Emanuel Geibel Heroldsrufe Zeitgedichte »Ihr Sterne seid mir Zeugen, Die ruhig niederschaun, Wenn alle Brüder schweigen Und falschen Götzen traun: Ich will mein Wort nicht brechen Und Buben werden gleich, Will predigen und sprechen Vom Kaiser und vom Reich.« Max von Schenkendorf. Von 1849 bis 1866 Deutschland 1849. Ein Jahr lang rangest du in bittern Wehen Gleich einem Weibe, das da will gebären, Hinströmen sah ich deine blut'gen Zähren, Und deine Seufzer, Deutschland, hört' ich gehen. Wohl trug ich Leid, dich so in Qual zu sehen, Doch eine Hoffnung wagt' ich fromm zu nähren, Es werd' aus deines Schoßes dunklem Gären Die Eintracht wie ein lächelnd Kind erstehen. Mich trog ein Wahn. Dein Weinen ging verloren, Verloren alle Not, so du erlitten; Doch die darüber jauchzen, acht' ich Toren. Denn Ahnung sagt mir, stets umsonst bestritten, Nun werde solche Frucht einst ungeboren Mit scharfem Stahl aus deinem Leib geschnitten. Wie rauscht ihr Waldesschatten 1849. Wie rauscht ihr Waldesschatten So kühl noch weit und breit! Wie schaut im bunten Kleid Ihr Blumen nur so lustig aus den Matten! Wie mögt ihr Vöglein pfeifen In dieser argen Zeit! – Mir ist so trüb, ich kann es kaum begreifen. Ist's doch ein Traum gewesen, Der sonder Spur verschwand, Daß du, mein deutsches Land, Noch einmal seist zu Ehren auserlesen. Und wo in vor'gen Tagen Der Stuhl des Kaisers stand, Wächst fort das Gras; das muß ich ewig klagen. Klage 1850. Das treibt das Blut mir heiß ins Angesicht, Daß, wo ich schweifen mag im fremden Lande, Ich hören muß des deutschen Namens Schande Und darf nicht sagen, daß man Lüge spricht, Ob mir vor Gram und Scham das Herz darob zerbricht. Denn ach, der Mund, einst aller Treue Hort, Der deutsche Mund, des Spruch gleich teuren Eiden, Von Zucht und Wahrheit lernt' er sich zu scheiden; Zerbrechlich worden ist wie Glas sein Wort, Und seine Schwüre taun wie Schnee um Ostern fort. Und du, o deutsches Schwert, das scharf gefegt Durch hundert Schlachten kühn sich Bahn gebrochen, Was zagst du, in der Scheide nun verkrochen, Als wärst du Schilf, das keine Wunden schlägt, Sobald nur Moskaus Zar die Stirn in Runzeln legt! Ach, da's um Treu' und Mut bei uns geschehn, Da neigt' ihr Haupt und starb die deutsche Ehre – Fragt nach bei Schleswig zwischen Meer und Meere! Dort liegt sie eingescharrt; die Winde gehn Mit Pfeifen drüber hin. Wann wird sie auferstehn! Konferenz von London 1852. O Land am blauen Sunde, Mit deutschem Blut getauft, So bist du denn zur Stunde Verraten und verkauft! Die Herrn am grünen Tische Verdammen dich zum Joch; Zwar schienen faul die Fische, Allein man briet sie doch. Wo Franzmann, Brit' und Russe Nach ihrem Sinn getagt, Da ziemt's, daß man zum Schlusse Gehorsamst Amen sagt. Was gilt denn auch der Bettel Von Deutschlands Ehr' und Ruhm, Glückt nur der Küchenzettel Fürs dän'sche Königtum? Was sind zwei Herzogshüte, Die man vom Reiche bricht, Wenn Seiner Lordschaft Güte Ein Lächeln uns verspricht? Und doch, ihr Köch' und Meister, Mir bangt, daß blitzbewehrt Ein Schwarm einst zorn'ger Geister Aus eurem Kessel fährt. Dann wird's wie Sturmesbrausen Durch Deutschlands Stämme gehn, Dann werdet ihr mit Grausen Die Welt in Flammen sehn, Bis jenes Blatt der Schande, Das feig ihr unterschriebt, Verzehrt vom Riesenbrande In alle Winde stiebt. Böse Träume 1850. Ich ließ mein Rößlein grasen Im Wald an Baches Rand Und lag auf kühlem Rasen Und dacht' ans Vaterland. Und bei des Baches Rinnen Entschlief ich unterm Baum; Da wob vor meinen Sinnen Ein dreifach Bild der Traum. Ich sah ein Volk von Immen, Das ohne Weisel fuhr Und mit verworrnen Stimmen Hinschwärmte durch die Flur. Nach allen Winden zogen Sie ziellos kreuz und quer Und hatten sich bald verflogen Und fanden sich nimmermehr. Ich sah ein Bündel Pfeile In blöder Knaben Hand, Die trieben kurze Weile Und lösten Ring und Band. Sie spielten mit den Rohren Uneins und ungeschickt; Die Hälfte ging verloren, Die Hälfte ward zerknickt. Ich sah, wie ein Karfunkel Verschmäht am Kreuzweg lag; Von Staube war er dunkel, Zerspellt von Stoß und Schlag. Die Krone der Welt zu schmücken Geschaffen deucht' er mir; Nun haschte nach den Stücken Der fremden Raben Gier. Da wacht' ich auf beklommen Und stieg zu Roß in Hast; Die Sonne war verglommen, Das Spätrot war verblaßt, Im kühlen Abendschauer Von dannen ritt ich stumm. Mein Herz verging in Trauer Und wußte wohl, warum. Fahnentreu 1850. Weil auf blut'gem Plane Heut ihr Stern erblich, Ließest du die Fahne Deiner Wahl im Stich? Deine Waffen ehrlos Würfst du in den Sand Und ergäbest wehrlos Dich in Feindes Hand? Nein! Und mag den Streichen, Strauchelnd Schritt für Schritt, Zahme Klugheit weichen: Weiche du nicht mit! Kannst du nimmer siegen, Zeugen darfst du frei Durch ein stolz Erliegen Für dein Feldgeschrei. Bis sie dich durchbohren, Trutze drum und ficht; Gib dich selbst verloren, Nur dein Banner nicht. Andre werden's schwingen, Wenn man dich begräbt, Und das Heil erringen, Das dir vorgeschwebt. Ein Gedenkblatt 1851? Am Samstagmorgen vor Palmarum war's Im Jahre, da man Neunundvierzig schrieb, Daß mich die goldne Sonne des Aprils Aus meinem alten Nest am Hafendamm Hinab ins Freie lockte. Draußen zog Der Fluß, von mächt'gen Segeln schon belebt, Blauglänzend hin, und in den Lüften schwamm Des Frühlings ahnungsvolles Hoffnungslied. Mir aber wuchs das Herz bei diesem Ton, Als müßt' er Glück verkünden. Ruhiger Gedacht' ich an der Zeit verworrnen Kampf Und an die Zukunft, deren Los vielleicht In diesem Augenblick geworfen ward. Da, wie ich so am Damm des Ufers noch Vertieft hinabschritt, kam mein Jugendfreund, Der blonde Maler, hastig und erregt, Daß Bart und Haar ihm flog, des Wegs daher, Und sein des Lächelns ungewohnt Gesicht Erglänzte wie vom Frührot übersonnt. So rief er mir entgegen: »Weißt du's schon?« Und da mein Blick ihn fragte, quollen ihm Aus tiefster Brust die Worte: »Freue dich! (Und seine Stimme zittert', als er sprach) Ein Deutscher Kaiser ist gewählt am Main, Und seine Boten sendet ihm das Reich.« Und während er von allem, wie's geschah, Mir nun Bericht gab, sieh, da schmückten sich Die alten Zackengiebel längs dem Fluß Mit frohen Fahnen schon, und grüßend flog An manchem Schiff ein deutscher Wimpel auf Und wallte breitentrollt im Morgenwind. Und jetzt, von Turm zu Turm einfallend, scholl Der Glocken Chorgesang und kündigte Das Fest der Palmen an. Mir aber war's, Als läutete man ein das Deutsche Reich, Und das Hosanna, das in meiner Brust Andächtig widerklang, zwei Königen, Die ihren Einzug hielten, galt's zumal, Dem himmlischen und dem von dieser Welt. Auf Windesschwingen flog von Haus zu Haus Die Kunde weiter, da begann im Glanz Der Frühlingssonne durch die Gassen hin Ein festlich Wogen. Freunde tauschten rings Bewegten Handschlag, Feinde grüßten sich, Als wäre plötzlich aller Zwist gesühnt, Und manches Auge, das ich längst im Staub Der Akten oder überm Rechnungsbuch Verhärtet glaubte, sah ich freudenfeucht. Denn was wir alle, sei's mit klarem Geist, Sei's dunkel nur im angebornen Trieb Gewünscht, gehofft, ersehnt, nun schien's erfüllt. Ich aber stieg zu Pferd und ritt hinaus, Die Stille suchend. O wie deuchten mir Voll Melodie die Lüfte, die im Flug