Felix Dahn Vaterland Wahl und Vorbereitung Viel Stimmen gehen durch die Welt, Verworren sind die Zeiten: Ein Ruf vor allen mir gefällt, Der soll mein Leben leiten: Heil dem, der seinem Volk sich gibt, Dem Deutschen Heil, der Deutschland liebt. Gar viele trachten Tag und Nacht, In Eifersucht geschäftig: Hat keiner was zustand gebracht, Was groß und dauerkräftig: Nur Eitelkeit lieh ihnen Kraft Und eitel ist, was sie geschafft. Wann einer von den Stürmen weht, Wie sie ein Volk durchwittern, – Was, glaubt ihr, daß alsdann besteht Von diesen bunten Flittern? »Fort« – wird es donnern – »Tand und Spiel, Jetzt gilt es Tat und ernstes Ziel.« Dann Heil dem Mann, der sprechen kann: »Mein Volk, lang harr' ich deiner! Gib jedem seinen Posten an, Sprich schnelle, wo ist meiner? Und sei's das Wort und sei's das Schwert: – Ich will es führen, deiner wert!« Deutsches Lied Ich weiß ein Lied so voller Trauer, – Wer dieses Lied zu Ende singt, Dem ist, als ob vor Schmerzenschauer Ihm in der Brust das Herz zerspringt. Ein Lied voll schwerster Gramgedanken, – Es färbt des Sängers Wange bleich, Ein Lied voll Wehe sonder Schranken: – Das ist das Lied vom Deutschen Reich! O soviel Macht und Mut und Treue Und soviel Torheit, Schimpf und Schmach! O soviel Hoffnung stets aufs neue Und soviel Unheil, das sie brach! O soviel Hinterlist und Tücke Und immer wieder neu Vertraun –: Noch niemals mit so wenig Glücke War soviel Recht und Kraft zu schaun. Es muß in Sternen stehn geschrieben, Daß Deutschland nicht darf untergehn, Der Gott der Völker muß uns lieben, – Sonst war es längst um uns geschehn. Mein Volk, nicht rückwärts darfst du schauen, Daß Gram dir nicht das Herz verzehrt: Nein, vorwärts und auf Gott vertrauen Und auf dein Recht und auf dein Schwert. Frühling Komm, holder Frühling, Segenspender, Aus deinem blauen Wunderhaus, Und auf das traurigste der Länder Geuß deine reichen Gaben aus. Gleich dem verstoßnen Königskinde Germania frierend sitzt im Wald, Das Haar zerzaust: ein Spiel der Winde Ist ihre rührende Gestalt. Vom Haupt ihr rissen böse Schächer Den Schleier und die Kronenzier, Und ach, auf Erden lebt kein Rächer, Zu Ehr' und Recht zu helfen ihr. Da nahest der Verlassnen Schlummer, Erbarmungsreicher Frühling, du, Und ihre Schmach und ihren Kummer Deckst du mit grünem Mantel zu. Und schlingst ihr statt der Kron' von Golde Den weißen Blütenkranz ins Haar, Reichst lächelnd ihr die Liliendolde Statt des entfallnen Zepters dar. Und läßt sie grünend ihre Wälder Und ihre stolzen Berge sehn, Und zeigst ihr lachend ihre Felder Und ihre dunkelblauen See'n, Zeigst ihr, wie kräftig prangt ihr Bauer, Wie blühend ihre Winzerin: Und durch die Königin der Trauer Zieht heller ein Gedanke hin. Sie träumet hold, die Kummerreiche, Von Frühlingshoffnung sanft gewiegt, Ein süßer Glanz das schmerzenbleiche, Das edle Angesicht durchfliegt. Sie träumet wohl von einem Lenze, Da herrlich sie vom Boden springt, Und wieder Kronen trägt statt Kränze Und wieder hoch das Zepter schwingt. Epistel Aus dem friedlichen Dorf und dem Haus, von Reben umkleidet, Send' ich dir, trauter Genoss', einen bukolischen Gruß. Zwar nicht ist uns vergönnt, so gewinnende Briefe zu schreiben, Wie sie die Römer gesandt aus der Campagna zur Stadt, Wie sie Horaz, der Schalk, an Bandusias Brunnen ersonnen – Noch in seinem Gedicht rieselt ihr Silbergewog – Oder von Mantua einst sie der edle Vergilius sandte, Reich mit dem höchsten Pomp römischer Rede geschmückt, Daß, wenn August sie las, er vergaß der beherrschenden Künste: – Solches zwar ist versagt –: rauher ist Boden und Sinn. Nicht ragt glänzend und rund mir von thrakischem Steine die Villa Und die Charitinnen nicht stehen im Atrium mir, Nicht, von Platanen bedacht, dehnt weit sich die sand'ge Palästra: Nicht aus staubigem Schlauch wird mir Falerner geschenkt: Nicht umspület das Haus mit der sanften ausonischen Welle, Bis in das dienende Meer waglich gemauert, das Bad: Hart ist unser Geschlecht und die alabasterne Glätte Edelster Formengewalt weigert sich unserer Kunst: Horch, der Hexameter selbst, wie er seufzt in der Fessel des Deutschen! Ach, der Verwöhnte verlangt reichere Tonmelodie. Aber ein Anderes ward den unsträflichen Söhnen des Nordens: Ahnungsvollerer Reiz atmet in unsrer Natur: Wann sich, wie jetzt, die Sonne geneigt und die liebliche Dämm'rung Langsam den Schleier zieht über das Abendgefild, Wann der kühlere Wind an der Buchen Wipfel und Tannen Lieblichen Rauschens rührt, wann aus dem Erlengebüsch Flötend der innige Ton der melodischen Amsel hervorklingt Und vor dem braunen Gehöft, unter dem Giebelgebälk, Vor der offenen Tür, auf der Holzbank, sitzen die Leute, Plaudernd in Abendruh: hier der gebogene Greis, Dort das blühende Weib, auf den kräftigen Armen den Säugling, Während der blonde Bub schnitzelt am hölzernen Schwert, Frisch, krauslockig und froh, mit den blauen, den offenen Augen, Blau, wie dem Römer sie einst kimbrische Schrecken geblitzt, – Aber am Brunnenrand dort, unter dem alten Holunder, Blickt in das Ährenfeld sinnend der Vater hinaus: – – Freund, wer solches geschaut, nicht schämt er sich unseres Volkes Und in bewegterem Gang schlägt ihm gehoben das Herz. Und er gedenkt mit Stolz an die rühmlichen Taten der Väter: Denkt, wie germanischer Geist höhere Flüge gewagt, Dunklere Tiefen erforscht und weitre Gebiete durchmessen, Als ein anderes Volk. – Und es erschwingt sich der Mut Aus der unsäglichen Not zu der Hoffnung schönerer Zukunft: Denn der gediegene Wert zwinget am Ende das Glück: Und er erschaut im Gemüt, wie ein waffengewaltiger Kaiser Wieder am rauschenden Rhein pflanzet des Reiches Panier. – – Zwar nicht solches geziemt dem idyllischen Gruße vom Lande, Aber vergib dem Freund, welchen, wohin er entflieht, Treu wie sein Schatte verfolgt um sein schmählich entzeptertes Deutschland, Um sein zerrissenes Volk ach! das unendliche Weh. – Deutsche Lieder (Bei dem Gerücht der Kriegserklärung Rußlands, Frankreichs und Italiens an Deutschland.) 1. Mein Volk, ja du hast dir in jeglicher Kunst, In jeglichem Wissen errungen den Preis: Es gönnte die Palme der Himmlischen Gunst Der innigen Kraft und dem dauernden Fleiß: Du hast an dem Himmel die Sterne gezählet, Hast tief in den Gründen durchforschet den Schacht, Hast Steine zu atmendem Leben beseelet, Hast Lieder von ewiger Schönheit erdacht, Du hast dir die Pforten des Geistes entriegelt, Die heiligsten Rollen des Ahnens entsiegelt: – Leg alles dahin, sei zu anderm bereit, Nach Eisen verlanget die eiserne Zeit: Zu den Waffen, mein Volk! Es hat die Olive kein Haupt noch geschützt, Dem ruchlos das Schwert sich des Feindes genaht: Hat Hellas die Liebe der Musen genützt, Als Rom mit dem Fuß auf den Nacken ihm trat? Vorüber die Tage für friedliches Trachten, Für Denken und Dichten vorüber die Zeit: Jetzt sollst du dich gürten zu brüllenden Schlachten, Für Freiheit und Leben zum grimmigen Streit: Fort Becher und Liebe, du freudige Jugend, Jetzt ist der Haß die oberste Tugend: Ihr führtet den Griffel, den Meißel genug, Legt nieder die Feder, den Hammer, den Pflug: Zu den Waffen, mein Volk! Schon gilt es nicht mehr für den Ruhm und die Macht, Zerfetzt ist schon lange dein Ehrengewand: Die Sterne, die ewigen, hieltst du in acht, Da stahlen dir Schächer dein Gut und dein Land: Sie haben zu lange den Speer nicht gekostet, Der dem Slawen den Schild und Romanen zerspellt: Sie glauben das Schwert in die Scheide gerostet, Das blitzend die Kaiser geschwenkt durch die Welt: Sie wähnen dich alt, und sie wollen dich erben, Sie wollen dich würgen, dieweil du im Sterben: Auf, schütze dein Leben, dein Gut und dein Recht, Zu den Waffen, du reisiges Heldengeschlecht: Zu den Waffen, mein Volk! 2. Und wenn's beschlossen ist da droben, daß unser Reich versink' in Nacht, – Noch einmal soll die Welt erproben des deutschen Schwertes alte Macht: Soll nicht mehr deutsches Wort erschallen, nicht deutsche Sitte mehr bestehn, So laßt uns stolz und herrlich fallen, nicht tatenlos in Schmach vergehn. Zieht einst ein Tag die Schuld der Ahnen, die eigne Schuld vors Weltgericht: Ihr seid die Schergen, ihr Romanen und Slawen, doch die Richter nicht! Wir beugen uns den Schicksalsmächten: sie strafen furchtbar und gerecht: Ihr aber seid, mit uns zu rechten, kein ebenbürtiges Geschlecht! Den Schlag der deutschen Bärenpfote ihr kennt ihn, ihr Romanen, wohl, Seit Alarich, der junge Gote, das Tor zerschlug am Kapitol, Und euch, ihr Slawen und Polacken, ist deutsche Kraft bekannt seit lang, Seit dröhnend trat auf eure Nacken der Heineriche Siegergang. Nein, eh' ihr herrscht in diesen Landen, draus oft euch wilde Flucht entrollt, Sei noch einmal ein Kampf bestanden, des ewig ihr gedenken sollt: Und wimmeln zahllos eure Horden, erfüllt von tausendjährgem Neid: – Erst gilt es noch ein furchtbar Morden, eh' ihr die Herrn der Erde seid. Schon einmal ward so stolz gerungen von deutschen Helden, kühn im Tod: Ein zweiter Kampf der Nibelungen sei unsern Feinden angedroht: Prophetisch war die alte Sage und grauenhaft wird sie erfüllt, Wenn an dem letzten deutschen Tage der Schlachtruf dreier Völker brüllt. Von Blute schäumend ziehn mit Stöhnen empört die Donau und der Rhein: Es wollen brausend ihren Söhnen die deutschen Ströme Helfer sein; Auf! Schleudert Feuer in die Felder, von jedem Berg werft Glut ins Land, Entflammt die alten Eichenwälder zum ungeheuren Leichenbrand. Dann siegt der Feind: – doch mit Entsetzen, und triumphieren soll er nicht! Kämpft bis die letzte Fahn' in Fetzen, kämpft bis die letzte Klinge bricht, Kämpft bis der letzte Streich geschlagen ins letzte deutsche Herzblut rot, Und lachend, wie der grimme Hagen, springt in die Schwerter und den Tod. Wir stiegen auf in Kampfgewittern, der Heldentod ist unser Recht: Die Erde soll im Kern erzittern, wann fällt ihr tapferstes Geschlecht: Brach Etzels Haus in Glut zusammen, als er die Nibelungen zwang, So soll Europa stehn in Flammen bei der Germanen Untergang! An Napoleon III Er war ein Dämon, Welchem du nachahmst: – Bist das auch du? Er war des Weltgotts Erkorenes Rüstzeug: Jenem entsetzlichen Attila gleich, Welcher die Völker Scheu vor sich hertrieb, Scheu wie die Geißel Den zitternden Knecht. – Doch als der grimme Hunne vermeinte, Solches vollführ' er Aus eigener Kraft, Und es drehe die Erde Für ihn sich zum Spielball, – Siehe, da ließ ihn Die haltende Hand, Und die hundertsträngige Geißel zerbrach Auf dem Feld von Châlons Die germanische Faust. Und als die Zeiten Wieder im Schlamme Müßiger Feigheit Lagen versumpft, Wählte die Gottheit Ihn sich zum Schwerte, Den korsischen Mann: Ihn, der aus härtestem Erz war gegossen, Aus dunkelgewaltigem Heldenmetall. Riesengedanken Auf finsterer Stirne, Und das nimmer bezwungene Schwert in der Hand: – Also durchschritt er Den stöhnenden Weltteil, Jedes Wort eine Tat, Jeder Tritt ein Triumph. Und wie zu gottge- Sendetem Unheil Schauten zu ihm Die Völker empor: Ihn haßte der Gute, Ihm fluchte