AUS: LIEDER UND BALLADEN WIDMUNG Das meer gibt die muscheln der düne · Das land gibt die wasser dem meer – Viele sinds · doch ich gebe kühne Gesänge als erstlinge her · Der wind nehme grünblatt und weissblatt · Ohne früchte geschleuderte schar · Nehme weinblatt und rosblatt und geissblatt Losflatternd vom haar. Die nacht weht sie um mich in herden · Der tag treibt wie träume sie her. Die zeit streut wie schnee sie auf erden Und jagt sie in endloses meer. Bleiche blätter fruchtlos getötet Von flüchtigen jahren bedeckt · Die mit wein die mit blut angerötet Die von tränen befleckt – Die im staub mancher jahre verwittert Die dem kind auf die hand sich gesezt · In stillgrünen plätzen vergittert Gepflückt unter menschen erst jezt – Auf meeren voll wundern · in schluchten · An nördliche felsen gestreift · In inseln wo myrten nicht fruchten Und liebe nicht reift. Ihr töchter von träumen und märchen Die das leben noch immer nicht bannt: Faustina Dolores und Klärchen Julia und Amaranth! Werd ich ewig euch suchen müssen Wenn der schlaf · sei er wahr · sei er schaum · Zu mir kommt euch vergeblich zu küssen – Ihr töchter vom traum? Sie entwichen wie schlaf · wie auf gräsern Der tau alter dämmrungen weicht · So schwach wie ein schatten auf gläsern · Wie ein lied wie ein windzug so leicht. Nach der ebbe wie seewärts die wogen Erfüllt mit der finsternis fliehn: So die singvögel · die mich umflogen Dem blick sich entziehn. Toter jahre gesänge die jagen Auf vernehmlicher worte flug · Lose blätter vom strandwind verschlagen · Unbändiger vögel zug. Schon zur schulzeit mir manche gefielen Die leicht so in ton wie in schwung – Die jüngsten sind brüder von spielen · Die spätsten sind jung. Ist ein schutz während langsam es schwindet · Ist ein ohr für ein fliehendes lied Wie ein mann es zum harfenklang findet · Wie knaben es pfeifen im ried? Ist ein platz in der welt die ihr gründet · Ist ein raum in dem land eurer pracht · Wo nicht wechsel mit schmerz sich verbündet Und tag nicht mit nacht? Ob vom seewind ihr flügel auch zittert · Habt ihr nicht einen raum für sie hier Von grünenden flüssen umgittert In lieblicher lüfte revier? In feldern in turmigen mauern Schutz bei regen und glühendem schein Schönen wünschen und mildem bedauern Und liebe ganz rein? Im lichtland von märchen und farben – Die stunden drehn schattenlos um – Wo das feld voller prächtiger garben Und tönender blumen gesumm · Im wald wo der lenz halb verdüstert Sein sehnend errötend gesicht · Beim quell der für liebende flüstert: Empfangt ihr sie nicht? Der sorge singvögel die gurren Ihr lied wie zum feuer der dunst · Der wünsche sturmvögel die murren Laut-flatternd im winde der brunst · In dem windlauf – legt sich sein wüten – Zu der see fern vom lichte gebraust · Geschüttelt im dunkel wie blüten Nacheinander zerzaust. Ist die welt eurer hand auch an duft reich Und lieblicher hehrer erfüllt · Süss durch kunst mit dem warm-weichen luft-reich Ihrer schwebenden schwingen umhüllt: Lasst sie ein · unbeschwingte · verblasste · Alter liebe zu lieb – altem tag Und empfangt in dem bilder-palaste Dies reime-gelag. Ob die menschliche zeit voll verzichten Die jahre der jugend auch leert · Widersteht doch ein ding dem vernichten: Nie hat wechsel die treue versehrt. Hoffnung stirbt und ihr tod lässt uns wissen · Ihr glück wie ihr leiden entschwand · Eh die zeit – allzerreissend – zerrissen Um freunde das band. Vergehn auch in ein licht die vielen: Ist vom