Wandernd Edelweiß und Raute spenden Müden Wand'rern würz'ge Düfte, Aber scharf und schneidend wehen Selbst im Sommer hier die Lüfte. Carl von Thaler. Auf den Bergen Freu' Dich nicht des blauen Himmels, Bist Du noch so harmlos, Kind? Fühlst Du's nicht? durch Erd' und Himmel Zieht gewitterschwüler Wind! Trau' nur nicht der Himmelslüge, Nicht dem Sonnenlächeln trau', Denn es regnet, weinet innen – Nur nach außen lacht es blau! Gewitternahen Bleischwer drückt die Nacht auf mich, Wolken jagen rasch vorüber, Trübe schon und immer trüber Hüllt der Mond in Nebel sich. In den Zweigen ächzt der Wind Und es rauschen scheu die Blätter, Bald vom dumpfen nahen Wetter Ausgelöscht die Sterne sind. Unkenruf im nahen See Und im Gras ein leis' Geflüster; Öde starrt der Himmel, düster – Weint er stumm – ob unserm Weh? Ein Aufathmen 1. Grüne Tannen, bunte Blumen, Blauer Himmel, Luft und Duft, Silberhelle Wasser rieseln Aus der grauen Felsenkluft. Helle Sonnenlichter zittern Spielend auf dem feuchten Grund, Und der Vögel heimlich Zwitschern Gleicht dem Wort aus liebem Mund. Grüne Tannen – kleine Vögel, Ach, – ihr kennt ein Zauberwort – – Euer Rauschen, euer Zwitschern Scheucht die alten Schmerzen fort! 2. Wie in süßen Morgenträumen Liegt vor mir ein kleines Haus, Blüthenweiße Bäume strecken Winkend ihre Äste aus. Liebes, lang' entbehrtes Grüßen Ist der Lerche jubelnd Lied, Das wie klingend helles Strömen Ob dem Haupte wirbelnd zieht. Kleines Haus und Blüthenbäume, Ich versteh' den Zauber nicht; Doch er spricht zum dunklen Herzen Und es wird d'rin wieder Licht! 3. Fremder Menschen bunte Massen, Fremder Sprache milder Laut, Große Häuser, helle Straßen, Selbst der Himmel heller schaut. Seltsam fremd, wie nie besessen, Klingt mir hier der Name mein, Auch mein Herz lernt hier vergessen, Lernt vielleicht hier glücklich sein. Abendbild Grau der Himmel, grau die Erde, Grau das weite dürre Land, Sonn'verbrannte nied're Sträucher, Schwarzer Sumpf und heißer Sand; Doch schon weben in der Ferne Abendnebel, dünn' und leicht, Ihre grauen feuchten Schleier Und die träge Stille weicht. Denn ein mildes kühles Lüftchen, Wie der reine Athemzug Eines schlafumfang'nen Kindes, Hemmt der Vögel matten Flug. Aus den Büschen, still sich regend, Ein geheimes Flüstern bricht, Leise klagt's im Sumpf und silbern Spiegelt sich das Mondenlicht. – Am Teich Ich kenne dich, du schwarzer Teich, Genau weiß ich den Tag, Als eine Todte still und bleich An deinem Rande lag; Und als der Pöbel scheu und stumm Sich langsam nahte dir Und abergläubig, feig und dumm Bekreuzte sich vor ihr; Als eine Hand den schönen Leib Mit Haken an sich riß – Der rohe Hauf' das todte Weib Ein gottverdammtes hieß. – Das starre Antlitz hold und bleich, Schaut' ich so manche Nacht, In schwarzen Stunden, schwarzer Teich, Hab' oft ich dein gedacht. Im Dorfe Richtig da, die alte Scheuer Steht noch auf derselben Stelle, Vor der Thüre flammt das Feuer, Flackert auf, wie einst so helle, Und wie einst, so heute lagern Kunstplebejer, Vagabunden, Blasse Weiber bei den magern Kindern und bei alten Hunden. Jubelnd grüßt das längst-vergess'ne, Jugend-mahnende Gelichter, Ich erkenne schminkzerfress'ne Kecke, thörichte Gesichter. Wüst-poetisch, frierend, hungernd Finde ich die Altbekannten Ärmer noch, noch träger lungernd, Echte Handwerks-Comödianten. Hinter einem Zaume werden Sie einst jämmerlich verenden, Denn es giebt für sie auf Erden Schon zu viel der Concurrenten. Habt als Stümper angefangen Und seid Stümper auch geblieben; Kirch' und Parlament seit langen Jenes Handwerk besser trieben. Prag. Auf dem alten jüdischen Friedhofe Sinnend stand ich bei dem Grabe Rabby Löv's, des jüd'schen Weisen, Hörte wie im Traum den Führer Seine todten Ahnherrn preisen. Und warum, so frug ich staunend, All' die Juden, groß und kleine, Auf das Grab mit leisem Murmeln Werfen bunte Kieselsteine? Und es wurde mir die Antwort: »Um zu ehren, ist geboten, Daß wir Blumen streu'n Lebend'gen, Steine auf das Grab der Todten.« Von solch' heidnischem Gebrauche Sind wir Christen längst gereinigt: Wir bekränzen stets die Gräber Jener, welche wir gesteinigt . Allein! Einsam stand ich auf den Bergen, Wo der Falke kreischend flog, Über schneebedecktem Gipfel Seine stillen Kreise zog. Einsam lag ich auf der Haide Wenn die Sonne untersank, Und der dürre glüh'nde Boden Gierig feuchte Nebel trank. Einsam saß ich oft am Meere, Dessen alter Klaggesang Bald wild-zornig, bald süß-traurig, Bald wie dumpfes Schluchzen klang. Einsam irrt ich durch die Wälder, Nur die Eul' am Felsenriff War mein krächzender Gefährte Und der Wind, der wimmernd pfiff. Einsam litt ich – aber tröstend War die hehre Einsamkeit – Nicht allein trug ich mein Elend, Die Natur verstand mein Leid! Doch allein – so ganz alleine – Abgrundtief von Euch entfernt, Fand ich mich in Euren Sälen – Als ich Euch versteh'n gelernt! Auf dem Meere Ausgetobt die wilden Stürme, Heiter, friedlich glänzt das Meer, Nichts erinnert an die Kämpfe, Todesseufzer bang und schwer. – Eine Kapsel, fest verschlossen Schaukelt auf dem weißen Schaum Und der Fischer, sorglos singend Wirft sie in des Schiffleins Raum. Ist die Kapsel erst zerbrochen, Liest er von dem gelben Blatt – Wie viel Schätze, Glück und Leben Jüngst das Meer verschlungen hat, Liest, was eines Menschenkindes Todgeweihte Hand noch schrieb, Als der Sturm das Fahrzeug näher – Näher stets dem Abgrund trieb .... Und so gleichet dieses Büchlein Jener Kapsel, die zum Strand, Schon versinkend, hülflos schleudert Eine todgeweihte Hand. –