Ludwig Eichrodt Gedichte aus Lyrischer Kehraus: Fliegendes Vorwort Politisches Gezänk in Ehren, Ein wenig Kunst auch will der Tag, So pfeif' ich auf der Syrinx Röhren, Und bringe was gefallen mag, Euch, die im Schweiß des Angesichtes Ihr euer Brod verdient und eßt, Euch, die im Schein des Lampenlichtes Ihr uns'res Wissens Tiefen meßt. In schweren Wolken zieht das Leben, Der Weise schaudert vor der Nacht, Doch eine Waff' ist ihm gegeben, Er widerspricht, indem er lacht; Denn auch dem Priester strengster Musen, Dem Mann vom nüchternsten Bedacht Sitzt der geheime Schalk im Busen Und trotzt der grauenvollen Macht. Ihr freilich, zehnfach Ungeplagte Vom Lebensernste, seid schon hold, Daß ich an Phöbus Thron mich wagte, Zu zerren an dem Quastengold; Daß seine Glorien ich fange Im Prisma bunter Ironie, Und steure seinem Lyraklange Mit wilder Faschingsmelodie. Ich möcht' erheitern meine Freunde, O könnt' ich stillen ihre Pein! Ich möchte necken meine Feinde, Und Anderen willkommen sein. Doch kann ich nimmer euch die Rippen Erschüttern, möge mein Gedicht Ein Lächeln zwingen auf die Lippen Euch, die ihr's danket oder nicht. Ihr aber, die des Daseins Bürde Bis an das stürmelose Grab Hinschleppt mit staunenswerther Würde, Legt eurer Größe Togen ab! Nur, wer im Innersten zu hegen, Zu tragen hat gerechten Schmerz, Soll still mein Buch zur Seite legen, Denn einfach ist das Menschenherz. Und mag ich zunftlos euch erscheinen, Die ihr zum Musenreigen schwebt, Und in den hehren, ewigreinen, Den wunderbaren Rythmen lebt - Schlingt eure seelenvollen Tänze, Noch ragt in's Blaue der Parnaß, Wer da berufen ist, kredenze Die Schale mit kastal'schem Naß! Doch nicht das Zauberspiel der Grazien Ist Alles, was dem Dunkel wehrt, Was von Silesien bis Alsazien, Vom Golf zum Belt das Herz begehrt; Bachant'scher Taumel packt zuweilen Uns an, die Schale weicht dem Krug, Die Luft muß Fidelstrich zertheilen, Ein Purzelbaum nur thut genug. Herrlicher Unsinn, Götterfunken, Humor des Aberwitzes, Strahl Olymp'scher Freiheit, hergesunken In's alte ird'sche Jammerthal, Pathos in fröhlicher Verkleidung, Komödie der Phantasien, Sprüh' auf, Muthwille, Narretheidung, Kehraus der Lyrik, wirble hin! Schulerbuben's Wanderlust Nach Italien, nach Italien Möcht' ich, Alter, jetzt einmaligen, Wo die Pommeranze wohnt: Wo die wunderschönen Mädchen Unter süßen Triollettchen Singen wandelnd unterm Mond - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Sicilien, nach Sicilien Sollst Du in die Reise willigen, Wo von Wolken nicht die Spur: Wo die Menschen müßig gehen, Wo die Augen ewig sehen In das himmlische Azur - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Hispanien, nach Hispanien Laß mich, Alter, auch hinanigen, Wo der Zigarito weilt; Wo die stolzen Donnen kosen, Wo die edlen Räuber tosen, Und die Wunde niemals heilt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Algerien, nach Algerien Laß mich in den Osterferien, Hehrer Alter, laß mich gehn; Wo die Datteln heimlich reifen, Wo die Arabesken schweifen, Und die Antilopen stehn - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Aegypten, nach Aegyptigen Laß mich ziehn mit der Geliebtigen, Wo der Sturm der Küste pfeift; Wo der Weise stets zufrieden Auf erhab'nen Pyramiden Stumm in seinen Busen greift - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Arabien, nach Arabien Laß mich mit dem Wanderstabigen, Wo der Emir einsam trinkt; Wo die edlen Wüsten brennen, Wo die flinken Stuten rennen, Und die Karawane klingt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem Lande Palästinien Dem gelobten, laß mich ziehnigen, Wo der ew'ge Oelkrug rauscht; Wo die Büßer sich bestrafen, Wo das Meer sich todt geschlafen, Und der Hirt den Zedern lauscht - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Kleinasien, nach Kleinasien Sende mich, dem wellengrasigen, Wo die sanfte Sclavin sitzt; Wo die Palmenwälder glühen, Wo die heil'gen Löwen fliehen, Wo's am blauen Himmel blitzt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Türkanien, nach Türkanien Zieht mich's unwiderstehlich anigen, Wo der Pascha mordend schmaucht; Wo die Dardanellen sausen, Wo die krummen Säbel hausen, Und man so viel Geld verbraucht - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach den Thälern der Hellenigen, Thut mein Sinn sich mächtig sehnigen, Wo der Boden klassisch schweigt; Wo der eingestürzte Tempel Seines Alters düstern Stempel Aus beredten Trümmern zeigt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Wallachien, nach Wallachien Laß mich einen Ausflug machigen, Wo sich krümmt der Hospodar; Wo die Russen sich geberden, Wo die Rosse anders werden, Und so manches noch nicht klar - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Croatien, nach Croatien Laß mich ziehn, wo durch Dalmatien, Brummend rennt die Drau und Sau; Wo der kluge Banus waltet, Wo der Mantel roth sich faltet, Und für's U man macht ein Vau - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Magyarien, nach Hungarien, Schwärmt ich schon in jungen Jahrigen, Wo das Roß die Zügel beißt; Wo die ew'gen Sporen klirren, Wo aus güldenen Geschirren Der gesammte Adel speist - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach der Flur der alten Schwedigen Will ich mich des Drangs entledigen, Wo der Dalkerl sich verpelzt, Wo durch Belte, geographisch, Kattegattlich der Walafisch In das Skagerak sich wälzt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem Land der sieben Bürgen Nördlich von dem Land der Türgen Laß mich schlupfen durch den Paß; Wo der Sachse freundlich mäckelt, Wo der Szekler furchtbar szekelt, Und der rothe Thurm kein Spaß - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Brittannien, Großbrittannien, Boxet mich der Spleen von dannigen, Wo das Parlament sich dehnt; Wo die Sonne schwimmt im Nebel, Wo der Mensch lebt comfortebel, Und der hohe Bootsmann gähnt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Gallizien, nach Gallizien Hab' ich schändliche Kupizigen, Wo der Jude häufig hegt; Wo die Waldschlucht voll der Schauer, Wo der schwarzgelockte Bauer Lächelnd seinen Herrn versägt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Polakkien, nach Pollakkien Lasse mich den Ranzen packigen, Wo die Sense blutig schwillt; Wo man lebt auf bösem Fuße, Wo der lärmende Krakuse Sich in seinen Mantel hüllt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem eis'gen Moskowitien Möcht' ich einen Paß besitzigen, Wo der Pope lebt und leibt; Wo das Volk lebt in Verblendung, Wo der Czaar in starrer Wendung Seinen grimmen Ukas schreibt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Norwegien, nach Norwegien Lasse mich den Fuß bewegigen, Wo der Fels gen Himmel schreit: Wo der Ocean sich brandet, Wo der Lotse fröhlich strandet, Und von fern der Hekla speit - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem grünen Land der Iren Möcht' ich, Alter, mich verlieren, Wo die armen Teufel sind; Wo sich die Mylords, die reichen, Freuen der Kartoffelseuchen, Und der Mensch mit O' beginnt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! In dem hohen Land der Schotten Möcht' ich mich zusammenrotten, Mit den Söhnen edler Lairds; Wo für Ossians Nebelhalden Noch dem Sprößling wilder Skalden Glühet sein gewürfelt Herz - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach der Mark der kecken Dänen Schwärm' ich mit des Nordlands Schwänen, Wo der Sundzoll gierig schnaubt; Wo sich die Fregatten rüsten, Und die Scharlachröcke brüsten, Und man sich so viel erlaubt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Provanzien, nach Provanzien Eil' ich, dem olivenranzigen, Wo das Reich der Minne stund; Wo die Troubadoure johlten, Wo die Päpste sich erholten, Und die Dame hielt den Mund - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Hollandien, nach Hollandien Fahr' ich hin, dem dünensandigen, Wo die Treckschwit schwappelt schwer, Wo mit Wechseln aller Welten Unter köstlichen Gemäldten Wandelt hin der Millionär - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Hin nach Belgien, fort nach Flandern, Werd' ich dann, o Vater, wandern, Wo die Industrie sich spreizt; Wo der Handel blüht, der Wandel, Wo der Wandel für den Handel Stets Locomotiven heizt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Franzosien, nach Franzosien, Wo die Rebellion ging losigen, Reißt es meine Jünglingsbrust; Wo die Marselljäse strotzet, Wo der Flüchtling friedlich trotzet, Seiner Menschlichkeit bewußt - Dahin, Alter, laß' mich ziehn! Nach dem tapfern Portugallien Lasse mich den Gürtel schnalligen, Wo die Waldung korken knarrt; Wo das Porto feurig fackelt, Wo der Boden haltlos wackelt, Und das Haus Braganza starrt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Helvezien, nach Helvezien Lasse mich, dem schweizerkäzigen, Wo die Lawin donnernd rutscht; Wo zerstäubt der Jesuide, Wo noch der Europamüde Mit dem Stier von Uri putscht - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem Rheine, nach dem Rheine Wall' ich wieder, wenn ich weine, Wo des Deutschen Vaterland; Deutscher Wein und deutsche Eichen, Wo sich Volk und Fürsten reichen Ihrer Hände Hochverband - Dahin, Alter, werd' ich ziehn! Nach Kalifornien, nach Kalifornien Fang' ich an das Lied von vornigen, Wo die Sonne tropisch wärmt; Wo die gold'nen Adern ziehen Durch die schweigenden Prärieen, Und der Sacramenter lärmt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Dort, wo unter jeder Scholle Von Dukaten eine Rolle Schlummernd uns entgegen lacht: Wo das Silber ist Lappaligen, Wo der Mensch mit Viktualien Glänzende Geschäfte macht - Dahin, Alter - muß ich ziehn! Nach Chinesien, nach Chinesien Möcht' ich, wo ich nie gewesigen, Wo die Seelen stille steh'n; Wo die Menschen wahrhaft wimmeln, Frauen ihren Fuß verstümmeln, Und der Tusch am schwärzesten - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Mongolien, nach Mongolien Soll mich gleich der Teufel holigen, Wo die Grenzen unbestimmt; Wo Kirgisen und Kalmücken So sich ineinander schicken, Daß es einen Wunder nimmt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Sibirien, nach Sibirien Zu den wildgebornen Thierigen Jetzt es meinen Busen drängt; Wo die Bären murmelnd springen, Wo in unwirthbaren Schlingen Sich der biedre Zobel fängt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Tscherkessien, nach Tscherkessien Treibt es mich, den Unablässigen, Wo im Aug die Aepfel sprühn; Wo die Panzerhelden rasen Mit den kühnen Adlernasen Und die Leichenhügel blühn - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem Iran, nach dem Persien Mach ich schnell mich auf die Fersigen, Wo der Schach sich selber spielt; Wo der alte Zoroaster Für das allergrößte Laster Seiner Zeit das Lügen hielt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Doch, o herrlichster Erzeuger, Mir die Steuern nicht verweiger', Wandr' ich nach Beludschistan; Wo aus der Hyänenwüste Zu der muschelreichen Küste Niedersteigt der böse Khan - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem wunderbaren Tybet, Wo die Katze maust, die Zibet, Kitzelt arg mich das Gelüst; Wo das Paradies gewesen, Wo im Zeitungsblatt zu lesen, Wann der Dalai Lama püßt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Ostindien, nach Ostindien Möcht' auch ich den Pfad ergründigen, Möcht' ich jetzt mit Hand und Ohr; Wo die Elefanten kreisen, Wo die Enkel stiller