Ein Dito Seht doch das kalte Nachtgesicht Dort hoch am Himmel hangen! Einst war es glatt, und hatte nicht Die Runzeln auf den Wangen. Ja Kind, von diesen Runzeln wär Nun freilich viel zu sagen; Am Weihnachtabend kam Kunz her, Der Henker mußt ihn plagen, Kam her und stahl. Wie ging's ihm nicht! Er wird nicht wieder stehlen, Hör an, und laß dir die Geschicht Vom Kohl und Kunz erzählen. Heinz hatt ein Gärtchen das war schön, Da stieg des Abends Kunze Hinein, und, hast du nicht gesehn, Bestahl den Nachbar Heinze. Sonst schämt und grämt ein Dieb sich wohl, Kunz aber nicht; er dachte: Es fände morgen seinen Kohl Der Nachbar nicht, und lachte. Schnell aber war da eine Hand, Die ihm vertrieb das Lachen, Sie faßte ihn – husch! und er stand Im Mond mit seinen Sachen, Mit seinem Kohl, so wie er war, Da half kein Schrei'n noch Flehen. Man sieht ihn itzt auch hell und klar Mit Kohl im Monde stehen. Er überdenkt nun den Betrug, Doch wird ihm wohl zuzeiten Die Zeit und Weile lang genug, Und wär wohl gern bei Leuten. All Weihnachtabend rührt er sich, Und ruft aus voller Kehlen: »Erbarme dich! erbarme dich! Ich will nicht wieder stehlen.« Ja, großen Dank! der arme Kunz! Nun mag er lange wollen; Er stehet da, und warnet uns, Daß wir nicht stehlen sollen; Steht da, und hat nicht Ruh noch Rast, Und wird da ewig stehen. Schlaf, wenn du ausgeschlafen hast, Sollst du auch Kunze sehen.