Romanze Überm Schloß und seinen Gärten Brütet heiß im Dunst der Mittag; Wie in einem Märchen wandl' ich Durch die schwüle Totenstille. Schlummertrunken um die Türme Hängt der Efeu; vor den Fenstern Liegen Schalter, mit geschloßnen Wimpern scheint das Haus zu träumen. Auch die hohen roten Blumen Nicken wie im Schlaf gespenstisch, Schweigend am verfallnen Springborn Sonnt sich eine grüne Schlange. Zum smaragdnen Ring verschlungen Züngelt sie und blickt mit klugen Augen zu mir auf, als wüßte Manch Geheimnis sie zu melden, Manch verschollenes Geheimnis Von der schönen Königstochter, Die des Abends hier gewandelt, Wenn der blonde Page seufzte, Von den Schwüren, die die Mondnacht Hört' im Dunkel jener Lauben, Von dem Blut, das dort geflossen, Wo die roten Blumen schwanken. Schon beschleicht ein heimlich Grauen Mir das Herz, da dröhnt die Schloßuhr Eins, und raschelnd in die Büsche Schlüpft zurück die grüne Schlange.