TRAURIGE TÄNZE [Des erntemondes ungestüme flammen] Des erntemondes ungestüme flammen Verloschen · doch sie wirken in uns beiden · Nach kurzer trennung schritten wir zusammen Am alten flusse mit den neuen leiden. Zum ersten male strittest du darüber · Ich selber konnte dir nicht mehr erklären Warum die sturm- und wintertage trüber Warum die frühlingslüfte froher wären. Du streichest zürnend über deine locken Da ich dich heute schon so ruhig finde .. Ich klage fast: sind meine tränen trocken · Die tränen fern von Lilia dem kinde? [Der raum mit sammetblumigen tapeten] Der raum mit sammetblumigen tapeten So waren sie zur zeit der ahnin mode – An meinem arme bist du eingetreten. Nun reden wir vom guten tode. Die starren eisesranken an den scheiben Entrücken uns den welten wo wir gingen · Des herdes flammen zuckend sich umschlingen · Vor ihnen lass uns eine weile bleiben. – So glaubst du fest dass auch das spiel der musen Ihn den sie liebten niemals wieder freue – Und ist das reiche licht in deinem busen Auch ganz erloschen? sag es mir in treue! [Es lacht in dem steigenden jahr dir] Es lacht in dem steigenden jahr dir Der duft aus dem garten noch leis. Flicht in dem flatternden haar dir Eppich und ehrenpreis. Die wehende saat ist wie gold noch · Vielleicht nicht so hoch mehr und reich · Rosen begrüssen dich hold noch · Ward auch ihr glanz etwas bleich. Verschweigen wir was uns verwehrt ist · Geloben wir glücklich zu sein Wenn auch nicht mehr uns beschert ist Als noch ein rundgang zu zwein. [Gib ein lied mir wieder] Gib ein lied mir wieder Im klaren tone deiner freudentage – Du weisst es ja: mir wich der friede Und meine hand ist zag. Wo dunkle seelen sinnen Erscheinen bilder seltne hohe · Doch fehlt das leuchtende erinnern · Die farbe hell und froh. Wo sieche seelen reden Da lindern schmeichelhafte töne · Da ist die stimme tief und edel Doch nicht zum sang so schön. [Das lied das jener bettler dudelt] Das lied das jener bettler dudelt Ist wie mein lob das dich vergeblich lädt · Ist wie ein bach der fern vom quelle sprudelt Und den dein mund zu einem trunk verschmäht. Das lied das jene blinde leiert Ist wie ein traum den ich nicht recht verstand · Ist wie mein blick der nur umschleiert In deinen blicken nicht erwidrung fand. Das lied das jene kinder trillern Ist fühllos wie die worte die du gibst · Ist wie der übergang zu stillern Gefühlen wie du sie allein noch liebst. [Drei weisen kennt vom dorf der blöde knabe] Drei weisen kennt vom dorf der blöde knabe Die wenn er kommt sich ständig wiederholen: Die eine wie der väter hauch vom grabe Die eh sie starben sich dem herrn befohlen. Die andre hat die tugendhafte weihe Als ob sie schwestern die beim spinnrad sassen Und mägde sängen die in langer reihe Vor zeiten zogen auf den abendstrassen. Die dritte droht – versündigung und rache – Mit altem dolch in himmel-blauer scheide · Mit mancher sippe angestammtem leide · Mit bösen sternen über manchem dache. [Stätte von quälenden lüsten] Stätte von quälenden lüsten Wo ihr gestrandet seid – Lass deine sonnigen küsten · Folge dem strengen bescheid! Mach dass dein ruder erstarke! Langsam ohne gefahr Schaukelt dann deine barke Fort mit dem sinkenden jahr. Nicht vor der eisigen firnen Drohendem rätsel erschrick Und zu den ernsten gestirnen Hebe den suchenden blick! [Die wachen auen lockten wonnesam] Die wachen auen lockten wonnesam · Im veilchenteppich kam sie an das gitter Geschmückt wie jährig für den bräutigam Und dachte sein bis nach dem fest der schnitter. Nur eine lerche die im haine schlug Bemerkte ihr erröten und erschrecken Und wie in sommer-langer