das Recht, – Doch sie zollten ihm staunend Grausende Ehrfurcht: Denn Er war gewaltig, Ein Heros der Nacht. – Doch als er für immer, Ein Henker der Freiheit, Schwang über die Häupter Der Völker den Stahl, – Siehe, da ließ ihn Die haltende Hand, Und das nimmer bezwungne Korsische Schwert – In Stücke zerbrach's Auf dem flandrischen Feld Die germanische Faust. – Er war ein Dämon, Welchem du nachahmst, – Bist das auch du? Bist du des Weltgotts Erkorenes Rüstzeug, Daß du dich solchen Erkühnens vermißt? Seh' ich die Häupter Mit Graun sich dir beugen Wie vor geahntem Rächer des Herrn? – Mit Zorn und mit Abscheu Schaut dir ins Auge Und mit heiligem Stolz Jeder wackere Mann! Wo sind die Zeichen Göttlicher Sendung? Sprich, wo des Heros Erhabene Spur? Nein, du verschmitzter Tyrann von Paris, Nächt'ger Gewalttat Tückischer Held, – Du bist kein Bote Des ewigen Gottes! – Oder ist's dennoch Himmlische Schickung? Kamst du den Meinen Zu Frommen und Heil? Darum die Gluten Heil'ger Begeist'rung, Wie rings sie entbrannt sind In Süd und in Nord? Sind sie die Feuer- Zeichen der Eintracht? Scharet mein Volk sich Um Einen Altar, Endlich den alten, Flucherblichen Hader Opfernd in Flammen Des edelsten Zorns? – O dann wird rasch Dein Geschick sich erfüllen! Heil uns, dann wandern Die Völker aufs neu'! Über die Alpen, Über das Rheintal Flutet der Deutschen Versammelter Strom: Wieder für alle Stämme der Erde Ringet und blutet Und siegt mein Volk, Übet sein altes, Sein ritterlich Amt, Vorfechter zu sein Für die Völker zumal, Vorfechter der Freiheit, Der Zucht und des Rechts: Und wiedereinmal Vor dem Tor von Paris Zertrümmert die Kette Der blut'gen Gewalt Die Rechte des Herrn: Die germanische Faust. Der faule Hanns Eine deutsche Geschichte. 1. »Pfui, schäme dich vom Kopf zur Zeh'! Mich brennt das Herz, wenn ich dich seh', Du Faulster aller Faulen! Kannst nichts als stehn und maulen! Liegt er den langen Sommertag Wohl unterm Baum am Lindenhag, Und rollt die jungen Glieder Im Rasen auf und nieder, Und will er sich erholen, Wettläuft er mit den Fohlen. Im Winter flakt er wie ein Bär Am Herdgesimse dumpf und schwer, Rührt wochenlang nicht Hand noch Fuß Und starrt von Schmutz und Kohlenruß, Sieht aus gleich einem Köhlerknecht Und ist von fürstlichem Geschlecht. Sieh deine wackern Brüder an, Wie die sich tummeln Mann für Mann: Ihr Name wird mit Ruhm genannt, Weithin durch alles deutsche Land: Am Hof, im Feld und im Turnei, – Graf Hartungs Söhne sind dabei: Mein Ralf, der kann die Harfe schlagen, Mein Erich spitze Rätsel fragen, Mein Philipp bricht das schlimmste Roß, Mein Kurt ist Meister im Geschoß, Mein Paulus wie ein Buch gelehrt, Mein Rudolf ist den Frauen wert, Wer weiß, ihn trägt geheim im Sinn Vielleicht die junge Königin, Er steigt noch hoch durch ihre Gunst: – Und du, Hanns, was ist deine Kunst? Im Sommer bei den Fohlen, Im Winter bei den Kohlen, Der Teufel soll dich holen! Und ehrt' ich deine Mutter nicht, Ich dächte gar, du schnöder Wicht, Ein Kuckuck hätte dich geheckt, Und dich dem Aar ins Nest gesteckt.« So sprach Graf Hartung von Brabant, Sein Auge blitzte zornentbrannt; Den faulen Hanns, den kümmert's nicht: Er sah ihm lachend ins Gesicht, Er war kein bißchen nicht erschrocken, Strich aus der Stirn die langen Locken Und sah den zorn'gen alten Mann Mit hellen Augen freundlich an: »Euch sind der Söhne sechs beschieden Wie Ihr sie wünscht: – so seid zufrieden! Und ist der siebte anders eben: – Gott schuf auch ihn: – so laßt ihn leben! Was Hof und Fest und Rittertum, Und Frauengunst und Heldenruhm, – Das alles find' ich herzlich dumm Und rühre keinen Finger drum. Ich hab' Gott weiß, noch nichts gesehn, Der Mühe wert, drum aufzustehn. – Gewiß, mein Vater, wüßtet Ihr, Wie sich's so wohlig träumet hier, Umspielt von Sommerwinden, Im Schatten breiter Linden, Zu dichten eine schön're Welt, Drin alles besser ist bestellt, Zu schauen, wie die Schwalben ziehn Und hoch im Blau die Wolken fliehn, Und rings in Feld und Halde weit Des Sommers milde Herrlichkeit: – – Versucht's einmal, steigt ab vom Gaul, Und legt Euch zu mir, breit und faul, Glaubt mir, ich mein' es gut mit Euch, Ich rücke, kommt, hier ans Gesträuch.« – »Ha, Faulpelz, treibst du auch noch Hohn? Wir sind nicht Vater mehr und Sohn! Auf, Knappen, bindet ihn aufs Roß, Schleppt ihn gefangen auf mein Schloß, Dort reißt ihm ab den bunten Rock, Und keilt ihn an den Eichenblock Am Brunnen bei dem Haufen Kohlen, Wo alle Knechte Wasser holen: Der Ehre rang er niemals nach, – So sei sein ewig Teil – die Schmach.« Die Knappen sprangen auf ihn zu, Doch er schwang sich empor im Nu Und warf mit seiner nackten Hand Sie alle sieben in den Sand: »Ich tue, wie mein Herr gebot, Doch, wer mich anfaßt, der ist tot. Zum Schlosse wend' ich flugs den Schritt Und rufe selbst herbei den Schmied: Ihr aber laßt mich gehn, ihr Tröpfe, Sind nicht von Eisen eure Köpfe.« 2. Und mancher Mond ging so ins Land: Der Frost der Nacht, des Mittags Brand Fiel schwer auf Hanns im offnen Hofe; Und jeder Page, jede Zofe, Die Wasser von dem Brunnen trug, Tat sich des Spotts an ihm genug. Er aber lag, verdeckt von Ruß: Die linke Hand, der rechte Fuß War an den Eichenblock gekettet, Auf Heu und Stroh war ihm gebettet. So lag er denn in Schimpf und Schmach, Kein Wort Graf Hartung zu ihm sprach: Er wandte sich, ging er vorbei, Als ob er nicht sein Vater sei. Und auch den Brüdern war geboten, Zu halten ihn als einen Toten: »Wer wagt mit ihm zu sprechen Und dies Gebot zu brechen, Verwirket all' sein Erbe, Daß er in Not verderbe.« Und Erich zuckt die Achseln nur, Und Philipp scheut des Vaters Schwur, Und Paulus wünscht ihm Reu' und Buße, Und Rudolf höhnt ob seinem Ruße, Und Kurt frohlockt: »Laßt ihn verderben, So werden sechs statt sieben erben.« Und alle folgten jener Pflicht, Nur Ralf, der Bruder Sänger, nicht; Der kam zu Hanns im Schutz der Nacht, Hielt treulich bei dem Bruder Wacht, Und hieß ihn der von dannen gehn Und auch auf seinen Vorteil sehn, Da lacht' er nur: »Mein Vorteil ist, Daß du mein lieber Bruder bist. Nimmt man mir Land und Lehensassen, Muß man dir doch den Bruder lassen. Mich schmerzt, daß sie dich so verkennen Und immer nur den Faulen nennen: Ich weiß, du bist von tiefer Art, Die ihren Wert geheim bewahrt. Gewiß, es kömmt einmal die Zeit, Da wirfst die Hülle du beiseit, Und zeigst in dir den Edelstein.« Hanns aber lachte: »Bruder, nein! Ich spiele nicht in Maskenscherzen: Die Faulheit kömmt mir ganz von Herzen! Ich sah noch nichts in meinen Tagen, Der Mühe wert, um drein zu schlagen, In einem Eisenkleid zu schwitzen, Und sich mit Fechten zu erhitzen. Du sprichst bei mir zu tauben Ohren, Gib, wie die andern, mich verloren.« Doch kam alsbald der Treue wieder Und warf sich bei dem Bruder nieder, Und rief: »Hanns, auf, jetzt folge mir! Jetzt kam der Tag der Ehre dir! Wir reiten all' in wenig Tagen, Die Dänen aus dem Land zu jagen; Der König Harald Hildetand Fiel heerend ein ins deutsche Land, Sechs Riesen schreiten vor ihm her, Der größte Riese doch ist Er; Sie tragen Keulen wie die Eichen, Die Erde dröhnt bei ihren Streichen, Noch hielt kein Heer vor ihnen Stand, Er will der Kön'gin Reich und Hand, Sonst wird – so hat er hoch geschworen – Das lange Goldhaar ihr geschoren, Ihr angetan ein Nonnenkleid, Wenn sie nicht ihn, den Riesen, freit. O denk! o denke dir Auroren, Die holde Königin, geschoren! Die schönste Maid der Christenheit, Ihr Antlitz strahlt wie Maienzeit, In ihre Haare goldenfahl Hat sich verirrt ein Sonnenstrahl! Sie, aller Helden Wunsch und Sehnen, Sie liegt jetzt Tag und Nacht in Tränen! Auf, Hanns, für so viel Lieblichkeit Zieh' mit uns allen in den Streit: Wie stark und dick die Kette sei, Drei Nächte feilen sie entzwei. Der Vater wird dir gern vergeben, Sieht er dich kühn nach Ehre streben.« »Mein Bruder, was dein Herz begehrt, Mir scheint es nicht der Mühe wert: Die Königin, – du preisest sie, Ich aber, Ralf, ich sah sie nie. Zieh aus zu Kampf und Siegen froh, Mich aber laß auf meinem Stroh.« 3. Der Graf und seine Söhn' und Mannen, Sie zogen allesamt von dannen, Nur Ralf winkt scheidend ihm vom Roß, Und Hanns blieb fast allein im Schloß. Ein Bote kam in wenig Tagen Und rief: »Macht auf, wir sind geschlagen! Zersprengt die Ritter und Vasallen, Die Städt' und Burgen sind gefallen, Graf Hartung und das Heer verschwand Vor König Harald Hildetand! – Die Riesen, schrecklich anzusehn, Vor ihnen kann kein Held bestehn! – Die Kön'gin flieht mit kleinem Troß Hieher nach ihrem letzten Schloß, Und grimmig jagt der Feind ihr nach.« Und wie er noch die Worte sprach, Erscholl vom Wald verworrner Ton: Die Kön'gin kam in Hast geflohn, Graf Hartung ritt an ihrer Seiten; Im Nachzug hob sich grimmig Streiten Und kaum stand in des Schlosses Toren Graf Hartung glücklich mit Auroren, Sah man vom Wald her auf die Wiesen Vordringen schon die sieben Riesen. Die Brüder woll'n den Rücken decken, Doch sie erliegen vor den Recken: Umsonst! daß sie mit Schwert und Speeren, Nach aller Ritterkunst, sich wehren: Kein Fechten frommt und kein Turnieren, Eichbäume kann man nicht parieren. Wie Glas die Lanze Kurts zerspringt, Aus Erichs Hand das Banner sinkt, Und Rudolfs Helm und Paulus' Schild Zertrümmert sausen ins Gefild, An Haralds Kopf bricht Philipps Schwert, Der Letzte stürzt auch Ralf vom Pferd: Sie sind besiegt und überwunden, Sie sind gefangen und gebunden, Und mit sich schleppt der Feinde Troß Sie siegfrohlockend nach dem Schloß; Da fliehn mit Schrecken von der Zinn' Graf Hartung und die Königin. Ein Donnerschlag betäubt ihr Ohr: Der Dänenkönig schlägt ans Tor Und ruft: »Macht auf, laßt mich hinein, Sonst schlag' ich alles kurz und klein. He, alter Graf, wo ist dein Schwert?« Da hebt sich Hanns sacht von der Erd' Und spricht: »Du bist ein grober Gast, Ist 's wahr, daß du's so eilig hast?« Da wandte sich die Königin Und sah mit Staunen nach ihm hin: »Was hat der Mann verbrochen, Graf, Daß ihn so schwere Buße traf?« »Ich kenn' ihn nicht, ein Bauernkind.« – »Doch adlig seine Züge sind, Es stehn ihm gut die langen Locken: Auch scheint er gar nicht sehr erschrocken, Vor diesem Feind, der alle schlug, Er hat noch immer Muts genug.« Da tat es einen lauten Schlag, Das Tor in hundert Stücken lag, Schon stand mit einem Riesenschritte Der König in des Hofes Mitte. Umsonst sprang Hartung ihm entgegen, In seiner Hand zerbrach sein Degen, Er weicht, schon blitzt des Riesen Schwert! – »Jetzt aber wird's der Mühe wert,« Rief Hanns und riß mit einem Stoß Den Block heraus, die Kette los, Gab mit der Faust ihm einen Schlag, Daß er halb tot am Boden lag: Nur noch die Hände tät er ringen, Und alle Engel hört' er singen. Die Riesen, die ihn fallen sahn, Mit Brüllen liefen sie heran. Da war der faule Hanns nicht faul: Dem ersten schlug er eins aufs Maul, Dem zweiten schlug er auf den Kopf Und auf den Bauch dem dritten Tropf; Den vierten, der sich gern empfohlen, Warf er kopfüber in die Kohlen, Den fünften aber und den letzten, Die schon zur Flucht die Beine setzten, Fing er behende bei den Schöpfen Und stieß sie weidlich mit den Köpfen, Bis sie ihn baten himmelhoch: »Laßt, lieber Herr, die Possen doch Und bringt uns lieber einfach um, Das Stoßen macht im Kopf so dumm.