Herbstlieder 1. Nun strömet klar von oben Der Tag ins Land herein, Aus tiefem Blau gewoben Und lichtem Sonnenschein. Es will noch einmal blühen Der Wald, bevor er starb; Er prangt in goldnem Glühen Und lächelt purpurfarb. Und fern im Glanze schließet Sich Berg an Berg gereiht, Und Sabbatstille fließet Im Tale weit und breit. Was will dich's wundernehmen, O Freund, zu dieser Frist, Daß deine Brust ihr Grämen Wie einen Traum vergißt? Daß du der alten Sorgen Mit Lächeln nur gedenkst Und in den goldnen Morgen Dich voll und froh versenkst? O gib dich hin dem Frieden Und sauge diesen Glanz, Der aller Welt beschieden, In deine Seele ganz. Laß Ruh' und Lied sich gatten Bei frommem Harfenklang, Der letzten Trauer Schatten Versühne mit Gesang. Der Sonne heb entgegen Den Becher jungen Weins, Und heischt der Trunk den Segen, So wünsche segnend eins: Daß, wenn nach Freud' und Leide Dein Herz einst brechen will, Wie dieser Herbst es scheide So heiter, groß und still. 2. Ach, in diesen blauen Tagen, Die so licht und sonnig fließen, Welch ein inniges Genießen, Welche stillverklärte Ruh'! Heiter ist das Blut gezügelt, Leichter Schlaf und klarer Morgen Wissen nichts von bangen Sorgen, Und die Seele schweift beflügelt Jeder lieben Stelle zu. Ach, in diesen blauen Tagen, Die wie Wellen so gelinde Mich ins Leben weiter tragen, Muß ich hoffen, muß ich fragen, Ob ich nie dich wiederfinde, Liebling meiner Seele du! 3. Es schleicht um Busch und Halde Der Sonnenstrahl so matt, Im herbstlich stillen Walde Fällt langsam Blatt um Blatt. Die Welt versinkt in Todesruh', Was ist's denn mehr? Auch du, auch du, Mein Herz, du findest balde Die rechte Lagerstatt. Du brachst am Lebenssteige Die Früchte, die er bot, Der Jugend Rosenzweige, Der Minne Himmelsbrot. Doch endlich wird des Windes Raub Die letzte Lieb, das letzte Laub - So neige dich, o neige Dich lächelnd in den Tod.