Weisen Singen den Bramanenchor - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach den heißen Sunda-Inseln Laß mich nicht vergebens winseln, Wo der Utang Orang heißt; Wo das Borneo sich breit macht, Wo mit ungeheurer Streitmacht Der Marhattenhäuptling reist - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Newyorkien, nach Newyorkien Wolle, Alter, Geld mir borgien, Wo die Waare stumm sich kreuzt; Wo genest der Europarier, Wo der letzte Proletarier Sich in seid'ne Tücher schneuzt - Dahin, Alter, muß ich ziehn! Nach Kanadien, nach Kanadien Schweif ich fort in kühnen Radien, Wo der Niagara fegt; Wo schon ab sich kühlt die Zone, Wo sich seitwärts der Hurone Nimmer in die Büsche schlägt - Dahin, Alter, muß ich ziehn! Nach dem Strand der Eskimosen Saus' ich in des Nordlichts Hosen, Wo man geht in Seehundstracht; Wo das Unschlitt Lieblingsspeise. Wo von tausendjährigem Eise Man sich eine Beißzang macht - Dahin, Alter, muß ich ziehn! Nach dem heißen Mexikonien, Mach ich auf mich und davonigen, Wo der Vollmond wüthig saust; Wo verzaubert Hans und Gretl Steht am Popokatepetl, Und der Vitzliputzli haust - Dahin, Alter, muß ich ziehn; Nach Columbien, nach Columbien Muß ich, Alter, Dich anpumpigen, Wo die Erde gräßlich bebt; Wo die Geistlichkeit in Masso, Wo über dem Chimborasso Der blasirte Condor schwebt - Dahin, Alter, muß ich ziehn! Nach Brasilien, nach Brasilien Jagen jetzt mich die Gefühligen. Wo der Käfer leuchtend hüpft; Wo sich bäumt der Krokodile, Wo verwegen der Mandrile Durch die seltnen Pflanzen schlüpft - Dahin, Alter, muß ich ziehn! Nach Kannibalien, nach Kannibalien Möcht' ich aber auch einmaligen, Wo das Durcheinander ist; Wo der Teufel selber los ist, Wo es übrigens famos ist, Und der Mensch den Menschen frißt - Dahin, Alter, muß ich ziehn! Nach Jesuitien, nach Jesuitien Laß mich hin, dem aberwitzigen, An dem tiefen Paraguay; Wo der Landesherr ein Dokter, Ein Jesuit ist, ein verstockter, Und der Mensch ein Papagai, - Dahin, Alter, muß ich ziehn! Nach Molukkien, nach Molukkien Will mir schon der Buckel juckigen, Wo der Pfeffer wachsen thut; Wo im ganzen Panorama Schweift das herrlichste Aroma, Und das Meer entsetzlich ruht - Dahin, Alter, muß ich ziehn! Nach dem Cape, nach dem Cape Laß mich ziehn, geliebter Pape, Wo die gute Hoffnung wächst; Wo des Meridianes Odem Aus dem Hottentottenboden Den famosen Capwein hext - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach den Polen, nach den Polen Brennen mir die raschen Sohlen, Wo sich die Extreme fliehn; Dorthin, wo der Eiswind wüthet, Dorthin, wo der Aether süthet, Nach dem Nord- und Südpol hin - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Kafferien, nach Kafferien Will mich inn're Gluth verzehrigen, Wo sich die Giraffe härmt; Wo der Kaffer schändlich händelt Wo das Gnu die Zeit vertändelt, Und der Missionarius schwärmt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Zum Aequator, zum Aequator Laß mich eilen, greiser Vator, Wo die schwarze Linie glüht; Wo der Wüstenkönig schreitet, Wo der Neger Unrecht leidet, Und das Weib vor Götzen kniet - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem rothen Nadowessien Laß mich mit dem Branntweinfäßchen, Wo der Anstand aufrecht haucht; Wo die Schenkel fliehn behender Als der Hirsch, der Zwanzigender, Und zum großen Geist man raucht - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Australien, nach Australien Zieht es mich zum letzten Maligen Nach des Welttheils fünftem Strand, Wo die Erdumsegler stehen, Wie Verbrecher in sich gehen, Und noch Alles unbekannt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem alten Abessynien Möcht' ich auch, o Vater, hinigen, Wo der Strauß entschwirrt dem Ei; Wo die Nilkataraktere Zu des großen Negus Ehre Schäumen in die Nubierei - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Weiter nach Mesopotamien Laß mich ziehn in Gottes Namigen, Wo da Milch und Honig fleußt; Wo die schrecklichen Kalifen Rasend zu der Bulbul schliefen, Und der Schakal um sich beißt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Domingo, nach Domingo Laß mich flattern, ein Flamingo, Wo man lebt in Saus und Braus; Wo die wüsten Negerprinzen Aus Papiermanschetten grinzen, Und die Republik ist aus - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Aber auch im Feuerlande War ich noch nicht, o der Schande, Wo der Hai den Kiel beschnappt; Wo die Pescherähs, voll Blattern, Hüpfend um ein Feuer schnattern, Und herum der Tapir tappt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Patâgo, Patagonien, Wo der Bär aufpaßt den Honigen, Locket mich ein alter Wahn; Wo das Klima strotzt von Räubern, Wo mit riesenmäß'gen Leibern Sich die Reitersmänner nahn - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach dem Peru, nach Peruzien Zieht es mich zu den Mestuzzien, Wo die Garbe selig reift; Wo sein Schwert der Capitano, Haushochlagernd auf Guano, Gegen Cara-iben schleift - Dahin, Alter, laß mich ziehn! In La Plata, in Laplatien Unterm Schatten der Akazien Laß mich, Alter, Hütten baun; Wo die Wasser silbern wallen, Wo die frischen Büffel fallen, Und dem Tiger nicht zu traun - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Kamtschatka, Kamtschadalien, Gib mir pelzerne Sandaligen, Wo der Hund sich langeweilt; Wo der Tschuktsche saugt am Häring, Wo die Straße heult des Behring, Und der Schlitten furchtbar eilt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Neufundland, nach Neufundland, Welches ist das wahre Hundland, Laß mich fliegen aus dem Nest; Wo der Vorweltsalligador Im Gesteine des Labrador Bläulich sich beleuchten läßt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Neuseeland, nach Neuseeland, Auch ein schönes Ei- und Schneeland, Dahin, Alter, laß mich hin! Wo die bösen Menschenfresser Und die bösen Beefsteakesser Fuchtelnd ihre Messer ziehn - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Havannah, nach Havannah Fahr' ich auf dem Susquehannah, Wo die Importirte glüht; Wo die Spanier sich verrammeln, Abenteurer spurlos sammeln, Und der Arak ostwärts blüht - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Freilich grad nach Madagaskar Zieht mich's, Alter, jetzo fast gar, Wo herüber Frühroth glänzt; Wo der Madegasse handelt, Wo gestreift das Zebra wandelt, Und die Königin entmenscht - Dahin, Alter, laß mich ziehn! Nach Utopien, nach Utopien Laß mich ziehn nach allem Obigen, Wo die luft'gen Schlösser sind; Wo kein Scheiden und kein Meiden, Wo man lebt in ew'gen Freuden Und der Communismus grünt - Dahin, Alter, laß mich ziehn! 1848. Der arme Nabob Mel.: Das Jahr ist gut, braun Bier ist gerathen. Der Nabob Jukjuk Juheirassasah Von Hinterindien hat's Podagra. Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob schlenkert die Zeh'. Sein Vater der hieß Juvivallrallera, Sein Großvater Simsala dusa laha. Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob hupft in die Höh'. Seine Mutter die hieß: Alla hopsa sassah, Seine Großmutter: Eia popeia mamah. Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob seufzt Hurrje. Siebentausend Frauen sind allzeit ihm nah, Die schönste die heißt Huliöh, Huliah. Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob juchzt Huliöh. Siebentausend Söhne sind ebenfalls da, Der dümmste der heißet Soso lala, Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob meint er hab' Flöh. Siebentausend Töchter noch leben, aha! Die jüngste die heißt Rata bums vallera. Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob plumpst in den See. Der Nabob beguckt seine Schatzcamera, Er treibet gar schaurig Allotria. Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob nimmt Aloë. Der Nabob hat auch einen Elefa- Fahant der trinket Schnahapsasa. Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob läppert im Thee. Der Leibarzt verordnet dem Nabopapa Wildbad im schwarzen Mons Abnoba. Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob reibt sich mit Schnee. Der Nabob, alt wie Methusalah, Läßt blasen das Kuhhorn huohu trara. Au, au! das that wehe, Au, au, das that weh - Der arme Nabob beißt in den Klee. Der arme Nabob Juheirassasah Von Hinterindien hat's Podagra. Au, au! das that wehe, Au, au, was war das? Der arme Nabob beißt in's Gras. Nordische Ballad Hoch an Nörwögs Felsenstrande Auf dem Raubschloß Rapsjözungar Saß die Jungfrau Affjäskande Mit dem Buhlen Swinjöskungar, Und empfing die süßen Pfande Seiner Liebe, Kuß und Ringjö. Swinjöskungar, Affjäskande, Affjäskanda, Swinjöskungar! Hört von hoher Zinnen-Rande Ritter Borstjö von Spölunggar Seufzen an dem Felsenstrande, Bis die Eifersucht ihn würgtjö. Und er schreitet zu Siöfbrödur, Zu dem Vater Affjäskande's, Deutet auf sein Roß Skindlödur, Auf sein Schwert Abmückjöswandes, Auf sein Trinkhorn Swärjönödur, Und versetzt mit breitem Mauljö: Wenn Ihr nicht, wie Ihr versprochen, Mir die Tochter gebt zum Weibe, Wird es fürchterlich gerochen, Denn das Blut aus ihrem Leibe Zapf ich Ende dieser Wochen Mit dem Schwert in dieses Hornjö. Trink' es aus und werde rasend, Reite fort und kehre wieder, Aus des Rosses Nüstern blasend Wuth und Schaum auf Euch hernieder, Den ich, weil er so anmaßend Mich behandelt, fressen willjö. Und Siöfbröder reicht die Rechte Borstjö, seines Busens Freunde, Von Spölungars Hausgeschlechte, Der es treu und redlich meinte, Und beim Tag der Mitternächte Treten sie auf den Balkonjö. Teufel! die verliebten Wesen Fahren jählings auseinander, Doch sie weiß das Haar zu lösen, Hurtig wie ein Salmander, Zu verstecken vor den bösen Menschen den geliebten Freundjö. Sieh, die langen goldnen Locken Fallen bis hinab zum Strande, Und der Buhle leis in Socken, Klettert hinter Affjäskande Dran hinunter, unerschrocken, Ohnbeschädigt, ohnbemerktjö. Und beschämt vor seinem Kinde Steht der Vater mit dem Freunde, Ihm entfallen alle Gründe, Daß die Tochter er befeinde; Doch damit er Ruhe finde, Leert er flugs ein Horn voll Methjö. Und der Freund mit Namen Borstjö, Weiß vor Scham sich nicht zu fassen, Beißt daher in eine Worstjö, Seinen Zorn nicht sehn zu lassen, Und, da's ihm verursacht Durstjö, Leert er flugs voll Meth ein Hornjö. Dann verzweifelnd an sich selber, An der Augen eignem Schauen, Reißt er sich vom Haupt den Felber Mit der Hände grimmen Klauen, Und mit stierem Blick der Kälber Auch die Augen aus vor Schandjö. Wirft die ausgeriss'nen Augen Der Verräth'rin vor die Beine, Weil sie aber dort nichts taugen, Wirft er sie in's Horn voll Weine, Und beginnt es auszusaugen, Toll vor Aerger und vor Schamjö. Schlägt das Horn mit schnöden Streichen Dann zusammen mit dem Schwerte, Prüft am Kreuz, dem lederweichen Seines Gauls, des Schwertes Härte, Bis das Roß und Schwert deßgleichen Bricht zusammen sammt ihm selbstjö! Aber gräulich unbefangen, Als ob nichts geschehen wäre, Kam des andern Tags gegangen Swinjöskungar lobebäre - Und es schmeißt ihm an den langen Hals sein Kind des Hauses Herrjö. Altes Schwedenlied König Hundingur Vertrieb sich die Zeit mit der Bieruhr. 