Das Haar mir streiften, wie so schön der Wald, Der, kaum von grünem Schimmer überhaucht, Jungfräulich schauert' in des Werdens Lust! Die Quellen brausten, aus den Wipfeln scholl Der Ruf der Vögel, und seitab vom Pfad Wob um die Stämme zitternd Dämmerlicht. In solcher Waldnacht saß wohl Heinrich einst, Der blonde Sachsenheld, den Finkenschlag Belauschend, als ihm Herzog Eberhard Den Purpur und die heil'ge Lanze bot. Ich sah ihn vor mir fest und wetterbraun Im schlichten Jagdwams und im Kreis umher Der großen Botschaft Werder allzumal. Er aber sprang empor vom Vogelherd, Dem Adler gleich, der seinen Flug beginnt, Und nahm das Pfand des Reichs und tat den Schwur, Dem deutschen Volk ein Vaterland zu baun, Und klar im ruh'gen Feuer seines Blicks, In seines Worts einfacher Hoheit lag Die Bürgschaft des, was er verhieß. Da bog Das Knie vor ihm die stolze Frankenschar Und huldigt' ihm mit Jauchzen, und mein Herz, Im Sonnenaufgang frühster Ruhmeszeit Das Bild des heut'gen schauend, jauchzte mit, Und Tränen weint' ich, Tränen, wie ein Mann Sie weinen darf, wenn überwältigend An seine Brust ein großes Schicksal pocht. Es war ein froher Tag – Was später kam, Ihr wißt es alle. Keinen Hüter fand Das uralt heil'ge Kleinod unsres Volks. Die Hand, schon zum Ergreifen ausgestreckt, Verschloß sich plötzlich, und zu Boden fiel Des Reiches Apfel. Waisen blieben wir, Wie wir's gewesen dreiundvierzig Jahr', Und an den Weiden hängten wir aufs neu' Die Harfen auf, und durch die Saiten ging Des Windes Seufzen. O, wann bringt ein Tag Dem Vaterlande die Gestirnung wieder! An. F.C. Februar 1851. Durch die klare Luft im Winde Segeln heut mir die Gedanken, Dich, mein hoher Freund, zu grüßen Ziehn sie nach dem Strand der Oder. Nicht im engen Krankenzimmer, Wo ich, ach, dich ließ beim Scheiden, Im bereiften Winterfroste Suchen sie den rüst'gen Weidmann. Frischen Muts und hellen Auges Hoffen sie dich dort zu finden, Heiter, wie in jenen Tagen, Da du zu Gastein dich sonntest. Schönes Wildbad! Oft noch steigst du Vor mir auf; in meine Träume Weht es kühl dann wie Gebirgsluft, Klingt es wie des Älplers Zither. Wieder dann die schwarzen Tannen Seh' ich nicken überm Abgrund, Und den Sturzbach durchs Geklüft Hör' ich leidenschaftlich brausen. Und die himmelhohen Wände Gipfeln sich vor mir wie Zinnen Einer Geisterburg; du trafst Dort mit sichrem Blei die Gemse. Dann gedenk' ich auch des Tages, Da durch Alpenrosenfelder, Durch Geröll und Schnee wir klommen Nach des Gamskarkogels Spitze. Mühsam war der Pfad; die Pferde Stutzten oft am jähen Abhang, Aber droben im kristallnen Mittagsglanze welch ein Ausblick! Um uns her unendlich lag es Wie ein Meer von Riesenwogen, Jede Wog' ein Bergesgipfel, Jeder Woge Schaum Lawinen. Und du nanntest mir die Höhen: Watzmann, Herzog Ernst, Großglockner – Doch den höchsten Berg in Östreich Hab' ich damals nicht gesehen. Schwarzenberg ist der geheißen Und zur Zeit so hoch geworden, Daß er seinen kalten Schatten Wirft von Wien bis in die Ostsee. In dem Schatten dieses Berges Wachsen auch die Zauberstäbe, Welche jetzt die Welt regieren Und das deutsche Reich insonders. Haselstöcke nennt das Volk sie; Ach, von weißen Hexenmeistern Nach dem Takt geschwenkt, du glaubst nicht, Welche Wunder sie verrichten. Blutrot wandeln sie in Schwarzgelb, Adler in geduld'ge Spatzen, Ja, man lernt sogar Geschichte Und Geographie von ihnen, Lernt, daß Slawen stets und Deutsche Sind ein Brudervolk gewesen, Daß ein Dänenfluß die Eider, Und daß Preußen liegt – im Monde. In der freien Reichsstadt Lübeck Hör' ich täglich jetzt ihr Sausen; Die Musik spielt auf dazu: »Gott erhalte Franz den Kaiser!« 's ist ein schönes Lied, ich lerne Schon die Weise; binnen kurzem Wird man von Triest bis Rendsburg Doch nichts andres singen dürfen. Ja, wer weiß, wenn ich zum Herbste An der Oder heim dich suche, Ob's im Wald von Heinrichslust Nicht bereits die Vögel pfeifen. Doch genug! Leb' wohl, mein Fürst, Und verzeih mein formlos Scherzen; Seit die Welt so ungereimt ward, Schreib' ich ungereimte Verse. Halte die Hoffnung fest 1851. Wenn der Morgen, der heute tagt, Nichts als Trümmer dich schauen läßt, Unter Trümmern noch unverzagt Halt im Herzen die Hoffnung fest! Mag dies irre Geschlecht mit Hohn Ihrer spotten, verzweifle nie, Und im Sterben an deinen Sohn Als dein Kleinod vererbe sie; Daß er harre wie du getreu Und gerüstet zu frischer Tat, Wenn zu scheiden vom Korn die Spreu Einst der Tag der Erfüllung naht, Jener Morgen von Gott gesandt, Der bei klingendem Schwerterstreich Im zerstückelten Vaterland Neu aufrichtet das deutsche Reich. Pause 1856. Wer will's denn leugnen, daß in unsern Tagen Ein rascher Pulsschlag sich lebendig regt, Daß rings ein frischer Geist die Welt bewegt, Und die Gedanken neue Flüge wagen? Die Wissenschaft zertrümmert ohne Zagen Manch dumpfe Schranke, die uns eingehegt, Der Baum der Freiheit, der schon Blüten trägt, Verheißt, dereinst uns goldne Frucht zu tragen. Ein Großes aber mangelt dieser Zeit: Das eigne Dach und Fach, das mit Vertrauen Die Brust erfüllt, und drin die Rast gedeiht. Noch heimatlos, bei Sonn' und Wettergrauen Sitzt sie auf Trümmern der Vergangenheit Und Quadern, für der Zukunft Bau gehauen. Ungeduld 1857. So winterlich noch schaudern Die Lüfte weit und breit; O Lenz, was soll dein Zaudern? Es ist schon Blühens Zeit. Im Tal und in den Herzen Das Eis ist schier zertaut; Nun ruft nach dir mit Schmerzen Die bange Sehnsucht laut. O komm, uns zu erquicken, Und bring' in Donnerschlag, In Guß und Sonnenblicken Den Auferstehungstag. Wir können's kaum erwarten: Wann wird die Eiche grün? Wann wird im deutschen Garten Die Kaiserkrone blühn! Wann, o wann? 1858. Wann doch, wann erscheint der Meister, Der, o Deutschland, dich erbaut, Wie die Sehnsucht edler Geister Ahnungsvoll dich längst geschaut: Eins nach außen, schwertgewaltig Um ein hoch Panier geschart! Innen reich und vielgestaltig, Jeder Stamm nach seiner Art! Seht ihr, wie der Regenbogen Dort in sieben Farben quillt? Dennoch hoch und fest gezogen Wölbt er sich, der Eintracht Bild. Auf der Harfe laut und leise Sind gespannt der Saiten viel; Jede tönt nach ihrer Weise, Dennoch gibt's ein klares Spiel. O, wann rauschen so verschlungen Eure Farben, Süd und Nord! Harfenspiel der deutschen Zungen, Wann erklingst du im Akkord! Laß mich's einmal noch vernehmen, Laß mich's einmal, Herr, noch sehn! Und dann will ich's ohne Grämen Unsern Vätern melden gehn. Seid eins! 1859. Wie lang noch eifersücht'gen Mutes Verzehrt ihr euch in Streit und Neid? Ihr Volksgeschlechter deutschen Blutes, Besinnt euch endlich, wer ihr seid! Schon donnert's überm Eidergrunde, Schon wölkt sich's am Gestad' des Rheins; Es rinnt der Sand der elften Stunde, Und jedes Sandkorn mahnt: Seid eins! Seid eins! Von Gau zu Gau verkündigt Ein Fest der Sühnung insgemein! Wo all in gleicher Schuld gesündigt, Ist's da so schwer denn, zu verzeihn? Seid eins! Vom Schmähn und vom Verklagen, Vom Hadern laßt, wer Führer sei; Der Kühnste soll das Banner tragen, Und der am treusten deutsch und frei. Seid eins! Kein Griff nach fremder Krone! Der Eichbaum wipfle vielverzweigt, Doch Heil dem König auf dem Throne, Der vor des Reichs Panier sich neigt! Seid eins und laßt euch nicht zerspalten Durch Priesterzorn und Leugnerspott! Mag jeder seiner Kirche walten, Wir glauben all an einen Gott. Seid eins im Glück, seid eins im Leiden, In Wort und Tat, in Spruch und Schlag, Was auch der Erbfeind, euch zu scheiden, Verheißen oder dräuen mag! Seid eins, so donnert seinen Segen Der Herr der Herrn vom Himmel drein, Und sprechen mögt ihr allerwegen: »Hie deutsches Schwert! So soll es sein!