Abendlied O Musa des Gesanges, Bemächtige Dich mein, Du Gegenstand des Dranges, Du süße Schmerzenspein, Komm', sitze zu mir nieder Und mache mit mir Lieder! Der Tag mit seinen Plagen Beklemmt mir oft den Sinn, Der Abend, so zu sagen Schickt mir die Trösterin. Die Musa des Gesanges Erbarmt sich meines Dranges. Sie kennt die zarten Schwächen Des menschlichen Gemüths, Und spornet uns, zu brechen Die Rosa drum des Lied's: Damit sich ihren Düften Des Herzens Kammern lüften. Sie zeigt mir die Contraste, Sie lehrt die Harmonie, Sie macht mich zum Phantaste, Als wär' ich ein Genie: Wenn sie nicht wär' zugegen, Wo wär' ich so verwegen? Mit meiner Meerschaumpfeife Bin ich der beste Mann, Und wenn ich was ergreife, Fang' ich's zu dichten an, Doch was ich dicht' und mache, Das ist auch meine Sache. Oft muß ich Thränen weinen, Daß diese Welt so schlecht, Die Musa, sollt' ich meinen, Macht Alles wieder recht: D'rum will ich Lieder reimen Bis sie den Sarg mir leimen!