1 Das setzte ab manchen Suff, o! Sein Vorfahr hieß König Uffo. König Hundingur Ward installirt Abends 4 Uhr, König Hadding hatte den Uffo Erschlagen bei einem Suff, o! König Hundingur Auf die falsche Kunde mit Gier fuhr, Daß erschlagen sei König Hadding, Er speiste grad einen Häring. König Hundingur Genas zugleich von der Bierkur, Vor Freuden fiel er in's Bierfaß 2 König Hadding der ging fürbaß. König Hundingur Verröchelte gleich einer Vieruhr, Und in gräulichem Bierbaßbuffo Rief er aus dem Bierfaß: Uffo! König Hundingur Begann in's Jenseits die Spritztour, König Hadding grämte zu Tod sich: Sein Schlachtroß wurde ihm rotzig. König Hundingur Im Jenseits an König Lear fuhr, Und sie speisten mit Uffo und Hadding Selbviert versöhnt einen Häring. König Hundingur Schwang hoch das Horn von dem Stier-Ur, Da schwang auch Thor den Miölner, Auseinander stoben die Kellner. König Hundingur Erklärte den Göttern die Bieruhr, Das setzte ab einen Suff, o! Den größten Rausch hatte Uffo. Fußnoten 1 Das Schach der nordischen Könige; auch jetzt noch in obskuren Kneipen zu treffen. 2 Thatsache, siehe Meier's Conversations-Lexicon. Der trojanische Krieg Vor drei Millionen Jahren Baut' in Kleinasium Der Fürst der Vorfaharen Die Veste Ilium. Grad über sah man wohnen Der Griechen rohen Stamm, Der Priamus zum Hohne Auf Schiffen ihn beschwamm. Da gab es viele Krämpfe Vorm Stadtthor und am Meer, Und drinnen setzt' es Krämpfe Und solche Sachen sehr. Die Helden thaten wilder Als Tigerthier und Leu, Es spielten die Weibsbilder Die erste Roll dabei. Der Juppiter der litt es Zum Schmerze des Apoll, Es lachte sich Thersites Den krummen Buckel voll. Der haßte jeden König, Und war genial wie Swift, Sein Blick war pur Arsenik, Und was er sprach, war Gift. Auf einmal sagt Achilles: Ich spiele nimmer mit, Denn meine Mutter will es Die alte Amphitrit. Am Meere saß er rocklos Im Hemd und grämte sich, Bis daß sein Freund Patroklos Durch Hector's Spieß erblich. Da wurmte sich Achilles, Er rast wie ein Bandit, Unbändigen Gebrülles, Da spielt er wieder mit. Den größten Stadtdirector Er richtet ihn zu Grund, Ach, auf den Namen Hector Hört heut sogar der Hund! Nun tobte auch der Ajas, Ein Kerl wie eine Schlacht, Thersites jener Bajazz Hat oft ihn nachgemacht. Der Diomedes konnte Nicht halten seinen Gaul, Vor der Trojanerfronte, Der Nestor nicht das Maul. Zum Schlusse aber riß es Den Griechen die Geduld, Und endlich war Ullysses An Trojas Sturze schuld. Da krochen die Spartiatten Aus des Gethümes Bauch, Und stürmten frech wie Ratten Durch Feuerwerk und Rauch. Sie sengten und sie raubten Und metzelten, was kam, Sie lachten und erlaubten Sich Vieles ohne Scham. Sie thäten gar zerbrechen Die Möbel und's Geschirr Und um die Beute knöcheln Mit widrigem Geklirr. Kassandra, eine Nonne, Hat es vorausgesagt, Sie ward in heller Sonne Vom Ajax 'rumgeplagt. Die Hekabeth, die Hexe, Lebendig ward verbrannt, Und ihres Leibs Gewächse Geschleppt nach Griechenland. Nur einer war Aeneas, Kam ungeschoren fort, Mit seinem Sohne Andreas, An einen dritten Ort. Er ist der Mann, der später Die Dido dran gekriegt, Und als ein Uebelthäter Sich heimlich wegverfügt. Das Schicksal war zufrieden, Die Menschen weniger, Zum Beispiel dem Atriden Dem ging es elend sehr. Das Opfer eines Schwertes Ward der Aga Memnon, Und seekrank des Laertes Sein vielverschlag'ner Sohn. Daß den Homer geschrieben Hab' einstmals der Homer, Das soll euch nicht betrüben So es erlogen wär. Im Gegentheil, die Führer Der deutschen Wissenschaft, Die großen Kritisirer, Halten's für fabelhaft. Sie strafen schmählich Lügen Ganz Rom und Griechenland, Und wissens zur Genügen, Daß es von selbst entstand: Das Buch der Iliade, Das Buch der Odyssee, Und ist's auch Jammerschade, Sie fanden's im Kaffee. Maler Schrumche Im Mondschein geht er um und um, Den Mondschein will er malen, schrum, Den Mondschein. Der Mondschein ist noch heute, schrum, Als wie er war im Alterthum, Der Mondschein. Im Mondschein ist es still und stumm, Den Mondschein will er malen drum, Den Mondschein. Den Mondschein malen ist nicht dumm, Wie malet man den Mondschein, schrum? Den Mondschein? Man malet ein Laternchen, schrum, Und malt den Mondschein drumherum, Den Mondschein. Das Bild ist wirklich wunderschrum, Betrachtet durch ein Gläschen Rum! Im Mondschein. Das Lied nun künde Schrumche's Ruhm, In Deutschland bei dem Publikum. O Mondschein! Straubinger's Weltansichten London Zu London in der großen Stadt Von sechs Millionen Seelen Man gar nichts zur Zerstreuung hat Als wie das edle Stehlen. Die Stadt liegt in dem Engelland Und an dem Fluß der Themse, Matrosen laufen an dem Strand Und kauen ihre Bremse. Viel tausend Galgen man dort hat, Von allen Qualitäten, Es ist die wahre Wohlethat, Wenn Einer dran geht flöten. Für g'meine Leut sind sie von Holz Und Jedem nach dem Wuchse, Für Lords von Mahagoniholz, Für Handwerksbursch von Buchse. Das ist von London die Geschicht' Im Uebrigen ist Nebel, Die Sonne scheint ihr Lebtag nicht, Sonst wär' es nicht so übel. München Wenn Einer sich was Gutes wünscht Und hat nicht viel zu wünschen, Der thut sich einen großen Dienst Und geht sogleich nach München. Ein' Rausch zu kaufen, ist nicht schwier'g Das zweit Haus ist ein Wirthshaus, Das erste Haus ist eine Kirch Oder sonst ein Seelenhirtshaus. Drum wer nicht auf der Straß will stehn, Hat auch nicht lang zu wählen, Auch lassen sich die Mädels sehn, Fast lauter schöne Seelen. Viel Wesens macht man aus der Kunst In höhern Regionen, Und Händel hat man ganz umsonst Nach allen Dimensionen. Auch gibt es nebenher Gewinn Bei Menschen, welche malen, Die stellen Einen nackig hin Und thun es gut bezahlen. Dann kommt man oft bei Tag und Nacht In's ärgste Regenwetter Und nimmt man sich nicht recht in Acht, Auch in die fliegenden Blätter. Wien Die beste Unterhaltung hat Der Mensch in Wien darin halt, Es gibt halt nur ein' Kaiserstadt, Es gibt halt nur ein Wien, halt. In Bayern gibt es gutes Bier, In Wien ist's noch viel besser, Dort leben die Argepoussier' Und viele Opiumfresser. Den ganzen Tag wird dort getanzt, Die Sträuß' und die Herrn Länner Sind hinterm guten Kaiser Franz Noch jetzt die größten Männer. Doch ist das alte Wien vorbei, Wenn man es recht betrachtet, Man geht jetzt in die Wallachei, Sobald man übernachtet. Am g'scheidtsten bleibt man weg von Wien, 's ist nimmer recht geheuer, Das Geld ist hin, lieber Augustin, Das Pflaster ist zu theuer. Paris Wer niemals in Paris gewest, Der ist kein deutscher Mann nicht, Wer einmal dort ist, kneipt sich fest, Und sagt Adies, ich kann nicht. Die hochwohllöbliche Polizei Sorgt schon, daß er noch fortkommt; Man hält sein Maul und lebt dann frei, Wenn man nicht gleich als Lord kommt. Der Engelländer spricht allein Wie ihm der Schnabel g'wachsen, Denn wer versteht auch das Latein Von einem Angelsachsen? Die Deutschen halten einfach 's Maul, Die Italiener schweigen, Die Türken sind von selbst zu faul, Die Ungarn, glaub' ich, geigen. Und Geld verdient man dort wie Heu, Und laßt es nur so springen, Und gibt's Krawall, ist man dabei, Und ich geh' jetzt nach Bingen. Berlin Berlin ist eine gute Stadt Im königlichen Preußen, Die Polizei, die sich dort hat, Weiß Alles zu beweisen. Das Bier daselbst ist nabelblond, Der Schnaps wird übertrieben, Doch diesen bin ich nicht gewohnt, Obschon ich ihn thu lieben. Dort weiß der Mensch nicht, wie ein Fluch Dem Menschen 's Herz erleichtert; Ich kann nicht reden wie ein Buch, Bin ich 'mal anjefeuchtet. Wen sein Gesandter dort nicht kennt, Den kennt nicht der Berliner, Drum mach' ihm gleich dein Kompliment Und sprich g'horsamer Diener! Das Militär und die Kavallerie Ist dort die einzig Hauptsach, Und Philosophie und Menagerie, O du allmächtiger Strohsack! Bruder Straubingers Kulturgeschichte Im Anfang war es finster, Ja finster in dem Bauch, Doch als die Sonn am Himmel stand Und Aufklärung im ganzen Land, Bliebs finster in dem Bauch. Es jammerten Propheten, So finster sei's im Bauch. Zu ändern war es nimmermehr, Und ob sie jammern noch so sehr, Bleibt's finster in dem Bauch. Die Wissenschaft erblühte, Daß hell es würd' im Bauch; Das Mikroskop so kühn und fein Drang in den tiefsten Winkel ein, Doch finster blieb's im Bauch. Und ist sie auch gar traurig Die Finsterniß im Bauch, So freuet euch des Lebens doch, Es ist der Bauch kein Kellerloch, Und finster bleibt's im Bauch. Straubinger in der Münchner Ausstellung Da komm ich eines Tages in Die Indurstie-Ausstellung, Man hat mir g'sagt, es sei dadrin Die Handwerks-Kunst-Vermählung, Ich stell mich an den Springbrunn gleich Und laß mich feucht bestäuben, Da wird mir's Herz so windelweich, Ich kann nicht länger bleiben. Und an die Decke schauet' ich, Das Glas mir zu betrachten, Da meint ein Frauenzimmerlich Ich thät nach ihro schmachten; Nun zieht sie sich zurück sogleich Vor meinen Zeitvertreiben, Da wird mir, ach, das Herz so weich, Ich kann nicht länger bleiben. Drauf stell' ich vor ein Erzbildniß Mich hin mit Wohlgefallen: Das ist ein großer Herr gewiß, Denn Schuh' hat er mit Schnallen! Nur ist er selbst schon eine Leich', Wie mir's die Leut beschreiben, Da wird das Herz mir grausam weich, Ich kann nicht länger bleiben. Und plötzlich riecht es gar so schön Als wie im Kümmelladen, Doch muß ich mit Betrübniß sehn, Es sind ja nur Pommaden, Und lauter so versalbtes Zeuch, Den Kopf sich einzureiben, Da wird mir's Herz so butterweich, Ich kann nicht länger bleiben. Daneben duftet in die Höh, Zu meinigem Erstaunen, Ein Obelisk von Sa-ifö, O tolle Handwerkslaunen! Ich glaubt ich muß mich allsogleich Vor Schamgefühl entleiben, Da wird mir doch das Herze weich, Ich kann nicht länger bleiben. Drauf sah ich mich zu meinem Schreck Verkehrt in einem Spiegel, Und steh mit meinem Hemd voll Speck Vor ausgestopftem Gflügel. Ein Eulennest, o denket euch, Zum Hut sich anzutreiben! Da wird mir auch das Herz so weich, Ich kann nicht länger bleiben. O Himmelheiligsakrament Was Kutschen und was Schäsen! Ach, daß ich drein mich setzen könnt' Mit einem zarten Wesen! Meineidiglich wollt' ich sogleich Die Gäul verhaun, die Kaiben, Da wird das Herz mir windelweich, Ich kann nicht länger bleiben. Drauf thu ich auf der Gallerie Mit Frohsinn um mich grinsen, Entdeckend einen Parablie Noch dünner als zwei Binsen; Mit solchem Angebinde reich Möcht ich mich flugs beweiben, Da wird mir's Herz so weich, so weich, Ich kann nicht länger bleiben. Und wie ich ganz herunterkam, Stand ich vor den Maschienen, Woselbst ich eine Prise nahm, Den Scharfsinn zu bedienen. Ein schiergar menschliches Gekeuch Thät da mich übertäuben, Da wird mir, ach, das Herz so weich, Ich kann nicht länger bleiben. Nun bleib' ich leidenschaftlich stehn Vor einem Gegenstande, Den ich mit Rührung stets besehn In jedem Vaterlande; Rindsleder ist es ohne Gleich, Man kann's nicht weiter treiben, Da wird das Herz mir lederweich, Ich kannn nicht länger bleiben. Ich hätte an der Einrichtung Zwar Vieles auszusetzen, Wollt' ich mir meine arme Lung' Schnell aus dem Leibe schwätzen, Doch ist es besser, daß ich schweig, Als so mich aufzureiben, Mein Herz wird ohnehin zu weich, Ich kann nicht länger bleiben. Nur Eines kann ich, glaub' ich als, Im Busen nicht vergraben, Die Saul von Seif und die von Salz, Die möcht' ich anders haben; Die beiden möchte ich sogleich Hoch übereinander steibern, Da wird das Herz mir sterbensweich, Ich kann nicht länger bleiben. Vermissen muß ich aber hier Auch menschliche Getränke, Denn Spritt ist doch kein bayrisch Bier, Um das ich viel mich kränke; Von diesem indurstielen Zweig Kann leider ich nichts schreiben, Da wird das Herz mir windelweich, Ich kann nicht länger bleiben. Auch zweifl' ich, ob vom Handwerksburst Der Eintrittspreis gelobt wird, Indem man so mit Schnaps und Wurst Beim