« Gesang der Prätorianer 1859. Heil dem Gewalt'gen, Heil dem Kaiser, Dem Herrn im blut'gen Kriegsgezelt! Er gibt uns Gold und Lorbeerreiser, Wir geben ihm dafür die Welt. Denn scheu vor unsrer Adler Blitzen Zu Boden fliegt der Völker Blick; Wir tragen auf den Lanzenspitzen Das Heil des Reichs, der Welt Geschick. Als Herrscher ziehn wir durch die Lande, Er hat den Willen, wir die Macht; Hohnlachend jedem Widerstande Läßt er uns los im Feld der Schlacht. Ob tausend über tausend sinken, Was kümmert's ihn? Er zwingt das Glück; Wir bringen ihm beim Schall der Zinken Aus jedem Sturm den Sieg zurück. Dann lobt und kost er seine Meute, Und was uns zufiel, teilt er ein; Für ihn der Ruhm; für uns die Beute, Für uns die Weiber und der Wein! Da bricht die Lust aus allen Zügeln, Da flammt die Feuersbrunst ins Tal; Auf Städteschutt und Leichenhügeln Beginnen wir das Bakchanal. So wälzt er uns wie Lavafluten Von Siegesfeld zu Siegesfeld Und schreibt von Nacht zu Nacht mit Gluten Sein Machtgebot ans Himmelszelt. Er spricht – wer wagt zu widersprechen! Wer fragt noch, was beschworen sei! Er will – und die Verträge brechen, Die moos'gen Tafeln, morsch entzwei. Mag knirschend ihn der Bürger hassen: Er bangt und schweigt, das ist genug; Der Pöbel jubelt auf den Gassen Stets dem, der ihn in Ketten schlug. Was ist das Recht? Ein Schreck der Zahmen – Was ist die Freiheit? Wahn und Spott – Was sind die Götter? Hohle Namen – Der Kaiser ist auf Erden Gott. Triumph! Triumph! Und wenn hienieden Kein Wort mehr schallt als seines nur, Dann ist das Kaisertum der Frieden, Dann ist erfüllt sein hoher Schwur. Drum Heil dem Starken, Heil dem Kaiser, Dem Herrn im blut'gen Kriegsgezelt! Er gibt uns Gold und Lorbeerreiser, Wir geben ihm dafür die Welt! Einst geschieht's 1859. Einst geschieht's, da wird die Schmach Seines Volks der Herr zerbrechen; Der auf Leipzigs Feldern sprach, Wird im Donner wieder sprechen. Dann, o Deutschland, sei getrost! Dieses ist das erste Zeichen, Wenn verbündet West und Ost Wider dich die Hand sich reichen. Wenn verbündet Ost und West Wider dich zum Schwerte fassen, Wisse, daß dich Gott nicht läßt, So du nicht dich selbst verlassen. Deinen alten Bruderzwist Wird das Wetter dann verzehren; Taten wird zu dieser Frist, Helden dir die Not gebären, Bis du wieder stark wie sonst, Auf der Stirn der Herrschaft Zeichen, Vor Europas Völkern thronst, Eine Fürstin sondergleichen. Schlage, schlage denn empor Läutrungsglut des Weltenbrandes! Steig als Phönix draus hervor, Kaiseraar des deutschen Landes! Deutschlands Beruf 1861. Soll's denn ewig von Gewittern Am umwölkten Himmel braun? Soll denn stets der Boden zittern, Drauf wir unsre Hütten baun? Oder wollt ihr mit den Waffen Endlich Rast und Frieden schaffen? Daß die Welt nicht mehr, in Sorgen Um ihr leichterschüttert Glück, Täglich bebe vor dem Morgen, Gebt ihr ihren Kern zurück! Macht Europas Herz gesunden, Und das Heil ist euch gefunden. Einen Hort geht aufzurichten, Einen Hort im deutschen Land! Sucht zum Lenken und zum Schlichten Eine schwerterprobte Hand, Die den güldnen Apfel halte Und des Reichs in Treuen walte. Sein gefürstet Banner trage Jeder Stamm, wie er's erkor, Aber über alle rage Stolzentfaltet eins empor, Hoch, im Schmuck der Eichenreiser, Wall' es vor dem deutschen Kaiser. Wenn die heil'ge Krone wieder Eine hohe Scheitel schmückt, Aus dem Haupt durch alle Glieder Stark ein ein'ger Wille zückt, Wird im Völkerrat vor allen Deutscher Spruch aufs neu' erschallen. Dann nicht mehr zum Weltgesetze Wird die Laun' am Seinestrom, Dann vergeblich seine Netze Wirft der Fischer aus in Rom, Länger nicht mit seinen Horden Schreckt uns der Koloß im Norden. Macht und Freiheit, Recht und Sitte, Klarer Geist und scharfer Hieb, Zügeln dann aus starker Mitte Jeder Selbstsucht wilden Trieb, Und es mag am deutschen Wesen Einmal noch die Welt genesen. Beim Ausbruche des Krieges mit Dänemark Februar 1864. Wir waren also lang im Traum gelegen, Daß uns der Kraft Gedächtnis schier entschwunden, Ein schwüler Zauber hielt den Sinn gebunden, Da blitzt es auf – o jeder Blitz ein Segen! Ich grüße dich, du heil'ger Feuerregen, Du Sturm des Zorns nach so viel bangen Stunden! In deinen Flammen werden wir gesunden, Und jauchzend schlägt dir diese Brust entgegen. Vorbei ist's endlich mit dem Dräun und Rügen, Es spricht die Tat, wo Worte nichts verfingen; Das Schwert durchhaut das Schmachgeweb' der Lügen. Vorwärts, ihr Adler, mit den starken Schwingen! Schon atmet Deutschland auf bei euren Flügen Und stimmt die Harfen, euren Sieg zu singen. Das Lied von Düppel April 1864. Was klingt aus den Städten wie helles Festgeläut? Die Pauken und Drommeten, was jubeln sie heut? Was brausen und jagen die Wasser der Schlei? Der Feind ist geschlagen, und Schleswig ist frei? Bei Düppel dort am Meere, vor Alsen am Sund, Da rangen die Heere auf blutgetränktem Grund; Da galt's, auf die Schanzen im Siegessturmgewog' Den Adler zu pflanzen anstatt des Danebrog. Von Kugeln umsungen, vom heißen Tod umkracht Die märkischen Jungen, wie stritten sie mit Macht! Wie lernten sie das Steigen auf schlüpfriger Bahn! Es ging wie im Reigen; der Beeren war voran. Wohl mancher der Braven sank mit ihm in den Sand; Du fielst, o tapfrer Raven, das Schwert in der Hand. Und du am Pulverfasse, getreuer Winkelried! Der Klinkeschen Gasse gedenkt noch manch ein Lied. Doch als auf den Wällen nun flog das Siegspanier, Da bliesen die Gesellen: »Herr Gott, dich loben wir!« Das hat sich erschwungen wie Abels Opferbrand, Das ist hinausgeklungen bis tief ins deutsche Land. Im sonnigen Meere nun spiegelt sich aufs neu' Die preußische Ehre, die alte deutsche Treu'; Und war sie geschändet, wie strahlt sie doppelt rein! Und habt ihr sie verpfändet, ihr löstet sie ein. Ihr Meister der Staaten, und geht ihr nun und tagt, So woll' euch Gott beraten, auf daß ihr nicht zagt! Sprecht: Nichts von Vertragen! Nun bleibt es dabei, Der Feind ist geschlagen, und Schleswig ist frei. Musikfest Sommer 1864. Singt und jubelt nur und laßt Schäumen die Pokale, Doch beruft den trüben Gast Nicht zum Freudenmahle. Tiefe Schwermut überkommt Mich beim Schall der Lieder; Bringt, was unserm Volke frommt, Kein Gesang doch wieder. Während ihr die Eintracht preist Bei des Festes Herzen, Geht durchs Land ein finstrer Geist Und entzweit die Herzen. Durch der Weisen Jubelton, Durch den Prunk der Reden Hör' ich fern ein Dröhnen schon Eh'rner Schicksalsfäden. Ach, und will im Wein ich dann, Was mich quält, ersticken, Schaut mich draus die Zukunft an Mit Medusenblicken. In den Tagen des Konflikts 1865. Das ist ein trostlos Silbenstechen, Mißtrauen hier, Verstimmung dort; Sie möchten wohl von Sühnung sprechen, Doch keiner trifft das rechte Wort. So wächst die Kluft von Tag zu Tage, Man reizt