himmel zu hoffen erlaubt – Wenn vor wolken die strahlen auch fielen · Ist die welt auch der sonne beraubt: Sie hat mond und hat schlaf zum bescheide · Sinkt bräutlich und frisch – eine fee – Mit sternen und seewind im kleide Die nacht auf die see. FRAGOLETTA Wie · Liebe · soll man dich verstehn? Der freude sohn gezeugt durchs leid! Willst du gesichtlos sehn? Willst du geschlechtlos gehn Als knab oder maid? Von lippen seltsam träumt ich da · Von wangen wo zweideutig blut Gleich einer rose sah · Gleich einer rose – ja – Die knospend ruht. Welch land erzog dich? welches moos Verbarg dich blume wundersam? O liebes-doppelros – Lockst tauben mit gekos Zu blum und stamm! Ich mag nicht küssen dass mein mund Nicht härter als ein hauch dir droht · Dein süsses leben wund · Dein süsses laub zu grund Fällt blutig tot. Zeig deinen hals wie glanz der firnen Und deiner lippen taubenpaar! Sag: Venus hat nicht dirnen Nicht frauenlockenstirnen In ihrer schar. Süss flache brust · haupt dichtgehaart · Sanft grade hüfte · schlanker fuss · Jungfräulich fremde art – Sind sie nicht allzu zart Zum liebesgruss? Wie grüsst man dich? welch neuer nam – Der alle rührte – rührt dich weib · Dich taub für liebe und scham · Die Liebes-schwester kam Aus gleichem leib? O lieb · des mädchens mund ist kalt Und einfach rot ihr busen spriesst · Ihr haar ist gold und smalt Das immer gleicherfalt Ihr haupt umschliesst. Doch ist dein mund voll feuers und weins – Ich küsse deine brache brust ... So lehnt mein herz an deins · So lehnt dein haupt an meins Zu meiner lust! Die schlange sizt in deinem haar · In aller locken welle und strich Und deines busens blume gar! Dein mund zu hold fürwahr Für kuss und stich ... Mein arm umhüllt dein antlitz gut · Mein mund brennt auf dir wie ein strahl · Und wo mein kuss geruht Springt blumengleich dein blut Zum kusses-mal. Gift das in solcher süsse schleicht! O sterbensmüder taubengruss! Ihr flügel ist zu leicht Und dem des panthers gleicht Der liebe fuss. SAPPHISCHE STROFEN All die nacht durch traf nicht der schlaf mein auglid · Goss nicht tau · entfaltete keine feder · Schloss die lippen fest und metallnen auges Stand er und sah mich. Mir dem wach daliegenden kam ein traumbild Ohne schlummer über das meer · mich rührend · Rührte sanft mir lippe und lid und ich dann · Voll von dem traumbild · Sah wie weiss unsöhnbar die Aphrodite Losen haares ohne sandal am fusse Schien mit glut von westlichen meeressonnen · Sah den gesträubten Fuss · die straffen federn des taubenzuges · Schauend immer · schauend den hals gewendet Rück nach Lesbos · rück zum gebirg worunter Schien Mitylene · Hörte hinter ihr der eroten fliehen Auf den wassern plötzliche donner machend Wie der donner fährt von den stark entspannten Schwingen des sturmwinds. So verliess die göttin ihr heim mit furchtbarm Schall von tritt und donner von schwingen um sie · Während rückwärts singender fraun gelärme Drangen durchs zwielicht. O des sangs · der seligkeit · o der gierde! Die eroten lauschten in tränen · angst-siech Standen die neun musen gekrönt um Phöbus · Furcht lag auf ihnen · Da die zehnte sang: ihnen fremde wunder. O die zehnte Lesbische! alle schwiegen · Keine trug den schall dieses lieds vor weinen · Lorbeer auf lorbeer Dorrten alle kränze · doch ihr ums haupt her Rings um ihre flechten und aschnen schläfen Weiss wie grabschnee · bleicher als gras im sommer · Küsse-verwüstet · Schien ein licht von feuer als ewge krone · Ja