größten Durst gefoppt wird. Wenn lüstern ich vorüber schleich' An Gitterwerk und Scheiben, Da wird mir's Herz so schmählich weich, Ich kann nicht länger bleiben. Dem hintern Winkel aber darf Mein Lob ich nicht versagen, Wo ein Klavier und eine Harf' Ich höre schandbar schlagen, Mit einem Weibsbild tanz' ich gleich, Herum trotz allem Sträuben, Da wird mir's Herz wie Brei so weich, Ich kann nicht länger bleiben. Z'letzt wie ich so vergaffe mich In Bilder auf Geschirren, Da stolpr' ich elend hintersich Und höre sakrisch klirren; Ich bin aus meinem Himmelreich Gefallen durch die Scheiben, Da wird mir's Herz verzweifelt weich, Ich kann nicht länger bleiben. - Doch eh' man meiner habhaft ward, War ich schon weit vom Schusse, Und zeigte Geistesgegenwart Mit einem Liebenskusse; Den gab ich mir nichts dir nichts gleich Der Bäbi vor der Kneipen, Da ward mir auch das Herze so weich, Und ich beschloß zu bleiben. Der Tabak Gäb's keine Kartoffeln und gäb's kein Brod, Wie wollt' der gemeine Mann leben? So hören wir jammern in Zeiten der Noth, Als könnt' es nichts Besseres geben. Kartoffeln und Brod, Thut weniger Noth, Aber ohne Tabak, ja das wär' unser Tod. Verhungern, verdursten, wir müßten es längst, Das könnt uns kein Herrgott ersparen, Es hat uns noch niemals ein Mißjahr geängst', Wenn man's nicht am Tabak erfahren. Für Hunger und Durst Ist Wein und Wurst Der dampfende Globen dem Handwerksburst. Herrmann der deutsche Cherusker Drama von Schreinermeister Meier Erster Aktus Varus, du kaiserlicher Feldmarschall, Ziehst jetzt direct zum Teutoburger Walde Und schlägst die Barribaren all - Sehr wohl! Zertrümmre sie nur balde! Du kriegst der besten Legionen drei. Bring sie mir ja zurück, Jubitter steh' dir bei, Sonst mußt du wieder selbst Gemeiner werden. Sehr wohl! Jetzt geh, sieg oder stirb auf Erden! Zweiter Aktus O fürchterliche, schröcklichen Gebüsche Des wildgewachsenen Teutoburger Walds! Ha! Wie es schüttet! Säß ich doch zu Tische! Als wie mit Kübeln kommt mir's auf den Hals. Der Hagel will mich grimmig steinigen, Ihr römische Götter! Was ist das ein entsetzliches Donnerwetter In diesen schaurigen altdeutschen Hainien? Du edler Römer, zittre nicht, Glaub, daß sich das Gewitter bricht. Bei uns thuts oft nur so. Wie's grollt! Das hat mein theurer Kaiser nicht gewollt, Daß seine besten Legionen, Die schönsten Bataillonen Durchnäßt und nahrungslos hier stürben. Was spielest du den Mürben? Ein Römer, der den Muth verliert? Du hast verrathend uns verführt; Der du dein deutsches Vaterland verrathen, Verräthst auch so als gründlicher Verräther Du deinen römischen Wohlthäter? Ich bin verkannt, drum wehe mir und Schand! Ich wollte nur das Beste für mein Land. Du doch verläumdest deinen Muth. Ich sage dir, Segestes, sei so gut, Verbirg in deinen schändlichen Gebürgen Dich unverzüglich, um dich zu erwürgen. Wolfschluchten, solche bin ich nicht gewohnt, Und heut' scheint nicht einmal der Mond. Lies jeden alten römischen Autoren, Daß Herrmann euch gelockt in diese Mooren, Nicht ich, nein er, mein Schwiegersohn. Er ist ein Bösewicht, und dieses kommt davon. Nun meinetwegen. Zeis soll ihn verfluchen. Ich will das Eiserste versuchen. Dritter Aktus Wohlauf, ihr alten Deutschen! Sieg oder Tod! Die römischen Knürpse zu vernichten Im Morgenroth, im Abendroth, Ist eine Kleinigkeit vor uns, die Wasserdichten. Halt ein, Verräther! Vorwärts Marsch, Legionen! Und gieng es gegen Teufel und Huronen, Rettet die Adler erster Klasse! Nur nicht so hitzig, wälsche Rasse! Schäm' dich, das Regenwetter zu benützen, Man rauft nicht, wenn die Götter blitzen. Von Dir hätt' ich das nicht gedacht. Es ist halt das die Teutoburger Schlacht. Vierter Aktus Bis hierher und nicht weiter, ich verzage. Da knuspr' ich schon zwei volle Tage An dieser alten Brodrind! O Geschick, Für einen römischen Feldherrn ohne Glück! Wo Muth und Kraft in deutscher Seele flammen, Fehlt nie das blanke Schwert beim Becherklang. Wir stehen fest und halten treu zusammen, Und rufen's laut in feurichtem Gesang: Ob Fels und Eiche splittern, Wir werden nicht erzittern, Den Jüngling reißt es fort mit Sturmeswehn, Für's Vaterland in Kampf und Tod zu gehn. Ha, welche wüsten Kneipenlieder Der baribarischen Zechgebrüder! Schrecklich zerreißen sie mein italienisch Ohr, Sie kommen mir aus keiner Tonart vor. Edite, bibite, collegiales - O Hohn auf mich, entbehrend jedes Mahles. Und der Tabaksqualm und die schrecklich langen Pfeifen und Hopfenstangen! Heil dem Manne, der den grünen Hain Des Vaterlandes sich zur Heimat auserwählet, Den die Freiheit und der goldne Wein Mit Liebe, Muth und Fröhlichkeit beseelet. Wenn die Hörner schallen und die Büchsen knallen, Blüht auf Feindesleichen Freiheit deutscher Eichen. Heil dem Manne der den grünen Hain ... Das erste ging noch an, dies aber tödtet! Mich wundert nur der lange Athem da. Wie Hermanns Nase sich so finster röthet! Ein blutig Omen, Omen sagt man ja? Was ist des deutschen Vaterland, Ist's Schwabenland? - Sieg' oder stirb, sprach mir des Reiches Vogt, Da ich das Erstere nun nicht vermogt, Gelingt vielleicht das Letztere mir, auf Ehre, Dadurch, daß ich die Räuberlieder höre. Freiheit, die ich meine ... Nein, jetzt ist es genug! Auch das noch, nein! Komm! Sclave, bohr dein Schwert in mich hinein. Rücklings geht es am besten. Nun? Die Folter währt zu lange, ich will ruhn. Ich elendiger Sclave, solch Verbrechen Begehn und dennoch dann verhungern? Wie die dort hinten fürchtig zechen, Und in den finstern Wäldern lungern! Mach' vorwärts, Schurge! oder ich thu's selbst. Gib Acht, daß du nicht an der Wurzel stölpst. Mach' doch! Ich stehl' dir gleich den Ruhm, Den weltberühmten Varus zu ertödten. Wo denket Ihr hinan? So fahre flöten! Sieh, Schurg, so fallt ein Römer um. Das heiß' ich schlimm die Zeit verkürzt, Wenn Einer in sein Schwert sich stürzt. Fünfter Aktus Hilf heiliger Eßkuhlab, hilf, Frau! Es steckt im Halse mir der halbe Pfau. Bei dieser Schreckensbotschaft ist's kein Wunder. Ich bring den Brocken nicht hinunter. Zur Hilfe, rettet nur den Kaiser! Beruhige Dich, es ist vorbei, das da. Ich bin nur etwas weniges heiser, O edle Kaiserin von Afrika, Europia, Asia, wenn auch nicht Amerika. Gottlob, o Jubbiter! - Ja, jah. O Varus, Varus gib mir meine Legionen wieder! Das war eine Von deinen welthistor'schen, von Deinen Kalambuhrs, ich kenn' das schon. Hin ist dahin! Laßt mich nach Lüften schnappen. Erst vor drei Monden neue Achselklappen Mit Gold! Und nagelneue Wappen Auf Schild und Pickelhaub'. Und die Tornister! Mir wird so dumm, so düster! Wo willst du hin? Gleich, Frau, bin ich zurück. O lange dauert oft ein Augenblick! - Nun, was hast du gemacht? Ich hab nur schnell Und ohne alle Leidenschaft Die deutschen Leibgardisten abgeschafft; Denn denen trau' ein And'rer! Werriwell. Der römische Kaiser ist so dumm nicht als Er aussieht. Sapperlot, mein Hals! Babeno und Gabriele, treu nach einer Taschenbuch-Ballade von 1813 Schon lag die Nacht in tiefer Stille Und feierlich auf der Natur, Und sparsam aus der Wolkenhülle Sah Luna nieder in die Flur. Da trat Babeno - großer Ahnen Ein Sprößling - unter's Sternenzelt, Hin zu den nächtlichen Balkanen, Bis Liebchen ihn umschlungen hält. Sie wandeln von dem Zephyrwinde Umlispelt und mit ros'gem Sinn Durch Silbertannen-Labyrinthe 1 Zu einem Felsenhügel hin. Da war's, wo sich um alte Trümmer Von einer Burg nur Epheu schlang, Und aus dem öden Felsenzimmer Nichts, als der Eule Grablied drang. Es blickte hin zu dem Gemäuer Das Mägdlein voller Bangigkeit; Am Fuß der Felsen ist's geheuer, Von oben zagt die Weiblichkeit. Ach, sprach sie, grausig geh'n Gespenster Dort oben auf der Ritter Grab, Ein wilder Mann blickt aus dem Fenster Der Höhe fürchterlich herab. Die Todten ruh'n - so sprach Babeno, Dort oben ist kein wilder Mann, Der Menschen würgt. Komm, laß uns gehn o Den sanftgewundnen Pfad hinan! Sie wandelte durch schwarze Gänge An ihn geschmiegt und minnetraut, Dort in die hohe Felsenenge, Wo Schreckniß den Ruin umgraut. Hu da! - aus einer offnen Nische Springt pfeilschnell eine Blutgestalt, Die Jungfrau bebt in das Gebüsche, Da ihr der Geist entgegenwallt. Wer seid Ihr, daß Ihr mich zu stören In diesen Stunden Euch erfrecht? Des Frevels Sünde sollt ihr hören Und fühlen, wie ein Geist sich rächt! Sein Schwert zieht kühnlich stracks Babeno Stürzt, aufgeregt von Heldenmuth, Entgegen sich dem Nachtgespeno - 2 Der Unhold sinkt - es strömt sein Blut! Und Todesangst umfaßt im Mieder Des Mädchens Herz - der Seele los Fällt es, vom Schlag 3 getroffen, nieder Auf's mordumflossne Felsenmoos 4 . Da wirft Babeno weg den Stahle Und eilt zu der zerstörten Braut; - Ach, ausgerungen hat die Fahle, Nur Todesschweiß umrinnt die Haut. Wie? - Todt? - Du, meine Gabriele! Gerechter Gott! - entrissen mir? Ruft er und ringt empor die Seele, Nein, Traute, mich trennt Nichts 5 von dir! Nicht Schicksal, nicht des Todes Pfeile Entreißen mir dein treues Herz, Ich folge dir -! Auf Erden heile Nichts reiner Minne Trennungsschmerz. Er sprach's und nimmt das Schwert verletzlich, Das noch vom Blut des Unholds raucht, Durchbohrt die treue Brust, und plötzlich Ist seine Seele schon verhaucht. So starb Baben' und Gabriele, Erfüllend ihrer Ahnen Fluch; Am Grab schlug eine Philomele, Und nicht vertrieb sie der Geruch. Fußnoten 1 Die sog. Weißtanne: pinus picea. Linné. 2 Licentia poetica. 3 Apoplexia cerebralis. 4 Parmelia saxatilis. 5 Nihil privativum. Die Rache Eine schändliche Ballade. Umgebracht in seinem Bette, Liegt der Ritter Seidelbrecht, Liegt in seinem bleichen Fette, Und daneben steht sein Knecht, Steht sein Weib, das abgefeimte, Das von jeher Bosheit schäumte. Und es spricht der Knecht des Hauses, Wischend die bespritzte Hand An dem Aermel seines Flauses, Zum verruchten Weib gewandt: Dieser ist des Todes worden, Soll ich auch den Sohn ermorden? Und erwidernd spricht die Arge: Schöner Josef, sei so gut! Thu mir den Gefallen, karge - Nimmer mit Tyrannenblut! Willst Du Gift, willst Du ein Dölchlein, Oder würgen wir das Mölchlein? Ach, sie haben kein Gewissen, Ach, der Kleine muß daran, Aus dem Bett wird er gerissen, Und mit Wohllust abgethan. Sieh, das geht geschmiert wie Butter, Lispelet die Rabenmutter. Horch, da raspelt's in dem Bette, Da erhebt sich's aus dem Bett Und als ob es Leben hätte, Wandelt es zum Pfeifenbrett; Stopft sich mit verdrehten Augen Einen Kopf und thut ihn rauchen. Gräßlich, gräßlich, gräßlich, gräßlich, Gräßlich, das ist ein Gespenst! Josef, Josef, wird unpäßlich, Eulagunde blickt entmenscht: Beide wagen nicht zu sprechen - So thut Seidelbrecht sich rächen. Eine lange, lange Stunde Schleicht dahin und Keines weicht, Uebel wird es Eulagunde, Josef zum Phantom erbleicht: Seidelbrecht, der Todtensteife, Stopft sich eine zweite Pfeife. Höret nimmer auf zu rauchen, Stieret auf das Herz des Weibs Mit dem linken seiner Augen, Schauerlichen Zeitvertreibs; Mit dem rechten schielt erbittert Er auf Josef, der da zittert. Und zum andern Male klopfet Aus die Pfeife Seidelbrecht Und zum dritten Male stopfet Er die Pfeife mundgerecht. Siebenmal und nochmal sieben Mal wird dieser Spuck betrieben. Eben schlug die zwölfte Stunde Dumpfig, wie ein Uhu surrt, Angeraucht ist Eulagunde, Josef ärmlich eingeschnurrt; Schon, mit ganz verdorbnem Teinte, Stehn sie da wie Postamente. Dann, unmöglich daß man's glaube, Unerbittlich, stumm, gerecht, Bröckelt