und höhnt, man trutzt und schmollt, Ob draußen auch mit dumpfem Schlage Vernehmlich schon das Wetter grollt. Erhitzt bekämpfen sich die Reihen Zur rechten und zur linken Hand, Und überm Hader der Parteien Denkt keiner mehr ans Vaterland. Zur Antwort 1865. Wenn von außen der Feind uns droht, Wohl mit klingenden Saiten Im gewappneten Aufgebot Ziemt's dem Dichter zu schreiten. Eisern wie ein geschwungenes Schwert Soll sein Hymnus ertönen, Bis ihm gnädig ein Gott beschert, Siegerstirnen zu krönen. Aber wo mit Gewalt und List Haupt feindselig und Glieder Sich befehden im innern Zwist, Da verstummen die Lieder. Eh' sie diente, der Volkspartein Zwietracht weiterzutragen, Lieber wollt' ich am nächsten Stein Diese Harfe zerschlagen. Eiserne Zeit Dezember 1865. Unterm alten Eichenbaum, Wo das Volk ihm lauscht im Kreise, Dumpf, gleichwie aus bangem Traum, Singt der Spielmann seine Weise: »Haltet Mut und Schwert bereit! Eisern, eisern ist die Zeit. Sühnung hofft' ich manches Jahr, Und getrost zu neuen Siegen Sah ich schon den Doppelaar Mit dem Aar der Zollern fliegen. Weh, der Sieg gebar den Streit, Eisern, eisern ist die Zeit. Dort ein Kaisertum im Ost, Hier ein Reich vom Fels zum Meere, Eins des andern Schirm und Trost, Beide gleich an Macht und Ehre – Schöner Traum, wie liegst du weit! Eisern, eisern ist die Zeit. Trotz im Auge, Groll im Mund Stehn, die jüngst noch Kampfgesellen; Ach, nicht birgt das Land am Sund Ihres Haders tiefste Quellen. Deutschland gilt, was sie entzweit; Eisern, eisern ist die Zeit. Deutschland gilt's, und ruhelos Glimmt die Zwietracht fort der beiden, Daß in aller Gauen Schoß, Die da Brüder sind, sich scheiden, Und des Hasses Saat gedeiht; Eisern, eisern ist die Zeit. Horch, schon läßt sich dumpf bei Nacht Unterm Grund ein Brausen spüren, Hoch zu Rosse wie zur Schlacht Ziehn in Wolken die Walküren, Angst und Schwüle weit und breit! Eisern, eisern ist die Zeit. Brich herein denn, Schicksalstag! Ende diese Not im Wetter! Unter Sturm und Donnerschlag Send' uns einen Hort und Retter! Deutschlands Purpur liegt bereit, Eisern, eisern ist die Zeit.« Das Lied vom Reiche ? jedenfalls vor 1866. Frisch auf und unverdrossen, Wie grimm die Welt auch tut! Die zwei sind dir Genossen, Dein Gott und deutscher Mut. Ob's Herz schier bricht, Verzage nicht, Die Zähne beiß zusammen! Es fügt sich doch, Wofür so hoch Die besten Herzen flammen. Nicht knechtisch Wohlbehagen, Noch blutig Gaukelspiel Aus welscher Gleichheit Tagen Ist unsres Volkes Ziel. Doch birgt sein Herz Nicht mehr den Schmerz Um die zerborstne Eiche, Doch wächst das Wort Allmächtig fort, Das Wort vom deutschen Reiche. Wohl hält der alte Drache Vielköpf'ger Eifersucht Am Baum des Lebens Wache Und weigert uns die Frucht. Doch, wie er faucht Und Flammen haucht, Laß dich nicht mit zerspalten! Getrost im Graus, Mein Volk, halt aus! Gott wird der Hoffnung walten. Der Treue kann's nicht fehlen, Beharren bringt Gedeihn; Was reif ward in den Seelen, Das schafft sich Fleisch und Bein. Es wird die Not Ihr laut Gebot Im Schlachtendonner sprechen; Und kommt's nicht jetzt, So kommt's zuletzt Mit Biegen oder Brechen. Das ist die einz'ge Sühne Das ist des Liedes Schluß, Das ist der Lenz, der grüne, Der endlich werden muß: Voll Macht und Ruhm Das Kaisertum, Dem freien Volk zum Frommen. Drum, wie's auch tost, Herz, sei getrost! Das Reich wird dennoch kommen. Von 1866 bis 1871 Am Jahresschlusse 1866. Hast du endlich allverständlich, Schicksal, deinen Spruch getan, Und wie Frühlingsbrausen endlich Weht's das deutsche Leben an? Ja, der Bannfluch ist gebrochen, Der beklemmend auf uns lag, Und befreit mit Herzenspochen Grüßen wir den jungen Tag. Wo an Böhmens wald'gen Borden Siebenmal die Schlacht getobt, Hat der schwarze Aar vom Norden Seiner Schwingen Kraft erprobt; In den Staub von ihr getrümmert Sank die Fessel, die so lang Jeden Hoffnungstraum verkümmert, Der aus deutscher Seele sprang. Doch, wie stolz im Feld der Waffen Euer Wurf, ihr Sieger, fiel, Halb erst steht das Werk geschaffen, Unsrer Sehnsucht hohes Ziel. Andern Grund noch gilt's zu legen Als des Schwertes freudlos Recht; Nur in freier Liebe Segen Knüpft Geschlecht sich an Geschlecht. Wallt denn, eurer Lorbeerzweige Würdig, unsrem Volk voran! Jeder eitle Hader schweige, Jeder Hohn sei abgetan! Zeigt, wie schön dem Heldenmute Weisheit sich und Güte paart, Und am stammverwandten Blute Ehrt des Geistes Eigenart! Aber ihr, die dieser Zeiten Sturm gebeugt, erhebt das Herz! Künftig Heil will sich bereiten, Und die Wandlung nur ist Schmerz. Brach auch Teures euch zusammen, Lernt aufs Ganze gläubig sehn! Lodernd muß der Holzstoß flammen, Soll der Phönix auferstehn. Drum getrost! Und schwört in treuer Kraft zum großen Vaterland, Und des heil'gen Opfers Feuer Schürt es selbst mit frommer Hand! Werft der Eifersucht Gedanken, Werft den alten Groll hinein! Brausend auch die letzten Schranken Spült hinunter dann der Main. O wann kommst du, Tag der Freude Den mein ahnend Herz mir zeigt, Da des jungen Reichs Gebäude Himmelan vollendet steigt, Da ein Geist der Eintracht drinnen Wie am Pfingstfest niederzückt Und des Kaisers Hand die Zinnen Mit dem Kranz der Freiheit schmückt! Den Bauleuten (Bei Eröffnung des ersten norddeutschen Parlaments.) Nun aus Ost und West der Sturm Droht heranzubrausen, Laßt uns gründen einen Turm, Daß wir drinnen hausen! Baut die Mauern stark und fügt Fest die Balkenstützen, Wenn's zur Zeit auch nur genügt, Uns im Braus zu schützen! Sind wir unter sicherm Dach Glücklich erst geborgen, Läßt für wohnliches Gemach Sich schon weiter sorgen. Aber jetzt versäumt die Frist Nicht mit Glanzentwürfen Und vor dem, was lieblich ist, Schafft, was wir bedürfen! Schon aus naher Wolken Schoß Grollt der Zorn der Winde; Eilt, daß er nicht obdachlos Abermals uns finde! Wann verbraust der Hagelschlag An den nackten Wänden, Mögt ihr froh am heitern Tag, Was sie schmückt, vollenden! Freudenschall und Farbenflor Rufe dann zum Feste, Und es öffne sich das Tor Weit für teure Gäste! Frühlingslied 1867. Nun vergiß der Klagelieder Und erhebe dein Gemüt! Endlich steigt der Lenz hernieder, Der für dich, mein Volk, erblüht. An der tausendjähr'gen Eiche Drängt sich junger Knospen Schwall, Ein prophetisch Lied vom Reiche Schmettert drein die Nachtigall. Sieh, und dichter stets, getroster Bricht hervor das lichte Grün; Nur gen Süd ein starr bemooster Ast noch zaudert mitzublühn. Kommt herab denn, Himmelskräfte, Maientau und Sonnenschein! Treibt den Strom der Lebenssäfte Bis ins letzte Reis hinein! Steht verjüngt vom Frühlingsbrausen Erst der ganze Baum in Blust, Wird der Freiheit Aar drin hausen, Deutsches Volk, zu deiner Lust. Eines hast du schon errungen, Daß die Welt, die dich erkennt, Ehrfurchtsvoll in allen Zungen Deinen Namen wieder nennt. Was wir wollen April 1867. Was soll dies Spiel der List, Dies Klirren mit dem Schwerte, Als ob nach Raub und Zwist Das deutsche Volk begehrte? Ein treuer Wunsch allein Steht uns ins Herz gegraben: Wir wollen einig sein Und wollen Frieden haben. Mag jeder, wie's ihm klug Bedünkt, sein Haus verwalten! Wir sind uns selbst genug Und lassen gern ihn schalten. Uns ist's nicht Gall' im Wein, Wenn andre froh sich laben; Wir