fast die unsöhnbare Aphrodite Hielt und weinte fast · so ein sang war der sang. Ja auch bei namen Rief sie: zu mir wende dich · meine Sappho! Doch sie · abgewandt den eroten · sah nicht Tränen statt gelächter der göttin auge Trüben · vernahm nicht Schreckhaft stosshaft schwingen der taubenflügel · Sah nicht · dass der busen der Aphrodite Weinend bebte · sah nicht ihr bebend kleid · ihr Ringen der hände · Sah die Lesbier über zerschlagne lauten Küssend · lippen süsser als lautenstränge · Mund auf mund und hand zwischen hand der trauten · Schöner als männer · Sah allein die lippen und schönen finger · Voll von sang und küssen und kleinem wispern · Voll von tönen · schaute nur unter ihnen Steigen wie vögel Neulings flück · den sichtbaren sang · ein wunder Von vollkommenem ton und liebesunmass · Süss geformt und furchtbar voll donners trug er Schwingen des windes. Dann entzückt und lachend vor liebe streut sie Rosen · hehre rosen von heiliger blüte · Die eroten hüllten sich trüb und drängten Um Aphrodite · Und die musen schwiegen · ins herz getroffen · Götter wurden bleich · so ein sang war der sang · Alle sträubend · alle mit frischem schauder Flüchteten vor ihr ... Alle flohn seit längst und das land ward öde · Voll von brachen frauen und tönen einzig. Jezt vielleicht · wenn winde sich abends legen · Lullend beim taufall · Kehrt zum grauen seestrand die unerlöste Ungeliebte im dämmerlicht ungesehne Schar zurück der klagend verworfnen fraun die Lethe nicht reinigt · Rings umhüllt von tränen und glut und singend · Und das herz des himmels erschüttert pochend Und das herz der erde vor mitleid brechend · Hört sie zu hören. EINE BALLADE VOM TRAUMLAND Ich barg mein herz in ein nest von rosen Weit von dem sonnenweg niederwärts · So weich kann nicht weicher schnee mit ihm kosen – Unter den rosen barg ich mein herz. Was wollt es nicht schlummern? was sollt es nicht weilen Wenn niemals ein blatt von dem rosenbaum schwang? Was liess ihm den schlaf aufflatternd enteilen? Nur eines heimlichen vogels gesang. Lieg still! sprach ich: schwingen des windes ruhten. Das laub dämpft milde den stechenden strahl. Lieg still! denn der wind schläft warm auf den fluten Unstäter wie du ist der wind nicht einmal. Hat dich wie ein dorn ein gedanke getroffen? Verlezt dich noch zögernder hoffnung fang? Was hält deines schlafes lider noch offen? Nur eines heimlichen vogels gesang. Vom grünen land das ein zauber umgreifet Schrieb niemals den namen ein wanderer auf Und süssere frucht als auf bäumen dort reifet Kam niemals auf einem markte zu kauf. Die schwalben des traums ziehn im trüben gefilde · Wie schlaf ist in allen wipfeln der klang · Dort droht in den wäldern kein bellen dem wilde · Nur eines heimlichen vogels gesang. ZUEIGNUNG Im lande der träume ersah ich mein ziel · Dort schlaf ich und hör nichts den sommer lang Von liebe in treue von liebe im spiel – Nur eines heimlichen vogels gesang. LIED Liebe legt ihr schlaflos gesicht Auf dornige rosige schicht · Ihre augen von tränen waren rot · Ihre lippen waren bleich und tot. Und angst mit hohn und gram An ihr bett zu wachen kam · Bis die nacht überwältigt entfloh Und die welt wieder morgen-froh. Und freude kam mit dem tag Und küsst' ihren mund der da lag · Und der wächter gespenstische schar Vom kissen entwichen war. Mit dem frührot ward hell ihr gesicht · Ihre lippen wurden rosig und licht. Herrscht der gram auch durch eine nacht: Am tag hat die lust wieder macht.