er zu schnödem Staube Seine Gattin, seinen Knecht; Stopft damit, wer will's begreifen? Siebenmal dreihundert Pfeifen. Rauchet krampfhaft, rauchet schändlich, Bis der Hund zur Sonne bellt, Raucht und rauchet, bis er endlich Selbst in Staub und Asche fällt. Wage Keiner, daß er lache - Das war eines Rauchers Rache! Die Keule des Ariovist Nun höret, wie geschehen Der Tod des Ariovist, Den Niemand hat gesehen Und doch passiret ist. Es ritt in stillem Zoren Der Held, gemächlich faul, Ohn' Sattel, Zaum und Sporen Auf seinem Schwabengaul. Auf einer Römerheerstraß, Die fest und bucklig war, Begegnet von der Quergaß Ihm ein verlaufnes Paar. Es waren alte Römer, Ein Jüngling und ein Mann, Denn ihnen war's bequemer, Zu lotteln hinten dran. Vermuthlich Marodierer Von Cäsars wildem Heer, Spaniolen oder Syrer, Man weiß es halt nicht mehr. Da wollte vor dem König Das Paar den Hut nicht ziehn, Das ärgert ihn nicht wenig, Macht ganz berserkert ihn. Er ruft mit Hünenstimme Das Kinzigthal entlang, Indeß er hoch im Grimme Die Kugelkeule schwang. Ich sag' Euch, machet linksum! Die Keul' ist spiegelglatt Und rund, und dennoch ringsum Scharf, wie man Messer hat: Wie Messer zum Rasiren! Merkwürdig! Wo man sucht Die Fläche zu berühren, Da schneidet sie verflucht! Ich warne euch im Guten, Man siehts dem Ding nicht an, Und wollt Ihr euch nicht sputen, So seid ihr übel dran! Doch hatten für die Mahnung Die Kerle kein Gehör, Und aus des Mauls Verzahnung Verspotten sie ihn sehr. Da holt er aus zum Hiebe Und schlägt den Ersten, fein Wie eine alte Rübe, In Erzgrundboden 'nein. Der Zweite gleich vor Schrecken Stirbt auf dem Platz und spricht: Vom Roß und von dem Recken Seh' ich die Bohne nicht! Ja, wie die Barden melden, So fuhr die Keule noch Mitsammt der Faust des Helden Hinunter in das Loch. Es war die Wucht zu grimmig, Aus Unvorsichtigkeit! Hört, höret, was einstimmig, Berichteten die Leut! Es riß der Hieb hinabe Den Reiter und sein Roß, Und lagen sie im Grabe, Das wieder schnell sich schloß. Der Held nicht konnt' es wehren, Zu groß war seine Kraft, Mit Besen konnte kehren Man auf der Schneelandschaft. Jedoch die scharfe Keule Lag jetzt im Boden und Schnitt in der langen Weile Bis heute durch den Grund. Man fand die mehrgenannte Am Strand Amerika's - Ein Deutscher sie erkannte, Der jüngst im Cäsar las. So wollte ich euch singen, Und wollte sagen euch Vom ersten, nicht geringen Genie- und Schwabenstreich. Die Geschichte vom Tamerlan (Ein akademischer Unsinn.) Es war gerad in Asien, Wo der geboren ward, Der da das Stift St. Blasien Gar nicht gestiftet hat. Im Gegentheil, er hätte Es grausamlich zerstört, Und jede faule Mette Hätt' elend aufgehört. Von dem ich heute spreche, Das war der Tamerlan, War eingehüllt in Bleche Vom Zeh bis an den Zahn. Sein Vater war Tscheptschaptschin, Und Graf der Mongolei, Sein' Mater war Tartarin, Sein Kater hieß Gei Gei. Als er geboren wurde, Da ward der Himmel roth, Drum sprach ein alter Kurde: Der schlenkert Alles todt. So ist es auch gewesen, Ein Kerl, wie eine Schlacht, Und manches schöne Wesen Hat er in's Unglück 'bracht. Das war in seiner Jugend, Doch als er älter war, Bekam er die Untugend Der Trunksucht schauderbar. Dann that in seinem Rausche Umbringen er die Welt, Er hat die Köpf' im Bausche Und Bogen nur gezählt. In Isp'han bei den Mädel Macht er elend Furor; Aus drei Millionen Schädel Richt' er ein Saul empor. Das Morden macht ihn schläfrig, Den Sultan Bajazet Stellt er in einem Käfig Zum Spasse vor sein Bett. Am End, wie sich's gehöret, Hat er sich umgebracht; Weil Niemand mir es wehret, Hab' ich dieß Lied gemacht. Der Schnapsrausch (Aegyptisch.) Niedrig ist der Rausch des Schnapsoës Und kein Mensch hat Ruhm davon, Johann Raps, des alten Rapsoës Sohn war ein mißrathner Sohn. Laßt mich tief betrübt erzählen Wie sich Raps verlegt auf's Stehlen Und, wiewohl ihm das verhaßt, Ward im Schnapsrausch abgefaßt. Eingestellt als Knecht des Hausuës, Schlank, was die Gestalt betrifft, Dient er treu bei Menke Mausuös, Bis ihn reizt das Fuselgift: Denn in dem Geschäft war dieses Während einer Handelskrises, Im Geschäftslokal des Herrn, Darum naschte Johann gern. Also kam er viele Monate Mit dem Schnaps des Herrn zurecht, Da mit Bösem Gutes lohnete Raps der hinterlist'ge Knecht. Und noch eh das halbe Jahr um, Niemand ahnete, wie warum, War, o Schreck, im Fuderfaß Höchstens noch der Boden naß. Wie Herr Menke Mauses merkete Den abscheulichen Verlurst, Da geschah's, daß er sich ärgerte Ueber solches Diebes Durst; Ruft die Boten seines Dienstes Bringst es 'raus, sagt Menke, bringst es Raus, wo nicht, so bringst es nicht - Johann, halt' einmal das Licht! Johann, o Du dummer Teufuêl, Bring' die Flamme nicht vor's Maul, Johann, Du bist's ohne Zweifuêl, Denn der Fusel ist nicht faul, Schau, er schlägt Dir aus dem Rachen Lichterloh, es ist zum Lachen, Nein, es ist zum Lachen nicht - Mensch, o halte nie das Licht! Heimtück' und Reue (Wahre, schändliche, doch nicht so ganz ruchlose Ballad.) Daß mit Liebe Grausamkeit verbunden Oftmals durch des Schicksals Toben ist, Hat bekanntlich Romeo empfunden Sammt der Julia, die ihn geküßt. Aber schauderbar Die Geschichte war, Die erlebte jüngst ein Decopist. Michel Heidt der Zwanzigste, ein Bauer In der Landgemeinde Muckenwies, War um seine Ehefrau in Trauer, Während seine Tochter Eva hieß. Und vom Landgericht Mehrmals monatlich Kam der Wilhelm Straub, das ist gewiß. Jener Vater eines Mädchens hatte Diesen kühnen Jüngling auf dem Strich, Auch die Tochter hatt' er auf der Latte Weil sie seiner Aufsicht hold entwich, Und er hielt die Zwei Nicht sowohl für treu, Sondern aber fast für lüderlich. Darum konnte man's ihm nicht verdenken, Daß das Paar melankatholisch ward, Daß sich Er herumtrieb in den Schenken, Und daß sie verdächtig auf ihn harrt; Denn des Abends spat In der Kemmenat Uebertäubten sie die Gegenwart. Doch der Vater, vor der Zukunft bange, Durch Vergangenheit gewitzigt schier, Nährt im Busen bösen Heimtucks Schlange, Rasselt schrecklich plötzlich an der Thür; Und vor seines Grimm's Eile, durchs Gesims Schwingt der Jüngling sich in's Luftrevier. Aber, wie der sorgenvolle Vater Arglist schnaubend es vorhergesehn, Oeffnet landwirthschaftlich sich ein Krater Unten, wo des Hofes Kater stehn. In der Grube groß Schnöde Gülle floß Uebers Haupt, ach, dem Verwegenen! Aus dem Himmel in den Pfuhl der Hölle, Glaubt der Aermste, jählings sich gestürzt, In des schaurigen Kozytus Welle Seines Lebens Faden schon gekürzt, Doch er taucht empor, Und in's frohe Ohr Braust die Welt ihm wieder, stark durchwürzt. Weh! Da stand er in dem Morgengrauen Als ein nächtlich dunkler Ehrenmann, Noch vermocht er nicht das Licht zu schauen, Doch zu dämmern es ihm sonst begann. Süßen Trost vernahm Er in Schreck und Scham, Als sich oben Prügelei entspann. Denn er höret der Geliebten Stimme, Ob sie auch der Vater, wild entsatzt, Gleichend einem Wüstenungethüme Unbarmherzig, lächelnd, durchkarbatscht, Ob es gleich ihm ahnt, Was da allerhand Würde allwärts bald herumgeklatscht. Und mit einem wüthigen Entschlusse Rettungslos ergreifet er die Flucht, Träumend von des Abschieds heißem Kusse Und des Farrenschweifes kalter Wucht; Athmet wieder frei Erst im nächsten Mai, In Australiens ferner Hafenbucht. Ja, die treue Liebe wird belohnet In dem herrlichen Australia, Staunet nun, wie der Entwich'ne wohnet, Einer lieblicheren Grube nah: In des Goldes Staub Wälzt sich Wilhelm Straub, Stehet glänzend als ein Phönix da. Und er lebet wie ein reicher Nabob, Sparsam nur der Liebe huldigend, Denn ein Brief vom Muckenwieser Jakob Meldet, daß die alte Flamme brennt; Daß der alte Heidt Sei voll Traurigkeit, Und daß Alles nicht so übel ständ'. Also in Europas Hain zergrämte Sich der Vater um der Tochter Glück, Ja, man sah ihm an, daß er sich schämte Ueber seiner Tücke Meisterstück. Nachbars Neckerei Macht den Gaul ihm scheu, Und er zog sich vor sich selbst zurück. Ja, es währt nicht lang, so sind dieselben Nach Australien gleichfalls durchgebrannt, Und der William mit dem feuergelben Glaçé reicht den Reisenden die Hand. Stumme Zähre rinnt, Und sogleich beginnt Hochzeit, Tauf' und heil'ger Ehestand. Kneiplied vom Ahasver Mel.: Steh' ich in finsterer etc. Ich bin der alte Ahasver Ich wandre hin, ich wandre her, Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, Ich finde sie nimmer und nimmermehr. Es brüllt der Sturm, es rauscht das Wehr, Nicht sterben können, o Malheur! Mein Haupt ist müd, mein Herz ist leer, Ich bin der alte Ahasver. Es brummt der Ochs, es tanzt der Bär, Ich finde sie nimmer und nimmermehr, Ich bin der ewige Hebrä'r, Meine Ruh ist hin, ich streck's Gewehr. Mich hetzt und jagt, ich weiß nicht wer, Ich wandre hin, ich wandre her, Zu schlafen hab' ich sehr Begehr, Ich bin der alte Ahasver. Ich komme wie von Ohngefähr, Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer. Ich fahre über Land und Meer, Ich wandre hin, ich wandre her. Mein alter Magen knurret sehr, Ich bin der alte Ahasver, Ich wandre in die Kreuz und Quer, Ich finde sie nimmer und nimmermehr. Ich lehne an die Wand den Speer, Ich habe keine Ruhe mehr, Ich schweife nach der Pendellehr', Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer. Schon lang ist's, daß ich übelhör', Küraçao ist ein fein Likör, Ich finde keine Ruhe mehr, Einst war ich unterm Militär. Ich zahle stets, was ich verzehr' Und wandre hin und wandre her, Ich bin der alte Ahasver Und meine Zunge sieht nicht mehr. Salvatorbier ich hoch verehr', Ich finde sie nimmer und nimmermehr, Vielleicht noch werd' ich Missionär, Meine Ruh ist hin, mein Herz ist leer. Wer hindert, daß ich aufbegehr'? Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, Ich bin der alte Ahasver. Jetzt aber weiß ich gar nichts mehr. Quodlibet teutonicum furiosum Setzt der Löwe in Gedanken tief Ueber einen Graben still und schief, Dann wird auch die Liebe siegen Oder unter - gehn. Ja, der Tod ist nur Chimäre, Und im Raume wohnt die Schwere, Und das Leben ist doch schön, doch schön, doch schön! Wie heute Nacht, ja Nacht - Engel fallen aus dem Himmel, Schneider von dem Schimmel, Schimmel; Raum ist in der kleinsten Hütte für Ein liebend Paar. Ja! So lebt, so eilt: so lebt, so eilt, So laßt uns tapfer zechen, Nebukadnezar schützet uns; Der Habersack zur Sonne fliegt. Vernunft hat auch der Hund, Die arme Welt im Argen liegt, War einst so kugelrund, rund - Es ist schon lange her. Es freut uns um so mehr, Es freut uns um so mehr - ja, ja! Wer niemals in Verlegenheit Und Wien gewesen ist, Wer seinen Käs nicht wiederkäut Und froh mit Thränen ißt, Der geh nicht eh'r vom Platze heut (Als bis der Wächter Zwölfe schreit) Als bis er aus Verlegenheit, Juvivallera vallera, vallerala Juvallera vallera la - Lahá tatta lá tata la ramdrá'm, ratu lahá himmelsakerment hum! Ja - Constanz liegt am Bodensee, Auf der Alma liegt der Schnee, láhála diatála rep. lá. Alles schweige, Jeder geige Ernste Töne hoch empor! Hört, o hört mit sieben Ohren, Polen ist noch nicht verloren, Denn Othello war ein Mohr - Es ist schon lange her, es freut uns um so mehr. Mehr, mehr, und mehr und mehr Zieht sich das Eis daher Vom Pi - pa - Pol - Erde verreiset sich, Bulldogg verbeisset sich, Aber in Leipezig Ist es uns wohl - Juviheirassasassasah, Da kam ein stolzer Reiter Und brach sich - An der Saale kühlem Strande Stehen Burschen toll und kühn, Ihre Dächer sind zerfallen Und das - Schiff streicht durch die Weser Fidibus! Zerbrochen sind die Gläser Fidibus! Und so ferne ist der Zaar, Ja so ferne, o wie gerne Säß ich doch im Caviar, Fidibus, Fidibus! Huß, Huß, Huß und Huß Es ist ein harter Schluß, Daß, daß, daß und daß, Daß Huß verbrennen muß! - Lahata lá dram Dei dia dia dei diadia. Deidia lahata! Lahá tattah la - - Ach schwer drückt mich der Schulden Last! Der Solala Ein dummer Kerl war Solala Am liebsten voll des Weins, Was draußen in der Welt geschah, Das war ihm furchtbar eins. Er lebte in den Tag hinein Der Solala und pries den Wein. Einst saß er in dem Schwanen gut, Der edle Solala, Und trank sich frischen Lebensmuth, Gar lange saß er da. Die Langeweile plagt' ihn sehr, Da kam der Veitel Stern daher. Wie geht's, wie steht's, Herr Solala? Beginnt der Veitel Stern, Gibt's was zu handeln? - "Handeln? Ja! Was möchtest, Veitel, gern? Die Hauptsach' ist, daß man was thut, Das ist für Langeweile gut." Ihr habt da schöne Kleider an, Was wollt Ihr für den Rock? "Den Rock - ich nicht entbehren kann, Nein, eher noch den Stock. Wie sollt' ich mich denn ausziehn, he? Wenn ich heut Abend schlafen geh? " Nun ja, den Stock! die lange Weil' Vertreibt er Euch doch nicht, "Ach nein, der Stock ist mir nicht feil. Da geht mir auf ein Licht: Den Stock, den stellt man an die Wand, Was thu ich dann mit meiner Hand? Versteht sich. Aber Euer Hut? Den laßt mir ohne Streit. "Mein Hut, mein Hut? Das geht nicht gut. Hör' an und sei gescheit: Wenn der Herr Pfarrer mich erkennt, Wie mach' ich ihm mein Compliment? " Ei, habt ihr da nicht eine Uhr? "Da muß ich bitten schon, Die Uhr bekam ich, denk' Dir nur, Zur Confirmation. Da müßt' ich ja, nicht wahr, Herr Wirth? Noch einmal werden confirmirt! " Das Messer? "Wenn's mich nur nicht gar Mit Vatern überwirft. Er sagt, daß alle Vierteljahr Ich ein's verlieren dürft'. Wie kann ich es verlieren dann, Wenn ich's nicht mehr einstecken kann? " Jetzt weiß ich was! ruft Veitel Stern, Was sind wir doch so dumm! Geld hat von uns ein Jeder gern, So handeln wir darum! Ich bin reell, Ihr seid nicht knapp, Ich kaufe Euer Geld Euch ab! "Halloh, so schreit der Solala, Das ist ein Handel fein, Ob man schon so was Neues sah? Den Handel geh' ich ein. Da, zähl' einmal! Eins, zwei, drei, vier - Die Mühe überlaß' ich Dir!" Zwei Thaler Münze, ohne Schnitt, Natürlich! Wer was kauft, Will auch ein Weniges Profit, Getauft und Ungetauft. "Natürlich, sagt der Solala, Das weiß' ich, das versteht sich ja!" Die ganze Hälfte biet' ich Euch, Die Hälfte Euch zulieb, Die Hälfte blank, baar und sogleich, Ich bin kein Schuft, kein Dieb! - Der Solala kratzt hinterm Ohr, Der Vorschlag kommt ihm spanisch vor. "Die Mutter sagt, man würde oft Beim Handeln arg geprellt, Man sei zu gut, und unverhofft Verliere man sein Geld. Auf's Bieten soll man bieten keck, So käm' man noch am Besten weg." Ich will Euch helfen, Veitel spricht, Ich kenne ja den Brauch; Den Werth des Geldes kennt Ihr nicht "- Das sagt der Vater auch. Ja, hilf Du mir und gib mir's an, Denn Du, Du bist ein Handelsmann." Herunterbieten müßt Ihr noch. "Ja, so hab' ich's gehört. Die Hälfte sag' ich also ... doch Bist Du dann nicht beschwert? Die Hälfte Du, die Hälfte ich, So ist der Handel meisterlich." Die Hälfte von der Hälfte macht Ein Viertel. Gut, schlagt ein! - Der Veitel zieht zwei Thaler, lacht Und zieht den Beutel sein, Zahlt einen halben Thaler baar, Und sagt: nun ist die Rechnung klar. Der Solala mit leichtem Sinn Sagt Veiteln gute Nacht; Ein gut Geschäftchen immerhin Sagt der, habt' Ihr gemacht. Als Handelsmann besteht ihr da! "Das sag' ich auch -" sagt Solala. Sich selber hoch bewundernd schläft Am Tisch der Edle ein, Und träumt von seinem Geldgeschäft, So schwierig, glatt und fein. Dann steht er auf und sagt: Ja, ja, Ich bin halt doch der Solala! Das große Turnerlied, oder Was Südmichel der Tertianer über das edle Turnen gemacht hat Das Turnen ist ein deutsches Ding, Darum ich gern vom Turnen sing'; 's ist eine Kunst und ein Pläsir, Des Menschen Vorzug vor dem Thier. Die Stücke, die der Turner macht, Sind fein und herrlich ausgedacht, In jedem was besondres steckt, Das eigene Empfindung weckt. Am Reck zuerst der edle Schwung Gibt Kraft ihm und Begeisterung, Sodann gewährt ihm Hochgenuß Das Rädle mit dem linken Fuß. Die Bauchwell' an dem hohen Reck Ist eine Uebung ziemlich keck; Zehn, zwanzigmal - wie ächzt die Stang! Dem Schwächling wird es angst und bang. Die Reitwell' ist das Gegenstück Vorwärts sowohl als auch zurück. Ein andrer Mensch wird turmelig, Der Turner amüsiret sich. Mit Anmuth, lustig und gewandt, Macht er hierauf den Schulterstand, Da sitzt die Schulter auf der Stang, Die Beine stehn der Luft entlang. Zum Zeichen, daß ihm's wohlergeh', Hängt sich der Turner in die Zeh', Und baumelt da im Weltenraum Oft stundenlang voll süßem Traum. Das Armrad, auch ein edler Schwung, Versetzt uns in Verwunderung, Und selbst das Auf- und Niederziehn Ist ein vergnügliches Bemühn. Auch legt er sich zum Zeitvertreib Zuweilen auf den Unterleib, Und schwimmt in freier Luft umher, Als wär' er gar kein Mensche mehr. Pomadig auch die Sitzwell' geht, Doch nur, wenn er es wohl versteht, Denn kann er's nicht, fällt er herab Und bricht den Hals und kommt in's Grab. Wie überall im großen Ton Man spricht von dem Napoleon, So gibt's Napoleone zwei Bei uns in unserer Turnerei. Der große ist ein toller Schwung, Der kleine ist ein leichter Sprung; Der Riesenschwung jedoch vom Reck Gewährt den angenehmsten Schreck. Vom Barren macht der Turner auch Unendlich vielerlei Gebrauch, Er hüpft und schwingt sich in dem Kreuz, Wippt vorwärts, rückwärts und abseits. Der Todtensprung, die Maus, die Scheer, Der Teufelssprung und so noch mehr, Da wird geschlenkert und gemacht, Daß Einem 's Herz im Leibe lacht. Auch ohne hölzernes Geräth, Der Turner vielen Spaß versteht, Gewichte hebt er und halb krumm Schwingt er sie um den Kopf herum. Den Zitterbalken zu begehn, Ist nicht so leicht als wunderschön, Das eigne Lachen - lachet nicht! - Bringt Einen oft um's Gleichgewicht. Er läuft auf Händen manchen Tag, Springt höher als ein Floh vermag, Er klettert, krebselt katzengleich, Setzt über Gräben Loch und Teich. Mit Stangen fliegt er in die Höh, Und kommt hernieder auf der Zeh, Er spannet Schnüre in den Raum Und macht dann seinen Purzelbaum. Auf Leitern frei in Handen hüpft Er auf und ab, indem er lüpft Vom Boden auf das Steiggeräth Und oft auf höchster Sprosse steht. Seilziehen ist ihm eine Lust, Da weitet sich die starke Brust; Verkrattelt dann sich auf der Erd, Und hopst dann wieder auf das "Pferd". Schön ist der Pyramidenstand, Der Turner liebt das Vaterland, Backofenschieben liebt er auch, Thut's ihm gleich manchmal weh am Bauch. Frisch, fröhlich, fromm und frei, so heißt Sein Wahlspruch und so ist sein Geist Im Dauerlauf bewährt er das, Doch lungert er auch gern im Gras. Noch vieles treibt er meisterlich, Springt reihenweise über sich, Er wandert über Berg und Thal Und seine Muskeln sind wie Stahl. Drum vivat hoch die Turnerei! Der Turner nur lebt sorgenfrei, Und singt, im Knopfloch einen Strauß, Sein Lied in alle Welt hinaus. Die große Fechterei Nun will ich auch vom Fechten singen, Wie's deutsche Schüler jetzt vollbringen, Als Vorbereitung zum Soldat, Denn gräßlich viele braucht der Staat. Der Kleine treibt die Anfangsgründe, Der Große ficht auch mit der Flinte, Der Kleine guckt's dem Großen ab, Denn voller Ehrgeiz ist der Knab. Man hat geviertheilt in vier Theile Den Kreis aus purer Langeweile; Das Fechten dann daraus entstand, Daß man den Säbel nahm zur Hand. Worauf sich nach den Winkelschachten, Die Menschen vier Haupthieb' erdachten: Die Prim, Secund, die Quart, die Terz Gerad wie Nord-, Süd-, Ost-, Westwärts. Und später machte man jeweilig Die Winkelhieb unterabtheilig; Man legt sich aus verhängt und steil, Sowohl zu Fuß, als auch zu Gäul. Vergnügen viel macht das Rappiren, Den Gegner sucht man auszuschmieren. Au! sitzt der Hieb, doch blutets nicht, Hat man die Haube vor'm Gesicht. Es kracht die Prim Euch auf den Schädel, In Fetzen fahrt der ganze Trödel. Von links nach rechts und unten hin Fliegt die Secund' und schlitzt das Kinn. Die Quart durchpfeift den rechten Backen Und zwirbelt noch bis in den Nacken, Verzweifelt saußet auch die Terz, Bereitend fürchterlichen Schmerz. Die Oberquart mit scharfer Schneide Geberdet sich voll Schadenfreude, Die Unterquart, ein Meisterstreich, Fährt lustig in die dicken Bäuch! Die Unterterz heißt Halbsecund, Sie zwickt den Hals und linken Mund Wir schreien "Himmelsacrament"! Weil sie uns raubt das Sprachtalent. Ein Flachhieb der ist auch nicht übel, Die Nas schwillt auf wie eine Zwiebel, Der so Gepfetzte kommt in Wuth Und schlägt sich noch einmal so gut. Wer sich nicht hütet vor der Finte Der kömmt vom Regen in die Tinte, Sie zickzackt um sich wie der Blitz Und ist ein alter Fechterwitz. Doch auch den Sauhieb muß ich nennen, Der auf den Unterleib thut brennen, Es ist derselbe nicht erlaubt Und unanständig überhaupt. Wenn man nur hinsteht, heißt's Parade, Pariren ist, daß uns nichts schade, Man haut nur aus dem Handgelenk - Der kann nichts, der die Achsel schwenkt. Im Spasse fechten darf ein Jeder, Doch zieht im Ernste man vom Leder, So heißt man dieses ein Duell Und ist verboten vom Pedell. Vom Fechten mit dem Bajonette, Mit krummem Säbel und Florette, Will ich noch geben kurz Bescheid, Weil ich gerad' noch habe Zeit. Mit dem Florette thut man stoßen, Am besten können's die Franzosen, Der schwere Säbel ist mehr deutsch, Da hackt man Einem ab das Fleisch. Mit Bajonetten thut man streiten, Mit denen, die auf Pferden reiten, Man faßt den Feind zur linken Seit' Und hupft herum wie nicht gescheidt. Die Bauern, statt mit edeln Sabeln Fechten mit Sensen und Mistgabeln, Der Handwerksbursch ficht mit dem Hut, Die Hauptsach aber ist der Muth. Die schwäbische Sündfluth 1 1. Gesang Der Zirkelschmied beim Schöpplein saß; Jetzt, Schwanenwirth, füllt mir das große Glas, Ich will den Herrn was erzählen, 's ist was für durstige Kehlen! Heut Nacht war der Schwanenwirth, so begann Der Zirkelschmied, ein gewaltiger Mann; Mir träumte, er war der Noah - "Will nit hoffen - Tohu wab - oha!" Der Noah war er, und wohlbekannt Als Schwanenwirth im Assyrerland, Ich, auf des Herrn Försters Schimmel, Ich war der Juppitter vom Himmel. Alle Hagel! Ihr seid gut aufgeräumt, Erzählt doch weiter, was Ihr geträumt. Mach't nicht viel Federlesen, Was ist denn der Förster gewesen? Der Förster? Das ist den Herren klar, Daß der des Schwanenwirths Hausknecht war, So durft' er die Sündfluth erleben, Nun höret, wie das sich begeben. Gar oft ritt der Hergott der freundliche Greis Am Schwanen vorüber und fragte: Was Neu's? Gewöhnlich jedoch blieb er hängen, Weil ihn die Geschäfte nicht drängen. Da schmauchte mit Dem, der die Welt regiert, Vortrefflichen Knaster der Schwanenwirth, Und der Amtmann auch und der Helfer, Und tranken Achter und Zwölfer. Zumeist doch Achter, aus Sparsamkeit, Des Beispiels wegen wie and're Leut. Es gab noch keinen Burgunder - War aufgespart für ein Wunder. Wenn Ihr mir recht brav und recht fleißig bleibt, Und immer so fort anständig kneipt, Hat oft sich Gottvatter erboten, Dann, Kinder, dann gibt's auch Rothen! So ein Weinchen, göttlich! Ich bin nur noch Mit dem Jahrgang nicht im Reinen, jedoch Soll er verjüngen die Alten Und jung die Jungen erhalten. Nun hatte der Noah sechs Töchter im Haus, Die sahen gar gütig und rothbackig aus, Und waren gar fromm und anstellig, Und Gott und den Menschen gefällig. Der Alte war gnädig und schmunzelte oft, Und kneift in die Backen sie unverhofft Und fragte sie auch, wie sie heißen, Und ob sie beim Küssen nit beißen? Es hielten die Jungfern nicht viel auf Credit, Drum bracht' er der Brävsten auch immer was mit, Die that viel kochen und opfern - Sie durfte die Pfeife ihm stopfen. 