« Da bindet er sie alle sieben, Die Andern sehen's und zerstieben. Da sprach Graf Hartung: »Lieber Hanns, Du höchster Stolz des alten Manns, Was hast du dich so lang verstellt? Komm an mein Herz, du großer Held.« »Da sehn' ich mich schon lange hin, – Wenn ich nur nicht zu rußig bin.« Die Kön'gin sah ihn staunend an Und rief: »Hab' Dank, du treuer Mann! Graf Hartung, ei, mir war nicht kund, Auch lügen kann dein treuer Mund? Der unsre Feinde hat gefällt, Dein Sohn ist dieser junge Held? Ich hab' ihm zuerkannt sein Recht, Als er mir nichts war als ein Knecht: So werde sein mein halbes Reich.« »Nein,« rief der faule Hanns sogleich, »Es ist das schönste Land der Erd', Doch nimmer ist's der Mühe wert, Die schwere Krone drin zu tragen Und mit Regieren sich zu plagen, Ist diese schwere Bürde nicht Zugleich des Herzens schönste Pflicht. Ein halbes Reich steht mir nicht an: Ich, Kön'gin, bin ein ganzer Mann. Doch willst du Gnade mir erzeigen, So gib dich selber mir zu eigen. Ich will in allen deinen Tagen Dich treu auf diesen Händen tragen, Ich will dich führen und dich stützen, Gen alle Feinde dich beschützen, Und all' mein Lohn sei dann und wann, Daß du mir sagst: ›Dank, treuer Mann!‹ Es ist bei deines Anblicks Pracht Ein neues Leben mir erwacht: Mich drängt's, daß ich um deine Minne Die Welt im Waffenkampf gewinne, Mit Adlerflügeln hebt mein Herz Die starke Liebe himmelwärts, Und willst du, holdeste der Frauen, Dich meiner schlichten Kraft vertrauen, Mein höchstes Kleinod sollst du werden: Kein Zweiter liebt dich so auf Erden.« Er sank vor ihr ins Knie und rings In staunendem Gemurmel ging's: »Ist das der faule Hanns? O Wunder! Nichts ist unmöglich mehr jetzunder.« Da neigte sich die Königin Und sprach: »Steh auf und nimm mich hin. Dir ganz und gar gehör' ich an, Du starker, treuer, lieber Mann.« Er zog an sich die zarte Frau: Wie eine Blume, schwer von Tau, Voll süßer Scham und süßer Lust, Barg sie das Haupt an seiner Brust. – Die Brüder staunten da nicht schlecht, Nur Ralf frohlockte: »So ist's recht! Ich hab' es immer so gesagt, Als alle Welt ihn noch verklagt. Jetzt, Hörner und Trompeten frisch, Zum Krönungsmahl, zum Fest, zu Tisch!« »Geduld,« sprach Hanns, »still allesamt, Die Lust nachher, – zuvor das Amt.« Zum Dänenkönig trat er hin: »Halt diesen Tag dir recht im Sinn Und laß es nimmer dich gelüsten, Dich gegen deutsche Kraft zu brüsten. Sie ist geduldig, still und träge, Spät wird ihr Zorn und zögernd rege, Hat sie sich aber aufgerafft, – – Doch still, du kennst jetzt diese Kraft: Und deutsches Recht und deutsches Land, Sie schirmet künftig diese Hand. So, bindet ihm die Stricke los: Und jetzt, wohlauf, Trompetenstoß! Herbei, ihr Ritter und Vasallen, Laßt uns in stolzem Zuge wallen, Und bei des Sieges Jubeltönen Soll meine Königin mich krönen.« An König Max II. von Bayern Im Etschtal war's; – rings Fels und Fluß: – rings Schrecken und Gefahren: – Die deutsche Fahne schwer beschimpft von frechen Räuberscharen. – Die Not war groß –, die Hoffnung schwach, – Verzagtheit aller Enden –: Da scholl's: »An Euch ist's, Wittelsbach, die Schmach von uns zu wenden!« Und Pfalzgraf Otto säumte nicht: nie pflag er lang zu feiern, Er zog das Schwert und rief: »Wohlan, so folgt mir, meine Bayern!« Und aller deutschen Macht voran drang er mit blanker Wehre: Ein Weg war frei, den kor er kühn, das war der Weg der Ehre! Die andern zagten noch im Tal: – da war's ihm schon gelungen: Der Pfad war frei, die Schmach gerächt, der freche Feind bezwungen. – – O König Max, o hör' in Huld, wie wir in Treu' dich mahnen: Rings dräut Gefahr: auf, Wittelsbach, du sollst den Weg uns bahnen. Vor einem Engpaß stehn wir all', den Schmach und Not umtürmen: Ein Weg ist frei, der Ehre Weg: – wohlan, führ' uns zum Stürmen! Deutsches Siegeslied Und sollten sie, die stets so taten, Auch jetzt des Sieges Frucht verraten: – Der Kampf war dennoch kämpfenswert. Denn wieder einmal hat nach Jahren Mit Furcht und Schreck die Welt erfahren, Wie scharf es schlägt, das deutsche Schwert! Das war ein Sieg, nicht lau und leidig, Nein, rasch und ganz und voll und schneidig, Dran selbst der Neid nicht mäkeln mag. Das kam daher wie Wetterstürme Und brach durch Schanzen, Tor und Türme Wie Gottes Blitz und Donnerschlag. Und als, verscheucht vom letzten Riffe, Der Däne floh auf seine Schiffe, Folgt' ihm die Rache bis ins Meer Und weiter trugen schwanke Barken Des deutschen Sieges stolze Marken Als weiland Kaiser Ottos Speer. Vernehmt's, ihr deutschen Namens Hasser! Zu Lande Sieger und zu Wasser Frohlockt die deutsche Heldenschaft: Und doch ist tief dies Volk zerspalten: – Nun sagt, wer mag dawider halten, Versammelt einst es seine Kraft? Die Rosen auf dem Kirchhof zu Kissingen Wie friedlich glänzen Flur und Hügel Im warmen Herbstes-Abendstrahl! Schlug wirklich denn die schwarzen Flügel Der Bruderkrieg um dieses Tal? Und diese grünen Rebgelände, Darin die Sonne lächelnd spielt, Sah'n wirklich sie, wie deutsche Hände Nach deutschen Herzen scharf gezielt? Als jüngst ich schritt durch dies Gefilde, Da war es nicht von Rosen rot. – – Jetzt rief herbei des Herbstes Milde Ein duftig Blumenaufgebot. O habet Dank, ihr friedereichen, Die ihr die Toten sanft umschließt: Ich grüß' euch als Verheißungszeichen, Daß aus den Gräbern – Eintracht sprießt. »Mainlinie« Die raschen Schiffe gleiten Wohl hin und her den Main: Hie deutsch zu beiden Seiten: – Soll das geschieden sein? Zwei Amseln hör' ich singen Wohl links und rechts vom Main Und Ton in Ton sich schlingen: – Soll das geschieden sein? Zwei Liebste seh' ich gehen Wohl links und rechts vom Main, Ihr Gruß kann sich verstehen: – Soll da geschieden sein? Zwei Banner seh' ich fliegen, Wohl links und rechts vom Main, Vereint sie müssen siegen: – Soll das geschieden sein? Bei der Kriegserklärung Frankreichs 1. Und ob zerklüftet und zergliedert Des deutschen Volkes Herrlichkeit, So tief ist's, Welscher, nicht erniedert, Daß es dem Schlag die Wange leiht. Wohl ging uns Unglück und Betörung, Ein böser Schatte, lange nach, Doch nun genug der Selbstzerstörung, Genug des Zwistes und der Schmach! Wohl fiel dein kaiserlich Geschmeide, Germania, dir von Brust und Haupt, Wohl hat von deinem reichen Kleide Manch' edel Stück der Feind geraubt, Wohl hadern rings noch deine Söhne, Stark ist das Unrecht, schwach das Recht, Fern von des Friedens heil'ger Schöne, Schwer ringend schafft noch dies Geschlecht: – Doch hebt der Erbfeind frech die Hände Nach unsrer Brüder Wappenschild, Dann ist der Hader all' zu Ende, Der Streit im Elternhaus gestillt, Und Nord und Süd im heil'gen Grimme Vereint der Ruf der Ehre sie, Und donnernd tönt's aus Einer Stimme: »Hie deutsches Schwert und Deutschland hie.« 2. Das ist kein Krieg um die Chimäre Von Thronenglanz und Fürstenruhm: Das ist der Kampf um Deutschlands Ehre Und jedes deutsche Heiligtum. Es tritt vor seines Hauses Pforte, Das frecher Übermut bedroht, Das deutsche Volk mit zorn'gem Worte Zum Kampf auf Leben und auf Tod. Er zwingt das Schwert uns in die Hände: Wohlan, so sei's nicht mehr gesenkt, Bis sich das Schicksal ganz vollende, Dem sich der Feind entgegen drängt. Auf! Werft den Friedebrecher nieder, Daß er uns nie mehr schaden kann, Die edeln Marken nehmt ihm wieder, Die er in böser Zeit gewann. Laßt seh'n, ob nicht zum Vaterlande Das Herz des Elsaß wieder neigt, Wenn ihr ihm, statt der alten Schande, Den Spiegel deutscher Ehre zeigt. Mit Einem Zeichen nur gewinnen Das alte Reichsland werdet ihr: Pflanzt auf des freien Straßburg Zinnen Des neuen deutschen Reichs Panier! An König Ludwig II. von Bayern Das war ein Wort aus Königsmunde! Das war ein Wort aus deutschem Geist! Aus Bayerland die hohe Kunde, Wie sie ganz Deutschland mit sich reißt! »Schweig,« sprach er, »du Gezisch der Pfaffen! Verstumme, welsch Verführerwort, Auf, meine Bayern! Zu den Waffen! Zum Rhein! Wir sind die Ersten dort! Was alter Zwist und Wahn gesündet, Verflogen sei's, wie Wind und Spreu: Mit Schwertschlag sei's dem Feind verkündet: Echt ist wie Stahl die Bayerntreu'.« Das wird dir Deutschland ewig danken, Daß groß dich fand die große Zeit: Um deine Schläfe seh' ich ranken Den Lorbeer der Unsterblichkeit. An eigner Lüge wird zunichte Lob, Ruhm und Titel, die nicht wahr: Dich aber nennt die Weltgeschichte Ludwig den Deutschen immerdar. Deutsches Siegeslied Nun laßt die Siegsfanfaren schmettern Und fallet ein im Jubelchor: Denn hell aus dunkeln Schlachtenwettern Stieg Deutschlands goldner Stern empor. Der falsche Zauber brach in Stücke An unsres Speeres Eichenschaft: Dort welscher Trug und welsche Tücke, Hier deutsche Treu' und deutsche Kraft! Scharf habt den Adler ihr getroffen, Ihr Schützen meines Alpenlands, Und rasch, wie eurer Felsen Schroffen, Erklommt ihr Wall und Mauerkranz. Gefällt die Wehr', den Schuß verhalten, Drang an der Preuße siegesfroh: Sie haben ihm nicht standgehalten, Dem Bajonett von Waterloo! Nein, als sie auf der Höhen Krone Des deutschen Auges Blitz gewahrt, Da hat des Cäsars Bataillone Den Berg hinab die Flucht entschart. Jetzt nach, Ulanen und Husaren, Den Totenkopf am schwarzen Helm, Wie Wetter Gottes dreingefahren Auf Turko- und auf Zuavenschelm! Das Lager brennt, die Adler fallen, Das Mordgeschütz, stumm liegt es da, Und durch die Lüfte braust's mit Schallen: Viktoria! Viktoria! Aufbruch Daheim in Muße sollt' ich liegen, Indes die Brüder sterbend siegen? Das Traumbild stiege meiner Lieder Lebendig glorreich endlich nieder, Und bei den Büchern blieb' ich sitzen? – – Nein, bei der schönsten der Walküren! Hinein, wo Stahl und Feuer blitzen! Und darf ich nicht die Waffen führen, Gefahr und Schrecken kann ich teilen, Kann raten, trösten, helfen, heilen. Ich will, wo unsre Fahnen wallen, Sie siegen sehen – oder fallen: In dieses Schicksal riesengroß Flecht' ich des eignen Lebens Los. Saint Privat Heiß war der Augusttag: heißer doch Entbrannte das Ringen der Mordschlacht noch, Der grimmigen Schlacht, die dort geschah Auf den kahlen Hügeln von Saint Privat Und den Steilweg hinan von Sainte Marie. Untreffbar, unsichtbar liegen sie, Die Franzosen, von steinernen Mauern gedeckt, In drei Reihen von Schützengräben versteckt. Und der ragende Kirchhof mit steinernen Zinnen, – Wer will im Sturm diese Burg gewinnen, Im Lauf über schutzlos offnes Gelände Gegen geschartete Steinbauwände? – Und es schlägt halb sechs in Sainte Marie: Da! Die preußischen Trommeln, wie rasseln sie! Wie über das schweigend harrende Feld So mahnend der schrille Hornruf gellt: »Hinein in das blutige Abendrot!« »Hinein in den ehernen Schlachtentod!