tage zug Sie sann und welkte bei den eiben-hecken Von ihrer schlanken anmut spricht allein Bei perlenschnüren eine seidne locke Die eine fromme freundin birgt im schrein .. Und schlichtes gras mit einem marmorblocke. [Da kaum noch sand im stundenglase läuft] Da kaum noch sand im stundenglase läuft So zieh ihm nach dem wandrer tau-beträuft · Die heisse luft verwehte ihn geschwind · Den freund der blumen und der sterne kind · Der eines morgens vor dem schnitt der saat Die hände traurig vor die stirne tat Und durch wer weiss welch frühen fluch gemahnt Im heut den lezten jugendtag geahnt · Der durch kein sonnenschmeicheln mehr erweicht Solang er schön war ohne klage leicht Gleich einem sommervogel überm ried An jenem tag aus unsren kreisen schied. [Trauervolle nacht] Trauervolle nacht! Schwarze sammetdecke dämpft Schritte im gemach Worin die liebe kämpft. Den tod gab ihr dein wunsch · Nun siehst du bleich und stumm Sie auf der bahre ruhn · Es stecken lichter drum. Die lichter brennen ab · Du eilest blind hinaus Nachdem die liebe starb – Und weinen schallt im haus. [Wir werden nicht mehr starr und bleich] Wir werden nicht mehr starr und bleich Den früheren liebeshelden gleich · An trübsal waren wir zu reich · Wir zucken leis und dulden weich. Sie hiessen tapfer · hiessen frei Trotz ihrer lippen manchem schrei · Wir litten lang und vielerlei Doch schweigen müssen wir dabei. Sie gingen um mit schwert und beil · Doch streiten ist nicht unser teil · Uns ist der friede nicht mehr feil Um ihrer güter weh und heil. [Ich weiss du trittst zu mir ins haus] Ich weiss du trittst zu mir ins haus Wie jemand der an leid gewöhnt Nicht froh ist wo zu spiel und schmaus Die saite zwischen säulen dröhnt. Hier schreitet man nicht laut nicht oft · Durchs fenster dringt der herbstgeruch Hier wird ein trost dem der nicht hofft Und bangem frager milder spruch. Beim eintritt leis ein händedruck · Beim weiterzug vom stillen heim Ein kuss – und ein bescheidner schmuck Als gastgeschenk: ein zarter reim. [Dies leid und diese last: zu bannen] Dies leid und diese last: zu bannen Was nah erst war und mein. Vergebliches die arme spannen Nach dem was nur mehr schein · Dies heilungslose sich betäuben Mit eitlem nein und kein · Dies unbegründete sich sträuben · Dies unabwendbar-sein. Beklemmendes gefühl der schwere Auf müd gewordner pein · Dann dieses dumpfe weh der leere · O dies: mit mir allein! [Nicht ist weise bis zur lezten frist] Nicht ist weise bis zur lezten frist Zu geniessen wo vergängnis ist. Vögel flogen südwärts an die see · Blumen welkend warten auf den schnee. Wie dein finger scheu die müden flicht! Andre blumen schenkt dies jahr uns nicht · Keine bitte riefe sie herbei · Andre bringt vielleicht uns einst ein mai. Löse meinen arm und bleibe stark · Lass mit mir vorm scheidestrahl den park Eh vom berg der nebel drüber fleucht · Schwinden wir eh winter uns verscheucht! [Keins wie dein feines ohr] Keins wie dein feines ohr Merkt was tief innen singt · Was noch so schüchtern schwingt · Was halb sich schon verlor. Keins wie dein festes wort Sucht so bestimmt den trost In dem was wir erlost · Des wahren friedens hort. Keins wie dein fromm gemüt Bespricht so leicht den gram .. Der eines abends nahm Was uns im tag geglüht. [Mir ist kein weg zu steil zu weit] Mir ist kein weg zu steil zu weit Den ich nicht ginge – mein geleit – Mit dir · uns ängstet keine kluft Und SÜHNE steht auf jeder gruft. So kreuzen wir in wehmut nur Der freudlos grauen aschen flur Mit ihrem dürren gras und dorn · Doch rein von reue · rein von zorn. Mein feuchtes auge späht nur fern Nach diesem