2. Gesang Grad kehrte Gottvatter beim Schwanenwirth ein, Zu trinken ein Schöpplein vernünftigen Wein, Wollt' restauriren den Magen, Darein ihm der Aerger geschlagen. Ihn hatte der Schwanenwirth nie noch geseh'n So wild und so zornig ins Wirthshaus 'reingehn, Und ihm fährt in die Glieder der Schrecken, Als der Hergott den Grund thut entdecken. "Du kennst mich, ich bin ein langmüthiger Mann, Ich drücke ein Aug zu, so lang als ich kann, Aber ganz kann ich außer mich kommen, Wenn Alles und gar nichts will frommen. Fang' ich einmal zu verzürnen mich an, So weißt Du, es hindert kein Mensch mich daran, Und in meiner verlorenen Ruhe Weiß ich selber nicht mehr, was ich thue. Da komm' ich heut Mittag, die Zeit weiß ich nicht, Ich hatte gerad an der Sonn' was gericht', Vom Sinai runter nach Theben - Die führen ein lästerlich Leben. Da sitzen sie über bei Würfel und Spiel, Polizeistund' die kennen sie gar nicht am Nil, Sie saufen und fressen wie Thiere Und strecken von sich alle Viere. Wenn so was am heiligen Sonntag geschieht, Zum Kukuk das geht über's Bohnenlied, Besonders die fürnehmen Kasten Wo thun sie noch beichten und fasten? Wenn Einer einmal sich so recht übernimmt, Da will ich nichts sagen, doch hat mich's verstimmt, Daß sie in Neujahrstag 'nein tanzen, Und schelten auf's Pfarrer's sein' Ranzen. Das Schändlichste aber das stellst Dir nicht vor, Da komm' ich vor's Memphisser Brückenthor, Da machen die Heiden, Panduren, Gott straf mich, auf mich Carrkaturen! Da stellten sie hin einen Ochsen, ein Viech, Und sagen: der Ochs, der Ochs, das wär Ich! Ein Ochs vor sämmtlichen Leuten Soll mich, den Hergott, bedeuten. Und weiter, der Unfug geht über den Spott, Da malen sie mich, o du lieber Gott - Als Kranich mit krummen Beinen, Vor Zorn möcht ich Blutigel weinen!" 3. Gesang Das hab' ich genug jetzt, man wird mir zu keck. Ich tilge die Brut von dem Erdsboden weg! Hab' ich darum das G'sindel erschaffen? Sie sollen sich höllisch vergaffen! Aber Du, lieber Noah, Du habe nicht Angst, Weil Du und Dein Haus mir in Freuden anhangst, Wenn Alle zu Grund müssen gehen, Euch soll nichts Böses geschehen. Mich haben die Menschen auf's Tiefste gekränkt, Am Besten wird's sein, wenn man Alle ertränkt; Das alte Geschlecht ist voll Sünden, Du wirst mir ein neues begründen. Vermittlung, Versöhnung gilt heute noch Nichts; Drum höre den Plan meines Rachegerichts! Das Feuer ist mir zu kostspielig, Ich thu es mit Wasser höchst billig. Schlaf jetzt! Wir geh'n Morgen ganz früh an's Geschäft, Gib Acht, daß der Hausknecht die Zeit nicht verschläft, Er soll mich präcis vier Uhr wecken - Zuvor soll ein Frühstück mir schmecken! Dann sollst Du die Arche des Noäh erbaun, Das Holz kannst Du freveln, ich will Dir zuschaun. Wie sie aussieht, das steht in der Bibel, Du bist drin bewandert nicht übel! Nur ja vergiß mir die Spanfergel nicht, Denn dieses gibt später ein Leibgericht, Auch nicht die Ameisenhaufen, Die Fisch' - werden schwerlich versaufen! Auch's Ungeziefer versorgst Du mir, Carl Vogt zur Strafe verzeichnets Dir; Doch krümme keinem ein Härchen, Und nimm von jedem ein Pärchen!" 4. Gesang Schier hätte der Noah noch Händel gekriegt, Mit seinem Herrn Stammgast, der also verfügt: Die Nilpferd, Kröten und Schlangen Zur Rettung rasch einzufangen. Und der Noah sprach: Nimm den Regenschirm, Hausknecht, und suche du das Gewürm. Ich selber treib in die Scheuer Einstweilen die Wiederkäuer. Es war kein Spaß. Was kreucht und fleucht Zusammen zu bringen, es war nicht leicht. Und der Noah wurde hitzig Und sprach zum Herrn fürwitzig: Von was aber soll dieses viele Vieh Denn leben, o Herr, ich traute nie, Daß sich's wird machen lassen, Ihr wolltet doch auch nicht spassen? Der Alte brummt, dann aber versetzt Er laut: "Das ist ein dummes Geschwätz. So ist's, so steht es geschrieben! Willst Du mich auch noch betrüben?" Ei, dachte der kluge Schwanenwirth, Doch hat er sein Maul nimmer dranriskirt, Seine wunderlichen Sachen Könnt Er doch viel einfacher machen! Er kann ja Alles, was braucht er denn mich? Was muß er mich plagen mit alle dem Viech? Ich soll nicht mucksen, nicht klagen - Was wird meine Frau dazu sagen? Doch baute der Noah sein viehmäßig Haus, Und hängte den Schild auch des Schwanen heraus, Thut Menschen und Vieh drein stecken, Und lustig den Hergott dann wecken. Der freut sich, daß Alles schon ist arranschirt, Und lobet den Noah, den Schwanenwirth, Begibt sich zum Himmel verwundert, Und schickt die Sündfluth herunter. 5. Gesang Es regnet und schüttet jetzt Tag und Nacht, Es donnert und blitzt und rumpelt und kracht. Wie lange soll das denn dauern? Gegen alle Regeln der Bauern? Der Noah schickt Raben und Tauben aus, Und hoffet, sie bleiben ihm aus dem Haus. "Sie bringen mir elende Blätter - Ich komm' in Gant bei dem Wetter!" "Ja regnets denn als noch? " fragt gar oft Der Schwanenwirth Noah und schüttelt den Kopf. "Was helfen mir Raben und Tauben, Meine Grundbirnen müssen dran glauben!" Es regnet und rieselt noch Tag und Nacht, Bis an Johanni, da ist's vollbracht; "Beständig" - ruft Schwanenwirths Peter, "Steht auf dem Barometer!" Das Wasser verlauft sich vom Ararat, Drauf Noah sich nieder gelassen hat; Er entläßt das Viehvolk eben Und wundert sich, daß sie noch leben. Dann guckt er den Regenbogen sich an, Und ruft seine Frau und die Töchter heran, Und deren Männer und Kinder, Und opfert die letzten Rinder. Und er sagt: ich bedauer' sie haben mein Salz So ordentlich g'fressen, aber ich glaub als, So Rindviecher und so Kälber Gibt's als-einmal noch von sich selber. 6. Gesang Und der Alte ruft aus dem Himmelreich: "Ist's trocken drunten? Ich komme sogleich! Ich glaub' es ist gescheidter, Du legst an den Bogen die Leiter." "Festhalten! So. Nun Gott sei Dank! Die Feuchtigkeit macht mir die Engel krank. Gottlob! jetzt ist's vorüber! Ich schenke Dir meine Züber!" Schon recht, sagt der Noah, das aber ist Nicht viel mit Erlaubniß; ich dächt' Ihr wißt, Daß Ihr mir die Wirthschaft ruiniret, Und daß ich das Vieh Euch salviret. "So bitte Dir schnell eine Gnade aus! Keine Komplimente! Nur grad' heraus! Willst was, das ich verboten? Oder sprich, willst Du jetzt Rothen? " Das wär's! versetzet der Schwanenwirth. So ein Affenthaler! Ich bin ruinirt. Der Schwanen wird wieder floriren; Wollt Ihr mir Rothen spendiren. "Den sollst Du haben," der Herrgott sagt, Doch hab' ich noch gar nicht nachgefragt Nach meinen armen Tröpfen, Nach meinen lieben Geschöpfen!" S'ist Alles in Ordnung, Herr Zebraoth! Nur eines machte mir schwere Noth, Die schönen Mammuthsknochen Die sind mir leider zerbrochen. "Thut nichts! Es war das ein plumpes Vieh, Und schickte sich in die Welt auch nie: Zu groß waren seine Kiefer ... Was macht das - Ungeziefer? Das Ungeziefer? Der Noah erschrickt, Eine Floh-Art hatte er heimlich geknickt, Auch einige Wanzen vertilget, Darein Gott der Herr nicht gewill'get. Schon gut! Es ist vorderhand noch genug Vorhanden. Ich billige Deinen Unfug, Muß doch noch mancherlei machen, Kelleresel zum Beispiel und Drachen." Dank' schön! so murmelt der Schwanenwirth, Ich hab' mich nicht in ihm geirrt, Er bleibt ein Projectenmacher - Und ich ein uralter Kracher. Dabei guckt er auf und gibt mir ein' Tritt, Und merkt, er hat vor sich den Zirkelschmidt, Und da ruft er siebenmal: oha! - Aber jetzt hab' ich Durst wie der Noha. Der Noah soll leben noch tausend Jahr Und gründen ein manches Mitmenschenpaar, Die alle Nachkommen haben - Unter Andern die Knöpflesschwaben! Fußnoten 1 Auch in rheinschwäbischer Mundart vorhanden. Das Menschenlied (Vairatio delectat). Es lebe, was auf Erden Sich trinkt voll Wein und Bier, Was fährt mit Chais und Pferden, Im Gegensatz zum Thier. Das Vieh und zwar ein jedes Trinkt Wasser wie ein Stier, Dem Menschen widersteht es, Im Gegensatz zum Thier. Das Vieh und zwar je dümmer Trinkt für den Durst allhier, Die Menschen trinken immer, Im Gegensatz zum Thier. Das Vieh trinkt instinctive, Der Mensch trinkt mit Manier, Der Mensch trinkt respective, Im Gegensatz zum Thier. Es trank sein Bier der Göthe, Der Schiller, der Shakespear, Mozart aus einer Flöte, Im Gegensatz zum Thier. Achill aus seinem Schilde Trank Wein, obschon kein Bier, Branntwein trinkt auch der Wilde, Im Gegensatz zum Thier. Der Gessner auf den Triften, Aus Schädeln der Baschkir, Schubert in Fürstengrüften, Im Gegensatz zum Thier. Der Trunkenbold aus Kübeln, Auf Dornen König Lear, Der Lazaro zu Zwiebeln, Im Gegensatz zum Thier. Napoleon in Eile, Die Laura am Klavier, Der Oekonom zuweilen, Im Gegensatz zum Thier. Der Klausner in majorem Dei gloriam für und für, Der Haustyrann im Zorem, Im Gegensatz zum Thier. Es zapfet aus dem Robben Der Eskimo sein Bier, Der Schwab hat seinen Schobben, Im Gegensatz zum Thier. Der Werther unter Thränen, Mit Trinkgeld der Hatschier, Van Aken auf Hyänen, Im Gegensatz zum Thier. Der Weise trinkt belieb'gen, Der Liebig trinkt Chlorür, Hafis aus Wangengrübchen, Im Gegensatz zum Thier. Aus Lederwerk der Mandschu, Entzückt der Kavailer Aus seiner Dame Handschuh, Im Gegensatz zum Thier. Es trinken auch die Bayern Gemüthlich Wein wie Bier, Prometheus unter Geiern, Im Gegensatz zum Thier. Besoldungswein der Küster, Den Rest der Kaffetier, Gesundheit der Philister, Im Gegensatz zum Thier. Auf Borg der alte Schlemmer; Im heimlichen Revier Trinkt Mosler der Moslemer, Im Gegensatz zum Thier. Herr Sue läßt hoch einschenken, Sich von der Mohren vier, Der Deutsche mit Bedenken, Im Gegensatz zum Thier. Benebelt trinkt Mac-Ossian, Aus Stiefeln der Kurier, Im Dauerlaufe blos Jahn, Im Gegensatz zum Thier. Der Schreiber beim Beklecksen Säuft Tinte vom Papier, Der Teufel mit den Hexen, Im Gegensatz zum Thier. Es trinkt der weise Kadi Mehr als er sollte schier, Es trinkt sogar Milady, Im Gegensatz zum Thier. Die Zofe in der Kammer, Im Rausch der Kanonier, Der Lump im Katzenjammer, Im Gegensatz zum Thier. Es schlürfet Weine reine Mirza der Kaukasier, Der Kellner fremde Weine, Im Gegensatz zum Thier. Der Gellert in der Fabel, Der Maßmann hinterfür Aus seinem eigenen Nabel, Im Gegensatz zum Thier. Im rauhen Hause Wichern, Mit Brüdern Jaromir, Die Elfen unter Kichern, Im Gegensatz zum Thier. Ekkhardus in St. Gallen, Sarastro der Magier In diesen heil'gen Hallen, Im Gegensatz zum Thier. Proudhon vom Eigenthume, Der Bassa von Algier Geschüttelt vom Samume, Im Gegensatz zum Thier. Genügsam in der Sonne Trank aus der Faust herfür Diogenes vor der Tonne, Im Gegensatz vom Thier. Zum Saufen auserkoren Bei 80 Reaumür Glühwein der Fürst von Thoren, Im Gegensatz zum Thier. Der Sokrates Athenius Trank doppelt, nicht wie ihr, Zugleich mit seinem Genius, Im Gegensatz zum Thier. Einst trinken wir euch nieder Mit eurer Krittik, wir, Und singen Menschenlieder Im Gegensatz zum Thier. Das Lied vom gerochenen Hausknecht Der Sobbe und der Putzky, Der Putzky