wollen einig sein Und wollen Frieden haben. Nur, wie wir ohne Groll Das Recht des Nachbars ehren, So fordern wir, man soll Auch unsres uns gewähren. Kein Vormund red' uns drein Wie willenlosen Knaben; Wir wollen einig sein Und wollen Frieden haben. Wir wollen endlich fest Ausbaun die deutschen Hallen, Nicht, wie sie Ost und West, Nein, wie sie uns gefallen. Reicht uns die Hand am Main, Ihr Bayern und ihr Schwaben! Wir wollen einig sein Und wollen Frieden haben. Wir hassen's insgesamt, Um eitlen Ruhm zu fechten, Doch hoch zur Notwehr flammt Das Schwert in unsrer Rechten. Dem Störenfried allein Sei's in die Brust gegraben! Wir wollen einig sein Und wollen Frieden haben. Vorwärts! Sommer 1867. Durch Deutschlands Gauen hallt das Wetter aus, Die Luft wird hell, entschieden ist der Strauß; Zertrümmert liegt, das keiner Schmach gewehrt, Das Haus am Main, ohnmächt'ger Zwietracht Herd, Und überm Schutt, auf bessern Fels gegründet, Steigt auf der Bau, der schon das Reich verkündet. Einfügt sich Stein um Stein. Und fällt zersprengt Manch alter Schmuck, dran unser Herz noch hängt, Wir bringen ihn getrost, wie traut er war, Dem großen Vaterland zum Opfer dar Und trinken reichres Leben frohgemutet Im Strom der Kraft, die aus dem Ganzen flutet. Du aber, kriegerisch Geschlecht, bestellt, Ein Hort zu sein der jungen deutschen Welt, Mit deinen Zielen wachse! Was das Schwert Begann, vollend' es, deiner Siege wert! Das Haupt umkränzt mit frischem Eichenlaube Laß, was verwelkt ist, hinter dir im Staube! Durchbrich in jugendlicher Heldenkraft Der längst zu eng gewordnen Formel Haft! Wirf ab den Starrsinn, der, was fröhlich blüht, Gewaltsam nach der Schnur zu ziehn sich müht! Des jungen Weins lebend'ge Ströme lassen Sich nimmer in die alten Schläuche fassen. Du kämpftest nicht nach seellos dumpfem Brauch, In deinen Fahnen wob des Geistes Hauch; Das schuf den Sieg dir, daß im Schlachtgewog' Sein Brausen über deinen Fahnen zog; Mit ihm im Bunde vorwärts! Laß ihn walten Und, die da tot sind, sich an Totes halten! Du führst den Adler, zieh uns denn voran Mit Adlersflug auf morgenroter Bahn! Flieg in der Freiheit Sonne kühn hinein, Und du wirst deutsch, und dein wird Deutschland sein, Vom Schnee der Gletscher bis zum Bernsteinmeere Glorreich verjüngt in Eintracht, Macht und Ehre. Hanseatisches Festlied (Am Tage des Aufziehens der Bundesflagge.) Es ist erwacht mit hellem Schall Ein wunderkräftig Wort, Das schwingt wie Osterglockenhall Von Gau zu Gau sich fort; Das jauchzt, wo man zur Harfe greift Beim frohen Schaum des Weins, Das braust, wo man den Flamberg schleift: »Du deutsches Land bist eins!« Vernimm's, du alte Hansastadt, Und stimme freudig ein! An Deutschlands Eiche sei ein Blatt, In seiner Burg ein Stein! Schon weht der deutschen Flagge Zier Von deiner Schiffe Bug, Und heilverkündend rauscht in ihr Der Zukunft Atemzug. Das Reich, das unsre Sehnsucht war, Das Reich pocht an mit Macht; Bald hält ein junger Kaiseraar Ob deinem Schilde Wacht; Ein neues Leben bricht herein Stark, einig, groß und frei – Das ganze Deutschland soll es sein, Und du sei mit dabei! Deutsches Leben 1867. Was steht ihr düster und betroffen, Die ihr ein deutsch Panier doch tragt, Nun endlich, endlich unsrem Hoffen Ein Morgen der Erfüllung tagt? O bannt von eurer Stirn die Wolke! Verscheucht den wüsten Traum der Nacht, Als wär' es aus mit unsrem Volke, Weil's anders kam, als ihr gedacht. Denn als der Sturm der sieben Wochen Die Welt erschüttert nah und fern, Wohl hat er morsche Zier gebrochen, Doch nimmer unsres Wesens Kern. Aus tausend Quellen um die Wette Braust unversiegt von Ort zu Ort, Braust stolzer nur im neuen Bette Der Strom des deutschen Lebens fort. Noch wettert durch der Schlacht Gedröhne Das Schwert, ein Blitz in deutscher Hand, Noch wissen lächelnd unsre Söhne Zu sterben für das Vaterland. Und die in schwindelnden Gedanken Die Herrn der Welt sich schon geglaubt, Mit bangem Neide sehn die Franken Den Kranz des Siegs auf unsrem Haupt. Noch waltet am ererbten Herde Der deutsche Bauer schlicht und stark, Beharrlich, wie die Kraft der Erde, Die treu ihn nährt mit ihrem Mark. Noch wächst auf hohem Schloß, dem Ruhme Nacheifernd, den der Ahn gewann, Manch kühner Sproß zum Rittertume Des Geistes und des Schwerts heran. Noch blüht gesegnet in der Runde Der Städte Wandel, Kunst und Fleiß; Noch wurzelt dort im festen Grunde Des Bürgersinns der Freiheit Reis. Im Wettkampf jeder Kraft erschaffen, Gedeiht das Neue Tag für Tag, Doch bürgt die ernste Pflicht der Waffen, Daß alte Zucht nicht rosten mag. Noch läßt zu nimmermüdem Streben Die Forschung ihre Fackel wehn, Der Vorzeit reichen Schatz zu heben, Der Schöpfung Rätsel zu verstehn; Und wenn bekränzt und vielbewundert Die goldne Zeit der Dichtung schied, Noch rauscht dem eisernen Jahrhundert Begeistrung manch geflügelt Lied. Noch steht in unsres Lebens Mitte Wie eine feste Burg das Haus Und strömt den Segen edler Sitte Vom Herd auf die Geschlechter aus; Noch birgt sich in der Jungfrau Sinne Der Unschuld und der Ehren Hort, Noch scheucht der Cherub reiner Minne Vom Jüngling den Versucher fort. Noch wacht mit brünstigen Gebeten Die Mutter über ihrem Kind, Noch treibt's den Mann, vor Gott zu treten, Wenn er ein ernstes Werk beginnt; Und bricht durch starrer Satzung Schranke Der ungedämpfte Geist sich Bahn, Nur treuer wipfelt sein Gedanke In freier Andacht himmelan. Drum laßt vom Zagen, laßt vom Grollen! Im Sturme wuchs uns nur die Kraft, Und mächtig in Gezweig und Schollen Den Lenz verkündend treibt der Saft. Erstorbnem weint ihr nach vergebens, So kommt und tut den Brüdern gleich, Und auf dem Grund des alten Lebens Helft uns erbaun das neue Reich! Aus den Salzburger Tagen Spätsommer 1867. Deutsches Volk, was säumst du länger? Schau, wie deinem alten Dränger Schon vor deiner Eintracht graust, Wie er mit beklemmten Sinnen Diese Zinnen Steigen sieht, die du erbaust. Und du wolltest von dem Werke Deines Wachstums, deiner Stärke Lassen, nun es halb gereift, Weil mit eingezogner Klaue Dir der Schlaue Seinen alten Lockruf pfeift? Freilich möcht' er dich zerspalten; Kennt er doch den Spruch der Alten: Leicht gebietet, wer entzweit. Freilich drum in die Gemüter Deiner Hüter Sät er Argwohn, Haß und Neid. Aber laß dich nicht verwirren! Achte seinen Rat dem Girren Jener ersten Schlange gleich! Baue weiter unverdrossen! Ihm zum Possen Bau' es aus, das deutsche Reich! Stämme wälz' und Quaderstücke An den Main und wirf die Brücke Über den entsühnten Strom Und, den dort die Fluten waschen, Aus den Aschen Richt' empor den Kaiserdom! Und zur Antwort auf die leise Buhlende Sirenenweise, Die so lind sich wiegt im West, Laß verkünden seine Glocken Mit Frohlocken Deines Schirmvogts Krönungsfest! Ein Ruf über den Main Oktober 1867. Nun steht das Haus gegründet Und prangt im Frührotschein, Nun ist das Wort verkündet: Kommt her und tretet ein! Kein Fremdling soll euch hindern, Kein Machtspruch fern und nah, Nach allen ihren Kindern Verlangt Germania. Ihr sollt nicht länger tragen Der Waisen schwarz Gewand, Ihr sollt nicht fürder fragen: Wo ist das Vaterland? Den Hort euch zu gewinnen, Der jüngst ein Traum noch war, Reicht nur in treuen Sinnen Die Hand den Brüdern