Frühlingslieder 1. Kein Stern will grüßend funkeln, In Wolken hängt die Nacht; Doch geht durchs Tal im Dunkeln Ein Säuseln lau und sacht. Geheimnisvolles Wallen Kommt von den Wipfeln her, Einzelne Tropfen fallen Wie Tränen heiß und schwer. Mir ist, als könnt' ich spüren Im Wind, im Dufte der Flur, Wie sich die Kräfte rühren Der schaffenden Natur. Ach, mir im Busen ringt es So dunkelmächtig auch, Da brütet's, und da klingt es Bewegt vom Frühlingshauch. Es rührt der Saft sich wieder In meines Lebens Baum. Ist's Liebe? Sind es Lieder? Noch unterscheid' ich's kaum. 2. Tief im grünen Frühlingshag Durch die alten Rüstern Wandelt leis am schönsten Tag Wundersames Flüstern. Jedes Läublein spricht: »Gott grüß'!« Zu dem Laub daneben, Alles atmet tief und süß Heil'ges Friedensleben. Und wie Blüt' und Blatt am Strauch Still sich wiegt im Glanze, Wiegt sich meine Seel' im Hauch, Der durchströmt das Ganze. 3. Nun der Lenz im Forste wieder Klingend zieht durch alle Bäume, Kommen tages mir die Lieder, Kommen mir bei Nacht die Träume; Lieder, die vom Glücke sagen, Das dahinging mit der einen, Träume, die zu ihr mich tragen Und erwacht mich machen weinen. Und dazwischen Glanz der Sonne, Junger Leichtsinn, neues Sehnen, Alle tolle Frühlingswonne, Lachend in die frischen Tränen. Rastlos in die blühnden Heiden Stürm' ich fort, ohn' umzuwenden; Freuden stürmen nach und Leiden - Lenz, o Lenz, wie soll das enden!