und der Sobb', Sie haben abgemurxky Wohl einen Hausknecht grob. Der Hausknecht war betrunken, Sie waren nüchtern ganz, Sie waren edle Junker, Zwei Gardeleutenants. Sie kamen auf die Festung Ob dieses Hausknechts Mord; Sie flohen vor der Läst'rung Der bösen Menschen fort. Sie brannten durch, auf Ehre, Sind weit umhergeirrt, Als wie zwei Ahasvere, Und waren sehr lakirt. Sie waren nirgends sicher, Verfolgt hat sie gar dreist Des Hausknechts unsterblicher Und ungerochner Geist. O höret jetzt die Kunde Die aus Australien tönt, Sie haben Ruh' gefunden, Der Hausknecht ist versöhnt. Der Putzky, Freund des Sobben, Der Sobbe, Freund Putzky's, Sind selber Hausknecht worden, Das ist die Nemesis. Lieder aus dem Narrenhaus 1. Wer unter Racheplänen Bei Tag im Finstern schleicht, Wer seines Nächsten Thränen Auf's Butterbrod sich streicht, Gleicht der nicht einem Blinden, Der durch sich selbst genarrt Sich weiß zurecht zu finden In keiner Gegenwart? Wie lange noch will scheinen Der Mond auf Menschenwitz, Wie lange noch soll weinen Verlust um Vollbesitz? Wie lange noch, o frage Nicht Du noch Du und Du, Es trocknet jede Klage Vor ihrer Thräne zu. So will ich mich verkriechen In's tiefre Selbst hinab, An Wunderblumen riechen, Die mir der Abgrund gab, Der Abgrund meiner Seele, Der kühle Herzensschacht, Drin ehmals Gabriele Entfinsterte die Nacht. Fahr wohl, mein Aberglaube, Leb' wohl, mein blauer Traum! Dem Wehmuthswurm zum Raube Ward meines Lebens Baum. Ich lebe todt für's Leben, Der Rabe meines Hirns, Was soll ich weiterweben? Die Götter sie verwirrn's. 2. Empöre Dich, o weises Herz, Denn Deine Einfalt, ob betrogen, Gebiert das Weltheil ohne Schmerz, Das jene Aftergötter logen. Empöre mit gereiftem Trotz Dich wider Uebermuth und Hoffahrt, Die ohne Rührung gleich dem Klotz, Gleich einer Bänkelsängerstroph hart. Beschämend wimmernden Verlust, Wirst Du durch Thränenschauer siegen, Ein Seufzer mehr aus seiner Brust Wird diese Klötze einwärts biegen! 3. Rohheit beschmitzt die Pöbelthat Verzweiflung ist der Sterne Saat, Gepeinigt durch die Wanze Wuth Vergießt der Schläfer Menschenblut. Drum lerne Deinen Todestag Auswendig früh und wenig frag' Nach Gütern, die Dir ewig fremd, Und wechsle Deiner Meinung Hemd. So schwaigest Du des Busens Brand, So beugest Du der Erde Tand, So gehst Du lächelnd und allein Zur Pforte der Verblüffung ein! Hungriges Lied Drei wack're Burschen saßen Gar ungemüthlich da Auf einem kühlen Rasen Beim cerevisia. Da schüttelt das Haupt der Eine Und hub zu singen an Ein Lied von Heinrich Heine, Das Jeder singen kann. "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß ich so traurig bin, Ein Beafsteack aus alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn." Darauf versetzt der Zweite, Auch ich weiß ein Gericht, Auf dieses wär ich heute Absonderlich erpicht. Mich will es schier bedünken Als thät uns Eines Noth, Das ist ein roher Schinken Mit sanftem Butterbrod." Da trafen sich die Gedanken Und alle stimmten bei, Daß Butterbrod ein Ranken Auch nicht von Leder sei. Und mit der Zunge schnalzten Sie Alle Mann für Mann, Worauf sie sich umhalsten Und huben zu singen an: "Schinken, den ich meine, Der den Hunger stillt, Komm, mit deinem Scheine Rosenrothes Bild!" Darauf begann der Dritte: Auch ich weiß einen Fraß, Den ich mir nie verbitte Zu einem guten Glas: Ich meine Schweinebraten, Der sich gewaschen hat, Ich meine Schweinebraten, Mit grüßendem Salat." Da war man gut berathen Und Alle stimmten bei, Daß so ein Schweinebraten Auch nicht von Leder sei. Da sprach der Erste wieder Und hub zu singen an: "Ihr meine lieben Brüder Es ist kein leerer Wahn, Vortrefflich ist und allen Verhältnissen gemäß In diesen heiligen Hallen Ein frischer Schweizerkäs!" Der Zweite rief: "o hätt' ich Zu diesem schlechten Bier, Nur einen edlen Rettig - Geholfen wäre mir!" Der Dritte sprach nicht wieder; Zu helfen aus der Noth, Schritt er, statt aller Lieder, Zur That mit Kommisbrod. Neue Mähr Im gedämpften Nebenzimmer Wandelt des Professors Tochter, Pauken und Trompetenjubel Klingt herüber aus dem Tanzsaal. Lästig werden mir die Tänze Und die süßen Schmeichelworte Der Studenten, die so zierlich Mich vergleichen mit den Blumen. Ueberlästig wird mir Alles, Seit ich sah im Strahl des Mondes Jenen Turner, dessen Jodeln Nächtens mich an's Fenster lockte. Wie er stand so schlank und muthig, Und die Augenräder rollten, Feurig um die Adlernase, Glich er einem Tempelritter. Dacht's des Theologen Tochter, Und sie schaute auf den Boden. Wie sie aufblickt steht der Kühne, Unbekannte Turner vor ihr. Händedrückend, liebeschmunzelnd, Wandeln sie umher im Storchschritt, Und die Kuchen winken freundlich Und der Glühwein duftet gottvoll. Und der Glühwein duftet gottvoll, Und vom Liebestrank erglüht er. Awer sag ä mal, Gelübte, Warum Du so pletzlich weiß würst? Eine Spinne läuft am Ohr mir Und die Spinnen sind, Geliebter, Mir so tief verhaßt, als wären's Krummgebeinte Judenbuben. Laß dö Spinne un dö Judde! Spricht der Turner freundlich kosend, Aus dem Saale dringen blendend Tausend goldene Lampenlichter. Tausend goldene Lampenlichter Haben ihren Strahl ergossen. Awer sag ä mal Gelübte, Bischt Du auch in mich verkeulet? Ja ich liebe Dich, Geliebter, Bei dem Heiland sei's geschworen, Den die Juden boshaft fällten, Wie mein Vater neu bewiesen. Laß dö Heuland, laß dö Judde! Spricht der Turner, freundlich kosend, In der Ferne schwanken traumhaft Stengelgläser schaumumflossen. Stengelgläser schaumumflossen Schwanken in der Ferne traumhaft. Awer sag ä mal, Gelübte, Hast Du mich nöt angeloge? Falsch ist nicht in mir Geliebter, Wie in mir kein Tropfen Blutes Ist von dem Verräther Judas, Der sich jüdisch sehr benommen. Laß doch dö Israölütte! Spricht der Turner, freundlich kosend, Und in eine Fensternische Führt er die Professorstochter. Mit der Liebe Kletterseilen Hat er heimlich sie umturnet, Unter balkenlangen Küssen Ihre Herzen übergrätschten. Aber Panken und Trompeten Schallen plötzlich aus dem Saale, Und sich findend hat die Jungfrau Sich des Turners Mund entzogen. Horch, da ruft es mich, Geliebter, Doch bevor wir scheiden, sollst Du Nennen Deinen lieben Namen, Den so lange Du verborgen. Und der Turner süßlich schmunzelnd, Zieht die Taille sich gestrammer, Putzt die Nase sich bedeutend, Und er spricht die feinen Worte: Uech, mei Fräuleun, Ihr Bussator, Bin der Soh' dös röspöktable, Große schriftgelöhrte Schöchter, Alte Buchehecht von Pforzheum. Lied der Hausknechte, ihren Gönnern gewidmet vom Vorstand des Vereins Laternia Wir sind die Hausknecht', wir, Wir können nichts dafür, Wir kommen z'recht; Leben in Saus und Braus, Wer nicht gehört in's Haus, Den schmeißen wir hinaus, Wir, die Hausknecht'! Fuhrleut sind unsre Freund, Wenn die Laterne scheint, Durch d' Mitternächt'; Messer besitzen wir, Sattelgäul sitzen wir, Uhren stibitzen wir, Alle Hausknecht'! Lange Weil' haben wir, Alle Weil' zahlen wir, Was wir verzecht: Ulmerköpf rauchen wir, Haber verkaufen wir, Handg'lenk verstauchen wir, Hui Hau Hausknecht'. Lieblich sind wir und zäh Gegen das andere Dienstbotgeschlecht: Machen ihm freundlich Platz, Schnell sind wir wie der Spatz, Und es hat seinen Schatz Jeder Hausknecht! Das Bohnenlied Wer gar was Dummes hört und sieht, Spricht oft nicht viel gescheidter: »Das geht noch übers Bohnenlied« – Und denkt dabei nicht weiter. Doch Gründlichkeit und Liebe sieht Sich um nach einem Bohnenlied. Wer aber hat in aller Welt Das Bohnenlied vernommen, Das so verrücktes Zeug enthält, Daß Hirsche niederkommen, Daß jeder Unsinn, welcher blüht, Vernunft wird vor dem Bohnenlied? Was man vom Bohnenlied sonst gar Anrüchiges will wissen, Das ist Verläumdung offenbar Und nur als Witz gerissen – Vielleicht vom Harung-al-Raschid Schon aufgebracht als Bohnenlied. Das Bohnenlied, ach wenn's bestand, Ist wahrlich längst verschollen; Doch Menschen ist es keine Schand, Die's wieder haben wollen. Es ist kein großer Unterschied – Da haben wir das Bohnenlied: Die Schote plazt, die Pfote krazt Und Lachen macht das Kitzeln, Ihr Urtheil sich die Note schwazt, Wenn Drachen Bohnen schnitzeln. Hört was im Mond bei Tag geschieht Und schweigt und singt das Bohnenlied! Die Sonne scheint, die Nonne greint, Und Kleider machen Gecken, Doch Klugheit ist der Wonne feind, Wenn Schneider Bohnen stecken. Hört, was der Has' am Hunde flieht Und schweigt und singt das Bohnenlied! Die Rose thaut, die Hose blaut, Und Narren macht das Toben, Die Wittwe weint um's bloße Kraut, Wenn Pfarrer Bohnen loben. Hört, was den Ochsen kuhwärts zieht, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Der Teufel hinkt, der Zweifel dünkt, Und höher macht das Bauen, Doch Niemand auf der Eifel trinkt, Wenn Schwäher Bohnen kauen. Hört, was im Wanzenauge glüht, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Das Hündlein bellt, das Stündlein schellt, Und unschön macht das Schielen, Doch manche Gans das Mündlein hält, Wenn Menschen Bohnen spielen. Hört, was da träumt das Gras im Ried, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Die Blume wächst, die Muhme hext, Und trunken macht das Zechen, Denn schlimm, so Du nach Rume schmeckst, Wenn Unken Bohnen brechen, Hört, was da wurmt ein Schafsgemüth, Und schweigt und singt ein Bohnenlied! Der Eber grunzt, der Weber hunzt, Und Schwindel macht das Walzen, Denn groß ist die Gastgeberkunst, Wenn Mündel Bohnen salzen. Hört, was schon Habakuk mißrieth, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Die Nase schneuzt, die Base geizt, Und Meier macht in Linnen, Doch weiß man, was im Glase beizt, Wenn Eier Bohnen minnen. Hört, was verschmäht der Invalid, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Der Jäger jagt, der Neger nagt, Und Würgen macht der Knochen, Doch nur ein Armenpfleger klagt, Wenn Türken Bohnen kochen. Hört, was den Mann vom Weibe schied, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Die Hyder sticht, das Mieder bricht, Und saub'rer macht das Waschen, Doch Manches wird verliederlicht, Wenn Zaubrer Bohnen haschen. Hört, was verboten im Gebiet, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Der Köter knurrt, der Schröter surrt, Und Zappeln macht das Wählen, Doch selten ein Verräther murrt, Wenn Pappeln Bohnen quälen. Hört, was vordem der Kutscher mied, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Der Pfaffe rügt, der Laffe lügt, Und weise macht das Tasten, Vielleicht auch der Schlaraffe pflügt, Wenn Greise Bohnen fasten. Hört, was der Klausner sich entzieht, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Der Paster schwellt, der Knaster knellt, Und Morgen macht ein Gestern, Doch trostlos ist die Lasterwelt, Wenn Gurken Bohnen lästern. Hört, was der Hahn kikerikieht, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Das Böcklein stutzt, das Flecklein schmutzt, Und klüger macht das Niesen, Doch Redlichkeit ihr Röcklein putzt, Wenn Krieger Bohnen schießen. Hört, was der Hauptmann spricht im Glied, Und schweigt und singt das Bohnenlied! Der Kragen starrt, der Wagen knarrt, Und röther macht das Eisen, Doch ist der Tod noch schragenhart, Wenn Götter Bohnen speisen. Hört, was erfand ein Fahnenschmied, Und schweigt und singt ein Bohnenlied! Dies, Freunde, ist das Bohnenlied. Wer's besser weiß zu singen, Der trete vor, ich bin es müd', Mehr Unsinn aufzubringen. Hört auf, beruhigt Euch damit: Es geht nichts über's Bohnenlied!