Lido 8. Im Dämmerlichte schwamm die Barke fort Durch den Canal und hin durch die Lagunen, Der todten Zeit geheimnißvolle Runen Erstickten schier das laute Menschenwort. Es glitt an Tempeln und Palästen nur Vorbei mein Schiff, durch des Rialtos Bogen, An schwarzen Gondeln, die vorüberzogen Wie Nachtgespenster, sonder Laut und Spur. Vom Klosterthurme bebte durch die Luft In leisen Tönen schon der Abendsegen, – Da rauschten Bäume, wehte mir entgegen Vom grünen Lido weicher Blüthenduft. Und sanfte Stimmen waren jetzt erwacht, Durch Gras und Büsche schwebte süßes Klingen, Verirrte Tauben senkten ihre Schwingen – Es stieg die Fluth – und mählig kam die Nacht... 9. Die Nacht ist da! – Es leuchtet jeder Stern, Das Mondlicht zittert sacht auf jeder Welle, Der feuchte Sand erglänzet silberhelle, Des Meeres Brausen tönet dumpf und fern. Es wogt heran und sprühet Perlen aus, Schäumt Diamanten, die auf Muscheln schimmern, Und rollt zurück mit leisem, trübem Wimmern, Das jäh erstirbt in Wind und Wellenbraus. Am Strande aber kniet ein Menschenkind Und beut entblößt der Luft, der Wogenkühle Die wunde Brust, das Haupt, das schmerzensschwüle, Und was es flüstert, hört nur Meer und Wind ...