dar! Ihr raschen Alemannen, Glückauf! Mit Jubelton Aus eures Schwarzwalds Tannen Antwortend grüßt ihr schon. Ihr habt die heil'ge Lohe Der Freiheit stets genährt, Nun schürt getreu die hohe Auf größerm Opferherd! Was säumt ihr ernsten Schwaben, Vorkämpfer einst im Reich? Wohl ist an Geist und Gaben Kein Stamm dem euren gleich; O laßt den Schatz nicht rosten, Ihr sollt auch überm Main, Wo Lichtgedanken sproßten, Die Bannerträger sein. Ihr löwenherz'gen Bayern, Ihr Franken klug und kühn, Wie lange wollt ihr feiern, Wo Deutschlands Ehren blühn? Den Arm, erprobt im Schlagen, Den Blick voll Weltverstand, Wollt ihr sie träg versagen Dem großen Vaterland? Empor! Ihr hofft vergebens, Ein Volk im Volk zu sein, Schon reißt der Strom des Lebens Die dumpfen Schranken ein. Vertraut euch seinen Wogen Und sucht ein besser Heil! Allmächtig angezogen Zum Ganzen strebt der Teil. Wohl habt ihr's oft vernommen, Vom Eberhard das Lied, Wie er, dem Reich zum Frommen, Sein stolzes Herz beschied Und großen Sinns die Krone, Darnach er selbst begehrt, Des Nordens starkem Sohne Darbot am Vogelherd. O laßt sein Bild euch mahnen Und zieht aus Süd und West, Zieht hin mit euren Fahnen Zum schönsten Sühnungsfest Und bringt, die uns verloren, Doch nie vergessen war, Dem Haupt, das Gott erkoren, Die Kaiserkrone dar! Harr' aus! Dezember 1867. Es stürmt im rauhen Kleid von Eisen Beschwingten Schritts dahin die Zeit, Kaum, daß sie dir und deinen Weisen Ein Ohr noch leiht. Umbraust von ihrer Gleise Dröhnen, Von ihres Marktes ew'ger Hast, Wie fände sie zum Dienst des Schönen Die heitre Rast! Wie ging' in selbstvergeßner Freude Das Herz ihr auf beim Flötenlaut, Die schallend zu des Staats Gebäude Die Quadern haut! Dem Stoff erst ringt sie ab, dem festen, Das Werk, dran unsre Sehnsucht hängt; So murre nicht, daß auch die Besten Der Stoff befängt, Und daß ihr Blick, vom Schaugepränge Zerstreut, das alle Sinne reizt, Vorüberschweift, wo keusche Strenge Mit Farben geizt. Willst du den müden Werkmann schelten, Den rasch unechter Prunk besticht? Nur laß sein Maß für dich nicht gelten Und dein Gedicht. Dem Gott gehorchend, der die Leier Dir weihte, harr' in Treuen aus! Es folgen Wochen goldner Feier Der Zeit des Baus. Daß dann ein später Kranz dir werde, Vergiß des Tages flücht'ge Gunst Und opfre standhaft fort am Herde Der reinen Kunst! Deutsche Wanderschaft Frühling 1868. Der Wald steht in Blüte, die wilden Schwäne ziehn, Mir klingt's im Gemüte wie Wandermelodien; Zum Stab muß ich greifen, leb' wohl, altes Haus! Und singend wieder schweifen ins deutsche Land hinaus. Ihr blauenden Gipfel, ihr Täler, Gott grüß'! Ihr dunkeln Eichenwipfel, wie rauscht ihr so süß! Ihr wollt mir's erzählen, daß endlich hoffnungsvoll Durch alle deutschen Seelen ein Lenzodem quoll. Durch Steingeklüft und Forsten zu klimmen, o Lust! Auf schwindelnden Horsten zu lüften die Brust. Tief unten verklingen die Glocken weit umher, Ein Adler hebt die Schwingen vom Felsen zum Meer. Ins Brausen der Quellen wie pocht der Hämmer Schlag! Da fördern die Gesellen das Eisen zutag', Da wächst in roter Erde das Schwert für den Feind, Der uns am deutschen Herde noch dreinzureden meint. Nun kommst auch du geschwommen im frühroten Schein, Willkommen, willkommen, du dunkelgrüner Rhein! Du tränkst mit goldner Freude dein blühend Geländ' Und weißt von keiner Scheide, die seine Stämme trennt. Wie lang wird es währen, Altvater, so preßt Man wieder deine Beeren zum Kaiserkrönungsfest, Da kommt auf deinen Wogen im Purpurgewand Der Hort des Reichs gezogen, das Banner in der Hand. Dann ruhen alle Waffen, dann ist es vollbracht, Dran tausend Jahr' geschaffen, das Werk deutscher Macht, In Norden und Süden der letzte Zwist gesühnt Und Freiheit und Frieden, so weit die Eiche grünt. An König Wilhelm Lübeck, den 13. September 1868. Mit festlich tiefem Frühgeläute Begrüßt dich bei des Morgens Strahl, Begrüßt, o Herr, in Ehrfurcht heute Dich unsre Stadt zum erstenmal; Dem hohen Schirmvogt ihr Willkommen Neidlosen Jubels bringt sie dar, Die selbst in Zeiten längst verglommen Des alten Nordbunds Fürstin war. Das Banner, das in jenen Tagen Den Schwestern all am Ostseestrand Sie kühngemut vorangetragen, Hoch flattert's nun in deiner Hand, In deiner Hand, die auserkoren Vom Herrn der Herrn, dem sie vertraut, Das Heiligtum, das wir verloren, Das deutsche Reich uns wieder baut. Schon ragt bis zu des Maines Borden Das Werk, darob dein Adler wacht, Versammelnd alle Stämm' im Norden, Die Riesenfeste deutscher Macht; Und wie auch wir das Banner pflanzen, Das dreifach prangt in Farbenglut, Durchströmt uns im Gefühl des Ganzen Verjüngte Kraft, erneuter Mut. Im engen Bett schlich unser Leben Vereinzelt wie der Bach im Sand; Da hast du uns, was not, gegeben, Den Glauben an ein Vaterland. Das schöne Recht, uns selbst zu achten, Das uns des Auslands Hohn verschlang, Hast du im Donner deiner Schlachten Uns heimgekauft, o habe Dank! Nun weht von Türmen, flaggt von Masten Das deutsche Zeichen allgeehrt; Von ihm geschirmt nun bringt die Lasten Der Schiffer froh zum Heimatsherd. Nun mag am harmlos rüst'gen Werke Der Kunstfleiß schaffen unverzagt, Denn Friedensbürgschaft ist die Stärke, Daran kein Feind zu rühren wagt. Drum Heil mit dir und deinem Throne! Und flicht als grünes Eichenblatt In deine Gold- und Lorbeerkrone Den Segensgruß der alten Stadt. Und sei's als letzter Wunsch gesprochen, Daß noch dereinst dein Aug' es sieht, Wie übers Reich ununterbrochen Vom Fels zum Meer dein Adler zieht. Benedikt 13 1869. Auf der Burg zu Peniskola, die vom Fels zur Öde blickt, Am Altar im Kreis der Mönche steht der greise Benedikt. Einst zum Pontifex erkoren, nun entsetzt durch Kaiserwort, Barg er, unversöhnlich grollend, wie ein wunder Aar sich dort. »Herr, das Amt der ew'gen Schlüssel, das du deinem Knechte gabst, Wer vermag's mir anzutasten! Laß sie dräun! Ich bin der Papst. Über Fürstenmacht und Völker hast du mir Gewalt verliehn; Wagt zu trotzen mir der Erdkreis, dein Gericht herab auf ihn!« Und empor das Auge wendend, das des Himmels Blitze sucht, Spricht er feierlich den Bannfluch, der die ganze Welt verflucht. Unter Grabgeläut' die Kerzen löscht er aus am Hochaltar: »Also seid im Buch des Lebens ausgetan für immerdar!« Dumpf erschallt der Chor der Mönche: »Tag des Zornes, brich heran!« – Doch die Sonne wallt wie gestern ruhig lächelnd ihre Bahn. Drei Vögel September 1869. Ich stand auf hohem Berge Und schaut' hinab ins Tal, Drei Vögel sah ich fliegen Im roten Abendstrahl. »Was bringst du, schwarzer Rabe? Du kommst aus Welschland her –« »Ich sah einen greisen Fischer, Der warf sein Netz ins Meer. Er warf's mit stolzen Sinnen, Des reichen Fangs gewiß, Da ging im Grund ein Brausen, Das riesige Netz zerriß.« »Was bringst du, grauer Habicht? Du fliegst vom Seinestrand –« »Ich sah einen kranken Leuen, Der sich in Ängsten wand: ›Weh mir, es wankt der Boden, Und ich bin alt und siech! Was wähl' ich, mich zu retten, Freiheit oder Krieg?‹« »Was bringst du, weiße Taube? Du schwangst dich auf am Main –« »Ein schwarzes Wetter sah ich Vergehn in Sonnenschein. Ein Regenbogen wölbte Sich glorreich überm Strom, Und wachsend aus den Trümmern Stieg auf der Kaiserdom.