürchtend Einer Trennung ew'ge Nacht! Nach Jahren Wie seltsam! Unser feiger Muth Läßt alles Elend uns tragen; O hätten wir doch den echten Muth, Das lösende Wort zu sagen. Wir laufen neben einander her Und werden müder und müder; Ich werde blässer und kränker stets Und du wirst kälter und rüder. O raffe dich auf und fasse Muth Und sei zum letzten Mal ein Mann. Brich du mit einem Wort entzwei, Was ich nicht länger tragen kann! Epilog Und sie beugt sich zähneknirschend, Aber seht, sie beugt sich doch! Und sie trägt mit dumpfem Schweigen Jahrelang das ekle Joch. Sie versteht, ermißt ihr Elend, Ihren Jammer, ihre Schmach; Sie erkennt, was sie verbrochen Und was man an ihr verbrach. Und sie rüttelt an den Ketten – Fürchtet nicht, daß sie sie bricht: Denn sie beugt sich zähneknirschend Und – sie jammert ein Gedicht.