Gelegenheitsgedichte Sprüche Einem Freunde ins Album 1863. Gesetzlos nicht und nicht geknechtet sein, Das war es, was der Vorwelt Sänger schon Als einzig hohes Glück der Staaten pries. Wer aber teilt das rechte Maß uns zu? Und fand es einer, wer gebeut dem Strom Der Zeit, bei diesem Maße stillzustehn? Denn ew'ge Wandlung ist der Welt Gesetz, Unwiderruflich wächst und stirbt die Pflanze, Und vom erklommnen Gipfel geht's hinab. Drum hadre nicht zu bitter, wenn noch oft Dem kühnen Freiheitsdrang in deiner Brust Die Schranke wehrt; nein, segne dein Geschick, Daß deine Spanne Leben in die Zeit Des Wachstums und des Aufwärtsstrebens fiel. Denn der Vollendung kurzen Tag zu schaun, Ist wenigen beschieden; niemals glänzt Sein goldner Strahl auf mehr als ein Geschlecht, Und süßer ist's, für der Entfaltung Recht Im frohen Kampf zu stehn, und, muß es sein, Zu fallen in des Werdens Zuversicht, Als, wenn die Kräfte der Bewegung erst Im Sieg verdarben, wider ihren Schwall Den Damm zu baun und eine morsche Welt Zu stützen, die aus allen Fugen geht.