An den Obersten der Barden Teuts 1 Sind Menschenherrscher nur der Lieder werth? Und bleiben Barden unbesungen sie, Von derer Lippen Menschenherrscherlob, Und Thatenpreis, ein sonnenheller Strom, Auf künftige Geschlechter sich ergeußt? Gedenket Sined seiner Freunde nicht Der Harfenkönige, die fern von ihm Durch alle Gauen Teut's verstreuet sind? Wie, wenn ihn ehe noch sein Tag ereilt, Wie wissen Folgezeiten, daß er sie Gekannt, geehret und geliebet hat? So sprach der Geist der Lieder und entschwand. Ich riß mich aus dem Schlummer, hörte noch Im Tannenwipfel scheidend Säuseln, fiel In's Harfenspiel, da ward mir der Gesang. Dir, erster unter Liedergewaltigen Im deutschen Vaterlande! dir folgt mein Aug', Mein Herz, mein Saitengriff in jede Luftige Ferne, wohin dein Fittig Dich herrlich aufträgt. Aber, o wolltest du, Mein Adler! ausruh'n, sey es im Wipfel hier Der Tanne, sey es dort auf jener Felsigen Höhe, mein Adler! ausruh'n, Und hören, wie sich über die Lippe mir Ein Quell der Freundschaft stürzet, und hat der Quell Dein Ohr vergnüget, endlich wieder Deine gestirnte Bahn verfolgen! Du Stolz von meinem Volke! du mächtiger Und unerreichter Barde! wer lohnet dir Die Lieder, welche du von deinen Sonnegebieten auf und herabtönst, Uns mit den Liedern fassest, und jetzo tief Hinein in graue Zeiten der Ahnen singst, Und jetzo bis in unerschaff'ne Wonnegefilde der Gottheit aufsingst? Wir folgen, uns entrissen. Die Brust erpocht Erhab'ner, ungewohnter Gefühle voll, Die Wange glüht, und hohe Wehmuth Thauet vom edleren Auge nieder. Dein Herrmann, Deutschlands grosser Entfesseler, O welche Bardenarbeit! Wie wecket er Der Ahnen Muth, in welcher Helle Zeigt er dem Enkel der Ahnen Sitten! Der Erderzeugten grosser Entfesseler, Dein Sohn Allvaters, welch' ein unsterbliches, Ein himmelwerthes Unternehmen! Hört ihn ein Erdesohn, und verkennet Die Würde seines Geistes, den hohen Zweck Von seinem Hierseyn? Hört er ihn, und verfolgt Für Ewigkeiten voll Entzückens Flüchtige Freuden an Gräberhügeln? Wer lohnet dir die Lieder? du mächtiger, Und unerreichter Barde! Verbänden sich Auch alle Stämme Teut's, und stiegen Steine des Ruhmes an allen Ufern, Auf aller Hügel Rücken für dich empor Im ganzen Heldenerbe, sie lohnten dir Die Lieder nicht. Nur er, von dessen Sohne sie tönen, allein vermag es, Und wird's. Indessen eile mit feuriger, Mit unermüd'ter Schwinge zum Ziele fort! Dort leuchtet es! Nur einen Schwung noch, 2 Einen, mein Adler! Es ist erreichet! Zwar steh'n in tiefen Gründen, die Nebel deckt, Noch Manche deines Volkes, und sehen nicht Die Flammenfurche, die dein Aufschwung In die Gebiete der Sonne nachläßt! Bedauernswürdig sind sie! Doch einst verhaucht Der Nebel. Enkel rufen: Wir sehen sie Die Flammenfurche, die sein Aufschwung In die Gebiete der Sonne nachließ! O dann wird unter schärferen Augen auch Mein Aug' genennet! Sined, er sah sie längst Die Flammenfurche, pries den Adler, Welcher sie zeichnete, pries und liebt' ihn. Mein Ruhm sey dieß zur Nachtzeit, o mächtiger, Und unerreichter Barde! Dein Harfenspiel Entzückte mich, und deine Freundschaft Suchte mein fühlendes Herz, und fand sie. Fußnoten 1 Klopstock. 2 Die Ausgabe des vierten Theils des Messias.