« Die furchtbar ernsten Töne, sie laden Zu stürmen, zu sterben drei Gardebrigaden! Das war ein Ringen todtrotzender Helden, Wie von den Burgunden die Sagen melden. Hinauf! Hinan! Die Führer zu Roß, Sie erreicht am leichtsten des Feindes Geschoß, Des ungeseh'nen, im Pulverdampf: Das ist nicht mit Menschen ein Waffenkampf: – Kaum, selten, hinter den Scharten der Mauern, Siehst du ein rotes Käppi lauern: – Nein, feuerspeinde Berge schmettern Ihre Lava in flammenden Wettern. Da kracht die Granate, es pfeifen und zischen Die Chassepotkugeln und dazwischen Der Mitrailleusen knarrender Ton! – Schwarz deckt sich mit Toten die Halde schon! Die Pappeln am Wege, wie sind sie zerfetzt! Da fällt die Fahne der Dreier! – Doch jetzt Auf rafft sie der Hauptmann mit eigner Hand! – Er stürzt! – Da faßt sie der Leutnant Und trägt sie vorwärts: »Nur drauf und dran! Wart', wenn wir sie haben Mann an Mann!« Doch weh! Was ist das? Welch' Zeichen erschallt? Um Gottes willen! Ja: das ist »Halt!« Wie? Halten? Hier halten? Auf offnem Feld? Drauf das Blei wie Hagel herniederfällt? Es stirbt sich freudig im Vorwärtsjagen, Reißt das Blut dich fort zu rasendem Wagen: Doch am Boden kauern und warten still, Ob der Tod denn noch immer nicht kommen will, – Das ist zu viel! – – – Sieh, aus Saint Privat, Was glitzert und blinkt uns entgegen da? Französische Reiter! Ei, hochwillkommen! Das ist doch ein Ziel! – Nun aufs Korn genommen Die Gäule! – Hei, kehren sie um in Eil', Die bunten Chasseurs von du Barail! – Aber was hilft's? Die Schlacht, sie steht! Und wehrlos werden wir niedergemäht! Verderben blitzet der Kirchhofturm! – Und wir liegen stille mitten im Sturm! Die Sachsen! Die Sachsen! Wo bleiben sie nur? Ihr Kronprinz hat uns sein Wort gegeben: Das löst er ein oder läßt sein Leben! Sie müssen ihn halten, den Treueschwur! Doch in Sainte Marie schlägt's halb sieben Uhr, Und kommen sie nicht oder kommen zu spät, – Der Stern Alldeutschlands hier untergeht! Dies Warten, es ist nicht länger zu tragen! Laßt auf uns springen und vorwärts jagen In den sichern Tod und das Verderben, Aber nicht hier liegen und wehrlos sterben! O Sachsen! O Sachsen! Wo bleibt ihr nur? Da! – Da kracht es herüber von Roncourt! Da stärker! Und näher! Und schon ganz nah! Gott! Dank dir im Himmel! Die Sachsen sind da! »Ja, die Sachsen sind da!« ruft der Adjutant, Der, die Zügel verhängt, Kommt herangesprengt. »Ihr Kronprinz hat mich zu euch gesandt: Sie trieben den Marschall Canrobert Aus dem brennenden Roncourt vor sich her. Sie hielten ihr Wort mit deutscher Treue! Nun, ihr preußischen Garden, zum Sturm aufs neue! Springt auf vom Boden! Die Rache ist nah' Für all' das Schlachten, das euch geschah. Zum Sturme! Zum Siege! Mit lautem Hurra Zum Sturm – mit den Sachsen! – auf Saint Privat!« Und als sie sich trafen nach grimmem Morden Die Preußen von Westen, die Sachsen von Norden Im eroberten Kirchhof von Saint Privat, – Da sind in Feuer und Blut die Sachsen Und Preußen zu Brüdern zusammengewachsen! In der Schlacht von Sedan Es kracht aus tausend Feuerschlünden: Die Erde bebt in ihren Gründen: Es jauchzt mein Herz. – Wie groß! Wie hehr! Jetzt stirb: du lebst nichts Gleiches mehr. Die Schlacht von Sedan (Dem deutschen Heere zu eigen). Endlich erreich' ich dich, Endlich ergreifst du mich, Lange gesuchte, Wochenlang durch die Nächte ersehnte, Dröhnende, heilige, Männermordende Feldschlacht. Hoch in den Lüften Die weißlichen Wölklein, – Nicht sind's des Septembers Nebelgespinste: – Siehe, sie bersten: Das sind des Feindes Todesgeschosse! Und das Getöse: – Nicht von Gewittern: – Hell ist der Himmel: Das ist der Donner, Der herrliche Schlachtruf Der deutschen Geschütze. Erjauchze, mein Herz, nun: Dein Sehnen von Kind auf, Dein Wunsch in den heißen Schmerzen des Mannes, – Alles erfüllt sich: Denn es umtoset dich Schrecklich und herrlich, Vom Heer Alldeutschlands Sieghaft geschlagen, Die heilige Schlacht! Auf und hinein! Dort, von den Höh'n des Ragenden Hügels, Muß sich das ganze Kampfesgefild den Blicken erschließen. – O Deutschland! Welch' Schauspiel! Rings mir zu Füßen, Zur Rechten, zur Linken, Da wallet und woget In schimmernden Scharen Ringend die Streitmacht Deutschlands und Frankreichs! Vor mir im Talgrund Windet der Fluß sich, Die Maas, durch die Nied'rung: Dort an den Ufern, In glitzernden Gliedern, Das sind Franzosen: Fußvolk und Reiter Und brüllend Geschütz. Und aus der Mitte Hebt sich die Feste, Mit Toren und Türmen, Mit Zinnen und Zacken Stachlig zu schauen: Ein feuerspeiender, Kauernder Wurm. Aber umher auf Waldigen Höhen Rings in dem Halbkreis Von Süden, von Osten Und fern her von Westen Die dunkelnden Massen: – Das sind die Unsern, Das sind die Deutschen! Siehe, sie stoßen Herab von den Höhen, Gleichwie ein Adler Mit rauschenden, schwarzen Schwingen und Fängen Zu würgen im Tale Den gleißenden Wurm. Da, hart mir zur Rechten, Auf rasselnden Rädern Rollt's an den Höh'nrand: »Halt! Halt, Batterie!« Das sind meine Bayern: Den Führer erkenn' ich: Oft sah ich sie ziehen Durchs friedliche Maintal: Jetzt find' ich sie wieder In tosender Schlacht. »Zielt dort auf das Dorf mir, Dort, dicht vor der Festung: Da seht ihr in Masse Geschart die Franzosen: Dort droh'n sie den Durchbruch: Doch sie dürfen nicht durch!« Und neben mir Blitz und Knall aus dem Rohre: Wie gellt mir das Ohr! »Seht nur, wir müssen sie Mächtig erzürnen: Sie richten auf uns nun Ergrimmt die Geschütze: Recht so! Da werden Dort unten die Unsern, Die wackeren Jäger, Links von der Straße Granatenfrei.« Horch, da erzischt es Sausend und schwirrend Hoch mir zu Häupten: Aber unschädlich Zerschellt das Geschoß, Dort nur die Spitze Der Tanne zerspellend. Horch, wieder! Und wieder! Das fehlte nur wenig: Deutlich den Windstoß Fühlt' ich der sausenden Schwirregewalt: Sei mir gesegnet Ob meinem Haupte, Weihender, heilender, Heiliger Hauch! – Da rechts in der Ferne, Da flammt's aus dem Flecken Flackernd empor: Rauch, Feuer und Lohe Und glühender Qualm: »Da brennet Bazeilles! Da brennet auch Balan! Dort fechten die Unsern Schwerringend seit Stunden, Bergbayern zumal.« Horch auf, was da knarret Und schnarret und rasselt! Das sind nicht Gewehre! Nie hört' ich's zuvor! »Mitrailleusen sind's, Wohl viele Batt'rien. Nun, endet das nicht?« Drei lange Minuten! Der Braven gedenkend, Erbleicht' ich mit Frösteln: Es erlag wohl da unten Der Mordmaschine Manch freudiger Schütze, Dem einst auf dem Bergpfad Im heimischen Chiemgau Die Hand ich gedrückt. Doch herab jetzt vom Hügel: Denn links nun entlodert Noch wilder und wüt'ger Die wogende Schlacht. Sieh, verstört aus der Stille Der friedlichen Dörfer Weißer Tauben Verschüchterte Schwärme! Sieh, wie sie ratlos Flattern und flüchten Von links nach rechts Weit über das Tal hin Hoch durch den Himmel! Dort, jenseit des Flusses, An steilem Gelände Aufsteigen drei Dörfer Mit steinernen Mauern: Ige und Illy Und das bergige Floing: Da wimmelt und wogt es Von roten Hosen; Sie schützen, noch uner- Schüttert, die rechte, Die westliche Flanke: Sie halten die Höh'n Und die Häuser und Höfe: Sie liegen in Gärten Und Gräben gedeckt. Da sammelt sich unten Am Fuße des Bergs Beim Schlage der Trommel Die schwärzliche Schar: Siehst du die Fahne Schwarzweiß flattern? Das sind die Preußen! Sie trommeln zum Sturm! Wie? Empor diesen Berghang? Den steinigen, steilen? Den nackten, den kahlen? Kein Baum, kein Busch! Entgegen dem tausend- Schlündigen Tode? Mir gerinnet vor Grauen In den Adern das Blut! Sie stürmen, bei Gott! G'radauf! G'radan! Entsetzen! Wie rollt das In Knattern und Rasseln! Rings Feuer und Blitze Und Pulverdampf. Gott, wie bang, wie lang! Da verzieht sich der Rauch: O Jammer und Wehe! Wie besät liegt der Berg nun, Der nackt war und leer war, Mit schwarzen Gestalten: Das sind die Gefall'nen, Die tapferen Stürmer! Wie viele! O wehe! Ich seh' sie sich winden In zuckender Qual. Und die Fahne? – Zurück? O wehe, sie weichen Den Hügel herunter! Gescheitert der Sturm! Und sieh, – o Verderben! – Aus Häusern und Höfen, Aus Gräben und Gärten Brechen verfolgend, Nacheilend, nachschießend, Die Halde herab Die Feinde hervor: In wenig Sekunden Können sie hier stehn Und durchbrochen wäre Das deutsche Heer! – – – Und zum erstenmal mir Kam der Gedanke: Wenn heute der Sieg uns Urplötzlich versagte? Dann – – doch nein! O Triumph! Sieh Wie hurtig sie hasten, Wie rasch sie da rennen, Die roten Hosen, Zurück und den Hügel Wieder hinan! Sie lösen die Glieder! Sie werfen die Waffen Weit hinweg: Umgangen, gefangen! Denn von links aus dem Walde Mit hellem Hurra, Mit mächtigem Marsch! Marsch! Mit fliegenden Fahnen Da brechen in Scharen Die Preußen hervor! Sieg! Heil euch, ihr Helden! Durch Ige und durch Illy In das flammende Floing! Schon halten sie hoch Auf dem Kamme des Hügels, Schon drohn sie Geschütze Zu fassen und Fußvolk, Gespann und Geschirre, Bevor sie entrinnen – –! Kein Ende! Welch' neues, Gewaltiges Schauspiel! Lange gezogener Reiterfanfaren Freudiger Ruf Erklinget von fern: Und herab dort vom Hügel Und aufwärts den zweiten, Wo halten die Unsern, – Welch' rasend Beginnen! – Jagen, den Rückzug Der Ihren zu retten, Französische Reiter- Geschwader heran! Treffliche, tapfre Rühmliche Reiter! Hei, glitzernder Küraß! Hei, ragende Lanzen Und bunte Husaren Und Jäger zu Pferd, Wohl fünf Regimenter. Kaum seh' ich die Preußen Im Pulverdampf. Doch horch! welche Stille! Auf wenige Schritte noch Lassen sie rasen Die Reiter heran: – – Da, Salve nach Salve! Salve nach Salve! Und niedergeschmettert, Wie Ähren vom Hagel, Wie Garben vom Schnitter, Bevor Bajonett sich Und Säbel gekreuzt, Stürzen sie nieder, Die Reiter, die Rosse, In Scharen, in Reihen, Dicht, wie sie geritten, Und abwärts den Hügel Zurück mit Entsetzen Jagt, was sich gerettet Von fünf Regimentern! Sie fielen für Frankreich! Doch Heil euch, ihr Helden! Euer soll ehrend Deutschland gedenken! Und nun unaufhaltsam Wogt das Gewirre Von Geschützen und Fußvolk, Dahinter die Reiter, Den rettenden Toren Der Festung zu. Nicht lange mehr rettend! Denn schon aus den Dächern Bricht flackernder Brand, Und in den Straßen Des Städtleins staut sich Chaotisch' Gedräng, Und die deutschen Granaten Schlagen hinein. Und fern auf den Hügeln Im Norden auch endlich Fahren, wo lang Mitrailleusen geknarret, Deutsche Geschütze Donnernd nun auf: Dort, wo die Wälder Belgiens dunkeln, Reichen sich Preußen, Reichen sich Sachsen, Allumklafternd Den Feind, die Hände: Dort bei Givonne Schließt sich der Ring: Siehe, da stürzen Die letzten Franzosen Verzweifelnd ins Tal sich, Verfolgt von dem Sturmschritt Der preußischen Garde! Jetzt ununterbrochen Rollet der Donner Von tausend Kanonen Aus allen Wäldern, Von Hügeln und Höhn: Auf allen Seiten Des Tales zugleich Blitzt es und kracht es Und dröhnet und schlägt: Wie wenn sich im felsigen Kessel des Hochlands Zwei Wetter verfingen Und unaufhörlich Gegeneinander Rollen und grollen Und Felsen und Berge Hallen es nach: – So donnert und dröhnt es Von allen Seiten: Es bebet die Erde, Es zittert die Luft: So ward er geschmiedet Mit Blitz und mit Donner, Der Schicksalsring. Es neigt sich die Sonne. Ich suche die Freunde. Dort, hoch auf dem Hügel, Der auf Frênois schaut, Da halten versammelt Viel Führer und Fürsten: – Auf scharrendem Rappen Ein hoher Greis: – Er lüftet den Helm: – Das ist der Preußen Ehrwürdiger König. Aber mir war, als Säh' ich, geformt aus Den goldenen Strahlen Der sinkenden Sonne, Ob seinem Haupte Schimmernd schweben Hochgewölbt Eine Kaiserkrone. – Und als am Abend Wir die Gespanne Der Wagen entschirrten, Dort auf des Städtleins Donchéry Markt, Fragte wohl sorgend Einer den andern: »Heute geschlagen Zwar ist der Feind: Aber ob morgen Nicht sich erneut das Verzweifelte Ringen? Ob nicht der Kaiser, Ob nicht sein Marschall Morgen von Metz her Zum Entsatze der Seinen Rächend heranrückt? Denn, wo sie weilen, Kaiser und Marschall, Keiner ja weiß es.