« Kriegslied Juli 1870. Empor, mein Volk! Das Schwert zur Hand! Und brich hervor in Haufen! Vom heil'gen Zorn ums Vaterland Mit Feuer laß dich taufen! Der Erbfeind beut dir Schmach und Spott, Das Maß ist voll, zur Schlacht mit Gott! Vorwärts! Dein Haus in Frieden auszubaun, Stand all dein Sinn und Wollen, Da bricht den Hader er vom Zaun Von Gift und Neid geschwollen. Komm' über ihn und seine Brut Das frevelhaft vergoßne Blut! Vorwärts! Wir träumen nicht von raschem Sieg, Von leichten Ruhmeszügen, Ein Weltgericht ist dieser Krieg, Und stark der Geist der Lügen. Doch der einst unsrer Väter Burg, Getrost, er führt auch uns hindurch! Vorwärts! Schon läßt er klar bei Tag und Nacht Uns seine Zeichen schauen, Die Flammen hat er angefacht In allen deutschen Gauen. Von Stamm zu Stamme lodert's fort: Kein Mainstrom mehr, kein Süd und Nord! Vorwärts! Voran denn, kühner Preußenaar, Voran durch Schlacht und Grausen! Wie Sturmwind schwellt dein Flügelpaar Vom Himmel her ein Brausen, Das ist des alten Blüchers Geist, Der dir die rechte Straße weist. Vorwärts! Flieg, Adler, flieg! Wir stürmen nach, Ein einig Volk in Waffen. Wir stürmen nach, ob tausendfach Des Todes Pforten klaffen. Und fallen wir: Flieg, Adler, flieg! Aus unsrem Blute wächst der Sieg. Vorwärts! Ein Psalm wider Babel Juli 1870. Nun ist geschürzt vom Bösen Der Knoten also fein, Kein Rat mehr kann ihn lösen, Er muß zerhauen sein. Ihr habt verworfen den Frieden, Den treuer Sinn euch bot, So soll euch sein beschieden Streit und Jammer und Not. Den ihr, bekränzt die Schläfen, Gebraut, den Greueltrank, Bis auf die letzten Hefen Sollt ihr ihn leeren zum Dank. Lobsingt nur eurem Götzen In frechem Gaukelspiel! Der Herr wird kommen und setzen Dem wüsten Rausch ein Ziel! Sein Odem Sturm des Krieges, Der die Heerscharen fegt, Sein Schwert ein Schwert des Sieges, Das allen Frevel schlägt! Finster wird sein die Erde Und der Himmel voll Glut, Bis an die Zäume der Pferde Steigen wird das Blut. Die Ströme werden weichen Aus ihren Ufern zur Frist, Weil mit Schutt und Leichen Ihr Bett verdämmet ist. Es wird zertreten der Rächer Die Stätten, da ihr sitzt, Daß durch die krachenden Dächer Hochauf die Lohe spritzt. Und Heulen wird sein auf den Gassen Und Hunger Haus bei Haus, Indes die Wölfe prassen Und die Geier am Schmaus. Das aber mag nicht enden, Bis ihr dem Lügengeist Abschwört und von den Lenden Das Kleid der Hoffart reißt; Bis ihr in Reu' vernichtet Aus eurem Herzeleid Zum Herrn, der euch gerichtet, Um Gnad' und Sühnung schreit. Erst wenn aufs Knie gebogen Ihr euch bekannt zur Schuld, Wird Er der Zornflut Wogen Zerrinnen lassen in Huld. Sanftleuchtend auf der Wolke Mag dann der Bogen stehn, Und am zerschlagnen Volke Barmherzigkeit geschehn. Dann mag verwandelt werden Das Schwert zum Palmenzweig, Und Friede wird sein auf Erden, Und kommen wird das Reich. Deutsche Siege August 1870. Habt ihr in hohen Lüften Den Donnerton gehört Von Forbach aus den Klüften, Von Weißenburg und Wörth? Wie Gottes Engel jagen Die Boten her vom Krieg: Drei Schlachten sind geschlagen, Und jede Schlacht war Sieg. Preis euch, ihr tapfern Bayern Stahlhart und wetterbraun, Die ihr den Wüstengeiern Zuerst gestutzt die Klaun! Mit Preußens Aar zusammen Wie trutztet ihr dem Tod, Hoch über euch in Flammen Des Reiches Morgenrot! Und ihr vom Gau der Chatten Und ihr vom Neckarstrand Und die aus Waldesschatten Thüringens Höhn gesandt, Ihr bracht, zum Keil gegliedert, Der Prachtgeschwader Stoß; Traun, was sich so verbrüdert, Das läßt sich nimmer los. Und die ihr todverwegen, Von Leichen rings umtürmt, Im dichten Eisenregen Den roten Fels erstürmt, Wo blieb vor euch das Pochen Auf Frankreichs Waffenruhm? Sein Zauber ist gebrochen, Nachbricht das Kaisertum. So sitzt denn auf, ihr Reiter, Den Rossen gebt den Sporn Und tragt die Losung weiter: Hie Gott und deutscher Zorn! Schon ließ der Wolf im Garne Ein blutig Stück vom Vlies, Die Maas hindurch, die Marne, Auf, hetzt ihn bis Paris! Und ob die wunden Glieder Mit der Verzweiflung Kraft Er dort noch einmal wieder Empor zum Sprunge rafft: Dich schreckt nicht mehr sein Rasen, O greiser Heldenfürst! Laß die Posaunen blasen, Und Babels Feste birst. Der feigen Welt zum Neide Dann sei dein Werk vollführt. Und du, nur du entscheide Den Preis, der uns gebührt! Es stritt mit uns im Gliede Kein Freund als Gott allein, So soll denn auch der Friede Ein deutscher Friede sein. An der Mosel August 1870. Wo der Mosel dunkle Wellen Um ihr felsig Ufer schwellen, Schweigt zum drittenmal die Schlacht, Und die feuchten Winde tragen Lobgesang und Totenklagen Fernverhallend durch die Nacht. Unsre Siegesbanner wogen, Doch die Bahn, die sie durchflogen, Ist von teurem Blute rot; Wo der Eisenregen sprühte, Sank in Garben, ach, die Blüte Unsrer Jugend in den Tod. O wie viel verwaiste Herzen Nennen euch hinfort mit Schmerzen, Mars-la-Tour und Gravelotte! Bleiche Fraun, zum Tod bekümmert, Bräute, deren Glück zertrümmert, Greise Mütter, tröst' euch Gott! Aber euch, ihr treuen Toten, Sei der Brüder Schwur entboten, Zorn'ge Tränen rinnen drein: Nimmer soll, das ihr vergossen, Euer Blut umsonst geflossen, Nimmer soll's vergessen sein! Eures heil'gen Willens Erben Schwören wir auf Sieg und Sterben Treu zu stehn in Wacht und Schlacht: Keiner soll der Rast gedenken Noch das Schwert zur Scheide senken, Bis das große Werk vollbracht; Bis des Erbfeinds Trutz vernichtet, Bis das Bollwerk aufgerichtet, Das die Zukunft schirmt der Welt, Und mit rauschendem Gefieder Über euren Gräbern wieder Deutschlands Aar die Grenzwacht hält. Am dritten September 1870. Nun laßt die Glocken Von Turm zu Turm Durchs Land frohlocken Im Jubelsturm! Des Flammenstoßes Geleucht facht an! Der Herr hat Großes An uns getan. Ehre sei Gott in der Höhe! Es zog von Westen Der Unhold aus, Sein Reich zu festen In Blut und Graus; Mit allen Mächten Der Höll' im Bund Die Welt zu knechten, Das schwur sein Mund. Furchtbar dräute der Erbfeind. Vom Rhein gefahren Kam fromm und stark Mit Deutschlands Scharen Der Held der Mark. Die Banner flogen, Und über ihm In Wolken zogen Die Cherubim. Ehre sei Gott in der Höhe! Drei Tage brüllte Die Völkerschlacht, Ihr Blutrauch hüllte Die Sonn' in Nacht. Drei Tage rauschte Der Würfel Fall, Und bangend lauschte Der Erdenball. Furchtbar dräute der Erbfeind. Da hub die Wage Des Weltgerichts Am dritten Tage Der Herr des Lichts Und warf den Drachen Vom güldnen Stuhl Mit Donnerkrachen Hinab zum Pfuhl. Ehre sei Gott in der Höhe! Nun bebt vor Gottes Und Deutschlands Schwert Die Stadt des Spottes, Der Blutschuld Herd. Ihr Blendwerk lodert Wie bald! zu Staub, Und heimgefodert Wird all ihr Raub. Nimmermehr dräut uns der Erbfeind. Drum laßt die Glocken Von Turm zu Turm Durchs Land frohlocken Im Jubelsturm! Des Flammenstoßes Geleucht facht an! Der Herr hat Großes An uns getan. Ehre sei Gott in der Höhe! Trinkspruch am 26. Oktober 1870. Stoßt an im Saft der besten Reben! Stoßt an: Land Mecklenburg soll leben, Land Mecklenburg mit Schwert und Pflug! Die Perle gab es uns der Frauen Und jenes Paar mit greisen Brauen, Das unsres Ruhmes Schlachten schlug. Schon wallt sie längst im Paradiese, Die hohe Königin Luise, Die Deutschlands starken Hort gebar, Doch flammend steht's