EINEN aus der gern Die harfe reich und wol gestimmt · Der unsre goldne harfe nimmt. [Die stürme stieben über brache flächen] Die stürme stieben über brache flächen Und machen heller ahnung voll die runde · Da wollen sich erstickte fluren rächen · Da zittert seufzen aus dem bergesschlunde. Es scheint als ob die schrecklich fernen grollen · Doch eine stimme mahnt aus friedensföhren: Hast du mir ehdem nicht versprechen sollen Der gräber ruh mit klage nie zu stören! Ich zog vorbei am winterlichen pfahle Vor dem wir nie in leerem weinen knieten · Ich bat dich nur der bald ihn sieht dem strahle Des frohen lenzes meinen gruss zu bieten. [Geführt vom sang der leis sich schlang] Geführt vom sang der leis sich schlang · Dir ward er leicht der ufergang. Ich sah der höhen dichten rauch Verjährtes laub und distelstrauch. Dein auge schweift schon träumerisch Auf eine erde gabenfrisch · Denn dein gedanke flattert fort Voraus zu einem sichern hort. Ich frage noch: wer kommt wenn sanft Die gelbe primel nickt am ranft Und sich das wasser grün umschilft Der mir den mai beginnen hilft? [Entflieht auf leichten kähnen] Entflieht auf leichten kähnen Berauschten sonnenwelten Dass immer mildre tränen Euch eure flucht entgelten. Seht diesen taumel blonder Lichtblauer traumgewalten Und trunkner wonnen sonder Verzückung sich entfalten. Dass nicht der süsse schauer In neues leid euch hülle – Es sei die stille trauer Die diesen frühling fülle. [Langsame stunden überm fluss] Langsame stunden überm fluss · Die welle zischt wie im verdruss Da von dem feuchten wind gefrischt Ein schein bald blendet bald verwischt. Wir standen hand in hand am strand Da sah sie ähren in dem sand · Sie trat hinzu und brach davon Und fand auf diesen tag den ton: Beginnend klang er hell und leicht Wie von dem ziel das wir erreicht Dann ward er dumpfer als sie sang Vom fernen glück – wie bang! wie lang! [Der hügel wo wir wandeln liegt im schatten] Der hügel wo wir wandeln liegt im schatten · Indes der drüben noch im lichte webt Der mond auf seinen zarten grünen matten Nur erst als kleine weisse wolke schwebt. Die strassen weithin-deutend werden blasser · Den wandrern bietet ein gelispel halt · Ist es vom berg ein unsichtbares wasser Ist es ein vogel der sein schlaflied lallt? Der dunkelfalter zwei die sich verfrühten Verfolgen sich von halm zu halm im scherz .. Der rain bereitet aus gesträuch und blüten Den duft des abends für gedämpften schmerz. [Flammende wälder am bergesgrat] Flammende wälder am bergesgrat · Schleppende ranken im gelbroten staat! Vor ihrem schlummer in klärender haft Hebst du die traube mit leuchtendem saft. Lang eh sie quoll mit dem sonnigen seim Brachtest du strauss und kranz mit heim Und du begrüssest den lohnenden herbst Da du von sommers schätzen erbst. Ihm ward die frucht zum genuss nicht bestellt Der sich nicht froh auch den knospen gesellt. Fragst du ihn so sagt er dir: weil Man mir nahm mein einzig heil .. [Der abend schwül . der morgen fahl und nüchtern] Der abend schwül · der morgen fahl und nüchtern Sind ewiger wechsel ihrer trüben reise · Sie ganz in tränen ganz in schmerz und schüchtern Bestimmten die gezogenen geleise. An hohen toren wo sie eintritt heische Ist niemand der für ihre treue zeuge Und keine hand die fleisch von ihrem fleische Sich bis zu ihr herniederbeuge. So wird sie bald ergriffen vom getöse Bald kehrt sie um mit seiner schlimmen beute Und so wie früher murmelt sie noch heute Den spruch der nahend sie erlöse. [Ob schwerer nebel in den wäldern hängt] Ob schwerer nebel in den wäldern hängt: Du sollst im weiterschreiten drum nicht zaudern · Sprich