« Horch, da erschallt von Der Brücke der Maas her Freudiges Rufen: Und auf den Marktplatz, Wo sich der Deutschen Wohl Tausende drängen, Sprenget ein Reiter, Ein roter Husar: Hält in der Linken Zügel und Mütze, Schwingt in der Rechten Ein beschriebenes Blatt, Moltkes, des Feldherrn, Tagesbefehl: »Hurra, Kameraden, Stimmt ein,« rief der Reiter: »Gefangen der Kaiser, Mac Mahon, der Marschall, Gefangen das ganze Französische Heer!« Da stieg in die Lüfte Ein Jubeln, ein Jauchzen, Wie ich es nimmer Gehört noch geahnt: Mancher umarmte Mit Tränen den Nächsten. Ich aber drückte, Schweigend und schauernd, Fest auf das pochende Herz die Hand mir Und ich dachte: »Nun magst getrosten Mutes du sterben, Da du geschaut hast Diesen Schlachttag, Da du erlebt hast Diese Stunde. Heil, mein Deutschland.« Heil dem Kaiser! Macte Imperator! Macte senex Imperator, Barbablanca, triumphator, Qui vicisti Galliam Et coronae Germanorum Post viduvium saeculorum Reddidisti gloriam Heil dir, greiser Imperator, Barbablanca, Triumphator, Der du Frankreich niederzwangst Und der Krone der Germanen, Witwe längst des Ruhms der Ahnen, Glanz und Schimmer neu errangst! Petulanter lacessitus Justo clypeo munitus Heribannum excitas: Ecce surgunt quotquot gentes Oras incolunt stridentes Alpes usque niveas. Frech vom Übermut beleidigt, Mit dem Schild des Rechts verteidigt, Rufst den Heerbann du ins Feld: Sieh, da greift vom Fels zum Meere Klirrend alles Volk zur Wehre, Eine deutsche Waffenwelt. Primus vocat Bajuvaros, Venatores teli gnaros, Pulcher rex et juvenis: Memor foederis recentis Et honoris priscae gentis Et Germani sanguinis. Du zuerst riefst deine Scharen, Flinke Jäger, schußerfahren, Bayernfürst voll Jugendschwung: Treu dem neuen Bund und alten Folgt dein deutsches Herz dem Walten Edelster Begeisterung. Nec recusat Philalethes, Semper fidei athletes, Verae causae Saxones: Jugo Dani liberati Solvunt debita Holsati, Angli et Frisiones. Der in Treue grau gewachsen, Schickt, »der Wahrheit Freund«, die Sachsen Gern zum Streit mit Lügenquark: Und mit ihrem Blute wollen Dank die wackern Holsten zollen, Daß sie los von Dänemark. Mittit Rhenum custodientes Equos suos hinnientes Acris Alamannia, Et laurifera vexilla Vibrat propulsatrix illa Aquilina Prussia! Aus des Schwarzwalds dunklen Tannen Braust das Roß des Alamannen Rasch zur Wacht am Rhein dahin, Und voran auf unsern Bahnen Rauschen, lorbeerschwer, die Fahnen Prussias, der Adlerin. Quas diviserant spoliandas Ante pugnam et praedandas Ripas sancti fluminis, – Nemo hostium conspexit Nisi qui captivus flexit Poplites in vinculis. Wie sie doch zu plündern eilten, Vor dem Kampf den Raub schon teilten, Unsres heil'gen Stroms Gestad': Doch es sah ihn kein Franzose, Der nicht, fluchend seinem Lose, Ein Gefangner, ihn betrat. Perpugnaces, perfallaces, Superbissimos, mendaces Quantis pugnis fudimus, Quo per castra Montalbana Tot portenta Turcicana Princeps stravit regius! Volk der Kriegslust, Volk des Trügens, Volk des Hochmuts und des Lügens, Wie oft schlugen wir dich schon, Seit die schwarzen Mordgesellen Hingemäht dort auf den Wällen Weißenburgs der Königssohn! Campum taceo Woerthensem, Montem altum Spicherensem, Et, qua nihil clarius, Imperruptam obsidionem Qua Bazenum, ut falconem, Longa fame fregimus. Sei von all' den stolzen Siegen, Wörth und Spichern selbst, geschwiegen Und, was Frankreichs Arm gelähmt, Wie Bazaine und Metz geendigt, Die durch Hunger wir gebändigt, Wie man wilde Falken zähmt. At me praedico felicem, Qui testatus sim ultricem Prope Belgas aciem: Arctum atque arctiorem Circulum fulminatorem Includentem Caesarem! Doch mich darf ich glücklich preisen, Der gefügt aus Blitz und Eisen Dort bei Sedan sah den Ring, Der in immer engrem Bogen, Wie von Schicksalshand gezogen, Marschall, Heer und Kaiser fing. Aquilas ereptas multas, Fractas vidi catapultas Collem per Sedanicum, Turmas equitum prostratas, Portas castri concrematas Et Tyrannum deditum! Sah entschart die Bataillone, Sah, wie Adler und Kanone Schwert und Bajonett gewann: Hingestreckt die Stahlgeschwader, Schußgesprengt der Feste Quader, Und gefangen der Tyrann! Dolo filias surreptas Salutamus vi receptas Reduces in laribus: Regum veterum palatia, Lotharingia, Alsatia: – Decor redit pristinus! Töchter, einst uns schnöd' entrissen, Grüß' euch Gott nach schwerem Missen An der Väter Heimatherd: Erwins Elsaß, Lotharingen, Kann euch nicht zum Herzen dringen Deutsches Wort und deutscher Wert? Quantas urbes, quot castella Mosa munit ac Mosella, Sequana cum Ligeri: Omnes cepit forte pectus, Taciturni intellectus Atque chalybs Kruppii. Wieviel Burgen und Kastelle Schirmt der Maas, der Mosel Welle, Loire und Seine deckt zumal, – Jede Schanze brach und Schranke, Großer Schweiger, dein Gedanke, Deutscher Mut und Kruppscher Stahl. Petunt mare – Goeben turget: Scandunt alpes – Werder urget: Undique periculum: Perque montes perque valles Terror sequitur per calles Et Ulani spiculum! Fleucht zur Küste – Göben drängt euch, Kreucht in Klüfte – Werder zwängt euch; Not und Tod dräut rings umher, Und euch folgt durch Tal und Hügel, Und euch jagt mit schwarzem Flügel Schreck und des Ulanen Speer. Et quae probra tot jactabat, Tot triumphos enarrabat, Delirans superbia, – Panem petens a victore, Pacem a debellatore Cecidit Lutetia. Und die Sieg auf Sieg gelogen, Lasterprahlend, lustverzogen, Äffin halb, halb Tigerin – Gnade flehend von dem Sieger, Brot vom schlichtsten deutschen Krieger, Sank Paris, die stolze, hin. Qui coronae Germanorum Post viduvium saeculorum Reddidisti gloriam, – Macte senex triumphator Barbablanca, Imperator, Qui salvasti patriam! Der der Krone der Germanen, Witwe lang des Ruhms der Ahnen, Du erkämpft hast neuen Glanz: Heil dir greiser Imperator, Barbablanca, Triumphator, Retter du des Vaterlands. Gegen Rom Bezwungen lag die Welt: in eh'rnen Banden Vom Piktenwall bis an des Indus Strand: Des Imperators Siegesadler fanden Für neue Flüge fast nicht Luft noch Land: Da, aus den dunklen Wäldern unsrer Ahnen, Kraftbrausend, brach hervor der Völker Strom: »Die Freiheit gilt's! auf, freudige Germanen, Schart Stamm zu Stamm, und vorwärts: gegen Rom!« – Und Rom erlag: – frei ward die Welt, gerettet Durch deutsche Kraft. – – Doch bald, mit Lug und Trug, Mit neuen Banden, fester noch gekettet, Ein neues Rom den Geist in Fesseln schlug: Da zündete der Mann aus Sachsenstamme Das Feuer vor dem Wittenberger Dom Und warf des Papstes Bannbrief in die Flamme Und laut durch Deutschland scholl's: »Auf, wider Rom!« – Und Rom erlag. – – Und nun, da wir vollbrachten, Was nie an Heldenschaft geschaut die Welt, Da jauchzend wir in zwanzig Siegesschlachten Das stolze Frankreich in den Staub gefällt: Da endlich wir der Stämme langes Hadern, Der Fürsten Neid in Jubelruf erstickt, Da unser Reich, gefügt auf blut'ge Quadern, Mit freud'gen Zinnen nach den Sternen blickt: – – Nun will der Pfaff im neuen Bau uns meistern, Schickt Fluch und Zwietracht uns vom Tiberstrom? Wohl, laßt den alten Schlachtruf euch begeistern: »Zum Kampf, zum letzten Kampf, auf! gegen Rom!« An die Deutschen Senket von Sedan die Siegesfahnen, Senket die Häupter in Scham, Germanen! »Treue der Deutschen«: – ein Wort der Schande! Unsere Schmach schreit über die Lande! Nimmer des Lorbeers, des Ölbaums Reiser Schirmen das teuere Haupt dem Kaiser! Heilig dem Fremden dies Angesicht: – Aber dem Wahn der Deutschen nicht! – Giftige Fäulnis ergriff dies Geschlecht: Aber gedenkt, daß der Jugend Recht, Daß es die Zukunft zu retten gilt! Hoch erhebet des Rechtes Schild: Schlagt mit dem Schwert des Kaisers daran – In der Scheide nur trug es der mildeste Mann! –: Dröhnend und drohend über das Reich Schalle der eherne, warnende Streich: Frevler zu schrecken, Säum'ge zu wecken, Alle zu mahnen, den Kaiser zu decken! Wahrlich, ihr deckt mit dem Kaiser zugleich Nicht nur die Ehre, den Ruhm und das Reich – Alles, was heilig und edel und teuer: Bildung und Zucht und des Herdes Feuer! Laßt, ihr verblendeten Brüder, das Zanken! Fühlt ihr den Boden des Hauses nicht wanken? Tretet sie aus, die aufzüngelnden Flammen: – Krachend sonst brechen die Balken zusammen. Deutscher Sang Dem deutschen Volk hat Gott gegeben Ein Harfenspiel von reichstem Klang, Daß Ruh'n und Ringen, Tod und Leben Uns weihend schmücke der Gesang. So singe denn, du deutsche Jugend, Von allem, was das Herz dir schwellt: Von Frauenschöne, Mannestugend, Von freud'ger Herrlichkeit der Welt: Von wahrer Liebe ew'ger Dauer, Von echter Freundschaft Gold und Erz, Von frommer Ahnung heil'gem Schauer, Von ew'gen Sehnens Glück und Schmerz: Von Frühlingsglanz, von Waldeswonne, Von Wanderlust Land aus, Land ein, Und von dem Lieblingssohn der Sonne, – Vergeßt ihn nicht! – vom goldnen Wein. Ja, singt von allem Hohen, Schönen! – Doch Eines Sanges pflegt zumeist, Begeisternd, brausend soll er tönen: Der Sang vom deutschen Heldengeist! Das Lied von Mannespflicht und Ehre, Von Treue, die kein Schrecken zwingt, Die jauchzend in der Feinde Speere, Im Tod den Sieg erkämpfend, springt! Nur wer da sterben will wie leben Für dieses Lied, dem keines gleich, – Nur der ist wert es anzuheben, Das Lied vom Kaiser und vom Reich! Der Schulverein »Der Schulverein, der Schulverein!« Was Wort ist fein gefunden: Wir alle wollen Schüler sein, Zu einer Schul' verbunden. Die Schule heißt: das Vaterland, Das große, teure, ganze: Das Vaterland vom Bernsteinstrand Bis zu der Gletscher Glanze, Und von der Adria Gebraus Bis an des Nordlands Thule: Wir lernen nun und nimmer aus In dieser großen Schule! Wie Gold- und Erzklang nah und weit Erklingt seit grauen Tagen Der deutschen Sprache Herrlichkeit Und ist nicht auszusagen! Das deutsche Volkstum ist ein Hort Von Gold und Erz und Eisen; Er wird sich: – schöpft nur fort und fort! – Als unausschöpfbar weisen. Wir alle wollen Schüler sein, Die Jungen und die Alten, Doch was wir lernten, groß und klein, Nicht stumm für uns behalten: Nein! Was wir lernten, lehren wir, Wir schöpfen, um zu spenden: Die heil'ge Aussaat mehren wir Mit nimmermüden Händen! Und wer vergäße solcher Pflicht, Der sei verfemt im Lande, Der Deutsche, der kein Deutscher nicht – –, Des Name sei die Schande! An unsrer Treue bricht die Flut Rings feindlicher Umtosung: »Sein Volk des Mannes höchstes Gut!