in tausend Herzen, Wie sie zur Zeit der Schmach und Schmerzen Der Engel ihres Volkes war. Und wollt ihr nach den Helden fragen: Vom Marschall Vorwärts laßt euch sagen, Dem blanksten Schwert des Vaterlands; Die Welt durchhallten seine Siege, Doch nie zu Rostock seiner Wiege Vergaß der Greis im Lorbeerkranz. Den andern kennt ihr auch, den Alten, Der hoch und ernst, die Stirn in Falten, Ein Hüter wacht an Preußens Thron. Das ist des Kriegsgotts Wagenlenker, Das ist der kühne Schlachtendenker, Der Schweiger Moltke, Parchims Sohn. Drum stoßt im Saft der besten Reben, Stoßt an: Land Mecklenburg soll leben, Land Mecklenburg mit Schwert und Pflug! Die Perle gab es uns der Frauen Und jenes Paar mit greisen Brauen, Das unsres Ruhmes Schlachten schlug. Der Ulan Oktober 1870. Frühmorgens um vier, eh die Hähne noch krähn, Da sattelt sein Roß der Ulan Und reitet, den Feind und das Land zu erspähn, Den Waffengenossen voran. Hinjagt er durchs Blachfeld und pirscht durch den Forst, Hoch flattert sein Fähnlein im Wind, Und er lugt von der Höh' wie der Falke vom Horst Und wählt sich die Straße geschwind. In das sonnige Städtchen da sprengt er hinein, Am Rathaus hält er in Ruh': »Herr Maire, nun schenkt mir vom schäumenden Wein Und ein Frühstück gebt mir dazu! Und schafft mir die prächtigen Rinder daher, Die am Tor auf den Weiden ich sah, Und Hafer für zwanzig Schwadronen, Herr Maire, Denn die Preußen, die Preußen sind da.« Hei lustige Streife! Hei köstlicher Scherz, Wenn der Maire seine Bücklinge macht! Doch freudiger wächst dem Ulanen das Herz, Wenn die Schlacht durch die Ebene kracht; Wenn, die Zügel verhängt und die Lanz' in der Faust, Das Geschwader mit stiebendem Huf Auf den eisernen Rechen des Fußvolks braust Unter schallendem Hurraruf. Wohl spein die Haubitzen Verderben und Tod, Wohl deckt sich mit Leichen die Bahn, Und die Luft wird wie Blei, und die Erde wird rot, Doch vorwärts stürmt der Ulan. Und rinnt auch das Blut von den Schläfen ihm warm: Durch Geknatter und Kugelgesaus Kühn setzt er hinein in den dichtesten Schwarm Und holt sich den Adler heraus. Und »Viktoria« schallt's durchs Getümmel herauf, Schon wanken die feindlichen Reihn, Und das Wanken wird Flucht, und die Flucht wird Lauf, Der Ulan, der Ulan hinterdrein. Hinterdrein durch den Fluß, wo die Brücke verbrannt, Durch das Dorf, das der Bauer verließ, Mit Gott für König und Vaterland Hinterdrein, hinterdrein bis Paris. Dort gibt's einen Tanz noch im eisernen Feld, Bis der Franzmann den Atem verliert, Und Wilhelm der Sieger, der eisgraue Held, Im Louvre den Frieden diktiert. Doch wenn dann die blutige Arbeit getan, Und die Stunde der Heimkehr erschien, Wie reitet so stattlich im Glied der Ulan Am Einzugstag in Berlin! Da steht an den Linden die rosigste Dirn', Und sie jubelt vor Stolz und vor Lust: »O wie lieb' ich dich erst um die Narb' auf der Stirn Und das Eiserne Kreuz auf der Brust!« An Deutschland Januar 1871. Nun wirf hinweg den Witwenschleier, Nun gürte dich zur Hochzeitsfeier, O Deutschland, hohe Siegerin! Die du mit Klagen und Entsagen Durch vierundsechzig Jahr' getragen, Die Zeit der Trauer ist dahin; Die Zeit der Zwietracht und Beschwerde, Da du am durchgeborstnen Herde Im Staube saßest tiefgebückt, Und kaum dein Lied mit leisem Weinen Mehr fragte nach den Edelsteinen, Die einst dein Diadem geschmückt. Wohl glaubten sie dein Schwert zerbrochen, Wohl zuckten sie, wenn du gesprochen, Die Achsel kühl im Völkerrat, Doch unter Tränen wuchs im stillen Die Sehnsucht dir zum heil'gen Willen, Der Wille dir zur Kraft der Tat. Und endlich satt, die Schmach zu tragen, Zerrissest du in sieben Tagen Das Netz, das tödlich dich umschnürt, Und heischtest, mit beerztem Schritte Hintretend in Europas Mitte, Den Platz zurück, der dir gebührt. Und als der Erbfeind dann, der Franze, Nach deiner Ehren jungem Kranze Die Hand erhub von Neid verzehrt, Zur Riesin plötzlich umgeschaffen Wie stürmtest du ins Feld der Waffen, Behelmte, mit dem Flammenschwert! O große, gottgesandte Stunde, Da deines Haders alte Wunde Die heil'ge Not auf ewig schloß, Und wunderkräftig dir im Innern Aus alter Zeit ein stolz Erinnern, Ein Bild zukünft'ger Größe sproß! Wie Erz durchströmte deine Glieder Das Mark der Nibelungen wieder, Der Geist des Herrn war über dir, Und unterm Schall der Kriegsposaunen Aufpflanztest du, der Welt zum Staunen, In Frankreichs Herz dein Siegspanier. Da war dir bald, mit Blut beronnen, Des Rheins Juwel zurückgewonnen, Dein Kleinod einst an Kunst und Pracht, Und dessen leuchtend Grün so helle In Silber faßt die Moselwelle, Der lotharingische Smaragd. O laß sie nicht verglühn im Dunkeln! Verjüngten Glanzes laß sie funkeln Ins Frührot deiner Osterzeit! Denn horch, schon brausen Jubellieder, Und über deinem Haupte wieder Geht auf des Reiches Herrlichkeit. Durch Orgelton und Schall der Glocken Vernimmst du deines Volks Frohlocken? Den Heilruf deiner Fürstenschar? Sie bringen dir der Eintracht Zeichen, Die heil'ge Krone sondergleichen, Der Herrschaft güldnen Apfel dar. Auf Recht und Freiheit, Kraft und Treue Erhöhn sie dir den Stuhl aufs neue, Drum Barbarossas Adler kreist, Daß du, vom Fels zum Meere waltend, Des Geistes Banner hoch entfaltend, Die Hüterin des Friedens seist. Drum wirf hinweg den Witwenschleier! Drum schmücke dich zur Hochzeitsfeier, O Deutschland, mit dem grünsten Kranz! Flicht Myrten in die Lorbeerreiser! Dein Bräut'gam naht, dein Held und Kaiser Und führt dich heim im Siegesglanz. Zur Friedensfeier (18 Juni 1871.) Flammt auf von allen Spitzen, Ihr Feuer deutscher Lust, Und weckt mit euren Blitzen Ein Danklied jeder Brust! Das grause Spiel der Waffen Mit Gott ist's abgetan, Und, die das Schwert geschaffen, Die Palmenzeit bricht an. Preis dem Herrn, dem starken Retter, Der nach wunderbarem Rat Aus dem Staub uns hob im Wetter Und uns heut im Säuseln naht! Nun ward in eins geschmiedet, Was eitel Stückwerk war, Nun liegt das Reich umfriedet Vor Arglist und Gefahr. Vom Alpenglühn zum Meere, Vom Haff zur Mosel weht Das Banner deutscher Ehre In junger Majestät. Preis dein Herrn, dem starken Retter, Der nach wunderbarem Rat Aus dem Staub uns hob im Wetter Und uns heut im Säuseln naht! Wie braust von Stamm zu Stamme Ein Leben reich und stolz, Seit der Begeistrung Flamme, Was starr sich mied, verschmolz, Seit am vereinten Werke Des Südens Flügelkraft, Des Nordens klare Stärke Wetteifernd ringt und schafft! Preis dem Herrn, dem starken Retter, Der nach wunderbarem Rat Aus dem Staub uns hob im Wetter Und uns heut im Säuseln naht! Der in der Feuerwolke Voran uns zog im Krieg, Nun send' er unsrem Volke Die Kraft zum letzten Sieg, Die Kraft, auch aus den Herzen Der Lüge finstre Saat, Das Welschtum auszumerzen In Glauben, Wort und Tat. Preis dem Herrn, dem starken Retter, Der nach wunderbarem Rat Aus dem Staub uns hob im Wetter Und uns heut im Säuseln naht! Zieh ein zu allen Toren, Du starker, deutscher Geist, Der aus dem Licht geboren Den Pfad ins Licht uns weist, Und gründ' in unsrer Mitte Wehrhaft und fromm zugleich In Freiheit, Zucht und Sitte Dein tausendjährig Reich! Preis dem Herrn, dem starken Retter, Der nach wunderbarem Rat Aus dem Staub uns hob im Wetter Und uns heut im Säuseln naht!