mit den bleichen bildern ohne schaudern · Schon regen sie sich sacht hinangedrängt. Wenn gras und furche auf dem pfad versteinen · Gehäufter reif die wipfel beugt · versteh Zu lauschen auf der winterwinde weh Die mit den welken einsamkeiten weinen. So hältst du immer wach die müde stirn Und gleitest nicht herab von steiler bösche Ob auch das matt erhellte ziel verlösche Und über dir das einzige gestirn. [Da vieles wankt und blasst und sinkt und splittert] Da vieles wankt und blasst und sinkt und splittert Erstirbt das lied von dunst und schlaf umflutet Bis jäher stoss das mürbe laub zerknittert · Von ehmals wilde wunde wieder blutet – Bis plötzlich sonne zuckt aus nassen wettern · Ein schwarzer fluss die bleichen felder spreitet Und seltne donner durch die fröste schmettern .. Es merkt nur in dem zug der grabwärts gleitet Die fackeln zwischen den geneigten nacken · Der klänge dröhnen aus dem trauerprunke Und sucht ob unter rauhen leides schlacken Noch glimme ewig klarer freude funke. [Zu traurigem behuf] Zu traurigem behuf Erweckte sturm die flur · Aus finstrem tag entfuhr Ein todesvogel-ruf. Kaum zeigt der hügelrund Der grauen stunden flucht · Ein baum tiefhängend sucht Nach halmen überm grund. Schon taucht die wüstenei Zurück zum dunklen schacht – Ein ton von qual und nacht Bricht wie ein lezter schrei. [Ob deine augen dich trogen] Ob deine augen dich trogen Durch fallender äste hauf? Treiben die kämpfenden wogen Den strom hinauf? Du jagest nach und sie steigen Von fremden kräften erfasst · Wirbelndem rieselndem reigen Folgt die begehrende hast. Hüte dich! führe nicht weiter Das spiel mit schwerem kauf – Ziehen nicht deine begleiter Schon ihren alten lauf? [Ihr tratet zu dem herde] Ihr tratet zu dem herde Wo alle glut verstarb · Licht war nur an der erde Vom monde leichenfarb. Ihr tauchtet in die aschen Die bleichen finger ein Mit suchen tasten haschen – Wird es noch einmal schein! Seht was mit trostgebärde Der mond euch rät: Tretet weg vom herde · Es ist worden spät. [Wie in der gruft die alte] Wie in der gruft die alte Lebendige ampel glüht! Wie ihr karfunkel sprüht Um schauernde basalte! Vom runden fenster droben Entfliesst der ganze glanz · Von feuriger monstranz Mit goldumreiften globen Und einem weissen lamme – Und wenn die ampel glüht Und wenn ihr kleinod sprüht Ist es von eigner flamme? [Die jagd hat sich verzogen] Die jagd hat sich verzogen · Du bleibst mit trägem bogen · Blutspuren unter tannen – Horch welch ein laut! von wannen? Das ist kein lärm der rüden · Kein schrei der flüchtig-müden · Du lauschst am grund beklommen · Sollst du entgegenkommen? Nur still! schon dringt er näher. Dir schien verirrter späher Im widerschall der hiefe Dass jene stimme riefe. [Es winkte der abendhauch] Es winkte der abendhauch Mit dem geneigten glücke · Nimm und bewahr es auch Eh dir ein andrer es pflücke. Doch wie in fesseln geschnürt Jammert die seele erblassend Die glückes nähe spürt Es schauend und doch es nicht fassend. Da brachte der abendhauch Ihr die erlösende kunde: Meine trübste stunde Nun kennest du sie auch. [Willst du noch länger auf den kahlen böden] Willst du noch länger auf den kahlen böden Nach frühern vollen farben spähn · Auf früchte warten in den fahlen öden Und ähren von verdrängten sommern mähn? Bescheide dich wenn nur im schattenschleier Mild schimmernd du genossene fülle schaust Und durch die müden lüfte ein befreier Der wind der weiten zärtlich um uns braust. Und sieh! die tage die wie wunden brannten In unsrer vorgeschichte schwinden schnell .. Doch alle dinge die wir blumen nannten Versammeln sich am toten quell.