« Ist unsre stolze Losung! – – Die Deutschen im Auslande Ihr Deutschen unter fremden Sternen, In meergeschiedenen weiten Fernen, Ihr sollt die Sprache nie verlernen. Die wohllautreiche, starke, milde, Die schönheitvollen Klanggebilde, Die in des alten Lands Gefilde Dereinst zu euch die Mutter sprach; In euren Herzen tönt sie nach: – Wer sie vergißt – dem Weh und Schmach! – Die Sprache Shakespeares trägt der Britte – Ich lob' ihn drum! – wie seine Sitte Getreu in fremder Lande Mitte: Und Schiller soll vergessen sein? – Ihr deutschen Männer rufet: »Nein!« Ihr deutschen Frauen, stimmet ein, Und eure Mädchen soll'n und Knaben Als köstlichste von allen Gaben Das Kleinod deutscher Sprache haben! Lied der Deutschen jenseit der Meere Noch ist die Welt nicht ganz verteilt! Noch manche Flur auf Erden Harrt gleich der Braut: die Hochzeit eilt: Des Starken will sie werden. Noch manches Eiland lockt und lauscht Aus Palmen und Bananen: Der Seewind braust, die Woge rauscht, Auf! freudige Germanen! Aufs Meer, du Volk des Heldentums, Und such' auf blauen Bahnen Das Wundereiland alten Ruhms: Das Win-Land deiner Ahnen. Dem Wicking war zu schroff kein Riff, Zu schäumig keine Brandung: Kraft stieß hindurch das Drachenschiff Und Mut erzwang die Landung. Zur Friedensarbeit ziehn wir aus, Zu bauen, nicht zu fechten, Doch blitzend schützt uns Schiff und Haus Das Schwert in unsrer Rechten! Und daß wir in der neuen Welt Dem alten Reiche leben, Des soll, unscheidbar uns gesellt Ein Banner Zeugnis geben: Pflanzt auf dies rauschende Panier In jedes Neulands Brache: Wohin wir wandern tragen wir Mit uns die deutsche Sprache. Für unsre Sprache Noch wahrer als der Blick des Auges kündet Des Menschen Eigenart der Stimme Klang. Es kann das Auge täuschen, nicht die Stimme! Sie drückt den tiefsten Kern des Wesens aus, Und Volkes Stimme, – das ist Volkes Sprache. Sie kündet wahrer, unverfälschlicher Als Aug' und Haar und Antlitz und Gestalt Des Volkes Seele. – Weh darum dem Volk, Das seiner Sprache Heiligtum nicht ehrt Und liebt und schützt und pflegt mit frommer Treue. Kein Splitter unsers Volkstums ist verloren, Kein Haus und keine Hütte noch so fern, Darin noch deutsch das Vaterunser tönt. So schützt die deutsche Sprache überall, Ihr schützt damit zugleich die eigne Seele. Die Sprache zieht mit uns im Schritt der Heere Sie schwebt mit uns im Schiff durchs blaue Meer Und baut, wo immer ihre Schöne klingt, Uns sieghaft eine neue deutsche Welt. An Deutsch-Österreich Auf, mein Deutsch-Österreich, Rüste walkürengleich Helm, Schild und Speer. Wie an des Rheines Strand Glorreich die Wache stand, So für dein Donauland Schwinge die Wehr! Treu deinem Kaiserhaus Breite die Schwingen aus, Zweiköpf'ger Aar. Was dir die Stärke schafft, Was dich macht adlerhaft, Das ist die deutsche Kraft, Frei, kühn und wahr! Du hast jahrhundertlang Türken- und Slawendrang Sieghaft entschart. Was du mit Heldenmut, Was du mit edlem Blut Schufest zu deutschem Gut, Halt' es bewahrt! Ob dich, Deutsch-Österreich, Rudeln von Wölfen gleich, Feind auch umkreist, – Vorwärts! durch Wolken dicht Strahlend die Sonne bricht, Sieg gibt die Menge nicht: Sieg gibt der Geist! Und nicht in Einsamkeit Kämpfst du den harten Streit; – Treu dir gesellt, Schild an Schild, Tritt an Tritt Streitet dein Deutschland mit: Schwestern, – im Siegesschritt Stürmt ihr die Welt! Bei Bechlarn Walddunkle Donauberge Schaun träumend in das Land; Hier rud're sacht, mein Ferge, Der Ort hält mich gebannt. Hier ragt ein Horst von Aaren, Der Ostmark alte Wehr: Die gute Bechelaren Des edlen Rüdiger. Mir ist, durch ihre Rüstern Und alten Eichen dort Rauscht trauervolles Flüstern, Wie Nibelungenwort. Das klagt: »O Zeit des Ruhmes, O Sieg im Völkerstreit, O Zeit des Heldentumes, Wie bist du weit, – wie weit! Da war zu stolz, zu weichen Mein Volk der Überzahl: Hell von Germanenstreichen Scholl König Etzels Saal! Wie scheuchte doch in Scharen Oft meiner Söhne Speer Der Hunnen und Awaren Raubgierig-wimmelnd Heer! Und – mußten sie erliegen – Ruhmvoller war ihr Fall, Als ihrer Feinde Siegen: – – Wohin, wohin das all'? Wir alten Donauberge Stehn trauerschwer und bang: Wir schaun den Sieg der Zwerge: – Wie lange noch – wie lang?« Allen Deutschen Das Blut, der Stamm dem Manne flicht Das heiligste der Bande: Der Deutsche, der kein Deutscher nicht, – Des Name sei die Schande! Vom deutschen Lied Das wie mit Odhins Wunderwaffen In raschen Schlägen, schlachtbewährt, Uns ruhmvoll hat das Reich geschaffen, – Wir preisen's hoch: das deutsche Schwert, Und das im Frieden leise webte Der Treue Band um Süd und Nord, Mit Einem Geist uns all belebte – Vergeßt es nicht: das deutsche Wort. Doch das in langen, bangen Tagen, Da jede Hoffnung deuchte tot, Den Ruhm aus unsrer Vorzeit Sagen Als Trank der Auferweckung bot, Das nie verstummte, nie verzagte, Das zürnte, weckte, mahnte, riet, Dem Fremdherrnzwang zu trotzen wagte: – Das war das kühne, deutsche Lied. Und als zum Schutz des Rheins die Scharen Auszogen, zog es treulich mit Und – nach dem Kampf – Triumphfanfaren Anhob es zu der Sieger Schritt. Und segnend soll, bis Zank und Streiten Versöhnt aus unsrem Volke schied, Beschwichtend soll die Schwingen breiten Ob unserm Reich das deutsche Lied! Zum 700jährigen Regierungsjubiläum des Hauses Wittelsbach (An König Ludwig II.) Wo sich des Etschtals Schroffen türmen, Da hat in todeskühnem Stürmen Zuerst sich Wittelsbach bewährt: Voran, voran dem ganzen Heere Für deutsches Recht und deutsche Ehre Brach Bahn das scharfe Bayernschwert. Und an der raschen Isar Hängen Der Bildkunst schuf und den Gesängen Haus Wittelsbach ein prachtvoll Heim: In Alpenerde ließ es senken Hellenenkunst und deutsches Denken Und – München sproßte aus dem Keim. Und wölbt ob allen deutschen Stämmen, Gefügt auf blutgeweihten Dämmen, Nunmehr das Deutsche Reich sein Dach, – Vor allem brachte Schutz dem Rheine, Vor allem zu dem Bau die Steine, Der König Ludwig Wittelsbach! – Das Hohenzollernbuch 1 Dies Buch will wandern in die deutschen Häuser! Ein Stück des deutschen Hausrats will es werden, Doch nicht im Prunksaal stehn bei anderm Prunk, – Nein, auf dem Tisch, darum allabendlich Der Lampe Schein die Eltern und die Kinder Versammelt nach vollbrachtem Tagewerk, – Dort will es ruhn, vertraulich, handgerecht. – Aufschlagen soll's der Vater hie und da Und soll daraus den trotzgemuten Knaben, Den blondgezöpften Mädchen kurz und schlicht Berichten von den Freuden und den Leiden Des Hauses Hohenzollern; Wie sie, entsproßt dem Stamm der Alamannen, Bei ihrem Flug vom Schwabenland zur See Auf Nürnbergs Feste kurz den Fittich ruhten, Bis immer weiter sie der Adlerschwung Bis an das Bernsteinhaff nach Osten trug. Und wie zuletzt, zurück zum Süden greifend, Sie alle deutschen Stämme fest vereint, Vereint im Glanz der kaiserlichen Krone, Die ihnen dort auf Sedans Hügelrund Der Gott des Siegs geschmiedet in der Schlacht! – Doch nicht von Siegen und von Freuden nur, Von böser Zeit auch meldet dieses Buch: Ja, auch dem Schmerz gebühret sein Gedenktag. Er mahnt uns erst, wie selbst verschuldet Unheil Am schwersten drückt: jedoch er lehrt uns auch, Wie aus dem Abgrund Mannesmut sich hebt Am starken, treuen Eichenstab der Pflicht, Er lehrt, wie Arbeit, unermüdbar zäh, Aus jenem kargen, vielgeschmähten Nordland, Dem Sand der Mark, den Sümpfen von Masuren Dies Preußen schuf, dem als dem Schild des Friedens Jetzt ganz Europa dankt. – Das tat die Zucht, Das tat die harte Zucht der Hohenzollern, Die strenge Zucht der Arbeit und der Pflicht: Der Arbeit mit dem Pflug und mit dem Schwert, Der Pflicht wie auf der Schulbank, auf dem Schlachtfeld: Sie hielt in Preußen Fürst und Volk vereint Und Glück wie Unglück teilten sie getreu. Jedoch dies Buch ist nicht ein totes Buch, Nicht abgeschlossen ist's und abgetan: Es lebt! Es wird noch stets daran geschrieben, So lang am Stamm des Kaiserhauses noch Ein Reis nur grünt, nur Eine Wurzel treibt. Allein nicht die Gelehrten setzen's fort! In jedem Haus führ' es der Vater selbst: Raum findet hier noch mancherlei Gedenktag! – Und wie die Glocke Freud und Leid verkündet, Den Sieg, den Brand, die Hochzeit und den Tod, So soll dies Buch ein stummes Zeugnis geben Von Lust und Leid im Haus der Hohenzollern Und, so vererbt vom Vater auf den Sohn, Soll's lehren von Geschlechte zu Geschlecht, Wie Glück und Schmerz des Kaiserhauses eins Mit Glück und Schmerz sind dieses deutschen Volks. Fußnoten 1 »Hohenzollernsche Hauschronik.« (Berlin, 1889.) Fehrbellin Die bittre Not von dreißig schweren Jahren Fand längst ihr Ende zwar: jedoch der Friede, Der diesen Krieg beschließt, ist hart und bitter, Fast wie der Krieg war: reich an Schmach und Landraub! Der Fremde reißt an sich altdeutsche Marken. Heil dir, du brandenburgisch Schwert! – Hell blitztest Du auf bei Fehrbellin und du gewannst Nach langer Zeit den ersten deutschen Sieg. Regierungsantritt Friedrichs des Großen Der strenge, kluge Vater hat gespart, Gedrillt mit harter Hand in strenger Zucht, Kopfschüttelnd ob dem andersart'gen Sohn. Ja, Falk, dir wuchs ein Adler in dem Horst! Bald fliegt er sonnenwärts, der junge Aar, Und zeigen wird sich der erstaunten Welt, Was auf des Vaters müheschwerem Grundwerk Der Genius Friedrichs Großes bauen kann. Roßbach Nur ernsten Tons gedenkt der Deutsche sonst, Der Schlacht, der männermordenden: jedoch Ein leises Lächeln spielt um seinen Mund Beim Namen »Roßbach«. Ei, welch' lust'ger Klang! Wie sausen die Husaren durch das Feld! Ist's eine Schlacht? Ist's nur ein Pferderennen? Welch' bunte Beute sandte her Paris! Der Gott Humor hat diesen Sieg gewonnen! Leuthen Welch' blutig Ringen um den Zettelbusch! Es steht die Schlacht, das grimm'ge Dorfgefecht! Hier blitzt das Bajonett, hier schneiden pfeifend Husarensäbel durch die graue Luft Und dumpf erkracht der Donner der Kartaunen. Jetzt, schräge Schlachtordnung, bewähre dich! Ja, sie bewährt sich! Wie durch Nacht der Morgen Bricht sieghaft durch die dräuende Gefahr, Dein Feldherrngeist, o Friedrich, und dein Stern! Kaiser Wilhelm I. geboren Schwül war die Zeit und dunkel, – lang erloschen Das Auge Friedrichs, das, ein heller Stern, Lang über seinem Preußen Wacht gehalten: – Vom Westen Wetterleuchten, drohend, grell –: Da ward, Frau Königin Luise, dir Ein Sohn geboren: – – Dulderin, getrost: Er wird dich rächen! Zweimal wird er einziehn Als Sieger in Paris. – Und »Kaiser« wird er heißen! – Aufruf der Königin Augusta Es brach das Herz der edeln Dulderin! Nicht sah Luise noch das Morgenrot, Das flammend aufstieg dort in Preußens Ostmark. Jedoch ihr Geist lebt in den Frauen fort Des Hohenzollernhauses: Heil Augusta! Sie mahnte laut: »Das Vaterland erwartet, Daß alle Frau'n bereit sind, ihre Pflicht Zu tun!