Deutsches Aufgebot Aus einer Kantate. 1. Der Kaiser saß mit Schwert und Buch Im Stuhl aus Erz gediegen, Er wog das Recht und fand den Spruch, Und Groll und Hader schwiegen. Da scholl's am Tor wie Rosseshuf, Da hub sich lauter Jammerruf Im Gang und auf den Stiegen: 2. »Es brach der Erzverwüster, Der Heide brach ins Land, Von seinen Pfaden düster Zum Himmel raucht der Brand. Durch Hüttenschutt und Saaten Stürmt heulend seine Wut, Und seine Rosse waten Bis an den Zaum im Blut. Dem Greuel wie ein Rabe Fliegt das Gerücht voraus, Da greift entsetzt zum Stabe Das Volk und wandert aus. Sie schweifen ohne Stätte Dem scheuen Wilde gleich. O Kaiser, hilf und rette Vom Untergang das Reich!« 3. Und die Stirne des Kaisers ward finster wie Nacht, Und hinter sich stieß er den Sessel mit Macht, Hinwarf er den Mantel, den roten, Und er schlug an den Schild lautdröhnenden Schalls, Und es stoben, die Zügel verhängt, aus der Pfalz Nach allen vier Winden die Boten. Und die Gauen hindurch, wo die Donau schwillt, Wo die Elbe sich wälzt durch das Weizengefild', Wo den strudelnden Rhein sie befahren, Aufflammten die Feuer von Berg und von Turm, Und die Glocken erklangen und läuteten Sturm, Und zum Heerbann strömten die Scharen. 4. Horch, von den Dünen, Horch, aus dem Tann Wogen die kühnen Sachsen heran: Riesige Streiter Rötlichen Barts, Friesische Reiter, Jäger vom Harz. Blitzend im blanken Panzergeschmeid' Folgen die Franken Freudig zum Streit; Helmbüsche winken, Fahnen im Flug; Pauken und Zinken Führen den Zug. Siehst du den Leuen Dort im Panier? Hörst du es dräuen: Bayern allhier! Trutzig und bieder Schreiten sie hin, Eisern die Glieder, Eisern der Sinn. Horch, und im tausend- Stimmigen Chor Jubelt es brausend: Schwaben empor! Adlige Degen, Städtische Macht, Singend entgeger Ziehn sie der Schlacht. 5. Ins Lager nun zum Kampf geschmückt Sind die Geschwader eingerückt, Und vor dem Zelt des Kaisers weht Das Banner, drin der Engel steht. Doch drüben, wo das breite Feld Des Halbmonds Sichel trüb erhellt, Liegt, zahllos wie der Sand am Meer, Ein Drachenknäul, das Ungarheer. Da wühlt und wimmelt Hauf an Hauf, Vieltausend Feuer flackern auf, Unheimlich durch den roten Dampf Dröhnt Erzgeklirr und Hufgestampf. Roßschweife flattern wild und fremd, Der Stierhelm gleißt, das Schuppenhemd, In Schädelbechern kreist der Wein, Und gelle Lieder schallen drein: 6. Gesang der Ungarn Bei Wetters Gluten Sind wir gezeugt; Die Milch der Stuten Hat uns gesäugt; Wie Blitz drum zücken Wir durch die Welt, Und Rosses Rücken Ist unser Zelt. Hohussa, das rauchende Land zu durchstürmen, Das Mahl für die Geier und Wölfe zu türmen, Das ist's, was den Söhnen der Steppe gefällt! Glückflammend ist heute Das Opfer vollbracht; Unendliche Beute Verheißt uns die Schlacht! Mit Roß denn und Wagen Noch einmal ins Feld! Zum tödlichen Jagen Die Köcher bestellt! Hohussa, die Schwerter, die krummen, geschliffen! Wir packen die Krone mit blutigen Griffen, Und morgen gehört uns die zitternde Welt. 7. Chor der Priester Der du einst mit Donnerkrachen Dich zum Abgrund niederschwangst Und die Wut des Höllendrachen Mit dem Flammenschwert bezwangst, Komm vor unsrem Heer zu schreiten, Deutscher Waffen Kampfgesell! Fürst des Lichtes, hilf uns streiten, Hilf uns siegen, Michael! 8. Gesang des deutschen Heeres So schwören wir, getreuen Muts In Kampf und Todeswehen Bis auf den letzten Tropfen Bluts Für einen Mann zu stehen; Aus West und Ost, aus Süd und Nord, Deutschland heißt das Losungswort, Hie deutsches Reich für immer! Wir fragen nichts nach Ruhm und Glanz, Die sind gar bald verdorben; Uns hat die Not des Vaterlands, Die harte Not geworben. Für Weib und Kind, für Haus und Herd Zückten wir das scharfe Schwert, Zu siegen oder zu sterben. Komm an denn, Feind, wenn deutsches Mark Zu spüren dich gelüstet! Hie steht ein Volk in Eintracht stark, In Gottes Kraft gerüstet. Schmettre, Kriegsposaunenklang! Brause, brause, Schlachtgesang! Hie deutsches Reich für immer!