« – Und wie ihr Wort, so war ihr Werk. Aufruf zur Bildung der Freiwilligenkorps Wie Hörnerschall, wie schmetternde Fanfaren Zum Reiterangriff ladender Trompeten Ertönt der Ruf: »Freiwillige, hervor!« Das Maß ist voll! Ein Gottesurteil hat, Ein Eis- und Schneeordal, auf Rußlands Feldern Gerichtet den Tyrannen: er erlag! Es fällt die Zwingherrschaft, die Welt wird frei! Voran, ihr Preußen: Euer ist der Vorstritt! Leipzig Seit grauer Vorzeit wurde hier gekämpft; Doch niemals stand ein köstlicheres Gut Auf Schwertesspitze hier, als an dem Tag, Da Preußen, Österreich und Rußland kämpften, Drei, Adler mit dem ungeheuern Geier, Der seine Schwingen über ganz Europa, Von Polen bis nach Spanien hielt gespannt: Die Adler siegten und der Geier floh. – Dombaufest in Köln Und wieder tönt der Glocken Feierklang Durch preußisch Land: er schwebet und er schwinget Leis auf der Flut des alten Rheins dahin: Nicht Siegesläuten ist's: ein heilig Werk Verkündet er dem heil'gen Köln: den Dom, Den großer Ahnen großer Sinn begonnen, Und den ein klein Geschlecht verzagend aufgab, – Ihn bauen würdigere Enkel aus! Düppel Und wieder ist's in Preußen trübe Zeit: Es hadern Fürst und Volk um Recht und Unrecht Und unterdessen spotten über beide Und über Deutschlands Ohnmacht schlimme Nachbarn: Das deutsche Schwert, – es gilt als eingerostet. Horch auf: da kracht's bei Düppel! Schuß auf Schuß! Ein neuer Tag der Weltgeschichte stieg, In Pulverdampf gehüllt, gewaltig auf. Sedan Es wälzet blut'ge Wellen hin die Maas, Es krachen tausend Feuerschlünde von Den Höhn herab zu Tal! Jetzt auch im Norden! Dort bei Givonne! – Geschlossen ist der Ring: Hie Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberger! Ein Führer und Ein Wille und Ein Sieg! Es sinkt der Tag. – Aus Sonnengold gewölbt, Welch' strahlend Bild! 's ist eine Kaiserkrone! Verkündung des Kaisernamens zu Versailles Hell klang die Glocke in der alten Stadt Am Pregel über niedre Dächer hin, Als sich zuerst das schlichte Preußen setzte Den Königsnamen – krongleich – auf die Stirn: Doch heller klang die Glocke zu Versailles Und herrlicher, als alle deutschen Fürsten Im Spiegelsaal des »Königs Sonne« Wilhelm, Den Sohn Luisens, nannten ihren Kaiser. An Kaiser Wilhelm I »Niemals« – hast du gesagt – »werd' ich von Bismarck lassen!« Ja, wahre Größe kann auch andrer Größe fassen Und daß du neidlos hast des andern Ruhm ertragen, – Gerührt dankt dir's dein Volk in allen künft'gen Tagen. An Kaiser Wilhelm I Nicht wie ein Herrscher unsrer Tage Steht Kaiser Wilhelm in der Welt: Nein, wie ein Bild der alten Sage: Ein Friedens- wie ein Schlachtenheld! Ihm gab der Schiedwalt des Gefechtes, Gott Odhin selbst, das Zauberschwert, Das, wenn gezückt zum Schutz des Rechtes, Nie sieglos in die Scheide kehrt. Doch nach dem Kampf streut er den Segen Des Friedens aus der milden Hand Und schirmt mit ehrnen Schildgehegen Die Marken dem bedrohten Land. Nicht Lorbeer nur und Laub der Eichen Schmückt dieses Greises Schwert und Thron: Wie Efeuflüstern hör' ich streichen Um ihn die Heldensage schon. Wohl hat gar oft den heil'gen Namen Des »Vaters« Schmeichelwort entweiht, Damit gefüllt den Flitterrahmen Verdienstebarer Fürstlichkeit: – Doch unsrer Wohlfahrt weisen Rater, Den Herzog deutscher Waffenfahrt: – Ein dankbar Volk nennt seinen Vater Dich, Kaiser Wilhelm Silberbart! Vale Imperator! Vale, senex Imperator, Barbablanca, triumphator, Reddidisti gloriam Qui coronae Germanorum Post viduvium saeculorum Et creasti patriam! Lebe wohl nun, Imperator, Barbablanca, Triumphator, Der da frischen Lorbeer wand Um die Krone der Germanen, Witwe längst des Ruhms der Ahnen, Und uns schuf ein Vaterland! – Quoniam diu non sensere, Ferrugatum putavere Germanorum gladium: Ecce quam stupebant, spretum Cum tu corruscares fretum Spumans per Alsenicum! Weil sie's lang nicht mehr gekostet, Galt das deutsche Schwert verrostet, In das Spinnwebeck gestellt: Hei, wie hell es plötzlich blitzte, Dort, wo Alsens Schaumflut spritzte, Durch die überraschte Welt! Petulanter lacessitus Iusto clypeo munitus Heeribannum excitas: Ecce surgunt quotquot gentes Oras incolunt stridentes Alpes usque niveas. Dann, vom Übermut beleidigt, Mit dem Schild des Rechts verteidigt, Riefst den Heerbann du ins Feld: Sieh, da griff vom Fels zum Meere Klirrend alles Volk zur Wehre, – Eine deutsche Waffenwelt. Et fiebat opus Martis Quasi pulchrum opus artis, Quo triumphat Nemesis, Cum coronam Germanorum Tu in »oeco speculorum« Induis Versaliis. Und es ward die Weltgeschichte Wie zum Kunstwerk, zum Gedichte, Wo die Nemesis versöhnt, Als Versailles vor Ludwigs Throne Mit des Deutschen Reiches Krone Sah Luisens Sohn gekrönt. Ante te occubuerunt Strenue qui succurrerunt Tibi, sicut pacti lex: Principes Obodritarum, Saxonum et – quam amarum! – Ludovich, dolorum rex – Mancher von den Kampfgenossen, Die dir, Schild an Schild geschlossen, Damals folgten ohne Wank, Sank zu Grab vor dir, dem Greise: Mecklenburg – Johann der Weise – König Ludwig – wehekrank! Sed non satis praedicaris Tubis bellicis perclaris: Haec est summa gloria: Nunquam homines sprevisti, Quamvis vulnera sensisti Tela per sicarica. Aber nicht in Heerhornweisen Ist dein bestes Lob zu preisen: Das ist höchstes Ruhmeswort, Daß mit väterlichem Lieben Treu du deinem Volk geblieben, Trotz dem Undank, trotz dem Mord. Senem, quem coronae tantum Aurum non ornavit, quantum Capitis canities, – Homicida hunc petivit! Qua vindicta ultum ivit? Adoptavit pauperes! Diesen Greis, dem auf dem Throne Schöner als die goldne Krone Stand des Weißhaars Silberband, Traf der Mordschuß! – Und zur Rache Schloß er sich ins Herz die Sache Aller Darbenden im Land! – Huic heroi, qui Gallorum Equitum cataphractorum Fractas turmas perculit, Pacis orbis custoditae Et foederibus munitae Mundus grates obtulit. Und der Held in jeder Ader, Der die stolzen Stahlgeschwader Frankreichs in den Staub gefällt, Ihn, den nie besiegten Fechter, – Als des Friedens Hort und Wächter Pries ihn dankentzückt die Welt. Macte voti compos factus! Non pugnare est coactus Post triumphum Gallicum. In vagina, non nudatum, Deponamus laureatum Gladium Sedanicum. Heil ihm! denn ihm ward bescheret, Was so innig er begehret: Niemals mußt' er kämpfen mehr! Eingescheidet können legen Auf den Sarg wir ihm den Degen, Noch vom Lorbeer Sedans schwer! Plangunt hodie Ingvaeones, Istvaeones, Herminones, Thule electrifera Mainau et Amisiae fontes, Plangunt in Gasteina montes, Saxa rupicaprica. Ach nun trauern die Millionen, Die vom Fels zum Meere wohnen: Von Alt-Thules Bernsteinstrand Bis zu dem Gasteiner Berge, Und es klagt der Mainau Ferge Und der Schütz der Gemsenwand. Zugspitz plangit Bavarorum, Ubi terra Germanorum Proxima sideribus, Plangunt barbaris vicini Arenarum inquilini, Alluit quas Guttalus. Wo die höchste deutsche Hütte An der Zugspitz Felsgeschütte Einsam, nah den Sternen, ragt, Wo vom Haff das Fischersegel Trachtet nach dem breiten Pregel, – Trauernd steht das Volk und klagt! Immo plangit infra palmas Latifolias et almas Africum tugurium, Postquam nuntius invitus Navigaverit contritus Mare per caeruleum. Ja, wo jenseit blauer Meere Eine deutsche Hofeswehre Träumend unter Palmen liegt, Wird nach Monden Wehruf klingen, Wann dahin auf dunkeln Schwingen Diese Trauerkunde fliegt. Atque ambo illi torvi Velut Wodani te corvi Comitati: – lacrimas Fundit Moltke et dolore Solvitur austerus ore Bismarck, ingens, adamas! Und die beiden greisen Knaben, Welche treu, wie Odhins Raben, Seinen Siegesgang umschwebt, – Moltke läßt die Zähre rinnen Und das Herz, durchzuckt tief innen, Dem gewaltgen Bismarck bebt. – Sed per omnes atras nubes Surget Germanorum pubes, Moritur, non trepidat: Quod oportet, – faciamus, Patriae nos voveamus, Ut Wilhelmus voverat. Aber dräut auch unserm Volke Rings manch dunkle Wetterwolke: – Schmach dem Mann, dem Kleinmut naht: Laßt uns wacker unsre Pflicht tun, Laßt sie schweigend uns und schlicht tun: – Wie sie Kaiser Wilhelm tat. Umbra viva tunc durabit, Supra galeas volabit, Tutelaris genius: Nunc quod docuit, probatur: Friederich nos consolatur, Tartari non pavidus – Dann wird er, ob tot, uns leben, Über unsern Helmen schweben, Unser Schutzgeist, niemals fern: Wollt ihr ehren ihn, so zagt nicht: Deutsche Treu' und Kraft versagt nicht Und der Hohenzollern Stern! Kaiser Friedrich † Auch du dahin! – Verstummt nun, ihr Gedichte! Euch überdröhnt der Gang der Weltgeschichte. Er schreitet schnell! – Wir müssen's stumm ertragen. Denn dieses Weh zu singen und zu sagen Vermag kein Mund! – Greift fester Schild und Schwert, Und sei's zum Siege, sei es zum Verderben, Im Schweigen, Dulden, Kämpfen, Siegen, Sterben, Führt sie getreu, der teuren Toten wert! Bismarcklied Nun tummle, Germania, dich stolz auf dem Pferd, Darauf dich dein Bismarck geschwungen, Auf dem Haupte den Helm, in der Rechten das Schwert Und den Geist und den Mut unbezwungen. So sprenge durch Wetter und Stürme dahin, Du walkürenverschwisterte Reiterin. Wohl Feinde ringsum! Doch »viel Feind', viel Ehr'«, Du vertraue getrost deinen Sternen; Dein Bismarck zählte der Feinde noch mehr, Konnte doch das Fürchten nicht lernen. Und wir Deutschen haben getreu bewahrt – Es gruselt uns nicht! – die Siegfried-Art. Und ward er vom Steuer hinweggedrängt, Wohl muß es dich grämen und schmerzen; Doch es steht sein Bild, tief eingesenkt, Sein gewaltiges Bild dir im Herzen. Es zerbröckelt der Stein, es verrostet das Erz, Treu wahrt seine Schätze das deutsche Herz. Der den Staat dir schuf und geschirmt dein Recht Und dich hob zum Ruhm – aus der Schande, – Fort lebt er, dein Held, von Geschlecht zu Geschlecht, Von den Alpen zum Bernsteinstrande, Von Erwins wiedergewonnenem Dom Bis zum wiederbefreundeten Donaustrom. Und sein Bild nicht nur, – sein Vorbild soll, Ob er lebt, ob er starb, dich erheben. Heil Bismarck, heil! Schenkt die Becher voll: Unsterblich soll er uns leben. Ja unsterblich, wie da hoch in Walhall Aufleben die Helden nach Tod und Fall. Zum Gedächtnis Kaiser Wilhelms I O Kaiser Wilhelm, wir gedenken dein! Und Liebe füllt und Wehmut, Stolz und Trauer Zugleich das Herz uns. – Eine ganze Welt Steigt vor uns auf, die mit dir sank ins Grab. Wir sehn dich unverstanden, viel geschmäht, Das ehrne Rüstzeug schmieden deinem Preußen; Wir sehn das Schwert dich dreimal ziehn – stets zögernd – Und stets zum Sieg. – Wir sehn den Herzenstraum – Den Traum vom Reich! – glorreich erfüllt durch dich! Seitdem fast wie ein Königsbild der Vorzeit, Standst, Barbablanca, du in dieser Welt: Die Sage schlang schon um den Lebenden Leis' flüsternd hin ihr efeu-grün Gerank; Als seinen Vater liebte dich dein Volk Und unter deinem starken Schilde barg Europas Friede das bedrohte Haupt. – – Und dies geweihte Haupt, das heil'ger noch Als Kronengold des Alters Silber schützte, Die Mordfaust hat's bedroht, es floß dein Blut. Und was war deine Rache? – Wärmer noch, Als je, werktät'ger liebtest du dein Volk Und zogst die Armen, Notbeladenen Erbarmend an dein großes Königsherz! So woll'n auch wir tun, wenn das Scheußliche, Das wir erleben, uns ergrimmen will, Wenn viele, viele Tausende im Volk – Kaum zwei Jahrzehnte nur nach solchen Taten! – Zertrümmern woll'n dies Reich, sich selber schänden Und die Germania auf dem Niederwald Zuliebe den Franzosen nieder reißen! Wenn Ekel uns und Abscheu fassen will Vor solchem Undank, solcher Niedertracht, Dann woll'n wir dein, o Kaiser Wilhelm, denken! Als zweimal dich die Mörderhand bedroht, Hast du dich nicht mit Abscheu abgewandt, Hast dich von deinem Thron herabgeneigt Und schirmend deine Hände ausgestreckt. Wem unter uns ward weh getan wie dir? Nein, dein Gedächtnis ehren wir am treusten, Wenn wir – gleich dir! – im Ringen nicht ermüden Für dies betörte Volk. An Major von Wißmann Dazu gab Gott dem Mann die Hand, Die schwert-gefüge Rechte, Daß er sein Recht, sein Volk, sein Land Bis in den Tod verfechte. Doch auch, daß sie das goldne Band Herztiefer Freundschaft flechte, Der Ehre, des Vertrauens Pfand Von Geschlechte zu Geschlechte. Heil dir, du wackrer, tapfrer Mann, Du Held im Sagensinne: Was eine deutsche Rechte kann, – Man ward's mal wieder inne. Das alte, deutsche Heldenmark, Die Welt hat's neu erfahren: Zum Greifen rasch, zum Schlagen stark Und fest zum Treue wahren. – Friedrichshafen, am Sedantage 1890. Der Wunschhort der Germanen Es ruht versenkt an stillem Ort, Tief unter Urwalds Eichen, Ein teurer, bergentrückter Hort, Ein Wunschhort ohnegleichen. Da liegt Herrn Wotans Runenspeer, Dabei Frau Friggas Spule, Dort blinkt der Becher, goldesschwer, Des Königs Ring von Thule. Der Amalungen weißer Schild, – Das Schwert Herrn Karls, das scharfe: Leis' tönet, wie verträumt, so mild Des Vogelweiders Harfe; Der Schöppenspruch auf Pergament, Der Schapel holder Maide, – Manch Lied, des Sänger niemand kennt, Und steinbespängt Geschmeide; Des Rotbart flatternd Kreuzpanier, Des Rathausdaches Giebel, Der Hansa stolze Flaggenzier Und Doktor Luthers Bibel! Darüberhin ein Hauch, ein Duft Kernfirnen Rheinweins brütet: O dringet kühn in diese Gruft, Die quellend Leben hütet! Allauf, Genossen, unverwandt Laßt nach dem Schatz uns schürfen: Nur reines Herz und reine Hand Wird ihn erheben dürfen! Er ist nicht tot: er wächst, er blüht, Er steigt uns selbst entgegen, Er will in Geist und in Gemüt Uns seinen Segen legen: Den Segen deutscher Herrlichkeit, Die Heldenschaft der Ahnen; Laßt uns ihn heben allezeit: Den Volkshort der Germanen! Armin Sie haben ihn ermordet aus Undank und aus Neid: Warum? Er war der größte Germane seiner Zeit. Rückblick Seit zwanzig Jahren steht nun unser Reich, Und wohl geziemt's, den Blick darauf zu lenken, Wie es geworden ist und wie es ist! – Was wißt ihr Knaben, selbst ihr Jünglinge, Von all' dem Gram, dem Zorn, dem wilden Weh, Der immer wieder aufgelebten Hoffnung Und ach! dem stets erneuten Hoffnungstod, Von der Verzweiflung, welche wechselnd uns, Das ältere Geschlecht, jahrzehntelang Gequält, genarrt, empört und matt gehetzt! Ich denke jenes sonn'gen Februars, Da über'n Rhein her so verheißungsvoll Der Völkerfrühling zu den Deutschen zog: O welche Wonne, welcher Jugendschwung! Da schien kein Ziel zu hoch, zu kühn kein Wunsch: Und wirklich: über Torheit, Kampf und Wirrsal Stieg tröstend auf das alte deutsche Traumbild Vom Kaiser und vom Reich! – – Es blieb ein Traum. Der Mann, der ihn erfüllen sollte, ach! Der träumte selbst! – Die Krone war gefunden, Der Kaiser aber fehlte! – Und der Däne Riß Schleswig-Holstein in sein Joch zurück Und als Piratenflagge drohte England Der deutschen Flotte Flagge zu verfolgen, Und hilflos schien der Zwietracht, Schmach und Ohnmacht Für immerdar verfallen unser Volk! – – Lang war der dumpfe Schlaf, der Todesschlaf: Da horch! Was klingt so hell her von der Schlei, So kriegerisch, ein Weckeruf von Erz? Das ist der Klang der preußischen Trompete! Bei Gott! Ein Weckruf für das deutsche Volk! Und einen neuen Akt der Weltgeschichte Verkündet er dem staunenden Europa! – Zwar durch des Bruderkrieges dunklen Engpaß Bricht Blut und Eisen nun sich furchtbar Bahn Und banger Zweifel drückt: »Wird den Besiegten Die Wunde der Besiegung je verharschen? Wird uns der Fremde einig finden, wenn ...« Da horch! Was klingt so hell her von dem Rhein? Das ist der Klang der preußischen Trompete! Er ruft zum Schutz des Vaterlands: – und schon Antwortet ihm des Bayern Jägerhorn, Schon eilt zuerst der Bayer, Schwabe, Sachse Zur Wacht am Rhein. – Und nun wird all' die Torheit Der Fürsten und der Stämme Neid und Haß, Wird all' die Schuld von sechs Jahrhunderten Im Gottesurteil nie erhörter Siege, In Schlachtenglut geläutert und gesühnt: Auf Straßburgs Münster weht die deutsche Fahne Und in dem Prunkgemach des »Königs Sonne« Geht Deutschlands Siegessonne leuchtend auf! Erstanden ist der Kaiser und das Reich Und an die Brust sich sinken die Versöhnten, Die Brüder, von den Alpen bis zum Belt! – – Und nun? Und heut'? Ach, in die Gruft gesunken Sind Kaiser Barbablanca und sein Sohn! Nur Kanzler noch und Marschall blieben uns Als große Zeugen einer großen Zeit. Und aus dem Volk, das so Gewaltiges Erlebt, erschallt das Frevelwort der Schmach: »Auch Deutschlands Siegessäulen müssen fallen!« Und nicht nur die Germania dort von Erz, – Nein, die lebendige Germania, Geschändet soll sie sein und ausgetilgt, – Zerstört, was jedem Deutschen heilig war, In Haus und Herd, im Wald wie am Altar, Ja, was von Welschen uns und Slawen trennt! Ein ekler Brei, »die Menschheit« mißgenannt, Soll unser deutsches Volkstum uns ersetzen! Und andre keifen: »So! Nun haben wir Das viel ersehnte Reich: und sieh', es bringt Uns neue Lasten nur und Müh' und Arbeit!« O ihr Vergeßlichen! Ihr Undankbaren! Ist euch entfallen schon die Zeit der Schmach? Soll euch erst neues Unheil wieder lehren, Der Turko, der Kosak, der Petroleur, Was ihr gewannt an Kaiser und an Reich? Ihr andern aber, denen noch das Herz Beim Namen Deutschland höher schlägt, die ihr Ein Vaterland noch kennt und eine Pflicht Und noch Begeisterung für deutsche Ehre, – O, leget in den Schoß die Hände nicht, Sprecht nicht: »Nun steht das Reich: nun nehm' der Kaiser Das Reich in acht!« – Kein Feldherr ohne Heer Vermag zu siegen: aber ihr, ihr alle Seid dieses Feldherrn Heer. So schließt die Reihn, Und alle eure Kräfte wendet auf: Nicht Einer fehle und nicht Einer wanke! Denn nur der Geist, der dieses Reich geschaffen, Der Geist des Heldentums, der Pflicht und Ehre, – Nur er wird auch erhalten dieses Reich! – Moltkelied Wer ist der Held von hellem Mut Im Wägen und im Wagen, Der in der Schlachten Sturm und Glut, Im Sinnen und im Schlagen, Das stete Herz so kühn bewährt? Wer ist der Deutschen Schild und Schwert? Wer hat vom Dänenjoch befreit Die alten Schwesterlande? Wer hat des Reiches Herrlichkeit Erneut nach langer Schande? Wer hielt am Rhein die scharfe Wacht? Und wer hat Straßburg heim gebracht? Wer hat den Cäsar und sein Heer In eh'rnem Netz gefangen? Wer brach Paris mit starkem Speer Sein Prahlen und sein Prangen? Sagt an, wer ist der Degen wert? Wer ist des Reiches Schild und Schwert? Das ist Graf Moltke klug und kühn, Der Feldmarschall, der greise: So lange deutsche Herzen glüh'n, Erglüh'n sie seinem Preise. Und ewig blühn und ohne Wank Wird Moltkes Ruhm und unser Dank! – Moltke † 1. Ach um unsre alten Helden, Ach um unsre große Zeit! Soll bald Sage nur noch melden Von der deutschen Herrlichkeit? 2. Was durch Weisheit und Waffen Die Großen geschaffen, Die Helden, die alten, Das Werk ohnegleichen, – Die Jungen brauchen es nur zu erhalten: Gebe Gott, daß sie's erreichen! – – – »Fin de siècle.« Auf euer »fin de siècle« Reimt sich: »Ekel« Und »mene Tekel«. Bismarck und die deutsche Sprache Kein Redekünstler war er, nein! Und dennoch bis in Mark und Knochen Drang seine Rede schwertgleich ein, Weil sie » gehau'n war und gestochen «. Und seine Feinde nie verzeihn, Daß er zu ihnen » deutsch gesprochen «. An den alten Reichskanzler in Friedrichsruh Zutraulich äugt das Reh, das falbe, Aus dichtem Busch in Friedrichsruh: Es schwirrt im Abendrot die Schwalbe Dem Nest am braunen Holzdach zu. – – – Wann Er am linden Sommerabend Im Schatten seiner Buchen geht, – Was ist es, das, die Seele labend, Beschwichtend ihm die Stirn umweht? Dann dringet nicht der laute Ruhm, Der Stolz, der Kampfzorn und der Groll In dieses Waldesheiligtum, So feierlich, so friedevoll. Dann freut er sich der alten Bäume, – Er kennt sie alle, Haupt für Haupt! – Freut sich der alten Jugendträume Und daß er stets an sie geglaubt. Er denkt gerührt des Himmels Gnade Und seines alten, weisen Herrn Und daß durch wirre, nächt'ge Pfade Zum Sieg ihn treu geführt sein Stern. Dann rauscht es leis in allen Wipfeln, Dann flüstert's in dem Buschgerank Und zu ihm ob den grünen Gipfeln Schwebt segnend seines Volkes Dank. Ja, mußt' er von dem Steuer weichen, – Der Dank, die Treue blieben gleich: Ihm ragt ein Denkmal sondergleichen: Sein Denkmal ist – das Deutsche Reich! – Bei Bismarcks Tod So kam der Tag, der lang gefürchtete! An ihres größten Sohnes Sarge steht Germania trauernd, um die Kaiserkrone, Die goldene, den schwarzen Schleier schlagend. Was alles dankt sie ihm! – Vor vierzig Jahren Saß sie im Walde, fröstelnd und allein: Es hatten böse Schächer längst vom Haupt Gerissen ihr des alten Reiches Krone, Zerfetzt den Mantel und sie drein geteilt: Es ehrte, scheute, fürchtete sich keiner, Sie war der Nachbarn Hohn und Spott geworden! Da kam der Held von echtem Siegfriedmute Durchhieb mit scharfem Schwert das Dorngenist, Das sie umschloß, die Schlummernde erweckend, Und eine neue Kaiserkrone setzte, Geschmiedet in der Siegesschlachtenglut, Der Staunenden er auf das blonde Haupt! – – Und welche Kämpfe, welchen Lohn des Hasses Hat ihm dafür sein Volk bereitet! – Wie Armin, den ersten Einiger, so hat Auch ihn bedroht der Mord. – Doch sich'rer, schärfer Als jene Mörder traf sein Herz des Undanks Giftschwarzer Dolch! – – – Doch dieses Herz, – kein Gift konnt' es vergiften; Verachten durfte er die Menschen tief: Er tat es nicht. Und wie sein alter Herr, von Mordblut wund, Erbarmend nur der Darbenden gedachte, So hat auch das Abscheulichste niemals Dem deutschen Volk und seinem Dienst entfremdet Dies treue Herz. – Verwaist ist jetzt erst völlig unser Volk! Denn wo wär' wohl der maßlos eitle Tor, Der Bismarck zu ersetzen sich vermäße? Wir aber, die wir niemals ihn verleugnet, Als ihm des Herrschers Gnadensonne losch, Wir haben wahrlich höh'res Recht an ihm Als jene bösen Zwerge, seine Neider, Die vor Europa, warnend, ihn verklagten! Doch dieses höh're Recht schafft höh're Pflicht: So laßt uns denn an seinem Sarg geloben, An seinem Bau, dem schwer bedrohten Haus, Mit Schild und Schwert getreulich Wacht zu halten; Das Bismarck-Erbe, – treu wollen wir es hüten: Sein Erbe wie sein glorreich Denkmal ist's Zugleich: das Deutsche Reich! Hör's, Otto, tief im Grab: Wir stehn zu dir nach deinem Tode noch, Zu dir und zu dem Reich, treu wie du selbst Zu deinem Volke standst bis in den Tod.